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        <title>Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant</title>
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Urtheilskraft 
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Immanuel Kant. 
Berlin und Libau , 
bey Lagarde und Friederich 
1790.
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        Vorrede. 
Men kann das Vermoͤgen der Erkenntnis aus 
Principien a priori die reine Vernunft und 
die Untersuchung der Moͤglichkeit und Grenzen der— 
selben uͤberhaupt die Critik der reinen Veruunft 
nennen, ob man gleich unter diesem Vermoͤgen nur 
die Vernunft in ihrem theoretischen Gebrauche ver⸗ 
steht, wie es auch in dem ersten Werke unter jener 
Benennung geschehen ist, ohne noch ihr Vermoͤgen, 
als practische Vernunft nach ihren besonderen Prin⸗ 
eipien in Untersuchung ziehen zu wollen. Jene 
geht alsdenn blos auf unser Vermoͤgen Dinge 
a priori zu erkennen und beschaͤftigt sich also nur 
mit dem Erkenntnisvermoͤgen, mit Ausschließung 
des Gefuͤhls der Lust und Unlust und des Begeh— 
rungsvermoͤgens, und unter den Erkenntnisvermoͤ⸗ 
gen mit dem Verstande, nach seinen Principien 
priori mit Ausschließung der Urtheilskraft 
4 
2
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        IV 
Vorrede.“ 
und der Vernunft (als zum theoretischen Er—⸗ 
kenntnis gleichfals gehoͤriger Vermoͤgen), weil es 
sich in dem Fortgange findet, daß kein anderes Er— 
kenntnisvermoͤgen, als der Verstand, constitutive 
Erkenntnisprincipien a priori an die Hand geben 
kann: so, daß die Critik, welche sie insgesamt, nach 
dem Antheile, den jedes der anderen an dem baaren 
Besitz der Erkenntnis aus eigener Wurzel zu haben 
vorgeben moͤchte, sichtet, nichts uͤbrig laͤßt, als 
was der Verstanda priori als Gesetz fuͤr die 
Natur, als Inbegrif von Erscheinungen (deren 
Form eben so wohl a priori gegeben ist) vorschreibt, 
alle andere reine Begriffe aber unter die Ideen ver⸗ 
weiset, die fuͤr unser theoretisches Erkenntnisver⸗ 
moͤgen uͤberschwenglich dabey aber doch nicht etwa 
umnuͤtz, oder entbehrlich sind, sondern, als regula⸗ 
tive Principien, theils die besorgliche Anmaßungen 
des Verstandes, als ob er (indem er a priori die 
Bedingungen der Moͤglichkeit aller Dinge, die er 
erkennen kann anzugeben vermag) dadurch auch die 
Moͤglichkeit aller Dinge uͤberhaupt in diesen Gren⸗ 
zen beschlossen habe, zuruͤck zu halten, theils um 
ihn selbst in der Betrachtung der Natur nach einem 
Prineip der Vollstaͤndigkeit wiewohl er sie nie er⸗ 
technhann, 
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heinem 
mie er: 
Vorrede. 
reichen kann, zu leiten und dadurch die Endabsicht 
alles Erkenntnisses zu befoͤrdern. 
Es war also eigentlich der Verstand der sein 
eigenes Gebiet und zwar im Erkenntnisvermoͤ⸗ 
gen hat, so fern er constitutive Erkenntnisprinci⸗ 
pien a priori enthaͤlt, welcher durch die im allge— 
meinen so benannte Critik der reinen Vernunft gegen 
alle uͤbrige Competenten in sicheren aber einigen Be— 
sitz gesetzt werden sollte. Eben so ist der Vernunft 
die nirgend als lediglich in Ansehung des Begeh⸗ 
rungsvermoͤgens constitutive Principien a priori 
enthaͤlt „ in der Critik der practischen Vernunft ihr 
Besitz angewiesen worden. 
Ob nun die Urtheilskraft, die in der Ordnung 
unserer Erkenntnisvermoͤgen zwischen dem Ver⸗ 
stande und der Vernunft ein Mittelglied ausmacht, 
auch fuͤr sich Principien à priori habe, ob diese con⸗ 
stitutiv oder blos regulativ sind (und also kein eige⸗ 
nes Gebiet beweisen) und ob sie dem Gefuͤhle der 
Lust und Unlust, als dem Mittelgliede zwischen dem 
Erkenntnisvermoͤgen und Begehrungsvermoͤgen, 
(eben so, wie der Verstand dem ersteren, die Ver⸗ 
nunft aber dem letzteren a priori Gesetze vor⸗ 
schreibt) a priori die Regel gebe: das ist es, wo⸗ 
4 
4
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        Vorrede. 
mit sich gegenwaͤrtige Critik der Urtheilskraft 
beschaͤftigt. 
VI 
Eine Critik der reinen Vernunft, d. i. unseres 
Vermoͤgens nach Principien a Priori zu urtheilen, 
wuͤrde unvollstaͤndig seyn, wenn die der Urtheils— 
kraft, welche fuͤr sich als Erkenntnisvermoͤgen dar⸗— 
auf auch Anspruch macht, nicht als ein besonderer 
Theil derselben abgehandelt wuͤrde; obgleich ihre 
Principien in einem System der reinen Philosophie 
keinen besonderen Theil zwischen der theoretischen 
und practischen ausmachen duͤrfen, sondern im 
Nothfalle jedem von beyden gelegentlich angeschlossen 
werden koͤnnen. Denn, wenn ein solches System 
unter dem allgemeinen Nahmen der Metaphysik 
einmal zu Stande kommen soll (welches ganz voll⸗ 
staͤndig zu bewerkstelligen moͤglich und fuͤr den Ge⸗ 
brauch der Vernunft in aller Beziehung boͤchst 
wichtig ist) so muß die Critik den Boden zu diesem 
Gebaͤude vorher so tief, als die erste Grundlage 
des Vermoͤgens von der Erfahrung unabhaͤngiger 
Principien liegt, erforscht haben, damit es nicht an 
irgend einem Theile sinke, welches den Einsturz des 
Ganzen unvermeidlich nach sich ziehen wuͤrde. 
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Vorrede. 
VII 
Man kann aber aus der Natur der Urtheils— 
kraft, (deren richtiger Gebrauch so nothwendig und 
allgemein erforderlich ist, daß daher unter dem Nah⸗ 
men des gesunden Verstandes' kein anderes, als 
eben dieses Vermoͤgen gemeynet wird) leicht ab⸗ 
nehmen, daß es mit großen Schwierigkeiten beglei⸗ 
tet seyn muͤsse, ein eigenthuͤmliches Princip dersel⸗ 
ben auszufinden (denn irgend eins muß es a priori 
in sich enthalten, weil es sonst nicht, als ein beson⸗ 
deres Erkenntnisvermoͤgen, selbst der gemeinsten 
Critik ausgesetzt seyn wuͤrde), welches gleichwohl 
nicht aus Begriffen a priori abgeleitet seyn muß; 
denn die gehoͤren dem Verstande an, und die Ur⸗ 
theilskraft geht nur auf die Anwendung derselben. 
Sie soll also selbst einen Begrif angeben, durch den 
eigentlich kein Ding erkannt wird, sondern der nur 
ihr selbst zur Regel dient, aber nicht zu einer obie⸗ 
etiven, der sie ihr Urtheil anpassen kann, weil dazu 
wiederum eine andere Urtheilskraft erforderlich seyn 
wuͤrde, um unterscheiden zu koͤnnen, ob es der Fall 
der Regel sey oder nicht. 
Diese Verlegenheit wegen eines Princips (es 
sey nun ein subjeetives oder objectives) findet sich 
hauptsaͤchlich in denjenigen Beurtheilungen, die man
        <pb n="12" />
        vnnnn Vorrede. 
aͤsthetisch nennt, die das Schoͤne und Erhabne, der 
Natur oder der Kunst, betreffen. Und gleichwohl 
ist die critische Untersuchung eines Princips der Ur⸗ 
theilskraft in denselben das wichtigste Stuͤck einer 
Critik dieses Vermoͤgens. Denn ob sie gleich fuͤr 
sich allein zum Erkenntnis der Dinge gar nichts bey⸗ 
tragen, so gehoͤren sie doch dem Erkenntnisvermoͤ⸗ 
gen allein an, und beweisen eine unmittelbare Be— 
ziebung dieses Vermoͤgens auf das Gefuͤhl der Lust 
oder Unlust nach irgend einem Princip a priori, 
ohne es mit dem, was Bestimmungsgrund des Be— 
gehrungsvermoͤgens seyn kann, zu vermengen, weil 
dieses seine Principien a Priori in Begriffen der 
Vernunft hat. — Was aber die logische Beur⸗ 
theilung der Natur anbelangt, da, wo die Erfahrung 
eine Gesetzmaͤßigkeit an Dingen aufstellt, welche zu 
verstehen oder zu erklaͤren der allgemeine Verstan⸗ 
desbegrif vom Sinnlichen nicht mehr zulangt und 
die Urtheilskraft aus sich selbst ein Princip der Be⸗ 
ziehung des Naturdinges auf das unerkennbare 
Uebersinnliche nehmen kann, es auch nur in Absicht 
auf sich selbst zum Erkenntnis der Natur brauchen 
muß, da kann und muß ein solches Princip a priori 
zwar zum Erkenntnis der Weltwesen angewandt 
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Vorrede. vrv 
werden und eroͤfnet zugleich Aussichten, die fuͤr die 
practische Vernunft vortheilhaft sind, aber es hat 
keine unmittelbare Beziehung aufs Gefuͤhl der Lust 
und Unlust, die gerade das Raͤthselhafte in dem 
Princip der Urtheilskraft ist, welches eine besondere 
Abtheilung in der Critik fuͤr dieses Vermoͤgen noth⸗ 
wendig macht, da die logische Beurtheilung nach Be⸗ 
griffen (aus welchen niemals eine unmittelbare Fol⸗ 
gerung aufs Gefuͤhl der Lust und Unlust gezogen 
werden kann) allenfalls dem theoretischen Theile der 
Philosophie, sammt einer eritischen Einschraͤnkung 
derselben, haͤtte angehaͤngt werden koͤnnen. 
Da die Untersuchung des Geschmackvermoͤ⸗ 
gens, als aͤsthetischer Urtheilskraft hier nicht zur Bil⸗ 
dung und Cultur des Geschmacks, (denn diese wird 
auch ohne alle solche Nachforschungen, wie bisher, so 
fernerhin, ihren Gang nehmen) sondern blos in trans⸗ 
scendentaler Absicht angestellt wird, so wird sie, wie 
ich mir schmeichle, in Ansehung der Mangelhaftigkeit 
jenes Zwecks auch mit Nachsicht beurtheilt werden. 
Was aber die letztere Absicht betrift, so muß sie sich auf 
die strengste Pruͤfung gefaßt machen. Aber auch da 
kann die große Schwierigkeit, ein Problem, welches 
die Natur so verwickelt hat, aufzuloͤsen, einiger nicht 
9 
Aun
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        ganz zu vermeidenden Dunkelheit in der Aufloͤsung 
desselben, wie ich hoffe, zur Entschuldigung dienen, 
wenn nur, daß das Princip richtig angegeben worden, 
klar gnug dargethan ist, gesetzt, die Art das Phaͤnomen 
der Urtheilskraft davon abzuleiten, habe nicht alle 
Deutlichkeit, die mananderwaͤrts, naͤmlich von einem 
Erkenntnis nach Begriffen mit Recht fordern kann, 
die ich auch im zweyten Theile dieses Werks erreicht 
zu haben glaube. 
Hiemit endige ich also mein ganzes critisches Ge⸗ 
schaͤft. Ich werde ungesaͤumt zum Doctrinalen schrei⸗ 
ten, um, wo moͤglich, meinem zunehmenden Alter die 
dazu noch einigermaßen guͤnstige Zeit noch abzuge⸗ 
winnen. Es versteht sich von selbst, daß fuͤr die Ur⸗ 
theilskraft darinn kein besonderer Theil sey, weil in 
Ansehung derselben die Critik statt der Theorie dient, 
sondern daß, nach der Eintheilung der Philosophie in 
die theoretische und practische und der reinen in eben 
solche Theile, die Metaphysik der Natur und die der 
Sitten jenes Geschaͤft aus machen werden. 
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Von der Eintheilung der Philosophie. 
Woern man die Philosophie, so fern sie Principien der 
Vernunfterkenntnis der Dinge (nicht blos, wie die Logik 
thut, die der Form des Denkens uͤberhaupt, ohne Unter⸗ 
schied der Objecte) durch Begriffe enthaͤlt, wie gewoͤhn⸗ 
lich, in die theoretische und practische eintheilt: so 
verfaͤhrt man ganz recht. Aber alsdenn muͤssen auch die 
Begriffe, welche den Principien dieser Vernunfterkennt⸗ 
nis ihr Object anweisen, specifisch verschieden seyn, weil 
sie sonst zu keiner Eintheilung berechtigen wuͤrden, welche 
jederzeit eine Entgegensetzung der Principien, der zu den 
verschiedenen Theilen einer Wissenschaft gehoͤrigen Ver⸗ 
nunfterkenntnis, voraussetzt. 
Es sind aber nur zweyerley Begriffe, welche eben 
so viel verschiedene Principien der Moͤglichkeit ihrer Ge⸗ 
genstaͤnde zulassen, naͤmlich di Naturbegriffe und der 
Freyheitsbegrif. Da nun die erstere ein theoreti⸗
        <pb n="16" />
        XxII 
Einleitung. 
sches Erkenntnis nach Priucipien a priori moͤglich ma⸗ 
chen, der zweyte aber in Ansehung derselben nur ein 
negatives Princip (der bloßen Entgegensetzung) schon in 
seinem Begriffe bey sich fuͤhrt, dagegen fuͤr die Willens⸗ 
bestimmung erweiternde Grundsaͤtze, welche darum pra⸗ 
ctisch heissen, errichtet: so wird die Philosophie in zwey, 
den Principien nach ganz verschiedene Theile, in die 
theoretische als Naturphilosophie und die practische 
als Moralphilosophie (denn so wird die practische 
Gesetzgebung der Wernunft nach dem Freyheitsbegriffe 
genannt) mit Recht eingetheilt. Es hat aber bisher ein 
großer Misbrauch mit diesen Ausdruͤcken zur Einthei— 
lung der verschiedenen Principien, und mit ihnen auch 
der Philosophie, geherrscht: indem man das Practische 
nach Naturbegriffen mit dem Practischen nach dem Frey⸗ 
heitsbegriffe fuͤr einerley nahm, und so, unter denselben 
Benennungen einer theoretischen und practischen Philo⸗ 
sophie, eine Eintheilung machte, durch welche (da beyde 
Theile einerley Principien haben konnten) in der That, 
nichts eingetheilt war. 
Der Wille, als Begehrungsvermoͤgen, ist naͤmlich 
eine von den mancherley Naturursachen in der Welt, 
naͤmlich diejenige, welche nach Begriffen wirkt, und 
alles, was als durch einen Willen moͤglich (oder noth— 
wendig) vorgestellt wird , heißt practisch⸗ moͤglich (oder 
nothwendig) zum Unterschiede von der physischen Moͤg⸗ 
lichkeit oder Nothwendigkeit einer Wirkung, wozu die 
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g 
AdNe 
Eiuleitung. 
XIII 
Ursache nicht durch Begriffe (sondern, wie bey der leblo⸗ 
sen Materie, durch Mechanism und, bey Thieren, durch 
Instinkt) zur Caussalitaͤt bestimmt wird. — Hier wird 
nun in Ansehung des Practischen unbestimmt gelassen: 
ob der Begrif, der der Caussalitaͤt des Willens die Regel 
giebt, ein Naturbegrif, oder ein Freyheitsbegrif sey. 
Der letztere Unterschied aber ist wesentlich: denn ist 
der die Caussalitaͤt bestimmende Begrif ein Naturbegrif, 
so sind die Principien technisch-practisch ist er aber 
ein Freyheitsbegrif, so sind diese moralisch-practisch 
und weil es in der Eintheilung einer Vernunftwissen⸗ 
schaft gaͤnzlich auf diejenige Verschiedenheit der Gegen⸗ 
staͤnde ankommt, deren Erkenntuis verschiedener Princi⸗ 
pien bedarf, so werden die erstere zur theoretischen Philo⸗ 
sophie (als Naturlehre) gehoͤren , die zweyten aber ganz 
allein den zweyten Theil, naͤmlich (als Sittenlehre) die 
practische Philosophie ausmachen. 
Alle technisch⸗practische Regeln (d. i. die der Kunst 
und Geschicklichkeit uͤberhaupt, oder auch der Klugheit, 
als einer Geschicklichkeit auf Menschen und ihren Willen 
Einfluß zu haben), so fern ihre Principien auf Begriffen 
beruhen, muͤssen nur als Corollarien zur theoretischen 
Philosophie gezaͤhlt werden. Denn sie betreffen nur 
die Moͤglichkeit der Dinge nach Naturbegriffen , wozu 
nicht allein die Mittel, die in der Natur dazu anzutreffen 
sind, sondern selbst der Wille (als Begehrungs- mithin 
als Naturvermoͤgen) gehoͤrt, so fern er durch Triebfe⸗
        <pb n="18" />
        xitv Einleitung. 
dern der Natur jenen Regeln gemaͤs bestimmt werden 
kann. Doch heißen dergleichen practische Regeln nicht 
Gesetze (etwa so wie phystsche) sondern nur Vorschriften, 
und zwar darum, weil der Wille nicht blos unter dem 
Naturbegriffe, sondern auch unter dem Freyheitsbegriffe 
steht, in Beziehung auf welchen die Principien desselben 
Gesetze heissen und, mit ihren Folgerungen, den zweyten 
Theil der Philosophie, naͤmlich den practischen allein 
ausmachen. 
So wenig also die Aufloͤsung der Probleme der rei⸗ 
nen Geometrie zu einem besonderen Theile derselben ge⸗ 
hoͤrt, oder die Feldmeßkunst den Nahmen einer practi⸗ 
schen Geometrie, zum Unterschiede von der reinen, als 
ein zweyter Theil der Geometrie uͤberhaupt verdient: so 
und noch weniger, darf die mechanische oder chemische 
Kunst der Experimente oder der Beobachtungen, fuͤr 
einen practischen Theil der Naturlehre, endlich die Haus⸗ 
Land-Staatswirthschaft, die Kunst des Umganges, die 
Vorschrift der Diaͤtetik, selbst nicht die allgemeine Gluͤck⸗ 
seeligkeitslehre „sogar nicht einmal die Bezaͤhmung der 
Reigungen und Baͤndigung der Affecten zum Behuf der 
letzteren zur practischen Philosophie gezaͤhlt werden, oder 
die letzteren wohl gar den zweyten Theil der Philosophie 
uͤberhaupt ausmachen; weil ste insgesammt nur Regeln 
der Geschicklichkeit, die mithin nur technisch-practisch 
sind, enthalten, um einesWirkung hervorzubringen / die, 
nach Naturbegriffen der Ursachen und Wirkungen moͤg⸗ 
bchh helche 
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ictisch 
Rie, 
noͤ⸗ 
Einleitung. xXv 
lich ist, welche, da sie zur theoretischen Philosophie ge— 
hoͤren, jenen Vorschriften als bloßen Corollarien aus 
derselben (der Naturwissenschaft), keine Stelle in einer 
besonderen Philosophie, die practische genannt, ver⸗ 
langen koͤnnen. Dagegen machen die moralisch⸗prac— 
tische Vorschriften, die sich gaͤnzlich auf dem Freyheits⸗ 
begriffe, mit voͤlliger Ausschließung der Bestimmungs⸗ 
gruͤnde des Willens aus der Natur, gruͤnden, eine 
ganz befondere Art von Vorschriften aus, welche auch, 
gleich denen Regeln, denen die Natur gehorcht, 
schlechthin Gesetze heissen, aber nicht, wie diese, auf 
siulichen Bedingungen, sondern auf einem uͤbersinn⸗ 
lichen Princip beruhen und, neben dem theoretischen 
Theile der Philosophie, fuͤr sich ganz allein, einen an⸗ 
deren Theil, unter dem Nahmen der practischen Phi— 
losophie, fordern. 
Man siehet hieraus daß ein Inbegrif practischer 
Vorschriften, welche die Philosophie giebt, nicht einen 
besonderen, dem theoretischen zur Seite gesetzten, 
Theil derselben darum ausmache, weil sie practisch 
sind; denn das koͤnnten sie seyn wenn ihre Principien 
gleich gaͤnzlich aus der theoretischen Erkenntnis der 
Natur hergenommen waͤren, (als technisch-practische 
Regeln), sondern weil und wenn ihr Princip gar nicht 
vom Naturbegriffe, der jederzeit sinnlich bedingt ist, 
entlehnt ist, mithin auf dem Uebersinnlichen, welches 
der Freyheitsbegrif allein durch formale Gesetze kenn⸗
        <pb n="20" />
        xvi Finleitung. 
bar macht, beruht, und sie also moralisch-practisch, 
d. i. nicht blos Vorschriften und Regeln in dieser oder 
jenen Absicht, sondern, ohne vorgehende Bezugneh— 
mung auf Zwecke und Absichten, Gesetze sind. 
II. 
So weit Begriffe a priori ihre Anwendung haben, 
so weit reicht der Gebrauch unseres Erkeuntnisvermoͤ⸗ 
gens nach Principien, und mit ihm die Philosophie. 
Der Inbegrif aller Gegenstaͤnde aber, worauf jene 
Begriffe bezogen werden, um, wo moͤglich, ein Erkennt⸗ 
nis derselben zu Stande zu bringen, kann, nach der ver⸗ 
schiedenen Zulaͤnglichkeit oder Unzulaͤnglichkeit unserer 
Vermoͤgen zu dieser Absicht, eingetheilt werden. 
Begriffe, so fern sie auf Gegenstaͤnde bezogen wer⸗ 
den, unangesehen, ob ein Erkenntnis derselben moͤglich 
sey oder nicht, haben ihr Feld, welches blos nach dem 
Verhaͤltnisse , das ihr Object zu unserem Erkenntnisver⸗ 
moͤgen uͤberhaupt hat, bestimmt wird. — Der Theil 
dieses Feldes „ worinn fuͤr uns Erkenntnis moͤglich ist, 
ist ein Boden (territorium fuͤr diese Begriffe und das 
dazu erforderliche Erkenntnisvermoͤgen. Der Theil 
des Bodens, worauf diese gesetzgebend sind , ist das 
Gebiet (ditio) dieser Begriffe, und der ihnen zustehenden 
Erkenntnisvermoͤgen. Erfahrungsbegriffe haben also 
zwar ihren Boden in der Natur als dem Inbegriffe aller 
Gegen⸗ 
Vom Gebiete der Philosophie uͤberhaupt. 
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        icrathh 
— bder 
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vorauf jene 
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nthisder⸗ 
— 
(alich is, 
und das 
dr deil 
ist das 
tehenden 
hen alsd 
iffe aller 
Einleitung. xvui 
Gegenstaͤnde der Sinne, aber kein Gebiet (sondern nur 
ihren Aufenthalt, domicilium); weil sie zwar gesetzlich 
erzeugt werden, aber nicht gesetzgebend sind, sondern die 
auf sie gegruͤndete Regeln empirisch, mithin zufaͤllig 
sind. 
Unser gesamtes Erkenntnisvermoͤgen hat zwey Ge⸗ 
biete, das der Naturbegriffe und das des Freyheitsbegrifs; 
denn durch beyde ist es à priori gesetzgebend. Die Phi⸗ 
losophie theilt sich nun auch, diesem gemaͤs, in die theo⸗ 
retische und practische. Aber der Boden, auf dem ihr 
Gebiet errichtet wird, und auf welchem ihre Gesetzgebung 
ausgeuͤbt wird, ist immer doch nur der Inbegrif 
der Gegenstaͤnde aller moͤglichen Erfahrung, so fern 
sie fuͤr nichts mehr als bloße Erscheinungen genom⸗ 
men werden; denn ohne das wuͤrde keine Gesetzgebung 
des Verstandes in Ansehung derselben gedacht werden 
koͤnnen. — 
Die Gesetzgebung durch Naturbegriffe geschieht durch 
den Verstand und ist theoretisch. Die Gesetzgebung durch 
den Freyheitsbegrif geschieht von der Vernunft, und ist 
blos practisch. Nur allein im practischen kann die Ver⸗ 
nunft gesetzgebend seyn; in Ansehung des theoretischen 
Erkenntnisses (der Natur) kan sie nur (als gesetzkundig, 
vermittelst des Verstandes) aus gegebenen Gesetzen durch 
Schluͤsse Folgerungen ziehen, die doch immer nur bey 
der Natur stehen bleiben. Umgekehrt aber wo Regeln 
Kants Crit.d. Urtheilskr bh 
Jegen⸗
        <pb n="22" />
        xvin Einleitung. 
practisch sind, ist die Vernunft nicht darum so fort gesetz⸗ 
gebend, weil sie auch technisch⸗ practisch seyn koͤnnen. 
Verstand und Vernunft haben also zwey verschiede⸗ 
ne Gesetzgebungen auf einem und demselben Boden der Er⸗ 
fahrung, ohne daß eine der anderen Eintrag thun dars. 
Denn so wenig der Naturbegrif auf die Gesetzgebung 
durch den Freyheitsbegrif Einflus hat, eben so wenig 
stoͤhrt dieser die Gesetzgebung der Natur. — Die Moͤg⸗ 
lichkeit, das Zusammenbestehen beyder Gesetzgebungen 
und der dazu gehoͤrigen Vermoͤgen in demselben Sub⸗ 
ject sich wenigstens ohne Widerspruch zu denken „ bewies 
die Critik d. r. V, indem sie die Einwuͤrfe dawider durch 
Aufdeckung des dialectischen Scheins in denselben ver⸗ 
nichtttee. 
Aber, daß diese zwey verschiedene Gebiete, die sich 
zwar nicht in ihrer Gesetzgebung aber doch in ihren Wir⸗ 
kungen in der Sinnenwelt unaufhoͤrlich einschraͤnkten, 
nicht Eines ausmachen, kommt daher: daß der Na⸗ 
turbegrif zwar seine Gegenstaͤnde in der Anschauung, 
aber nicht als Dinge an sich selbst, sondern als bloße 
Erscheinungen, der Freyheitsbegrif dagegen in seinem 
Objecte zwar ein Ding an sich selbst, aber nicht in der 
Anschaung vorstellig machen, mithin keiner von beyden 
ein theoretisches Erkenntnis von seinem Objecte (und selbst 
dem denkenden Subjecte) als Dinge an sich verschaffen 
kan welches das Uebersinnliche seyn wuͤrde ,wovon man 
die Idee zwar der Moͤglichkeit aller jener Gegenstaͤnde der 
buahtung 
ainem Erkenn 
Es gieb 
gͤngliches d 
X 
keinen Hod 
huͤt die Ver 
theoretisch 
ches wir 
hractischen 
nuͤsen,d 
dreyheitö 
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W 
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4 
hloße 
einem 
n der 
sehden 
Iselhst 
Affet 
17 
Nah 
der 
Einleitung. xix 
Erfahrung unterlegen muß, sie selbst aber niemals zu 
einem Erkenntnisse erheben und erweitern kann. 
Es giebt also ein unbegraͤnztes, aber auch unzu⸗ 
gaͤngliches Feld fuͤr unser gesammtes Erkenntnisvermoͤ⸗ 
gen, naͤmlich das Feld des Uebersinnlichen, worinn wir 
keinen Boden fuͤr uns finden, also auf demselben weder 
fuͤr die Verstandes-noch Vernunftbegriffe ein Gebiet zum 
theoretischen Erkenntnis haben koͤnnen; ein Feld, wel⸗ 
ches wir zwar zum Behuf des theoretischen sowohl als 
bractischen Gebrauchs der Vernunft mit Ideen besetzen 
muͤssen, denen wir in Beziehung auf die Gesetze aus dem 
Freyheitsbegriffe, keine andere als practische Realitaͤt 
verschaffen koͤnnen, wodurch demnach unser theoretisches 
Erkenntnis nicht im Mindesten zu dem Uebersinnlichen er⸗ 
weitert wird. 
Ob nun zwar eine unuͤbersehbare Kluft zwischen dem 
Gebiete des Naturbegrifs, also dem Sinnlichen, und 
dem Gebiete des Freyheitsbegrifs, als dem Uebersianli⸗ 
chen, befestigt ist, so daß von dem ersteren zum anderen 
(also vermittelst des theoretischen Gebrauchs der Ver⸗ 
nunft) kein Uebergang moͤglich ist * gleich als ob es so 
biel verschiedene Welten waͤren davon die erste auf die 
zweyte keinen Einslus haben kann: so soll doch diese auf 
jene einen Einfluß haben , naͤmlich der Freyheitsbegrif den 
durch seine Gesetze aufgegebenen Zweck in der Sinnenwelt 
wirklich machen, und die Natur muß folglich auch so ge⸗ 
dacht werden koͤnnen, daß die Gesetzmaͤßigkeit ihrer Form 
92
        <pb n="24" />
        Xx Einleitung. 
wenigstens zur Moͤglichkeit der in ihr zu bewirkenden 
Zwecke nach Freyheitsgesetzen zusammenstimme. — Also 
muß es doch einen Grund der Einheit des Uebersinnli— 
chen, was der Natur zum Grunde liegt, mit dem was 
der Freyheitsbegrif practisch enthaͤlt, geben, davon der 
Begrif, wenn er gleich weder theoretisch noch practisch zu 
einem Erkenntnisse desselben gelangt mithin kein eigeu⸗ 
thuͤmliches Gebiet hat, dennoch den Uebergang von der 
Denkungsart nach den Principien der einen, zu der nach 
Principien der anderen, moͤglich macht. 
shen Gehra 
dieN 
retischen Er 
Gesetzgehu 
der den Gr 
Vorschrift 
bung der 
dem, de 
welchen! 
III. 
Von der Critik der Urtheilskraft, als einem 
Verbindungsmittel der zwey Theile der 
Philosophie zu einem Ganzen. 
Die Critik der Erkenntnisvermoͤgen in Ansehung 
dessen, was sie a priori leisten koͤnnen hat eigentlich kein 
Gebiet in Ansehung der Objecte ; weil sie keine Doctrin ist, 
sondern nur, ob und wie, nach der Bewandnis die es 
mit unseren Vermoͤgen hat, eine Doctrin durch sie moͤg⸗ 
lich sey, zu untersuchen hat. Ihr Feld erstreckt sich auf 
alle Anmaßungen derselben, um sie in die Graͤnzen ih— 
rer Rechtmaͤßigkeit zu setzen. Was aber nicht in die Ein⸗ 
theilung der Philosophie kommen kann, das kann doch, als 
ein Haupttheil, in die Critik des reinen Erkenntnisver⸗ 
moͤgens uͤberhaupt kommen, wenn es naͤmlich Principien 
den konn 
hung dem 
Hebt, w 
die theor 
n 
en gieh / 
sande unf 
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muthen, — 
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        birkenden 
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die es 
ie moͤg⸗ 
ich auf 
hen ih⸗ 
diekin 
yoch, gls 
tstoͤher⸗ 
cihien 
Einleitung. 
521 
enthaͤlt, die fuͤr sich weder zum theoretischen noch practi⸗ 
schen Gebrauche tauglich sindd. 
Die Naturbegriffe, welche den Grund zu allem theo⸗ 
retischen Erkenntnis a priori enthalten, beruheten auf der 
Gesetzgebung des Verstandes. — Der Freyheitsbegrif, 
—öA practischen 
Vorschriften a priori enthielt, beruhete auf der Gesetzge⸗ 
bung der Vernunft. Beyde Vermoͤgen also haben, außer 
dem, daß sie der logischen Form nach auf Principien, 
welchen Ursprungs sie auch seyn moͤgen, angewandt wer⸗ 
den koͤnnen, uͤberdem noch jedes seine eigene Gesetzge⸗ 
bung dem Inhalte nach, uͤber die es keine andere (a priori) 
giebt, und die daher die Eintheilung der Philosophie in 
die theoretische und practische rechtfertigt. —W 
Allein in der Familie der oberen Erkenntnisvermoͤ⸗ 
gen giebt es doch noch ein Mittelglied zwischen dem Ver⸗ 
stande und der Vernunft: dieses ist die Urtheilskraft, 
von welcher man Ursache hat, nach der Analogie zu ver⸗ 
muthen, daß sie eben sowohl, wenn gleich nicht eine ei⸗ 
gene Gesetzgebung, doch ein ihr eigenes Princip nach Ge⸗ 
setzen zu suchen, allenfalls ein blos subjectives a priori, 
in sich enthalten duͤrfte, welches ,wenn ihm gleich kein 
Feld der Gegenstaͤnde als sein Gebiet zustaͤnde, doch ir⸗ 
gend einen Boden haben kann, und eine gewisse Be⸗ 
schaffenheit desselben wofuͤr gerade nur dieses Princip gel⸗ 
tend seyn moͤchte. 
3
        <pb n="26" />
        xxn Einleitung. 
Hierzu kommt aber noch (nach der Analogie zu ur⸗ 
theilen) ein neuer Grund, die Urtheilskraft mit einer 
anderen Ordnung unserer Vorstellungskraͤfte in Ver— 
knuͤpfung zu bringen, welche von noch groͤßerer Wichtig⸗ 
keit zu seyn scheint, als die der Verwandschaft mit der 
Familie der Erkenntnisvermoͤgen. Denn alle Seelen⸗ 
vermoͤgen, oder Faͤhigkeiten, koͤnnen auf die drey zu⸗ 
ruͤck gefuͤhrt werden, welche sich nicht ferner aus einem 
gemeinschaftlichem Grunde ableiten lassen: das Er⸗ 
kenntnisvermoͤgen, das Gefuͤhl der Lust und 
Unlust und das Begehrungsvermoͤgen. Fuͤr 
das Erkenntnisvermoͤgen ist allein der Verstand gesetzge⸗ 
bend, wenn jenes (wie es auch geschehen muß, wenn es 
fuͤr sich, ohne Vermischung mit dem Begehrungsvermoͤ— 
gen, betrachtet wird) als Vermoͤgen eines theoretischen 
Erkenntnisses auf die Natur bezogen wird, in Anse⸗ 
hung deren allein (als Erscheinung) es uns moͤglich ist, 
durch Naturbegriffe a priori, welche eigentlich reine Ver⸗ 
standesbegriffe sind, Gesetze zu geben. — Fuͤr das Be⸗ 
gehrungsvermoͤgen, als ein oberes Vermoͤgen nach dem 
Freyheitsbegriffe ist allein die Vernunft (in der allein die— 
ser Begrif statt hat) a priori gesetzgebend. — Nun ist 
zwischen dem Erkenntnis⸗- und Begehrungsvermoͤgen das 
Gefuͤhl der Lust, so wie zwischen dem Verstande und der 
Vernunft die Urtheilskraft, enthalten. Es ist also we⸗ 
nigstens vorlaͤufig zu vermuthen, daß die Urtheilskraft 
eben so wohl fuͤr sich ein Princip aà priori enthalte und, 
Mnit dem 
hulust verb 
vor dem VYr 
— 
she Geset 
reinen Ert 
turbegriff 
werde 
vom Ver 
Vef 
theil, d 
sann, p 
öwien de 
zum the 
hach Py 
doch di⸗ 
der Untert 
— 
Critik ys 
und der py 
Nhannt« 
Von de 
seseß 
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        loi u ur⸗ 
mit einer 
r in Ver⸗ 
j Vichtg— 
stmit der 
le Seeley— 
x deey zu⸗ 
u einem 
do ke— 
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n. Fuͤr 
d gesetge⸗ 
wenn eg 
— 
etischen 
n Anse⸗ 
such it, 
ine Ver⸗ 
das He⸗ 
ach dem 
llein die⸗ 
sun is 
oͤgen dag 
Ind der 
Ish we⸗ 
Alraft 
*Und, 
Einleitung. Rxui 
da mit dem Begehrungsvermoͤgen nothwendig Lust oder 
Unlust verbunden ist (es sey daß sie wie beym unteren, 
vor dem Princip desselben vorhergehe oder wie beym obe⸗ 
ren, nur aus der Bestimmung desselben durchs morali⸗ 
sche Gesetz folge), eben so wohl einen Uebergang von 
reinen Erkenntnisvermoͤgen, d. i. vom Gebiete der Na⸗ 
turbegriffe zum Gebiete des Freyheitsbegrifs bewirken 
werde, als sie im logischen Gebrauche den Uebergang 
vom Verstande zur Vernunft moͤglich macht.“ 
Wenn also gleich die Philosophie nur in zwey Haupt⸗ 
theile, die theoretische und practische eingetheilt werden 
kann, wenn gleich alles F was wir von den eignen Prin⸗ 
cipien der Urtheilskraft zu sagen haben moͤchten, in ihr 
zum theoretischen Theile, d.i. dem Vernunfterkenntnis 
nach Naturbegriffen, gezaͤhlt werden muͤßte: so besteht 
doch die Critik der reinen Vernunft, die alles dieses vor 
der Unternehmung jenes Systems , zum Behuf der Moͤg⸗ 
lichkeit desselben, ausmachen muß, aus drey Theilen: der 
Critik des reinen Verstandes, der reinen Urtheilskraft 
and der reinen Vernunft, welche Vermoͤgen darum rein 
genannt werden, weil sie a priori gesetzgebend sind. I 
IV. 
Von der Urtheilskraft, als einem a priori 
gesetzgebenden Vermoͤgen. 
Urtheilskraft aͤberhaupt ist das Vermoͤgen das Be⸗ 
sondere als enthalten unter dem Allgemeinen zu denken. 
*
        <pb n="28" />
        xxum Einleitung. 
Ist das Allgemeine (die Regel, das Princip, das Ge— 
setz) gegeben, so ist die Urtheilskraft, welche das Be— 
sondere darunter subsumirt (auch, wenn sie als trans⸗ 
scendentale Urtheilskraft , a priori die Bedingungen an⸗ 
giebt, denen gemaͤs allein unter jenem Allgemeinen sub⸗ 
sumirt werden kann) bestimmend. Ist aber nur das 
besondere gegeben, wozu sie das Allgemeine finden soll, 
so ist die Urtheilskraft blos reflectirend. 
Die bestimmende Urtheilskraft unter allgemeinen 
transscendentalen Gesetzen, die der Verstand giebt, ist 
nur subsummirend; das Gesetz ist ihr à priori vorgezeich⸗ 
net, und sie hat also nicht noͤthig fuͤr sich selbst auf ein 
Gesetz zu denken ,um das besondere in der Natur dem 
Allgemeinen unterordnen zu koͤnnen. — Allein es sind 
so mannigfaltige Formen der Natur, gleichsam so viele 
Modificationen der allgemeinen transscendentalen Natur— 
begriffe, die durch jene Gesetze, welche der reine Ver⸗ 
stand a priori giebt, weil dieselbe nur auf die Moͤglich⸗ 
keit einer Natur als Gegenstandes der Sinne) uͤberhaupt 
gehen, unbestimmt gelassen werden, daß dafuͤr doch auch 
Gesetze seyn muͤssen, die zwar, als empirische, nach 
unserer Verstandeseinsicht zufaͤlig seyn moͤgen, die 
aber doch, wenn sie Gesetze heißen sollen, (wie es auch 
der Begrif einer Natur erfordert) aus einem, wenn gleich 
uns unbekannten Princip der Einheit des mannigfalti⸗ 
gen, als nothwendig angesehen werden muͤssen. — Die 
reslectirende Urtheilskraft, die von dem Besondern in der 
Huur zum 
—IX 
befahrung ent 
heenpirischen 
dher hoͤheren 
systematischen 
guͤnden soh. 
also die refle 
setz geben, 
bestimmende 
vorschreihen 
X 
dongen rich 
ser gam p 
Nun. 
dßda alg 
HNeatde h— 
dem allhemne 
de hesendere 
n hten dun 
kuchen cnhe 
ittzin de 
dihn ühsere 
kithheun n 
jn, hegeh 
uichich ein 
heme is
        <pb n="29" />
        n, dos — 
—X he⸗ 
a trang⸗ 
sungen ah⸗ 
hreinen suh⸗ 
P nurd aß 
inden sWl 
Uhemeinen 
gieht, if 
vorgezeich⸗ 
heuf ein 
datur dem 
in eͤ std 
so hiele 
b Natur⸗ 
ne Ver⸗ 
Hoͤqlich⸗ 
erhaubt 
och auch 
hach 
en, die 
ðauch 
in gleich 
»gfalti⸗ 
Re 
ader 
Einleitung. xXxv 
Natur zum Allgemeinen aufzusteigen die Obliegenheit 
hat, bedarf also eines Princips, welches sie nicht von der 
Erfahrung entlehnen kann, weil es eben die Einheit al⸗ 
ler empirischen Principien unter gleichfalls empirischen, 
aber hoͤheren Principien, und also die Moͤglichkeit der 
systematischen Unterordnung derselben unter einander, be⸗ 
gruͤnden soll. Ein solches transscendentales Princip kann 
also die reflectirende Urtheilskraft sich nur selbst als Ge⸗ 
setz geben, nicht anderwaͤrts hernehmen, (weil sie sonst 
bestimmende Urtheilskraft seyn wuͤrde) noch der Natur 
vorschreiben; weil die Reflexion uͤber die Gesetze der Na⸗ 
tur sich nach der Natur, und diese nicht nach den Bedin⸗ 
gungen richtet, nach welchen wir einen in Ansehung die⸗ 
ser ganz zufaͤlligen Begrif von ihr zu erwerben trachten. 
Nun kann dieses Princip kein anderes seyn, als: 
daß da allgemeine Naturgesetze ihren Grund in unserem 
Verstande haben, der sie der Natur (ob zwar nur nach 
dem allgemeinen Begriffe von ihr als Natur) vorschreibt, 
die besondere, empirische Gesetze in Ansehung dessen, was 
in ihnen durch jene unbestimmt gelassen ist, nach einer 
solchen Einheit betrachtet werden muͤssen, als ob gleich⸗ 
falls ein Verstand (wenn gleich nicht der unsrige) sie zum 
Behuf unserer Erkeuntnisvermoͤgen, um ein System der 
Erfahrung nach besonderen Naturgesetzen moͤglich zu ma⸗ 
chen, gegeben haͤtte. Nicht, als wenn auf diese Art 
wirklich ein solcher Verstand angenommen werden muͤßte, 
denn es ist nur die reflectirende Urtheilskraft, der diese 
b5
        <pb n="30" />
        xxvr Einleitung. 
Idee zum Princip dient, (zum Reflectiren nicht zum Be⸗ 
stimmen), sondern dieses Vermoͤgen giebt sich dadurch 
nur selbst und nicht der Natur ein Gesetz. 
Weil nun der Begrif von einem Objekt, sofern er zu⸗ 
gleich den Grund der Wirklichkeit dieses Obijekts enthaͤlt, 
der Zweck und die Uebereinstimmung eines Dinges, mit 
derjenigen Beschaffenheit der Dinge, die nur nach Zwe⸗ 
cken moͤglich ist, die Zweckmaͤßigkeit der Form der— 
selben heißt: so ist das Princip der Urtheilskraft, in An⸗ 
sehung der Form der Dinge der Natur unter empirischen 
Gesetzen uͤberhaupt, die Zweckmaͤßigkeit der Natur 
in ihrer Mannigfaltigkeit, d. i. die Natur wird durch 
diesen Begrif so vorgestellt „als ob ein Verstand den 
Grund der Einheit des Mannigfaltigen ihrer empirischen 
Gesetze enthalte. 
Die Zweckmaͤßigkeit der Natur ist also ein besonde— 
rer Begrif a priori, der lediglich in der reflectirenden Ur— 
theilskraft seinen Ursprung hat. Denn den Naturpro⸗ 
ducten kan man so etwas , als Beziehung der Natur an 
ihnen auf Zwecke, nicht beylegen, sondern diesen Be— 
grif nur brauchen, um uͤber sie in Ansehung der Verknuͤ⸗ 
pfung der Erscheinungen in ihr, die nach empirischen Ge⸗ 
setzen gegeben ist, zu reflectiren. Auch ist dieser Begrif 
von der practischen Zweckmaͤßigkeit (der menschlichen 
Kunst oder auch der Sitten) ganz unterschieden, ob er 
zwar nach einer Analogie mit derselben gedacht wird. 
dios Princ 
der Natu 
cipder! 
Fin tra 
welches die 
wird, unter 
nis oͤberhan 
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stelt, unter 
heben seyun 
hen. Go 
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denn dadurc 
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her hur durc 
— 39 
beh esribn 
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im Joum 
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— 
ahiidri lin⸗ 
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        — he 
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t, sofern erzu 
jektz eithat 
Dues, wit 
ur nech —X 
— 
rast, i pp 
rempitischen 
er Natur 
wird durch 
etsand den 
mnoirischen 
1 
desonde⸗ 
enden hr⸗ 
aturpro⸗ 
—R 
esen He⸗ 
Verknoͤ⸗ 
schen Ge⸗ 
x Veqrif 
vschlichen 
I, Ob er 
purd. 
Einleitung. 
7 
I1 
V. 
Das Princip der formalen Zweckmaͤßigkeit 
der Natur ist ein transscendentales Prin⸗ 
cip der Urtheilskraft. 
Ein transscendentales Princip ist dasjenige, durch 
welches die allgemeine Bedingung a priori vorgestellt 
wird, unter der allein Dinge Objecte unserer Erkennt⸗ 
nis uͤberhaupt werden koͤnnen. Dagegen heißt ein Prin⸗ 
cip metaphysisch, wenn es die Bedingung a priori vor⸗ 
stellt, unter der allein Objecte deren Begrif empirisch ge⸗ 
geben seyn muß, a priori weiter bestimmet werden koͤn⸗ 
nen. So ist das Princip der Erkenntnis der Koͤrper als 
Substanzen und als veraͤnderlicher Substanzen trans⸗ 
scendental, wenn dadurch gesagt wird, daß ihre Veraͤn⸗ 
derung eine Ursach haben muͤsse; es ist aber metophysisch 
wenn dadurch gesagt wird ihre Veraͤnderung muͤsse eine 
aͤußere Ursache haben, weil im ersteren Falle der Koͤr⸗ 
per nur durch ontologische Praͤdicate (reine Verstaudes⸗ 
begriffe) z. B. als Substanz gedacht werden darf um den 
Satz a priori zu erkennen, im zweyten aber der empiri⸗ 
sche Begrif eines Koͤrpers (als eines beweglichen Dinges 
im Raum) diesem Satze zum Grunde gelegt werden muß, 
alsdann aber, daß dem Koͤrper das letztere Praͤdicat (der 
Bewegung nur durch aͤußere Ursache) zukomme, voͤllig 
a priori eingesehen werden kann. — So ist wie ich so 
gleich zeigen werde das Princip der Zweckmaͤßigkeit der
        <pb n="32" />
        xxvminmn Einleitung. 
Natur (in der Mannigfaltigkeit ihrer empirischen Gesetze) 
ein transscendentales Princip. Denn der Begrif von 
den Objekten, so fern sie als unter diesem Princip ste⸗ 
hend gedacht werden, ist nur der reine Begrif von Ge⸗ 
genstaͤnden des moͤglichen Erfahrungserkenntnisses uͤber⸗ 
haupt und enthaͤlt nichts Empirisches. Dagegen waͤre 
das Princip der practischen Zweckmaͤßigkeit die in der 
Idee der Bestimmung eines freyen Willens ge⸗ 
dacht werden muß, ein metaphysisches Princip; weil der 
Begrif eines Begehrungsvermoͤgens als eines Willens 
doch empirisch gegeben werden muß (nicht zu den trans⸗ 
scendentalen Praͤdicaten gehoͤrt). Beyde Principien aber 
sind dennoch nicht empirisch sondern Principien a priori 
weil es zur Verbindung des Praͤdicats mit dem empiri⸗ 
schen Begriffe des Subjiects ihrer Urtheile keiner weiteren 
Erfahrung bedarf, sondern jene voͤllig a priori eingese⸗ 
hen werden kann. 
Daß der Begrif einer Zweckmaͤßigkeit der Natur zu 
den transscendentalen Principien gehoͤre, kann man aus 
den Maximen der Urtheilskraft, die der Nachforschung 
der Natur a priori zum Grunde gelegt werden, und die 
dennoch auf nichts, als die Moͤglichkeit der Erfah⸗ 
rung, mithin der Erkenntnis der Natur, aber nicht blos 
als Natur uͤberhaupt, sondern als durch eine Mannig— 
faltigkeit besonderer Gesetze bestimmten Natur gehen, hin⸗ 
reichend ersehen. — Sie kommen als Sentenzen der 
metaphysischen Weisheit bey Gelegenheit mancher Re⸗ 
geln, deren 
darthun kar 
cher nur zer 
sten Veg (1 
Gyrung,v 
der Zusam 
continui ie 
pirischen 
Princivier 
multiplic⸗ 
Von⸗ 
sprung an— 
Vege herst 
zuwider. 
— Neye 
lreihen und 
beden sol— 
beecdilei nir 
hiish sud 
uhsere krkenr 
— 
trnhstenden⸗ 
— 
suht wwerden 
Vr sinded 
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        sshen —— 
r —T bon 
linch su 
tif von be 
ttises uͤher⸗ 
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idj deilde 
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— 
—X 
n emyiri⸗ 
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Ngeso⸗ 
itur zu 
an aus 
chung 
ud die 
krfah⸗ 
uthlos 
nniq⸗ 
i⸗ 
Jer 
⸗ 
* 
Einleit ung. xxix 
geln, deren Nothwendigkeit man nicht aus Begriffen 
darthun kann, im Laufe dieser Wissenschaft oft genug, 
aber nur zerstreut vor. „Die Natur nimmt den kuͤrze⸗ 
sten Weg (lex parsimoniae): Sie thut gleichwohl keinen 
Sprung, weder in der Folge ihrer Veraͤnderungen, noch 
der Zusamenstellung specifisch verschiedener Formen ex 
continui in natura): ihre große Mannigfaltigkeit in em⸗ 
pirischen Gesetzen ist gleichwohl Einheit unter wenigen 
Principien, (principia praeter necessitatem non sunt 
multiplicanda)“ u. d. g. 
Wenn man aber von diesen Grundsaͤtzen den Ur— 
sprung anzugeben denkt, und es auf dem psychologischen 
Wege versucht, so ist dies dem Sinne derselben gaͤnzlich 
zuwider. Denn sie sagen nicht was geschieht, d. i. nach 
welcher Regel unsere Erkenntniskraͤfte ihr Spiel wirklich 
treiben, und wie geurtheilt wird, sondern wie geurtheilt 
werden soll; und da kommt diese logische objective Noth⸗ 
wendigkeit nicht heraus, wenn die Principien blos em⸗ 
pirisch sind. Also ist die Zweckmaͤßigkeit der Natur fuͤr 
unsere Erkenntnisvermoͤgen und ihren Gebrauch, wel⸗ 
che offenbar aus ihnen hervorleuchtet, ein transscenden⸗ 
tales Princip der Urtheile und bedarf also auch einer 
transscendentalen Deduction, vermittelst deren der Grund 
so zu urtheilen in den Erkenntnisquellen a priori aufges 
sucht werden muß. 
Wir finden naͤmlich in den Gruͤnden der Moͤglichkeit 
einer Erfahrung zuerst freylich etwas Nothwendiges,
        <pb n="34" />
        Einleitung. 
naͤmlich die allgemeine Gesetze, ohne welche Natur uͤber— 
haupt (als Gegenstand der Sinne) nicht gedacht werden 
kann, und diese beruhen auf den Categorien, angewandt 
auf die formale Bedingungen aller uns moͤglichen An⸗ 
schauung so fern sie gleichfalls a priori gegeben ist, und 
unter diesen Gesetzen ist die Urtheilskraft bestimmend; 
denn sie —X nichts zu thun , als unter gegebnen Gesetzen 
zu subsumiren. 3. B. der Verstand sagt: alle Veraͤn⸗ 
derung hat ihre Ursache (allgemeines Naturgesetz), die 
transscendentale Urtheilskraft hat nun nichts weiter zu 
thun als die Bedingung der Subsumtion unter dem vor—⸗ 
gelegten Verstandesbegrif a priori anzugeben, und das 
ist die Succession der Bestimmungen eines und desselben 
Dinges. Fuͤr die Natur nun aͤberhaupt (als Gegenstand 
moͤglicher Erfahrung) wird jenes Gesetz als schlechter⸗ 
dings nothwendig erkannt. — Nun sind aber die Ge⸗ 
genstaͤnde der empirischen Erkenntnis außer jener forma⸗ 
len Zeitbedingung noch auf mancherley Art bestimmt, 
oder, so viel man a priori urtheilen kann „ bestimmbar. 
so, daß specifisch⸗ verschiedene Naturen, ausserdem was 
sie, als zur Natur uͤberhaupt gehoͤrig gemein haben, 
noch auf unendlich mannigfaltige Weise Ursachen seyn 
koͤnnen und eine jede dieser Arten muß (nach dem Be— 
griffe einer Ursache aͤberhaupt) ihre Regel haben, die 
Gesetz ist, mithin Nothwendigkeit bey sich fuͤhrt „ ob wir 
gleich, nach der Veschaffenheit und den Schranken un⸗ 
serer Erkenntnisvermoͤgen, diese Nothwendigkeit gar 
17 
4 
— 
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thung ihrer bloe 
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sahen, 
en seyn 
em He⸗ 
, die 
wir 
N Un⸗ 
ar 
J XxxXI 
nicht einsehen. Also muͤssen wir in der Natur, in An⸗ 
sehung ihrer blos empirischen Gesetze, eine Moͤglichkeit 
unendlich mannigfaltiger empirischer Gesetze denken, die 
fͤr unsere Einsicht dennoch zufaͤllig sind (a priori nicht er⸗ 
kannt werden koͤnnten); und in Ansehung deren beurthei⸗ 
len wir die Natureinheit nach empirischen Gesetzen und 
die Moͤglichkeit der Einheit der Erfahrung (als Systems 
nach empirischen Gesetzen) als zufaͤllig. Weil aber doch 
eine solche Einheit nothwendig vorausgesetzt und an⸗ 
genommen werden muß, weil sonst kein durchgaͤngiger 
Zusammenhang empirischer Erkenntnisse zu einem Gan⸗ 
zen der Erfahrung statt finden wuͤrde, indem die all⸗ 
gemeine Naturgesetze zwar einen solchen Zusammen⸗ 
hang unter den Dingen ihrer Gattung nach, als Na⸗ 
turdinge uͤberhaupt, aber nicht specifisch XE solche 
besondere Naturwesen, an die Hand geben: so muß 
die Urtheilskraft fuͤr ihren eigenen Gebrauch es als 
Princip a priori annehmen, daß das fuͤr die menschli⸗ 
che Einsicht zufaͤllige in den besonderen (empirischen) 
Naturgesetzen dennoch eine, fuͤr uns zwar nicht zu er⸗ 
gruͤndende aber doch denkbare gesetzliche Einheit in der 
Verbindung ihres mannigfaltigen zu einer an sich moͤg⸗ 
lichen Erfahrung, enthalte; folglich, weil die gesetzli— 
che Einheit in einer Verbindung, die wir zwar einer 
nothwendigen Absicht (einem Beduͤrfnis) des Verstan— 
des gemaͤs, aber zugleich doch als an sich zufaͤllig 
erkennen, als Zweckmaͤßigkeit der Objekte (hier der 
Einleitung.
        <pb n="36" />
        xxxuu Vinleitung. 
Natur) vorgestellt wird, so muß die Urtheilskraft, die in 
Ansehung der Dinge unter moͤglichen (noch zu entdecken⸗ 
den/ empirischen Gesetzen, blos reflectirend ist, die 
Natur in Ansehung der letzteren nach einem Princip 
der Zweckmaͤßigkeit fuͤr unser Erkenntnisvermoͤgen 
denken, welches dann in obigen Maximen der Urtheils— 
kraft ausgedruͤckt wird. Dieser transscendentale Begrif 
einer Zweckmaͤßigkeit der Natur ist nun weder ein Na⸗ 
turbegrif, noch ein Freyheitsbegrif, weil er gar nichts 
dem Objecte (der Natur) beylegt, sondern nur die einzige 
Art „wie wir in der Reflexion ͤber die Gegenstaͤnde der 
Natur in Absicht auf eine durchgaͤngig zusammenhaͤngen⸗ 
Erfahrung verfahren muͤssen, vorstellt, folglich ein sub⸗ 
jektives Princip (Maxime) der Urtheilskraft; daher wir 
auch, gleich als ob es ein gluͤcklicher unsre Absicht beguůn⸗ 
stigender —A systematische 
Einheit unter blos empirischen Gesetzen antreffen, erfreu⸗ 
et (eigentlich eines Beduͤrfnisses entledigt) werden , ob 
wir gleich nothwendig annehmen mußten; es sey eine 
solche Einheit, ohne daß wir sie doch einzusehen und zu 
beweisen vermochten. 
Um sich von der Richtigkeit dieser Deduction des 
vorliegenden Begrifs und der Nothwendigkeit ihn als 
transscendentales Erkenntnisprincip anzunehmen, zu 
uͤberzeugen, bedenke man nur die Groͤße der Aufgabe: 
aus gegebenen Wahrnehmungen, einer allenfalls unend⸗ 
liche Mannigfaltigkeit empirischer Gesetze enthaltenden 
Natur 
Nauur tine zud 
vehhe Pufgal 
It Verstand 
Kesetze der No 
einer Etfohrv 
uͤber dem no 
den besonde 
visch bekanr 
wfoͤlig sin 
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        <pb n="37" />
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und zu 
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iett, zu 
dade: 
mend⸗ 
zenden 
hatut 
Cinleitung. XXXxiii 
Natur eine zusammenhaͤngende Erfahrung zu machen, 
welche Aufgabe a priori in unsrem Verstande liegt. 
Der Verstand ist zwar a priori im Besttze allgemeiner 
Gesetze der Natur, ohne welche sie gar kein Gegenstand 
einer Erfahrung seyn koͤnnte: aber er bedarf doch auch 
uͤber dem noch einer gewissen Ordnung der Natur, in 
den besonderen Regeln derselben, die ihm nur empi⸗ 
risch bekannt werden koͤnnen und die in Ansehung seiner 
zufaͤllig sind. Diese Regeln, ohne welche kein Fortgang 
von der allgemeinen Analogie einer moͤglichen Erfahrung 
aͤberhaupt zur besonderen statt finden wuͤrde muß er 
sich als Gesetze d. i. als nothwendig denken, weil sie sonst 
keine Naturordnung ausmachen wuͤrden, ob er gleich 
ihre Nothwendigkeit nicht erkennt, oder jemals ein ehen 
koͤnnte. Ob er also gleich in Ansehung derselben (Ob⸗ 
jecte) a priori, nichts bestimmen kann, so muß er doch, 
um diesen empirischen sogenannten Gesetzen nachzugehen, 
ein Princip a priori, daß naͤmlich nach ihnen eine erkenn⸗ 
bare Ordnung der Natur moͤglich sey, aller Reflexion 
uͤber dieselbe zum Grunde legen dergleichen Princip 
nachfolgende Saͤtze ausdruͤcken: daß es in ihr eine fuͤr 
uns faßliche Unterordnung von Gattungen und Arten 
gebe, daß jene sich einander wiederum einem gemeinschaft⸗ 
lichen Princip naͤhern, damit ein Uebergang von einer 
zu der anderen, und dadurch zu einer hoͤheren Gattung 
moͤglich sey, daß da fuͤr die specifische Verschiedenheit 
der Naturwirkungen eben so viel verschiedene Arten der 
Kants Crit. d, Urtheilske.
        <pb n="38" />
        xxxw Einleitung. 
Caussalitaͤt annehmen zu muͤssen, unserem Verstande an⸗ 
fͤnglich unvermeidlich scheint, sie dennoch unter einer 
geringen Zahl von Principien stehen moͤgen, mit deren 
Aufsuchung wir uns zu beschaͤftigen haben u. s. w. Diese 
Zusammenstimmung der Natur zu unserem Erkenntnis⸗ 
vermoͤgen wird von der Urtheilskraft, zum Behuf ihrer 
Reflexion uͤber dieselbe, nach ihren empirischen Gesetzen, 
a priori vorausgesetzt; indem sie der Verstand zugleich 
objectiv als zufaͤllig anerkennt, und blos die Urtheils⸗ 
kraft sie der Natur als transscendentale Zweckmaͤßigkeit 
lin Beziehung auf das Erkenntnisvermoͤgen des Sub⸗ 
jects) beylegt; weil wir ohne diese vorauszusetzen, keine 
Ordnung der Natur nach empirischen Gesetzen, mithin 
keinen Leitfaden fuͤr eine mit diesen nach aller ihrer Man⸗ 
nigfaltigkeit anzustellende Erfahrung und Nachforschung 
derselben haben wuͤrden. 
Denn es laͤßt sich wohl denken: daß, ungeachtet 
aller der Gleichfoͤrmigkeit der Naturdingen nach den 
allgemeinen Gesetzen, ohne welche die Form eines Er⸗ 
fahrungserkenntnisses uͤberhaupt gar nicht statt finden 
wuͤrde, die specifische Verschiedenheit der empirischen 
Gesetze der Natur, sammt ihren Wirkungen , dennoch 
so groß seyn koͤnnte „ daß es fuͤr unseren Verstand un⸗ 
moͤglich waͤre, in ihr eine faßliche Ordnung zu entdecken, 
ihre Producte in Gattungen und Arten einzutheilen um 
die Principien der Erklaͤrung und des Verstaͤndnisses 
des einen auch zur Erklaͤrung und Begreifung des an⸗ 
— 
tuen Leigentlid 
sosungekraft 
menhingende 
—X 
suͤr die Moͤgl 
Kuͤcsicht, in 
tonomie) se 
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das Gesek 
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— 
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Winchs zu 
Natur —X 
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        ersande mm— 
Unter einer 
hit deren 
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dehuf ihrer 
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hhen, keine 
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hrer Nan⸗ 
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ines Er⸗ 
tt inden 
orischen 
xennoch 
tand un⸗ 
utdecken, 
en um 
nduisses 
yg au⸗ 
Einleitung. XXxxv 
dern zu gebrauchen, und aus einem fuͤr uns so verwor⸗ 
renen (eigentlich nur unendlich mannigfaltigen, unserer 
Fassungskraft nicht angemessenen) Stoffe eine zusam⸗ 
menhaͤngende Erfahrung zu machen. 
Die Urtheilskraft hat also auch ein Princip a priori 
fuͤr die Moͤglichkeit der Natur, aber nur in subjectiver 
Ruͤcksicht, in sich, wodurch sie, nicht der Natur (als Av— 
tonomie) sondern ihr selbst (als Heavtonomie) fuͤr die 
Reflexion uͤber jene ein Gesetz vorschreibt, welches man 
das Gesetz der Specification der Natur in An— 
sehung ihrer empirischen Gesetze nennen koͤnnte, daß sie 
2 priori an ihr nicht erkennt, sondern zum Behuf einer 
fuͤr unseren Verstand erkennbaren Ordnung derselben in 
der Eintheilung, die sie von ihren allgemeinen Gesetzen 
macht, aunimmt, wenn sie diesen eine Mannigfaltigkeit 
der besondern unterordnen will. Wenn man also sagt: 
die Natur specificirt ihre allgemeine Gesetze nach dem 
Princip der Zweckmaͤßigkeit fuͤr unser Erkenntnisvermoͤ⸗ 
gen, d. i. zur Angemessenheit mit dem menschlichen Ver⸗ 
stande in seinem nothwendigen Geschaͤfte, zum Besonde⸗ 
ren, welches ihm die Wahrnehmung darbietet, das All⸗ 
gemeine und zum Verschiedenen (fuͤr jede Species zwar 
Allgemeinen) wiederum Verknuͤpfung in der Eiuheit des 
Princips zu finden: so schreibt man dadurch weder der 
Natur ein Gesetz vor, noch lernt man eines von ihr 
durch Beobachtung (ob zwar jenes Princip durch diese 
bestaͤtigt werden kann). Denn es ist nicht ein Princip der
        <pb n="40" />
        3* 
xxxv Einleitung. 
bestimmenden, sondern blos der reflectireuden Urtheils— 
kraft; man will nur, daß man, die Natur mag ihren 
allgemeinen Gesetzen nach eingerichtet seyn wie sie wolle, 
durchaus nach jenem Princip und den sich darauf gruͤn⸗ 
denden Maximen ihren empirischen Gesetzen nachspuͤhren 
muͤsse, weil wir, nur so weit als jenes statt findet, mit 
dem Gebrauche unseres Verstandes in der Erfahrung 
fort kommen und Erkenntnis erwerben koͤnnen. 
Von der Verbindung des Gefuͤhls der Lust 
mit dem Begriffe der Zweckmaͤßigkeit der 
Natur. 
Die gedachte Uebereinstimmung der Natur in der 
Mannigfaltigkeit ihrer besonderen Gesetze zu unserem 
Beduͤrfnisse Allgemeinheit der Principien fuͤr sie aufzu⸗ 
finden, muß nach aller unserer Einsicht, als zufaͤllig 
beurtheilt werden, gleichwohl aber doch fuͤr unser Ver⸗ 
standesbeduͤrfnis, als umentbehrlich mithin als Zweck⸗ 
maͤßigkeit, dadurch die Natur mit unserer, aber nur auf 
Erkenntnis gerichteten Absicht, aͤbereinstimmt. — Die 
allgemeine Gesetze des Verstandes, welche zugleich Ge— 
setze der Natur sind, sind derselben eben so nothwendig 
(obgleich aus Spontaneitaͤt entsprungen) als die Bewe— 
gungsgesetze der Materie, und ihre Erzeugung setzt keine 
Absicht mit unseren Erkenntnisvermoͤgen voraus, weil 
wir nur durch dieselbe von dem, was Erkenntnis der 
dite het N 
und se der Ac 
hauyt, wothn 
der Natyr va 
se Fosung 
Nondigfolt 
wirklich au⸗ 
—IXXX 
des Verste 
digen Zwe 
se hinein 
die Urthe 
Kand ihr 
Jie 
der Lusf 
kite Popt 
ressectiten 
derust 
mann ault 
des Ohiect 
Herif du 
—— 
aller yyg 
kerscheidef 
Ind 
Vohrheh 
Naturhen
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        Einleitung. xXxxvn 
en Urthez 
mag ihren 
vie se wol⸗, 
auauf grin— 
sachsbuhren 
indet, mit 
Csohrung 
4. 
der Lus 
igkeit der 
Atur in de/ 
— — 
ne aufzu⸗ 
— 
nser Ver⸗ 
ils zweck⸗ 
er vur quf 
die 
gqleich Ge⸗ 
gothwendig 
ʒdie Hewe⸗ 
g segt keine 
raus, weil 
uthiß der 
Dinge (der Natur) sey, zuerst einen Begrif erhalten, 
und sie der Natur, als Object unserer Erkenntnis uͤber⸗ 
haupt, nothwendig zukommen. Alein daß die Ordnung 
der Natur nach ihren besonderen Gesetzen, bey aller un⸗ 
sere Fassungskraft uaͤbersteigenden wenigstens moͤglichen 
Mannigfaltigkeit und Ungleichartigkeit, doch dieser 
wirklich angemessen sey, ist, so viel wir einsehen koͤnnen, 
zufaͤllig und die Auffindung derselben ist ein Geschaͤft 
des Verstandes , welches mit Absicht zu einem nothwen⸗ 
digen Zwecke desselben naͤmnlich Einheit der Principien in 
sie hineinzubringen, gefuͤhrt wird, welchen Zweck dann 
die Urtheilskraft der Natur beylegen muß, weil der Ver⸗ 
stand ihr hieruͤber kein Gesetz vorschreiben kann. 
Die Erreichung jeder Absicht ist mit dem Gefuͤhle 
der Lust verbunden und, ist die Bedingung der erstern 
eine Vorstellung a priori wie hier ein Princip fuͤr die 
reslectirende Urtheilskraft uͤberhaupt, so ist das Gefuͤhl 
der Lust auch durch einen Grund a priori und fuͤr jeder⸗ 
mann guͤltig bestimmt und zwar blos durch die Beziehung 
des Objects aufs Erkenntnisvermoͤgen, ohne daß der 
Begrif der Zweckmaͤßigkeit hier im Mindesten auf das 
Begehrungsvermoͤgen Vuͤcksicht nimmt und sich also von 
aller practischen Zweckmaͤßigkeit der Natur gaͤnzlich un⸗ 
terscheidte. 
In der That, da wir von dem Zasammentreffen der 
Wahrnehmungen mit den Gesetzen nach allgemeinen 
Naturbegriffen (den Categorien) nicht die mindeste Wir⸗
        <pb n="42" />
        3 
xxxvnnn Einleitung. 
kung aufs Gefuͤhl der Lust in uns antreffen, auch nicht 
antreffen koͤnnen, weil der Verstand damit unabsichtlich 
nach seiner Natur nothwendig verfaͤhrt: so ist anderseits 
die entdeckte Vereinbarkeit zweyer oder mehrerer empiri⸗ 
scher heterogener Naturgesetze unter einem sie beyde be⸗ 
fassenden Princip der Grund einer sehr merklichen Lust, 
oft sogar einer Bewunderung , selbst einer solchen, die 
nicht aufhoͤrt, ob man schon mit dem Gegenstande der⸗ 
selben gnug bekannt ist. Zwar spuͤhren wir an der Fas⸗ 
lichkeit der Natur und ihrer Einheit der Abtheilung in 
Gattungen und Arten , wodurch allein empirische Be⸗ 
griffe moͤglich sind, durch welche wir sie nach ihren beson⸗ 
deren Gesetzen erkennen, keine merkliche Lust mehr; aber 
sie ist gewiß zu ihrer Zeit gewesen und, nur weil die ge— 
meinste Erfahrung ohne sie nicht moͤglich seyn wuͤrde, 
ist sie allmaͤhlig mit dem bloßen Erkenntnisse vermischt, 
und nicht mehr besonders bemerkt worden. — Es ge⸗ 
hoͤrt also etwas, was in der Beurtheilung der Natur 
auf die Zweckmaͤßigkeit derselben fuͤr unsern Verstand 
aufmerksam macht, ein Studium ungleichartige Gesetze 
derselben wo moͤglich unter hoͤhere, ob wohl immer noch 
empirische zu bringen „dazu, um, wenn es gelingt, an 
dieser Einstimmung derselben fuͤr unser Erkenntnisver⸗ 
moͤgen die wir als blos zufaͤllig ansehen Lust zu empfin⸗ 
den. MDagegen wuͤrde uns eine Vorstellung der Natur 
durchaus misfallen, durch welche man uns voraus 
sagte, daß, bey der mindesten Nachforschung uͤber die 
—I 
— 
—I 
hhen suͤr unseren 
dun Princid d 
EX 
—IIIX 
Diese V 
daruͤber sEr 
maͤßigkeit d 
gedehnt we 
tiesere Dde 
—X 
Gesehen 
Princiy zu 
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gehen: daß 
wuͤden,: 
blidern der 
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uͤtihrer cy 
ꝛ —X 
—— 
hemesenhe 
ju derfahre 
hinmende 
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        Einleit ung. xXXXX 
duch hicht 
lnahschti 
datdeit 
eter empitr 
ebeyde he 
klichen bus, 
ilhen, die 
ihonde der⸗ 
an der da⸗ 
—— 
dirische ge 
hren heson⸗ 
nehr; aher 
veil die ge⸗ 
n woͤd, 
eermischt, 
ẽ8 —E 
Natur 
berstand 
ge Gesehe 
umer noch 
lingt, an 
nntnisver⸗ 
n empfin⸗ 
xer Natur 
s voraus 
auͤher die 
gemeinste Erfahrung hinaus, wir auf eine solche Hetero⸗ 
geneitaͤt ihrer Gesetze stoßen wuͤrden, die die Vereini⸗ 
gung ihrer besonderen Gesetze unter allgemeinen empiri⸗ 
schen fuͤr unseren Verstand unmoͤglich machte; weil das 
dem Princip der subjectiv⸗ zweckmaͤßigen Specification 
der Natur in ihrer Gattungen und unserer reflectirenden Ur⸗ 
theilskraft in der Absicht der letzteren widerstreitt. 
Diese Voraussetzung der Urtheilskraft ist gleichwohl 
daruͤber so unbestimmt: wie weit jene idealische Zweck⸗ 
maͤßigkeit der Natur fuͤr unser Erkenntnisvermoͤgen aus⸗ 
gedehnt werden solle, daß, wenn man uns sagt, eine 
tiefere oder ausgebreitetere Kenntnis der Natur durch 
Beobachtung muͤsse zuletzt auf eine Mannigfaltigkeit von 
Gesetzen stoßen die kein menschlicher Verstand auf ein 
Princip zuruͤck fuͤhren kann, wir es auch zufrieden sind, 
ob wir es gleich lieber hoͤren, wenn andere uns Hofnung 
geben: daß „ je mehr wir die Natur im Inneren kennen 
wuͤrden, oder mit aͤußeren uns fuͤr jetzt unbekannten 
Gliedern vergleichen koͤnnten, wir sie in ihren Principien 
um desto einfacher und, bey der scheinbaren Heterogenei⸗ 
taͤt ihrer empirischen Gesetze, einhelliger finden wuͤrden, 
je weiter unsere Erfahrung fortschritte; denn es ist ein 
Geheiß unserer Urtheilskraft nach dem Princip der An⸗ 
gemessenheit der Natur zu unserem Erkenntnisvermoͤgen 
zu verfahren, so weit es reicht, ohne (weil es keine be⸗ 
stimmende Urtheilskraft ist, die uns diese Regel giebt) 
auszumachen, ob es irgend wo seine Grenzen habe, oder
        <pb n="44" />
        nicht; weil wir zwar in Ansehung des rationalen Ge⸗ 
brauchs unserer Erkenntnisvermoͤgen Graͤnzen bestimmen 
koͤnnen, im empirischen Felde aber keine Graͤnzbestim— 
mung moͤglich is. 
VII. 
Von der aͤsthetischen Vorstellung der Zweck⸗ 
maͤßigkeit der Natur. 
Was an der Vorstellung eines Objects blos sub⸗ 
jectis ist, d. i. ihre Beziehung auf das Subject, nicht 
auf den Gegenstand ausmacht, ist die aͤsthetische Be⸗ 
schaffenheit derselben; was aber an ihr zur Bestim⸗ 
mung des Gegenstandes (zum Erkenntnisse) dient, oder 
gebraucht werden kann, ist ihre logische Guͤltigkeit. 
In dem Erkenntnisse eines Gegenstandes der Sinne 
kommen beyde Beziehungen zusammen vor. In der 
Sinnenvorstellung der Dinge außer mir ist die Qva⸗ 
litaͤt des Raums, darinn wir sie anschauen „ das blos 
Subjective meiner Vorstellung derselben (dadurch, was 
sie als Objecte an sich seyn, unausgemacht bleibt), 
um welcher Beziehung willen der Gegenstand auch 
dadurch blos als Erscheinung gedacht wird; der Raum 
ist aber, seiner blos subjectiven Qualitaͤt ungeachtet, 
gleichwohl doch ein Erkenntnisstuͤck der Dinge als 
Erscheinungen. Empfindung (hier die aͤußere) druͤckt 
eben sowohl das blos Subjective unserer Vorstellun— 
— 
Huteriehe C 
des gegeben 
—XR 
wohl wird 
außer vnd 
Do 
was go 
ik dew 
durch si 
Vorstel 
Aher 
it eine 
—Mu 
seshsz 
Werdon 
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Asd, di— 
seht, sa 
kekenntn 
—I 
chen, 
Alsd pir 
maͤßig 
mit dem 
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        bnalen Ge⸗ 
— 
caͤtzhesim 
Iweck. 
lbs suh⸗ 
hjech nist 
tishe her 
r Vestim⸗ 
ent, oder 
zuͤltigheit 
Sinne 
jn der 
e Oyha⸗ 
is hlos 
ch, was 
leibt), 
nd duch 
er Raum 
—W 
hge alb 
—) duͤct 
estellus 
Einleitung. XLI 
gen der Dinge außer uns aus, aber eigentlich das 
Materielle Reale) derselben (wodurch etwas Existiren⸗ 
des gegeben wird), so wie der Raum die bloße Form 
a priori der Moͤglichkeit ihrer Anschauung, und gleich— 
wohl wird jene auch zum Erkenntnis der Objecte 
außer uns gebraucht. 
Dasjenige Subjective aber an einer Vorstellung, 
was gar kein Erkenntnisstuͤck werden kann, 
ist die mit ihr verbundene Lust oder Unlust; denn 
durch sie erkenne ich nichts an dem Gegenstande der 
Vorstellung, obgleich sie wohl die Wirkung irgend 
einer Erkenntnis seyn kann. Nun ist die Zweckmaͤßig⸗ 
keit eines Dinges, so fern sie in der Wahrnehmung 
vorgestellt wird, auch keine Beschaffenheit des Objects 
selbst (denn eine solche kann nicht wahrgenommen 
werden), ob sie gleich aus einem Erkenntnisse der 
Dinge gefolgert werden kann. Die Zweckmaͤßigkeit 
also, die vor dem Erkenntnisse eines Objects vorher⸗ 
geht, ja ohne sogar die Vorstellnug desselben zu einem 
Erkenntnis brauchen zu wollen, gleichwohl mit ihr 
unmittelbar verbunden wird, ist das Subjective der⸗ 
selben, was gar kein Erkenntnisstuͤck werden kann. 
Alse wird der Gegenstand alsdann nur darum zweck— 
maͤßig genannt, weil seine Vorstellung unmittelbar 
mit dem Gefuͤhle der Lust verbunden ist, und diese 
Porstellung selbst ist eine aͤsthetische Vorstellung der 
ö 
509. 
—X 
36 
4.
        <pb n="46" />
        xuu Einleitung. 
Zweckmaͤßigkeit. — Es fraͤgt sich nur, ob es uͤber⸗ 
haupt eine solche Vorstellung der Zweckmaͤßigkeit gebe. 
Wenn mit der bloßen Auffassung (apprehensio) der 
Form eines Gegenstaudes der Anschauung, ohne Bezie⸗ 
hung derselben auf einen Begrif zu einem bestimmten 
Erkenntnis, Lust verbunden ist: so wird die Vorstellung 
dadurch nicht auf das Object, sondern lediglich auf das 
Subject bezogen und die Lust kann nichts anders als die 
Angemessenheit desselden zu den Erkenntnisvermoͤgen, 
die in der reflectirenden Urtheilskraft im Spiel sind, 
und so fern sie darin sind, also blos eine subjective for⸗ 
male Zweckmaͤßigkeit des Objects ausdruͤcken. Denn 
jene Auffassung der Formen in die Einbildungskraft 
kann niemals geschehen, ohne daß die reflectirende Ur⸗ 
theilskraft, auch unabsichtlich, sie wenigstens mit ihrem 
Vermoͤgen, Anschauungen auf Begriffe zu beziehen, 
vergliche. Wenn nun in dieser Vergleichung die Einbil—⸗ 
dungskraft (als Vermoͤgen der Anschauungen a priori) 
zum Verstande, als Vermoͤgen der Begriffe, durch eine 
gegebene Vorstellung unabssichtlich in Einstimmung ver⸗ 
setzt und dadurch ein Gefuͤhl der Lust erweckt wird , so 
muß der Gegenstand alsdann als zweckmaͤßig fuͤr die 
reflectirende Urtheilskraft angesehen werden. Ein solches 
Urtheil ist ein aͤsthetisches Urtheil uͤber die Zweckmaͤßig— 
keit des Objects, welches sich auf keinem vorhandenen 
Begriffe vom Gegenstande gruͤndet und keinen von ihm 
verschafft. Ein Gegenstand dessen Form, (nicht das 
Mutetiehen 
— 
von ihm p 
kuft an der 
vird, wi 
gothwend 
hoe dad 
huͤr jed 
heißta 
— 
Gesch 
Form 
NIithi 
duch 
hsic 
maͤßi 
bherhe 
ande 
Ohiecte 
ghqem 
amme 
deß d 
aner 
hisher 
velche 
orha
        <pb n="47" />
        Einleitung. xXRxuim 
uͤher⸗ 
X 
e Bezie⸗ 
immten 
kellung 
vuf dag 
tzals die 
rmoͤgen 
el sind, 
itbe sor⸗ 
M 
gökraft 
nde hr⸗ 
hnem 49 
ehen, 
Nhil⸗ 
iori 
Ifte 
yer⸗ 
d 
die 
Iches 
ihla 
enen 
im 
8 
Materielle seiner Vorstellung, als Empfindung) in der 
bloßen Reflexion uͤber dieselbe, (ohne Absicht auf einen 
von ihm zu erwerbenden Begrif) als der Grund einer 
Lust an der Vorstellung eines solchen Objects beurtheilt 
wird, mit dessen Vorstellung wird diese Lust auch als 
nothwendig verbunden geurtheilt, folglich als nicht blos 
fuͤr das Subject, welches diese Form auffaßt, sondern 
fuͤr jeden Urtheilenden uͤberhaupt. Der Gegenstand 
heißt alsdann schoͤn und das Vermoͤgen durch eine solche 
Lust (folglich auch allgemeinguͤltig zu urtheilen) der 
Geschmack. Denn da der Grund der Lust blos in der 
Form des Gegenstandes fuͤr die Reflexion uͤberhaupt, 
mithin in keiner Empfindung des Gegenstandes und 
auch ohne Beziehung auf einen Begrif, der irgend eine 
Absicht enthielte, gesetzt wird, so ist es allein die Gefetze 
maͤßigkeit im empirischen Gebrauche der Urtheilstraft 
uͤberhaupt (Einheit der Einbildungskraft mit dem Ver⸗ 
stande) in dem Subjecte, mit der die Vorstellung des 
Objects in der Reflexion , deren Bedingungen a priori 
allgemein gelten, zusammen stimmt und, da diese Zu⸗ 
sammenstimmung des Gegenstandes mit den Vermoͤgen 
des Subjects zufaͤllig ist, so bewirkt sie die Vorstellung 
einer Zweckmaͤßigkeit desselben in Ansehung der Erkennt⸗ 
nisvermoͤgen des Subjects. 
Hier ist nun eine Lust, die, wie alle Lust oder Unlust, 
welche nicht durch den Freyheitsbegrif (d. i. durch die 
borhergehende Bestimmung des oberen Begehrungsver⸗
        <pb n="48" />
        —BW Einleitung. 
moͤgens durch reine Vernuuft) gewirkt wird, niemals 
aus Begriffen, als mit der Vorstellung eines Gegen⸗ 
standes nothwendig verbunden, eingesehen werden kann, 
sondern jederzeit nur durch reflectirte Wahrnehmung als 
mit dieser verknuͤpft erkannt werden muß, folglich, wie 
alle empirische Urtheile, keine objective Nothwendigkeit 
ankuͤndigen und auf Guͤltigkeit a priori Anspruch machen 
kann. Aber das Geschmacksurtheil macht auch nur 
Anspruch wie jedes andere empirische Urtheil, fuͤr jeder⸗ 
mann zu gelten, welches unerachtet der inneren Zu⸗ 
faͤlligkeit desselben, immer moͤglich ist. Das Befrem⸗ 
dende und Abweichende liegt nur darinn; daß es nicht 
ein empirischer Begrif sondern ein Gefuͤhl der Lust (folg⸗ 
lich gar kein Begrif,) ist, welches doch durch das Ge⸗ 
schmacksurtheil, gleich als ob es ein mit dem Erkennt⸗ 
nisse des Objekts verbundenes Praͤdicat waͤre, jedermann 
zugemuthet und mit der Vorstellung desselben verknuͤpft 
werden soll. 
Ein einzelnes Erfahrungsurtheil, z. B. von dem, 
der in einem Bergerystall einen beweglichen Tropfen Waßs⸗ 
ser wahrnimmt, verlangt mit Recht, daß ein jeder an⸗ 
dere es eben so sinden muͤsse, weil er dieses Urtheil nach 
den allgemeinen Bedingungen der bestimmenden Urtheils— 
kraft, unter den Gesetzen einer moͤglichen Erfahrung uͤber⸗ 
haupt gefaͤllet hat. Eben so macht derjenige , welcher in 
der bloßen Resflexion aͤber die Form eines Gegenstandes, 
ohne Ruͤcksicht auf einen Begrif Lust empfindet, ob zwar 
dieseü Urthe 
—JU 
Nr Zrund 
— 
der weckn 
let sey Pr 
hoͤltnidd 
empirisch 
kraft un 
it alsot 
Vorstess 
sriffe he 
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iß doch 
durch,d 
— 
Vedihaun 
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— 
Ma 
schmack 
a phiofi 
worfena 
— 
Vilen yy·
        <pb n="49" />
        lüemalz 
8 Gegen⸗ 
mungals 
lüch, wie 
dendigkeit 
dmachen 
uch mur 
uͤr eden 
ieten Ju⸗ 
he frem⸗ 
ß nicht 
V— 
)as Ge⸗ 
honnt⸗ 
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nuͤpft 
)em, 
Vas⸗ 
Wan⸗—⸗ 
nach 
cheils⸗ 
Ihey⸗ 
gebis 
sdes, 
Einleitung. x&amp;Rxv 
dieses Urtheil empirisch und ein einzelnes Urtheil ist, mit 
Recht Anspruch auf Jedermanns Beystimmung; weil 
der Brund zu dieser Lust in der allgemeinen ob zwar sub⸗ 
jectiven Bedingung der reflectirenden Urtheile naͤmlich 
der zweckmaͤßigen Uebereinstimmung eines Gegenstandes 
ler sey Product der Natur oder der Kunst) mit dem Ver⸗ 
haͤltnis der Erkenntnisvermoͤgen unter sich, die zu jedem 
empirischem Irkenntnis erfordert wird (der Einbildungs⸗ 
kraft und des Werstandes), angetroffen wird. Die Lust 
ist also im Geschmacksurtheile zwar von einer empirischen 
Vorstellung abhaͤngig und kann a priori mit keinem Be⸗ 
griffe verbunden werden, (man kann a priori nicht be⸗ 
stimmen, welcher Gegenstand dem Geschmacke gemaͤs 
seyn werde, oder nicht, man muß ihn versuchen;) aber sie 
ist doch der Bestimmungsgrund dieses Urtheils nur da⸗ 
—XV beruhe blos auf der 
Reflexion und den allgemeinen, obwohl nur subjectiven 
Bedingungen der Uebereinstimmung derselben zum Er⸗ 
kenntnis der Objekte uͤberhaupt, fuͤr welche die Form des 
Objekts zweckmaͤßig isste. IJ 
Das ist die Ursache, warum die Urtheile des Ge— 
schmacks ihrer Moͤglichkeit nach, weil diese ein Princip 
à priori voraussetzt, auch einer Critik unter— 
worfen sind, obgleich dieses Princip weder ein Erkennt⸗ 
nisprincip fuͤr den Verstand, noch ein practisches fuͤr den 
Willen und also a priori gar nicht bestimmend ist. 
v sp
        <pb n="50" />
        xivr Einleitunsg. 
Die Empfaͤnglichkeit einer Lust aus der Reflexion 
uͤber die Formen der Sachen (der Natur so wohl als 
der Kunst) bezeichnet aber nicht allein eine Zweckmaͤßigkeit 
der Objekte in Verhaͤltnis auf die reflectirende Urtheils— 
kraft, gemaͤs dem Naturbegriffe am Subject, sondern 
auch umgekehrt des Subjects in Ansehung der Gegenstaͤn⸗ 
de ihrer Form ja selbst ihrer Unform nach, zu folge dem 
Freyheitsbegriffe und dadurch geschieht es: daß das aͤst⸗ 
—V—— das 
Schoͤne, sondern auch, als aus einem Geistesgefuͤhl ent⸗ 
sprungenes, aufs Erhabene bezogen und so jene Critik 
der aͤsthetischen Urtheilskraft in zwey diesen gemaͤße 
Haupttheile zerfallen muß. 
vorhergeht 
hehen gse 
der ersteren 
des Gegen 
ruhe; die 
da sie die 
moͤgen de 
quf ein 
einem« 
Gesoͤhl⸗ 
stande 
Heqri 
Gesshoe 
Erpkeyp 
VIII. 
Von der logischen Vorstellung der Zweck⸗ 
maͤßigkeit der Natur. 
An einem in der Erfahrung gegebenen Gegenstande 
kann Zweckmaͤßigkeit vorgestellt werden, entweder aus 
einem blos subjectiven Grunde als Uebereinstimmung 
seiner Form, in der Auffassung (apprehensio) dessel⸗ 
ben vor allem Begriffe, mit den Erkenntnisvermoͤgen, 
um die Anschauung mit Begriffen zu einem Erkenntnis 
aͤberhaupt zu vereinigen, oder aus einem objectiven, 
als Uebereinstimmung seiner Form mit der Moͤglichkeit 
des Dinges selbst, nach einem Begriffe von ihm, der 
kruhst, 
zur Gerf— 
Einbild 
inen de 
der fͤr 
inder 
—RD 
blo d 
Dinges 
vorgest 
suhjecti 
hach op
        <pb n="51" />
        Nesserimn 
noͤßikeit 
brthe ilg⸗ 
ondern 
de dem 
ag ͤs 
dufdag 
uͤhl egt 
le Critif 
Jemaͤße 
94 
jande 
ms 
nung 
yessel⸗ 
ͤgen, 
intnis 
ihen, 
hkeit 
M 
Einleitung. xXrvn 
borhergeht und den Grund dieser Form enthaͤlt. Wir 
haben gesehen: daß die Vorstellung der Zweckmaͤßigkeit 
der ersteren Art auf der unmittelbaren Lust an der Form 
des Gegenstandes in der bloßen Reflexion uͤber sie be⸗ 
ruhe; die also von der Zweckmaͤßigkeit der zweyten Art, 
da sie die Form des Objects nicht auf die Erkenntnisver⸗ 
moͤgen des Subjects in der Auffassung derselben, sondern 
auf ein bestimmtes Erkenntnis des Gegenstandes unter 
einem gegebenen Begriffe bezieht hat nichts mit einem 
Gefuͤhle der Lust an den Dingen, sondern mit dem Ver— 
stande in Beurtheilung derselben zu thun. Wenn der 
Begrif von einem Gegenstande gegeben ist, so besteht das 
Geschaͤfte der Urtheilskraft im Gebrauche desselben zum 
Erkenntnis in der Darstellung (exhibito), d. i. da— 
rinn, dem Begriffe eine correspondirende Anschauung 
zur Seite zu stellen, es sey, daß dieses durch unsere eigene 
Einbildungskraft geschehe, wie in der Kunst „, wenn wir 
einen vorhergefaßten Begrif von einem Gegenstande, 
der fuͤr uns Zweck ist, realisiren, oder durch die Natur, 
in der Technik derselben (wie bey organisirten Koͤrpern), 
wenn wir ihr unseren Begrif vom Zweck zur Beurthei⸗ 
lung ihres Productes unterlegen, in welchem Falle nicht 
blos Zweckmaͤßigkeit der Natur in der Form des 
Dinges, sondern dieses ihr Product als Naturzweck 
vorgestellt wrrd. — Ob zwar unser Begrif von einer 
subjectiven Zweckmaͤßigkeit der Natur in ihren Formen, 
nach empirischen Gesetzen gar kein Begrif vom Object
        <pb n="52" />
        xcvm Einleitung. 
ist, sondern nur ein Princip der Urtheilskraft sich in die— 
ser ihrer aͤbergroßen Mannigfaltigkeit Begriffe zu ver⸗ 
schaffen (in ihr orientiren zu koͤnnen): so legen wir ihr 
doch hiedurch gleichsam eine Ruͤcksicht auf unser Erkennt⸗ 
nisvermoͤgen nach der Analogie eines Zwecks bey und so 
koͤnnen wir die Naturschoͤnheit als Darstellung 
des Begrifs der formalen Glos subjectiven), und die 
Naturzwecke als Darstellung des Begrifs eiuer realen 
(objectiven) Zweckmaͤßigkeit ansehen, deren eine wir 
durch Geschmack (aͤsthetisch, vermittelst des Gefuͤhls der 
kust) die andere durch Verstand und Vernunft (logisch, 
nach Begriffen) beurtheilen. 
Hierauf gruͤndet sich die Eintheilung der Critik der 
Urtheilskraft in die der aͤsthetischen und teleologi⸗ 
sö chen ; indem unter der ersteren das Vermoͤgen die formale 
Zweckmaͤßigkeit (sonst auch subjective genannt) durchs 
Gefuͤhl der Lust oder Unlust, unter der zweyten das Ver⸗ 
moͤgen die reale Zweckmaͤßigkeit (objective) der Natur 
durch Verstand und Vernunft zu beurtheilen verstan— 
den wird. 
In einer Critik der Urtheilskraft ist der Theil wel⸗ 
cher die aͤsthetische urtheilskraft enthaͤlt, ihr wesentlich 
angehoͤrig, weil diese allein ein Princip enthaͤlt, welches 
die Urtheilskraft voͤllig a priori ihrer Reflexion uͤber die 
Natur zum Grunde legt, naͤmlich das einer formalen 
Zweckmaͤßigkeit der Natur nach ihren besonderen (empi⸗ 
rischen) Gesetzen fuͤr unser Erkenntnisvermoͤgen, ohne 
welche 
welgeschd 
sattdaß gat 
j hicht einn 
iiner Natur 
— 
bhjectide J 
durzwecker 
hetheilzkr 
euthalten 
um zum 
Gehrauc 
kratsscend⸗ 
— 
herhand 
Der 
zweclnßi⸗ 
ihhsn krten 
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Ahhemehen 
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Aegenesen 
önptmider⸗ 
mungmitg 
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        <pb n="53" />
        sch in de 
ie u der⸗ 
len hir he 
sir btnnr 
hey und d 
atlelung 
und de 
aiuer teaht 
neine gir 
heiͤhle de 
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Lritik der 
Aeolog⸗ 
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isß Ver⸗ 
rNatur 
serstan—⸗ 
W 
vesentlich 
welches 
aͤber die 
ymalet 
nlempi⸗ 
g, ohne 
velche 
Einleitung. xtix 
welche sich der Verstand in sie nicht sinden koͤnnte: an⸗ 
statt daß gar kein Grund a priori angegeben werden kann, 
ja nicht einmal die Moͤglichkeit davon aus dem Begriffe 
einer Natur, als Gegenstande der Erfahrung im Allge⸗ 
meinen sowohl, als im Besonderen, erhellet, daß es 
ebjective Zwecke der Natur, d. i. Dinge die nur als Na⸗ 
turzwecke moͤglich sind, geben muͤsse, sondern nur die 
Urtheilskraft, ohne ein Princip dazu a priori in sich zu 
enthalten, in vorkommenden Faͤllen (gewisser Producte) 
am zum Behuf der Vernunft von dem Begriffe der Zwecke 
Gebrauch zu machen, die Regel enthalte; nachdem jenes 
transscendentale Principischon den Begrif eines Zwecks 
(wenigstens dergorm nach) auf die Natur anzuwenden den 
Verstand vorbereitet hat. 
Der transscendentale Grundsatz aber, sich eine 
Zweckmaͤßigkeit der Natur in subjektiver Beziehung auf 
unser Erkenntnisvermoͤgen an der Form eines Dinges 
als ein Princip der Beurtheilung derselben vorzustellen 
laͤßt es gaͤnzlich unbestimmt, wo und in welchen Faͤllen 
ich die Beurtheilung, als die eines Products nach einem 
Princip der Zweckmaͤßigkeit und nicht vielmehr blos nach 
allgemeinen Naturgesetzen anzustellen habe, und uͤberlaͤßt 
es der aͤsthetischen Urtheilskraft, im Geschmacke die 
Angemessenheit desselben (seiner Form) zu unseren Er⸗ 
kenntnisvermoͤgen (so fern diese nicht durch Uebereinstim⸗ 
mung mit Begriffen, sondern durchs Gefuͤhl entscheidet) 
auszumachen. Dagegen giebt die teleologisch⸗gebrauchte 
Kants Crit, d, Urtheiskr
        <pb n="54" />
        Einleitung.“ 
Urtheilskraft die Bedingungen bestimmt an, unter denen 
etwas . B. ein organisirter Koͤrper) nach der Idee ei⸗ 
nes Zweks der Natur zu beurtheilen sey, kann aber keinen 
Grundsatz aus dem Begriffe der Natur, als Gegenstan⸗ 
de der Erfahrung, fuͤr die Befugnis anfuͤhren, ihr eine 
Beziehung auf Zwecke a priori beyzulegen, und auch nur 
unbestimmt dergleichen von der wirklichen Erfahrung an 
solchen Producten annezuhmen; davon der Grund ist, daß 
viele besondere Erfahrungen angestellt und unter der Ein⸗ 
heit ihres Princips betrachtet werden muͤssen, um eine 
objective Zweckmaͤßigkeit an einem gewissen Gegenstande 
nur empirisch erkennen zu koͤnnen. — Die aͤsthetische 
Urtheilskraft ist also ein besonderes Vermoͤgen Dinge nach 
einer Regel, aber nicht nach Begriffen zu beurtheilen. 
Die teleologische ist kein besonderes Vermoͤgen , sondern 
nur die reflectirende Urtheilskraft uͤberhaupt, so fern sie 
wie uͤberall im theoretischen Erkenntnisse nach Begriffen, 
aber in Ansehung gewisser Gegenstaͤnde der Natur nach 
besonderen Principien naͤmlich einer blos reflectirenden 
nicht Objecte bestimmenden Urtheilskraft verfaͤhrt, also 
ihrer Anwendung nach zum theoretischen Theile der Phi⸗ 
losophie gehoͤret, und der besonderen Principien wegen, 
die nicht, wie es in einer Doctrin seyn muß, bestim⸗ 
mend sind, auch einen besonderen Theil der Critik aus⸗ 
machen muß; anstatt daß die aͤsthetische Urtheilskraft zum 
Erkenntnis ihrer Gegenstaͤnde nichts beytraͤgt und also 
nur zur Critik des urtheilenden Subjects und der Er— 
X 
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bestim⸗ 
itik aus⸗ 
craft zum 
und alsh 
ser Ef⸗ 
Einleitung. Lt 
kenntnisvermoͤgen desselben, so fern sie der Principien 
a priori faͤhig sind, von welchem Gebrauche (dem theo⸗ 
retischen oder practischen) diese uͤbrigens auch seyn moͤ⸗ 
gen, gezaͤhlt werden muß, welche die Propaͤdevtik aller 
Philosophie ist. 
IX. 
Von der Verknuͤpfung der Gesetzgebungen 
des Verstandes und der Vernunft durch 
die Urtheilskrffft. 
Det Verstand ist a priori gesetzgebend fuͤr die Natur 
als Object der Sinne, zu einem theoretischen Er⸗ 
kenntnis derselben in einer moͤglichen Erfahrung. 
Die Vernunft ist a priori gesetzgebend fuͤr die 
Freyheit und ihre eigene Caussalitaͤt, als das Uebersinn⸗ 
liche in dem Subjecte, zu einem unbedingt⸗ practischen 
Erkenntnis. Das Gebiet des Naturbegrifs, unter der 
einen, und das des Freyheitsbegrifs, unter der anderen 
Gesetzgebung, sind gegen allen wechselseitigen Einflus, 
den sie fuͤr sich, (ein jedes nach seinen Grundgesetzen) 
auf einander haben koͤnnten, durch die große Kluft, wel⸗ 
che das Uebersinnliche von den Erscheinungen trennt, 
gaͤnzlich abgesondert; der Freyheitsbegrif bestimmt nichts 
in Ansehung der theoretischen Erkenntnis der Natur: der 
Naturbegrif eben so wohl nichts in Ansehung der pra—⸗ 
iischen Gesehe der Freyheit, und es ist in so kern nicht 
moͤglich eine Bruͤcke von einem Gebiete zu dem andern 
592
        <pb n="56" />
        in Einleitung— 
hinuͤberzuschlagen. — Allein, wenn die Bestimmungs⸗ 
gruͤnde der Caussalitaͤt nach dem Freyheitsbegriffe (und 
der practischen Regel die er enthaͤlt) gleich nicht in der 
Natur belegen sind und das Sinnliche das Uebersinnliche 
im Subject nicht bestimmen kann, so ist dieses doch um⸗ 
gekehrt (zwar nicht in Ansehung des Erkenntnisses der 
Natur, aber doch der Folgen aus dem ersteren auf die 
letztere) moͤglich und schon in dem Begriffe einer Caussa⸗ 
litaͤt durch Freyheit enthalten, deren Wirkung diesen 
ihren formalen Gesetzen gemaͤß in der Welt geschehen soll, 
ob zwar das Wort Ursache, von dem Uebersinnlichen 
gebraucht, nur den Grund bedeutet „ die Caussalitaͤt 
der Naturdinge, zu einer Wirkung gemaͤs dieser ihren 
eigenen Naturgesetzen, zugleich aber doch auch mit dem 
formalen Princip der Vernunftgesetze einhellig zu bestim⸗ 
men, wovon die Moͤglichkeit zwar nicht eingesehen, aber 
der Einwurf von einem vorgeblichen Widerspruch, der 
sich darin faͤnde, hinreichend widerlegt werden kan. *) 
H Einer von den verschiedenen vermeynten Widerspruͤchen in 
dieser gaͤnzlichen Unterscheidung der Naturcaussalitaͤt von der 
durch Freyheit ist der, da man ihr den Vorwurf macht; 
daß, wenn ich von Sindernissen, die die Natur der Caus⸗ 
salitaͤt nach Freyheitsgesetzen (den moralischen) legt, oder 
ihrer Befoͤrderung durch dieselbe rede, ich doch der ersto⸗ 
ren auf die letztere einen Rinflus einraͤume. Aber, wenn 
man das Gesagte nur verstehen will, so ist die Misdeutung 
sehr leicht zu verhuͤten. Der Widerstand oder die Befoͤr— 
die Virt 
— 
gxisiten soll 
hen in der Nc 
lich als Mer 
apriori ynd 
die hetheil 
schen den 
den Ueher 
practischen 
End wecke 
— 
denn dadw 
allinind 
— 
Der? 
Gesche X 
deß diest w⸗ 
der erstere 
derung, 
J keshe 
—D 
—2 
(des ẽ 
kiachtet 
hes unt 
ehen d 
her Nor 
vlt
        <pb n="57" />
        mmungi. 
srife (und 
cht in der 
er sinlicht 
zdoch um⸗ 
ttnises der 
ien quf die 
iher dausy 
ung den 
chehensel 
erfunlihen 
daussalitat 
eser ihren 
dmit dem 
iu hesin⸗ 
chen, aher 
uch, der 
kan. 
pruͤchen in 
ttaͤt von der 
uf macht: 
nw der Caus 
legt, sder 
—DV 
Iher, wetu 
Nüiddeutung 
die Hestt 
Einleitung. im 
— Die Wirkung nach dem Freyheitsbegriffe ist der End⸗ 
zweck, der (oder dessen Erscheinung in der Sinnenwelt 
xxistiren soll, wozu die Bedingung der Moͤglichkeit dessel— 
ben in der Natur (des Subjects als Sinnenwesens, naͤm⸗ 
lich als Mensch) vorausgesetzt wird. Das, was diese 
a priori und ohne Ruͤcksicht aufs Practische voraussetzt, 
die Urtheilskraft giebt den vermittelnden Begrif zwi⸗ 
schen den Naturbegriffen und dem Freyheitsbegriffe, der 
den uebergang von der reinen theoretischen zur reinen 
practischen, von der Gesetzmaͤßigkeit nach der ersten zum 
Endzwecke nach dem letzten moͤglich macht, in dem Be⸗ 
griffe einrr Zweckmaͤßigkeit der Natur an die Hand; 
denn dadurch wird die Moͤglichkeit des Endzwecks, der 
allein in der Natur und mit Einstimmung ihrer Gesetze 
wirklich werden kan, erkannt. 
Der Verstand giebt , durch die Moͤglichkeit seiner 
Gesetze a priori fuͤr die Natur, einen Beweis davon, 
daß diese von uns nur als Erscheinung erkannt werde, 
derung, ist nicht zwischen der Natur und Freyheit, sondern 
der ersteren als Erscheinnng und den Wirkungen der letzten 
als Erscheinungen in der Sinnenwelt; und selbst die Caus⸗ 
salitaͤt der Freyheit (der reinen practischen Vernunft) ist 
die Caussalitaͤt einer jener untergeordneten Naturursache 
(des Subjeets, als Mensch, folglich als Erscheinung he⸗ 
trachtet), von dexen Bestimmung das Intelligibile, wel⸗ 
ches unter der Freyheit gedacht wird, auf eine uͤbrigens 
leben so wie eben dasselbe, was das Uebersinnliche Substrat 
der Natur ausmacht) unerklaͤrliche Art, den Grund ent 
haͤlt,
        <pb n="58" />
        timi Einleitung. 
mithin zugleich Anzeige auf ein uͤbersinnliches Substrat 
derselben; aber laͤßt dieses gaͤnzlich unbestimmt. 
DieUrtheilskraft verschaft durch ihr Princip a priori der Be⸗ 
urtheilung der Natur, nach moͤglichen besonderen Gesetzen 
derselben, ihrem uͤbersinnlichen Substrat (in uns sowohl 
als außer uns) Bestimmbarkeit durchs intelle— 
ctuelle Vermoͤgen. Die Vernunft aber giebt eben 
demselben durch ihr practisches Gesetz a priori die 
Bestimmung; und so macht die Urtheilskraft den Ue⸗ 
bergang vom Gebiete des Naturbegrifs zu dem des Frey⸗ 
heitsbegrifs moͤglih. 
In Ansehung der Seelenvermoͤgen uͤberhaupt, so 
fern sie als obere, d. i. als solche, die eine Avtonomie 
enthalten, betrachtet werden, ist fuͤrdas Erkenntnis⸗ 
vermoͤgen (das theoretische der Natur) der Verstand, 
dasjenige, welches die constitutive Principien a 
priori enthaͤtt; fuͤr das Gefuͤhl der Lust und Unlust 
ist es die Urtheilskraft, unabhaͤngig von Begriffen und 
Empfindungen, die sich auf Bestimmung des Begeh⸗ 
rungsvermoͤgens beziehen und dadurch unmittelbar pra⸗ 
ctisch seyn koͤnnten; fuͤr das Begehrungsvermoͤgen 
die Vernunft, welche ohne Vermittelung irgend einer 
Lust, woher sie auch komme, practisch ist und demselben, 
als oberes Vermoͤgen, den Endzweck bestimmt, der zu⸗ 
gleich das reine intellectuelle Wohlgefallen am Objecte 
mit sich fuͤhrt. — Der Begrif der Urzheilskraft von ei⸗ 
—X 
gisen gehoͤt 
brkenntnisber 
uͤher gewise 
welches ihn 
bust oder P 
Syontaneit 
—XR 
haͤtt, wac 
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        g —T 
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en und 
hegeh⸗ 
ar pra⸗ 
noͤgen 
nd einer 
mselhen, 
der u⸗ 
V 
hon ei⸗ 
Einleitung 
ner Zweckmaͤßigkeit der Natur ist noch zu den Naturbe⸗ 
griffen gehoͤrig, aber nur als regulatives Princip des 
Erkenntnisvermoͤgens; ob zwar das aͤsthetische Urtheil 
uͤber gewisse Gegenstaͤnde (der Natur oder der Kunst), 
welches ihn veranlasset, in Ansehung des Gefuͤhls der 
Lust oder Unlust ein constitutives Princip ist. Die 
Spontaneitaͤt im Spiele der Erkenntnisvermoͤgen, 
deren Zusammenstimmung den Grund dieser Lust ent—⸗ 
haͤlt, macht den gedachten Begrif zur Vermittelung 
der Verknuͤpfung der Gebiete des Naturbegrifs mit dem 
Freyheitsbegriffe in ihren Folgen tauglich, indem diese 
zugleich die Empfaͤnglichkeit des Gemuͤths fuͤrs mora⸗ 
lische Gefuͤhl befoͤrdert. — Folgende Tafel kann die 
Uebersicht aller oberen Vermoͤgen ihrer systematischen 
Einheit nach erleichtern ). 
) Man hat es bedenklich gefunden, daß meine Eintheilun⸗ 
gen in der reinen Philosophie fast immer dreytheilig ausfal⸗ 
len. Das liegt aber in der Natur der Soche. Soll eine 
Eintheilung a priori geschehen, so wird sie entweder analy⸗ 
risch seyn, nach dem Satze des Widerspruchs und da ist sie 
jederzeit zweytheilig (guodlibet ens est aut A aut non A) 
oder sie ist synthetisch und, wenn sie in diesem Falle aus 
Begriffen a priori (nicht wie in der Mathematik aus der 
a priori dem Begriffe eorrespondirenden Anschauung) soll ge⸗ 
fuͤhrt werden, so muß, nach demjenigen, was zu der syn— 
thetischen Einheit uͤberhaupt erforderlich ist, naͤmlich 1. Be⸗ 
dingung 2. ein Bedingtes 3. der Begrif der aus der Ver⸗ 
einigung des Bedingten mit seiner Bedingung entspringt, 
die Eintheilung nothwendig Trichotomie seyn.
        <pb n="60" />
        91 
Einleitung. 
8 
2 
8 
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2 
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3 
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— — 
—X 
dioleett
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        ——— 
Eintheilung 
des ganzen Werks. 
Erster Theil. 
Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Erster Abschnitt. 
Analytik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Erstes Buch. 
Analytik des Schoͤnen. — 
Zweytes Buch. 
Analytik des Erhabenen. — 
Zweyter Abschnitt. 
Dialectik der aͤsthet. Urtheilskraft. 
S. 3 
3 
228 
ythall.
        <pb n="62" />
        1vin 
Zweyter Theil. 
Critik der teleologischen Urtheilskraft. 261 
Erste Abtheilung. 
Analytik der teleolog. Urtheiltskraft. 
Zweyte Abtheilung. 
Dialectik der teleolog. Urtheilskraft. 
— 267 
307 
Cri 
Anh a ng. IJ 
Methodenlehre der teleolog. Urtheilsk. — 359 
— 
L 
üan.
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        x 
— 264 
F5 
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Critik der Urtheilskraft 
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— 
—350 
Erster Theil. 
CLritifk 
4 
aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Rants Crit, d. Urtheilskr.
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        Erster Abschnitt. 
Analytifk 
der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Erstes Buch. 
Analytik des Schoͤnen. 
Erstes Moment 
des Geschmacksurtheils ) der Qualitaͤt nach. 
F. I. 
Das Geschmacksurtheil ist aͤsthetisch. 
Un zu unterscheiden, ob etwas schoͤn sey vder nicht, 
beziehen wir die Vorstellung nicht durch den Verstand 
auf's Object zum Erkenntnisse, sondern durch die Einbil⸗ 
6) Die Definition des Geschmacks, welche hier zum Grunde 
gelegt wird, ist: daß er das Vermoͤgen der Beurtheilung 
des Schoͤnen sey. Was aber dazu erfodert wird, um einen 
Gegenstand schoͤn zu nennen, das muß die Analyse der Ur— 
theile des Geschmacks entdecken. Die Momente, worauf 
diese Urtheilskraft in ihrer Reftexion acht hat, habe ich nach 
RA2
        <pb n="66" />
        41L6. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
dungskraft (vielleicht mit dem Verstande verbunden ) 
aufs Subject und das Gefuͤhl der Lust oder Unlust dessel⸗ 
ben. Das Geschmacksurtheil ist also kein Erkenntnis⸗ 
urtheil, mithin nicht logisch, sondern aͤsthetisch, wor⸗ 
unter man dasjenige versteht, dessen Bestimmungsgrund 
nicht anders als subjectiv seyn kann. Alle Bezie— 
hung der Vorstellungen, selbst die der Empfindungen, 
aber kann objectiv seyn (und da bedeutet sie das Reale 
einer empirischen Vorstellung): nur nicht die auf das 
Gefuͤhl der Lust und Unlust, wodurch gar nichts im Ob⸗ 
jecte bezeichnet wird, sondern in der das Subjeet wie es 
durch die Vorstellung afficirt wird, sich selbst fuͤhlt. 
Ein regelmaͤßiges, zweckmaͤßiges Gebaͤude mit sei⸗ 
nem Erkenntnißvermoͤgen (es sey in deutlicher oder ver⸗ 
worrener Vorstellungsart) zu befassen, ist ganz etwas 
anders, als sich dieser Vorstellung mit der Empfindung 
des Wohlgefallens bewußt zu seyn. Hier wird die 
Vorstellung gaͤnzlich aufs Subject, und zwar auf das 
Lebensgefuͤhl desselben, unter dem Namen des Gefuͤhls 
der Lust oder Unlust, bezogen, welches ein ganz besonde— 
res Unterscheidungs⸗ und Beurtheilungsvermoͤgen gruͤn⸗ 
det, das zum Erkenntnis nichts beytraͤgt, sondern nur 
Anleitung der logischen Funetionen zu urtheilen, aufgesucht 
(denn im Geschmacksurtheile ist immer noch ein⸗ Beziehung 
auf den Verstand enthalten). Die der Qualitaͤt habe ich 
zuerst in Betrachtung gezogen „weil das aͤsthetische Urtheil 
uͤber das Schoͤne auf diese zuerst Ruͤcksicht nimmt. 
7 
“ 
4 
2 
die gegehen 
Vemoͤgen 
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hene Vorste 
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4 
gen gruͤt⸗ 
dern gure 
dufgesucht 
ie Hesiehuns 
cut hahe ich 
Ache Utthel 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
die gegebene Vorstellung im Subjecte degen das ganze 
Vermoͤgen der Vorstellungen haͤlt, dessen sich das Ge⸗ 
muͤth im Gefuͤhl seines Zustandes bewußt wird. Gege⸗ 
bene Vorstellungen in einem Urtheile koͤnnen empirisch 
(mithin aͤsthetisch) seyn, das Urtheil aber, das durch 
sie gefaͤllt wird, ist logisch, wenn jene nur im Urtheile 
aufs Object bezogen werden. Umgekehrt aber, wenn 
die gegebenen Vorstellungen gar rational waͤren, wuͤr⸗ 
den aber in einem Urtheile lediglich aufs Subjert (sein 
Gefuͤhl) bezogen, so sind sie sofern jederzeit aͤsthetisch. 
9. 2. 
Das Wohlgefallen, welches das Geschmacks— 
urtheil bestimmt, ist ohne alles Interesse. 
Interesse wird das Wohlgefallen genannt, was wir 
mit der Vorstellung der Existenz eines Gegenstandes ver⸗ 
binden. Ein solches hat daher immer zugleich Beziehung 
aufs Begehrungsvermoͤgen, entweder als Bestimmungs⸗ 
grund desselben, oder doch als mit dem Bestimmungs⸗ 
zrunde desselben nothwendig zusammenhaͤngend. Nun 
will man aber, wenn die Frage ist ob etwas schoͤn sey, 
nicht wissen, ob uns, oder irgend jemand, an der Exi⸗ 
stenz der Sache irgend etwas gelegen sey, oder auch nur 
gelegen seyn koͤnne sondern wie wir sie in der bloßen 
Betrachtung (Anschauung oder Reflexion ) beurtheilen. 
Wenn mich jemand fraͤgt, ob ich den Pallast, den ich 
A 3
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        6. L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
vor mir sehe, schoͤn finde, so mag ich zwar sagen: ich 
liebe dergleichen Dinge nicht, die blos fuͤrs Angaffen ge⸗ 
macht sind, oder, wie jener Irokesische Sachem, hn 
gefallen in Paris nichts besser als die Garkuͤchen; ich 
kann noch uͤberdem auf die Eitelkeit der Großen auf gut 
Rousseauisch schmaͤlen, welche den Schweis des Volks 
auf so entbehrliche Dinge verwenden, ich kann mich end⸗ 
lich gar leicht uͤberzeugen, daß, wenn ich mich guf einem 
unbewohnten Eylande, ohne Hofnung jemals wieder zu 
Menschen zu kommen, befaͤnde, und ich durch meinen 
bloßen Wunsch ein solches Prachtgebaͤude hinzaubern 
koͤnnte, ich mir auch nicht einmal diese Muͤhe darum ge⸗ 
ben wuͤrde, wenn ich schon eine Huͤtte haͤtte, die mir be— 
quem genug ist. Man kann mir alles dieses einraͤumen 
und gutheißen, nur davon ist jetzt nicht die Rede. Man 
will nur wissen, ob die bloße Vorstellung des Gegenstan— 
des in mir mit Wohlgefallen begleitet sey, so gleichgüitig 
ich auch immer in Ansehung der Existenz des Gegenstan— 
des dieser Vor stellung seyn mag. Man sieht leicht, daß 
es auf dem, was ich aus dieser Vorstellung in mir selbst 
mache, nicht auf dem, worin ich von der Existenz des 
Segenstandes abhaͤnge, ankomme, um zu sagen, er sey 
schoͤn und zu beweisen, ich habe Geschmack,. Ein jee, 
muß eingestehen, daß dasjenige Urtheil uͤber Schoͤnheit, 
worin sich das mindeste Interesse mengt, sehr partheylich 
und kein reines Geschmacksurtheil sey. Man muß nicht 
im mindesten fuͤr die Eristenz der Sache eingenbmmen, 
J.J 
sohdern in 
—IXX 
Virk 
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urtheile da 
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koͤnnen, 
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sagen: i 
Angaffen ge⸗ 
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Ein jedet 
Shdhoͤnhei 
hartheylich 
nwuß nicht 
—WI 
1J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 7 
sondern in diesem Betracht ganz gleichguͤltig seyn, um 
in Sachen des Geschmacks den Richter zu spielen. 
Wir koͤnnen aber diesen Satz, der von vorzuglicher 
Erheblichkeit ist , nicht besser erlaͤutern, als wenn wir 
dem reinen uninteressirten) Wohlgefallen im Geschmacks⸗ 
urtheile dasjenige, was mit Interesse verbunden ist, ent⸗ 
gegensetzen, vornehmlich wenn wir zugleich gewiß seyn 
koͤnnen, daß es nicht mehr Arten des Interesse gebe, als 
pie so eben jetzt namhaft gemacht werden sollen. 
6. 2. 
Das Wohlgefallen am Angenehmen ist mit 
Interesse verbunden. 
Angenehm ist das, was den Sinnen 
in der Empfindung gefaͤllt. Hier zeigt sich nun 
sofort die Gelegenheit, eine ganz gewoͤhnliche Verwechse⸗ 
lung der deppelten Bedeutung, die das Wort Empfin⸗ 
dung haben kann, zu ruͤgen und darauf aufmerksam zu 
machen. Alles Wohlgefallen, (sagt oder denkt man) 
ist selbst Empfindung (einer Lust). Mithin ist alles was 
H Ein Urtheil uͤber einen Gegenstand des Wohlgefallens kann 
ganz uninteressirt, aber doch sehr interessant seyn, d. i. 
es gruͤndet sich auf keinem Interesse, aber es bringt ein In⸗ 
teresse hervor; dergleichen sind alle reine moralische Urtheile. 
Aber die Geschmacksurtheile begruͤnden an sich auch gar kein 
Interesse. Nur in der Gesellschaft wird es interessant Ge⸗ 
schmack zu haben, wovon der Grund in der Folge angeteigt 
werden wird. 
A
        <pb n="70" />
        8 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
gefaͤllt, eben hierin, daß es gefaͤllt, angenehm (und 
nach den verschiedenen Graden oder auch Verhaͤltnissen 
zu andern angenehmen Empfindungen anmuthig, 
lieblich, ergoͤtzend, erfreulich u. s. w.). Wird abe 
das eingeraͤumt, so sind Eindruͤcke der Sinne ,welche 
der Neigung, oder Grundsaͤtze der Vernunft, die den 
Willen, oder bloße reflectirte Formen der Anschauung, 
die die Urtheilskraft bestimmen, was die Wirkung aufs 
Gefuͤhl der Lust betrift, gaͤnzlich einerley. Denn diese 
waͤre die Annehmlichkeit in der Empfindung seines Zu⸗ 
standes, und, da doch endlich alle Bearbeitung unserer 
Vermoͤgen aufs Practische auegehen und sich darin als in 
ihrem Ziele vereinigen muß, so koͤnnte man ihnen keine 
andere Schaͤtzung der Dinge und ihres Werths zumu⸗ 
then, als die in dem Vergnuͤgen besteht, welches sie ver⸗ 
sprechen. Auf die Art, wie sie dazu gelangen, kommt 
es am Ende gar nicht an, und da nur die Wahl der 
Mittel hierin allein einen Unterschied machen kann, so 
koͤnnten Menschen einander wohl der Thorheit und des 
Unverstandes niemals aber der Niedertraͤchtigkeit und 
Bosheit beschuldigen; weil sie doch alle, ein jeder nach 
seiner Art die Sachen zu sehen, nach einem Ziele laufen, 
das fuͤr jedermann das Vergnuͤgen ist. J 
Wenn eine Bestimmung des Gefuͤhls der Lust oder 
Unlust Empfindung genannt wird, so bedeutet dieser 
Ausdruck etwas ganz anderes, als wenn ich eine Vor⸗ 
stellung einer Sache (durch Sinne als zum Erkenntnis 
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fern aber! 
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gkeit und 
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e laufen, 
dust oder 
eutet diesel 
eine Vor⸗ 
„kennthis 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 9 
gehoͤrige Receptivitaͤt) Empfindung nenne. Denn im 
letztern Falle wird die Vorstellung aufs Object, im er⸗ 
stern aber lediglich aufs Subject bezogen, und dient zu 
gar keinem Erkenntnisse, auch nicht zu demjenigen, da— 
durch sich das Subject selbst erkennt. 
Wir verstehen aber in der obigen Erklaͤrung unter 
dem Worte Empfindung eine objective Vorstellung der 
Sinne, und, um nicht immer Gefahr zu laufen, mis⸗ 
gedeutet zu werden, wollen wir das „ was jederzeit blos 
subjectiv bleiben muß und schlechterdings keine Vorstel⸗ 
lung eines Gegenstandes ausmachen kann, mit dem 
sonst uͤblichen Namen des Gefuͤhls benennen. Die gruͤne 
Farbe der Wiesen gehoͤrt zur objectiven Empfindung, 
als Wahrnehmung eines Gegenstandes des Sinnes; die 
Annehmlichkeit derselben aber zur subjectiven Empfin⸗ 
dung, wodurch kein Gegenstand vorgestellt wird; d. i. 
zum Gefuͤhl, dadurch der Gegenstand als Object des 
Wohlgefallens (welches kein Erkenntnis desselben ist) 
hetrachtet wiid. 
Daß nun mein Urtheil uͤber einen Gegenstand, da⸗ 
durch ich ihn fuͤr angenehm erklaͤre , ein Interesse an 
demselben ausdruͤcke, ist daraus schon klar, daß es durch 
Empfindung eine Begierde nach dergleichen Gegenstaͤnde 
rege macht, mithin das Wohlgefallen nicht das bloße 
Urtheil uͤber ihn, sondern die Beziehung seiner Existenz 
auf meinen Zustand, sofern er durch ein solches Object 
afficirt wird, voraussetzt. Daher man von dem Ange⸗ 
45
        <pb n="72" />
        10 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
nehmen nicht blos sagt, es gefaͤllt, sondern es ver⸗ 
gnuͤgt. Es ist nicht ein bloßer Beyfall, den ich ihm 
widme 4 sondern Neigung wird dadurch erzeugt und zu 
dem, was auf die lebhafteste Art angenehm ist, gehoͤrt 
sogar kein Urtheil uͤber die Beschaffenheit des Objects, 
daß diejenigen, so immer nur aufs Geniessen ausge⸗ 
hen, (denn das ist das Wort, womit man das In⸗ 
nige des Vergnuͤgens bezeichnet) sich gerne alles Urthei— 
lens uͤberheben. 
J.J 
Ihter dem 
gen von ke 
doch. d 
Reslexion 
Hegriffe 
Interscher 
ganz auf 
3w 
vielen 
§. 4. 
Das Wohlgefallen am Guten ist mit In— 
teresse verbunden. 
Gut ist das, was vermittelst der Vernunft durch 
den bloßen Begrif gefaͤllt. Wir nennen einiges wozu 
gut, (das Nuͤtzliche) was nur als Mittel gefaͤllt; ein 
anderes aber an sich gut, was fuͤr sich selbst gefaͤllt. 
In beiden ist immer der Begrif eines Zwecks, mithin 
das Verhaͤltnis der Vernunft zum (wenigstens moͤgli⸗ 
lichen) Wollen, folglich ein Wohlgefallen am Daseyn 
eines Objects oder einer Handlung, d. i. irgend ein In⸗ 
teresse enthalten. 
Um etwas gut zu finden, muß ich jederzeit wissen, 
was der Gegenstand fuͤr ein Ding seyn solle, d. i. einen 
Begrif von demselben haben. Um Schoͤnheit woran zu 
finden, habe ich das nicht noͤthig. Blumen, freye Zeich⸗ 
nungen, ohne Absicht in einander geschlungene zuͤge, 
lich sag 
ist an s 
dauerhaf⸗ 
man kans 
Vortbert 
Modruͤch 
sen einand 
lehme, da 
— 
den hegif 
gehrucht p- 
dut zu hent 
— 
was bergun 
hen „daßh— 
mittehar⸗ 
uͤch qut) su 
—XV
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        ökrat 
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den ich ihm 
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d Ohiecth 
sen ausge⸗ 
ign das M⸗ 
Ales hethe 
uurfst durch 
gez wozu 
faͤlt: ein 
f 
gesaͤllt. 
mithin 
s woͤgli⸗ 
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ein In⸗ 
eit wisen, 
J. i. einent 
woran su 
vene deich⸗ 
1J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 11 
unter dem Namen des Laubwerks, bedeuten nichts, haͤn— 
gen von keinem bestimmten Begriffe ab, und gefallen 
doch. Das Wohlgefallen am Schoͤnen muß von der 
Reflexion uͤber einen Gegenstand, die zu irgend einem 
Vegriffe (unbestimmt welchem) fuͤhrt, abhangen und 
unterscheidet sich dadurch auch vom Angenehmen, das 
ganz auf der Empfindung beruht. I 
Zwar scheint das Angenehme mit dem Guten in 
vielen Faͤllen einerley zu seyn. So wird man gemeinig⸗ 
lich sagen: alles (vornehmlich dauerhafte) Vergnuͤgen 
ist an sich selbst gut; welches ohngefaͤhr so viel heißt, als 
dauerhaft angenehm oder gut seyn, ist einerley. Allein 
man kann bald bemerken, daß dieses blos eine fehlerhafte 
Wortvertauschung seh, da die Begriffe, welche diesen 
Ausdruͤcken eigenthuͤmlich anhaͤngen, keinesweges ge⸗ 
gen einander ausgetauscht werden koͤnnen. Das Ange⸗ 
nehme, das, als ein solches, den Gegenstand lediglich 
in Beziehung auf den Sinn vorstellt, muß allererst durch 
den Begrif eines Zwecks unter Principien der Vernunft 
gebracht werden, um es, als Gegenstand des Willens, 
gut zu nennen. Daß dieses aber alsdenn eine ganz an⸗ 
dere Beziehung auf das Wohlgefallen sey, wenn ich das, 
was vergnuͤgt, zugleich gut nenne, ist daraus zu erse⸗ 
hen, daß beym Guten immer die Frage ist, ob es blos 
mittelbar⸗gut oder unmittelbar⸗ gut (ob nuͤtzlich oder an 
sich gut) sey, da hingegen beym Angenehmen hieruͤber 
gar nicht die Frage seyn kann, indem das Wort jederzeit
        <pb n="74" />
        12 IL. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
etwas bedeutet, was unmittelbar gefaͤllt. (Eben so ist 
es auch mit dem, was ich schoͤn nenne, bewandt.) 
Selbst in den gemeinsten Reden unterscheidet man 
das Angenehme vom Guten. Von einem durch Gewuͤrze 
und andern Zusaͤtzen den Geschmack erhebenden Gerichte 
sagt man ohne Bedenken, es sey angenehm, und gesteht 
zugleich, daß es nicht gut sey, weil es zwar unmittelbar 
den Sinnen behagt, mittelbar aber, d. i. durch die 
Vernunft, die auf die Folgen hinaus sieht, betrachtet, 
misfaͤllt. Selbst in der Beurtheilung der Gesundheit 
kann man noch diesen Unterschied bemerken. Sie ist je⸗ 
dem, der sie besitzt, unmittelbar angenehm ( wenigstens 
negativ, d. i. als Entfernung aller koͤrperlichen Schmer⸗ 
zen). Aber, um zu sagen, daß sie gut sey, muß man 
sie noch durch die Vernunft auf Zwecke richten, nehmlich 
daß sie ein Zustand ist, der uns zu allen unsern Geschaͤf⸗ 
ten auferlegt macht. Aber von der Gluͤckseligkeit, glaubt 
endlich doch jedermann die groͤßte Summe (der Menge 
sowohl als Dauer nach) der Annehmlichkeiten des Le⸗ 
bens ein wahres, ja sogar das hoͤchste Gut nennen zu 
koͤnnen. Allein auch dawider straͤubt sich die Vernunft. 
Annehmlichkeit ist Genuß. Ist es aber auf diesen allein 
angelegt, so waͤre es thoͤricht, scrupuloͤs in Ansehung 
der Mittel zu seyn, die ihn uns verschaffen, ob erlei— 
dend, von der Freygebigkeit der Natur oder durch 
Selbstthaͤtigkeit und unser eigen Wirken erlangt waͤre. 
Daß aber eines Menschen Existenz einen Werth habe, 
19. 
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waͤre. 
Jahe, 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 13 
der nur blos lebt (und in dieser Absicht noch so sehr ge⸗ 
schaͤftig ist) um zu genießen, sogar wenn er dabey an⸗ 
dern, die alle eben so wohl nur aufs Genießen ausge⸗ 
hen, als Mittel dazu aufs beste befoͤrderlich waͤre, und 
zwar darum, weil er durch Sympathie alles Vergnuͤgen 
mit genoͤsse, das wird sich die Vernunft nie uͤberreden 
lassen. Nur durch das, was er thut, ohne Ruͤcksicht 
auf Genuß, in voller Freyheit und unabhaͤngig von dem, 
was ihm die Natur auch leidend verschaffen koͤnnte, giebt 
er seinem Daseyn als der Existenz einer Person einen 
Werth und die Gluͤckseligkeit ist, mit der ganzen Fuͤlle 
ihrer Annehmlichkeit , bey weitem nicht ein unbeding⸗ 
tes Gut. *) 
Aber, unerachtet aller dieser Verschiedenheit zwi⸗ 
schen dem Angenehmen und Guten, kommen beyde doch 
darin uͤberein: daß sie jederzeit mit einem Interesse an 
ihrem Gegenstande verbunden sind nicht allein das An⸗ 
genehme 8. 3 und das mittelbar Gute (das Nuͤtzliche) 
welches als Mittel zu irgend einer Annehmlichkeit ge⸗ 
faͤllt, sondern auch das schlechterdings und in aller Ab⸗ 
sicht Gute, nehmlich das moralische, welches das hoͤchste 
Interesse bey sich fuͤhrt. Denn das Gute ist das Object 
) Eine Verbindlichkeit zum Geniessen ist eine offenbare Un⸗ 
gereimtheit. Eben das muß also auch eine vorgegebene 
Verbindlichkeit zu allen Handlungen seyn, die zu ihrem 
Ziele blos das Geniessen haben, dieses mag nun so geistig 
ausgedacht (oder verbraͤmt) seyn, wie es wolle, und wenn 
es auch ein mystischer sogenannter himmlischer Genuß waͤre
        <pb n="76" />
        14 L Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
des Willens (d. i. eines durch Vernunft bestimmten Be— 
gehrungsvermoͤgens). Etwas aber wollen und an dem 
Daseyn desselben ein Wohlgefallen haben d. i. daran ein 
Interesse nehmen, ist identisch. 
heg wit 
Apder um 
Modruͤck 
richnet, 
ag VR 
⸗ 
* 
F. 5. 
Vergleichung der drey specifisch verschiedenen 
Arten des Wohlgefallens. 
3— 
V— 
444 
Das Angenehme und Gute haben beyde eine Bezie⸗ 
hung auf's Begehrungsvermoͤgen, und fuͤhren sofern, je⸗ 
nes ein pathologisch -hedingtes (durch Anreize, Stimulos), 
dieses ein reines practisches Wohlgefallen bey sich, wel⸗ 
ches nicht blos durch die Vorstellung des Gegenstandes, 
sondern zugleich durch die vorgestellte Verknuͤpfung des 
Subjects mit der Existenz desselben bestimmt wird. Daher 
ist das Geschmacksurtheil blos contemplativ d. i. ein 
Urtheil welches, indifferent in Ansehung des Daseyns 
eines Gegenstandes, nur seine Veschaffenheit mit Gefuͤhl 
der Lust und Unlust zusammenhaͤlt. Aber diese Contem⸗ 
plation selbst ist auch nicht auf Begriffe gerichtet; denn 
das Geschmacksurtheil ist kein Erkenntnisurtheil (ein 
theoretisches) und daher auch nicht auf Begriffe ge⸗ 
gruͤndet oder auch auf solche abgezweckt. 
Das Angenehme, das Schoͤne, das Gute bejeich— 
uen also drey verschiedene Verhaͤltnisse der Vorstellungen 
zum Gefuͤhl der Lust und Unlust, in Beziehung auf wel⸗ 
aͤlt, 
objectide 
fuͤr ver 
d. i. I 
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ttheil (ein 
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4 
zute hc eich⸗ 
orffelungen 
uf wel⸗ 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 15 
ches wir Gegenstaͤnde, oder Vorstellungsarten, von ein⸗ 
ander unterscheiden. Auch sind die jedem angemessene 
olusdruͤcke, womit man die Complacenz in denselben be— 
zeichnet, nicht einerley. Angenehm heißt Jemanden 
das, was ihn vergnuͤgt, schoͤn was ihm blos g e— 
faͤllt, gut was geschaͤtzt d. i. worin von ihm ein 
objectiver Werth gesetzt wird. Annehmlichkeit gilt auch 
fuͤr vernunftlose Thiere Schoͤnheit nur fuͤr Menschen 
d. i. thierische, aber doch vernuͤnftige Wesen, das Gute 
aber fuͤr jedes vernuͤnftige Wesen uͤberhaupt. Ein Satz, 
der nur in der Folge seine vollstaͤndige Rechtfertigung 
und Erklaͤrung bekommen kann. Man kann sagen : daß 
unter allen diesen drey Arten des Wohlgefallens, das 
des Geschmacks am Schoͤnen einzig und allein ein unin⸗ 
teressirtes und freyes Wohlgefallen sey; denn ein In— 
teresse, sowohl das der Sinne als das der Vernunst, 
zwingt den Beyfall ab. Daher koͤnnte man von dem 
Wohlgefallen sagen: es beziehe sich in den drey genann⸗ 
ten Faͤlen auf Neigung, oder Gunst, oder Ach— 
tung. Denn Gun st ist das einzige freye Wohlge⸗ 
fallen. Ein Gegenstand der Neigung und der, so durch 
ein Vernunftgesetz uns zum Begehren auferlegt wird, N 
lassen uns keine Freyheit, uns selbst irgend woraus ei— 
nen Gegenstand der Lust zu machen. Alles Interesse 
setzt Beduͤrfnis voraus, oder bringt eines hervor und, 
als Bestimmungsgrund des Beyfalls, laͤßt es das Ur— 
theil uͤber den Gegenstand nicht mehr frey seyn. 
— ——
        <pb n="78" />
        16 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Was das Interesse der Neigung beym Angenehmen 
betrift, so sagt jedermann: Hunger ist der beste Koch, 
und Leuten von gesundem Appetit schmeckt alles, was 
nur eßbar ist; mithin beweiset ein solches Wohlgefallen 
keine Wahl nach Geschmack. Nur wenn das Beduͤrfnis 
befriedigt ist, kann man unterscheiden, wer unter vielen 
Geschmack habe, oder nicht. Eben so giebt es Sitten 
(Conduite) ohne Tugend, Hoͤflichkeit ohne Wohlwollen, 
Anstaͤndigkeit ohne Ehrbarkeit u. s. w. Denn wo das 
sittliche Gesetz spricht, da giebt es auch weiter keine freye 
Wahl in Ansehung dessen, was zu thun sey, und Ge⸗ 
schmack in seiner Auffuͤhrung (oder Beurtheilung ande⸗ 
rer ihrer) zeigen, ist etwas ganz anderes, als seine mo⸗ 
ralische Denkungsart aͤußern ; denn diese enthaͤlt ein Ge⸗ 
bot und bringt ein Beduͤrfnis hervor, da hingegen der 
sittliche Geschmack mit den —A des Wohlge⸗ 
fallens nur spielt, ohne sich an eines zu haͤngen. 
Aus dem ersten Momente gefolgerte Erklaͤ⸗ 
rung des Schoͤnen. 
315. 74Geschmack ist das Beurtheilungsvermoͤgen ei— 
* Gegenstandes oder einer Vorstellungsart durch ein 
Wohlgefallen, oder Misfallen, ohne alles In—⸗ 
teresse. Der Gegenstand eines solchen Wohlgefallens 
heißt Schoͤn. 
Zweytes 
Das 
06 
krklͤr 
Hefalle 
d,en 
falen 
seh, da⸗ 
daß c/ 
enthalten 
— 
— 
—1 In⸗⸗ 
Lenonde 
— 
snden, a 
deher —X 
hy jcdem 
Auuhen g 
Whleesihh— 
Zant, Crit
        <pb n="79" />
        kkrast 
shenehmen 
este hohh 
leg, waß 
Ahlgefalen 
Hduͤrshig 
ud vielen 
Gditten 
Wohhdehen, 
bkkeine ste 
AUnd Ge— 
lung ande 
o seine mo⸗ 
aͤlt eit ho 
lgegen der 
bohlge⸗ 
4 
Frkla⸗ 
rwoͤgen ei 
et durch ein 
gbeg It⸗ 
ugefalens 
wehle 
l. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskra st. 17 
Zweyt es Moment 
des Geschmacksurtheils, naͤmlich seiner 
Quantitaͤt nach. 
9. 6. 
Das Schoͤne ist das, was ohne Begriffe, als 
Object eines allgemeinen Wohlgefallens 
vorgestellt wird. 
Diese Erklaͤrung des Schoͤnen kann aus der vorigen 
Erklaͤrung desselben, als eines Gegenstandes des Wohl⸗ 
gefallens ohne alles Interesse, gefolgert werden. Denn 
das, wovon jemand sich bewußt ist, daß das Wohlge⸗ 
fallen an demfelben bey ihm selbst ohne alles Interesse 
sey, das kann derselbe nicht anders als so beurtheilen, 
daß es einen Grund des Wohlgefallens fuͤr jedermann 
enthalten muͤsse. Denn da es sich nicht auf irgend eine 
Neigung des Subjects (noch auf irgend ein anderes 
uͤberlegtes Interesse) gruͤndet, sondern der Urtheilende 
sich in Ansehung des Wohlgefallens, welches er dem Ge⸗ 
genstande widmet, voͤllig frey fuͤhlt: so kann er keine 
Privatbedingungen als Gruͤnde des Wohlgefallens auf— 
finden, an die sich sein Subject allein hinge und muß es 
daher als in demjenigen begruͤndet ansehen, was er auch 
bey jedem andern voraussetzen kann; folglich muß er 
glauben Grund zu haben „jedermann ein aͤhnliches 
Wohlgefallen zuzumuthen. Er wird daher vom Schoͤ⸗ 
Kantz Crit. d, Urtheilstr. B
        <pb n="80" />
        18 IL. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
nen so sprechen, als ob Schoͤnheit eine Beschaffenheit 
des Gegenstandes und das Urtheil logisch (durch Begriffe 
vom Obiecte eine Erkenntnis desselben ausmachen) waͤre; 
ob es gleich nur aͤsthetisch ist und blos eine Beziehung 
der Vorstellung des Gegenstandes aufs Subject enthaͤlt; 
darum, weil es doch mit dem logischen die Aehnlichkeit 
hat, daß man die Guͤltigkeit desselben fuͤr jederman dar⸗ 
an voraussetzen kann. Aber aus Begriffen kann diese 
Allgemeinheit auch nicht entspringen. Denn von Be⸗ 
griffen giebt es keinen Uebergang zum Gefuͤhle der 
Lust und Unlust (ausgenommen in reinen practischen Ge⸗ 
setzen, die aber ein Interesse bey sich fuͤhren, dergleichen 
mit dem reinen Geschmacksurtheile nicht verbunden ist). 
Folglich muß dem Geschmacksurtheile, mit dem Bewußt⸗ 
seyn der Absonderung in demselben von allem Interesse, 
ein Anspruch auf Guͤltigkeit fuͤr jedermann ohne auf 
Objecte gestellte Allgemeinheit anhaͤngen, d. i. es muß 
damit ein Anspruch auf subjective Allgemeinheit ver⸗ 
bunden seyn. 
§. 7. 
Vergleichung des Schoͤnen mit dem Angeneh— 
men und Guten durch obiges Merkmal. 
In Ansehung des Angenehmen bescheidet sich ein 
jeder: daß sein Urtheil, welches er auf ein Privatgefuͤhl 
gruͤndet und wodurch er von einem Gegenstande sagt, 
daß er ihm gefalle, sich auch blos anf seine Person ein⸗ 
schtaͤnke. 
sast, det 
den Ausd 
gen: er a 
schmackde 
sondern c 
genehm 
und lie 
lieht der 
—W 
steiten 
gen ger⸗ 
gen gesetz 
heit un 
saß gp 
Enne) 
Pit )y 
buͤrgeh 
sthau ser 
— 
— 
kert, bod 
thelun qu 
mußeg m 
knen Je 
hhem, da⸗ 
kiwoß ss
        <pb n="81" />
        —D 
eshafnh i 
rh degris 
chen) daͤre 
wihehun 
en etthut; 
— 
dernon dar⸗ 
nkohn dise 
eenn von so⸗ 
besihle de 
actischen Cr 
dergleichen 
burdenih) 
em Hewußt 
s 
Iutereß, 
ne auf 
es muß 
nheit ver⸗ 
Angeneh⸗ 
rekwal. 
ädet sihein 
—X 
fande sagt, 
Jerson eitr 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 19 
schraͤnke. Daher ist er es gern zufrieden, daß, wenn er 
sagt, der Canariensect ist angenehm „ ihm ein anderer 
den Ausdruck verbessern und ihn erinnere, er solle sa⸗ 
gen: er ist mir angenehm, und so nicht allein im Ge⸗ 
schmack der Zunge, des Gaumens und des Schlundes, 
sondern auch dem, was fuͤr Augen und Ohren jedem an⸗ 
genehm seyn mag. Dem einen ist die violette Farbe sanft 
und lieblich, dem andern todt und erstorben. Einer 
liebt den Ton der Blasinstrumente, der andre den von 
den Saiteninstrumenten. Daruͤber in der Absicht zu 
streiten um das Urtheil anderer, welches von dem unsri⸗ 
gen verschieden ist, gleich als ob es diesem logisch entge⸗ 
gen gesetzt waͤre, fuͤr unrichtig zu schelten, waͤre Thor⸗ 
heit und in Ansehung des Angenehmen gilt der Grund⸗ 
satz: ein jeder hat seinen besondern Geschmack (der 
Sinne).— 
Mit dem Schoͤnen ist es ganz anders bewandt. Es 
waͤre (gerade umgekehrt) laͤcherlich, wenn jemand, der 
sich auf seinen Geschmack etwas einbildete, sich damit zu 
rechtfertigen gedaͤchte, dieser Gegenstand ( das Gebaͤude, 
was wir sehen, das Kleid, was jener traͤgt, das Con⸗ 
cert, was wir hoͤren, das Gedicht , welches zur Beur⸗ 
theilung aufgestellt ist,) ist fuͤr mich schoͤn. Denn er 
muß es nicht schoͤn nennen, wenn es blos ihm gefaͤllt. 
Einen Reiz und Annehmlichkeit mag fuͤr ihn Vieles 
haben, darum bekuͤmmert sich niemand; wenn er aber 
etwas fuͤr schoͤn ausgiebt, so muthet er andern eben 
B 2
        <pb n="82" />
        20. L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
dasselbe Wohlgefallen zu, er urtheilt nicht blos fuͤr sich, 
sondern fuͤr jedermann, und spricht alsdenn von der 
Schoͤnheit, als waͤre sie eine Eigenschaft der Dinge. Er 
sagt daher , die Sache ist schoͤn und rechnet nicht etwa 
darum auf andere Einstimmung in sein Urtheil des Wohl⸗ 
gefallens, weil er es mehrmalen mit dem seinigen ein⸗ 
stimmig befunden hat, sondern fordert es von ihnen. 
Er tadelt sie, wenn sie anders urtheilen und spricht ih⸗ 
nen den Geschmack ab, von dem er doch verlangt, daß 
sie ihn haben sollen, und sofern kann man nicht sagen: 
ein jeder hat seinen besondern Geschmack. Dieses wuͤede 
so viel sagen, als: es giebt gar keinen Geschmack, d. i. 
kein aͤsthetisches Urtheil, welches auf jedermanns Bey— 
stimmung rechtmaͤßigen Anspruch machen koͤnnte. 
Gleichwohl findet man auch in Ansehung des Ange 
nehmen, daß in der Beurtheilung desselben sich Einhel— 
ligkeit unter Menschen antreffen lasse, in Absicht auf 
welche man doch einigen den Geschmack abspricht, an⸗ 
dern ihn zugesteht, und zwar nicht in der Bedeutung als 
Organsinn, sondern als Beurtheilungsvermoͤgen in An— 
sehung des Angenehmen uͤberhaupt. So sagt man von 
jemanden, der seine Gaͤste mit Annehmlichkeiten (des 
Genusses durch alle Sinne) so zu unterhalten weiß, daß 
es ihnen insgesammt gefaͤllt; er habe Geschmack. Aber 
hier wird die Allgemeinheit nur comparativ genommen 
und da giebt es nur generale, nicht universale Re⸗ 
geln, welche letztere das Geschmacksurtheil uͤber das 
J. . 
3 
— 
boi iin hu 
sen sie auf 
Guten mac 
tigkeit fuͤr 
nur durchk 
Vohlgefob 
dehmenen 
Die Is 
Nnem 
Nes⸗ 
ashetshen 
ahtresen 
— 
hhen, hweh 
mdn les 
ine khenn⸗ 
delhe „bhr 
hen vin. 
Zuehß 
man durch 
Wohleefel 
7— ohne 
(denn da
        <pb n="83" />
        —D 
bos fur ich 
in von du 
dinge. Er 
licht etwa 
lheß Vehl 
titigen ein 
wn ihnen. 
id hiiht is⸗ 
erlangt, v 
uiht — 
—T 
mack, dej 
te 
deg Ange 
b Einhel⸗ 
oscht auf 
richt, au⸗ 
utung als 
en in An⸗ 
man von 
aten (des 
weiß, daß 
jack. Wer 
* 
enommen 
ersale Re⸗ 
aͤher Mi 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 21 
Schoͤne sich —XR oder darauf Anspruch macht. 
Es ist ein Urtheil in Beziehung auf die Geselligkeit, so⸗ 
fern sie auf empirischen Regeln beruht. In Ansehung des 
Guten machen die Urtheile zwar auch mit Recht auf Guͤl⸗ 
tigkeit fuͤr jddermann Anspruch, allein das Gute wird 
nur durch einen Begrif als Object eines allgemeinen 
Wohlgefallens vorgestellt, welches weder beym Ange⸗ 
nehmen noch Schoͤnen der Fall ist. 
6. 8. 
Die Allgemeinheit des Wohlgefallens wird in 
einem Geschmacksurtheile nur als sub— 
jectiv vorgestellt. 
Diese besondere Bestimmung der Allgemeinheit eines 
aͤsthetischen Urtheils, die sich in einem Geschmacksurtheile 
antreffen laͤßt, ist eine Merkwuͤrdigkeit, zwar nicht fuͤr 
den Logiker, aber wohl fuͤr den Transscendental⸗Philo⸗ 
sophen, welche ihre nicht geringe Bemuͤhung auffordert, 
um den Ursprung derselben zu entdecken, dafuͤr aber auch 
eine Eigenschaft unseres Erkenntnisvermoͤgens aufdeckt, 
welche, ohne diese⸗ Zergliederung, unbekannt geblie⸗ 
hen waͤre. 
Zuerst muß man sich davon voͤllig uͤberzeugen: daß 
man durchs Geschmacksurtheil (uͤber das Schoͤne) das 
Wohlgefallen an einem Gegenstande jedermann an⸗ 
sinne, ohne sich doch auf einem Begriffe zu gruͤnden 
(denn da waͤre es das Gute), und daß dieser An⸗ 
B 3
        <pb n="84" />
        22 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
spruch auf Allgemeinguͤltigkeit, so wesentlich zu einem 
Urtheil gehoͤre, dadurch wir etwas fuͤr schoͤn erklaͤren, 
daß, ohne dieselbe dabey zu denken, es niemand in die 
Gedanken kommen wuͤrde, diesen Ausdruck zu brauchen, 
sondern alles was ohne Begrif gefaͤllt, zum Angeneh— 
men gezaͤhlt werden wuͤrde, in Ansehung dessen man jeg⸗ 
lichem seinen Kopf fuͤr sich haben laͤßt und keiner dem an⸗ 
dern Einstimmung zu seinem Geschmacksurtheile zumu⸗ 
thet, welches doch im Geschmacksurtheile uͤber Schoͤn⸗ 
heit jederzeit geschieht. Ich kann den ersten den Sinnen⸗ 
Geschmack den zweyten den Reflexions⸗-Geschmack nen⸗ 
nen: sofern der erstere blos Privaturtheile, der zweyte 
aber vorgebliche gemeinguͤltige( publike), beyderseits 
aber aͤsthetische (nicht practische) urtheile/ Aber einen 
Gegenstand, in Ansehung des Verhaͤltnisses seiner Vor⸗ 
stellung zum Gefuͤhl der Lust und Unlust, faͤllet. Nun 
ist es doch befremdlich, daß, da von dem Sinnenge⸗ 
schmack nicht allein die Erfahrung zeigt, daß sein Urtheil 
(der Lust oder Unlust an irgend etwas) nicht allgemein 
gelte, sondern jedermann auch von selbst so bescheiden ist, 
diese Einstimmung andern nicht eben anzusinnen (ob sich 
gleich wirklich oͤfters eine sehr ausgebreitete Einhelligkeit 
auch in diesen Urtheilen vorfindet), der Reflexionsge— 
schmack, der doch auch oft genug mit seinem Anspruche 
auf die allgemeine Guͤltigkeit seines Urtheils (uͤber das 
Schoͤne) fuͤr jedermann abgewiesen wird, wie die Erfah— 
rung lehrt, gleichwohl es moͤglich finden koͤnne welches 
18 
eb auch wur 
Ehstimmur 
Jsat fuͤr je 
muthet, d 
keit eines 
—XX 
dung dieß 
Hie 
heit, die 
nur emp 
tisch sey 
sonderten 
den usd 
tigkeit gie 
—T 
und Unlus 
sih cher quc 
titit dez hr⸗ 
— 
bhs suhet 
Nuni 
auth jdenei 
was unten 
so gilt — 
durh deßn 
den Alhen 
uufteihen
        <pb n="85" />
        ilckraf 
— 
oͤn ellien, 
Mand in die 
u krauchen, 
Ingeneh— 
esen man — ß 
diher dem q— 
urtheie — 
e aͤher Shon 
nden Sinnen 
eschmack hep 
der zweytt 
—X 
—D 
ʒ seiner Yor⸗ 
ulet. Pun 
dinnenge⸗ 
sein Urtheil 
wallgemein 
scheiden is, 
auen (ob sich 
kinheliigkeit 
KRellerionege⸗ 
em Auspruch 
ails (uͤher das 
wie die Ersoß⸗ 
aue welcht 
im 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 23 
er auch wirklich thut) sich Urtheile vorzustellen, die diese 
Einstimmung allgemein fordern koͤnnten und sie in der 
That fuͤr jedes seiner Geschmacksurtheile jedermann zu⸗ 
muthet, ohne daß die Urtheilenden wegen der Moͤglich⸗ 
keit eines solchen Anspruchs im Streite sind, sondern 
sich nur in besondern Faͤllen wegen der richtigen Anwen⸗ 
dung dieses Vermoͤgens nicht einigen koͤnnen. 
Hier ist nun allererst zu merken, daß eine Allgemein⸗ 
heit, die nicht auf Begriffen vom Objecte (wenn gleich 
nur empirischen) beruht, gar nicht logisch, sondern aͤsthe— 
tisch sey, d. i. keine objective Quantitaͤt des Urtheils, 
sondern nur eine subjective enthalte, fuͤr welche ich auch 
den Ausdruck Gemeinguͤltigkeit, welcher die Guͤl⸗ 
tigkeit nicht von der Beziehung einer Vorstellung aufs 
Erkenntnisvermoͤgen , sondern auf das Gefuͤhl der Lust 
und Unlust fuͤr jedes Subject gebrauche. (Man kann 
sich aber auch desselben Ausdrucks fuͤr die logische Quan⸗ 
titaͤt des Urtheils bedienen, wenn man nur dazusetzt ob⸗ 
jective Allgemeinguͤltigkeit, zum Unterschiede vonder 
blos subjectiven, welche allemal aͤsthetisch ist). 
Nun ist ein objectiv allgemeinguͤltiges urtheil 
auch jederzeit subjectiv, d. i. wenn das Urtheil fuͤr alles, 
was unter einem gegebenen Begriffe enthalten ist, gilt, 
so gilt es auch fuͤr jedermann der sich einen Gegenstand 
durch diesen Begrif vorstellt: aber von einer subjecti⸗ 
ven Allgemeinguͤltigkeit, d. i. der aͤsthetischen, die 
auf keinem Begriffe beruht, laͤßt sich nicht auf die logische 
B4
        <pb n="86" />
        24.1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
schließen; weil jene Art Urtheile gar nicht aufs Object 
geht. Eben darum aber muß auch die aͤsthetische Allge⸗ 
meinheit, die einem Urtheile beygelegt wird, von beson—⸗ 
derer Art seyn, weil sie das Praͤdikat der Schoͤnheit nicht 
mit dem Begriffe des Objects in seiner ganzeu Sphaͤre 
betrachtet, verknuͤpft, und doch eben dasselbe uͤber die 
ganze Sphaͤre der Urtheilenden ausdehnt. 
In Ansehung der logischen Quantitaͤt sind alle Ge⸗ 
schmacksurtheile einzelne Urtheile. Denn weil ich den 
Gegenstand unmittelbar an mein Gefuͤhl der Lust und 
Unlust halten muß, uud doch nicht durch Begriffe, so 
kann es nicht die Quantitaͤt eines objectiv⸗gemeinguͤlti⸗ 
gen Urtheils haben, obgleich wenn die einzelne Vorstel⸗ 
lung des Objects des Geschmacksurtheils nach den Be⸗ 
dingungen, die das letztere bestimmen, durch Verglei⸗ 
chung in einen Begrif verwandelt wird ein logisch all⸗ 
gemeines Urtheil daraus werden kann, z. B. die Rose, 
die ich anblicke, erklaͤre ich durch ein Geschmacksurtheil 
fuͤr schooͤn. Dagegen ist das Urtheil, welches durch Ver⸗ 
gleichung vieler einzelnen entspringt: die Rosen uͤber⸗ 
haupt sind schoͤn, nunmehr nicht blos als aͤsthetisches, son⸗ 
dern als ein auf einem aͤsthetisches gegruͤndetes logisches 
Urtheil ausgesagt. Nun ist das Urtheil: die Rose ist 
( im Gebrauche) angenehm zwar auch ein aͤsthetisches 
und einzelnes aber kein Geschmacks- sondern Sinnen— 
urtheil. Es unterscheidet sich naͤmlich vom ersteren darin: 
daß das Geschraacksurtheil eine 4 sthetist che Quantitaͤt 
Lh. 
der Wemeind 
shstt, we 
angetrofen w 
das Gute, o 
begenstande 
tishe Wgen 
krkenntniss 
Wenn 
so geht al 
kann es au 
thigt werd 
ein Fleid, 
wan sih se 
ahschwaen 
unlerwerfet 
—1 
—— 
tlhemene &amp; 
— 
sde sribetem 
—X ennsh— 
D— 
schmacz uit 
neine Stin 
bemiteli, 
üchetshen in 
u hetrachter
        <pb n="87" />
        kerast 
ufs Ohec 
whe ig 
bon — 
inhen nicht 
hheu Sphaͤe 
cbe uͤber ⸗ 
ind ule be⸗ 
lheilih du 
er buf in 
hegrist, d 
emeingistz 
ine Vorseb 
—D 
¶h Verghi⸗ 
Agisch al⸗ 
ie Rose, 
ckourtheil 
urch Ver⸗ 
Ien oͤher⸗ 
sches son⸗ 
—XR 
e Rose it 
ssthetisches 
n Sinnen⸗ 
X 
Jantitat 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 25 
der Allgemeinheit, d. i. der Guͤltigkeit fuͤr jedermann bey 
sich fuͤhrt, welche im Urtheile uͤber das Angenehme nicht 
angetroffen werden kann. Nur allein die Urtheile uͤber 
das Gute, ob sie gleich auch das Wohlgefallen an einem 
Gegenstande bestimmen, haben logische, nicht blos aͤsthe⸗ 
tische Allgemeinheit, denn sie gelten vom Object, als 
Erkenntnisse desselben, und darum fuͤr jedermann. 
Wenn man Objecte blos nach Begriffen beurtheilt, 
so 'geht alle Vorstellung der Schoͤnheit verloren. Also 
kann es auch keine Regel geben, nach der jemand genoͤ⸗ 
thigt werden sollte, etwas fuͤr schoͤn anzuerkennen. Ob 
ein Kleid, ein Haus, eine Blume schoͤn sey, dazu laͤßt 
man sich sein Urtheil durch keine Gruͤnde oder Grundsaͤtze 
abschwatzen. Man will das Object seinen eignen Augen 
unterwerfen, gleich als ob sein Wohlgefallen von der 
Empfindung abhinge, und dennoch, wenn man den 
Gegenstand alsdenn schoͤn nennt, so glaubt man eine 
allgemeine Stimme fuͤr sich zu haben und macht An⸗ 
spruch auf den Beytritt von jedermann, da hingegen 
jede Privatempfindung nur fuͤr ihn allein und sein Wohl⸗ 
gefallen enscheiden wuͤrde. 
Hier ist nun zu sehen, daß in dem Urtheile des Ge⸗ 
schmacks nichts postulirt wird, als eine solche allge⸗ 
meine Stimme, in Ansehung des Woblgefallens ohne 
Vermittelung der Begriffe, mithin die Moͤglichkeit eines 
aͤsthetischen Urtheils, das zugleich als fuͤr jedermann guͤl⸗ 
eig betrachtet werden koͤnne. Das Geschmacksurtheil 
B 5
        <pb n="88" />
        26 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
selber postulirt nicht jedermanns Einstimmung (denn 
das kann nur ein logisch allgemeines, weil es Gruͤnde 
anfuͤhren kann, thun); es sinnet nur jedermann diese 
Einstimmung an, als einen Fall der Regel, in Ansehung 
dessen er die Bestaͤtigung nicht von Begriffen, sondern 
von anderer Beytritt erwartet. Die allgemeine Stimme 
ist also nur eine Idee (worauf sie beruhe, wird hier noch 
nicht untersucht). Daß der, welcher ein Geschmacks⸗ 
urtheil zu aaͤllen glaubt in der That dieser Idee gemaͤß 
urtheile, kann ungewiß seyn; aber daß er es doch dar— 
auf beziehe, mithin daß es ein Geschmacksurtheil seyn 
solle, kuͤndigt er durch den Ausdruck der Schoͤnheit an; 
aͤr sich selbst aber kann er durchs bloße Bewußtseyn der 
Absonderung alles dessen, was zum Angenehmen und 
Guten gehoͤrt von dem Wohlgefallen, was ihm noch 
aͤbrig bleibt, davon gewiß werden und das ist alles, wozu 
er sich die Beystimmung von jedermann verspricht, ein 
Anspruch, dazu unter diesen Bedingungen er auch be⸗ 
rechtigt seyn wuͤrde, wider die er aber oͤfters fehlt und 
darum ein irriges Geschmacksurtheil faͤllet. 
Vhtersuct 
uetheil. 
theilur 
seyerr 
Die 
Cititede 
Wuͤrdig. 
Gi 
her um 
sollte im 
standes 
ken mif 
Lleichen 
— 
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bon der J. 
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—7 
—1— 
demselhen 
genstande 
allgemein 
kelung, 
sen ist di⸗
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        —D 
umung (demn 
eileg — 
dmum diese 
„in Anschug 
isen, sonden 
neine Etinm— 
— woh 
n Geshautz 
* Pdee — 
s doch du⸗ 
vburtheil sey 
doͤnheit an, 
vußtseyn der 
tehmen und 
b ihm toh 
lles, wozu 
richt, ein 
auch he— 
hlt und 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 27 
9. 
Untersuchung der Frage: ob im Geschmacks— 
urtheile das Gefuͤhl der Lust vor der Beur— 
theilung des Gegenstandes, oder diese vor 
jener vorhergehe. 
Die Aufloͤsung dieser Aufgabe ist der Schluͤssel zur 
Critik des Geschmacks und daher aller Aufmerksamkeit 
wuͤrdig. 
Ginge die Lust an dem gegebenen Gegenstande vor⸗ 
her und nur die allgemeine Mittheilbarkeit derselben 
sollte im Geschmacksurtheile der Vorstellung des Gegen⸗ 
standes zuerkannt werden, so wuͤrde ein solches Verfah⸗ 
ren mit —X im Widerspruche stehen. Denn der⸗ 
gleichen Lust wuͤrde keine andere, als die bloße Annehm⸗ 
lichkeit in der Sinnenempfindung seyn und daher ihrer 
Natur nach nur Privatguͤltigkeit haben koͤnnen, weil sie 
von der Vorstellung dadurch der Gegenstand gegeben 
wird, unmittelbar abhinge. 
Also ist es die allgemeine Mittheilungsfaͤhigkeit des 
Gemuͤthszustandes in der gegebenen Vorstellung, wel⸗ 
che als subjective Bedingung des Geschmacksurtheils, 
bemselben zum Grunde liegen und die Lust an dem Ge⸗ 
genstande zur Folge haben muß. Es kann aber nichts 
allgemein mitgetheilt werden, als Erkenntnis und Vor⸗ 
stellung, sofern sie zum Erkenntnis gehoͤrt. Denn so⸗ 
fern ist die letztere nur allein objectiv und hat nur dadurch 
9— 
XA
        <pb n="90" />
        75. 
49 
28 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
einen allgemeinen Beziehungspunct, womit die Vorstel⸗ 
lungskraft aller zusammenzustimmen genoͤthiget wird. 
Soll nun der Bestimmungsgrund des Urtheils uͤber diese 
allgemeine Mittheilbarkeit der Vorstellung blos subjectiv, 
naͤmlich ohne einen Begrif vom Gegenstande gedacht wer— 
den, so kann er kein anderer als der Gemuͤthszustand 
seyn, der im Verhaͤltnisse der Vorstellungskraͤfte zu ein⸗ 
ander angetroffen wird, sofern sie eine gegebene Vorstel⸗ 
lung auf Erkenntnis uͤberhaupt beziehen. 
Die Erkenntniskraͤfte, die durch diese Vorstellung 
ins Spiel gesetzt werden „sind hiebey in einem freyen 
Spiele, weil kein bestimmter Begrif sie auf eine beson⸗ 
dere Erkenntnisregel einschraͤnkt. Also muß der Ge⸗ 
muͤthszustand in dieser Vorstellung der eines Gefuͤhls des 
freyen Spiels der Vorstellungskraͤfte an einer gegebenen 
Vorstellung zu einem Erkenntnisse uͤberhaupt seyn. Nun 
gehoͤren zu einer Vorstellung, dadurch ein Gegenstand 
gegeben wird, damit uͤberhaupt daraus Erkenntnis wer— 
de⸗ Einbildungskraft fuͤr die Zusammensetzung des Man⸗ 
nigfaltigen der Anschauung, und Verstand fuͤr die Ein⸗ 
heit des Begrifs der die Vorstellungen vereinigt, und 
dieser Zustand eines freyen Spiels der Erkenntnisver— 
moͤgen, bey einer Vorstellung dadurch ein Gegenstand 
gegeben wird, muß sich allgemein mittheilen lassen, weil 
Erkenntnis, als Bestimmung des Objects, womit gege⸗ 
bene Vorstellungen (in welchem Subjecte es auch sey) 
,. 
— 
zusammen 
it, die fuͤt 
Die s 
stellungsatn 
einen bestin 
kann vich 
freyen Gꝛ 
(sofern! 
oͤberhau 
dem wur 
oͤberhau 
fuͤr edern 
seyn mo⸗ 
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Diest 
Gegenstan 
wird, gehl 
der Grund 
dermogen! 
Voingune 
sih abein 
— 
handez, 
Daß 
Unshun 
hen, lie she
        <pb n="91" />
        — 
jie Vorsel 
higet wird. 
l her dest 
— 
bacht wher⸗ 
— 
kien ein⸗ 
ene Vorsyb 
— 
nem freyen 
ine hesdt⸗ 
ih der — 
— — 
‚egehenen 
. Nun 
henstand Ic 
nis wer⸗ 
es Man⸗ 
die kin⸗ 
uigt, und 
ntnisber⸗ 
zegenstand 
ssen, weil 
omit gege⸗ 
uch sey) 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 29 
zusammen stimmen sollen, die einzige Vorstellungsart 
ist, die fuͤr jedermann gilt. I 
Die subjective allgemeine Mittheilbarkeit der Vor⸗— 
stellungsart in einem Geschmacksurtheile, da sie ohne 
einen bestimmten Begrif vorauszusetzen, statt finden soll, 
kann nichts anders als der Gemuͤthszustand in dem 
freyen Spiele der Einbildungskraft und des Verstandes 
(sofern sie unter einander, wie es zu einem Erkenntnisse 
uaͤberhaupt erforderlich ist, zusammen stimmen) seyn, in 
dem wir uns bewußt sind, daß dieses zum Erkenntnis 
uaͤberhaupt schickliche subjective Verhaͤltnis eben so wohl 
sͤr jedermann gelten und folglich allgemein mittheilbar 
seyn muͤsse „, als es eine jede bestimmte Erkenntnis ist, 
die doch immer auf jenem Verhaͤltnis als subjectiver Be⸗ 
dingung beruht. 
Diese blos subijective aͤsthetische) Beurtheilung des 
Gegenstandes, oder der Vorstellung dadurch er gegeben 
wird, geht nun vor der Lust an demselben vorher und ist 
der Grund dieser Lust an der Harmonie der Erkenntnis⸗ 
bermoͤgen; auf jener Allgemeinheit aber der subjectiven 
Bedingungen der Beurtheilung der Gegenstaͤnde gruͤndet 
sich allein diese allgemeine subjective Guͤltigkeit des Wohl⸗ 
—X 
standes, den wir schoͤn nennen , verbinden. 
Daß, seinen Gemuͤthszustand, selbst auch nur in 
Ansehung der Erkenntnisvermoͤgen, mittheilen zu koͤn⸗ 
nen, eine Lust bey sich fuͤhre, koͤnnte man aus dem natuͤr⸗ 
24
        <pb n="92" />
        30 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
60. 164. lichen Hange des Menschen zur Geselligkeit (empirisch 
und psychologisch) leichtlich darthun. Das ist aber zu 
unserer Absicht nicht genug. Die Lust, die wir fuͤhlen, 
muthen wir jedem andern im Geschmacksurtheile als 
nothwendig zu, gleich als ob es fuͤr eine Beschaffenheit 
des Gegenstandes, die an ihm nach Begriffen bestimmt 
ist, anzusehen waͤre, wenn wir etwas schoͤn nennen, da 
doch Schoͤnheit ohne Beziehung aufs Gefuͤhl des Sub⸗ 
jects fuͤr sich nichts ist. Die Eroͤrterung dieser Frage 
aber muͤssen wir uns bis zur Beantwortung derjenigen: 
ob und wie aͤsthetische Urtheile a priori moͤglich sind, 
vorbehalten. 
Jetzt beschaͤftigen wir uns noch mit der mindern 
Frage: auf welche Art wir uns einer wechselseitigen sub⸗ 
jectiven Uebereinstimmung der Erkenntniskraͤfte im Ge⸗ 
schmacksurtheile bewußt werden, ob aͤsthetisch durch den 
bloßen innern Sinn und Empfindung, oder intellectuell 
durchs Bewußtseyn unserer absichtlichen Thaͤtigkeit, wo— 
mit wir jene ins Spiel setzen. 
4. Waͤre die gegebene Vorstellung, welche das Ge⸗ 
schmacksurtheil veranlaßt, ein Begrif, welcher Verstand 
und Einbildungskraft in der Beurtheilung des Gegen— 
standes zu einem Erkenntnisse des Objects vereinigte, so 
waͤre das Bewußtseyn dieses Verhaͤltnisses intellectuell 
(wie im objectiven Schematism der Urtheilskraft, wo⸗ 
von die Critik handelt). Aber das Urtheil waͤre auch 
alsdenn nicht in Beziehung auf Lust und Unlust gefaͤllet, 
—e&amp;— 
* 
V 
within kinb 
Geshnackzur 
Ohect in An 
kats der Ge 
des Verhaͤl 
wmachen. 
dungekras 
doch, vern 
einhellige 
Erkenntr 
ren allq 
postulirt. 
dacht, 
tih ijst, 
berden 
—— 
zu einem 
anderes 
— 
hehhsesse 
kted 
sest, y 
ohne Y 
stimmu—⸗ 
Welche 
macht, 
hitte E
        <pb n="93" />
        kkraß 
lemi 
dil cher u 
vir sihle— 
urthei alz 
basserh et 
n hehinnnt 
renten, da 
i ds — 
— — 
deyrnihn: 
iͤqlich sw. 
er windern 
seitigen ss⸗ 
urch den 
ilellectuell 
Alt, wo— 
nas Ge— 
herstand 
es Geqen⸗ 
einigte, s 
ntellectuel 
tkraft, wo 
gaͤre auch 
resͤset, 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 31 
mithin kein Geschmacksurtheil. Nun bestimmt aber das 
Geschmacksurtheil, unabhaͤngig von Begriffen, das 
Object in Ansehung des Wohlgefallens und des Praͤdi— 
kats der Schoͤnheit. Also kann jene subjective Einheit 
des Verhaͤltnisses sich nur durch Empfindung kenntlich 
machen. Die Belebung beyder Vermoͤgen der Einbil⸗ 
dungskraft und des Verstandes zu unbestimmter, aber 
doch, vermittelst des Anlasses der gegebenen Vorstellung, 
einhelligen Thaͤtigkeit, derjenigen naͤmlich, die zu einem 
Erkenntnis uͤberhaupt gehoͤrt, ist die Empfindung, de⸗ 
ren allgemeine Mittheilbarkeit das Geschmacksurtheil 
postulirt. Ein objectives Verhaͤltnis kann zwar nur ge⸗ 
dacht, aber, wenn es seinen Bedingungen nach subjec⸗ 
tiv ist doch in der Wirkung aufs Gemuͤth empfunden 
werden, und bey einem Verhaͤltnisse, welches keinen 
Begrif zum Grunde legt (wie das der Vorstellungskraͤfte 
zu einem Erkenntnisvermoͤgen uͤberhaupt) ist auch kein 
anderes Bewußtseyn desselben, als durch Empfindung 
der Wirkung, die im erleichterten Spiele beyder durch 
wechselseitige Zusammenstimmung belebten Gemuͤths⸗ 
kraͤfte (der Einbildungskraft und des Verstandes) be⸗ 
steht, moͤglich. Eine Vorstellung die als einzelne und 
ohne Vergleichung mit andern, dennoch eine Zusammen⸗ 
stimmung zu den Bedingungen der Allgemeinheit hat, 
welche das Geschaͤfte des Verstandes uͤberhaupt aus— 
macht, bringt die Erkenntnisvermoͤgen in die proportio⸗ 
nirte Stimmung, die wir zu allem Erkenntnisse fordern 
⸗ 
1*
        <pb n="94" />
        xVV. 
32 L Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
und daher auch als fuͤr jedermann, der durch Verstand 
und Sinne in Verbindung zu urtheilen bestimmt ist (je— 
den Menschen) guͤltig halten. 
Aus dem zweyten Momente gefolgerte Er— 
klaͤrung des Schoͤnen. 
Schoͤn ist das, was ohne Begrif allgemein gefaͤllt. 
Drittes Moment 
der Geschmacksurtheile nach der Relation der 
Zwecke, welche in ihnen in Betrachtung 
gezogen wird. 
§. 10. 
Von der Zweckmaͤßigkeit uͤberhaupt. 
Wenn man, was ein Zweck sey, nach seinen tran⸗ 
scendentalen Bestimmungen (ohne etwas Empirisches, 
dergleichen das Gefuͤhl der Lust ist, vorauszusetzen) er⸗ 
klaͤren will: so ist Zweck der Gegenstand eines Begrifs, 
sofern dieser als die Ursache von jevem (der reale Grund 
seiner Moͤglichkeit) angesehen wird und die Causalitaͤt 
eines Begrifs in Ansehung seines Objects ist die Zweck⸗ 
maͤßigkeit (sorma finalis). Wo also nicht etwa blos die 
Erkenntnis von einem Gegenstande, sondern der Gegen⸗ 
stand selbst (die Form oder Existenz desselben) als Wir⸗ 
kung nur als durch einen Begrif von der letzteren moͤg⸗ 
lich gedacht wird, da denkt man sich einen Zweck. Die 
Vorstellung 
J. dh. 
Vorfelungd 
hern liesacht 
hehußtseyn 
—ER 
ten, kann h 
dus nennt · 
—RX 
theile zu 
Da 
Hegrise 
handeln 
maͤßig el 
eine har 
Vorseln 
blos darn 
und heqri 
—X 
— 
Grunded 
Woehn— 
—D 
bet P 
ableiten 
wir dae 
dernun 
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hne 
Au
        <pb n="95" />
        uth —T 
innrt ist b jer 
kMein gefdss 
elationde 
cachtun 
Alht, 
ainen trat⸗ 
moirisches, 
wotzen) er⸗ 
Vegrifs, 
ale Grund 
lausalitit 
die Zwech 
da blos de 
g der Gegen⸗ 
n) als Vu⸗ 
tzteren moß 
weck. De 
PHorstellunß 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 33 
Vorstellung der Wirkung ist hier der Bestimmungsgrund 
ihrer Ursache und geht vor der letzteren vorher. Das 
Bewußtseyn der Causalitaͤt einer Vorstellung in Absicht 
auf den Zustand des Subjects es in demselben zu erhal⸗ 
ten, kann hier im Allgemeinen das bezeichnen, was man 
Lust nennt; dagegeu Unlust diejenige Vorstellung ist, die 
den Zustand der Vorstellungen zu ihrem eigenen Gegen⸗ 
theile zu bestimmen den Grund enthaͤt. 
Das Begehrungsvermoͤgen, sofern es nur durch 
Begriffe, d. i. der Vorstellung eines Zwecks gemaͤs zu 
handeln, bestimmbar ist, wuͤrde der Wille seyn. Zweck⸗ 
maͤßig aber heißt ein Object, oder Gemuͤthszustand, oder 
eine Handlung auch, wenn gleich ihre Moͤglichkeit die 
Vorstellung eines Zwecks nicht nothwendig voraussetzt, 
blos darum, weil ihre Moͤglichkeit von uns nur erklaͤrt 
und begriffen werden kann, sofern wir eine Causalitaͤt 
nach Zwecken, d. i. einen Willen, der sie nach der Vor⸗ 
stellung einer gewissen Regel so angeordnet haͤtte, zum 
Grunde derselben annehmen. Die Zweckmaͤßigkeit kann 
also ohne Zweck seyn, sofern wir die Ursache dieser Form 
nicht in einem Willen setzen, aber doch die Erklaͤrung ih⸗ 
rer Moͤglichkeit, nur indem wir sie von einem Willen 
ableiten, uns begreiflich machen koͤmnen. Nun haben 
wir das, was wir beobachten, nicht immer noͤthig durch 
Vernunft (seiner Moͤglichkeit nach) einzusehen. Also 
koͤnnen wir eine Zweckmaͤßigkeit der Form nach, auch 
ohne daß wir ihr einen Zweck (als die Materie des 
VKants Crit. d. Urtheilskr. 
JF
        <pb n="96" />
        34 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
nexus finalis) zum Grunde legen, wenigstens beobachten 
und an Gegenstaͤnden, wiewohl nicht anders als durch 
Reflexion, bemerken. 
§. 11. 
Das Geschmacksurtheil hat nichts als die 
Form der Zweckmaͤßigkeit eines Gegen⸗ 
standes (oder Vorstellungsart desselben) 
zum Grunde. 
Aller Zweck, wenn er als Grund des Wohlgefal—⸗ 
lens angesehen wird, fuͤhrt immer ein Interesse, als 
Bestimmungsgrund des Urtheils uͤber den Gegenstand 
der Lust, bey sich. Also kann dem Geschmacksurtheil 
kein subjectiver Zweck zum Grunde liegen. Aber auch 
keine Vorstellung eines objectiven Zwecks, d. i. der Moͤg⸗ 
lichkeit des Gegenstandes selbst nach Principien der Zweck⸗ 
verbindung, mithin kein Begrif des Guten kann das Ge⸗ 
schmacksurtheil bestimmen; weil es ein aͤsthetisches und 
kein Erkenntnisurtheil ist „welches also keinen Begrif 
von der Beschaffenheit und innern oder aͤußern Moͤglich—⸗ 
keit des Gegenstandes, durch diese oder jene Ursache, 
sondern blos das Verhaͤltnis der Vorstellungskraͤfte zu 
einander, sofern sie durch eine Vorstellung bestimmt wer⸗ 
den, betrift. 
Nun ist dieses Verhaͤltnis in der Bestimmung eines 
Gegenstandes, als eines Schoͤnen, mit dem Gefuͤhle ei— 
ner Lust verbunden, die durchs Geschmacksurtheil zu— 
XRXR 
—I 
kunn chen so 
nehmbichkeit, 
dörndderd 
halten. Ulso 
wmaͤßigkeit ð 
ghen (wed 
die bloße 
dadurch 
vns ihren 
ohne he 
hin den 
qusͤmar 
— — 
— 
4 
e 
—X 
— 
—X 
— 
—T 
und her 
—T 
hirklich 
tisenth!
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        ihru 
iher ahtet 
irg als durs 
ů bß de 
ibß Gegen— 
—1 
vVehhen 
nntrerese, dh 
Gehensand 
ickzutthl 
Wer auch 
der Mg 
nder Iweck⸗ 
in das Ge⸗ 
isches und 
Beyrif 
n Moͤglich⸗ 
ge Ursache, 
oskraͤfte u 
stimmt wer⸗ 
numung eines 
—LL 
zurtheil zur 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 35 
gleich als fuͤr jedermann guͤltig erklaͤrt wird; folglich 
kann eben so wenig eine die Vorstellung begleitende An⸗ 
nehmlichkeit, als die der Vollkommenheit des Gegenstan⸗ 
des und der Begrif des Guten den Bestimmungsgrund ent⸗ 
halten. Also kann nichts anders als die subjective Zweck⸗ 
maͤßigkeit in der Vorstellung eines Gegenstandes, ohne 
allen (weder objectiven noch subjectiven) Zweck, folglich 
die bloße Form der Zweckmaͤßigkeit in' der Vorstellung, 
dadurch uns ein Gegenstand gegeben wird, sofern wir 
uns ihrer bewußt sind, das Wohigefallen welches wir 
ohne Begrif als allgemein mittheilbar beurtheilen, mit⸗ 
his den Bestimmungsgrund des Geschmacksurtheils 
ausmachen. 
6. 12. 
Das Geschmacksurtheil beruht auf Gruͤn— 
den a priori. 
Die Verknuͤpfung des Gefuͤhls einer Lust oder Un— 
lust, als einer Wirkung mit irgend einer Vorstellung 
(Empfindung oder Begrif) als ihrer Ursache a priori 
auszumachen, ist schlechterdings unmoͤglich; denn das 
waͤre ein besonderes Causalverhaͤltnis, welches (unter 
Gegenstaͤnden der Erfahrung) nur jederzeit a posteriori 
und vermittelst der Erfahrung selbst erkannt werden kann. 
Zwar haben wir in der Critik der practischen Vernunft 
wirklich das Gefuͤhl der Achtuug (als eine besondere und 
eigenthuͤmliche Modification dieses Gefuͤhls, welches we⸗ 
CJ2 
XII.
        <pb n="98" />
        36 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
der mit der Lust noch Unlust, die wir von empirischen Ge⸗ 
genstaͤnden bekommen, recht ͤbereintreffen will) von all⸗ 
gemeinen sittlichen Begriffen a priori abgeleitet. Aber 
wir konnten dort auch die Grenzen der Erfahrung uͤber⸗ 
schreiten und eine Causalitaͤt „ die auf einer uͤbersinnli⸗ 
chen Beschaffenheit des Subjects beruhete, naͤmlich die 
der Freyheit, herbey rufen. Allein selbst da leiteten wir 
eigentlich nicht dieses Gefuͤhl von der Idee des Sittli⸗ 
chen als Ursache her, sondern blos die Willensbestim⸗ 
mung wurde davon abgeleitet, der Gemuͤthszustand 
aber eines irgend wodurch bestimmten Willens ist an sich 
schon ein Gefuͤhl der Lust und mit ihm identisch, folgt 
also nicht als Wirkung daraus; welches letztere nur als⸗ 
denn angenommen werden muͤßte, wenn der Begrif des 
Sittlichen als eines Guts vor der Willensbestimmung 
durchs Gesetz vorherginge; da alsdenn die Lust, die mit 
dem Begriffe verbunden waͤre „, aus diesem als einer blo⸗ 
ßen Erkenntnis vergeblich wuͤrde abgeleitet werden. 
Nun ist es auf aͤhnliche Weise mit der Lust im aͤsthe⸗ 
tischen Urtheile bewandt; nur daß sie hier blos contem⸗ 
plativ und, ohne ein Interesse am Object zu bewirken, 
im moralischen aber practisch ist. Das Bewußtseyn der 
blos formalen Zweckmaͤßigkeit im Spiele der Erkenntnis⸗ 
kraͤfte des Subjects, bey einer Vorstellung, dadurch ein 
Gegenstand gegeben wird, ist die Lust selbst, weil es ein; u 
Bestimmungsgrund der Dhaͤtigkeit des Subijects in An⸗ 
sehung der Belebung der Erkenntniskraͤfte desselben Lalso 
.I 
eine inpere 
sehung der 
hefümmte 
bloße doen 
lung in ein 
duch auf“ 
dem yatl 
dus dew 
aber de 
Vorstel 
kraͤsteh 
hey der 
tung si 
Verweil 
it, dat 
Nufmerf 
muͤth go 
Na 
Mh 
dimmt 
ez nihht 
naͤßigke 
dern sie 
ishetisc 
*
        <pb n="99" />
        —D 
hirischen be 
vil don al 
cleitet. Aber 
uhrung bher⸗ 
iuw hersenl— 
B 
nliteen hir 
de da dih 
Vllerhesn— 
ymuͤtheusn 
lens ist au ss 
dentisch, sot 
—XX 
—XE 
wshefinnung 
lust, die mit 
Ils einer blo⸗ 
herden. 
st im asthe⸗ 
os contem⸗ 
wm bewirken, 
wußtseyn der 
x Erkenntni⸗ 
„dadurch ein 
k, an 
ghiects in Ar 
Asehen,ol 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 37 
eine innere Causalitaͤt (welche zweckmaͤßig ist) in An⸗ 
sehung der Erkenntnis uͤberhaupt, aber ohne auf eine 
bestimmte Erkenntnis eingeschraͤnkt zu seyn, mithiu eine 
bloße Form der subjectiven Zweckmaͤßigkeit einer Vorstel⸗ 
lung in einem aͤsthetischen Urtheile enthaͤlt. Diese Lust ist 
auch auf keinerley Weise practisch, weder, wie die aus 
dem pathologischen Grunde der Annehmlichkeit, noch die 
aus dem intellectuellen des vorgestellten Guten. Sie hat 
aber doch Causalitaͤt in sich, naͤmlich den Zustand der 
Vorstellung selbst und die Beschaͤftigung der Erkenntnis⸗ 
kraͤfte ohne weitere Absicht zu erhalten. Wir weilen 
bey der Betrachtung des Schoͤnen, weil diese Betrach⸗ 
tung sich selbst staͤrkt nnd reproducirt, welches derjenigen 
Verweilung analogisch (aber doch mit ihr —T einerley) 
ist, da ein Reiz in der Vorstellung des Gegenstandes die 
Aufmerksamkeit wiederholentlich erweckt, wobey das Ge⸗ 
muͤth passiv ist. 
§. 13. 
Das reine Geschmacksurtheil ist von Reiz 
und Ruͤhrung unabhaͤngigg. 
Alles Interesse verdirbt das Geschmacksurtheil und 
nimmt ihm seine Unpartheylichkeit vornehmlich wenn 
es nicht, so wie das Interesse der Vernunft, die Zweck⸗ 
maͤßigkeit vor dem Gefuͤhle der Lust voranschickt, son— 
dern sie auf diese gruͤndet; welches letztere allemal im 
aͤsthetischen Urtheile uͤber etwas, sofern es vergnuͤgt oder 
C * 
-y 
4 
⸗ 
.
        <pb n="100" />
        38 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
schmerzt, geschieht. Daher Urtheile, die so afficirt sind, 
auf allgemeinguͤltiges Wohlgefallen entweder gar keinen, 
oder so viel weniger Anspruch machen koͤnnen, als sich 
von der gedachten Art Empfindungen unter den Bestim⸗ 
mungsgruͤnden des Geschmacks befinden. Der Geschmack 
ist jederzeit noch barbarisch, wo er die Beymischung der 
Reize und Ruͤhrungen zum Wohlgefallen bedarf, ja 
wohl gar diese zum Maaßstabe seines Beyfalls macht. 
Indessen werden Reize doch oͤfters nicht allein zur 
Schoͤnheit (die doch eigentlich blos die Form betreffen 
sollte) als Beytrag zum aͤsthetischen allgemeinen Wohl⸗ 
gefallen gezaͤhlt, sondern sie werden wohl gar fuͤr sich 
selbst fuͤr Schoͤnheiten, mithin die Materie des Wohlge⸗ 
fallens fuͤr die Form ansgegeben: ein Misverstand der 
sich, so wie mancher andere, welcher doch noch immer 
etwas Wahres zum Grunde hat, saih durch sorgfaͤltige 
Bestimmung dieser Begriffe heben laͤßt. 
Ein Geschmacksurtheil, auf welches Reiz und Ruͤh⸗ 
rung keinen Einfluß haben, (ob sie sich gleich mit dem 
Wohlgefallen am Schoͤnen verbinden lassen) welches also 
blos die Zweckmaͤßigkeit der Form zum Bestimmungs- 
grunde hat, ist ein reines Geschmacksurtheil. 
S. 14. 
Erlaͤuterung durch Beyspiele. 
Aesthetische Urtheile Lnnen eben so wohl als theo⸗ 
retische (logische), in rem̃e und embirische eingetheilt 
M 
werden. Du 
Unannehmlit 
nem Gegens 
sagen; jent 
—VW 
En 
kein Mos 
gtynded 
alemal, 
dem Ur— 
erden 
M 
zuleßtd 
der Ech. 
reihend 
bine hloß 
cit hoser 
tuͤsh), 
henense 
— 
—R 
nehn gu 
doch zugl 
sowehle 
— 
ches ein⸗ 
ch da
        <pb n="101" />
        Asktat 
—T 1 
xr gar keum 
men, tz q 
hen Vesim— 
debehme 
ihung du 
in toun — 
XR miht 
iicht allein sur 
orm —T— 
neinen Wh⸗ 
ger fu sh 
Ng Vohlz⸗ 
—R der 
doch immer 
9 
borgfaͤltige 
und Ruͤh⸗ 
h mit dem 
velches also 
stimmungs⸗ 
ttheil. 
—. 
ohl albs ther⸗ 
nqetheilt 
I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 39 
werden. Die erstere sind die, welche Annehmlichkeit oder 
Unannehmlichkeit, die zweyte welche Schoͤnheit von ei⸗ 
nem Gegenstande, oder Vorstellungsart desselben, aus⸗ 
sagen; jene sind Sinnenurtheile (materiale aͤsthetische 
Urtheile), diese allein eigentliche Geschmacksurtheile. 
Ein Geschmacksurtheil ist also nur sofern rein, als 
kein blos empirisches Wohlgefallen dem Bestimmungs⸗ 
grunde desselben beygemischt wird, dieses aber geschieht 
allemal, wenn Reiz oder Ruͤhrung , einen Antheil an 
dem Urtheile haben, dadurch etwas fuͤr schoͤn erklaͤrt 
werden soll. 
Nun thun sich wieder manche Einwuͤrfe hervor, die 
zuletzt den Reiz nicht blos zum nothwendigen Ingredienz 
der Schoͤnheit, sondern wohl gar als fuͤr sich allein hin⸗ 
reichend, um schoͤn genannt zu werden, vorspiegeln. 
Eine bloße Farbe, z. B. die gruͤne eines Rasenplatzes, 
ein bloßer Ton (zum Unterschiede vom Schalle und Ge⸗ 
raͤusch), wie etwa der einer Violin, wird von den mei⸗ 
sten an sich fuͤr schoͤn erklaͤrt, ob zwar beyde blos die Ma⸗ 
terie der Vorstellungen, naͤmlich lediglich Empfindung, 
zum Grunde zu haben scheinen und darum nur ange⸗ 
nehm genannt zu werden verdienten. Allein man wird 
doch zugleich bemerken, daß die Empfindungen der Farbe 
sowohl als des Tons sich nur sofern fuͤr schoͤn gehalten 
zu werden berechtigt halten, als beyde rein sind; wel⸗ 
ches eine Bestimmung ist, die schon die Form betrift und 
auch das einzige, was sich von diesen Vorstellungen mit 
r
        <pb n="102" />
        40. J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Gewisheit allgemein mittheilen laͤßt, weil die Qualitaͤt 
der Empfindungen selbst nicht in allen Subjecten als ein— 
stimmig und die Annehmlichkeit einer Farbe vorzuͤglich 
vor der andern, oder des Tons eines musicalischen In⸗ 
struments vor dem eines andern sich schwerlich bey jeder⸗— 
mann als auf gleiche Art beurtheilt annehmen laͤßt. 
Nimmt man, mit Eulern, an, daß die Farben 
gleichzeitig auf einander folgende Schlaͤge (pulsus) des 
Aethers, so wie Toͤne der im Schalle erschuͤtterten Luft 
sind, und, was das vornehmste ist, das Gemuͤth nicht 
blos durch den Sinn die Wirkung davon auf die Bele— 
bung des Organs, sondern auch durch die Reflexion das 
regelmaͤßige Spiel der Eindruͤcke (mithin die Form in 
der Verbindung verschiedener Vorstellungen) wahrneh— 
men, (woran ich doch gar sehr zweifle) so wuͤrde Farbe 
und Ton nicht bloße Empfindungen, sondern schon for⸗ 
male Bestimmung der Einheit eines Mannigfaltigen 
derselben seyn und alsdenn auch fuͤr sich zu Schoͤnheiten 
gezaͤhlt werden koͤnnen. 
Das Reine aber einer einfachen Empfindungsart bedeu⸗ 
tet: daß die Gleichfoͤrmigkeit derselben durch keine fremd— 
artige Empfindung gestoͤhrt und unterbrochen wird und 
gehoͤrt blos zur Form; weil man dabey von der Quali— 
taͤt jener Empfindungsart (ob, und welche Farbe joder 
ob, und welcher Ton sie vorstelle) abstrahiren kann. 
Daher werden alle einfache Farben, sofern sie rein sind, 
fuͤr schoͤn gehalten; die gemischte haben diesen Vorzug 
J 
picht, kden 
keigen Na 
dder ünrein 
Vaos 
heygelegte 
Nei woh 
ein geme 
chen Ge 
alerdin 
suͤgen 
Gegen 
Mihten 
zur M 
Und 
rthen 
ürthetn 
kö ist sd 
mehr, 
licht so 
st, mi 
4. 
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schoͤn⸗ 
in wes⸗ 
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lage sur 
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        <pb n="103" />
        lblrast 
Re —T 
etten alz ei— 
che botgih 
uctüshen p 
— 
wenlͤft. 
de duthn 
e —D wö 
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henith nh 
uff die hib 
— 
de omn 
en) wahrmrß 
buͤde urhe 
in schon sor— 
nnnigfaltigen 
Ʒchoͤnheiten 
4 
woart heden⸗ 
eine fremd⸗ 
en wird und 
n der Quh 
x darht ede 
rahiren kuyn. 
V— 
esen Vy 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 41 
nicht, eben darum, weil, da sie nicht einfach sind, man 
keinen Maasstab der Beurtheilung hat, ob man sie rein 
oder unrein nennen solle. 
Was aber die dem Gegenstande seiner Form wegen 
beygelegte Schoͤnheit , sofern sie, wie man meynt, durch 
Reiz wohl gar koͤnne erhoͤht werden, anlangt, so ist dies 
ein gemeiner und dem aͤchten unbestochenenen gruͤndli⸗ 
chen Geschmacke sehr nachtheiliger Irrthum; ob sich zwar 
allerdings neben der Schoͤnheit auch noch Reize hinzu⸗ 
fuͤgen lassen, um das Gemuͤth durch die Vorstellung des 
Gegenstandes, außer dem trockenen Wohlgefallen, noch 
zu interessiren und so dem Geschmacke und dessen Cultur 
zur Anpreisung zu dienen, vornehmlich wenn er noch roh 
und ungeuͤbt ist. Aber sie thun wirklich dem Geschmacks⸗ 
urtheile Abbruch; wenn sie die Aufmerksamkeit als Be⸗ 
urtheilungsgruͤnde der Schoͤnheit auf sich ziehen. Denn 
es ist so weit gefehlt, daß sie dazu beytruͤgen e 
mehr, als Fremdlinge, nur sofern sie jene schoͤne Form 
nicht stoͤhren, wenn Geschmack noch schwach und ungeuͤbt 
ist, mit Nachsicht muͤssen aufgenommen werden. 
In der Mahlerei Bildhauerkunst, ja allen bilden⸗ 
den Kuͤnsten, der Baukunst, Gartenkunst, sofern sie 
schoͤne Kuͤnste sind, ist die Zeichnung das Wesentliche, 
in welcher nicht, was in der Empfindung vergnuͤgt, son⸗ 
dern blos durch seine Form gefaͤllt, den Grund aller An⸗ 
lage fuͤr den Geschmack ausmacht, Die Farben, welche 
den Abris illuminiren, gehoͤren zum Reiz, den Gegen⸗ 
C5
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        42 L. Th. —— Urtheilskraft. 
stand an sich koͤnn War fuͤr die Empfindung beliebt, 
aber nicht anschauungswuͤrdig und schoͤn machen, viel⸗ 
mehr werden sie durch das, was die schoͤne Form erfor— 
dert, mehrentheils gar sehr eingeschraͤnkt und selbst da, 
wo der Reiz zugelassen wird, durch die schoͤne Form allein 
veredelt. 
— Alle Form der Gegenstaͤnde der Sinne der aͤußern 
sowohl als mittelbar auch des innern) ist entweder Ge— 
stalt oder Spiel im letztern Falle entweder Spiel der 
Gestalten (im Raume, die Perpe und der Tanz) oder 
Spiel der Empfindungen (in der Zeit). Der Reiz der 
Farben, oder angenehmer Toͤne des Instruments, kann 
hinzukommen, aber die Zeichnung in der ersten und die 
Composition in dem letzten machen den eigentlichen Ge⸗ 
genstand des reinen Geschmacksurtheils aus, und daß 
die Reinigkeit der Farben sowohl als Toͤne, oder auch 
die Mannigfaltigkeit derselben und ihre Abstechung zur 
Schoͤnheit beyzutragen scheint, will nicht so viel sagen, 
daß sie darum, weil sie fuͤr sich angenehm sind, gleichsam 
einen gleichartigen Zusatz zu dem Wohlgefallen an der 
Form abgeben, sondern weil sie diese letztern nur ge⸗ 
nauer, bestimmter und vollstaͤndiger anschaulich machen, 
und uͤberdem durch ihren Reiz die Aufmerksamkeit auf 
den Gegenstand selbst erwecken und erheben. 
Selbst was man Zierrathen nennt „d. i. dasjenige, 
was nicht in die ganze Vorstellung des Gegenstandes als 
Bestandstuͤck innerlich, sondern nur aͤußerlich als Zuthat 
J. 2 
gehotund 
thut dieses 
der an Sta 
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das Gem 
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        ildteal 
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Id 
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ich machen, 
samkeit auf 
dagenige, 
—IXL 
Zuthat 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 43 
gehoͤrt und das Wohlgefallen des Geschmacks vergroͤßert, 
thut dieses doch auch nur durch seine Form wie Gewaͤn⸗ 
der an Statuen oder Saͤulengaͤnge um Prachtgebaͤude. 
Besteht aber der Zierrath nicht selbst in der schoͤnen Form, 
ist er wie der goldene Rahmen blos um durch seinen Reiz 
das Gemaͤlde dem Beyfall zu empfehlen angebracht, 
so heißt er alsdenn Schmuck und thut der aͤchten Schoͤn⸗ 
heit Abbruch. 
Ruͤhrung, eine Empfindung, da Annehmlichkeit 
nur vermittelst augenblicklicher Hemmung und darauf 
erfolgender staͤrkerer Ergießung der Lebenskraft gewirkt 
wird, gehoͤrt gar nicht zur Schoͤnheit. Erhabenheit aber 
erfordert einen andern Maasstab der Beurtheilung als 
der Geschmack sich zum Grunde legt, und so hat ein rei⸗ 
nes Geschmacksurtheil weder Reiz noch Ruͤhrung, mit 
einem Worte keine Empfindung, als Materie des aͤsthe⸗ 
tischen Urtheils, zum Bestimmungsgrunde. 
§. 15. 
Das Geschmacksurtheil ist von dem Begriffe 
der Vollkommenheit gaͤnzlich unabhaͤngig. 
Die objective Zweckmaͤßigkeit kann nur vermittelst 
der Beziehung des Mannigfaltigen auf einen bestimmten 
Zweck, also nur durch einen Begrif erkannt werden. 
Hieraus allein schon erhellet: daß das Schoͤne, dessen 
Beurtheilung eine blos formale Zweckmaͤßigkeit, d. i. 
eine Zweckmaͤßigkeit ohne Zweck zum Grunde hat, von
        <pb n="106" />
        44 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
der Vorstellung des Guten ganz unabhaͤngig sey, weil 
das letztere eine objective Zweckmaͤßigkeit, d. i. die Be⸗ 
ziehung des Gegenstandes auf einen bestimmten Zweck, 
voraussetzt. I 
Die objective Zweckmaͤßigkeit ist entweder die aͤußere, 
d. i. die Nuͤtzlichkeit, oder die innere, d. i. die Voll— 
kommenheit des Gegenstandes. Daß das Wohlge— 
fallen an einem Gegenstande, weshalb wir ihn schoͤn 
nennen, nicht auf der Vorstellung seiner Nuͤtzlichkeit be— 
ruhen koͤnne, ist aus beiden vorigen Hauptstuͤcken hinrei⸗ 
chend zu ersehen; weil es alsdenn nicht ein unmittelba⸗ 
res Wohlgefallen an dem Gegenstande seyn wuͤrde, wel⸗ 
ches letztere die wesentliche Bedingung des Urtheils uͤber 
Schoͤnheit ist. Aber eine objecilðe Zweckmaͤßigkeit, d. i. 
Vollkommenheit, kommt dem Praͤdikate der Schoͤnheit 
schon naͤher und ist daher auch von nahmhaften Philoso⸗ 
phen, doch mit dem Beysatze, wenn sie verworren 
gedacht wird, fuͤr einerley mit der Schoͤnheit gehal⸗ 
ten worden. Es ist von der groͤßten Wichtigkeit, in ei⸗ 
ner Critik des Geschmacks zu entscheiden, ob sich auch 
die Schoͤnheit wirklich in den Begrif der Vollkommenheit 
aufloͤsen lasshe. 
Die objective Zweckmaͤßigkeit zu beurtheilen , beduͤr⸗ 
fen wir jederzeit den Begrif eines Zwecks, und [wenn 
jene Zweckmaͤßigkeit nicht eine aͤußere (Nuͤtzlichkeit) son— 
dern eine innere seyn soll] den Begrif eines innern Zwecks, 
der den Grund der innern Moͤgkichkeit des Gegenstandes 
L. 
enthal. 
—XF 
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sch eine or 
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        —D 
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Urtheilz uͤher 
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yr Sqoͤnheit 
— Mhiloso⸗ 
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theit gehal⸗ 
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len, bedur 
und twent 
lichteit) som 
mern Iweck, 
egenstandes 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 45 
enthalte. So wie nur Zweck uͤberhaupt dasjenige ist, 
dessen Begrif als der Grund der Moͤglichkeit des Ge⸗ 
genstandes selbst angesehen werden kann: so wird um 
sich eine objective Zweckmaͤßigkeit an einem Dinge vorzu⸗ 
stellen, der Begrif von diesem, was es fuͤr ein Ding 
seyn solle, voran gehen und die Zusammenstimmung 
des Mannigfaltigen in demselben zu diesem Begriffe (wel⸗ 
cher die Regel der Verbindung desselben an ihm giebt) ist 
die qualitative Vollkommenheit eines Dinges, 
welche von der quantitativen, als der Vollstaͤndigkeit 
eines jeden Dinges in seiner Art, gaͤnzlich unterschieden 
und ein bloßer Groͤßenbegrif (der Allheit) ist, der A 
was das Ding seyn solle, schon zum voraus als 
bestimmt gedacht und nur ob alles dazu erforderliche an 
ihm sey, gefragt wird. Das formale in der Vorstellung 
eines Dinges d. i. die Zusammenstimmung des Mannig⸗ 
faltigen zu Einem (unbestimmt was es seyn solle) giebt, 
fuͤr sich, ganz und gar keine objective Zweckmaͤßigkeit zu 
erkennen; weil da von diesem Einem als Zweck (was 
das Ding seyn solle) abstrahirt wird, nichts als die sub— 
jective Zweckmaͤßigkeit der Vorstellungen im Gemuͤthe des 
Anschauenden uͤbrig bleibt, welche wohl eine gewisse 
Zweckmaͤßigkeit des Vorstellungszustandes im Subject 
und in diesem eine Behaglichkeit desselben eine gegebene 
Form in die Einbildungskraft aufzufassen aber keine 
Vollkommenheit irgend eines Objects, das hier durch 
keinen Begrif eines Zwecks gedacht wird, angiebt. Wie
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        46 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
z. B., wenn ich im Walde einen Rasenplatz antreffe, 
um welchen die Baͤume im Cirkel stehen und ich mir da⸗ 
bey nicht einen Zweck, naͤmlich daß er etwa zum laͤndli⸗ 
chen Tanze dienen solle, vorstelle, nicht der mindeste Be⸗ 
grif von Vollkommenheit durch die bloße Form gegeben 
wird. Eine formale objective Zweckmaͤßigkeit aber ohne 
Zweck, d. i. die bloße Form einer Vollkommenheit 
(ohne alle Materie und Begrif von dem wozu zusam⸗ 
mengestimmt wird) sich vorzustellen, ist ein wahrer 
Widerspruch. 
Nun ist das Geschmacksurtheil ein aͤsthetisches Ur— 
theil, d. i. ein solches, was auf subjectiven Gruͤnden 
beruht und dessen Bestimmungsgrund kein Begrif, mit⸗ 
hin auch nicht der eines bestimmten Zwecks seyn kann. 
Also wird durch die Schoͤnheit , als formalen subjectiven 
Zweckmaͤßigkeit, keinesweges eine Vollkommenheit des 
Gegenstandes, als vorgeblich-Fformale gleichwohl aber 
doch objective Zweckmaͤßigkeit gedacht, und der Unter⸗ 
schied der zwischen den Begriffen des Schoͤnen und Gu⸗ 
ten, als ob beyde nur der logischen Form nach unterschie⸗ 
den, die erste blos ein verworrener , die zweyte ein deut⸗ 
licher Begrif der Vollkommenheit, sonst aber dem In⸗ 
halte und Ursprunge nach einerley waͤren, ist nichtig; 
weil alsdenn zwischen ihnen kein specifischer uUnter— 
schied, sondern ein Geschmacksurtheil eben so wohl ein 
Erkenntnisurtheil waͤre, als das Urtheil wodurch et⸗ 
was fuͤr gut erklaͤrt wird, so wie etwa der gemeine Mann, 
J.d. 
wehnersugt: 
auf berworren 
chew heyde ar 
Mhabe abe 
thell einig in 
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welches letz 
da jenesl 
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Heschafse 
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iso wohl ei 
wodurch ew 
meine Ponn, 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 47 
wenn er sagt: daß der Betrug unrecht sey, sein Urtheil 
auf verworrene, der Philosoph auf deutliche, im Grunde 
aber beyde auf einerley Vernunft⸗ Yrincipien gruͤndet. 
Ich habe aber schon angefuͤhrt, daß ein aͤsthetisches Ur⸗ 
theil einig in seiner Art sey und schlechterdings kein Er⸗ 
kenntnis (auch nicht ein verworrenes) vom Object gebe, 
welches letztere nur durch ein logisches Urtheil geschieht, 
da jenes hingegen die Vorstellung, dadurch ein Object 
gegeben wird, lediglich auf das Subject bezieht und keine 
Beschaffenheit des Gegenstandes, sondern nur die zweck⸗ 
maͤßige Form der Vorstellungskraͤfte die sich mit jenem 
beschaͤftigen, zu bemerken giebt. Das Urtheil heißt auch 
eben darum aͤsthetisch, weil der Bestimmungsgrund des⸗ 
selben kein Begrif, sondern das Gefuͤhl (des innern Sin⸗ 
nes) jener Einhelligkeit im Spiele der Gemuͤthskraͤfte ist, 
die nur empfunden werden kann. Dagegen wenn man 
verworrene Begriffe und das objective Urtheil, das sie 
zum Grunde hat, wollte aͤsthetisch nennen, man einen 
Verstand haben wuͤrde, der sinnlich urtheilt, oder einen 
Sinn, der durch Begriffe seine Objecte vorstellte. Das 
Vermoͤgen der Begriffe, sie moͤgen verworren oder deut—⸗ 
lich seyn, ist der Verstand und, obgleich zum Geschmacks⸗ 
urtheil als aͤsthetischem Urtheile auch (wie zu allen Ur⸗ 
theilen) Verstand gehoͤrt, so gehoͤrt er zn demselben doch 
nicht als Vermoͤgen der Erkenntnis eines Gegenstandes, 
sondern der Bestimmung desselben und seiner Vorstellung, 
(ohne Begrif) nach dem Verhaͤltnis derselben aufs Sub—
        <pb n="110" />
        48 IL. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
ject und dessen inneres Gefuͤhl, und zwar sofern dieses 
Urtheil nach einer allgemeinen Regel moͤglich ist. 
§. 16. 
Das Geschmacksurtheil, wodurch ein Ge— 
genstand unter der Bedingung eines be— 
stimmten Begrifs fuͤr schoͤn erklaͤrt wird, 
ist nicht rien. 
Es giebt zweyerley Arten von Schoͤnheit: freye 
Schoͤnheit (pulchritudo vaga), oder die blos anhaͤn⸗ 
gende Schoͤnheit (pulchritudo adhaerens). Die erstere 
setzt keinen Begrif von dem voraus, was der Gegenstand 
seyn soll, die zweyte setzt einen solchen und die Vollkom⸗ 
menheit des Gegenstandes nach demselben voraus. Die 
erstern heißen (fuͤr sich bestehende) Schoͤnheiten dieses 
oder jenes Dinges, die andere wird als einem Begriffe 
anhaͤngend (bedingte Schoͤnheit) Objecten, die uuter 
dem Begriffe eines besondern Zwecks stehen, beygelegt. 
Blumen sind freye Naturschoͤnheiten. Was eine 
Blume fuͤr ein Ding seyn soll, weiß, außer dem Vota— 
niker schwerlich sonst jemand, und selbst dieser, der dar⸗ 
an das Befruchtungsorgan der Pflanze erkennt, nimmt, 
wenn er daruͤber durch Geschmack urtheilt, auf diesen 
Naturzweck keine Ruͤcksicht. Es wird also keine Voll⸗ 
kommenheit von irgend einer Art keine innere Zweckmaͤs⸗ 
sigkeit, auf welche sich die Zusammensetzung des Man⸗ 
nigfaltigen beziehe diesem Urtheile zum Grunde gelegt. 
Viele 
—X 
Viele Nel( 
vͤgel), eine 
sih Gchoͤnheit 
sehung seines 
sondern frey 
—WB au 
auf Papiert 
vor, kein 
sind freye 
in der Mu 
gahze Mu⸗ 
n o 
bloßen dor 
itt kein Ve 
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as borfele 
heit de Enb 
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Alein 
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oͤrrende 
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        sern —T 
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hoͤtt wim, 
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xem Vota⸗ 
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at, himmt, 
auf diesen 
nkeine Pol⸗ 
re dwemiß 
des Nu⸗ 
unde gelest. 
hielt 
I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 49 
Viele Voͤgel (der Papagey, der Colibrit, die Paradies⸗ 
boͤgel), eine Menge Schaalthiere des Meeres, sind fuͤr 
sich Schoͤnheiten, die gar keinem nach Begriffen in An⸗ 
sehung seines Zwecks bestimmten Gegenstande zukommen, 
sondern frey und fuͤr sich gefallen. So bedeuten die Zeich⸗ 
nungen a la grec, das Laubwerk zu Einfassungen, oder 
auf Papiertapeten u. s. w. fuͤr sich nichts: sie stellen nichts 
vor, kein Object unter einem bestimmten Begriffe und 
sind freye Schoͤnheiten. Man kann auch das, was man 
in der Musik Phantasien (ohne Thema) nennt, ja die 
ganze Musik ohne Text zu derselben Art zaͤhlen. 
In der Beurtheilung einer freyen Schoͤnheit ( der 
bloßen Form nach) ist das Geschmacksurtheil rein. Es 
ist kein Begrif von irgend einem Zwecke, wozu das Man⸗ 
nigfaltige dem gegebenen Objecte dienen und was dieses 
also vorstellen solle, vorausgesetzt, daß dadurch die Frey⸗ 
heit der Einbildungskraft, die in Beobachtung der Ge⸗ 
stalt gleichsam spielt, nur eingeschraͤnkt werden wuͤrde. 
Allein die Schoͤnheit eines Menschen (und unter 
dieser Art die eines Mannes, oder Weibes, oder Kindes) 
die eines Pferdes, eines Gebaͤudes (als Kirche, Pallast, 
Arsenal, oder Gartenhaus) setzt einen Begrif vom Zwecke 
voraus, der bestimmt was das Ding seyn soll mithin 
einen Begrif seiner Vollkommenheit und ist also blos ad⸗ 
haͤrirende Schoͤnheit. So wie nun die Verbindung des 
Angenehmen (der Empfindung) mit der Schoͤnheit, die 
eigentlich nur die Form betrift die Reinigkeit des Ge⸗ 
Kants Crit. d. Urtheilskr. D 
—2
        <pb n="112" />
        50 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
schmacksurtheils verhinderte, so thut die Verbindung 
des Guten (wozu naͤmlich das Mannigfaltige dem Dinge 
selbst, nach seinem Zwecke, gut ist) mit der Schoͤnheit, 
der Reinigkeit desselben Abbruch. 
—Wee 
gefallendes an einem Gebaͤude anbringen koͤnnen, wenn 
es nur nicht eine Kirche seyn sollte, eine Gestalt mit 
allerley Schnoͤrkeln und leichten doch regelmaͤßigen Zuͤ⸗ 
gen wie die Neuseelaͤnder mit ihren Tettowiren thun, 
verschoͤnern koͤnnen, wenn ses nur nicht ein Mensch waͤre, 
und dieser koͤnnte viel feinere Zuͤge und einen gefaͤlligeren 
sanftern Umris der Gesichtsbildung haben, wenn er nur 
nicht einen Mann, oder gar einen kriegerischen vor— 
stellen sollte.. 
Nun ist das Wohlgefallen an dem Mannigfaltigen 
in einem Dinge in Beziehung auf den innern Zweck, der 
seine Moͤglichkeit bestimmt, ein Wohlgefallen, das auf 
einem Begriffe gegruͤndet ist; das an der Schoͤnheit aber 
ist ein solches , welches keinen Begrif voraussetzt, son⸗ 
dern mit der Vorstellellung, dadurch der Gegenstand ge⸗ 
geben (nicht wodurch er gedacht) wird, unmittelbar ver⸗ 
bunden ist. Wenn nun das Geschmacksurtheil , in An⸗ 
sehung des letzteren, vom Zwecke in dem ersteren , als 
Vernunfturtheile, abhaͤngig gemacht und dadurch ein⸗ 
geschraͤnkt wird, so ist jenes nicht mehr ein freyes und 
reines Geschmacksurtheil. 
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theil, in M 
tsteren, hb 
Ndurch eit⸗ 
nm frehes und 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 51 
Zwar gewinnt der Geschmack durch diese Verbin⸗ 
dung des aͤsthetischen Wohlgefallens mit dem intellectuel⸗ 
len darin, daß er fixirt wird und ist zwar nicht allgemein, 
doch koͤnnen ihm in Ansehung gewisser zweckmaßig be⸗ 
stimmter Objecte Regeln vorgeschrieben werden. Diese 
sind aber alsdann auch keine Regeln des Geschmacks, 
sondern blos der Vereinbarung des Geschmacks mit der 
Vernunft, d. i. des Schoͤnen mit dem Guten, durch 
welche jener zum Instrument der Absicht in Ansehung 
des letztern brauchbar wird, um diejenige Gemuͤthsstim⸗ 
mung, die sich selbst erhaͤlt und von subjectiver allgemei⸗ 
ner Guͤltigkeit ist, derjenigen Denkungsart unterzulegen, 
die nur durch muͤhsamen Vorsatz erhalten werden kann, 
aber objectiv allgemeinguͤltig ist. Eigentlich aber ge⸗ 
winnt weder die Vollkommenheit durch die Schoͤnheit, 
noch die Schoͤnheit durch X Vollkommenheit; sondern, 
weil es nicht vermieden werden kann, wenn wir die Vor⸗ 
stellung, dadurch uns ein Gegenstand gegeben wird, mit 
dem Objecte (in Ansehung dessen was es seyn soll) —R 
einen Begrif vergleichen, sie zugleich mit der Empfin⸗ 
dung im Subjecte zusammen zu halten, so gewinnt das 
gesammte Vermoͤgen der Vorstellungskraft, wenn 
beyde Gemuͤthszustaͤnde zusammen stimnien. J 
Ein Geschmacksurtheil wuͤrde in Ansehung eines 
Gegenstandes von bestimmtem innern Zwecke nur als—⸗ 
denn rein seyn, wenn der Urtheilende entweder von die⸗ 
sem Zwecke keinen Begrif haͤtte, oder in seinem Urtheile 
D 2 
7.
        <pb n="114" />
        52 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
davon abstrahirte. Aber alsdenn wuͤrde dieser, ob er 
gleich ein richtiges Geschmacksurtheil faͤllete, indem er 
den Gegenstand als freye Schoͤnheit beurtheilete den⸗ 
noch von dem andern, der die Schoͤnheit an ihm nur als 
anhaͤngende Beschaffenheit betrachtet (der auf den Zweck 
des Gegenstandes sieht) getadelt und eines falschen Ge⸗ 
schmacks beschuldigt werden, obgleich beyde in ihrer Art 
richtig urtheilen: der eine nach dem, was er vor den 
Sinnen, der andere nach dem, was er in Gedanken hat. 
Durch diese Unterscheidung kann man manchen Zwist der 
Geschmacksrichter uͤber Schoͤnheit beylegen, indem, man 
ihnen zeigt, daß der eine sich an die freye, der andere 
an die anhaͤngende Schoͤnheit wende, der erstere ein rei—⸗ 
nes, der zweyte ein angewandtes Geschmacksurtheil faͤlle. 
5. 17. 
Vom Ideaale der Schoͤnheit. 
Es kann keine objective Geschmacksregel, die durch 
Begriffe bestimmte, was schoͤn sey, geben. Denn alles 
Urtheil aus dieser Quelle ist aͤsthetisch, d. i. das Gehuͤhl 
des Subjects und kein Begrif eines Objects ist sein Be⸗ 
stimmungsgrund. Ein Princip des Geschmacks, wel⸗ 
ches das allgemeine Criterium des Schoͤnen durch be⸗ 
stimmte Begriffe angaͤbe, zu suchen, ist eine fruchtlose 
Bemuͤhung, weil, was gesucht wird „ unmoͤglich und 
an sich selbst widersprechend ist. Die allgemeine Mit— 
theilbarkeit der Empfindung (des Wohlgefallens oder 
. 
Möfaln⸗ 
JV 
en und Vi 
feluüng ge 
—IXX 
sche Criter 
dewͤhrte 
Mensche 
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        eildkrus. 
deser /oh t 
let, indem c 
athhlete, der 
nadu dutt 
des —— ße 
yde in ister s 
was er hof du 
—1 
ichen zwiß du 
n indem.u 
e, der audere 
etstere ein rer 
kzurtheil sihh 
t, die durch 
Denn ales 
das Gefuhl 
— he 
wods, veb 
gen durch he 
eine fruchtls 
muindglich ynd 
qemeine Nir 
X 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 53 
Misfallens), und zwar eine solche, die ohne Begrif 
statt findet, die Einhelligkeit so viel moͤglich, aller Zei⸗ 
ten und Voͤlker in Ansehung dieses Gefuͤhls in der Vor⸗ 
stellung gewisser Gegenstaͤnde, ist das empirische wiewohl 
schwache und kaum zur Vermuthung zureichende empiri⸗ 
sche Criterium der Abstammung eines so durch Beyspiele 
bewaͤhrten Geschmacks, von dem tief verborgenen allen 
Menschen gemeinschaftlichen Grunde der Einhelligkeit in 
Beurtheilung der Formen, unter denen ihnen Gegen⸗ 
staͤnde gegeben werden. 
Daher sieht man einige Producte des Geschmacks als 
exemplarisch an; nicht als ob Geschmack koͤnne erwor⸗ 
ben werden, indem er andere nachahmt. Denn der Ge⸗ 
schmack muß ein selbst eigenes Vermoͤgen seyn; der aber, 
so ein Muster nachahmt, zeigt sofern als er es trift, zwar 
Geschicklichkeit, aber nur Geschmack sofern er dieses Mu⸗ 
ster selbst beurtheilen kann *). Hieraus folgt aber, daß 
das hoͤchste Muster, das Urbild des Geschmacks, eine 
bloße Idee sey, die jeder in sich selbst hervorbringen muß 
und darnach er alles, was Obiect des Geschmacks was 
) Muster des Geschmacks in Ansehung der redenden Kuͤnste 
muͤssen in einer todten und gelehrten Sprache abgefaßt seyn; 
das erste, um nicht die Veraͤnderungen erdulden zu muͤssen, 
welche die lebenden unvermeidlicher Weise trifft, daß edle 
Ausdruͤcke platt, gewoͤhnliche veraltet und neugeschaffene 
in einen nur kurz daurenden Umlauf gebracht werden; das 
zweyte damit sie eine Grammatik habe, welche keinem muth⸗ 
willigen Wechsel der Mode unterworfen sey, sondern ihre 
unveraͤnderliche Regel hat. 
D 
2
        <pb n="116" />
        54 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Beyspiel der Beurtheilung durch Geschmack sey und selbst 
den Geschmack von jedermann beurtheilen muß. Idee 
bedeutet eigentlich einen Vernunftbegrif, und Ideal die 
Vorstellung eines einzelnen als einer Idee adaͤquaten 
Wesens. Daher kann jenes Urbild des Geschmacks, wel⸗ 
ches freylich auf der unbestimmten Idee der Vernunft 
von einem Maximum beruht, aber doch nicht durch Be⸗ 
griffe, sondern nur in einzelner Darstellung kann vorge⸗ 
stellt werden, besser das Ideal des Schoͤnen genannt 
werden, dergleichen wir, wenn wir gleich nicht im Be⸗ 
sitze desselben sind, doch in uns hervorzubringen streben. 
Es wird aber blos ein Ideal der Einbildungskraft seyn, 
eben darum, weil es nicht auf Begriffen, sondern auf 
der Darstellung beruht; das Vermoͤgen der Darstellung 
aber ist die Einbildungskraft. — Wie gelangen wir nun 
zu einem solchen Ideale der Schoͤnheit? A priori oder 
empirisch? Imgleichen welche Gattung des Schoͤnen ist 
eines Ideals faͤhig? J 
Zuerst ist wohl zu bemerken, daß die Schoͤnheit, zu 
der ein Ideal gesucht werden soll, keine vage, sondern 
durch einens Begrif von objectiver Zweckmaͤßigkeit fixirte 
Schoͤnheit seyn, folglich keinem Objecte eines ganz rei⸗ 
nen, sondern zum Theil intellectuirten Geschmacksur— 
theils angehoͤren muͤsse, d. i. in welcher Art von Gruͤn⸗ 
den der Beurtheilung ein Ideal statt finden soll, da muß 
irgend eine Idee der Vernunft nach bestimmten Begriffen 
zum Grunde liegen, die a priori den Zweck bestimmet, 
J.X 
—X 
—X 
einer schoͤne 
bon einer! 
„H.einen 
shoͤnen G 
dermuthl 
nug best 
— 
das, w 
Nens 
litumer 
herhehm 
— 
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— 
deal do 
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dien 
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üftheih
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        — 
f sey und e 
id Ideoldi 
Ne X 
shnact wi 
r —X 
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ang kann bonn⸗ 
hoͤnen henonn 
— im Je 
— — 
taskraft —7— 
— 
t Duselun 
tngen wir gun 
brihri hder 
3 
Ihoͤhen f 
choͤnheit, uu 
Ge, sondern 
gket fititte 
nes ganz rer 
heschmackour⸗ 
rt von Grut⸗ 
wsol, da muß 
nten Heqriffet 
ck heftimmett, 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 55 
worauf die innere Moͤglichkeit des Gegenstandes beruhet. 
Ein Ideal schoͤner Blumen, eines schoͤnen Ameublements, 
einer schoͤnen Aussicht, laͤßt sich nicht denken. Aber auch 
bon einer bestimmten Zwecken anhaͤngenden Schoͤnheit 
z. B. einem schoͤnen Wohnhause, einem schoͤnen Baume, 
schoͤnen Garten u. s. w. laͤßt sich kein Ideal vorstellen; 
vermuthlich weil die Zwecke durch ihren Begrif nicht ge⸗ 
nug bestimmt und fixirt sind folglich die Zweckmaͤßigkeit 
beynuhe so frey ist, als bey der vagen Schoͤnheit. Nur 
das, was den Zweck seiner Existenz in sich selbst hat, der 
Mensch, der sich durch Vernunft seine Zwecke selbst be⸗ 
stimmen, oder, wo er sie von der aͤußern Wahrnehmung 
hernehmen muß , doch mit wesentlichen und allgemeinen 
Zwecken zusammenhalten und die Zusammenstimmung 
mit jenen alsdenn auch aͤsthetisch beurtheilen kann, dieser 
Mensch ist also eines Ideals der Schoͤnheit, so wie 
die Menschheit in seiner Person, als Intelligenz, des 
Ideals der Vollkommenheit, unter allen Gegenstaͤn⸗ 
den in der Welt allein aaͤhig. 
Hiezu gehoͤren aber zwey Stuͤcke: erstlich die aͤsthe⸗ 
tische Normalidee, welche eine einzelne Anschauung 
(der Einbildungskraft) ist, die das Richtmaas seiner 
Beurtheilung, als zu einer besonderen Thierspecies ge⸗ 
hoͤrigen Dinges, vorstellt; zweytens die Vernunft— 
jdee, welche die Zwecke der Menschheit, sofern sie nicht 
sinnlich vorgestellt werden koͤnnen, zum Princip der Be⸗ 
artheilung einer Gestalt macht, durch die, als ihre Wir⸗ 
D 4
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        * 
11 
56 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
kung in der Erscheinung, sich jene offenbaren. Die Nor⸗ 
malidee muß ihre Elemente zur Gestalt eines Thiers von 
besonderer Gattung aus der Erfahrung nehmen; aber 
die groͤßte Zweckmaͤßigkeit in der Construction der Ge⸗ 
stalt, die zum allgemeinen Richtmaas der aͤsthetischen 
Beurtheilung jedes Einzelnen dieser Species tauglich 
waͤre, das Bild, was gleichsam absichtlich der Technik 
der Natur zum Grunde gelegen hat, dem nur die Gat⸗ 
tung im Ganzen, aber kein Einzelnes abgesondert ad⸗ 
aͤquat ist, liegt doch blos in der Idee des Beurtheilen— 
den, welche aber, mit ihren Proportionen, als aͤstheti⸗ 
sche Idee, in einem Musterbilde voͤllig in concreto dar⸗ 
gestellt werden kann. Um, wie dieses zugehe, einiger⸗ 
maßen begreiflich zu machen, (denn wer kann der Natur 
ihr Geheimnis gaͤnzlich ablocken?) wollen wir eine psy⸗ 
chologische Erklaͤrung versuchen. .* 
Es ist anzumerken: daß, auf eine uns gaͤnzlich un⸗ 
begreifliche Art, die Einbildungskraft nicht allein X 
Zeichen fuͤr Begriffe gelegentlich, selbst von langer Zeit 
her, zuruͤckzurufen, sondern auch das Bild und die Ge⸗ 
stalt des Gegenstandes von einer unaussprechlichen Zahl 
von Gegenstaͤnden verschiedener Arten, oder auch ein 
und derselben Art) deproduciren boͤßnen, ja auch, wenn 
das Gemuͤth es auf Vergleichungen anlegt, allem Ver⸗ 
muthen nach wirklich wenn gleich nicht hinreichend zum 
Bewußtseyn) reproduciren ein Bild gleichsam auf das 
andere fallen lasen, und, durch die Congruenz der meh⸗ 
rert boht 
bisene 
w * 
Fenand! 
—— 
waleroͤße 
kinhildy 
Ahe jepe 
mir erl 
lung: 
higen. 
Im 64 
dieml 
PYreite 
hleinsten 
die —— 
dasselhe · 
lausend — 
Dechn)t 
kausend s 
diess dur 
—* 9 
— 
suͤ diesen 
die mitb 
Ap. 
NVegleh 
heand⸗
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        in de Nor 
Dies bot 
rhmen, dher 
ictidn der he 
u ishetsher 
—RX teuslt 
id d dun 
— 
— 
Veurthehn 
w aß ͤsen 
oncreto dar 
—X 
inn der Potur 
bir eine ys⸗ 
aͤnlich un⸗ 
t alein die 
anger deit 
ind die Ge⸗ 
süchen zuhl 
er auch ein 
quch, wenn 
Alem Ver⸗ 
weichend pun 
hsam auf do 
den der meh⸗ 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 57 
rern von derselben Art, ein Mittleres herauszubekommen 
wissen, welches allen zum gemeinschaftlichen Maaße dient. 
Jemand hat tausend erwachsene Mannspersonen gesehen. 
Will er nun uͤber die vergleichungsweise zu schaͤtzende Nor⸗ 
malgroͤße urtheilen, so laͤßt (meiner Meynung nach) die 
Einbildungskraft eine große Zahl der Bilder (vielleicht 
alle jene tausend) auf einander fallen und XX es 
mir erlaubt ist hiebey die Analogie der optischen Darstel⸗ 
lung anzuwenden, der Raum wo die meisten sich verei⸗ 
nigen, und innerhalb dem Umrisse, wo der Plaz mit der 
am staͤrksten aufgetragenen Farbe illuminirt ist, da wird 
die mittlere Groͤße kenntlich, die sowohl der Hoͤhe als 
Breite nach von den aͤußersten Grenzen der groͤßten und 
kteinsten Staturen gleich weit entfernt ist; und dies ist 
die Statur fuͤr einen schoͤnen Mann. ( Man koͤnnte eben⸗ 
dasselbe mechanisch heraus bekommen, wenn man alle 
tausend maͤße, ihre Hoͤhen unter sich und Breiten (und 
Dicken) fuͤr sich zusammen addirte und die Summe durch 
tausend dividirte. Allein die Einbildungskraft thut eben 
dieses durch einen dynamischen Effect, der aus der viel⸗ 
faͤltigen Auffassung solcher Gestalten auf das Organ des 
innern Sinnes entspringt.) Wenn nun auf aͤhnliche Art 
fuͤr diesen mittlern Mann der mittlere Kopf, fuͤr diesen 
die mittlere Nase u. s. w. gesucht wird, so ist diese Gestalt 4 
Ipehl des schoͤnen Mannes, in dem Lande, da diese 
Vergleichung angestellt wird; daher ein Neger nothwendig 
eincanderef Menl der Schoͤnheit der Gestalt haben muß, 
— D5
        <pb n="120" />
        58 IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
als ein Weisser, der Chinese einzanderes , als der Euro⸗ 
paͤer. Mit dem Muster eines schoͤnen Pferdes oder Hun⸗ 
des (von gewisser Race) wuͤrde es eben so gehen. — 
Diese Normalidee ist nicht aus von der Erfahrung herge⸗ 
nommenen Proportionen, als bestimmte⸗ Regeln, abgelei⸗ 
tet: sondern nach ihr werden allererst Regeln der Beur⸗ 
theilung moͤglich. Sie ist das zwischen allen einzelnen, 
auf mancherley Weise verschiedenen, Anschauungen der 
Individuen schwebende Bild fuͤr die ganze Gattung, wel⸗ 
ches die Natur zum Urbilde ihren Erzeugungen in der⸗ 
selben Species unterlegte, aber in keinem Einzelnen voͤl⸗ 
lig erreicht zu haben scheint. Sie ist keinesweges das 
Urbild der Schoͤnheit in dieser Gattung, sondern nur 
die Form, welche die unnachlasliche Bedingung aller 
Schoͤnheit ausmacht, mithin blos die Richtigkeit in 
Darstellung der Gattung. Sie ist, wie man Poly⸗ 
clets beruͤhmten Doryphorus nannte, die Regel 
(eben dazu konnte auch Myrons Kuh in ihrer Gat— 
tung gebraucht werden). Sie kann eben darum auch 
nichts Speeifisch ⸗Characteristisches enthalten 3denn 
sonst waͤre sie nicht Normalidee fuͤr die Gattung. Ihre 
Darstellung gefaͤllt auch nicht durch Schoͤnheit, sondern 
blos weil sie keiner Bedingung, unter der allein ein 
Ding dieser Gattung schoͤn seyn kann, widerspricht. 
Die Darstellung ist blos schulgerecht *). 
) Man wird sinden, daß ein vollkommen regelmaͤßig Gesicht, 
welches der Mahler ihm wohl zum Modell zu sitzen bitten 
J.d 
Ponde 
du Ideal 
—ILL 
ten Gruͤnder 
Peal in de 
der Gegens 
blos negat 
wuͤrde. 
Menschen 
Erfahrnr 
mit aller 
Guten in 
die Chel⸗ 
mocht 
—— 
Sheciß 
bon diese 
nalhidee 
— 
— 
chen som 
—C 
uun imn 
deiwigh 
— 
blhs tit 
dem, 
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der Co 
schein
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        lils — 
ie der Eut 
Xs oder Hum 
d —D — 
chrunt heg— 
üegin, — 
eln du Hemr⸗ 
— 
chauungen J 
botun, hob 
Aungen in du 
— 
tesweges di 
XX 
dingung ah 
ichtigteit i 
nen Poh⸗ 
ʒie egel 
ihrer Gat— 
darum auch 
Uten; denn 
ittung. Istt 
heit, sondern 
yt gllein ein 
vider hricht. 
reltnchig hescht, 
dsigen hittes 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 59 
Von der Normalidee des Schoͤnen ist doch noch 
das Ideal desselben unterschieden welches man ledig⸗ 
lich an der menschlichen Gestalt aus schon angefuͤhr⸗ 
ten Gruͤnden erwarten darf. An dieser nun besteht das 
Ideal in dem Ausdrucke des Sittlichen, ohne welches 
der Gegenstand nicht allgemein und dazu positiv (nicht 
blos negativ in einer schulgerechten Darstellung) gefallen 
wuͤrde. Der sichtbare Ausdruck sittlicher Ideen, die den 
Menschen innerlich beherrschen, kann zwar nur aus der 
Erfahrung genommen werden; aber ihre Verbindung 
mit allem dem, was unsere Vernunft mit dem Sittlich⸗ 
—A der Idee der hoͤchsten Zweckmaͤßigkeit verknuͤpft, 
die Seelenguͤte, oder Reinigkeit, oder Staͤrke, oder 
moͤchte, gemeiniglich nichts sagt; weil es nichts Characte— 
istisches enthaͤlt, also mehr die Idee der Gattung, als das 
Speeifische einer Person ausdruͤckt. Das Characteristische 
von dieser Art, was uͤbertrieben ist, d. i. welches der Nor⸗ 
malidee (der Zweckmaͤßigkeit der Gattung) selbst Abbruch 
thut, heißt Carricatur. Auch zeigt die Erfahrung: daß 
jene ganz regelmaͤßige Gesichter im Innern gemeiniglich 
eben sowohl einen nur mittelmaͤßigen Menschen verrathen, 
vermuthlich (wenn angenommen werden darf, daß die Na— 
tur im Aeußeren die Proportion des Inneren ausdruͤcke) 
deswegen, weil, wenn keine von den Gemuͤthsanlagen uͤber 
diejenige Proportion hervorstechend ist, die erfordert wird 
blos einen fehlerfreyen Menschen auszumachen, nichts von 
dem, was man Genie nennt, erwartet werden darf, in 
welchem die Natur von ihren gewoͤhnlichen Verhaͤltnissen 
der Gemuͤthskraͤfte zum Vortheil einer einzigen abzugehen 
scheint.
        <pb n="122" />
        4 
60 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Ruhe u. s. w. in koͤrperlicher Aeußerung (als Wirkung 
des Inneren) gleichsam sichtbar zu machen, dazu gehoͤ⸗ 
ren reine Ideen der Vernunft und große Macht der Ein⸗ 
bildungskraft in demjenigen vereinigt, der sie nur beur⸗ 
theilen, vielmehr noch der sie darstellen will. Die Rich— 
tigkeit eines solchen Ideals der Schoͤnheit beweiset sich 
daran: daß es keinem Sinnenreiz sich in das Wohlgefal⸗ 
len an seinem Objecte zu mischen erlaubt und dennoch 
ein großes Interesse daran nehmen laͤßt, welches dann 
beweiset, daß die Beurtheilung nach einem solchen Maas⸗ 
stabe niemals rein aͤsthetisch seyn koͤnne und die Beur⸗ 
theilung nach einem Ideale der Schoͤnheit kein bloßes 
Urtheil des Geschmacks seceee. 
Aus diesem dritten Momente geschlossene Er— 
klaͤrung des Schoͤnen. J 
Schoͤnheit ist Form der Zweckmaͤßigkeit eines 
Gegenstandes, sofern sie ohne Vorstellung eines 
Zwecks an ihm wahrgenommen wird *). 
2) Man koͤnnte wider diese Erklaͤrung als Instanz anfuͤhren: 
daß es Dinge giebt, an denen man eine zweckmaͤßige Form 
sieht, ohne auch an ihnen einen Zweck zu erkennen 3. B. 
die oͤfters aus alten Grabhuͤgeln gezogene, mit einem Loche 
als zu einem Hefte, versehene steinerne Geraͤthe, die, ob 
sie zwar in ihrer Gestalt eine Zweckmaͤßigkeit deutlich ver— 
rathen, fuͤr die man den Zweck nicht kennt, darum gleich⸗ 
wohl nicht fuͤr schoͤn erklaͤrt werden. Allein daß man sie fuͤr 
ein Kunstwerk ansieht ist schon genug, um gestehen zu muͤssen, 
2* 
—— 
dön 
—2 
Wa. 
J 
stens et 
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rhethen . V. 
—XR 
— 
it deutlich ger⸗ 
L 
—I 
hen wuͤser, 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 61 
Viertes Moment 
des Geschmacksurtheils nach der Modalitaͤt 
des Wohlgefallens an dem Gegenstande. 
5§. 18. 
Was die Modalitaͤt eines Geschmacks— 
urtheils sey. 
Von einer jeden Vorstellung kann ich sagen: wenig⸗ 
stens es sey moͤglich, daß sie (als —XR 
ner Lust verbunden sey. Von dem, was ich angenehm 
nenne, sage ich, daß es in mir wirklich Lust bewirke. 
Vom Schoͤnen aber denkt man sich, daß es eine noth⸗ 
wendige Beziehung aufs Wohlgefallen habe. Diese 
Nothwendigkeit aber ist von besonderer Art, nicht eine 
theoretische objective Nothwendigkeit, da a priori erkannt 
werden kann, daß jedermann dieses Wrhlgefallen an 
dem von mir schoͤn genannten Gegenstande fuͤhlen 
werde, auch nicht eine practische, da durch Begriffe 
eines reinen Vernunftwillens, der freypandelnden Wesen 
zur Regel dient, dieses Wohlgefallen die nothwendige 
daß man ihre Figur auf irgend eine Absicht und einen be⸗ 
stimmten Zweck bezieht. Daher auch gar kein unmittelba— 
res Wohlgefallen an ihrer Auschauung. Eine Blume aber 
z. B. eine Tulpe, wird fuͤr schoͤn gehalten, weil eine ge⸗ 
wisse Zweckmaͤßigkeit, die so, wie wir sie beurtheilen, auf 
gar keinen Zweck bezogen wird, in ihrer Wahrnehmung an⸗ 
getroffen wird.
        <pb n="124" />
        62 IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Folge eines objectiven Gesetzes ist und nichts anders be—⸗ 
deutet, als daß man schlechterdings (ohne weitere Ab⸗ 
sicht) auf gewisse Art handeln solle; sondern sie kann als 
Nothwendigkeit, die in einem aͤsthetischen Urtheile ge⸗ 
dacht wird, nur exemplarisch genannt werden, d. i. 
die Nothwendigkeit der Beystimmung aller zu einem 
Urtheil, was wie Beyspiel einer allgemeinen Regel, die 
man nicht angeben kann, angesehen wird. Da ein aͤsthe⸗ 
tisches Urtheil kein objectives und Erkenntnisurtheil ist, 
so kann diese Nothwendigkeit nicht aus bestimmten Be⸗ 
griffen abgeleitet werden und ist also nicht apodictisch. 
Viel weniger kann sie aus der Allgemeinheit der Erfah⸗ 
rung (von einer durchgaͤngigen Einhelligkeit der Urtheile 
uͤber die Schoͤnheit eines gewissen Gegenstandes) ge⸗ 
schlossen werden. Denn nicht allein, daß die Erfahrung 
hiezu schwerlich hinreichend viele Belaͤge schaffen wuͤrde, 
so laͤßt sich auf empirische Urtheile kein Begrif der Noth⸗ 
wendigkeit dieser Urtheile gruͤnden. 
S. ig. 
—AA 
Geschmacksurtheile beylegen, ist bedingt. 
Das Geschmacksurtheil sinnet jedermann Beystim⸗ 
mung an und wer etwas fuͤr schoͤn erklaͤrt, will, daß jeder⸗ 
mann dem vorliegenden Gegenstande Beyfall geben und 
ihn gleichfalls fuͤr schoͤn erklaͤren solle. Das Sollen 
im aͤsthetischen Urtheile wird also selbst nach allen Datis, 
— 
—Ur 
uuhg, W 
weineist, 
Nan aur 
—Wo 
Die? 
6 
üttheil 
—T 
Nothn 
ten ser 
seshma 
xsehen 
ꝛe —X 
uͤlum 
betinn— 
cidchu 
wherden 
len auc 
untersh 
dern jed 
hhen
        <pb n="125" />
        älbha. 
its anderg hr 
heitere MW⸗ 
in sekonn ale 
iu lretheile ge 
herden, J 
her u eihen 
— 
Nen — 
uthidurthel h 
— e 
cht chodittsh 
Nit der Ersuß 
keit der — 
entondes) ge⸗ 
die krfuhrung 
haffen wouͤrde, 
trif der Noth⸗ 
ie wit den 
bedingt. 
gann Veysin— 
—D 
gfal gehen und 
du Golen 
wallen Dqti, 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 63 
die zur Beurtheilung erfordert werden, doch nur bedingt 
ausgesprochen. Man wirbt um jedes andern Beystim⸗ 
mung, weil man dazu einen Grund hat, der allen ge⸗ 
mein ist, auf welche man auch rechnen koͤnnte, wenn 
man nur immer sicher waͤre, daß der Fall unter jenem 
Grunde als Regel des Beyfalls richtig subsumirt waͤre. 
6§. 20. 
Die Bedingung der Nothwendigkeit, die ein 
Geschmacksurtheil vorgiebt, ist die Idee 
eines Gemeinsinnes. 
Wenn Geschmacksurtheile (gleich den Erkenntnis— 
urtheilen) ein bestimmtes objectives Princip haͤtten, so 
wuͤrde der, so es nach dem letztern aͤllet, auf unbedingte 
Nothwendigkeit seines Urtheils Anspruch machen. Waͤ⸗ 
ren sie ohne alles Princip, wie die des bloßen Sinnen⸗ 
geschmacks, so wuͤrde man sich gar keine Nothwendigkeit 
desselben in die Gedanken kommen lassen. Also muͤssen 
sie ein subjectives Princip haben welches nur durch Ge⸗ 
fuͤhl und nicht durch Begriffe, doch aber allgemeinguͤltig 
bestimme, was gefalle oder misfalle. Ein solches Prin⸗ 
cip aber koͤnnte nur als ein Gemeinsinn angesehen 
werden, der vom gemeinen Verstande, den man biswei⸗ 
len auch Gemeinsinn (sensus communis) nennt, wesentlich 
unterschieden ist, indem letzterer nicht nach Gefuͤhl, son⸗ 
dern jederzeit nach Begriffen, wiewohl gemeiniglich nach 
ihnen, als nur dunkel vorgestellten Principien, urtheilt.
        <pb n="126" />
        64 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
4 
Also nur unter der Voraussetzung, daß es einen 
Gemeinsinn gebe (wodurch wir aber keinen aͤußern Sinn, 
sondern die Wirkung aus dem freyen Spiel unsrer Er⸗ 
kenntniskraͤfte, verstehen) nur unter Voraussetzung, 
sage ich, eines solchen Gemeinsinnes kann das Ge⸗ 
schmacksurtheil gefaͤllt werden. 
S. 21. 
Ob man mit Grunde einen Gemeinsinn vor⸗ 
aussetzen koͤnne. — 
Erkenntnisse und Urtheile muͤssen sich, samt der Ue⸗ 
berzeugung, die sie begleitet, allgemein mittheilen lassen; 
denn sonst kaͤme ihnen keine Uebereinstimmung mit dem 
Object zu; sie waͤren insgesamt ein blos subjectives Spiel 
der Vorstellungskraͤfte, gerade so wie es der Scepticism 
verlangt. Sollen sich aber Erkenntnisse mittheilen lassen, 
so muß sich auch der Gemuͤthszustand, d. i. die Stim⸗ 
mung der Erkenntniskraͤfte zu einer Erkenntnis uͤber⸗ 
haupt und zwar diejenige Proportion, welche sich fuͤr 
eine Vorstellung (dadurch uns ein Gegenstand gegeben 
wird) gebuͤhrt, um daraus Erkenntnis zu machen , all⸗ 
gemein mittheilen lassen; weil ohne diese, als subjective 
Bedingung des Erkennens das Erkenntnis, als Wir⸗ 
kung, nicht entspringen koͤnnte. Dieses geschieht auch 
wirklich jederzeit, wenn ein gegebener Gegenstand ver⸗ 
mittelst der Sinne die Einbildungskraft zur Zusammen⸗ 
setzung des Mannigfaltigen, diese aber den Verstand zur 
Einheit derselben in Begriffen, in Thaͤtigkeit bringt. 
Aber 
Iher deß 
—1 
— 
— 
leiner du 
muͤthötrd 
—3 
gnders 
immt 
—M 
selhenl 
Mitthen 
— 
den kon⸗ 
— 
— 
kuntniz, 
—— 
den 
— 
—T 
dihlei 
Gemoe 
In ⸗ 
—E
        <pb n="127" />
        — 
doß eg — 
uhnEim, 
—D 
üunshunh, 
AM dwß Ge⸗ 
rethhr 
* 
40 
—X 
uuttheuen hsm 
aunq mit den 
— 
dr rchtiuen 
—— 
VNe buin⸗ 
nthis hher⸗ 
ache sch ͤt 
d gegeben 
—JW 
—I 
9 
Vi⸗ 
heht uuh 
vgenund ha⸗ 
rAhunnrn 
urnd usl 
— J— 
gitsl. 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 65 
Aber diese Stimmung der Erkenntniskraͤfte hat, nach Ver⸗ 
schiedenheit der Objecte, die gegeben werden eine ver⸗ 
schiedene Proportion. Gleichwohl aber muß es eine ge⸗ 
ben, in welcher dieses innere Verhaͤltnis zur Belebung 
(einer —X die andere) die zutraͤglichste fuͤr beyde Ge⸗ 
muͤthskraͤfte in Absicht auf Erkenntnis (gegebener Gegen⸗ 
staͤnde) aͤberhaupt ist, und diese Stimmung kann nicht 
anders als durchs Gefuͤhl (nicht nach Begriffen) be⸗ 
stimmt werden. Da sich nun diese Stimmung selbst muß 
allgemein mittheilen lassen, mithin auch das Gefuͤhl der⸗ 
selben (bey einer gegebenen Vorstellung) die allgemeine 
Mittheilbarkeit eines Gefuͤhls aber einen Gemeinsinn 
voraussetzt: so wird dieser mit Grunde angenommen wer⸗ 
den koͤnnen, und zwar ohne sich desfalls auf psychologi⸗— 
sche Beobachtungen zu fußen, sondern als die nothwendige 
Bedingung der allgemeinen Mittheilbarkeit unserer Er—⸗ 
kenntnis, welche in jeder Logik und jedem Princip der Er— 
kenntnisse, das nicht sceptisch ist, vorausgesetzt werden muß. 
6. 2. 
Die Nothwendigkeit der allgemeinen Bey⸗ 
stimmung, die in einem Geschmacksurtheil 
gedacht wird, ist eine subjective Nothwen— 
digkeit die unter der Voraussetzung eines 
Gemeinsinns als objectiv vorgestellt wird. 
In allen Urtheilen „ wodurch wir etwas fͤr schoͤn 
erklaͤren, verstatten wir keinem anderer Meynung zu seyn, 
Kants Crit. d. Urtheilskr. E
        <pb n="128" />
        66 1J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
ohne gleichwohl unser Urtheil auf Begriffe, sondern nur 
auf unser Gefuͤhl zu gruͤnden , welches wir also nicht als 
Privatgefuͤhl , sondern als ein gemeinschaftliches zum 
Grunde legen. Nun kann dieser Gemeinsinn zu diesem 
Behuf nicht auf der Erfahrung gegruͤndet werden; denn 
er will zu Urtheilen berechtigen, die ein Sollen enthal⸗ 
ten; er sagt nicht , daß jedermann mit unserm Urtheile 
aͤbereinstimmen werde, sondern damit zusammenstim⸗ 
men solle. Also ist der Gemeinsinn, von dessen Urtheil 
h mein Geschmacksurtheil mir als ein Beyspiel angebe: 
und weswegen ich ihm exemplarist che Guͤltigkeit bey⸗ 
lege, eine bloße idealische Norm unter deren Voraus⸗ 
setzung man ein Urtheil , welches mit ihr zusammen⸗ 
stimmte und das in demselben ausgedruͤckte Wohlgefallen 
an einem Object fuͤr jedermann mit Recht zur Regel ma⸗ 
chen koͤnnte, weil zwar das Princip nur subjectiv den⸗ 
noch aber fuͤr subjectiv allgemein (eine jedermann noth⸗ 
wendige Idee) angenommen, was die Einhelligkeit ver⸗ 
schiedener Urtheilenden betrift, gleich einem objectiven, 
allgemeine Beystimmung fordern koͤnnte; wenn man nur 
sicher waͤre darunter richtig subsumirt zu haben. 
Diese unbestimmte Norm eines Gemeinsinns wird 
von uns wirklich vorausgesetzt: das beweiset unsere An⸗ 
maßung Geschmacksurtheile zu faͤllen. Ob es in der 
That einen solchen Gemeinsinn, als constitutives Prin⸗ 
cip der Moͤglichkeit der Erfahrung gebe, oder ein noch 
hoͤheres Princip der Vernunft es uns nur zum regula⸗ 
iben Ir 
— 
cin uesytt 
bon einer 
— 
—RX 
gur eine 
der Sip 
bhjettir 
aͤhlsr 
Noͤli 
das 6 
cips pi 
noch h. 
— 
se juleßt 
ug 
—— 
sOthwer 
Alher 
Vem— 
den sest,
        <pb n="129" />
        cilskas 
bendern hy 
ehonithtat 
— * 
— 
deden; denn 
— 
ühem behele 
it — 
ion desu hehe 
— 
eGuͤtttttithy 
duen dereuh 
tit usaunmrn 
cit Wohheltn 
ht iur Reqll no 
suhectib, den— 
XRC 
äinheligleit der⸗ 
whem ehfecüiden, 
X 
ghaben. 
—I 
—XRLB 
n. Ménnde 
—IXD 
ehe, hdet ii toh 
nur zum tedus 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 67 
tiven Princip mache, allererst einen Gemeinsinn zu hoͤ⸗ 
hern Zwecken in uns hervorzubringen, ob also Geschmack 
ein urspruͤngliches und natuͤrliches, oder nur die Idee 
von einem noch zu erwerbenden und kuͤnstlichen Vermoͤ⸗ 
gen sey, so daß ein Geschmacksurtheil, mit seiner Zumu⸗ 
thung einer allgemeinen Beystimmung, in der That, 
nur eine Vernunftforderung sey, eine solche Einhelligkeit 
der Sinnesart hervorzubringen und das Sollen d. i. die 
objective Nothwendigkeit des Zusammenfließens des Ge⸗ 
fuͤhls von jedermann mit jedes seinem besondern nur die 
Moͤglichkeit hierin eintraͤchtig zu werden bedeute, und 
das Geschmacksurtheil nur von Anwendung dieses Prin⸗ 
cips ein Beyspiel aufstelle, das wollen und koͤnnen wir hier 
noch nicht untersuchen, sondern haben vor jetzt nur das 
Geschmacksvermoͤgen in seine Elemente aufzuloͤsen, und 
sie zuletzt in der Idee eines Gemeinstnns zu vereinigen. 
Aus dem vierten Momente gefolgerte Er— 
klaͤrung vom Schoͤnen. 
Schoͤn ist, was ohne Begrif als Gegenstand eines 
nothwendigen Wohlgefallens erkannt wird. 
23— 
αα 
45 
Allgemeine Anmerkung zum ersten Abschnitte 
der Analytik. 
Wenn man das Resultat aus den obigen Zergliederun⸗ 
gen zieht, so findet sich, daß alles auf den Begrif des Ge— 
schmacks herauslaufe: daß er ein Beurtheilungsvermoͤgen 
F 2—
        <pb n="130" />
        68 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
eines Gegenstandes in Beziehung auf die freye Gesetzmaͤs—⸗ 
sigkeit der Einbildungskraft sey. Wenn nun im Geschmacks⸗ 
urtheile die Einbildungskraft in ihrer Freyheit betrachtet wer⸗ 
den muß, so wird sie erstlich nicht reproductiv, wie sie den 
Associationsgesetzen unterworfen ist, sondern als productiv 
und slosichatig als Urheberin willkuͤhrlicher Formen moͤgli⸗ 
cher Anschauungen) angenommen und, ob sie zwar bey der 
Auffassung eines gegebenen Gegenstandes der Sinne an eine 
bestimmte Form dieses Objects gebunden ist und sofern kein 
freyes Spiel ( —V— 
wohl begreifen: daß der Gegenstand ihr gerade eine solche 
Form an die Hand geben koͤnne, die eine Zusammensetzung 
des Mannigfaltigen enthaͤlt, wie sie die Einbildnngskraft, 
wenn sie sich selbst frey uͤberlassen waͤre, in Einstimmung 
mit der Verstandesgesetzmaͤßigkeit uͤberhaupt entworfen 
wuͤrde. Allein daß die Einbildungskraft frey und doch von 
selbst gesetzmaͤßig sey, d. i. daß sie eine Autonomie bey sich 
fuͤhre, ist iin Widerspruch. Der Verstand allein giebt das 
Gesetz. Wenn aber die Einbildungskraft nach einem bestimm— 
ten Gesetze zu verfahren genoͤthigt wird, so wird ihr Pro— 
duet, der Form nach, durch Begriffe bestimmt, wie es seyn 
soll; aber alsdenn ist das Wohlgefallen, wie oben gezeigt, 
nicht das am Schoͤnen, sondern am Guten (der Voll⸗ 
kommenheit allenfalls blos der formalen) und das Urtheil 
ist kein Urtheil durch Geschmack. Es wird also eine Gesetz—⸗ 
maͤßigkeit ohne Gesetz und eine subjective Uebereinstimmung 
der Einbildungskraft zum Verstande, ohne eine.objective, da 
die Vorstellung auf einen bestimmten Begrif von einem Ge⸗ 
genstande bezogen wird, mit der freyen Gesetzmaͤßigkeit des 
Verstandes (welche auch Zweckmaͤßigkeit ohne Zweck genannt 
worden) und wmit der Eigenthuͤmlichkeit eines Geschmacke— 
urtheils allein zusammen bestehen koͤnnen. 
. 
NPumw 
Lrheftur, 
des Feschmac 
sehastesten V 
— 
licht anders 
sellungen ed 
Regel vors 
werden. 
jenes Urth 
zulegen, d 
grif urS 
Nem 
azu nöthi 
falen, b 
hen und ge 
Aleichsethe 
— nur ge 
lischt g 
dae Verhöltn 
ciher Linthelh 
dehoh der h 
tuht nicht im 
der —X 
—D dese 
plat von pohh. 
sowohln der 
6 der Get 
tz wechvidr 
— 
durheln 
n Geschm
        <pb n="131" />
        elsttas. 
ye — 
n Geschmach— 
— wer⸗ 
— — 
ni hroductih 
ndunen noͤsl⸗ 
se so beyn der 
—X äne 
kind sien tin 
ißt sth doh woh 
gerade eie sit 
—1 
— 
in Enfimumi 
rhouyt entwotsn 
rey und doch von 
lutenonte hey sh 
dallein geht dus 
heinem hesinm— 
wird ihr Pro⸗ 
nt, wie es seyn 
gie hen gezeigt, 
tten(der Vol⸗ 
und das Urthell 
also eine Gesch— 
Nehereinstimmung 
neine dheethe, M 
—D 
Heschmoßttet d 
hne ued genennt 
aneg Geshmndcke 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 69 
Nun werden geometrisch-regelmaͤßige Gestalten, eine 
Cirkelfigur, ein Quadrat, ein Wuͤrfel u. s. w. von Critikern 
des Geschmacks gemeiniglich als die einfachsten und unzwei⸗ 
felhaftesten Beyspiele der Schoͤnheit angefuͤhrt und densnach 
werden sie eben darum regelmaͤßig genannt, weil man sie 
nicht anders vorstellen kann als so, daß sie fuͤr bloße Dar⸗ 
stellungen eines bestimmten Begrifs, der jener Gestalt die 
Regel vorschreibt (nach der sie allein moͤglich ist) angesehen 
werden. Eines von beyden muß also irrig seyn, entweder 
jenes Urtheil der Critiker gedachten Gestalten Schoͤnheit bey⸗ 
zulegen, oder das unsrige, welches Zweckmaͤßigkeit ohne Be⸗ 
grif zur Schoͤnheit noͤthig findet. 
Niemand wird leichtlich einen Menschen von Geschmack 
dazu noͤthig finden, um an einer Cirkelgestalt mehr Wohlge⸗ 
fallen, als an einem kritzlichen Umrisse, an einem gleichseiti— 
gen und gleicheckigten Viereck mehr, als an einem schiefen un⸗ 
gleichseitigen, gleichsam verkruͤppelten zu finden; denn dazu ge⸗ 
hoͤrt nur gemeiner Verstand und gar kein Geschmack. Wo eine 
Absicht B. die Groͤße eines Platzes zu beurtheilen, oder 
das Verhaͤltnis der Theile zu einander und zum Ganzen in 
einer Eintheilung, da sind regelmaͤßige Gestalten, und zwar 
die von der einfachsten Art, noͤthig und das Wohlgefallen 
ruht nicht unmittelbar auf dem Anblicke der Gestalt, sondern 
der Brauchbarkeit derselben zu allerley moͤglicher Absicht. Ein 
Zimmer, dessen Waͤnde schiefe Winkel machen, ein Garten⸗ 
platz von solcher Art, selbst alle Verletzung der Symmetrie 
sowohl in der Gestalt der Thiere, (z. B. einaͤugigt zu seyn) 
sdes der Gebaͤude, oder der Blumenstuͤcke, misfaͤllt, weil 
es zweckwidrig ist, nicht allein practisch in Ansehung eines 
bestimmten Gebrauchs dieser Dinge, sondern auch fuͤr die 
Beurtheilung in allerley moͤglicher Absicht welches der Fall 
im Geschmacksurtheile nicht ist, welches, wenn es rein ist, 
E 3
        <pb n="132" />
        70 IL. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Wohlgefallen oder Misfallen, ohne Ruͤcksicht auf den Ge— 
brauch oder einen Zweck, mit der bloßen Betrachtung des 
Gegenstandes unmittelbar verbindet. 
Die Regelmaͤßigkeit, die zum Begriffe von einem Ge⸗ 
genstande fuͤhrt, ist zwar die unentbehrliche Bedingung 
(conditio sine qua non) den Gegenstand in eine einzige Vor⸗ 
stellung zu fassen, und das Mannigfaltige in der Form des—⸗ 
selben zu bestimmen. Diese Bestimmung ist ein Zweck in 
Ansehung der Erkenntnis und in Beziehung auf diese ist sie 
auch jederzeit mit Wohlgefallen (welche die Bewirkung einer 
jeden auch blos problematischen Absicht begleitet) verbunden. 
Es ist aber blos die Billigung der Aufloͤsung die einer Auf 
gabe Gnuͤge thut und nicht eine freye und unbestimmt ⸗zweck⸗ 
maͤßige Unterhaltung der Gemuͤthskraͤfte, mit dem, was 
wir schoͤn nennen und wo der Verstand der Einbildungskraft 
und nicht diese jenem zu Diensten ist. 
An einem Dinge, was nur durch eine Absicht moͤglich 
ist, einem Gebaͤude, selbst einem Thier, muß die Regelmaͤs— 
sigkeit, die in der Symmetrie besteht, die Einheit der An— 
schauung ausdruͤcken, welche den Begrif des Zwecks begleitet 
und gehoͤrt mit zum Erkenntnisse. Aber wo nur ein freyes 
Spiel der Vorstellungskraͤfte (doch unter der Bedingung, daß 
der Verstand dabey keinen Anstos leide) unterhalten werden 
soll, in Lustgaͤrten, Stubenverzierung, allerley geschmackvol⸗ 
lem Geraͤthe u. d. gl. wird die Regelmaͤßigkeit, die sich als 
Zwang ankuͤndigt, so viel moͤglich vermieden; daher der engli⸗ 
sche Geschmack in Gaͤrten, der Barockgeschmack an Mobilien, 
die Freyheit der Einbildungskraft wohl eher bis zur Annaͤhe— 
rung zum Grotesken treibt und in dieser Absonderung von 
allem Zwange der Negeln eben den Fall setzt, wo der Ge— 
schmack in Entwuͤrsen der Einbildungskraft seine groͤßte Voll⸗ 
kommenheit zeigen kann. 
J 
ua 
Alez s 
geimigtet 
daßez keine 
hen gewoöͤhrt 
fenutnis, — 
siht hat, la 
bildungekre 
vderxeit v 
Maxsde 
Anwerkr 
schauerd 
des meh— 
Stange 
linenJ 
dem F 
darauz 
Nur dem 
shen sut 
chen „ssuc 
menne; 
geimaͤßgke 
hͤrte heda 
ühterhalte 
— 
deten he 
—T 
schmadt 
Gesang 
hrinsent 
den Gest 
sing, det 
man dei
        <pb n="133" />
        tilttt 
uf den G. 
hon enem Ge⸗ 
ihe —T 
in inhe do 
—R deß 
— 
sess 
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leitet) — 
ng die eier F 
thelinnrt/ puh 
mit dem, —T 
—T 
ꝛ Ahsiht nigl 
uß dee Jeyelnis 
Cinheit der In—⸗ 
Zwoech hegleitet 
snur ein freyes 
Hedingung, daß 
tterhalten werden 
tley geschmacvol 
—L 
nz daher der engl 
mad an Nobllen. 
er bis ur Annhe 
AIbsonderung vn 
settt, wo der bo 
ut sne göste dol 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 71 
Alles steif⸗ regelmaͤßige (was der mathematischen Re⸗ 
gelmaͤßigkeit nahe kommt) hat das Geschmackwidrige an sich: 
daß es keine lange Unterhaltung mit der Betrachtung dessel⸗ 
ben gewaͤhrt, sondern, sofern es micht ausdruͤcklich das Er⸗ 
kenntnis, oder einen bestimmten practischen Zweck zur Ab⸗ 
sicht hat, lange Weile macht. Dagegen ist das, womit Ein⸗ 
bildungskraft ungesucht und zweckmaͤßig spielen kann, uns 
jederzeit neu und man wird seines Anblicks nicht uͤberdruͤßig. 
Marsden in seiner Beschreibung von Sumatra macht die 
Anmerkung, daß die freye Schoͤnheiten der Natur den Zu⸗ 
schauer daselbst uͤberall umgeben und daher wenig anziehen⸗ 
des mehr fuͤr ihn haben: dagegen ein Pfeffergarten, wo die 
Stangen an denen sich dieses Gewaͤchs rankt, in Parallel⸗ 
linien Alleen zwischen sich bilden, wenn er ihn mitten in ei⸗ 
nem Walde antraf, fuͤr thn viel Reiz hatte, und schließt 
daraus, daß wilde, dem Anscheine nach regellose Schoͤnheit, 
nur dem zur Abwechselung gefalle, der sich an der regelmaͤs⸗ 
sigen satt gesehen hat. Allein er durfte nur den Versuch ma⸗ 
chen, sich einen Tag bey seinem Pfeffergarten aufzuhalten, 
um inne zu werden, daß, wenn der Verstand durch die Re⸗ 
gelmaͤßigkeit sich in die Stimmung zur Ordnung, die er aller— 
waͤrts bedarf, versetzt hat, ihn der Gegenstand nicht laͤnger 
unterhalte, vielmehr der Einbildungskraft einen laͤstigen 
Zwang anthue: dagegen daß die dorten an Mannigfaltig⸗ 
keiten bis zur Ueppigkeit verschwenderische Natur, die keinem 
Zwange kuͤnstlicher Regeln unterworfen ist, seinem Ge⸗ 
schmacke fuͤr bestaͤndig Nahrung geben koͤnne. — Selbst der 
Gesang der Voͤgel, den wir unter keine musikalische Regel 
bringen koͤnnen, scheint mehr Freyheit und darum mehr fuͤr 
den Geschmack zu enthalten, als selbst ein menschlicher Ge⸗ 
sang, der nach allen Regeln der Tonkunst gefuͤhrt wird; weil 
man den letztern, wenn er oft und lange Zeit wiederholt 
E 4
        <pb n="134" />
        72 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
wird, weit eher uͤberdruͤßig wird. Allein hier vertauschen 
wir wohl vermuthlich unsere Theilnehmung an der Lustigkeit 
eines kleinen beliebten Thierchens mit der Schoͤnheit seines 
Gesanges, der wenn er vom Menschen (wie es mit dem 
Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nach⸗ 
geahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu seyn duͤnkt. 
—We 
auf Gegenstaͤnde (die oͤfters der Entfernung wegen nicht 
mehr deutlich erkannt werden koͤnnen) zu unterscheiden. In 
den letzteren scheint der Geschmack nicht sowohl an dem, was 
die Einbildungskraft in diesem Felde auffaßt, als vielmehr 
an dem, was sie hiebey zu dichten Anlas bekommt d. i. an 
den eigentlichen Phantasien, womit sich das Gemuͤth unt5r⸗ 
haͤlt, indessen daß es durch die Mannigfaltigkeit auf die das 
Auge stoͤßt, continuirlich erweckt wird, zu haften, so wie 
etwa bey dem Anblick der veraͤnderlichen Gestalten eines Ca⸗ 
minfeuers, oder eines rieselnden Baches, welche beyde keine 
Schoͤnheiten sind, aber doch fuͤr die Einbildungskraft einen 
Reiz bey sich fuͤhren; weil sie ihr freyes Spiel unterhalten. 
Ana 
—0 
J. 
Dee 
daß ben 
des keir 
dernein 
—D 
lehmen 
Vohlgef 
auf Jegn 
uuthin da— 
— 
moͤgen der 
tiner hegel 
—T 
— 
Daher su 
sch aͤr ah 
lndigem 
e luß un 
—M
        <pb n="135" />
        ilckruf 
er bertashe 
ĩnde busthin 
hinheit seineg 
ve ez wit den 
—R hoch⸗ 
— dͤnt. 
—F Wueschen 
aung wehen viht 
abetsheden g 
vohl an — 
ßt, alz vielneh 
helhmnt —1 
s Gemdth unn 
hhket auf die hß 
X 
altalten eihez ¶n⸗ 
velhe heyde hehe 
dungkraft einen 
el Unterhalten 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 73 
Zweytes Buch. 
Analytik des Erhabenen. 
d. 22. 
Uebergang von dem Beurtheilungsvermoͤgen 
des Schoͤnen zu dem des Erhabenen. 
Das Schoͤne kommt darin mit dem Erhabenen uͤberein, 
daß beydes fuͤr sich selbst hefaͤlt. Ferner darin, daß bey⸗ 
des kein Sinnes-noch ein logisch- bestimmendes, son⸗ 
dern ein Reflexionsurtheil voraussetzt, folglich das Wohl⸗ 
gefallen nicht an einer Empfindung, wie die des Ange⸗ 
nehmen, noch an einem bestimmten Begriffe wie das 
Wohlgefallen am Guten, haͤngt, gleichwohl aber doch 
auf Begriffe, obzwar unbestimmt welche, bezogen wird, 
mithin das Wohlgefallen an der bloßen Darstellung oder 
dem Vermoͤgen derselben geknuͤpft ist, wodurch das Ver⸗ 
moͤgen der Darstellung, oder die Einbildungskraft, bey 
einer gegebenen Anschauung mit dem Vermoͤgen der 
Begriffe des Verstandes oder der Vernunft als Be⸗ 
foͤrderung der letzteren, in Einstimmung betrachtet wird. 
Daher sind auch beyderley Urtheile einzelne und doch 
sich fuͤr allgemeinguͤltig in Ansehung jedes Subjects an⸗ 
kuͤndigende Urtheile, ob sie zwar blos auf das Gefuͤhl 
der Lust und kein Erkenntnis des Gegenstandes Anspruch 
machen. 
F 
5 
o
        <pb n="136" />
        74 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Allein es sind auch namhafte Unterschiede zwischen 
beyden in die Augen fallend. Das Schoͤne der Natur 
betrift die Form des Gegenstandes, die in der Begren⸗ 
zung besteht; das Erhabene ist dagegen auch an einem 
formlosen Gegenstande zu finden, sofern Unbegrenzt— 
heit an ihm, oder durch dessen Veranlassung , vorge⸗ 
gestellt und doch Totalitaͤt derselben hinzugedacht wird; 
so daß das Schoͤne fuͤr die Darstellung eines unbestimm⸗ 
ten Verstandesbegrifs, das Erhabene aber eines der⸗ 
gleichen Vernunftbegrifs „ genommen zu werden scheint. 
Also ist das Wohlgefallen dort mit der Vorstellung der 
Qualitaͤt, hier aber der Quantitaͤt verbunden. Auch 
ist das letztere der Art nach von dem ersteren Wohlgefal— 
len gar sehr unterschieden, indem dieses directe ein Ge⸗ 
fuͤhl der Befoͤrderung des Lebens bey sich fuͤhrt und da⸗ 
her mit Reitzen und einer spielenden Einbildungskraft 
vbereinbar ist, jenes aber eine Lust ist, welche nur indi—⸗ 
recte entspringt, naͤmlich so daß X durch das Gefuͤhl 
einer augenblicklichen Hemmung der Lebenskraͤfte und 
darauf sogleich folgenden desto staͤrkeren Ergießung der— 
selben erzeugt wird, mithin als Ruͤhrung kein Spiel, 
sondern Ernst in der Beschaͤftigung der Einbildungskraft 
zu seyn scheint. Daher es auch mit Reizen unvereinbar 
ist und, indem das Gemuͤth von dem Gegenstande nicht 
blos angezogen, sondern wechselsweise auch immer wie— 
der abgestoßen wird, das Wohlgefallen am Erhabenen 
nicht sowohl positive Lust als vielmehr Bewunderung 
—M 
den berdie 
Nes 
hahenen: 
— 
—XRX 
haͤrtlich 
mung w 
(die sel 
wodure 
sam vot 
soaus 
ßatt de 
in der 
—D 
nangem 
—1 
uch, de 
heilt hir 
X 
houpt yr 
Gehen 
war ho 
hen; de 
—T 
—X 
degens
        <pb n="137" />
        tilbeh. 
J jwishn 
we der Natuy 
uder Vegren 
— 
— 
„Vbotg. 
tundahh wim 
nez unheinr 
ther, eie d 
herden shin 
—1 
cchunden. Iuh 
eten Vohlgesh⸗ 
direte eit ho 
h fuͤsrt und do 
inhidungelraft 
Aelche hur indi⸗ 
ch das Gehl 
—I 
kegiehung der⸗ 
ung ken Goit 
vinbildun golrat 
—X 
—XX 
quch imner hir 
en an beschenn 
iu Hewunderuh 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 75 
oder Achtung, d. i. negative Lust genannt zu wer— 
den verdient. 
Der wichtigste und innere Unterschied aber des Er⸗ 
habenen vom Schoͤnen ist wohl dieser: daß, wenn wir, 
wie billig, hier zuvoͤrderst nur das Erhabene an Natur⸗ 
—RX in Betrachtung ziehen, (das der Kunst wird 
naͤmlich immer auf die Bedingungen der Uebereinstim⸗ 
mung mit der Natur eingeschraͤnkt) die Naturschoͤnheit 
(die selbststaͤndige) eine Zweckmaͤßigkeit in ihrer Form, 
wodurch der Gegenstand fuͤr unsere Urtheilskraft gleich— 
sam vorherbestimmt zu seyn scheint bey sich fuͤhre und 
so an sich einen Gegenstand des Wohlgefallens ausmacht, 
statt dessen das, was in uns, ohne zu vernuͤnfteln, blos 
in der Auffassung, das Gefuͤhl des Erhabenen erregt, 
der Form nach gar zweckwidrig fuͤr unsere Urtheilskraft, 
unangemessen unserm Darstellungsvermoͤgen und gleich⸗ 
sam gewaltthaͤtig fuͤr die Einbildungskraft, erscheinen 
mag, dennoch nur um desto erhabener zu seyn geur⸗ 
theilt wird. Er 
Man sieht aber hieraus sofort, daß wir uns uͤber⸗ 
haupt unrichtig ausdruͤcken, wenn wir irgend einen 
Gegenstand der Natur erhaben nennen, ob wir 
zwar ganz richtig sehr viele derfelben schoͤn nennen koͤn⸗ 
nen; denn wie kann das mit einem Ausdrucke des Bey⸗ 
falls bezeichnet werden, was an sich als zweckwidrig ab⸗ 
gefaßt wird. Wir koͤnnen nicht mehr sagen, als daß der 
Gegenstand zur Darstellung einer Erhabenheit tauglich 
80
        <pb n="138" />
        76 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
sey, die im Gemuͤthe angetroffen werden kann; denn 
das eigentliche Erhabene kann in keiner sinnlichen Form 
8* enthalten seyn, sondern trift nur Ideen der Vernunft, 
welche, obgleich keine ihnen angemessene Darstellung 
moͤglich ist, eben durch diese Unangemessenheit, welche 
—DV und ins Ge⸗ 
muͤth gerufen werden. So kann der weite, durch Stuͤr⸗ 
me empoͤrte Ocean, nicht erhaben genannt werden. 
Sein Anblick ist graͤslich und man muß das Gemuͤth 
schon mit mancherley Ideen angefuͤllt haben, wenn es 
durch eine solche Anschauung zu einem Gefuͤhl gestimmt 
werden soll, was selbst erhaben ist, indem das Gemuͤth 
die Sinnlichkeit zu verlassen und sich mit Ideen, die 
hoͤhere Zweckmaͤßigkeit enthalten, zu beschaͤftigen ange⸗ 
reizt wird. 
F 59 Die selbststaͤndige Naturschoͤnheit entdeckt uns eine 
Technik der Natur, welche sie als ein System nach Ge— 
setzen, deren Princip wir in unserm ganzen Verstandes⸗ 
vermoͤgen nicht antreffen, vorstellig macht, naͤmlich dem 
einer Zweckmaͤßigkeit 1 respectiv auf den Gebrauch der 
Urtheilskraft in Ansehung der Erscheinungen , so daß 
diese nicht blos als zur Natur in ihrem zwecklosen Me— 
chanism „, sondern auch als Kunst gehoͤrig beurtheilt 
werden muͤssen. Sie erweitert also wirklich zwar nicht 
unsere Erkenntnis der Naturobjecte, aber doch unsern 
Begrif von der Natur, naͤmlich als bloßem Mechanism, 
zu dem von eben derselben als Kunst, welches zu tiefen 
Untersu 
einudet. 
hen pfleg 
—V — 
uͤhrte, 
wildester 
—B 
des Er 
daß de 
nicht 
derd 
hichts 
deme 
rineg 
in uns 
hen der 
hen, 
— 
het hit 
V 
—FR 
Weorh 
Veurt 
weil 
selt, 
die Es 
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        <pb n="139" />
        laun; den 
lüichen dom 
xr — 
—2 
hehet, veche 
d in iss be⸗ 
nd dut Eh⸗ 
Lehannt —DT 
hzdun heui 
— 
iesͤhl gefimn 
a das Gemuh 
nit Ddeen, di 
haͤstigen ahqr 
s 
tdeckt ins eine 
dem nach Ge⸗ 
—X 
daͤmlich dem 
Hebrauch der 
ungen, so daß 
wecklosen No 
guig, beurtheit 
ctlich zwar hicht 
XIL 
hem Nechanibn 
velches zu tiefef 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 77 
Untersuchungen uͤber die Moͤglichkeit einer solchen Form 
einladet. Aber in dem, was wir an ihr erhaben zu nen⸗ 
nen pflegen, ist sogar nichts, was auf besondere objec⸗ 
tive Principien und diesen gemaͤßen Formen der Natur 
fuͤhrte, daß diese vielmehr in ihren Chaos oder in ihrer 
wildesten regellosesten Unordnung und Verwuͤstung, 
wenn sie nur Groͤße und Macht blicken laͤßt, die Ideen 
des Erhabenen am meisten erregt. Daraus sehen wir, 
daß der Begrif des Erhabenen der Natur bey weitem 
nicht so wichtig und an Folgerungen reichhaltig sey, als 
der des Schoͤnen in derselben und daß er uͤberhaupt 
nichts zweckmaͤßiges in der Natur selbst, sondern nur in 
dem moͤglichen Gebrauche ihrer Anschauungen, um 
eine von der Natur ganz nnabhaͤngige Zweckmaͤßigkeit 
in uns selbst fuͤhlbar zu machen, anzeige. Zum Schoͤ⸗ 
nen der Natur muͤssen wir einen Grund ausser uns su—⸗ 
chen, zum Erhabenen aber blos in uns und der Den⸗ 
kungsart, die in die Vorstellung der ersteren Erhaben⸗ 
heit hineinbringt; eine sehr noͤthige vorlaͤufige Bemer⸗ 
kung, welche die Ideen des Erhabenen von der einer 
Zweckmaͤßigkeit der Natur ganz abtrennt und aus der 
Theorie desselben einen bloßen Anhang zur aͤsthetischen 
Beurtheilung der Zweckmaͤßigkeit der Natur macht, 
weil dadurch keine besondere Form in dieser vorge— 
stellt, sondern nur ein zweckmaͤßiger Gebrauch, den 
die Einbildungskraft von ihrer Vorstellung macht, ent⸗ 
wickelt wird.
        <pb n="140" />
        73 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Von der Eintheilung einer Untersuchung des 
Gefuͤhls des Erhabenen. 
Was die Eintheilung der Momente der aͤsthetischen Be⸗ 
urtheilung der Gegenstaͤnde, in Beziehung auf das Gefuͤhl 
des Erhabenen, betrift, so wird die Analytik nach demselben 
Princip fortlaufen koͤnnen, wie in der Zergliederung der 
Geschmacksurtheile geschehen ist. Denn als Urtheile der 
aͤsthetischen reflectirenden Urtheilskraft, muß das Wohl⸗ 
gefallen am Erhabenen eben sowohl, als am Schoͤnen, 
der Quantitaͤt nach allgemeinguͤltig, der Qualitaͤt 
nach ohne Interesse, der Relation nach subjective 
Zweckmaͤßigkeit und der Modalitaͤt nach die letztere 
als nothwendig, vorstellig machen. Hierin wird also 
die Methode von der im vorigen Abschnitte nicht abwei⸗ 
chen, man mußte denn das fuͤr etwas rechnen, daß wir 
dort, wo das aͤsthetische Urtheil die Form des Objects 
betraf, von der Untersuchung der Qualitaͤt anfingen, hier 
aber, bey der Formlosigkeit, welche dem, was wir er—⸗ 
haben nennen, zukommen kann, von der Quantitaͤt, 
als dem ersten Moment des aͤsthetischen Urtheils uͤber das 
Erhabene, anfangen werden: wozu aber der Grund aus 
dem vorhergehenden g5 zu ersehen ist. 
Aber eine Eintheilung hat die Analysis des Erha— 
benen noͤthig, welche die des Schoͤnen nicht bedarf, naͤm⸗ 
lich die ins mathematisch- und ins dynamisch⸗ 
Erhabene. 
§. 24. 
N 
Vuurthein 
— 
anstatt do 
ruhiger 
Hewegu 
den soll 
kinhild 
quf do 
ley He 
Vorftel 
Zweck 
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misch 
— 
—— 
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        — 
suthung des 
h. 
isheisthede 
nuhdꝛd —— 
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dal hethet du 
nuß dedi 
—X — 
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nbach suhjecth 
jach die lestr 
dietin wird LF 
stte niht ahver 
echnen, daß wit 
em des Ohfects 
tanfingen, hiet 
—X 
der Quantitt, 
Artheilz ͤber dus 
wder Grynd au 
galhsss des Ethr 
I 
—XV 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 79 
Denn da das Gefuͤhl des Erhabenen eine mit der 
Beurtheilung des Gegenstandes verbundene Bewe⸗ 
gung des Gemuͤths, als seinen Character bey sich fuͤhrt, 
anstatt daß der Geschmack am Schoͤnen das Gemuͤth in 
ruhiger Contemplation voraussetzt und erhaͤlt, diese 
Bewegung aber als subjectiv zweckmaͤßig beurtheilt wer⸗ 
den soll (weil das Erhabene gefaͤllt) so wird ste durch die 
Einbildungskraft entweder auf das Erkenntnis- oder 
auf das Begehrungsvermoͤgen bezogen, in beyder⸗ 
ley Beziehung aber die Zweckmaͤßigkeit der gegebenen 
Vorstellung nur in Ansehung dieser Vermoͤgen c(ohne 
Zweck oder Interesse) beurtheilt werden: da dann die 
erste, als eine mathematische , die zweyte als dyna⸗ 
mische Stimmung der Einbildungskraft dem Objecte 
beygelegt und daher dieses auf gedachte zwiefache Art als 
erhaben vorgestellt wird. 
A. 
Vom Mathematisch-Erhabenen. 
§. 25. 
Nahmenerklaͤrung des Erhabenen. 
Erhaben nennen wir das, was schlechthin 
gros ist. Gros-seyn aber und eine Groͤße seyn sind 
ganz verschiedene Begriffe (magnitudo und quantitas). 
Imgleichen schlechtweg (Ompliciter) sagen, daß et⸗ 
was gros sey, ist auch ganz was anderes als zu sagen,
        <pb n="142" />
        80 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
daß es schlechthin gros (absolute non —8 
magnum) sey. Das letztere ist das was uͤber alle Ver⸗ 
gleichung gros ist. — Was will nun aber der Ausdruck 
— DD—— 
Ein reiner Verstandesbegrif ist er nicht, noch weniger 
eine Sinnenanschauung und eben so wenig ein Vernunft⸗ 
begrif, weil er gaͤrsPrincip der Erkenntnis bey sich fuͤhrt. 
Er muß also ein Begrif der Urtheilskraft seyn oder von 
einem solchen abstammen und eine subjective Zweckmaͤs⸗ 
sigkeit der Vorstellung in Beziehung auf die Urtheilskraft 
zum Grunde legen. Daß etwas eine Groͤße (quantum) 
sey, laͤßt sich aus dem Dinge selbst, ohne alle Verglei⸗ 
chung mit andern, erkennen; wenn naͤmlich Vielheit des 
Gleichartigen zusammen Eines ausmacht. Wie gros 
es aber sey, erfordert jederzeit etwas anderes, was auch 
Groͤße ist, zu seinem Maaße. Dieweil es aber in der 
Beurtheilung der Groͤße nicht blos auf, die Vielheit 
(Zahl), sondern auch auf die Groͤße der Einheit (des 
Maaßes) ankommt und dieser ihre Groͤße immer. wie⸗ 
derum etwas anderes als Maaß bedarf, womit es ver⸗ 
glichen werden koͤnne, so sehen wir: daß alle Groͤßen— 
bestimmung der Erscheinungen schlechterdings keinen ab— 
soluten Begrifsvon einer Groͤße, sondern allemal nur 
einen Vergleichungsbegrif liefern koͤnne. 
Wenn ich nun schlechtweg sage, daß etwas gros seh, 
so scheint es daß ich gar keine Vergleichung im Sinne 
habe, wenigstens mit keinem objectiven Maaße, weil 
dadurch 
46 28 
J 
dadurch ge 
stand sh. 
hhö suhject 
higer quf 
—RXZ 
—LV 
gen, qle 
summun— 
M 
weg als 
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heygelett 
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Grunde⸗ 
— 
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— 
— 
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Huͤsr, 
Matste 
Leckihe 8 
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duhend, 
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        heihch 
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nde Ruhdeut 
— 
inoh denihet 
h ön —X 
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ift — bf 
ectihe —T 
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roͤße( quantum) 
ue alle Verqh— 
glich Vielheitde 
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— 
es cher in der 
uf die Vichheit 
Gnheit (des 
he immer wie⸗ 
womit es der 
iß alle — 
—XWRLB 
ern allemal zur 
ßetwas groshh/ 
cchung im Ginr 
Maße, wel 
M 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 81 
dadurch gar nicht bestimmt wird, wie gros der Gegen⸗ 
stand sey. Ob aber gleich der Maasstab der Vergleichung 
blos subjectiv ist, so macht das Urtheil nichts desto we—⸗ 
niger auf allgemeine Bostimmung Anspruch; die Ur⸗ 
theile: der Mann ist schoͤn und er ist groß, schraͤnken sich 
nicht blos aufs urtheilende Subject ein, sondern verlan⸗ 
gen, gleich theoretischen Urtheilen, jedermanns Bey— 
stimmung. 
Weil aber in einem Urtheile, dadurch etwas schlecht— 
weg als gros bezeichnet wird, nicht blos gesagt werden 
will, daß der Gegenstand eine Groͤße habe, sondern diese 
ihm zugleich vorzugsweise vor vielen andern gleicher Art 
beygelegt wird, ohne doch diesen Vorzug bestimmt anzu⸗ 
geben, so wird demselben allerdings ein Maasstab zum 
Grunde gelegt, den man fuͤr jedermann, als eben den— 
selben, annehmen zu koͤnnen voraussetzt, der aber zu 
keiner logischen ( mathematisch ⸗ bestimmten) sondern 
nur aͤsthetischen Beurtheilung der Groͤße brauchbar ist, 
weil er ein blos subjectiv dem ressectirendenn Urtheile aͤber 
Groͤße zum Grunde liegender Maasstab ist⸗ er mag nun 
empirisch seyn, wie etwa die mittlere Groͤße der uns be— 
kannten Menschen, Thiere von gewisser Art, Baͤume, 
Haͤuser, Berge u. d. gl.; oder ein a priori gegebener 
Maasstab, der durch die Maͤngel des Subjects auf sub⸗ 
jective Bedingungen der Darstellung in concreto einge— 
schraͤnkt ist, als im Practischen: die Groͤße einer gewissen 
Tugend, oder der oͤffentlichen Freyheit und Gerechtigkeit 
Rants Crit. d. Urtheilske. F
        <pb n="144" />
        . 
— 
R 
82 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
in einem Lande, oder im Theoretischen: die Groͤße der 
Richtigkeit oder Unrichtigkeit einer gemachten Observa⸗ 
tion oder Messung u. d. gl.). I 
Hier ist nun merkwuͤrdig: daß, wenn wir gleich am 
Objecte gar kein Interesse haben, d. i. die Existenz des⸗ 
selben uns gleichguͤltig ist, doch die bloße Groͤße dessel⸗ 
ben, selbst wenn es als formlos betrachtet wird, ein 
Wohlgefallen bey sich fuͤhren koͤnne, das allgemein mit⸗ 
theilbar ist, mithin Bewußtseyn einer subjectiven Zweck⸗ 
maͤßigkeit im Gebrauche unsrer Erkenntnisvermoͤgen ent⸗ 
halte, aber nicht etwa ein Wohlgefallen am Objeete, 
wie beym Schoͤnen (weil es formlos seyn kann) wo die 
reflectirende Urtheilskraft sich in Beziehung aufs Er⸗ 
kenntnis uͤberhaupt zweckmaͤßig gestimmt findet, sondern 
an der Erweiterung der Einbildungskraft an sich selbst. 
Wenn wir (unter der obgenannten Einschraͤnkung) 
von einem Gegenstande schlechtweg sagen, er sey gros, 
so ist dies kein mathematisch⸗ bestimmendes , sondern ein 
bloßes Reflexionsurtheil uͤber die Vorstellung desselben, 
die fuͤr einen gewissen Gebrauch unserer Erkenntniskraͤfte 
in der Groͤßenschaͤtzung subjectiv zweckmaͤßig ist und wir 
verbinden alsdenn mit der Vorstellung jederzeit eine Art 
von Achtung, so wie mit dem, was wir schlechtweg klein 
nennen, eine Verachtung. Uebrigens geht die Beur— 
theilung der Dinge als gros oder klein auf alles, selbst 
auf alle Beschaffenheiten derselben; daher wir selbst die 
Schoͤnheit gros oder klein nennen, wovon der Grund 
—434 
darin u su 
theilkraft 
hin ahetis 
within auc 
Venr 
schlechthin 
—XRX 
tin; daß 
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Es ist ⸗ 
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— 
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—XV 
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Mihtg.
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        — 
die bis⸗ de 
mvir dleih am 
die —T deß 
ch Cige qs— 
uhn vitn 
— 
ühectenn dut 
nibbermohen J 
X —T 
nkunn) voh 
chung aufß h 
ttsndet huden 
— — 
— 
—A— 
v, sondern ein 
lung deselben, 
—XC 
öͤßig ist vnd vir 
bderxit eine Vt 
schlechtweg klin 
z geht de deur 
n auf aleß, sh 
aher dit seh de 
wovon der Ouund 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 83 
darin zu suchen ist, daß was wir nach Vorschrift der Ur— 
theilskraft in der Anschauung nur immer darstellen (mit⸗ 
hin aͤsthetisch vorstellen) moͤgen, insgesamt Erscheinung, 
mithin auch ein Quantum ist. 
Wenn wir aber etwas nicht allein gros, sondern 
schlechthin⸗ absolut⸗ in aller Absicht-(uͤber alle Verglei— 
chung) gros, d. i. Erhaben, nennen, so sieht man bald 
ein: daß wir fuͤr dasselbe keinen ihm angemessenen Maas⸗ 
stab ausser ihm, sondern blos in ihm zu suchen verstatten. 
Es ist eine Groͤße, die blos sich selber gleich ist. Daß 
das Erhabene also nicht in den Dingen der Natur, son⸗ 
dern allein in unsern Ideen zu suchen sey, folgt hieraus; 
in welchen es aber liege muß fuͤr die Deduction aufbe⸗ 
halten werden. 
Die obige Erklaͤrung kann auch so ausgedruͤckt wer⸗ 
den: Erhaben ist das mit welchem in Verglei⸗— 
chung alles andere klein ist. Hier sieht man leicht: 
Amdss in der Natur gegeben werden koͤnne, so gros 
als es auch von uns beurtheilt wuͤrde, was uicht in ei⸗ 
nem andern Verhaͤltnisse betrachtet bis zum Unendlich⸗ 
Kleinen abgewuͤrdigt werden koͤnnte und umgekehrt, 
nichts so klein, was sich nicht in Vergleichung mit noch 
kleinern Maasstaͤben fuͤr unsere Einbildungskraft bis zu 
einer Weltgroͤße erweitern ließe. Die Telescopien haben 
uns die erstere , die Mieroscopien die letztere Bemerkung 
zu machen reichlichen Stoff an die Hand gegeben. 
Nichts also, was Gegenstand der Sinnen seyn kann, 
33 
96
        <pb n="146" />
        84 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
ist auf diesen Fuß betrachtet erhaben zu nennen. Aber 
eben darum, daß in unserer Einbildungskraft ein Bestre⸗ 
ben zum Fortschritte ins Unendliche, in unserer Vernunft 
aber ein Anspruch auf absolute Totalitaͤt, als einer reel⸗ 
len Idee liegt ist selbst jene Unangemessenheit unseres 
Vermoͤgens der Groͤßenschaͤtzung der Dinge der Sinnen⸗ 
welt fuͤr diese Idee, die Erweckung des Gefuͤhls eines 
uͤbersinnlichen Vermoͤgens in uns und der Gebrauch, den 
die Urtheilskraft, von gewissen Gegenstaͤnden zum Be⸗ 
huf des letzteren (Gefuͤhls) natuͤrlicher Weise macht, 
nicht aber der Gegenstand der Sinne, ist schlechthin gros, 
gegen ihn jeder andere Gebrauch klein, mithin Geistes⸗ 
stimmung durch eine gewisse die reflectirende Urtheils⸗ 
kraft beschaͤftigende Vorstellung, nicht aber das Object, 
ist erhaben zu nennen. 
Wir koͤnnen also zu den vorigen Formeln der Erklaͤ⸗ 
rung des Erhabenen noch diese hinzuthun: Erhaben ist 
was auch nur denken zu koͤnnen ein Vermoͤgen 
des Gemuͤths beweiset, das jeden Maasstab 
der Sinne uͤbertrift. 
Von der Groͤßenschaͤtzung der Naturdinge die 
zur Idee des Erhabenen erforderlich ist. 
Die Groͤßenschaͤtzung durch Zahlbegriffe (oder deren 
Zeichen in der Algebrad ist mathematisch, die aber in der 
bloßen Anschauung (nach dem Nugenmaaßie Nist aͤsthe⸗ 
6. 26. 
—R 
üüsch. Jun 
von, hied 
cͤherungen 
sehnmen 
Ale logisch 
die Goͤße 
werden mw 
durch 3 
wuͤßte, 
hiemals 
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hen. 
maahes 
shauun 
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—E 
— 
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— 
heht ez. 
deß, syee 
— 
heurthei 
und di, 
kihhun 
hejt jene
        <pb n="147" />
        —R 
lemnen. Mhn 
kist ein Vesn 
irer Vmuns 
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Hheher —F 
Apde —E 
— 
er behen, dn 
lunden iun de 
er Veis D 
— D 
within Geise— 
— — 
her das Oht 
— — 
Lehohen i 
XX 
n Nagostabh 
aturdinge de 
rderlichiß. 
—I 
h, de cherinde 
nagße) ist aͤse 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 85 
tisch. Nun koͤnnen wir zwar nur bestimmte Begriffe da⸗ 
von, wie gros etwas sey, durch Zahlen (allenfalls An⸗ 
naͤherungen durch ins Unendliche fortgehende Zahlreihen) 
bekommen , deren Einheit das Maas ist; und sofern ist 
alle logische Groͤßenschaͤtzung mathematisch. Allein da 
die Groͤße des Maaßes doch als bekannt angenommen 
werden muß, so wuͤrde, wenn diese nun wiederum nur 
durch Zahlen, deren Einheit ein anderes Maas seyn 
muͤßte, mithin mathematisch geschaͤtzt werden sollte, wir 
niemals ein erstes oder Grundmaas, mithin auch keinen 
bestimmten Begrif von einer gegebenen Groͤße haben koͤn⸗ 
nen. Also muß die Schaͤtzung der Groͤße des Grund⸗ 
maaßes blos darin bestehen, daß man sie in einer An⸗ 
schauung unmittelbar fassen und durch Einbildungskraft 
zur Darstellung der Zahlbegriffe brauchen kann: d. i. 
Alle Groͤßenschaͤtzung der Gegenstaͤnde der Natur ist zu⸗ 
letzt aͤsthetisch (d. i. subjectiv und nicht objectiv bestimmt). 
Nun giebt es zwar fuͤr die mathernatische Groͤßen⸗ 
schaͤtzung kein Groͤßtes (denn die Macht der Zahlen geht 
ins Unendliche) aber fuͤr die aͤsthetische Groͤßenschaͤtzung 
giebt es allerdings ein Groͤßtes und von diesem sage ich: 
daß, wenn es als absolutes Maas, uͤber das kein groͤ⸗ 
ßeres subjectiv (dem beurtheilenden Subject) moͤglich sey, 
beurtheilt wird, es die Idee des Erhabenen bey sich fuͤhre 
und diejenige Ruͤhrung, welche keine mathematische 
Schaͤtzung der Groͤßen durch Zahlen (es sey denn so 
weit jenes aͤsthetische Grundmaas dabey in der Einbil⸗ 
F3
        <pb n="148" />
        86 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
dungskraft lebendig erhalten wird) bewirken kann, her⸗ 
vorbringe, weil die letztere immer nur die relative Groͤße 
duch Vergleichung mit andern gleicher Art, die erstere 
aber die Groͤße schlechthin, so weit das Gemuͤth sie in 
einer Anschauung fassen kann, darstelt. 
Anschaulich ein Quantum in die Einbildungskraft 
aufzunehmen, um es zum Maaße, oder als Einheit, 
zu Groͤßenschaͤtzung durch Zahlen brauchen zu koͤnnen, 
dazu gehoͤren zwey Handlungen dieses Vermoͤgens: 
Auffassung (apprehensio) und Zusammenschůng 
(comprehensio aesthetica). Mit der Auffassung hat es 
keine Noth; denn damit kann es ins Unendliche gehen; 
aber die Zusammenfassung wird immer schwerer, je wei⸗ 
ter die Auffassung fortruͤckt und gelangt bald zu ihrem 
Maximum, naͤmlich dem aͤsthetisch- groͤßten Grund⸗ 
maaße der Groͤßenschaͤtzung. Denn, wenn die Auffas⸗ 
sung so weit gelanget ist, daß die zuerst aufgefaßten 
Theilvorstellungen der Sinnenanschauung in der Einbil⸗ 
dungskraft schon zu erloͤschen anheben, indessen daß diese 
zu Auffassung mehrerer fortruͤckt, so verliert sie auf einer 
Seite eben so viel als sie auf der andern gewinnt und 
in der Zusammenfassung ist ein Groͤßtes, uͤber welches 
sie nicht hinauskommen kann. 
Daraus laͤßt sich erklaͤren, was Savarhy in seinen 
Nachrichten von Aegypten anmerkt: daß man den Py— 
ramiden nicht sehr nahe kommen, eben so wenig als zu 
weit davon entfernt seyn muͤsse, um die ganze Ruͤhrung 
—13 
hon ihrer Gi 
sind die dhei 
— 
selung thu 
des Gubject 
einige Jeit 
zur Spiht 
zvum Tyei 
tern auf⸗ 
vollstond 
Hesͤrz 
etöhl, 
—C 
ez ist hier 
—1 
helen, p 
niht, und 
ahs zurs· 
pfsalen he 
— 
Wohzh 
dabon mo 
uns diey 
wehnaß 
der Groͤß 
hen hene 
hän (m'
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        en — hu— 
— —F— 
tt, die eien 
henit sein 
— 
—X bihhe 
thn nlinn 
es VDensm/ 
unnesn 
uffesund —T 
rendliche —F 
hderer, fehe 
— — 
— — 
— — — 
aushefasten 
in der Einhil⸗ 
X 
alt se auf eiter 
Nwinnt, und 
z, her velchet 
—U 
h wan den sy 
n sd hetig dn 
»qane Ruhenn 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 87 
bon ihrer Groͤße zu bekommen. Denn ist das letztere, so 
sind die Theile, die aufgefaßt werden (die Steine dersel⸗ 
ben uͤbereinander) nur dunkel vorgestellt und ihre Vor⸗ 
stellung thut keine Wirkung auf das aͤsthetische Urtheil 
des Subjects. Ist aber das erstere, so bedarf das Auge 
einige Zeit um die Auffassung von der Grundflaͤche bis 
zur Spitze zu vollenden; in dieser aber erloͤschen immer 
zum Theil die ersteren, ehe die Einbildungskraft die letz⸗ 
tern aufgenommen hat und die Zusammenfassung ist nie 
vollstaͤndig. — Eben dasselbe kann auch hinreichen, die 
Bestuͤrzung, oder Art von Verlegenheit, die, wie man 
erzaͤhlt, dem Zuschauer in der St. Peterskirche in Rom 
beym ersten Eintritte anwandelt, zu erklaͤren. Denn 
es ist hier ein Gefuͤhl der Unangemessenheit seiner Einbil⸗ 
dungskraft fuͤr die Ideen eines Ganzen, um sie darzu⸗ 
stellen, worin die Einbildungskraft ihr Maximum er⸗ 
reicht, und, bey der Bestrebung es zu erweitern, in sich 
selbst zuruͤcksinkt, dadurch aber in ein ruͤhrendes Wohl⸗ 
zefallen versetzt wird. 
Ich will jetzt noch nichts von dem Grunde dieses 
Wohlgefallens anfuͤhren J welches mit einer Vorstellung, 
davon man es am wenigsten erwarten sollte, die naͤmlich 
uns die Unangemessenheit, folglich auch subjective Un⸗ 
zweckmaͤßigkeit der Vorstellung fuͤr die Urtheilskraft in 
der Groͤßenschaͤtzung merken laͤßt, verbunden ist: son⸗ 
dern bemerke nur, daß, wenn das aͤsthetische Urtheil 
rein (mit keinem teleologischen als Vernunftur— 
F a 
4
        <pb n="150" />
        88 IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
theile vermischt) und daran ein der Critik der aͤsthe⸗ 
tischen Urtheilskraft voͤllig anpassendes Beyspiel gege⸗ 
ben werden soll, man nicht das Erhabene an Kunstpro— 
dukten (z. B. Gebaͤuden, Saͤulen u. s. w.), wo ein 
menschlicher Zweck die Form sowohl als die Groͤße be⸗ 
stimmt, noch an Naturdingen, deren Begrif schon 
einen bestimmten Zweck bey sich fuͤhrt, (z. B. 
Thieren von bekannter Naturbestimmung) sondern an 
der rohen Natur (und an dieser, sogar nur, sofern sie 
fuͤr sich keinen Reiz oder Ruͤhrung aus wirklicher Gefahr 
bey sich fuͤhrt) blos sofern sie Groͤße enthaͤlt, aufzeigen 
muͤsse. Denn in dieser Art der Vorstellung enthaͤlt die 
Natur nichts, was ungeheuer (noch was praͤchtig oder 
graͤslich) waͤre, die Groͤße die aufgefaßt wird, mag so 
weit angewachsen seyn als man will wenn sie nur durch 
Einbildungskraft in ein Ganzes zusammengefaßt werden 
kann. Ungeheuer ist ein Gegenstand, wenn er durch 
seine Groͤße den Zweck, der den Begrif desselben aus— 
macht, vernichtet. Colossalisch abex wird die bloße 
Darstellung eines Begrifs genannt, die fuͤr alle Dar⸗ 
stellung beynahe zu gros ist (an das relativ Ungeheure 
grenzt); weil der Zweck der Darstellung eines Begrifs, 
dadurch, daß die Anschauung des Gegenstandes fuͤr un⸗ 
ser Auffassungsvermoͤgen beynahe zu gros ist erschwert 
wird. — Ein reines Urtheil uͤber das Erhabene aber 
muß gar keinen Zweck des Objects zum Bestimmungs⸗ 
grunde haben, wenn es aͤsthetisch und nicht mit ir⸗ 
J. 
J 
gend einer 
mengt seht 
Weil 
kraft ohn 
subsectide 
sigkeit be 
Iweckmẽ 
Schoͤner 
sich, w 
durch 
ßen Ge 
—ERE 
kraft ip 
hen Hy 
sesallen 
Di 
khung, 
—F 
lihe sot 
— 
Vessh 
ist etwch 
Vegrift 
it) ahe 
sges 
Iween
        <pb n="151" />
        lik der ish 
Veysiel gese 
bin — 
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ide — 
dertf shn 
itt 64 
ung) —E 
— 
virklicher —F 
tthaͤt, aueih 
uung enthaͤth 
— 
ßt vird, — 
enn sehur dunh 
lgesnßt erden 
benn er durch 
deselhen aus—⸗ 
vird die bloße 
sͤr ale Dar⸗ 
alid hngeheure 
ünes degrift, 
Nandes fuͤ un 
—A — 
g Erhahene cht 
m Hefimmung⸗ 
dd ocht it 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 89 
gend einem Verstandes⸗- oder Vernunfturtheile ver⸗ 
mengt seyn soll. 
Weil alles, was der blos reflectirenden Urtheils—⸗ 
kraft ohne Interesse gefallen soll, in seiner Vorstellung 
subjective und, als solche, allgemein⸗guͤltige Zweckmaͤs⸗ 
sigkeit bey sich fuͤhren muß, gleichwohl aber hier keine 
Zweckmaͤßigkeit der Form des Gegenstandes (wie beym 
Schoͤnen) der Beurtheilung zum Grunde liegt, so fragt 
sich, welches ist diese subjective Zweckmaͤßigkeit und wo⸗ 
durch wird sie als Norm vorgeschrieben, um in der blo⸗ 
ßen Groͤßenschaͤtzung und zwar der, welche gar bis zur 
Unangemessenheit unseres Vermoͤgens der Einbildungs⸗ 
kraft in Darstellung des Begrifs von einer Groͤße getrie— 
ben worden, einen Grund zum allgemeinguͤltigen Wohl⸗ 
gefallen abzugeben. 
Die Einbildungskraft schreitet in der Zusammen⸗ 
setzung, die zur Groͤßenvorstellung erforderlich ist, von 
selbst, ohne daß ihr etwas hinderlich waͤre, ins Unend⸗ 
liche fort; der Verstand aber leitet sie durch Zahlbegriffe, 
wozu jene das Schema hergeben muß, und in diesem 
Verfahren als zur logischen Groͤßenschaͤtzung gehoͤrig, 
ist etwas, was zwar objectiv zweckmaͤßig ist, nach dem 
Begriffe von einem Zwecke (dergleichen jede Ausmessung 
ist) aber nichts fuͤr die aͤsthetische Urtheilskraft zweckmaͤs⸗ 
siges und gefallendes. Es ist auch in dieser absichtlichen 
Zweckmaͤßigkeit nichts, was die Groͤße des Maaßes, 
F 5
        <pb n="152" />
        73 
— 
90 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
mithin der Zusammenfassung des Vielen in eine 
Anschauung, bis zur Grenze des Vermoͤgens der Einbil— 
dungskraft, und so weit, wie diese in Darstellungen 
nur immer reichen mag, zu treiben noͤthigte. Denn in 
der Verstandesschaͤtzung der Groͤßen (der Arithmetik) 
kommt man eben so weit, ob man die Zusammenfassung 
der Einheiten bis zur Zahl 100 in der Decadik) oder nur 
bis 4 (in der Tetractik) treibt; die weitere Groͤßener⸗ 
zeugung aber im Zusammensetzen, oder, wenn das 
Quantum in der Anschauung gegeben ist, im Auffassen, 
blos progressiv (nicht comprehensiv) nach einem ange⸗ 
nominenen Progressionsprincip verrichtet. Der Ver⸗ 
stand wird in dieser mathematischen Groͤßenschaͤtzung 
eben so gut bedient und befriedigt, ob Einbildungskraft 
zur Einheit eine Groͤße, die man in einem Blick fassen 
kann, z. B. einen Fus oder Ruthe, oder ob sie eine deut⸗ 
sche Meile, oder gar einen Erddurchmesser, deren Auf—⸗ 
fassung zwar, aber nicht die Zusammenfassung in eine 
Anschauung der Einbildungskraft (nicht durch die com- 
prehensio aesthetica, obzwar gar wohl durch compre- 
hensio logica in einen Zahlbegrif) mwoͤglich ist, waͤhle. 
In beyden Faͤllen geht die logische Groͤßenschaͤtzung un⸗ 
gehindert ins Unendliche. 
Nun aber hoͤrt das Gemuͤth in sich auf die Stimme 
der Vernunft , welche zu allen gegebenen Groͤßen , selbst 
denen, die zwar niemals ganz aufgefaßt werden koͤnnen, 
gleichwohl aber (in der sinnlichen Vorstellung) als ganz 
J.. 
gegehen beu 
sammenfass 
Glieder eine 
sellunge 
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dgröͤhen, sahs 
verden knnen, 
VV 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 91 
gegeben beurtheilt werden, Totalitaͤt fordert, mithin Zu⸗ 
sammenfassung in eine Anschauung und fuͤr alle jene 
Glieder einer fortschreitend⸗ wachsenden Zahlreihe Dar⸗ 
stellung verlangt und selbst das Unendliche (Raum 
und verflossene Zeit) von dieser Forderung nicht aus⸗ 
nimmt, vielmehr es unvermeidlich macht, es sich (in 
dem Urtheile der gemeinen Vernunft) als ganz (seiner 
Totalitaͤt nach) gegeben zu denken. 
Das Unendliche aber ist schlechthin (nicht blos com⸗ 
parativ) gros. Mit diesem verglichen ist alles andere 
(von derselben Art Groͤßen) klein. Aber, was das vor⸗ 
nehmste ist, es als ein Ganzes auch nur denken zu 
koͤnnen zeigt ein Vermoͤgen des Gemuͤths an, welches 
allen Maasstab der Sinne uͤbertrift. Denn dazu wuͤrde 
eine Zusammenfassung erfordert werden, welche einen 
Maasstab als Einheit lieferte, der zum Unendlichen ein 
bestimmtes, in Zahlen angebliches Verhaͤltnis haͤtte, wel⸗ 
ches unmoͤglich ist. Das Unendliche aber dennoch ohne 
Widerspruch auch nur denken zu koͤnen, dazu wird 
ein Vermoͤgen, das selbst uͤbersinnlich ist, im menschli⸗ 
chen Gemuͤthe erfordert. Denn nur durch dieses und 2 
dessen Idee eines Noumens, welches selbst keine An— 
schauung verstattet, aber doch der Weltanschauung , als 
bloßer Erscheinung, zum Substrat untergelegt wird, 
wird das Unendliche der Sinnenwelt, in der reinen in⸗ 
tellectuellen Groͤßenschaͤtzung, unter einem Begriffe 
ganz zusammengefaßt, obzwar es in der mathematischen
        <pb n="154" />
        92 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
durch Zahlenbegriffe nie ganz gedacht werden kann. 
Selbst ein Vermoͤgen sich das Unendliche der aͤbersinnli⸗ 
chen Anschauung als (in seinem intelligibelen Substrat) 
gegeben denken zu koͤnnen ͤbertrift allen Maasstab der 
Sinnlichkeit und ist uͤber alle Vergleichuug selbst mit dem 
Vermoͤgen der mathematischen Schaͤtzung gros, freylich 
wohl nicht in theoretischer Absicht zum Behuf des Er⸗ 
kenntnisvermoͤgens ,aber doch als Erweiterung des Ge⸗ 
muͤths, welches die Schranken der Sinnlichkeit in an⸗ 
derer (der practischen) Absicht zu uͤberschreiten sich ver⸗ 
moͤgend fuͤhlt. 
Erhaben ist also die Natur, in derjenigen ihrer Er— 
scheinungen, deren Anschauung die Idee ihrer Unend⸗ 
lichkeit bey sich fuͤhrt/ Dieses letztere kann nun nicht an⸗ 
ders geschehen, als durch die Unangemessenheit, selbst 
der groͤßten Bestrebung unserer Einbildungskraft in der 
Groͤßenschaͤtzung eines Gegenstandes. Nun ist aber fuͤr 
die mathematische Groͤßenschaͤtzung die Einbildungskraft 
jedem Gegenstande gewachsen, um fuͤr dieselbe ein hin— 
laͤngliches Maas zu geben, weil die A des 
Verstandes, dnrch Progression jedes Maas einer jeden 
Groͤße angemessen machen koͤnnen. Also muß es die 
aͤsthetische Groͤßenschaͤtzung seyn, in welcher die Be⸗ 
strebung zuß Zusammenfassung das Vermoͤgen der Ein⸗ 
bith Tgskraft ͤberschreitet die progressive Auffassung in 
ein Ganzes der Anschauung zu begreifen gefuͤhlt und da⸗ 
bey zugleich die Unangemessenheit dieses Vermoͤgens, 
LdN. 
welhez in d 
wpihd, ein mi 
zur Groͤßens 
zut Groͤßen 
liche gnder— 
ute Ganp 
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Vernun 
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zener jeden 
X 
Acher de HYe— 
en der Ei⸗ 
Wffasungin 
zeuͤhlt und do 
Verwmoͤgens, 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 93 
welches im Fortschreiten unbegrenzt ist, wahrgenommen 
wird, ein mit dem mindesten Aufwande des Verstandes 
zur Groͤßenschaͤtzung taugliche Grundmaas zu fassen und 
zur Groͤßenschaͤtzung zu gebrauchen. Nun ist das eigeni— 
liche unveraͤnderliche Grundmaas der Natur das abso⸗ 
lute Ganze derselben, welches bey ihr als Erscheinung 
zusammengefaßte Unendlichkeit ist. Da aber dieses 
Grundmaas ein sich selbst widersprechender Begrif ist 
(wegen der Unmoͤglichkeit der absoluten Totalitaͤt eines 
Progresses ohne Ende) so muß diejenige Groͤße eines Na⸗ 
turobjects , an welcher die Einbildungskraft ihr ganzes 
Vermoͤgen der Zusammenfassung fruchtlos verwendet, — 
den Begrif der Natur auf ein aͤbersinnliches Substrat s. ñ 
(das ihr und zugleich unserm Vermoͤgen zu denken zum 222. 23 
Grunde liegt) fuͤhren, welches ͤber allen Maasstab der 
Sinne gros ist und daher, nicht sowohl den Gegenstand, 
als vielmehr die Gemuͤthsstinmmung in Schaͤtzung dessel⸗ 
ben, als erhaben beurtheilern laͤßt. 
Also, gleichwie die aͤsthetische Urtheilskraft in Be— 
urtheilung des Schoͤnen die Einbildungskraft in ihrem 
freyen Spiele auf den Verstand bezieht, um mit dessen 
Begriffen uͤberhaupt (ohne Bestimmung derselben) 
zusammenzustimmen so bezieht ste dasselbe Vermoͤgen 
in Beurtheilung eines Dinges als Erhabenen auf die 
Vernunft, um zu deren Ideen (unbestimmt welchen) 
subjectiv aͤbereinzustimmen, d. i. eine Gemuͤthsstimmung 
hervorzubringen, welche derjenigen gemaͤs und mit ihr
        <pb n="156" />
        94 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
vertraͤglich ist, die der Einflus bestimmter Ideen (prac— 
/ /5. tischer) aufs Gefuͤhl bewirken wuͤrde. 
Man sieht hieraus auch, daß die wahre Erhaben⸗ 
heit nur im Gemuͤthe des Urtheilenden, nicht in dem Na⸗ 
—9 — turobjecte, dessen Beurtheilung diese Stimmung dessel⸗ 
J ben veranlaßt, muͤsse gesucht werden. Wer wollte auch 
ungestalte Gebirgsmassen , in wilder Unordnung auͤber 
einander gethuͤrmt, mit ihren Eispyramiden, oder die 
duͤstere tobende See, u. s. w. erhaben nennen. Aber 
das Gemuͤth fuͤhlt sich in seiner eigenen Beurtheilung ge⸗ 
hoben, wenn es sich in der Betrachtung derselben , ohne 
Ruͤcksicht auf ihre Form, der Einbildungskraft und ei⸗ 
ner, obschon ganz ohne bestimmten Zweck damit in Ver⸗ 
bindung gesetzten, jene blos erweiternden Vernunft, uͤber⸗ 
laͤßt die ganze Macht der Einbildungskraft dennoch ihrer 
Ideen unangemessen befindet. 
Beyspiele von Mathematisch⸗ erhabenen der Natur 
in der bloßen Anschauung liefern uns alle die Faͤlle, wo 
uns nicht sowohl ein groͤßerer Zahlbegrif, als vielmehr 
große Einheit als Maas (zu Verkuͤrzung der Zahlreihen) 
fuͤr die Einbildungskraft gegeben wird. Ein Baum, 
den wir nach Manneshoͤhe schaͤtzen giebt allenfalls ei⸗ 
nen Maasstab fuͤr einen Berg und, wenn dieser etwa 
eine Meile hoch waͤre, kann er zur Einheit fuͤr die Zahl, 
welche den Erddurchmesser ausdruͤckt, dienen, um den 
letzteren anschaulich zu machen: der Erddurchmesser fuͤr 
das uns bekannte Planetensystem, dieses fuͤr das der 
.39 
RU 
strthenshften 
de dermuth 
sch auͤmat 
Nun hegt 
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— 
hen, um den 
urchueser fur 
fur daß ys 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 95 
Milchstraße, und der unermeslichen Menge solcher Milch⸗ 
straßensystemen unter dem Nahmen der Nebelsterne, wel⸗ 
che vermuthlich wiederum ein dergleichen System unter 
sich ausmachen, lassen uns hier keine Grenzen erwarten. 
Nun liegt das Erhabene, bey der aͤsthetischen Beurthei⸗ 
lung eines so unermeslichen Ganzen, nicht sowohl in 
der Groͤße der Zahl, als darin, daß wir im Fortschritte 
immer auf desto groͤßere Einheiten gelangen, (wozu die 
systematische Abtheilung des Weltgebaͤudes beytraͤgt) die 
uns alles Große in der Natur immer wiederum als klein, 
eigentlich aber unsere Einbildungskraft in ihrer ganzen 
Grenzlosigkeit und mit ihr die Natur als gegen die Idee 
der Vernunft, wenn sie eine ihnen angemessene Darsstel⸗ 
lung verschaffen soll, verschwindend vorstellt. 
§. 27. 
Von der Qualitaͤt des Wohlgefallens in der 
Beurtheilung des Erhabenen. 
Das Gefuͤhl der Unangemessenheit unseres Vermoͤ⸗ 
gens zur Erreichung einer Idee, die fuͤr uns Gesetz 
ist, ist Achtung. Nun ist die Idee der Zusammen⸗ 
fassung einer jeden Erscheinung, die uns gegeben, wer⸗ 
den mag, in die Anschauung eines Gansen⸗ — —— 
durch ein Gesetz der Vernunft auferlegt ist, die kein an⸗ 
deres bestimmtes fuͤr jedermann guͤltiges unse veraͤnder⸗ 
liches Maas erkennt als das absolut⸗ Ganze. Unsere 
Einbildungskraft aber beweiset, selbst in ihrer groͤßten
        <pb n="158" />
        96 IL. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Anstrengung, in Ansehung der von ihr verlangten Zu— 
sammenfassung eines gegebenen Gegenstandes in einem 
Ganzen der Anschauung (mithin zur Darstellung der 
Idee der Vernunft )ihre Schranken und unangemessen⸗ 
heit, doch aber zugleich ihre Bestimmung zur Bewirkung 
der Angemessenheit mit derselben als einem Gesetze. Also 
ist das Gefuͤhl des Erhabenen in der Natur Achtung fuͤr 
unsere eigene Bestimmung die wir einem Objecte der 
Natur durch eine gewisse Subreption (Verwechselung 
einer Achtung fuͤr das Object statt der fuͤr die Idee der 
Menschheit in unserm Subjecte) beweisen, welches uns 
die Ueberlegenheit der Vernunftbestimmung unserer Er⸗ 
kenntnisvermoͤgen uͤber das groͤßte Vermoͤgen der Sinn⸗ 
lichkeit gleichsam anschaulich macht. 
Das Gefuͤhl des Erhabenen ist also ein Gefuͤhl der 
Unlust, aus der Unangemessenheit der Einbildungskraft 
in der aͤsthetischen Groͤßenschaͤtzung, fuͤr die durch die 
Vernunft, und eine dabey zugleich erweckte Lust, aus 
der Uebereinstimmung eben dieses Urtheils der Unange⸗ 
messenheit des groͤßten sinnlichen Vermoͤgens zu Ver⸗ 
nunftideen, sofern die Bestrebung zu denselben doch fuͤr 
uns Gesetz ist. Es ist naͤmlich fuͤr uns Gesetz (der Ver⸗ 
nunft) und gehoͤrt zu unserer Bestimmung, alles, was 
die Natur als Gegenstand der Sinne fuͤr uns Großes 
enthaͤtt, in Vergleichung mit Ideen der Vernuntt fuͤr 
62klein zu schaͤhen und, was das Gefuͤhl dieser uͤbersinnli— 
chen Bestimmung in uns rege macht, stimmt zu jenem 
Gesetze 
J 
ß 
Gesehe usan 
—AD 
— 
— 
Menunst di 
amunehmen 
angemesen 
shaͤtung 
seten der 
serer ͤber 
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        eilttet. 
xetlaugten J 
undes in einen 
dufelin F 
— 
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an behhe J 
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yr Unange⸗ 
hs zu Ver⸗ 
—X 
sech (der Ver⸗ 
ahes, was 
tuns Große 
Vernunft fu 
—V 
amt zu eten 
hesehe 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 97 
Gesetze zusammen. Nun ist die groͤßte Bestrebung der 
Einbildungskraft in Darstellung der Einheit fuͤr die Groͤ⸗ 
ßenschaͤtzung eine Beziehung auf etwas Absolut⸗-gro⸗ 
ßes, folglich auch eine Beziehung auf das Gesetz der 
Vernunft dieses allein zum obersten Maaße der Groͤßen 
anzunehmen. Also ist die innere Wahrnehmung der Un⸗ 
angemessenheit alles sinnlichen Maasstabes zur Groͤßen⸗ 
schaͤtzung der Vernunft eine Uebereinstimmung mit Ge⸗ 
—X Gefuͤhl un⸗ 
serer uͤbersinnlichen Bestimmung in uns rege macht, nach 
welcher es zweckmaͤßig, mithin Lust ist, jeden Maasstab 
der Sinnlichkeit de Ideen des Verstandes unangemessen 
zu finden. 
Das Gemuͤth fuͤhlt sich in der Vorstellung des Er⸗ 
habenen in der Natur bewegt: da es in dem aͤstheti⸗ 
schen Urtheile uͤber das Schoͤne derselben in ruhiger 
Contemplation ist. Diese Bewegung kann (vornehm⸗ 
lich in ihrem Anfange) mit einer Erschuͤtterung vergli⸗ 
chen werden, d. i. mit einem schnellwechselnden Absto⸗ 
ßen und Anziehen eben desselben Objects. Das Ueber⸗ 
schwengliche fuͤr die Einbildungskraft (bis zu welchem 
sie in der Auffassung der Anschauung getriebetn wird) ist 
gleichsam ein Abgrund, worin sie sich selbst zu verlieren 
fuͤrchtet, aber doch auch fuͤr die Idee der Vernunft vom 
Nebersinnlichen, nicht uͤberschwenglich, sondern gesetz⸗ 
maͤßig, eine solche Vestrebung der Einbildungskraft her⸗ 
oerzubringen, michin in eden dem Maaße wiederum an⸗ 
Kants Crit. d. Urtheilsre. B 
T 
5
        <pb n="160" />
        y8 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
ziehend, als es fuͤr bloße Sinnlichkeit abstoßend war. 
Das Urtheil selber bleibt aber hiebey immer nur aͤsthe⸗ 
tisch, weil es, ohne einen bestimmten Begrif vom Ob— 
jecte zum Grunde zu haben, blos das subjective Spiel 
der Gemuͤthskraͤfte Einbildungskraft und Vernunft) 
selbst durch ihren Contrast als harmonisch vorstellt. 
Denn so wie Einbildungskraft und Verstand in der 
Beurtheilung des Schoͤnen durch ihre Einhelligkeit , so 
bringen Einbildungskraft und Vernunft durch ihren 
Widerstreit subjective Zweckmaͤßigkeit der Gemuͤthskraͤfte 
hervor , naͤmlich ein Gefuͤhl, daß wir reine selbststaͤndige 
Vernunft haben, ein Vermoͤgen der Groͤßenschaͤtzung, 
dessen Vorzuͤglichkeit durch nichts anschaulich gemacht 
werden kann, als durch die Unzulaͤnglichkeit desjenigen 
Vermoͤgens, welches in Darstellung der Groͤßen (sinn⸗ 
licher Gegeystaͤnde) selbst unbegrenzt isst. 
Messung eines Raums (als Auffassung) ist zugleich 
Beschreibung desselben, mithin objective Bewegung in 
der Einbildung und ein Progressus; die Zusammenfas⸗ 
sung der Vielheit in die Einheit, nicht des Gedankens, 
sondern der Anschauung, mithin des Successio- aufge— 
faßten in einem Augenblick ist dagegen ein Regressus, 
der die Zeitbedingung im Progressus der Einbildungs— 
kraft wieder aufhebt und das Zugleichseyn anschaulich 
macht. Sie ist also (da die Zeitfolge eine Bedingung 
des innern Sinnes und einer Anschauung ist) eine sub⸗— 
jective Bewegung der Einbildungskraft, dadurch sie dem 
—13 
uexen Oitn 
muß egroͤß 
dunghkraft ir 
stehung also 
shauung au 
eordert, 
wachtet, 
shaͤtzung 
aber doch 
die Cinhilt 
stimmun. 
wird 
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suein hes 
—D 
zuleich afß 
vuhniglt 
bustseyn en 
— 
— 
—X 
— Wi 
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—T u 
— 
niht — 
hsen ekkqe
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        —1 
ihstoßend bi 
ler liur — 
uf uun du 
sinnn kut 
id — 
tish bott ci 
—D udr 
—T 
in dha 
— 
— 
rhünshaͤum 
haulich hemet 
— 
Grbhen/syn⸗ 
H) if aagleih 
hewegung in 
zusaumenfoß⸗ 
ʒGedankens, 
—XX 
— 
a Enbihdungz⸗ 
—X 
eine heditzur 
ing ist) eine sib 
Murch u dn 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 99 
inneren Sinne Gewalt anthut, die desto merklicher seyn 
muß, je groͤßer das Quantum ist, welches die Einbil⸗ 
dungskraft in eine Anschauung zusammenfaßt. Die Be⸗ 
strebung also ein Maas fuͤr Groͤßen in eine einzelne An⸗ 
schauung aufzunehmen, welches aufzufassen merkliche Zeit 
erfordert, ist eine Vorstellungsart, welche subjectiv be⸗ 
trachtet, zweckwidrig; objectiv aber, als zur Groͤßen⸗ 
schaͤtzung erforderlich, mithin zweckmaͤßig ist, wobey 
aber doch eben dieselbe Gewalt, die dem Subjecte durch 
die Einbildungskraft wiederfaͤhrt, fuͤr die ganze Be— 
stimmung des Gemuͤths als zweckmaͤßig beurtheilt 
wird. 
Die Qualitaͤt des Gefuͤhls des Erhabenen ist: daß 
sie ein Gefuͤhl der Unlust uͤber das aͤsthetische Beurthei⸗ 
lungsvermoͤgen an einem Gegenstande ist, die darin doch 
zugleich als zweckmaͤßig vorgestellt wird; welches da— 
durch moͤglich ist, daß das eigne Unvermoͤgen das Be⸗ 
wußtseyn eines unbeschraͤnkten Vermoͤgens desselben 
Subijects entdeckt und das Gemuͤth das letztere nur 
durch das erstere aͤsthetisch beurtheilen kann. I 
In der logischen Groͤßenschaͤtzung wñnde die Unmoͤg⸗ 
lichkeit, durch den Progressus der Messung der Dinge 
der Sinnenwelt in Zeit und Raum jemals zur absoluten 
Totalitaͤt zu gelangen, fuͤr objectiv, d. i. eine Unmoͤg⸗ 
lichkeit das Unendliche als ganz gegeben zu denken und 
nicht als blos subjectiv, d. i. als Unvermoͤgen es zu 
fassen erkannt, weil auf den Grad der Zusammenfas⸗ 
B 2
        <pb n="162" />
        100 IL. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
sung in eine Anschauung , als Maas, da gar nicht ge⸗ 
sehen wird, sondern alles auf einen Zahlbegrif ankommt. 9 
Allein in einer aͤsthetischen Groͤßenschaͤtzung muß der 
Zahlbegrif wegfallen oder veraͤndert werden und die 
Comprehension der Einbildungskraft zur Einheit des 
Maaßes (mithin mit Vermeidung der Begriffe von ei⸗ 
nem Gesetze der successiven Erzeugung der Groͤßenbe⸗ 
griffe) ist allein fuͤr sie zweckmaͤßig. — Wenn nun eine 
Groͤße beynahe das aͤußerste unseres Vermoͤgens der Zu⸗ 
sammenfassung in eine Anschauung erreicht und die Ein⸗ 
bildungskraft doch durch Zahlgroͤßen (fuͤr die wir uns 
unseres Vermoͤgens als unbegrenzt bewußt sind) zur 
aͤsthetischen Zusammenfassung in eine groͤßere Einheit 
aufgefordert wird, so fuͤhlen wir uns im Gemuͤth als 
aͤsthetisch in Grenzen eingeschlossen; aber die Unlust wird 
doch, in Hinsicht auf die nothwendige Erweiterung der 
Einbildungskraft zur Angemessenheit mit dem, was in 
unserm Vermoͤgen der Vernunft unbegrenzt ist, naͤmlich 
der Idee des absoluten Ganzen, mithin die Unzweckmaͤs⸗ 
sigkeit des Vermoͤgens der Einbildungskraft doch fuͤr 
Vernunftideen und deren Erweckung als zweckmaͤßig 
vorgestellt. Eben dadurch aber wird das aͤsthetische Ur⸗ 
theil selbst subjectiv⸗zweckmaͤßig fuͤr die Vernunft, als 
Quell der Ideen d. i. einer solchen intellectuellen Zu— 
sammenfassung , fuͤr die alle aͤsthetische klein ist, und 
der Gegenstand wird als Erhaben mit einer Lust auf⸗ 
genommen, die nur vermittelst einer Unlust moͤglich ist. 
— 
Von Dre 
Von 
Nacht 
lüssen ͤherle 
wenn sie au 
hestzt, he 
theile alg 
—X 
Venn 
—— 
borgeselt 
ettegende G⸗ 
— 
thelung lohn 
hüdemise m 
— 
hen besreht sr 
uhndah 
der durt. 
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hh, gelten 
trachtet wird 
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        — 
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m Gemoͤth aß 
— 
heiterung der 
ym, was in 
tif, huͤnlich 
bn wechmaͤs 
rast doch sͤ 
z weaͤmoͤßig 
Nhetische hr⸗ 
herhunst, qb 
ellectuelen zu 
klen it, um 
ener lust uß 
x woglichis 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 101 
Vom Dynamisch⸗-Erhabenen der Natur. 
§. 28. 
Von der Natur als einer Macht. 
Macht ist ein Vermoͤgen, welches großen Hinder⸗ 
nissen uͤberlegen ist. Eben dieselbe heißt eine Gewalt, 
wenn sie auch dem Widerstande dessen, was selbst Macht 
besitzt, uͤberlegen ist. Die Natur im aͤsthetischen Ur⸗ 
theile als Macht, die uͤber uns keine Gewalt hat, be⸗ 
trachtet, ist dynamisch- erhaben. 
Wenn von uns die Natur dynamisch als erhaben 
beurtheilt werden soll „ so muß sie als Furcht erregend 
vorgestellt werden (obgleich nicht umgekehrt, jeder Furcht 
erregende Gegenstand in unserm aͤsthetischen Urtheile er⸗ 
haben gefunden wird). Denn in der aͤsthetischen Beur⸗ 
theilung (ohne Begrif) kann die Ueberlegenheit uͤber 
Hindernisse nur nach der Groͤße des Widerstandes beur⸗ 
theilt werden. Nun ist aber das, dem wir zu widerste⸗ 
hen bestrebt sind, ein Uebel und „, wenn wir unser Ver⸗ 
moͤgen demselben nicht gewachsen finden, ein Gegenstand 
der Furcht. Also kann fuͤr die aͤsthetische Urtheilskraft 
die Natur nur sofern als Macht, mithin dynamisch⸗ er⸗ 
haben, gelten, sofern sie als Gegenstand der Furcht be⸗ 
trachtet wird. 
Man kann aber einen Gegenstand als furchtbar 
betrachten, ohne sich vor ihm zu fuͤrchten, wenn wir 
G 2
        <pb n="164" />
        102 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskrast. 
ihn naͤmlich so beurtheilen, daß wir uns blos den Fall 
denken, da wir ihm etwa Widerstand thun wollten 
und daß alsdenn aller Widerstand bey weitem vergeblich 
seyn wuͤrde. So fuͤrchtet der Tugendhafte Gott, ohne 
sich vor ihm zu fuͤrchten, weil er ihm und seinen Geboten 
widerstehen zu wollen, sich als keinen von ihm besorgli⸗ 
chen Fall denkt. Aber auf jeden solchen Fall, den er 
als an sich nicht unmoͤglich denkt, erkennt er ihn als 
furchtbar. 
Der sich fuͤrchtet kann uͤber das Erhabene der Natur 
gar nicht urtheilen, so wenig als der, welcher durch Nei⸗ 
gung und Appetit cangenommen ist, uͤber das Schoͤne. 
Er fliehet den Anblick eines Gegenstandes der ihm die⸗ 
sen Scheu einjagt und es ist unmoͤglich an einem Schre— 
cken, der ernstlich gemeynt waͤre, Wohlgefallen zu fin⸗ 
den. Daher ist die Annehmlichkeit aus dem Aufhoͤren einer 
Beschwerde das Frohseyn. Dieses aber, wegen der 
Befreyung von einer Gefahr, ist ein Frohseyn mit dem 
Vorsatze sich derselben nie mehr auszusetzen, ja man mag 
an jene Empfindung nicht einmal gerne zuruͤckdenken, 
weit gefehlt „daß man die Gelegenheit dazu selbst auf— 
suchen sollte. 
Kuͤhne uͤberhangende gleichsam drohende Felsen, am 
Himmel sich aufthuͤrmende Donnerwolken, mit Blitzen 
und Krachen einherziehend Vulkane in ihrer ganzen zer⸗ 
stoͤeenden Gewalt, Orkane mit ihrer zuruͤckgelassenen 
Verwuͤstung, der grenzenlose Ocean in Empoͤrung ge⸗ 
I. dh, 2 
kestzein hoher 
mohen unser 
mit ihrer Nar 
ist Iublichwi 
netckist, we 
hit nennen 
eelenstͤrl 
und ein Ve 
in uno ent 
mit der 
koͤnnen 
Nitn 
Natur und 
den der 
broportioni 
shrntung, 
tutftherno 
Nueseoh, 
unter sch he 
— 
— 
auch di ho 
lurwesen he 
cher —D 
unthn 
de Hatur, 
ANdrer Nt
        <pb n="165" />
        rttheiut 
mles dus 
ind thun wolh 
—X betgehh 
hoste Gott, ch 
ind sänen Gehmn 
von ihm —T— 
ichen dal, dun 
mketnt e ifngs 
hahene der F 
vesher durhh— 
T Scin 
xch, de huh— 
nan einem Ehr 
—DD — 
nAufoͤren einer 
her, hehen der 
hseyn wit dem 
n ja man mag 
efuroͤtdethen, 
dau scihst qufs⸗ 
sende delsenz am 
ken, wit dühen 
aihrer gann go 
suruͤckgelasturn 
kwpdrug se 
I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 103 
setzt, ein hoher Wasserfall eines maͤchtigen Flusses u. d. gl. 
machen unser Vermoͤgen zu widerstehen, in Vergleichung 
mit ihrer Macht, zur uͤnbedeutenden Kleinigkeit. Aber 
ihr Anblick wird nur um desto anziehender, je furchtba⸗ 
rer er ist, wenn wir uns nur in Sicherheit befinden und 
wir nennen diese Gegenstaͤnde gern erhaben, weil. sie die 
Seelenstaͤrke uͤber ihr gewoͤhnliches Mittelmaas erhoͤhen 
und ein Vermoͤgen zu widerstehen von ganz anderer Art 
in uns entdecken lassen , welches uns Muth macht, uns 
mit der scheinbaren Allgewalt der Natur messen zu 
koͤnnen. 
Denn, so wie wir zwar an der Unermeslichkeit der 
Natur und der Unzulaͤnglichkeit unseres Vermoͤgens ei⸗ 
nen der aͤsthetischen Groͤßenschaͤtzung ihres Gebiets 
proportionirten Maasstab zu nehmen unsere eigene Ein⸗ 
schraͤnkung, gleichwohl aber doch auch an unserm Ver⸗ 
nunftvermoͤgen zugleich einen andern nicht⸗ sinnlichen 
Maasstab, welcher jene Unendlichkeit selbst als Einheit 
unter sich hat, gegen den alles in der Natur klein ist, 
mithin in unserm Gemuͤthe eine Ueberlegenheit aͤber die 
Natur selbst in ihrer Unermeslichkeit fanden: so giebt 
auch die Unwiderstehlichkeit ihrer Macht uns, als Na— 
turwesen betrachtet, zwar unsere Ohnmacht zu erkennen, 
aber entdeckt zugleich ein Vermoͤgen, uns als von ihr 
unabhaͤngig zu beurtheilen und eine ueberlegenheit ͤber 
die Natur, worauf sich eine Selbsterhaltung von ganz 
andrer Art gruͤndet, als diejenige ist die von der Natur 
G 4
        <pb n="166" />
        104 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
außer uns angefochten und in Gefahr gebracht werden 
kann, dabey die Menschheit in unserer Person unernie—⸗ 
drigt bleibt obgleich der Mensch jener Gewalt unterlie⸗ 
gen muͤßte. Auf solche Weise wird die Natur in unserm 
aͤsthetischen Urtheile nicht, sofern sie furchterregend ist, 
als erhaben beurtheilt, sondern weil sie unsere Kraft 
(die nicht Natur ist) in uns aufruft, um das, wofuͤr 
wir besorgt sind (Guͤter, Gesundheit und Leben) als 
klein und daher ihre Macht (der wir in Ansehung dieser 
Stuͤcke allerdings unterworfen sind) fuͤr uns und unsere 
Persoͤnlichkeit demungeachtet doch fuͤr keine Gewalt anse⸗ 
hen, unter die wir uns zu beugen haͤtten, wenn es auf 
unsre hoͤchste Grundsaͤtze und deren Behauptung oder 
Verlassung ankaͤme. Also heißt die Natur hier erhaben, 
blos weil sie die Einbildungskraft zu Darstellung derje— 
nigen Faͤlle erhebt, in welchen das Gemuͤth die eigene 
Erhabenheit seiner Bestimmung selbst uͤber die Natur sich 
fuͤhlbar machen kan. 
Diese Selbstschaͤzung verliert dadurch nichts, daß 
wir uns sicher sehen muͤssen, um dieses begeisternde Wohl— 
gefallen zu empfinden, mithin, weil es mit der Gefahr 
nicht Ernst ist, es auch (wie es scheinen moͤchte) mit der 
Erhabenheit unseres Geistesvermoͤgens eben so wenig 
Ernst seyn moͤchte. Denn das Wohlgefallen betrift hier 
nur die sich in solchem Falle entdeckende A 
unseres Vermoͤgens so wie die Anlage zu demselben in 
unserer Natur ist, indessen daß die Entwickelung und 
1 
Aehung desell 
hierin is Val 
er seine Refh 
iigen wirklich 
Dieses 
—XC 
schwenglich 
schen dewe 
Heurtheil⸗ 
gleich des 
das, was 
Vewunder 
sih nicht 
aher mit 
Auchimw 
Hochachtn⸗ 
helengt,, 
— 
—X —D 
—E 
kid. 9— 
— 
lichheit de 
— F 
an Geh 
— dt 
bi Erhab⸗
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        — 
xhracht werd 
—E —T 
— 
dotyr in unsten 
ühurehn ß 
be —X —T 
um dad, wost 
und behen) J 
— J 
V — 
ne Gepaltqy— 
n, venn es P 
xehauptung bdet 
tur hir —D 
ursehum denhe⸗ 
ruͤth die eigene 
— 
1 
duichts, daß 
aslernde Vohl 
nit der Gesoht 
roͤchne) wit de 
hen so heti 
hen hettist hir 
— — 
u danseheni 
—XVVI 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 105 
Nebung desselben uns uͤberlassen und obliegend ist, und 
hierin ist Wahrheit; so sehr sich auch der Mensch, wenn 
er seine Reflexion bis dahin erstreckt J seiner gegenwaͤr⸗ 
tigen wirklichen Ohnmacht bewußt seyn mag. 
Dieses Princip scheint zwar zu weit hergeholt und 
vernuͤnftelt, mithin fuͤr ein aͤsthetisches Urtheil uͤber— 
schwenglich zu seyn; allein die Beobachtung des Men⸗ 
schen beweiset das Gegentheil und daß es den gemeinsten 
Beurtheilungen zum Grunde liegen kann, ob man sich 
gleich desselben nicht immer bewußt ist. Denn was ist 
das, was selbst den Wilden ein Gegenstand der groͤßten 
Bewunderung ist? Ein Mensch der nicht erschrickt, der 
sich nicht fuͤrchtet, also der Gefahr nicht weicht, zugleich 
aber mit voͤlliger Ueberlegung ruͤstig zu Werke geht. 
Auch im allergesittesten Zustande bleibt diese vorzuͤgliche 
Hochachtung fuͤr den Krieger; nur daß man noch dazu 
berlangt, daß er zugleich alle Tugenden des Friedens, 
Sanftmuth, Mitleid und selbst geziemende Sorgfalt fuͤr 
seine eigne Person beweise, eben darum weil daran die 
Unbezwinglichkeit seines Gemuͤths durch Gefahr erkannt 
wird. Daher mag man noch so viel in der Vergleichung 
des Staatsmanns mit dem Feldherrn uͤber die Vorzuͤg⸗ 
lichkeit der Achtung, die einer vor dem andern verdient, 
streiten; das aͤsthetische Urtheil entscheidet fuͤr den letz⸗ 
tern. Selbst der Krieg, wenn er mit Ordnung und Hei— 
ligachtung der buͤrgerlichen Rechte gesuͤhrt wird, hat et⸗ 
was Erhabenes an sich und macht zugleich die Den⸗ 
G5
        <pb n="168" />
        106 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
kungsart des Volks, welches ihn auf diese Art fuͤhrt, 
nur um desto erhabener, je mehreren Gefahren es aus⸗ 
gesetzt war und sich muthig darunter hat behaupten koͤn⸗ 
nen: da hingegen ein langer Friede den bloßen Hand⸗ 
lungsgeist, mit ihm aber den niedrigen Eigennutz, Feig⸗ 
heit und Weichlichkeit herrschend zu machen und die Den⸗ 
kungsart des Volks zu erniedrigen pflegt. 
Wider diese Aufloͤsung des Begrifs des Erhabenen, 
sofern dieses der Macht beygelegt wird, scheint zu strei⸗ 
ten: daß wir Gott im Ungewitter, im Sturm im Erd⸗ 
beben u. d. gl. als im Zorn, zugleich aber auch in seiner 
Erhabenheit sich darstellend vorstellig zu machen pflegen, 
wobey doch die Einbildung einer Ueberlegenheit unseres 
Gemuͤths, uͤber die Wirkungen und, wie es scheint, gar 
die Absichten einer solchen Macht, Thorheit und Frevel 
zugleich seyn wuͤrde. Hier scheint kein Gefuͤhl der Er⸗ 
habenheit unserer eigenen Natur, sondern' vielmehr Un— 
terwerfung, Niedergeschlagenheit und Gefuͤhl seiner 
gaͤnzlichen Ohnmacht die Gemuͤthsstimmung zu seyn, 
die sich fuͤr die Erscheinung eines solchen Gegenstandes 
schickt und auch gewoͤhnlichermaaßen mit der Idee dessel⸗ 
ben bey dergleichen Naturbegebenheit verbunden zu seyn 
pflegt. In der Religion uͤberhaupt scheint Niederwer⸗ 
fen, Anbetung mit niederhaͤngendem Haupte, mit zer— 
knirschten angstvollen Gebehrden und Stimmen, das 
einzigschickliche Benehmen in Gegenwart der Gottheit zu 
seyn, welches daher auch die meisten Voͤlker angenommen 
J. I 
hahen und ur 
murg ist auc 
henheit ein 
und nothwer 
lih fͤrchtet 
er sich bechr 
wider eine 
lich und zr 
fossung un 
Stimmune 
Urtheil ufr 
her auffic 
dinen sene 
— 
seinen Pil 
ihm sehst he 
— 
—T dorne 
wuth, als ge 
se sott, b 
wit der G. 
telt werden 
nung, sa 
weise u n 
lach zu her 
sih innerlic 
uiht Ehrfu—
        <pb n="169" />
        theilzt rust. 
T ih 
— eß F 
— i 
en bloßen ha 
dhenth, hi 
dennd de F 
gt. 
9 des kthehn 
— zusi 
Zturm inbp 
wauchin sin 
nachen — 
chethet unsen 
ech shan zu 
seit und hehel 
gesihl der Er⸗ 
bielmehr n— 
Fehͤhl seiner 
ung zu seyn, 
—XX 
—RX 
—XR 
—I 
quyte, wit zu 
Stiumen, du 
der Gottheit u 
ex audenomt 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 107 
haben und noch beobachten. Allein diese Gemuͤthsstim— 
mung ist auch bey weitem nicht mit der Idee der Erha⸗ 
benheit einer Religion und ihres Gegenstandes an sich 
und nothwendig verbunden. Der Mensch, der sich wirk⸗ 
lich fuͤrchtet, weil er dazu in sich Ursache findet, indem 
er sich bewußt ist, mit seiner verwerflichen Gesinnung 
wider eine Macht zu verstoßen , deren Wille unwidersteh⸗ 
lich und zugleich gerecht ist, ist in gar keiner Gemuͤths⸗ 
fassung um die goͤttliche Groͤße zu bewundern, wozu eine 
Stimmung zur ruhigen Contemplation und zwangfreyes 
Urtheil erforderlich ist. Nur alsdenn, wenn er sich sei⸗ 
ner aufrichtigen gottgefaͤlligen Gesinnung bewußt ist, 
dienen jene Wirkungen seiner Macht in ihm die Idee der 
Erhabenheit dieses Wesens zu erwecken, sofern er einer 
seinem Willen gemaͤßen Erhabenheit der Gesinnung an 
ihm selbst bewußt ist und dadurch uͤber die Furcht vor sol⸗ 
chen Wirkungen der Natur, die er nicht als Ausbruͤche 
seines Zorns ansieht, erhoben wird. Selbst die De⸗ 
muth, als unnachsichtliche Beurtheilung seiner Maͤngel, 
die sonst, beym Bewußtseyn guter Gesinnungen, leicht 
mit der Gebrechlichkeit der menschlichen Natur bemaͤn⸗ 
telt werden koͤnnten, ist eine erhabene Gemuͤthsstim⸗ 
mung, sich willkuͤhrlich dem Schmerze der Selbstver⸗ 
weise zu unterwerfen, um die Ursache dazu nach und 
nach zu vertilgen. Auf solche Weise allein unterscheidet 
sich innerlich Religion von Superstition, welche letztere 
nicht Ehrfurcht fuͤr das Erhabene, sondern Furcht und
        <pb n="170" />
        108 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Angst vor das uͤbermaͤchtige Wesen, dessen Willen der 
erschreckte Mensch sich unterworfen sieht „ ohne ihn doch 
hochzuschaͤtzen, im Gemuͤthe gruͤndet, woraus denn 
freylich nichts als Gunstbewerbung und Einschmeiche— 
lung, statt einer Religion des guten Lebenswandels ent⸗ 
springen kann. 
Also ist die Erhabenheit in keinem Dinge der Natur, 
sondern nur in unserm Gemuͤthe enthalten, sofern wir 
der Natur in uns und dadurch auch der Natur (sofern 
sie auf uns einfließt) außer uns, uͤberlegen zu seyn uns 
bewußt werden koͤnnen. Alles, was dieses Gefuͤhl in 
uns erregt, wozu die Macht der Natur gehoͤrt, welche 
unsere Kraͤfte auffordert, heißt alsdenn (obzwar unei⸗ 
gentlich) erhaben, und nur unter der Voraussetzung 
dieser Idee in uns und in Beziehung auf sie sind wir 
faͤhig zur Idee der Erhabenheit desjenigen Wesens X 
gelangen, welches nicht blos durch seine Macht die es 
in der Natur beweiset, innige Achtung in uns wirkt, 
sondern noch mehr durch das Vermoͤgen, welches in uns 
gelegt ist, jene ohne Furcht zu beurtheilen und unsere 
Bestimmung als uͤber sie erhaben zu denken. 
9. 29. 
Von der Modalitaͤt des Urtheils uͤber das 
Erhabene der Natir. 
Es giebt unzaͤhlige Dinge der schoͤnen Natur, dar⸗ 
aͤber wir Einstimmigkeit des Urtheils mit dem unsrigen 
— 
—WRD 
zu fesen, er 
uher das Erb 
so leicht Cir 
sheint eine 
ͤshetischen 
bermoͤgen, 
seyn, umt 
—XX 
Die 
hebenene 
—T det 
dem lehten 
nd der P 
itz en Eyh⸗ 
— 
wmithend is 
uunst auf h 
— 
se auf daz 
sͤ — äin 
wicelung se 
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mmern der 6 
dem —7 —
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        thelble 
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ind —7 
—X ch! 
dihede un, 
—T sosern df 
r Muur sßm 
— 
— — 
kehoͤrt, welh 
dar uhe 
— 
uf sy sd h 
n Weenz u 
Ncht die eg 
nuns wirkt, 
alches in uns 
nd unsere 
uher da 
J Natur, da 
Nm uhstigen 
I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 109 
jedermann geradezu ansinnen und auch, ohne sonderlich 
zu fehlen, erwarten koͤnnen; aber mit unserm Urtheile 
uͤber das Erhabene in der Natur koͤnnen wir uns nicht 
so leicht Eingang bey andern versprechen. Denn es 
scheint eine bey weitem groͤßere Cultur, nicht blos der 
aͤsthetischen Urtheilskraft, sondern auch der Erkenntnis⸗ 
vermoͤgen, die ihr zum Grunde liegen, erforderlich zu 
seyn, um uͤber diese Vorzuͤglichkeit der Naturgegenstaͤnde 
ein Urtheil faͤllen zu koͤnnen. 
Die Stimmung des Gemuͤths zum Gefuͤhl des Er⸗ 
—XDDDDDDDDDD 
Ideen; denn eben in der Unangemessenheit der Natur zu 
dem letztern, mithin nur unter dieser ihrer Voraussetzung 
und der Anspannung der Einbildungskraft, die Natur 
als ein Schema fuͤr die letztere zu behandeln, besteht das 
Abschreckende fuͤr die Sinnlichkeit welches doch zugleich 
anziehend ist; weil es eine Gewalt ist, welche die Ver⸗ 
aunft auf jene ausuͤbt, nur um sie ihrem eigentlichen 
Gebiete (dem practischen) angemessen zu erweitern und 
sie auf das Unendliche hinaussehen zu lassen , welches 
fuͤr jene ein Abgrund ist. In der That wird ohne Ent⸗ 
wickelung sittlicher Ideen das, was wir, durch Cultur 
—V— erhaben nennen, dem roheu Menschen blos 
abschreckend vorkommen. Er wird an den Beweisthuͤ⸗ 
mern der Gewalt der Natur in ihrer Zerstoͤhrung und 
dem großen Maasstabe ihrer Macht, wogegen die seinige 
F
        <pb n="172" />
        110 IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
in Nichts verschwindet, lauter Muͤhseeligkeit, Gefahr 
und Noth sehen, die den Menschen umgeben wuͤrden, 
der dahin gebannt waͤre. So nannte der gute, uͤbri⸗— 
gens verstaͤndige savoyische Bauer (wie Hr. v. Saussuͤre 
erzaͤhlt) alle Liebhaber der Eisgebuͤrge ohne Bedenken 
Narren. Wer weiß auch ob er so ganz Unrecht gehabt 
haͤtte, wenn jener Beobachter die Gefahren, denen er 
sich hier aussetzte, blos, wie die meisten Reisende pfle⸗ 
gen, aus Liebhaberey, oder um dereinst pathetische Be⸗ 
schreibungen davon geben zu koͤnnen, uͤbernommen haͤtte; 
so aber war seine Absicht, Belehrung der Menschen und 
die seelenerhebende Empfindung hatte und gab der vor— 
trefliche Mann den Lesern seiner Reisen in ihren Kauf 
oben ein. 
Darum aber, weil das Urtheil uͤber das Erhabene 
der Natur Cultur bedarf (mehr als das uͤber das Schoͤ⸗ 
ne), ist es doch dadurch nicht eben von der Cultur zu⸗ 
A blos conventionsmaͤßig in der Ge⸗ 
sellschaft eingefuͤhrt, sondern hat ihre Grundlage in der 
menschlichen Natur und zwar demjenigen, was man mit 
dem gesunden Verstande zugleich jedermann ansinnen 
und von ihm fordern kann naͤmlich in der Anlage zum 
Gefuͤhl fuͤr (practische) —X „d. i. den moralischen. 
Hierauf gruͤndet sich nun die Nothwendigkeit der 
Beystimmung des Urtheils anderer vom Erhabenen zu 
dem unsrigen, welche wir in diesem zugleich mit ein⸗ 
schließen. Denn, so wie wir dem, der in der Beurthei⸗ 
—N 
ung eines h 
sidm, glich 
wehn, sosu 
ethahen uu se 
befuͤhl 
und setzen ee 
doraus, yr 
weil die s 
den Verst 
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darin die 
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nen zu du 
liß der deg 
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—T 
—F — 
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— 
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— 
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T derep
        <pb n="173" />
        —T 
ldheit bei 
Hehen — 
n sure, uͤhri 
u. F uusste 
ihhe Woehe 
i sweht — 
— F — 
den Nehend q 
— 
— 
tt Nenshenm 
und gah der gy 
min ihren duf 
— — 
— 
der Cultur po 
aͤßig in der Gꝛ— 
rrundlage in der 
h, vas man mit 
mann ansituen 
der Mlage un 
—XXV 
othwendigleit de 
om Lrhahenenn 
Nugleit wit in 
win der heurthr 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 112 
lung eines Gegenstandes der Natur, welchen wir schoͤn 
finden, gleichguͤltig ist Mangel des Geschmacks vor⸗ 
werfen, so sagen wir von dem, der bey dem, was wir 
erhaben zu seyn urtheilen, unbewegt bleibt, er habe kein 
Gefuͤhl; beydes aber fordern wir von jedem Menschen 
und setzen es auch, wenn er einige Cultur hat, an ihm 
voraus, nur mit dem Unterschiede, daß wir das erstere, 
weil die Urtheilskraft darin die Einbildung blos auf 
den Verstand, als Vermoͤgen der Begriffe, bezieht 
geradezu von jedermann, das zweyte aber, weil sie 
darin die Einbildungskraft auf Vernunft, als Ver⸗ 
moͤgen der Ideen, bezieht, nur unter einer subjecti⸗ 
ven Voraussetzung, (die wir aber jedermann ansin⸗ 
nen zu duͤrfen uns berechtigt glauben) fordern, naͤm⸗ 
lich der des moralischen Gefuͤhls und hiemit dem aͤsthe⸗ 
tischen Urtheile Nothwendigkeit beylegen. 
In dieser Modalitaͤt der aͤsthetischen Urtheile, naͤm⸗ 
lich der angemaßten Nothwendigkeit derselben, liegt ein 
Hauptmoment fuͤr die Critik der Urtheilskraft. Denn 
die macht eben an ihnen ein Princip a priori kennt⸗ 
lich und hebt sie aus der empirischen Psychologie, in 
der sie sonst unter den Gefuͤhlen des Vergnuͤgens und 
Schmerzens, nur mit dem nichtssagenden Beywort 
eines feinern Gefuͤhls begraben bleiben wuͤrde, um 
sie, und vermittelst ihrer die Urtheilskraft, in die 
Classe derer zu stellen, welche Principien a priori zum
        <pb n="174" />
        M. 
112 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Grunde haben, als solche aber, sie in die Transcen— 
dentalphilosophie heruͤberzuzichen. 
Allgemeine Anmerkung zur Exposttion der aͤstheti— 
schen refleetirenden Urtheile. 
In Beziehung aufs Gefuͤhl der Lust ist ein Gegenstand 
entweder zum Angenehmen, oder Schoͤnen, oder Erha⸗ 
benen, oder Guten (schlechthin) zu zaͤhlen (jucundum, pul- 
chrum, sublime, honestum). —8 
Das Angenehme ist, als Triebfeder der Begierden, 
durchgaͤngig von einerley Art, woher es auch kommen und 
wie specifisch⸗verschieden auch die Vorstellung (des Sinnes 
und der Empfindung objectiv betrachtet) seyn mag. Daher 
kommt es bey der Beurtheilung des Einflusses desselben aufs 
Gemuͤth nur auf die Menge der Reize (zugleich und nach 
einander) und gleichsam nur auf die Masse der angenehmen 
Empfindung an und diese laͤßt sich also durch nichts als die 
Quantitaͤt verstaͤndlich machen. Es cultivirt auch nicht, son⸗ M 
dern gehoͤrt zum bloßen Genusse. — Das Schoͤne erfordert 
dagegen die Vorstellung einer gewissen Qualitaͤt des Objects, 
die sich auch verstaͤndlich machen und auf Begriffe bringen 
laͤßt (wiewohl es im aͤsthetischen Urtheile darauf nicht ge— 
bracht wird) und eultivirt, indem es zugleich auf Zweckmaͤs— 
ligkeit im Gefuͤhle der Lust Acht zu haben lehrt. — Das Er— 
habene besteht blos in der Relation, darin das Sinnliche 
in der Vorstellung der Natur fuͤr einen moͤglichen uͤbersinnli— 
chen Gebrauch desselben als tauglich beurtheilt wird. — Das 
Schlechthin⸗-Gute, subjectiv nach dem Gefuͤhle, welches 
es einfloͤßt, beurtheilt, (das Object des moralischen Ge⸗ 
fuͤhls) als die Bestimmbarkeit der Kraͤfte des Subjects, 
durch die Vorstellung eines schlechthin/ noͤthigenden Ge⸗ 
setzes, 
14 
sehes, uutern 
einer auf Her 
tict hs Ar 
vdermann 
de aͤshetisch 
wird auch ni 
menden Urt 
gelegt; abe 
Idee und; 
lichteit gin 
selhe durch 
seines zu 
fuͤhl sst do⸗ 
malen Ve 
kann „die 
als athetist 
zu machen 
niht hatt f. 
hehnen h m 
Wennm 
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hun sihhnd 
— 
V bernitt— 
—X der 
köhhhe —E 
krhab⸗ 
das HPteteß 
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durthelln— 
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—D
        <pb n="175" />
        — 
n de — 
kün det ishi 
iheibhe. 
tit e bepiu 
hoͤnen, bet bih— 
en jucidlum, M. 
or de —T 
»auch komnen in 
lung (de —X 
eyn mag F 
ses desshen uls 
zuleich und ii 
beder — 
— — 
—V — — 
Ʒone ctsedent 
taͤt deß —D 
dehrfe bringen 
Maranf niht ge— 
worf zwedwis 
st. — Dos kr⸗ 
in das Ohohhe 
Mhchen ͤhersunl 
eit vird. — Do 
Geslhe, welhhe 
ꝛx worahschen Ce 
aͤfte des Guhreeth, 
—— 
—T 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 113 
fetzes, unterscheidet sich vornehmlich durch die Modalitaͤt 
einer auf Begriffen a priori beruhenden Nothwendigkeit, die 
nicht blos Anspruch, sondern auch Gebot des Beyfalls fuͤr 
jedermann in sich enthaͤlt, und gehoͤrt an sich zwar nicht fuͤr 
die aͤsthetische (sondern reine intellectuelle) Urtheilskraft, 
wird auch nicht in einem blos reflectirenden, sondern bestim—⸗ 
menden Urtheile, nicht der Natur, sondern der Freyheit bey⸗ 
gelegt; aber die Bestimmbarkeit des Subjects durch diese 
Idee und zwar eines Subjects, welches in sich an der Sinn⸗ 
lichkeit Hindernisse, zugleich aber Ueberlegenheit uͤber die⸗ 
selbe durch die Ueberwindung derselben als Modification 
seines Zustandes empfinden kann, d. i. das moralische Ge⸗ 
fuͤhl ist doch mit der aͤsthetischen Urtheilskraft und deren for⸗ 
malen Bedingungen fofern verwandt, daß es dazu dienen 
kann, die Gesetzmaͤßigkeit der Handlung aus Pflicht zugleich 
als aͤsthetisch, d. i. als erhaben oder auch als schoͤn vorstellig 
zu machen, ohne an seiner Reinigkeit einzubuͤßen, welches 
nicht statt findet, wenn man es mit dem Gefuͤhl des Ange⸗ 
nehmen in natuͤrliche Verbindung setzen wollte. 
Wenn man das Resultat aus der bisherigen Exposition 
beyderley Arten aͤsthetischer Urtheile zieht, so wuͤrden sich 
daraus folgende kurze Erklaͤrungen ergeben: 
Schoͤn ist das, was in der bloßen Beurtheilung (also 
nicht vermittelst der Empfindung des Sinnes nach einem Be⸗ 
zriffe des Verstandes) gefaͤllt. Hieraus folgt von selbst, daß 
es ohne alles Interesse gefallen muͤsse. 
Erhaben ist das, was durch seinen Widerstand gegen 
das Interesse der Sinne unmittelbar gefaͤllt. 
Beyde als Erklaͤrungen aͤsthetischer allgemeinguͤltiger 
Beurtheilung beziehen sich auf subjective Gruͤnde, naͤmlich 
einerseits der Sinnlichkeit, so wie sie zu Gunsten des con— 
templativen Verstandes, andererseits wie sie wider die 
Kants Crit, d. Urtheilskske. H
        <pb n="176" />
        114 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Zwecke der practischen Vernunft und doch beyde in demfelben 
Subjecte vereinigt, in Beziehung auf das moralische Gefuͤhl 
zweckmaͤßig sind. Das Schoͤne bereitet uns vor etwas, selbst 
die Natur, ohne Interesse zu lieben; das Erhabene, es, 
selbst wider unser (sinnliches) Interesse, hochzuschaͤtzen. 
Man kann das Erhabene so beschreiben: es ist ein Ge⸗ 
genstand (der Natur), dessen Vorstellung das Gemuͤth 
bestimmt, sich die Unerreichbarkeit der Natur als 
Darstellung von Ideen zu denken. 
Buchstaͤblich genommen und logisch betrachtet, koͤnnen 
Ideen nicht dargestellt werden. Aber, wenn wir unser empi⸗ 
risches Vorstellungsvermoͤgen (mathematisch, oder dynamisch) 
fuͤr die Anschauung der Natur erweitern, so tritt unausbleib⸗ 
lich die Vernunft hinzu, als Vermoͤgen der Independenz der 
absoluten Totalitaͤt und bringt die, obzwar vergebliche, Be⸗ 
strebung des Gemuͤths hervor, die Vorstellung der Sinne 
diesen angemessen zu machen. Diese Bestrebung und das 
Gefuͤhl der Unerreichbarkeit der Idee durch die Einbildungs⸗ 
kraft ist selbst eine Darstellung der subjectiven Zweckmaͤßigkeit 
unseres Gemuͤths im Gebrauche der Einbildungskraft, fuͤr 
dessen aͤbersinnliche Bestimmung und noͤthigt uns subjectiv die 
Natur selbst in ihrer Totalitaͤt, als Darstellung von etwas 
Uebersinnlichen zu denken, ohne diese Darstellung objectiv 
zu Stande bringen zu koͤnnenn. 
Denn das werden wir bald inne, daß der Natur im 
Raume und der Zeit das Unbedingte, mithin auch die abso— 
lute Groͤße ganz abgehe, die doch von der gemeinsten Ver— 
nunft verlangt wird. Eben dadurch werden wir auch erin⸗ 
nert, daß wir es nur mit einer Natur als Erscheinung zu 
thun haben und diese selbst noch als bloße Darstellung einer 
232. Natur an sich (welche die Vernunft in der Idee hat muͤsse 
— 30 angesehen werden. Diese Idee aber des Uebersinnlichen, die 
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I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 115 
wir zwar nicht weiter bestimmen, mithin die Natur als 
Darstellung derselben nicht erkennen, sondern nur denken 
koͤnnen, wird in uns durch einen Gegenstand erweckt, dessen 
aͤsthetische Beurtheilung die Einbildungskraft bis zu ihrer 
Grenze, es sey der Erweiterung mathematisch), oder ihrer 
Macht uͤber das Gemuͤth( dynamisch), anspannt, indem 
sie sich auf dem Gefuͤhle einer Bestimmung desselben gruͤn⸗ 
det, welche das Gebiet der ersteren gaͤnzlich uͤberschreitet, 
(das moralische Gefuͤhl), in Ansehung dessen die Vorstellung 
des Gegenstandes als subjectiv⸗zweckmaͤßig beurtheilt wird. 
In der That laͤßt sich ein Gefuͤhl fuͤr das Erhabene der 
Natur nicht wohl denken, ohne eine Stimmung des Ge⸗ 
muͤths, die der zum moralischen aͤhnlich ist, damit zu ver⸗ 
binden und, obgleich die unmittelbare Lust am Schoͤnen der 
Natur gleichfalls eine gewisse Liberalitaͤt der Denkungsart, 
d. i. Unabhaͤngigkeit des Wohlgefallens vom bloßen Sinnen⸗ 
genusse voraussetzt und eultivirt, so wird dadurch doch mehr 
die Freyheit im Spiele als unter einem gesetzlichen Geschaͤfte 
vorgestellt, welches die aͤchte Beschaffenheit der Sittlichkeit 
des Menschen ist, wo die Vernunft der Sinnlichkeit Gewalt 
anthun muß, nur daß im aͤsthetischen Urtheile uͤber das Er—⸗ 
habene diese Gewalt durch die Einbildungskraft selbst, als 
einem Werkzeuge der Vernunft, ausgeuͤbt vorgestellt wird. 
Das Wohlgefallen am Erherenca der Ratur ist daher 
auch nur negativ, (statt dessen das am Schoͤnen positiv 
ist) naͤmlich ein Gefuͤhl der Beraubung der Freyheit der Ein⸗ 
bildungskraft, durch sie selbst, indem sie nach einem andern 
Gesetze, als dem des empirischen Gebrauchs, zweckmaͤßig 
bestimmt wird. Dadurch bekommt sie eine Erweiterung und 
Macht, welche groͤßer ist, als die, so sie aufopfert, deren 
Grund aber ihr selbst verborgen ist, statt dessen sie die Auf⸗ 
opferung oder die Beraubung und zugleich die Ursache fuͤhlt, 
H 2 
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        116 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
der sie unterworfen wird. Die Verwunderung, die an 
Schreck grenzt, das Grausen und der heilige Schauer, wel⸗ 
cher den Zuschauer bey dem Anblicke himmelansteigender Ge⸗ 
buͤrgsmassen, tiefer Schluͤnde und darin tobender Gewaͤsser, 
tiefbeschatteter, zum schwermuͤthigen Nachdenken einladender 
Einoͤden, u. s. w. ergreift, ist, bey der Sicherheit, darin 
er sich weiß, nicht wirkliche Furcht, sondern nur ein Ver— 
such, uns mit der Einbildungskraft darauf einzulassen , um 
die Macht ebendesselben Vermoͤgens zu fuͤhlen, die dadurch 
erregte Bewegung des Gemuͤths mit dem Ruhestande dessel— 
ben zu verbinden und so der Natur in uns selbst, mithin 
auch der außer uns, sofern sie auf das Gefuͤhl unseres Wohl⸗ 
befindens Einflus haben kann, uͤberlegen zu seyn. Denn 
die Einbildungskraft nach dem Associationsgesetze macht un⸗ 
seren Zustand der Zufriedenheit physisch abhaͤngig; aber eben 
dieselbe nach Principien des Schematisms der Urtheilskraft, 
(folglich sofern der Freyheit untergeordnet) ist Werkzeug der 
Vernunft und ihrer Ideen, als solches aber eine Macht, 
unsere Unabhaͤngigkeit gegen die Natureinfluͤsse zu behaupten, 
das, was nach der ersteren gros ist, als klein abzuwuͤrdigen 
und so das Schlechthin-Große nur in seiner (des Subjects) 
eigenen Bestimmung zu setzen. Diese Reflexion der aͤstheti— 
schen Urtheilskraft zur Angemessenheit mit der Vernunft, 
(doch ohne einen bestimmten Begrif derselben) zu erheben, 
stellt H den Gegenstand, selbst durch die objective Unange— 
messenheit der Einbildunaskraft in ihrer groͤßten Erweiterung 
fuͤr die Vernunft (als Vermoͤgen der Ideen) doch als sub— 
jectiv zweckmaͤßig vor. 
Man muß hier uͤberhaupt darauf Acht haben, was oben 
schon erinnert worden, daß in der transcendentalen Aesthetik 
der Urtheilskraft lediglich von reinen aͤsthetischen Urtheilen 
die Rede seyn muͤsse, folglich die Beyspiele nicht von solchen 
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I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 117 
schoͤnen oder erhabenen Gegenstaͤnden der Natur hergenom⸗ 
men werden duͤrfen, die den Begrif von einem Zwecke vor⸗ 
aussetzen; denn alsdenn wuͤrden es entweder teleologische, 
oder sich auf bloßen Empfindungen eines Gegenstandes (Ver⸗ 
gnuͤgen oder Schmerz) gruͤndende, mithin im ersteren Falle 
nicht aͤsthetische, im zweyten nicht bloße formale Zweckmaͤßig⸗ 
keit seyn. Wenn man also den Anblick des bestirnten Him⸗ 
mels erhaben nennt, so muß man der Beurtheilung dessel⸗ 
ben nicht Begriffe von Welten, von vernuͤnftigen Wesen be⸗ 
wohnt und nun die hellen Puncte, womit wir den Raum 
uͤber uns erfuͤllt sehen, als ihre Sonnen in sehr zweckmaͤßig 
fuͤr sie gestellten Kreisen bewegt, zum Grunde legen, son⸗ 
dern blos, wie man ihn sieht, als ein weites Gewoͤlbe, was 
alles befaßt, und blos unter dieser Vorstellung muͤssen wir 
die Erhabenheit setzen, die ein reines aͤsthetisches Urtheil die⸗ 
sem Gegenstande beylegt. Eben so den Anblick des Oceans 
nicht so, wie wir, mit allerley Kenntnissen (die aber nicht 
in der unmittelbaren Anschauung enthalten sind) bereichert, 
ihn denken, etwa als ein weites Reich von Wassergeschoͤpfen, 
den großen Wasserschatz fuͤr die Ausduͤnstungen, welche die 
Luft mit Wolken zum Behuf der Laͤnder beschwaͤngern, oder 
auch als ein Element, das zwar Welttheile von einander 
trennt, gleichwohl aber die groͤßte Gemeinschaft unter ihnen 
moͤglich macht, vorstellen, denn das giebt lauter teleologische 
Urtheile; sondern man muß den Ocean blos, wie die Dich⸗ 
ter es thun, nach dem, was der Augenschein zeigt, etwa, 
wenn er in Ruhe betrachtet wird, als einen klaren Wasser⸗ 
spiegel, der blos vom Himmel begrenzt ist, aber ist er unru— 
hig, wie einen alles zu verschlingen drohenden Abgrund den⸗ 
noch erhaben finden koͤnnen. Eben das ist von dem Erhabe⸗ 
nen und Schoͤnen in der Menschengestalt zu sagen „wo wir 
nicht auf Begriffe der Zwecke, wozu alle seine Gliedmaßen 
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        118 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
da sind, als Bestimmungsgruͤnde des Urtheils zuruͤcksehen 
und die Zusammenstimmung mit ihnen auf unser (alsdenn 
nicht mehr reines )Naͤsthetisches Urtheil nicht einfließen lassen 
muͤssen, obgleich, daß sie jenen nicht widerstreiten, freylich 
eine nothwendige Bedingung auch des aͤsthetischen Wohlge— 
fallens ist. Die aͤsthetische Zweckmaͤßigkeit ist die Gesetzmaͤs 
sigkeit der Urtheilskraft in ihrer Freyheit. Das Wohlge— 
fallen an dem Gegenstande haͤngt von der Beziehung ab „in 
welcher wir die Einbildungskraft setzen wollen: nur daß sie 
fuͤr sich selbst das Gemuͤth in freyer Beschaͤftigung unterhalte. 
Wenn dagegen etwas anderes, es sey Sinnenempfindung, 
oder Verstandesbegrif, das Urtheil bestimmt, so ist es zwar 
gesetzmaͤßig, aber nicht das Urtheil einer freyen Urtheilskraft. 
Wenn man also von intellectueller Schoͤnheit oder Er⸗ 
habenheit spricht, so sind erstlich diese Ausdruͤcke nicht ganz 
richtig, weil es aͤsthetische Vorstellungsarten sind, die, wenn 
wir bloße reine Intelligenzen waͤren, ( oder uns auch in Ge⸗ 
danken in diese Qualitaͤt versetzen) in uns gar nicht anzutref— 
fen seyn wuͤrden, zweytens, obgleich beyde, als Gegen⸗ 
staͤnde eines intellectuellen (moralischen) Wohlgefallens, 
zwar sofern mit dem aͤsthetischen vereinbar sind, als sie auf 
keinem Interesse beruhen, so sind sie doch darin wiederum 
mit diesen schwer zu vereinigen, weil sie ein Interesse bewir⸗ 
ken sollen, welches, wenn die Darstellung zum Wohlgefallen 
in der aͤsthetischen Beurtheilung zusammenstimmen soll, in 
dieser niemals anders als durch ein Sinneninteresse, welches 
man damit in der Darstellung verbindet, geschehen wuͤrde, 
wodurch aber der intellectuellen Zweckmaͤßigkeit Abbruch ge— 
schieht und sie verunreinigt wird. 
Der Gegenstand eines reinen und unbedingten intellectuel⸗ 
len Wohlgefallens ist das moralische Gesetz in seiner Macht, 
die es in uns uͤber alle und jede vor ihm vorhergehende 
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worhergehen 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 119 
Triebfedern des Gemuͤths ausuͤbt und, da diese Macht sich 
eigentlich nur durch Aufopferungen aͤsthetisch-kenntlich macht, 
welches eine Beraubung, obgleich zum Behuf der innern 
Freyheit, ist, dagegen eine unergruͤndliche Tiefe dieses uͤber⸗ 
sinnlichen Vermoͤgens, mit ihren ins Unabsehliche sich er⸗ 
streckenden Folgen, in uns aufdeckt, so ist das Wohlgefallen 
von der aͤsthetischen Seite (in —A 
negativ, d. i. wider dieses Interesse, von der intellectuellen 
aber betrachtet positiv und mit einem Interesse verbunden. 
Hieraus folgt: daß das intellectuelle, an sich selbst zweckmaͤs⸗ 
sige (das Moralisch-Gute), aͤsthetisch beurtheilt, nicht so— 
wohl schoͤn, als vielmehr erhaben vorgestellt werden muͤsse, 
so daß es mehr das Gefuͤhl der Achtung (welches den Reiz 
verschmaͤht) als der Liebe und vertraulichen Zuneigung er⸗ 
wecke; weil die menschliche Natur nicht so von selbst, sondern 
nur durch Gewalt die die Vernunft der Sinnlichkeit anthut, 
zu jenem Guten zusammenstimmt. Umgekehrt, wird auch 
bas, was wir in der Natur außer uns, oder auch in uns 
(z. B. gewisse Affecten), erhaben nennen, nur als eine 
Macht des Gemuͤths, sich uͤber die Hindernisse der Sinn⸗ 
lichkeit durch menschliche Grundsaͤtze zu schwingen vorgestellt 
aund dadurch interessant werden. 
Ich will bey dem letztern etwas verweilen. Die Idee 
des Guten mit Affect heißt der Enthusiasm. Dieser Ge⸗ 
muͤthszustand scheint erhaben zu seyn, dermaßen, daß man 
gemeinlich vorgiebt, ohne ihn koͤnne nichts Großes ausge⸗ 
richtet werden. Nun ist aber jeder Affect *) blind, entweder 
) Affecten sind von Leidenschaften specifisch unterschieden. 
Jene beziehen sich blos aufs Gefuͤhl, diese gehoͤren dem 
—VV 
Bestimmbarkeit der Willkuͤhr durch Grundsaͤtze erschweren 
oder unmoͤglich machen. Jene sind stuͤrmisch und unvore 
H 4
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        120 1J. Th. Critik der oͤsthetischen Urtheilskraft. 
in der Wahl seines Zwecks, oder wenn dieser auch durch Ver⸗ 
nunfst gegeben worden, in der Ausfuͤhrung desselben; denn 
er ist diejenige Bewegung des Gemuͤths, welche es unver⸗ 
moͤgend macht, sich nach freyer Ueberlegung durch Grund⸗ 
saͤtze zu bestimmen. Also kann er auf keinerley Weise ein 
Wohlgefallen der Vernunft verdienen. Aesthetisch gleichwohl 
ist der Enthusiasm erhaben, weil er eine Anspannung der 
Kraͤfte durch Ideen ist, welche dem Gemuͤthe einen Schwung 
geben, der weit maͤchtiger und dauerhafter wirkt, als der 
Antrieb durch Sinnenvorstellungen. Aber (welches befremd⸗ 
lich scheint) selbst Affectlosigkeit (Apathie, Phlegma in signi- 
sicatn bono) eines seinen unwandelbaren Grundsaͤtzen nach— 
druͤcklich nachgehenden Gemuͤths ist und zwar auf weit vor⸗ 
zuͤglichere Art erhaben, weil sie zugleich das Wohlgefallen 
der reinen Vernunft auf ihre Seite hat. Eine dergleichen 
Gemuͤthsart heißt allein edel, welcher Ausdruck nachher 
auch auf Sachen, z. B. Gebaͤude, ein Kleid, Schreibart, 
koͤrperlicher Anstand u. d. gl. angewandt wird, wenn diese 
nicht sowohl Verwunderung (Affect in der Vorstellung der 
Neuigkeit die die Erwartung uͤbersteigt) als Bewunderung 
Ceine Verwunderung, die beym Verlust der Neuigkeit nicht 
aufhoͤrt) erregt, welches geschieht, wenn Ideen in ihrer 
Darstellung unabsichtlich und ohne Kunst zum aͤsthetischen 
Wohlgefallen zusammenstimmen. — 
Ein jeder Affect von der wackern Art Ider naͤmlich 
das Bewußtseyn unserer Kraͤfte jeden Widerstand zu uͤber⸗ 
setzlich, diese anhaltend und uͤberlegt; so ist der Unwille, 
als Zorn, ein Affect; aber als Haß (Rachgier) eine Leiden— 
schaft. Die letztere kann niemals und in keinem Verhaͤlt⸗ 
nis erhaben genannt werden; weil im Affeet die Freyheit 
des Gemuͤths zwar gehewmt, in der Leidenschaft aber auf⸗ 
nehoben wrd. 
44 
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ruͤsete, m 
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hgier) eite heiden⸗ 
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—VVVVVI 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 121 
winden (animi strenui) rege macht] ist aͤsthetisch⸗ erhaben. 
. B. der Zorn, sogar die Verzweiflung (naͤmlich die ent⸗ 
ruͤstete, nicht aber die verzagte). Der Affect von der 
schmelzenden Art aber [lwelcher die Bestrebung zu wi⸗ 
derstehen selbst zum Gegenstande der Unlust (animum langui⸗ 
dum) macht)] hat nichts Edeles an sich, kann aber zum 
Schoͤnen der Sinnesart gezaͤhlt werden. Daher sind die 
Ruͤhrungen, welche bis zum Affect stark werden koͤnnen, 
auch sehr verschieden. Man hat. muthige, man hat zaͤrt⸗ 
liche Ruͤhrungen. Die letztern, wenn sie bis zum Affect 
steigen, taugen gar nichts; der Hang dazu heißt die Em⸗ 
pfindeley. Ein theilnehmender Schmerz, der sich nicht will 
troͤsten lassen, oder auf den wir uns, wenn er erdichtete Ue— 
bel betrift, bis zur Taͤuschung durch die Phantasie, als ob 
es wirkliche waͤren, vorsetzlich einlassen, beweiset und macht 
eine weiche aber zugleich schwache Seele, die eine schoͤne Seite 
zeigt und zwar phantastisch, aber nicht einmal enthusiastisch 
genannt werden kann. Romanen, weinerliche Schauspiele, 
schaale Sittenvorschriften, die mit (obzwar faͤlschlich) soge⸗ 
nannten edlen Gesinnungen taͤndeln, in der That aber das 
Herz welk und fuͤr die strenge Vorschrift der Pflicht unem— 
pfindlich, aller Achtung fuͤr die Wuͤrde der Menschheit in 
unserer Person und das Recht der Menschen ( welches ganz 
etwas anderes als ihre Gluͤckseeligkeit ist) und uͤberhaupt 
aller festen Grundsaͤtze unfaͤhig machen, selbst ein Religions⸗ 
vortrag, welcher kriechende WPorige Gunstbewerbung und 
Einschmeichelung empfiehlt, die alles Vertrauen auf eigenes 
Vermoͤgen zum Widerstande gegen das Boͤse in uns aufgiebt, 
statt der ruͤstigen Entschlossenheit, die Kraͤfte, die uns bey 
aller unserer Gebrechlichkeit doch noch uͤbrig bleiben, zu Ue— 
berwindung der Neigungen zu versuchen, die falsche Demuth, 
welche in der Selbstverachtung, in der winselnden erheu⸗ 
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        122 IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
chelten Reue und einer blos leidenden Gemuͤthsfassung die 
Art setzt, wie man allein dem hoͤchsten Wesen gefaͤllig wer— 
den koͤnne, vertragen sich nicht einmal mit dem, was zur 
Schoͤnheit, weit weniger aber noch mit dem, was zur Er⸗ 
habenheit der Gemuͤthsart gezaͤhlt werden koͤnnute. 
Aber auch stuͤrmische Gemuͤthsbeweguugen, sie moͤgen 
nun, unter dem Nahmen der Erbauung, mit Ideen der Re— 
ligion oder als blos zur Cultur gehoͤrig mit Ideen die ein gesell⸗ 
schaftliches Interesse enthalten, verbunden werden, koͤnnen, 
so sehr sie auch die Einbildungskraft spannen, keinesweges 
auf die Ehre einer erhabenen Darstellung Anspruch ma⸗ 
chen, wenn sie nicht eine Gemuͤthsstimmung zuruͤcklassen, 
die, wenn gleich nur indirecet, auf das Bewußtseyn seiner 
Staͤrke und Entschlossenheit zu dem, was reine intellectuelle 
Zweckmaͤßigkeit bey sich fuͤhrt (dem Uebersinnlichen), Ein— 
flus hat. Denn sonst gehoͤren alle diese Ruͤhrungen nur zur 
Motion, welche man der Gesundheit wegen gerne hat. 
Die angenehme Mattigkeit welche auf eine solche Ruͤttelung 
durch das Spiel der Affecten folgt, ist ein Genus des Wohl—⸗ 
befindens, aus dem hergestellten Gleichgewichte der mancher⸗ 
ley Lebenskraͤfte in uns, welcher am Ende auf dasselbe hin— 
auslaͤuft als derjenige, den die Wolluͤstlinge des Orients so 
behaglich finden, wenn sie ihren Koͤrper gleichsam durchkne⸗ 
ten und alle ihre Muskeln und Gelenke sanft druͤcken und bie⸗ 
gen lassen, nur daß dort das bewegende Princip groͤßten— 
theils in uns, hier hingegen gaͤnzlich qußer uns ist. Da 
glaubt sich nun mancher durch eine Predigt erbaut, indem 
doch nichts aufgebauet (kein System guter Maximen) ist, 
oder durch ein Trauerspiel gebessert, der blos uͤber gluͤcklich 
vertriebene lange Weile froh ist. Also muß das Erhabene 
jederzeit Beziehung auf die Denkungsart haben dei. auf 
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J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 12) 
Maximen dem Intellectuellen und den Vernunftideen uͤber 
die Sinnlichkeit Obermacht zu verschaffen. 
Man darf nicht besorgen, daß das Gefuͤhl des Erhabe— 
nen durch eine dergleichen abgezogene Darstellungsart, die 
in Ansehung des Sinnlichen gaͤnzlich negativ wird, verlieren 
werde; denn die Einbildungskraft, ob sie zwar uͤber das 
Sennliche hinaus nichts findet, woran sie sich halten kann, 
fuͤhlt sich doch auch eben durch diese Wegschaffung der Schran⸗ 
ken derselben unbegrenzt, und jene Absonderung ist also eine 
Darstellung des Unendlichen, welche zwar eben darum nie— 
mals anders als blos negative Darstellung seyn kann, die 
aber doch die Seele erweitert. Vielleicht giebts keine erha⸗ 
benere Stelle im Gesetzbuche der Juden, als das Gebot: 
du sollst dir kein Bildnis machen, noch irgend ein Gleichnis, 
weder dessen was im Himmel, noch auf der Erden, noch 
unter der Erden ist ꝛc. Dieses Gebot allein kann den En— 
thusiasm erklaͤren, den das juͤdische Volk in seiner gesitteten 
Epoche fuͤr seine Religion fuͤhlete, wenn es sich mit andern 
Voͤlkern verglich, oder denjenigen Stolz, den der Moham— 
medanism einfloͤßt. Eben dasselbe gilt auch von der Vor⸗ 
stellung des moralischen Gesetzes und der Anlage zur Mora— 
litaͤt in uns. Es ist eine ganz irrige Besorgnis, daß, wenn 
man sie alles dessen beraubt, was sie den Sinnen empfehlen 
kann, sie alsdenn keine andere, als kalte leblose Billigung 
und keine bewegende Kraft oder Ruͤhrung bey sich fuͤhren 
wuͤrde. Es ist gerade umgekehrt; denn da, wo nun die 
Sinne nichts mehr vor sich sehen unb die unverkennliche und 
unausloͤschliche Idee der Sittlichkeit dennoch uͤbrig bleibt, 
wuͤrde es eher noͤthig seyn, den Schwung einer unbegrenzten 
Einbildungskraft zu maͤßigen, um ihn nicht bis zum Enthu⸗ 
siasm steigen zu lassen, als, aus Furcht vor Kraftlosigkeit 
dieser Ideen, fuͤr sie in Bildern und kindischem Apparat
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        124 IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Huͤlfe zu suchen. Daher haben auch Regierungen gerne er⸗ 
laubt die Religion mit dem letztern Zubehoͤr reichlich versor⸗ 
gen zu lassen und so dem Unterthan die Muͤhe „zugleich aber 
auch das Vermoͤgen, zu benehmen gesucht, seine Seelenkraͤfte 
uͤber die Schranken auszudehnen, die man ihm willkuͤhrlich 
setzen und wodurch man ihn, als blos passiv leichter behan⸗ 
deln kann. 
Diese reine, seelenerhebende, blos negative Darstellung 
der Sittlichkeit, bringt dagegen keine Gefahr der Schwaͤr⸗ 
merey „ welche ein Wahn ist uͤber alle Grenze der Sitt⸗ 
lichkeit hinaus etwas sehen d. i. nach Grundsaͤtzen traͤu⸗ 
men (mit Vernunft rasen) zu wollen; eben darum, weil 
die Darstellung bey jener blos negativ ist. Denn die Uner⸗ 
forschlichkeit der Idee der Freyheit schneidet aller positi⸗ 
ven Darstellung gaͤnzlich den Weg ab: das moralische Gesetz 
aber ist an sich selbst in uns hinreichend und urspruͤnglich be⸗ 
stimmend, so daß es nicht einmal erlaubt uns nach einem 
Bestimmungsgrunde außer demselben umzusehen. Wenn der 
Enthusiasm mit dem Wahnsinn , so ist die Schwaͤrmerey 
mit dem Wahnwitz zu vergleichen, wovon der letztere sich 
unter allen am wenigsten mit dem Erhabenen vertraͤgt, weil 
er gruͤblerisch laͤcherlich ist. Im Enthusiasm als Affect ist die 
Einbildungskraft zuͤgellos, in der Schwaͤrmerey, als einge⸗— 
wurzelter bruͤtender Leidenschaft, regellos. Der erstere ist 
voruͤbergehender Zufall, der den gesundesten Verstand biswei⸗ 
len wohl betrift, der zweyte eine Krankheit, die ihn zerruͤttet. 
Einfalt (kunstlose Zweckmaͤßigkeit) ist gleichsam der 
Styl der Natur im Erhabenen und so auch der Sittlichkeit, 
welche eine zweyte ( uͤbersinnliche) Natur ist, davon wir 
nur die Gesetze kennen, ohne das uͤbersinnliche Vermoͤgen in 
uns, selbst was den Grund dieser Gesetzgebung enthaͤlt, durch 
anschauen erreichen zu koͤnnen. 
189 
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d euthilt. dith 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 125 
Noch ist anzumerken, daß, obgleich das Wohlgefallen 
am Schoͤnen eben sowohl, als das am Erhabenen, nicht 
allein durch allgemeine Mittheilbarkeit unter den anderen 
aͤsthetischen Beurtheilungen kenntlich unterschieden sind und 
durch diese Eigenschaft in Beziehung auf Gesellschaft (in der 
es sich mittheilen laͤßt) ein Interesse bekommt, gleichwohl 
doch auch die Absonderung von aller Gesellschaft als et⸗ 
was Erhabenes angesehen werde, wenn sie auf Ideen be— 
ruht, welche uͤber alles sinnliche Interesse hinweg sehen. Sich 
selbst genug zu seyn, mithin Gesellschaft nicht beduͤrfen, ohne 
doch ungesellig zu seyn d. i. sie zu fliehen, ist etwas dem Er⸗ 
habenen sich naͤherndes, so wie jede Ueberhebung von Be⸗ 
duͤrfnissen. Dagegen ist Menschen zu fliehen, aus Misan⸗ 
thropie, weil man sie anfeindet, oder aus Anthropopho⸗ 
bie (Menschenscheu) weil man sie als seine Feinde fuͤrchtet, 
theils haͤslich, theils veraͤchtlich. Gleichwohl giebt es eine 
(sehr uneigentlich sogenannte) Misanthropie, wozu die An⸗ 
lage sich mit dem Alter in vieler wohldenkenden Menschen 
Gemuͤth einzufinden pflegt, welche zwar, was das Wohl— 
wollen betrift, philanthropisch genug ist, aber vom Wohlge⸗ 
fallen an Menschen durch eine lange traurige Erfahrung weit 
abgebracht ist, wovon der Hang zur Eingezogenheit, der 
phantastische Wunsch auf einem entlegenen Landsitze, oder 
auch (bey jungen Personen) die ertraͤumte Gluͤckseeligkeit auf 
einem der uͤbrigen Welt unbekannten Eylande, mit einer klei⸗ 
nen Familie, seine Lebenszeit zubringen zu koͤnnen, welche 
die Romanschreiber, oder Dichter der Robinsonaden so gut zu 
nutzen wissen, Zeugnis giebt. Falschheit, Undankbarkeit, 
Ungerechtigkeit, das Kindische in den von uns selbst fuͤr wich⸗ 
tig und gros gehaltenen Zwecken, in deren Verfolgung sich 
Menschen selbst und unter einander alle erdenkliche Uebel an⸗ 
thun, stehen mit der Idee dessen, was sie seyn koͤnnten,
        <pb n="188" />
        126 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
wenn sie wollten, so im Widerspruch und sind dem lebhaften 
Wunsche sie besser zu sehen, so sehr entgegen, daß, um sie 
nicht zu hassen, da man sie nicht lieben kann, die Verzicht⸗ 
thuung auf alle gesellschaftliche Freuden nur ein kleines 
Opfer zu seyn scheint. Diese Traurigkeit, nicht uͤber die Uebel, 
welche das Schicksal uͤber andere Menschen verhaͤngt (wovon 
die Sympathie Ursache ist) sondern die sie sich selbst anthun 
(welche auf der Antipathie in Grundsaͤtzen beruht), ist, weil 
sie auf Ideen beruht, erhaben, indessen daß die erstere allen⸗ 
falls nur ffuͤr schoͤn gelten kann. — Der eben so geistreiche 
als gruͤndliche v. Saussuͤre sagt in der Beschreibung seiner 
Alpenreisen von Bouhomme, einem der savoyischen Ge—⸗ 
buͤrge, „es herrscht daselbst eine gewisse abgeschmackte 
Traurigkeit.“ Er kannte daher doch auch eine interessante 
Traurigkeit, welche der Anblick einer Einoͤde einfloͤßt, in die 
sich Menschen wohl versetzen moͤchten, um von der Welt nichts 
weiter zu hoͤren noch zu erfahren, die denn doch nicht so ganz 
unwirthbar seyn muß, daß sie nur einen hoͤchst muͤhseeligen 
Auffenthalt fuͤr Menschen darboͤte. — Ich mache diese An⸗ 
merkung nur in der Absicht, um zu erinnern, daß auch Be⸗ 
truͤbnis (nicht niedergeschlagene Traurigkeit) zu den ruͤsti⸗ 
gen Affecten gezaͤhlt werden koͤnne, wenn sie in moralischen 
Ideen ihren Grund hat; wenn sie aber auf Sympathie ge⸗ 
gruͤndet und, als solche, auch liebenswuͤrdig ist, sie blos zu 
den schmelzenden Affecten gehoͤre, um dadurch auf die Ge— 
muͤthsstimmung, die nur im ersteren Falle erhaben ist, auf— 
merksam zu machen. 
Man kann mit der jetzt durchgefuͤhrten transeendentalen 
Exposition der aͤsthetischen Urtheile nun auch die psychologi⸗ 
sche, wie sie ein Burke und viele scharfsinnige Maͤnner unter 
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Nunher unnn 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 127 
uns bearbeitet haben, vergleichen, um zu sehen, wohin eine 
blos empirische Exposition des Erhabenen und Schoͤnen fuͤhre. 
Burke ) der in dieser Art der Behandlung als der vor⸗ 
nehmste Verfasser genannt zu werden verdient, bringt auf 
diesem Wege (S. 223 seines Werks) heraus, „daß das Ge⸗ 
fuͤhl des Erhabenen sich auf dem Triebe zur Selbsterhaltung 
und auf Furcht d. i. einem Schmerze gruͤnde, der, weil er 
nicht bis zur wirklichen Zerruͤttung der koͤrperlichen Theile 
geht — Bewegungen hervorbringt, die, da sie die feineren 
oder groͤberen Gefaͤße von gefaͤhrlichen und beschwerlichen 
Verstopfungen reinigen, im Stande sind angenehme Em⸗ 
pfindungen zu erregen, zwar nicht Lust, sondern eine Art 
von wohlgefaͤlligem Schauer, eine gewisse Ruhe, die mit 
Schrecken vermischt ist.“ Das Schoͤne, welches er auf 
Liebe gruͤndet, (wovon er doch die Begierde abgesondert wis⸗ 
sen will) fuͤhrt er (SS. 2591 — 252) „auf die Nachlassung, 
Losspannung und Erschlaffung der Fibern des Koͤrpers, mit⸗ 
hin eine Erreichung, Aufloͤsung, Ermattung, ein Hinsinken, 
Hinsterben, Wegschmelzen fuͤr Vergnuͤgen hinaus.“ Und 
nun bestaͤtigt er diese Erklaͤrungsart nicht allein durch Faͤlle, 
in denen die Einbildungskraft in Verbindung mit dem Ver⸗ 
stande, sondern sogar Sinnesempfindung in uns das Gefuͤhl 
des Schoͤnen sowohl als des Erhabenen erregen koͤnne. — 
Als psychologische Bemerkungen sind diese Zergliederungen 
der Phaͤnomene unseres Gemuͤths uͤberaus schoͤn und geben 
reichen Stoff zu den beliebtesten Nachforschungen der empiri⸗ 
schen Anthropologie. Es ist auch nicht zu laͤugnen, daß alle 
Vorstellungen in uns, sie moͤgen objectiv blos sinnlich oder 
ganz intellectuell seyn, doch subjectiv mit Vergnuͤgen oder 
Nach der deutschen Uebersetzung seiner Schrift: Philosophi⸗ 
sche Untersuchungen uͤber den Ursprung unserer Begriffe vom 
Schoͤnen und Erhabenen. Riga bey Hartknoch 1773.
        <pb n="190" />
        128 IL. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Schmerz, so unmerklich beydes auch seyn mag, verbunden 
werden koͤnnen (weil sie insgesamt das Gefuͤhl des Lebens 
afficiren und keine derselben, sofern als sie Modification des 
Subjects ist, indifferent seyn kann) so gar, daß, wie Epicur 
behauptete, alles Vergnuͤgen und Schmerz zuletzt doch koͤr⸗ 
perlich sey, es mag immer von der Einbildung oder gar von 
Verstandesvorstellungen anfangen, weil das Leben ohne das 
Gefuͤhl des koͤrperlichen Organs blos Bewußtseyn seiner Exi⸗ 
stenz, aber kein Gefuͤhl des Wohl-oder Uebelbefindens, d. i. 
der Befoͤrderung oder Hemmung der Lebenskraͤfte sey; weil 
das Gemuͤth fuͤr sich allein ganz Leben (das Lebensprincip 
selbst) ist und Hindernisse oder Befoͤrderungen außer demsel⸗ 
ben und doch im Menschen selbst, mithin in der Verbindung 
mit seinem Koͤrper gesucht werden muͤssen. 
Setzt man aber das Wohlgefallen am Gegenstande ganz 
und gar darin, daß dieser durch Reiz oder durch Ruͤhrung 
vergnuͤgt, so muß man auch keinem andern zumuthen zu dem 
aͤsthetischen Urtheile, was wir faͤllen, beyzustimmen; denn 
daruͤber befraͤgt. ein jeder mit Recht nur seinen Privatsinn. 
Alsdenn aber hoͤrt auch alle Censur des Geschmacks gaͤnzlich 
auf; man muͤßte denn das Beyspiel, welches andere, durch 
die zufaͤllige Uebereinstimmung ihrer Urtheile, geben, zum 
Gebot des Beyfalls fuͤr uns machen, wider welches Prin⸗ 
eip wir uns doch vermuthlich straͤuben und auf das natuͤrliche 
Recht berufen wuͤrden, das Urtheil, welches auf dem unmit—⸗ 
telbaren Gefuͤhle des eigenen Wohlbefindens beruht, seinem 
eigenen Sinne und nicht anderer ihrem zu unterwerfen. 
Wenn also das Geschmacksurtheil nicht fuͤr egoistisch, 
sondern seiner inneren Natur nach, d. i. um sein selbst, nicht 
um der Beyspiele willen, die andere von ihrem Geschmack 
geben, nothwendig als pluralistisch gelten muß, wenn 
man es als ein solches wuͤrdigt, welches zugleich verlangen 
darf, 
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darf, daßjede 
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zum Grunde! 
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xt fuͤr egoisisth 
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—VV— 
gu 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 129 
darf, daß jedermann ihm beypflichten soll; so muß ihm ir⸗ 
gend ein (es sey objectives oder subjectives) Princip a priori 
zum Grunde liegen, zu welchem man durch Aufspaͤhung em— 
pirischer Gesetze der Gemuͤthsveraͤnderungen niemals gelan— 
gen kann; weil diese nur zu erkennen geben „wie geurtheilt 
wird, nicht aber gebieten, wie geurtheilt werden soll und 
zwar gar so, daß das Gebot unbedingt ist dergleichen die 
Geschmacksurtheile voraussetzen, indem sie das Wohlgefallen 
mit einer Vorstellung unmittelbar verknuͤpft wissen wollen. 
Also mag die empirische Exposition der aͤsthetischen Urtheile 
immer den Anfang machen, um den Stoff zu einer hoͤhern 
Untersuchung herbeyzuschaffen, so ist doch eine transcenden⸗ 
tale Eroͤrterung dieses Vermoͤgens zur Critik des Geschmacks 
wesentlich gehoͤrig; denn, ohne daß dieser Principien a priorã 
habe, koͤnnte er unmoͤglich die Urtheile anderer richten und 
uaͤber sie, auch nur mit einigem Scheine des Rechts, Billi⸗ 
gungs⸗ oder Verwerfungsurtheile faͤllen. 
Dritte 
—X th etischẽn Ubtheile, 
Rrh. 
§. 30. 
Die Deduction der aͤsthetischen Urtheile uͤber 
die Gegenstaͤnde der Natur darf nicht auf 
das, was wir in dieser erhaben nennen, son— 
dern nur auf das Schoͤne gerichtet werden. 
Der Anspruch eines aͤsthetischen Urtheils auf allgemeine 
Guͤltigkeit fuͤr jedes Subject bedarf, als ein Urtheil, wel⸗ 
ches sich auf irgend ein Princip a priori fußen muß, einer 
—A 5
        <pb n="192" />
        130 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Deduction, (d. i. Legitimation seiner Anmaßung) die 
uͤber die Exposition desselben noch hinzukommen mußte, 
wenn es naͤmlich ein Wohlgefallen oder Misfallen an der 
Form des Objects betrift. Dergleichen sind die Ge— 
schmacksurtheile uͤber das Schoͤne der Natur. Denn die 
Zweckmaͤßigkeit hat alsdenn doch im Objecte und seiner 
Gestalt ihren Grund, wenn sie gleich nicht die Beziehung 
desselben auf andere Gegenstaͤnde nach Begriffen (zum 
Erkenntnisurtheile) anzeigt, sondern blos die Auffas— 
sung dieser Form, sofern sie dem Vermoͤgen sowohl 
der Begriffe, als dem der Darstellung derselben web— 
ches mit dem der Auffassung eines und dasselbe ist) im 
Gemuͤth gemaͤs ist, uͤberhaupt betrift. Man kann da— 
her auch in Ansehung des Schoͤnen der Natur mancher⸗ 
ley Fragen aufwerfen die die Ursache dieser Zweckmaͤs⸗ 
sigkeit ihrer Formen betreffen, z. B. wie man erklaͤren 
wolle, warum die Natur so verschwenderisch allerwaͤrts 
Schoͤnheit verbreitet habe, selbst im Grunde des Oceans, 
wo nur selten das menschliche Auge (fuͤr welches jene 
doch allein zweckmaͤßig ist) hinlangt u. d. gl. 
Allein das Erhabene der Natur, wenn wir daruͤber 
ein reines aͤsthetisches Urtheil faͤllen — welches nicht 
mit Begriffen von Vollkommenheit, als objectiver 
Zweckmaͤßigkeit, vermengt ist, in welchem Falle es ein 
teleologisches Urtheil seyn wuͤrde — kann ganz als form⸗ 
los oder ungestalt, dennoch aber als Gegenstand eines 
reinen Wohlgefallens hetrachtet werden und subjective 
L.h. 
—WRD 
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iun gatz ab sun— 
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en und shettr 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 131 
Zweckmaͤßigkeit der gegebenen Vorstellung zeigen und da 
fraͤgt sichs nun, ob zu dem aͤsthetischen Urtheile dieser 
Art auch, außer der Exposition dessen, was in ihm ge⸗ 
dacht wird, noch eine Deduction seines Anspruchs auf 
irgend ein (subjectives) Princip a priori verlangt wer⸗ 
den koͤnne. 
Hierauf dient zur Antwort: daß das Erhabene der 09. 94 
Natur nur uneigentlich so genannt werde und eigentlich 
blos der Denkungsart oder vielmehr der Grundlage zu 
derselben in der menschlichen Natur, beygelegt werde, 
welcher sich bewußt zu werden, die Auffassung eines sonst 
formlosen und unzweckmaͤßigen Gegenstandes , die bloße 
Veranlassung giebt, welcher auf solche Weise subjectiv⸗ 
zweckmaͤßig gebraucht, aber nicht als ein solcher fuͤr 
sich und seiner Form wegen beurtheilt wird (gleichsam 
species finalis accepta, non data). Daher war unsere 
Exposition der Urtheile uͤber das Erhabene der Natur zu⸗ 
gleich ihre Deduction. Denn wenn wir die Reflexion 
der Urtheilskraft in denselben zerlegten, so fanden wir 
in ihnen ein zweckmaͤßiges Verhaͤltnis der Erkenntnis— 
bermoͤgen, welches dem Vermoͤgen der Zwecke (dem 
Willen) a priori zum Grunde gelegt werden muß und 
daher selbst a priori zweckmaͤßig ist, welches denn sofort 
die Deduction, d. i. die Rechtfertigung des Anspruchs 
eines dergleichen Urtheils auf allgemein ⸗nothwendige 
Guͤltigkeit, ist. 
4 
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        132 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Wir werden also nur die Deduction der Geschmacks— 
urtheile, d. i. derer, uͤber die Schoͤnheit der Naturdinge, 
zu suchen haben und so der Aufgabe fuͤr die gesammte 
aͤsthetische Urtheilskraft im Ganzen ein Genuͤge thun. 
6. 31. 
Von der Methode der Deduction der Ge⸗ 
schmacksurtheile. 
Die Obliegenheit einer Deduction d. i. der Gewaͤhr⸗ 
leistung der Rechtmaͤßigkeit einer Art Urtheile, tritt nur 
ein, wenn das uUrtheil Anspruch auf Nothwendigkeit 
macht, welches der Fall auch alsdenn ist, wenn es sub⸗ 
jective Allgemeinheit, d. i. jedermanns Beystimmung 
fordert, indessen daß es doch kein Erkenntnisurtheil, 
sondern nur der Lust oder Unlust an einem gegebenen Ge⸗ 
genstande, d. i. Anmaßung einer durchgaͤngig fuͤr jeder⸗ 
mann geltenden subjectiven Zweckmaͤßigkeit ist , die sich 
auf keine Begriffe von der Sache gruͤnden soll, weil es 
Geschmacksurtheil ist. 
Da wir im letztern Falle kein Erkenntnisurtheil, 
weder ein theoretisches, welches den Begrif einer Na⸗ 
tur uͤberhaupt durch den Verstand, noch ein (reines) 
practisches, welches die Idee der Freyheit, als a priori 
durch die Vernunft gegeben, zum Grunde legt, vor uns 
haben und also weder ein Urtheil, welches vorstellt, was 
eine Sache ist, noch daß ich, um sie hervorzubringen, 
etwas verrichten soll, nach seiner Guͤltigkeit a priori zu 
1364 
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Vit, abs ehthi 
undelegt, dorun 
xo vorfelt, vuß 
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fteit ahrihlis 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 133 
—VVDo — 
keit eines einzelnen Urtheils, welches die subjective 
Zweckmaͤßigkeit einer empirischen Vorstellung der Form 
eines Gegenstandes ausdruͤckt, fuͤr die Urtheilskraft 
uͤberhaupt darzuthun seyn , um zu erklaͤren, wie es moͤg⸗ 
lich sey, daß etwas blos in der Beurtheilung (ohne 
Sinnenempfindung oder Begrif) gefallen und, so wie 
die Beurtheilung eines Gegenstandes zum Behuf einer 
Erkenntnis uͤberhaupt allgemeine Regeln hat, auch ein 
Wohlgefallen fuͤr jeden andern als Regel duͤrfe ange⸗ 
kuͤndigt werden. 
Wenn nun diese Allgemeinguͤltigkeit sich nicht auf 
Stimmensammlung und Herumfragen bey andern, we⸗ 
gen ihrer Art zu empfinden, gruͤnden, sondern gleich— 
sam auf einer Autonomie des uͤber das Gefuͤhl der Lust 
(an der gegebenen Vorstellung) urtheilenden Subjects, 
d. i. gquf seinem eigenen Geschmacke beruhen J gleichwohl 
aber doch auch nicht von Begriffen abgeleitet werden soll, 
so hat ein solches Urtheil — wie das Geschmacksurtheil 
in der That ist — eine zwiefache und zwar logische Ei⸗ 
genthuͤmlichkeit, naͤmlich erstlich der Allgemeinguͤltig⸗ 
keit à priori, und doch nicht einer logischen Allgemeinheit 
nach Begriffen, sondern der Allgemeinheit eines einzel— 
nen Urtheils, zweytens eine Nothwendigkeit, (die 
jederzeit auf Gruͤnden a priori beruhen muß), die aber 
doch von keinen Beweisgruͤnden a priorĩ abhaͤngt, durch 
X
        <pb n="196" />
        3 
9 
134 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
deren Vorstellung der Beyfall, den das Geschmacksur⸗— 
theil jedermann ansinnt, erzwungen werden koͤnnte. 
Die Aufloͤsung dieser logischen Eigenthuͤmlichkeiten, 
darin sich ein Geschmacksurtheil von allen Erkenntnis— 
urtheilen unterscheidet, wenn wir hier anfaͤnglich von 
allem Inhalte desselben, naͤmlich dem Gefuͤhle der Lust 
abstrahiren und blos die aͤsthetische Form mit der Form 
der objectiven Urtheile, wie sie die Logik vorschreibt, ver⸗ 
gleichen, wird allein zur Deduction dieses sonderbaren Ver⸗ 
moͤgens hinreichend seyn. Wir wollen also diese characte⸗ 
ristische Eigenschaften des Geschmacks zuvor, durch Bey⸗ 
spiele erlaͤutert, vorstellig machen. 
6. 32. 
Erste Eigenthuͤmlichkeit des Geschmacks— 
urtheils. 
9 
Das Geschmacksurtheil bestimmt seinen Gegen—⸗ 
stand in Ansehung des Wohlgefallens (als Schoͤnheit) 
mit einem Anspruche auf jedermanns Beystimmung, 
als ob es objectis warfe. IJ 
Sagen: diese Blume ist schoͤn, heißt eben so viel 
als ihren eigenen Anspruch auf jedermanns Wohlge⸗ 
fallen ihr nur nachsagen. Durch die Annehmlichkeit ih⸗ 
res Geruchs hat sie gar keine Anspruͤche; den einen er⸗ 
goͤtzt dieser Geruch, dem andern benimmt er den Kopf. 
Was sollte man nun anders daraus vermuthen, als daß 
die Schoͤnheit fuͤr eine Eigenschaft der Blume selbst ge— 
J.“ 
1246 
halten erd 
heitde ho 
nachsich die 
wohen, nd 
hesest eben 
gdur nach d 
cher sie sich 
Pehber 
shmacd 
Subjett 
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von ihren 
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1 
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        k ibttat. 
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kühewhh 
iide hin 
urshret, vuz 
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odest huup 
N, durch Yp 
shwackg 
anen Gegen⸗ 
ʒSthoͤnheit) 
Xehstimmung, 
uchen so iel 
—U— 
gehmlichteit ß 
den einen er⸗ 
— 
—DV 
ziume uhf 9⸗ 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 135 
halten werden muͤsse, die sich nicht nach der Verschieden— 
heit der Koͤpfe und so vieler Sinne richtet, sondern dar⸗ 
nach sich diese richten muͤssen, wenn sie daruͤber urtheilen 
wollen „ und doch verhaͤlt es sich nicht so. Denn darin 
besteht eben das Geschmacksurtheil, daß es eine Sache 
nur nach derjenigen Beschaffenheit schoͤn nennt, in wel⸗ 
cher sie sich nach unserer Art sie aufzunehmen richtet. 
Ueberdies wird von jedem Urtheil, welches den Ge⸗ 
schmack des Subjects beweisen soll, verlangt: daß das 
Subject fuͤr sich, ohne noͤthig zu haben durch Erfahrung 
unter anderer ihren Urtheilen herumzutappen, und sich 
von ihrem Wohlgefallen oder Misfallen an demselben 
Gegenstande vorher zu belehren, mithin nicht als Nach⸗— 
ahmung, da etwas wirklich allgemein gefaͤllt, folglich 
a priori ausgesprochen werden solle. Man sollte aber 
denken, daß ein Urtheil a priori einen Begrif vom Object 
enthalten muͤsse, zu dessen Erkenntnis es das Princip 
enthaͤlt; das Geschmacksurtheil aber gruͤndet sich gar 
nicht auf Begriffe und ist uͤberall nicht Erkenntnis, son⸗ 
dern nur ein aͤsthetisches Urtheil. 
Daher laͤßt sich ein junger Dichter von der Ueberre— 
dung, daß sein Gedicht schoͤn sey, nicht durch das Ur⸗ 
theil des Publicums, nicht durch das seiner Freunde, 
abbringen und wenn er ihnen Gehoͤr giebt, so geschieht 
es nicht darum, weil er es nun anders beurtheilt, son⸗ 
dern weil er, wenn gleich (wenigstens in Absicht seiner) 
das ganze Publicum einen falschen Geschmack haͤtte, sich 
X
        <pb n="198" />
        136 IJ. Th. Tritik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
doch (selbst wider sein Urtheil) dem gemeinen Wahne zu 
bequemen in seiner Begierde nach Beyfall Ursache findet. 
Nur spaͤterhin, wenn seine Urtheilskraft durch Aus— 
uͤbung mehr geschaͤrft worden, geht er freywillig von 
seinem vorigen Urtheile ab; so wie er es auch mit seinen 
Urtheilen haͤlt, die ganz auf der Vernunft beruhen. Der 
Geschmack macht auf Autonomie Anspruch. Fremde Ur⸗ 
theile sich zum Bestimmungsgrunde des seinigen zu ma⸗ 
chen, waͤre Heteronomie. 
Daß man die Werke der Alten mit Recht zu Mu—⸗ 
stern anpreiset, und die Verfasser derselben classisch nennt, 
gleich einem gewissen Adel unter den Schriftstellern , der 
dem Volke durch seinen Vorgang Gesetze giebt, scheint 
Quellen des Geschmacks a posteriori anzuzeigen und die 
Autonomie desselben in jedem Subjecte zu widerlegen. 
Allein man koͤnnte eben so gut sagen, daß die alten Ma⸗ 
thematiker, die bis jetzt fuͤr nicht wohl zu entbehrende 
Muster der hoͤchsten Gruͤndlichkeit und Eleganz der syn⸗ 
thetischen Methode gehalten werden, auch eine nachah⸗ 
mende Vernunft auf unserer Seite bewiesen und ein Un— 
vermoͤgen derselben aus sich selbst strenge Beweise, mit 
der groͤßten Intnition durch Construction der Begriffe, 
hervorzubringen, darthue. Es ist gar kein Gebrauch 
unserer Kraͤfte, so frey er auch seyn mag und selbst der 
Vernunft (die alle ihre Urtheile aus der gemeinschaft— 
lichen Quelle a priori schoͤpfen muß) welcher, wenn je⸗ 
des Subject immer gaͤnzlich von der rohen Anlage sei⸗ 
18 
hes Natur⸗ 
suche gerat 
gen ihm vo 
zu hloßen. 
—X 
Principien 
oft bessere 
wo gewie 
sahs herr 
wortlich 
auf and 
wird de⸗ 
nthheden 
bder aug 
werden, 
ket, helt 
howie det 
hhen Me 
mocht, NX 
berwande 
hejest, h 
—D 
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deutet, 
—T 
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— Ve
        <pb n="199" />
        helhu 
un — 
lsahe —D 
n — 
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uh wit k 
siheihen. de 
in duden 
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wcissham, 
sistselin, y 
ꝛe giht, shin 
lpigen und de 
in bohderleen 
— 
Aenthehrende 
chanz der syt⸗ 
heine hachah⸗ 
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e Heweise, mit 
mder Veguis, 
w ken Gebrauh 
gg und selhs de 
r gemeinshoft 
pelcher, hent s 
—VIVII 
I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 137 
nes Naturells anfangen sollte, nicht in fehlerhafte Ver⸗ 
suche gerathen wuͤrde, wenn nicht andere mit den ihri— 
gen ihm vorgegangen waͤren, nicht um die Nachfolgende 
zu bloßen Nachahmern zu machen, sondern durch ihr 
Verfahren andere auf die Spuhr zu bringen, um die 
Principien in sich selbst zu suchen und so ihren eigenen, 
oft besseren, Gang zu nehmen. Selbst in der Religion, 
wo gewis ein jeder die Regel seines Verhaltens aus sich 
selbst hernehmen muß, weil er dafuͤr auch selbst verant⸗ 
wortlich bleibt und die Schuld seiner Vergehungen nicht 
auf andre, als Lehrer oder Vorgaͤnger, schieben kann, 
wird doch nie durch allgemeine Vorschriften, die man 
entweder von Priestern oder Philosophen bekommen, 
oder auch aus sich selbst genommen, so viel ausgerichtet 
werden, als durch ein Beyspiel der Tugend oder Heilig⸗ 
keit, welches „ in der Geschichte aufgestellt, die Auto⸗ 
nomie der Tugend, aus der eigenen und urspruͤngli— 28* 
chen Idee der Sittlichkeit (a priori), nicht entbehrlich 
macht, oder diese in einem Mechanism der Nachahmung 
verwandelt. Nachfolge, die sich auf einen Vorgang 
bezieht, nicht Nachahmung, ist der rechte Ausdruck fuͤr 
allen Einflus, den Producte eines exemplarischen Urhe⸗ 
bers auf Andere haben koͤnnen; welches nur so viel be— 
deutet, als: aus denselben Quellen schoͤpfen, daraus 
jener selbst schoͤpfte und seinen Vorgaͤngern nur die Art, 
wie sie sich dabey benehmen / abzulernen. Aber unter 
allen Vermoͤgen und Talenten ist der Geschmack gerade 
J 
35
        <pb n="200" />
        138 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
dasjenige, welches, weil sein Urtheil — D 
griffe und Vorschriften bestimmbar ist, am meisten der 
Beyspiele dessen, was sich im Fortgange der Cultur am 
laͤngsten in Beyfall erhalten hat , beduͤrftig ist um nicht 
bald wieder ungeschlacht zu werden und in die Rohigkeit 
der ersten Versuche zuruͤckzufallen. 
. 33. 
Zweyte Eigenthuͤmlichkeit des Geschmacks⸗ 
urtheils. 
Das Geschmacksurtheil ist gar nicht durch Beweis⸗ 
gruͤnde bestimmbar, gleich als ob es blos subjectiv 
waͤre. 
Wenn jemand ein Gebaͤude, eine Aussicht, ein Ge— 
dicht nicht schoͤn findet, so laͤßt er sich erstlich! den Bey⸗ 
fall nicht durch hundert Stimmen, die es alle hoch prei⸗ 
sen innerlich aufdringen. Er mag sich zwar anstellen/ 
als ob es ihm auch gefalle, um nicht fuͤr geschmacklos 
angesehen zu werden; er kann sogar zu zweifeln anfan⸗ 
gen, ob er seinen Geschmack, durch Kenntnis einer gnug⸗ 
samen Menge von Gegenstaͤnden einer gewissen Art, 
auch genug gebildet habe, (wie einer, der in der Entfer⸗ 
nung etwas fuͤr einen Wald zu erkennen glaubt, was 
alle andere fuͤr eine Stadt ansehen an dem Urtheile 
seines eigenen Gesichts zweifelt,) das sieht er aber doch 
klar ein: daß der Beyfall anderer gar keinen fuͤr die der 
Schoͤnheits-Beurtheilung guͤltigen Beweis abgebe und 
.8h. 
daß anderea. 
was hiele au 
— 
hehen glaubt 
andern gefall 
theils diener 
rer kann ur 
bedenklich 
deselben 
Beweis 
zunoͤthigen 
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tach hestir 
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wihh in ein 
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cder kesin 
de beshme 
un Hecheil. 
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und —F 
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— 
— — 
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        ihr durch de 
im meisten du 
er Lultur an 
is, um tiht 
nde dohte 
—— 
ur ch —T 
oz suhjech 
— 
— — 
al hoch hreb 
— 
eschmackos 
seln anfan⸗ 
aher guup 
wisen Prt, 
nder Etse⸗ 
Nouht, pos 
dem huthei 
w chet deh 
en fuͤ die de 
aogeht MNd 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 139 
daß andere allenfalls fuͤr ihn sehen und beobachten und 
was viele auf einerley Art gesehen haben einen hinrei— 
chenden Beweisgrund fuͤr ihn, der es anders gesehen zu 
haben glaubt, zum theoretischen, niemals aber das, was 
andern gefallen hat zum Grunde eines aͤsthetischen Ur⸗ 
theils dienen koͤnne. Das uns unguͤnstige Urtheil ande— 
rer kann uns zwar mit Recht in Ansehung des unsrigen 
bedenklich machen, niemals aber von der Unrichtigkeit 
desselben uͤberzeugen. Also giebt es keinen empirischen 
Beweisgrund, das Geschmacksurtheil jemanden ab— 
zunoͤthigen. 
Zweytens kann noch weniger ein Beweis a priori 
nach bestimmten Regeln das Urtheil uͤber Schoͤnheit be⸗ 
stimmen. Wenn mir jemand sein Gedicht vorliest, oder § 
mich in ein Schauspiel fuͤhrt, welches am Ende meinem 
Geschmacke nicht behagen will, so mag er den Batteur 
oder Lessing, oder noch aͤltere und beruͤhmtere Critiker 
des Geschmacks und alle von ihnen aufgestellte Regeln 
zum Beweise anfuͤhren, daß sein Gedicht schoͤn sey, 
wenigstens moͤgen gewisse Stellen, die mir eben mis⸗ 
fallen, mit Regeln der Schoͤnheit (so wie sie dort gegeben 
und allgemein anerkannt sind) gar wohl zusammenstim⸗ 
men, so stopfe ich mir die Ohren zu, mag nach keinen Gruͤn⸗ 
den und Vernuͤnfteln hoͤren und werde eher annehmen, 
daß jene Regeln der Critiker falsch seyn, oder daß wenig— 
stens hier nicht der Fall ihrer Anwendung sey, als daß 
ich mein Urtheil durch Beweisgruͤnde a priori sollte be—
        <pb n="202" />
        140 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
stimmen lassen , da es ein Urtheil des Geschmacks und 
nicht des Verstandes oder der Vernunft seyn soll. 
Es scheint, daß dieses eine der Hauptursachen sey, 
weswegen man dieses aͤsthetische Beurtheilungsvermoͤgen 
gerade mit dem Nahmen des Geschmacks belegt hat. 
Denn es mag mir jemand alle Ingredienzen eines Ge⸗ 
richts herzaͤhlen und von jedem bemerken, daß jedes der⸗ 
selben mir sonst angenehm sey und oben ein die Gesund⸗ 
heit dieses Essens mit Recht ruͤhmen, so bin ich gegen 
alle diese Gruͤnde taub, versuche das Gericht an meiner 
Zunge und Gaumen, und darnach (nicht nach allgemei⸗ 
nen Principien) faͤlle ich mein Urtheil. J 
2 4 In der That wird das Geschmacksurtheil durchaus 
immer als ein einzelnes Urtheil vom Object gefaͤllt. Der 
Verstand kann durch die Vergleichung des Objects im 
Puncte des Wohlgefaͤlligen mit dem Urtheile anderer ein 
allgemeines Urtheil machen z. B. alle Tulpen sind schoͤn; 
aber das ist alsdenn kein Geschmacks- sondern ein logi⸗ 
sches Urtheil, welches die Beziehung eines Objects auf 
den Geschmack zum Praͤdicate der Dinge von einer ge⸗ 
wissen Art uͤberhaupt machte; dasjenige aber , wodurch 
ich eine einzelne gegebene Tulpe schoͤn d. i. mein Wohlge⸗ 
fallen an derselben allgemeinguͤltig finde, ist allein das 
Geschmacksurtheil. Dessen Eigenthuͤmlichkeit besteht 
aber darinn: daß, ob es gleich blos subjective Guͤltigkeit 
hat, es dennoch alle Subjecte so in Anspruch nimmt, 
als etz nur immer geschehen koͤnnte, wenn es ein objes 
. 
ctihes nther 
—MV 
k ist feu 
Unpter 
einen Gru 
den Vegri 
durch einet 
sey. da 
muß unm 
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— 
be se doch n 
— 
hust der Ven 
— 
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hwatten. 
Vocihe 
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—X Ves 
hhele —
        <pb n="203" />
        —7 
hithnatz und 
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btursochen seh, 
— 
Ah behegt sat. 
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Ittheil durchan 
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dern ein logi⸗ 
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—XC 
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lüichteit heseht 
— 
XV 
mes eif Ihl 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 141 
etives Urtheil waͤre, was auf Erkenntnisgruͤnden beruht 
und durch einen Beweis koͤnnte erzwungen werden. 
ß. 34. 
Es ist kein objectives Princip des Geschmacks 
moͤglich. 
Unter einem Princip des Geschmacks wuͤrde man 
einen Grundsatz verstehen, unter dessen Bedingung man 
den Begrif eines Gegenstandes sabsumiren und alsdenn 
durch einen Schlus herausbringen koͤnnte, daß er schoͤn 
sey. Das ist aber schlechterdings unmoͤglich. Denn ich 
muß unmittelbar an der Vorstellung desselben die Lust 
empfinden und sie kann mir durch keine Beweisgruͤnde 
angeschwatzt werden. Obgleich also Critiker, wie Hume 
sagt, scheinbarer vernuͤnfteln koͤnnen als Koͤche, so ha⸗ 
ben sie doch mit diesen einerley Schicksal. Den Bestim⸗ 
mungsgrund ihres Urtheils koͤnnen sie nicht von der 
Kraft der Beweisgruͤnde, sondern nur von der Reflexion 
des Subjects uͤber seinen eigenen Zustand (der Lust oder 
Unlust,) mit Abweisung aller Vorschriften und Regeln, 
erwarten. 
Woruͤber aber Critiker dennoch vernuͤnfteln koͤnnen 
und sollen, so, daß es zur Berichtigung und Erweite— 
rung unserer Geschmacksurtheile gereiche, das ist nicht, 
um den Bestimmungsgrund dieser Art aͤsthetischer Ur⸗ 
theile in einer allgemeinen brauchbaren Formel darzule⸗ 
502
        <pb n="204" />
        142 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
gen, welches unmoͤglich ist, sondern um uͤber die Er⸗ 
kenntnisvermoͤgen und deren Geschaͤfte in diesen Urthei⸗ 
len Nachforschung zu thun und die wechselseitige subje⸗ 
ttive Zweckmaͤßigkeit von der oben gezeigt ist, daß ihre 
Form in einer gegebenen Vorstellung die Schoͤnheit des 
Gegenstandes derselben sey, in Beyspielen aus einander 
zu setzen. Also ist die Critik des Geschmacks selbst nur 
subjectiv, in Ansehung der Vorstellung wodurch uns 
ein Object gegeben wird, naͤmlich sie ist die Kunst, oder 
Wissenschaft, das wechselseitige Verhaͤltnis des Verstan— 
des und der Einbildungskraft zu einander in der gege⸗ 
benen Vorstellung, (ohne Beziehung auf vorhergehende 
Empfindung, oder Begrif) mithin die Einhelligkeit oder 
Mishelligkeit derselben unter Negeln zu bringen und sie 
in Ansehung ihrer Bedingungen zu bestimmen. Sie ist 
Kunst, wenn sie dieses nur an Beyspielen zeigt, sie ist 
Wissenschaft, wenn sie die Moͤglichkeit einer solchen 
Beurtheilung von der Natur dieser Vermoͤgen, als Er⸗ 
kenntnisvermoͤgen uͤberhaupt ableitet. Mit der letzte⸗ 
ren, als transscendentalen Critik, haben wir es hier 
aͤberall allein zu thun. Sie soll das subjective Princip 
des Geschmacks, als ein Princip a priori der Urtheils⸗ 
kraft entwickeln und rechtfertigen. Die Critik, als 
Kunst, sucht blos die physiologische (hier psychologische) 
mithin empirische Regeln, nach denen der Geschmack 
wirklich verfaͤhrt , (ohne uͤber ihre Moͤglichkeit nachzu⸗ 
denken) auf die Beurtheilung seiner Gegenstaͤnde anzu⸗ 
ldh 
henden und 
we Ane dab 
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Vegife w 
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        thetteh 
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— 
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sit de lehtex 
n wit es hir 
eetide Pinih 
ů der hethelz⸗ 
Nie Critik, 46 
vhchobgise) 
nder Geshnd 
aüchteit nachr 
uo 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 143 
wenden und critisirt die Producte der schoͤnen Kunst , so 
wie jene das Vermoͤgen selbst sie zu beurtheilen. 
§. 35. 
Das Princip des Geschmacks ist das subje— 
ctive Princip der Urtheilskraft uͤberhaupt. 
Das Geschmacksurtheil unterscheidet sich darin von 
dem logischen; daß das letztere eine Vorstellung unter 
Begriffe vom Object, das erstere aber gar nicht unter 
einem Begriffe subsumirt, weil sonst der nothwendige 
allgemeine Beyfall durch Beweise wuͤrde erzwungen wer⸗ 
den koͤnnen. Gleichwohl aber ist es darin dem letztern 
aͤhnlich, daß es eine Allgemeinheit und Nothwendigkeit, 
aber nicht nach Begriffen vom Object, folglich eine blos 
subjective vorgiebt. Weil nun die Begriffe in einem 
Urtheile den Inhalt derselben (zum Erkenntnis des Ob⸗ 
jects gehoͤrige) ausmachen, das Geschmacksurtheil aber 
nicht durch Begriffe bestimmbar ist, so gruͤndet es sich 
nur auf der subjectiven formalen Bedingung eines Ur— 
theils uͤberhaupt. Die subjective Bedingung aller Ur⸗ 
theile ist das Vermoͤgen zu urtheilen selbst oder die Ur⸗ 
theilskraft. Diese, in Ansehung einer Vorstellung, da⸗ 
durch ein Gegenstand gegeben wird, gebraucht, erfordert 
zweyer Vorstellungskraͤfte Zusammenstimmung, naͤmlich 
der Einbildungskraft (fuͤr die Anschauung und die Zu— 
sammensetzung des Mannigfaltigen derselben) und den 
Verstand (fuͤr den Begrif als Vorstellung der Einheit 
7
        <pb n="206" />
        262 
144 I. Th. Critik der oͤsthetischen Urtheilskraft. 
dieser Zusammensetzung). Weil nun dem Urtheile hler 
kein Begrif vom Objecte zum Grunde liegt, so kann es 
nur in der Subsumtion der Einbildungskraft selbst, bey 
einer Vorstellung, dadurch ein Gegenstand gegeben wird, 
unter die Bedingungen, daß der Verstand uͤberhaupt 
von der Anschauung zu Begriffen gelangt, bestehen: 
d. i. weil eben! darin, daß die Einbildungskraft ohne 
Begrif schematisirt, die Freyheit derselben besteht, so 
muß das Geschmacksurtheil auf einer bloßen Empfin⸗ 
dung der sich wechselseitig belebenden Einbildungskraft 
in ihrer Freyheit, und des Verstandes mit seiner 
Gesetzmaͤßigkeit, also auf einem Gefuͤhle beruhen, 
das den Gegenstand nach der Zweckmaͤßigkeit der Vor⸗ 
stellung (wodurch ein Gegenstand gegeben wird) auf die 
Befoͤrderung des Erkenntnisvermoͤgens in ihrem freyen 
Spiele beurtheilen laͤßt und der Geschmack als subjective 
Urtheilskraft enthaͤlt ein Princip der Subsumtion, aber 
nicht der Anschauungen unter Begriffe, sondern des 
Vermoͤgens der Anschauungen, oder Darstellungen 
(d. i. der Einbildungskraft) unter das Vermoͤgen der 
Begriffe (d. i. den Verstand) so fern das erstere in sei⸗ 
ner Freyheit zum letzteren in seiner Gesetzmaͤßig⸗ 
keit zusammen stimmt. n 
Um diesen Rechtsgrund nun durch eine Deduction 
der Geschmacksurtheile ausfindig zu machen, koͤnnen 
nur die formale Eigenthuͤmlichkeiten dieser Art Urtheile, 
mithin 
L.T 
withit hd/ 
Von 
Mit 
gnmittelbo 
von welch 
einem Er 
Erfahrun 
Vegrise 
nigfaltier 
eines Ohse 
— 
der Crititg 
die —D — 
Vesnd hm 
it Vise 
— 
Mit einer 
hur lin —X 
suen —N 
dhett begle 
—1 
s, estspringt 
kusudunc 
—X Crit
        <pb n="207" />
        helbus 
in Urtheh/ hit 
st, sd konntz 
J — 
d hehchen wicd, 
— dhehanht 
bhnt, hehchen: 
hunghh bhte 
ehen — s 
rbloßen kuhsn 
ünhidumhit 
indes mit sir 
yefoͤhle —T 
likeit der My 
n wird auf de 
nn ihran stepet 
tt alß suhjectihe 
uunton, aher 
oondern des 
darselungen 
Vermohen det 
efeein sci 
—X 
he Deduttiht 
nachen, hͤnen 
—Uoo— 
— 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 1495 
mithin so fern an ihnen blos die logische Form betrach⸗ 
tet wird, uns zum Leitfaden dienen. 
§. 36. 
Von der Aufgabe einer Deduction der 
Geschmacksurtheile. 
Mit der Wahrnehmung eines Gegenstandes kann 
unmittelbar der Begrif von einem Objecte uͤberhaupt, 
von welchem jene die empirische Praͤdicate enthaͤlt zu 
einem Erkenntnisurtheile verbunden und dadurch ein 
Erfahrungsurtheil erzeugt werden. Diesem liegen nun 
Begriffe a priori von der synthetischen Einheit des Man⸗ 
nigfaltigen der Anschauung, um es als Bestimmung 
eines Objects zu denken, zum Grunde und diese Begriffe 
(die Categorien) erfordern eine Deduction, die auch in 
der Critik d. xr. V. gegeben worden, wodurch denn auch 
die Aufloͤsung der Aufgabe zu Stande kommen konnte: 
Wie sind synthetische Erkenntnisurtheile a priori moͤg⸗ 
lich? Diese —EXX Principien a priori 
des reinen Verstandes und seiner theoretischen Urtheile. 
Mit einer Wahrnehmung kann aber auch unmittel⸗ 
bar ein Gefuͤhl der Lust (oder Unlust) und ein Wohlge⸗ 
fallen verbunden werden, welches die Vorstellung des 
Objects begleitet und denselben statt Praͤdicats dient und 
so ein aͤsthetisches Urtheil, welches kein Erkenntnisurtheil 
ist, entspringen. Einem solchen, wenn es nicht bloßes 
Empfindungs- sondern ein formales Reflexions-⸗ Urtheil 
Kants Crit. d. Urtheilskr. K
        <pb n="208" />
        146 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
ist, welches dieses Wohlgefallen jedermann als nothwen⸗ 
dig ansinnet „muß etwas als Princip a priori zum 
Grunde liegen, welches allenfalls ein blos subjectives 
seyn mag (wenn ein objectives zu solcher Art Urtheile 
unmoͤglich seyn sollte), aber auch als ein solches einer 
Deduction —R um zu begreifen, wie ein aͤsthetisches 
Urtheil auf Nothwendigkeit Anspruch machen koͤnne. 
Hierauf gruͤndet sich nun die Aufgabe mit der wir uns 
jetzt beschaͤftigen: Wie stnd Geschmacksurtheile moͤglich? 
welche Aufgabe also die Principien a priori der reinen 
Urtheilskraft in aͤsthetischen Urtheilen betrift, d. i. in 
solchen, wo sie nicht (wie in den theoretischen) unter ob⸗ 
jectiven Verstandesbegriffen blos zu subsumiren hat und 
unter einem Gesetze steht, sondern ihr selbst subjectiv 
Gegenstand sowohl als Gesetz ist. J 
Diese Aufgabe kann auch so vorgestellt werden: Wie 
ist ein Urtheil moͤglich, das blos aus dem eigenen Ge⸗ 
fuͤhl der Lust an einem Gegenstande unabhaͤngig von 
dessen Begriffe, diese Lust, als der Vorstellung desselben 
Objects in jedem andern Subjecte anhaͤngig, 
a priori d. i. ohne fremde Beystimmung abwarten zu 
duͤrfen, beurtheilte. 
Daß Geschmacksurtheile synthetische sind ist leicht 
einzusehen, weil sie uͤber den Begrif, und selbst die An⸗ 
schanung des Objects „, hinausgehen und etwas, was 
gar nicht einmal Erkenntnis ist, naͤmlich —A 
(oder Unlust) zu jener als Praͤdicat hinzuthun. Daß sie 
M 
her, ¶ 
her unhen⸗ 
wah die— 
—XX 
den volen 
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der Teq 
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—1 
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        <pb n="209" />
        Ithelchg 
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cipe briori un 
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T —T 
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Atwerden. Vie 
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ind is liht 
d sehs ded 
d etwas, hus 
—X 
hun, Dhse 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 147 
aber, obgleich das Praͤdikat (der mit der Vorstellung 
verbundenen eigenen Lust) empirisch ist, sie gleichwohl, 
was die geforderte Beystimmung von jedermann 
betrift, Urtheile a priori sind, oder dafuͤr gehalten wer⸗ 
den wollen, ist gleichfalls schon in den Ausdruͤcken ihres 
Anspruchs enthalten und so gehoͤrt diese Aufgabe der 
Critik der Urtheilskraft unter das allgemeine Problem 
der Transscendentalphilosophie: Wie sind synthetische 
Urtheile a priori moͤglich? 
§. 37. 
Was wird eigentlich in einem Geschmacks— 
urtheile von einem Gegenstande a priori 
behauptet. 
Daß die Vorstellung von einem Gegenstande un⸗ 
mittelbar mit einer Lust verbunden sey, kann nur inner⸗ 
lich wahrgenommen werden und wuͤrde, wenn man nichts 
weiter als dieses anzeigen wollte, ein blos empirisches 
Urtheil geben. Denn a priori kann ich mit keiner Vor⸗ 
stellung ein bestimmtes Gefuͤhl (der Lust oder Unlust) 
verbinden, ausser wo ein den Willen bestimmendes Prin⸗ 
cip a priori in der Vernunft zum Grunde liegt, da denn 
die Lust (im moralischen Gefuͤhl) die Folge davon ist, 
eben darum aber mit der Lust im Geschmacke gar nicht 
berglichen werden kann, weil sie einen bestimmten Begrif 
von einem Gesetze erfordert, da hingegen jene unmittel⸗ 
bar mit der bloßen Beurtheilung vor allem Begriffe ver⸗ 
43
        <pb n="210" />
        148 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
bunden seyn soll. Daher sind auch alle Geschmacksur— 
theile einzelne Urtheile, weil sie ihr Praͤdicat des Wohl— 
gefallens nicht mit einem Begriffe, sondern mit einer 
gegebenen einzelnen empirischen Vorstellung verbinden. 
Also ist es nicht die Lust, sondern die Allgemein— 
guͤltigkeit dieser Lust, die mit der bloßen Beurthei⸗ 
lung eines Gegenstandes im Gemuͤthe als verbunden 
wargenommen wird, welche a priori als allgemeine Re⸗ 
gel fuͤr die Urtheilskraft, fuͤr jedermann zuͤltig, in einem 
Geschmacksurtheile vorgestellt wird. Es ist ein empiri—⸗ 
sches Urtheil, daß ich einen Gegenstand mit Lust war⸗ 
nehme und beurtheile. Es ist aber ein Urtheil a priori 
daß ich ihn schoͤn finde d. i. jenes Wohlgefallen jeder— 
mann als nothwendig ansinnen darf. 
158 
jectide Iu 
oͤserhatht 
titen heson 
tichtet seyt 
welches mo 
kennthisse 
muß die 
Vedinan 
a priori 
suhsectib 
haͤltnig 
eines ss⸗ 
mann m 
0 
Deduction der Geschmacksurtheile. 
Wenn eingeraͤumt wird: daß in einem reinen Ge— 
schmacksurtheile das Wohlgefallen an dem Gegenstande 
mit der bloßen Beurtheilung seiner Form verbunden sey, 
so ist es nichts anderes als die subjective Zweckmaͤßig⸗ 
keit derselben fuͤr die Urtheilskraft, welche wir mit der 
Vorstellung des Gegenstandes im Gemuͤthe verbunden 
empfinden: Da nun die Urtheilskraft in Ansehung der 
formalen Regeln der Beurtheilung, ohne alle Materie 
(weder Sinnenempfindung noch Begrif) nur auf die sub—⸗ 
§. 38. 
— 
tischep 
an een 
—1 
— 
bntr 
— 
dot —— 
—D 
dinung de 
kein „d. —. 
— F 
— 
kur die unf 
uns gieht, 
—
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dictt dez Wh 
dern mit eite 
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Whmeiy— 
— 
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i¶ alheneir se 
uͤth, i ien 
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wit duß —P 
— —X 
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—X 
se vit wit de 
uͤhe dethuthrn 
Wehung det 
alle Nute 
ur quf de sub 
1 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 149 
jective Bedingungen des Gebrauchs der Urtheilskraft 
uͤberhaupt (die weder auf die besondere Sinnesart, noch 
einen besondern Verstandesbegrif eingeschraͤnkt ist) ge⸗ 
richtet seyn kann, folglich auf dasjenige Subjective, 
welches man in allen Menschen (als zum moͤglichen Er⸗ 
kenntnisse uͤberhaupt erforderlich) voraussetzen kann: so 
muß die Uebereinstimmung einer Vorstellung mit diesen 
Bedingungen der Urtheilskraft als fuͤr jedermann zuͤltig 
a priori angenommen werden koͤnnen, d. i. die Lust oder 
subjective Zweckmaͤßigkeit der Vorstellung fuͤr das Ver⸗ 
haͤltnis der Erkenntnisvermoͤgen in der Beurtheilung 
eines sinnlichen Gegenstandes aͤberhaupt, wird jeder⸗ 
mann mit Recht angesonnen werden koͤnnen. ) 
H Um berechtigt zu seyn auf allgemeine Beystimmung zu einem 
blos auf subjectiven Gruͤnden beruhenden Urtheile der aͤsthe⸗ 
tischen Urtheilskraft Anspruch zu machen ist genug, daß 
man einraͤume: 1) Bey allen Menschen seyn die subjective 
Bedingungen dieses Vermoͤgens, was das Verhaͤltnis der 
darinn in Thaͤtigkeit gesetzten Erkenntniskraͤfte zu einem Er⸗ 
kenntnis uͤberhaupt betrift, einerley; welches wahr seyn 
muß, weil sich sonst Menschen ihre Vorstellungen und selbst 
das Erkenntnis nicht mittheilen koͤnnten: 2) Das Urtheil 
—DDDD— 
dingung der Urtheilskraft) Ruͤcksicht genommen und sey 
rein, d. i. weder mit Begriffen vom Objeet noch Empfin⸗ 
dungen, als Bestimmungsgruͤnden, vermengt. Wenn in 
Ansehung dieses letztern auch gefehlt worden, so betrift das 
nur die unrichtige Anwendung der Befugnis, die ein Gefsetz 
uns giebt, auf einen besondern Fall, wodurch die Befugnis 
aͤberhaupt nicht aufgehoben wird. 
K3 
2 
—7 —
        <pb n="212" />
        150 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Anmerkung. 
Diese Deduction ist darum so leicht, weil sie keine ob— 
jective Realitaͤt eines Begrifs zu rechtfertigen noͤthig hat; 
denn Schoͤnheit ist kein Begrif vom Object und das Ge⸗ 
schmacksurtheil ist kein Erkenntnisurtheil. Es behauptet 
nur: daß wir berechtigt sind, dieselbe subjective Bedingun⸗ 
gen der Urtheilskraft allgemein bey jedem Menschen voraus 
zu setzen, die wir in uns antreffen und nur noch, daß wir 
unter diese Bedingungen das gegebene Object richtig subsu⸗ 
mirt haben, welches letztere zwar unvermeidliche, der logi⸗ 
schen Urtheilskraft nicht anhaͤngende Schwierigkeiten hat, 
weil man in dieser unhter Begriffe, in der aͤsthetischen aber 
unter ein blos empfindbares Verhaͤltnis, der an der vorge⸗ 
stellten Form des Objects wechselseitig unter einander stim⸗ 
menden Einbildungskraft und des Verstandes subsumirt; 
wo die Subsumtion leicht truͤgen kann, dadurch aber doch 
der Rechtmaͤßigkeit des Anspruchs der Urtheilskraft, auf all— 
gemeine Beystimmung zu rechnen, nichts benommen wird, 
welcher nur darauf hinaus laͤuft: die Richtigkelt des Prin— 
cips aus subjectiven Gruͤnden fuͤr jedermann guͤltig zu urthei— 
len; denn was die Schwierigkeit und den Zweifel wegen der 
Richtigkeit der Subsumtion unter jenes Princip betrift, so 
macht sie die Rechtmaͤßigkeit des Anspruchs auf diese Guͤltig—⸗ 
keit eines aͤsthetischen Urtheils uaͤberhaupt, mithin das Pria— 
eip selber, so wenig zweifelhaft, als die eben so wohl (ob 
gleich nicht so oft und leicht) fehlerhafte Subsumtion der lo⸗ 
gischen Urtheilskraft unter ihr Princip das letztere welches 
objectiv ist zweifelhaft machen kann. Wuͤrde aber die Frage 
seyn: wie ist es moͤglich, die Natur auch als einen Inbegrif 
von Gegenstaͤnden des Geschmacks a priori anzunehmen? so 
hat diese Aufgabe Beziehung auf die Teleologle, weil es 
als Zweck der Natur angesehen werden muͤßte, der ihrem 
—15 
—D— 
mißie sorm 
NWnahne sst 
üheit der J. 
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sich nur 
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— 
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uu de G
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        tthelh. 
— — 
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Gbhu, 
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— 
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Ohect —— F 
wehlte, ah— 
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— 
aalbhot, afch 
— 
shhit dez Hrih— 
— 
ehfel wegen det 
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uf diee —D 
—XRX 
hen so wohl 9 
bhunton der h 
— — 
wNther de sa 
iß ihen Ihepf 
icchutchnenh 
leobegtt, wehs 
nußte, dMehten 
IL. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 151 
Begriffe wesentlich anhinge, fuͤr unsere Urtheilskraft zweck⸗ 
maͤßige Formen aufzustellen. Aber die Richtigkeit dieser 
Annahme ist noch sehr zu bezweifeln, indessen daß die Wirk— 
lichkeit der Naturschoͤnheiten der Erfahrung blos liegt. 
6. 39. 
Von der Mittheilbarkeit einer Empfindung. 
Wenn Empfindung, als das Reale der Wahrneh⸗ 
mung, auf Erkenntnis bezogen wird, so heißt sie Sin⸗ 
nenempfindung und das Specifische ihrer Qualitaͤt laͤßt 
sich nur als durchgaͤngig auf gleiche Art mittheilbar vor⸗ 
stellen, wenn man annimmt, daß jedermann einen glei⸗ 
chen Sinn mit dem unsrigen habe; dieses laͤßt sich aber 
von einer Sinnesempfindung schlechterdings nicht vor⸗ 
aussetzen. So kann dem welchem der Sinn des Ge⸗ 
ruchs fehlt, diese Art der Empfindung nicht mitgetheilt 
werden und, selbst wenn er ihm nicht mangelt, kann 
man doch nicht sicher seyn, ob er gerade die naͤmliche 
Empfindung von einer Blume habe, die wir davon ha⸗ 
ben. Noch mehr unterschieden muͤssen wir uns aber die 
Menschen in Ansehung der Annehmlichkeit oder 
Unannehmlichkeit durch die Empfindung eben dessel⸗ 
beu Gegenstandes der Sinne vorstellen und es ist schlech⸗ 
terdings nicht zu verlangen „daß die Lust an dergleichen 
Gegenstaͤnden, von jedermann zugestanden werde. Man 
kann die Lust von dieser Art, weil sie durch den Sinn 
ins Gemuͤth kommt und wir dabey also passiv sind, die 
Lust des Genusses nennen. 
8
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        152 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Das Wohlgefallen an einer Handlung um ihrer 
moralischen Beschaffenheit willen ist dagegen keine Lust 
des Genusses, sondern der Selbstthaͤtigkeit und deren 
Gemaͤsheit mit der Idee seiner Bestimmung. Dieses 
Gefuͤhl, welches das sittliche heißt, erfordert aber Be⸗ 
griffe und stellt keine freye, sondern gesetzliche Zweckmaͤ⸗ 
ßigkeit dar ,laͤßt sich also auch nicht anders, als vermit⸗ 
telst der Vernunft und, soll die Lust bey jedermann 
gleichartig seyn, durch sehr bestimmte practische Ver— 
nunftbegriffe allgemein mittheilen. J 
Die Lust am Erhabenen der Natur, als Lust der 
vernuͤnftelnden Contemplation „ macht zwar auch auf 
allgemeine Theilnehmung Anspruch, setzt aber doch 
schon ein anderes Gefuͤhl, naͤmlich das seiner uͤbersinn⸗ 
lichen Bestimmung voraus, welches , so dunkel es auch 
seyn mag, eine moralische Grundlage hat, worauf aber, 
daß andere Menschen Ruͤcksicht nehmen und in der Be⸗ 
trachtung der rauhen Groͤße der Natur ein Wohlgefallen 
— werden, (welche wahrhaftig dem Anblicke der⸗ 
selben, der eher abschreckend ist, nicht zugeschrieben wer⸗ 
den kann) ich nicht schlechthin vorauszusetzen berechtigt 
bin. Dem ungeachtet kann ich doch in Betrachtung 
dessen, daß auf jene moralische Anlagen bey jeder schick⸗ 
lichen Veranlassung Ruͤcksicht genommen werden sollte, 
auch jenes Wohlgefallen jedermann ansinnen „aber nur 
vermittelst des moralischen Gesetzes, welches seiner Seits 
wiederum auf Begriffen der Vernunft gegruͤndet ist. 
—13 
Naer 
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nict der 
sotdern de 
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it, den 
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—E— W⸗
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        Nung um ihen 
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— —D 
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ewactishe Vn 
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— 
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woranf aher, 
in der He⸗ 
9J 
bohlgefalen 
Inhlicke der⸗ 
achrieben vet⸗ 
then hetechtigt 
Petrachtun 
—XR 
t hetden solt, 
auen, aher gut 
ges seuerGet 
rruͤndet is. 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 153 
Dagegen ist die Lust am Schoͤnen weder eine Lust 
des Genusses, noch einer gesetzlichen Thaͤtigkeit, auch 
nicht der vernuͤnftelnden Contemplation nach Ideen, 
sondern der bloßen Reflexion und, ohne irgend einen 
Zweck oder Grundsatz zur Richtschnur zu haben, beglei— 
tet sie die gemeine Auffassung eines Gegenstandes durch 
die Einbildungskraft, als Vermoͤgen der Anschauung, 
in Beziehung auf den Verstand, als Vermoͤgen der Be⸗ 
griffe, durch ein Verfahren der Urtheilskraft, welches 
sie auch zum Behuf der gemeinsten Erfahrung ausuͤben 
muß, nur daß sie es hier, um einen empirischen objecti⸗ 
ven Begrif, dort aber, (in der aͤsthetischen Beurthei⸗ 
lung) nur um die Angemessenheit der Vorstellung zur 
harmonischen (subjectiv⸗- zweckmaͤßigen) Beschaͤftigung 
beyder Erkenntnisvermoͤgen in ihrer Freyheit warzu⸗ 
nehmen d. i. seinen Vorstellungszustand mit Lust zu em⸗ 
pfinden, zu thun ist. Diese Lust muß nothwendig bey 
jedermann auf den naͤmlichen Bedingungen beruhen, 
weil sie subjective Bedingungen der Moͤglichkeit einer 
Erkenntnis uͤberhaupt sind und die Proportion dieser 
Erkenntnisvermoͤgen, die zum Geschmack erfordert wird, 
auch zum gemeinen und gesunden Verstande erforderlich 
ist, den man bey jedermann voraussetzen darf. Eben 
darum darf auch der mit Geschmack urtheilende (wenn 
er nur in diesem Bewußtseyn nicht irrt und die Materie 
—AV — 
jective Zweckmaͤßigkeit, d. i. sein Wohlgefallen am Ob— 
K5
        <pb n="216" />
        154 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
jecte, jedem anderen ansinnen und sein Gefuͤhl als allge— 
niein mittheilbar und zwar ohne Vermittelung der Be⸗ 
griffe, annehmen. 
§. 40. 
Vom Geschmacke als einer Art von sensus 
communis. 
Man giebt oft der Urtheilskraft, wenn nicht sowohl 
ihre Reflexion als vielmehr blos das Resultat derselben 
bemerklich ist, den Nahmen eines Sinnes und redet von 
einem Wahrheitssinne, von einem Sinne fuͤr Anstaͤn⸗ 
digkeit, Gerechtigkeit u. s. w.; ob man zwar weiß, we⸗ 
nigstens billig wissen sollte, daß es nicht ein Sinn ist, 
in dem diese Begriffe ihren Sitz haben koͤnnen, noch we⸗ 
niger, daß dieser zu einem Aussopruche allgemeiner Re⸗ 
geln die mindeste Faͤhigkeit habe, sondern daß uns von 
Wahrheit, Schicklichkeit, Schoͤnheit, oder Gerechtig⸗ 
keit nie eine Vorstellung dieser Art in Gedanken kommen 
koͤnnte, wenn wir uns nicht uͤber die Sinne zu hoͤhern 
Erkenntnisvermoͤgen erheben koͤnnten. Der gemeine 
Menschenverstand, den man, als blos gesunden 
(noch nicht cultivirten) A geringste an⸗ 
sieht, dessen man nur immer sich von dem der auf den 
Nahmen eines Menschen Anspruch macht, gewaͤrtigen 
kann, hat daher auch die kraͤnkende Ehre mit dem Nah⸗ 
men des Gemeinsinnes (sensus communis) belegt zu wer⸗ 
den, und so, daß man unter dem Worte gemein (nicht 
13. 
blez in unser 
—TC 
dern) so diel 
tist, derste 
—XX 
Unter 
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theilungst 
auf die Vo 
XI 
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— 
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—X se 
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        —7 
zeihl as h 
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—XX 
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—R 
hood gesunden 
w geringst ar 
m, der auf du 
cht, gewaͤrtigen 
ewit dem Poß 
—D 
rewein (uis 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 155 
blos in unserer Sprache, die in diesem wirklich eine 
Zweydeutigkeit enthaͤlt, sondern auch in mancher an⸗ 
dern) so viel als das vulgare, was man allenthalben an—⸗ 
trift, versteht, welches zu besitzen schlechterdings kein 
Verdienst oder Vorzug ist. 
Unter dem sensus communis aber muß man die Idee 
eines gemeinschaftlichen Sinnes, d. i. eines Beur⸗ 
theilungsvermoͤgens verstehen, welches in seiner Reflexion 
auf die Vorstellungsart jedes: andern in Gedanken a priori) 
Ruͤcksicht nimmt, um gleichsam an die gesammte Men⸗ 
schenvernunft sein Urtheil zu halten und dadurch der Il⸗ 
lusion zu entgehen, die aus subjectiven Privatbedingun⸗ 
gen, die leicht fuͤr objectiv gehalten werden koͤnnten, auf 
das Urtheil nachtheiligen Einfslus haben wuͤrden. Die⸗ 
ses geschieht nun dadurch, daß man sein Urtheil an an⸗ 
derer ihre, nicht sowohl wirkliche als vielmehr blos moͤg⸗ 
liche, Urtheile haͤlt und sich in die Stelle jedes anderen 
bersetzt, indem man blos von den Beschraͤnkungen, die 
unserer eigenen Beurtheilung zufaͤlliger Weise anhaͤngen, 
abstrahirt, welches wiederum dadurch bewirkt wird, daß 
man das, was in unserm Vorstellungszustande Materie 
d. i. Empfindung ist, so viel moͤglich weglaͤßt und ledig⸗ 
lich auf die formale Eigenthuͤmlichkeiten seiner Vorstellung, 
oder seines Vorstellungs⸗Zustandes, Acht hat. Nun scheint 
diese Operation der Reflexion vielleicht allzu kuͤnstlich zu 
seyn, um sie dem Vermoͤgen, welches wir den gemeinen 
Sinn nennen, beyzulegen; allein sie sieht auch nur so
        <pb n="218" />
        156 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
aus, wenn man sie in abstracten Formeln ausdruͤckt; an 
sich ist nichts natuͤrlicher, als von Reiz und Ruͤhrung zu 
abstrahiren, wenn man ein Urtheil sucht, welches zur 
allgemeinen Regel dienen soll. 
Folgende Maximen des gemeinen Menschenverstan⸗ 
des gehoͤren zwar nicht hieher, als Theile der Geschmacks⸗ 
critik, koͤnnen aber doch zur Erlaͤuterung ihrer Grund⸗ 
aͤtze dienen. Es sind folgende: 1. Selbstdenken. 2. An 
der Stelle jedes andern zu denken. 3. Jederzeit mit sich 
selbst einstimmig zu denken. Die erste ist die Maxime der 
vorurtheilfreyen, die zweyte der erweiterten, die 
dritte der consequenten Denkunssart. Die erste ist 
die Maxime einer niemals passiven Vernunft (der 
Hang zur letztern, mithin zur Heteronomie der Vernuft, 
heißt das Vorurtheil „ unter welchen das groͤßte ist, 
die Natur sich Regeln die der Verstand ihr durch sein 
eigenes wesentliches Gesetz zum Grunde legt, als nicht 
unterworfen vorzustellen, d. i. der Aberglaube. Be⸗ 
freyung vom Aberglauben heißt Aufklaͤrung ); weil, 
obschon diese Beuennung auch der Befreyung von Vor⸗ 
urtheilen uͤberhaupt zukommt, jener doch vorzugsweise 
Man sieht bald, daß Aufklaͤrung zwar in Thesi leicht, in 
Hypothesi aber eine schwere und langsam auszufuͤhrende 
Sache sey; weil mit seiner Vernunft nicht passiv, sondern 
jederzeit sich selbst gesetzgebend zu seyn, zwar etwas ganz 
leichtes fuͤr den Menschen ist, der nur seinem wesentlichen 
Zwecke angemessen seyn will und das, was uͤber seinen Ver⸗ 
stand ist, nicht zu wissen verlangt: aber, da die Bestre⸗ 
LJ.. 
* 
(in lenun er 
hep eft, 
vetsest, ja 
Idouͤrsnisr 
zußand ein 
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trist, so se 
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— 
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— 
fatg und 
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andere wie 5.⸗ 
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benstht) diu 
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        — 
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ast. abßz nicht 
lauhe. Ve⸗ 
— 
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Dheß lecht i 
vn quezusührenhe 
— 
wat etwaz gun 
ainem wesentlichen 
uhet siten he— 
M die Vern 
L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 157 
(in sensu eminenti) ein Vorurtheil genannt zu werden 
verdient, indem die Blindheit, darin der Aberglaube 
versetzt, ja sie wohl gar als Obliegenheit fordert, das 
—RDDD mithin' den 
Zustand einer passiven Vernunft vorzuͤglich kenntlich 
macht. Was die zweyte Maxime der Denkungsart be⸗ 
trift so sind wir sonst wohl gewohnt, denjenigen einge⸗ 
schraͤnkt (bornirt, das Gegentheil vom erweiter⸗ 
ten) zu nennen, dessen Talente zu keinem großen Ge⸗ 
brauche (vornehmlich dem intensiven) zulangen. Allein 
hier ist nicht die Rede von Vermoͤgen des Erkenntnisses, 
sondern von der Denkungsart einen zweckmaͤßigen Ge⸗ 
brauch davon zu machen, welche, so klein auch der Um⸗ 
fang und der Grad sey, wohin die Naturgabe des Men⸗ 
schen reicht, dennoch einen Mann von erweiterter 
Denkungsart anzeigt, wenn er sich uͤber die subjective 
Privatbebingungen des Urtheils, wozwischen so viele 
andere wie eingeklammert sind, wegsetzen und aus einem 
allgemeinen Standpuncte (den er dadurch nur be— 
stimmen kann, daß er sich in den Standpunct anderer 
versetzt) uͤber sein eigen Urtheil reflectirt. Die dritte 
Maxime naͤmlich die der consequenten Denkungsart, 
bung zum letzteren kaum zu verhuͤten ist, und es an andern, 
die diese Wisbegierde befriedigen zu koͤnnen mit viel Zu⸗ 
bersicht versprechen, nie fehlen wird, so muß das blos Ne—⸗ 
gative (welches die eigentliche Aufklaͤrung ausmacht) in 
der Denkungsart (zumal der oͤffentlichen) zu erhalten, oder 
herzustellen, sehr schwer seyn.
        <pb n="220" />
        4 
‚F 
⸗ᷣ 
158 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
ist am schwersten zu erreichen und kann auch nur durch 
die Verbindung beyder ersten und nach einer zur Fertig⸗ 
keit gewordenen oͤfteren Befolgung derselben erreicht 
werden. Man kann sagen: die erste dieser Maximen ist 
die des Verstandes, die zweyte der Urtheilskraft die 
dritte der Vernunft c-- 
Ich nehme den durch diese Episode verlassenen Fa⸗ 
den wieder auf und sage: daß der Geschmack mit mehre⸗ 
rem Rechte sensus communis genannt werden koͤnne, als 
der gesunde Verstand und die aͤsthetische Urtheilskraft 
eher als die intellectuelle den Nahmen eines gemein⸗ 
schaftlichen Sinnes *) fuͤhren koͤnne, wenn man ja das 
Wort Sinn von einer Wirkung der bloßen Reflexion 
aufs Gemuͤth brauchen will ; denn da versteht man unter 
Sinn das Gefuͤhl der Lust. Man koͤnnte sogar den Ge⸗ 
schmack durch das Beurtheilungsvermoͤgen desjenigen 
was unser Gefuͤhl an einer gegebenen Vorstellung ohne 
Vermittelung eines Begrifs allgemein mittheilbar 
macht, definiren. 
Die Geschicklichkeit der Menschen sich ihre Gedan— 
ken mitzutheilen, erfordert auch ein Verhaͤltnis der Ein⸗ 
bildungskraft und des Verstandes, um den Begriffen 
Anschauungen und diesen) Begriffe zuzugesellen die in 
ein Erkenntnis zusammenfließen; aber alsdenn ist die 
) Man koͤnute den Geschmack durch sensus communis aesthe- 
ticus, den gemeinen Menschenverstand durch sensus com- 
munis logieus benennen. 
11 
—XE 
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maͤßigen 
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den degiftn 
Hgeselen, din 
aglödenn i de 
zcommuniz zelche— 
urch begluz con— 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 159 
Zusammenstimmung beyder Gemuͤthskraͤfte gesetzlich, 
unter dem Zwange bestimmter Begriffe. Nur da , wo 
Einbildungskraft in ihrer Freyheit den Verstand erweckt 
und dieser ohne Begriffe die Einbildungskraft in ein re⸗ 
gelmaͤßig Spiel setzt, da theilt sich die Vorstellung, nicht 
als Gedanke, sondern als inneres Gefuͤhl, eines zweck⸗ 
maͤßigen Zustandes des Gemuͤths mit. 
Der Geschmack ist also das Vermoͤgen die Mittheil⸗ 25. 
barkeit der Gefuͤhle, welche mit gegebener Vorstellung 
(ohne Vermittelung eines Begrifs) verbunden sind, 
a priori zu beurtheilen. I 
Wenn man annehmen duͤrfte, daß die bloße allge— 
meine Mittheilbarkeit seines Gefuͤhls an sich schon ein 
Interesse fuͤr uns bey sich fuͤhren muͤsse, (welches man 
aber aus der Beschaffenheit einer blos reflectirenden Ur⸗ 
theilskraft zu schließen nicht berechtigt ist) so wuͤrde man 
sich erklaͤren koͤnnen, woher das Gefuͤhl im Geschmacks⸗ 
urtheile gleichsam als Pflicht jedermann zugemuthet 
werde. 
§. 41. 
Vom empirischen Interesse am Schoͤnen. 
Daß das Geschmacksurtheil, wodurch etwas fuͤr 
schoͤn erklaͤrt wird, kein Interesse zum Bestimmungs⸗ 
grunde haben muͤsse, ist oben hinreichend dargethan 
worden. Aber daraus folgt nicht, daß ein solches, nach— 
dem es, als reines aͤsthetisches Urtheil, gegeben wor⸗
        <pb n="222" />
        — 
/3 
160 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
den, damit nicht verbunden werden koͤnne. Diese Ver⸗ 
bindung wird aber immer nur indirect seyn koͤnnen „d. i. 
der Geschmack muß allererst mit etwas anderem verbun⸗ 
den vorgestellt werden, um mit dem Wohlgefallen der 
bloßen Reflexion uͤber einen Gegenstand, bͤflthe noch 
eine Lust an der Existenz desselben (als worin alles 
Interesse besteht) verknuͤpfen zu koͤnnen. Denn es gilt 
hier im aͤsthetischen Urtheile, was im Erkenntnisurtheile 
(von Dingen uͤberhaupt) gesagt wird, a posse ad esse 
non valet consequentia. Dieses Andere kann nun etwas 
Empirisches seyn, naͤmlich eine Neigung, die der mensch⸗ 
lichen Natur eigen ist oder etwas Intellectuelles, als 
Eigenschaft des Willens, a priori durch Vernunft be⸗ 
stimmt werden zu koͤnnen, welche beyde ein Wohlgefallen 
am Daseyn eines Objects enthalten und so den Grund 
zu einem Interesse an demjenigen legen koͤnnen, was 
schon fuͤr sich und ohne Ruͤcksicht auf irgend ein Interesse 
gefallen hat. 
Empirisch interessirt das Schoͤne nur in der Ge⸗ 
sells chaft, und, wenn man den Trieb zur Gesellschaft 
als den Menschen natuͤrlich, die Tauglichkeit aber und 
den Hang dazu, d. i. die Gest elligkeit zur Erfordernis 
des Menschen, als fuͤr die Gesellschaft bestimmten Ge⸗ 
schoͤpfs, also als zur Humanitaͤt gehoͤrige Eigenschaft 
einraͤumt, so kann es nicht fehlen, daß man nicht auch 
den Geschmack als ein Beurtheilungsvermoͤgen alles des⸗ 
sen, wodurch man sogar sein Gefuͤhl jedem andern mit⸗ 
thei⸗ 
z4 
theilen bunn 
Has eihes 
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ermoͤgen aleshe 
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»dfh 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 161 
theilen kann, mithin als Befoͤrderungsmittel dessen, 
was eines jeden natuͤrliche Neigung verlangt, anse⸗ 
hen solllte. 
Fuͤr sich allein wuͤrde ein verlassener Mensch auf ei⸗ 
ner wuͤsten Insel weder seine Huͤtte, noch sich selbst aus⸗ 
putzen, oder Blumen aufsuchen, noch weniger sie pflan⸗ 
zen, um sich damit auszuschmuͤcken; sondern nur in Ge⸗ 
sellschaft kommt es ihm ein, nicht blos Mensch, sondern 
auch nach seiner Art ein feiner Mensch zu seyn (der An⸗ 
fang der Civilisitrung): denn als einen solchen beurtheilt 
man denjenigen, der seine Lust andern mitzutheilen ge⸗ 
neigt und geschickt ist und den ein Object nicht befriedigt, 
wenn er das Wohlgefallen an demselben nicht in Gemein⸗ 
schaft mit andern fuͤhlen kann. Auch erwartet und for⸗ 
dert ein jeder die Ruͤcksicht auf allgemeine Mittheilung 
von jedermann, gleichsam als aus einem ursopruͤnglichen 
Vertrage, der durch die Menschheit selbst dictirt ist und 
so werden freylich anfangs nur Reize, 3 B. Farben, um 
sich zu bemahlen, (Rocou bey den Caraiben und Zinno⸗ 
ber bey den Irokesen) oder Blumen, Muschelschaalen, 
schoͤnfarbige Vogelfedern, mit der Zeit aber auch schoͤne 
Formen (als an Canots „ Kleidern u. s. w.), die gar 
kein Vergnuͤgen, d. i. Wohlgefallen des Genusses bey 
sich fuͤhren, in der Gesellschaft wichtig und mit großem 
Interesse verbunden, bis endlich die auf den hoͤchsten 
Punct gekommene Civilistrung daraus beynahe das 
Hauptwerk der verfeinerten Neigung macht und Empfin⸗ 
Kants Crit.d. Urtheilptr.
        <pb n="224" />
        162 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
dungen nur so viel werth gehalten werden, als sie sich 
allgemein mittheilen lassen, wo denn, wenn gleich die 
Lust, die jeder an einem solchen Gegenstande hat, nur 
unbetraͤchtlich und fuͤr sich ohne merkliches Interesse ist, 
doch die Idee von ihrer allgemeinen Mittheilbarkeit ih— 
ren Werth beynahe unendlich vergroͤßert. 
Dieses indirect dem Schoͤnen, durch Neigung zur 
Gesellschaft angehaͤngtes, mithin empirisches, Interesee 
ist aber fuͤr uns hier von keiner Wichtigkeit, die wir nur 
darauf zu sehen haben, was auf das Geschmacksurtheil 
a priori, wenn gleich nur indirect , Beziehung haben 
mag. Denn, wenn auch in dieser Form sich ein damit 
verbundenes Interesse entdecken sollte, so wuͤrde Ge— 
schmack einen Uebergang unseres Beurtheilungsvermoͤ⸗ 
gens von dem Sinnengenuß zum Sittengefuͤhl entdecken 
und nicht allein, daß man dadurch den Geschmack zweck⸗ 
maͤßig zu beschaͤftigen besser geleitet werden wuͤrde, so 
wuͤrde auch ein Mittelglied der Kette, der menschlichen 
Vermoͤgen a priori, von denen alle Gesetzgebung abhaͤn⸗ 
gen muß, als ein solches dargestellt werden. So viel 
kann man von dem empirischen Interesse an Gegenstaͤn⸗ 
den des Geschmacks und am Geschmack selbst wohl sa⸗ 
gen, daß es, da dieser der Neigung froͤhnt, obgleich sie 
noch so verfeinert seyn mag, sich doch auch mit allen 
Neigungen und Leidenschaften, die in der Gesellschaft 
ihre groͤßte Mannigfaltigkeit und hoͤchste Stufe errei⸗ 
chen, gern zusammenschmelzen laͤßt und das Interesse 
,.. 
Im Shdn⸗ 
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den Geschw 
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welche 
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XI 
auch wit ahen 
der Gesehshot 
—I 
daz Nuures 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 163 
am Schoͤnen, wenn es darauf gegruͤndet ist, einen nur 
sehr zweydeutigen Uebergang vom Angenehmen zum Gu⸗ 
ten abgeben koͤnne welcher, ob er nicht etwa doch durch 
den Geschmack, wenn er in seiner Reinigkeit genommen 
wird, befoͤrdert werden koͤnne, wir zu untersuchen Ur⸗ 
sache haben. 
8. 42 
Vom intellectuellen Interesse am Schoͤnen. 
Es geschah in gutmuͤthiger Absicht, daß diejenigen, 
welche alle Beschaͤftigungen der Menschen, wozu sie die 
innere Naturanlage antreibt, gerne auf den letzten Zweck 
der Menschheit, naͤmlich das Moralisch- Gute richten 
wollten, es fuͤr ein Zeichen eines guten moralischen Cha⸗ 
racters hielten, am Schoͤnen uͤberhaupt ein Interesse zu 
nehmen. Ihnen ist aber nicht ohne Grund von andern 
widersprochen worden die sich auf die Erfahrung beru⸗ 
fen, daß Virtuosen des Geschmacks nicht allein oͤfters, 
sondern wohl gar gewoͤhnlich eitel, eigensinnig und ver— 
derblichen Leidenschaften ergeben, vielleicht noch weniger 
wie andere auf den Vorzug der Anhaͤnglichkeit an sitt⸗ 
liche Grundsaͤtze Anspruch machen koͤnnten und so scheint 
es, daß das Gefuͤhl fuͤrs Schoͤne, nicht allein (wie es 
auch wirklich ist) vom moralischen Gefuͤhl specifisch un⸗ 
terschieden, sondern auch das Interesse, welches man 
damit verbinden kann, mit dem moralischen schwer, kei⸗ 
nesweges aber durch innere Affinitaͤt, vereinbar sey. 
822
        <pb n="226" />
        164 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Ich raͤume nun zwar gerne ein, daß das Interesse 
am Schoͤnen der Kunst (wozu ich auch den kuͤnst 
lichen Gebrauch der Naturschoͤnheiten zum Putze, mithin 
zur Eitelkeit, rechne) gar keinen Beweis einer dem Mo⸗ 
ralischguten anhaͤnglichen, oder auch nur dazu geneig⸗ 
ten Denkungsart abgebe, dagegen behaupte ich, daß ein 
unmittelbares Interesse an der Schoͤnheit der Na⸗ 
tur zu nehmen (nicht blos Geschmack haben, um sie zu 
beurtheilen) jederzeit ein Kennzeichen einer guten Seele 
sey, wenn dieses Interesse habituell ist, wenigstens eine 
dem moralischen Gefuͤhl guͤnstige Gemuͤthsstimmung an⸗ 
zeige, wenn es sich mit der Beschauung der Natur 
gerne verbindet. Man muß sich aber wohl erinnern, daß 
ich hier eigentlich die schͤne Formen der Natur meyne, 
die Reize dagegen, welche sie so reichlich auch mit jenen 
zu verbinden pflegt, noch zur Seite setze, weil das In— 
teresse daran zwar auch unmittelbar, aber doch empi— 
risch ist·.. 
Der, so einsam (und ohne Absicht seine Bemerkun— 
gen andern mittheilen zu wollen) die schoͤne Gestalt einer 
wilden Blume, eines Vogels — eines Insects u. s. w. be⸗ 
trachtet, um sie zu bewundern zu lieben und sie nicht 
gerne in der Natur uͤberhaupt vermissen zu wollen, ob 
ihm gleich dadurch einiger Schaden geschaͤhe, vielweni⸗ 
ger ein Nutzen daraus fuͤr ihn hervorleuchtete, nimmt 
ein unmittelbares und zwar intellectuelles Interesse an 
der Schoͤnheit der Natur, d. i. nicht allein ihr Product 
der sotn 
fölt hhnt 
ypauch ira 
ECa 
diesem Ro 
huͤte um 
ganz aͤ 
koͤnstlic 
setzt haͤt 
mittelbo 
verscht 
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len und 
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bell de Ju⸗ 
er doch empi⸗ 
e Hemerlun⸗ 
eGesdlt ainer 
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neind seliht 
zu volen, bh 
hohe, dielden⸗ 
—XRC 
—I — 
n il Urodult 
IL. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 165 
der Form nach, sondern auch das Daseyn desselben ge⸗ 
faͤlt, ohne daß ein Sinnenreiz daran Antheil haͤtte, oder 
er auch irgend einen Zweck damit verbaͤnde. 
Es ist aber hiebey merkwuͤrdig, daß, wenn man 
diesem Liebhaber des Schoͤnen in geheim hintergangen 
haͤtte und kuͤnstliche Blumen (die man den natuͤrlichen 
ganz aͤhnlich verfertigen kann) in die Erde gesteckt, oder 
kuͤnstlich geschnitzte Voͤgel auf Zweige von Baͤumen ge⸗ 
setzt haͤtte und er darauf den Betrug entdeckte , das un⸗ 
mittelbare Interesse was er vorher daran nahm, alsbald 
verschwinden, vielleicht aber ein anderes, naͤmlich das 
Interesse der Eitelkeit sein Zimmer fuͤr fremde Augen da⸗ 
mit auszuschmuͤcken, an dessen Stelle sich einfinden wuͤrde. 
Daß die Natur jene Schoͤnheit hervorgebracht hat: die⸗ 
ser Gedanke muß die Anschauung und Reflexion beglei⸗ 
ten und auf diesem gruͤndet sich allein das unmittelbare 
Interesse, was man daran nimmt, sonst bleibt entweder 
ein bloßes Geschmacksurtheil ohne alles Interesse, oder 
nur mit einem mittelbaren naͤmlich auf die Gesellschaft 
bezogenen verbunden uͤbrig, welches letztere keine sichere 
Anzeige auf moralisch-⸗gute Denkungsart abgiebt. 
Dieser Vorzug der Naturschoͤnheit vor der Kunst⸗ 
schoͤnheit, wenn jene gleich durch diese der Form nach so⸗ 
gar uͤbertroffen wuͤrde, dennoch an jener allein ein un⸗ 
mittelbares Interesse zu nehmen, stimmt mit der gelaͤu⸗ 
terten und gruͤndlichen Denkungsart aller Menschen 
aͤberein, die ihr sittliches Gefuͤhl cultivirt haben. Wenn 
L3
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        166 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
ein Mann, der Geschmack genug hat uͤber Producte der 
schoͤnen Kunst mit der groͤßten Richtigkeit und Feinheit 
zu urtheilen, das Zimmer gern verlaͤßt, in welchem 
jene, die Eitelkeit und allenfalls gesellschaftliche Freuden 
unterhaltende, Schoͤnheiten anzutreffen sind, und sich 
zum Schoͤnen der Natur wendet, um hier gleichsam Wol⸗ 
lust fuͤr seinen Geist in einem Gedankengange zu finden, 
den er sich nie voͤllig entwickeln kann, so werden wir diese 
seine Wahl selber mit Hochachtung betrachten und in ihm 
eine schoͤne Seele voraussetzen auf die kein Kunstkenner 
und Liebhaber, um des Interesse willen, das er an seinen 
Gegenstaͤnden nimmt, Anspruch machen kann. — Was 
ist nun der Unterschied der so verschiedenen Schaͤtzung 
zweyerley Objecte, die im Urtheile des bloßen Geschmacks 
einander kaum den Vorzug streitig machen wuͤrden 7 
Wir haben ein Vermoͤgen der blos aͤsthetischen Ur⸗ 
theilskraft, ohne Begriffe uͤber Formen zu urtheilen, 
und an der bloßen Beurtheilung derselben ein Wohlge⸗ 
fallen zu finden, welches wir zugleich jedermann zur Re⸗ 
gel machen, ohne daß dieses Urtheil sich auf einem In⸗ 
teresse gruͤndet, noch ein solches hervorbringt. — An⸗ 
dererseits haben wir auch ein Vermoͤgen einer intelle— 
ctuellen Urtheilskraft fuͤr bloße Formen practischer Ma⸗ 
ximen ( sofern sie sich zur allgemeinen Gesetzgebung von 
selbst qualificiren) ein Wohlgefallen a priori zu bestim⸗ 
men, welches wir jedermann zum Gesetze machen, ohne 
daß unser Urtheil sich auf irgend einem Interesse gruͤndet, 
3 
aher doch 
—V 
sheyte deser 
Da es 
deen (fuͤt 
hares Inte 
d.i.daßd 
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tine geseß 
vnserm he 
(welcheen 
ohne diese 
men: sor 
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tetese gehn 
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— 
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it und dethher 
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thange u — 
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lin huslim 
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cuen Ehiun 
— 
en wuͤden/ 
ibhetisten sr⸗ 
Iu urtheilen, 
ein Vohlge⸗ 
monn zur Ne⸗ 
—D — 
xingt. — Yp 
on eiher intel⸗ 
dtattisher No 
xsehgehung von 
pridri u hesit— 
ze mahen, hre 
preresy gruͤn 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 167 
aber doch ein solches hervorbringt. Die Lust oder 
Unlust im ersteren Urtheile heißt die des Geschmacks, die 
zweyte des moralischen Gefuͤhls. 
Da es aber die Vernunft auch interessirt, daß die 
Ideen (fuͤr die sie im moralischen Gefuͤhle ein unmittel⸗ 
bares Interesse bewirkt) auch objective Realitaͤt haben, 
d. i. daß die Natur wenigstens eine Spuhr zeige, oder 
einen Wink gebe, sie enthalte in sich irgend einen Grund 
eine gesetzmaͤßige Uebereinstimmung ihrer Producte zu 
unserm von allem Interesse unabhaͤngigen Wohlgefallen 
(welches wir a priori fuͤr jedermann als Gesetz erkennen, 
ohne dieses auf Beweisen gruͤnden zu koͤnnen) anzuneh⸗ 
men: so muß die Vernuxft an jeder Aeußerung der Na⸗ 
tur von einer dieser aͤhnlichen Uebereinstiuamung ein In⸗ 
teresse nehmen; folglich kann das Gemuͤth uͤber die 
Schoͤnheit der Natur nicht nachdenken, ohne sich da⸗ 
bey zugleich interessirt zu finden. Dieses Interesse aber 
ist der Verwandschaft nach moralisch und der, so es am 
Schoͤnen der Natur nimmt, kann es nur sofern an dem⸗ 
selben nehmen, als er vorher schon sein Interesse am 
Sittlichguten wohlgegruͤndet hat. Wen also die Schoͤn⸗ 
heit der Natur unmittelbar interessirt, bey dem hat man 
Ursache wenigstens eine Anlage zu guter moralischen Ge— 
sinnung zu vermuthen. 
Man wird sagen: diese Deutung aͤsthetischer Ur⸗ 
theile auf Verwandschaft mit dem moralischen Gefuͤhl 
sehe gar zu studirt aus, um sie fuͤr die wahre Auslegung 
24 
CIXV-
        <pb n="230" />
        2 
168 1J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
der Chiffernschrift zu halten, wodurch die Natur in ih⸗ 
ren schoͤnen Formen figuͤrlich zu uns spricht. Allein erst⸗ 
lich ist dieses unmittelbare Interesse am Schoͤnen der Na⸗ 
tur wirklich nicht gemein, sondern nur denen eigen, de⸗ 
ren Denkungsart entweder zum Guten schon ausgebildet 
ist, oder dieser Ausbildung vorzuͤglich empfaͤnglich ist 
und dann führt die Analogie zwischen dem reinen Ge— 
schmacksurtheile —XX . ohne von irgend einem In⸗ 
teresse abzuhaͤngen, ein Wohlgefallen fuͤhlen laͤßt, und 
es zugleich a priori als der Menschheit uͤberhaupt an staͤn⸗ 
dig vorstellt, mit dem moralischen Urtheile, welches eben 
dasselbe aus Begriffen thut, auch ohne deutliches, sub⸗ 
tiles und vorsetzliches Nachdenken, auf ein gleichmaͤßi⸗ 
ges unmittelbares Interesse an dem Gegenstande des er⸗ 
steren, so wie an dem des letzteren; nur daß jenes ein 
freyes, dieses ein auf objective Gesetze gegruͤndetes In⸗ 
teresse ist. Dazu kommt noch die Bewunderung der Na⸗ 
tur, die sich an ihren schoͤnen Producten als Kunst, nicht 
blos durch Zufall, sondern gleichsam absichtlich, nach 
gesetzmaͤßiger Anordnung und als Zweckmaͤßigkeit ohne 
Zweck zeigt, welchen letzteren, da wir ihn aͤußerlich 
mirgend antreffen, wir natuͤrlicher Weise in uns selbst 
und zwar demjenigen was den letzten Zweck unseres Da⸗ 
seyns ausmacht, naͤmlich der moralischen Bestimmung 
suchen (von welcher Nachfrage nach dem Grunde der 
Moglichkeit einer solchen Naturzweckmaͤßigkeit aber aller⸗ 
erst in der Teleologie die Rede seyn wird). 
4 
J1 
Msj. 
gen Hschn 
hun Int⸗ 
Ntur, ist 
wyeder eine 
Nuschan 
(dafuͤr g 
sichtlich 
Kunst;— 
Product 
gher kein 
Grunde 
nur durch 
kann. 
Fall se, 
—1 
—1 
htheit dus 
chen veyge 
honnt. ih 
v 
Died 
nit der se 
hetrofen 
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(in dihen 
pindunge 
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        heilt 
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s Wein eist 
in de No⸗ 
dihe — 
— 
1— 
Adn wimnh, 
igend tihemn p 
uͤhlen F 
— — 
eib, —D “ 
deutlichet „il 
en guitus 
sensunde de g— 
rr oeß ieneß in 
— 
erung der Na⸗ 
nunst nitht 
üchtich, hach 
woͤhicleit ohne 
sihn oͤrherlch 
se in uns sehl 
ed ynseres Ip 
* 
en Hestinunun 
em Etunddu 
ygkeit gher ale 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 169 
Daß das Wohlgefallen an der schoͤnen Kunst im rei⸗ 
nen Geschmacksurtheile nicht eben so mit einem unmittel⸗ 
baren Interesse verbunden ist, als das an der schoͤnen 
Natur ist auch leicht zu erklaͤren. Denn jene ist ent⸗ 
weder eine solche Nachahmung von dieser, die bis zur 
Taͤuschung geht und alsdenn thut sie die Wirkung als 
(dafuͤr gehaltene) Naturschoͤnheit; oder sie ist eine ab⸗ 
sichtlich auf unser Wohlgefallen sichtbarlich gerichtete 
Kunst; alsdenn aber wuͤrde das Wohlgefallen an diesem 
Producte zwar unmittelbar durch Geschmack statt finden, 
aber kein anderes als mittelbares Interesse an der zum 
Grunde liegenden Ursache, naͤmlich einer Kunst, welche 
nur durch ihren Zweck, niemals an sich selbst interessiren 
kann. Man wird vielleicht sagen, daß dieses auch der 
Fall sey, wenn ein Object der Natur durch seine Schoͤn⸗ 
heit nur sofern interessirt als ihr eine moralische Idee 
beygesellet wird: aber nicht dieses, sondern die Beschaf⸗ 
fenheit derselben an sich selbst, daß sie sich zu einer sol— 
chen Beygesellung qualificirt, die ihr also innerlich zu⸗— 
kommt, interessirt unmittelbar. 
Die Reize in der schoͤnen Natur, welche so haͤufig 
mit der schoͤnen Form gleichsam zusammenschmelzend an⸗ 
getroffen werden, sind entweder zu den Modificationen 
des Lichts (in der Farbengebung) oder des Schalles 
(in Toͤnen) gehoͤrig. Denn diese sind die einzigen Em⸗ 
pfindungen, welche nicht blos Sinnengefuͤhl, sondern 
auch Reflexion uͤber die Form dieser Modificationen der 
825
        <pb n="232" />
        170 L Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Sinne verstatten und so gleichsam eine Sprache, die die 
Natur zu uns fuͤhrt und die einen hoͤhern Sinn zu ha⸗ 
ben scheint, in sich enthalten. So scheint die weisse Farbe 
der Lilie das Gemuͤth zu Ideen der Unschuld und nach der 
Ordnung der sieben Farben, von der rothen an bis zur 
violetten, 1) zur Idee der Erhabenheit, 2) der Kuͤhn⸗ 
heit, 3) der Freymuͤthigkeit, 4) der Freundlichkeit 5) 
der Bescheidenheit, 60) der Standhaftigkeit und 7) der 
Zaͤrtlichkeit zu stimmen. Der Gesang der Voͤgel verkuͤn⸗ 
digt Froͤlichkeit und Zufriedenheit mit seiner Existenz. 
Wenigstens so deuten wir die Natur aus, es mag der⸗ 
gleichen ihre Absicht seyn oder nicht. Aber dieses In⸗ 
teresse, welches wir hier an Schoͤnheit nehmen, bedarf 
durchaus, daß es Schoͤnheit der Natur sey und es ver⸗ 
schwindet ganz sobald man bemerkt man sey getaͤuscht 
und es sey nur Kunst, sogar, daß auch der Geschmack 
alsdenn nichts Schoͤnes, oder das Gesicht etwas Rei⸗ 
zendes mehr daran finden kann. Was wird von Dich⸗ 
tern hoͤher gepriesen als der bezaubernd schoͤne Schlag 
der Nachtigall, in einsamen Gebuͤschen, an einem stillen 
Sommerabende, bey dem sanften Lichte des Mondes? 
Indessen hat man Beyspiele daß, wo kein solcher Saͤn⸗ 
ger angetroffen wird, irgend ein lustiger Wirth seine 
zum Genuß der Landluft bey ihm eingekehrten Gaͤste da⸗ 
durch zu ihrer groͤßten Zufriedenheit hintergangen hat, 
daß er einen muthwilligen Burschen, welcher diesen 
Schlag (mit Schilf oder Rohr im Munde) ganz der 
5 
—X 
verhath. 
— 
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—V— 
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Ande) gam dNr 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 171 
Natur aͤhnlich nachzumachen wußte, in einem Gebuͤsche 
verbarg. Sobald man aber inne wird, daß es Betrug 
sey, so wird niemand es lange aushalten diesem vorher 
fuͤr so reizend gehaltenen Gefange zuzuhoͤren; und so ist 
es mit jedem anderen Singvogel beschaffen. Es muß 
Natur seyn, oder von uns dafuͤr gehalten werden, da⸗ 
mit wir am Schoͤnen als einem solchen ein unmittelbares 
Interesse nehmen koͤnnen, noch mehr aber, wenn wir 
gar andern zumuthen duͤrfen, daß sie es darau nehmen 
sollten, —R That geschieht, indem wir die 
Denkungsart derer fuͤr grob und unedel halten, die kein 
Gefuͤhl fuͤr die schoͤne Natur haben (denn so nennen 
wir die Empfaͤnglichkeit eines Interesse an ihrer Betrach⸗ 
tung) und sich bey der Mahlzeit oder der Bouteille am 
Genusse bloßer Sinnesempfindungen halten. 
§. 43. 
Von der Kunst uͤberhaupt. 
1) Kunst wird von der Natur, wie Thun (fa- 
cere) vom Handeln, oder Wirken, uͤberhaupt (agere) 
und das Product, oder die Folge der erstern, als Werk 
(opus) von der letztern als Wirkung (effectus) un⸗ 
terschieden. 
Von rechtswegen sollte man nur die Hervorbrin⸗ 
gung durch Freyheit, d. i. durch eine Willkuͤhr, die ih⸗ 
ren Handlungen Vernunft zum Grunde legt, Kunst nen⸗ 
nen. Denn, ob man gleich das Product der Bienen
        <pb n="234" />
        172 1J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
(die regelmaͤßig gebauete Wachsscheiben) ein Kunstwerk 
zu nennen beliebt, so geschieht dieses doch nur wegen der 
Analogie mit der letzteren; sobald man sich naͤmlich be— 
sinnt, daß sie ihre Arbeit auf keine eigene Vernunftuͤber⸗ 
legung gruͤnden, so sagt man alsbald, es ist ein Product 
ihrer Natur (des Instincts) und als Kunst wird es nur 
ihrem Schoͤpfer zugeschrieben. at 
Wenn man bey Durchsuchung eines Moorbruches, 
wie es bisweilen geschehen ist, ein Stuͤck behauenes Holz 
antrift, so sagt man nicht, es ist ein Product der Na⸗ 
tur, sondern der Kunst; die hervorbringende Ursache 
derselben hat sich einen Zweck gedacht, dem dieses seine 
Form zu danken hat. Sonst sieht man wohl auch an 
allem eine Kunst, was so beschaffen ist, daß eine Vor— 
stellung desselben in ihrer Ursache vor ihrer Wirklichkeit 
vorhergegangen seyn muß (wie selbst bey Bienen), ohne 
daß doch die Wirkung von ihr eben gedacht seyn duͤrfe; 
wenn man aber etwas schlechthin ein Kunstwerk nennt, 
um es von einer Naturwirkung zu unterscheiden so ver⸗ 
steht man allemal darunter ein Werk der Menschen. 
2). Kunst als Geschicklichkeit des Menschen wird 
auch von der Wissenschaft unterschieden ( Koͤnnen 
vom Wissen), als practisches vom theoretischen Ver⸗ 
moͤgen, als Technik von der Theorie (wie die Feldmeß—⸗ 
kunst von der Geometrie). Und da wird auch das, was 
man kann, sobald man nur weiß, was gethan wer⸗ 
den soll und also nur die begehrte Wirkung genugsam 
— 
manco auch 
um zu machen 
gehot in so 
genau, wie d 
tr konnte ger 
J Wind 
den, die erst 
kunst heise 
als Spield. 
nehm ist, 
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lide der 
— 
—X 
inie is, den 
der dalente die 
uum Grunde 
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ihm etwa en 
keinem ky:! 
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— 
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heoretishen der 
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J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 173 
kennt, nicht eben Kunst genannt. Nur das, —WE— 
man es auch auf das vollstaͤndigste kennt, dennoch dar⸗ 
um zu machen noch nicht sofort die Geschicklichkeit hat, 
gehoͤrt in so weit zur Kunst. Camper beschreibt sehr 
genau, wie der beste Schuh beschaffen seyn muͤßte aber 
er konnte gewiß keinen machen *). J 
3) Wird auch Kunst vom Handwerke unterschie— 
den, die erste heißt frehe, die andere kann auch Eohn⸗ 
kunst heissen. Man sieht die erste so an, als ob sie nur 
als Spiel d. i. als Beschaͤftigung, die fuͤr sich selbst ange⸗ 
nehm ist, zweckmaͤßig ausfallen (gelingen) koͤnne , die 
zweyte so, daß sie als Arbeit, d. i Beschaͤftigung, die 
fuͤr sich selbst unangenehm (beschwerlich) und nur durch 
ihre Wirkung (z. B. den Lohn) anlockend ist, mithin 
zwangsmaͤßig auferlegt werden kann. Ob in der Rang⸗ 
liste der Zuͤnfte Uhrmacher fuͤr Kuͤnstler, dagegen 
Schmiede fuͤr Handwerker gelten sollen, das bedarf. ei⸗ 
nes andern Gesichtspuncts der Beurtheiluug, als der⸗ 
jenige ist, den wir hier nehmen, naͤmlich die Proportion 
der Talente die dem einen oder anderen dieser Geschaͤfte 
zum Grunde liegen muͤssen: Ob auch unter den soge⸗ 
) In meinen Gegenden sagt der gemeine Mann, wenn man 
ihm etwa eine solche Aufgabe vorlegt, wie Columbus mit 
seinem Ey: das ist keine Kunst, es ist nur eine Wissen⸗ 
schaft: d. i. wenn man es weiß, so kann man es, und 
eben dieses sagt er von allen vergeblichen Kuͤnsten des Ta— 
schenspielers. Die des Seiltaͤnzers dagegen wird er gar 
nicht in Abrede seyn Kunst zu nennen.
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        174 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
nannten sieben freyen Kuͤnsten nicht einige, die den 
Wissenschaften beyzuzaͤhlen, manche auch die mit Hand⸗ 
werken zu vergleichen sind, aufgefuͤhrt worden seyn moͤch⸗ 
ten, davon will ich hier richt reden. Daß aber in allen 
freyen Kuͤnsten dennoch etwas zwangsmaͤßiges, oder, wie 
man es nennt, ein Mechanismus erforderlich sey, 
ohne welchen der Geist, der in der Kunst frey! seyn 
muß und allein das Werk belebt; gar keinen Koͤrper ha⸗ 
ben und gaͤnzlich verdunsten wuͤrde, ist nicht unrathsam 
zu erinnern (z. B. in der Dichtkunst, die Sprachrichtig⸗ 
keit und Sprachreichthum, imgleichen die Prosodie und 
das Sylbenmaas) da manche neuere Erzieher eine freye 
Kunst am besten zu befoͤrdern glauben, wenn sie allen 
Zwang von ihr wegnehmen und sie aus Arbeit in bloßes 
Spiel verwandeln. 
§. 44. 
Von der schoͤnen Kunst. 
Es giebt weder eine Wissenschaft des Schoͤnen, son⸗ 
dern nur Critik, noch schoͤne Wissenschaft, sondern nur 
schoͤne Kunst. Denn was die erstere betrift, so wuͤrde 
in ihr wissenschaftlich „d. i. durch Beweisgruͤnde ausge⸗ 
macht werden sollen, ob etwas fuͤr schoͤn zu halten sey 
oder nicht; das Urtheil uͤber Schoͤnheit wuͤrde also, wenn 
es zur Wissenschaft gehoͤrte kein Geschmacksurtheil seyn. 
Was das zweyte anlangt, so ist eine Wissenschaft , die, 
als solche, schoͤn seyn soll, ein Unding. Denn, wenn 
32 
man in id 
— — 
hruͤhe Vo 
chen Jusdt 
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tihtig hew 
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fuͤr Class 
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—X 
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uͤnde alh hemn 
czurtheil — 
iseuschast, dMe, 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 175 
man in ihr als Wissenschaft nach Gruͤnden und Bewei⸗ 
sen fruͤge, so wuͤrde man uns durch geschmackvolle Aus⸗ 
spruͤche (Bon Mots) abfertigen. — Was den gewoͤhnli⸗ 
chen Ausdruck, schoͤne Wissenschaften veranlaßt 
hat, ist ohne Zweifel nichts anders, als daß man ganz 
richtig bemerkt hat es werde zur schoͤnen Kunst in ihrer 
ganzen Vollkommenheit viel Wissenschaft, als z. B. 
Kenntnis alter Sprachen, Belesenheit der Autoren, die 
fuͤr Classiker gelten Geschichte, Kennenis der Alterthuͤ⸗ 
mer u. s. w. erfodert und, um daher diese historische 
Wissenschaften weil sie zur schoͤnen Kunst die nothwendige 
Vorbereitung und Grundlage ausmachen, zum Theil 
auch weil darunter selbst die Kenntnis der Producte der 
schoͤnen Kunst GBeredsamkeit und Dichtkunst) begriffen 
worden, durch eine Wortverwechselung, selbst schoͤne 
Wissenschaften genannt hat. 
Wenn die Kunst, dem Erkenntnisse eines moͤg⸗ 
lichen Gegenstandes angemessen, blos ihn wirklich zu 
zu machen die dazu erforderliche Handlungen verrichtet, 
so ist fie mechanische, hat sie aber das Gefuͤhl der Lust 
zur unmittelbaren Absicht, so heißt sie aͤsthetische 
Kunst. Diese ist entweder angenehme oder schoͤne 
Kunst. Das erste ist sie, wenn der Zweck derselben ist; 
daß die Lust die Vorstellungen als bloße Empfindun— 
gen, das zweyte, daß sie dieselbe als Erkenntnisar⸗— 
ten begleite. 
5 
Nun, heht
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        176 1J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Angenehme Kuͤnste sind die welche blos zum Ge⸗ 
nusse abgezweckt werden, dergleichen alle die Reitze sind, 
welche die Gesellschaft an einer Tafel vergnuͤgen koͤnnen: 
als unterhaltend zu erzaͤhlen, die Gesellschaft in frey⸗ 
muͤthige und lebhafte Gespraͤchigkeit zu versetzen, durch 
Scherz und Lachen sie zu einem gewissen Tone der Lustig⸗ 
keit zu siimmen, wo, wie man sagt, manches ins Gelag 
hinein geschwatzt werden kann und niemand uͤber das, 
was er spricht, verantwortlich seyn will, weil es nur 
auf die augenblickliche Unterhaltung nicht auf einen blei⸗ 
benden Stoff zum Nachdenken oder Nachsagen angelegt 
ist. (Hiezu gehoͤrt denn auch die Art, wie der Tisch zum 
Genusse ausgeruͤstet ist, oder wohl gar bey großen Gela⸗ 
gen die Tafelmusik, ein wunderlich Ding, welches nur 
als ein angenehmes Geraͤusch die Stimmung der Ge⸗ 
muͤther zur Froͤhlichkeit unterhalten solleund ohne daß 
jemand auf die Composttion derselben die mindeste Auf— 
merksamkeit verwendet die freye Gespraͤchigkeit eines 
Nachbars mit dem andern beguͤnstigt.) Dazu gehoͤren 
ferner alle Spiele, die weiter kein Interesse bey sich fuͤh⸗ 
ren, als die Zeit unvermerkt verlaufen zu machen. 
Schoͤne Kunst dagegen ist eine Vorstellungsart, die 
fuͤr sich selbst zweckmaͤßig ist und obgleich ohne Zweck, 
dennoch die Cultur der Gemuͤthskraͤfte zur geselligen 
Mittheilung befoͤrdert. —J 
Die allgemeine Mittheilbarkeit einer Lust fuͤhrt es 
schon in ihrem Begriffe mit sich, daß diese nicht eine Lust 
des 
V 
des bennse 
seten seun 
huns eine 
hicht die Gi 
Schdne 
An e 
bewußt I 
doch muß 
allem zw⸗ 
oh es ein 
Geshle d 
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ruht dieen 
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Denn 
tur⸗oder 
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Amung der Go 
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dam gehoren 
se bey sih soh 
machen. 
relunghart, de 
cch 
ohne Ihet 
e zur geseiqet 
er duf sste 
—u 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 177 
des Genusses, aus bloßer Empfindung, sondern der Re⸗ 
flexion seyn muͤsse und so ist aͤsthetische Kunst, als schoͤne 
Kunst, eine solche, die die reflectirende Urtheilskraft und 
nicht die Sinnenempfindung zum Richtmaaße hat. 
K§. 45. 
Schoͤne Kunst ist eine Kunst so fern sie zugleich 
—R 
An einem Producte der schoͤnen Kunst muß man sich 
bewußt werden, daß es Kunst sey und nicht Natur, aber 
doch muß die Zweckmaͤßigkeit in der Form desselben von 
allem Zwange willkuͤhrlicher Regeln so frey scheinen, als 
ob es ein Product der bloßen Natur sey. Auf diesem 
Gefuͤhle der Freyheit im Spiele unserer Erkenntnisver⸗ 
moͤgen, welches doch zugleich zweckmaͤßig seyn muß ,be⸗ 
ruht diejenige Vast, welche allein allgemein mittheilbar 
ist, ohne sich doch auf Begriffe zu gruͤnden. Die Na— 
tur war schoͤn, wenn sie zugleich als Kunst aussahe und 
die Kunst kann nur schoͤn genannt werden, wenn wir 
uns bewußt sind, sie sey Kunst und sie uns doch als Na⸗ 
tur aussieht. 
Denn wir koͤnnen allgemein sagen, es mag die Ra— 
tur⸗ oder die Kunstschoͤnheit betreffen, schoͤn ist das, 
was in der bloßen Beurtheilung (nicht in der 
Sinnenempfindung noch durch einen Begrif) gefaͤllt. 
Nun hat Kunst jederzeit eine bestimmte Absicht etwas 
hervorzubringen. Wenn dieses aber bloße Empfindung 
Bants Crit.d. Urtheilskr. M—
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        173 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
lLetwas blos subjectives) waͤre, die mit Lust begleitet seyn 
sollte, so wuͤrde dies Product, in der Beurtheilung, nur 
vermittelst des Sinnengefuͤhls gefallen. Waͤre die Ab— 
sicht auf die Hervorbringung eines bestimmten Objects 
gerichtet, so wuͤrde, wenn sie durch die Kunst erreicht 
wird, das Object nur durch Begriffe gefallen. In bey⸗ 
den Faͤllen aber wuͤrde die Kunst nicht in der bloßen 
Beurtheilung d.i. nicht als schoͤne, sondern mechani⸗ 
sche Kunst gefallgen. 
Also muß die Zweckmaͤßigkeit im Producte der schoͤ— 
nen Kunst ob sie zwar absichtlich ist, doch nicht absichtlich 
scheinen, d. i. schoͤne Kunst muß als Natur anzusehen 
seyn; ob man sich ihrer zwar als Kunst bewußt ist. Als 
Natur aber erscheint ein Product der Kunst dadurch, daß 
zwar alle Puͤnctlichkeit in der Uebereinkunft mit Re⸗ 
geln, nach denen allein das Product das werden kann, 
was es seyn soll angetroffen wird, aber ohne Pein⸗ 
lichkeit, d. i. ohne eine Spuhr zu zeigen, daß die Re⸗ 
gel dem Kuͤnstler vor Augen geschwebt und seinen Ge⸗ 
muͤthskraͤften Fesseln angelegt habe. 
6. 46 
Schoͤne Kunst ist Kunst des Genie's. 
Genie ist das Talent (Naturgabe), welches der 
Kunst die Regel giebt. Da das Talent , als angebohr⸗ 
nes productives Vermoͤgen des Kuͤnstlers, selbst zur Na⸗ 
tur gehoͤrt, so koͤnnte man sich auch so ausdruͤcken: 
J. 
Ges 
durch he 
Vas 
waldnis 
degrise, 
hinden ge 
in dem f 
doch sche 
angenon 
Nothwer 
muoͤsen 
Nr 
deben Gr 
licß heis⸗ 
grif der 
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— 
de Uit, 
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delhn no 
Dann 
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— 
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is hegleite J 
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Hemes. 
— 
— 
zhs ur No— 
00 — 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 179 
Genie ist die angebohrne Gemuͤthsanlage (ingenium) 
durch welche die Natur der Kunst die Regel giebt. 
Was es auch mit dieser Definition fuͤr eine Be⸗ 
wandnis habe und ob ste blos willkuͤhrlich, oder dem 
Begriffe, welchen man mit dem Worte Genie zu ver⸗ 
binden gewohnt ist, angemessen sey, oder nicht (welches 
in dem folgenden g. eroͤrtert werden soll), so kann man 
doch schon zum Voraus beweisen, daß, nach der hier 
angenommenen Bedeutung des Worts, schoͤne Kuͤnste 
nothwendig als Kuͤnste des Genie's betrachtet werden 
muͤssen. 
Denn eine jede Kunst setzt Regeln voraus, durch 
deren Grundlegung allererst ein Product, wenn es kuͤnst⸗ 
lich heissen soll, als moͤglich vorgestellt wird. Der Be— 
griff der schoͤnen Kunst aber verstattet nicht, daß das 
Urtheil uͤber die Schoͤnheit ihres Products von irgend 
einer Regel abgeleitet werde, die einen Begrif zum Be⸗ 
stimmungsgrunde habe, mithin ohne einen Begrif von 
der Art, wie es moͤglich sey, zum Grunde zu legen. 
Also kann die schoͤne Kunst sich selbst nicht die Regel aus— 
denken, nach der sie ihr Product zu Stande bringen soll. 
Da nun gleichwohl ohne vorhergehende Regel ein Pro⸗ 
duct niemals Kunst heißen kann, so muß die Natur im 
Subjecte (und durch die Stimmung der Vermoͤgen dessel⸗ 
ben) der Kunst die Regel geben, d. i. die schoͤne Kunst ist 
nur als Product des Genie's moͤglich. 
M 2 
22
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        180 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Man sieht hieraus, daß Genie 1) Ein Talent sey, 
dasjenige, wozu sich keine bestimmte Regel geben laͤßt, 
hervorzubringen, nicht Geschicklichkeitsanlage zu dem, 
was nach irgend einer Regel gelernt werden kann, folg⸗ 
lich daß Originalitaͤt seine erste Eigenschaft seyn muͤsse. 
2) Daß, da es auch originalen Unsinn geben kann, seine 
Producte zugleich, Muster d. i. exemplarisch seyn muͤssen, 
mithin selbst nicht durch Nachahmung entsprungen, an⸗ 
deren doch dazu, d. i. zum Richtmaaße oder Regel der 
Beurtheilung dienen muͤssen: 3) daß es, wie es sein 
Product zu Stande bringe selbst nicht wissenschaftlich an⸗ 
zeigen koͤnne, sondern daß es als Natur die Regel ge⸗ 
be, und daher der Urheber eines Products, welches er 
seinem Genie verdankt, selbst nicht weiß, wie sich in ihm 
die Ideen dazu herbey finden, auch es nicht in seiner Ge⸗ 
walt hat, dergleichen nach Belieben oder planmaͤßig aus⸗ 
zudenken und anderen in Vorschriften mitzutheilen, die sie 
in den Stand setzen, gleichmaͤßige Producte hervorzubrin⸗ 
hen (daher denn auch vermuthlich das Wort Genie von 
genius, dem eigenthuͤmlichen einem Menschen bey der 
Geburt mitgegebenen schuͤtzenden und leitenden Geist, 
von dessen Eingebung jene originale Ideen herruͤhreten, 
abgeleitet isth. H Daß die Natur durch das Genie nicht 
der Wissenschaft, sondern der Kunst die Regel vvr⸗ 
schreibe und dieses auch nur so fern sie schoͤne Kunst 
seyn soll. 
Flläu 
Doriw 
ghmunq. 
nyn derne 
Faͤhigkeit 
nicht fuͤr 
denkt ode 
ben auff⸗ 
— 
Grunde 
Gegensah 
blos lerper 
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belnet her 
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        — 
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ich, helhhe— 
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annoßi aus⸗ 
helen, diest 
ervotzuhrin⸗ 
At Getie don 
uschen bey de 
äitenden Ceis 
mn herruhrur, 
uos Genie hiht 
—D 
s' 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft, 181 
8. 47. 
Erlaͤuterung und Bestaͤtigung obiger 
Erklaͤrung vom Genie. 
Darinn ist jedermann einig, daß Genie dem Nach⸗ 
ahmungsgeiste gaͤnzlich entgegen zu setzen sey. Da 
nun Lernen nichts als Nachahmen ist, so kann die groͤßte 
Faͤhigkeit, Gelehrigkeit (Capacitaͤt) als Gelehrigkeit doch 
nicht fuͤr Genie gelteu. Wenn man aber auch selbst 
denkt oder dichtet und nicht blos was andere gedacht ha⸗ 
ben auffaßt, ja sogar fuͤr Kunst und Wissenschaft man⸗ 
ches erfindet, so ist doch dieses auch noch nicht der rechte 
Grund um einen solchen (oftmals großen) Kopf Gim 
Gegensatze mit dem, der, weil er niemals was mehr als 
blos lernen und nachahmen kann, ein Pinsel heißt) ein 
Genie zu nennen: weil eben das auch haͤtte koͤnnen 
gelernet werden, also doch auf dem natuͤrlichen Wege 
des Forschens und Nachdenkens nach Regeln liegt und 
von dem, was durch Fleis vermittelst der Nachahmung 
erworben werden kann, nicht specifisch unterschieden ist. 
So kann man alles was Newton in seinem unsterblichen 
Werke der Principien der Naturphilosophie , so ein gro⸗ 
ßer Kopf auch erforderlich war dergleichen zu erfinden, 
gar wohl lernen, aber man kann nicht geistreich dichten 
lernen, so ausfuͤhrlich auch alle Vorschriften fuͤr die 
Dichtkunst und so vortreflich auch die Muster derselben 
seyn moͤgen. Die Ursache ist, daß Newton alle seine 
M3
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        132 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Schritte die er von den ersten Elementen der Geometrie 
an, bis zu seinen großen und tiefen Erfindungen zu thun 
hatte, nicht allein sich selbst, sondern jeden andern ganz 
anschaulich und zur Nachfolge bestimmt vormachen 
koͤnnte, kein Homer aber oder Wieland anzeigen kann, 
wie sich seine phantasiereiche und doch zugleich gedanken⸗ 
volle Ideen in seinem Kopfe hervor und zusammen fin— 
den „ darum weil er es selbst nicht weiß und es also auch 
keinen andern lehren kann. Im Wissentschaftlichen also 
ist der groͤßte Erfinder vom muͤhseligsten Nachahmer und 
Lehrlinge nur dem Grade nach, dagegen von dem , den 
die Natur fuͤr die schoͤne Kunst begabt hat, specifisch un⸗ 
terschieden. Indessen liegt hierin keine Herabsetzung 
iener großen Maͤnner, denen das menschliche Geschlecht 
so viel zu verdanken hat, gegen die Guͤnstlinge der Na⸗ 
tur in Ansehung ihres Talents fuͤr die schoͤne Kunst. 
Eben darinn, daß jener ihr Talent zur immer fortschrei⸗ 
tenden groͤßeren Vollkommenheit in Erkenntnissen und 
alles Nutzens, der davon abhaͤngig ist, imgleichen zur 
Belehrung anderer in eben denselben Kenntnissen ge⸗ 
macht ist, besteht ein großer Vorzug derselben vor de— 
nen, welche die Ehre verdienen, Genie's zu heissen, weil 
fuͤr diese die Kunst irgend wo still steht, indem ihr eine 
Grenze gesetzt ist, uͤber die sie nicht weiter gehen kann, 
die vermuthlich auch schon seit lange her erreicht ist und 
nicht mehr erweitert werden kann und uͤberdem eine 
solche Geschicklichkeit sich auch nicht mittheilen laͤßt, son⸗ 
J. 
7 
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abn lißt, hp 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 183 
dern jedem unmittelbar von der Hand der Natur ertheilt 
seyn will, mit ihm also stirbt, bis die Natur einmal 
einen andern wiederum eben so begabt ,der nichts weiter 
als eines Beyspiels bedarf, um das Talent, dessen er 
sich bewußt ist, auf aͤhnliche Art wirken zu lassen. 
Da die Naturgabe der Kunst (als schoͤnen Kunst) 
die Regel geben muß, welcherley Art ist denn diese Re⸗ 
gel? Sie kann in keiner Formel abgefaßt zur Vorschrift 
dienen, denn sonst wuͤrde das Urtheil uͤber das Schoͤne 
nach Begriffen bestimmbar seyn, sondern die Regel muß 
von der That d. i. vom Product abstrahirt werden, an 
welchem andere ihr eigenes Talent pruͤfen moͤgen ,um 
sich jenes zum Muster, nicht der Nachmachung, sondern 
der Nachahmung, dienen zu lassen. Wie dieses moͤglich 
sey, ist schwer zu erklaͤren. Die Ideen des Kuͤnstlers er⸗ 
regen aͤhnliche Ideen seines Lehrlings, wenn ihn die Na⸗ 
tur mit einer aͤhnlichen Proportion der Gemuͤthskraͤfte 
versehen hat. Die Muster der schoͤnen Kunst sind daher 
die einzige Leitungsmittel diese auf die Nachkommen⸗ 
schaft zu bringen, welches durch bloße Beschreibungen 
nicht geschehen koͤnnte (vornehmlich nicht im Fache der 
redenden Kuͤnste) und auch in diesen koͤnnen nur die in 
alten, todten und jetzt nur als gelehrte aufbehaltenen 
Sprachen classisch werden. 
Ob zwar mechanische und schoͤne Kunst, die erste 
als bloße Kunst des Fleißes und der Erlernung, die 
zweyte als die des Genie's, sehr von einander unterschie⸗ 
M 4—
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        184 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
den sind, so giebt es doch keine schoͤne Kunst in welcher 
nicht etwas mechanisches „welches nach Regeln gefaßt 
uud befolgt werden kann, und also etwas Schulge⸗ 
rechtes die wesentliche Bedingung der Kunst ausmachte. 
Denn etwas muß dabey als Zweck gedacht werden, sonst 
kann man ihr Product gar keiner Kunst zuschreiben , es 
waͤre ein bloßes Product des Zufalls. Um aber einen 
Zweck ins Werk zu richten, dazu werden bestimmmte Re⸗ 
geln erfodert, von denen man sich nicht frey sprechen 
darf. Da nun die Originalitaͤt des Talents ein (aber 
nicht das einzige) wesentliches Stuͤck vom Character des 
Genie's ausmacht, so glauben seichte Koͤpfe, daß sie 
nicht besser zeigen koͤnnen, sie waͤren ausfbluͤhende Genie's, 
als wenn sie sich vom Schulzwange aller Regeln lossa⸗ 
gen und glauben man paradire besser auf einem kollerich— 
ten Pferde, als auf einem Schulpferde. Das Genie 
kann nur reichen Stoff zu Producten der schoͤnen Kunst 
hergeben, die Verarbeitung desselben und die Form 
erfordert ein durch die Schule gebildetes Talent, um 
einen Gebrauch davon zu machen, der vor der Urtheils⸗ 
kraft bestehen kann. Wenn aber jemand sogar in Sachen 
der sorgfaͤltigsten Vernunftuntersuchung wie ein Genie 
spricht und entscheidet, so ist es vollends laͤcherlich; man 
weiß nicht recht, ob man mehr —X Gaukler, der um 
sich so viel Dunst verbreitet, bey dem man nichts deutlich 
beurtheilen, aber desto mehr sich einbilden kann, oder 
mehr uͤber das Publicum lachen soll, welches sich treu⸗ 
— . 
—XbV 
der bistcht 
komme, wer 
ugeworfen 
ahgemesene 
Grundsoͤtz⸗ 
8 
Zur 
solther, w 
d. i der 
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hibfe, du s 
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whoͤnen huns 
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dolent, im 
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—HXHLRX 
wie ein benr 
—ILL 
Zaullet, duun 
— 
on luun, cde 
bchez aech trp⸗ 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 185 
herzig einbildet, daß sein Unvermoͤgen das Meisterstüͤck 
der Einsicht deutlich erkennen und fassen zu koͤnnen daher 
komme, weil ihm neue Wahrheiten in ganzen Massen 
zugeworfen werden, wogegen ihm das Detail (durch 
abgemessene Erklaͤrungen und schulgerechte Pruͤfung der 
Grundsaͤtze) nur Stuͤmperwerk zu seyn scheint. 
§. 48. 
Vom Verhaͤltnisse des Genie's zum 
Geschmack. 
Zur Beurtheilung schoͤner Gegenstaͤnde, als 
solcher, wird Geschmack, zur schoͤnen Kunst selbst aber 
d. i. der Hervorbringung solcher Gegenstände wird 
Genie erfodet. 
Wenn man das Genie als Talent zur schoͤnen Kunst 
betrachtet (welches die eigenthuͤmliche Bedeutung des 
Worts mit sich bringt) und es in dieser Absicht in die 
Vermoͤgen zergliedern will, die ein solches Talent aus—⸗ 
zumachen zusammen kommen muͤssen, so ist noͤthig zuvor 
den Unterschied zwischen der Naturschoͤnheit, deren Beur⸗ 
theilung nur Geschmack und der Kunstschoͤnheit, deren 
Moͤglichkeit (worauf in der Beurtheilung eines derglei⸗ 
chen Gegenstandes auch Ruͤcksicht genommmen iwerden 
muß) Genie erfodert, genau zu bestimmen. 
Eine Naturschoͤnheit ist ein schoͤnes Ding, die Kunst⸗ 
schoͤnheit ist eine schoͤne Vorstellung von einem 
V 
5
        <pb n="248" />
        186 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
. 0. Um eine Naturschoͤnheit als eine solche zu beurthei— 
len, brauche ich nicht vorher einen Begrif davon zu ha— 
ben, was der Gegenstand fuͤr ein Ding seyn solle d. i. 
ich habe nicht noͤthig, die materiale Zweckmaͤßigkeit 
(den Zweck) zu kennen, sondern die bloße Form ohne 
Kenntnis des Zwecks gefaͤllt in der Beurtheilung fuͤr sich 
selbst. Wenn aber der Gegenstand fuͤr ein Product der 
Kunst gegeben ist und als solches fuͤr schoͤn erklaͤrt wer— 
den soll, so muß, weil Kunst immer einen Zweck in der 
Ursache (und deren Causalitaͤt) voraussetzt, zuerst ein 
Begrif von dem zum Grunde gelegt werden was das 
Ding seyn soll und, da die Zusammenstimmung des 
Mannigfaltigen in einem Dinge, zu einer innern Be⸗ 
stimmung desselben als Zweck, die Vollkommenheit des 
Dinges ist, so wird in der Beurtheilung der Kunstschoͤn—⸗ 
heit zugleich die Vollkommenheit des Dinges in Anschlag 
gebracht werden muͤssen, wornach in der Beurtheilung 
einer Naturschoͤnheit (als einer solchen) gar nicht die 
Frage ist. — Zwar wird in der Beurtheilung vor⸗ 
nehmlich der belebten Gegenstaͤnde der Natur, z. B. des 
Menschen oder eines Pferdes, auch die objective Zweck⸗ 
maͤßigkeit gemeiniglich mit in Betracht gezogen um 
uͤber die Schoͤnheit derselben zu urtheilen, alsdenn ist 
aber auch das Urtheil nicht mehr rein -aͤsthetisch, d. i. 
bloßes Geschmacksurtheil. Die Natur wird nicht mehr 
beurtheilt wie sie als Kunst erscheint, sondern sofern sie 
wirklich (obzwar uͤbermenschliche) Kunst ist und das te— 
—I.d. 
heblhgishe 
—W 
qneinem so 
sagt bird: 
anders als 
weiblichen 
bloße For 
Gegenssor 
aͤsthetisch 
Die 
keit, daß 
aͤlig sey 
heiten, 
choͤn he⸗ 
den; gur 
maͤ hore 
solen ,Ni 
huͤnich s 
indesusr 
Enysndyr 
R Gehn 
stehen, v 
lung des 
des selhh 
den und 
werden. 
—D
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        llhe zu —D 
tdubon zu hy 
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ditnihhhr 
J doem X 
uhzlnn sus 
— —F J 
—F ttlist i 
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usht, zum 
eeden, but du 
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tet immen go 
onnenhet yi 
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u — — 
— 
sar hicht die 
äilung, dor— 
it 3. Y. des 
lectide dwed⸗ 
gezogen, um 
u. Abdenni 
ithetich, di 
ucd iht wesr 
drn ssen se 
Iund daßu 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 187 
leologische Urtheil dient dem aͤsthetischen zur Grundlage 
und Bedingung, worauf dieses Ruͤcksicht nehmen muß. 
In einem solchen Falle denkt man auch, wenn z. B. ge⸗ 
sagt wird: „das ist ein schoͤnes Weib“ in der That nichts 
anders als die Natur stellt in ihrer Gestalt die Zwecke im 
weiblichen Baue schoͤn vor; denn man muß noch uͤber die 
bloße Form auf einen Begrif hinaussehen, damit der 
Gegenstand auf solche Art durch ein logisch-bedingtes 
aͤsthetisches Urtheil gedacht werde. 
Die schoͤne Kunst zeigt darin eben ihre Vorzuͤglich⸗ 
keit, daß sie Dinge, die in der Natur haͤslich oder mis⸗ 
faͤllig seyn wuͤrden, schoͤn beschreibt. Die Furien, Krank— 
heiten Verwuͤstungen des Krieges u. d. gl. koͤnnen sehr 
schoͤn beschrieben, ja sogar im Gemaͤlde vorgestellt wer⸗ 
den; nur eine Art Haͤslichkeit kann nicht der Natur ge⸗ 
maͤs vorgestellt werden, ohne alles aͤsthetische Wohlge⸗ 
fallen, mithin der Kunstschoͤnheit zu Grunde zu richten, 
naͤmlich diejenige, welche Ekel erweckt. Denn, weil 
in dieser sonderbaren auf lauter Einbildung beruhenden 
Empfindung der Gegenstand gleichsam , als ob er sich 
zum Genusse aufdraͤnge, wider den wir doch mit Gewalt 
streben, vorgestellt wird, so wird die kuͤnstliche Vorstel— 
lung des Gegenstandes von der Natur dieses Gegenstan⸗ 
des selbst in unserer Empfindung nicht mehr unterschie⸗ 
den und jene kann alsdenn unmoͤglich fuͤr schoͤn gehalten 
werden. Auch hat die Bildhauerkunst, weil an ihren 
Producten die Kunst mit der Natur beynahe verwechselt
        <pb n="250" />
        188 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
wird, die unmittelbare Vorstellung haͤslicher Gegen⸗ 
staͤnde von ihren Bildungen ausgeschlossen und dafuͤr 
z. B. den Tod (in einem schoͤnen Genius), den Kriegs— 
muth (am Mars) durch eine Allegorie, oder Attribute, 
die sich gefaͤllig ausnehmen, mithin nur indirect vermit⸗ 
telst einer Auslegung der Vernunft und nicht fuͤr blos 
aͤsthetische Urtheilskraft vorzustellen erlaubt. 918 
So viel von der schoͤnen Vorstellung eines Gegen⸗ 
standes , die eigentlich nur die Form der Darstellung ei⸗ 
nes Begrifs ist, durch die dieser allgemein mitgetheilt 
wird. — Diese Form aber dem Producte der schoͤnen 
Kunst zu geben, dazu wird blos Geschmack erfordert, an 
welchem der Kuͤnstler, nachdem er ihn durch mancherley 
Beyspiele der Kunst, oder der Natur geuͤbt und berich⸗ 
tigt hat, sein Werk haͤlt und, nach manchen oft muͤh— 
samen Versuchen denselben zu befriedigen, diejenige Form 
findet die ihm Genuͤge thut, daher diese nicht gleichsam 
eine Sache der Eingebung, oder eines freyen Schwun⸗ 
ges der Gemuͤthskraͤfte, sondern einer langsamen und 
gar peinlichen Nachbesserung ist, um sie dem Gedanken 
angemessen und doch der Freyheit im Spiele derselben 
nicht nachtheilig werden zu lassen. 3 
Geschmack ist aber blos ein Beurtheilungs- nicht 
ein productives Vermoͤgen und, was ihm gemaͤs ist, ist 
darum eben nicht ein Werk der schoͤnen Kunst, es kann 
ein zur nuͤtzlichen und mechanischen Kunst, oder gar zur 
Wissenschaft gehoͤriges Product nach bestimmten Regeln 
126 
seyn, di gel 
den nuͤsn, 
if ut das 
geihsam de 
in gewissem 
einem bestir 
daß das 
lung, soo 
ohne doch 
X 
nen. zu 
sit eine 
an einem 
Gehie oh 
ohne Gen 
Von den 
Nan 
—R BC 
shöne hur 
bleich qp 
ledeln ud 
syn aheh 
ind Ordo⸗
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        thacun 
— — 
—EF und dash 
i den —D 
T— —D 
itditet dermit 
— 
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—— 
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ciht und hais⸗ 
ihen hh nß⸗ 
— dorm 
cht geichsan 
an Ehrun— 
idsamen und 
am Gedanten 
dele derselhen 
ellunge⸗ hih 
neenistis 
V — 
—VD 
auten Regel 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 189 
seyn, die gelernt werden koͤnnen und genau befolgt wer⸗ 
den muͤssen , die gefaͤllige Form aber, die man ihm giebt, 
ist nur das Vehikel der Mittheilung und eine Manier 
gleichsam des Vortrages, in Ansehung dessen man noch 
in gewissem Maaße frey ist, wenn er doch uͤbrigens an 
einem bestimmten Zweck gebunden ist. So verlangt man, 
daß das Tischgeraͤthe, oder auch eine moralische Abhand⸗ 
lung, sogar eine Predigt diese Form der schoͤnen Kunst, 
ohne doch gesucht zu scheinen, an sich haben muͤsse, man 
wird sie aber darum nicht Werke der schoͤnen Kunst nen⸗ 
nen. Zu der letzteren aber wird ein Gedicht, eine Mu⸗ 
sik, eine Bildergallerie u. d. gl. gezaͤhlt und da kann man 
an einem seynsollenden Werke der schoͤnen Kunst oftmals 
Genie ohne Geschmack, an einem andern Geschmack 
ohne Genie warnehmen. 
§9. 40. 
Von den Vermoͤgen des Gemuͤths, die das 
Genie ausmachen. — 
Man sagt von gewissen Producten, von welchen 
man erwartet, daß sie sich, zum Theil wenigstens, als 
schoͤne Kunst zeigen sollten: sie sind ohne Geist ; ob man 
gleich an ihnen, was den Geschmack betrift, nichts zu 
tadeln findet. Ein Gedicht kann recht nett und elegant 
seyn, aber es ist ohne Geist. Eine Geschichte ist genau 
und ordentlich, aber ohne Geist. Eine feyerliche Rede
        <pb n="252" />
        —8 
190 IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
ist gruͤndlich und zugleich zierlich, aber ohne Geist. Man⸗ 
che Conversation ist nicht ohne Unterhaltung, aber doch 
ohne Geist ; selbst von einem Frauenzimmer sagt man 
wohl, sie ist huͤbsch, gespraͤchig und artig, aber ohne 
Geist. Was ist das denn, was man hier unter Geist 
versteht? 
Geist in aͤsthetischer Bedentung, heißt das bele— 
bende Princip im Gemuͤthe. Dasijenige aber wodurch 
dieses Princip die Seele belebt, der Stoff, den es dazu 
anwendet, ist das, was die Gemuͤthskraͤfte zweckmaͤßig 
in Schwung versetzt, d. i. in ein solches Spiel, welches 
J— sich von selbst erhaͤlt und selbst die Kraͤfte dazu staͤrkt. 
Nun behaupte ich, dieses Princip sey nichts an— 
ders, als das Vermoͤgen der Darstellung aͤsthetischer 
Ideen; unter einer aͤsthetischen Idee aber verstehe ich 
diejenige Vorstellung der Einbildungskraft, die viel zu 
denken veranlaßt ohne daß ihr doch irgend ein bestimm⸗ 
ter Gedanke d. i. Begrif adaͤquat seyn kann, den folg⸗ 
lich keine Sprache voͤllig erreicht und verstaͤndlich machen 
kann. — Man sieht leicht, daß sie das Gegenstuͤck Pen⸗ 
dant) von einer Vernunftidee sey, welche umgekehrt 
ein Begrif ist, dem keine Anschauung (Vorstellung 
der —A seyn kann. 
Die Einbildungskraft (als productives Erkenntnis⸗ 
vermoͤgen) ist naͤmlich sehr maͤchtig in Schaffung gleich— 
sam einer andern Natur aus dem Stoffe, den ihr die 
wirkliche giebt. Wir unterhalten uns mit ihr, wo uns 
134 
die krfuhrune 
wohl um, zw 
cher doch auc 
Venunft hie 
—DX 
Natur auffo 
der Asotiat 
neb Vemt 
vonderN 
zu etwas 
verarheitef 
Man 
dunqokraft 
sße zu etwa 
wenigsteng 
nunfthegriff 
uuhhn, welch 
ltit geht, 
isuen, al 
— T sehn 
den denun 
— 
—1 
der Eisehen 
loser, ingl 
Echranten 
— —
        <pb n="253" />
        urh lcth 
hhe bes qu 
urh, dher doh 
admer sogt un 
V —T 
sin minß Kf 
9 
d, hest T 
lige che vnn 
bf, den w 
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— welh/ 
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— ij 
Ob viel p 
ain hesiinm— 
n, den solg 
dlich machen 
denstͤct (Jen 
che umgekehtt 
Worstelung 
es krlenntni⸗ 
hafung geiy 
e, den ist die 
hb, zo hhe 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 191 
die Erfahrung zu alltaͤgig vorkommt, bilden diese auch 
wohl um, zwar noch immer nach analogischen Gesetzen, 
aber doch auch nach Principien, die hoͤher hinauf in der 
Vernunft liegen (und die uns eben sowohl natuͤrlich 
sind, als die, nach welcher der Verstand die empirische 
Natur auffaßt), wobey wir unsere Freyheit vom Gesetze 
der Association (welches dem empirischen Gebrauche je— 
nes Vermegens anhaͤngt) fuͤhlen, nach welchem uns 
von der Natur zwar Stoff geliehen, der von uns aber 
zu etwas ganz anderem und was die Natur uͤbertrift, 
verarbeitet werden kann. 
Man kann dergleichen Vorstellungen der Einbil⸗ 
dungskraft Ideen nennen, eines Theils darum, weil 
sie zu etwas uͤber die Erfahrungsgrenze hinaus liegenden 
wenigstens streben und so einer Darstellung der Ver⸗ 
nunftbegriffe (der intellectuellen Ideen) nahe zu kommen 
suchen, welches ihnen den Anschein einer objectiven Rea⸗ 
litaͤt giebt, andrerseits, und zwar hauptsaͤchlich, weil 
ihnen, als inneren Anschauungen, kein Begrif voͤllig 
adaͤquat seyn kann. Der Dichter wagt es, Vernunft—⸗ 
—X von unsichtbaren Wesen, das Reich der Seeligen, 
das Hoͤllenreich, die Ewigkeit, die Schoͤpfung u. d. gl. 
zu versinnlichen, oder auch das, was zwar Beyspiele in 
der Erfahrung findet, 3. B. den Tod, den Neid und alle 
Laster, imgleichen die Liebe, den Ruhm u. d. gl. uͤber die 
Schranken der Erfahrung hinaus vermittelst einer Ein— 
bildungskraft , die dem Vernunft-Vorspiele in Errei⸗
        <pb n="254" />
        192 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
chung eines Groͤßten nacheifert, in einer Vollstaͤndigkeit 
sinnlich zu machen, fuͤr die sich in der Natur kein Bey⸗ 
spiel findet und es ist eigentlich die Dichtkunst, in wel⸗ 
cher sich das Vermoͤgen aͤsthetischer Ideen in seinem gan⸗ 
zen Maaße zeigen kann. Dieses Vermoͤgen aber fuͤr sich 
allein betrachtet ist eigentlich nur ein Talent (der Ein⸗ 
bildungskraftJ). 
Wenn nun einem Begriffe eine Vorstellung der Ein⸗ 
bildungskraft untergelegt wird, die zu seiner Darstellung 
gehoͤrt, aber fuͤr sich allein so viel zu denken veranlaßt, 
als sich niemals in einem bestimmten Begrif zusammen⸗ 
fassen laͤßt, mithin den Begrif selbst auf unbegrenzte 
Art aͤsthetisch erweitert, so ist die Einbildungskraft hie— 
bey schoͤpferisch und bringt das Vermoͤgen intellectueller 
Ideen (die Vernunft) in Bewegung, mehr bey Veran⸗ 
lassung einer Vorstellung zu denken,. was zwar zu dem 
Begriffe des Gegenstandes gehoͤrt) als in ihr —X 
und deutlich gedacht werden kann. 
Man nennt diejenige Formen, welche nicht die Dar⸗ 
stellung eines gegebenen Begrifs selber ausmachen, son⸗ 
dern nur, als Nebenvorstellungen der Einbildungskraft, 
die damit verknuͤpfte Folgen und die Verwandschaft des⸗ 
selben mit andern ausdruͤcken, Attribute cCaͤsthetische) 
eines Gegenstandes , dessen Begrif, als Vernunftidee, 
nicht adaͤquat dargestellt werden kann. So ist der Adler 
des Jupiters, mit dem Blitze in den Klauen, ein Attri⸗ 
but des maͤchtigen Himmelskoͤniges und der Pfau der 
praͤchtigen 
W 
praͤchtiten He 
logtshe At 
bon der Erhal 
— 
Mlas gieht, 
ßelungen 
man in ein 
cden kannn 
Vernunftid 
aber um de 
sicht in eit 
erosnet. 7 
in det No 
der Amihr 
— 
Vrhehett 
lun de be 
—T hehen 
— mehr 
dehn, als 
— e 
—X 
—T einsh 
Win 
bo ausdruͤct 
weichen und 
bet nih 
dan Chit ·
        <pb n="255" />
        — 
det dohin 
x atur —T 
T —TF 
deen in sühem sup 
erwoͤen —V is 
in Ahent (duhy 
— —F 
hseitrr Dustln 
denhen — 
deqrif zusanm— 
auf — 
Ahunheltut se 
hen — — 
wehr hey Nnn⸗ 
Bwar u dem 
ist aufhefaßt 
ticht die dor⸗ 
Wrachen, sot⸗ 
inbildungekraft 
X de 
ute (ashenth 
— 
—Al 
quen, ein Utt 
der Nfande 
woͤchtigel 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 193 
praͤchtigen Himmelskoͤnigin. Sie stellen nicht, wie die 
logische Attribute, das was in unsern Begriffen 
von der Erhabenheit und Majestaͤt der Schoͤpfung liegt, 
sondern etwas anderes vor, was der Einbildungskraft 
Anlas giebt, sich uͤber eine Menge von verwandten Vor⸗ 
stellungen zu verbreiten, die mehr denken lassen, als 
man in einen durch Worte bestimmten Begrif ausdruͤ⸗ 
cken kann und geben eine aͤsthetische Idee, die jener 
Vernunftidee statt logischer Darstellung dient, eigentlich 
aber um das Gemuͤth zu beleben, indem sie ihm die Aus⸗ 
sicht in ein unabsehliches Feld verwandter Vorstellungen 
eroͤfnet. Die schoͤne Kunst aber thut dieses nicht allein 
in der Mahlerey oder Bildhauerkunst (wo der Nahme 
der Attribute gewoͤhnlich gebraucht wird), sondern die 
Dichtkunst und Beredsamkeit nehmen den Geist, der ihre 
Werke belebt, auch lediglich von den aͤsthetischen Attri— 
buten der Gegenstaͤnde her welche den logischen zur 
Seite gehen und der Einbildungskraft einen Schwung 
geben, mehr dabey, obzwar auf unentwickelte Art, zu 
denken, als sich in einem Begriffe, mithin in einem be⸗ 
stimmten Sprachausdrucke, zusammenfassen laͤßt. — 
Ich muß mich der Kuͤrze wegen nur auf wenige Bey⸗ 
spiele einschraͤnken. * 
Wenn der große Koͤnig sich in einem seiner Gedichte 
so ausdruͤckt: „laßt uns aus dem Leben ohne Murren 
weichen und ohne etwas zu bedauern „ indem wir die 
Welt noch alsdenn mit Wohlthaten uͤberhaͤuft zuruͤck⸗ 
—A MM
        <pb n="256" />
        194 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
lassen. So verbreitet die Sonne, nachdem sie ihren Ta— 
geslauf vollendet hat noch ein mildes Licht am Himmel 
und die letzte Strahlen, die sie in die Luͤfte schickt, sind 
ihre letzte Seufzer fuͤr das Wohl der Welt,“ so belebt er 
seine Vernunftidee „von weltbuͤrgerlicher Gesinnung 
noch am Ende des Lebens, durch ein Attribut, welches 
die Einbildungskraft (in der Erinnerung an alle An⸗ 
nehmlichkeiten eines vollbrachten schoͤnen Sommertages, 
die uns ein heiterer Abend ins Gemuͤth ruft) jener Vor⸗ 
stellung beygesellt und welches eine Menge von Empfin⸗ 
dungen und Nebenvorstellungen rege macht, fuͤr die sich 
kein Ausdruck findet. Andererseits kann sogar ein in⸗ 
tellectueller Begrif umgekehrt zum Attribut einer Vor—⸗ 
stellung der Sinne dienen und so diese letztern durch die 
Idee des Uebersinnlichen beleben, aber nur indem das 
Aestherische „was dem Bewußtseyn des letzteren subjectiv 
anhaͤnglich ist, hiezu gebraucht wird. So sagt z. B. ein 
gewisser Dichter in der Beschreibung eines schoͤnen Mor⸗ 
gens: „ die Sonne quoll hervor wie Ruh aus Tugend 
quillt.“ Das Bewußtseyn der Tugend, wenn man sich 
auch nur in Gedanken en die Stelle eines Tugendhaften 
versetzt, verbreitet im Gemuͤthe eine Menge erhabener 
und beruhigender Gefuͤhle und eine grenzenlose Aussicht 
in eine frohe Zukunft die kein Ausdruck, welcher einem 
bestimmten Begriffe angemessen ist voͤllig erreicht xX). 
»*) Vielleicht ist nie etwas Erhabeneres gesagt, oder ein Ge⸗ 
danke erhabener ausgedruͤckt worden, als in jener Aufschrif 
17h. 
Nit einen 
gegehenen Ve 
dungekraft, 
der deilbor 
—E 
fumten 
also viel s 
—X 
und mit! 
verbindet. 
Del 
—XL 
Kinhildune 
huduch de 
—T 
der veschn⸗ 
— 
— 
um degris 
—D ihe 
— 
hinclhet 
Und mes 
seyner 
— 
et in die 
heilhen— 
cher Auß
        <pb n="257" />
        chettn 
n se ihret d 
—D 
ir hich, sw 
un — 
ͤhr binm 
Iuhst ulhs 
Auhn — 
en —D 
uf jnn du— 
— 
cht, fur die j 
— 
dut einer —T 
ehteem duch de 
uun inden M 
leten suhsectih 
agt . B. ein 
chonen Mor—⸗ 
uug dugend 
venn mod sich 
Wugendhasten 
nde erhahener 
anldse Nueslst 
welchep eiten 
eret) 
t, he ent Ge⸗ 
gher Nsshtif 
L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 195 
Mit einem Worte, die aͤsthetische Idee ist eine einem 
gegebenen Begriffe beygesellete Vorstellung der Einbil⸗ 
dungskraft, welche mit einer solchen Mannigfaltigkeit 
der Theilvorstellungen in dem freyen Gebrauche derselben 
verbunden ist, daß fuͤr sie kein Ausdruck, der einen be—⸗ 
stimmten Begrif bezeichnet, gefunden werden kann, der 
also viel Unnennbares zu einem Begrifse hinzu denken 
laͤßt, davon das Gefuͤhl die Erkenntnisvermoͤgen belebt 
und mit der Sprache, als bloßem Buchstaben, Geist 
verbindet. 
Die Gemuͤthskraͤfte also, deren Vereinigung (in 
gewissem Verhaͤltnisse) das Genie ausmachen, sind 
Einbildungskraft und Verstand. Nur da im Ge—⸗ 
brauch der Einbildungskraft zum Erkenntnisse die Ein⸗ 
bildungskraft unter dem Zwange des Verstandes und 
der Beschraͤnkung unterworfen ist, dem Begriffe dessel— 
ben angemessen zu seyn, in aͤsthetischer Absicht aber die 
Einbildungskraft frey ist, um uͤber jene Einstimmung 
zum Begriffe noch ungesucht reichhaltigen unentwickel⸗ 
ten Stoff fuͤr den Verstand, worauf dieser in seinem Be⸗ 
uͤber dem Tempel der Isis, (der Mutter Natur): „Ich 
bin alles was da ist, was da war, und was da seyn wird, 
und meinen Schleyer hat kein Sterblicher aufgedeckt.““ 
Segner benutzte diese Idee, durch eine sinnreiche seiner 
Naturlehre vorgesetzte Vignette, um seinen Lehrling, den 
er in diesen Tempel zu fuͤhren hereit war, vorher mit dem 
heiligen Schauer zu erfuͤllen, der das Gemuͤth zu feyerli— 
cher Aufmerksamkeit stimmen soll. 
N
        <pb n="258" />
        196 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
griffe nicht Raͤcksicht nahm, zu liefern, welchen dieser 
aber, nicht sowohl objectiv zum Erkenntnisse, als sub⸗ 
jectiv zur Belebung der Erkenntniskraͤfte, indirect also 
doch auch zu Erkenntnissen anwendet: so besteht das 
Genie eigentlich in dem gluͤcklichen Verhaͤltnisse, welches 
keine Wissenschaft lehren und kein Fleis erlernen kann, 
zu einem gegebenen Begriffe Ideen aufzufinden und an⸗ 
andrerseits zu diesen den Ausdruck zu treffen, durch 
den die dadurch bewirkte subjective Gemuͤthsstimmung, 
als Begleitung eines Begrifs, anderen mitgetheilt wer⸗ 
den kann. Des letztern Talent ist eigentlich dasjenige, 
was man Geist nennt; denn das Unnennbare in dem Ge⸗ 
muͤthszustande bey einer gewissen Vorstellung auszudruͤ⸗ 
cken und allgemein mittheilbar zu machen, der Ausdruck 
mag nun in Sprache, oder Mahlerey, oder Plastik be⸗ 
stehen, das erfordert ein Vermoͤgen das schnell vor⸗ 
uͤbergehende Spiel der Einbildungskraft aufzufassen und 
in einen Begrif, (der eben darum original ist und zu⸗ 
gleich eine neue Regel eroͤfnet die aus keinen vorher⸗ 
gehenden Principien oder Beyspielen hat gefolgert wer— 
den koͤnnen) zu vereinigen, der sich ohne Zwang mit⸗ 
theilen lͤßfßft. 
Wenn wir nach diesen Zergliederungen auf die oben 
gegebene Erklaͤrung dessen, was man Genie nennt, 
zuruͤcksehen, so finden wir: erstlich, daß es ein Talent 
zur Kunst sey, nicht zur Wissenschaft, in welcher dent⸗ 
L8. 
lich getunnte 
dehselhen heh 
sunftalent 
ducte, als 
(wenn gleic 
dei. derxv 
mithin ein 
sande vore 
—X 
eines hest 
oder dem 
zu jener It 
bildungeht 
gRegeln, 
gegehenen 
ken dem 
— — 
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bottin und 
J — 
bder wechan 
die Natur 
Nach 
—T Origi 
— Get 
solhe Wess 
—D was
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        theichi 
dhelchen diest 
imnise, alz suh 
se, itdtett ald 
ta behest das 
huns, helhe⸗ 
— hun 
— 
in trefen T 
— — 
mitzetheit J 
Allich datn 
hare in den ho 
lung auszdn⸗ 
n, der Auchtuf 
—DVV — 
q schnel bot⸗ 
usassn und 
lis und zu⸗ 
aihen vorher⸗ 
pesolhert wer⸗ 
Wang mit 
en auf de chen 
Geyie wenn, 
ßeo ein dalnt 
wvellhex deut 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 197 
lich gekannte Regeln vorangehen und das Verfahren in 
derselben bestimmen muͤssen; zweytens, daß es als 
Kunsttalent „, einen bestimmten Begrif von dem Pro⸗ 
ducte, als Zweck, mithin Verstand, aber auch eine, 
(wenn gleich unbestimmte) Vorstellung, von dem Stoff, 
d. i. der Anschauung, zur Darstellung dieses Begrifs, 
mithin ein Verhaͤltnis der Einbildungskraft zum Ver⸗ 
stande voraussetze: daß es sich drittens nicht sowohl in 
der Ausfuͤhrung des vorgesetzten Zwecks in Darstellung 
eines bestimmten Begrifs als vielmehr im Vortrage, 
oder dem Ausdrucke aͤsthetischer Ideen zeige, welche 
zu jener Absicht reichen Stoff enthalten, mithin die Ein⸗ 
bildungskraft, in ihrer Freyheit von aller Anleitung der 
Regeln, dennoch als zweckmaͤßig zur Darstellung des 
gegebenen Begrifs vorstellig mache: daß endlich vier⸗ 
tens die ungesuchte unabsichtliche subjective Zweckmaͤs⸗ 
sigkeit in der freyen uebereinstimmung der Einbildungs⸗ 
ktaft zur Gesetzlichkeit des Verstandes eine solche Pro⸗ 
portion und Stimmung dieser Vermoͤgen voraussetze, 
als keine Befolgung von Regeln, es sey der Wissenschaft 
oder mechanischen Nachahmung, bewirken, sondern blos 
die Natur des Subiects hervorbringen kann. 
Nach diesen Voraussetzungen ist Genie: die muster⸗ 
hafte Originalitaͤt der Naturgabe eines Subjects im 
freyen Gebrauche seiner Erkenntnisvermoͤgen. Auf 
solche Weise ist das Product eines Genie's (nach demje⸗ 
nigen, was in demselben dem Genie, nicht der moͤglichen 
NR 3
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        198 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft 
Erlernung oder der Schule, zuzuschreiben ist) ein Bey⸗ 
spiel nicht der Nachahmung (denn da wuͤrde das, was 
daran Genie ist und den Geist des Werks ausmacht, 
weg fallen), sondern der Nachfolge fuͤr ein anderes Genie, 
welches dadurch zum Gefuͤhl seiner eigenen Originalitaͤt 
aufgeweckt wird, Zwangsf freyheit von Regeln so in der 
Kunst auszuuͤben, daß diese dadurch selbst eine neue Re⸗ 
gel bekommt, wodurch das Talent sich als musterhaft 
zeigt. Weil aber das Genie ein Guͤnstling der Natur ist, 
dergleichen man nur als seltene Erscheinung anzusehen 
hat, so bringt sein Beyspiel fuͤr andere gute Koͤpfe eine 
Schule hervor, d. i. eine methodische Unterweisung nach 
Regeln, soweit man sie aus jenen Geistesproducten und 
ihrer Eigenthuͤmlichkeit hat ziehen koͤnnen und fuͤr die ist 
die schoͤne Kunst sofern Nachahmung, der die Natur 
durch ein Genie die Regel gab. 
Aber diese Nachahmung wird Nachaͤffung, wenn 
der Schuͤler ales nachmacht, bis auf das, was das 
Genie als Misgestalt nur hat zulassen muͤssen, weil es 
sich, ohne die Idee zu schwaͤchen, nicht wohl wegschaffen 
ließ. Dieser Muth ist an einem Genie allein Verdienst 
und eine gewisse Kuͤhnheit im Ausdrucke und uͤber— 
haupt manche Abweichung von der gemeinen Regel steht 
demselben wohl an, ist aber keinesweges nachahmungs— 
wuͤrdig, sondern bleibt immer an sich ein Fehler, den 
man wegzuschaffen suchen muß, fuͤr dergleichen aber das 
Genie gleichsam privilegirt ist, da das Unnachahmliche 
14 
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hehen wuͤrd 
von Nachaͤß 
beit (Qig 
mern so we 
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—XD 
4Unhachahtulch 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 199 
seines Geistesschwunges durch aͤngstliche Behutsamkeit 
leiden wuͤrde. Das Manieriren ist eine andere Art 
von Nachaͤffung, naͤmlich der bloßen Eigenthuͤmlich⸗ 
keit (Originalitaͤt) uͤberhaupt, um sich ja von Nachah⸗ 
mern so weit als moͤglich zu entfernen, ohne doch das Ta⸗ 
lent zu besitzen, dabey zugleich musterhaft zu seyn. — 
Zwar giebt es zweyerley Art (modus) uͤberhaupt der Zu⸗ 
sammenstellung seiner Gedanken des Vortrages, deren 
die eine Manier (modus aestheticus) „die andere Me⸗ 
thode (modus logicus) heißt, die sich darin von einan⸗ 
der unterscheiden: daß die erstere kein anderes Richt⸗ 
maas hat, als das Gefuͤhl der Einheit in der Darstel⸗ 
lung, die andere aber hierin bestimmte Principien be⸗ 
folgt; fuͤr die schoͤne Kunst gilt also nur die erstere. Allein 
manierirt heißt ein Kunstproduct nur alsdann wenn 
der Vortrag seiner Idee in demselben auf die Sonder⸗ 
barkeit angelegt und nicht der Idee angemessen gemacht 
wird. Das Prangende (Precioͤse), das Geschrobene 
und Affectirte, um sich nur vom Gemeinen (aber ohne 
Geist) zu unterscheiden, sind dem Benehmen desjenigen 
aͤhnlich, von dem man sagt, daß er sich sprechen hoͤre, 
oder steht und geht, als ob er auf einer Buͤhne waͤre um 
angegafft zu werden, welches jederzeit einen Stuͤmper 
verraͤth. 
237 
FJ 
—
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        200 IL. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
§. 50. 
Von der Verbindung des Geschmacks mit 
Genie in Producten der schoͤnen Kunst. 
Wenn die Frage ist, woran in Sachen der schoͤnen 
Kunst mehr gelegen sey, ob daran daß sich an ihnen 
Genie, oder ob daß sich Geschmack zeige, so ist das eben 
so viel als wenn gefragt wuͤrde, ob es darin mehr auf 
Einbildung, als auf Urtheilskraft ankomme. Da 
nun eine Kunst in Ansehung des ersteren eher eine geist⸗ 
reiche, in Ansehung des zweyten aber allein eine schoͤne 
Kunst genannt zu werden verdient, so ist das letztere we⸗ 
nigstens als unumgaͤngliche Bedingung (conditio sine 
qua non) das vornehmste, worauf man in Beurtheilung 
der Kunst als schoͤne Kunst zu sehen hat. Reich und ori⸗ 
ginal an Ideen zu seyn bedarf es nicht so nothwendig 
zum Behuf der Schoͤnheit, aber wohl der Angemessen⸗ 
heit jener Einbildungskraft in ihrer Freyheit zu der Ge⸗ 
setzmaͤßigkeit des Verstandes. Denn aller Reichthum 
der ersteren bringt in ihrer gesetzlosen Freyheit nichts als 
Unsinn hervor; die Urtheilskraft ist aber das Vermoͤgen 
sie dem Verstande anzupassen. 
Der Geschmack ist, so wie die Urtheilskraft uͤber⸗ 
haupt, die Disciplin (oder Zucht) des Genie's, beschneidet 
diesem sehr die Flaͤgel und macht es gesittet oder geschlif⸗ 
fen zugleich aber giebt er diesem eine Leitung, woruber 
und bis wie weit er sich verbreiten soll, um zweckmaͤßig 
L7 
zu hleiben un 
—X 
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suls, der! 
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—X 
uung, vorhe 
heckwoß 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 201 
zu bleiben und, indem er Klarheit und Ordnung in die 
Gedankenfuͤlle hineinbringt, so macht er die Ideen halt⸗ 
bar, eines daurenden zugleich auch allgemeinen Bey⸗ 
falls, der Nachfolge anderer und einer immer fortschrei⸗ 
tenden Cultur faͤhig. Wenn also im Widerstreite beyder⸗ 
ley Eigenschaften an einem Producte etwas aufgeopfert 
—RX soll, so muͤßte es eher auf der Seite des Genie's 
geschehen und die Urtheilskraft, welche in Sachen der 
schoͤnen Kunst aus eigenen Principien den Ausspruch 
thut, wird eher der Freyheit und dem Reichthum der 
Einbildungskraft, als dem Verstande Abbruch zu thun, 
erlauben. 
Zur schoͤnen Kunst wuͤrden also Einbildungs— 
kraft, Verstand, Geist und Geschmack erfor⸗ 
—XWo 
§. 51. 
Von der Eintheilung der schoͤnen Kuͤnste. 
Man kann uͤberhaupt Schoͤnheit (sie mag Natur⸗ 
oder Kunstschoͤnheit seyn) den Ausdruck aͤsthetischer 
Ideen nennen: nur daß in der schoͤnen Kunst diese Idee 
) Die drey erstere Vermoͤgen bekommen durch das vierte 
allererst ihre Vereinigung. Hume giebt in seiner Ge⸗ 
schichte den Englaͤndern zu verstehen, daß, obzwar sie in 
ihren Werken keinem Volke in der Welt in Ausehung der 
Beweisthuͤmer der drey ersteren Eigenschaften, abgeson⸗ 
dert betrachtet, etwas nachgaͤben, sie doch in der, welche 
sie vereinigt, ihren Nachbaren, den Franzosen, nachstehen 
muͤßten. 
—J. 
5
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        202 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
durch einen Begrif vom Object veranlaßt werden muß, 
in der schoͤnen Natur aber die bloße Reflexion uͤber eine 
gegebene Anschauung, ohne Begrif von dem · was der 
Gegenstand seyn soll „ zur Erweckung und Mittheilung 
der Idee, von der jenes Object als der Ausdruck 
betrachtet wird hinreichend ist. 
Wenn wir also die schoͤne Kuͤnste eintheilen wollen: 
so koͤnnen wir, wenigstens zum Versuche, kein beque⸗ 
meres Princip dazu waͤhlen als die Analogie der Kunst 
mit der Art des Ausdrucks F dessen sich Menschen im 
Sprechen bedienen, um sich, so vollkommen als moͤglich 
ist, einander, d.i. nicht blos ihren Begriffen, sondern 
auch Empfindungen nach, mitzutheilen ). — Dieser be⸗ 
steht im Worte, der Gebehrdung und dem Tone 
(Articulation, Gesticulation und Modulation). Nur 
die Verbindung dieser drey Arten des Ausdrucks macht 
die vollstaͤndige Mittheilung des Sprechenden aus. 
Denn Gedanke, Anschauung und Empfindung werden 
dadurch zugleich und vereinigt auf den andern uͤbertragen. 
Es giebt also nur dreyerley Arten schoͤner Kuͤnste, 
die redende, die bildende Kunst und die des Spiels 
der Empfindungen (als aͤußerer Sinneneindruͤcke.) 
Man koͤnnte diese Eintheilung auch dichotomisch einrich⸗ 
*) Der Leser wird diesen Entwurf zu einer moͤglichen Einthei— 
theilung der schoͤnen Kuͤnste nicht als beabsichtigte Theorie 
beurtheilen. Es ist nur einer von den maucherley Versu— 
chen die man noch anstellen kann und soll. 
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delley Verss 
I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 203 
ten, so daß die schoͤne Kunst in die des Ausdrucks der 
Gedanken, oder der Anschauungen; diese wiederum 
blos nach ihrer Form oder Materie (der Empfindung) 
eingetheilt wuͤrde, allein sie wuͤrde alsdenn zu abstract 
und nicht so angemessen den gemeinen Begriffen aussehen. 
. Die redende Kuͤnste sind Beredsamkeit 
und Dichtkunst. Beredsamkeit ist die Kunst ein 
Geschaͤfte des Verstandes als ein freyes Spiel der 
Einbildungskraft zu betreiben: Dichtkunst ein freyes 
Spiel der Einbildungskraft als ein Geschaͤfte des Ver⸗ 
standes auszufuͤhren. 
Der Redner also kuͤndigt ein Geschaͤfte an und 
fuͤhrt es so aus, als ob es blos ein Spiel mit Ideen 
sey um die Zuhoͤrer zu unterhalten. Der Dichter 
kuͤndigt blos ein unterhaltendes Spiel mit Ideen an, 
und es kommt doch so viel fuͤr den Verstand heraus, 
als ob er blos dessen Geschaͤfte zu treiben die Absicht 
gehabt haͤtte. Die Verbindung und Harmonie bey—⸗ 
der Erkenntnisvermoͤgen, der Sinnlichkeit und des 
Verstandes, die einander zwar nicht entbehren * aber 
doch auch ohne Zwang und wechselseitigen Abbruch 
nicht wohl vereinigen lassen, muß unabsichtlich zu seyn, 
und sich von selbst so zu fuͤgen scheinen 9 sonst ist es 
nicht schoͤne Kunst. Daher alles Gesuchte und Pein⸗ 
liche darin vermieden werden muß; denn schoͤne Kunst 
muß in doppelter Bedeutung freye Kunst seyn; so 
wohl daß sie nicht als Lohngeschaͤfte, eine Arbeit sey,
        <pb n="266" />
        204 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
deren Groͤße sich nach einem bestimmnten Maasstabe 
beurtheilen, erzwingen oder bezahlen laͤßt, sondern auch 
daß das Gemuͤth sich zwar beschaͤftigt aber dabey 
doch, ohne auf einen andern Zweck hinauszusehen, 
(unabhaͤngig vom Lohne) befriedigt und erweckt fuͤhlt. 
Der Redner giebt also zwar etwas, was er nicht 
verspricht, naͤmlich ein unterhaltendes Spiel der Einbil⸗ 
dungskraft; aber er bricht auch dem etwas ab, was er 
verspricht, und was doch sein angekuͤndigtes Geschaͤfte 
ist, naͤmlich den Verstand zweckmaͤßig zu beschaͤftigen. 
Der Dichter dagegen verspricht wenig und kuͤndigt ein 
bloßes Spiel mit Ideen an, leistet aber etwas, was 
eines Geschaͤftes wuͤrdig ist, naͤmlich dem Verstande 
spielend Nahrung zu verschaffen und seinen Begriffen 
durch Einbildungskraft Leben zu geben. 
2) Die bilden de Kuͤnste, oder die des Aus⸗ 
drucks fuͤr Ideen in der Sinnenanschauung (nicht 
durch Vorstellungen der bloßen Einbildungskraft die 
durch Worte aufgeregt werden) sind entweder die der 
Sinnenwahrheit oder des Sinnenscheins. Die 
erste heißt die Plastick, die zweyte die Mahlerey. 
Beide machen Gestalten im Raume zum Ausdrucke fuͤr 
Ideen: jene macht Gestalten fuͤr zwey Sinne kennbar, 
dem Gesichte und Gefuͤhl (ob zwar den letzteren nicht in 
Absicht auf Schoͤnheit) diese nur fuͤr den erstern. Die 
aͤsthetische Idee (Archetypon, Urbild) liegt zu beyden in 
der Einbildungskraft zum Grunde, die Gestalt aber, die 
166 
den Medruchd 
wird entweder 
der begenstand 
diese sih im N 
Fuͤche) gegehe 
der die Vejiel 
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ren nicht in 
netn. Jie 
sehden in 
Jader, Re 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 205 
den Ausdruck derselben ausmacht, (Ectypon, Nachbild) 
wird entweder in ihrer koͤrperlichen Ausdehnung (wie 
der Gegenstand selbst existirt) oder nach der Art 1 wie 
diese sich im Auge mahlt (nach ihrer Apparenz in einer 
Flaͤche) gegeben: oder, wenn auch das erstere ist, entwe—⸗ 
der die Beziehung auf einen wirklichen Zweck „oder nur 
der Anschein desselben der Reflexion zur Bedingung 
gemacht. 
Zur Plastik, als der ersten Art schoͤner bildender 
Kuͤnste, gehoͤrt die Bildhauerkunst und Baukunst. 
Die erste ist diejenige, welche Begriffe von Dingen, so 
wie sie in der Natur existiren koͤnnten, koͤrperlich 
darstellt, —XRX schoͤne Kunst mit Ruͤcksicht auf aͤsthe⸗ 
tische Zweckmaͤßigkeit) die zweyte ist die Kunst, Be⸗ 
griffe von Dingen, die nur durch Kunst moͤglich sind 
und deren Form nicht die Natur, sondern einen willkuͤhr⸗ 
lichen Zweck zum Bestimmungsgrunde hat, zu dieser 
Absicht, doch auch zugleich aͤsthetisch- zweckmaͤßig, dar⸗ 
zustellen. Bey der letzteren ist ein gewisser Gebrauch 
des kuͤnstlichen Gegenstandes die Hauptsache, worauf 
als Bedingung, die aͤsthetischen Ideen eingeschraͤnkt wer⸗ 
den. Bey der ersteren ist der bloße Ausdruck aͤstheti⸗ 
scher Ideen die Hauptabsicht. So sind Bildsaͤulen von 
Menschen, Goͤttern, Thieren u. de g. von der erstern Art; 
aber Tempel, oder Prachtgebaͤude zum Behuf oͤffentlicher 
Versammlungen, oder auch Wohnungen Ehrenbogen, 
Saͤulen, Cenotaphien u. d. g. zum Ehrengedaͤchtnis er⸗
        <pb n="268" />
        206 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
richtet, zur Baukunst gehoͤrig, ja alles Hausgeraͤthe 
(die Arbeit des Tischlers u. d. g. Dinge zum Gebrauche) 
koͤnnen dazu gezaͤhlt werden; weil die Angemessenheit 
des Products zu einem gewissen Gebrauche das Wesent⸗ 
liche eines Bauwerks ausmacht „ dagegen ein bloßes 
Bildwerk, das lediglich zum Anschauen gemacht ist 
und fuͤr sich selbst gefallen soll, als koͤrperliche Darstel 
lung bloße Nachahmung der Natur ist, doch mit uͤck⸗ 
sicht auf aͤsthetische Ideen; wobey denn die Sinnen⸗ 
wahrheit nicht so weit gehen darf, daß es aufhoͤre als 
Kunst und Product der Willkuͤhr zu erscheinen. 
Die Mahlerkunst als die zweyte Art bildender 
Kuͤnste, welche den Sinnenschein kuͤnstlich mit Ideen 
verbunden darstellt, wuͤrde ich in die der schoͤnen Schil⸗ 
derung der Natur und in die der schoͤnen Zusammen⸗— 
menstellung ihrer Producte eintheilen. Die erste waͤre 
die eigentliche Mahlerey, die zweyte die Lustgaͤrt⸗ 
nerey. Denn die erste giebt nur den Schein der koͤr⸗ 
perlichen Ausdehnung: die zweyte zwar diese nach der 
Warheit, aber nur den Schein einer Benutzung und 
Gebrauchs zu anderen Zwecken, als blos fuͤr das Spiel 
der Einbildung in Beschauung ihrer Formen. *) Die 
) Daß die Lustgaͤrtnerey als eine Art von Mahlerkunst ba⸗ 
trachtet werden koͤnne, ob sie zwar ihre Formen koͤrperlich 
darstellt, scheint befremdlich; da sie aber ihre Formen wirt⸗ 
lich aus der Natur nimmt, (die Baͤume, Gestraͤuche, Graͤ— 
ser und Blumen aus Wald und Feld, wenigstens uranfaͤng— 
lich) und so kern nicht, etwa wie die Plastik, Kunst ist, auch 
18. 
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—XRäV 
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zeütuͤche, hiͤ 
— 
zunsih —L 
3 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 207 
letztere ist nichts anders als die Schmuͤckung des Bodens 
mit derselben Mannigfaltigkeit (Graͤsern, Blumen, 
Straͤuchen und Baͤumen, selbst Gewaͤssern, Huͤgeln 
und Thaͤlern) womit ihn die Natur dem Anschauen dar⸗ 
stellt, nur anders und angemessen gewissen Ideen, zu⸗ 
sammengestellt. Die schoͤne Zusammenstellung aber koͤr⸗ 
perlicher Dinge ist auch nur fuͤr das Auge gegeben , wie 
die Mahlerey und der Sinn des Gefuͤhls kann keine an⸗ 
schauliche Vorstellung von einer solchen Form verschaffen. 
Zu der Mahlerey im weiten Sinne wuͤrde ich noch die 
Verzierung der Zimmer durch Tapeten, Auffaͤtze und 
alles schoͤne Ameublement, welches blos zur Ansicht 
dient zaͤhlen, imgleichen die Kunst der Kleidung nach Ge⸗ 
schmack, Ringe und Dosen ꝛc.); denn ein Parterre von 
allerley Blumen, ein Zimmer mit allerley Zierrathen, 
selbst den Putz der Damen darunter begriffen) machen 
an einem Prachtfeste eine Art von Gemaͤhlde aus, wel⸗ 
keinen Begrif von dem Gegenstande und seinem Zwecke 
(wie etwa die Baukunst) zur Bedingung ihrer Zusammen— 
stellung hat, sondern blos das freye Spiel der Einbildungs— 
kraft in der Beschauung: so kommt sie mit der blos aͤstheti— 
schen Mahlerey, die kein bestimmtes Thema hat (Luft, Land 
und Wasser durch Licht und Schatten unterhaltend zusam⸗ 
men stellt) so fern uͤberein. — Ueberhaupt wird der Leser 
dieses nur als einen Versuch die Verbindung der schoͤnen 
Kuͤnste unter einem Prineip, welches diesmal das des Aus— 
drucks aͤsthetischer Ideen (nach der Analogie einer Sprache) 
seyn soll, beurtheilen, und nicht als fuͤr entschieden gehal— 
tene Ableitung derselben ansehen.
        <pb n="270" />
        208 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
ches, so wie die eigentlich sogenannten, (die nicht etwa 
Geschichte „oder Naturkenntnis zu lehren die Absicht 
haben) blos zum Ansehen da ist, und um die Einbil— 
dungskraft im freyen Spiele mit Ideen zu unterhalten, 
und ohne bestimmten Zweck die aͤsthetische Urtheilskraft 
beschaͤftigen. Das Machwerk an allem diesen Schmucke 
mag immer mechanisch sehr unterschieden seyn uud ganz 
verschiedene Kuͤnstler erfordern, so ist doch das Ge— 
schmacksurtheil uͤber das, was in dieser Kunst schoͤn ist, 
so fern auf einerley Art bestimmt naͤmlich nur die For⸗ 
men (ohne Ruͤcksicht auf einen Zweck) so, wie sie sich dem 
Auge darbieten, einzeln oder in ihrer Zusammensehung, 
nach der Wirkung, die sie auf die Einbildungskraft thun, 
zu beurtheilen. — Wie aber bildende Kunst zur Ge⸗ 
behrdung in einer Sprache (der Analogie nach) gezaͤhlt 
werden koͤnne, wird dadurch gerechtfertigt, daß der Geist 
des Kuͤnstlers durch diese Gestalten von dem was und 
wie er gedacht hat, einen koͤrperlichen Ausdruck giebt, 
und die Sache selbst gleichsam mimisch sprechen macht: 
ein sehr gewoͤhnliches Spiel unserer Phantasie welche 
leblosen. Dingen ihrer Form gemaͤs einen Geist unter⸗ 
legt, der aus ihnen spricht. 
3) Die Kunst des schoͤnen Spiels der 
Empfindun gen, (die von aussen erzeugt wer⸗ 
den) und das sich gleichwohl doch muß allgemein 
mittheilen lassen, kann nichts anders, als die Propor⸗ 
tion der verschiedenen Grade der Stimmung (Spannung) 
des 
13 
23 
heß Ginns, d 
don desehen 
Hdeutung de 
nit dem dor 
des Gesichts 
getheilt wer' 
wwey Sinne, 
hodiel dobor 
soͤnden verm 
einer hesonder 
sid, bon we 
bh se den &amp; 
habe und daß 
heln kann, 
Gehrauch zun 
licht mangell 
if dus heißt 
—RXR 
— 
vin kursed 
—X V 
hensih sͤhr 
bder in de 
unser Vern 
dueh —T 
hurhalm, 
bdenkt, bo 
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        hellzt rast 
de nicht —D 
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im die kinjh 
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s doch du be 
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dur des— 
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nnnenshun, 
mighefthhuh 
m ur h— 
— 
—D beis 
das und 
ruck gieht, 
A macht! 
it, welche 
zei unter⸗ 
els der 
euat wef⸗ 
Aaemeih 
— — 
athung) 
hßg 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 209 
des Sinns, dem die Empfindung angehoͤrt, d. i. den 
Ton desselben betreffen, und in dieser weitlaͤuftigen 
Bedentung des Worts kann sie in das kuͤnstliche Spiel 
mit dem Tone der Empfindung des Gehoͤrs und der 
des Gesichts, mithin in Mustk und Farbenkunst, ein— 
getheilt werden. — Es ist merkwuͤrdig: daß diese 
zwey Sinne, außer der Empfaͤnglichkeit fuͤr Eindruͤcke, 
so viel davon erforderlich ist, um von aͤußern Gegen⸗ 
staͤnden vermittelst ihrer Begriffe zu bekommen noch 
einer besonderen damit verbundenen Empfindung faͤhig 
sind, von welcher man nicht recht ausmachen kann, 
ob sie den Sinn, oder die Reflexion zum Grunde 
habe und daß diese Affectibilitaͤt doch bisweilen man⸗ 
geln kann, obgleich der Sinn uͤbrigens, was seinen 
Gebrauch zum Erkenntnis der Objecte betrift, gar 
nicht mangelhaft, sondern wohl gar vorzuͤglich fein 
ist; das heißt, man kann nicht mit Gewisheit sagen: 
ob eine Farbe oder ein Ton (Klang) blos angenehme 
Empfindungen, oder an sich schon ein schoͤnes Spiel 
von Empfindungen seyn und als ein solches ein Wohl⸗ 
gefallen an der Form in der aͤsthetischen Beurtheilung 
bey sich fuͤhren. Wenn man die Schnelligkeit der Licht⸗ 
oder in der zweyten Art, der Luftbebungen, die alles 
unser Vermoͤgen, die Proportion der Zeiteintheilung 
durch dieselbe unmittelbar bey der Warnehmung zu 
beurtheilen, wahrscheinlicherweise bey weitem uͤbertrift, 
bedenkt, so sollte man glauben, nur die Wirkung 
Kants Crit. d. Urtheilsk. 8
        <pb n="272" />
        210 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
dieser Zitterungen auf die elastische Theile unseres 
Koͤrpers werde empfunden, die Zeiteintheilung 
durch dieselbe aber nicht bemerkt und in Beurtheilung 
gezogen, mithin mit Farben und Toͤnen nur Annehm⸗ 
lichkeit, nicht Schoͤnheit ihrer Composition, verbun⸗ 
den. Bedenkt man aber dagegen erstlich: das Ma⸗ 
thematische, welches sich uͤber die Proportion dieser 
Schwingungen in der Musik und ihre Beurtheilung 
sagen laͤßt und beurtheilt die Farbenabstechung wie 
billig nach der Analogie mit der letztern; zweytens, 
zieht man die, ob zwar seltene Beyspiele von Men—⸗ 
schen, die mit dem besten Gesichte von der Welt nicht 
haben Farben und, mit dem schaͤrfsten Gehoͤr, nicht 
Toͤne unterscheiden koͤnnen , imgleichen fuͤr die, die 
dieses koͤnnen, die Warnehmung einer veraͤnderten 
Qualitaͤt (nicht blos des Grades der Empfindung) 
bey den verschiedenen Anspannungen auf der Farben⸗ 
oder Tonleiter, imgleichen daß die Zahl derselben fuͤr 
begreifliche Unterschiede bestimmt ist: so moͤchte man 
sich genoͤthigt sehen, die Empfindungen von beyden 
nicht als bloßen Sinneneindruck, sondern als die 
Wirkung einer Beurtheilung der Form im Spiele 
vieler Empfindungen anzusehen. Der Unterschied, den 
die eine oder die andere Meynung in der Beurthei⸗ 
lung des Grundes der Musik giebt wuͤrde aber nur 
die Definition dahin veraͤndern „daß sie entweder, 
wie wir gethan haben, sie fuͤr das schoͤne Spiel der 
384. 
npfindungen 
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fͤungart 
weyten aber 
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Von der 
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stelung, ih 
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        thelzyt 
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— 
e öhiel dyr 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 211 
Empfindungen (durchs Gehoͤr) oder angenehmer 
Empfindungen erklaͤrten. Nur nach der ersteren Er⸗ 
klaͤrungsart wird Musik gaͤnzlich als schoͤne, nach der 
zweyten aber als angenehme Kunst (wenigstens zum 
Theil) vorgestellt werden. 
§. 532. 
Von der Verbindung der schoͤnen Kuͤnste in 
einem und demselben Producte. 
Die Beredsamkeit kann mit einer mahlerischen Dar⸗ 
stellung, ihrer Subjecte sowohl, als Gegenstaͤnde, in 
einem Schauspiele, die Poesie mit Musik im Ge⸗ 
sange, dieser aber zugleich mit mahlerischer (theatrali⸗ 
scher) Darstellung in einer Opera, das Spiel der 
Empfindungen in einer Musik mit dem Spiele der Ge⸗ 
stalten im Tanz u. s. w. verbunden werden. Auch kann 
die Darstellung des Erhabenen, so fern sie zur schoͤnen 
Kuust gehoͤrt, in einem gereimten Trauerspiele, 
einem Lehrgedichte, einem Oratorium sich mit der 
Schoͤnheit vereinigen und in diesen Verbindungen ist die 
schoͤne Kunst noch kuͤnstlicher, ob aber auch schoͤner, (da 
sich so mannigfaltige verschiedene Arten des Wohlgefal⸗ 
lens einander durchkreutzen) kann in einigen dieser Faͤlle 
bezweifelt werden. Doch in aller schoͤnen Kunst besteht 
das Wesentliche in der Form , welche fuͤr die Beobach⸗ 
tung und Beurtheilung zweckmaͤßig ist, wo die Lust zu⸗ 
* gleich Cultur ist und den Geist zu Ideen stimmt, mithin 
O 2
        <pb n="274" />
        212 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
ihn mehrerer solcher Lust und Unterhaltung empfaͤnglich 
macht, nicht in der Materie der Empfindung (dem 
Reitze oder der Ruͤhrung), wo es blos auf Genuß ange⸗ 
legt ist, welcher nichts in der Idee zuruͤcklaͤßt, den Geist 
stumpf, den Gegenstand aneckelnd und vas Gemuͤth, 
durch das Bewustseyn seiner im Urtheile der Vernunft 
zweckwidrigen Stimmung, mit sich selbst unzufrieden und 
launisch macht. 
Wenn die schoͤne Kuͤnste nicht, nahe oder fern, mit 
moralischen Ideen in Verbindung gebracht werden, die 
allein ein selbststaͤndiges Wohlgefallen bey sich fuͤhren, so 
ist das letztere ihr endliches Schicksal. Sie dienen als 
denn nur zur Zerstreuung, deren man immer desto mehr 
beduͤrftig wird, als man sich ihrer bedient, um die Unzu⸗ 
friedenheit des Gemuͤths mit sich selbst dadurch zu ver⸗ 
treiben, daß man sich immer noch unnuͤtzlicher und mit 
sich selbst unzufriedener macht: Ueberhaupt sind die Schoͤn⸗ 
heiten der Natur zu der ersteren Absicht ain zutraͤglich⸗ 
sten, wenn man fruͤhe dazu gewohnt wird , sie zu beob⸗ 
achten, zu beurtheilen und zu bewundern. 
5. 53. 
Vergleichung des aͤsthetischen Werths der 
schoͤnen Kuͤnste untereinander 
Unter allen behauptet die Dichtkunst (die fast 
gaͤnzlich dem Genie ihren Ursprung verdankt und am 
wenigsten durch Vorschrift, oder durch Beyspiele geleitet 
L2h. &amp; 
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wuͤth dadurch, 
segt und innerl 
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bitkt, ohne 
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— 
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ikt und) am 
ele qeleitet 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 213 
seyn will) den obersten Rang. Sie erweitert das Ge⸗ 
muͤth dadurch, daß sie die Einbildungskraft in Freyheit 
setzt und innerhalb den Schranken eines gegebenen Be⸗ 
grifs, unter der unbegrenzten Mannigfaltigkeit moͤg⸗ 
licher damit zusammenstimmender Formen, diejenige 
darbietet, welche die Darstellung desselben mit einer Ge⸗ 
dankenfuͤlle verknůpft, der kein Sprachausdruck voͤllig 
adaͤquat ist und sich also aͤsthetisch zu Ideen erhebt. Sie 
staͤrkt das Gemuͤth, indem sie es sein freyes, selbstthaͤti⸗ 
ges und von der Naturbestimmung unabhaͤngiges Ver⸗ 
moͤgen fuͤhlen laͤßt, die Natur, als Erscheinung, nach 
Ansichten zu betrachten und zu beurtheilen, die sie nicht 
von selbst, weder fuͤr den Sinn noch den Verstand in 
der Erfahrung darbietet und sie also zum Behuf und 
gleichsam zum Schema des uebersinnlichen zu gebrauchen. 
Sie spielt mit dem Schein , den sie nach Belieben be⸗ 
wirkt, ohne doch dadurch zu betruͤgen; denn sie erklaͤrt 
ihre Beschaͤftigung selbst fuͤr bloßes Spiel, welches 
gleichwohl vom Verstande und zu dessen Geschaͤfte zweck⸗ 
maͤßig gebraucht werden kann. —Die Beredsamkeit, 
so fern darunter die Kunst zu uͤberreden, d. i. durch den 
schoͤnen Schein zu hintergehen (als ars oratoria) und nicht 
bloße Wohlredenheit Eloquenz und Stysl) verstanden 
wird, ist eine Dialectik, die von der Dichtkunst nur so 
viel entlehnt, als noͤthig ist, die Gemuͤther vor der 
Beurtheilung fuͤr den Redner zu seinem Vortheil zu ge⸗ 
winnen und dieser die Freyheit zu benehmen, kann also 
83*
        <pb n="276" />
        214 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
weder fuͤr die Gerichtsschranken noch fuͤr die Canzeln 
angerathen werden. Denn wenn es um buͤrgerliche Ge⸗ 
setze, um das Recht einzelner Personen und um dauer⸗ 
hafte Belehrung und Bestimmung der Gemuͤther zur 
richtigen Kenntnis und gewissenhaften Beobachtung ih— 
rer Pflicht, zu thun ist, so ist es unter der Wuͤrde eines 
so wichtigen Geschaͤftes, auch nur eine Spuhr von Uep⸗ 
pigkeit des Witzes und der Einbildungskraft, noch mehr 
aber von der Kunst zu uͤberreden und zu seinem Vortheil 
einzunehmen, blicken zu lassen, welche, wenn sie gleich 
bisweilen zu an sich rechtmaͤßigen und lobenswuͤrdigen 
Absichten angewandt werden kann, doch dadurch ver— 
werflich wird, daß auf diese Art die Maximen und Ge⸗ 
sinnungen subjectiv verderbt werden, wenn gleich die 
That objectiv gesetzmaͤßig ist; indem es nicht genug ist 
das, was Recht ist, zu thun, sondern dieses auch aus 
dem Grunde, weil es allein Recht ist, auszuuͤben. Auch 
hat der bloße deutliche Begrif dieser Arten von mensch⸗ 
licher Angelegenheit ,mit einer lebhaften Darstellung in 
Beyspielen verbunden und ohne Verstos wieder die Re— 
geln des Wohllauts der Sprache oder der Wohlanstaͤn⸗ 
digkeit des Ausdrucks, fuͤr Ideen der Vernunft (die zu⸗ 
sammen die Wohlredenheit ausmachen) schon fuͤr sich 
hinreichenden Einflus auf menschliche Gemuͤther, ohne 
daß es noͤthig waͤre noch die Maschinen der Ueberredung 
hiebey anzulegen, welche, da sie eben so wohl auch zur 
Beschoͤnigung oder Verdeckung des Lasters und Irr⸗ 
—LM.e. 
thums gehrauc 
begen einer kuͤ 
bonnen. In d 
rihtig zu. G 
Kpiel mit de 
zach, einstim 
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gen Dine 
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—F Voͤde eih 
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nonft hie py 
—V 
ewuͤther, duhb 
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X 
rets un) In 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 215 
thums gebraucht werden koͤnnen, den geheimen Verdacht 
wegen einer kuͤnstlichen ueberlistung nicht ganz vertilgen 
koͤnnen. In der Dichtkunst geht alles ehrlich und auf⸗ 
richtig zu. Sie erklaͤrt sich: ein bloßes unterhaltendes 
Spiel mit der Einbildungskraft und zwar der Form 
nach, einstimmig mit Verstandesgesetzen treiben zu wol⸗ 
len und verlangt nicht den Verstand durch sinnliche Dar⸗ 
stellung zu uͤberschleichen und zu verstricken. *) 
H Ich muß gestehen: daß ein schoͤnes Gedicht mir immer ein 
reines Vergnuͤgen gemacht hat, austatt daß die Lesung der 
besten Rede eines roͤmischen Volks- oder jetzigen Parle— 
ments- oder Canzelredners jederzeit mit dem unangeneh⸗ 
men Gefuͤhl der Misbilligung einer hinterlistigen Kunst 
vermengt war, die die Menschen als Maschinen in wichti⸗ 
gen Dingen zu einem Urtheile zu bewegen versteht, welches 
im ruhigen Nachdenken alles Gewicht bey ihnen verlieren 
—V— 
gehoͤren zur schoͤnen Kunst; aber Rednerkunst (ars oratoria) 
ist, als Kunst sich OEr Schwaͤchen der Menschen zu seinen 
Absichten zu bedienen (diese moͤgen immer so gut gemeynt, 
oder auch wirklich gut seyn, als sie wollen) gar keiner Ach⸗ 
tung wuͤrdig. Auch erhob sie sich nur, so wohl in Athen 
als in Rom, zur hoͤchsten Stufe zu einer Zeit, da der Staat 
seinem Verderben zu eilte und wahre patriotische Denkungs— 
art erloschen war. Wer bey klarer Einsicht in Sachen die 
Sprache nach ihrem Reichthum und Reinigkeit in seiner 
Gewalt hat und, bey einer fruchtbaren zur Darstollung sei— 
ner Ideen tuͤchtigen Einbildungskraft lebhaften Herzensan⸗ 
theil am wahren Guten nimmt, ist der vir bonus dicendi 
peritus, der Redner ohne Kunst, aber voll Nachdruck, wie 
ihn Cicero haben will, ohne doch diesem Ideal selbst immer 
treu geblieben zu seoyg. 
O9 *
        <pb n="278" />
        216 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Nach der Dichtkunst wuͤrde ich, wenn es um den 
Reitz und Bewegung des Gemuͤths zu thun ist, 
biejenige, welche ihr unter den redenden am nachsen 
kommt und sich damit auch sehr natuͤrlich vereinigen laͤßt, 
naͤmlich die Tonkunst setzen. Denn, ob sie zwar durch 
lauter Empfindungen ohne Begriffe spricht — mithin 
nicht, wie die Poesie, etwas zum Nachdenken uͤbrig blei⸗ 
ben laͤßt, so bewegt sie doch das Gemuͤth mannigfaltiger 
und, obgleich blos vorubergehend, doch inniglicher, ist 
aber freylich mehr Genuß als Cultur (das Gebanken— 
spiel was nebenbey dadurch erregt wird, ist blos die 
Wirkung einer gleichsam mechanischen Association) und 
hat, durch Vernunft beurtheilt, weniger Werth, ais 
jede andere der schoͤnen Kuͤnste. Daher verlangt sie, 
wie jeder Genuß, oͤftern Wechsel und haͤlt die mehrma— 
lige Wiederholung nicht aus, ohne Ueberdruß zu erzeun— 
gen. Der Reitz derselben, der sichk so allgemein mitthei 
len laͤßt, scheint darauf zu beruhen? daß jeder Ausdruck 
der Sprache im Zusammenhange einen Ton hat, der 
dem Sinne desselben angemessen jst: daß dieser Ton 
mehr oder weniger einen Affect des Sprechenden bezeich— 
net und gegenseitig auch im Hoͤrenden hervorbringt, der 
denn in diesem uͤngekehrt auch die Idee erregt, die in 
der Sprache mit solchem Tone ausgedruͤckt wird und 
daß, so wie dis Modulation gleichsam eine allgemeine 
jedem Menschen verlaͤndliche Sprache der Empfindun— 
gen ist, die Zonkunst diese fuͤr sich allein in ihrem gan⸗ 
—XRVX 
yt Nachdruche 
hhe und so,n 
nit hatuͤrlicher 
wein mittheil 
— 
der Zusamm 
und Pelodie 
diene, verm 
felben (wel 
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doͤne zugle 
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kher Sqin! 
— 
hdermann 
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—1—
        <pb n="279" />
        helchh 
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Ahritst, de 
mest, dei 
— 
ne alhemen 
—— 
Ahten gp 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskrast. 217 
zen Nachdrucke, naͤmlich als Sprache der Affecten aus⸗ 
uͤbe und so, nach dem Gesetze der Association, die da⸗ 
mit natuͤrlicher Weise verbundene aͤsthetische Ideen allge— 
mein mittheile; daß aber, weil jene aͤsthetische Ideen 
keine Begriffe und bestimmte Gedanken sind, die Form 
der Zusammensetzung dieser Empfindungen (Harmonie 
und Melodie) nur, statt der Form einer Sprache dazu 
diene, vermittelst einer proportionirten Stimmung der⸗ 
selben (welche, weil sie bey Toͤnen auf dem Verhaͤltnis 
der Zahl der Luftbebungen in derselben Zeit, so fern die 
Coͤne zugleich oder auch nach einander verbunden wer— 
den, beruht, mathematisch unter gewisse Regeln gebracht 
werden kann) die aͤsthetische Idee eines zusammenhan⸗ 
genden Ganzen einer unnennbaren Gedankenfuͤlle: einem 
gewissen Thema gemaͤß, welches den in dem Stuͤcke 
herrschenden Affect ausmacht, auszudruͤcken. An dieser 
mathematischen Form, obgleich nicht durch bestimmte 
Begriffe vorgestellt, haͤngt allein das Wohlgefallen wel— 
ches die bloße Reflexion uͤber eine solche Menge einander 
begleitenden oder folgenden Empfindungen mit diesem 
Spiele derselben als fuͤr jedermann guͤltige Bedingung 
seiner Schoͤnheit verknuͤpft, und sie ist es allein nach 
welcher der Geschmack sich ein Recht uͤber das Urtheil von 
jedermann zum voraus auszusprechen anmaßen darf. 
Aber an dem Reitze und der Gemuͤthsbewegung, 
welche die Musik hervorbringt, hat die Mathematik 
ůcherlich nicht den mindesten Antheil; sondern sie ist nur 
95
        <pb n="280" />
        218 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
die unumgaͤngliche Bedingung (conditio sine qua non) 
derjenigen Proportion der Eindruͤcke, in ihrer Verbin— 
dung sowohl als ihrem Wechsel, dadurch es moͤglich 
wird sie zusammen zu fassen und zu verhindern, daß diese 
einander nicht zerstoͤhren, sondern zu einer continuirlichen 
Bewegung und Belebung des Gemuͤths durch damit con⸗ 
sonirende Affecten und hiemit zu einem behaglichen 
Selbstgenusse zusammenstimmen. 
. Wenn man dagegen den Werth der schoͤnen Kuͤnste 
—1 — nach der Cultur schaͤtzt, die sie dem Gemuͤth verschaffen 
und die Erweiterung der Vermoͤgen, welche in der Ur⸗ 
theilskraft zum Erkenntnisse zusammen kommen muͤssen, 
zum Maasstabe nimmt, so hat Musik unter den schoͤnen 
Kuͤnsten so —X unter denen, die 
zugleich nach ihrer Annehmlichkeit geschaͤtzt werden, 
vielleicht den obersten) Platz, weil sie blos mit Empfin⸗ 
dungen spielt. Die bildende Kuͤnste gehen ihr also in 
diesem Betracht weit vor, denn indem sie die Einbil⸗ 
dungskraft in ein freyes und doch zugleich dem Verstande 
angemessenes Spiel versetzen, so treiben sie zugleich ein 
Geschaͤfte, indem sie ein Product zu Stande bringen, 
welches den Verstandes⸗Begriffen zu einem dauerhaf—⸗ 
ten und fuͤr sich selbst sich empfehlenden Vehikel dient, 
die Vereinigung derselben mit der Sinnlichkeit und so 
gleichsam die Urbanitaͤt der obern Erkenntniskraͤfte zu 
befoͤrdern. Beyderley Art Kuͤnste nehmen einen ganz 
verschiedenen Gang: die erstere von Empfindungen zu 
Ld. C 
—LV 
ten Peen zu 
sühenden, 
kindrucke. J 
und sich dam 
shen entwed 
hon der Eir 
uns eher la 
Kuͤnsten wi 
theils weil 
denden zum 
die Region 
Anschauun 
den uͤhriger 
zwschen 
ilt ud dem, 
—1 
— 
— 
— 
ium heeihl 
Noshen m 
— — 
— 
hen ieleicht 
nwestend, 
Lohlzeahe—
        <pb n="281" />
        chelthius 
dsine qu uy 
hihrer Vahn— 
irch ko moͤgh s 
den, J dih 
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bdmit oh 
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Nnen ms 
uden soͤrer 
ar deren, de 
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yp 
dso in 
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wingen, 
auerhoß⸗ 
id dient, 
X 
—XRXD 
auen gam 
ungen 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 219 
uubestimmten Ideen, die zweyte Art aber von bestimm⸗ 
ten Ideen zu Empfindungen. Die letztere sind von 
bleibenden, die erstere nur von transitorischen 
Eindrucke. Die Einbildungskraft kann jene zuruͤckrufen 
und sich damit angenehm unterhalten, diese aber erloͤ⸗ 
schen entweder gaͤnzlich, oder X sie unwillkuͤhrlich 
von der Einbildungskraft wiederholt werden, sind sie 
uns eher laͤstig als angenehm. — Unter den bildenden 
Kuͤnsten wuͤrde ich der Mahlerey den Vorzug geben, 
theils weil sie, als Zeichnungskunst, allen uͤbrigen bil— 
denden zum Grunde liegt, theils, weil sie weit mehr in 
die Region der Ideen eindringen und auch das Feld der 
Anschauung, diesen gemaͤs mehr erweitern kann, als es 
den uͤbrigen verstattet ist. 
Anmerkung. 
Zwischen dem, was blos in der Beurtheilung ge⸗ 
faͤllt und dem, was vergnuͤgt (in der Empfindung gefaͤllt), 
ist, wie wir oft gezeigt haben, ein wesentlicher Unterschied. 
Das letzttere ist etwas, welches man nicht so, wie das erstere, 
jedermann ansinnen kann. Vergnuͤgen, (die Ursache dessel⸗ 
hen mag immerhin auch in Ideen liegen), scheint jederzeit in 
einem Gefuͤhl der Befoͤrderung des gesammten Lebens des 
Menschen, mithin auch des koͤrperlichen Wohlbefindens d. i. 
der Gesundheit, zu bestehen, so daß Epicur, der alles Ver— 
gnuͤgen im Grunde fuͤr koͤrperliche Empfindung ausgab, so 
fern vielleicht nicht Unrecht haben mag und sich nur selbst 
misverstand, wenn er das intellectuelle und selbst practische 
Wohlgefallen zu den Vergnuͤgen zaͤhlte. Wenn man den
        <pb n="282" />
        2260 JL. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
letztern Unterschied vor Augen hat, so kann man sich erklaͤ⸗ 
ren, wie ein Vergnuͤgen, dem, der es empfindet, selbst mis—⸗ 
fallen koͤnne (wie die Freude eines duͤrftigen aber wohlden⸗ 
kenden Menschen uͤber die Erbschaft von seinem ihn liebenden 
aber kargen Vater) oder wie ein tiefer Schmerz dem der ihn 
leidet doch gefallen koͤnne (die Traurigkeit einer Wittwe uͤber 
ihres verdienstvollen Mannes Tod) oder wie ein Vergnuͤgen 
oben ein noch gefallen koͤnne (wie das an Wissenschaften, die 
wir treiben) oder ein Schmerz (z. B. Haß, Neid und Rach⸗ 
gierde) uns —RW misfallen koͤnne, Das Wohlgefallen 
oder Misfallen beruht hier auf der Vernunft und ist mit der 
Billigung oder Misbilligung einerley; Vergnuͤgen und 
Schmerz aber koͤnnen nur auf dem Gefuͤhl oder der Aussicht 
eines, aus welchem Grunde es auch sey, auf ein moͤgliches 
Wohl⸗ oder Uebelbefinden beruhen. 
Alles wechselnde freye Spiel der Empfindungen (die 
keine. Absicht zum Grunde haben) vergnuͤgt; weil es das 
Gefuͤhl der Gesundheit befoͤrdert, wir moͤgen nun in der 
Vernunftbeurtheilung an seinem Gegenstande und selbst an 
diesem Vergnuͤgen ein Wohlgefallen haben oder nicht, und 
dieses Vergnuͤgen kann bis zum Affect steigen, ob gleich wir 
an dem Gegenstande selbst kein Interesse, wenigstens kein 
solches nehmen, was dem Grad des letztern proportionirt 
waͤre, Wir koͤnnen sie ins Gluͤcksspiel, Tonspiel und 
Gedankenspiel eintheilen. Das erste fordert ein Interesse 
es sey der Eitelkeit oder des Eigennutzes welches aber bey 
weitem nicht so gros ist, als das an der Art, wie wir es uns 
zu verschaffen suchen; das zweyte blos den Wechsel der 
Empfindungen, deren jede ihre Beziehung auf Affect, aber 
ohne den Grad eines Affects hat, und aͤsthetische Ideen rege 
macht; das dritte entspringt blos aus dem Wechsel der Vor⸗ 
stellungen, in der Urtheilskraft, wodurch zwar kein Gedan— 
J 4 C 
h der lryend 
hnit herd 
Vi vergnd 
nͤthig hoͤtte im 
krn ale unser 
shbemnahe ke 
nun, de dur 
dabey, indem 
dadurch, als 
im Koͤrper 
zrugte Nunt 
etwas gewon 
spiel ken she 
setzen. Ibet 
Arten des 6. 
desvorselun 
die hlos durc 
durch sie zen 
—— 
— erred 
durch ene jenet 
der knngeweide, 
bee, — 
hitt de den 
ktilen, die 
Vehe dient, 
hühr, der Af 
boeh mit einer 
— —— 
hu — — 
ben — auc 
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        <pb n="283" />
        F ij g tq J 
w nan sch eh 
ojindet „sehhs miß 
iph ther wohlden 
aum in lehendet 
ddam hn de isn 
temn Vitwe bbe 
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der het MWs 
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gn punn 3 
Und sehs q 
er nicht, und 
bh cleich wir 
enistens kein 
—XL 
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— 
wie wir z hhz 
n Vechelder 
uff Aßett, thet 
he Ideentigt 
dehel der dor 
d hin Gco 
J. Thz. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 221 
ke, der irgend ein Interesse bey sich fuͤhrete, erzeugt, das 
Gemuͤth aber doch belebt wird. 
Wie vergnuͤgend die Spiele seyn muͤssen, ohne daß man 
noͤthig haͤtte interessirte Absicht dabey zum Grunde zu legen, 
zeigen alle unsere Abendgesellschaften; denn ohne Spiel kann 
sich beynahe keine unterhalten. Aber die Affecten der Hof— 
nung, der Furcht, der Freude, des Zorns, des Hohns spielen 
dabey, indem sie jeden Augenblickswechseln, sind so lebhaft, daß 
dadurch, als eine innere Motion, das ganze Lebensgeschaͤfte 
im Koͤrper befoͤrdert zu seyn scheint, wie eine dadurch er⸗ 
zeugte Munterkeit des Gemuͤths es beweist, obgleich weder 
etwas gewonnen noch gelernt worden. Aber da das Gluͤcks⸗ 
spiel kein schoͤnes Spiel ist, so wollen wir es hier bey Seite 
setzen. Aber Musik und Stof zum lachen sind zweyerley 
Arten des Spiels mit aͤsthetischen Ideen, oder auch Verstan⸗ 
desvorstellungen, wodurch am Ende nichts gedacht wird und 
die blos durch ihren Wechsel lebhaft vergnuͤgen koͤnnen, wo⸗ 
durch sie ziemlich klar zu erkennen geben, daß die Belebung 
in beyden blos koͤrperlich sey, ob sie gleich von Ideen des 
Gemuͤths erregt wird und daß das Gefuͤhl der Gesundheit, 
durch eine jener ihrem Spiele correspondirenden Bewegung 
der Eingeweide, das ganze, fuͤr so fein und geistvoll geprie— 
sene, Vergnuͤgen einer aufgeweckten Gesellschaft ausmachen. 
Nicht die Beurtheilung der Harmonie in Toͤnen oder Witz⸗ 
einfaͤllen, die mit ihrer Schoͤnheit nur zum nothwendigen 
Vehickel dient, sondern das befoͤrderte Lebensgeschaͤfte im 
Koͤrper, der Affect, der die Eingeweide und das Zwergfell 
bewegt, mit einem Worte das Gefuͤhl der Gesundheit (welche 
sich ohne solche Veranlaßung sonst nicht fuͤhlen laͤßt) machen 
das Vergnuͤgen aus, welches man daran sendet, daß man 
dem Koͤrper auch durch die Seele beykommen und diese zum 
Artzt von jenem brauchen kanm
        <pb n="284" />
        222 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft, 
In der Musik geht dieses Spiel von der Empfindung 
des Koͤrpers zu aͤsthetischen Ideen (der Objeete fuͤr Affecten) 
von diesen alsdenn wieder zuruͤck, aber mit vereinigter Kraft, 
auf den Koͤrper. Im Scherze (der eben so wohl wie jene 
eher zur angenehmen, als schoͤnen Kunst gezaͤhlt zu werden 
verdient) hebt das Spiel von Gedanken an, die insgesammt, 
so fern sie sich sinnlich ausdruͤcken wollen, auch den Koͤrper 
heschaͤftigen und, indem der Verstand in dieser Darstellung, 
darinn er das Erwartete nicht findet, ploͤtzlich nachlaͤßt, so 
fuͤhlt man die Wirkung dieser Nachlassung im Koͤrper durch 
die Schwingungen der Organen, welche die Herstellung ihres 
Gleichgewichts befoͤrdert und auf die Gesundheit einen wohl— 
thaͤtigen Einflus hat. 
Es muß in allem, was ein lebhaftes erschuͤtterndes La— 
chen erregen soll, etwas Widersinniges seyn, (woran also 
der Verstand an sich kein Wohlgefallen finden kann). Das 
Lachen ist ein Affect aus der ploͤtzlichen Verwandlung 
einer gespannten Erwartung in nichts. Eben diese 
Verwandlung, die fuͤr den Verstand gewis nicht erfreulich 
ist, erfreuet doch indirect auf einen Augenblick sehr lebhaft; 
also muß die Ursache in dem Einflusse der Vorstellung anf 
dem Koͤrper und dessen Wechselwirkung aufs Gemuͤth be— 
stehen und zwar nicht, so fern die Vorstellung objectiv ein 
Gegenstand des Vergnuͤgens ist, wie etwa bey einem, der 
von einem großen Handlungsgewinn Nachricht bekommt 
(denn wie kann eine getaͤuschte Erwartung vergnuͤgen), son⸗ 
dern lediglich dadurch daß sie, als bloßes Spiel der Vorstel— 
lungen, ein Spiel der Lebenskraͤfte im Koͤrper hervorbringt. 
Wenn jemand erzaͤhlt daß, als ein Indianer an der 
Tafel eines Englaͤnders in Surat eine Bouteille mit Ale oͤf— 
nen und alles dieses Bier, in Schaum verwandelt, her⸗ 
ausdringen sah und mit vielen Ausrufungen seine große Ver⸗ 
LdM. 
wunderung anze 
denn hier sich so 
dere mich auch: 
ses habt herel 
— 
ven als diesen 
der Verstand 
unste Erwart 
nichts. Ode 
sem sein Le 
und klagt, 
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betruͤbt aus 
wir laut um⸗ 
sich pͤttlch 
ken: daß s 
Gegenstand— 
betruhen bo 
— 
lung errest un 
— 
bon beuten „d 
himr hehume 
— 
infindlic den 
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hm daruͤher in 
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wicht bekonnt 
ruuͤhen), su 
xel det Vonht 
eer hervorhrinst 
—Xe 
ile uit esß 
rwandelt, su 
eine groß dou 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 223 
wunderung anzeigte, auf die Frage des Englaͤnders was ist 
denn hier sich so sehr zu verwundern, antwortete: Ich wun— 
dere mich auch nicht daruͤber, daß es herausgeht, sondern wie 
ihrs habt herein kriegen koͤnnen: so lachen wir und es macht 
uns eine herzliche Lust, nicht, weil wir uns etwa kluͤger fin⸗ 
den als diesen Unwissenden, oder sonst uͤber etwas, was uns 
der Verstand hierin Wohlgefaͤlliges bemerken ließe, sondern 
unsre Erwartung war gespannt und verschwindet ploͤtzlich in 
nichts. Oder wenn der Erbe eines reichen Verwandten die⸗ 
sem sein Leichenbegaͤngnis recht feyerlich veranstalten will 
und klagt, daß es ihm hiemit nicht recht gelingen wolle; 
denn sagt er: je mehr ich meinen Trauerleuten Geld gebe 
betruͤbt auszusehen, desto lustiger sehen sie aus: so lachen 
wir laut und der Grund liegt darinn daß eine Erwartung 
sich ploͤtzlich in Nichts verwandelt. Man muß wohl bemer— 
ken: daß sie sich nicht in das Gegentheil eines erwarteten 
Gegenstandes, denn das ist immer Etwas und kann oͤfters 
betruͤben, sondern in Nichts verwandeln muͤsse. Denn wenn 
jemand uns mit der Erzaͤhlung einer Geschichte große Erwar— 
tung erregt und wir beym Schlusse die Unwahrheit derselben 
sofort einsehen, so macht es uns Misfallen, wie z. B. die 
von Leuten, die fuͤr großen Gram in einer Nacht graue 
Haare bekommen haben sollen; dagegen, wenn auf eine der— 
gleichen Erzaͤhlung zur Erwiederung ein anderer Schalk sehr 
umstaͤndlich den Gram eines Kaufmanns erzaͤhlt, der aus 
Indien mit allem seinen Vermoͤgen in Waaren, nach Euro— 
pa zuruͤckkehrend, in einem schweren Sturm alles uͤber Bord 
zu werfen genoͤthigt wurde und sich dermaaßen graͤmte, daß 
ihm daruͤber in derselben Nacht die Peruͤque grau wurde, so 
lachen wir und es macht uns Vergnuͤgen, weil wir unsern 
eignen Misgrif nach einem fuͤr uns uͤbrigens gleichguͤltigen 
Gegenstande, oder vielmehrlunsere verfolgte Idee, wie einen
        <pb n="286" />
        224 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Ball, noch eine Zeit durch hin und herschlagen, indem wir 
blos gemeynt sind ihn zu greifen und fest zu halten. Es ist 
hier nicht die Abfertigung eines Luͤgners oder Dummkopfs, 
welche das Vergnuͤgen erweckt; denn auch fuͤr sich wuͤrde die 
letztere mit angenommenen Ernst erzaͤhlte Geschichte in eine 
Gesellschaft ein helles Lachen versetzen und jenes waͤre ge⸗ 
woͤhnlichermaßen auch der Muͤhe nicht werth. 
Merkwuͤrdig ist daß in allen solchen Faͤllen der Spas 
immer etwas in sich enthalten muß, welches auf einen 
Augenblick taͤuschen kann; daher, wenn der Schein in 
Nichts verschwindet, das Gemuͤth wieder zuruͤcksieht um 
es mit ihm noch einmal zu versuchen und so durch schnell 
hinter einander folgende Anspannung und Abspannung hin 
und zuruͤckgeschnellt und in Schwankung gesetzt wird, die, 
weil der Absprung von dem, was gleichsam die Saite 
anzog, ploͤtzlich (nicht durch ein allmaͤhliges Nachlassen) 
geschah, eine Gemuͤthsbewegung und mit ihr harmoni— 
rende inwendige koͤrperliche verursachen muß, die unwill—⸗ 
kuͤhrlich fortdauert und Ermuͤdung, dabey aber auch Auf— 
heiterung, die Wirkungen einer zur Gesundheit gereichen— 
den Motion, hervorbringt. 
Denn, wenn man annimmt, daß mit allen unsern 
Gedanken zugleich irgend eine Bewegung in den Organen 
des Koͤrpers harmonisch verbunden sey, so wird man so 
ziemlich begreifen, wie jener ploͤtzlichen Versetzung des 
Gemuͤths bald in einen bald in den andern Standpunct, 
um seinen Gegenstand zu betrachten, eine wechselseitige 
Anspannung und Loslassung der elastischen Theile unserer 
Eingeweide, die sich dem Zwergfell mittheilt, correspondi⸗ 
ren koͤnne, welche (gleich derjenigen welche, kitzliche Leute 
fuͤhlen) die Luft mit schnell einander folgenden —XC 
ausstoͤßt und so eine der Gesund heit zutraͤgliche Bewe⸗ 
gung 
J h. (t 
aung hewirft, di 
vorgest, die eig 
Gedatken ist, de 
hte, der Himr 
nilen Muͤhseeli 
hofnung und 
nu rechnen kon 
—X 
HOriginalitͤtd 
selten waͤren, 
stische Groͤhle 
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Man ka 
raͤumen: daß 
griffe veraul 
animalische 
durch dem g 
Peen welhe 
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— erheht, 
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— Vere 
iit, de es noch 
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dite der hekuͤnste 
— Aeuhßerr 
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        <pb n="287" />
        — 
— —D 
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heit gereschen⸗ 
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dhelle unsen 
ilt, cetrehonhs 
kttzüche deute 
denden Nshen 
— — 
dun 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 225 
zung bewirkt, die allein und nicht das, was im Gemuͤthe 
vorgeht, die eigentliche Ursache des Vergnuͤgens an einem 
Gedanken ist, der im Grunde nichts vorstellt. — Voltaire 
sagte, der Himmel habe uns zum Gegengewicht gehen die 
vielen Muͤhseeligkeiten des Lebens zwey Dinge gegeben: die 
Sofnung und den Schlaf. Er haͤtte noch das Lachen da— 
zu rechnen koͤnnenz wenn die Mittel es bey Vernuͤnftigen zu 
erregen nur so leicht bey der Hand waͤren, und der Witz oder 
Originalitaͤt der Laune, die dazu erforderlich ist, nicht eben so 
selten waͤren, als haͤufig das Talent Kopfbrechend, wie my⸗ 
stische Gruͤbler, halsbrechend, wie Genies, oder herz⸗ 
brechend, wie empfindsame Romanschreiber, (auch wohl 
dergleichen Moralisten) zu dichten. I 
Man kann also, wie mich duͤnkt, dem Epikur wohl ein⸗ 
raͤumen: daß alles Vergnuͤgen, wenn es gleich durch Be— 
griffe veranlaßt wird, welche aͤsthetische Ideen erwecken, 
animalische d. i. koͤrperliche Empfindung, sey, ohne da—⸗ 
durch dem geistigen Gefuͤhl der Achtung fuͤr moralische 
Ideen welche kein Vergnuͤgen ist, sondern eine Selbstschaͤ⸗ 
tzung (der Menschheit in uns) die uns uͤber das Beduͤrfnis 
desselben erhebt, ja selbst nicht einmal dem minder edlen des 
Geschmacks im mindesten Abbruch zu tuun. 
Etwas aus beyden zusammengesetztes findet sich in der 
Naivitaͤt, die der Ausbruch der der Menschheit urspruͤng⸗ 
lich natuͤrlichen Aufrichtigkeit wider die zur andern Natur 
gewordenen Verstellungskunst ist. Man lacht uͤber die Ein— 
falt, die es noch nicht versteht sich zu verstellen und erfreut 
sich doch auch uͤber die Einfalt der Natur die jener Kunst 
hier einen Querstrich spielt. Man erwartete die alltaͤgliche 
Sitte der gekuͤnstelten und auf den schoͤnen Schein vorsichtig 
angelegten Aeußerung und siehe es ist die unverdorbene schuld⸗ 
lose Natur, die man anzutreffen gar nicht gewaͤrtig und der, 
Rants Crit.d. Urtheilske. V
        <pb n="288" />
        226 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
so sie blicken ließ, zu entbloͤßen auch nicht gemeynet war. Daß 
der schoͤne, aber falsche Schein, der gewoͤhnlich in unserm 
Urtheile sehr viel bedeutet, hier ploͤtzlich in Nichts verwan⸗ 
delt, daß gleichsam der Schalk in uns selbst blos gestellt wird, 
bringt die Bewegung des Gemuͤths nach zwey entgegenge— 
setzten Richtungen nach einander hervor, die zugleich den 
Koͤrper heilsam schuͤttelt. Daß aber etwas, was unendlich 
besser als alle angenommene Sitte ist, die Lauterkeit der Den⸗ 
kungsart, (wenigstens die Anlage dazu) doch nicht ganz in 
der menschlichen Natur erloschen ist, mischt Ernst und Hoch—⸗ 
schaͤttzung in dieses Spiel der Urtheilskraft. Weil es aber 
nur eine kurze Zeit Erscheinung ist und die Decke der Verstel⸗ 
lungskunst bald wieder vorgezogen wird, so mengt sich zu⸗ 
gleich ein Bedauren darunter, welches eine Ruͤhrung der 
Zaͤrtlichkeit ist, die sich als Spiel mit einem solchen gutherzi⸗ 
gen Lachen sehr wohl verbinden laͤßt, und auch wirklich da— 
mit gewoͤhnlich verbindet, zugleich auch die Verlegenheit 
dessen, der den Stoff dazu hergiebt, daruͤber daß er noch 
nicht nach Menschenweise gewitzigt ist, zu verguͤten pflegt. — 
Eine Kunst naiv zu seyn ist daher ein Widerspruch; allein 
die Naivitaͤt in einer erdichteten Person vorzustellen ist wohl 
moͤglich und schoͤne ob zwar auch seltene Kunst. Mit der 
Naivitaͤt muß offenherzige Einfalt, welche die Natur nur dar⸗ 
um nicht verkuͤnstelt, weil sie sich darauf nicht versteht was 
Kunst des Umganges sey, nicht verwechselt werden. 
Zu dem, was aufmunternd, mit dem Vergnuͤgen aus 
dem Lachen nahe verwandt und zur Originalitaͤt des Geistes, 
aber eben nicht zum Talent der schoͤnen Kunst gehoͤrig ist, 
bann auch die launigte Manier gezaͤhlt werden. Laune im 
guten Verstande bedeutet naͤmlich das Talent sich willkuͤhr⸗ 
lich in eine gewisse Gemuͤthsdisposition versetzen zu koͤnnen, 
in der alle Dinge ganz anders als gewoͤhnlich (sogar umge— 
J h. ( 
bhtth und doch 
Gemuͤthesinmur 
deinderungen dwe 
pr sie aber will 
bbhaften Darst 
lontrastes) ann 
lannigt. Die 
men als schoͤne 
immer einige 
wissen Ernst n 
—XX
        <pb n="289" />
        ürheleteh, 
eme 
Irʒ 
ih in win 
Mohts F 
Nobe geselt 2 
ach Wwey mirp— 
t, de — 
— waz —F 
die dautettet —F— 
) dech nit uh 
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traft. Welle h 
e Dech der desl 
so — 
ine Juhrumh 
em solchen guthen 
dauch wirhlitdu 
h die Verletenhet 
xiher dß e hoh 
xetguͤnn ifgt 
derhruch; alen 
zuhtelen st wohl 
uns. Mit der 
Natur nur dar⸗ 
ucht verseht vos 
werden. 
demͤge ur 
nMii de bist 
zudst gehirh 
aden. Leunemn 
bent schvlihr 
tfeten zu kinnm, 
wedaar uts⸗ 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 227 
kehrt), und doch gewissen Vernunftprineipien in einer solchen 
Gemuͤthsstimmung gemaͤs, beurtheilt werden. Wer solchen 
Veraͤnderungen unwillkuͤhrlich unterworfen ist, ist laͤunisch; 
wer sie aber willkuͤhrlich und zweckmaͤßig (zum Behuf einer 
lebhaften Darstellung vermittelst eines Lachen erregenden 
Contrastes) anzunehmen vermag, der und sein Vortrag heißt 
launigt. Diese Manier gehoͤrt indessen mehr zur angeneh— 
men als schoͤnen Kunst, weil der Gegenstand der letzteren 
immer einige Wuͤrde an sich zeigen muß und daher einen ge⸗ 
wissen Ernst in der Darstellung, so wie der Geschmack in 
der Beurtheilung, erfordert. 
4* 
1 
4 
J4
        <pb n="290" />
        228 L. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
— 
Der Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft 
Zweyter Abschnitt. 
Die Dialectifk 
* 
aͤsthetischen Urtheilskraft. 
§. 55. 
Eune Urtheilskraft, die dialectisch seyn soll, muß zuvoͤr⸗ 
derst vernuͤnftelnd seyn d. i. die Urtheile derselben muͤssen 
auf Allgemeinheit und zwar a priori Anspruch machen“) 
denn in solcher Urtheile Entgegensetzung besteht die Dia— 
lectik. Daher ist die Unvereinbarkeit aͤsthetischer Sinnes⸗ 
urtheile (uͤber das angenehme und unangenehme) nicht 
dialectisch. Auch der Widerstreit der Geschmacksur⸗ 
theile, so fern sich ein jeder blos auf seinen eignen Ge— 
schmack beruft, macht keine Dialectik des Geschmacks 
aus; weil niemand sein Urtheil zur allgemeinen Regel 
Ein vernuͤnftelnd Urtheil qudicium ratiocinans) kann ein 
jedes heissen, das sich als allgemein ankuͤndigt; denn so 
fern kann es zum Obersatze in einem Vernunftschlusse dienen. 
Ein Vernunfturtheil qudicium ratiocinatum) kann dagegen 
nur ein solches genannt werden, welches als der Schlus— 
satz von einem Vernunftschlusse, folglich als a priori gegruͤn⸗ 
det gedacht wrd. 
L.M. &amp; 
nu machen gedt 
Jalbttik ͤbrig 
gu einer Jiab 
de Geschmach 
—XX 
shmackzurthe 
giffe natuͤrli 
Tanscenden 
sern einen 
leetik der aͤs 
sich eine Int 
— 
seine innere 
— 
De erse 
bee vomits 
wohten denkt, 
huen Gesh 
— 
— 
uuf de nothwer 
— 
n ho gehr 
J Necht einp?
        <pb n="291" />
        — 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 229 
hellzkras 
W 
Atif 
ötraft. 
lol muß —P 
derselhen misn 
— 
beseht die dix 
etischer Gimnes⸗ 
senehme) ticht 
— 
hen eignen be 
x Geschmac 
geweinen Reg 
—RWXU 
ttuͤndigt; dem s 
unftschluse dieuen 
tum) kutn dagehen 
g al der Ealu⸗ 
sz a ollorieses 
zu machen gedenkt. Es bleibt also kein Begrif von einer 
Dialectik uͤbrig, die den Geschmack angehen koͤnnte, als 
der einer Dialectik der Critik des Geschmacks (nicht 
des Geschmacks selbst) in Ansehung ihrer Principien: 
da naͤmlich uͤber den Grund der Moͤglichkeit der Ge— 
schmacksurtheile uͤberhaupt einander widerstreitende Be⸗ 
griffe natuͤrlicher und unvermeidlicher Weise auftreten. 
Transcendentale Critik des Geschmacks wird also nur so 
sern einen Theil enthalten, der den Nahmen einer Dia⸗ 
lectik der aͤsthetischen Urtheilskraft fuͤhren kann, wenn 
sich eine Antinomie der Principien dieses Vermoͤgen vor⸗ 
findet welche die Gesetzmaͤßigkeit desselben mithin auch 
seine innere Moͤglichkeit, zweifelhaft macht. 
§. 
86 
Vorstellung der Antinomie des Geschmacks. 
Der erste Gemeinort des Geschmacks ist in dem 
Satze, womit sich jeder Geschmacklose gegen Tadel zu ver⸗ 
wahren denkt, enthalten. Ein jeder hat seinen 
eignen Geschmack. Das heißt so viel, als der Be— 
stimmungsgrund dieses Urtheils ist blos subjectiv (Ver⸗ 
gnuͤgen oder Schmerz) und das Urtheil hat kein Recht 
auf die nothwendige Beystimmung anderer. —— 
Der zweyte Gemeinort desselben, der auch von de— 
nen sogar gebraucht wird, die dem Geschmacksurtheile 
das Recht einraͤumen, fuͤr jedermann guͤltig quszuspre—⸗ 
P3—
        <pb n="292" />
        230 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
chen, ist: uͤber den Geschmack laͤßt sich nicht 
disputiren. Das heißt so viel, als: der Bestim— 
mungsgrund eines Geschmacksurtheils mag zwar auch 
objectiv seyn, aber laͤßt sich nicht auf, bestimmte Begriffe 
bringen, mithin kann uͤber das Urtheil selbst durch Beweise 
nichts entschieden werden, obgleich daruͤber gar wohl 
und mit Recht gestritten werden kann. Denn Strei⸗ 
ten und Disputiren sind zwar darinn einerley, daß 
sie durch wechselseitigen Widerstand der Urtheile Ein⸗ 
helligkeit derselben hervorzubringen suchen, darinn aber 
verschieden, daß das letztere dieses nach bestimmten Be⸗ 
griffen als Beweisgruͤnden zu bewirken hofft, mithin 
objective Begriffe als —X 
Wo dieses aber als unthunlich betrachtet wird, da wird 
das Disputiren eben sowohl als unthunlich beurtheilt. 
Man sieht leicht, daß zwischen diesen zweyen Ge⸗ 
meinoͤrtern ein Satz fehlt, der zwar nicht spruͤchwoͤrtlich 
im Umlaufe „ aber doch in jedermanns Sinne enthalten 
ist, naͤmlich: uͤber den Geschmack laͤßt sich strei⸗ 
ten (obgleich nicht disputiren), dieser Satz aber enthaͤlt 
das Gegentheil des obersten Satzes. Denn woruͤber es 
erlaubt seyn soll zu streiten, da muß Hofnung seyn unter 
einander uͤberein zu kommen, mithin muß man auf 
Gruͤunde des Urtheils, die nicht blos Privatguͤltigkeit 
haben und also nicht blos subjectiv sind, rechnen koͤnnen, 
welchem gleichwohl jener Grundsatz: ein jeder hat 
seinen eignen Geschmack gerade entgegen ist. 
Id G 
—A— 
deshmacks folg 
i) Vese 
iist auf Hegti 
kten (durch F 
N Anti 
—XE 
Verschiedenhe 
ten (auf die 
sem Urtheile! 
Aufdsun⸗ 
— 
Beschmackqur 
nichtz ander⸗ 
—DD 
nu hehen, as de 
dedhject in di 
xch Noimen 
ietley Ginn 
—2 
senttolen Uethe 
Tchein / in der 
ie natuͤrliche e 
Auf itgend 
hetheil —
        <pb n="293" />
        — 
itst 7 
bhn — 
iin war u 
X vuh 
liunhdi 
roͤher winh 
Dmnkh⸗ 
uun enehh, J 
ur Urhhel h— 
yn, darim he 
nbesimmnten de 
n loft, mihn 
W — 
wird, da hid 
id beurthet 
N Wweyen Gy⸗ 
— 
inne enthalten 
gt schsrer 
th aber enthit 
enn woruͤhered 
nung seyn untt 
wuß wan quf 
—XLL 
—V— 
in ieder sut 
f is. 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 231 
Es zeiget sich also in Ansehung des Princips des 
Geschmacks folgende Antinomie: — 
1) Thesis. Das Geschmacksurtheil gruͤndet fich 
nicht auf Begriffen; denn sonst ließe sich daruͤber dispu⸗ 
tiren (durch Beweise entscheide). 
2) Antithesis. Das Geschmacksurtheil gruͤndet — —* 
sich auf Begriffen; denn sonst ließe sich, unerachtet der 
Verschiedenheit desselben, daruͤber auch nicht einmal strei⸗ 
ten (auf die nothwendige Einstimmung anderer mit die⸗ 
sem Urtheile Anspruch machen). 
§. 57. 
Aufloͤsung der Antinomie des Geschmacks. 
Es ist keine Moͤglichkeit den Wiederstreit jener jedem 
Geschmacksurtheile untergelegten Principien (welche 
nichts anders sind, als die oben in der Analytik vorge⸗ 
stellten zwey Eigenthuͤmlichkeiten des Geschmacksurtheils) 
zu heben, als daß man zeigt, der Begrif, worauf man 
das Object in dieser Art Urtheile bezieht, werde in bey⸗ 
den Maximen der aͤsthetischen Urtheilskraft nicht in 
einerley Sinn genommen; dieser zwiefache Sinn, oder 
Gesichtspunct, der Beurtheilung sey unserer transscen⸗ 
dentalen Urtheilskraft nothwendig, aber auch der 
Schein, in der Vermengung des einen mit dem andern, 
als natuͤrliche Illusion, unvermeidlich. 
Auf irgend einen Begrif muß sich das Geschmacks⸗ 
urtheil beziehen; denn sonst koͤnnte es schlechterdings 
P —
        <pb n="294" />
        232 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
nicht auf nothwendige Guͤltigkeit fuͤr jedermann An⸗ 
spruch machen. Aber aus einem Begriffe darf es darum 
eben nicht erweislich seyn, weil ein Vegrif entweder be— 
stimmbar oder auch an sich unbestimmt und zugleich un⸗ 
bestimmbar seyn kann. Von der erstern Art ist der Ver⸗ 
standesbegrif, der durch Praͤdicate der sinnlichen An⸗ 
schauung, die ihm correspondiren kann, bestimmbar ist; 
von der zweyten aber der transscendentale Vernunftbe— 
grif, von dem Uebersinnlichen, was aller jener An⸗ 
schauung zum Grunde liegt, der also weiter nicht be⸗ 
stimmt werden kann. 
Nun geht das Geschmacksurtheil auf Gegenstaͤnde 
der Sinne, aber nicht um einen Begrif derselben fuͤr 
den Verstand zu bestimmen; denn es ist kein Erkenntnis⸗ 
urtheil. Es ist daher, als aufs Gefuͤhl der Lust bezogene 
anschauliche einzelne Vorstellung „nur ein Privaturtheil 
und so fern wuͤrde es seiner Guͤltigkeit nach auf das ur⸗ 
theilende Individuum allein beschraͤnkt seyn: der Gegen⸗ 
stand ist fuͤr mich ein Gegenstand des Wohlgefallens, 
fuͤr andre mag es sich anders perhalten; — ein jeder 
hat seinen Geschmack. 
Gleichwohl ist ohne Zweifel im Geschmacksurtheile 
eine erweiterte Beziehung der Vorstellung des Objects 
(zugleich auch des Subjects) enthalten, worauf wir eine 
Ausdehnung dieser Art Urtheile, als nothwendig fuͤr 
jedermann, gruͤnden, welcher nothwendig irgend ein 
Begrif zum Grunde liegen muß, aber ein Begrif der 
J 8 
khgar nicht d 
sq nichts erke 
ds Geschmack 
hen Hegrif ab 
ym hebersinn 
dem urtheiler 
kescheinung; 
Ache ,uͤchst 
schmacksurth 
ten; vaͤr d 
blos verworr 
menheit, de 
lhauung det 
ßens an sich 
—X8 
— 
oge; das be 
begrise, leine 
—R 
dem aber nich 
bewiesen werd 
zum krkennth 
ehen — 
ey jedem zu 
—E hegleit 
—To desselh⸗
        <pb n="295" />
        theibhe 
ddemumn h 
darfeg darun 
gif ehtweder he 
n sileih un⸗ 
uuis der du— 
ser — wp 
l, heinnb— 
uttale — 
ĩale jeher P 
beiter licht he 
uuf — 
äf detseben sͤ 
rein — 
er bus bezogene 
— 
dauf das gre 
. der Gegen⸗ 
vhlhesalens, 
ein ieder 
dmackourtheih 
ig des Ohsec 
yorauf hir tine 
othwendig sur 
Aq irgend hit 
— 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 233 
sich gar nicht durch Anschauung bestimmen / durch den 
sich nichts erkennen, mithin auch kein Beweis fuͤr 
das Geschmacksurtheil fuͤhren laͤßt. Ein derglei⸗ 
chen Begrif aber ist der bloße reine Vernunftbegrif von 
dem Uebersinnlichen was dem Gegenstande (und auch 
dem urtheilenden Subjecte) als Sinnenobjecte mithin 
Erscheinung zum Grunde liegt. Denn naͤhme man eine 
solche Ruͤcksicht nicht an, so waͤre der Ansoruch des Ge⸗ 
schmacksurtheils auf allgemeine Guͤltigkeit nicht zu ret⸗ 
ten; waͤre der Begrif, worauf es sich gruͤndet ein nur 
blos verworrener Verstandesbegrif , etwa von Vollkom⸗ 
menheit, dem man correspondirend die sinnliche Au⸗ 
schauung des Schoͤnen geben koͤnnte, so wuͤrde es wenig⸗ 
stens an sich moͤglich seyn, das Geschmacksurtheil auf 
Beweise zu gruͤnden, welches der Thesis widerspricht. 
Nun faͤllt aber aller Widerspruch weg, wenn ich 
sage; das Geschmacksurtheil gruͤndet sich auf einem 
Begriffe, (eines Grundes uͤberhaupt von der subjectiven 
Zweckmaͤßigkeit der Natur fuͤr die Urtheilskraft) aus 
dem aber nichts in Ansehung des Objects erkannt und 
bewiesen werden kann, weil er an sich unbestimmbar und 
zum Erkenntnis untauglich ist; es bekommt aber durch 
eben denselben doch zugleich Guͤltigkeit fuͤr jedermann 
(bey jedem zwar als einzelnes, die Anschauung unmit—⸗ 
telbar begleitendes, Urtheil) weil der Bestimmungs⸗ 
grund desselben vielleicht im Begriffe von demjenigen 
P 5
        <pb n="296" />
        234 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
liegt, was als das uͤbersinnliche Substrat der Mensch⸗ 
heit angesehen werden kann. 
Es kommt bey der Aufloͤsung einer Antinomie nur 
auf die Moͤglichkeit an, daß zwey einander dem Scheine 
nach wiederstreitende Saͤtze einander in der That nicht 
widersprechen, sondern neben einander bestehen koͤnnen, 
wenn gleich die Erklaͤrung der Moͤglichkeit ihres Begrifs 
unser Erkenntnisvermoͤgen übersteigt. Daß dieser 
Schein auch natuͤrlich und der menschlichen Vernunft 
unvermeidlich sey, imgleichen warum er es sey und 
bleibe, ob er gleich nach der Aufloͤsung des Scheinwider⸗ 
spruchs nicht betruͤgt, kann hieraus auch begreiflich ge⸗ 
macht werden. 
Wir nehmen naͤmlich den Begrif, worauf die Allge⸗ 
meinguͤltigkeit eines Urtheils sich gruͤnden muß , in bey⸗ 
den widerstreitenden Urtheilen in einerley Bedeutung 
und sagen doch von ihm zwey entgegengesetzte Praͤdicate 
aus. In der Thesis sollte es daher heissen: Das Ge⸗ 
schmacksurtheil gruͤndet sich nicht auf bestimmten 
Begriffen, in der Antithesis aber: das Geschmacksur⸗ 
theil gruͤndet sich doch auf einem, ob zwar unbestimm⸗ 
ten, Begriffe (nemlich vom uͤbersinnlichen Substrat 
der Erscheinungen) und alsdann waͤre zwischen ihnen 
kein Widerstreit. 
Mehr, als diesen Widerstreit in den Anspruͤchen 
und Gegenanspruͤchen des Geschmacks zu heben, koͤnnen 
wir nicht leisten. Ein bestimmtes objectives Princip 
LWe 
des Geschmaa 
gpruͤst und b 
lechterding 
heschmacksw 
die jnbestimn 
nur als der 
selbst seinen 
gezeigt, ab 
werden. 
Der! 
mie liegt der 
einer hloß 
Brunde un 
streitende ( 
heyde wo 
Woͤde dag 
chmack „(0 
sem Geschne 
dinihen get 
—XD — 
— 
die desnit 
entspringt 
hücht aus 
heyde lin 
begense en 
heiset, da
        <pb n="297" />
        —7 
— 
v luubone m 
—R dem —F 
ndunh 
relehen kim 
it ihtes vst 
d diir 
— 
Scheinwhn⸗ 
eqreiflich ge 
j 
auf die Moe⸗ 
Uß, in hey— 
bedeutun 
droͤicate 
dag Ge⸗ 
kümmten 
mackoͤur⸗ 
lbestimm⸗ 
—XX 
Ichen ihnen 
Insprüchen 
een, koͤnnen 
xx Prittih 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 235 
des Geschmacks, wornach die Urtheile desselben geleitet, 
gepruͤft und bewiesen werden koͤnnten, zu geben, ist 
schlechterdings unmoͤglich; denn es waͤre alsdenn kein 
Geschmacksurtheil. Das subjective Princip, naͤmlich 
die unbestimmte Idee des Uebersinnlichen in uns, kann 
nur als der einzige Schluͤssel der Entraͤthselung diefes uns 
selbst seinen Quellen nach verborgenen Vermoͤgens an⸗ 
gezeigt, aber durch nichts weiter begreiflich gemacht Mo ⸗— 
werden. 7. 
Der hier aufgestellten und ausgeglichenen Antino⸗ 
mie liegt der richtige Begrif des Geschmacks, naͤmlich als 
einer blos reflectirenden aͤsthetischen Urtheilskraft, zum 
Grunde und da wurden beyde dem Scheine nach wider⸗ 
streitende Grundsaͤtze mit einander vereinigz, indem 
beyde wahr seyn koͤnnen, welches auch genug ist. 
Wuͤrde dagegen zum Bestimmungsgrunde des Ge—⸗ 
schmacks, (wegen der Einzelnheit der Vorstellung, die 
dem Geschmacksurtheil zum Grunde liegt), wie von 
Einigen geschieht, die Annehmlichkeit, oder wie an⸗ 
dere (wegen der Allgemeinguͤltigkeit desselben) wollen, 
das Princip der Vollkommenheit angenommen und 
die Definition des Geschmacks darnach eingerichtet, so 
entspringt daraus eine Antinomie, die schlechterdings 
nicht auszugleichen ist, als so, daß man zeigt, daß 
beyde einander (aber nicht blos contradictorisch) ent⸗ 
gegenstehende Saͤtze falsch sind; welches dann be⸗ 
weiset, daß der Begrif worauf ein jeder gegruͤndet ist,
        <pb n="298" />
        236 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
sich selbst widersyreche. Man sieht also, daß die Hebung 
der Antinomie der aͤsthetischen Urtheilskraft einen aͤhn⸗ 
lichen Gang nehme F als den die Critik in Aufloͤsung der 
Antinomien der reinen theoretischen Vernunft, befolgte 
und daß, eben so hier und auch in der Critik der practi⸗ 
schen Vernunft die Antinomien wider Willen noͤthigen 
uͤber das Sinnliche hinaus zu sehen und im Uebersiun— 
lichen den Vereinigungspunet aller unserer Vermoͤgen 
a priori zu suchen; weil kein anderer Ausweg uͤbrig 
bleibt, die Vernunft mit sich selbst einstimmig zu machen. 
Anmerkung IJ. 
Da wir in der Transcendentab⸗Philosophie so oft Ver— 
anlassung finden, Ideen von Verstandesbegriffen zu unter— 
schelden, so kann es von Nutzen seyn ihrem Unterschiede an— 
gemessene Kunstausdruͤcke einzufuͤhren. Ich glaube, man 
werde nichts dawider haben, wenn ich welche in Vorschlag 
bringe. — Ideen in der allgemeinsten Bedeutung sind, nach 
einem gewissen (subjectiven oder objectiven) Princip, auf ei⸗ 
nen Gegenstand bezogene Vorstellungen sofern sie doch nie 
eine Erkenntnis desselben werden koͤnnen. Sie sind entweder 
nach einem blos subjectiven Princip der Uebereinstimmung der 
Erkenntnisvermoͤgen unter einander (der Einbildungskraft 
und des Verstandes) auf eine Anschauung bezogen und hei— 
ßen alsdann aͤsthetische, oder nach einem objectiven Prin⸗ 
eip auf einen Begrif bezogen und koͤnnen doch nie eine Er⸗ 
kenntnis des Gegenstandes abgeben und heißen Vernunft⸗ 
ideen, in welchem Falle der Begrif ein transcendenter 
Begrif ist, welcher vom Verstandesbegriffe, dem jederzeit 
Ld.C 
hhe adaquat cor. 
imn und der da 
Line aͤsthe 
rell se eine A 
sdemals ein V 
hernunftide 
Begrif (vor 
Unschauunga 
W 
exponible 
dee aber eine 
nen. Vonb 
grundlos, so 
herhaupt) 
dau sie geho 
hien) gemi 
Versta 
nonstehhel s 
nuß ederzet 
ehen werden 
enntuse wer 
— 
Nben werden 
— 
—R 
—X 
Achegt) we 
sal mun nre 
leg Ohec 
Manhe 
iuhen oder 
ung der ge
        <pb n="299" />
        xibhis 
Whie hehnn 
ist einen ahn⸗ 
iinn der 
—VTF belhte 
ütt der —F 
dlen —7 — 
im — 
erer Vmihn 
ludeg uͤn 
nq iu machn 
se so st ho⸗ 
ffen zu unten 
nlershede on⸗ 
lauhe, man 
b — 
ind, nach 
X 
ie doch gie 
Ntweder 
Ammung der 
—X 
gen und heh 
actihen Hrin 
ue eine Cr⸗ 
Vernunst⸗ 
R 
m sedetzit 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 237, 
eine adaͤquat correspondirende Erfahrung untergelegt werden 
kann und der darum immanent heißt, unterschieden ist. 
Eine aͤsthetische Idee kann keine Erkenntnis werden, 
weil sie eine Anschauung (der Einbildungskraft) ist, der 
niemals ein Begrif adaͤquat gefunden werden kann. Eine 
Vernunftidee kann nie Erkenntnis werden, weil sie einen 
Begrif (vom Uebersinnlichen) enthaͤlt, dem niemals eine 
Anschauung angemessen gegeben werden kann. J 
Nun glaube ich, man koͤnne die aͤsthetische Idee eine in— 
exponible Vorstellung der Einbildungskraft, die Vernunft— 
dee aber einen indemonstrabeln Begrif der Vernunft nen⸗ 
nen. Von beiden wird vorausgesetzt, daß sie nicht etwa gar 
grundlos, sondern (nach der obigen Erklaͤrung einer Idee 
uaͤberhaupt) gewissen Princivien der Erkenntnisvermoͤgen, 
dazu sie gehoͤren (jene den subjectiven, diese objectiven Prin— 
ripien) gemaͤs erzeugt seyn. 
Verstandesbegriffe muͤssen, als solche, jederzeit de— 
monstrabel seyn, d. i. der ihnen correspondirende Gegenstand 
muß jederzeit in der Anschauung (reinen oder empirischen) ge— 
geben werden koͤnnen; denn dadurch allein koͤnnen sie Er— 
kenntnisse werden. Der Begrif der Groͤße kann in der Rau⸗ 
mesanschauung a priori, z. B. einer geraden Linie u. s. w. ge⸗ 
geben werden; der Begrif der Ursache, an der Undurch—⸗ 
dringlichkeit, dem Stoße der Koͤrper u. s. w.; mithin koͤnnen 
beyde durch eine empirische Anschauung belegt, d. i. der Ge— 
danke davon an einem Beyspiele gewiesen (demonstrirt, auf⸗ 
gezeigt,) werden und dieses muß geschehen koͤnnen; widrigen⸗ 
falls man nicht gewis ist, ob der Gedanke nicht leer, d. i. ohne 
alles Object sey. 
Man bedient sich in der Logik der Ausdruͤcke des Demon— 
strabeln oder Indemonstrabeln gemeiniglich nur in Anse⸗ 
hung der Saͤtze, da die erstere besser durch die Benennung
        <pb n="300" />
        238 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
der nur mittelbar, die zweyte der unmittelbar⸗gewissen 
Saͤtze koͤnnten bezeichnet werden; denn die reine Philosophie 
hat auch Saͤtze von beyden Arten, wenn darunter beweis⸗ 
faͤhige und beweisunfaͤhige wahre Saͤtze verstanden werden; 
aber aus Gruͤnden a priori kann sie, als Philosophie, zwar 
beweisen, aber nicht demonstriren, wenn man nicht ganz und 
gar von der Wortbedeutung abgehen will, nach welcher de⸗ 
monstriren (ostendere, exhibere) so viel heißt, als (es sey 
im Beweisen oder auch blos im Defintren) seinen Begrif u 
gleich in der Anschauung darstellen, welche, wenn sie An— 
schauung a priori ist, das Construiren desselben heißt, ist diese 
aber auch empirisch, gleichwohl die Vorzeigung des Objects 
ist, durch welche dem Begriffe die objective Realitaͤt gesichert 
wird. So sagt man von einem Anatomiker: er demonstrire 
das menschliche Auge, wenn er den Begrif, den er vorher 
discursiv vorgetragen hat, vermittelst der Zergliederung die⸗ 
ses Organs anschaulich machhtt. 
Diesem zu Folge ist der Vernunftbegrif vom uͤbersinnli⸗ 
chen Substrat aller Erscheinungen uͤberhaupt, oder auch von 
dem, was unserer Willkuͤhr in Beziehung auf moralische Ge⸗ 
setze zum Grunde gelegt werden muß, naͤmlich der transcen⸗ 
dentalen Freyheit, schon der Species nach ein indemonstra— 
bler Begrif und Vernunftidee, Tugend aber dem Grade 
nach, weil dem ersteren an sich gar nichts der Qualitaͤt nach 
in der Erfahrung correspondirendes gegeben werden kannl, in 
der zweyten aber kein Erfahrungsproduct jener Causalitaͤt den 
Grad erreicht, den die Vernunftidee zur Regel vorschreibt. 
So wie an einer Vernunftidee die Einbildungskraft, 
mit ihren Anschauungen, den gegebenen Begrif nicht erreicht, 
so erreicht bey einer aͤsthetischen Idee der Verstand, durch 
seine Begriffe, nie die ganze innere Anschauung der Einbil⸗ 
dungskraft, welche sie mit einer gegebenen Vorstellung ver⸗ 
J dh. C 
Judet. Da nun 
hegrife bringen 
deͤshetsche J 
n hrem freyer 
eser Art Ideer 
senheit haben; 
Peen, die V 
heineipien hab 
ene in dene 
hreß Gehraue 
Manka 
mogen aͤsthet 
Grund angep 
die Natur (de 
hunst (derH 
Denn da daz 
muß, sondern 
dungeltast z/ 
Veysf lherh 
hern —D das, 
Inter Negeln — 
— 
— 
ile unsere Erke 
— du 
ut — 
hetin J db— 
ithmißigen m 
—E dienen. 
umn kein — 
* gew
        <pb n="301" />
        bar, dew su 
he — 
dunter hewe 
vhen dedenz 
Aihh, X 
n iiht —F uh 
ut welher be 
st, dle g h 
un dun 
wenn se ho 
uhesth hö 
— 
jealtat geschet 
bdenonsen 
den ex wochr 
ctbederund se 
— 
X 
dtalshe he⸗ 
er transcen⸗ 
ndemonstrg⸗ 
em Grade 
—XW 
—XX 
luusolitit den 
vrschreht. 
dungskraft 
ucht etreihh 
stand, durch 
g der Enblb 
—I 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 239 
bindet. Da nun eine Vorstellung der Einbildungskraft auf 
Begriffe bringen so viel heißt, als sie exponiren: so kann 
die aͤsthetische Idee eine inexponible Vorstellung derselben 
(in ihrem freyen Spiele) genannt werden. Ich werde von 
dieser Art Ideen in der Folge noch einiges auszufuͤhren Gele— 
genheit haben; jetzt bemerke ich nur: daß beyde Arten von 
Ideen, die Vernunftideen sowohl als die aͤsthetischen, ihre 
Prineipien haben muͤssen und zwar beyde in der Vernunft, 
jene in den objectiven, diese in den subjectiven Principien 
hres Gebrauchß. 
Man kann diesem zu Folge Gen ie auch durch das Ver- 
moͤgen aͤsthetischer Ideen erklaͤren, wodurch zugleich der 
Grund angezeigt wird, warum in Produeten des Genie's 
die Natur (des Subjects), nicht ein uͤberlegter Zweck, der 
Kunst (der Hervorbringung des Schoͤnen) die Regel giebt. 
Denn da das Schoͤne nicht nach Begriffen beurtheilt werden 
muß, sondern nach der zweckmaͤßigen Stimmung der Einbil— 
dungskraft zur Uebereinstimmung mit dem Vermoͤgen der 
Begriffe uͤberhaupt, so kann nicht Regel und Vorschrift, son— 
dern nur das, was blos Natur im Subjecte ist, aber nicht 
unter Regeln oder Begriffe gefaßt werden kann, d. i. das 
uͤbersinnliche Substrat aller seiner Vermoͤgen (welches kein 
Verstandesbegrif erreicht) folglich das, worauf in Beziehung 
alle unsere Erkenntnisvermoͤgen zusammenstimmend zu ma—⸗ 
chen der letzte durch das Intelligibele unserer Natur gegebene 240 4 
Zweck ist, jener aͤsthetischen aber unbedingten Zweckmaͤßig⸗ 
keit in der schoͤnen Kunst, die jedermann gefallen zu muͤssen 
rechtmaͤßigen Anspruch machen soll, zum subjectiven Richt⸗ 
maaße dienen. So ist es auch allein moͤglich, daß diese, der 
man kein objectives Princip vorschreiben kann, ein subjectives 
and doch allgemeinguͤltiges Princip a priori zum Grunde lieze. 
*
        <pb n="302" />
        240 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Anmerkung II. 
Folgende wichtige Bemerkung bietet sich hier von selbst 
dar: daß es naͤmlich dreyerley Arten der Antinomie der 
reinen Vernunft gebe, die aber alle darin uͤbereinkommen, 
daß sie dieselbe zwingen, von der sonst sehr natuͤrlichen Vor⸗ 
aussetzung, die Gegenstaͤnde der Sinne fuͤr die Dinge an sich 
selbst zu halten, abzugehen, sie vielmehr blos fuͤr Erscheinun⸗ 
gen gelten zu lassen und ihnen ein intelligibles Substrat (et—⸗ 
was Uebersinnliches, wovon der Begrif nur Idee ist und 
keine eigentliche Erkenntnis zulaͤßt) unterzulegen. Ohne eine 
solche Antinomie wuͤrde die Vernunft sich niemals zu Anneh⸗ 
mung eines solchen das Feld ihrer Speculation so sehr veren⸗ 
genden Prineips und zu Aufopferungen, wobey so viele sonst 
sehr schimmernde Hofnungen gaͤnzlich verschwinden muͤssen, 
entschließen koͤnnen; denn selbst jetzt, da sich ihr zur Verguͤ⸗ 
tung dieser Einbuße ein um desto groͤßerer Gebrauch in pra⸗ 
ctischer Ruͤcksicht eroͤfnet, scheint sie sich nicht ohne Schmerz 
von jenen Hofnungen trennen und von der alten Anhaͤnglich⸗ 
keit losmachen zu koͤnnen. — 
Daß es drey Arten der Antinomie glebt, hat seinen 
Grund darin, daß es drey Erkenntnisvermoͤgen, Verstand, 
Urtheilskraft und Vernunft giebt, deren jedes (als oberes Er⸗ 
kenntnisvermoͤgen) seine Principien a priori haben muß, da 
denn die Vernunft, sofern sie uͤber diese Principien selbst und 
ihren Gebrauch urtheilt, in Ansehung ihrer aller zu dem ge⸗ 
gebenen bedingten unnachlaslich das Unbedingte fordert, wel— 
ches sich doch nie finden laͤßt, wenn man das Sinnliche, als 
zu den Dingen an sich selbst gehoͤrig betrachtet und ihm nicht 
vielmehr, als bloßer Erscheinung, etwas Uebersinnliches 
—* (das intelligibele Substrat der Natur außer uns und in uns) 
als Sache an sich selbst unterlegt. Da giebt es dann 1) eine 
Anti⸗ 
1d Cr 
—I 
—X 
krkenntnisverr 
nUnsehung de 
rs Gesuͤhld 
Iusehung des y 
XR 
le dese Vern 
—X 
—XRRR 
Ohjeet solen 
WwAns 
und derdes 
vermdgen sat 
dergleichen hu 
hegebenen O 
gen aher auc 
ere gestheht, 
—— 
tung der Verh 
list, degeht 
— J 
— itgend 
ler Anseuch 
Aundboset leer 
—I 
uist, diß ve 
ut dess eh 
deser Kinstimn 
ue im Gar 
J — 
in, dihß de 
—R
        <pb n="303" />
        —XR 
s her hon ihf 
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dhe Dyge ah 
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MWinden missn 
hr jur —T 
xhrauch h zu 
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uut seinen 
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—XX 
en muß, da 
len selhst und 
a u dem ge 
jordert, web 
Zinnlsche, aß 
ind ihmtiht 
lehersanllhes 
zuud munz) 
nn 1) ene 
jisth 
J. 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 241 
Antinomie der Vernunft in Ansehung des theoretischen Ge⸗ 
hrauchs des Verstandes bis zum Unbedingten hinauf fuͤrs 
Erkenntnisvermoͤgen „2) eine Antinomie der Vernunft 
in Ansehung des aͤsthetischen Gebrauchs der Urtheilskraft 
fuͤrs Gefuͤhl der Lust und Unlust J 3) eine Antinomie in 
Ansehung des practischen Gebrauchs der an sich selbst gesetz— 
gebenden Vernunft fuͤrs Begehrungsvermoͤgen: sofern 
alle diese Vermoͤgen ihre obere Principien a priori haben und, 
gemaͤs einer unumgaͤnglichen Forderung der Vernunft/ nach 
diesen Principien auch unbedingt muͤssen urtheilen und ihr 
Obiect sollen bestimmen koͤnnuen. 
In Ansehung zweyer Antinomien, der des theoretischen 
und der des practischen Gebrauchs, jener obern Erkenntnis— 
vermoͤgen haben wir die Unvermeidlichkeit derselben, wenn 
dergleichen Urtheile nicht auf ein uͤbersinnliches Substrat der 
gegebenen Objecte, als Erscheinungen, zuruͤcksehen, dage— 
gen aber auch die Aufloͤslichkeit derselben, sobald das letz⸗ 
tere geschieht, schon anderwaͤrts gezeigt. Was nun die An—⸗ 
tinomie im Gebrauche der Urtheilskraft, gemaͤs der Forde⸗ 
rung der Vernunft und deren hier gegebene Aufloͤsung be⸗ 
trift, so glebts kein anderes Mittel derselben auszuweichen, 
als entweder zu laͤugnen, daß dem aͤsthetischen Geschmacks⸗ 
urtheile irgend ein Princip a priori zum Grunde liege, daß 
aller Anspruch auf Nothwendigkeit allgemeiner Beystimmung 
grundloser leerer Wahn sey und ein Geschmacksurtheil nur 
sofern fuͤr richtig gehalten zu werden verdienen weil es sich 
trift, daß viele in Ansehung desselben uͤbereinkommen und 
auch dieses eigentlich nicht um deswillen, weil man hinter 
dieser Einstimmung ein Princip a priori vermuthet, sondern 
(wie im Gaumengeschmack) weil die Subjecte zufaͤlliger 
Weise gleichfoͤrmig organisirt seyn: oder man muͤßte anneh⸗ 
men, daß das Geschmacksurtheil eigentlich ein verstecktes 
Kants Crit. d. Urtheilskr. J Q
        <pb n="304" />
        4/.. 980 
/ —* 
22 
242 I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Vernunfturtheil, uͤber die an einem Dinge und die Bezie— 
hung des Mannigfaltigen in ihm zu einem Zwecke entdeckte 
Vollkommenheit sey, mithin nur um der Verworrenheit wil⸗ 
len, die dieser unserer Reflexion anhaͤngt, aͤsthetisch genannt 
werde, ob es gleich im Grunde teleologisch sey, in welchem 
Falle man die Aufloͤsung der Antinomie durch transcendentale 
Ideen fuͤr unnoͤthig und nichtig erklaͤren und so mit den Ob⸗ 
jecten der Sinne nicht als bloßen Erscheinungen, sondern 
auch als Dingen an sich selbst jene Geschmacksgesetze vereini⸗ 
gen koͤnnte. Wie wenig aber die eine sowohl als die andere 
Ausflucht verschlage, ist an mehrern Orten in der Exposition 
der Geschmacksurtheile gezeigt worden. 
Raͤumt man aber unserer Deduction wenigstens so vlel 
ein, daß sie auf dem rechten Wege geschehe, wenn gleich 
noch nicht in allen Stuͤcken hell genug gemacht sey, so zeigen 
sich drey Ideen: erstlich des Uebersinnlichen uͤberhaupt, 
ohne weitere Bestimmung, als Substrats der Natur, zwey⸗ 
tens eben desselben, als Princips der subjectiven Zweck⸗ 
maͤßigkeit der Natur fuͤr unser Erkenntnisvermoͤgen, drit—⸗ 
tens eben desselben als Princips der Zwecke der Freyheit 
und Princips der Uebereinstimmung derselben mit jener im 
Sittlichen. 
§. 58. 
Vom Idealismus der Zweckmaͤßigkeit der 
Natur sowohl als Kunst, als dem alleini⸗ 
gen Princip der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Man kann zuvoͤrderst das Princip des Geschmacks 
entweder darinn setzen, daß dieser jederzeit nach empiri⸗ 
schen Bestimmungsgruͤnden und also nach solchen, die 
18.C 
jut à posteriori 
un einraͤumen 
hele. Dasee 
des Geschmac 
Nrselhen. N 
hohlgefallen 
weyten, we 
—WRI 
alle Schoͤr 
ein besonder 
schung don 
fallens, au 
hen gezigt 
apriori geh 
liems zuusam 
hesünmte 
Der Ya 
—1 
wasigkeit „od 
un ein besch 
hchöthet ker 
nihtet, it, 
— 
wecinasite 
berde, d. i 
ish Wern 
urd quf de
        <pb n="305" />
        ieth dbhuf 
und de di⸗ 
—T enttdech 
— wh 
—R — 
o Wehn welchem 
Murch duhedenth 
ind s wit dey M 
— —E 
— vuehh 
wohl ab he —T 
eenin der — 
4 
venhslen put 
xhe, wenn deh 
nacht sey, — — 
achen — 
Ir Munr, zhey⸗ 
cherthen zheh 
lerwdsen, drit 
le da sechet 
u mit jener im 
ßiskeit de 
»dan dllein⸗ 
Urthohskedst. 
oes Geshunts 
—X 
gch solchen, dt 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 243 
nur a posteriori durch Sinne gegeben werden, oder man 
kann einraͤumen, daß er aus einem Grunde « priori ur⸗ 
theile. Das erstere waͤre der Empirism der Critik 
des Geschmacks, das zweyte der Rationalism 
derselben. Nach dem ersten waͤre das Object unseres 
Wohlgefallens nicht vom Angenehmen, nach dem 
zweyten, wenn das Urtheil auf bestimmten Begriffen 
beruhete, nicht vom Guten unterschieden und so wuͤrde 
alle Schoͤnheit aus der Welt weggelaͤugnet und nur 
ein besonderer Nahme , vielleicht fuͤr eine gewisse Mi⸗ 
schung von beyden vorgenannten Arten des Wohlge⸗ 
fallens, an dessen Statt uͤbrig bleiben. Allein wir ha⸗ 
den gezeigt, daß es auch Gruͤnde des Wohlgefallens 
à priori gebe, die also mit dem Princip des Rationa— 
lisms zusammen bestehen koͤnnen, unerachtet sie nicht in 
bestimmte Begriffe gefaßt werden koͤnnen. 
Der Rationalisms des Princips des Geschmacks 
ist dagegen entweder der des Realisms der Zweck⸗ 
maͤßigkeit, oder des Idealisms derselben. Weil 
nun ein Geschmacksurtheil kein Erkenntnisurtheil und 
Schoͤnheit keine Beschaffenheit des Objects, fuͤr sich be— 
trachtet, ist, so kann der Rationalism des Princips 
des Geschmacks niemals darinn gesetzt werden, daß die 
Zweckmaͤßigkeit, in diesem Urtheile als objectiv gedacht 
werde, d. i. daß das Urtheil theoretisch mithin auch lo⸗ 
gisch (weyn gleich nur in einer verworrenen Beurtheis 
lung) auf die Vollkommenheit des Objects, sondern nur 
Q 2
        <pb n="306" />
        244 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
aͤsthetisch, auf die Uebereinstimmung seiner Vorstel⸗ 
lung in der Einbildungskraft mit den wesentlichen Prin⸗ 
tipien der Urtheilskraft uͤberhaupt, im Subjecte gehe. 
Folglich kann, selbst nach dem Princip des Rationa⸗— 
lisms, das Geschmacksurtheil und der Unterschied des 
Realisms und Idealisms desselben nur darin gesetzt 
werden, daß entweder jene subjective Zweckmaͤßigkeit im 
erstern Falle als wirklicher (absichtlicher) Zweck der 
Natur (oder der Kunst), mit unserer Urtheilskraft uͤber⸗ 
einzustimmen, oder nur als eine, ohne Zweck, von 
selbst und zufaͤlliger Weise sich hervorthuende zweckmaͤ⸗ 
ßige Uebereinstimmung zu dem Beduͤrfnis der Urtheils— 
kraft, in Ansehung der Natur und ihrer nach besondern 
Gesetzen erzeugten Formen, angenommen werde. 
. Dem Realism der aͤsthetischen Zweckmaͤßigkeit 
der Natur, da man naͤmlich annehmen moͤchte: daß der 
Hervorbringung des Schoͤnen eine Idee desselben in der 
hervorbringenden Ursache, naͤmlich ein Zweck zu Gun⸗ 
sten unserer Einbildungskraft, zum Grunde gelegen 
habe, reden die schoͤne Bildungen im Reiche der organi⸗ 
sirten Natur gar sehr das Wort. Die Blumen, Bluͤ— 
then ja die Gestalten ganzer Gewaͤchse, die fuͤr ihren eige⸗ 
nen Gebrauch unnoͤthige, aber fuͤr unsern Geschmack 
gleichsam ausgewaͤhlte XR der thierischen Bil⸗ 
dungen von allerley Gattungen, vornaͤmlich die unsern 
Augen so wohlgefaͤllige und reitzende Mannigfaltigkeit 
und harmonische Zusammensetzung von Farben (am 
7 
J . 
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setlich seyne! 
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arischen N⸗ 
Ne unsern 
mafaltigleit 
Arhen (am 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 245 
Phasan, Schaalthieren, Insecten, bis zu den gemein⸗ 
sten Blumen) die, indem sie blos die Oberflaͤche und 
auch an dieser nicht einmal die Figur der Geschoͤpfe, 
welche doch noch zu den innern Zwecken derselben erfor⸗ 
derlich seyn koͤnnte, betreffen, gaͤnzlich auf aͤußere Be⸗ 
schauung abgezweckt zu seyn scheinen, geben der Erklaͤ⸗ 
rungsart durch Annehmung wirklicher Zwecke der Na⸗ 
tur fuͤr unsere aͤsthetische Urtheilskraft ein großes Gewicht. 
Dagegen widersetzt sich dieser Annahme nicht allein 
die Vernunft durch ihre Maximen , allerwaͤrts die un⸗ 
noͤthige Vervielfaͤltigung der Principien nach aller Moͤg⸗ 
lichkeit zu verhuͤten, sondern die Natur zeigt in ihren 
freyen Bildungen uͤberall so viel mechanischen Hang zu 
Erzeugung von Formen, die fuͤr den aͤsthetischen Ge⸗ 
brauch unserer Urtheilskraft gleichsam gemacht zu seyn 
scheinen, ohne den geringsten Grund zur Vermuthung 
an die Hand zu geben, daß es dazu noch etwas mehr, 
als ihres Mechanisms, blos als Natur, beduͤrfe, wor⸗ 
nach sie, auch ohne alle ihr zum Grunde liegende Idee, 
fuͤr unsere Beurtheilung zweckmaͤßig seyn koͤnnen. Ich 
verstehe aber unter einer freyen Bildung der Natur 
diejenige, wodurch aus einem fluͤßigen in Ruhe, 
durch Verfluͤchtigung oder Absonderung eines Theils 
desselben (bisweilen blos der Waͤrmmaterie) das Uebrige 
im festwerden eine bestimmte Gestalt, oder Gewebe, 
(Figur oder Textur) annimmt, die, nach der specifischen 
Verschiedenheit der Materien, verschieden, in eben der⸗ 
Q3
        <pb n="308" />
        246 IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
selben aber genau dieselbe ist. Hiezu aber wird, was 
man unter einer wahren Fluͤßigkeit jederzeit versteht, 
naͤmlich daß die Materie in ihr voͤllig aufgeloͤset, d. i. 
nicht als ein bloßes Gemenge fester und darinn blos 
schwebender Theile anzusehen sey, vorausgesetzt. J 
Die Bildung geschieht alsdenn durch Anschießen, 
d. i. durch ein ploͤtzliches Festwerden , nicht durch einen 
allmaͤligen Uebergang aus dem fluͤßigen in den festen Zu— 
stand, sondern gleichsam durch einen Sprung, welcher 
Uebergang auch das Crystallisiren genannt wird. 
Das gemeinste —AV Bildung ist das 
gefrierende Wasser, in welchem sich zuerst gerade Eis⸗ 
straͤhlchen erzeugen, die in Winkeln von 60 Grad sich zu⸗ 
sammenfuͤgen, indessen sich andere an jedem Punct der⸗ 
selben eben so ansetzen „bis alles zu Eis geworden ist, so 
daß waͤhrend dieser Zeit, das Wasser zwischen den Eis— 
straͤlchen nicht allmaͤlig zaͤher wird, sondern so vollkom⸗ 
men fluͤßig ist als es bey weit groͤßerer Waͤrme seyn 
wuͤrde und doch die voͤllige Eiskaͤlte hat. Die sich abson⸗ 
dernde Materie, die im Augenblicke des Festwerdens 
ploͤtzlich entwischt, ist ein ansehnliches Quantum von 
Waͤrmstoff, dessen Abgang, da es blos zum fluͤßig seyn 
erfordert wurde, dieses nunmehrige Eis nicht im minde⸗ 
sten kaͤlter, als das kurz vorher in ihm fluͤßige Wasser, 
zuruͤck laͤßt. *8 
Viele Salze, imgleichen Steine, die eine crystalli⸗ 
nische Figur haben, werden eben so von einer im 
L.8h. 
5 
Vaser, wer 
lseten Erdart 
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—IX 
nach auch im 
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d einet m 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 247 
Wasser, wer weiß durch was fuͤr Vermittelung aufge⸗ 
loͤseten Erdart erzeugt. Eben so bilden sich die drusigte 
Configurationen vieler Minern, des wuͤrflichten Bley⸗ 
glanzes, des Rothguͤldenerzes u. d. g. allem Vermuthen 
nach auch im Wasser und durch Anschießen der Theile, 
indem sie durch irgend eine Urfache genoͤthigt werden 
dieses Vehikel zu verlassen und sich unter einander in be⸗ 
stimmte aͤußere Gestalten zu vereinigen. ——— 
Aber auch innerlich zeigen alle Materien, welche 
blos durch Hitze fluͤßfig waren und durch Erkalten Festig⸗ 
keit angenommen haben, im Bruche eine bestimmte Tex⸗ 
tur und lassen daraus urtheilen, daß wenn nicht ihr 
eigen Gewicht oder Luftberuͤhrung es gehindert haͤtte, 
sie auch aͤußerlich ihre specifisch eigenthuͤmliche Gestalt 
wuͤrden gewiesen haben, dergleichen man an einigen Me⸗ 
tallen die nach der Schmelzung aͤußerlich erhaͤrtet, in⸗ 
wendig aber noch fluͤßig waren, durch Abzapfen des 
inneren noch fluͤßigen Theils und nunmehrigen ruhigen 
Anschießen des uͤbrigen inwendig zuruͤckgebliebenen, 
beobachtet hat. Viele von jenen mineralischen Crystalli⸗ 
sationen, als die Spatdrusen, der Glaskopf die Eisen⸗ 
bluͤthe, geben oft uͤberaus schoͤne Gestalten, wie sie die 
Kunst nur immer ausdenken moͤchte und die Glorie in der 
Hoͤle von Antiparos ist blos das Product eines sich durch 
Givslager durchsickernden Wassers. 
Das fluͤßige ist, allem Ansehen nach, uͤberhaupt 
aͤlter als das feste und sowohl die Pflanzen als thierische 
Q4
        <pb n="310" />
        248 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Koͤrper werden aus fluͤßiger Nahrungsmaterie gebildet 
so fern sie sich in Ruhe formt, freylich zwar in der letz⸗ 
tern zuvoͤrderst nach einer gewissen urspruͤnglichen auf 
Zwecke gerichteten Anlage, (die wie im zweyten Theile 
gewiesen werden wird nicht aͤsthetisch, sondern teleolo⸗ 
gisch, nach dem Princip des Realisms beurtheilt wer— 
den muß) aber neben bey doch auch vielleicht als, dem 
allgemeinen Gesetze der Verwandschaft der Materien 
gemaͤs, anschießend und sich in Freyheit bildend. So 
wie nun die in einer Atmosphaͤre, welche ein Gemisch 
verschiedener Luftarten ist, aufgeloͤsete waͤßrige Fluͤßig⸗ 
keiten, wenn sich die letztere, durch Abgang der Waͤrme 
von jener scheidet, Schneefiguren erzeugen, die nach 
Verschiedenheit der dermaligen Luftmischung von oft 
sehr kuͤnstlichscheinenden und uͤberaus schoͤner Figur sind, 
so laͤßt sich, ohne dem teleologischem Princip der Beur⸗ 
theilung der Organtsation etwas zu entziehen, wohl 
denken: daß, was die Schoͤnheit der Blumen, der Vo⸗ 
gelfedern, der Muscheln, ihrer Gestalt sowohl als Farbe 
nach, betrift, diese der Natur und ihrem Vermoͤgen, sich 
in ihrer Freyheit, ohne besondere darauf gerichtete 
Zwecke, nach chemischen Gesetzen, durch Absetzung der 
zur Organisation erforderlichen Materie, auch aͤsthetisch— 
zweckmaͤßig zu bilden, zugeschrieben werden koͤnne. 
Was aber das Princip der Idealitaͤt der Zweck⸗ 
maͤßigkeit im Schoͤnen der Natur als dasjenige, wel⸗ 
ches wir im aͤsthetischen Urtheile selbst jederzeit zum 
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— 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 249 
Grunde legen und welches uns keinen Realism eines 
Zwecks derselben, fuͤr unsere Vorstellungskraft zum Er⸗ 
klaͤrungsgrunde zu brauchen erlaubt, gerade zu bewei⸗ 
set, ist, daß wir in der Beurtheilung der Schoͤnheit 
uͤberhaupt das Richtmaas derselben a priori in uns 
selbst suchen und die aͤsthetische Urtheilskraft in Ansehung 
des Urtheils, ob etwas schoͤn sey oder nicht, selbst gesetz 
gebend ist, welches bey Annehmung des Realisms der 
Zweckmaͤßigkeit der Natur nicht statt finden kann; weil 
wir da von der Natur lernen muͤßten, was wir schoͤn zu 
finden haͤtten und das Geschmacksurtheil empirischen 
Principien unterworfen seyn wuͤrde. Denn in einer 
solchen Beurtheilung kommt es nicht darauf an, was 
die Natur list, oder auch fuͤr uns als Zweck ist, son⸗ 
dern wie wir sie aufnehmen. Es wuͤrde immer eine ob⸗ 
jective Zweckmaͤßigkeit der Natur seyn, wenn sie fuͤr 
unser Wohlgefallen ihre Formen gebildet haͤtte und nicht 
eine subjective Zweckmaͤßigkeit, welche auf dem Spiele 
der Einbildungskraft in ihrer Freyheit beruhete, wo es 
Gunst ist womit wir die Natur aufnehmen , nicht eine 
solche die sie uns erzeigt. Die Eigenschaft der Natur, 
daß sie fuͤr uns Gelegenheit enthaͤlt, die innere Zweck⸗ 
maͤßigkeit in dem Verhaͤltnisse unsere Gemuͤthskraͤfte in 
Beurtheilung gewisser Producte derselben warzunehmen 
und zwar als eine solche, die aus einem uͤbersinnlichen 
Grunde fuͤr nothwendig und allgemeinguͤltig erklaͤrt wer⸗ 
den soll, kann nicht Naturzweck seyn, oder vielmehr 
Q25
        <pb n="312" />
        250 IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
von uns als ein solcher beurtheilt werden; weil sonsten 
das Urtheil, das dadurch bestimmt wurde, Heteronomie 
und nicht, wie es einem Geschmacksurtheile geziemt, 
frey seyn und Avtonomie zum Grunde haben wuͤrde. 
In der schoͤnen Kunst ist das Princip des Idea⸗ 
lisms der Zweckmaͤßigkeit! noch deutlicher zu erkennen. 
Denn, daß hier nicht ein aͤsthetischer Realism dersel⸗ 
ben, durch Empfindungen, (wobey sie statt schoͤner blos 
angenehme Kunst seyn wuͤrde) angenommen werden 
koͤnne, das hat sie mit der schoͤnen Natur gemein. Allein 
daß das Wohlgefallen durch aͤsthetische Ideen nicht von 
der Erreichung bestimmter Zwecke (als mechanisch ab⸗ 
sichtliche Kunst) abhaͤngen muͤsse, folglich, selbst im Ra— 
tionalism des Princips J Idealitaͤt der Zwecke, nicht 
Realitaͤt derselben zum Grunde liege, leuchtet auch 
schon dadurch ein, daß schoͤne Kunst, als solche, nicht als 
ein Product des Verstandes und der Wissenschaft, sondern 
des Genie's betrachtet werden muß, und also durch 
aͤsthetische Ideen, welche von Vernunftideen be⸗ 
stimmter Zwecke wesentlich unterschieden sind, ihre Re⸗— 
gel bekomme. 
So wie die Idealitaͤt der Gegenstaͤnde der Sinne 
als Erscheinungen die einzige Art ist, die Moͤglichkeit zu 
erklaͤren, daß ihre Formen a priori bestimmt werden 
koͤnnen, so ist auch der Idealism der Zweckmaͤßig⸗ 
keit, in Beurtheilung des Schoͤnen der Natur und der 
Kunst, die einzige Voraussetzung, unter der allein die 
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e der Eihne 
Malichkeit 
Iult werden 
weckmaßi 
tur und der 
lein die 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 251 
Tritik die Moͤglichkeit eines Geschmacksurtheils, welches 
a priori Guͤltigkeit fuͤr jederman fordert, (ohne doch die 
Zweckmaͤßigkeit, die am Objecte vorgestellt wird auf Be⸗ 
griffe zu gruͤnden) erklaͤren kann. 
6. 59. 
Von der Schoͤnheit als Symbol der 
Sittlichkeit. 
Die Realitaͤt unserer Begriffe darzuthun werden 
immer Anschauungen erfordert. Sind es empirische Be⸗ 
griffe, so heissen die letztere Beyspiele. Sind jene 
reine Verstandes-Vegriffe, so werden die letztere 
Schemate genannt. Verlangt man gar, daß die ob⸗ 
jective Realitaͤt der Vernunftbegriffe d. i. der Ideen, 
und zwar zum Behuf des theoretischen Erkenntnisses der⸗ 
selben dargethan werde , so begehrt man etwas Unmoͤg⸗ 
liches, weil ihnen schlechterdings keine Anschauung an⸗ 
gemessen gegeben werden kann. 
Alle Hypotypose (Darstellung, subjectio sub ad 
spectum) als Versinnlichung, ist zwiefach: entweder 
schematisch, da einem Begriffe, den der Verstand 
faßt, die correspondirende Anschauung a priori gegeben 
wird, oder symbolisch, da einem Begriffe, den nur 
die Vernunft denken, aber dem keine sinnliche An⸗ 
schauung angemessen seyn kann, eine solche untergelegt 
wird, mit welcher das Verfahren der Urtheilskraft, dem— 
jenigen, was sie im Schematisiren beobachtet, blos ana⸗
        <pb n="314" />
        17h. 
252 1. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
logisch, d. i.mit ihm blos der Regel dieses Verfahrens, 
nicht der Anschauung selbst, mithin blos der Form der 
Reflexion, nicht dem Inhalte nach, uͤbereinkkommt. 
Es ist ein von den neuern Logikern zwar angenom⸗ 
mener, aber sinnverkehrender, unrechter Gebrauch des 
Worts symbolisch, wenn man es der intuitiven 
Vorstellungsart entgegensetzt; denn die symbolische ist 
nur eine Art der intuitiven. Die letztere (die intuitive) 
kann naͤmlich in die schematische und in die symbo⸗ 
lische Vorstellungsart eingetheilt werden. Beyde sind 
Hypotyposen, d. i. Darstellungen (exhibitio), nicht 
bloße Characterismen, d. i. Bezeichnungen der Be⸗ 
griffe durch begleitende sinnliche Zeichen, die gar nichts 
zu der Anschauung des Objects gehoͤriges enthalten, son⸗ 
dern nur jenen, nach dem Gesetze der Association der 
Einbildungskraft, mithin in subjectiver Absicht ,zum 
Mittel der Reproduction dienen; dergleichen sind entwe⸗ 
der Worte, oder sichtbare (algebraische, selbst mimische) 
Zeichen, als bloße Ausdruͤcke fuͤr Begriffe.*) 
Alle Anschauungen, die man Begriffen a priori un⸗ 
terlegt, sind also entweder Schemate oder Symbo⸗ 
len, wovon die erstern directe, die zweyte indirecte Dar⸗ 
stellungen des Begrifs enthalten. Die erste thun dieses 
Das Intuitive der Erkenntnis muß dem Discurstven (nicht 
dem Symbolischen) entgegengesetzt werden Das erstere ist 
nun entweder schematisch, durch Demonstration „ oder 
symbolisch, als Vorstellung nach einer bloßen Analogie. 
demonstratib, 
pelcher man 
n welcher die 
ihtet, erst 
sanlichen J 
gel der Reß 
andern Ge 
bol ist, au 
durch eine 
Volksgese 
twa eine 
absoluten 
nur symt 
despotisch 
Aehnlicht 
und ihre 
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st voll ho 
iiter Analb 
liche Schem 
—X Fes 
Euße, Va 
d, worq⸗ 
hoch sch g 
Maͤhliche/
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        theil —F 
ses deschu 
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Nle gar ticht⸗ 
Athallen sr 
oͤciatin der 
siht, zum 
d entwe⸗ 
mimische) 
driori g⸗ 
Symbo⸗ 
—W 
hun diesee 
— — 
A etftere if 
tion, bhe 
Alohie, 
I. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 253 
demonstrativ, die zweyte vermittelst einer Analogie, (zu 
welcher man sich auch empirischer Anschauungen bedient) 
in welcher die Urtheilskraft ein doppeltes Geschaͤfte ver— 
richtet, erstlich den Begrif auf den Gegenstand einer 
sinnlichen Anschauung und dann zweytens die bloße Re⸗ 
gel der Reflexion uͤber jene Anschauung auf einen ganz 
andern Gegenstand „,von dem der erstere nur das Sym 
bol ist, anzuwenden. So wird ein monarchischer Staat 
durch einen beseelten Koͤrper, wenn er nach inneren 
Volksgesetzen, durch eine bloße Maschine aber, (wie 
etwa eine Handmuͤhle) wenn er durch einen einzelnen 
absoluten Willen beherrscht wird, in beyden Faͤllen aber 
nur symbolisch vorgestellt. Denn, zwischen einem 
despotischen Staate und einer Handmuͤhle ist zwar keine 
Aehnlichkeit, wohl aber zwischen der Regel aͤber beyde 
und ihre Caussalitaͤt zu reflectiren. Dies Geschaͤfte ist 
bis jetzt noch wenig auseinandergesetzt worden, so sehr 
es auch eine tiefere Untersuchung verdient; allein hier ist 
nicht der Ort sich dabey aufzuhalten. Unsere Sprache 
ist voll von dergleichen indirecten Darstellungen, nach 
einer Analogie, wodurch der Ausdruck nicht das eigent⸗ 
liche Schema fuͤr den Begrif, sondern blos ein Symbol 
fuͤr die Reflexion enthaͤlt. So sind die Woͤrter Grund 
(Stuͤtze, Basis), Abhaͤngen (oon oben gehalten wer⸗ 
den), woraus fließen (tatt folgen), Substanz (wie 
Locke sich ausdruͤckt: der Traͤger der Accidenzen) und 
unzaͤhliche andere nicht schematische, sondern symbolische
        <pb n="316" />
        254 1. Th. Cricik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Hypotyposen und Ausdruͤcke fuͤr Begriffe nicht vermit⸗ 
telst einer directen Anschauung, sondern nur nach einer 
Analogie mit derselben, d. i. der Uebertragung der Re⸗ 
flexion uͤber einen Gegenstand der Anschauung auf einen 
ganz andern Begrif, dem vielleicht nie eine Anschauung 
direct correspondiren kann. Wenn man eine bloße Vor⸗ 
stellungsart schon Erkenntnis nennen darf welches, 
wenn sie ein Princip nicht der theoretischen Bestimmung 
des Gegenstandes, was er an sich, sondern practischen 
was die Idee von ihm fuͤr uns und den zweckmaͤßigen 
Gebrauch derselben werden soll, wohl erlaubt ist) so ist 
alle unsere Erkenntnis von Gott blos symbolisch und 
der, welcher sie mit den Eigenschaften Verstand, Wille, 
u. s. w. die allein an Weltwesen ihre obiective Realitaͤt 
beweisen, fuͤr schematisch nimmt, geraͤth in den Anthro⸗ 
pomorphism, so wie, wenn er alles Intuitive weg 
laͤßt „in den Deism wodurch uͤberall nichts, auch 
nicht in practischer Absicht erkannt wird. 
Nun sage ich das Schoͤne ist das Symbol des 
Sittlichguten und auch nur in dieser Ruͤcksicht (einer 
Beziehung, die jedermann natuͤrlich ist und die auch je— 
dermann andern als Pflicht zumuthet) gefaͤllt es, mit . 
einem Anspruche auf jedes andern Bestimmung, —X 32 
sich das Gemuͤth zugleich einer gewissen Veredelung und 
Erhebung uͤber die bloße Empfaͤnglichkeit einer Lust durch 
Sinneneindruͤcke bewußt ist und anderer Werth auch 
nach einer aͤhnlichen Maxime ihrer Urtheilskraft schaͤtzet. 
J . 
da i das 
haragraph) 
pozu gaͤmlich 
anmenstimn 
rerglichen m 
auter Wide 
noͤgen sieht 
—X 
rungoͤgeset 
genstaͤnde 
Besetz, so 
rungoͤberr 
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Moͤglichte 
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tur, auch 
letzteren 
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        helchih 
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die auch je⸗ 
jͤlt es, mit 
vunq 
redelunq und 
ner luß duch 
Deth auch 
auft shößel. 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 255 
Das ist das Intelligibele, worauf, wie der vorige 
Paragraph Anzeige that, der Geschmack hinaussieht, 
wozu naͤmlich selbst unsere obere Erkenntnisvermoͤgen zu⸗ 
sammenstimmen, ohne welches zwischen ihrer Natur, 
verglichen mit den Anspruͤchen, die der Geschmack macht, 
lauter Widerspruͤche erwachsen wuͤrden. In diesem Ver⸗ 
moͤgen sieht sich die Urtheilskraft nicht, wie sonst in em⸗ 
pirischer Beurtheilung, einer Heteronomie der Erfah— 
rungsgesetze unterworfen; sie giebt in Ansehung der Ge⸗ 
genstaͤnde eines so reinen Wohlgefaͤllens ihr selbst das 
Gesetz, so wie die Vernunft es in Ansehung des Begeh— 
rungsvermoͤgens thut und sieht sich sowohl wegen dieser 
innern Moͤglichkeit im Subiecte, als wegen der aͤußern 
Moͤglichkeit einer damit uͤbereinstimmenden Natur, auf 
etwas im Subjecte selbst und außer ihm, was nicht Na⸗ 
tur, auch nicht Freyheit, doch aber mit dem Grunde der 
letzteren, naͤmlich dem Uebersinnlichen verknuͤpft ist, be— 
zogen, in welchem das theoretische Vermoͤgen mit dem 
practischen auf gemeinschaftliche und unbekannte Art, 
zur Einheit verbunden wird. Wir wollen einige Stuͤcke 
dieser Analogie anfuͤhren, indem wir zugleich die Ver— 
schiedenheit derselben nicht unbemerkt lassen. 
1) Das Schoͤne gefaͤllt unmittelbar (aber nur in 
der reslectirenden Anschauung, nicht, wie Sittlichkeit 
im Begriffe). 2) Es gefaͤlit ohne alles Interesse 
(das Sittlichgute zwar nothwendig mit einem Interesse, 
aber nicht einem solchen, was vor dem Urtheile uͤber das 
—2
        <pb n="318" />
        256 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Wohlgefallen vorhergeht, verbunden, sondern was da⸗ 
durch allererst bewirkt wird). 3) Die Freyheit der 
Einbildungskraft (also der Sinnlichkeit unseres Vermoͤ: 
gens) wird in der Beurtheilung des Schoͤnen mit der 
Gesetzmaͤßigkeit des Verstandes als einstimmig vorgestellt 
(im moralischen Urtheile wird die Freyheit des Willens 
als Zusammenstimmung des letzteren mit sich selbst nach 
allgemeinen Vernunftgesetzen gedacht). 4) Das sub⸗ 
jective Princip der Beurtheilung des Schoͤnen wird als 
allgemein, d. i. fuͤr jedermann guͤltig, aber durch kei⸗ 
nen allgemeinen Begrif kenntlich, vorgestellt (das obje⸗ 
ctive Princip der Moralitaͤt wird auch fuͤr allgemein, 
d. i. fuͤr alle Subjecte, zugleich auch fuͤr alle Handlun⸗ 
gen desselben Subjects und dabey durch einen allgemei⸗ 
nen Begrif kenntlich erklaͤrt). Daher ist das moralische 
Urtheil nicht allein bestimmter constitutiver Principien 
faͤhig, sondern ist nur durch Gruͤndung der Maximen 
auf dieselbe und ihre Allgemeinheit moͤglich. 
Die Ruͤcksicht auf diese Analogie ist auch dem gemei⸗ 
nen Verstande gewoͤhnlich und wir benennen schoͤne Ga⸗ 
genstaͤnde der Natur, oder der Kunst, oft mit Nahmen, 
die eine sittliche Beurtheilung zum Grunde zu legen schei⸗ 
nen. Wir nennen Gebaͤude oder Baͤume majeft—aͤtisch 
und praͤchtig „, oder Gefilde lachend und froͤhlig; selbst 
Farben werden unschuldig, bescheiden, zaͤrtlich genannt, 
weil sie Empfindungen erregen, die etwas mit dem Be⸗ 
wußtseyn eines durch moͤralische Urtheile bewirkten Ge⸗— 
muͤths⸗ 
1d95. 
nuͤthszustand 
nacht gleichs 
schituellen m 
amen Gprun 
rast auch in 
zand bestin 
der Sinne 
zu finden! 
Vond 
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— Cri⸗
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        helhi 
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schoͤne r 
nit Nahnrn, 
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cöhlig; ahl 
uch denanrh 
— 
atkten Go 
puthz⸗ 
IJ. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 257 
muͤthszustandes Analogisches enthalten. Der Geschmack 
macht gleichsam den Uebergang vom Sinnenreiz zum 
habituellen moralischen Interesse, ohne einen zu gewalt⸗ 
samen Sprung moͤglich, indem er die Einbildungs⸗ 
kraft auch in ihrer Freyheit als zweckmaͤßig fuͤr den Ver⸗ 
stand bestimmbar vorstellt, und sogar an Gegenstaͤnden 
der Sinne auch ohne Sinnenreiz ein freyes Wohlgefallen 
zu finden lehrt. 
§. 60. 
Anhang. 
Von der Methodenlehre des Geschmacks. 
Die Eintheilung einer Critik in Elementarlehre und 
Methodenlehre, welche vor der Wissenschaft vorhergeht, 
laͤßt sich auf die Geschmackscritik nicht anwenden; weil 
es keine Wissenschaft des Schoͤnen giebt noch geben 
kann, und das Urtheil des Geschmacks nicht durch Prin⸗ 
cipien bestimmbar ist. Denn was das Wissenschaftliche 
in jeder Kunst anlangt, welches auf Wahrheit in der 
Darstellung ihres Objects geht, so ist dieses zwar die 
unumgaͤngliche Bedingung (conditio sine qua non) der 
schoͤnen Kunst, aber diese nicht selber. Es giebt also 
fuͤr die schoͤne Kunst nur eine Manier (modus) nicht 
Lehrart (methodus). Der Meister muß es vormachen, 
was und wie es der Schuͤler zu Stande bringen soll und 
die allgemeine Regeln, darunter er zuletzt sein Verfah⸗ 
Rants Crit. d. Urtheisrt. R 
1
        <pb n="320" />
        258 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
ren bringt, koͤnnen eher dienen die Hauptmomente deß 
selben gelegentlich in Erinnerung zu bringen, als sie ihm 
vorzuschreiben. Hiebey muß dennoch auf ein gewisses 
Ideal Ruͤcksicht genommen werden, welches die Kunst 
vor Augen haben muß, ob sie es gleich in ihrer Aus⸗ 
uͤbung nie voͤllig erreicht. Nur durch die Aufweckung 
der Einbildungskraft des Schuͤlers zur Angemessenheit 
mit einem gegebenen Begriffe, durch die angemerkte Un⸗ 
zulaͤnglichkeit des Ausdrucks fuͤr die Idee, welche der 
Begrif selbst nicht erreicht, weil sie aͤsthetisch ist , und 
durch scharfe Critik kann verhuͤtet werden, daß die Bey⸗ 
spiele, die ihm vorgelegt werden, von ihm nicht sofort 
fuͤr Urbilder und etwa keiner noch hoͤhern Norm und ei⸗ 
gener Beurtheilung unterworfene Muster der Nachah— 
mung gehalten und so das Genie, mit ihm aber auch die 
Freyheit der Einbildungskraft selbst in ihrer Gesetzmaͤf⸗ 
sigkeit erstickt werde, ohne welche keine schoͤne Kunst, 
selbst nicht einmal ein richtiger sie beurtheilender eigener 
Geschmack, moͤglich itste. * 
Die Propaͤdeotik zu aller schoͤnen Kunst, sofern es 
auf den hoͤchsten Grad ihrer Vollkommenheit angelegt 
ist, scheint nicht in Vorschriften, sondern in der Cultur 
der Gemuͤthskraͤfte durch diejenige Vorkenntnisse zu lie⸗ 
gen, welche man humaniora nennt, vermuthlich ,weil 
Humanitaͤt einerseits das allgemeine Theilneh⸗ 
mungsgefuͤhl, andererseits das Vermoͤgen sich in⸗ 
nigst und allgemein mittheilen zu koͤnnen bedentet, 
189 
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1 
—X 
J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 259 
welche Eigenschaften zusammen verbunden die der 
Menschheit angemessene Geselligkeit ausmachen, wo⸗ 
durch sie sich von der thierischen Eingeschraͤnktheit un⸗ 
terscheidet. Das Zeitalter sowohl, als die Voͤlker, in 
welchen der rege Trieb zur gesetzlichen Geselligkeit, 
wodurch ein Volk ein dauerndes gemeines Wesen aus⸗ 
macht, mit den großen Schwierigkeiten rang, welche 
die schwere Aufgabe, Freyheit (und also auch Gleich⸗ 
heit) mit einem Zwange (mehr der Achtung und Unter⸗ 
werfung aus Pflicht als Furcht) zu vereinigen, umgeben, 
ein solches Zeitalter und ein solches Volk mußte die 
Kunst der wechselseitigen Mittheilung der Ideen des aus⸗ 
gebildetesten Theils mit dem roheren, die Abstimmung 
der Erweiterung und Verfeinerung der ersteren zur na⸗ 
tuͤrlichen Einfalt und Originalitaͤt der letzteren und auf 
diese Art dasjenige Mittel zwischen der hoͤheren Cultur 
und der genügsamen Natur zuerst erfinden, welches den 
richtigen, nach keinen allgemeinen Regeln anzugebenden 
Maasstab auch fuͤr den Geschmack, als allgemeinen 
Menschensinn, ausmacht. 
Schwerlich wird ein spaͤteres Zeitalter jene Muster 
entbehrlich machen; weil es der Natur immer weniger 
nahe seyn wird und sich zuletzt, ohne bleibende Beyspiele 
von ihr zu haben, kaum einen Begrif von der gluͤcklichen 
Vereinigung des gesetzlichen Zwanges der hoͤchsten Cul⸗ 
tur mit der Kraft und Richtigkeit der ihren eigenen 
R2
        <pb n="322" />
        260 J. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Werth fuͤhlenden freyen Natur in einem und demsel⸗ 
ben Volke zu machen im Stande seyn moͤchte. 
Da aber der Geschmack im Grunde ein Beurthei⸗ 
— Mungsvermoͤgen der Versinnlichung sittlicher Ideen, ver⸗ 
mittelst einer gewissen Analogie der Reflexion uͤber bey⸗ 
de, ist, davon auch und der darauf zu gruͤndenden groͤ⸗ 
ßeren Empfaͤnglichkeit fuͤr das Gefuͤhl aus den letzteren 
(welches das moralische heißt) diejenige Lust sich ablei⸗ 
tet, welche der Geschmack, als fͤr die Menschheit uͤber⸗ 
haupt, nicht blos fuͤr jedes sein Privatgefuͤhl, guͤltig er⸗ 
klaͤrt: so leuchtet lein, daß die wahre Propaͤdevtik zur 
Gruͤndung des Geschmacks die Entwickelung sittlicher 
Ideen und die Cultur des moralischen Gefuͤhls sey; mit 
welchem in Einstimmung die Sinnlichkeit gebracht, der 
aͤchte Geschmack allein eine bestimmte unveraͤnderliche 
Form annehmen kann. 
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24 
34 
Critik der Urtheilskraft 
Zweyter Theil. 
Lritif 
teleologischen Urtheilskraft. 
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        Von de 
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        GIl. 
Von der objectiven Zweckmaͤßigkeit der 
Natur. 
Man hat nach transcendentalen Principien guten 
Grund, eine subjective Zweckmaͤßigkeit der Natur in ih⸗ 
ren besondern Gesetzen zur Faßlichkeit fuͤr die menschliche 
Urtheilskraft und der Moͤglichkeit der Verknuͤpfung der 
besondern Erfahrungen, in einem System derselben an⸗ 
zunehmen; wo dann unter den vielen Producten dersel⸗ 
ben auch solche als moͤglich erwartet werden koͤnnen, 
die, als ob sie ganz eigentlich fuͤr unsere Urtheilskraft 
angelegt waͤren, eine solche specifische ihr angemessene 
Form enthalten, welche durch ihre Mannigfaltigkeit und 
Einheit die Gemuͤthskraͤfte (die im Gebrauche dieses 
Vermoͤgens im Spiele sind) gleichsam zu staͤrken und zu 
unterhalten dienen und denen man daher den Nahmen 
schoͤner Formen beylegt. 
Dasß aber Dinge der Natur einander als Mittel zu 
Zwecken dienen und ihre Moͤglichkeit selbst nur durch 
diese Art von Causalitaͤt hinreichend verstaͤndlich sey, 
dazu haben wir gar keinen Grund in der allgemeinen 
Idee der Natur als Inbegrifs der Gegenstaͤnde der 
R4
        <pb n="326" />
        264 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Sinne. Denn im obigen Falle konnte die Vorstellung 
der Dinge, weil sie etwas in uns ist, als zu der inner⸗ 
lich zweckmaͤßigen Stimmung unserer Erkenntnisvermoͤ⸗ 
gen geschickt und tauglich, ganz wohl auch a priori ge⸗ 
dacht werden; wie aber Zwecke die nicht die unsrige 
sind und die auch der Natur (welche wir nicht als intel⸗ 
ligentes Wesen annehmen) nicht zukommen, doch eine 
besondere Art der Causalitaͤt, wenigstens eine ganz eigne 
Gesetzmaͤßigkeit derselben ausmachen koͤnnen oder sollen, 
laͤßt sich a priori gar nicht mit einigem Grunde praͤsumi⸗ 
ren. Was aber noch mehr ist, so kann uns selbst die 
Erfahrung die Wirklichkeit, derselben nicht beweisen ; es 
muͤßte denn eine Vernuͤnfteley vorhergegangen seyn, die 
nur den Begrif des Zwecks in die Natur der Dinge hin⸗ 
einspielt, aber ihn nicht von den Objecten und ihrer Er⸗ 
fahrungserkenntnis hernimmt, denselben also mehr 
braucht die Natur nach der Analogie mit einem subjecti⸗ 
ven Grunde der Verknuͤpfung der Vorstellungen in uns 
begreiflich zu machen, als sie aus objectiven Gruͤnden 
zu erkennen. 
neberdem ist die objective Zweckmaͤßigkeit, als Prin—⸗ 
rip der Moͤglichkeit der Dinge der Natur, so weit da— 
von entfernt, mit dem Begriffe derselben nothwendig 
zusammenzuhaͤngen; daß sie vielmehr gerade das ist, 
worauf man sich vorzuͤglich beruft, um die Zufaͤlligkeit 
derselben (der Natur) und ihrer Form daraus zu bewei— 
sen. Denn wenn man, z. B. den Bau eines Vogels, 
I. 9 st 
die Hoͤung in 
zur Hewegun⸗ 
dmuͤhrt, os 
hen nexus ef 
sondere Art 
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aͤlig sey, 
nism betra 
den koͤnnen 
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ye zusaͤliglet 
traus zu hehytr 
Aegz Vogelh, 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 265 
die Hoͤlung in seinen Knochen, die Lage seiner Fluͤgel 
zur Bewegung und des Schwanzes zum steuern u. s. w. 
anfuͤhrt, so sagt man, daß dieses alles nach dem blo— 
ßen nexus effectivus in der Natur, ohne noch eine be⸗ 
sondere Art der Causalitaͤt, naͤmlich die der Zwecke ne- 
xus sinalis) zu Huͤlfe zu nehmen im hoͤchsten Grade zu⸗ 
faͤllig sey, d. i. daß sich die Natur, als bloßer Mecha⸗ 
nism betrachtet, auf tausendfache Art habe anders bil⸗ 
den koͤnnen, ohne gerade auf die Einheit nach einem sol⸗ 
chen Princip zu stoßen, und man also außer dem Be⸗ 
griffe der Natur, nicht in demselben „den mindesten 
Grund dazu a priori allein anzutreffen hoffen duͤrfe. 
Gleichwohl wird die teleologische Beurtheilung, we⸗ 
nigstens problematisch, mit Recht zur Naturforschung 
gezogen, aber nur, um sie nach der Analogie mit der 
Causalitaͤt nach Zwecken unter Principien der Beobach⸗ 
tung und Nachforschung zu bringen, ohne sich anzuma— 
ßen sie darnach zu erklaͤren. Sie gehoͤrt also zur refle⸗ 
ttirenden, nicht der bestimmenden, Urtheilskraft. Der 
Begrif von Verbindungen und Formen der Natur nach 
Zwecken ist doch wenigstens ein Princip mehr, die 
Erscheinungen derselben unter Regeln zu bringen, wo 
die Gesetze der Causalitaͤt nach dem bloßen Mechanism 
derselben nicht zulangen. Denn wir fuͤhren einen teleo⸗ 
logischen Grund an, wo wir einem Begriffe vom Ob— 
jecte, als ob er in der Natur (nicht in uns) belegen 
waͤre, Causalitaͤt in Ansehung eines Objects zueignen, 
R5
        <pb n="328" />
        266 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
oder vielmehr nach der Analogie einer solchen Causalitaͤt 
(dergleichen wir in uns antreffen) uns die Moͤglichkeit 
des Gegenstandes vorstellen, mithin die Natur als durch 
eignes Vermoͤgen technisch denken; dagegen, wenn 
wir ihr nicht eine solche Wirkungsart beylegen , ihre 
Causalitaͤt als blinder Mechanism vorgestellt werden 
muͤßte. Wuͤrden wir dagegen der Natur absichtlich-— 
wirkende Ursachen unterlegen, mithin der Teleologie 
nicht blos ein regulativ Princip fuͤr die bloße Beur—⸗ 
theilung der Erscheinungen, denen die Natur nach ih⸗ 
ren besondern Gesetzen als unterworfen gedacht werden 
koͤnne sondern dadurch auch constitutives Princip der 
Ableitung ihrer Producte von ihren Ursachen zum 
Grunde legen, so wuͤrde der Begrif eines Naturzwecks 
nicht mehr fuͤr die reflectirende, sondern die bestimmende 
Urtheilskraft gehoͤren; alsdenn aber in der That gar 
nicht der Urtheilskraft eigenthuͤmlich angehoͤren (wie der 
der Schoͤnheit als formaler subjectiver Zweckmaͤßigkeit) 
sondern, als Vernunftbegrif, eine neue Causalitaͤt in 
der Naturwissenschaft einfuͤhren, die wir doch nur von 
uns selbst entlehnen und andern Wesen beylegen, ohne 
sie gleichwohl mit uns als gleichartig annehmen zu 
wollen. 
J— ettdetchetetntetcv 
Erst 
teleolt 
Von derd 
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— 
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lit zur Aufl 
srincip und 
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bhhieetid und 
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        — 
hhen kaun 
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orhefelt dohe 
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n der —T— 
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saur mhh 
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JUrsachen zun 
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Aie hefinmend 
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uͤren (wie der 
eckmaͤßigkeit) 
lausalitͤt in 
—X 
xhlegen, ohtr 
wehmeneu 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 267 
Erste Abtheilung. 
Analytifk 
m 
J 
teleologischen Urtheilskraft. 
§. 62. 
Von der objectiven Zweckmaͤßigkeit die blos 
formal ist, zum Unterschiede von der ma⸗ 
terialen. — 
Aue geometrische Figuren, die nach einem Princip ge⸗ 
zeichnet werden, zeigen eine mannigfaltige, oft bewun⸗ 
derte, objective Zweckmaͤßigkeit, naͤmlich der Tauglich— 
keit zur Aufloͤsung vieler Probleme nach einem einzigen 
Princip und auch wohl eines jeden derselben auf unend— 
lich verschiedene Art an sich. Die Zweckmaͤßigkeit ist 
hier offenbar objectiv und intellectuell, nicht aber blos 
subjectiv und aͤsthetisch. Denn sie druͤckt die Angemessen⸗ 
heit der Figur zur Erzeugung vieler abgezweckten Ge— 
stalten aus und wird durch Vernunft erkannt. Allein 
die Zweckmaͤßigkeit macht doch den Begrif von dem Ge—⸗ 
genstande selbst nicht moͤglich, d. i. er wird nicht blos in 
Ruͤcksicht auf diesen Gebrauch als moͤglich angesehen.
        <pb n="330" />
        268 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
In einer so einfachen Figur, als der Cirkel ist, liegt 
der Grund zu einer Aufloͤsung einer Menge von Proble⸗ 
men, deren jedes fuͤr sich mancherley Zuruͤstung erfor⸗ 
dern wuͤrde und die als eine von den unendlich vielen 
vortreflichen Eigenschaften dieser Figur, sich gleichsam 
von selbst ergiebt. Ist es z. B. darum zu thun, aus der 
gegebenen Grundlinie und den ihr gegenuͤberstehen⸗ 
den Winkel einen Triangel zu construiren, so ist die Auf⸗ 
gabe unbestimmt, d. i. sie laͤßt sich auf unendlich man⸗ 
nigfaltige Art aufloͤsen. Allein der Cirkel befaßt sie doch 
alle insgesammt, als der geometrische Ort fuͤr alle Drey⸗ 
ecke, die dieser Bedingung gemaͤs sind. Oder zwey Li⸗ 
nien sollen sich einander so schneiden daß das Rechteck 
aus den zwey Theilen der einen, dem Rechteck aus den 
zwey Theilen der andern gleich sey: so hat die Aufloͤsung 
der Aufgabe dem Ansehen nach viele Schwierigkeit. Aber 
alle Linien, die sich innerhalb dem Cirkel, dessen Umkreis 
jede derselben begrenzt, schneiden theilen sich von selbst 
in dieser Proportion. Die andere krumme Linien geben 
wiederum andere zweckmaͤßige Aufloͤsungen an die Hand, 
an die in der Regel, die ihre Construction ausmacht, 
gar nicht gedacht war. Alle Kegelschnitte fuͤr sich und 
in Vergleichung mit einander sind fruchtbar an Princi⸗ 
pien zur Aufloͤsung einer Menge moͤglicher Probleme, so 
einfach auch ihre Erklaͤrung ist, welche ihren Begrif be⸗ 
stimmt. — Es ist eine wahre Freude den Eifer der alten 
Geometer anzusehen, mit dem sie diesen Eigenschaften 
I. d Cen 
xer Uen dese 
sregy eirheschri 
n dese henn 
thue das Gese 
ulchez ihnen 
tiie shoerer 
hrer Veweg 
wuͤrde an die 
hremechn 
oͤrpern zu fi 
Entfernunge 
hes macht 
shreiben. 
Anhewußt, 
ten se sih 
Dinge, die 
ket darstel- 
Visenschaft 
chaffenheit d 
aahrung ehth 
hemuͤthe de 
lichen Pritch 
schaften der 
der Muff —T 
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at die Nufhiun 
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desen Uunkreis 
gsch von seht 
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ttien ausnach 
itte fuͤr sch um 
—QRX 
Lrohleme,d 
nren Hegrif ho 
—A 
aidenschoftet 
II. Th. Cricik der teleologischen Urtheilskraft. 269 
der Linien dieser Art nachforschten, ohne sich durch die 
Frage eingeschraͤnkter Koͤpfe irre machen zu lassen, wozu 
denn diese Kenntnis nutzen sollte, z. B. die der Parabet, 
ohne das Gesetz der Schwere auf der Erde zu kennen, 
welches ihnen die Anwendung derselben auf die Wurfs⸗ 
linie schwerer Koͤrpber, (deren Richtung der Schwere in 
ihrer Bewegung als parallel angesehen werden kann) 
wuͤrde an die Hand gegeben haben; oder der Ellipse, 
ohne zu ahnden daß auch eine Schwere an Himmels⸗ 
koͤrpern zu finden sey und ohne ihr Gesetz in verschiedenen 
Entfernungen vom Anziehungspuncte zu kennen, wel⸗ 
ches macht, daß sie diese Linie in freyer Bewegung be⸗ 
schreiben. Waͤhrend dessen, daß sie hierin, ihnen selbst 
unbewußt, fuͤr die Nachkommenschaft arbeiteten, ergoͤtz⸗ 
ten sie sich an einer Zweckmaͤßigkeit in dem Wesen der 
Dinge, die sie doch voͤllig a priori in ihrer Nothwendig⸗ 
keit darstellen konnten. Plato, selbst Meister in dieser 
Wissenschaft, gerieth aͤber eine solche urspruͤngliche Be— 
schaffenheit der Dinge, welche zu entdecken wir aller Er⸗ 
fahrung entbehren koͤnnen, und uͤber das Vermoͤgen des 
Gemuͤths, die Harmonie der Wesen aus ihrem aͤbersinn⸗ 
lichen Princip schoͤpfen zu koͤnnen (wozu noch die Eigen— 
schaften der Zahlen kommen, mit denen das Gemuͤth in 
der Musik spielt), in die Begeisterung, welche ihn aͤber 
die Erfahrungsbegriffe zu Ideen erhob, die ihm nur 
durch eine intellectuelle Gemeinschaft mit dem Ursprunge 
aller Wesen erklaͤrlich zu seyn schienen. Kein Wunder,
        <pb n="332" />
        270 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
daß er den der Meßkunst Unkundigen aus seiner Schule 
verwies, indem er das, was Anaxagoras aus Erfah— 
rungsgegenstaͤnden und ihrer Zweckverbindung schlos, 
aus der reinen, dem menschlichen Geiste innerlich bey— 
wohnenden Anschauung abzuleiten dachte. Denn 
in der Nothwendigkeit dessen was zweckmaͤßig ist und 
was so beschaffen ist, als ob es fuͤr unsern Gebrauch 
absichtlich so eingerichtet waͤre, was gleichwohl dem We⸗ 
sen der Dinge urspruͤnglich zuzukommen scheint, ohne 
auf unsern Gebrauch Ruͤcksicht zu nehmen, liegt eben 
der Grund der großen Bewunderung der Natur, nicht 
sowohl außer uns, als in unserer eigenen Vernunft, 
wobey es wohl verzeihlich ist, daß diese Bewunderung 
durch Misverstand nach und nach bis zur Schwaͤrmerey 
steigen mochte. 
Diese intellectuelle Zweckmaͤßigkeit aber, ob sie gleich 
objectiv ist (nicht wie die aͤsthetische subjectiv) laͤßt sich 
gleichwohl ihrer Moͤglichkeit nach als blos formale (nicht 
reale) d. i. als Zweckmaͤßigkeit, ohne daß doch ein Zweck 
ihr zum Grunde zu legen mithin Teleologie dazu noͤthig 
waͤre, gar wohl, aber nur im Allgemeinen begreifen. 
Die Cirkelfigur ist eine Anschauung, die durch den Ver— 
stand nach einem Princip bestimmt worden: die Einheit 
dieses Princips, welches ich willkuͤhrlich annehme und 
als Begrif zum Grunde lege, angewandt auf eine Form 
der Anschauung (den Raum), die gleichfalls blos als 
Vorstellung und zwar a priori in mir angetroffen wird, 
Id C 
nmacht die Ein 
Hegriß ergeb 
Wscht weckn 
noͤßigkeit ein 
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ewandt, a 
ingeschlosse 
V. einen 
Baͤume,? 
che ich a pr 
Raums zu 
Dinge sind 
kannt werd 
nem hrine 
her die le 
bon dem 
Aher 
war ind 
kruirt her 
skeit ist 
hen. Die 
inem hri 
amt synth 
xs Ohject 
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        Urhae 
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ler Natr, i 
ienen emn 
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ur Echharmm 
her oh se Alei 
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w sormale (ich 
d doch ein zuet 
Mogie dazu toͤth 
emeinen begres, 
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erden: die Einhit 
lich annehne un 
ndt auf eine son 
leichsalz hhs il 
wgetrofen wih 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 271 
macht die Einheit vieler sich aus der Construction jenes 
Begrifs ergebender Regeln die in mancherley moͤglicher 
Absicht zweckmaͤßig sind, begreiflich ohne dieser Zweck⸗ 
maͤßigkeit einen Zweck, oder irgend einen andern Grund 
derselben unterlegen zu duͤrfen. Es ist hiemit nicht so 
bewandt, als wenn ich in einem, in gewisse Grenzen 
eingeschlossenen Inbegriffe von Dingen außer mir, 
z. B. einem Garten, Ordnung und Regelmaͤßigkeit der 
Baͤume, Blumenbetten, Gaͤnge u. s. w. antraͤfe, wel— 
che ich a priori aus meiner beliebigen Umgrenzung eines 
Raums zu folgern nicht hoffen kann, weil es existirende 
Dinge sind, die empirisch gegeben seyn muͤssen, um er⸗ 
kannt werden zu koͤnnen, und nicht eine bloße nach ei— 
nem Princip a priori bestimmte Vorstellung in mir. Da⸗ 
her die letztere (empirische) Zweckmaͤßigkeit , als Real, 
von dem Begriffe eines Zwecks abhaͤngig ist. 
Aber auch der Grund der Bewunderung einer, ob⸗— 
zwar in dem Wesen der Dinge (sofern ihre Begriffe con⸗ 
struirt werden koͤnnen), wahrgenommenen Zweckmaͤs⸗ 
sigkeit laͤßt sich seyr wohl und zwar als rechtmaͤßig einse⸗ 
hen. Die mannigfaltige Regeln, deren Einheit (aus 
einem Princip) diese Bewunderung erregt, sind insge— 
samt synthetisch und folgen nicht aus einem Begriffe 
des Objects, z. B. des Cirkels sondern beduͤrfen es, 
— gegeben sey. Da⸗ 
durch aber bekommt diese Einheit das Ansehen, als ob 
sie empirisch einen von unserer Vorstellungskraft unter—
        <pb n="334" />
        272 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
schiedenen aͤußern Grund der Regeln habe und also die 
Uebereinstimmung des Objects zu dem Beduͤrfnis der Re⸗ 
geln, das dem Verstande eigen ist, an sich zufaͤllig, mit⸗ 
hin nur durch einen ausdruͤcklich darauf gerichteten 
Zweck moͤglich sey. Nun sollte uns zwar eben diese Har⸗ 
monie, weil sie, aller dieser Zweckmaͤßigkeit ungeachtet, 
dennoch nicht empirisch, sondern a priort erkannt wird, 
von selbst darauf bringen, daß der Raum, durch dessen 
Bestimmung (vermittelst der Einbildungskraft, gemaͤs 
einem Begriffe) das Object allein moͤglich war , nicht 
eine Beschaffenheit der Dinge außer mir, sondern eine 
bloße Vorstellungsart in mir sey und ich also in die Fi⸗ 
gur, die ich einem Begriffe angemessen zeichne, 
d. i. in meine eigene Vorstellungsart von dem, was mir 
aͤußerlich, es sey an sich was es wolle, gegeben wird, die 
Zweckmaͤßigkeit hineinbringe, nicht von diesem 
uͤber dieselbe belehrt werde, folglich zu jener keinen be⸗ 
sondern Zweck außer mir am Objecte beduͤrfe. Dieweil 
aber diese Ueberlegung schon einen eritischen Gebrauch 
der Vernunft erfordert, mithin in der Beurtheilung des 
Gegenstandes nach seinen Eigenschaften nicht sofort mit 
enthalten seyn kann, so giebt mir die letztere unmittelbar 
nichts als Vereinigung heterogener Regeln, (sogar nach 
dem , was sie ungleichartiges an sich haben) in einem 
Princip an die Hand, welches, ohne einen außer mei⸗ 
nem Begriffe und uͤberhaupt meiner Vorstellung a priori 
liegenden besondern Grund dazu zu fordern, dennoch 
von 
Udh 
hon wit a pn 
die Verwun 
nhereinharke 
heten Regel 
genden Prin 
zuch recht 
Bewunde 
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kung jener 
der Dinge 
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daß ben 
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ucht soforttht 
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hen) in eintn 
nen auher her 
elung a püiri 
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h 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 273 
bon mir a priori als wahrhaft erkannt wird. Nun ist 
die Verwunderung ein Anstos des Gemuͤths, an der 
Unvereinbarkeit einer Vorstellung und der durch sie gege⸗ 
benen Regel mit den schon in ihm zum Grunde hie— 
genden Principien, welche also einen Zweifel, ob man 
auch recht gesehen oder geurtheilt habe, hervorbringt; 
Bewunderung aber eine immer wiederkommende 
Verwunderung, unerachtet der Verschwindung dieses 
Zweifels. Folglich ist die letzte eine ganz natuͤrliche Wir— 
kung jener beobachteten Zweckmaͤßigkeit in den Wesen 
der Dinge (als Erscheinungen), die auch so fern nicht 
getadelt werden kann, indem die Vereinbarung jener 
Form der sinnlichen Anschauung (welche der Raum 
heißt) mit dem Vermoͤgen der Begriffe (dem Verstande), 
nicht allein deswegen, daß sie gerade diese und keine an— 
dere ist, uns unerklaͤrlich, sondern uͤberdem noch fuͤr 
das Gemuͤth erweiternd ist, noch etwas uͤber jene sinn⸗ 
liche Vorstellungen hinausliegendes gleichsam zu ahnden, 
worinn, ob zwar uns unbekannt, der letzte Grund jener 
Einstimmung angetroffen werden mag, welchen zu ken⸗ 
nen wir zwar auch nicht noͤthig haben, wenn es blos um 
formale Zweckmaͤßigkeit unserer Vorstellungen a priori 
zu thun ist, wohin aber auch nur hinaussehen zu 
muͤssen fuͤr den Gegenstand, der uns dazu noͤthigt, zu⸗ 
gleich Bewunderung einfloͤftt. 
Man ist gewohnt die erwaͤhnte Eigenschaften , so 
wohl der geometrischen Gestalten, als auch wohl der 
Rants Crit. d. Urtheilskr S
        <pb n="336" />
        274 II. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
Zahlen, um einer gewissen, aus der Einfachheit ihrer 
Construction nicht erwarteten Zweckmaͤßigkeit derselben 
a priori zu allerley Erkenntnisgebrauch willen, Schoͤn⸗ 
heit zu nennen und spricht z. B. von dieser oder jener 
schoͤnen Eigenschaft des Cirkels, welche auf diese oder 
jene Art entdeckt waͤre. Allein es ist keine aͤsthetische 
Beurtheilung durch die wir sie zweckmaͤßig finden, keine 
Beurtheilung ohne Begrif, die eine bloße subjective 
Zweckmaͤßigkeit im freyen Spiele unserer Erkenntnisver⸗ 
moͤgen bemerklich machte, sondern eine intellectuelle nach 
Begriffen, welche eine objective Zweckmaͤßigkeit, d. i. 
Tauglichkeit zu allerley (ins Unendliche mannigfaltigen) 
Zwecken deutlich zu erkennen giebt. Man muͤßte sie 
eher eine relative Vollkommenheit, als eine Schoͤnheit 
der mathematischen Figur nennen; die Benennung einer 
intellectuellen Schoͤnheit kann auch uͤberhaupt 
nicht fuͤglich erlaubt werden; weil sonst das Wort Schoͤn⸗ 
heit alle bestimmte Bedeutung, oder das intellectuelle 
Wohlgefallen allen Vorzug vor dem sinnlichen verlieren 
muͤßte. Eher wuͤrde man einer Demonstration 
solcher Eigenschaften, weil durch diese der Verstand, als 
Vermoͤgen der Begriffe und Einbildungskraft, als Ver⸗ 
moͤgen der Darstellung derselben a priori sich gestaͤrkt 
fuͤhlen (welches mit der Praecision, die die Vernunft 
hineinbringt, zusammen, die Eleganz derselben genannt 
wird) schoͤn nennen koͤnnen: indem hier doch wenig⸗ 
steus das Wohlgefallsen, ob gleich der Grund derselben 
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II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 275 
in Begriffen liegt, subjectiv ist, da die Vollkommenheit 
ein objectives Wohlgefallen bey sich fuͤhht. 
9. 63. 
Von der relativen Zweckmaͤßigkeit der Natur 
zum Unterschiede von der innern. 
Die Erfahrung leitet unsere Urtheilskraft auf den 
Begrif einer objectiven und materialen Zweckmaͤßigkeit, 
d. i. auf den Begrif eines Zwecks der Natur nur als⸗ 
denn, wenn ein Verhaͤltnis der Ursache zur Wirkung zu 
beurtheilen ist, ) welches wir als gesetzlich einzusehen 
uns nur dadurch vermoͤgend finden, daß wir die Idee 
der Wirkung der Caussalitaͤt ihrer Ursache als die die⸗ 
ser selbst zum Grunde liegende Bedingung der Moͤglich— 
keit der ersteren, unterlegen. Dieses kann aber auf 
zwiefache Weise geschehen: entweder indem wir die Wir⸗ 
kung unmittelbar als Kunstproduct oder nur als Mate— 
rial fuͤr die Kunst anderer moͤglichen Naturwesen, also 
entweder als Zweck, oder als Mittel zum zweckmaͤßigen 
Gebrauche anderer Ursachen, ansehen. Die letztere 
Zweckmaͤßigkeit heißt die Nutzbarkeit (fuͤr Menschen), 
N Daher, weil in der reinen Mathematik nicht von der Exi— 
stenz, sondern nur der Moͤglichkeit der Dinge, naͤmlich ei⸗ 
ner ihrem Begriffe eorrespondirenden Anschauung, mithin 
gar nicht von Ursache und Wuͤrkung die Rede seyn kann, 
alle daselbst angemerkte Zweckmaͤbigkeit blos als formal, 
niemals als Naturzweck, betrachtet werden muß. 
S 2
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        276 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
oder auch Zutraͤglichkeit (fuͤr jedes andere Geschoͤpf) und 
ist blos relativ, indessen daß die erstere eine innere Zweck⸗ 
—V Naturwesens ist. 
Die Fluͤsse fuͤhren z. B. allerley zum Wachsthum 
der Pflanzen dienliche Erde mit sich fort, die sie biswei⸗ 
len mitten im Lande, oft auch an ihren Muͤndnngen, 
absetzen. Die Fluth fuͤhrt diesen Schlich an manchen 
Kuͤsten uͤber das Land, oder setzt ihn an dessen Ufer ab 
und, wenn vornehmlich Menschen dazu helfen / damit 
die Ebbe ihn nicht wieder wegfuͤhre, so nimmt das frucht⸗ 
bare Land zu und das Gewaͤchsreich nimmt da Platz, 
wo vorher Fische und Schaalthiere ihren Auffenthalt 
gehabt hatten. Die meiste Landeserweiterungen auf 
diese Art hat wohl die Natur selbst verrichtet und faͤhrt 
damit auch noch, ob zwar langsam fort. I 
Nun fraͤgt sich, ob dies als ein Zweck der Natur 
zu beurtheilen sey, weil es eine Nutzbarkeit fuͤr Men⸗ 
schen enthaͤlt; denn die fuͤr das Gewaͤchsreich selber kann 
man nicht in Anschlag bringen, weil dagegen eben so 
viel den Meergeschoͤpfen entzogen wird, als dem Lande 
Vortheil zuwaͤchst. Oder, um ein Beyspiel von der Zu⸗ 
traͤglichkeit gewisser Naturdinge als Mittel fuͤr andere 
Geschoͤpfe (Wenn man sie als Zwecke voraussetzt) zu ge—⸗ 
ben: so ist kein Boden den Fichten gedeylicher als ein 
Sandboden. Nun hat das alte Meer, ehe es sich vom 
Lande zuruͤck zog, so viele Sandstriche in unsern nord⸗ 
lichen Gegenden zuruͤckgelassen, daß auf diesen fuͤr alle 
—XX 
dultur set 
— 
shyernuͤnfti 
—XV 
Ahsetungd 
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diel ist klar 
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—E y
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e es sih bom 
unsern hord⸗ 
gen suͤt alle 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 277 
Cultur sonst so unbrauchbaren Boden weitlaͤuftige 
Fichtenwaͤlder haben ausschlagen koͤnnen, wegen derer 
unvernuͤnftiger Ausrottung wir haͤufig unsere Vorfah⸗ 
ren anklagen, und da kann man fragen, ob diese uralte 
Absetzung der Sandschichten ein Zweck der Natur war, 
zum Behuf der darauf moͤglichen Fichtenwaͤlder. So 
viel ist klar: daß, wenn man diese als Zweck der Natur 
annimmt, man jenen Sand auch, aber nur als relati⸗ 
ven Zweck einraͤumen muͤsse, wozu wiederum der alte 
Meeresstrand und dessen Zuruͤckziehen das Mittel war; 
denn in der Reihe der einander subordinirten Glieder 
einer Zweckverbindung muß ein jedes Mittelglied als 
Zweck (obgleich eben nicht als Endzweck) betrachtet wer⸗ 
den, wozu seine naͤchste Ursache das Mittel ist. Eben 
so, wenn einmal Rindvieh, —ã— 
der Welt seyn sollten, so mußte Gras auf Erden , aber 
es mußten auch Salzkraͤuter in Sandwuͤsten wachsen, 
wenn Cameele gedeyen sollten oder auch diese und an⸗ 
dere grasfressende Thierarten in Menge anzutreffen seyn, 
wenn es Woͤlfe, Tieger und Loͤwen geben sollte. Mithin 
ist die objective Zweckmaͤßigkeit, die sich auf Zutraͤglich⸗ 
keit gruͤndet, nicht eine objective Zweckmaͤßigkeit der 
Dinge an sich selbst, als ob der Sand fuͤr sich, als Wir⸗ 
kung aus seiner Ursache, dem Meere, nicht koͤnnte be— 
griffen werden, ohne dem letztern einen Zweck unterzu⸗ 
legen, und ohne die Wirkung naͤmlich den Sand als 
Kunstwerk zu betrachten. Sie ist eine blos relative, dem 
S 3
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        278 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Dinge selbst, dem sie beygelegt wird, blos zufaͤllige 
Zweckmaͤßigkeit; und obgleich unter den angefuͤhrten Bey⸗ 
spielen die Grasarten fuͤr sich, als organisirte Producte 
der Natur, mithin als Kunstreich zu beurtheilen sind, 
so werden sie doch in Beziehung auf Thiere, die sich da⸗ 
von naͤhren, als bloße rohe Materie angesehen. 
Wenn aber vollends der Mensch durch Freyheit sei⸗ 
ner Caussalitaͤt die Naturdinge seinen oft thoͤrigten Ab⸗ 
sichten (die bunte Vogelfedern zum Putzwerk seiner Be⸗ 
kleidung, farbigte Erden oder Pflanzensaͤfte zur Schmin⸗ 
ke) mannigmal auch vernuͤnftiger Absicht, das Pferd 
zum Reiten, den Stier und in Minorca sogar das 
Schwein zum Pfluͤgen zutraͤglich findet, so kann man hier 
auch nicht einmal einen relativen Naturzweck (auf diesen 
Gebrauch) annehmen. Denn seine Vernunft weis den 
Dingen eine Uebereinstimmung mit seinen willkuͤhrlichen 
Einfaͤllen, dazu er selbst nicht einmal von der Natur 
praͤdestinirt war, zu geben. Nur wenn— man an⸗ 
nimmt, Menschen haben auf Erden leben sollen, so 
muͤssen doch wenigstens die Mittel, ohne die sie als 
Thiere und selbst als vernuͤnftige Thiere (in wie nie⸗ 
drigem Grade es auch sey) nicht bestehen konnten, 
auch nicht fehlen; alsdenn aber wuͤrden diejenigen 
Naturdinge, die zu diesem Behuf unentbehrlich sind, 
auch als Naturzwecke angesehen werden muͤssen. 
Man sieht hieraus leicht ein, daß die aͤußere 
weckmaͤßigkeit (Zutraͤglichkeit eines Dinges fuͤr an⸗ 
Idet 
dere) gur un 
buisen, dem 
surcglich ist 
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        thelthu 
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ꝓrüch su 
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die aͤher 
5 fuͤrg 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 279 
dere) nur unter der Bedingung, daß die Existenz des⸗ 
—DDDDDDD— 
zutraͤglich ist, fuͤr sich selbst Zweck der Natur sey, fuͤr 
einen aͤußern Nuturzweck angesehen werden koͤnne. 
Da jenes aber, durch bloße Naturbetrachtung nim⸗ 
mermehr auszumachen ist, so folgt daß die relative 
Zweckmaͤßigkeit, ob sie gleich hypothetisch auf Natur— 
zwecke Anzeige giebt, dennoch zu keinem absoluten 
teleologischen Urtheile berechtige. 
Der Schnee sichert die Saaten in kalten Laͤndern 
wider den Frost, er erleichtert die Gemeinschaft der 
Menschen (durch Schlitten), der Lapplaͤnder findet 
dort Thiere die diese Gemeinschaft bewirken (Renn⸗ 
thiere) und die an einem duͤrren Moose, welches sie 
sich selbst unter dem Schnee hervorscharren muͤssen, 
hinreichende Nahrung finden und gleichwohl sich leicht 
zaͤhmen und der Freyheit, in der sie sich gar wohl erhal⸗ 
ten koͤnnten, willig berauben lassen. Fuͤr andere in 
derselben Eiszone enthaͤlt das Meer reichen Vorrath 
an Thieren, die, ausser der Nahrung und Kleidung, 
die sie liefern und dem Holze, welches ihnen das 
Meer zu Wohnungen gleichsam hinfloͤßet, ihnen noch 
Brennmaterien zur Erwaͤrmung ihrer Huͤtten liefern. 
Hier ist nun eine bewundernswuͤrdige Zusammenkunft 
von so viel Beziehungen der Natur auf einen Zweck; 
und dieser ist der Groͤnlaͤnder , der Lappe, der Samo⸗ 
jede, oder Jakute u. s. w. Aber man sieht nicht, wa⸗ 
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        280 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
rum uͤberhaupt Menschen dort leben muͤssen. Also 
sagen: daß darum Duͤnste aus der Luft in der Form 
des Schnees herunterfallen , das Meer seine Stroͤhme 
habe, welche das in waͤrmern Laͤndern gewachsene 
Holz dahin schwemmen und große mit Oel angefuͤllte 
Seethiere da sind: weil der Ursache die alle die Na— 
turproducte herbeyschaft, die Idee eines Vortheils 
fuͤr gewisse armseelige Geschoͤpfe zum Grunde liege, 
waͤre ein sehr gewagtes und willkuͤhrliches Ur⸗ 
theil. Denn, wenn alle diese Naturnuͤtzlichkeit 
auch nicht waͤre, so wuͤrden wir nichts an der 
Zulaͤnglichkeit der Naturursachen zu dieser Beschaffen⸗ 
heit vermissen „, vielmehr eine folche Anlage auch nur 
zu verlangen und der Natur einen solchen Zweck zu⸗ 
zumuthen (da ohnedem nur die groͤßte Unvertraͤglich— 
keit der Menschen unter einander sie bis in so un— 
wirthbare Gegenden hat versprengen koͤnnen), wuͤrde 
uns selbst vermessen und unuͤberlegt zu seyn duͤnken. 
§. 64. 
Von dem eigenthuͤmlichen Character der 
Dinge als Naturzwecke. 
Um einzusehen, daß ein Ding nur als Zweck 
moͤglich sey, d. i. die Caussalitaͤt seines Ursprungs 
nicht im Mechanism der Natur, sondern in einer Ur— 
sache, deren Vermoͤgen zu wirken durch Begriffe be— 
llimmt wird, suchen zu muͤssen, dazu wird erfodert: 
I.det 
doß sene se 
lih syy d. i 
sand alein 
gchaunt werd 
shes Erken 
Hegrisse de 
keit seiner 
in Bepieh 
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die Noth⸗ 
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neiner sy⸗ 
heqrisse he⸗ 
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II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 281 
daß seine Form nicht nach bloßen Naturgesetzen moͤg⸗ 
lich sey, d. i. solchen, welche von uns durch den Ver⸗ 
stand allein, auf Gegenstaͤnde der Sinne angewandt, 
erkannt werden koͤnnen, sondern daß selbst ihr empiri⸗ 
sches Erkenntnis, ihrer Ursache und Wirkung nach, 
Begriffe der Vernunft voraussetze. Diese Zufaͤllig— 
keit seiner Form bey allen empirischen Naturgesetzen 
in Beziehung auf die Vernunft, da die Vernunft, 
welche an einer jeden Form eines Naturproducts auch 
die Nothwendigkeit derselben erkennen muß, wenn sie 
auch nur die mit seiner Erzeugung verknuͤpfte Bedin— 
gungen einsehen will, gleichwohl aber an jener gege⸗ 
benen Form diese Nothwendigkeit nicht annehmen 
kann, ist selbst ein Grund die Caussalitaͤt desselben so 
anzunehmen 7 als 3b sie eben darum nur durch Ver⸗ 
nunft moͤglich sey; diese aber ist alsdenn das Vermoͤ— 
gen nach Zwecken zu handeln (ein Wille) und das 
Object, welches nur als aus diesem moͤglich vorge— 
stellt wird, wuͤrde nur als Zweck fuͤr moͤglich vorge⸗ 
stellt werden. 
Wenn jemand in einem ihm unbewohnt scheinen⸗ 
den Lande eine geometrische Figur allenfalls pom re— 
gulaͤren Sechsecke im Sande gezeichnet wahrnaͤhme, 
so wuͤrde seine Reflexion, indem sie an einem Begriffe 
derselben arbeitet der Einheit des Princips der Er⸗ 
zeugung desselben, wenn gleich dunkel vermittelst der 
Vernunft inne werden, und so, dieser gemaͤs, den 
S5
        <pb n="344" />
        282 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Sand, das benachbarte Meer, die Winde, oder auch 
Thiere mit ihren Fustritten, die er kennt, oder jede 
andere vernunftlose Ursache nicht als einen Grund 
der Moͤglichkeit einer solchen Gestalt beurtheilen; weil 
ihm die Zufaͤlligkeit, mit einem solchen Begriffe, der 
nur in der Vernunft moͤglich ist, zusammen zu treffen, 
so unendlich groß scheinen wuͤrde, daß es eben so gut 
waͤre, als ob es dazu gar kein Naturgesetz gebe, folg— 
lich sauch keine Ursache in der blos mechanisch wirkenden 
——WIoo einem solchen Ob⸗ 
ject, als Begrif den nur Vernunft geben und mit dem⸗ 
selben den Gegenstand vergleichen kann, auch die Caussa⸗ 
litaͤt zu einer solchen Wirkung enthalten folglich diese 
durchaus als Zweck, aber nicht Naturzweck, d. i. als 
Product der Kunst angesehen werden koͤnne (vestigium 
hominis video). 
L./ 
Um aber etwas, was man als Naturproduct er⸗ 
kennt, gleichwohl doch auch als Zweck mithin als Na— 
turzweck zu beurtheilen dazu, wenn nicht etwa hie— 
rinn gar ein Wiederspruch liegt, wird schon mehr erfor⸗ 
dert. Ich wuͤrde / sagen: ein Ding existirt als Natur⸗ 
zweck, wenn es von sich selbst Ursache und Wir— 
kung ist, denn hierin liegt eine Caussalitaͤt, dergleichen 
mit dem bloßen Begriffe einer Natur, ohne ihr einen 
Zweck unterzulegen , nicht verbunden, aber auch als⸗ 
dann ,zwar ohne Wider spruch gedacht aber nicht be⸗— 
griffen werden kann. Wir wollen die Bestimmnug die— 
—XL 
— 
Nnhiletlů 
sin Ya 
ihem bekan 
mnetzeugt ñ 
sch selbsted 
Virkung, 
hoͤrlich her 
dorbringe 
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Indibid 
—XL 
— 
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men, geit 
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ish⸗ tigent 
wusser ihr pr 
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ihm X 
is doch in 
dieseg wohe 
dunggur 
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        lthümng 
dinde „Oder u 
ut dan 
hehn bin 
urheln bi 
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J chopt 
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Ale /vesihim 
toloduct er⸗ 
in as Na— 
qt etwa hie 
n wehr erfor⸗ 
als Natur 
und Vir⸗ 
it, derqleichen 
due ihr einen 
xer auch alz⸗ 
der gucht he⸗ 
udhug r 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 283 
fer Idee von einem Naturzwecke zuvoͤrderst durch ein 
Veyspiel erlaͤutern, ehe wir sie voͤllig aus einander setzen. 
Ein Baum zeugt erstlich einen andern Baum nach 
einem bekannten Naturgesetze. Der Baum aber, den 
er erzeugt ist von derselben Gattung und so erzeugt er 
sich selbst de Gattung nach, in der er einerseits als 
Wirkung, andrerseits als Ursache von sich selbst unauf⸗ 
hoͤrlich hervorgebracht und, eben so, sich selbst oft her⸗ 
vorbringend sich, als Gattung, bestaͤndig erhaͤlt. 
Zweytens erzeugt ein Baum sich auch selbst als 
Individnum. Diese Art von Wirkung nennen wir 
zwar nur das Wachsthum; aber dieser ist in solchem 
Sinne zu nehmen, daß er von jeder andern Groͤßenzu—⸗ 
nahme nach mechanischen Gesetzen gaͤnzlich unterschieden 
und einer Zeugung, wiewohl unter einem andern Nah⸗ 
men, gleich zu achten ist. Die Materie die er zu sich 
hinzu setzt, verarbeitet dieses Gewaͤchs vorher zu speci⸗ 
fisch -eigenthuͤmlicher Qualitaͤt, die der Naturmechanism 
ausser ihr nicht liefern kann und bildet sich selbst weiter 
aus, vermittelst eines Stoffes, der, seiner Mischung 
nach, sein eigeues Product ist. Denn, ob er zwar, was 
die Bestandtheile betrift, die er von der Natur ausser 
ihm erhaͤlt, nur als Educt angesehen werden muß, so 
ist doch in der Scheidung und neuen Zusammensetzung 
dieses rohen Stoffs eine solche Originalitaͤt des Schei⸗ 
dungs- und Bildungsvermoͤgens dieser Art Naturwesen 
anzutreffen, von der alle Kunst unendlich weit entfernt
        <pb n="346" />
        284 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
bleibt, wenn sie es versucht aus den Elementen, die sie 
durch Zergliederung derselben, oder auch dem Stoff, 
den die Natur zur Nahrung derselben liefert, jene 
Producte des Gewaͤchsreichs wieder herzustellen. 
Drittens erzeugt ein Theil dieses Geschoͤpfs auch 
sich selbst so: daß die Erhaltung des eiuen von der Er⸗ 
haltung der anderen wechselsweise abhaͤngt. Das Auge 
an einem Baumblatt, dem Zweige eines andern einge⸗ 
impft, bringt an einem fremdartigen Stocke ein Gewaͤchs 
bon seiner eignen Art hervor und eben so der Propfreis 
auf einem andern Stamme. Daher kann man auch an 
demselben Baume jeden Zweig oder Blatt als blos auf 
diesem gepropft oder oculirt, mithin als einen fuͤr sich 
selbst bestehenden Baum, der sich nur an einen andern 
anhaͤngt und parasitisch noͤhrt, ansehen. Zugleich sind 
die Blaͤtter zwar Producte des Baums erhalten aber 
diesen doch auch gegenseitig; denn die wiederholte Ent⸗ 
blaͤtterung wuͤrde ihn toͤdten und sein Wachsthum haͤngt 
von dieser ihrer Wirkung auf den Stamm ab. Der 
Selbsthuͤlfe der Natur in diesen Geschoͤpfen bey ihrer 
Verletzung, wo der Mangel eines Theils, der zur Erhal⸗ 
tung der benachbarten gehoͤrte, von den uͤbrigen ergaͤnzt 
wird; der Misgeburten oder Misgestalten im Wachs⸗ 
thum, da gewisse Theile, wegen vorkommender Maͤngel 
oder Hindernisse sich auf ganz neue Art formen, um 
das, was da ist, zu erhalten und ein anomalisches Ge⸗— 
1d. 
—U 
geheewihn 
hipenschusten 
Dinde. 
Nach 
wuß eind 
Is Natur, 
selbst wech' 
welches ein 
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        <pb n="347" />
        intun, 
twentem, wes 
uch den bi 
n leien, bp 
Isielon 
bechhh — 
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eke ein bini 
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inen sͤrsh 
nen anden 
— 
halten aher 
rrholte kut⸗ 
thum hangt 
nah. De 
en hey ihte 
h zur krhab 
gen erant 
m Vach⸗ 
der Ninge 
xrmen, um 
—— 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 288 
schoͤpf hervorzubringen, will ich hier nur im Vorbey⸗ 
gehen erwaͤhnen, unerachtet sie unter die wundersamsten 
Eigenschaften organisirter Geschoͤpfe gehoͤren. 
F. 65. 
Dinge, als Naturzwecke, sind organisirte 
Wesen. 
Nach dem im vorigen 6. angefuͤhrten Character 
muß ein Ding, was als Naturproduct doch zugleich nur 
als Naturzweck moͤglich erkannt werden soll, sich zu sich 
selbst wechselseitig als Ursache und Wuͤrkung verhalten, 
welches ein etwas uneigentlicher und unbestimmter Aus⸗ 
druck ist, der einer Ableitung von einem bestimmten Be⸗ 
griffe bedarf. 
Die Caussalverbindung so fern sie blos durch den 
Verstand gedacht wird, ist eine Verknuͤpfung die eine 
Reihe (von Ursachen und Wuͤrkungen) ausmacht, welche 
immer abwaͤrts geht, und die Dinge selbst, welche als 
Wirkungen andere als Ursache voraussetzen, koͤnnen 
von diesen nicht gegenseitig zugleich Ursache seyn. Diese 
Caussalverbindung nennt man die der wirkenden Ur⸗ 
sachen (nexus effectivus). Dagegen aber kann doch auch 
eine Caussalverbindung nach einem Vernunftbegriffe 
(von Zwecken) gedacht werden, welche wenn man sie 
als Reihe betrachtete sowohl abwaͤrts als aufwaͤrts 
Abhaͤngigkeit bey sich fuͤhren wuͤrde, in der das Ding, 
—XEDDDD
        <pb n="348" />
        286 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
waͤrts den Nahmen einer Ursache desjenigen Dinges 
verdient, wovon es es die Wirkung ist. Im Practischen 
(naͤmlich der Kunst) findet man leicht dergleichen Ver⸗ 
knuͤpfung wie z. B. das Haus zwar die Ursache der Gel⸗ 
der ist, die fuͤr Miethe eingenommen werden, aber doch 
auch umgekehrt die Vorstellung von diesem moͤglichen 
Einkommen die Ursache der Erbauung des Hauses war. 
Eine solche Caussalverknuͤpfung wird die der Endursachen 
(nexus finalis) genannt. Man —XRC erstere viel⸗ 
leicht schicklicher die Verknuͤpfung der realen, die zweyte 
der idealen Urfachen nennen, weil bey dieser Benennung 
zugleich begriffen wird, daß es nicht mehr als diese zwey 
Arten der Caussalitaͤt geben koͤnne. J 
Zu einem Dinge als Naturzwecke wird nun erstlich 
erfordert, daß die Theile (ihrem Daseyn und Form nach) 
nur durch ihre Beziehung auf das Ganze moͤglich sind. 
Denn das Ding selbst ist ein Zweck, folglich unter einem 
Begriffe oder einer Idee befaßt, die alles, was in ihm 
enthalten seyn soll, a priori bestimmen muß. So fern 
aber ein Ding nur auf diese Art als moͤglich gedacht 
wird, ist es blos ein Kunstwerk, d. i. das Product einer 
von der Materie (den Theilen) desselben unterschiedenen 
vernuͤnftigen Ursache, deren Caussalitaͤt (in Herbey⸗ 
schaffung und Verbindung der Theile) durch ihre Idee 
von einem dadurch moͤglichen Ganzen (mithin nicht 
durch die Natur ausser ihm) bestimmt wird. 
—19. 
Fohea 
und sirer 
‚hece euth 
Lausalitͤt 
ihjm moͤhlic 
daß die 
Ganzen v 
Pesachen 
Veise ist 
d 
ie Idee 
dung alle 
da waͤre 
nisgrund 
bindung 
Materie 
I Alr 
Mohlichtei 
—XRC 
sannnt hrer 
— 
— 
Len, wel 
— 
ba unche 
bitenden 
—D
        <pb n="349" />
        lhing 
kuin dihn 
in —T 
xegeithen ve 
Iesehe dehꝑ 
edet, F 
iesen rittt 
— J 
e kidnen 
— vb 
len, die sdin 
ir denenn 
As diese heh 
un cyfllih 
sorm magh 
whhlich swd. 
nter einem 
das in ihm 
So sern 
ach gedaht 
„ddutt titer 
—X 
in Herhe 
d ihre Pee 
aubin hiht 
. 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 287 
Soll aber ein Ding, als Naturproduct, in sich selbst 
und seiner innern Moͤglichkeit doch eine Beziehung auf 
Zwecke enthalten, d. i. nur als Naturzweck und ohne die 
Caussalitaͤt der Begriffe von vernuͤnftigen Wesen ausser 
ihm moͤglich seyn, so wird zweytens dazuerfordert: 
daß die Theile desselben sich dadurch zur Einheit eines 
Ganzen verbinden, daß sie von einander wechselseitig 
Ursache und Wirkung ihrer Form sind; denn auf solche 
Weise ist es allein moͤglich, daß umgekehrt (wechselseitig) 
die Idee des Ganzen wiederum die Form und Verbin— 
dung aller Theile bestimme; nicht als Ursache — denn 
da waͤre es ein Kunstproduct — sondern als Erkennt⸗ 
nisgrund der systematischen Einheit der Form und Ver⸗ 
bindung alles Mannigfaltigen, was in der gegebenen 
Materie enthalten ist, fuͤr den, der es beurtheilt. 
Zu einem Koͤrper also, der an sich und seiner innern 
Moͤglichkeit nach als Naturzweck beurtheilt werden soll, 
wird erfordert, daß die Theile desselben einander insge— 
sammt ihrer Form sowohl als Verbindung nach, wech⸗ 
—ILRXX ein Ganzes aus eigener Caussalitaͤt her⸗ 
vorbringen, dessen Begrif wiederum umgekehrt (in einem 
Wesen, welches die einem solchen Product angemessene 
Caussalitaͤt nach Begriffen besaͤße) Ursache von demsel⸗ 
ben nach einem Princip, folglich die Verknuͤpfung der 
wirkenden Ursachen zugleich als Wirkung durch 
Endursachen beurtheilt werden koͤnnte.
        <pb n="350" />
        288 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
In einem solchen Producte der Natur wird ein jeder 
Theil, so, wie er nur durch alle uͤbrige da ist, auch als 
um der andern und des Ganzen willen existirend, 
d. i. als Werkzeug (Organ) gedacht, welches aber nicht 
genug ist (denn er koͤnnte auch Werkzeug der Kunst seyn 
und so nur als Zweck uͤberhaupt moͤglich vorgestellt wer⸗ 
den) sondern als ein die andere Theile, (folglich jeder den 
andern wechselseitig) hervorbringendes Organ, der⸗ 
gleichen kein Werkzeug der Kunst , sondern nur der allen 
Stoff zu Werkzeugen (selbst denen der Kunst) liefernden 
Natur seyn kann und nur dann und darum wird ein 
solches Product als organisirtes und sich selbst or— 
ganisirendes Wesen ein Naturzweck genannt 
werden koͤnnen. 18 
In einer Uhr ist ein Theil das Werkzeug der Bewe—⸗ 
gung der andern, aber nicht die wirkende Ursache der 
Hervorbringung der anderen; ein Theil ist zwar um des 
andern willen, aber nicht durch denselben da. Daher 
ist auch die hervorbringende Ursache derselben und ihrer 
Form nicht in der Natur (dieser Materie) sondern ausser 
ihr in einem Wesen, was nach Ideen eines durch seine 
Caussalitaͤt moͤglichen Ganzen wirken kann, enthalten. 
Daher bringt auch nicht ein Rad in der Uhr das andere, 
noch weniger eine Uhr andere Uhren hervor, so daß sie 
andere Materie dazu benutzte (sie organisirte) daher 
ersetzt sie auch nicht von selbst die ihr entwandte Theile, 
oder vergutet ihren Mangel in der ersten Bildung durch 
den 
J. 
46 
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        hird end 
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sote Fheih, 
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1 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 289 
den Beytritt der Uebrigen, oder bessert sich etwa selbst 
aus, wenn fie in Unordnung gerathen ist, welches alles 
wir dagegen von der organisirten Natur erwarten koͤn⸗ 
nen. — Ein organisirtes Wesen ist also nicht blos Ma⸗ 
schine, denn die hat lediglich bewegende Kraft, son⸗ 
dern besitzt in sich bildende Kraft und zwar eine solche, 
dielsie den Materien mittheilt J welche sie nicht haben, 
(sie organisirt): also eine sich fortpflanzende bildende 
Kraft, welche durch das Bewegunssvermoͤgen allein 
(den Mechanism) nicht erklaͤrt werden kann. 
Man sagt von der Natur und ihrem Vermoͤgen in 
organisirten Producten bey weitem zu wenig, wenn man 
dieses ein Analogon der Kunst nennt; denn da denkt 
man sich den Kuͤnstler (ein vernuͤnftiges Wesen) ausser 
ihr. Sie organisirt sich vielmehr selbst und in jeder 
Species ihrer organisirten Producte, zwar nach einerley 
Exemplar im Ganzem, aber doch auch mit schicklichen 
Abweichungen, die die Selbsterhaltung nach den Um⸗ 
staͤnden erfordert. Naͤher tritt man vielleicht dieser uner⸗ 
forschlichen Eigenschaft, wenn man sie ein Analogon 
des Lebens nennt; aber da muß man entweder die 
Materie als bloße Materie mit einer Eigenschaft (Hylo⸗ 
zoism) begaben, die ihrem Wesen wiederstreitet, oder 
ihr ein fremdartiges mit ihr in Gemeinschaft stehen— 
des Princip (eine Seele) beygesellen, wozu man aber, 
wenn ein solches Product ein Naturproduet seyn soll, 
organisirte Materie als Werkzeug jener Seele entweder 
Kants Crit · d. Urtheilskr.
        <pb n="352" />
        290 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
schon vorausssetzt und jene also nicht im mindesten be— 
greislicher macht, oder die Seele zur Kuͤnstlerin dieses 
Bauwerks machen, und so das Product der Natur (der 
koͤrperlichen) entziehen muß. Genau zu reden hat also 
die Organisation der Natur nichts Analogisches mit 
irgend einer Caussalitaͤt die wir kennen *), Schoͤnheit der 
Natur, weil sie den Gegenstaͤnden nur in Beziehung auf 
die Reflexion uͤber die aͤußere Anschauung derselben, 
mithin nur der Form der Oberflaͤche wegen beygelegt 
wird, kann mit Recht ein Analogon der Kunst genannt 
werden. Aber innere Naturvollkommenheit, 
dergleichen Dinge besitzen, die nur als Naturzwecke 
moͤglich sind und darum organisirte Wesen heißen, sind 
nach keiner Analogie irgend eines uns bekannten physi⸗ 
schen d. i. Natur-Vermoͤgens, ja da wir selbst zur Na⸗ 
tur im weitesten Verstande gehoͤren, selbst nicht einmal 
durch eine genau angemessene Analogie mit menschlicher 
Kunst denkbar und erklaͤrlich. 
Man kann umgekehrt einer gewissen Verbindung, die aber 
auch mehr in der Idee als in der Wirklichkeit angetroffen 
wird, durch eine Analogie mit den genannten unmittelbaren 
Naturzwecken Licht geben. So hat man sich, bey einer 
neuerlich unternommenen gaͤnzlichen Umbildung eines großen 
Volks zu einem Staat, des Worts Organisation haͤufig 
fuͤr Einrichtung der Magistraturen u. s. w. und selbst des 
ganzen Staatskoͤrpers sehr schicklich bedient. Denn jedes 
Glied soll freylich in einem solchen Ganzen nicht blos Mit⸗ 
tel, sondern zugleich auch Zweck und, indem es zu der Moͤg⸗ 
lichkeit des Ganzen mitwirkt, durch die Idee des Ganzen 
wiederum, seiner Stelle und Function nach, bestimmt seyn. 
s 2. 
M8 
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hunt heuhnt 
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en heißen „sw 
eannten whh 
ehs ur s— 
nicht einol 
menschlicher 
dung, die ohet 
eit angetrofen 
n unnittelhaten 
ich, hey eitet 
ung eines groset 
misation hufs 
. und selhs du 
t. Dehn jedes 
richt hloz Pit 
nes uu der Jöh 
ee des hanen 
efitpent seyh. 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 291 
Der Begrif eines Dinges, als an sich Naturzwecks, 
ist also kein constitutiver Begrif des Verstandes oder der 
Vernunft, kann aber doch ein regulativer Begrif fuͤr die 
reflectirende Urtheilskraft seyn, nach einer entfernten 
Analogie mit unserer Caussalitaͤt nach Zwecken uͤberhaupt 
die Nachforschung uͤber Gegenstaͤnde dieser Art zu leiten 
uud uͤber ihren obersten Grund nachzudenken; das letz⸗ 
tere zwar nicht zum Behuf der Kenntnis der Natur, 
oder jenes Urgrundes desselben als vielmehr eben dessel⸗ 
ben practischen Vernunftvermoͤgens in uns, mit welchem 
wir die Ursache jener Zweckmaͤßigkeit in Analogie be⸗ 
trachteten. 
Organisirte Wesen sind also die einzigen in der Na⸗ 
tur, welche, wenn man sie auch fuͤr sich und ohne ein 
Verhaͤltnis auf andere Dinge betrachtet, doch nur als 
Zwecke derselben moͤglich gedacht werden muͤssen und die 
also zuerst dem Begriffe eines Zwecks der nicht ein 
practischer sondern Zweck der Natur ist, objective Rea⸗ 
litaͤt und dadurch fuͤr die Naturwissenschaft den Grund 
zu einer Telealogie „d. i. einer Beurtheilungsart ihrer 
Objecte nach einem besondern Princip, verschaffen, der⸗ 
gleichen man in sie einzufuͤhren (weil man die Moͤglich⸗ 
keit einer solchen Art Caussalitaͤt gar nicht a priori ein— 
sehen kann) sonst schlechterdings nicht berechtigt seyn 
wuͤrde.
        <pb n="354" />
        292 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
§6. 66. 
—Ldä 
sed, ßn 
ua bo, 
Vom Princip der Beurtheilung der innern 
Zweckmaͤßigkeit in organisirten Wesen. 
Dieses Princip, zugleich die Definition derselben, 
heißt: Ein organisirtes Product der Natur ist 
daͤs, in welchem alles Zweck und wechselseitig 
auch Mittel ist. Nichts in ihm ist umsonst, zwecklos, 
oder einem blinden Naturmechanism zuzuschreiben. 
Dieses Princip ist zwar seiner Veranlassung nach, 
von Erfahrung abzuleiten , naͤmlich derjenigen welche 
methodisch angestellt wird und Beobachtung heißt; der 
Allgemeinheit und Nothwendigkeit wegen aber, die es 
von, einer solchen Zweckmaͤßigkeit aussagt, kann es nicht 
blos auf Erfahrungsgruͤnden beruhen, sondern muß 
irgend ein Princip a priori, wenn es gleich blos regula⸗ 
tiv waͤre und jene Zwecke allein in der Idee des Beur⸗ 
theilenden und nirgend in einer wirkenden Ursache laͤgen, 
zum Grunde haben. Man kann daher obgenanntes 
Princip eine Maxime der Beurtheilung der inneren 
Zweckmaͤßigkeit organisirter Wesen nennen. J 
Daß die Zergliederer der Gewaͤchse und Thiere , um 
ihre Structur zu erforschen und die Gruͤnde einsehen zu 
koͤnnen, warum und zu welchem Ende solche Theile, wae 
rum eine solche Lage und Verbindung der Theile und ge⸗ 
rade diese innere Form ihnen gegeben worden, jene 
Maxime: daß nichts in einem solchen Geschoͤpf umst onst 
behre: daß 
wachen, i 
hon diesew 
sagen, ale 
Veranlas 
haupt, s 
fuͤr die 
einmaht 
dedacht 
Indere 
chaniem 
will. E 
zum Ern 
heit der 
Vielheit d 
hit der zu 
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de zweck 
let, ers 
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        — b 
ar innern 
T 
ndehhe, 
— 
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lom iwecth 
ushreihen. 
— 7 
enigen welhh 
ug heit; d 
ncher, die 
annes — 
ondern muß 
hos regus⸗⸗ 
edes Henr⸗ 
sache lagen, 
dgenanntes 
str Wheren 
dMWiere, um 
e einsehen u 
x Dheile, hu 
heile und go 
vorden, jene 
xumsohs 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 293 
sey, als unumgaͤnglich nothwendig annehmen und sie 
eben so, als den Grundsatz der allgemeinen Natur⸗ 
lehre: daß nichts von ohngefaͤhr geschehe, geltend 
machen, ist bekannt. In der That koͤnnen sie sich auch 
von diesem teleologischem Grundsatze eben so wenig los⸗ 
sagen, als dem allgemeinen physischen, weil, so wie bey 
Veranlassung des letzteren gar keine Erfahrung uͤber⸗ 
haupt, so bey der des ersteren Grundsatzes kein Leitfaden 
fuͤr die Beobachtung einer Art von Naturdinge, die wir 
einmal teleologisch/ unter dem Begriffe der Naturzwecke 
gedacht haben, uͤbrig bleiben wuͤrde. 
Denn dieser Begrif fuͤhrt die Vernunft in eine ganz 
andere Ordnung der Dinge, als die eines bloßen Me⸗ 
chanisms der Natur der uns hier nicht mehr gnug thun 
will. Eine Idee soll der Moͤglichkeit des Naturproducts 
zum Grunde liegen. Weil diese aber eine absolute Ein⸗ 
heit der Vorstellung ist statt dessen die Materie eine 
Vielheit der Dinge ist, die fuͤr sich keine bestimmte Ein⸗ 
heit der Zusammensetzung an die Hand geben kann, so 
muß , wenn jene Einheit der Idee, sogar als Bestim⸗ 
mungsgrund a priori eines Naturgesetzes der Caussali⸗ 
taͤt einer solchen Form des Zusammengesetzten dienen soll, 
der Zweck der Natur auf Alles, was in ihrem Producte 
liegt, erstreckt werden; weil, wenn wir einmal 
dorgleichen Wirkung im Ganzen auf einen uͤbersinn⸗ 
lichen Bestimmungsgrund uͤber den blinden Mechanism 
der Natur hinaus, beziehen, wir sie auch ganz nach die⸗ 
T3
        <pb n="356" />
        294 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
sem Princip beurtheilen muͤssen und kein Grund da ist, 
die Form eines solchen Dinges noch zum Theil vom letz⸗ 
teren als abhaͤngig anzunehmen, da alsdenn bey der 
Vermischung ungleichartiger Principien, gar keine sichere 
Regel der Beurtheilung uͤbrig bleiben wuͤrde. 
Es mag immer seyn daß z. B. in einem thieri⸗ 
schen Koͤrper manche Theile als Concretionen nach blos 
mechanischen Gesetzen begriffen werden koͤnnten (als 
Haͤute, Knochen, Haare) so muß doch die Ursache, 
welche die dazu schickliche Materie herbeyschaft diese so 
modificirt und an ihren gehoͤrigen Stellen absetzt, immer 
teleologisch beurtheilt werden, so, daß alles in ihm als 
organisirt betrachtet werden muß und alles auch in ge⸗ 
wisser Beziehung auf das Ding selbst wiederum Or⸗ 
gan ist. 
§. 67. 
Vom Princip der teleologischen Beurtheilung 
uͤber Natur uͤberhaupt als System der 
Zwecke. 
Wir haben oben von der aͤußeren Zweckmaͤßigkeit 
der Naturdinge gesagt: daß sie keine hinreichende Be⸗ 
rechtigung gebe, sie zugleich als Zwecke der Natur, zu 
Erklaͤrungsgruͤnden ihres Daseyns und der zufaͤllig⸗ 
zweckmaͤßigen Wirkungen derselben in der Idee, zu 
Gruͤnden ihres Daseyns nach dem Princip der Endur⸗ 
fachen zu brauchen. So kann man die Fluͤsse, weil sie 
—Ldh. 
die Geuein 
hesirdern, 
und zut Er 
tegenlose J 
der daͤnder 
trocken wel 
halten; v 
Erde zur 
Dnierreict 
zu desen 
litaͤt nac 
Gewaͤhse 
— 
de, dem 
Nahrung 
und große 
gen deren 
sahe hutth— 
— 
En d 
huit heurt 
sen dises 
sathin 
—X eie 
— 
—7 dersel 
—E tel.
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        —D 
u Gtund uß 
eln bp— 
üdenn bey du 
uhn kähe heu 
vͤnd⸗ 
nanhu 
ktiohen nh m 
en kinnten (h 
soch die luit 
Ulshent, deh 
n ahset, inm 
Ueginihnch 
eeßz auch ing 
diederum du 
Attheilunq 
ystem der 
weckmaßigteit 
grechende Yo 
—XX 
—X 
yr Pee, at 
wn der Endur 
uss, hel s 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 295 
die Gemeinschaft im Innern derlLaͤnder unter Voͤlker 
befoͤrdern, Gebirge, weil sie zu diesen die Quellen 
und zur Erhaltung derselben den Schneevorrath fuͤr 
regenlose Zeiten enthalten, imgleichen den Abhang 
der Laͤnder, der diese Gewaͤsser abfuͤhrt und das Land 
trocken werden laͤßt, darum nicht so fort fuͤr Naturzwecke 
halten; weil, ob zwar diese Gestalt der Oberflaͤche der 
Erde zur Entstehung und Erhaltung des Gewaͤchs- und 
Thierreichs sehr noͤthig war , sie doch nichts an sich hat, 
zu dessen Moͤglichkeit man sich genoͤthigt saͤhe eine Caussa⸗ 
litaͤt nach Zwecken anzunehmen. Eben das gilt von 
Gewaͤchsen, die der Mensch zu seiner Nothdurft oder Er⸗ 
goͤtzlichkeit nutzt: von Thieren, dem Cameele, dem Rin— 
de, dem Pferde, Hunde u. s. w. die er theils zu seiner 
Nahrung, theils seinem Dienste so vielfaͤltig gebrauchen 
und großentheils gar nicht entbehren kann. Von Din⸗ 
gen deren keines fuͤr sich als Zweck anzusehen man Ur⸗ 
sache hat , kann das aͤußere Verhaͤltnis nur hypothetisch 
fuͤr zweckmaͤßig beurtheilt werden. 
Ein Ding seiner innern Form halber, als Natur⸗ 
zweck beurtheilen, ist ganz etwas anderes, als die Exi⸗ 
stenz dieses Dinges fuͤr Zweck der Natur halten. Zu 
der letztern Behauptung beduͤrfen wir nicht blos den Be⸗ 
grif von einem moͤglichen Zweck, sondern die Erkenntnis 
des Endzwecks (scopus) der Natur, welches eine Bezie— 
hung derselben auf etwas uebersinnliches bedarf, die alle 
unsere teleologische Naturerkenntnis weit uͤbersteigt; 
4
        <pb n="358" />
        296 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
denn der Zweck der Existenz der Natur selbst muß uͤber 
die Natur hinausgesucht werden. Die innere Form 
eines bloßen Grashalms kann seinen blos nach der Re⸗ 
gel der Zwecke moͤglichen Ursprung, fuͤr unser mensch— 
liches Beurtheilungsvermoͤgen hinreichend, beweisen. 
Geht man aber davon ab und sieht nur auf den Ge⸗ 
brauch, den andere Naturwesen davon machen, verlaͤßt 
also die Betrachtung der innern Organisation und sieht 
nur auf aͤußere zweckmaͤßige Beziehungen, wie das Gras 
dem Vieh, wie dieses dem Menschen als Mittel zu seiner 
Existenz noͤthig sey und man sieht nicht, warum es denn 
noͤthig sey, daß Menschen existiren (welches, wenn man 
etwa die Neuhollaͤnder oder Feuerlaͤnder in Gedanken 
hat, so leicht nicht zu beantworten seyn moͤchte) so ge⸗ 
langt man zu keinem categorischen Zwecke, sondern alle 
diese zweckmaͤßige Beziehung beruht auf einer immer 
weiter hinauszusetzenden Bedingung, die als unbedingt 
(das Daseyn eines Dinges als Endzweck) ganz außer⸗ 
halb der physisch⸗ teleologischen Weltbetrachtung liegt. 
Alsdenn aber ist ein solches Ding auch nicht Naturzweck; 
denn es ist (oder seine ganze Gattung) nicht als Natur⸗ 
product anzusehen. 
Es ist also nur die Materie, so fern sie organisirt 
ist, welche den Begrif von ihr als einem Naturzwecke 
nothwendig bey sich fuͤhrt, weil diese ihre specisische Form 
zugleich Product der Natur ist. Aber dieser Begrif 
fuͤhrt nun nothwendig auf die Idee der gesammten Na⸗ 
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cher Hee gun 
pien der Vern 
shenung uu 
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cufische om 
ieset egti 
ooo 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 297 
tur als eines Systems nach der Regel der Zwecke, wel⸗ 
cher Idee nun aller Mechanism der Natur nach Princi⸗ 
pien der Vernunft, (wenigstens um daran die Naturer⸗— 
scheinung zu versuchen) untergeordnet werden muß. Das 
Princip der Vernunft ist ihr als nur subjecto, d. i. als 
Maxime zustaͤndig: alles in der Welt ist irgend wo zu 
gut; nichts ist in ihr umsonst; und man ist durch das 
Beyspiel, daß die Natur an ihren organischen Produe⸗ 
ten giebt, berechtigt, ja berufen, von ihr und ihren Ge⸗ 
setzen nichts, als was im Ganzen zweckmaͤßig ist, zu 
erwarten. 
Es versteht sich, daß dieses nicht ein Princip fuͤr die 
bestimmende, sondern nur fuͤr die reflectirende Urtheils⸗ 
kraft sey, daß es regulativ und nicht constitutiv sey und 
wir dadurch nur einen Leitfaden bekommen, die Natur⸗ 
dinge in Beziehung auf einen Bestimmungsgrund, der 
schon gegeben ist, nach einer neuen gesetzlichen Ordnung 
zu betrachten und die Naturkunde nach einem andern 
Princip naͤmlich dem der Endursachen doch unbeschadet 
den des Mechanisms ihrer Caussalitaͤt, zu erweitern. 
nebrigens wird dadurch keinesweges ausgemacht, ob 
irgend etwas, was wir nach diesem Princip beurtheilen, 
absichtlich Zweck der Natur sey: Ob die Graͤser fuͤr 
das Rind oder Schaaf, und ob dieses und die uͤbrige 
Naturdinge fuͤr den Menschen da sind. Es ist gut, selbst 
die uns unangenehme und in besondern Beziehungen 
zweckwidrige Dinge auch von dieser Seite zu betrach⸗ 
T5
        <pb n="360" />
        298 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
ten. So koͤnnte man z. B. sagen: das Ungeziefer, wel⸗ 
ches die Menschen in ihren Kleidern, Haaren, oder 
Bettstellen plagt, sey nach einer weisen Naturanstalt ein 
Antrieb zur Reinlichkeit, die fuͤr sich schon ein wichtiges 
Mittel der Erhaltung der Gesundheit ist. Oder die 
Moskitomuͤcken und andere stechende Insecten, welche 
die Wuͤsten von Amerika den Wilden so beschwerlich 
machen, sind so viel Stacheln der Thaͤtigkeit fuͤr diese 
angehende Menschen, um die Moraͤste abzuleiten und die 
dichte, den Luftzug abhaltende Waͤlder licht zu machen 
und dadurch, imgleichen durch den Anbau des Bodens, 
ihren Auffenthalt zugleich gesunder zu machen. Selbst was 
dem Menschen in seiner innern Organisation widerna⸗ 
tuͤrlich zu seyn scheint, wenn es auf diese Weise behan⸗ 
delt wird , giebt eine unterhaltende, bisweilen auch be⸗ 
lehrende Aussicht in eine teleologische Ordnung der Din⸗ 
ge, auf die uns, ohne ein solches Princip, die blos phy⸗ 
sische Betrachtung allein nicht fuͤhren wuͤrde. So wie 
einige den Bandwurm dem Menschen oder Thier, dem er 
beywohnt, gleichsam zum Ersatz eines gewissen Mangels 
seiner Lebensorganen beygegeben zu seyn urtheilen: so 
wuͤrde ich fragen, ob nicht die Traͤume (ohne die niemals 
der Schlaf ist, ob man sich gleich nur selten derselben er⸗ 
innert) eine zweckmaͤßige Anordnung der Natur seyn 
moͤgen, indem sie naͤmlich bey dem Abspannen aller koͤr⸗ 
perlichen bewegenden Kraͤfte, dazu dienen, vermittelst 
der Einbildungskraft und der großen Geschaͤftigkeit der⸗ 
18. 
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de hiemal 
xerselhen er 
Natur sen 
zen aler fir 
— 
Nafeit dXs⸗ 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 299 
selben (die in diesem Zustande mehrentheils bis zum 
Affecte steigt) die Lebensorganen innigst zu bewegen: so 
wie sie auch bey uͤberfuͤlleten Magen, wo diese Bewegung 
um desto noͤthiger ist im Nachtschlafe gemeiniglich mit 
desto mehr Lebhaftigkeit spielt und daß, ohne diese inner⸗ 
lich bewegende Kraft und die ermuͤdende Unruhe wo⸗ 
ruͤber wir die Traͤume anklagen (die doch in der That 
vielleicht Heilmittel sind), der Schlaf, selbst im gesun⸗ 
den Zustande, wohl gar ein voͤlliges Erloͤschen des Lebens 
seyn wuͤrde. 
Auch Schoͤnheit der Natur, d. i. ihre Zusammen⸗ 
stimmung —X dem freyen Spiele unserer Erkenntnis⸗ 
vermoͤgen in der Auffassung und Beurtheilung ihrer Er⸗ 
scheinung, kann auf die Art als objective Zweckmaͤßig⸗ 
keit der Natur in ihrem Ganzen, als System, worinn 
der Mensch ein Glied ist, betrachtet werden; wenn ein⸗ 
mal die teleologische Beurtheilung derselben durch die 
Naturzwecke, welche uns die organisirte Wesen an die 
Hand geben, zu der Idee eines großen Systems der 
Zwecke der Natur uns berechtigt haben. Wir koͤnnen sie 
als eine Gunst, ) die die Natur fuͤr uns gehabt hat, 
In dem aͤsthetischen Theile wurde gesagt: wir' saͤhen die 
schoͤne Natur mit Gunst an, indem wir an dieser ihrer 
Form ein ganz freyes (uninteressirtes) Wohlgefallen haben; 
denn in diesem bloßen Geschmacksurtheile wird gar nicht 
darauf Ruͤcksicht genommen, zu welchem Zwecke diese Na—⸗ 
turschoͤnheiten existiren; ob um uns eine Lust zu erwecken,
        <pb n="362" />
        300 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
betrachten, daß sie uͤber das Nuͤtzliche noch Schoͤnheit 
und Reitze so reichlich austheilete und sie deshalb lieben, 
so wie, ihrer Unermeslichkeit wegen, mit Achtung be⸗ 
trachten und uns selbst in dieser Betrachtung veredelt 
fuͤhlen, gerade als ob die Natur ganz eigentlich in dieser 
Absicht ihre herrliche Buͤhne aufgeschlagen und ausge⸗ 
schuuͤckt habe. 
Wir wollen in diesem 6. nichts anders sagen: als 
daß, wenn wir einmal an der Natur ein Vermoͤgen ent⸗ 
deckt haben, Producte hervorzubringen, die nur nach 
dem Begriffe der Endursachen von uns gedacht werden 
koͤnnen, wir weiter gehen und auch die, welche, oder ihr, 
obgleich zweckmaͤßiges Verhaͤltnis, es eben nicht noth⸗ 
wendig machen uͤber den Mechanism der blind wirkenden 
Ursachen hinaus ein ander Princip fuͤr ihre Moͤglichkeit 
aufzusuchen, dennoch als zu einem System der Zwecke 
gehoͤrig beurtheilen duͤrfen; weil uns die erstere Idee 
schon, was ihren Grund betrift, uͤber die Sinnenwelt 
welt hinausfuͤhrt, da denn die Einheit des uͤbersinnlichen 
Princips nicht blos fuͤr gewisse Species der Naturwesen, 
sondern fuͤr das Naturganze, als System, auf dieselbe 
Art als guͤltig betrachtet werden muß. 
oder ohne alle Beziehung auf uns als Zwecke. In einem 
teleologischen Urtheile aber geben wir auch auf diese Be— 
ziehung acht und da koͤnnen wir es als Gunst der Natur 
ansehen, daß sie uns, durch Aufstellung!so vieler schoͤner 
Gestalten, zur Cultur hat befoͤrderlich seyn wollen. 
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nst der NRuur 
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— 
2244 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 301 
§. 68. 
Von dem Princip der Teleologie als innerem 
Princip der Naturwissenschaft. 
Die Principien einer Wissenschaft sind derselben ent⸗ 
weder innerlich und werden einheimisch genant (princi- 
pia domestica), oder sie sind auf Begriffe, die nur ausser 
ihr ihren Platz finden koͤnnen, gegruͤndet und sind 
auswaͤrtige Principien (peregrina). Wissenschaften 
welche die letzteren enthalten legen ihren Lehren Lehn⸗ 
saͤtze Clemmata) zum Grunde, d. i. sie borgen irgend 
einen Begrif und mit ihm einen Grund der Anordnung 
von einer anderen Wissenschaft. 
Eine jede Wissenschaft ist fuͤr sich ein System und 
es ist nicht gnug in ihr nach Prineipien zu bauen und 
also technisch zu verfahren, sondern man muß mit ihr, 
als einem fuͤr sich bestehenden Gebaͤude, auch architecto— 
nisch zu Werke gehen und sie nicht, wie einen Anbau 
und als einen Theil eines andern Gebaͤndes sondern als 
ein Ganzes fuͤr sich behandeln, ob man gleich nachher 
einen Uebergang aus diesem in jenes oder wechselseitig 
errichten kann. 
Wenn man also fuͤr die Naturwissenschaft und in 
ihren Context den Begrif von Gott hereinbringt, um 
sich die Zweckmaͤßigkeit in der Natur erklaͤrlich zu machen 
und hernach diese Zweckmaͤßigkeit wiederum braucht, um 
zu beweisen, daß ein Gott sey: so ist in keiner von bep⸗
        <pb n="364" />
        302 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
den Wissenschaften innerer Bestand und ein taͤuschendes 
Dialele bringt jede in Unsicherheit, dadurch, daß sie ihre 
Grenzen in einander laufen lassen. — 
Der Ausdruck eines Zwecks der Natur beugt dieser 
Verwirrung schon gnugsam vor, um Naturwissenschaft 
und die Veranlassung „ die sie zur teleologischen 
Beurtheilung ihrer Gegenstaͤnde giebt, nicht mit der 
Gottesbetrachtung und also einer theologischen 
Ableitung zu vermengen, und man muß es nicht als un⸗ 
bedeutend ansehen: ob man jenen Ausdruck mit dem 
eines goͤttlichen Zwecks in der Anordnung der Natur 
verwechsele, oder wohl gar den letztern fuͤr schicklicher 
und einer frommen Seele angemessener ausgebe, weil es 
doch am Ende dahin kommen muͤsse, jene zweckmaͤßige 
Formen in der Natur von einem weisen Welturheber ab⸗ 
zuleiten, sondern sich sorgfaͤltig und bescheiden auf den 
Ausdruck, der gerade so viel sagt als wir wissen, 
naͤmlich eines Zwecks der Natur einschraͤnken. Denn 
ehe wir noch nach der Ursache der Natur selbst fragen, 
finden wir in der Natur und dem Laufe ihrer Erzeugung 
dergleichen Producte, die nach bekannten Erfahrungsge⸗ 
setzen in ihr erzeugt werden, nach welchen die Natur— 
wissenschaft ihre Gegenstaͤnde beurtheilen, mithin auch 
deren Caussalitaͤt nach der Regel der Zwecke in ihr selbst 
suchen muß. Daher muß sie ihre Graͤnze nicht aͤber⸗ 
springen, um das, dessen Begriffe gar keine Erfahrung 
angemessen seyn kann und woran man sich allererst nach 
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en die Natur⸗ 
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gze hicht her⸗ 
ne Erfuhrun 
abererst uh 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 303 
Vollendung der Naturwissenschaft zu wagen befugt ist, 
in sie selbst als einheimisches Princip hinein zu ziehen. 
Naturbeschaffenheiten, die sich a priori demonstriren 
und also ihrer Moͤglichkeit nach aus allgemeinen Prin⸗ 
cipien ohne allen Beytritt der Erfahrung einsehen lassen, 
koͤnnen, ob sie gleich eine technische Zweckmaͤßigkeit bey 
sich fuͤhren, dennoch, weil sie schlechterdings nothwendig 
sind, gar nicht zur Teleologie der Natur, als einer in 
die Physik gehoͤrigen Methode die Fragen derselben auf⸗ 
zuloͤsen, gezaͤhlt werden. Arithmetische, geometrische 
Analogien, imgleichen allgemeine mechanische Gesetze, 
so sehr uns auch die Vereinigung verschiedener dem An⸗ 
schein nach von einander ganz unabhaͤngiger Regeln in 
einem Princip an ihnen befremdend und bewuuderns⸗ 
wuͤrdig vorkommen mag, enthalten deswegen keinen 
Anspruch darauf, teleologische Erklaͤrungsgruͤnde in der 
Physik zu seyn und, wenn sie gleich in der allgemeinen 
Theorie der Zweckmaͤßigkeit der Dinge der Natur uͤber⸗ 
haupt mit in Betrachtung gezogen zu werden verdienen, 
so wuͤrde diese doch anderwaͤrts hin, naͤmlich in die Me⸗ 
taphysik gehoͤren und kein inneres Princip der Natur⸗ 
wissenschaft ausmachen; wie es wohl mit den empiri⸗— 
schen Gesetzen der Naturzwecke an organisirten Wesen 
nicht allein erlaubt, sondern auch unvermeidlich ist, die 
teleologische Beurtheilungsart zum Princip der Na⸗ 
turlehre in Ansehung einer eigenen Classe ihrer Gegen⸗ 
staͤnde zu gebrauchen.
        <pb n="366" />
        304 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Damit nun Physik sich genau in ihren Graͤnzen 
halte, so abstrahirt sie von der Frage, ob die Natur⸗ 
zwecke es absichtlich oder unabsichtlich sind, gaͤnz⸗ 
lich; denn das wuͤrde Einmengung in ein fremdes Ge⸗ 
schaͤft (naͤmlich das der Metaphysik) seyn. Genug es 
sind nach Naturgesetzen, die wir uns nur unter der Idee 
der Zwecke als Princip denken koͤnnen, einzig und allein 
erklaͤrbare und blos auf diese Weise ihrer innern Form 
nach, sogar auch nur innerlich erkennbare Gegenstaͤnde. 
Um sich also auch nicht der mindesten Anmaßung, als 
wollte man etwas, was gar nicht in die Physik gehoͤrt, 
naͤmlich eine uͤbernatuͤrliche Ursache, unter unsere Er⸗ 
kenntnisgruͤnde mischen, verdaͤchtig zu machen, spricht 
man in der Teleologie zwar von der Natur als ob die 
Zweckmaͤßigkeit in ihr absichtlich sey, aber doch zugleich 
so, daß man der Natur, d. i. der Materie, diese Absicht 
beylegt; wodurch man (weil hieruͤber kein Misverstand 
statt finden kann, indem von selbst schon keiner einem 
leblosen Stoffe Absicht in eigentlicher Bedeutung des 
Worts beylegen wird) anzeigen will, daß dieses Wort 
hier nur ein Princip der reflectirenden nicht der bestim⸗ 
menden Urtheilskraft bedeute und also keinen besondern 
Grund der Caussalitaͤt einfuͤhren solle, sondern auch nur 
zum Gebrauche der Vernunft eine andere Art der Nach— 
forschung als die nach mechanischen Gesetzen ist, hinzu⸗ 
fuͤge, um die Unzulaͤnglichkeit der letzteren, selbst zur 
empirischen Aufsuchung aller besondern Gesetze der Na⸗ 
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sosenseur) 
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        sn 7 
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dihje! 
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A — 
zsthe de No 
* 
Il, 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. zo5 
tur zu ergaͤnzen. Daher spricht man in der Teleologie, 
so fern sie zur Physik gezogen wird, ganz recht von der 
Weisheit, der Sparsamkeit, der Vorsorge, der Wohl⸗ 
thaͤtigkeit der Natur, ohne dadurch aus ihr ein verstaͤn⸗ 
diges Wesen zu machen, (weil das ungereimt waͤre,) aber 
auch ohne sich zu erkuͤhnen ein anderes verstaͤndiges We— 
sen uͤber sie als Werkmeister, setzen zu wollen, weil die⸗ 
ses vermessen ) seyn wuͤrde: sondern es soll dadurch nur 
eine Art der Caussalitaͤt der Natur, nach einer Analogie 
mit der unsrigen im technischen Gebrauche der Vernunft, 
bezeichnet werden, um die Regel, darnach gewissen Pro— 
ducten der Natur nachgeforscht werden muß, vor Augen 
zu haben. 
Warum aber macht doch die Teleologie gewoͤhnlich 
keinen eigenen Theil der theoretischen Naturwissenschaft 
aus, sondern wird zur Theologie als Propaͤdevtik oder 
Uebergang gezogen? Dieses geschieht um das Studium 
der Natur nach ihrem Mechanism an demjenigen fest zu 
haͤlten, was wir unserer Beobachtung oder Experimenten 
Das deutsche Wort vermessen ist ein gutes bedeutungs⸗ 
volles Wort. Ein Urtheil, bey welchem man das Laͤngen⸗ 
maas seiner Kraͤfte (des Verstandes) zu uͤberschlagen ver— 
gißt, kann bisweilen sehr demuͤthig klingen und macht doch 
große Anspruͤche, und ist doch sehr vermessen. Von der 
Art sind die meisten, dadurch man die goͤttliche Weisheit 
zu erheben vorgiebt, indem man ihr in den Werken der 
Schoͤpfung und der Erhaltung Absichten unterlegt, die 
eigentlich der eigenen Weisheit des Vernuͤnftlers Ehre 
machen solelen. 
Kants Crit. d. Urtheilske. 
d“— 
X
        <pb n="368" />
        306 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
so unterwerfen koͤnnen, daß wir es gleich der Natur, 
wenigstens der Aehnlichkeit der Gesetze nach, selbst her⸗ 
vorbringen koͤnnten; denn nur so viel sieht man voll⸗ 
staͤndig ein, als man nach Begriffen selbst machen und 
zu Stande bringen kann. Organisation aber, als innerer 
Zweck der Natur, uͤbersteigt unendlich alles Vermoͤgen 
einer aͤhnlichen Darstellung durch Kunst, und was aͤußere 
fuͤr zweckmaͤßig gehaltene Natureinrichtungen betrift, 
(3. B. Winde, Regen u. d. g.), so betrachtet die Physik 
wohl den Mechanism derselben , aber ihre Beziehung 
auf Zwecke, so fern diese eine zur Ursache nothwendig 
gehoͤrige Bedingung seyn soll, kann sie gar nicht dar⸗ 
stellen, weil diese Nothwendigkeit der Verknuͤpfung gaͤnz⸗ 
lich die Verbindung unserer Begriffe und nicht die Be⸗ 
schaffenheit der Dinge angeht. 
l. dh 
2 
R 
P 
— 
Diu 
drincihien 
Gie st kein 
ber gegehene, 
khen drun. 
itnmie und 
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su Woingur 
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        sthümn 
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mh eehs her⸗ 
iht nn bol 
ichen ind 
ienil ndheret 
be damht 
und dad ä— 
Aunn hnnh, 
whtet di Iuf 
hre — 
we hothwenh 
zar nicht dur 
rͤrsung gun 
ucht de dye 
II.Th. Critik der telcologischen Urtheilskraft. 307 
Zweyte Abtheilung. 
Dialectifk 
) 
teleologischen Urtheilskraft. 
9. 69. 
Was eine Antinomie der Urtheilskraft sey? 
Die bestimmende Urtheilskraft hat fuͤr sich keine 
Principien, welche Begriffe von Objecten gruͤnden. 
Sie ist keine Avtonomie; denn sie subst umirt nur un⸗ 
ter gegebenen Gesetzen, oder Begriffen, als Principien. 
Eben darum ist sie auch keiner Gefahr ihrer eigenen An⸗ 
tinomie und einem Widerstreit ihrer Principien ausge⸗ 
setzt. So war die transscendentale Urtheilskraft, welche 
die Bedingungen unter Categorien zu subsumiren ent⸗ 
hielte, fuͤr sich nicht nomothetisch, sondern nannte nur 
die Bedingungen der sinnlichen Anschauung, unter denen 
einem gegebenen Begriffe, als Gesetze des Verstandes, 
Realitaͤt Anwendung) gegeben werden kann; woruͤber 
sie niemals mit sich selbst in Uneinigkeit (wenigstens den 
Principien nach) gerathen konnte. 
12
        <pb n="370" />
        zo8 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Allein die reflectirende Urtheilskraft soll unter 
einem Gesetze subsumiren, was noch nicht gegeben und 
also in der That nur ein Princip der Restexion uͤber 
Gegenstaͤnde ist, fuͤr die es uns objectiv gaͤnzlich an 
einem Gesetze mangelt, oder an einem Begriffe vom 
Object, der zum Princip fuͤr vorkommende Faͤlle hin⸗ 
reichend waͤre. Da nun kein Gebrauch der Erkenntnis⸗ 
vermoͤgen ohne Principien verstattet werden darf, so 
wird die resslectirende Urtheilskraft in solchen Faͤllen ihr 
selbst zum Princip dienen muͤssen, welches, weil es nicht 
objectiv ist, und keinen fuͤr die Absicht hinreichenden Er⸗ 
kenntnisgrund des Objects unterlegen kann, als blos 
subjectives Princip, zum zweckmaͤßigen Gebrauche der 
Erkenntnisvermoͤgen, naͤmlich uͤber eine Art Gegenstaͤnde 
zu reflectiren, dienen soll. Also hat in Beziehung auf 
solche Faͤlle die reflectirende Urtheilskraft ihre Maximen 
und zwar nothwendige, zum Behuf der Erkenntnis der 
Naturgesetze in der Erfahrung, um vermittelst derselben 
zu Begriffen zu gelangen, sollten diese auch Vernunft⸗ 
begriffe seyn; wenn sie solcher durchaus bedarf , um die 
Natur nach ihren empirischen Gesetzen blos kennen zu 
lernen. — Zwischen diesen nothwendigen Maximen 
der reflectirenden Urtheilskraft kann nun ein Wider⸗ 
streit, mithin eine Antinomie, statt finden, worauf 
sich eine Dialectik gruͤndet, die, wenn jede zweyer ein⸗ 
ander widerstreitender Maximen in der Natur der Er⸗ 
kenntnisvermoͤgen ihren Grund hat, eine natuͤrliche Dia⸗ 
—I.d du 
sechk genannt 
Ohein, denn 
duß, damit er 
V. 
—X 
begrif der 
kann se sich 
selbst aà prio 
der Erfahrn 
ins hhahsel 
ersern Iet 
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kraft lein! 
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hetist, deun 
nen, so kann 
kitund Ungle 
kht un Prit 
— 
Und es — 
lom, wenn 
whuntns wad 
— 
uh dur hof
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        — 
raft sohl ä 
segehen um 
scherin ihe 
— 
n dep von 
nde dih F 
ur btann— 
J— dh, s 
olchen —T— ß 
3, heleg iit 
ureichenden sr 
un, abb hhz 
hehrauche dr 
let beenfde 
— auf 
hre Myinen 
rhenntnig der 
elt dersehen 
Lernunst⸗ 
auf, vm de 
—XX 
— 
9 
en Nabimen 
n ein Vider⸗ 
aden, worauf 
oe weher eiwx 
—L 
auurliche dir 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. zo9 
lectik genannt werden kann und ein unvermeidlicher 
Schein, den man in der Critik entbloͤßen und aufloͤsen 
muß, damit er nicht betruͤge. 
§. 70. 
Vorstellung dieser Antinomie. 
So fern die Vernunft es mit der Natur, als In⸗ 
begrif der Gegenstaͤnde aͤußerer Sinne, zu thun hat, 
kann sie sich auf Gesetze gruͤnden, die der Verstand theils 
selbst a priori der Natur vorschreibt, theils durch die in 
der Erfahrung vorkommende empirische Bestimmungen, 
ins Unabsehliche erweitern kann. Zur Anwendung der 
erstern Art von Gesetzen, naͤmlich den allgemeinen 
der materiellen Natur uͤberhaupt, braucht die Urtheils⸗ 
kraft kein besonderes Princip der Reflexion; denn da ist 
sie bestimmend, weil ihr ein objectives Princip durch den 
Verstand gegeben ist. Aber, was die besondere Gesetze 
betrift, die uns nur durch Erfahrung kund werden koͤn⸗ 
nen, so kann unter ihnen eine so große Mannigfaltig⸗ 
keit und Ungleichartigkeit seyn, daß die Urtheilskraft ihr 
selbst zum Princip dienen muß, um auch nur in den Er⸗ 
scheinungen der Natur nach einem Gesetze zu forschen 
und es auszuspaͤhen, indem sie ein solches zum Leitfaden 
bedarf, wenn sie ein zusammenhangendes Erfahrungs⸗ 
erkenntnis nach einer durchgaͤngigen Gesetzmaͤßigkeit der 
Natur, die Einheit derselben nach empirischen Gesetzen, 
auch nur hoffen soll. Bey dieser zufaͤlligen Einheit der 
u 3
        <pb n="372" />
        310 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
besonderen Gesetze kann es sich nun zutragen: daß die 
Urtheilskraft in ihrer Reflexion von zwey Maximen aus⸗ 
geht , deren die eine ihr der bloße Verstand a priori an 
die Hand giebt, die andere aber durch besondere Erfah⸗ 
rungen veranlaßt wird, welche die Vernunft ins Spiel 
bringen, um nach einem besondern Princip die Beurthei⸗ 
lung der koͤrperlichen Natur und ihrer Gesetze anzustel⸗ 
len. Da trift es sich dann, daß diese zweyerley Maxi⸗ 
men nicht wohl neben einander bestehen zu koͤnnen den 
Anschein haben, mithin sich eine Dialectik hervorfindet, 
welche die Urtheilskraft in dem Principihrer Reflexion 
irre macht. 
Die erste Maxime derselben ist der Satz: Ale 
Erzeugung materieller Dinge und ihrer Formen muß als 
nach blos mechanischen Gefetzen moͤglich beurtheilt 
werden. 
Die zweyte Marxime ist der Gegensatz: 
Einige Producte der materiellen Natur koͤnnen nicht, 
als nach blos mechanischen Gesetzen moͤglich, beurtheilt 
werden (ihre Beurtheilung erfordert ein ganz anderes 
Gesetz der Caussalitaͤt, naͤmlich das der Endursachen). 
Wenn man diese regulative Grundsaͤtze fuͤr die 
Nachforschung nun in constitutive, der Moͤglichkeit der 
Objecte selbst, verwandelte, so wuͤrden sie so lauten: 
Satz: Alle Erzeugung materieller Dinge ist nach 
blos mechanischen Gesetzen moͤglich. 
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within auch 
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        <pb n="373" />
        Urthätchi 
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fotd äridti LF 
behendar biith 
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beuttheilt 
jahz anderes 
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dursachen). 
wdutze fur de 
Moglichteit der 
se so lauten: 
inge is hach 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 311 
Gegensatz: Einige Erzeugung derselben ist nach blos 
mechanischen Gesetzen nicht moͤglich. — 
In dieser letzteren Qualitaͤt, als objective Princi⸗ 
pien fuͤr die bestimmende Urtheilskraft, wuͤrden sie ein⸗ 
ander widersprechen, mithin einer von beyden Saͤtzen 
nothwendig falsch seyn; aber das waͤre alsdenn zwar 
eine Antinomie, aber nicht der Urtheilskraft, sondern ein 
Widerstreit in der Gesetzgebung der Vernunft. Die 
Vernunft kann aber weder den einen noch den anderu 
dieser Grundsaͤtze beweisen; weil wir von Moͤglichkeit 
der Dinge nach blos empirischen Gesetzen der Natur 
kein bestimmendes Princip a priori haben koͤnnen. 
Was dagegen die zuerst vorgetragene Maxime 
einer reflectirenden Urtheilskraft betrift, so enthaͤlt sie 
in der That gar keinen Widerspruch. Denn wenn ich 
sage: ich muß alle Eraͤugnisse in der materiellen Natur, 
mithin auch alle Formen, als Producte derselben, ihrer 
Moͤglichkeit nach, nach blos mechanischen Gesetzen beur⸗ 
theilen, so sage ich damit nicht: sie sind darnach 
allein (ausschließungsweise von jeder andern Art Caussa⸗ 
lütaͤ) moͤglich: sondern das will nur anzeigen, ich 
soll jederzeit uͤber dieselbe nach dem Princip des 
bloßen Mechanisms der Natur reflectiren und mithin 
diesem, so weit ich kann, nachforschen, weil, ohne ihn 
zum Grunde der Nachforschung zu legen, es gar keine 
eigentliche Naturerkenntnis geben kann. Dieses hindert 
nun die zweyte Maxime, bey gelegentlicher Veranlassung,
        <pb n="374" />
        312 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
nicht, naͤmlich einigen Naturformen (und auf deren Ver⸗ 
anlassung sogar der ganzen Natur) nach einem Princip 
nachzuspuͤhren und uͤber sie zu reflectiren ,welches von 
der Erklaͤrung nach dem Mechanism der Natur ganz 
verschieden ist, naͤmlich dem Princip der Endursachen. 
Denn die Reflexion nach der ersten Maxime wird da—⸗ 
durch nicht aufgehoben, vielmehr wird es geboten, sie, 
so weit man kann, zu verfolgen, auch wird dadurch nicht 
gesagt, daß, nach dem Mechanism der Natur, jene For⸗ 
men nicht moͤglich waͤren; — nur wird behauptet daß 
die menschliche Vernunft in Befolgung derselben 
und auf diese Art niemals von dem „,was das Specifi⸗ 
sche eines Naturzwecks ausmacht, den mindesten Grund, 
wohl aber andere Erkenntnisse von Naturgesetzen wird 
auffinden koͤnnen; wobey es als unausgemacht dahin 
gestellt wird, ob nicht in dem uns unbekannten inneren 
Grunde der Natur selbst die physisch⸗ mechanische und die 
Zweckverbindung an denselben Dingen in einem Prin— 
cip zusammen haͤngen moͤgen, nur daß unsere Vernunft 
sie in einem solchen zu vereinigen nicht im Stande ist, 
und die Urtheilskraft also, als (aus einem subjectiven 
Grunde) reflectirende, nicht als (einem objectiven 
Princip der Moͤglichkeit der Dinge an sich zu Folge) 
bestimmende Urtheilskraft, genoͤthigt ist, fuͤr gewise 
Formen in der Natur ein anderes Princip, als das des 
Naturmechanisms zum Grunde ihrer Moͤglichkeit zu 
denken. 
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drgonisirten 
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        lrhin 
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am subjettiben 
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sch zu dolg 
i, ͤr gewise 
als das de 
Noͤqichkeit 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 313 
6. 71. 
* 
rbereitung zur Aufloͤsung obiger 
Antinomie. 
Wir koͤnnen die Unmoͤglichkeit der Erzeugung der 
organistrten Naturproducte durch den bloßen Mecha⸗ 
nism der Natur keinesweges beweisen, weil wir die un⸗ 
endliche Mannigfaltigkeit der besondern Naturgesetze, 
die fuͤr uns zufaͤllig sind, da sie nur empirisch erkannt 
werden, ihrem ersten innern Grunde nach nicht einsehen 
und so das innere durchgaͤngig zureichende Princip der 
Moͤglichkeit einer Natur (welches im Uebersinnlichen 
liegt) schlechterdings nicht erreichen koͤnnen. Ob also 
das productive Vermoͤgen der Natur auch fuͤr dasjenige, 
was wir, als nach der Idee von Zwecken geformt oder 
verbunden, beurtheilen, nicht eben so gut, als fuͤr das, 
wozu wir blos ein Maschinenwesen der Natur zu beduͤr⸗ 
fen glauben zulange und ob in der That fuͤr Dinge als 
eigentliche Naturzwecke (wie wir sie nothwendig beur⸗ 
theilen muͤssen) eine ganz andere Art von urspruͤnglicher 
Caussalitaͤt, die gar nicht in der materiellen Natur oder 
ihrem intelligibelen Substrat enthalten seyn kann, naͤm⸗ 
lich ein architectonischer Verstand zum Grunde liege, 
daruͤber kann unsere in Ansehung des Begrifs der Caus⸗ 
salitaͤt, wenn er a priori specificirt werden soll, sehr enge 
eingeschraͤnkte Vernunft schlechterdings keine Auskunft 
geben. — Aber daß, respectiv auf unser Erkenntnis⸗ 
u5
        <pb n="376" />
        314 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
vermoͤgen, der bloße Mechanism der Natur fuͤr die Er⸗ 
zeugung organisirter Wesen auch keinen Erklaͤrungs⸗ 
grund abgeben koͤnne, ist eben so ungezweifelt gewis. 
Fuͤr die reflectirende Urtheilskraft ist also das 
ein ganz richtiger Grundsatz: daß fuͤr die so offenbare 
Verknuͤpfung der Dinge nach Endursachen eine vom 
Mechanism unterschiedene Caussalitaͤt, naͤmlich einer 
nach Zwecken handeladen (verstaͤndigen) Weltursache ge⸗ 
dacht werden muͤsse, so uͤbereilt und unerweislich er 
fuͤr die bestimmende seyn wuͤrde. In dem ersteren 
Falle ist er bloße Maxime der Urtheilskraft; wobey der 
Begrif jener Caussalitaͤt eine bloße Idee ist, der man 
keinesweges Realitaͤt zuzugestehen unternimmt, sondern 
sie nur zum Leitfaden der Reflexion braucht, die dabey 
fuͤr alle mechanische Erklaͤrungsgruͤnde immer offen 
bleibt, und sich nicht aus der Sinnenwelt verliert; im 
zweyten Falle wuͤrde der Grundsatz ein objectives Princip 
seyn, das die Vernunft vorschriebe und dem die Urtheils⸗ 
kraft sich bestimmend unterwerfen muͤßte, wobey sie 
aber uͤber die Sinnenwelt hinaus sich ins Ueberschweng⸗ 
liche verliert und vielleicht irre gefuͤhrt wird. 
Aller Anschein einer Antinomie zwischen den Maxi⸗ 
men der eigentlich physischen (mechanischen) und der 
teleologischen (technischen) Erklaͤrungsart beruht also 
darauf; daß man einen Grundsatz der reflectirenden Ur⸗ 
theilskraft mit dem der bestimmenden und die Avtono— 
mie der ersteren, (die blos subjectiv fuͤr unsern Ver⸗ 
—J. 2h. 6 
VDL 
gephe gil) mi 
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        <pb n="377" />
        ithelthut 
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sen) und der 
deruht als 
—Ro 
ie Jotono⸗ 
unsern Ver⸗ 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 315 
nunftgebrauch in Ansehung der besonderen Erfahrungs⸗ 
gesetze gilt) mit der Heteronomie der anderen, welche 
sich nach den von dem Verstande gegebenen (allgemeinen 
oder besondern Gesetzen) richten muß, verwechselt. 
8. 72. 
Von den mancherley Systemen uͤber die 
Zweckmaͤßigkeit der Natur. 
Die Richtigkeit des Grundsatzes: daß uͤber gewisse 
Dinge der Natur (organisirte Wesen) und ihre Moͤglich⸗ 
keit nach dem Begriffe von Endursachen geurtheilt wer⸗ 
den muͤsse, selbst auch nur wenn man, um ihre Beschaf⸗ 
fenheit durch Beobachtung kennen zu lernen, einen 
Leitfaden verlangt, ohne sich bis zur Untersuchung 
uͤber ihren ersten Ursprung zu versteigen, hat noch nie⸗ 
mand bezweifelt. Die Frage kann also nur seyn: ob 
dieser Grundsatz blos subjectiv guͤltig, d. i. blos Maxime 
unserer Urtheilskraft oder ein objectives Princip der Na⸗ 
tur sey, nach welchem ihr, ausser ihrem Mechanism 
(nach bloßen Bewegungsgesetzen), noch eine andere —X 
von Caussalitaͤt zukomme, naͤmlich die der Endursachen, 
unter denen jene (det bewegenden Kraͤfte) nur als Mit⸗ 
telursachen staͤnden. 
Nun koͤnnte man diese Frage, oder Aufgabe fuͤr die 
Speculation, gaͤnz ich unausgemacht und unaufgeloͤset 
lassen; weil „ wenn wir uns mit der letzteren innerhalb 
den Graͤnzen der bloßen Naturerkenntnis begnuͤgen, wir
        <pb n="378" />
        316 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
an jenen Maximen genug haben, um die Natur, so weit 
als menschliche Kraͤfte reichen zu studiren und ihren ver⸗ 
borgensten Geheimnissen nachzuspuͤhren. Es ist also 
wohl eine gewisse Ahndung unserer Vernunft, oder ein 
von der Natur uns gleichsam gegebener Wink, daß wir 
vermittelst jenes Begrifs von Endursachen wohl gar 
uͤber die Natur hinauslangen und sie selbst an den hoͤch⸗ 
sten Punct in der Reihe der Ursachen knuͤpfen koͤnnten, 
wenn wir die Nachforschung der Natur (ob wir gleich 
darinn noch nicht weit gekommen sind) verließen, oder 
wenigstens einige Zeit aussetzten, und vorher worauf 
jener Fremdling vom Begriffe in der Naturwissenschaft, 
naͤmlich der der Naturzwecke, fuͤhre, zu erkunden 
bersuchten. — 
Hier muͤßte nun freylich jene unbestrittene Maxime 
in die ein weites Feld zu Streitigkeiten eroͤfnende Auf⸗ 
gabe uͤbergehen: Ob die Zweckverknuͤpfung in der Natur 
eine besondere Art der Caussalitaͤt fuͤr dieselbe beweise, 
oder ob sie, an sich und nach objectiven Principien be— 
trachtet, nicht vielmehr mit dem Mechanism der Natur 
einerley sey, oder auf einem und demselben Grunde be⸗ 
ruhe; nur daß wir, da dieser fuͤr unsere Nachforschung in 
manchen Naturproducten oft zu tief versteckt ist, es mit 
einem subjectiven Princip, naͤmlich dem der Kunst, d. i. 
der Caussalitaͤt nach Ideen versuchen, um sie der Natur 
der Analogie nach unterzulegen; welche Nothhuͤlfe uns 
auch in vielen Faͤllen gelingt, in einigen zwar zu mislin⸗ 
Ide 
gen shent, 
—I 
shen der Na 
X 
bit das Ver 
gen des Zu 
ducten sind 
liche cech 
(technican 
daß das 
sachen fuͤr 
werden mi 
der Natur 
X 
Negeln, . 
len, —— 
— 
Venn 
rung in Anse 
nohl hemerk 
chectide sei 
duh ahsch 
schen, unta 
de suhhettoe 
ühhthen —X 
dudiühn 
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        <pb n="379" />
        ichechi 
haur b be 
duund ihten bu 
I is ash 
h, —VR iin 
— —X 
dahhen nohl wq 
ehhs dn den siß 
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ur(ch dir bih 
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orher * 
Ardissnsheh 
iu erkundet 
llese Po —T 
vfhende Mf⸗ 
nder Patur 
— 
ihcidien he⸗ 
n der Natur 
n Grunde he⸗ 
—X 
— 
dKunst, d.i 
ie der Natur 
athhuͤffe un 
w wõlin⸗ 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 317 
gen scheint, auf alle Faͤlle aber nicht berechtigt, eine be⸗ 
sondere von der Caussalitaͤt nach blos mechanischen Ge⸗ 
setzen der Natur selbst unterschiedene Wirkungsart in 
die Naturwissenschaft einzufuͤhren. Wir wollen, indem 
wir das Verfahren (die Caussalitaͤt) der Natur, we⸗ 
gen des Zweckaͤhnlichen welches wir in ihren Pro⸗ 
ducten finden, Technik nennen, diese in die absicht⸗ 
liche (technica intentionalis) und in die unabsichtliche 
(technica naturalis) eintheilen. Die erste soll bedeuten: 
daß das productive Vermoͤgen der Natur nach Endur⸗ 
sachen fuͤr eine besondere Art von Caussalitaͤt gehalten 
werden muͤsse, die zweyte: daß sie mit dem Mechanism 
der Natur im Grunde ganz einerley sey und das zufaͤllige 
Zusammentreffen mit unseren Kunstbegriffen und ihren 
Regeln, als blos subjective Bedingung sie zu beurthei⸗ 
len, faͤlschlich fuͤr eine besondere Art der Naturerzeugung 
ausgedeutet werde. 
Wenn wir jetzt von den Systemen der Naturerklaͤ⸗ 
rung in Ansehung der Endursachen reden, so muß man 
wohl bemerken: daß sie insgesamt dogmatisch d. i. uͤber 
objective Principien der Moͤglichkeit der Dinge, es sey 
durch absichtlich oder lauter unabsichtlich wirkende Ur⸗ 
sachen, unter einander streitig sind und nicht etwa uͤber 
die subjective Maxime, uͤber die Ursache solcher zweck⸗ 
maͤßigen Producte blos zu urtheilen, in welchem letztern 
Falle disparate Principien noch wohl vereinigt wer— 
den koͤnnten, anstatt daß im ersteren contradicto⸗
        <pb n="380" />
        318 H. Th. Eritik der teleologischen Urtheilskraft. 
risch-entgeg engese etzte einander aufheben und neben 
sich nicht bestehen koͤnnen. — 
Die Systeme in Ansehung der Technik der Natur, 
d. i. ihrer productiven Kraft nach der Regel der Zwecke, 
sind zwiefach des Idealismus ooer des Realismus 
der Naturzwecke. Der erstere ist die Behauptung: daß 
alle Zweckmaͤßigkeit der Natur unabsichtlich, der 
zweyte daß einige derselben (in organisirten Wesen) 
absichtlich sey; woraus denn auch die als Hypothese 
gegruͤndete Folge gezogen werden koͤnnte, daß die Tech⸗ 
nik der Natur, auch, was alle andere Producte dersel⸗ 
ben in Beziehung aufs Naturganze betrift, absichtlich, 
d. i. Zweck enhh. 
1) Der Idealism der Zweckmaͤßigkeit (ich verstehe 
hier immer die objective) ist nun entweder der der 
Casualitaͤt, oder der Fatalitaͤt der Naturbestim— 
mung in der zweckmaͤßigen Form ihrer Producte. Das 
erstere Princip betrift die Beziehung der Materie auf 
den physischen Grund ihrer Form, naͤmlich die Bewe⸗ 
zungsgesetze ,das zweyte auf ihren und der ganzen Na⸗ 
tur hyperphysischen Grund. Das System der 
Casualitaͤt, welches dem Epicur vder Democritus 
beygelegt wird, ist, nach dem Buchstaben genommen, 
so offenbar ungereimt, daß es uns nicht verweilen darf: 
dagegen ist das System der Fatalitaͤt (wovon man den 
Spinoza zum Urheber macht, ob es gleich allem Ansehen 
nach viel aͤlter ist) welches sich auf etwas Uebersinnliches 
l 9 Cut 
hent, dahin 
—D 
lupesen gar w 
hur: daß die? 
tlz vnabsichtl 
tinem hewes 
hin keiner Mt 
digkeit seiner 
einheit abg 
Zweckmaͤßi⸗ 
) De 
it auch e 
erste gͤn 
hon eines 
— 
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grundedesJ 
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dihen def 
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        <pb n="381" />
        r — 
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Lroduct⸗ —T 
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ducte. Ius 
Haterie auf 
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T 
—XWC 
d genommen, 
xrweilen datf 
vvon man den 
uem Ansehen 
debersinhliche 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 319 
beruft, dahin also unsere Einsicht nicht reicht so leicht 
nicht zu wiederlegen; darum, weil sein Begrif von dem 
Urwesen gar nicht zu verstehen ist. So viel ist aber 
klar: daß die Zweckverbindung in der Welt in demselben 
als unabsichtlich angenommen werden muß (weil sie von 
einem Urwesen „ aber nicht von seinem Verstande, mit⸗ 
hin keiner Absicht desselben, sondern aus der Nothwen⸗ 
digkeit seiner Natur und der davon abstammenden Welt⸗ 
einheit abgeleitet wird), mithin der Fatalismus der 
Zweckmaͤßigkeit zugleich ein Idealism derselben ist. 
2) Der Realism der Zweckmaͤßigkeit der Natur 
ist auch entweder physisch oder hyperphysisch. Der 
erste gruͤndet die Zwecke in der Natur auf dem Analo⸗ 
gon eines nach Absicht handelnden Vermoͤgens, dem 
Leben der Materie (in ihr, oder auch durch ein bele— 
bendes inneres Princip, (eine Weltseele) und heißt der 
Hylozoism. Der zweyte leitet sie von dem Ur— 
grunde des Weltalls, als einem mit Absicht hervorbrin⸗ 
genden (urspruͤnglich lebenden) verstaͤndigen Wesen ab 
und ist der Theism ). 
) Man sieht hieraus: daß in den meisten speeulativen 
Dingen der reinen Vernunft, was die dogmatische Behaup⸗ 
tungen betrift, die philosophische Schulen gemeiniglich alle 
Aufloͤsungen, die uͤber eine gewisse Frage moͤglich sind, ver⸗ 
sucht haben. So hat man uͤber die Zweckmaͤßigkeit der Na— 
tur bald entweder die leblose Materie, oder einen leblosen 
Gott, bald eine lebende Materie, oder auch einen leben⸗ 
digen Gott zu diesem Behufe versucht. Fuͤr uns bleibt
        <pb n="382" />
        320 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
s§. 73. 
Keines der obigen Systeme leistet das was 
es vorgiebt. 
Was wollen alle jene Systeme? Sie wollen unsere 
teleologische Urtheile uͤber die Natur erklaͤren und gehen 
—V Wahrheit derselben 
laͤugnet, mithin sie fuͤr einen Idealism der Natur (als 
Kunst vorgestellt) erklaͤrt der andere Theil sie als wahr 
anerkennt, und die Moͤglichkeit einer Natur nach der Idee 
der Endursachen darzuthun verspricht. 
H Die fuͤr den Idealism der Endursachen in der 
Natur streitende Systeme lassen nun einerse eits zwar an 
dem Princip derselben eine Caussalitaͤt nach Bewegungs⸗ 
gesetzen zu, (durch welche die Naturdinge zweckmaͤßig 
existiren) aber sie laͤugnen an ihr die Intentionalitaͤt, 
d. i. daß sie absichtlich zu dieser ihrer zweckmaͤßigen Her⸗ 
vorbringnng bestimmt oder, mit anderen Worten, ein 
Zweck die Ursache sey. Dieses ist die Erklaͤrungsart 
Epicurs, nach welcher der Unterschied einer Technik der 
Natur von der bloßen Mechanik gaͤnzlich abgelaͤugnet 
wird und nicht allein fuͤr die Uebereinstimmung der er⸗ 
I eu g⸗ 
nichts uͤbrig, als, wenn es Noth thun sollte, von allen die⸗ 
sen objeetiven Behauptungen abzugehen und unser Urtheil 
blos in Beziehung auf unsere Erkenntnisvermoͤgen eritisch 
zu erwaͤgen, um ihrem Princip eine, wo nicht dogmatische, 
doch zum sichern Vernunftgebrauch hinreichende Guͤltigkeit 
einer Maxime zu verschaffen. 
I. d Cu 
zugten Prod 
nüthit fuͤr di 
wung der Vu 
seeen, wit 
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einmal der 
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nut bli 
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        <pb n="383" />
        — 
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nder dutn ß 
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eermͤgen critihh 
qt dognatich, 
ude huͤltigtet 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 321 
zeugten Producte mit unsern Begriffen vom Zwecke, 
mithin fuͤr die Technik , sondern selbst fuͤr die Bestim⸗ 
mung der Ursachen dieser Erzeugung nach Bewegungs⸗ 
gesetzen, mithin ihre Mechanik, der blinde Zufall zum 
Erklaͤrungsgrunde angenommen, also nichts, auch nicht 
einmal der Schein in unserm teleologischen Urtheile er⸗ 
klaͤrt, mithin der vorgebliche Idealism in denselben kei⸗ 
nesweges dargethan wird. 
Andererseits will Spinoza uns aller Nachfrage 
nach dem Grunde der Moͤglichkeit der Zwecke der Natur 
dadurch uͤberheben und dieser Idee alle Realitaͤt nehmen, 
daß er sie uͤberhaupt nicht fuͤr Producte sondern fuͤr 
einem Urwesen inhaͤrirende Accidenzen gelten laͤßt, und 
diesem Wesen, als Substrat jener Naturdinge in An⸗ 
sehung derselben nicht Caussalitaͤt, sondern blos Sub si⸗ 
stenz beylegt und, (wegen der unbedingten Nothwendig⸗ 
keit desselben, samt allen Naturdingen, als ihm inhaͤri⸗ 
renden Accidenzen) den Naturformen zwar die Einheit 
des Grundes, die zu aller Zweckmaͤßigkeit erforderlich ist, 
sichert „aber zugleich die Zufaͤlligkeit derselben, ohne die 
keine Zweckeinheit gedacht werden kann, entreißt und 
mit ihr alles Absichtliche, so wie dem Urgrunde der 
Naturdinge allen Verstand, wegnimmt. 
Der Spinozism leistet aber das nicht was er will. 
Er will einen Erklaͤrungsgrund der Zweckverknuͤpfung 
(die er nicht laͤugnet, der Dinge der Natur angeben und 
nennt blos die Einheit des Subjects, dem sie alle inhaͤ⸗ 
Kants Crit, d. Urtheilszr. 7
        <pb n="384" />
        322 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
riren. Aber, wenn man ihm auch diese Art zu existiren 
fuͤr die Weltwesen einraͤumt, so ist doch jene ontologische 
Einheit, darum noch nicht so fort Zweckeinheit und 
macht diese keinesweges begreiflich. Die letztere ist naͤm⸗ 
lich eine ganz besondere Art derselben, die aus der Ver⸗ 
knuͤrfung der Dinge (Weltwesen) in einem Subjecte 
(dem Urwesen) gar nicht folgt sondern durchaus die 
Beziehung auf eine Ursache, die Verstand hat, bey 
sich fuͤhrt und selbst, wenn man alle diese Dinge in 
einem einfachen Subjecte vereinigte, doch niemals eine 
Zweckbeziehung darstellt wofern man unter ihnen nicht 
erstlich innere Wirkungen der Substanz als einer 
Ursache; zweytens eben derselben als Ursache durch 
ihren Verstand denkt. Ohne diese formale Bedin⸗ 
gungen ist alle Einheit bloße —A und 
wird sie gleichwohl Dingen beygelegt, die wir als außer 
einander vorstellen, blinde Nothwendigkeit. Will man 
aber das, was die Schule die transscendentale Vollkom⸗ 
menheit der Dinge (in Beziehung auf ihr eigenes Wesen) 
nennt, nach welcher alle Dinge alles an sich haben, was 
erfordert wird um so ein Ding und kein anderes zu seyn, 
Zweckmaͤßigkeit der Natur nennen: so ist das ein kindi⸗ 
sches Spielwerk mit Worten statt Begriffen. Denn, 
wenn alle Dinge als Zwecke gedacht werden muͤssen, 
also ein Ding seyn und Zweck seyn einerley ist, so giebt 
es im Grunde nichts was besonders als Zweck vorge— 
stellt zu werden verdiente. 
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II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 323 
Man sieht hieraus wohl: daß Spinoza dadurch, 
daß er unsere Begriffe von dem Zweckmaͤßigen in der 
Natur auf das Bewustseyn unserer selbst in einem allbe⸗ 
faßenden (doch zugleich einfachen) Wesen zuruͤck fuͤhrte 
und jene Form blos in der Einheit der letztern suchte, 
nicht den Realism sondern blos den Idealism der Zweck⸗ 
maͤßigkeit derselben zu behaupten die Absicht haben muß⸗ 
te, diese aber selbst doch nicht bewerkstelligen konnte, 
weil die bloße Vorstellung der Einheit des Substrats 
auch nicht einmal die Idee von einer, auch nur unab⸗ 
sichtlichen, Zweckmaͤßigkeit bewirken kanm. 
2) Die den Realism der Naturzwecke nicht blos 
behaupten, sondern ihn auch zu erklaͤren vermeynen, 
glauben eine besondere Art der Caussalitaͤt, naͤmlich 
absichtlich wirkender Ursachen, wenigstens ihrer Moͤg⸗ 
lichkeit nach einsehen zu koͤnnen; sonst koͤnnten sie es 
nicht unternehmen jene erklaͤren zu wollen; denn zur Be⸗ 
fugnis selbst der gewagtesten Hypothese muß wenigstens 
die Moͤglichkeit dessen, was man als Grund an⸗ 
nimmt, gewiß seyn, und man muß dem Begriffe dessel⸗ 
ben seine objective Realitaͤt sichern koͤnnen. 
Aber die Moͤglichkeit einer lebenden Materie (deren 
Begrif einen Widerspruch enthaͤlt, weil Leblosigkeit, 
inertia, den wesentlichen Character derselben ausmacht) 
laͤßt sich nicht einmal denken: die einer belebten Materie 
und der gesammten Natur, als eines Thiers kann nur 
so fern (zum Behuf einer Hypothese der Zweckmaͤßigkeit 
X 2
        <pb n="386" />
        324 I. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
im Großen der Natur) duͤrftiger Weise gebraucht wer⸗ 
den, als e uns an der Organisation derselben, im Klei⸗ 
nen, in der Erfahrung offenbart wird, keinesweges aber 
a priori seiner Moͤglichkeit nach eingesehen werden. Es 
muß also ein Cirkel im Erklaͤren begangen werden, 
wenn man die Zweckmaͤßigkeit der Natur an organisir⸗ 
ten Wesen aus dem Leben der Materie ableiten will, und 
dieses Leben wiederum nicht anders als an organisirten 
Wesen kennt, also ohne dergleichen Erfahrung sich kei⸗ 
nen Begrif von der Moͤglichkeit derselben machen kann. 
Der Hylozoism leistet also das nicht was er verspricht. 
Der Theism kann endlich die Moͤglichkeit der Na⸗ 
turzwecke als einen Schluͤssel zur Teleologie eben so we⸗ 
nig dogmatisch begruͤnden, ob er zwar vor allen Erklaͤ⸗ 
rungsgruͤnden derselben darinn den Vorzug hat, daß er 
durch einen Verstand, den er dem Urwesen beylegt , die 
Zweckmaͤßigkeit der Natur dem Idealism am besten ent⸗ 
reißt und eine absichtliche Caussalitaͤt fuͤr die Erzeugung 
derselben einfuͤhrt. 
Denn da muͤßte allererst, fuͤr die bestimmende Ur⸗ 
theilskraft hinreichend, die Unmoͤglichkeit der Zweckein⸗ 
heit in der Materie durch den bloßen Mechanism dersel⸗ 
ben bewiesen werden, um berechtigt zu seyn den Grund 
derselben uͤber die Natur hinaus auf bestimmte Weise zu 
setzen. Wir koͤnnen aber nichts weiter herausbringen 
als daß nach der Beschaffenheit und den Schranken un⸗ 
serer Erkenntnisvermoͤgen (indem wir den ersten inneren 
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II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 325 
Grund selbst dieses Mechanisms nicht einsehen) wir auf 
keinerley weise in der Materie ein Princip bestimmter 
Zweckbeziehungen suchen muͤssen, sondern fuͤr uns keine 
andere —A ihrer Producte, 
als Naturzwecke, uͤbrig bleibe, als die durch einen ober⸗ 
sten Verstand als Weltursache. Das ist aber nur ein 
Grund fuͤr die reflectirende, nicht fuͤr die bestimmende 
Urtheilskraft und kann schlechterdings zu keiner objecti⸗ 
ven Behauptung berechtigen. 
9. 74. 
Die Ursache der Unmoͤglichkeit den Begrif 
einer Technik der Natur dogmatisch zu be⸗ 
handeln ist die Unerklaͤrlichkeit eines Na⸗ 
turzwecks. 
Wir verfahren mit einem Begriffe (wenn er gleich 
empirisch bedingt seyn sollte) dogmatisch, wenn wir ihn 
als unter einem anderen Begriffe des Objects, der ein 
Princip der Vernunft ausmacht, enthalten betrachten 
und ihn diesem gemaͤs bestimmen. Wir verfahren aber 
mit ihm blos critisch, wenn wir ihn nur in Beziehung 
auf unser Erkenntnisvermoͤgen, mithin auf die subje⸗ 
ctive Bedingungen ihn zu denken, betrachten, ohne es zu 
unternehmen uͤber sein Object etwas zu entscheiden. Das 
dogmatische Verfahren mit einem Begriffe ist also das, 
was fuͤr die bestimmende, das critische, was blos fuͤr die 
reflectirende Urtheilskraft gesetzmaͤßig ist. 
XX 3
        <pb n="388" />
        326 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Nun ist der Begrif von einem Dinge als Natur⸗ 
zwecke ein Begrif der die Natur unter eine Caussalitaͤt, 
die nur durch Vernunft denkbar ist subsumirt, um nach 
diesem Princip uͤber das, was vom Objecte in der Er⸗ 
fahrung gegeben ist, zu urtheilen. Um ihn aber dogma— 
tisch fuͤr die bestimmende Urtheilskraft zu gebrauchen, 
mußten wir der objectiven Realitaͤt dieses Begrifs zuvor 
versichert seyn weil wir sonst kein Naturding unter ihm 
subsumiren koͤnnten. Der Begrif eines Dinges als 
Naturzwecks ist aber zwar ein empirisch bedingter, d. i. 
nur unter gewissen in der Erfahrung gegebenen Bedin⸗ 
gungen moͤglicher, aber doch von derselben nicht zu ab⸗ 
strahirender sondern nur nach einem Vernunftprincip 
in der Beurtheilung des Gegenstandes moͤglicher Be⸗ 
grif. Er kann also als ein solches Princip seiner objec⸗ 
tiven Realitaͤt nach, (d. i. daß ihm gemaͤs ein Object 
moͤglich sey) gar nicht eingesehen und dogmatisch begruͤn⸗ 
det werden und wir wissen nicht ob er nicht blos ein ver⸗ 
nuͤnftelnder und objectiv leerer (conceptus ratiocinans) 
oder ein Vernunftbegrif, ein Erkenntnis gruͤndender, 
von der Vernunft bestaͤtigter (conceptus ratiocinatus) 
sey. Also kann er nicht dogmatisch fuͤr die bestimmende 
Urtheilskraft behandelt werden, d. i. es kann nicht allein 
nicht ausgemacht werden, ob Dinge der Natur als Na— 
turzwecke betrachtet, fuͤr ihre Erzeugung eine Caussalitaͤt 
von ganz besonderer Art (die nach Absichten) erfordern, 
oder nicht, sondern es kann auch nicht einmal gefragt 
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II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 327 
werden, weil der Begrif eines Naturzwecks seiner ob⸗ 
jectiven Realitaͤt nach durch die Vernunft gar nicht 
erweislich ist (d. i. er ist nicht fuͤr die bestimmende 
Urtheilskraft constitutiv , sondern fuͤr die reflectirende 
blos regulativ). 
Daß er es aber nicht sey ist daraus klar, weil 
er, als Begrif von einem Naturproduct, Natur⸗ 
nothwendigkeit und doch zugleich eine Zufaͤlligkeit der 
Form des Objects (in Beziehung auf bloße Gesetze 
der Natur) an eben demselben Dinge als Zweck in sich 
faßt, folglich, wenn hierin kein Widerspruch seyn soll, 
einen Grund fuͤr die Moͤglichkeit des Dinges in der 
Natur und doch auch einen Grund der Moͤglichkeit 
dieser Natur selbst und ihrer Beziehung auf etwas, 
— DDDDD 
mithin fuͤr uns gar nicht erkennbar ist, enthalten 
muß, um nach einer andern Art Caussalitaͤt als der 
des Naturmechanisms beurtheilt zu werden, wenn 
man seine Moͤglichkeit ausmachen will. Da also der 
Begrif eines Dinges als Naturzwecks fuͤr die be— 
stimmende Urtheilskraft uͤberschwenglich ist, wenn 
man das Object durch die Vernunft betrachtet, (ob 
er zwar fuͤr die reflectirende Urtheilskraft in Ansehung 
der Gegenstaͤnde der Erfahrung immanent seyn mag) 
mithin ihm fuͤr bestimmende Urtheile die objective 
Realitaͤt nicht verschaft werden kann: so ist hieraus 
begreiflich, wie alle Systeme, die man fuͤr die dog⸗ 
X 4
        <pb n="390" />
        328 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
matische Behandlung des Begrifs der Naturzwecke 
und die Natur, als ein durch Endursachen zusam—⸗ 
menhaͤngendes Ganzes nur immer entwerfen mag, 
weder objectiv bejahend noch objectiv verneinend, 
irgend etwas entscheiden koͤnnen; weil wenn Dinge 
unter einem Begriffe, der blos problematisch ist , sub⸗ 
sumirt werden, die synthetische Praͤdicate desselben 
(3. B. hier ob der Zweck der Natur, den wir uns zu 
der Erzeugung der Dinge denken, absichtlich oder un— 
absichtlich sind) eben solche (problematische) Urtheile 
sie moͤgen nun bejahend oder verneinend seyn, vom 
Object abgeben muͤssen, indem man nicht weiß ob 
man uͤber Etwas oder Nichts urtheilt. Der Begrif 
einer Caussalitaͤt durch Zwecke (der Kunst) hat aller⸗ 
dings objective Realitaͤt, der einer Caussalitaͤt nach 
dem Mechanism der Natur eben so wohl. Aber der 
Begrif einer Caussalitaͤt der Natur nach der Regel 
der Zwecke, noch mehr aber eines Wesens, dergleichen 
uns gar nicht in der Erfahrung gegeben werden kann, 
naͤmlich eines solchen, als Urgrundes der Natur, kann 
zwar ohne Widerspruch gedacht werden „, aber zu dog⸗ 
matischen Bestimmungen doch nicht taugen; weil ihm, 
da er nicht aus der Erfahrung gezogen werden kann, 
auch zur Moͤglichkeit derselben nicht erforderlich ist, 
seine objective Realitaͤt durch nichts gesichert werden 
kann. Geschaͤhe dieses aber auch, wie kann ich Din⸗ 
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estimnt qhe 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 329 
gegeben werden, noch unter Producte der Natur zaͤh— 
len, deren Unfaͤhigkeit, dergleichen nach ihren Gesetzen 
hervorzubringen, eben die Berufung auf eine von ihr 
unterschiedene Ursach nothwendig machte? 
S. 75. 
Der Begrif einer objectiven Zweckmaͤßigkeit 
der Natur ist ein critsfisches Princip der 
Vernunft fuͤr die reflectirende Urtheilskraft. 
Es ist doch etwas ganz anderes ob ich sage: die 
Erzeugung gewisser Dinge der Natur, oder auch der 
gesammten Natur, ist nur durch eine Ursache, die sich 
nach Absichten zum Handeln bestimmt, moͤglich, oder: 
ich kann nach der eigenthuͤmlichen Beschaffen— 
— 
lichkeit jener Dinge und ihre Erzeugung nicht anders 
urtheilen als wenn ich mir zu dieser eine Ursache, 
die nach Absichten wirkt, mithin ein Wesen denke, 
welches nach der Analogie mit der Caussalitaͤt eines 
Verstandes, productiv ist. Im ersteren Falle will ich 
etwas uͤber das Object ansmachen und bin verbunden 
die objective Realitaͤt eines angenommenen Begrifs 
darzuthun; im zweyten bestimmt die Vernunft nur den 
Gebrauch meiner Erkenntnisvermoͤgen, angemessen 
ihrer Eigenthuͤmlichkeit, und den wesentlichen Bedin⸗ 
gungen, ihres Umfanges sowohl, als ihrer Schran— 
ken. Also ist das erste Princip ein objectiver Grund—
        <pb n="392" />
        330 II. Th. Critik der aͤsthetischen Urtheilskraft. 
satz fuͤr die bestimmende, das zweyte ein subjectiver 
Grundsatz blos fuͤr die reflectirende Urtheilskraft, mit⸗ 
hin eine Maxime derselben, die ihr die Vernunft 
auferlegg. 
Wir haben naͤmlich unentbehrlich noͤthig der Na— 
tur den Begrif einer Absicht unterzulegen wenn wir 
ihr auch nur in ihren organisirten Producten durch 
fortgesetzte Beobachtung nachforschen wollen und die— 
ser Begrif ist also schon fuͤr den Erfahrungsgebrauch 
anserer Vernunft eine schlechterdings nothwendige 
Maxime. Es ist offenbar: daß, da einmal ein solcher 
Leitfaden die Natur zu studiren aufgenommen und 
bewaͤhrt gefunden ist, wir die gedachte Maxime der 
Urtheilskraft auch am Ganzen der Natur wenigstens 
bersuchen muͤssen weil sich nach derselben noch manche 
Gesetze derselben duͤrften auffinden lassen die uns, 
nach der Beschraͤnkung unserer Einsichten in das In⸗ 
nere des Mechanisms derselben, sonst verborgen blei⸗ 
ben wuͤrden. Aber in Ansehung des letztern Ge⸗ 
brauchs ist jene Maxime der Urtheilskraft zwar nuͤtz⸗ 
lich, aber nicht unentbehrlich, weil uns die Natur im 
Ganzen als organisirt (in der oben angefuͤhrten eng⸗ 
sten Bedeuntung des Worts) nicht gegeben ist; dage⸗ 
gen in Ansehung der Producte derselben, welche nur 
als absichtlich so und nicht anders geformt muͤssen 
beurtheilt werden, um auch nur eine Erfahrungser⸗ 
kenntnis ihrer innern Beschaffenheit zu bekommen ist 
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II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 331 
jene Maxime der reflectirenden Urtheilskraft wesentlich 
nothwendig: weil selbst der Gedanke von ihnen, als 
organisirten Dingen ohne die einer Erzeugung mit Ab⸗ 
sicht damit zu verbinden, unmoͤglich iste. 
Nun ist der Begrif eines Dinges, dessen Existenz 
oder Form wir uns unter der Bedingung eines Zwecks 
moͤglich zu seyn vorstellen, mit dem Begriffe einer Zu⸗ 
faͤlligkeit desselben (nach Naturgesetzen) unzertrennlich 
verbunden. Daher machen auch die Naturdinge, welche 
wir nur als Zwecke moͤglich finden, den vornehmsten 
Beweis fuͤr die Zufaͤlligkeit des Weltganzen aus, und 
sind der einzige fuͤr den gemeinen Verstand eben sowohl 
als den Philosophen geltende Beweisgrund der Abhaͤn⸗ 
gigkeit und Ursprungs desselben von einem außer der 
Welt existirenden und zwar (um jener zweckmaͤßigen Form 
willen) verstaͤndigen Wesen, und die Teleologie findet 
keine Vollendung des Aufschlusses fuͤr ihre Nachforschun⸗ 
gen als in einer Theologie. 
Was beweiset nun aber am Ende auch die aller voll⸗ 
staͤndigste Teleologie? Beweiset sie etwa daß ein solches 
vberstaͤndiges Wesen da sey? Nein; nicht weiter als daß 
wir nach der Beschaffenheit unserer Erkenntnisvermoͤgen, 
also in Verbindung der Erfahrung mit den obersten 
Principien der Vernunft, uns schlechterdings keinen Be⸗ 
grif von der Moͤglichkeit einer solchen Welt machen koͤn⸗ 
—D 
oberste Ursache derselben denken. Objectiv koͤnnen wir
        <pb n="394" />
        332 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskrast. 
also nicht den Satz darthun: es ist ein verstaͤndiges Ur— 
wesen, sondern nur subjectiv fuͤr den Gebrauch unserer 
Urtheilskraft in ihrer Reflexion uͤber die Zwecke in der 
Natur, die nach keinem anderen Princip als dem einer 
absichtlichen Caussalitaͤt einer hoͤchsten Ursache gedacht 
werden koͤnren. 
Wollten wir den obersten Satz dogmatisch, aus 
teleologischen Gruͤnden darthun, so wuͤrden wir unter 
Schwierigkeiten befangen werden, aus denen wir uns 
nicht heraus wickeln koͤrnnten. Denn da wuͤrde diesen 
Schluͤssen der Satz zum Grunde gelegt werden muͤssen: 
die organisirte Wesen in der Welt sind nicht anders sals 
durch eine absichtlich⸗ wirkende ˖ Ursache moͤglich. Daß 
aber, weil wir diese Dinge nur unter der Idee der Zwecke 
in ihrer Caussalverbindung verfolgen und diese nach ihrer 
Gesetzmaͤßigkeit erkennen koͤnnen, wir auch berechtigt 
waͤren, eben dieses auch fuͤr jedes denkende und erken⸗ 
nende Wesen als nothwendige, mithin dem Objecte und 
nicht blos unserm Subjecte anhaͤngende Bedingung, vor⸗ 
auszusetzen, das muͤßten wir hiebey unvermeidlich be— 
haupten wollen. Aber mit einer solchen Behauptung 
kommen wir nicht durch. Denn, da wir die Zwecke in 
der Natur als absichtliche eigentlich nicht beobachten, son⸗ 
dern nur, in der Reflexion uͤber ihre Producte, diesen 
Begrif als einen Leitfaden der Urtheilskraft hinzu den⸗ 
ken, so sind sie uns nicht durchs Object gegeben. Aspriori 
ist es sogar fuͤr uns unmoͤglich einen solchen Begrif, sei⸗ 
012 
ger hetthen 
rehtfetgen. 
iuf 
etihen Y 
ed 
sihermoͤgen 
henhender S 
whatisch gelter 
Gott: nunc 
schraͤnkte dor 
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muß, garh 
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angung, dor⸗ 
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Hehaustung 
die Jweche n 
edhachten, son 
reducte, diesn 
raft hinzu du 
xeden. Apribr 
heqtif, su 
4 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 333 
ner objectiven Realitaͤt nach, als annehmungsfaͤhig zu 
rechtfertigen. Es bleibt also schlechterdings ein nur auf 
subjectiven Bedingungen naͤmlich der unseren Erkennt⸗ 
nisvermoͤgen angemessen resftectirenden Urtheilskraft 
beruhender Satz, der, wenn man ihn als objectiv⸗dog⸗ 
matisch geltend ausdruͤckte, heissen wuͤrde: es ist ein 
Gott: nun aber, fuͤr uns als Menschen, nur die einge⸗ 
schraͤnkte Formel erlaubt: Wir koͤnnen uns die Zweck⸗ 
maͤßigkeit, die selbst unserer Erkenntnis der inneren Moͤg⸗ 
—D— — werden 
muß , gar nicht anders denken und begreiflich machen, 
als indem wir sie und uͤberhaupt die Welt uns als ein 
Product einer verstaͤndigen Ursache vorstellen. 
Wenn nun dieser auf einer unumgaͤnglich nothwen⸗ 
digen Maxime unserer Urtheilskraft gegruͤndete Satz 
allem sowohl speculativen als practischen Gebrauche un⸗ 
serer Vernunft in jeder menschlichen Absicht vollkommen 
genugthuend ist, so moͤchte ich wohl wissen, was uns 
dann darunter abgehe, daß wir ihn nicht auch fuͤr hoͤhere 
Wesen guͤltig, naͤmlich aus reinen objeetiven Gruͤnden 
(die leider unser Vermoͤgen uͤbersteigen) beweisen koͤnnen. 
Es ist naͤmlich ganz gewis, daß wir die organisirte We⸗ 
sen und deren innere Moͤglichkeit nach blos mechanischen 
Principien der Natur nicht einmal zureichend kennen ler⸗ 
nen, viel weniger uns erklaͤren koͤnnen und zwar so ge⸗ 
wiß, daß man dreist sagen kann, es ist fuͤr Menschen
        <pb n="396" />
        334 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
ungereimt auch nur einen solchen Anschlag zu fassen, 
oder zu hoffen, daß noch etwa dereinst ein Newton auf—⸗ 
stehen koͤnne, der auch nur die Erzeugung eines Gras⸗ 
halms nach Naturgesetzen , die keine Absicht geordnet 
hat, begreiflich machen werde; sondern man muß diese 
Einsicht den Menschen schlechterdings absprechen. Daß 
denn aber auch in der Natur, wenn wir bis zum Princip 
derselben in der Specification ihrer allgemeinen uns be⸗ 
kannten Gesetze durchdringen koͤnnten, ein hinreichender 
Grund der Moͤglichkeit organisirter Wesen, ohne ihrer 
Erzeugung eine Absicht unterzulegen, (also im bloßen 
Mechanism derselben) gar nicht verborgen liegen koͤnne, 
das waͤre wiederum von uns zu vermessen geurtheilt; 
denn woher wollen wir das wissen — Wahrscheinlichkei⸗ 
ten fallen hier gar weg, wo es auf Urtheile der reinen 
Vernunft ankommt. — Also koͤnnen wir uͤber den Satz: 
ob ein nach Absichten handelndes Wesen als Weltursache 
(mithin als Urheber) dem, was wir mit Recht Natur⸗ 
zwecke nennen, zum Grunde liege, objectiv gar nicht, 
weder bejahend noch verneinend, urtheilen; nur so viel 
ist sicher, daß, wenn wir doch wenigstens nach dem, was 
uns einzusehen durch unsere eigene Natur vergoͤnnt ist, 
(nach den Bedingungen und Schranken unserer Ver⸗ 
nunft) urtheilen sollen, wir schlechterdings nichts an⸗ 
ders als ein verstaͤndiges Wesen der Moͤglichkeit jener 
Naturzwecke zum Grunde legen koͤnnen, welches der 
Maxime unserer reflectirenden Urtheilskraft, folglich 
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—QDVBthII 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 335 
einem subjectiven, aber dem menschlichen Geschlecht 
unnachlaslich anhaͤngenden Grunde allein gemaͤs ist. 
J. 76. 
Anmerkung. 
Diese Betrachtung, welche es gar fehr verdient in der 
Transscendentalphilosophie umstaͤndlich ausgefuͤhrt zu wer⸗ 
den, mag hier nur episodisch, zur Erlaͤuterung (nicht zum 
Beweise des hier Vorgetragenen), eintreen. 
Die Vernunft ist ein Vermoͤgen der Principien und 
geht in ihrer aͤussersten Forderung aufs Unbedingte, da hin—⸗ 
gegen der Verstand ihr immer nur unter einer gewissen Be⸗ 
dingung, die gegeben werden muß, zu Diensten steht. Ohne 
Begriffe des Verstandes aber, denen objective Realitaͤt gege⸗ 
ben werden muß, kann die Vernunft gar nicht objectiv (syn⸗ 
thetisch) urtheilen und enthaͤlt, als theoretische Vernunft, fuͤr 
sich schlechterdings keine constitutive, sondern blos regulative 
Principien. Man wird bald inne: daß, wo der Verstand 
nicht folgen kann, die Vernunft uͤberschwenglich wird und in 
zuvor gegruͤndeten Ideen (als regulativer Principien), aber 
nicht objectiv guͤltigen Begriffen sich hervorthut, der Verstand 
aber, der mit ihr nicht Schritt halten kann aber doch zur 
Guͤltigkeit fuͤr Objecte noͤthig seyn wuͤrde, die Guͤltigkeit 
jener Ideen der Vernunft nur auf das Subject, aber 
doch allgemein fuͤr alle von dieser Gattung, d. i. auf 
die Bedingung einschraͤnke, daß nach der Natur unseres 
(menschlichen) Erkenntnisvermoͤgens oder gar uͤberhaupt nach 
dem Begriffe, den wir uns von dem Vermoͤgen eines end— 
lichen vernuͤnftigen Wesens uͤberhaupt machen koͤnnen, nicht 
anders als so koͤnne und muͤsse gedacht werden, ohne doch zu 
behaupten, daß der Grund eines solchen Urtheils im Objecte
        <pb n="398" />
        336 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
liege. Wir wollen Beyspiele anfuͤhren, die zwar zu viel 
Wichtigkeit haben, um sie hier so fort als erwiesene Saͤtze 
dem Leser aufzudringen, die ihm aber Stoff zum Nachdenken 
geben und dem, was hier unser eigenthuͤmliches Geschaͤfte 
ist, zur Erlaͤuterung dienen koͤnnen. 
Es ist dem menschlichen Verstande unumgaͤnglich noth⸗ 
wendig, Moͤglichkeit und Wirklichkeit der Dinge zu unter— 
scheiden. Der Grund davon liegt im Subjecte und der Na⸗ 
tur seiner Erkenntnisvermoͤgen. Denn, waͤren zu dieser ih⸗ 
rer Ausuͤbung nicht zwey ganz heterogene Stuͤcke, Verstand 
fuͤr Begriffe und sinnliche Anschauung fuͤr Objecte, die ihnen 
correspondiren, erforderlich, so wuͤrde es keine solche Unter⸗ 
scheidung (zwischen dem Moͤglichen und Wirklichen) geben. 
Waͤre nemlich unser Verstand anschauend, so haͤtte er keine 
Gegenstaͤnde als das Wirkliche. Begriffe (die blos auf die 
Moͤglichkeit eines Gegenstandes) und sinnliche Anschauungen 
(welche uns etwas geben, ohne es dadurch doch als Gegen⸗ 
stand erkennen zu lassen) wuͤrden beyde wegfallen. Nun be— 
ruht aber alle unsere Unterscheidung des blos Moͤglichen 
vom Wirklichen darauf, daß das erstere nur die Position der 
Vorstellung eines Dinges respectiv auf unsern Begrif und 
uͤberhaupt das Vermoͤgen zu denken, das letztere aber die 
Setzung des Dinges an sich selbst bedeutet. Also ist die Un⸗ 
terscheidung moͤglicher Dinge von wirklichen eine solche, die 
blos subjectiv fuͤr den menschlichen Verstand gilt, da wir 
naͤmlich etwas immer noch in Gedanken haben koͤnnen, ob 
es gleich nicht ist, oder etwas als gegeben uns vorstellen, ob 
wir gleich noch keinen Begrif davon haben. Die Saͤtze also: 
daß Dinge moͤglich seyn koͤnnen ohne wirklich zu seyn, daß 
also aus der bloßen Moͤglichkeit auf die Wirklichkeit gar nicht 
geschlossen werden koͤnne, gelten ganz richtig fuͤr die mensch— 
liche Vernunft, ohne darum zu beweisen daß dieser Unter⸗ 
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ied 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 337 
schied in den Dingen selbst liege. Denn daß dieses nicht dar⸗ 
aus gefolgert werden koͤnne, mithin jene Saͤtze zwar aller⸗ 
dings auch von Objecten gelten, so fern unser Erkenntnisver— 
moͤgen, als sinnlich-bedingt, sich auch mit Objecten der 
Sinne beschaͤftigt, aber nicht von Dingen uͤberhaupt, leuch⸗ 
tet aus der unnachlaslichen Forderung der Vernunft ein, 
irgend ein Etwas (den Urgund) als unbedingt nothwendig 
existirend anrzunehmen, an welchem Moͤglichkeit und Wirk— 
lichkeit gar nicht mehr unterschieden werden sollen und fuͤr 
welche Idee unser Verstand schlechterdings keinen Begrif hat, 
d. i. keine Art ausfinden kann, wie er ein solches Ding und 
seine Art zuexistiren sich vorstellen solle. Denn wenn er es denkt 
(er mag es denken wie er will), so ist es blos als moͤglich vor⸗ 
gestellt. Ist er sich dessen, als in der Anschauung gegeben 
bewußt, so ist es wirklich, ohne sich hiebey irgend etwas von 
Moͤglichkeit zu denken. Daher ist der Begrif eines absolut— 
nothwendigen Wesens zwar eine unentbehrliche Vernunft—⸗ 
idee, aber ein fuͤr den menschlichen Verstand unerreichbarer 
problematischer Begrif. Er gilt aber doch fuͤr den Gebrauch 
unserer Erkenntnisvermoͤgen ,nach der eigenthuͤmlichen Be⸗ 
schaffenheit derselben, mithin nicht vom Objecte und hiemit 
fuͤr jedes erkennende Wesen, weil ich nicht bey jedem das 
Denken und die Anschauung als zwey verschiedene Bedin⸗ 
zungen der Ausuͤbung ihrer Erkenntnisvermoͤgen, mithin 
der Moͤglichkeit und Wirklichkeit der Dinge voraussetzen 
kann. Fuͤr einen Verstand, bey dem dieser Unterschied nicht 
eintraͤte, wuͤrde es heissen: alle Objecte, die ich erkenne, 
sind (existiren) und die Moͤglichkeit einiger die doch nicht 
existirten, d. i. die Zufaͤlligkeit derselben, wenn sie existiren, 
also auch die davon zu unterscheidende Nothwendigkeit, wuͤrde 
in die Vorstellung eines solchen Wesens gar nicht kommen 
koͤnnen. Was unserm Verstande aber so beschwerlich faͤllt, 
Bants Crit.d. Urtheils)kr 9
        <pb n="400" />
        338 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
der Vernunft hier mit seinen Begriffen es gleich zu thun, ist 
blos: daß fuͤr ihn, als menschlichem Verstande, das uͤber—⸗ 
schwenglich, (d. i. den subjectiven Bedingungen seines Er⸗ 
kenntnisses unmoͤglich) ist, was! doch die Vernunft als zum 
Objeet gehoͤrig zum Prinzip macht. — Hiebey gilt nun 
immer die Maxime, daß wir alle Objecte, da wo ihr Er⸗ 
kenntnis das Vermoͤgen des Verstandes uͤbersteigt, nach den 
subjectiven, unserer, d. i. der menschlichen Natur, nothwen⸗ 
dig anhaͤngenden Bedingungen der Ausuͤbung ihrer Vermoͤ⸗ 
gen denken uund, wenn die auf die Art gefaͤllete Urtheile (wie 
es auch in Ansehung der uͤberschwenglichen Begriffe nicht an⸗ 
ders seyn kann) nicht constitutive Principien, die das Ob⸗ 
ject, wie es beschaffen ist, bestimmen, seyn koͤnnen, so wer⸗ 
den es doch regulative, in der Ausuͤbung immanente und 
sichere, der menschlichen Absicht angemessene Principien 
hleiben. 
So wie die Vernunft in theoretischer Betrachtung der 
Natur die Idee einer unbedingten Nothwendigkeit ihres Ur⸗ 
grundes annehmen muß, so setzt sie auch in practischer ihre 
eigene (in Ansehung der Natur) unbedingte Caussalitaͤt, d. i. 
Freyheit, voraus, indem sie sich ihres moralischen Gebots 
bewußt ist. Weil nun aber hier die objective Nothwendig— 
keit der Handlung, als Pflicht, derjenigen, die sie, als Be⸗ 
gebenheit, haben wuͤrde, wenn ihr Grund in der Natur und 
nicht in der Freyheit (d. i. der Vernunfteaussalitaͤt) laͤge, ent⸗ 
gegengesetzt und die moralisch-schlechthin- nothwendige Hand⸗ 
lung physisch als ganz zufaͤllig angesehen wird, (d. i. daß 
das was nothwendig geschehen sollte, doch oͤfters nicht ge— 
schicht) so ist klar, daß es nur von der subjectiven Beschaffen⸗ 
heit unseres practischen Vermoͤgens herruͤhrt, daß die mora— 
lische Gesetze als Gebote (und die ihnen gemaͤße Handlun⸗ 
gen als Pflichten) vorgestellt werden muͤssen und die Ver— 
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dedingung ih 
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wwen Heschaffm 
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maße Hand lun⸗ 
und de Ver⸗ 
II. Th Critik der teleologischen Urtheilskraft. 339 
nunft diese Nothwendigkeit nicht durch ein Seyn (geschehen), 
sondern Seyn-Sollen ausdruͤckt ,welches nicht statt finden 
wuͤrde, wenn die Vernunft ohne Sinnlichkeit (als subjective 
Bedingung ihrer Anwendung auf Gegenstaͤnde der Natur) 
hrer Caussalitaͤt nach, mithin als Ursache in einer intelligi— 
belen, mit dem moralischen Gesetze durchgaͤngig uͤbereinstim⸗ 
menden, Welt betrachtet wuͤrde, wo zwischen Sollen und 
Thun zwischen einem practischen Gesetze, von dem was durch 
uns moͤglich ist, und dem theoretischen, von dem, was durch 
uns wirklich ist, kein Unterschied seyn wuͤrde. Ob nun aber 
gleich eine intelligibele Welt in welcher alles darum wirklich 
seyn wuͤrde, blos nur weil es (als etwas Gutes) moͤglich 
ist, und selbst die Freyheit, als formale Bedingung dersel— 
ben, fuͤr uns ein uͤberschwenglicher Begrif ist, der zu keinem 
constitutiven Princip, ein Object und dessen objective Reali— 
taͤt zu bestimmen, tauglich ist, fo dient die letztere doch, nach 
der Beschaffenheit unserer (zum Theil sinnnlichen) Natur 
und Vermoͤgens, fuͤr uns und alle vernuͤnftige mit der Sin⸗ 
nenwelt in Verbindung stehende Wesen, so weit wir sie uns 
nach der Beschaffenheit unserer Vernunft vorstellen koͤnnen, 
zu einem allgemeinen regulativen Princip, welches die 
Beschaffenheit der Freyheit, als Form der Caussalitaͤt, nicht 
objectiv bestimmt, sondern, und zwar mit nicht minderer 
Guͤltigkeit, als ob dieses geschaͤhe, die Regel der Handlun⸗ 
gen nach jener Idee fuͤr jedermann zu Geboten macht. 
Eben so kann man auch was unsern vorhabenden Fall 
betrift einraͤumen, wir wuͤrden zwischen Naturmechanism 
und Technik der Natur, d. i. Zweckverknuͤpfung in derselben 
keinen Unterschied finden, waͤre unser Verstand nicht von der 
Art, daß er vom Allgemeinen zum Besondern gehen muß 
und die Urtheilskraft also in Ansehung des Besondern keine 
Zweckmaͤßigkeit erkennen, mithin keine bestimmende Urtheile 
V2
        <pb n="402" />
        340 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
faͤlen kann, ohne ein allgemeines Gesetz zu haben, darunter 
sie jenes subsumiren koͤnne. Da nun aber das Besondere, 
als ein solches, in Ausehung des Allgemeinen etwas Zufaͤlli⸗ 
ges enthaͤlt, gleichwohl aber die Vernunft in der Ver— 
bindung besonderer Gesetze der Natur doch auch Einheit, 
mithin Gesetzlichkeit erfordert (welche Gesetzlichkeit des Zu⸗ 
faͤlligen Zweckmaͤßigkeit heißt) und die Ableitung der beson⸗ 
deren Gesetze aus den allgemeinen, in Ansehung dessen, was 
jene Zufaͤlliges in sich enthalten, a priori durch Bestimmung 
des Begrifs vom Objeete unmoͤglich ist, so wird der Begrif 
der Zweckmaͤßigkeit der Natur in ihren Producten ein fuͤr die 
menschliche Urtheilskraft in Ansehung der Natur nothwendi⸗ 
ger, aber nicht die Bestimmung der Objecte selbst angehen⸗ 
der Begrif seyn, also ein subjectives Princip der Vernunft 
fuͤr die Urtheilskraft welches als regulativ (nicht constitutiv) 
fuͤr unsere menschliche Urtheilskraft eben so nothwendig 
gilt, als ob es ein objectives Princip waͤre. 
§. 77. 
Von der Eigenthuͤmlichkeit des menschlichen 
Verstandes, dadurch uns der Begriff eines 
Naturzwecks moͤglich wird. 
Wir haben in der Anmerkung Eigenthuͤmlichkeiten 
unseres (selbst des oberen) Erkenntnisvermoͤgens, wel⸗ 
che wir leichtlich als objective Praͤdikate auf die Sachen 
selbst uͤberzutragen verleitet werden, angefuͤhrt; aber sie 
betreffen Ideen, denen angemessen kein Gegenstand in 
der Erfahrung gegeben werden kann , und die alsdenn 
nur zu regulativen Principien in Verfolgung der letzte⸗ 
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II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 341 
reren dienen konnten. Mit dem Begriffe eines Natur⸗ 
zwecks verhaͤlt es sich zwar eben so, was die Ursache der 
Moͤglichkeit eines solchen Praͤdikats betrift, die nur in 
der Idee liegen kann; aber die ihr gemaͤße Folge (das 
Product selbst) ist doch in der Natur gegeben , und der 
Begriff einer Causalitaͤt der letzteren, als eines nach 
Zwecken handelnden Wesens, scheint die Idee eines Na⸗ 
turzwecks zu einem constitutiven Princip desselben zu ma⸗ 
chen, und darin hat sie etwas von allen andern Ideen 
Unterscheidendes. 
Dieses Unterscheidende besteht aber darin: daß ge⸗ 
dachte Idee nicht ein Vernunftprincip fuͤr den Verstand, 
sondern fuͤr die Urtheilskraft, mithin lediglich die An⸗ 
wendung eines Verstandes uͤberhaupt auf moͤgliche Ge⸗ 
genstaͤnde der Erfahrung ist, und zwar da, wo das Ur⸗ 
theil nicht bestimmend, sondern blos reflectirend seyn 
kann, mithin der Gegenstand zwar in der Erfahrung ge⸗ 
geben, aber daruͤber der Idee gemaͤs gar nicht einmal 
bestimmt (geschweige vollig angemessen) geurtheilt, 
sondern nur uͤber ihn reflectirt werden kann. 
Es betrift also eine Eigenthuͤmlichkeit unseres 
(menschlichen) Verstandes in Ansehung der Urtheils⸗ 
kraft, in der Reflexion derselben uͤber Dinge der Natur. 
Wenn das aber ist, so muß hier die Idee von einem an⸗ 
dern moͤglichen Verstande, als dem menschlichen zum 
Grunde liegen (so wie wir in der Critik d. r. V. eine an⸗ 
dere moͤgliche Anschauung in Gedanken haben mußten, 
Y3
        <pb n="404" />
        342 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
wenn die Unsrige als eine besondere Art, naͤmlich der, 
fuͤr welche Gegenstaͤnde nur als Erscheinungen gelten, 
gehalten werden sollte) damit man sagen koͤnne: gewisse 
Naturproducte muͤssen nach der besondern Beschaffenheit 
unseres Verstandes ihrer Moͤglichkeit nach von uns 
als absichtlich und als Zwecke erzeugt, betrachtet 
werden, ohne doch darum zu verlangen, daß es wirk⸗ 
lich eine besondere Ursache, welche die Vorstellung eines 
Zwecks zu ihrem Bestimmungsgrunde hat, gebe, mit— 
hin ohne in Abrede zu ziehen, daß nicht ein anderer (hoͤ⸗ 
herer) Verstand , als der menschliche, auch im Mecha⸗ 
nism der Natur d. i. einer Caussalverbindung „zu der 
nicht ausschließungsweise ein Verstand als Ursache ange⸗ 
nommen wird, den Grund der Moͤglichkeit solcher Pro— 
dukte der Natur antreffen kͤnne. 
Es kommt hier also auf das Verhalten unseres 
Verstandes zur Urtheilskraft an, daß wir naͤmlich darin 
eine gewisse Zufaͤlligkeit der Beschaffenheit des unsrigen 
aufsuchen, um diese als Eigenthuͤmlichkeit unseres Ver— 
standes, zum Unterschiede von anderen moͤglichen an⸗ 
zumerken. 
Diese Zufaͤlligkeit findet sich ganz natuͤrlich in dem 
—A welches die Urtheilskraft unter das 
Allgemeine der Verstandesbegriffe bringen soll; denn 
durch das Allgemeine unseres (menschlichen) Verstan⸗ 
des ist das besondere nicht bestimmt und es ist zufaͤllig, 
auf wie vielerley Art unterschiedene Dinge, die doch in 
I.dh Ciiti 
tigem geminsam 
Vahrnehmungv 
in emoͤgen 
und, fuͤ den! 
— sehr de 
him in der Na 
hegriffe gebra 
nis doch auch 
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unabhaͤngiget 
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zelnen (durch 
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iist ahgetroff 
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        —— 
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noͤnte: unß 
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Lerfelun ii 
hat, —X 
ein anderet (s 
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ltz Urseche atghe 
keit solcher Iy 
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naͤnmlich darin 
tdes unsrigen 
unseres Per⸗ 
voͤghhchen au⸗ 
idtuͤclich in den 
rast unter du 
tingen sol; dun 
hlichen) Versun 
wd es ist ulh 
me, die dihi 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 343 
einem gemeinsamen Merkmale uͤbereinkommen, unserer 
Wahrnehmung vorkommen koͤnnen. Unser Verstand ist 
ein Vermoͤgen der Begriffe, d. i. ein discursiver Ver⸗ 
fand, fuͤr den es freylich zufaͤllig seyn muß, welcherley 
und wie sehr verschieden das Besondere seyn mag, das 
ihm in der Natur gegeben werden, und was unter seine 
Begriffe gebracht werden kann. Weil aber zum Erkennt⸗ 
nis doch auch Anschauung gehoͤrt, und ein Vermoͤgen 
einer voͤlligen Spontaneitaͤt der Anschauung 
ein von der Sinnlichkeit unterschiedenes und davon ganz 
unabhaͤngiges Erkenntnisvermoͤgen, mithin Verstand in 
der allgemeinsten Bedeutung seyn wuͤrde: so kann man 
sich auch einen intuitiven Verstand denken, welcher 
nicht vom Allgemeinen zum Besonderen und so zum ein⸗ 
zelnen (durch Begriffe) geht und fuͤr welchen jene Zu⸗ 
faͤlligkeit die Zusammenstimmung der Natur in ihren 
Produkten nach besondern Gesetzen zum Verstande 
nicht angetroffen wird, welche dem unsrigen es so 
schwer macht, das Mannigfaltige derselben zur Einheit 
des Erkenntnisses zu bringen; ein Geschaͤfte, das der 
unsrige nur durch Uebereinstimmung der Naturmerk⸗ 
male zu unserm Vermoͤgen der Begriffe, welche sehr zu⸗ 
faͤlig ist, zu Stande bringen kann, ein anschauender 
Verstand aber nicht bedarf. 
Unser Verstand hat also das Eigene fuͤr die Ur⸗ 
theilskraft, daß im Erkenntnis durch denselben, durch 
das Allgemeine das Besondere nicht bestimmt wird, und 
P 4
        <pb n="406" />
        344 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
dieses also von jenem allein nicht abgeleitet werden kann: 
gleichwohl aber dieses Besondere in der Mannigfaltigkeit 
der Natur zum Allgemeinen durch Begriffe und Gesetze) 
zusammenstimmen soll, um darunter subsumirt werden 
zu koͤnnen, welche Zusammenstimmung unter solchen Um⸗ 
staͤnden sehr zufaͤllig und fuͤr die Urtheilskraft ohne be— 
stimmtes Princip seyn mu5ß. 
Um nun gleichwohl die Moͤglichkeit einer solchen 
Zusammenstimmung der Dinge der Natur zur Ur⸗ 
theilskraft, —XR wir als zufaͤllig, mithin nur 
durch einen darauf gerichteten Zweck als moͤglich vor⸗ 
stellen) wenigstens denken zu koͤnnen muͤssen wir uns 
zugleich einen andern Verstand denken, in Beziehung 
auf weichen, nnd zwar vor allem ihm beygelegten Zweck, 
wir jene Zusammenstimmung der Naturgesetze mit unse⸗ 
rer Urtheilskraft die fuͤr unsern Verstand nur durch das 
Verbindungsmittel der Zwecke denkbar ist, als noth⸗ 
wendig vorstellen koͤnnen. 
Unser Verstand naͤmlich hat die Eigenschaft, daß er in 
seinem Erkenntnisse, z. B. der Ursache eines Producis, 
vom Analhtisch allgemeinen (von Vegriffen) zum 
Besondern (der gegebenen empirischen Anschauung) ge⸗ 
hen muß, dabey er also in Ansehung der Mannigfaltig⸗ 
keit des letztern nichts bestimmt, sondern diese Bestim⸗ 
mung fuͤr die Urtheilskraft von der Subsumtion der em⸗ 
virischen Anschauung (wenn der Gegenstand ein Natur⸗ 
oroduct ist) unter dem Begriff erwarten muß. Nun 
l 9 Ciitn 
— 
— 
ih, von Gyr 
thes Ganzen 
di. von Ga 
Vorstelunge 
dung der Mh 
horm desh 
stand bedarf 
gedachten 6 
mirenden pr 
muß. Nac 
hingegen ein 
der concurti 
sehen. Po 
— 
Vefsumhe gen 
luitixen (urh/ 
— — 
thingend vo 
hen kihenthun 
—2 daß d 
delitdsung 
inmietWi 
— 
—
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        A Utthan, 
— 
—28— zꝛ J 
tbhl tvord. 
inlhn U— 
helötos yhhe 
heit eiher ih 
Din uuh 
9. nihnp 
iß nöhlih h 
nuͤsen vi mn 
in in veich 
wyelegten doeh 
—V — 
dtur durch du⸗ 
h, als poth— 
usst, daß er in 
iued herdun, 
degrifen) pun 
Uuschaunung) ge 
—XV 
en diese hesin— 
sumtion der eur 
land ein sau⸗ 
cten mufß. My 
I. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 345 
koͤnnen wir uns aber auch einen Verstand denken, der, 
weil er nicht wie der unsrige discursiv, sondern intuitiv 
ist, vom Synthetisch- allgemeinen (der Anschauns 
eines Ganzen, als eines solchen (zum Besondern geht, 
d. i. von Ganzen zu den Theilen, der also und dessen 
Vorstellung des Ganzen die Zufaͤlligkeit der Verbin⸗ 
dung der Theile nicht in sich enthaͤlt, um eine bestimmte 
Form des Ganzen moͤglich zu machen, die unser Ver⸗ 
stand bedarf, welcher von den Theilen, als allgemein⸗ 
gedachten Gruͤnden, zu verschiedenen darunter zu subsu⸗ 
mirenden moͤglichen Formen, als Folgen, fortgehen 
muß. Nach der Beschaffenheit unseres Verstandes ist 
hingegen ein reales Ganze der Natur nur als Wirkung 
der concurrirenden bewegenden Kraͤfte der Theile anzu— 
sehen. Wollen wir uns also nicht die Moͤglichkeit des 
Ganzen als von den Theilen, wie es unserm discursiven 
Verstande gemaͤs ist, sondern, nach Maasgabe des in⸗ 
tuitiven (urbildlichen ), die Moͤglichkeit der Theile (ihrer 
Beschaffenheit und Verbindung nach) als vom Ganzen 
abhaͤngend vorstellen, so kann dieses, nach eben dersel⸗ 
ben Eigenthuͤmlichkeit unseres Verstandes, nicht so ge— 
schehen, daß das Ganze den Grund der Moͤglichkeit der 
Verknuͤpfung der Theile, (welches in der discursiven Er⸗ 
kenntnisart Widerspruch seyn wuͤrde), sondern nur daß die 
Vorstellung eines Ganzen den Grund der Moͤglichkeit 
der Form desselben und der dazu gehoͤrigen Verknuͤpfung 
V95
        <pb n="408" />
        346 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
der Theile enthalte. Da das Ganze nun aber alsdenn 
eine Wirkung (Product) seyn wuͤrde, dessen Vor— 
stellung als die Ursache seiner Moͤglichkeit angese⸗ 
hen wird, das Product aber einer Ursache deren Be⸗ 
stimmungsgrund blos die Vorstellung seiner Wirkung 
ist, ein Zweck heißt, so folgt daraus: daß es blos eine 
Folge aus der besondern Beschaffenheit unseres Verstan⸗ 
des sey, wenn wir Producte der Natur nach einer an⸗ 
dern Art der Caussalitaͤt, als der der Naturgesetze der 
Materie, naͤmlich nur nach der der Zwecke und Endur⸗ 
sachen uns als moͤglich vorstellen „, und daß dieses Prin⸗ 
cip nicht die Moͤglichkeit solcher Dinge selbst (selbst als 
Phaͤnomene betrachtet) nach dieser Erzeugungsart, son⸗ 
dern nur der unserem Verstande moͤglichen Beurtheilung 
derselben angehe; wobey wir zugleich einsehen, warum 
wir in der Naturkunde mit einer Erklaͤrung der Producte 
der Natur durch Caussalitaͤt nach Zwecken lange nicht 
zufrieden sind, weil wir naͤmlich in derselben die Natur⸗ 
erzeugung blos unserm Vermoͤgen sie zu beurtheilen „d. i. 
der reflectirenden Urtheilskraft und nicht den Dingen 
selbst zum Behuf der bestimmenden Urtheilskraft ange⸗ 
messen zu beurtheilen verlangen. Es ist hiebey auch gar 
nicht noͤthig zu beweisen, daß ein solcher intellectus ar- 
chetypus moͤglich sey, sondern nur daß wir in der Da⸗ 
gegenhaltung unseres discursiven, der Bilder beduͤrfti⸗ 
gen, Verstandes ( intellectus ectypus) und der Zufaͤl⸗ 
ligkeit einer solchen Beschaffenheit auf jene Idee (eines 
J. V Ceit 
—IC 
Phershruch ent 
Venn wir 
sm nach, qu 
und Vermoͤger 
zrien, die di 
rachten, so 
at desselhen 
Vegriff von 
nere Moclie 
bordusest, 
kungsatt de 
deganisteten 
aher, wie e 
nishe Enzen 
denn das g 
che binheit 
—D 
it borzusteler 
hu ttzeugende 
ite Hervorb 
het sohen, 
sh — 
xheknhet 
uuhidung 9 
J welher 
—X dupd
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        hen len. 
7** 
uh, des⸗ y 
Nihlchtet 
Uh —D 
a seiher Wa 
z —T J 
it utsereg 
itur hach ehn 
er Jatueshen 
— kidn 
dodaß diese sir 
geselhst — 
Augungoatt, ip 
hen deurthilm 
amohen, vnn 
Ag der Produete 
en lange niht 
en die Natur⸗ 
—D 
iden Dinyn 
alettast ange⸗ 
jiehen auch gur 
—XEE 
nit in du de 
—I 
und du zus 
ene Pee leint 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 347 
intellectus archetypus) gefuͤhrt werden, diese auch keinen 
Widerspruch enthalshete. 
Wenn wir nun ein Ganzes der Materie, seiner 
Form nach, als ein Product der Theile und ihrer Kraͤfte 
und Vermoͤgen sich von selbst zu verbinden (andere Ma⸗ 
terien, die diese einander zufuͤhren, hinzugedacht) be⸗ 
trachten, so stellen wir uns eine mechanische Erzeugungs⸗ 
art desselben vor. Aber es kommt auf solche Art kein 
Begriff von einem Ganzen als Zweck heraus, dessen in⸗ 
nere Moͤglichkeit durchaus die Idee von einem Ganzen 
voraussetzt, von der selbst die Beschaffenheit und Wir⸗ 
kungsart der Theile abhaͤngt, wie woir uns doch einen 
organisirten Koͤrper vorstellen muͤssen. Hieraus folgt 
aber, wie eben gewiesen worden, nicht, daß die mecha— 
nische Erzeugung eines solchen Koͤrpers unmoͤglich sey; 
denn das wuͤrde soviel sagen, als, es sey eine sol—⸗ 
che Einheit in der Verknuͤpfung des Mannigfaltigen 
fuͤr jeden Verstand unmoͤglich (d. i. widersprechend) 
sich vorzustellen, ohne daß die Idee derselben zugleich 
die erzeugende Ursache derselben sey, d. i. ohne absicht⸗ 
liche Hervorbringung. Gleichwohl wuͤrde dieses in der 
That folgen, wenn wir materielle Wesen als Dinge an 
sich selbst anzusehen berechtigt waͤren. Denn alsdenn wuͤr⸗ 
de die Einheit, welche den Grund der Moͤglichkeit der Na⸗ 
turbildungen ausmacht, lediglich die Einheit des Raums 
seyn, welcher aber kein Realgrund der Erzeugungen, 
sondern nur die formale Bedingung derselben ist, obwohl
        <pb n="410" />
        348 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
er mit dem Realgrunde, welchen wir suchen, darin kei⸗ 
nige Aehnlichkeit hat, daß in ihm kein Theil ohne in 
Verhaͤltnis auf das Ganze (dessen Vorstellung also der 
Moͤglichkeit der Theile zum Grunde liegt) bestimmt wer⸗ 
den kann. Da es aber doch wenigstens moͤglich ist, die 
materielle Welt als bloße Erscheinung zu betrachten, und 
etwas als Ding an sich selbst (welches nicht Erscheinung 
ist) als Substrat zu denken, diesem aber eine correspon⸗ 
dirende intellectuelle Anschauung (wenn sie gleich nicht 
die unsrige ist) unterzulegen; so wuͤrde ein, ob zwar fuͤr 
uns unerkennbarer, uͤbersennlicher Realgrund fuͤr die Na⸗ 
tur statt finden zu der wir selbst mitgehoͤren in welcher 
wir also das, was in ihr als Gegenstand der Sinne noth⸗ 
wendig ist, nach mechanischen Gesetzen, die Zusammen⸗ 
stimmung und Einheit aber der besonderen Gesetze und 
der Formen nach denselben, die wir in Ansehung jener als 
zufaͤllig beurtheilen muͤssen, in ihr als Gegenstande der 
Vernunft (ja das Naturganze als System) zugleich nach 
teleologischen Gesetzen betrachten und sie nach zweyerley 
Principien beurtheilen wuͤrden, ohne daß die mechanische 
Erklaͤrungsart durch die teleologische als ob sie einan⸗ 
der widerspraͤchen, ausgeschlossen wird. 
Hieraus laͤßt sich auch das, was man sonst zwar 
leicht vermuthen, aber schwerlich mit Gewisheit behaup⸗ 
ten und beweisen konnte, einsehen, daß zwar das Princip 
einer mechanischen Ableitung zweckmaͤßiger Naturpro⸗ 
ductte neben dem teleologischen bestehen, dieses letztere 
s. 9 Ceit 
—— 
iunen euem di 
— 
unr und noch 
hheugung versu 
mm dortgang zu 
ihem davon 
aͤnlch der Ca 
hit eines solcher 
dings kann kein 
lihe, die der C 
— 
—XX 
—X 
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zur Nöhlihten 
heilelhaft —T— 
beitseden der Erf 
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hehhender hinre 
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wihlih aug 
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        L —T 
uihen, darh 
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dder Linnehos 
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uuqlich nach 
ich weyetley 
Ne wechanhsche 
—XXN 
nan sonst wer 
cdioheit beha 
— 
ziger Natutstr 
deses eztep 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 349 
aber keines weges entbehrlich machen koͤnnte: d. i man 
kann an einem Dinge, welches wir als Naturzweck beur⸗ 
theilen muͤssen (einem organisirten Wesen) zwar alle be⸗ 
kannte und noch zu entdeckende Gesetze der mechanischen 
Erzeugung versuchen und auch hoffen duͤrfen, damit gu⸗ 
ten Fortgang zu haben, niemals aber der Berufung auf 
einem davon ganz unterschiedenen Erzeugungsgrund, 
naͤmlich der Caussalitaͤt durch Zwecke, fuͤr die Moͤglich⸗ 
keit eines solchen Products uͤberhoben seyn und schlechter⸗ 
dings kann keine menschliche Vernunft (auch keine, end⸗ 
liche, die der Qualitaͤt nach der unsrigen aͤhnlich waͤre, 
sie aber dem Grade nach noch so sehr uͤberstiege) die Er⸗ 
zeugung auch nur eines Graͤschens aus blos mechani⸗ 
schen Ursachen zu verstehen hoffen. Denn, wenn die 
teleologische Verknuͤpfung der Ursachen und Wirkungen 
zur Moͤglichkeit eines solchen Gegenstandes fuͤr die Ur⸗ 
theilskraft ganz unentbehrlich ist, selbst um diese nur am 
Leitfaden der Erfahrung zu studiren; wenn fuͤr aͤußere 
Gegenstaͤnde, als Erscheinungen, ein sich auf Zwecke 
beziehender hinreichender Grund gar nicht angetroffen 
werden kann, sondern dieser, der auch in der Natur 
liegt, doch nur im uͤbersinnlichen Substrat derselben ge⸗ 
sucht werden muß, von welchem uns aber alle moͤgliche 
Einsicht abgeschnitten ist, so ist es uns schlechterdings 
unmoͤglich aus der Natur selbst hergenommene Erklaͤ⸗ 
rungsgruͤnde fuͤr Zweckverbindungen zu schoͤpfen, und 
nach der Beschaffenheit des menschlichen Erkenntnisver⸗
        <pb n="412" />
        350 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
moͤgens nothwendig, den obersten Grund dazu in einem 
arspruͤnglichen Verstande als Weltursache zu suchen. 
6§. 78. 
Von der Vereinigung des Princips des allge⸗ 
meinen Mechanismus der Materie mit dem 
teleologischen in der Technik der Natur. 
Es liegt der Vernunft unendlich viel daran, den 
Mechanism der Natur in ihren Erzengungen nicht fallen 
zu lassen und in der Erklaͤrung derselben nicht vorbey zu 
gehen; weil ohne diesen keine Einsicht in der Natur der 
Dinge erlangt werden kann. Wenn man uns gleich ein⸗ 
raͤumt: daß ein hoͤchster Architekt die Formen der Na⸗ 
tur, so wie sie von je her da sind, unmittelbar geschaffen, 
oder die, so sich in ihren Laufe continuirlich nach eben 
demselben Muster bilden, praͤdeterminirt habe, so ist 
doch dadurch unsere Erkenntnis der Natur nicht im min⸗ 
desten gefoͤrdert; weil wir jenes Wesens Handlungsart 
und die Ideen desselben welche die Principien der Moͤg⸗ 
lichkeit der Naturwesen enthalten sollen gar nicht kennen 
und von demselben als von oben herab (a priori) die Na⸗ 
tur nicht erklaͤren koͤnnen. Wollen wir aber von den 
Formen der Gegenstaͤnde der Erfahrung, also von unten 
hinanf (a posteriori) weil wir in diesen Zweckmaͤßigkeit 
anzutreffen glauben, um diese zu erklaͤren, uns auf eine 
nach Zwecken wirkende Ursache berufen, so wuͤrden wir 
ganz tavtologisch erklaͤren und die Vernunft mit Worten 
—AX— 
uͤhen, ohne not 
itt dele Erklaͤrn 
— 
he dernunft die 
peches zu ver' 
dung ist. 
Von der an 
bendige Naxim 
in den Product 
veil ez, wenn e 
henticht begrei 
cih is, den beson 
—XR 
wolte, um di 
non se solur 
Augensheinlg 
— — s 
— dersel 
kide —— 
wehen so tothr 
lusltitd. 
huhen, als die 
9 — 
ß, dere 
—E gr Spe 
kan 
vhen dormen
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        hen Uttha 
dinnd der 
tursoche i 
Aincihz deoz 
Nitrr tut 
ikde Nun 
iih diel du. 
ugengen 
— 
it in de hunr 
nan uns gihen 
—XR su 
uttelhar — 
auirlich nahche 
iitt habe, J 
wd niißt im min⸗ 
handlungsart 
vien der No 
gat vicht keyhen 
a pioci) die Pr 
vit cher von den 
q also von uuten 
n Zwechmaßigett 
wen, uns af ein 
n, ho hͤden hr 
gunft mit Vor 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 351 
taͤuschen, ohne noch zu erwaͤhnen: daß da, wo wir uns 
mit dieser Erklaͤrungsart ins ueberschwengliche verlie⸗ 
ren, wohin uns die Naturkenntnis nicht folgen kann, 
die Vernunft dichterisch zu schwaͤrmen verleitet wird, 
welches zu verhuͤten eben ihre vorzuͤglichste Bestim— 
mung ist. 
Von der andern Seite ist es eine eben sowohl noth⸗ 
wendige Maxime der Vernunft, das Princip der Zwecke 
an den Producten der Natur nicht vorbey zu gehen; 
weil es, wenn es gleich die Entstehungsart derselben uns 
eben nicht begreiflicher macht, doch ein hevristisches Prin⸗ 
cip ist, den besondern Gesetzen der Natur nachzuforschen, 
gesetzt auch daß man davon keinen Gebrauch machen 
wollte, um die Natur selbst darnach zu erklaͤren, indem 
man sie so lange, ob sie gleich absichtliche Zweckeinheit 
augenscheinlich darlegt, noch immer nur Naturzwecke 
nennt, d. i. ohne uͤber die Natur hinaus den Grund der 
Moͤglichkeit derselben zu suchen. Weil es aber doch am 
Ende zur Frage wegen der letzteren kommen muß: so ist 
es eben so nothwendig fuͤr sie, eine besondere Art der 
Caussalitaͤt, die sich nicht in der Natur vorfindet, zu 
denken, als die Mechanik der Naturursachen die ihrige 
hat, indem zu der Receptivitaͤt mehrerer und anderer 
Formen, als deren die Materie nach der letzteren faͤhig 
ist, noch eine Spontaneitaͤt einer Ursache (die also nicht 
Materie seyn kann) hinzukommen muß, ohne welche 
von jenen Formen kein Grund angegeben werden kann.
        <pb n="414" />
        352 I. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Zwar muß die Vernunft, ehe sie diesen Schritt thut, 
behutsam verfahren und nicht jede Technik der Natur, 
d. i. ein productives Vermoͤgen derselben, welches Zweck— 
maͤßigkeit der Gestalt fuͤr unsere bloße Apprehension an 
sich zeigt, (wie bey regulaͤren Koͤrpern) fuͤr teleologisch 
zu erklaͤrensuchen, sondern immer so lange fuͤr blos me⸗ 
chanisch⸗ moͤglich ansehen; allein daruͤber das teleologi⸗ 
sche Princip gar ausschließen, und, wo die Zweckmaͤßig⸗ 
keit, fuͤr die Vernunftuntersuchung der Moͤglichkeit der 
Naturformen, durch ihre Ursachen, sich ganz unlaͤugbar 
als Beziehung auf eine andere Art der Caussalitaͤt zeigt, 
doch immer den bloßen Mechanism befolgen wollen, 
muß die Vernunft eben so phantastisch und unter Hirn⸗ 
gespinsten von Naturvermoͤgen, die sich gar nicht den⸗ 
ken lassen, herumschweifend machen, als eine blos teleo⸗ 
logische Erklaͤrungsart die gar keine Ruͤcksicht auf den 
Naturmechanism nimmt sie schwaͤrmerisch machte. 
An einem und eben demselben Dinge der Natur 
lassen sich nicht beyde Principien, als Grundsaͤtze der 
Erklaͤrung Deduction) eines von dem andern ver⸗ 
knuͤpfen „d. i. als dogmatische und constitutive Princi⸗ 
pien der Natureinsicht fuͤr die bestimmende Urtheilskraft, 
vereinigen. Wenn ich z. B. von einer Made annehme, 
sie sey als Product des bloßen Mechanismus der Ma⸗ 
terie (der neuen Bildung, die sie fuͤr sich selbst bewerk⸗ 
stelligt, wenn ihre Elemente durch Faͤulnis in Freyheit 
zesetzt werden) anzusehen, so kann ich nun nicht von 
eben 
ILd Cuit 
hen dersehen N 
tinzu handeln 
pesrt, wenne 
yhne, kann ie 
it deselben J 
ur Heurtheilut 
ten und sob 
—IX 
— 
Mucto auf eine 
ticht Ruͤcksich 
—X 
denselben mo 
hald beyden 
shen Natur 
— 
jede beyder 
— 
— eihes ( 
— 
beens aher 
— sosolg 
iiht auf einer 
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* 
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dants Crite
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        hon n 
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—2R 
dleuo⸗ . 
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dund unter Hitr 
ich gar nicht du 
z eine hho hhy 
— —X 
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Iruhduͤte der 
wdern, her⸗ 
wdutide Yrinli⸗ 
—W 
Hede amnehre, 
nizmus de No 
ich sehst beuen— 
glnis in dreyhit 
dapn gut hn 
b 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 353 
eben derselben Materie, als einer Caussalitaͤt nach Zwe⸗ 
cken zu handeln, eben dasselbe Product ableiten. Um⸗ 
gekehrt, wenn ich dasselbe Product als Naturzweck an⸗ 
nehme, kann ich nicht auf eine mechanische Erzeugungs⸗ 
art desselben rechnen und solche als constitutives Princip 
zur Beurtheilung dess elben seiner Moͤglichkeit nach anneh⸗ 
men und so beyde. Principien vereinigen. Denn eine 
Erklaͤrungsart schließt die andere aus, gesetzt auch, daß 
objectiv beyde Gruͤnde der Moͤglichkeit eines solchen Pro⸗ 
ducts auf einem einzigen beruheten, wir aber auf diesen 
nicht Ruͤcksicht naͤhmen. Das Princip, welches die 
Vereinbarkeit beyder in Beurtheilung der Natur nach 
denselben moͤglich machen soll, muß in dem was ausser⸗ 
halb beyden (mithin auch ausser der moͤglichen empiri⸗ 
schen Naturvorstellung) liegt, von dieser aber doch den 
Grund enthaͤlt, d. i⸗ im Uebersinnlichen gesetzt und eine 
jede beyder Erklaͤrungsarten darauf bezogen werden. 
Da wir nun von diesem nichts als den unbestimmten 
Begrif eines Grundes haben koͤnnen, der die Beurthei⸗ 
lung der Natur nach empirischen Gesetzen moͤglich macht, 
uͤbrigens aber ihn durch kein Praͤdicat naͤher bestimmen 
koͤnnen, so folgt, daß die Vereinigung beyder Principien 
nicht auf einem Grunde der Erklaͤrung (Explication) 
der Moͤglichkeit eines Products nach gegebenen Gesetzen 
fuͤr die bestimmende, sondern nur auf einem Grunde 
der Eroͤrterung (Exposition) derselben fuͤr die reflecti— 
rende Urtheilskraft bernhen koͤnne. — Denn Erklaͤren 
Rants Crit d. Urtheilskr.
        <pb n="416" />
        354 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
heißt von einem Princip ableiten, welches man also deut⸗ 
lich muß erkennen und angeben koͤnnen. Nun muͤssen 
zwar das Princip des Mechanisms der Natur und das 
der Caussalitaͤt derselben an einem und eben demselben 
Naturproducte in einem einzigen oberen Princip zusam⸗ 
menhaͤngen und daraus gemeinschaftlich abfließen, weil 
sie sonst in der Naturbetrachtung nicht neben einander 
bestehen koͤnnten. Wenn aber dieses objectiv⸗ gemein⸗ 
schaftliche, und also auch die Gemeinschaft der davon 
abhaͤngenden Maxime der Naturforschung berechtigende 
Princip von der Art ist, daß es zwar angezeigt, nie aber 
bestimmt erkannt und fuͤr den Gebrauch in vorkommen⸗ 
Faͤllen deutlich angegebẽn werden kann, so laͤßt sich aus 
einem solchen Princip keine Erklaͤrung d. i. deutliche und 
bestimmte Ableitung der Moͤglichkeit eines nach jenen 
zweyen heterogenen Principien moͤglichen Naturproducts 
ziehen. Nun ist aber das gemeinschaftliche Princip der 
mechanischen einerseits und der teleologischen Ableitung 
andrerseits das Uebersinnliche, welches wir der Na— 
tur als Phaͤnomen unterlegen muͤssen. Von diesem aber 
koͤnnen wir uns in theoretischer Absicht nicht den minde⸗ 
sten bejahend bestimmten Begrif machen; wie also nach 
demselben „ als Princip, die Natur (nach ihren beson⸗ 
dern Gesetzen) fuͤr uns ein System ausmache, welches 
sowohl nach dem Princip der Erzeugung von physischen 
als dem der Endursachen, als moͤglich erkannt werden 
koͤnne, laͤßt sich keinesweges erklaͤren, sondern nur, wenn 
— 
gzsch uraͤgt, 
sehuch dem Pr 
m einem Natu 
lch, ohne un 
ion uns nicht 
nan nur getro 
shen duͤrfe, /n 
inem oder dem 
har is) ohne s 
der sich wischen 
hervorthut X 
duch ohjectid 
— 
Grund vorau 
Mbald 
—T —— 
chetdesshen 
item heneinsh 
atdern Geseh 
ndess Princi 
wntthetn 
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hechet d er — 
nit ig 
J der Teleolo⸗
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        ulrccheln 
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tf Natur uh 
chen dew⸗ 
—T 
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schewh— dm 
mihast de vu 
Aung henchihn 
Agezeit, — 
hin dethunn 
— 
». deutlithe in 
— 
—R 
de Nincin der 
— 
ʒbit der No⸗ 
on diesem ober 
—X minde⸗ 
die alsd hach 
ch ihren hesotr 
mache, welchet 
don physsshen 
ptannt verdit 
sdern hur, heth 
Il. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 355 
es sich zutraͤgt, daß Gegenstaͤnde der Natur vorkommen, 
die nach dem Princip des Mechanisms (welches jederzeit 
an einem Naturwesen Anspruch hat) ihrer Moͤglichkeit 
nach, ohne uns auf teleologische Grundsaͤtze zu stuͤtzen, 
von uns nicht koͤnnen gedacht werden voraussetzen, daß 
man nur getrost beyden gemaͤs den Naturgesetzen nachfor⸗ 
schen duͤrfe, (nachdem die Moͤglichkeit ihres Products aus 
einem oder demandern Princip, unserm Verstande erkenn⸗ 
bar ist) ohne sich an den scheinbaren Widerstreit zu stoßen, 
der sich zwischen den Principien der Beurtheilung desselben 
hervorthut , weil wenigstens die Moͤglichkeit, daß beyde 
auch objectiv in einem Princip vereinbar seyn moͤchten, 
(da sie Erscheinungen betreffen, die einen uͤbersinnlichen 
Grund voraussetzen) gesichert ist. 
Ob also gleich sowohl der Mechanism als der teleo⸗ 
logische (absichtlichey Technicism der Natur in Ansehung 
ebendesselben Products und seiner Moͤglichkeit unter 
einem gemeinschaftlichen obern Princip der Natur nach 
besondern Gesetzen stehen moͤgen, so koͤnnen wir doch, 
da dieses Princip tranbscendent ist, nach der Einge— 
schraͤnktheit unseres Verstandes beyde Principien 
in der Erklaͤrung eben derselben Naturerzeugung 
alsdenn nicht vereinigen,, wenn selbst die innere Moͤg⸗ 
lichkeit dieses Products nur durch eine Caussalitaͤt nach 
Zwecken verstaͤndlich ist (wie organisirte Materien von 
der Art sind). Es bleibt also bey dem obigen Grund⸗ 
satze der Teleologie: daß , nach der Beschaffenheit des 
32
        <pb n="418" />
        356 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
menschlichen Verstandes, fuͤr die Moͤglichkeit organischer 
Wesen in der Natur keine andere als absichtlich wirkende 
Ursache koͤnne angenomen werden und der bloße Mecha— 
nism der Natur zur Erklaͤrung dieser ihrer Produͤcte gar 
nicht hinlaͤnglich seyn koͤnne, ohne doch dadurch in An⸗ 
sehung der Moͤglichkeit solcher Dinge selbst durch diesen 
Grundsatz entscheiden zu wollen. 
Da naͤmlich dieser nur eine Maxime der reflectiren⸗ 
den, nicht der bestimmenden Urtheilskraft, daher nur 
subjectiv fuͤr uns, nicht objectiv fuͤr die Moͤglichkeit die⸗ 
ser Art Dinge selbst gilt (wo beyderley Erzeugungsarten 
wohl in einem und demselben Grunde zusammenhangen 
koͤnnten), da ferner ohne allen zu der teleologisch⸗ ge⸗ 
dachten Erzeugungsart hinzukommenden Begrif von 
einem dabey zugleich anzutreffenden Mechanism der Na⸗ 
tur, dergleichen Erzengung gar nicht als Naturproduct 
beurtheilt werden koͤnnte: so fuͤhrt obige Maxime zugleich 
die Nothwendigkeit einer Vereinigung beyder Principien 
in der Beurtheilung der Dinge als Naturzwecke bey sich, 
aber nicht um eine ganz, oder in gewissen Stuͤcken, an 
die Stelle der andern zu setzen. Denn an die Stelle 
dessen, was (von uns wenigstens) nur als nach Absicht 
moͤglich gedacht wird, laͤßt sich kein Mechanism und an 
die Stelle dessen, was nach diesem als nothwendig er⸗ 
kannt wird, laͤßt sich keine Zufaͤlligkeit, die eines Zwecks 
zum Bestimmungsgrunde beduͤrfe, annehmen; sondern 
nur die eine (der Mechanism) der andern (dem absicht⸗ 
—L 
ien echnitim 
wwösendentalen 
—VV 
Denn, wo 
issr Dinge ged 
I 
Jweck vorauos 
doch eine un 
iungen seyn ke 
hrodutten det 
die unendliche 
—X 
dern Gefehen 
these) pmuq 
— — 
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— 
wihen zu derd 
L u sehen; 
Iobrri,, seb 
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— 
whehellen —— 
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        ech — 
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wlih rrin 
Yr bloße Nu 
nihte —T J 
och dodurh uh 
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X&amp; 
aAine der bestethu 
khrast, —T 
Nöhlichhet d 
—T 
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tbleobgish⸗. 
—V — 
haniem de sp 
Lotutprodut 
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xdke bey sch, 
Stden, on 
in die Stele 
g nach Wscht 
ansm und an 
rethwendig ew 
ie eines zueci 
men; sondan 
—XRXBR 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 357 
lichen Technicism) unterordnen, welches, nach dem 
transscendentalen Princip der Zweckmaͤßigkeit der Na⸗ 
tur, ganz wohl geschehen daff. * 
Denn, wo Zwecke als Gruͤnde der Moͤglichkeit ge— 
wisser Dinge gedacht werden, da muß man auch Mittel 
annehmen, deren Wirkungsgesetz fuͤr sich nichts einen 
Zweck voraussetzendes bedarf, mithin mechanisch und 
doch eine untergeordnete Ursache absichtlicher Wir⸗ 
kungen seyn kann. Daher laͤßt sich selbst in organischen 
Producten der Natur, noch mehr aber, wenn wir, durch 
die unendliche Menge derselben veranlaßt, das Absicht— 
liche in der Verbindung der Naturursachen nach beson— 
dern Gesetzen nun auch wenigstens durch erlaubte Hypo⸗ 
these) zum allgemeinen Princip der reflectirenden 
Urtheilskraft fuͤr das Naturganze (die Welt) annehmen 
eine große und sogar allgemeine Verbindung der mecha⸗ 
nischen Gesetze mit den teleologischen in den Erzeugungen 
der Natur denken, ohne die Principien der Beurtheilung 
derselben zu verwechseln und eines an die Stelle des an⸗ 
dern zu setzen; weil in einer teleologischen Beurtheilung 
die Materie, selbst, wenn die Form, welche sie annimmt, 
nur als nach Absicht moͤglich beurtheilt wird, doch, 
ihrer Natur nach mechanischen Gesetzen gemaͤs, jenem 
borgestellten Zwecke auch zum Mittel untergeordnet seyn 
kann; wie wohl da der Grund dieser Vereinbarkeit in 
demjenigen, was weder das eine noch das andere, (weder 
Mechanism, noch Zweckverbindung), sondern das uͤber⸗ 
33
        <pb n="420" />
        358 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
sinnliche Substrat der Natur ist, von dem wir nichts er⸗ 
kennen, fuͤr unsere, die menschliche Vernunft beyde Vor⸗ 
stellungsarten der Moͤglichkeit solcher Objecte nicht zu⸗ 
sammenzuschmelzen sind, sondern wir sie nicht anders, 
als nach der Verknuͤpfung der Endursachen, auf einem 
obersten Verstande gegruͤndet beurtheilen koͤnnen, wo— 
durch also der teleologischen Erklaͤrungsart nichts be— 
nommen wird. 
Weil nun aber ganz unbestimmt und fuͤr unsere 
Vernunft auch auf immer unbestimmbar ist, wie viel 
der Mechanism der Natur als Mittel zu jeder Endab⸗ 
sicht in derselben thue und, wegen des oberwaͤhnten in⸗ 
telligibelen Princips der Moͤglichkeit einer Natur uͤber⸗ 
haupt, gar angenommen werden kann, daß sie durch⸗ 
gaͤngig nach beyderley allgemein zusammenstimmenden 
Gesetzen (den physischen und den der Endursachen) moͤg⸗ 
lich sey, wie wohl wir die Art, wie dieses zugehe, gar 
nicht einsehen koͤnnen, so wissen wir auch nicht, wie weit 
die fuͤr uns moͤgliche mechanische Erklaͤrungsart gehe, 
sondern nur so viel gewis: daß, so weit wir nur immer 
darin kommen moͤgen, sie doch allemal fuͤr Dinge, die 
wir einmal als Naturzwecke anerkennen, unzureichend 
seyn und wir also, nach der Beschaffenheit unseres Ver⸗ 
standes, jene Gruͤnde insgesammt einem teleologischen 
Princip unterordnen muͤssenn. 
Hierauf gruͤndet sich nun die Befugnis und, wegen 
der Wichtigkeit, welche das Naturstudium nach dem 
I. dy Cit 
hainrih des Mech 
uunstgehtauch h 
kraugnise der 
nehhanisch zu et 
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        en Urthetn, 
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wis und weyn 
—I 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 359 
Princip des Mechanisms fuͤr unserm theoretischen Ver⸗ 
nunftgebrauch hat, auch der Beruf: alle Producte und 
Eraͤugnisse der Natur, selbst die zweckmaͤßigsten so weit 
mechanisch zu erklaͤren, als es immer in unserm Vermoͤ⸗ 
gen (dessen Schranken wir innerhalb dieser Unter⸗ 
suchungsart nicht angeben koͤnnen) steht, dabey aber 
niemals aus den Augen zu verlieren, daß wir die, welche 
wir allein unter dem Begriffe vom Zwecke der Vernunft 
zur Untersuchung selbst auch nur aufstellen koͤnnen, der 
wesentlichen Beschaffenheit unserer Vernunft gemaͤs, 
jenen mechanischen Ursachen ungeachtet, doch zuletzt der 
Caussalitaͤt nach Zwecken unterordnen muͤssen. 
Methodenlehre der teleologischen 
Urtheilskraft. 
8§. 79. 
Ob die Teleologie, als zur Naturlehre gehoͤ— 
rend, abgehandelt werden muͤsse. 
Eine jede Wissenschaft muß in der Encyclopaͤdie 
aller Wissenschaften ihre bestimmte Stelle haben. Ist es 
eine philosophische Wissenschaft, so muß ihr ihre Stelle 
in dem theoretischen oder practischen Theil derselben und, 
hat sie ihren Platz im ersteren entweder in der Natur⸗ 
lehre, so fern sie das, was Gegenstand der Erfahrung 
34
        <pb n="422" />
        360 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
seyn kann, erwaͤgt, (folglich der Koͤrperlehre, der See⸗ 
lenlehre und allgemeinen Weltwissenschaft) oder in der 
Gotteslehre (von dem Urgrunde der Welt als Inbegrif 
aller Gegenstaͤnde der Erfahrung) angewiesen werden. 
Nun fraͤgt sich: welche Stelle gebuͤhrt der Teleolo⸗ 
gie? gehoͤrt sie zur (eigentlich sogenannten) Naturwissen⸗ 
schaft oder zur Theologie? Eins von beyden muß seyn; 
denn zum Uebergange aus einer in die andere kann gar 
keine Wissenschaft gehoͤren weil dieser nur die Articula⸗ 
tion oder Organisatiou des Systems und keinen Platz in 
demselben bedeutt. 
Daß sie in die Theologie als ein Theil derselben 
nicht gehoͤre, ob gleich in derselben von ihr der wichtigste 
Gebrauch gemacht werden kann, ist fuͤr sich selbst klar. 
Denn sie hat Naturerzeugungen und die Ursache dersel⸗ 
ben zu ihrem Gegenstande und, ob sie gleich auf die 
letztere, als einen ausser und uͤber die Natur belegenen 
Grund, (goͤttlichen Urheber), hinausweiset, so thut sie 
dieses doch nicht fuͤr die bestimmende , sondern nur um 
die Beurtheilung der Dinge in der Welt durch eine 
solche Idee dem menschlichen Verstande angemessen, als 
regulatives Princip zu leiten, blos fuͤr die reflectirende 
Urtheilskraft in der Naturbetrachtung. 
Eben so wenig scheint sie aber auch in die Natur— 
wissenschaft zu gehoͤren, welche bestimmende und nicht 
blos reflectirende Principien bedarf, um von Naturwir⸗ 
fungen objective Gruͤnde anzugeben. In der That ist 
Id Cutkt 
ach sir de Me. 
—IX 
—LL 
ym derhoͤleniss 
—IXä 
sofern sie ein 
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rig, welche ne 
wo die Vernn 
practisch in r 
verrichtet, ah 
lihkeit dieser 
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keiner dochin 
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dem Princiß de 
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        n Urhec 
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ind keiten IAph 
in dhell duhh, 
—X wichihh 
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e Usache dasb 
sleich auf dt 
hatur belegenen 
et, sothut se 
ondern vur ym 
—XIX 
— 
Ae reflectirene 
dyem die Natt 
gende und sih 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 301 
auch fuͤr die Theorie der Natur, oder die mechanische 
Erklaͤrung der Phaͤnomene derselben, durch ihre wirkende 
Ursachen, dadurch nichts gewonnen „ daß man sie nach 
dem Verhaͤltnisse der Zwecke zu einander betrachtet. Die 
Aufstellung der Zwecke der Natur an ihren Producten, 
so fern sie ein System nach teleologischen Begriffen aus⸗ 
machen, ist eigentlich nur zur Naturbeschreibung gehoͤ— 
rig, welche nach einem besondern Leitfaden abgefasset ist, 
wo die Vernunft zwar ein herrliches unterrichtendes und 
practisch in mancherley Absicht zweckmaͤßiges Geschaͤfte 
verrichtet, aber uͤber das Entstehen und die innere Moͤg⸗ 
lichkeit dieser Formen gar keinen Aufschlus giebt, warum 
es doch der theoretischen Naturwissenschaft eigentlich zu 
thun ist. 
Die Teleologie, als Wissenschaft, gehoͤrt also zu gar 
keiner Doctrin, sondern nur zur Critik und zwar eines 
besondern Erkenntnisvermoͤgens , naͤmlich der Urtheils⸗ 
kraft. Aber, so fern sie Principien a priori enthaͤlt, 
kann und muß sie die Methode, wie uͤber die Natur nach 
dem Princip der Endursachen geurtheilt werden muͤsse, 
angeben und so hat ihre Methodenlehre wenigstens ne⸗ 
gativen Einfluß auf das Verfahren in der theoretischen 
Naturwissenschaft und auch auf das Verhaͤltnis wel⸗ 
ches diese in der Metaphysik zur Theologie, als Propaͤ⸗ 
devtiv derselben, haben kann. 
von Naturhi 
Idu dhau 
—2 
* 
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        362 II. Th. Eritik der teleologischen Urtheilskraft. 
§. 80. 
Von der nothwendigen Unterordnung des 
Princips des Mechanisms unter dem teleo— 
logischen in Erklaͤrung eines Dinges als 
Naturzwecks. 
Die Befugnis auf eine blos mechanische Erklaͤ⸗ 
rungsart aller Naturproducte auszugehen ist an sich 
ganz unbeschraͤnkt; aber das Vermoͤgen damit allein 
auszulangen ist, nach der Beschaffenheit unseres 
Verstandes, sofern er es mit Dingen als Naturzwecken 
zu thun hat nicht allein sehr beschraͤnkt, sondern auch 
deutlich begrenzt, naͤmlich so, daß, nach einem Princip 
der Urtheilskraft, durch das erstere Verfahren allein zur 
Erklaͤrung der letzteren gar nichts ausgerichtet werden 
koͤnne, mithin die Beurtheilung solcher Producte jeder⸗ 
zeit von uns zugleich einem teleologischen Princip unter⸗ 
georduet werden muͤsse. 
Es ist daher vernuͤnftig, ja verdienstlich, dem Na⸗ 
turmechanism, zum Behuf einer Erklaͤrung der Natur⸗ 
producte soweit nachzugehen, als es mit Wahrschein— 
lichkeit geschehen kann, ja diesen Versuch nicht darum 
aufzugeben, weil es an sich unmoͤglich sey auf seinem 
Wege mit der Zweckmaͤßigkeit der Natur zusammenzu⸗ 
treffen, sondern nur darum, weil es fuͤr uns als Men⸗ 
schen unmoͤglich ist; in dem dazu'eine andere als sinnli⸗ 
che Anschauung und ein bestimmtes Erkenntnis des in⸗ 
—IX 
tchigheen Guhstr 
hetanem der E 
huund angegeber 
y, helches ahe 
Dawit alse 
huß arbeite so 
ten Hegriff al 
organisitter 
Organisation 
nioͤm selhsthe 
—XC 
doch aher im 
folhen) zuen 
— 
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sen Veurthelhr 
— 
nuthlos alen 
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sicht alein in 
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        vn Utthae— 
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uerihtet werhn 
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ang der Natur— 
nit Vahrschein— 
dricht danm 
sey auf seiten 
ur zusammenzu 
— 
ndere als sonb 
enntyus ds 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 363 
telligibelen Substrats der Natur, woraus selbst von dem 
Mechanism der Erscheinungen nach besondern Gesetzen 
Grund angegeben werden koͤnne, erforderlich seyn wuͤr⸗ 
de, welches alles unser Vermoͤgen gaͤnzlich uͤbersteigt. 
Damit also der Naturforscher nicht auf reinen Ver⸗ 
lust arbeite, so muß er in Beurtheilung der Dinge, de⸗ 
ren Begriff als Naturzwecke unbezweifelt gegruͤndet ist 
Corganisirter Wesen), immer irgend eine urspruͤngliche 
Organisation zum Grunde legen, welche jenen Mecha⸗— 
nism selbst benutzt X andere organisirte Formen her⸗ 
vorzubringen, oder die seinige zu neuen Gestalten (die 
doch aber immer aus jenem Zwecke und ihm gemaͤs er⸗ 
folgen) zu entwickln. 
Es ist ruͤhmlich, vermittelst einer comparativen Ana⸗ 
tomie die große Schoͤpfung organisirter Naturen durch— 
zugehen, um zu sehen ob sich daran nicht etwas einem 
System aͤhnliches, und zwar dem Erzeugungsprincip 
nach, vorfinde, ohne daß wir noͤthig haben, beym blo⸗ 
ßen Beurtheilungsprincip (welches fuͤr die Einsicht ihrer 
Erzeugung keinen Aufschlus giebt) stehen zu bleiben und 
muthlos allen Anspruch auf Natureinsicht in die— 
sem Felde aufzugeben. Die Uebereinkunft so vieler Thier⸗ 
gattungen in einem gewissen gemeinsamen Schema, das 
nicht allein in ihrem Knochenbau, sondern auch in der 
Anordnung der uͤbrigen Theile zum Grunde zu liegen 
scheint, wo bewundrungswuͤrdige Einfalt des Grund⸗ 
risses durch Verkuͤrzung einer und Verlaͤngerung ande⸗
        <pb n="426" />
        364 II. Th. Critik der teleologischen. Urtheilskraft. 
rer, durch Einwickelung dieser und Auswickelung jener 
Theile eine so große Mannigfaltigkeit von Species hat 
hervorbringen koͤnnen, laͤßt einen obgleich schwachen 
Strahl von Hoffnung ins Gemuͤth fallen, daß hier wohl 
etwas mit dem Princip des Mechanismus der Natur, 
ohne das es ohnedem keine Naturwissenschaft geben 
kann, auszurichten seyn moͤchte. Diese Analogie der 
Formen, sofern sie bey aller Verschiedenheit einem ge⸗ 
meinschaftlichen Urbilde gemaͤs erzeugt zu seyn scheinen, 
verstaͤrkt die Vermuthung einer wirklichen Verwandschaft 
derselben in der Erzeugung von einer gemeinschaftlichen 
Urmutter, durch die stufenartige Annaͤherung einer Thier⸗ 
gattung zur andern, von derjenigen an, in welcher das 
Princip der Zwecke am meisten bewaͤhrt zu seyn scheint, 
naͤmlich dem Menschen, bis zum Polyp, von diesem so 
gar bis zu Moosen und Flechten , und endlich zu der nie⸗ 
drigsten uns merklichen Stufe der Natur, zur rohen Ma⸗ 
terie: aus welcher und ihren Kraͤften nach mechanischen 
—R (gleich denen, darnach sie in Crystallerzeugun⸗ 
gungen wirkt) die ganze Technick der Natur, die uns 
in organisirten Wesen so unbegreiflich ist, daß wir uns 
dazu ein anderes Princio zu denken genoͤthigt glauben, 
abzustammen scheint. 
Hier steht es nun dem Archaͤologen der Natur 
frey aus den uͤbriggebliebenen Spuhren ihrer aͤltesten 
Revolutionen „nach allem ihm bekannten oder gemuth⸗ 
maaßten Mechanism derselben, jene große Familie von 
— 
hochöpfen(denn 
degenannte dure 
—IL 
kekann den M 
hutichen dost 
i dsier) ar 
sigen Form, 
her ihrem der 
tinander sich 
Geboͤhrmutte 
ten auf besi 
eingeschaͤtt 
wie se am 
dungekraft 
zu dem End 
— 
hen, widriget 
dier⸗ und 90 
ficht uu denken 
) Cine Hyr 
Abehtheuer 
kehs bon de 
ezhicht higt 
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worunter me 
durch die Me 
— Giep 
bemeinfter F
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        enUtthach— 
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oͤliih shdih 
lem, — 
— der Pu 
chisenshot J 
diese Andby n 
denheit einemn p 
t u seyn shein 
hen — 
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j in velherde 
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dlich u der i⸗ 
ut rohen Ny⸗ 
mechanischen 
Mallerzengun⸗ 
atur, de uns 
— 
Atgt glauben, 
) 
n der Natue 
J hrer aͤltesen 
noder gemuth 
Famsle hoh 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 365 
Geschoͤpfen (denn so mußte man sie sich vorstellen, wenn 
die genannte durchgaͤngig zusammenhangende Verwand⸗ 
schaft einen Grund haben soll) entspringen zu lassen. 
Er kann den Mutterschoos der Erde, die eben aus ihrem 
chaotischen Zustande herausgieng (gleichsam als ein gro⸗ 
ßes Thier) anfaͤnglich Geschoͤpfe von minder-zweckmaͤ— 
ßigen Form, diese wiederum andere, welche angemesse⸗ 
ner ihrem Zeugungsplatze und ihrem Verhaͤltnisse unter 
einander sich ausbildeten, gebaͤhren lassen, bis diese 
Gebaͤhrmutter selbst erstarrt sich verknoͤchert ihre Gebur⸗ 
ten auf bestimmte fernerhin nicht ausartende Species 
eingeschraͤnkt haͤtte, und die Mannigfaltigkeit so bliebe, 
wie sie am Ende der Operation jener fruchtbaren Bil⸗ 
dungskraft ausgefallen war — Allein er muß gleichwohl 
zu dem Ende dieser allgemeinen Mutter eine auf alle 
diese Geschoͤpfe zweckmaͤßig gestellte Organisation beyle⸗ 
gen, widrigenfalls die Zweckform der Producte des 
Thier⸗- und Pflanzenreichs ihrer Moͤglichkeit nach gar 
nicht zu denken ist. *) Alsdann aber hat er den Erklaͤ⸗ 
) Eine Hypothese von solcher Art kann man ein gewagtes 
Abentheuer der Vernunft nennen, und es moͤgen wenige, 
selbst von den scharfsinnigsten Naturforschern, seyn, denen 
es nicht bisweilen durch den Kopf gegangen waͤre. Denn 
ungereimt ist es eben nicht, wie die generatio aequiuoca, 
worunter man die Erzeugung eines organisirten Wesens 
durch die Mechanick der rohen unorganisirten Materie ver⸗ 
steht. Sie waͤre immer noch generatio vniuoca in der all⸗ 
gemeinsten Bebeutung des Worts, so fern nur etwas Orga⸗
        <pb n="428" />
        366 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
rungsgrund nur weiter aufgeschoben und kann fich nicht 
anmaaßen, die Erzeugung jener zweyen Reiche von der 
Bedingung der Endursachen unabhaͤngig gemacht zu 
haben. 
Selbst, was die Veraͤnderung betrift, der gewisse 
Individuen der organisirten Gattungen zufaͤlligerweise 
unterworfen werden, wenn man findet, daß ihr so ab⸗ 
geaͤnderter Charakter erblich und in die Zeugungskraft 
aufgenommen wird, kann nicht fuͤglich anders als gele⸗ 
gentliche Entwickelung einer in der Species urspruͤnglich 
vorhandenen zweckmaͤßigen Anlage, zur Selbsterhaltung 
der Art, beurtheilt werden; weil das Zeugen seines glei⸗ 
chen, bey der durchgaͤngigen inneren Zweckmaͤßigkeit 
eines organisirten Wesens, mit der Bedingung nichts 
in die Zeugungskraft aufzunehmen, was nicht auch in 
einem solchen System von Zwecken zu einer der unent⸗ 
nisches aus einem andern Organischen, ob zwar unter dieser 
Art Wesen speeifisch von ihm unterschiedenen, erzeugt 
wurde, z. B. wenn gewisse Wasserthiere sich nach uundl nach 
zu Sumpfthieren und aus diesen, nach einigen Zeugungen 
zu Landthieren ausbildeten. Apriori im Urtheile der blo— 
ßen Vernunft widerstreitet sich das nicht. Allein die Er—⸗ 
fahrung zeigt davon kein Beyspiel, nach der vielmehr alle 
Zeugung, die wir kennen, generatio homonima ist, nicht 
blos vniuoca, im Gegensatz mit der Zeugung aus unorga⸗ 
nisirtem Stoöffe, sondern auch nie in der Organisation selbst 
mit dem Erzeugenden gleichartiges Produet hervorbringt, 
und die geueratio heteranima, so weit unsere Erfahrungs⸗ 
fahrungskenntnis der Natur reicht, nirgend angetroffen wird. 
—X 
nitteten urhrune 
huhen is. Denr 
—I 
wehrere Gtoͤcked 
hm eben so zu 
hen, und das 
sten Wesen ni 
uung deselhen 
moͤßte dadurch 
den, und ledi 
wehr kennen) 
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hhe Neturzwer 
lung deier 
roͤthig inden 
Rechtesraen 
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zwechmaͤfig in 
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zung aus unergn 
Otcanisatien ehf 
uct herwothrint 
nsete Etuhtunge⸗ 
detrofech hitd. 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 367 
wickelten urspruͤnglichen Anlagen gehoͤrt, so nahe ver⸗ 
bunden ist. Denn wenn man von diesem Princip ab⸗ 
geht, so kann man mit Sicherheit nicht wissen, ob nicht 
mehrere Stuͤcke der jetzt an einer Species anzutreffenden 
Form eben so zufaͤlligen zwecklosen Ursprungs seyn moͤ⸗ 
gen, und das Princip der Teleologie: in einem organi⸗ 
sirten Wesen nichts von dem, was sich in der Fortpflan⸗ 
zung desselben erhaͤlt, als unzweckmaͤßig zu beurtheilen, 
muͤßte dadurch in der Anwendung sehr unzuverlaͤßig wer⸗ 
den, und lediglich fuͤr den Urstamm (den wir aber nicht 
mehr kennen) guͤltig seyn. I 
Hume macht wider diejenigen, welche fuͤr alle sol⸗ 
che Naturzwecke ein teleologisches Princip der Beurthei⸗ 
lung, d. i. einen architectonischen Verstand anzunehmen 
noͤthig finden, die Einwendung: daß man mit eben dem 
Rechte fragen koͤnnte, wie denn ein solcher Verstand moͤg⸗ 
lich sey, d. i. wie die mancherley Vermoͤgen und Eigen— 
schaften, welche die Moͤglichkeit eines Verstandes , der 
zugleich ausfuͤhrende Macht hat, ausmachen, sich so 
zweckmaͤßig in einem Wesen haben zusammen finden koͤn⸗ 
nen. Allein dieser Einwurf ist nichtig. Denn die ganze 
Schwierigkeit, welche die Frage wegen der ersten Er⸗ 
zeugung eines in sich selbst Zwecke enthaltenden und durch 
sie allein begreiflichen Dinges umgiebt, beruht auf der 
Nachfrage nach Einheit des Grundes der Verbindung 
des Mannigfaltigen außer einander in diesem Pro— 
ducte, da denn, wenn dieser Grund in dem Verstande
        <pb n="430" />
        363 II. Th. Critik der oͤsthetischen Urtheilskraft. 
einer hervorbringenden Ursache als einfacher, Substanz 
gesetzt wird „jene Frage, sofern sie teleologisch ist , hin⸗ 
reichend beantwortet wird, wenn aber die Ursache blos in 
der Materie, als einem Aggregat vieler Substanzen aus 
einander, gesucht wird, die Einheit des Princips fuͤr die 
innerlich zweckmaͤßige Form ihrer Bildung daͤnzlich er⸗ 
mangelt; und die Aotocratie der Materie in Erzeu⸗ 
gungen, welche von unserm Verstande nur als Zwecke 
begriffen werden koͤnnen, ist ein Wort ohne Bedeutung. 
Daher kommt es, daß diejenigen, welche fuͤr die 
objectiv⸗ zweckmaͤßigen Formen der Materie einen ober⸗ 
sten Grund der Moͤglichkeit derselben suchen, ohne ihm 
eben einen Verstand zuzugestehen, das Weltganze doch 
gern zu einer einigen allbefassenden Substanz (Pan⸗ 
theism) oder (welches nur eine bestimmtere Erklaͤrung 
des vorigen ist) zu einem Inbegriffe vieler einer einigen 
einfachen Substanz inhaͤrirenden Bestimmungen 
(Spinozism) machen, blos um jene Bedinguug aller 
Zweckmaͤßigkeit, die Einheit des Grundes heraus zu 
bekommen; wobey sie zwar einer Bedingung der Auf⸗ 
gabe, naͤmlich der Einheit in der Zweckbeziehung, ver⸗ 
mittelst des blos ontologischen Begrifs einer einfachen 
Substanz, ein Genuͤge thun, aber fuͤr die andere 
Bedingung naͤmlich das Verhaͤltnis derselben zu ihrer 
Folge als Zweck, wodurch jener ontologische Grund 
fuͤr die Frage naͤher bestimmt werden soll, nichts anfuͤh⸗— 
ren, mithin die ganze Frage keinesweges beantwor⸗ 
ten 
Il d. Cit 
horten, die « 
msue Vernun 
Inge nicht 
bigenschaft zr 
sih gruͤndend 
nicht als ein 
aher derselb 
die wir an 
denken) nie 
vyys vorssell 
Von du 
zumte 
NPatur 
Gleich 
— 
die Molichte 
denken, suder 
kers Erkeuntn 
— urspe 
aingt eben so 
ilhen Wesen⸗ 
u herhtenn 
—X der lehter 
iß dos Wa 
beren X 
—D
        <pb n="431" />
        — 
itiacher &amp; 
lbobbist s 
tdehrsten 
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ag sünch 
An J 
Motert F 
de hur —— 
tohne —T 
en, wehche uͤh 
aterie eirn dhh 
uchen, ohn hu 
Veltzan J 
öuhfham —TL 
un,. 
ntere Etlhuun 
et einer einigen 
Heßimmungen 
dinguug aler 
xs heraus zu 
zung der Juf⸗ 
ꝛegehung, her⸗ 
einer einfochen 
ir de ander 
tselhen puiher 
ogische Grund 
nichts anfs⸗ 
ees heanthwor⸗ 
I 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 369 
worten, die auch schlechterdings unbeantwortlich (fuͤr 
unsere Vernunft) bleibt „wenn wir jenen Urgrund der 
Dinge nicht als einfache Substanz und dieser ihre 
Eigenschaft zu der specifischen Beschaffenheit der auf sie 
sich gruͤndenden Naturformen, naͤmlich der Zweckeinheit, 
nicht als einer intelligibelen Substanz, das Verhaͤltnis 
aber derselben zu den letzteren (wegen der Zufaͤlligkeit 
die wir an allem was wir uns nur als Zweck moͤglich 
denken) nicht als das Verhaͤltnis einer Caussalitaͤt 
uns vorstellen. 
§. 81. 
Von der Beygesellung des Mechanismus, 
zum teleologischen, in der Erklaͤrung eines 
Naturzwecks als Naturproducrtss. 
Gleich wie der Mechanism der Natur nach dem 
vorhergehenden F. allein nicht zulangen kann, um sich 
die Moͤglichkeit eines organisirten Wesens darnach zu 
denken, sondern, (wenigstens nach der Beschaffenheit un⸗ 
sers Erkenntnisvermoͤgens), einer absichtlich wirkenden 
Ursache urspruͤnglich untergeordnet werden muß: so 
langt eben so wenig der bloße teleologische Grund eines 
solchen Wesens „es zugleich als ein Product der Natur 
zu betrachten und zu beurtheilen, wenn nicht der Mecha⸗ 
nism der letzteren dem ersteren beygesellt wird, gleichsam 
als das Werkzeug einer absichtlich wirkenden Ursache, 
deren Zwecke die Natur in ihren mechanischen Gesetzen 
Kants Crit. d. Urtheilskr.
        <pb n="432" />
        370 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
gleichwohl untergeordnet ist. Die Moͤglichkeit einer 
solchen Vereinigung zweyer ganz verschiedener Arten 
von Caussalitaͤt, der Natur in ihrer allgemeinen Gesetz⸗ 
maͤßigkeit, mit einer Idee, welche jene auf eine beson⸗ 
dere Form einschraͤnkt, wozu sie fuͤr sich gar keinen 
Grund enthaͤlt, begreift unsere Vernunft nicht; sie liegt. 
im uͤbersinnlichen Substrat der Natur, wovon wir nichts 
bejahend bestimmen koͤnnen, als daß es das Wesen an 
sich sey, von welchem wir blos die Erscheinung kennen. 
Aber das Princip: alles, was wir als zu dieser Natur 
Phaenomenon) gehoͤrig und als Product derselben an⸗ 
nehmen , auch nach mechanischen Gesetzen mit ihr ver⸗ 
knuͤpft denken zu muͤssen, bleibt nichts desto weniger in 
seiner Kraft; weil, ohne diese Art von Caussalitaͤt, 
organisirte Wesen, als Zwecke der Natur, doch keine 
Naturproducte seyn wuͤrden. 
Wenn nun das teleologische Princip der Erzeugung 
dieser Wesen angenommen wird (wie es denn nicht an⸗ 
ders seyn kann) so kann man entweder den Occasiona— 
lism, oder den Praͤstabilism der Ursache ihrer inner⸗ 
lich zweckmaͤßigen Form zum Grunde legen. Nach dem 
ersteren wuͤrde die oberste Weltursache, ihrer Idee ge⸗ 
maͤs, bey Gelegenheit einer jeden Begattung der in der⸗ 
selben sich mischenden Materie unmittelbar die organische 
Bildung geben; nach dem zweyten wuͤrde sie in die an⸗ 
faͤngliche Producte dieser ihrer Weisheit nur die Anlage 
gebracht haben, vermittelst deren ein organisches Wesen 
—XWX 
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heͤndig erhaͤlt 
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zur die Moge 
Ansches Vehn 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 371 
seines Gleichen hervorbringt und die Species sich selbst 
bestaͤndig erhaͤlt, imgleichen der Abgang der Individuen 
durch ihre zugleich an ihrer Zerstoͤhrung arbeitende Na⸗ 
tur continuirlich ersetzt wird. Wenn man den Occasto— 
nalism der Hervorbringung organisirter Wesen an⸗ 
nimmt, so geht! alle Natur hiebey gaͤnzlich verlohren, 
mit ihr auch aller Vernunftgebrauch, uͤber die Moͤglich— 
keit einer solchen Art Producte zu urtheilen; daher man 
voraussetzen kann, daß niemand dieses System anueh— 
men wird, dem es irgend um Philosophie zu thun ist. 
Der Praͤstabilism kann nun wiederum auf zwie— 
fache Art verfahren. Er betrachtet naͤmlich ein jedes 
von seines Gleichen gezeugte organische Wesen entweder 
als das Educt, oder als das Product des ersteren. 
Das System der Zeugungen als bloßer Educte heißt 
das der individuellen Praͤformation, oder auch 
die Evolutionstheorie; das der Zeugungen als 
—X wird das System der Epigenesis genannt, * 
ses kann auch das System der generischen Profor⸗ 
mation genannt werden; weil das productive Vermoͤ⸗ 
gen der Zeugenden doch nach den inneren zweckmaͤßigen 
Anlagen die ihrem Stamme zu Theil wurden, also die 
specifische Form virtualiter praͤformirt war. Diesem ge⸗ 
maͤs wuͤrde man die entgegenstehende Theorie der indivi⸗ 
duellen Praͤformation auch besser In volutionstheorie 
loder die der Einschachtelung) nennen koͤnnen. 
Aa 23
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        372 II. Th. Critik der teleolegischen Urtheilskraft. 
Die Verfechter der Evolutionstheorie, welche 
jedes Individuum von der bildenden Kraft der Natur 
ausnehmen, um es unmittelbar aus der Hand des 
Schoͤpfers kommen zu lassen, wollen es also doch nicht 
wagen dieses nach der Hypothese des Occasionalisms 
geschehen zu lassen, so daß die Begattung eine bloße For⸗ 
malitaͤt waͤre, unter der eine oberste verstaͤndige Welt—⸗ 
ursache beschlossen haͤtte jedesmal eine Frucht mit un⸗ 
mittelbarer Hand zu bilden und der Mutter nur die Aus⸗ 
wickelung und Ernaͤhrung derselben zu uͤberlassen. Sie 
erklaͤrten sich fuͤr die Praͤformation; gleich als wenn es 
nicht einerley waͤre, ͤbernatuͤrlicher Weise ob im An⸗ 
fange, oder im Fortlaufe der Welt, dergleichen Formen 
entstehen zu lassen und nicht vielmehr eine große Menge 
aͤbernatuͤrlicher Anstalten durch gelegentliche Schoͤpfung 
erspahrt wurde, welche erforderlich seyn wuͤrden, damit 
der im Anfange der Welt gebildete Embryo die lange 
Zeit hindurch, bis zu seiner Entwickelung, nicht von den 
zerstoͤhrenden Kraͤften der Natur litte und sich unverletzt 
erhielte, imgleichen eine unermeslich groͤßere Zahl solcher 
vorgebildeten Wesen, als jemals entwickelt werden soll⸗ 
ten und mit ihnen eben so viel Schoͤpfungen dadurch un⸗ 
noͤthig und zwecklos gemacht wurden. Allein sie wollten 
doch wenigstens etwas hierinn der Natur uͤberlassen, 
um nicht gar in voͤllige Hyperphysik zu gerathen, die 
aller Naturerklaͤrung entbehren kann. Sie hielten zwar 
noch fest an ihrer Hyperphysik, selbst da sie an Misge⸗ 
—X 
suten (die man 
süten kann) ein 
ait suden, sohte 
in Matoniker 
nͤßigkeit, Ans 
X 
honnten sie sch 
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—XC 
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des Enbtyo 
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lein sie wolltet 
ttur uͤherlasth, 
gerathen, de 
—A 
se qy Mogr⸗ 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 373 
burten (die man doch unmoͤglich fuͤr Zwecke der Natur 
halten kann) eine bewunderungswuͤrdige Zweckmaͤßig⸗ 
keit finden, sollte sie auch nur darauf abgezielt seyn, daß 
ein Anatoniker einmal daran, als einer zwecklosen Zweck⸗ 
maͤßigkeit, Anstos nehmen und niederschlagende Bewun⸗ 
derung fuͤhlen sollte. Aber die Erzeugung der Bastarte 
konnten sie schlechterdings nicht in das System der Praͤ⸗ 
formation hineinpassen, sondern mußten dem Saamen 
der maͤnnlichen Geschoͤpfe, dem sie uͤbrigens nichts, als 
die mechanische Eigenschaft, zum ersten Nahrungsmittel 
des Embryo zu dienen, zugestanden hatten, doch noch 
obenein eine zweckmaͤßig bildende Kraft zugestehen, 
welche sie doch in Ansehung des ganzen Products einer 
Erzeugung von zweyen Geschoͤpfen derselben Gattung 
keinem von beyden einraͤumen wollten. 
Wenn man dagegen an dem Vertheidiger der Epi⸗ 
genesis den großen Vorzug, den er in Ansehung der Er⸗ 
fahrungsgruͤnde zum Beweise seiner Theorie vor dem 
ersteren hat, gleich nicht kennete: so wuͤrde die Vernunft 
doch schon zum Voraus fuͤr seine Erklaͤrungsart mit vor⸗ 
zaͤglicher Gunst eingenommen seyn, weil sie die Natur 
in Ansehung der Dinge welche man urspruͤnglich nur 
nach der Caussalitaͤt der Zwecke sich als moͤglich vorstellen 
kann, doch wenigstens, was die Fortpflanzung betrift, 
als selbst hervorbringend „ nicht blos als entwickelnd, 
betrachtet und so doch mit dem kleinst⸗ moͤglichen Auf⸗ 
wande des Uebernatuͤrlichen alles folgende vom ersten 
Aa 3
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        374 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Anfange an der Natur uͤberlaͤßt (ohne aber uͤber diesen 
ersten Anfang, an dem die Physik uͤberhaupt scheitert, 
sie mag es mit einer Kette der Ursachen versuchen mit 
welcher sie wolle, etwas zu bestimmen * 
In Ansehung dieser Theorie der Epigenesis hat nie— 
mand mehr, so wohl zum Beweise derselben, als auch 
zur Gruͤndung der aͤchten Principien ihrer Anwen⸗ 
dung, zum Theil durch die Beschraͤnkung eines zu 
vermessenen Gebrauchs derselben, geleistet, als Herr 
H. R. Blumenbach. Von organisirter Materie hebt 
er alle physische Erklaͤrungsart dieser Bildungen an. 
Denn, daß rohe Materie sich nach mechanischen Ge⸗ 
setzen urspruͤnglich selbst gebildet habe, daß aus der 
Natur des leblosen Leben habe entspringen und Ma⸗ 
terie in die Form einer sich selbst erhaltenden Zweck— 
maͤßigkeit sich von selbst habe fuͤgen koͤnnen erklaͤrt 
er mit Recht fuͤr vernunftwidrig; laͤßt aber zugleich 
dem Naturmechanism unter diesem uns unerforsch— 
lichen Princip einer urspruͤnglichen Organisation 
einen unbestimmbaren „ zugleich doch auch unverkenn⸗ 
baren Antheil, wozu das Vermoͤgen der Materie zum 
Unterschiede von der, ihr allgemein beywohnenden, 
blos mechanischen Bildungskraft, von ihm in 
einem organisirten Koͤrper ein (gleichsam unter der 
hoͤheren Leitung und Anweisung der ersteren stehender) 
Bildungstrieb genannt wird. 
l. . Citi 
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—R 
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netth stehende 
II. Th. Critik der —XR Urtheilskraft. 375 
6. 82. 
Von dem teleologischen System in den aͤußern 
Verhaͤltnissen organisirter Wesen. 
Unter der aͤußern Zweckmaͤßigkeit verstehe ich die— 
jenige, da ein Ding der Natur einem andern als 
Mittel zum Zwecke dient. Nun koͤnnen Dinge, die 
keine innere Zweckmaͤßigkeit haben, oder zu ihrer 
Moͤglichkeit vorausetzen, z. B. Erden, Luft, Wasser, 
n. s. w. gleichwohl aͤußerlich, d. i. im Verhaͤltnis 
auf andere Wesen sehr zweckmaͤßig seyn; aber die— 
se muͤssen jederzeit organisirte Wesen, d. i. Natur⸗ 
zwecke seyn, denn sonst koͤnnten jene auch nicht als 
Mittel beurtheilt werden. So koͤnnen Wasser , Luft 
und Erden nicht als Mittel zu Anhaͤufung von Ge⸗ 
birgen angesehen werden, weil diese an sich gar nichts 
enthalten, was einen Grund ihrer Moͤglichkeit nach 
Zwecken erforderte, worauf in Beziehung also ihre 
Ursache niemals unter dem Praͤdicate eines Mittels 
(das dazu nuͤtzte) vorgestellt werden kann. 
Die aͤußere Zweckmaͤßigkeit ist ein ganz anderer 
Begrif, als der der inneren, welche mit der Moglich— 
keit eines Gegenstandes , unangesehen ob seine Wirk—⸗ 
lichkeit selbst Zweck sey, oder nicht ,verbunden ist. 
Man kann von einem organisirten Wesen noch fra⸗ 
gen: wozu ist ess da? aber nicht leicht von Dingen, 
an denen man blos die Wirkung vom Mechqnism 
Aa 4
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        376 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
der Natur erkennt; denn in jenen stellen wir uns 
schon eine Caussalitaͤt nach Zwecken zu ihrer inneren 
Moͤglichkeit einen schaffenden Verstand vor und be— 
ziehen dieses thaͤtige Vermoͤgen auf den Bestimmungs⸗ 
grund desselben, die Absicht. Es giebt nur eine ein⸗ 
zige aͤußere Zweckmaͤßigkeit, die mit der innern der 
Organifation zusammenhaͤngt und, ohne daß die Frage 
seyn darf zu welchem Ende dieses so organisirte 
Wesen eben habe existiren muͤssen, dennoch im aͤußeren 
Verhaͤltnis eines Mittels zum Zwecke dient und diese 
ist die Organisation beyderley Geschlechts in Beziehung 
auf einander zur Fortpflanzung ihrer Art; denn ier 
kann man immer noch, eben so wie bey einem e 
viduum, fragen, warum mußte ein solches Paar 
existiren. Die Antwort ist: Dieses hier macht aller⸗ 
erst ein organisirendes Ganze aus, ob zwar nicht 
ein organisirtes in einem einzigen Koͤper. 
Wenn man nun fraͤgt, wozu ein Ding da ist, so ist 
die Antwort entweder: sein Daseyn und seine Erzeugung 
hat gar keine Beziehung auf eine nach Absichten wir⸗ 
kende Ursache und alsdenn versteht man immer einen 
Ursprung derselben aus deun Mechanism der Natur; 
oder es ist irgend ein absichtlicher Grund seines Da⸗ 
seyns (als eines zufaͤlligen Naturwesens) und diesen 
Bedanken kann man schwerlich von dem Begriffe 
eines organistrten Dinges trennen; weil, da wir ein⸗ 
mal seiner innern Moͤglichkeit eine Caussalitaͤt der 
— 
bidursachen un 
hest, udtetleh 
—I 
de vorgestellt 
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hret Hervdr 
Falle alsoek 
Eristenz ein 
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        uluhit 
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—XI 
mm der Naur; 
N) seihes I⸗ 
9) und diesen 
dem Vegrist 
da wir eih⸗ 
suhtat dar 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 377 
Endursachen und eine Idee, die dieser zum Grunde 
liegt, unterlegen muͤssen, wir auch die Existenz dieses 
Products nicht anders als Zweck denken koͤnnen; denn 
die vorgestellte Wirkung, die zugleich der Bestim— 
mungsgrund der verstaͤndigen wirkenden Ursache zu 
ihrer Hervorbringung ist, heißt Zweck. In diesem 
Falle also kann man entweder sagen: der Zweck der 
Existenz eines solchen Naturwesens ist in ihm selbst, 
d. i. es ist nicht blos Zweck, sondern auch Endzweck, 
oder dieser ist ausser ihm in anderen Naturwesen, 
d. i. es existirt zweckmaͤßig nicht als Endzweck, sondern 
nothwendig zugleich als Mittel. 
Wenn wir aber die ganze Natur durchgehen, so 
finden wir in ihr, als Natur, kein Wesen, was auf 
den Vorzug Endzweck der Schoͤpfung zu seyn An⸗ 
spruch machen koͤnnte und man kann sogar a priori 
beweisen: daß dasjenige, was etwa noch fuͤr die Na⸗ 
tur ein letzter Zweck seyn koͤnnte, nach allen er⸗ 
denklichen Bestimmungen und Eigenschaften, womit 
man es ausruͤsten moͤchte, doch als Naturding nie⸗ 
mals ein Endzweck seyn koͤnne. I 
Wenn man das Gewaͤchsreich ansieht, so koͤnnte 
man anfaͤnglich durch die unermesliche Fruchtbarkeit, 
durch welche es sich beynahe uͤber jeden Boden ver⸗ 
breitet, auf die Gedanken gebracht werden, es fuͤr ein 
bloßes Product des Mechanisms der Natur, welches 
sie in den Bildungen des Mineralreichs zeigt, zu hal⸗ 
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        <pb n="440" />
        378 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
ten. Eine naͤhere Kenntnis aber der unbeschreiblich 
weisen Organisation in demselben laͤßt uns an diesem 
Gedanken nicht haften, sondern veranlaßt die Frage: 
wozu sind diese Geschoͤpfe da? Wenn man sich ant—⸗ 
wortet: fuͤr das Thierreich, welches dadurch genaͤhrt 
wird, damit es sich in so mannigfaltige Gattungen 
uͤber die Erde habe verbreiten koͤnnen, so kommt die 
Frage wieder: Wozu sind denn diese Pflanzen- verzeh— 
rende Thiere da? die Antwort wuͤrde etwa seyn, fuͤr 
die Raubthiere, die sich nur von dem naͤhren koͤnnen 
was Leben hat? Endlich ist die Frage: wozu sind diese 
sammt den vorigen Naturreichen gut? Fuͤr den Men⸗ 
schen, zu dem mannigfaltigen Gebrauche, den ihn 
sein Verstand von allen jenen Geschoͤpfen machen 
lehrt; und er ist der letzte Zweck der Schoͤpfung hier 
auf Erden, weil er das einzige Wesen auf derselben 
ist, welches sich einen Begrif von Zwecken machen 
und aus einem Aggregat von zweckmaͤßig gebildeten 
Dingen durch seine Vernunft ein System der Zwecke 
machen kann. 
Man koͤnnte auch, mit dem Ritter Linné, den dem 
Scheine nach umgekehrten Weg gehen und sagen: Die 
Gewaͤchsfressenden Thiere sind da, um den uͤppigen 
Wuchs des Pflanzenreichs, dadurch viele Species der⸗ 
selben erstickt werden wuͤrden, zu maͤßigen, die Raub⸗ 
thiere jener ihrer Gefraͤßigkeit Grenzen zu setzen, end⸗ 
lich der Mensch, damit, indem er diese versolgt 
Id Citt 
n) vermindert. 
serhorhringender 
sutur gesistet 
—IX 
leyn moͤchte, 
aned Mittels 
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—XWE 
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n, die Jaub⸗ 
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djese herselht 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 379 
und vermindert, ein gewisses Gleichgewicht unter den 
hervorbringenden und den zerstoͤhrenden Kraͤften der 
Natur gestiftet werde: Und so wuͤrde der Mensch , so 
sehr er auch in gewisser Beziehung als Zweck gewuͤrdigt 
seyn moͤchte doch in anderer wiederum nur den Rang 
eines Mittels haben. 
Wenn man sich eine objective Zweckmaͤßigkeit in der 
Mannigfaltigkeit der Gattungen der Erdgeschoͤpfe und 
ihrem aͤußern Verhaͤltnisse zu einander, als zweckmaͤßig 
construirter Wesen, zum Princip macht, so ist es der 
Vernunft gemaͤs sich in diesem Verhaͤltnisse wiederum 
eine gewisse Organisation und ein System aller Natur—⸗ 
reiche nach Endursachen zu denken; allein hier scheint die 
Erfahrung der Vernunftmaxime lant zu widersprechen, 
vornemlich was einen letzten Zweck der Natur betrift, 
der doch zu der Moͤglichkeit eines solchen Systems erfor⸗ 
derlich ist, und den wir nirgends anders als im Men⸗ 
schen setzen koͤnnen: da vielmehr in Ansehung dieses, als 
einer der vielen Thiergattungen.die Natur so wenig von 
den zerstoͤhrenden als erzeugenden Kraͤften die min 
deste Ausnahme gemacht hat, alles einem Mechanism 
derselben, ohne einen Zweck zu unterwerfen. — 
Das erste, was in einer Anordnung zu einem zweck⸗ 
maͤßigen Ganzen der Naturwesen auf der Erde absicht— 
lich eingerichtet seyn mußte, wuͤrde wohl ihr Wohnplatz, 
der Boden und das Element seyn, auf und in welchem 
sie ihr Fortkommen haben sollten. Allein eine genauere
        <pb n="442" />
        330 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Kenntnis der Beschaffenheit dieser Grundlage aller orga⸗ 
nischen Erzeugung giebt auf keine andere als ganz un⸗ 
absichtlich wirkende, ja eher noch verwuͤstende, als Er⸗ 
zeugung Ordnung und Zwecke beguͤnstigende Ursachen, 
Anzeige. Land und Meer enthalten nicht allein Denk⸗ 
maͤler von alten maͤchtigen Verwuͤstungen, die sie und 
alle Geschoͤpfe, auf und in demselben, betroffen haben, 
in sich: sondern ihr ganzes Bauwerk, die Erdlager des ei⸗ 
nen und die Grenzen des andern haben gaͤnzlich das An⸗ 
sehen des Products wilder allgewaltiger Kraͤfte einer im 
chaotischen Zustande arbeitenden Natur. So zweckmaͤ— 
ßig, wie auch jetzt die Gestalt das Bauwerk und der Ab⸗ 
hang der Laͤnder fuͤr die Aufnahme der Gewaͤsser aus der 
Luft, die Quelladern, zwischen Erdschichten von man⸗ 
nigfaltiger Art (fuͤr mancherley Producte) und dem 
Laufe der Stroͤhme angeordnet zu seyn scheinen moͤgen, 
so beweiset doch eine naͤhere Untersuchung derselben: daß 
sie blos als die Wirkung theils feuriger, theils waͤsseri⸗ 
ger Eruptionen, oder auch Empoͤrungen des Oceans zu 
Stande gdekommen sind, so. wohl was die erste Erzeu⸗ 
gung dieser Gestalt, als vornehmlich die nachmalige 
Umbildung derselben zugleich mit dem Untergange ihrer 
ersten organischen Erzeugungen betrift *) — Wenn nut 
) Wenn der einmal angenommene Name Vaturgeschichte 
fuͤr Naturbeschreibung bleiben soll, so kann man fuͤr das, 
was die erstere buchstaͤblich anzeigt, naͤmlich eine Vorstellung 
des ehemaligen alten Zustandes der Erde, woruͤber man, 
Id Citd 
se PVohnplaz, d 
—I 
hihen andern a 
iher krzeygune 
—IXX 
leshrung verlo 
Pensch, wie 
Natorverwuͤst 
scheint, in di 
soi ewdoch 
daß venn ein 
chaniom der 
wuit begrisfen 
sein Versand 
Verwoͤstunqe 
Dieseg 
abz de Ihsth 
lih, niht ho 
Hatutyyd 
wehh won 
ten Cru 
Hatur 
wuͤrden 
Gteine u 
der solch— 
helindig 
dire diesn 
lurfotshun 
Natur seshe
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ge —E — 
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lehhen: daß 
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tste kryey⸗ 
nachmalige 
rgange ihrer 
Venn guß 
zurgeschihlt 
nun fut du 
oLethellun 
prthet Mh, 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 381 
der Wohnplatz, der Mutterboden (des Landes) und der 
Mutterschoos (des Meeres) fuͤr alle diese Geschoͤpfe auf 
keinen andern als gaͤnzlich unabsichtlichen Mechanism 
seiner Erzeugung Anzeige giebt; wie und mit welchem 
Recht koͤnnen wir fuͤr diese letztere Producte einen andern 
Ursprung verlangen und behaupten? Wenn gleich der 
Mensch, wie die genauste Pruͤfung der Ueberreste jener 
Naturverwuͤstungen (nach Campers Urtheile) zu beweisen 
scheint, in diesen Revolutionen nicht mit begriffen war, 
so ist er doch von den uͤbrigen Erdgeschoͤpfen so abhaͤngig, 
daß wenn ein uͤber die andere allgemeinwaltender Me⸗ 
chanism der Natur eingeraͤumt wird , er als darunter 
mit begriffen angesehen werden muß; wenn ihn gleich 
sein Verstand (großentheils wenigstens) unter ihren 
Verwuͤstungen hat retten koͤnnen. 
Dieses Argument scheint aber mehr zu beweisen, 
als die Absicht enthielt, wozu es aufgestellt war; naͤm⸗ 
lich, nicht blos daß der Mensch kein letzter Zweck der 
Natur, und aus dem naͤmlichen Grunde, das Aggre⸗ 
wenn man gleich keine Gewisheit hoffen darf, doch mit gu— 
tem Grunde Vermuthungen wagt, die Archaͤologie der 
Natur, im Gegensatz mit der Kunst, nennen. Zu jener 
—VDDDDDDDD 
Steine u. s. w. gehoͤren. Denn da man doch wirklich an ei— 
ner solchen (unter dem Nahmen einer Theorie der Erde) 
bestaͤndig, wenn gleich, wie billig, langsam arbeitet, so 
waͤre dieser Nahme eben nicht einer blos eingebildeten Na— 
turforschung gegeben, sondern einer solchen, zu der die 
Natur selbst uns einladet und auffordert.
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        382 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskrast. 
gat der organistrten Naturdinge auf der Erde nicht 
ein System von Zwecken seyn koͤnne, sondern daß gar 
die vorher fuͤr Naturzwecke gehaltene Naturproducte 
keinen andern Ursprung haben, als den Mechanism 
der Natur. 
Allein in der obigen Aufloͤsung der Antinomie 
der Principien, der mechanischen und der teleologi⸗ 
schen Erzeugungsart der organischen Naturwesen, ha— 
ben wir gesehen: daß, da sie, in Ansehung der nach 
ihren besondern Gesetzen (zu deren systematischen Zu⸗ 
sammenhange uns aber der Schluͤssel fehlt ) bildenden 
Natur, blos Principien der reflectirenden Urtheilskraft 
sind, die naͤmlich ihren Ursprung nicht an sich bestim— 
men , sondern nur sagen, daß wir, nach der Beschaf⸗ 
fenheit unseres Verstandes und unsrer Vernunft ihn 
in dieser Art Wesen nicht anders als nach Endursa— 
chen denken koͤnnen, die groͤßtmoͤgliche Bestrebung, 
ja Kuͤhnheit in Versuchen sie mechanich zu erklaͤ⸗ 
ren, nicht allein erlaubt ist, sondern wir auch durch 
Vernuft dazu aufgerufen sind, unerachtet wir wissen, 
daß wir damit aus subjectiven Gruͤnden der besondern 
Art und Beschraͤnkung unseres Verstandes niemals 
auslangen koͤnnen, (und nicht etwa, weil der Mecha⸗ 
uism der Erzeugung einem Ursprunge nach Zwecken 
an sich wiederspraͤche) und daß endlich in dem uͤber⸗ 
sinnlichen Princip der Natur (so wohl außer uns als 
in uns) gar wohl die Vereinbarkeit beyder Arten und 
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pUIften und 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 383 
die Moͤglichkeit der Natur vorzustellen, liegen koͤnne, 
indem die Vorstellungsart nach Endursachen nur eine 
subjective Bedingung unseres Vernunftgebrauchs sey, 
wenn sie die Beurtheilung der Gegenstaͤnde nicht blos 
als Erscheinungen angestellt wissen will sondern diese 
Erscheinungen selbst, samt ihren Principien, auf das 
aͤbersinnliche Substrat zu beziehen verlangt, um ge⸗ 
wisse Gesetze der Einheit derselben moͤglich zu finden, 
die sie sich nicht anders als durch Zwecke( davon die 
Vernunft auch solche hat die uͤbersinnlich sind) vor— 
stellig machen kann. 
§. 83. 
Von dem letzten Zwecke der Natur als eines 
teleologischen Systems. 
Wir haben im vorigen gezeigt, daß wir dem Men⸗ 
schen nicht blos, wie alle organisirte Wesen, als Na⸗ 
turzweck, sondern auch hier auf Erden als den letz⸗ 
ten Zweck der Natur in Beziehung auf den alle 
aͤbrige Naturdinge ein System von Zwecken ausma⸗ 
chen, nach Grundsaͤtzen der Vernunft „zwar nicht fuͤr 
die bestimmende, doch fuͤr die reslectirende Urtheilskraft, 
zu beurtheilen hinreichende Ursache haben. Wenn nun 
dasjenige im Menschen selbst angetroffen werden muß, 
was als Zweck durch seine Verknuͤpfung mit der Na⸗ 
tur befoͤrdert werden soll: so muß entweder der Zweck 
von der Art seyn, daß er selbst durch die Natur in
        <pb n="446" />
        334 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskrast. 
ihrer Wohlthaͤtigkeit befriedigt werden kann, oder es 
ist die Tauglichkeit und Geschicklichkeit zu allerley Zwe⸗ 
cken dazu die Natur Caͤußerlich und innerlich) von 
ihm gebraucht werden koͤnne. Der erste Zweck der 
Natur wuͤrde die Gluͤckseeligkeit, der zweyte die 
Cultur des Menschen sen. 
Der Begriff der Gluͤckseeligkeit ist nicht ein sol⸗ 
cher, den der Mensch etwa von seinen Instincten ab⸗ 
strahirt, und so aus der Thierheit in ihm selbst her⸗ 
nimmt, sondern ist eine bloße Idee eines Zustandes, 
der er den letzteren unter blos empirischen Bedingun⸗ 
gen (welches unmoͤglich ist) adaͤquat machen will. 
Er entwirft sie sich selbst, und zwar auf so verschiede⸗ 
ne Art, durch seinen mit der Einbildungskraft und den 
Sinnen verwickelten Verstand, er aͤndert so gar die— 
sen so oft, daß die Natur, wenn sie auch seiner Will⸗ 
kuͤhr gaͤnzlich unterworsen waͤre, doch schlechterdings 
kein bestimmtes allgemeines und festes Gesetz anneh⸗ 
men koͤnnte, um mit diesem schwankenden Begriff, 
und so mit dem Zweck, den jeder sich willkuͤhrlicher 
Weise vorsetzt, uͤbereinzustimmen. Aber, selbst weun 
wir entweder diesen auf das wahrhafte Naturbeduͤrf⸗ 
nis , worin unsere Gattung durchgaͤngig mit sich uͤber⸗ 
einstimmt, herabsetzen, oder, andererseits, die Ge⸗ 
schicklichkeit sich eingebildete Zwecke zu verschaffen noch 
so hoch steigern wollten, so wuͤrde doch, was der 
Mensch unter Gluͤckseeligkeit versteht, und was in der 
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Isl 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 38 
That sein eigener letzter Naturzweck (nicht Zweck der 
Freyheit) ist, von ihm nie erreicht werden; denn seine 
Natur ist nicht von der Arte, irgend wo im Besitze und 
Genusse aufzuhoͤren und befriedigt zu werden. Andrer— 
seits ist so weit gefehlt: daß die Natur ihn zu ihren be— 
sondern Liebling aufgenommen und vor allen Thieren 
mit Wohlthnn beguͤnstigt habe, daß sie ihn vielmehr in 
ihren verderblichen Wirkungen, in Pest, Hunger, Wasser⸗ 
gefahr, Frost, Anfall von andern großen und kleinen 
Thieren u. d. g. eben so wenig verschont, wie jedes an⸗ 
dere Thier: noch mehr aber, daß das Widersinnische 
der Naturanlagen ihn selbst in selbstersonnenen Pla⸗ 
gen und noch andere von seiner eigenen Gattung, durch 
den Druck der Herrschaft, die Barbarey der Kriege 
u. s. w. in solche Noth versetzt und er selbst, so viel an 
ihm ist, an der Zerstoͤrung seiner eigenen Gattung arbei⸗ 
tet, daß selbst bey der wohlthaͤtigsten Natur außer uns, 
der Zweck derselben, wenn er auf die Gluͤckseeligkeit un⸗ 
serer Species gestellet waͤre in einem System derselben 
auf Erden nicht erreicht werden wuͤrde , weil die Natur 
in uns derselben nicht empfaͤnglich ist. Er ist also immer 
nur Glied in der Kette der Naturzwecke, zwar Princip 
in Ansehung manches Zwecks , dazu die Natur ihn in 
ihrer Anlage bestimmt zu haben scheint, indem er sich 
selbst dazu macht aber doch auch Mittel zur Erhaltung 
der Zweckmaͤßigkeit im Mechanism der uͤbrigen Glieder. 
Als das einzige Wesen auf Erden das Verstand, mithin 
—X
        <pb n="448" />
        386 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
mithin ein Vermoͤgen hat, sich selbst willkuͤhrlich Zwecke 
zu setzen, ist er zwar betitelter Herr der Natur und, 
wenn man diese als ein teleologisches System ansieht, 
seiner Bestimmung nach der letzte Zweck der Natur, aber 
immer nur bedingt, naͤmlich daß er es verstehe und den 
Willen habe dieser und ihm selbst eine solche Zweckbe⸗ 
ziehung zu geben, die unabhaͤngig von der Natur sich 
selbst gnugsam, mithin Endzweck seyn koͤnne, der aber 
in der Natur gar nicht gesucht werden muß. J 
Um aber auszufinden „ worin wir am Menschen 
wenigstens jenen letzten Zweck der Natur zu setzen ha⸗ 
ben, muͤssen wir dasjenige, was die Natur zu leisten 
vermag, um ihn dazu vorzubereiten, was er selbst thun 
muß, um Endzweck zu seyn, heraussuchen und es von 
allen den Zwecken absondern, deren Moͤglichkeit auf Be⸗ 
dingunges beruht, die man allein von der Natur erwar⸗ 
ten darf. Von der letztern Art ist die Gluͤckseeligkeit auf 
Erden worunter der Inbegrif aller durch die Natur 
ausser und in dem Menschen moͤglichen Zwecke desselben 
vberstanden wird; das ist die Materie aller seiner Zwecke 
auf Erden, die, wenn er sie zu seinem ganzen Zwecke 
macht, ihn unfaͤhig macht seiner eigenen Existenz einen 
Endzweck zu setzen und dazu zusammen zu stimmen. Es 
bleibt also von allen seinen Zwecken in der Natur nur 
die formale, subjective Bedingung, naͤmlich der Taug⸗ 
lichkeit: sich selbst uͤberhaupt zwecke zu setzen und, (unab⸗ 
haͤngig von der Natur in seiner Zweckbestimmung) die 
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Nuimmunn die 
I. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 387 
Natur den Maximen seiner freyen Zwecke uͤberhaupt an⸗ 
gemessen, als Mittel, zu gebrauchen uͤbrig, was die 
Natur, in Absicht auf den Endzweck, der ausser ihr 
liegt, ausrichten und welches also als ihr letzter Zweck 
angesehen werden kann. Die Hervorbringung der Taug⸗ 
lichkeit eines vernuͤnftigen Wesens zu beliebigen Zwecken 
aͤberhaupt (folglich in seiner Freyheit) ist die Cultur. 
Also kann nur die Cultur der letzte Zweck seyn, den man 
der Natur in Ansehung der Menschengattung beyzulegen 
Ursache hat: (Nicht seine eigene Gluͤckseeligkeit auf Er⸗ 
den, oder wohl gar blos das vornehmste Werkzeug zu 
seyn, Ordnung und Einhelligkeit in der —XR 
Natuͤr außer ihm zu stiften)d. J 
Aber nicht jede Cultur ist zu diesem letzten Zwecke 
der Natur hinlaͤnglich. Die der Geschicklichkeit 
ist freylich die vornehmste subjective Bedingung der 
Tauglichkeit zur Befoͤrderung der Zwecke aͤberhaupt, aber 
doch nicht hinreichend die Freyheit, in der Bestimmung 
und Wahl seiner Zwecke, zu befoͤrdern, welche doch 
zum ganzen Umfange einer Tauglichkeit zu Zwecken 
wesentlich gehoͤrt. Die letztere Bedingung der Taug⸗ 
lichkeit, welche man die Cultur der Zucht GDisciplin) 
nennen koͤnnte, ist negativ und besteht in der Befreyung 
des Willens von dem Despotism der Begierden, wo⸗ 
durch wir, an gewisse Naturdinge geheftet, unfaͤhig ge⸗ 
macht werden selbst zu waͤhlen, indem wir uns die Triebe 
zu Fesseln dienen lassen, R uns die Natur nur statt Leit⸗ 
Bb2
        <pb n="450" />
        388 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskrast. 
faͤden beygegeben hat, um die Bestimmung der Thier⸗ 
heit in uns nicht zu vernachlaͤßigen, oder gar zu ver⸗ 
letzen, indessen daß wir doch frey genug sind sie anzu⸗ 
ziehen oder nachzulassen, zu verlaͤngern oder zu verkuͤr⸗ 
zen, nachdem es die Zwecke der Vernunft erfordern. 
Die Geschicklichkeit kann in der Menschengattung 
nicht wohl entwickelt werden, als vermittelst der Un⸗ 
gleichheit unter Menschen ; da die groͤßte Zahl die Noth⸗ 
wendigkeiten des Lebens gleichsam mechanisch, ohne dazu 
besonders Kunst zu beduͤrfen, zur Gemaͤchlichkeit und 
Musse anderer, besorget, welche die minder nothwendige 
Stuͤcke der Cultur, Wissenschaft und Kunst, bearbeiten 
und von diesen in einem Stande des Drucks, saurer Ar⸗ 
beit und wenig Genusses gehalten wird, auf welche Classe 
sich denn doch manches von der Cultur der hoͤheren nach 
und nach auch verbreitet. Die Plagen aber wachsen im 
Fortschritte derselben (dessen Hoͤhe, wenn der Hang zum 
Entbehrlichen schon dem Unentbehrlichen Abbruch zu 
thun anfaͤngt, Luxus heißt) auf beyden Seiten gleich 
maͤchtig, auf der einen durch fremde Gewaltthaͤtig— 
keit, auf der andern durch innere Ungnugsamkeit; 
aber das glaͤnzende Elend ist doch mit der Entwickelung 
der Naturanlagen in der Menschengattung verbunden 
und der Zweck der Natur selbst , wenn es gleich nicht 
unser Zweck ist, wird doch hiebey erreicht. Die formale 
Bedingung, unter welcher die Natur diese ihre Endab⸗ 
sicht allein erreichen kann, ist diejenige Verfassung im 
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ie ihre Endah⸗ 
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II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 389 
Verhaͤltnisse der Menschen untereinander, da dem Ab⸗ 
bruche der einander wechselseitigen widerstreitenden 
Freyheit gesetzmaͤßige Gewalt in einem Ganzen, welches 
buͤrgerliche Gesellschaft heißt, entgegengesetzt wird; 
denn nur in ihr kann die groͤßte Entwickelung der Na⸗ 
turanlagen geschehen, zu welcher aber doch, wenn gleich 
Menschen sie auszusinden klug und sich ihrem Zwange 
willig zu unterwerfen weise genug waͤren, noch ein 
Weltbuͤrgerliches Ganze, d. i. ein System aller 
Staaten, die auf einander nachtheilig zu wirken in Ge⸗ 
fahr sind, erforderlich waͤre, in Ermangelung dessen und 
bey dem Hindernis, welches Ehrsucht, Herrschsucht und 
Habsucht, vornemlich an denen die Gewalt in Haͤnden 
haben, selbst der Moͤglichkeit eines solchen Entwurfs ent⸗ 
gegensetzen, der Krieg (theils in welchem sich Staaten 
zerspalten und in kleinere aufloͤsen, theils ein Staat 
andere Kleinere mit sich vereinigt und ein groͤßeres Ganze 
zu bilden strebt) unvermeidlich ist, der so, wie er ein un⸗ 
absichtlicher (durch zuͤgellose Leidenschaften angeregter) 
Versuch der Menschen, doch tief verborgener absichtlicher 
der obersten Weisheit ist, Gesetzmaͤßigkeit mit der Frey⸗ 
heit der Staaten und dadurch Einheit eines moralisch 
begruͤndeten Systems derselben, wo nicht zu stiften, den⸗ 
noch vorzubereiten, unerachtet der schrecklichsten Drang⸗ 
saale, womit er das menschliche Geschlecht belegt, und 
der vielleicht noch groͤßern, womit die bestaͤndige Be— 
reitschaft dazu im Frieden druͤckt, dennoch eine Trieb⸗ 
8b62
        <pb n="452" />
        390 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
feder mehr ist (indessen daß die Hofnung zu dem Ruhe⸗ 
stande einer Volksgluͤckseeligkeit sich immer weiter ent⸗ 
fernt) alle Talente, die zur Cultur dienen, bis zum hoͤch— 
sten Grade zu entwickein. 
Was die Disciplin der Neigungen betrift, zu denen 
die Naturanlage in Absicht auf unsere Bestimmung, als 
einer Thiergattung „ganz zweckmaͤßig ist, die aber die 
Entwickelung der Menschheit sehr erschweren, so zeigt 
sich doch auch in Ansehung dieses zweyten Erfordernisses 
zur Cultur ein zweckmaͤßiges Streben der Natur zu einer 
Ausbildung, welche uns hoͤherer Zwecke, als die Natur 
selbst liefern kann, empfaͤnglich macht. Das Ueberge⸗ 
wicht der Uebel, welche die Verfeinerung des Geschmacks 
bis zur Idealisirung desselben selbst der Luxus in Wissen⸗ 
schaften als einer Nahrung fuͤr die Eitelkeit, durch die 
unzubefriedigende Menge der dadurch erzeugten Neigun⸗ 
gen uͤber uns ausschuͤttet, ist nicht zu bestreiten; dagegen 
aber der Zweck der Natur auch nicht zu verkennen, der 
Rohigkeit und dem Ungestuͤm derjenigen Neigungen, 
welche mehr der Thierheit in uns angehoͤren und der 
Ausbildung zu unserer hoͤheren Bestimmung am meisten 
entgegen sind (denen des Genusses) immer mehr abzuge— 
winnen und der Entwickelung der Menschheit Platz zu 
machen. Schoͤne Kunst und Wissenschaften, die durch 
eine Lust, die sich allgemein mittheilen laͤßt und die 
Geschliffenheit und Verfeinerung fuͤr die Gesellschaft wenn 
gleich den Menschen nicht sittlich besser, doch gesittet 
Ildy Cei 
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uͤßt und di 
ellshaft hent 
vch geit 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 391 
machen, gewinnen der Tyranney des Sinnenhanges 
sehr viel ab und bereiten dadurch den Menschen zu einer 
Herrschaft vor, in der die Vernunft allein Gewalt haben 
soll, indessen daß die Nebel, womit uns theils die Natur, 
theils die unvertragsame Selbstsucht der Menschen heim 
sucht, zugleich die Kraͤfte der Seele aufbieten, steigern 
und staͤhlen, um jenen nicht unterzuliegen und uns so 
eine Tauglichkeit zu hoͤheren Zwecken, die in uns ver⸗ 
borgen liegt, f uͤhlen lassen. ) 
6. 84. 
Von dem Endzwecke des Daseyns einer 
Welt d. i. der Schoͤpfung selbst. 
Endzweck ist derjenige Zweck, der keines andern 
als Bedingung seiner Moͤglichkeit bedarff. 
Wenn fuͤr die Zweckmaͤßigkeit der Natur der bloße 
Mechanism derselben zum Erklaͤrungsgrunde angenom⸗ 
) Was das Lehen fuͤr uns fuͤr einen Werth habe, wenn 
dieser blos nach dem geschaͤtzt wird, was man genießt 
(dem natuͤrlichen Zwecke der Summe aller Neigungen, der 
Gluͤckseeligkeit, ist leicht zu entscheiden. Er sinkt unter 
Null; denn wer wollte wohl das Leben unter denselben 
Bedingungen, aber auch nach einem neuen, selbst entworfe⸗ 
nen (doch dem Naturlaufe gemaͤßen) Plane, der aber 
zuch blos auf Genuß gestellt waͤre, aufs neue antreten⸗ 
Welchen Werth das Leben habe, nach dem, was es nach 
dem Zwecke, den die Natur mit uns hat, gefuͤhrt, in sich 
enthaͤlt und in dem besteht, was man thut (nicht blos 
genießt), wo wir aber immer doch nur Mittel zu unbe⸗ 
stimmten Endzwecke sind, ist oben gezeigt worden. G⸗ 
Bba
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        392 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
men wird, so kann man nicht fragen: wozu die Dinge 
in der Welt da sind; denn es ist alsdenn, nach einem 
solchen idealistischen System nur von der physischen Moͤg⸗ 
lichkeit der Dinge (welche uns als Zwecke zu denken 
bloße Vernuͤnfteley, ohne Object, seyn wuͤrde) die Rede, 
man mag nun diese Form der Dinge auf den Zufall, 
oder blinde Nothwendigkeit deuten in beyden Faͤllen 
waͤre jene Frage leer. Nehmen wir aber die Zweckver⸗ 
bindung in der Welt fuͤr real und fuͤr sie eine besondere 
Art der Caussalitaͤt, naͤmlich einer absichtlich wir— 
kenden Ursache an, so koͤnnen wir bey der Frage nicht 
stehen bleiben; wozu Dinge der Welt (organisirte Wesen) 
diese oder jene Form haben, in diese oder jene Verhaͤlt⸗ 
nisse gegen andere von der Natur gesetzt sind, sondern, 
da einmal ein Verstand gedacht wird, der als die Ur— 
sache der Moͤglichkeit solcher Formen angesehen werden 
muß, wie sie wirklich an Dingen gefunden werden, so 
muß auch in eben demselben nach dem objectiven Grunde 
gefragt werden, der diesen productiven Verstand zu einer 
Wirkung dieser Art bestimmt haben koͤnne, welcher dann 
der Endzweck ist, wozu dergleichen Dinge da sind. 
Ich habe oben gesagt: daß der Endzweck kein 
Zweck sey welchen zu bewirken und der Idee desselben 
bleibt also wohl nichts uͤbrig, als der Werth, den wir 
unserem Leben selbst gehen, durch das, was wir nicht 
allein thun, sondern auch so unabhaͤngig von der Natur 
wockmaͤßig thun, daß selbst die Existenz der Natur nur 
unter dieser Bedingung Zweck seyn kann. 
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wohl zu ver 
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daß eß in d 
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hon der Hul 
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II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 393 
gemaͤs hervorzubringen die Natur hinreichend waͤre, 
weil er unbedingt ist. Denn es ist nichts in der Natur, 
(als einem Sinnenwesen) wozu der in ihr selbst befind⸗ 
liche Bestimmungsgrund nicht immer wiederum bedingt 
waͤre und dieses gilt nicht blos von der Natur außer uns 
(der materiellen) sondern auch in uns (der denkenden), 
wohl zu verstehen, daß ich in mir nur das betrachte was 
Natur ist. Ein Ding aber was nothwendig seiner ob⸗ 
jectiven Beschaffenheit wegen, als Endzweck einer ver⸗ 
staͤndigen Ursache existiren soll, muß von der Art seyn, 
baß es in der Ordnung der Zwecke von keiner anderwei⸗ 
tigen Bedingung, als blos seiner Idee, abhaͤngig ist. 
Nun haben wir nur eine einzige Art Wesen in der 
Welt, deren Caussalitaͤt teleologisch, d. i. auf Zwecke ge⸗ 
ichtet und doch zugleich so beschaffen ist, daß das Gesetz, 
zach welchem sie sich Zwecke zu bestimmen haben, von 
ihnen selbst als unbedingt und von Naturbedingungen 
anabhaͤngig, an sich aber als nothwendig vorgestellt 
wird, Das Wesen dieser Art ist der Mensch, aber als 
Noumenon betrachtet; das einzige Naturwesen, an wel⸗ 
chem wir doch ein uͤbersinnliches Vermoͤgen (die Frey⸗ 
heit) und sogar daß Gesetz der Caussalitaͤt, samt dem 
Objecte derselben, welches es sich als hoͤchsten Zweck vor⸗ 
setzen kann (dag hoͤchste Gut in der Welt) von Seiten 
seiner eigenen Beschaffenheit erkennen koͤnnen. 
Von dem Menschen nun, (und so jedem vernuͤnfti⸗ 
en Wesen in der Welt) als einem moralischen Wesen, 
Bb5
        <pb n="456" />
        394 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
kann nicht weiter gefragt werden: wozu (quem in sinem) 
er existire. Sein Daseyn hat den hoͤchsten Zweck selbst in 
sich, dem, so viel er vermag, er die ganze Natur unter— 
werfen kann, wenigstens welchem zuwider er sich keinem 
Einflusse der Natur unterworfen halten darf. — Wenn 
nun Dinge der Welt, als ihrer Existenz nach, abhaͤngige 
Wesen, einer nach Zwecken handelnden obersten Ursache 
beduͤrfen, so ist der Mensch der Schoͤpfung Endzweck; 
denn ohne diesen waͤre die Kette der einander untergeord⸗ 
neten Zwecke nicht vollstaͤndig gegruͤndet und nur im 
Menschen, aber auch in diesem nur als Subjecte der 
Moralitaͤt, ist die unbedingte Gesetzgebung in Ansehung 
der Zwecke anzutreffen, welche ihn also allein faͤhig macht 
Endzweck zu seyn, dem die ganze Natur teleologisch un⸗ 
tergeordnet ist. ) 
Es waͤre moͤglich, daß Gluͤckseeligkeit der vernuͤnftigen 
Wesen in der Welt ein Zweck der Natur waͤre und als⸗ 
denn waͤre sie auch ihr letzter Zweck; wenigstens kann 
man a priori nicht einsehen, warum die Natur nicht so 
eingerichtet seyn sollte, weil durch ihren Mechanism diese 
Wirkung, wenigstens so viel wir einsehen, wohl moͤglich 
waͤre. Aber Moralitaͤt und eine ihr untergeordnete 
Caussalitaͤt nach Zwecken ist schlechterdings durch Natur⸗— 
ursachen unmoͤglich; denn das Prinecip ihrer Bestimmung 
zum handeln ist uͤbersinnlich, ist also das einzige Moͤgliche 
in der Ordnung der Zwecke, was in Ansehung der Natur 
schlechthin unbedingt ist und ihr Subjeet dadurch zum 
Endzwecke der Schoͤpfung, dem die ganze Natur unter— 
zeordnet ist, allein qualifieirt. — Gluͤckfeeligkeit dagegen 
ist, wie im porigen 8. nach dem Zeugnis der Erfahrung, 
44 
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t Ehtseun 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 395 
§. 85. 
Von der Physicotheologie. 
Die Physicotheologie ist der Versuch der 
Vernunft aus den Zwecken der Natur, (die nur 
empirisch erkannt werden koͤnnen) auf die oberste Ursache 
der Natur und ihre Eigenschaften zu schließen. Eine 
Moraltheolog ie EEthicotheologie) waͤre der 
Verluch aus dem moralischen Zwecke vernuͤnftiger We— 
sen in der Natur, (der a priori erkannt werden kann) 
auf jene Ursache und ihre Eigenschaften zu schließen. 
gezeigt worden, nicht einmal ein zweck der Natur in 
Ausehung des Menschen, mit einem Vorzuge vor anderen 
Geschoͤpfen, weit gefehlt, daß sie ein Endzweck der 
Schoͤpfung seyn sollte. Menschen moͤgen sie sich immer 
zu ihrem letzten subjeetiven Zwecke machen, wenn ich aber 
nach dem Endzwecke der Schoͤpfung frage; Wozu haben 
Menschen existiren muͤssen? so ist von einem objectiven 
obersten Zwecke die Rede, wie ihn die hoͤchste Vernunft 
zu ihrer Schoͤpfung erfordern wuͤrde. Antwortet man nun 
darauf: damit Wesen existiren, denen jene oberste Ursache 
wohlthun koͤnne, so widerspricht man der Bedingung, der 
die Vernunft des Menschen selbst seinen innigsten Wunsch 
der Gluͤckseeligkeit unterwirft (naͤmlich die Uebereinstim⸗ 
mung mit seiner eigenen inneren moralischen Gesetzge— 
bung). Dies beweiset: daß die Gluͤckseeligkeit nur be— 
dingter Zweck, der Mensch also, nur als moralisches We⸗ 
sen, Endzweck der Schoͤpfung seyn koͤnne; was aber sei— 
nen Zustand betrift, Gluͤckseeligkeit nur als Folge, nach 
Maasgabe der Uebereinstimmung mit jenem Zwecke, als 
dem Zwecke seines Daseyns, in Verbindung stehe.
        <pb n="458" />
        396 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Die erstere geht natuͤrlicher Weise vor der zweyten 
vorher. Denn, wenn wir von den Dingen in der Welt 
auf eine Weltursache teleologisch schließen wollen, so 
muͤssen Zwecke der Natur zuerst gegeben seyn, fuͤr die 
wir nachher einen Endzweck und fuͤr diesen dann das 
Princip der Caussalitaͤt dieser obersten Ursache zu su 
chen haben. 
Nach dem teleologischen Princip koͤnnen und muͤsen 
viele Nachforschungen der Natur geschehen, ohne daß 
man nach dem Grunde der Moͤglichkeit zweckmaͤßig X 
wirken — welche wir an verschiedenen der Producte der 
Natur antreffen, zu fragen Ursache hat. Will man nun 
aber auch hievon einen Begriff haben, so haben wir da⸗ 
zu schlechterdings keine weitergehende Einsicht, als blos 
die Maxime der reflectirenden Urtheilskraft: daß naͤm⸗ 
lich, wenn uns auch nur ein einziges organisches Pro⸗ 
duet der Natur gegeben waͤre, wir, nach der Beschaf⸗ 
fenheit unseres Erkenntnisvermoͤgens, dafuͤr keinen an⸗ 
dern Grund denken koͤnnen, als den einer Ursache der 
Natur selbst, (es sey der ganzen Natur oder auch nur 
dieses Stuͤcks derselben) die durch Verstand die Caussa⸗ 
litaͤt zu demselben enthaͤlt; ein Beurtheilungsprincip, 
wodurch wir in der Erklaͤrung der Naturdinge und ihres 
Ursprungs zwar um nichts weiter gebracht werden, die 
uns aber doch uͤber die Natur hinaus einige Aussicht 
eroͤfnet, um den sonst so unfruchtbaren Begrif eines 
Urwesens vielleicht naͤher bestimmen zu koͤnnen. 
— 
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adinge und ihre 
ücht verden, die 
einige Juͤsht 
en hegrif eihel 
oRnNen. 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 397 
Nun sage ich: die Physicotheologie, so weit sie auch 
getrieben werden mag, kann uns doch nichts von einem 
Endzwecke der Schoͤpfung eroͤfnen; denn sie reicht 
nicht einmal bis zur Frage nach demselben. Sie kann 
also zwar den Begrif einer verstaͤndigen Weltursache, 
als einen subjectiv fuͤr die Beschaffenheit unseres Erkennt⸗ 
nisvermoͤgens allein tauglichen Begrif von der Moͤg⸗ 
lichkeit der Dinge, die wir uns nach Zwecken verstaͤnd⸗ 
lich machen koͤnnen, rechtfertigen, aber diesen Begrif 
weder in theoretischer noch practischer Absicht weiter be⸗ 
ttimmen; und ihr Versuch erreicht seine Absicht nicht, eine 
Theologie zu gruͤnden, sondern sie bleibt immer nur eine 
physische Teleologie; weil die Zweckbeziehung in ihr im⸗ 
mer nur als in der Natur bedingt betrachtet wird und 
werden muß, mithin den Zweck, wozu die Natur selbst 
existirt, (dazu der Grund ausser der Natur gesucht werden 
muß) gar nicht einmal in Anfrage bringen kann „auf 
dessen bestimmte Idee gleichwohl der bestimmte Begrif 
jener oberen verstaͤndigen Weltursache, mithin die Moͤg⸗ 
zichkeit einer Theologie, ankommt. 
Wozu die Dinge in der Welt einander nutzen, wo⸗ 
zu das Mannigfaltige in einem Dinge fuͤr dieses Ding 
selbst gut ist, wie man sogar Grund habe anzunehmen, 
daß nichts in der Welt umsonst, sondern alles irgend wozu 
in der Natur, unter der Bedingung, daß gewisse 
Dinge (als Zwecke) existiren sollten, gut sey, wobey 
mithin unsere Vernunft fuͤr die Urtheilskraft kein ande—
        <pb n="460" />
        398 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
res Princip der Moͤglichkeit des Objects ihrer unvermeid⸗ 
lichen teleologischen Beurtheilung in ihtem Vermoͤgen 
hat, als das, den Mechanism der Natur der Archite⸗ 
ctonick eines verstaͤndigen Welturhebers unterzuordnen: 
das alles leistet die teleologische Weltbetrachtung sehr 
herrlich und zur aͤußersten Bewunderung. Weil aber 
die Data, mithin die Principien jenen Begrif einer 
intelligenten Weltursache( als hoͤchsten Kuͤnstlers) zu 
bestimmen, blos empirisch sind, so lassen sie auf keine 
Eigenschaften weiter schließen, als uns die Erfahrung 
an den Wirkungen derselben offenbahrt, welche da sie 
nie die gesammte Natur als System befassen kann, oft 
auf, (dem Anscheine nach) jenem Begriffe und unter 
einander widerstreitende Beweisgruͤnde stoßen muß, nie— 
mals aber „wenn wir gleich vermoͤgend waͤren auch das 
ganze System, sofern es bloße Natur betrift, empirisch 
zu uͤberschauen, uns, uͤber die Natur, zu dem Zwecke 
ihrer Existenz selber, und dadurch zum bestimmten Be⸗ 
griffe jener obern Intelligenz, erheben koͤnnen. 
Wenn man sich die Aufgabe „, um deren Aufloͤsung 
einer Physicotheologie zu thun ist, klein macht, so scheint 
ihre Aufloͤsung leicht. Verschwendet man naͤmlich den 
Begrif von einer Gottheit an jedes von uns gedach— 
tes verstaͤndiges Wesen, deren es eines oder mehrere 
geben mag, das viel und sehr große, aber eben nicht 
alle Eigenschaften habe, die zu Gruůͤndung einer mit 
dem groͤßtmoͤglichen Zwecke uͤbereinstimmenden Natur 
JL 9 In 
sherhangterford 
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Juͤnhe leisten, 
und, wo ma. 
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sishe Tleoloc 
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nan naͤmlich den 
hon uns gedech 
3 oder mehrer 
gher ehen gihht 
dung einer hit 
menden Nutur 
N. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 399 
aͤberhaupt erforderlich sind: oder haͤlt man es fuͤr nichts, 
in einer Theorie den Mangel dessen, was die Beweis⸗ 
gruͤnde leisten, durch willkuͤhrliche Zusaͤtze zu ergaͤnzen, 
und, wo man nur Grund hat viel Vollkommenheit 
anzunehmen (und was ist viel fuͤr uns?) sich da befugt 
—VV 
sische Teleologie wichtige Anspruͤche auf den Ruhm eine 
Theologie zu begruͤnden. Wenn aber verlangt wird an⸗ 
zuzeigen: was uns denn antreibe und uͤberdem berech— 
tige jene Ergaͤnzungen zu machen, so werden wir in den 
Principien des theoretischen Gebrauchs der Vernunft, 
welcher durchaus verlangt, zu Erklaͤrung eines Objects 
der Erfahrung diesem nicht mehr Eigenschaften beyzule⸗ 
gen, als empirische Data zu ihrer Moͤglichkeit anzutref⸗ 
fen sind, vergeblich Grund zu unserer Rechtfertigung 
suchen, und bey naͤherer Pruͤfung sehen, daß eigentlich 
eine Idee von einem hoͤchsten Wesen, die auf ganz ver⸗ 
schiedenen Vernunftgebrauch (den practischen) beruht, 
in uns a priori zum Grunde liege, welche uns antreibt, 
die mangelhafte Vorstellung einer physischen Theologie, 
von dem Urgrunde der Zwecke in der Natur, bis zum 
Begriffe einer Gottheit zu ergaͤnzen, und wir wuͤrden 
uns nicht faͤlschlich einbilden, diese Idee, mit ihr aber 
eine Theologie, durch den theoretischen Vernunftgebrauch 
der physischen Weltkenntnis zu Stande gebracht, viel wo⸗ 
niger ihre Realitaͤt hewiesen zu haben.
        <pb n="462" />
        400 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Man kann es den Alten nicht so hoch zum Tadel an⸗ 
rechnen, wenn sie entweder ihre Goͤtter sich als, theils 
ihrem Vermoͤgen, theils den Absichten und Willensmey⸗ 
nungen nach, sehr mannigfaltig verschieden, alle aber, 
selbst ihr Oberhaupt nicht ausgenommen, noch immer 
auf menschliche Weise eingeschraͤnkt dachten. Denn 
wenn sie die Einrichtung und den Gang der Dinge in 
der Natur betrachteten, so fanden sie zwar Grund genug 
etwas mehr als Mechanisches zur Ursache derselben an⸗ 
zunehmen und Absichten gewisser oberer Ursachen, die sie 
nicht anders als uͤbermenschlich denken kounten, hinter 
dem Maschinenwerk dieser Welt zu vermuthen. Weit 
sie aber das Gute und Boͤse, das Zweckmaͤßige und Zweck⸗ 
widrige in ihr, wenigstens fuͤr unsere Einsicht, sehr 
gemischt antrafen und sich nicht erlauben konnten ins ge⸗ 
heim dennochfzum Grunde liegende weise und wohlthaͤ⸗ 
tige Zwecke, von denen sie doch den Beweis nicht sahen, 
zum Behuf der willkuͤhrlichen Idee eines einigen hoͤchst⸗ 
vollkommenen Urhebers anzunehmen, so konnte ihr Ur⸗ 
theil von der obersten Weltursnche schwerlich anders aus⸗ 
fallen, so fern sie naͤmlich nach Maximen des blos theo⸗ 
retischen Gebrauchs der Vernunft ganz consequent ver⸗ 
fuhren. Andere die als Physicker zugleich Theologen 
seyn wollten, dachten Befriedigung fuͤr die Vernunft 
darin zu finden, daß ste fuͤr die absolute Einheit des 
Princips der Naturdinge, welche die Vernunft fordert, 
vermittelst der Idee von einem Wesen sorgten, in wel⸗ 
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—ILꝰ?h 
chem, abs al 
harende Hes 
Verstand, Urs 
ett, aller 
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zweckmaͤßig 
Endursachen 
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— — 
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leich heolbget 
rw die Vernunst 
ute kitheit do 
ernunft sorher 
caten, in boß 
heft, 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 401 
chem, als alleiniger Substanz, jene insgesamt nur in⸗ 
haͤrirende Bestimmungen waͤren, die zwar nicht, durch 
Verstand, Ursache der Welt, in der aber doch, als Sub— 
ject, aller Verstand der Weltwesen anzutreffen waͤre, 
welches zwar nicht nach Zwecken etwas hervorbraͤchte, 
in welchem aber doch alle Dinge ,wegen der Einheit des 
Subjects, von dem sie blos Bestimmungen sind, auch 
ohne Zweck und Absicht nothwendig sich auf einander 
zweckmaͤßig beziehen mußten und so den Idealism der 
Endursachen einfuͤhreten indem sie die so schwer heraus⸗ 
zubringende Einheit einer Menge zweckmaͤßig verbunde⸗ 
ner Substanzen, statt der Caussalabhaͤngigkeit von 
einer, in die der Inhaͤrenz in einer verwandelten; 
welches System in der Folge, von Seiten der inhaͤri⸗ 
renden Weltwesen betrachtet „als Pantheism, von 
Seiten des allein subsistirenden Subjects, als Urwesens, 
(spaͤterhin) als Spinozism, nicht sowohl die Frage 
vom ersten Grunde der Zweckmaͤßigkeit der Natur auflo⸗ 
sete, als sie vielmehr fuͤr nichtig erklaͤrte, indem der letz⸗ 
tere Begrif, aller seiner Realitaͤt beraubt zur bloßen 
Misdeutung eines allgemeinen ontologischen Begrifs 
bon einem Dinge uͤberhaupt gemacht wurde. 
Nach blos theoretischen Principien des Vernunft⸗ 
gebrauchs (worauf die Physicotheologie sich allein gruͤn⸗ 
det) kann also niemals der Begrif einer Gottheit, der 
fuͤr unsere teleologische Beurtheilung der Natur zureichte, 
herausgebracht werden. Denn wir erllaͤren entweder 
Kants Crit. d. Urtheilskr. Ccec
        <pb n="464" />
        402 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
alle Teleologie fuͤr bloße Taͤuschung der Urtheilskraft in 
der Beurtheilung der Caussalverbindung der Dinge und 
fluͤchten uns zu dem alleinigen Princip eines bloßen Me— 
chanismus der Natur „welche, wegen der Einheit der 
Substanz, von der sie nichts als das Mannigfaltige sei— 
ner Bestimmungen sey, uns eine allgemeine Beziehung 
auf Zwecke zu enthalten blos scheine: oder, wenn wir 
statt dieses Idealisms der Endursachen, dem Grundsatze 
des Realisms dieser besondern Art der Caussalitaͤt an— 
haͤnglich bleiben wollen, so moͤgen wir viele verstaͤndige 
Urw esen, oder nur ein einiges, den Naturzwecken unter⸗ 
legen, so bald wir zu Begruͤndung des Begrifs von 
demselben nichts als Erfahrungsprincipien, von der 
wirklichen Zweckverbindung in der Welt hergenommen, 
zur Hand haben, so koͤnnen wir einerseits wider die Mis⸗ 
helligkeit, die die Natar in Ansehung der Zweckeinheit 
in vielen Beyspielen aufstellt, keinen Rath finden, an⸗ 
drerseits den Begrif einer einigen intelligenten Ursache, 
so wie wir ihn, durch bloße Erfahrung berechtigt, her⸗ 
ausbringen, niemals fuͤr irgend eine auf welche Art es 
auch sey, (theoretisch oder practisch) brauchbare Theolo— 
gie bestimmt genug, daraus ziehen. 
Die physische Teleologie treibt uns zwar an eine 
Theologie zu suchen, aber kann keine hervorbringen, so 
weit wir auch der Natur durch Erfahrung nachspuͤhren 
und der in ihr entdeckten Zweckverbindung, durch Ver⸗ 
nhunftideen (die zu physischen Aufgaben theoretisch seyn 
Idac 
muͤsen), u. 
nan mit Rec 
gen einen gro 
zum Grunde 
cuotdnen la 
sicht vichts 
wir uns dor 
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—X 
einem Gyste 
— 
grif zu mach 
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Ih haͤtte 
zersteute 3 
Endsweck, 
bon jenem en 
kud wect, 
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iish bedihgt 
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hallen koͤnen 
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h, dem —T 
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atntzwech uhte 
des Hegris bot 
luvien, hon du 
it hertenenneh 
t wider die siz 
yer Ibeceinhei 
th inden, qu⸗ 
eentten hisache, 
arechügt, har⸗ 
— 
achdare Theoh— 
gs war an ein 
arvordringen, — 
rugg nachshn 
zung, durch du 
—WR 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 403 
muͤssen), zu Huͤlfe kommen moͤgen. Was hilfts, wird 
man mit Recht klagen: daß wir allen diesen Einrichtun⸗ 
gen einen großen, einen fuͤr uns unermeslichen Verstand 
zum Grunde legen und ihn diese Welt nach Absichten 
anordnen lassen, wenn uns die Natur von der Endab⸗ 
sicht nichts sagt, noch jemals sagen kann, ohne welche 
wir uns doch keinen gemeinschaftlichen Beziehungspunct 
aller dieser Naturzwecke, kein hinreichendes teleologisches 
Princip machen koͤnnen, theils die Zwecke insgesammt in 
einem System zu erkennen, theils uns von dem obersten 
Verstande, als Ursache einer solchen Natur, einen Be— 
grif zu machen „ der unserer uͤber sie teleologisch reflecti⸗ 
renden Urtheilskraft zum Richtmaaße dieneu koͤnnte? 
Ich haͤtte alsdenn zwar einen Kunstverstand, fuͤr 
zerstreute Zwecke, aber keine Weisheit, fuͤr einen 
Endzweck , der doch eigentlich den Bestimmungsgrund 
bon jenem enthalten muß. In Ermangelung aber eines 
Endzwecks, den nur die reine Vernunft a priori an die 
Hand geben kann, (weil alle Zwecke in der Welt empi⸗ 
risch bedingt sind, und nichts, als was hiezu oder dazu, 
als zufaͤlliger Absicht nicht was schlechthin gut ist, ent⸗ 
halten koͤnnen) und der mich allein lehren wuͤrde: welche 
Eigenschaften welchen Grad und welches Verhaͤltnis 
der obersten Ursache zur Natur ich mir zu denken habe 
um diese als teleologisches System zu beurtheileu: wie 
und mit welchem Rechte darf ich da meinen sehr einge⸗ 
schraͤnkten Begrif von jenem urspruͤnglichen Verstande, 
—A
        <pb n="466" />
        404 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
den ich auf meine geringe Weltkenntnis gruͤnden kann, 
von der Macht dieses Urwesens seine Ideen zur Wirk—⸗ 
lichkeit zu bringen, von seinem Willen es zu thun u. sw. 
nach Belieben erweitern und bis zur Idee eines allweisen 
unendlichen Wesens ergaͤnzen, welches, wenn es theore⸗ 
tisch geschehen sollte, in mir selbst Allwissenheit voraus— 
setzen wuͤrde, um die Zwecke der Natur in ihrem ganzen 
Zusammenhange einzusehen und noch oben ein alle an— 
dere moͤgliche Plane denken zu koͤnnen, mit denen in 
Vergleichung der Gegenwaͤrtige als der beste mit Grunde 
beurtheilt werden muͤßte. Denn, ohne diese vollendete 
Kenntnis der Wirkung, kann ich auf keinen bestimmten 
Begrif von der obersten Ursache der nur in dem von 
einer in allem Betracht unendlichen Intelligenz, d. i. dem 
Begriffe einer Gottheit, angetroffen werden kann, schlie⸗ 
ßen und eine Grundlage zur Theologie zu Stande 
bringen. 
Wir koͤnnen also, bey aller moͤglichen Erweiteruug 
der physischen Teleologie, nach dem oben angefuͤhrten 
Grundsatze, wohl sagen: daß wir, nach der Beschaffen— 
heit und den Principien unseres Erkenntnisvermoͤgens, 
die Natur in ihren uns bekannt gewordenen zweckmaͤßi⸗ 
gen Anordnungen, nicht anders als das Product eines 
Verstandes, dem diese unterworfen ist denken koͤnnen; 
ob aber dieser Verstand mit dem Ganzen derselben und 
dessen Hervorbringung noch eine Endabsicht gehabt haben 
moͤge, (die alsdenn nicht in der Natur der Sinnenwelt 
XVRL 
hegen wuͤde 
—D 
detelhen, un 
nach einem 
von der bloß 
bringung 9 
der Analog 
hansinsitct 
es mͤthig se 
ger hoͤchsen 
ihres Froduc 
— 
Usdiß 
she deleolo— 
Dheologie bm 
anderweitie 
nihht cher an 
Adieser If 
Eis 
— rit 
seyn der din 
—— tahhden 
— bons 
luhen we⸗
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        in Urthesche 
— 
din urde 
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deindhnn, 
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ldissenht borohz⸗ 
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in, mit dumn 
rhese mitduum⸗ 
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den kunn shh⸗ 
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brweilerutg 
moesuͤheten 
xr veschose⸗ 
miͤbermogend, 
hen zwechnaßr 
Product tihei 
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—L 
n derselhen un 
—WUD 
el Eingeshelt 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 405 
liegen wuͤrde) das kann uns die theoretische Naturfor⸗ 
—X sondern es bleibt, bey aller Kenntnis 
derselben, unausgemacht, ob jene oberste Ursache uͤberall 
nach einem Endzwecke und nicht vielmehr durch einen 
von der bloßen Nothwendigkeit seiner Natur zu Hervor⸗ 
bringung gewisser Formen bestimmten Verstand J (nach 
der Analogie mit dem was wir bey den Thieren den 
Kunstinstinct nennen) Urgrund derselben sey, ohne daß 
es noͤthig sey ihr darum auch nur Weisheit, viel weni— 
ger hoͤchste und mit allen andern zur Vollkommenheit 
ihres Products erforderlichen Eigenschaften verbundene 
Weisheit, beyzulegen. * 
Also ist Physicotheologie eine misverstandene physi⸗ 
sche Teleologie, nur als Vorbereitung (Propaͤdevtik) zur 
Theologie brauchbar „, und nur durch Hinzukunft eines 
anderweitigen Princips, auf das sie sich stuͤtzen kann, 
nicht aber an sich selbst, wie ihr Nahme es anzeigen will, 
zu dieser Absicht zureichend. 
9. 86. 
Von der Ethicotheologie. 
Es ist ein Urtheil , dessen sich selbst der gemeinste 
Verstand nicht entschlagen kann, wenn er uͤber das Da⸗ 
seyn der Dinge in der Welt und die Existenz der Welt 
selbft nachdenkt: daß naͤmlich alle die mannigfaltige Ge— 
schoͤpfe, von so großer Kunsteinrichtung und so mannig⸗ 
faltigen zweckmaͤßig auf einander bezogenen Zusammen⸗ 
Cc 3
        <pb n="468" />
        406 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
hange sie auch seyn moͤgen, selbst das Ganze so vieler 
Systeme derselben, die wir unrichtiger Weise Welten 
nennen, zu nichts da seyn wuͤrden, wenn es in ihnen 
nicht Menschen (Gernuͤnftige Wesen uͤberhaupt) gaͤbe: 
d. i. daß, ohne den Menschen, die ganze Schoͤpfung 
umsonst und ohne Endzweck seyn wuͤrde. Es ist aber 
auch nicht das Erkenntnisvermoͤgen desselben (theoreti⸗ 
sche Vernunft), worauf in Beziehung das Daseyn alles 
uͤbrigen in der Welt allererst seinen Werth bekommt, 
nicht etwa damit irgend wer da sey, welcher die Welt 
betrachten koͤnne. Denn, wenn diese Weltbetrachtung 
ihm doch nichts als Dinge ohne Endzweck vorstellig 
machte, so kann daraus, daß sie erkannt wird, dem Da⸗ 
seyn derselben kein Werth erwachsen und man muß schon 
einen Endzweck derselben voraussetzen, in Beziehung 
auf welchen die Weltbetrachtung selbst einen Werth habe. 
Auch ist es nicht das Gefuͤhl der Lust und der Summe 
derselben, worauf in Beziehung wir einen Endzweck der 
Schoͤpfung als gegeben denken, d. i. nicht das Wohl⸗ 
seyn, der Genuß (er sey koͤrperlich oder geistig) mit 
einem Worte die Glaͤckseeligkett, wornach wir jenen ab⸗ 
soluten Werth schaͤen. Denn daß, wenn der Mensch 
da ist „er diese ihm selbst zur Endabsicht macht, giebt 
keinen Begrif, wozu er dann aͤberhanpt da sey und wel⸗ 
chen Werth er, der Mensch, dann selbst habe, um ihm 
seine Existenz augenehm zu machen. Er muß also schon 
als Endzweck der Schoͤpfung vorausgesetzt werden, um 
ILdh. Ceit 
rigen Vernunt 
heher Glücksee 
alß ein absoln 
teachtet vird 
moͤgen, aber 
Qurch sunb 
in Ansehune 
wader empi 
welchen er 
was er thut 
—XX 
rungsverm 
nige, wodu 
und vorqu' 
End weck 
Ach 
den Nenshe 
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hehe so biehe 
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un der Mens 
st mahht, gilt 
da sey ud heb 
ahe, um ihn 
nuß also shot 
Anderden, UM 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 407 
einen Vernunftgrund zu haben warum die Natur zu 
seiner Gluͤckseeligkeit zusammen stimmen muͤsse, wenn sie 
als ein absolutes Ganzes nach Principien der Zwecke be⸗ 
trachtet wird. — Also ist es nur das Begehrungsver⸗ 
moͤgen, aber nicht dasjenige „ was ihn von der Natur 
(durch sinnliche Antriebe) abhaͤngig macht, nicht das, 
in Ansehung dessen der Werth seines Daseyns auf dem, 
was er empfaͤngt und genießt, beruht, si ondern der Werth, 
welchen er allein sich selbst geben kann und in dem besteht 
was er thut, wie und nach welchen Principien er nicht 
als Naturglied, sondern in der Freyheit seines Begeh⸗ 
rungsvermoͤgens — handelt, d. i. ein guter Wille, dasje⸗ 
nige, wodurch sein Daseyn allein einen absoluten Werth 
und worauf in Beziehung das Daseyn der Welt einen 
Endzweck haben kanan. 
Auch stimmt damit das gemeinste Urtheil der gesun⸗ 
den Menschenvernunft vollkommen zusammen: naͤmlich 
daß der Mensch nur als moralisches Wesen ein Endzweck 
der Schoͤpfung seyn koͤnne , wenn man die Beurtheilung 
nur auf diese Frage leitet und veranlaßt fie zu versuches. 
Was hilfts, wird man sagen, daß dieser Mensch so viel 
Talent hat, daß er damit sogar sehr th aͤtig ist und da⸗ 
durch einen nuͤtzlichen Einfluß aufs gemeine Wesen aus⸗ 
uͤbt, und also in Verhaͤltnis, so wohl auf seine Gluͤcks⸗ 
umstaͤnde, als auch auf anderer Nutzen, einen großen 
Werth hat, wenn er keinen guten Willen besitzt? Er ist 
ein verachtungswuͤrdiges Object, wenn man ihn nach 
Cc4
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        408 IIL Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
seinem Innern betrachtet „und, wenn die Schoͤpfung 
nicht uͤberall ohne Endzweck seyn soll „so muß er, der, 
als Mensch, auch dazu gehoͤrt doch als boͤser Mensch, 
in einer Welt unter moralischen Gesetzen diesen gemaͤs, 
seines subjectiven Zwecks (der Gluͤckseeligkeit) verlustig 
gehen, als der einzigen Bedingung unter der seine 
Eristenz mit dem Endzwecke zusammen bestehen kann. 
Wenn wir nun in der Welt Zweckanordnungen an⸗ 
tressen, und, wie es die Vernunft unvermeidlich fordert, 
die Zwecke, die es nur bedingt sind, einem unbedingten 
obersten, d. i. einem Endzwecke, unterordnen: so sieht 
man erstlich leicht, daß alsdenn nicht von einem Zwecke 
der Natur, (innerhalb derselben) sofern sie existirt, son⸗ 
dern von dem Zwecke ihrer Existenz mit allen ihren Ein⸗ 
richtungen, mithin dem letzten Zwecke der Schoͤ⸗ 
pfung die Rede sey, und in diesem anch eigentlich von 
der obersten Bedingung , unter der allein ein Endzweck 
(d. i. der Bestimmungsgrund eines hoͤchsten Verstan⸗ 
des zu Hervorbringung der Weltwesen) statt finden kann. 
Da wir nun den Menschen, nur als moralisches 
Wesen, fuͤr den Zweck der Schoͤpfung anerkennen: so 
haben wir erstlich einen Grund, wenigstens die Haupt⸗ 
bedingung, die Welt als ein nach Zwecken zusammen⸗ 
hangendes Ganzes und als System von Endursachen 
anzusehen, vornehmlich aber fuͤr die, nach der Beschaf⸗ 
fenheit unserer Vernunft , uns nothwendige Beziehung 
der Naturzwecke auf eine verstaͤndige Weltursache 
I.J Ceit 
ein Peincih 
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ce, u denke 
nen, welche 
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uß die Haupt⸗ 
ken zusammen 
9 
—XRC 
ch der Heshuß 
ode Hezehun 
Detutsht 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 409 
ein Princip die Natur und Eigenschaften dieser er⸗ 
sten Ursache, als obersten Grundes im Reiche der Zwe— 
cke, zu denken und so den Begrif derselben zu bestim⸗ 
men, welches die physische Teleologie nicht vermochte, 
die nur unbestimmte nnd eben darum „zum Theoretischen 
so wohl, als practischen Gebrauche, untaugliche Be— 
griffe von demselben veranlassen konnte. 
Aus diesem so bestimmten Princip der Caussalitaͤt 
des Urwesens werden wir es nicht blos als Intelligenz 
und gesetzgebend fuͤr die Natur, sondern auch als gesetz⸗ 
gebendes Oberhaupt in einem moralischen Reiche der 
Zwecke, denken muͤssen. In Beziehung auf das hoͤchste 
unter seiner Herrschaft allein moͤgliche Gut, naͤmlich 
die Existenz vernuͤnftiger Wesen unter moralischen. Ge⸗ 
sehen, werden wir uns dieses Urwesen als allwissend 
denken, damit selbst das Innerste der Gesinnungen, 
(welches den eigentlichen moralischen Werth der Hand⸗ 
lungen vernuͤnftiger Weltwesen ausmacht) ihm nicht 
verborgen sey, als allmaͤchtig, damit er die ganze 
Natur diesem hoͤchsten Zwecke angemessen machen koͤnne, 
als allguͤtig und zugleich gerecht, weil diese beyde 
Eigenschaften (vereinigt, die Weisheit) die Bedingun⸗ 
gen der Caussalitaͤt einer obersten Ursache der Welt als 
hoͤchsten Guts, unter moralischen Gesetzen, ausmachen, 
und so auch alle uͤbrige transscendentale Eigenschaften, 
als Ewigkeit, Allgegenwart u. s. w., die in Bezie— 
hung auf einen solchen Endzweck vorausgesetzt werden, 
Cc5
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        410 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
an demselben denken muͤssen. — Auf solche Weise ergaͤnzt 
die moralische Teleologie den Mangel der physi⸗ 
schen, und gruͤndet allererst eine Theologie ;da 
die letztere, wenn sie nicht unbemerkt aus der erste⸗ 
ren borgete, sondern consequent verfahren sollte, fuͤr 
sich allein nichts als eine Daͤmonologie, welche kei⸗ 
nes bestimmten Begrifs faͤhig ist, begruͤnden koͤnnte. * 
Aber das Princip der Beziehung der Welt „, wegen 
der moralischen Zweckbestimmung gewisser Wesen in der⸗ 
selben, auf eine oberste Ursache, als Gottheit, thut die⸗ 
ses nicht blos dadurch, daß es den physisch⸗ teleologi⸗ 
schen Beweisgrund ergaͤnzt, und also diesen nothwendig 
zum Grunde legt , sondern es ist dazu auch fuͤr sich hin— 
reichend und treibt die Aufmerksamkeit auf die Zwecke 
der Natur und die Nachforschung der hinter ihren For⸗ 
men verborgen liegenden unbegreiflich großen Kunst, um 
den Ideen die die reine practische Vernunft herbeyschafft, 
an den Naturzwecken beylaͤufige Bestaͤtigung zu geben. 
Denn der Begrif von Weltwesen unter moralischen Ge— 
setzen ist ein Princip a priori, wornach sich der Mensch 
nothwendig beurtheilen muß. Daß ferner, wenn es 
aͤberall eine absichtlich wirkende und auf einen Zweck ge⸗ 
richtete Weltursache giebt, jenes moralische Verhaͤltnis 
eben so nothwendig die Bedingung der Moͤglichkeit einer 
Schoͤpfung seyn muͤsse als das nach physischen Gesetzen: 
wenn naͤmlich jene verstaͤndige Ursache auch einen End⸗ 
zweck hat, sieht die Vernunft, auch a priori, als einen 
—— 
kͤse ur teleol 
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hur darauf an 
lez sey die si 
Htund haben 
hesache einen 
dieser, nach 
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ohne solche 
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— 
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        J Uhin, 
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lhhie, uilhe hy 
—D 
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tauf die —T— 
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ich du Nosh 
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awen zwech ge 
che Verhaͤlttis 
Nalichkeit liner 
ischen Esehen 
ych einen byy⸗ 
oti. ciset 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 411 
fuͤr sie zur teleologischen Beurtheilung der Existenz der 
Dinge nothwendigen Grundsatz an. Nun kommt es 
nur darauf an; ob wir irgend einen fuͤr die Vernunft 
(es sey die speculative oder practische) hinreichenden 
Grund haben, der nach Zwecken handelnden obersten 
Ursache einen Endzweck beyzulegen. Denn daß alsdann 
dieser, nach der subjectiven Beschaffenheit unserer Ver⸗ 
nunft und selbst wie wir uns auch die Vernunft anderer 
Wesen nur immer denken moͤgen, kein anderer als der 
Mensch unter moralischen Gesetzen seyn koͤnne, kann 
a priori fuͤr uns als gewis gelten, da hingegen die Zwe— 
cke der Natur in der physischen Ordnung a priori gar 
nicht koͤnnen erkannt, vornehmlich, daß eine Natur 
ohne solche nicht existiren koͤnne auf keine Weise einge⸗ 
sehen werden kann. 
Anmerkung. 
Setzet einen Menschen in den Augenblicken der Stim⸗ 
mung fseines Gemuͤths zur moralischen Empsindung. Wenn 
er sich, umgeben von einer schoͤnen Natur , in einem ruhi⸗ 
gen heitern Genusse seines Daseyns befindet, so fuͤhlt er in 
sich ein Beduͤrfnis irgend jemand dafuͤr dankbar zu seyn. 
Oder er sehe sich einandermal in derselben Gemuͤthsverfas— 
sung im Gedraͤnge von Pflichten, denen er nur durch frey⸗ 
willige Aufopferung Gnuͤge leisten kann und will; so fuͤhlt 
er in sich ein Beduͤrfnis, hiemit zugleich etwas Befohlenes 
ausgerichtet und einem Oberherren gehorcht zu haben: Oder 
er habe sich etwa unbedachtsamer Weise wider seine Pflicht 
vergangen, wodurch er doch eben nicht Menschen verantwort⸗
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        412 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
lich geworden ist, so werden die strenge Selbstverweise den— 
noch eine Sprache in ihm fuͤhren, als ob sie die Stimme ei— 
nes Richters waͤren, dem er daruͤber Rechenschaft abzulegen 
hatte. Mit einem Worte, er bedarf einer moralischen In— 
telligenz um fuͤr den Zweck dazu er existirt ein Wesen zu ha⸗ 
ben, welches darnach von ihm und der Welt die Ursache sey. 
Triebfedern hinter diesen Gefuͤhlen herauszukuͤnsteln ist ver⸗ 
geblich; denn sie haͤngen unmittelbar mit der reinsten mora⸗ 
lischen Gestnung zusammen, weil Dankbarkeit, Gehor— 
sam und Demuͤthigung (Unterwerfung unter verdiente 
Zuͤchtigung) besondere Gemuͤthsbestimmungen zur Pflicht 
find, und das zu Erweiterung seiner moralischen Gesinnung 
geneigte Gemuͤth hier sich nur einen Gegenstand freywillig 
denkt, der nicht in der Welt ist, um, wo moͤglich, auch 
gegen einen solchen seine Pflicht zu beweisen. Es ist also we⸗ 
nigstens moͤglich und auch der Grund dazu in moralischer 
Denkungsart gelegen, ein reines moralisches Beduͤrfnis der 
Existenz eines Wesens, unter welchem entweder unsere Sitt— 
lichkeit mehr Staͤrke oder auch (wenigstens unserer Vorstel⸗ 
lungsart nach) mehr Umfang, naͤmlich einen neuen Gegen— 
stand fuͤr ihre Ausuͤbung gewinne, d. i. ein moralisch/ gesetz— 
gebendes Wesen außer der Welt, ohne alle Ruͤcksicht auf 
theoretischen Beweis, noch weniger auf selbstsuͤchtiges In⸗ 
teresse, aus reinem moralischen, von allem fremden Ein— 
flusse freyen (dabey freylich nur subjectiven) Grunde, an⸗ 
zunehmen, auf bloße Anpreisung einer fuͤr sich allein gesetz⸗ 
gebenden reinen practischen Vernunft. Und, ob gleich eine 
solche Stimmung des Gemuͤths selten vorkaͤme, oder auch 
nicht lange haftete, sondern fluͤchtig und ohne dauernde Wir— 
kung, oder auch ohne einiges Nachdenken uͤber den in einem 
solchen Schattenbilde vorgestellten Gegenstand und ohne Be⸗ 
muͤhung ihn unter deutliche Begriffe zu bringen, voruͤber 
Il dh biitl 
guge soit doch! 
— 
hrer zwedmoͤßigl 
sndern ihr eine 
—X 
Voyn noch kom 
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(wennes eine! 
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de unsreOn 
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beucn Gegen⸗ 
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huchct uuf 
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Geunde, au 
dallein geseh⸗ 
eh geich eir 
wen che auh 
auetnde Viu 
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en, oruhet 
Il 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilekraft. 413 
ginge: so ist doch der Grund dazu, die moralische Anlage in 
uns, als subjectives Princip sich in der Weltbetrachtung mit 
ihrer Zweckmaͤßigkeit durch Naturursachen nicht zu begnuͤgen, 
sondern ihr eine oberste nach moralischen Principien die Na⸗ 
tur beherrschende Ursache unterzulegen, unverkennbar. — 
Wozu noch kommt, daß wir, nach einem allgemeinen hoͤch⸗ 
sten Zwecke zu streben, uns durch das moralische Gesetz ge— 
drungen, uns aber doch und die gesammte Natur ihn zu er⸗ 
reichen unvermoͤgend fuͤhlen, daß wir, nur sofern wir dar— 
nach streben, dem Endzwecke einer verstaͤndigen Weltursache 
(wenn es eine solche gaͤbe) gemaͤß zu seyn urtheilen duͤrfen; 
und so ist ein reiner moralischer Grund der practischen Ver— 
nunft vorhanden diese Ursache, (da es ohne Widerspruch ge⸗ 
schehen kann) anzunehmen, wo nicht mehr, doch damit wir 
jene Bestrebung nicht fuͤr ganz eitel anzusehen und dadurch sie 
ermatten zu lassen Gefahr laufen. 
Mit allem soll hier nur so viel gesagt werden: daß die 
Furcht zwar zuerst Goͤtter Daͤmonen), aber die Ver— 
nunft, vermittelst ihrer moralischen Principien, zuerst den 
—A auch selbst, 
wenn man in der Teleologie der Natur, wie gemeiniglich, 
sehr unwissend, oder auch, wegen der Schwierigkeit, die 
einander hierin widersprechende Erscheinungen durch ein 
gnugsam bewaͤhrtes Prinecip auszugleichen , sehr zweifelhaft 
war) und daß die innere moralische Zweckbestimmung sei⸗ 
nes Daseyns das ergaͤnzte, was der Naturkenntnis abging, 
indem sie naͤm'ich anwies, zu dem Endzwecke vom Daseyn 
aller Dinge, dazu das Princip nicht anders, als ethisch, 
der Vernunft gnugthuend ist, die oberste Ursache mit Eigen— 
schaften, womit sie die ganze Natur jener einzigen Absicht, 
(zu der diese blos Werkzeug ist) zu unterwerfen vermoͤgend 
ist, (d. i. als eine Gottheit) zu denkeen.
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        414 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
§. 87. 
Von den moralischen Beweise des Daseyns 
Gottes. 
Es giebt eine physische Theologie, welche ei— 
nen fuͤr unsere theoretisch reslectirende Urtheilskraft hin— 
reichenden Beweisgrund an die Hand giebt, das Da⸗ 
seyn einer verstaͤndigen Weltursache anzunehmen. Wir 
finden aber in uns selbst und, noch mehr in dem Be⸗ 
griffe eines vernuͤnftigen mit Freyheit (seiner Caussa⸗ 
litaͤt) begaͤbten Wesens uͤberhaupt , auch eine morali⸗ 
sche Teleologie, die aber, weil die Zweckbeziehung 
in uns selbst a priori, samt dem Gesetze derselben , be⸗ 
stimmt, mithin als nothwendig erkannt werden kann, 
zu diesem Behuf keiner verstaͤndigen Ursache ausser uns 
fuͤr diese innere Gesetzmaͤßigkeit bedarf, so wenig, als 
wir bey dem, was wir in den geometrischen Eigenschaf⸗ 
ten der Figuren (fuͤr allerley moͤgliche Kunstausuͤbung) 
zweckmaͤßiges finden, auf einen ihnen dieses ertheilen⸗ 
den hoͤchsten Verstand hinaus sehen duͤrfen. Aber diese 
moralische Teleologie betrift doch uns, als Weltwesen 
und also mit andern Dingen in der Welt verbundene 
Wesen, auf welche letztere, entweder als Zwecke oder 
uns selbst in Ansehung ihrer als Endzweck, unsere 
Beurtheilung zu richten, eben dieselbe moralische Gesetze 
uns zur Vorschrift machen. Von dieser moralischen Te⸗ 
leologie nun, welche die Beziehung unserer eigenen 
I. Ciiik 
luusalitaͤt auf 
der von uns in 
Zeichen der weü 
IX 
suͤsrung, (woz 
Keben kann)e 
se unsere vert 
Velt hinaus 
Natur auf da 
stes srintipz 
hung auf die 
— 
dolglich gieht 
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nehr in —V 
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uth einehorqh— 
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— — 
berden kunh, 
ache auser inß 
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xn kigenshas⸗ 
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ns erthelbn⸗ 
u. Wit dit 
z Veltwesen 
el derbundene 
gZwecke oder 
yweck, unsere 
rausche Gesest 
noralschen Ve 
der age 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilsaft. 415 
Caussalitaͤt auf Zwecke und sogar auf einen Endzweck, 
der von uns in der Welt beabsichtigt werden muß, im— 
gleichen der wechselseitigen Beziehung der Welt auf jenen 
sittlichen Zweck und die aͤußere Moͤglichkeit seiner Aus— 
fuͤhrung, (wozu keine physische Teleologie uns Anleitung 
geben kann) geht nun die nothwendige Frage aus: ob 
sie unsere vernuͤnftige Beurtheilung noͤthige, aͤber die 
Welt hinaus zu gehen, und, zu jener Beziehung der 
Natur auf das Sittliche in uns ein verstaͤndiges ober⸗ 
stes Princip zu suchen, um die Ratur auch in Bezie⸗ 
hung auf die moralische innere Gesetzgebung und deren 
moͤgliche Ausfuͤhrung, uns als zweckmaͤßig vorzustellen. 
Folglich giebt es allerdings eine moralische Teleologie, 
und diese haͤngt mit der Nomothetick der Freyheit ei⸗ 
nerseits, und der der Natur andererseits, eben so noth⸗ 
wendig zusammen, als buͤrgerliche Gesetzgebung mit der 
Frage, wo man die executive Gewalt suchen soll „und 
aͤberhaupt in allem, worin die Vernunft ein Princip der 
Wirklichkeit einer gewissen gesetzmaͤßigen, nur nach 
Ideen moͤglichen Ordnung der Dinge angeben soll, zu⸗ 
sammenhaͤngt. — Wir wollen den Fortschritt der Ver⸗ 
nunft von jener moralischen Teleologie und ihrer Be— 
ziehung auf die physische, zur Theologie allererst vor⸗ 
tragen und nachher uͤber die Moͤglichkeit und Buͤndig⸗ 
keit dieser Schlusart Betrachtungen anstellen. 
Wenn man das Daseyn gewisser Dinge (oder auch 
nur gewisser Formen der Dinge) als zufaͤllig, mithin
        <pb n="478" />
        416 II. Th. Critik der teleologischen Urtheiskraft. 
nur durch etwas Anderes, als Ursache, moͤglich an⸗ 
nimmt: so kann man zu dieser Caussalitaͤt der obersten 
und also zu dem bedingten den unbedingten Grund ent⸗ 
weder in der physischen, oder teleologischen Ordnung 
suchen Cnach dem nexu essecivo oder sfinali) d. i. man 
kann fragen: welches ist die oberste hervorbringende Ur⸗ 
sache, oder was ist der oberste (schlechthin unbedingte) 
Zweck derselben d. i. der Endzweck ihrer Hervorbringung 
dieser oder aller ihrer Producte aͤberhaupt? Wobey dann 
freylich vorausgesetzt wird, daß diese Ursache einer Vor⸗ 
stellung der Zwecke faͤhig, mithin ein verstaͤndiges We⸗ 
sen sey, oder wenigstens von uns als nach den Gesetzen 
eines solchen Wesens handelnd vorgestellt werden muͤsse. 
Nun ist, wenn man der letztern Ordnung nachgeht, 
es ei Grundsatz, dem selbst die gemeinste Men— 
schenvernunft unmittelbar Beyfall zu geben genoͤthigt 
ist: daß, wenn uͤberall ein Endzweck, den die Ver—⸗ 
nunft a priori angeben muß, statt finden soll dieser kein 
anderer, als der Mensch (ein jedes vernuͤnftige 
Weltwesen) unter moralischen Gesetzen seyn koͤn— 
ne. *) Denn: (so urtheilt ein jeder) bestaͤnde die 
Welt 
2) Ich sage mit Fleiß: unter moralischen Gesetzen, nicht der 
Mensch nach moralischen Gesetzen, d. i. ein solcher, der 
sich ihnen genaͤs verhaͤlt, ist der Endzweck der Schoͤpfung. 
Denn mit dem letztern Ausdrucke wuͤrden wir mehr sagen, 
als wir wissen: naͤmlich daß es in der Gewalt eines Welt—⸗ 
ßrhebers stehe, zu machen, daß der Mensch den moralischen 
I.d Ceit 
Pelt auo lauten 
den, aher vert 
Geschen jed 
gif von dt 
allein eine 
cihe Einsi 
desen Ei 
Fteyheit 
weit het 
Mensche 
die Schtt 
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auch vol 
Veltlau⸗ 
die Syw 
wahrun 
Voͤsewi⸗ 
Strafe 
griffen 
verhalf⸗ 
dietung 
lasung, 
sehen het 
— 
der lezt 
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— 
Worder 
oder 
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lachuat 
Vorah 
sache 
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        en heft 
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er üu) di hun 
wothintme sre 
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den Gesehen 
Werden moͤs 
dunq — 
emeinfe Nu 
om geuitsit 
en die NYa—⸗ 
dieser keit 
—X 
N seyn ko 
deßaͤnde die 
Voel 
oeh, hicht de 
— 
yt Echöpfun 
tneht sugen 
t einez Pelt 
ol DoQaihel 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 417 
Welt aus lauter leblosen, oder zum Theil zwar aus leben⸗ 
den, aber vernunftlosen Wesen, so werde das Daseyn 
Gesetzen jederzeit sich angemessen verhaͤlt, welches einen Be⸗ 
grif von Freyheit und der Natur (von welcher letztern man 
allein einen aͤußern Urheber denken kann) voraussetzt, der 
eine Einsicht in das uͤbersinnliche Substrat der Natur, und 
dessen Einerleyheit, mit dem was die Caussalitaͤt durch 
Freyheit in der Welt moͤglich macht, enthalten mußte, die 
weit uͤber unsere Vernunfteinsicht hinausgeht. Nur vom 
Menschen unter moralischen Gesetzen koͤnnen wir, ohne 
die Schranken unserer Einsicht zu uͤberschreiten sagen: sein 
Daseyn mache der Welt Endiweck aus. Dieses stimmt 
auch vollkommen mit dem Urtheile der moralisch uͤber den 
Weltlauf refleetirenden Menschenvernunft. Wir glauben 
die Spuhren einer weisen Zweckbeziehung auch am Boͤsen 
wahrzunehmen, wenn wir nur sehen, daß der frevelhalfte 
Boͤsewicht nicht eher stirbt, als bis er die wohlverschuldete 
Strafe seiner Unthaten erlitten hat. Nach unseren Be— 
griffen von freyer Caussalitaͤt beruht das Wohl⸗ oder Uebel— 
verhalten auf uns; die hoͤchste Weisheit aber der Weltre— 
gierung setzen wir darinn, daß zu dem ersteren die Veran— 
lassung, fuͤr beydes aber der Erfolg nach moralischen Ge— 
setzen verhaͤngt sey. In dem letzteren besteht eigentlich die 
Ehre Gottes welche daher von Theologen nicht unschicklich 
der letzte Zweck der Schoͤpfung genanut wird. — Noch 
ist anzumerken, daß wir unter dem Wort Schoͤpfung, wenn 
wir uns dessen bedienen, nichts anders, als was hier gesagt 
wordeu ist, naͤmlich die Ursache vom Daseyu einer Welt, 
oder der Dinge in ihr (der Substanzen) verstehen; wie das 
auch der eigentliche Begrif dieses Worts mit sich bringt, 
(actuatio substantiae est creatio), welches mithin nicht schon die 
Voraussetzung einer freywirkenden, folglich verstaͤrdigen Ur— 
sache (deren Daseyn wir allererst beweisen wollen) bey 
sich fuͤhrt. 
Kants Crit. d. Urtheilskr. 
X 
3
        <pb n="480" />
        418 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
einer solchen Welt gar keinen Werth haben weil in ihr 
kein Wesen existirte was von einem Werthe den minde⸗ 
sten Begrif hat; waͤren dagegen auch vernuͤnftige We⸗ 
sen, deren Vernunft aber den Werth des Daseyns der 
Dinge nur im Verhaͤltnisse der Natur zu ihnen (ihrem 
Wohlbefinden) zu setzen, nicht aber sich einen solchen 
urspruͤnglich (in der Freyheit) selbst zu verschaffen im 
Stande waͤre „ so waͤren zwar (relative) Zwecke in der 
Welt, aber kein (absoluter) Endzweck; weil das Daseyn 
solcher vernuͤnftigen Wesen doch immer zwecklos seyn 
wuͤrde. Die moralische Gesetze aber siud von der eigen⸗ 
chuͤmlichen Beschaffenheit, daß sie etwas als Zweck ohne 
Bedingung, mithin gerade so, wie der Begrif eines End⸗ 
zwecks es bedarf, fuͤr die Vernunft vorschreiben, und die 
Existenz einer solchen Vernunft, die in der Zweckbezie⸗ 
hung ihr selbst das oberste Gesetz seyn kann, mit andern 
Worten die Existenz vernuͤnftiger Wesen unter morali⸗ 
schen Gesetzen, kann also allein als Endzweck vom Da⸗ 
seyn einer Welt gedacht werden. Ist dagegen dieses nicht 
so bewandt so liegt dem Daseyn derselben entweder gar 
kein Zweck in der Ursache, oder es liegen ihm Zwecke 
ohne Endzweck zum Grunde. 
Das moralische Gesetz, als formale Vernunftbedin⸗ 
gung des Gebrauchs unserer Freyheit, verbindet uns 
fuͤr sich allein, ohne von irgend einem Zwecke, als mate— 
rialer Bedingung, abzuhangen; aber es bestimmt uns 
doch auch, und zwar a priori einen Endzweck, welchem 
—ILCh. 
—— 
hoͤchste durch 
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lund nach« 
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Endzweck 
hoͤchste ind 
Endzweck 
keit, unter 
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Voͤrdigkei 
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Lussutit, 
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        u rhi 
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n dieses nicht 
rentweder gor 
n ihm Zwech 
Zerhunfthedin 
verdindet uhs 
cke, aß mate 
estimmt uhe 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 419 
nachzustreben es uns verbindlich macht und dieser ist das 
hoͤchste durch Freyheit moͤgliche Gut in der Welt. 
Die subjective Bedingung, unter welcher der Mensch 
(und nach allen unsern Begriffen auch jedes vernuͤnftige— 
endliche Wesen) sich, unter dem obigen Gesetze, einen 
Endzweck setzen kanu, ist die Gluͤckseeligkeit, folglich das 
hoͤchste in der Welt moͤgliche und, so viel an uns ist, als 
Endzweck zu befoͤrdernde physische Gut ist Gluͤckseelig⸗ 
keit, unter der objectiven Vedingung, der Einstimmung 
des Menschen mit dem Gesetze der Sittlichkeit, als der 
Wuͤrdigkeit gluͤcklich zu se(hnn. 
Diese zwey Erfordernisse des uns durch das morali⸗ 
sche Gesetz aufgegebenen Endzwecks koͤnnen wir aber, 
nach allen unsern Vernunftvermoͤgen , als durch bloße 
Naturursachen verknuͤpft und der Idee des gedachten 
Endzwecks angemessen, unmoͤglich uns vorstellen. Also 
stimmt der Begrif, von der practischen Nothwen⸗ 
digkeit eines solchen Zwecks durch die Anwendung un⸗ 
serer Kraͤfte, nicht mit dem theoretischen Begriffe, von 
der physischen Moͤglichkeit der Bewirkung desselben, 
zusammen, wenn wir mit unserer Freyheit keine andere 
Caussalitaͤt, (eines Mittels) als die der Natur ver⸗ 
knuͤpfen. 
Folglich muͤssen wir eine moralische Weltursache 
(einen Welturheber) annehmen, um uns, gemaͤs dem 
moralischen Gesetze, einen Endzweck vorzusetzen und, so 
weit als das letztere nothwendig ist, so weit (d. i. in 
Dd 2
        <pb n="482" />
        420 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
demselben Grade und aus demselben Grunde) ist auch 
das erstere nothwendig anzunehmen: naͤmlich es sey 
ein Gott. 
4 
— 
Dieser Beweis, dem man leicht die Form der logi⸗ 
schen Praͤciston anpassen kann, will nicht sagen: es ist 
eben so nothwendig das Daseyn Gottes anzunehmen, 
als die Guͤltigkeit des moralischen Gesetzes anzuerken⸗ 
nen, mithin der, welcher sich vom letztern nicht uͤber⸗ 
zeugen kann, koͤnne sich von den Verbindlichkeiten nach 
dem ersteren los zu seyn urtheilen. Nein! Nur die 
Beabsichtigung des durch die Befolgung des ersteren zu 
bewirkenden Endzwecks in der Welt (einer mit der Be⸗ 
folgung moralischer Gesetze harmonisch zusammentreffen⸗ 
der Gluͤckseeligkeit vernuͤnftiger Wesen, als das hoͤchste 
Weltbeste) muͤßte alsdenn aufgegeben werden. Ein je⸗ 
der Vernuͤnftige wuͤrde sich an der Vorschrift der Sitten 
immer noch als strenge gebunden erkennen muͤssen; den 
die Gesetze derselben sind formal und gebieten unbedingt, 
unangesehen aller Zwecke (als der Materie des Wollens). 
Aber das eine Erforderniß des Endzwecks, wie ihn die 
praktische Vernunft den Weltwesen vorschreibt, ist ein 
in sie durch ihre Natur (als endlicher Wesen) gelegter 
unwiderstehlicher Zweck, den die Vernunft nur dem 
moralischen Gesetze als unverletzlicher Bedingung 
unterworfen, oder auch nach demselben allgemein ge⸗ 
macht wissen will und so die Befoͤrderung der Gluͤcksee— 
IdMC 
hiteit, in Ei 
wwelle macht. 
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zurch das me 
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hͤllung der 
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Gittenwelt 
hogen, von 
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eingehidet, 
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ruͤdiher hlel 
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hehrende G 
J ez immer 
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ucht — aß 
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beheß — 
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xs Volens) 
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reiht, ist ein 
eesen) gelegter 
ust dur den 
bedingun 
Alemein ge⸗ 
Gluͤtser 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 421 
ligkeit, in Einstimmung mit der Sittltchkeit, zum End⸗ 
zwecke macht. Diesen nun, so viel (was die ersteren be⸗ 
trift) in unserem Vermoͤgen ist zu befoͤrdern, wird uns 
durch das moralische Gesetz geboten; der Ausschlag den 
diese Bemuͤhung hat,'mag seyn welcher er wolle, die Er⸗ 
fuͤllung der Pflicht besteht in der Form des ernstlichen 
Willens, nicht in den Mittelursachen des Gelingens. 
Gesetzt also: ein Mensch uͤberredete sich, theils 
durch die Schwaͤche aller so sehr gepriesenen speculati⸗ 
ven Argumente, theils durch manche in der Natur und 
Sittenwelt ihm vorkommende Unregelmaͤßigkeiten be⸗ 
wogen, von dem Satze es sey kein Gott; so wuͤrde 
er doch in seinen eigenen Augen ein Nichtswuͤrdiger 
seyn, wenn er darum die Gesetze der Pflicht fuͤr blos 
eingebildet, unguͤltig, unverbindlich halten und ohnge— 
scheut zu uͤbertreten beschließen wollte. Ein solcher 
wuͤrde auch alsdenn noch, wenn er sich in der Folge 
von dem was er anfangs bezweifelt hatte, uͤberzeugen 
koͤnnte, mit jener Denkungsart doch immer ein Nichts⸗ 
wuͤrdiger bleiben, ob er gleich seine Pflicht, aber aus 
Furcht , oder aus lohnsichtiger Absicht ohne pflicht⸗ 
verehrende Gesinnung, der Wirkung uach so puͤnktlich, 
wie es immer verlangt werden mag, erfuͤllte; und 
umgekehrt, wenn er sie als Glaͤubiger seinem Be⸗ 
wustseyn nach aufrichtig und uneigennuͤtzig befolgt 
und gleichwohl, so oft er zum Versuche den Fall setzt, 
er koͤnnte einmal uͤberzeuget werden, es sey kein Gott, 
Dd 3
        <pb n="484" />
        422 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
sich sogleich von aller sittlichen Verbindlichkeit frey 
glaubte, muͤßte es doch mit der innern moralischen 
Gesinnung in ihm nur schlecht bestellt seyn. — 
Wir koͤnnen also einen rechtschaffenen Mann an⸗ 
nehmen, der sich festiglich uͤberredet haͤlt: es sey kein 
Gott und (weil es in Ansehung des Objects der Mo⸗ 
ralitaͤt auf einerley Folge hinauslaͤuft) auch kein kuͤnf⸗ 
tiges Leben; wie wird er seine eigene innere Zweckbe⸗ 
stimmung durchs moralische Gesetz, welches er thaͤtig 
berehrt, beurtheilen? Er verlangt von Befolgung des— 
selben fuͤr sich keinen Vortheil, weder in dieser noch 
in einer andern Welt; uneigennuͤtzig will er vielmehr 
nur das Gute stiften, wozu jenes heilige Gesetz allen 
seinen Kraͤften die Richtung giebt. Aber sein Bestre⸗ 
ben ist begrenzt und von der Natur kann er zwar hin 
und wieder einen zufaͤlligen Beytritt, niemals aber eine 
gesetzmaͤßige und nach bestaͤndigen Regeln (so wie innerlich 
seine Maximen sind und seyn muͤssen) eintreffende Zusam⸗ 
menstimmung der Natur zu dem Zwecke erwarten wel⸗ 
chen zu bewirken er sich doch verbunden und angetrie⸗ 
ben fuͤhlt. Betrug, Gewaltthaͤtigkeit und Neid wer⸗ 
den immer um ihn im Schwange geheu, ob er gleich 
selbst redlich, friedfertig und wohlwollend ist und die 
Rechtschaffenen, die er ausser sich noch antrift, wer⸗ 
den, —X aller ihrer Wuͤrdigkeit gluͤcklich zu 
seyn, dennoch durch die Natur, die darauf nicht ach⸗ 
Il d Cei 
tet, alen lebe 
xes urzeitigen 
—A 
hio ein weiter 
vedlich das— 
die da glaub 
seyn, in den 
terie uruͤt 
zweck alsod 
moralischen ( 
muͤßte er aller 
XXE 
mung anhaͤn⸗ 
sttliche Geset 
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derun ann 
lwelches ohn 
—D 
belches er que 
betigsens ni 
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hu woralsh 
su nmachen, d 
—
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        l theilt 
rhicrrit i 
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fehen dan m 
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dhetz du qo 
) ulinth 
ünere zuech— 
velches er F 
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n deese teh 
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er sin heste 
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nalß aher eine 
wie innerlich 
—XRE 
cwarten / wel⸗ 
und angetrie 
id Ned wer⸗ 
oher gleih 
dist und die 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 423 
tet, allen Uebeln, des Mangels, der Krankheiten und 
des unzeitigen Todes, gleich den uͤbrigen Thieren der 
Erde, unterworfen seyn und es auch immer bleiben, 
bis ein weites Grab sie insgesammt (redlich oder un⸗ 
redlich das gilt hier gleich viel) verschlingt und sie, 
die da glauben konnten, Endzweck der Schoͤpfung zu 
seyn „ in den Schlund des zwecklosen Chaos der Ma⸗ 
terie zuruͤck wirft aus dem sie gezogen waren — Den 
Zweck also den dieser Wohlgesinnte in Befolgung der 
moralischen Gesetze vor Augen hatte und haben sollte, 
muͤßte er allerdings als unmoͤglich, aufgeben; oder will 
er auch hierin dem Rufe seiner sittlichen inneren Bestim⸗ 
mung anhaͤnglich bleiben und die Achtung, welche das 
sittliche Gesetz ihm unmittelbar zum gehorchen einfloͤßt, 
nicht durch die Nichtigkeit des einzigen ihrer hohen For⸗ 
derung angemessenen idealischen Endzwecks schwaͤchen, 
(welches ohne einen der moralischen Gesinnung wieder⸗ 
fahrenden Abbruch nicht geschehen kann) so muß er, 
welches er auch gar wohl thun kann, indem es an sich 
wenigstens nicht widersprechend ist, in practischer Ab⸗ 
sicht, d. i. um sich wenigstens von der Moͤglichkeit des 
ihm moralisch vorgeschriebenen Endzwecks einen Begrif 
zu machen, das Daseyn eines moralischen Weltur⸗ 
hebers, d. i. Gottes, annehmen. 
mntrift, her⸗ 
tduͤchich 
ficht ac 
25 4
        <pb n="486" />
        424 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
§. 88. 
Beschraͤnkung der Guͤltigkeit des moralischen 
Beweises. 
Die reine Vernunft, als practisches Vermoͤgen, 
d. i. als Vermoͤgen den freyen Gebrauch unserer Caussa⸗ 
litaͤt durch Ideen (reine Vernunftbegriffe) zu bestimmen, 
enthaͤlt nicht allein im moralischen Gesehe ein regula⸗ 
tives Princip unserer Handlungen sondern giebt auch 
dadurch zugleich ein subjectiv⸗ constitutives , in dem 
Begriffe eines Obiects welches nur Vernunft denken 
kann, an die Hand, das durch unsere Handlungen 
in der Welt nach jenem Gesetze wirklich gemacht wer— 
den soll. Die Idee eines Endzwecks im Gebrauche 
der Freyheit nach moralischen Gesetzen hat also sub⸗ 
jectiv⸗ practische Realitaͤt. Wir sind a priori durch 
die Vernunft bestimmt das Weltbeste, welches in der 
Verbindung des groͤßten Wohls der vernuͤnftigen Welt— 
wesen mit der hoͤchsten Bedingung des Guten an 
demselben, d. i. der allgemeinen Gluͤckseeligkeit mit 
der gesetzmaͤßigsten Sittlichkeit, besteht, nach allen 
Kraͤften zu befoͤrdern. In diesem Endzwecke ist die 
Moͤglichkeit des einen Theils, naͤmlich der Gluͤckseligkeit 
empirisch bedingt, d. i. von der Beschaffenheit der Na⸗ 
tur, (ob sie zu diesem Zwecke uͤbereinstimme oder nicht) 
abhaͤngig und in theoretischer Ruͤcksicht problematisch, 
indessen daß der andere Theil, naͤmlich die Sittlichkeit, 
Idbet 
in Ansehun⸗ 
sund, seiner 
matisch gewi 
aso des Ye 
wesen wird 
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noch alhen 
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guͤcseligtet 
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dder tich) 
rohlematishh 
— 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 425 
in Ansehung deren wir von der Naturmitwirkung frey 
sind, seiner Moͤglichkeit nach a priori fest steht und dog⸗ 
matisch gewiß ist. Zur obiectiven theoretischen Realitaͤt 
also des Begrifs von dem Endzwecke vernuͤnftiger Welt⸗ 
wesen wird erfordert, daß nicht allein wir einen uns 
a priori vorgesetzten Endzweck haben, sondern daß auch 
die Schoͤpfung „d. i. die Welt selbst ihrer Existenz 
nach einen Endzweck habe, welches, wenn es 
a priori bewiesen werden koͤnnte, zur subjektiven Rea⸗ 
litaͤt des Endzwecks die objektive hinzuthun wuͤrde. 
Denn, hat die Schoͤpfung uͤberall einen Endzweck, so 
koͤnnen wir ihn nicht anders denken, als so, daß er mit 
dem moralischen (der allein den Begrif von einem Zwecke 
moͤglich macht) uͤbereinstimmen muͤsse. Nun finden wir 
aber in der Welt zwar Zwecke und die physische Teleolo— 
gie stellt sie in solchem Maaße dar, daß, wenn wir der 
Vernunft gemaͤs urtheilen, wir zum Princip der Nach⸗ 
forschung der Natur zuletzt anzunehmen Grund haben, 
daß in der Natur gar nichts ohne Zweck sey; allein den 
Endzweck der Natur suchen wir in ihr selbst vergeblich. 
Dieser kann und muß daher, so wie die Idee davon nur 
in der Vernunft liegt, selbst seiner objectiven Moͤglich⸗ 
keit nach, nur in vernuͤnftigen Wesen gesucht werden. 
Die praktische Vernunft der letzteren aber giebt diesen 
Endzweck nicht allein an, sondern bestimmt auch diesen 
Begrif in Ansehung der Bedingungen, unter denen ein 
Dd5
        <pb n="488" />
        426 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Endzweck der Schoͤpfung allein von uns gedacht werden 
kann. 
Es ist nun die Frage: ob die objektive Realitaͤt des 
Begrifs von einem Endzweck der Schoͤpfung nicht auch 
fuͤr die theoretische Forderungen der reinen Vernunft hin⸗ 
reichend, wenn gleich nicht apodictisch, fuͤr die bestim⸗ 
mende, doch hinreichend fuͤr die Maximen der theoretisch⸗ 
reflectirenden Urtheilskraft koͤnne dargethan werden. 
Dieses ist das mindeste, was man der speculativen Phi— 
losophie ansinnen kann, die den sittlichen Zweck mit den 
Naturzwecken vermittelst der Idee eines einzigen Zwecks 
zu verbinden sich anheischig macht; aber auch dieses We⸗ 
nige ist doch weit mehr, als sie je zu leisten vermag. 
Nach dem Princip der theoretisch-reflectirenden Ur⸗ 
theilskraft wuͤrden wir sagen: Wenn wir Grund haben, 
zu den zweckmaͤßigen Producten der Natur eine oberste 
Arsache der Natur anzunehmen, deren Caussalitaͤt in An⸗ 
sehung der Wirklichkeit der letzteren (die Schoͤpfung) von 
anderer Art, als der zum Mechanism der Natur erfor— 
derlich ist naͤmlich als die eines Verstandes gedacht wer⸗ 
den mußte: so werden wir auch an diesem Urwesen nicht 
blos allenthalben in der Natur Zwecke, sondern auch ei⸗ 
nen Endzweck zu —WAI 
wenn gleich nicht um das Daseyn eines solchen Wesens 
darzuthun, doch wenigstens (so wie es in der physischen 
Teleologie geschah) uns zu uͤberzeugen, daß wir die 
Moͤglichkeit einer solchen Welt nicht blos nach Zwecken, 
—II.. C 
sondern auch 
kudzweck unte 
Allein Er 
shen Vernun 
rung zu theon 
noch auf Erk 
kein Gehrauc 
uͤr die prakt 
der Endzweck 
der Velt, di 
süumt angeb. 
tenen hrakti 
üish seyn sol 
das moralisch 
legt in prakth 
— N 
NMoldteh 
— 
kehenden Vedit 
imoͤhlich seyn 
lnüsinnt 
tulschen Geund 
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lihen —T 
syn lines morn 
anen kid w⸗
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        — 
kdacht Herd 
ktihe —T— J 
ang ticht —P 
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das de —F 
nen — 
qethan herdn. 
— 
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auch diesez Ye 
en bermog. 
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hrund haben 
Ir eine oherste 
dalltaͤt in In⸗ 
obfung) von 
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zodahht wer⸗ 
lrwesen hicht 
X 
grund hahen, 
cen Vesens 
er physschen 
uß wir die 
weln 
9 
11.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 427 
sondern auch nur dadurch daß wir ihrer Existenz einen 
Endzweck unterlegen , uns begreiflich machen koͤnnen. 
Allein Endzweck ist blos ein Begrif unserer prakti⸗ 
schen Vernunft und kann aus keinen Datis der Erfah⸗ 
rung zu theoretischer Beurtheilung der Natur gefolgert, 
noch auf Erkenntnis derselben bezogen werden. Es ist 
kein Gebrauch von diesem Begriffe moͤglich als lediglich 
fuͤr die praktische Vernunft nach moralischen Gesetzen, und 
der Endzweck der Schoͤpfung ist diejenige Beschaffenheit 
der Welt , die zu dem was wir allein nach Gesetzen be⸗ 
stimmt angeben koͤnnen, naͤmlich dem Endzwecke unserer 
reinen praktischen Vernunft, und zwar so fern sie prak⸗ 
tisch seyn soll, uͤbereinstimmt. — Nun haben wir durch 
das moralische Gesetz welches uns diesen letztern aufer⸗ 
legt in praktischer Absicht, naͤmlich um unsere Kraͤfte zur 
Bewirkung desselben anzuwenden, einen Grund, die 
Moͤglichkeit, Ausfuͤhrbarkeit desselben, mithin auch, (weil 
ohne Beytritt der Natur zu einer in unserer Gewalt nicht 
stehenden Bedingung derselben , die Bewirkung desselben 
unmoͤglich seyn wuͤrde) eine Natur der Dinge, die dazu 
uͤbereinstimmt, anzunehmen. Also haben wir einen mo⸗ 
ralischen Grund uns an einer Welt auch einen Endzweck 
der Schoͤpfung zu denken. 
Dieses ist nun noch nicht der Schlus von der mora⸗ 
lischen Teleologie auf eine Theologie, d. i. auf das Da⸗ 
seyn eines moralischen Welturhebers, sondern nur auf 
tinen Endzweck der Schoͤpfung der auf diese Art bestimmt
        <pb n="490" />
        428 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskrast. 
wird. Daß nun zu dieser Schoͤpfung d. i. der Existenz 
der Dinge, gemaͤs einem Endzwecke, erstlich ein ver⸗ 
staͤndiges aber zweytens nicht blos (wie zu der Moͤglich⸗ 
keit der Dinge der Natur die wir als Zwecke zu beur⸗ 
theilen genoͤthiget waren) ein verstaͤndiges, sondern ein 
zugleich moralisches Wesen, als Welturheber, mit⸗ 
hin ein Gott angenommen werden mußte, ist ein zwey⸗ 
ter Schlus, welcher so beschaffen ist, daß man sieht er 
sey blos fuͤr die Urtheilskraft, nach Begriffen der prak⸗ 
tischen Vernunft, und, als ein solcher, fuͤr die reflekti⸗ 
rende, nicht die bestimmende, Urtheilskraft gefaͤllet. 
Denn wir koͤnnen uns nicht anmaaßen einzusehen: daß, 
obzwar in uns die moralisch ⸗praktische Vernunft von 
der technisch- praktischen ihren Principien nach wesent⸗ 
lich unterschieden ist, in der obersten Weltursache, wenn 
sie als Intelligenz angenommen wird, es auch so seyn 
mußte und eine besondere und verschiedene Art der Caussa⸗ 
litaͤt derselben zum Endzwecke, als blos zu Zwecken der 
Natur, erforderlich sey, mithin wir an unserm End—⸗ 
zweck nicht blos einen moralischen Grund haben ei— 
—D 
auch ein moralisches Wesen als Urgrund der Schoͤ⸗ 
pfung, anzunehmen. Wohl aber koͤnnen wir sagen: 
daß, nach der Beschaffenheit unseres Ver— 
nunft vermoͤgens, wir uns die Moͤglichkeit einer solchen 
auf das moralische Gesetz und dessen Object bezo⸗ 
yne zwechnaßi 
ziten Velturhel 
Joeggeher ist, 
Die Wirt 
phenden Urhe! 
shen Gebrat 
shan, ohnen 
has theoretisch 
Moͤslchkeit ib 
huch ihre ig 
hee, wodurch 
—8 
bon der Welt 
reichend) weg 
dadurch pract 
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helzkrast hew 
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uach wesest 
Asache, hemn 
auch so syn 
lder Causq⸗ 
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nserm End⸗ 
nd heben ei⸗ 
uq) sondern 
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out sagen: 
rez Ver⸗ 
9 
cher solchen 
Metct hezo⸗ 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 429 
gene Zweckmaͤßigkeit, als in diesem Endzwecke ist, ohne 
einen Welturheber und Regierer, der zugleich moralischer 
Gesetzgeber ist, gar nicht begreiflich machen koͤnnen. 
Die Wirklichkeit eines hoͤchsten moralisch⸗ gesetz⸗ 
gebenden Urhebers ist also blos fuͤr den prakti— 
schen Gebrauch unserer Vernunft hinreichend dar⸗ 
gethan, ohne in Ansehung des Daseyns desselben et⸗ 
was theoretisch zu bestimmen, denn diese bedarf zur 
Moͤglichkeit ihres Zwecks „, der uns auch ohne das 
durch ihre eigene Gesetzgebung aufgegeben ist, einer 
Idee, wodurch das Hindernis, aus dem Unvermoͤgen 
ihrer Befolgung nach dem bloßen Naturbegriffe 
von der Welt (fuͤr die reflectirende Urtheilskraft hin— 
reichend) weggeraͤumt wird und diese Idee bekommt 
dadurch practische Realitaͤt ,wenn ihr gleich alle Mit⸗ 
tel ihr eine solche in theoretischer Absicht, zur Erklaͤ⸗ 
rung der Natur und Bestimmung der obersten Ursa— 
che zu verschaffen, fuͤr das speculative Erkenntniß 
gaͤnzlich abgehen. Fuͤr die theoretisch reflectirende Ur⸗ 
theilskraft bewies die physische Teleologie aus den 
Zwecken der Natur hinreichend eine verstaͤndige Welt⸗ 
ursache: fuͤr die practische bewirkt dieses die morali— 
sche durch den Begrif eines Endzwecks, den sie in 
practischer Absicht der Schoͤpfung beyzulegen genoͤthi⸗ 
get ist. Die objective Realitaͤt der Idee von Gott, 
als moralischen Welturhebers, kann nun zwar nicht 
durch physische Zwecke allein dargethan werden;
        <pb n="492" />
        430 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
gleichwohl aber, wenn ihr Erkenntnis mit dem des 
moralischen verbunden wird sind jene vermoͤge der 
Maxime der reinen Vernunft, Einheit der Principien, 
so viel sich thun laͤßt, zu befolgen, von großer Be⸗ 
deutung, um der practischen Realitaͤt jener Idee, 
durch die, welche sie in theoretischer Absicht fuͤr die 
Urtheilskraft bereit hat, zu Huͤlfe zu kommen. 
Hiebey ist nun, zu Verhuͤtung eines leicht eintre⸗ 
tenden Misverstaͤndnisses, hoͤchst noͤthig anzumerken: 
daß wir erstlich diese Eigenschaften des hoͤchsten Wesens 
nur nach der Analogie denken koͤnnen. Denn wie 
wollten wir seine Natur, davon uns die Erfahrung 
nichts aͤhnliches zeigen kann, erforschen? Zweytens, 
daß wir es durch dasselbe auch nur denken nicht dar⸗ 
nach erkennen und sie ihm etwa theoretisch beylegen 
koͤnnen; denn das waͤre fuͤr die bestimmte Urtheilskraft 
in speculativer Absicht unserer Vernunft, um, was 
die oberste Weltursache an sich sey einzusehen. Hier 
aber ist es nur darum zu thun, welchen Begrif wir 
uns, nach der Beschaffenheit unserer Erkenntnisver— 
moͤgen, von demselben zu machen und ob wir seine 
Existenz anzunehmen haben um einem Zwecke, den 
uns reine practische Vernunft, ohne alle solche Vor⸗ 
aussetzung, a priori nach allen Kraͤften zu bewirken 
auferlegt, gleichfalls nur practische Realitaͤt zu ver⸗ 
schaffen, d. i. nur eine beabsichtete Wirkung als moͤg⸗ 
lich denken zu koͤnnen. Immerhin mag jener Begrif 
I. . — 
sr die sen 
quch moͤgen 
sdachten We 
Iutsropomorr 
J Gehrauch 
hue Natur, 
drnach bestin 
she nach de 
—V 
keennen, oh 
—L durchd 
hen Uesachen 
shtung gegel 
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dern auch ein 
lich Vewegun 
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die —— 4q. 
kuͤnlith durt 
nihe jederzeit 
—— zu vr 
— biun 
haltit,d — 
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—T Vitn— 
in besehen
        <pb n="493" />
        eh lhit 
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u beminh 
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AUlit jhyr Me 
t Uttn, 
nhhnnen. 
iinz hiht citn 
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hoͤhsten Veh 
en. Denn bi 
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enben, nicht du⸗ 
oretisch heyleget 
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uusehen. Hier 
en Hegtif wir 
—X 
Obb hüir seihe 
m Zyweche, du 
alle solche Por 
ten zu hewrhn 
—XWI 
——— 
pet Imf 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 431 
fuͤr die speculative Vernunft uͤberschwenglich seyn, 
auch moͤgen die Eigenschaften, die wir dem dadurch 
gedachten Wesen beylegen, objeetiv gebraucht, einen 
Anthropomorphism in sich verbergen, die Absicht ih⸗ 
res Gebrauchs ist auch nicht, seine fuͤr uns unerreich⸗ 
bare Natur, sondern uns selbst und unseren Willen 
darnach bestimmen zu wollen. So wie wir eine Ur⸗ 
sache nach dem Begriffe, den wir von der Wirkung 
haben (aber nur in Ansehung ihrer Relation dieser) 
benennen „ ohne darum die innere Beschaffenheit der⸗ 
selben durch die Eigenschaften die uns von derglei⸗ 
chen Ursachen einzig und allein bekannt und durch Er⸗ 
fahrung gegeben werden muͤssen innerlich bestimmen 
zu wollen — so wie wir z. B. der Seele unter an—⸗ 
dern auch eine vim locomotiuam beylegen, weil wirk⸗ 
lich Bewegungen des Koͤrpers entsoringen deren Ur⸗ 
sache in ihren Vorstellungen liegt, ohne ihr darum 
die einzige Art, wie wir bewegende Kraͤfte kennen, 
Gaͤmlich durch Druck, Stoß, mithin Bewegung, 
welche jederzeit ein ausgedehntes Wesen voraussetzen) 
beylegen zu wollen: — eben so werden wir etwas, 
was den Grund der Moͤglichkeit und der practischen 
Realitaͤt, d. i. der Ausfuͤhrbarkeit eines nothwendi— 
gen moralischen Endzwecks enthaͤlt, annehmen muͤs⸗ 
sen, dieses aber nach Beschaffenheit der von ihm er⸗ 
warteten Wirkung, uns als ein weises nach morali— 
schen Gesetzen die Welt beherrschendes Wesen denken
        <pb n="494" />
        432 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
koͤnnen und der Beschaffenheit unserer Erkenntnisver⸗ 
moͤgen gemaͤs, als von der Natur unterschiedene Ursa⸗ 
che der Dinge denken muͤssen, um nur das Verhaͤltnis 
dieses alle unsere Erkenntnisvermoͤgen ͤbersteigenden 
Wesens zum Objecte unst erer practischen Vernunft aus⸗ 
zudruͤcken, ohne doch dadurch die einzige uus bekann⸗ 
te Caussalitaͤt dieser Art, naͤmlich einen Verstand und 
Willen ihm darum theoretisch beylegen, ja selbst auch 
nur die an ihm gedachte Caussalitaͤt in Ansehung des— 
sen, was fuͤr uns Endzweck ist, als in diesem We⸗ 
sen selbst von der Caussalitaͤt in Ansehung der Natur 
(und deren Zweckbestimmungen uͤberhaupt) objectiv 
unterscheiden zu wollen, sondern diesen Unterschied nur 
als subjectiv nothwendig, fuͤr die Beschaffenheit un se⸗ 
res Erkenntnisvermoͤgens und guͤltig fuͤr die reflecti⸗ 
rende, nicht fuͤr die objectiv bestimmende Urtheilskraft, 
annehmen koͤnnen. Wenn es aber aufs Practische an⸗ 
kommt, so ist ein solches regulatives Princip (fuͤr die 
Klugheit oder Weisheit) dem, was nach Beschaffenheit 
unserer Erkenntnisvermoͤgen von uns auf gewisse Weise 
allein als moͤglich gedacht werden kann, als Zwecke ge⸗ 
maͤß zu handeln zugleich constitutiv, d. i. practisch 
bestimmend; indessen daß eben dasselbe , als Princip die 
objective Moͤglichkeit der Dinge zu beurtheiien keines⸗ 
weges theoretisch⸗ bestimmend (daß naͤmlich auch dem 
Objekte die einzige Art der Moͤglichkeit zukomme die un⸗ 
sernm Vermoͤgen zu denken zu kommt) sondern ein blos 
regula⸗ 
IJ. . Ciit 
rqulgtibes 
. 
Deser mora 
— 
xenm er hat vor 
— 
sosortgehenden 
— 
tͤnen, in ein⸗ 
— gleich 
llawas Anderes 
h, mußte sich d 
nlusange nimn 
—X sa 
— gleic 
uhch, fuͤr seine 
—— 
eine Stimme 
— nuͤhte auch 
enseruchustte 
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lst, bder womit 
ihe Ordun der 
—T— 
sun mochten sie 
kehe dem memn 
ih, alß der blinl 
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iit. d. Urth
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        lrthan 
krenmin 
üishiden⸗ F 
— 
en — 
— iu 
—X hehm 
an Versmd un 
n, j sebs duh 
—1 
in dieen V 
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chaupt) ohrtth 
nUntersched ur 
dafsenhet uns 
h 
uͤr die —X 
Uuttheiblraft 
dactishe an⸗ 
einciy (fuͤr die 
deschofsethheit 
—RWWCC 
us JZoecke ge⸗ 
W 
—IXLXD 
irtheüen keineo⸗ 
wulich auch dem 
—VW 
ohdan enn lbi 
pqu⸗ 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 433 
⸗ 3* v il 
P 
Anmerkung. 
Dieser moralische Beweis ist nicht etwa ein neu erfunde⸗ 
ner, sondern allenfalls nur ein neuekoͤrterter Beweisgrund; 
denn er hat vor der fruͤhesten Aufkeimung des menschlichen 
Vernunftvermoͤgens schon in demselben gelegen und wird mit 
der fortgehenden Cultur desselben nur immer mehr entwickelt. 
Sobald die Menschen uͤber Recht und Unrecht zu reflectiren 
anfiengen J in einer Zeit, wo sie uͤber die Zweckmaͤßigkeit der 
Matur noch gleichguͤltig wegsahen, sie nutzten, ohne sich da⸗ 
bei etwas Anderes als den gewohnten Lauf der Natur zu den⸗ 
ken, mußte sich das Urtheil unvermeidlich einfinden: daß es 
im Ausgange nimmermehr einerley seyn koͤnne, ob ein Mensch 
fich redlich oder falsch, billig oder gewaltthaͤtig verhalten ha⸗ 
be, wenn er gleich bis an sein Lebensende, wenigstens sicht⸗ 
barlich, fuͤr seine Tugenden kein Gluͤck, oder fuͤr seine Ver⸗ 
brechen keine Strafe angetroffen habe. Es ist: als ob sie in 
sich eine Stimme warnaͤhmen, es muͤsse anders zugehen; 
mithin mußte auch die, obgleich dunkle Vorstellung, von etwas 
dem sie nachzustreben sich verbunden fuͤhlten, verborgen liegen, 
womit ein solcher Ausschlag sich gar nicht zusammenreimen 
lasse, oder womit, wenn sie den Weltlauf einmal als die ein⸗ 
zige Ordnung der Dinge ansahen, sie wiederum jene innere 
Zweckbestimmung ihres Gemuͤths nicht zu vereinigen wußten. 
Nun mochten sie die Art, wie eine solche Unregelmaͤßigkeit 
(welche dem menschlichen Gemuͤthe weit empoͤrender seyn 
muß, als der blinde Zufall, den man etwa der Naturbe⸗ 
urtheilung zum Princip unterlegen wollte) ausgeglichen wer⸗ 
den koͤnne, sich auf mancherley noch so grobe Art vorstellen, 
so konnten sie sich doch niemals ein anderes Princip der Moͤg⸗ 
Aants Crit.d. Urtheilskr Ee
        <pb n="496" />
        434 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
lichkeit der Vereinigung der Natur mit ihrem inneren Sit— 
tengesetze erdenken, als eine nach! moralischen Gesetzen die 
Welt beherrschende oberste Ursache weil ein als Pflicht auf⸗ 
gegebener Endzweck in ihnen, und eine Natur ohne allen 
Endzweck, ausser ihnen, in welcher gleichwohl jener Zweck 
wirklich werden soll, im Widerspruche stehen. Ueber die 
Veschaffenheit jener Weltursache konnten sie nun manchen 
Unsinn ausbruͤten; jenes moralische Verhaͤltnis in der Welt⸗ 
regierung blieb immer dasselbe, welches fuͤr die unangebau⸗ 
teste Vernunft, so fern sie sich als practisch betrachtet, allge⸗ 
mein faßlich ist, mit der hingegen die speculative bey weitem 
nicht gleichen Schritt halten kann. — Auch wurde, aller 
Wahrscheinlichkeit nach, durch dieses moralische Interesse al⸗ 
lererst die Anfmerksamkeit auf die Schoͤnheit und Zwecke in 
der Natur rege gemacht, die alsdenn jene Idee zu bestaͤrken 
vortreflich diente, sie aber doch nicht gruͤnden, noch weniger 
jenes entbehren konnte, weil selbst die Nachforschung der 
Zwecke der Natur nur in Beziehung auf den Endzweck das—⸗ 
jenige unmittelbare Interesse bekommt, welches sich in der 
Bewunderung derselben ohne Ruͤckficht auf irgend daraus zu 
ziehenden Vortheil, in so großem Maaße zeigt. 
F. 88. 
Von dem Nutzen des moralischen Arguments. 
Die Einschraͤnkung der Vernunft, in Ansehung 
aller unserer Ideen vom Uebersinnlichen, auf die Bedin— 
gungen ihres practischen Gebrauchs, hat, was die Idee 
von Gott betrift den unverkennbaren Nutzen: daß sie 
verhuͤtet, daß Theologie sich nichtin Theosophie 
(in Vernunftverwirrende uͤberschwengliche Begriffe) ver⸗ 
steige, oder zur Daͤmonologie (einer anthropo⸗ 
II d. Cu 
nmorphifischen 
serabsinke: d 
hwaͤrmerische 
en Gesuͤhl und 
hen), oder in 
—C 
zine moralisch— 
—A 
Denn, w 
deg Vernuͤnfte 
— 
ish (und Er 
tuunt, wenn 
—XC 
hande und M 
aus auf die 
thun berfath 
—V — 
Ahdöͤtteren 
nige RFeligihn 
— denkt 
litst die sͤr 
Viltn in den 
im din 
—X therr, 
un, i —E 
dei de ge 
üfish w5
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        en Urthahn 
Helen 
shen Gesth h 
llindh Pfich wh 
in hug 
— —X dut 
se sehen, E— se 
en se hun wanhn 
rhͤltniz —R IF 
fuͤr die ündngehm 
sch — ulh 
culltthe he wehhn 
— 
ralische —D J 
weit und —7— 
ne Pee — 
xn, hoh — 
— 
ien End wec dug 
— — 
tend damug u 
X 
Is, 
„in MWschung 
in auf de hedin 
it, was die Pre 
aNuhen: doß se 
dheosophit 
ve Heqrift) du 
eiger guthropt 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 435 
morphistischen Vorstellungsart des hoͤchsten Wesens) 
herabsinke: daß Religion nicht in Theurgie (ein 
schwaͤrmerischer Wahn, von anderen uͤbersinnlichen We⸗ 
sen Gesuͤhl und auf sie wiederum Einflus haben zu koͤn⸗ 
nen), oder in Idololatrie (ein aberglaͤubischer Wahn, 
dem hoͤchsten Wesen sich durch andere Mittel als durch 
eine moralische Gesinnung wohlgefaͤllig machen zu koͤn⸗ 
nen) gerathe.)) *8 
Denn, wenn man der Eitelkeit oder Vermessenheit 
des Vernuͤnftelns in Ansehung dessen, was uͤber die 
Sinnenwelt hinausliegt auch nur das Mindeste theore⸗ 
tisch (und Erkenntnis erweiternd) zu bestimmen ein⸗ 
raͤumt, wenn man mit Einsichten vom Daseyn und der 
Beschaffenheit der goͤttlichen Natur „ von seinem Ver⸗ 
stande und Willen, den Gefetzen beyder und denen dar⸗ 
aus auf die Welt abfließenden Eigenschaften gros zu 
thun verstattet, so moͤchte ich wohl wissen, wo und an 
welcher Stelle man die Anmaßungen der Vernunft be⸗ 
Ee gggren⸗ 
) Abgoͤtterey im praectischen Verstande ist noch immer dieje⸗ 
nige Religion, welche sich das hoͤchste Wesen mit Eigen⸗ 
schaften denkt, nach denen noch etwas anders, als Mora⸗ 
litaͤt, die fuͤr sich taugliche Bedingung seyn koͤnne, seinem 
Willen in dem was der Mensch zu thun vermag, gemaͤs zu 
seyn. Denn so rein und frey von sinnlichen Bildorn man 
auch in theoretischer Ruͤcksicht jenen Begrif gefaßt haben 
mag, so ist er im practischen alsdann dennoch als ein Ideal, 
d. i. der Beschaffenheit seines Willens nach, anthromou 
phistisch, vorgestellt.
        <pb n="498" />
        436 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
grenzen wolle; denn, wo jene Einsichten hergenommen 
sind, eben daher koͤnnen ja noch mehrere (wenn man 
nur „ wie man meynt , sein Nachdenken anstrengte) er⸗ 
wartet werden. Die Begrenzung solcher Anspruͤche 
muͤßte doch nach einem gewissen Princip geschehen, nicht 
etwa blos aus dem Grunde, weil wir finden, daß alle 
Versuche mit denselben bisher fehlgeschlagen sind; denn 
das beweiset nichts wider die Moͤglichkeit eines besseren 
Ausschlags: hier aber ist kein Princip moͤglich, als ent⸗ 
weder anzunehmen: daß in Ansehung des Uebersinn⸗ 
lichen schlechterdings gar nichts theoretisch (als lediglich 
nur negativ) bestimmt werden koͤnne , oder daß unsere 
Vernunft eine noch unbenutzte Fundgrube, zu wer weiß 
wie großen, fuͤr uns und unsere Nachkommen aufbe⸗ 
wahrten erweiternden Kenntnissen, in sich enthalte. — 
Was aber Religion betrift, d. i. die Moral in Beziehung 
auf Gott als Gesetzgeber, so muß, wenn die theore⸗ 
tische Erkenntnis desselben vorhergehen muͤßte, die 
Moral sich nach der Theologie richten und, nicht 
allein, statt einer inneren nothwendigen Gesetzgebung 
der Vernunft eine aͤußere willkuͤhrliche eines obersten 
Wesens eingefuͤhrt, sondern auch in dieser alles , was 
unsere Einsicht in die Natur desselben Mangelhaftes 
hat, sich auch auf die sittliche Vorschrift erstrecken und 
so die Religion unmoralisch machen und verkehren. 
In Ansehung der Hofnung eines kuͤnftigen Le— 
bens, wenn wir, statt des Endzwecks den wir, der 
—I. dh. ¶. 
—D 
wolfihren hab 
hhe unsted 
sher Veniehu 
huͤrdig, bet 
nis⸗ Vermoͤg 
dieser — 
utz einen n 
Lesen; daß 
sheinungen 
benden konne 
lur und der 
—XX 
lundes hestim 
den durch uns⸗ 
woͤgen moͤssid 
Veurhhelun l 
diher — 
thder —X 
khehenen End, 
— 
hem ersen Inr 
de deologie su 
—X Vych 
mwetende —— 
—X 
dellen; s
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        hen Uheh 
on 
lehrere —E 
hem mhrenth. 
iite M 
uch — n 
wit suden, vß 
hein iud dn 
ihkeit eires bsen 
nösih, —X 
ig dez lehenm 
— 
dder duß min 
iuhe, u herhi 
achkommen aushe 
sch euthalte— 
el in dtzehun⸗ 
venn die heyre 
n muͤfte, die 
n und, vicht 
en Gehehoybonh 
s eines obersen 
dieser alcs, vas 
—X 
iist ersttecten und 
und verkehren. 
reß kuͤtigen bo 
4g den hir, M 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 437 
Vorschrift des moralischen Gesetzes gemaͤs, selbst zu 
vollfuͤhren haben, zum Leitfaden des Vernunfturtheils 
uͤber unsere Bestimmung (welches also nur in practi⸗ 
scher Beziehung als nothwendig, oder annehmungs⸗ 
wuͤrdig, betrachtet wird) unser theoretisches Erkennt⸗ 
nis-Vermoͤgen befragen, giebt die Seelenlehre in 
dieser Absicht, so wie oben die Theologie, nichts mehr 
als einen negativen Begrif von unserm denkenden 
Wesen; daß naͤmlich keines seiner Handlungen und Er— 
scheinungen des innern Sinnes materialistisch erklaͤrt 
werden koͤnne: daß also von ihrer abgesonderten Na⸗ 
tur und der Dauer oder Nichtdauer ihrer Persoͤnlich⸗ 
keit nach dem Tode uns schlechterdings kein erwei⸗ 
terndes bestimmendes Urtheil aus speculativen Gruͤn⸗ 
den durch unser gesammtes theoretisches Erkenntnisver⸗ 
moͤgen moͤglich sey. Da also alles hier der teleologischen 
Beurtheilung unseres Daseyns in practischer nothwen⸗ 
diger Ruͤcksicht und der Annehmung unserer Fortdauer, 
als der zu den uns von der Vernunft schlechterdings auf⸗ 
gegebenen Endzweck erforderlicher Bedingung, uͤberlas⸗ 
sen bieibt, so zeigt sich hier zugleich der Nutzen (der zwar 
beym ersten Anblick Verlust zu seyn scheint): daß, so wie 
die Theologie fuͤr uns nie Theosophie werden kann, die 
rationale Psychologie niemals Pneomatologie als 
erweiternde Wissenschaften werden koͤnne, so wie sie an⸗ 
derseits auch gesichert ist, in keinen Materialism 
zu verfallen; sondern daß sie vielmehr blos Anthropolo⸗ 
Ee 2
        <pb n="500" />
        438 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskrast. 
gie des innern Sinnes, d. i. Kenntnis unseres denken⸗ 
den Se bst im Leben sey und als theoretisches Erkennt⸗ 
nis auch blos empirisch bleibe, dagegen die rationale 
Psychologie „ was die Frage ͤber unsere ewige Existenz 
betrift, gar keine theoretische Wissenschaft ist, sondern 
auf einem einzigen Schlusse der —XX Teleologie be⸗ 
ruht, wie denn auch ihr ganzer Gebrauch, blos der letz— 
tern als unserer practischen Bestimmung wegen, noth— 
wendig ise. 
5 90. 
Von der Art des Fuͤrwarhaltens in einem 
moralischen Beweise des Daseyns 
Gottes. 
Zuerst wird zu jedem Beweise, er mag (wie bey dem 
durch Beobachtung des Gegenstandes oder Experiment) 
durch unmittelbare empirische Darstellung dessen, was 
bewiesen werden soll, oder durch Vernunft a priori aus 
Principien gefuͤhrt werden erfordert: daß er nicht uͤber— 
rede sondern uͤberzeuge oder wenigstens auf Ueber⸗ 
zeugung wirke d. i. daß der Beweisgrund, oder der 
Schlus, nicht ein blos subjectiver aͤsthetischer) Bestim⸗ 
mungsgrund des Beyfalls (bloßer Schein), sondern ob⸗ 
jektioguͤltig und ein logischer Grund der Erkentnis sey; 
denn sonst wird der Verstand beruͤckt aber nicht uͤberfuͤhrt. 
Von jener Art eines Scheinbeweises ist derjenige , wel⸗ 
cher vielleicht in guter Abficht, aber doch mit vorsetzli⸗ 
Il dM. C 
her Verheelu 
hosie geuͤhrt 
heigthͤmer 
—ID 
ven Grnd 
noͤmlich den 
spruch gesch 
ges und, w 
krforderniss 
verden die 
Dinges dur 
Dun frehlich 
jutrefen, di 
she sud, r 
uiht leber 
bloß geesen 
mehr Npeig 
ine solhe de 
— 
— 
luösin de 
vu uith ats 
lirtshe Verr 
— 
dihet —R 
lin und kein 
vdn dePh—
        <pb n="501" />
        en lhach 
Unsereg duh 
—X kren 
wehen de ratim 
lsere kwige krs 
nschaft i, —F 
lschen — 
cauch, hhg deh 
ing wegen, w 
g 
anß in ihen 
Doschnz 
nog (wie heyden 
yr Crperinenh 
mh desen, was 
—X 
n vicht üher: 
siend auf heher⸗ 
und, oder de 
cisher) desin 
in), sondern oh⸗ 
r Erkentniz s 
—I 
derjenige, beb 
VTL 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 439 
cher Verheelung seiner Schwaͤche, in der natuͤrlichen Theo⸗ 
logie gefuͤhrt wird, wenn man die große Menge der Be⸗ 
weisthuͤmer eines Ursprungs der Naturdinge nach dem 
Princip der Zwecke herbeyzieht und sich den blos subjecti⸗ 
ven Grund der menschlichen Vernnnft zu Nutze macht, 
naͤmlich den ihr eigenen Hang, wo es nur ohne Wider⸗ 
spruch geschehen kann, statt vieler Principien ein einzi⸗ 
ges und, wo in diesem Princip nur einige oder auch viele 
Erfordernisse zur Bestimmung eines Begrifs angetroffen 
werden, die aͤbrigen hinzuzudenken „um den Begrif des 
Dinges durch willkuͤhrliche Ergaͤnzung zu vollenden. 
Denn freylich, wenn wir so viele Producte in der Natur 
antreffen, die fuͤr uns Anzeigen einer verstaͤndigen Ur⸗ 
sache sind, warum sollen wir statt vieler solcher Ursachen 
nicht lieber eine einzige und zwar an dieser nicht etwa 
blos großen Verstand, Macht u. s. w. sondern nicht viel⸗ 
mehr Allweisheit, Allmacht mit einem Worte sie als 
eine solche die den fuͤr alle moͤgliche Dinge zureichenden 
Grund solcher Eigenschaften enthalte, denken und uͤber 
das diesem einigen alles vermoͤgenden Urwesen, nicht 
blos fuͤr die Naturgesetze und Producte Verstand, son⸗ 
dern auch als moralischen Weltursache hoͤchste sittliche 
practische Vernunft beylegen; da durch diese Vollendung 
des Begrifs ein fuͤr Natureinsicht so wohl als moralische 
Weisheit zusammen hinreichendes Princip angegeben 
wird und kein nur einigermaaßen gegruͤndeter Einwurf 
wider die Moͤglichkeit einer solchen Idee gemacht werden 
Ee «⸗
        <pb n="502" />
        440 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
kann. Werden hiebey nun zugleich die moralische Trieb— 
federn des Gemuͤths in Bewegung gesetzt und ein lebhaftes 
Interesse der letzteren mit rednerischer Staͤrke (deren sie 
auch wohl wuͤrdig sind) hinzugefuͤgt, so entspringt dar⸗ 
aus eine Ueberredung von der objectiven Zulaͤnglichkeit 
des Beweises und ein (in den meisten Faͤllen seines Ge⸗ 
brauchs) auch heilsamer Schein , der aller Pruͤfung.der 
logischen Schaͤrfe desselben sich ganz uͤberhebt und sogar 
dawider, als ob ihr ein frevelhafter Zweifel zum Grunde 
laͤge, Abscheu und Widerwillen traͤgt — Nun ist hier 
wider wohl nichts zu sagen, so fern man auf populaͤre 
Brauchbarkeit eigentlich Ruͤcksicht nimmt. Allein, da 
doch die Zerfaͤllung desselben in die zwey ungleichartige 
Stuͤcke, die dieses Argument enthaͤlt naͤmlich in das, 
was zur physischen und das, was zur moralischen Teleo⸗ 
logie gehoͤrt, nicht abgehalten werden kann und darf, 
indem die Zusammenschmelzung beyder es unkenntlich 
macht , wo der eigentliche Nerve des Beweises liege und 
an welchem Theile und wie er mußte bearbeitet werden, 
um fuͤr die Guͤltigkeit desselben vor der schaͤrfsten Pruͤfung 
Stand halten zu koͤnnen, (selbst wenn man an einem 
Theile die Schwaͤche unserer Vernunfteinsicht einzugeste⸗ 
hen genoͤthigt seyn sollte): so ist es fuͤr den Philosophen 
Pflicht Cgesetzt daß er auch die Anforderung der Auf—⸗ 
richtigkeit an ihn fuͤr nichts rechnete) den obgleich noch 
so heilsamen Schein, welchen eine solche Vermengung 
hervorbringen kann, aufzudecken und, was blos 
I.dj cut 
pr Ueherredur 
fhet (die heyd 
het hach unter 
chusondern, 
in hrer ganzt 
de srengsten 
ih. 
Ein Vehp 
if kann wieden 
det, der, wa 
twfuͤr ins 
boendigen Ve— 
lein heweis, 
—X allg 
genommen) 
hinreichende 
llos fir die 
huen hale— 
beruhend mi⸗ 
hherein pratt 
— 
kohl auf eine 
dei mworalish 
—T aher f 
licheusen, p 
winn ohjeet 
—
        <pb n="503" />
        in Uttehe 
nornirh 
tundeir —D 
—X —T— 
so entspringt vu 
tiben —7— 
daͤlen —D 
eller Athin n 
berheht und bu 
reisel um —T 
Nun —TF 
an auf ppu 
unt. —D n 
ungleihorth 
awlich in dat 
— 
un und du 
Lunlenntlih 
eiss lege un 
tbeitet werden, 
miün hüisun 
nan an einen 
icht eitzeges 
en Milesyhn 
crung der uß 
ohgleichteh 
x Vemerhun 
WV 
4 
II. Th. Critik der teleologischetn Urtheilskraft. 441 
zur Ueberredung gehoͤrt, von dem was auf Ueberzeugung 
fͤhrt (die beyde nicht blos dem Grade sondern selbst der 
Art nach unterschiedene Bestimmungen des Beyfalls sind) 
abzusondern, um die Gemuͤthsfassung in diesem Beweise 
in ihrer ganzen Lauterkeit offen darzustellen und diesen 
der strengsten Pruͤfung freymuͤthig unterwerfen zu koͤn⸗ 
nen. 
Ein Beweis aber, der auf Ueberzeugung angelegt 
ist kann wiederum zwiefacher Art seyn, entweder ein sol⸗ 
cher, der, was der Gegenstand an sich sey, oder was 
er fuͤr uns Menschen uͤberhaupt), nach den uus noth⸗ 
wendigen Vernunftprincipien seiner Beurtheilung, sey 
(ein Beweis xar æανιαν oder αν aανον das letztere 
Wort in allgemeiner Bedeutung fuͤr Menschen uͤberhaupt 
genommen) ausmachen soll. Im ersteren Falle ist er auf 
hinreichende Principien fuͤr die bessimmende, im zweyten 
blos fuͤr die reflectirende Urtheilskraft gegruͤndet. Im 
letztern Falle kann er, auf blos theoretischen Principien 
beruhend, niemals auf Ueberzeugung wirken; legt er 
aber ein praktisches Vernunftorincip zum Grunde (wel⸗ 
ches mithin allgemein und nothwendig gilt), so darf er 
wohl auf eine, in reiner practischer Absicht hinreichende, 
d. i. moralische Ueberzeugung Anspruch machen. Ein 
Beweis aber wirkt auf Ueberzeugung ohne noch zu 
uͤberzeugen, wenn er auf dem Wege dazu gefuͤhrt wird, 
d. i. nur objective Gruͤnde dazu in sich enthaͤlt, die J ob 
sie gleich noch nicht zur Gewisheit hinreichend, dennoch 
Ee 5
        <pb n="504" />
        442 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskrast. 
von der Art sind, daß sie nicht blos als subjective Gruͤn⸗ 
de des Urtheilens zur Ueberredung dienn. 
Alle theoretische Beweisgruͤnde reichen nun entwe⸗ 
der zu 1) zum Beweise durch logisch ⸗strenge Vernunft—⸗ 
schluͤsse, oder, wo dieses nicht ist 2) zum Schlusse 
nach der Analogie oder findet auch dieses etwa nicht 
statt, doch noch 3) zur wahrscheinlichen Meynung, 
oder endlich 4) was das Mindeste ist, zur Annehmung 
eines blos moͤglichen Erklaͤrungsgrundes , als Hypo⸗ 
these. — Nun sag ich: daß alle Beweisgruͤnde uͤber⸗ 
haupt, die auf theoretische Ueberzeugung wirken, kein 
Fuͤrwahrhalten dieser Art von dem hoͤchsten bis zum nie— 
drigsten Grade desselben, bewirken koͤnnen, wenn der 
Satz, die Existenz eines Urwesens als eines Gottes, 
in der, dem ganzen Inhalte dieses Begrifs angemessenen 
Bedeutung „ naͤmlich als eines moralischen Welturhebers, 
miihin so, daß durch ihn zugleich der Endzweck der Schoͤ⸗ 
pfung angegeben wird, bewiesen werden sol. 
1) Was den logisch⸗ gerechten XX Allgemeinen 
zum Besonderen fortgehenden Beweis betrift, so ist 
in der Critik hinreichend dargethan worden: daß da 
dem Begriffe von einem Wesen, welches uͤber die Na⸗ 
tur hinaus zu suchen ist, keine uns moͤgliche An⸗ 
schauung correspondirt F dessen Begrif also selbst so 
fern er durch synthetische Praͤdicate theoretisch be⸗ 
stimmt werden soll, fuͤr uns jederzeit problematisch 
bleibt, schlechterdings kein Erkenntnis desselben (wo⸗ 
Idj. Ciin 
surch der Umf— 
ricdesen erwei 
ghhemeine Pri 
jndere Hegrif 
suhumirt werd 
hlüsen; weil 
— 
Nan 
dugen, eben 
— 
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s(g wirken, kein 
ken hiß uun hie⸗ 
len, wenn det 
eines botteh 
ʒangemesenen 
Pelturheherh 
eck der Sho⸗ 
4 
Woemeinen 
eettift, siß 
)en: daß da 
her die Na— 
noͤgliche In 
iso selhst so 
eoretisch he⸗ 
XX 
kelhen, (wo⸗ 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 443 
durch der Umfang unseres theoretischen Wissens im 
mindesten erweitert wuͤrde) statt finde und unter die 
allgemeine Princivien der Natur der Dinge der be— 
sondere Begrif eines aͤbersinnlichen Wesens gar nicht 
subsumirt werden koͤnne, um von jenen auf dieses zu 
schließen; weil jene Principien lediglich fuͤr die Natur, 
als Gegenstand der Sinne gelten. 
2) Man kann sich zwar von zwey ungleichartigen 
Dingen, eben in dem Puncte ihrer Ungleichartigkeit, 
eines derselben doch nach einer Analogie ) mit dem 
) Analogie (in qualitativer Bedeutung) ist die Ideetitaͤt des 
Verhaͤltnisses zwischen Gruͤnden und Folgen (Ursachen und 
Wirkungen), so fern sie, unerachtet der specifischen Ver⸗ 
schiedenheit der Dinge, oder derjenigen Eigenschaften an 
sich (d. i. ausser diesem Verhaͤltnisse betrachtet), welche den 
Grund von aͤhnlichen Folgen enthalten, statt findet. So 
benken wir uns zu den Kunsthandlungen der Thiere, in 
Vergleichung mit denen des Menschen, den Grund dieser 
Wirkungen in den ersteren, den wir nicht kennen, mit dem 
grunde aͤhnlicher Wirkungen des Menschen (der Vernunft), 
den wir kennen, als Analogon der Vernunft und wollen 
damit zugleich anzeigen: daß der Grund des thierischen 
Kunstvermoͤgens, unter der Benennung eines Instinets, 
hon der Vernunft in der That speeifisch unterschieden, doch 
auf die Wirkung (der Bau der Bieber mit dem der Men— 
schen verglichen) ein aͤhnliches Verhaͤltnis habe. — Des— 
wegen aber kann ich daraus, weil der Mensch zu seinem 
Bauen Vernunst braucht, nicht schließen, daß der Bieber 
auch dergleichen haben muͤsse und es einen Schlus nach der 
Analogie nennen. Aber aus—- der aͤhnlichen Wirkungsart 
der Thiere (woyon wir den Grund nicht unmittelbar war—
        <pb n="506" />
        444 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
andern denken, aber aus dem, worinn sie ungleichartig 
sind, nicht von einem nach der Analogie auf das andere 
schließen, d. i. dieses Merkmal des specifischen Unterschie⸗ 
des auf das andere uͤbertragen. So kann ich mir, nach 
der Analogie mit dem Gesetze der Gleichheit der Wirkung 
und Gegenwirkung, in der wechselseitigen Anziehung und 
Abstoßung der Koͤrper unter einander, auch die Gemein⸗ 
nehmen koͤnnen) mit der des Menschen (dessen wir uns un⸗ 
mittelbar bewußt sind) verglichen, koͤnnen wir ganz richtig 
nach der Analogie schließen, daß die Thiere auch nach 
Vorstellungen handeln (nicht wie Cartestus will Maschi⸗ 
nen sind) und, unerachtet ihrer specifischen Verschiedenheit, 
doch der Gattung nach (als lebende Wesen) mit dem Men— 
schen einerley sind. Das Prineip der Befugnis so zu schlie⸗ 
ßen liegt in der Einerleyheit des Grundes, die Thiere in 
Ansehung gedachter Bestimmung mit dem Menschen, als 
Menschen, so weit wir sie aͤußerlich nach ihren Handlungen 
mit einander vergleichen, zu einerley Gattung zu zaͤhlen; 
Es ist par ratio. Eben so kann ich die Caussalitaͤt der ober⸗ 
sten Welturfache, in der Vergleichung der zweckmaͤßigen 
Produete derselben in der Welt mit den Kunstwerken des 
Menschen, nach der Analogie eines Verstandes denken, al er 
nicht auf diese Eigenschaften in demselben nach der Analogie 
schließen; weil hier das Prineip der Moͤglichkeit einer sol⸗ 
chen Schlusart gerade mangelt, naͤmlich die paritas rationis, 
das hoͤchste Wesen mit dem Menschen Cin Ansehung ihrer 
beyderseitigen Caussalitaͤt) zu einer und derselben Gattung 
zu zaͤhlen. Die Caussalitaͤt der Weltwesen, die immer 
sinnlich-bedingt, (dergleichen ist die durch Verstand) kann 
nicht auf ein Wesen uͤbertragen werden, welches mit jenen 
keinen Gattungsbegrif, als den eines Dinges uͤberhaupt 
gemein hat. 
I dh Coiti 
tot der Gliede 
ahechts denker 
hematerielle Ar 
hertagen und 
byem welches 
sihn wir woh 
hun der Dinge 
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hen deses gesc 
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imehung jhret 
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i, die inumer 
hetsand) um 
nes wit jenen 
7 
es gherhauht 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 445 
— Regeln 
des Rechts denken, aber jene specifische Bestimmungen 
(die materielle Anziehung oder Abstoßung) nicht auf diese 
uͤbertragen und sie den Buͤrgern beylegen, um ein 
System welches Staat heißt auszumachen. — Eben so 
duͤrfen wir wohl die Caussalitaͤt des Urwesens in An— 
sehung der Dinge der Welt, als Naturzwecke, nach der 
Analogie eines Verstandes, als Grundes der Formen 
gewisser Producte, die wir Kunstwerke nennen, denken 
(denn dieses geschieht nur zum Behuf des theoretischen 
oder practischen Gebrauchs unseres Erkenntnisvermoͤ⸗ 
gens, den wir von diesem Begriffe in Ansehung der Na⸗ 
turdinge in der Welt, nach einem gewissen Princiy ,zu 
machen haben) aber wir koͤnnen daraus, daß unter 
Weltwesen der Ursache einer Wirkung, die als kuͤnstlich 
beurtheilt wird, Verstand beygelegt werden muß, keines⸗ 
weges nach einer Analogie schließen, daß auch dem We⸗ 
sen, was von der Natur gaͤnzlich unterschieden ist, in 
Ansehung der Natur selbst eben dieselbe Caussalilaͤt, die 
wir am Menschen warnehmen, zukomme, weil dieses 
eben den Punct der Ungleichartigkeit betrift der zwischen 
einer in Ansehung ihrer Wirkungen sinnlich⸗bedingten 
Ursache und dem uͤbersinnlichen Urwesen selbst im Be⸗ 
griffe desselben gedacht wird, und also auf diesen nicht 
uͤbergetragen werden kann. — Eben darinn, daß ich 
mir die hoͤttliche Caussalitaͤt nur nach der Analogie mit 
einem Verstande (welches Vermoͤgen wir an keinem an⸗
        <pb n="508" />
        446 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
deren Wesen als dem sinnlich bedingten Menschen ken⸗ 
nen) denken soll, liegt das Verbot, ihm diesen nicht in 
der eigentlichen Bedeutung beyzulegen. *) 
3) Meynen findet in Urtheilen a priori gar nicht 
statt; sondern man erkennt durch sie entweder etwas als 
ganz gewis, oder gar nichts. Wenn aber auch die gege⸗ 
bene Beweisgruͤnde, von denen wir ausgehen, (wie hier 
von den Zwecken in der Welt), empirisch sind, so kann 
man mit diesen doch ͤber die Sinnenwelt hinaus nichts 
meynen, und solchen gewagten Urtheilen den mindesten 
Anspruch auf Warscheinlichkeit zugestehen. Denn War⸗ 
scheinlichkeit ist ein Theil einer in einer gewissen Reihe 
der Gruͤnde moͤglichen Gewisheit (die Gruͤnde derselben 
werden darinn mit dem Zureichenden, als Theile mit 
einem Ganzen, verglichen) zu welchen jener unzureichende 
Grund muß ergaͤnzt werden koͤnnen. Weil sie aber als 
Bestimmungsgruͤnde der Gewisheit eines und desselben 
Urtheils gleichartig seyn muͤssen, indem sie sonst nicht 
zusammen eine Groͤße (dergleichen die Gewisheit ist) 
ausmachen wuͤrden: so kann nicht ein Theil derselben 
innerhalb den Grenzen moͤglicher Erfahrung, ein ande⸗ 
rer außerhalb aller moͤglichen Erfahrung liegen, mit⸗ 
hin, da blos⸗-empirische Beweisgruͤnde auf nichts Ueber⸗ 
Man vermißt dadurch nicht das Mindeste in der Vorstel⸗ 
lung der Verhaͤltnisse dieses Wesens zur Welt, so wohl was 
die theoretische als praetische Folgerungen aus diesem Be⸗ 
griffe betrift. Was es an sich selbst sey erforschen zu wollen, 
ist ein eben so zweckloser, als vergeblicher Vorwitßz. 
Idy Criik 
suches suͤhren 
nd durch hichts 
—IX 
tunn deselhen 
—XX 
Mhr krfahrun 
unhhenlichkei 
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lteher gegeben 
whsens die 
— 
nVikklichkeit 
J Neynun g 
wehun ich mi 
wih einer Err 
iütinen Zwey 
sihxhinste ke 
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hu Vesens an 
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Ndeweise 
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        n Urhhelc 
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rish sud, d im 
oelt hinaug —I 
en den mindestn 
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er unzureihhenhe 
ell se aber aß 
und desohen 
ꝛe sont niht 
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XC 
ig, ein ande⸗ 
lüegen, mit⸗ 
uichts heher⸗ 
n der Votfeh 
elt, sd wohl tut 
ms diesem Fe⸗ 
ecchen zu wol⸗n/ 
wib. 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 447 
sinnliches fuͤhren, der Mangel in der Reihe derselben 
auch durch nichts ergaͤnzt werden kann so findet in dem 
Versuche, durch sie zum Uebersinnlichen und einer Er⸗ 
kenntnis desselben zu gelangen, nicht die mindeste Annaͤhe— 
rung, folglich in einem Urtheile uͤber das letztere durch 
von der Erfahrung hergenommene Argumente auch keine 
Warscheinlichkeit statt. 
) Was als Hyothese zu Erklaͤrung der Moͤglich⸗ 
keit einer gegebenen Erscheinung dienen soll, davon muß 
wenigstens die Moͤglichkeit voͤllig gewis seyn. Es ist 
genug, daß ich bey einer Hypothese auf die Erkenntnis 
der Wirklichkeit (die in einer fuͤr warscheinlich ausgege— 
benen Meynung noch behauptet wird) Verzicht thue; 
mehr kann ich nicht preis geben; die Moͤglichkeit dessen, 
was ich einer Erklaͤrung zum Grunde lege, muß wenig⸗ 
stens keinen Zweifel ausgesetzt seyn, weil sonst der leeren 
Hirngespinste kein Ende seyn wuͤrde. Die Moͤglichkeit 
aber eines nach gewissen Begriffen bestimmten uͤbersinn⸗ 
lichen Wesens anzunehmen, da hiezu keine von den er⸗ 
foderlichen Bedingungen einer Erkenntnis, nach dem 
was in ihr auf Anschauung beruht, gegeben ist und also 
der bloße Satz des Widerspruchs (der nichts als die Moͤg⸗ 
lichkeit des Denkens und nicht des gedachten Gegenstan⸗ 
des selbst beweisen kann) als Criterum dieser Moͤglichkeit 
uͤbrig bleibt, wuͤrde eine voͤllig grundlose Vorausetzung 
seyn.
        <pb n="510" />
        448 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Das Resultat hievon ist: daß fuͤr das Daseyn des 
Urazesens, als einer Gottheit, oder der Seele, als eines 
unsterblichen Geistes, schlechterdings kein Beweis in 
theoretischer Absicht, um auch nur den mindesten Grad des 
Fuͤrwahrhaltens zu wirken, fuͤr die menschliche Vernunft 
moͤglich sey; und dieses aus dem ganz begreiflichen 
Grunde, weil zur Bestimmung der Ideen des Ueberfinn⸗ 
lichen fuͤr uns gar kein Stoff da ist, indem wir diesen 
letzteren von Dingen in der Sinnenwelt hernehmen 
muͤßten, ein solcher aber jenem Objecte schlechterdings 
nicht angemessen ist, aber, ohne alle Bestimmung dersel⸗ 
ben, nichts mehr, als der Begrif von einem nicht⸗ sinn⸗ 
lichen Etwas uͤbrig bleibt, welches den letzten Grund der 
Sinnenwelt enthalte, der noch kein Erkenntnis (als Er⸗ 
weiterung des Begrifs) von seiner inneren Beschaffenheit 
ausmacht. 
s§. 91. 
Von der Art des Fuͤrwarhaltens durch einen 
practischen Glauben. 
Wenn wir blos auf die Art sehen, wie etwas fuͤr 
uns (nach der subjectiven Beschaffenheit unserer Vor⸗ 
stellungskraͤfte; Object der Erkenntnis (res cognoscibilis) 
seyn kann: so werden alsdann die Begriffe nicht mit den 
Objecten, sondern blos mit unserm Erkenntnisvermoͤgen 
und dem Gebrauche , den diese von der gegebenen Vor⸗ 
stellung (in theoretischer oder practischer Absicht) machen 
koͤn⸗ 
Il dj Criti 
ssnen, zusamn 
— 
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uuntnis derselb 
Erkenn 
uuachen 
fen (cibile) 
itj. 
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— 
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xiori u meyn 
beg zu lauter 
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        sen —7 — 
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— 
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nwelt —1— 
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inem nicht⸗ sun 
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enntnis (alz kr⸗ 
Deschafenhet 
Mrch einen 
ve etwas fuͤr 
t unserer Vor⸗ 
—XX 
fe tücht witden 
atmsdermoͤgen 
—RW 
—V 
p 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 449 
koͤnnen, zusammengehalten, und die Frage, ob etwas 
ein erkennbares Wesen sey oder nicht, ist keine Frage, 
die die Moͤglichkeit der Dinge selbst, sondern unserer Er⸗ 
kenntnis derselben angeht. 
Erkennbare Dinge sind nun von dreyfacher 
Art Sachen der Meynung (opinabile) Thatsa⸗ 
chen (cibile) und Glaubenssachen (mere credi- 
bile53. 
M Gegenstaͤnde der bloßen Vernunftideen, die fuͤr 
das theoretische Erkenntnis gar nicht in irgend einer moͤg⸗ 
lichen Erfahrung dargestellt werden koͤnnen, sind so fern 
auch gar nicht erkennbare Dinge, mithin kann man 
in Ansehung ihrer nicht einmal meynen; wie denn' a 
priori zu meynen schon an sich ungereimt und der gerade 
Weg zu lauter Hirngespinstern ist. Entweder unser Satz 
a priori ist also gewis, oder er enthaͤlt gar nichts zum 
Fuͤrwarhalten. Also sind Meynungssachen jederzeit 
Objekte einer wenigstens an sich moͤglichen Erfahrungs⸗ 
erkenntnis (Gegenstaͤnde der Sinnenwelt), die aber, nach 
dem bloßen Grade dieses Vermoͤgens den wir besitzen, 
fuͤr uns unmoͤglich ist. So ist der Aether der neuern 
Physiker, eine elastische, alle andere Materien durchdrin⸗ 
gende (mit ihnen innigst vermischte) Fluͤßigkeit, eine 
bloße Meynungssache, immer doch noch von der Art, 
daß, wenn die aͤußern Sinne im hoͤchsten Grade geschaͤrft 
waͤren, er wahrgenommen werden koͤnnte; der aber nie 
in irgend einer Beobachtung, oder Experimente, darge⸗ 
Kants Crit. d. Urtheistrr. Ff—
        <pb n="512" />
        450 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
stellt werden kann. Vernuͤnftige Bewohner anderer Pla⸗ 
neten anzunehmen, ist eine Sache der Meynung; denn, 
wenn wir diesen naͤher kommen koͤnnten, welches an sich 
moͤglich ist, wuͤrden wir, ob sie sind, oder nicht sind, 
durch Erfahrung ausmachen; aber wir werden ihnen nie⸗ 
mals so nahe kommen und so bleibt es beym Meynen. 
Allein Meynen: daß es reine, ohne Koͤrper denkende 
Geister im materiellen Univers gebe (wenn man naͤmlich 
gewisse dafuͤr ausgegebene Erscheinungen, wie billig, von 
der Hand weiset), heißt dichten, und ist gar keine Sa— 
che der Meynung, sondern eine bloße Idee, welche uͤbrig 
bleibt, wenn man von einem denkenden Wesen alles Ma⸗ 
terielle wegnimmt „ und ihm doch das Denken uͤbrig laͤßt. 
Ob aber —R das Letztere (welches wir nur am Men⸗ 
schen, d. i in Verbindung mit einem Koͤrper kennen) uͤbrig 
bleibe, koͤnnen wir nicht ausmachen. Ein solches Ding 
ist ein vernuͤnfteltes Wesen (ens rationis ratiocinan- 
ris kein Vernunftwesen (ens rationis ratiocinatae), 
bon welchem letzteren es doch moͤglich ist die objective Re— 
alitaͤt seines Begrifs , wenigstens fuͤr den practischen Ge⸗ 
brauch der Vernunft, hinreichend darzuthun , weil die⸗ 
ser, der seine eigenthuͤmliche und apodictisch gewisse Prin⸗ 
tipien a priori hat, ihn sogar erheischt (postulirt). 
2) Gegenstaͤnde fuͤr Begriffe, deren objective Rea⸗ 
litaͤt, (es sey durch reine Vernunft, oder durch Erfah⸗ 
rung und, im ersteren Falle, aus theoretischen oder pra⸗ 
ctischen Datis derselben, in allen Faͤllen aber vermittelst 
I M Critk 
hse ihnen corres 
II 
wodie mathema 
zonetrie), weil 
ntherretischen 
d — oder 
nihurg eigen 
rhuguishd 
— 
h —E 
gu de önl 
su —X ih 
husachen und 
wuinst —X 
hude de 
— 
hernuns un 
su, within in 
dihe unter al— 
95h erweitere 
iter dhatsach 
Vottz. Denn 
disen Ausdruc 
—D wen 
dintihen 
—E shonh 
—E einon
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        4 
* 
434 
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ohn⸗ 
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loße Pee „6 
kenden Wisn⸗ 
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alches wiren 
334 
r94 
m hoͤrperhnonh 
hen. Cin — 
—XE 
—X 
cchist die ohrnih 
uͤr den pructithed 
— — — 
wodictisch gewisthu 
ischt (posuhrd 
deren ehectue su 
—X 
—W 
—VVIIII 
I. Th. Critik der telcologischen Urtheilskraft. 451 
einer ihnen correspondirenden Anschauung) bewiesen wer— 
den kann, sind Thatsachen (res facti⸗ 2) dergleichen 
sind die —DD 
Geometrie), weil sie einer Darstellung a priori fuͤr 
den theoretischen Vernunftgebrauch faͤhig sind. Ferner 
sind Dinge, oder Beschaffenheiten derselben, die durch 
Erfahrung eeigene oder fremde Erfahrung, vermittelst 
der dengnise) dargethan werden konnen, gleichfaus 
dhatsachen. — Was aber seht merlwuͤrdig ist, so sindet 
sc sogar eine Vernunftidee Cie an sich keiner Darftei— 
—DDD— 
schen Beweises ihrer Moͤglichkeit, faͤhig ist unter den 
Realitat, als einer besondern Art von Caussalitaͤt, won 
lich seyn wuͤrde) sich durch practische Gesete der reinen 
Vernunft und, diesen gemaͤs, in —RC Handlun⸗ 
gen, mithin in der Erfahrung darthun laͤßt. — Die 
einzige unter allen Ideen der reinen Vernunft, deren 
Ich erweitere hier, wie mich duͤnkt mit Recht den Begrif 
einer Thatsache uͤber die gewoͤhnliche Bedeutung dieses 
Worts. Denn es ist nicht noͤthig, ja nicht einmal thunlich, 
diesen Ausdruck blos auf die wirkliche Erfahrung einzu— 
schraͤnken, wenn von dem Verhaͤltuisse der Dinge zu unseren 
Erkenntnisvermoͤgen die Rede ist, da eine blos moͤgliche Er— 
fahrung schon hinreichend ist, um von ihnen blos als Ge— 
genstaͤnden einer bestimmten Erkenntnisart, zu reden. 
Ff
        <pb n="514" />
        452 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Gegenstand Thatsache ist und unter die scibilia mit ge⸗ 
rechnet werden mu˖ß. 
3) Gegenstaͤnde die in Beziehung auf den pflicht⸗ 
maͤßigen Gebrauch der reinen practischen Vernunft (es 
sey als Folgen , oder als Gruͤnde), a priori gedacht wer⸗ 
den muͤssen, aber fuͤr den theoretischen Gebrauch dersel⸗ 
ben uͤberschwenglich sind, sind bloße Glaubenssachen. 
Dergleichen ist das hoͤchste durch Freyheit zu bewirkende 
Gut in der Welt; dessen Begrif in keiner fuͤr uns moͤg⸗ 
lichen Erfahrung, mithin fuͤr den theoretischen Vernunft—⸗ 
gebrauch hinreichend, seiner objectiven Realitaͤt nach be⸗ 
wiesen werden kann, aber doch durch practische reine Ver⸗ 
nunft geboten ist, und mithin als moͤglich angenommen 
werden muß. Diese gebotene Wirkung ist, zusammt 
den einzigen fuͤr uns denkbaren Bedingungen 
ihrer Moͤglichkeit, naͤmlich dem Daseyn Gottes und 
der Seelen- Unsterblichkeit, Glaubenssachen (res 
Fidei) und zwar die einzigen unter allen Gegenstaͤnden, 
die sogenannt werden koͤnnen. *) Denn, ob von uns 
H Glaubenssachen sind aber darum nicht Glaubensartikel: 
wenn man unter den letzteren solche Glaubenssachen versteht, 
zu deren Bekenntnis (inneren oder aͤußeren) man verpflichtet 
werden kann: dergleichen also die natuͤrliche Theologie 
nicht enthaͤlt. Denn da sie, als Glaubenssachen fuͤrwarhal—⸗ 
ten (gleich den Thatsachen) auf theoretische Beweise nicht 
gruͤnden koͤnnen, so ist es ein freyes Fuͤrwarhalten und auch 
aur als ein solches mit der Moralitaͤt des Subjeets ver⸗ 
einbar. 
Jdy Criil 
lih, vaß wir 
duqnis lerner 
zdurum doch m 
Hner zeugen 
M dhatsache ot 
zutuß es moͤa 
hen Glaubens) 
—X 
x Heschaffenhe 
iuz woͤgllich ist 
en zu dhatsach 
unt öͤnnen all 
bz begensͤnde 
ynn da konnen 
uun Sochen, d 
enntnsses gey 
rise, denen m 
shern kam ß 
— 
iinn sehstkr 
he, defurn 
hiͤt hat unde 
essei theoret 
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        WMo, 
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eride⸗ 
hen Gohe 
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nkeiner see 
roretishen n 
den Realttit ms 
hhracisherteh 
roͤglich angenohn 
V — — 
en Vedingung 
daseyn Gottez 
ühenssachen ( 
llen Gegensaͤnden 
—W 
ücht Glaubenarihl 
—X—— 
ußeren) man vetysichn 
natuͤtliche Thehhe 
—V — 
odetische Heheis wih 
fuͤrwarhalten ind u 
w de Elhheti m 
II. Th. Critik der teleologischen Urcheilskraft. 453 
leich, was wir nur von der Erfahrung anderer durch 
Zeugnis lernen koͤnnen, geglaubt werden muß so ist 
es darum doch noch nicht an sich Glaubenssache; denn 
bey jener zeugen einem war es doch eigene Erfahrung 
und Thatsache oder wird als solche vorausgesetzt. Zu 
dem muß es moͤglich seyn durch diesen Weg (des histori⸗ 
schen Glaubens) zum Wissen zu gelangen und die Objecte 
der Geschichte, wie alles uͤberhaupt was zu wissen nach 
der Beschaffenheit unserer Erkenntnisvermoͤgen wenig⸗ 
fens moͤglich ist , gehoͤren nicht zu Glaubenssachen son⸗ 
dern zu Thatsachen. Nur Gegenstaͤnde der reinen Ver⸗ 
aunft koͤnnen allenfalls Glaubenssachen seyn, aber nicht 
als Gegenstaͤnde der bloßen reinen speculativen Vernunft, 
denn da koͤnnen sie gar nicht einmal mit Sicherheit zu 
den Sachen P i. Objecten jenes fuͤr uns moͤglichen Er⸗ 
kenntnisses gezaͤllt werden. Es sind Ideen, d. i. Be— 
zriffe, denen man die objective Realitaͤt theoretisch nicht 
sichern kann. Dagegen ist der von uns zu bewirkende 
hoͤchste Endzweck, das wodurch wir allein wuͤrdig werden 
koͤnnen selbst Endzweck einer Schoͤpfung zu seyn, eine 
Idee, die fuͤr uns in practischer Beziehung objective Re⸗ 
alitaͤt hat und Sache, aber darum, weil wir diesem Be⸗ 
griffe in theoretischer Absicht diese Realitaͤt nicht verschaf⸗ 
fen koͤnnen, bloße Glaubenssache der reinen Vernunft, 
mit ihm aber zugleich Gott und Unsterblichkeit, als die 
Bedingungen, unter denen allein wir nach der Beschaf⸗ 
fenheit unserer (der menschlichen) Vernunft, uns die 
Ff 3
        <pb n="516" />
        454 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Moͤglichkeit jenes Effects des gesetzmaͤßigen Gebrauchs 
unserer Freyheit denken koͤnuen. Das Fuͤrwarhalten aber 
in Glaubenssachen ist ein Fuͤrwarhalten in reiner practi⸗ 
scher Absicht, d.i. ein moralischer Glaube, der nichts fuͤr das 
cheoretische, sondern blos fuͤr das practische, auf Vefol⸗ 
gung seiner Pflichten gerichtete reine Vernunfterkenntnis, 
beweiset und die Speculation gar nicht erweitert. Wenn 
das oberste Princip aller Sittengesetze ein Postulat ist; 
so wird zugleich die Moͤglichkeit ihres hoͤchsten Objects, 
mithin auch die Bedingung, unter der wir diese Moͤg— 
lichkeit denken koͤnnen, dadurch zugleich mit postulirt. 
Dadurch wird nun das Erkenntnis der letzteren weder 
Wissen noch Meynung von dem Daseyn und der Be⸗ 
schaffenheit dieser Bedingungen, als theoretische Erkennt⸗ 
nisart, sondern blos Annahme, in practischer und da⸗ 
zu gebotener Beziehung fuͤr den moralischen Gebrauch un⸗ 
serer Vernunft. I 
Wuͤrden wir auch auf die Zwecke der Natur, den 
uns die physische Teleologie in so reichem Maaße vor⸗ 
legt, einen bestimmten Begrif von einer verstaͤndigen 
Weltursache scheinbar gruͤnden koͤnnen, so waͤre das Da⸗ 
seyn dieses Wesens doch nicht Glaubenssache. Denn 
da dieses nicht zum Behuf der Erfuͤllung meiner Pflicht, 
sondern nur zur Erklaͤrung der Natur angenommen 
wird, so wuͤrde es blos die unserer Vernunft ange⸗ 
messenste Meynung und Hypothese seyn. Nun fuͤhrt 
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ihn Velturheber 
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en, sowireda 
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zung meiner ih 
X 
erer Vernutft h 
TXIII 
I. Th. Critik der teleologischen Urcheilskraft. 455 
ene Teleologie keinesweges auf einen bestimmten Begrif 
hon Gott, der hingegen allein in dem von einem mora⸗ 
lischen Welturheber angetroffen wird, weil dieser allein 
den Endzweck angiebt, zu welchem wir uns nur so fern 
aͤhlen koͤnnen, als wir dem, was uns das moralische 
Gesetz als Endzweck auferlegt, mithin uns verpflichtet, 
uns gemaͤs verhalten. Folglich bekommt der Begrif 
bon Gott nur durch die Veziehung auf das Object unse⸗ 
rer Pflicht, als Bedingung der Moͤglichkeit den Endzweck 
derselben zu erreichen, den Vorzug in unserm Fuͤrwar⸗ 
halten als Glaubenssache zu gelten: dagegen eben der⸗ 
aabe Begrif doch sein Object nicht als Thatsache geltend 
machen kann: weil, ob zwar die Nothwendigkeit der 
Pflicht fuͤr die practische Vernunft wohl klar ist, doch die 
Erreichung des Endzwecks derselben, so fern er nicht 
ganzin unserer Gewalt ist, nur zum Behuf des practi— 
schen Gebrauchs der Vernunst angenommeg, also nicht 
so wie die Pflicht selbst, practisch nothwendig ist. ) 
Der Endzweck, den das moralische Gesetz zu befoͤrdern auf—⸗ 
erlegt, ist nicht der Grund der Pflicht; denn dieser liegt im 
moralischen Gesetze, welches, als formales practisches Prin⸗ 
eip, eategorisch leitet, unangesehen der Objeete des Be⸗ 
gehrungsvermoͤgens (der Materie des Wollens), mithin 
irgend eines Zwecks. Diese formale Beschaffenheit meiner 
Handlungen (Unterordnung derselben unter das Prineip der 
Allgemeinguͤltigkeit), worinn allein ihr innerer moralischer 
Wach besteht, ist gaͤnzlich in unserer Gewalt und ich kann 
von der Moͤglichkeit, oder Unausfuͤhrbarkeit, der Zwecke, 
hdie mir jenem Gesetze gemaͤs zu befoͤrdern obliegen, gar wohl 
Ff4
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        456 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
Glaube (als habitus, nicht als actus) ist die mo— 
ralische Denkungsart der Vernunft im Fuͤrwarhalten 
desjenigen, was fuͤr das theoretische Erkenntnis unzu⸗ 
gaͤnglich ist. Er ist also der beharrliche Grundsatz des 
Gemuͤths, das, was zur Moͤglichkeit des hoͤchsten mora⸗ 
lischen Endzwecks als Bedingung vorauszusetzen noth⸗ 
wendig ist, um der Verbindlichkeit zu demselben willen 
abstrahiren (weil in ihnen nur der aͤußere Werth meiner 
Handlungen besteht), als etwas, wäs nie voͤllig in meiner 
BGewalt ist, um nur darauf zu sehen, was meines Thuns 
ist. Allein die Absicht den Endzweck aller vernuͤnftigen We⸗ 
sen (Gluͤckseeligkeit, so weit sie einstimmig mit der Pflicht 
moͤglich ist) zu befoͤrdern, ist doch, eben durch das Gesetz 
der Pflicht auferlegt. Aber die speculative Vernnnft sieht 
die Ausfuͤhrbarkeit derselben (weder von Seiten unseres 
eigenen physischen Vermoͤgens, noch der Mitwirkung der 
Natur) gar nicht ein, vielmehr muß sie aus solchen Ur⸗ 
sachen, so viel wir vernuͤnftiger Weise urtheilen koͤunen, 
einen solchen Erfolg unseres Wohlverhaltens von der bloßen 
Natur (in uns und außer uns), ohne Gott und Unsterblich— 
keit anzunehmen, fuͤr eine ungegruͤndete, nichtige wenn 
gleich wohlgemeinte Erwartung halten und, wenn sie von 
diesem Urtheile voͤllige Gewisheit haben koͤnnte, das mora— 
lische Gesetz selbst als bloße Taͤuschung unserer Vernunft in 
practischer Ruͤsickcht ansehen. Da aber die speculative Ver⸗ 
nunft sich voͤllig uͤberzeugt, daß das letztere nie geschehen 
kann, dagegen aber jene Ideen, deren Gegenstand uͤber die 
Natur hinaus liegt, ohne Widerspruch gedacht werden koͤn⸗ 
nen, so wird sie fuͤr ihr eigenes practisches Gesetz und die 
dadurch auferlegte Aufgabe, also in moralischer Ruͤcksicht, 
jene Ideen als real anerkennen muͤssen, um nicht mit sich 
selbst in Widerspruch zu kommen. 
Id Criik 
w wahr anzunel 
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iist eingesehen b 
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n die seeulttihe Ve 
gletzere tie geshesn 
mm Gegensund dberd 
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atisches esg und h 
inordlishe düthth 
—NNniocsch 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 457 
als wahr anzunehmen *) (ob zwar die Moͤglichkeit dessel— 
ben, aber eben so wohl auch die Unmoͤglichkeit von uns 
nicht eingesehen werden kann). Der Glaube (schlechthin 
so genannt) ist ein Vertrauen zu der Erreichung einer 
— 
Ausfuͤhrung derselben aber fuͤr uns nicht einzusehen 
ist Eolglich auch nicht die der einzigen fuͤr uns denkba⸗ 
ren Bedingungen). Der Glaube also, der sich auf be⸗ 
sondere Gegenstaͤnde, die nicht Gegenstaͤnde des moͤgli⸗ 
chen Wissens oder Meynens sind, bezieht (in welchem 
setztern Falle er, vornehmlich im historischen, Leichtglaͤu⸗ 
Er ist ein Vertrauen auf die Verheissung des moralischen 
Gesetzes. Denn ein Endzweck kann durch kein Gesetz der 
Vernunft geboten seyn, ohne daß diese zugleich die Erreich⸗ 
harkeit desselben, wenn gleich ungewis, verspreche und hie— 
mit auch das Fuͤrwarhalten der einzigen Bedingungen be— 
rechtige, unter denen unsere Vernunft sich diese allein den— 
ken kann. Das Wort Fides druͤckt dieses auch schon aus 
und es kann nur bedenklich scheinen, wie dieser Ausdruck 
und diese besondere Idee in die moralische Philosophie hin⸗ 
ein komme, da sie allererst mit dem Christenthum eingefuͤhrt 
worden und die Annahme derselben vielleicht nur eine 
schmeichlerische Nachahmung ihrer Sprache zu seyn scheinen 
duͤrfte. Aber das ist nicht der einzige Fall, da diese wun—⸗ 
dersame Religion in der groͤßten Einfalt ihres Vortrages 
die Philosophie mit weit bestirumteren und reineren Be⸗ 
griffen der Sittlichkeit bereichert hat, als diese bis dahin 
hatte liefern koͤnnen, die aber, wenn sie einmal da sind, von 
der Vernunft frey gebilligt und als solche angenommen wer⸗ 
den auf die sie wohl von selbst haͤtte kommen und sie einfuͤh⸗ 
ren koͤnnen und sollen. 
X 
5
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        4 58 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
bigkeit und nicht Glaube heißen muͤßte) ist ganz mora⸗ 
lisch. Er ist ein freyes Fuͤrwahrhalten, nicht wozu dog⸗ 
matische Beweise fuͤr die theoretisch bestimmende Urtheils— 
kraft anzutreffen stund, noch wozu wir uns verbunden 
halten, sondern dessen was wir , zum Behuf einer Ab⸗ 
sicht nach Gesetzen der Freyheit, annehmen, aber doch 
nicht, wie etwa eine Meynung, ohne hinreichenden 
Grund, sondern als in der Vernunft (ob wohl nur in 
Ansehung ihres practischen Gebrauchs), fuͤr die Ab— 
sicht derselben hinreichend, gegruͤndet; denn ohne 
ihn hat die moralische Denkungsart bey dem Verstos 
gegen die Auffoderung der theoretischen Vernunft zum 
Beweise (der Moͤglichkeit des Objects der Moralitaͤt) 
keine feste Beharrlichkeit, sondern schwankt zwischen pra⸗ 
ctischen Geboten und theoretischen Zweifeln. Unglaͤu— 
bisch seyn heißt der Maxime nachhaͤngen Zeugnissen 
uͤberhaupt nicht zu glauben; Unglaͤubig aber ist der, 
welcher jenen Vernunftideen , weil es ihnen an theoreti⸗ 
scher Begruͤndung ihrer Realitaͤt —X darum alle Guͤl⸗ 
tigkeit abspricht. Er urtheilt also dogmatisch. Ein dog⸗ 
matischer Unglaube kann aber mit einer in der Denkungs⸗ 
art herrschenden sittlichen Maxime nicht zusammen be⸗ 
stehen, (denn einem Zwecke, der fuͤr nichts als Hirnge⸗ 
spinst erkannt wird, nachzugehen, kann die Vernunft 
nicht gebieten), wohl aber ein Zweifelglaube, dem der 
Mangel der Ueberzeugung durch Gruͤnde der sp eculativen 
Veruunft nur Hindernis ist, welchem eine critische Ein— 
I. dh. Ci 
sit in die Gd 
Herhalten ben 
shes Fuͤrwahr 
Venn m 
sͤhe in der“ 
id ihm Einf 
se Hefriedigr 
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rͤsungen der 
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von der Frer 
practische Ph 
der Seelenbe 
— — 
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Etande zuh 
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ontologischen 
der krisen e 
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        tthan 
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— — 
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X 
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er Denkunge⸗ 
usammen he⸗ 
Wals Hirnge⸗ 
ye Verhunst 
uhe, dem yef 
eer speculatihen 
echitische li 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 459 
sicht in die Schranken der letztern den Einflus auf das 
Verhalten benehmen und ihm ein uͤberwiegendes practi⸗ 
sches Ffuͤrwahrhalten zum Ersatz hinstellen kann. 
e3 
Wenn man an die Stelle gewisser verfehlten Ver⸗ 
suche in der Philosophie ein anderes Princip auffuͤhren 
und ihm Einflus verschaffen will, so gereicht es zu gro⸗ 
ßer Befriedigung, einzusehen, wie jene und warum sie 
fehl schlagen mußten. 
Gott, Freyheit und Seelenunsterblichkeit 
sind diejenige Aufgaben, zu deren Aufloͤsung alle Zu— 
ruͤsungen der Metaphysik, als ihrem letzten und alleini— 
gen Zwecke abzielen. Nun glaubte man, daß bie Lehre 
bon der Freyheit nur als negative Bedingung fuͤr die 
practische Philosophie noͤthig sey, die Lehre von Gott und 
der Seelenbeschaffenheit hingegen, zur theoretischen ge⸗ 
hoͤrig, fuͤr sich und abgesondert dargethan werden muͤsse, 
um beyde nachher mit dem, was das moralische Gesetz 
(das nur unter der Bedingung der Freyheit moͤglich ist) 
gebietet, damit zu verknuͤpfen und so eine Religion zu 
Stande zu bringen. Man kann aber bald einsehen, daß 
diese Versuche fehl schlagen mußten. Denn aus bloßen 
ontologischen Begriffen von Dingen uͤberhaupt, oder 
der Eristenz eines nothwendigen Wesens laͤßt sich schlech⸗ 
terdings kein, durch Praͤdicate die sich in der Erfahrung 
geben lassen und also zum Erkenntnisse dienen koͤnnten, 
bestimmter Begrif von einem Urwesen machen, der aber—
        <pb n="522" />
        460 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
welcher auf , Erfahrung von der physischen Zweckmaͤßig⸗ 
keit der Natur gegruͤndet wurde, koͤnnte wiederum kei⸗ 
nen fuͤr die Moral, mithin zur Erkenntnis eines Gottes 
hinreichenden Beweis abgeben. Eben so wenig konnte 
auch die Seelenkenntnis durch Erfahrung (die wir nur 
in diesem Leben anstellen) eiuen Begrif von der geistigen, 
unsterblichen Natur derselben, mithin fuͤr die Moral zu⸗ 
reichend verschaffen. Theologie und Pnevmatolo— 
gie, als Aufgaben zum Behuf der Wissenschaften einer 
speculativen Vernunft, weil deren Begrif fuͤr alle unsere 
Erkenntnisvermoͤgen uͤberschwenglich ist, koͤnnen durch 
keine empirische Data und Praͤdicate zu Stande kom— 
men. — Die Bestimmung beyder Begriffe, Gottes 
sowohl als der Seele (in Ansehung dieser ihrer Unsterb⸗ 
lichkeit) kann nur durch Praͤdicate geschehen, die, ob sie 
gleich selbst nur aus einem uͤbersinlichen Grunde moͤg⸗ 
lich sind, dennoch in der Erfahrung ihre Realitaͤt bewei— 
sen muͤssen; denn so allein koͤnnen sie von ganz uͤbersinn⸗ 
lichen Wesen ein Erkenntnis moͤglich machen. — Der⸗ 
gleichen ist nun der einzige in der menschlichen Vernunft 
anzutreffende Begrif der Freyheit des Menschen unter 
moralischen Gesetzen, zusammt dem Endzwecke, den jene 
durch diese vorschreibt, wovon die erstern dem Urheber 
der Natur, der zweyte dem Menschen diejenige Eigen⸗ 
schaften beyzulegen tauglich sind, welche zu der Moͤglich⸗ 
keit beyder die nothwendige Bedingung enthalten; so 
daß eben aus dieser Idee auf die Existenz und die Be⸗ 
—1X 
shaffenheit s 
s geshloseꝛ 
Also lie 
Vege verfeh 
weisen, dari. 
— 
lih ist, und 
dreyheitsbeg 
das Uehersin 
dreyheit), t 
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kenntnis der 
Endzwecks 
derschaft, s 
Handlungen 
—XR 
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4 
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anz uͤherssun⸗ 
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XC 
wecke, den fepe 
n dem rheher 
tzenige igen 
u der Nosit⸗ 
enthalten, b 
¶ und die d⸗ 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 461 
schaffenheit jener sonst gaͤnzlich fuͤr uns verborgenen We⸗ 
sen geschlossen werden kann. 
Also liegt der Grund der auf dem blos theoretischen 
Wege verfehlten Absicht, Gott und Unsterblichkeit zu be⸗ 
weisen, darinn: daß von dem uebersinnlichen auf die⸗ 
sem Wege (der Naturbegriffe) gar kein Erkenntnis moͤg⸗ 
lich ist, und, daß es dagegen auf dem moralischen (des 
Freyheitsbegrifs) gelingt, hat diesen Grund, daß hier 
das Ueberstnnliche „ was dabey zum Grunde liegt cdie 
Freyheit), durch ein bestimmtes Gesetz der Causalitaͤt, 
welches aus ihm entspringt nicht allein Stoff zum Er⸗ 
kenntnis des andern uebersinnlichen (des moralischen 
Endzwecks und den Bedingen seiner Ausfuͤhrbarkeit) 
verschaft, sondern auch als Thatsache seine Realitaͤt in 
Handlungen darthut, aber eben darum auch keinen an⸗ 
dern, als nur in practischer Absicht (welche auch die ein— 
zige ist, die die Religion bedarf) guͤltigon Beweisgrund 
abgeben kann. 
Es bleibt hiebey immer sehr merkwuͤrdig: daß unter 
den drey reinen Vernunftideen, Gott, Freyheit und 
Unsterblichkeit, die der Freyheit der einzige Begrif 
des Uebersinnlichen ist, welcher seine objective Realitaͤt 
(Germittelst der Caussalitaͤt, die in ihm gedacht wird) an 
der Natur, durch ihre in derselben moͤgliche Wirkung, 
beweiset und eben dadurch die Verknuͤpfung der beyden 
andern mit der Natur, aller dreyer aber unter einander 
zu einer Religion moͤglich macht und daß wir also in
        <pb n="524" />
        462 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
uns ein Princip haben, welches die Idee des Uebersinn⸗ 
lichen in uns, dadurch aber auch die desjenigen außer 
uns, zu einer, ob gleich nur in practischer Absicht moͤg⸗ 
lichen, Erkenntnis zu bestimmen vermoͤgend ist, woran 
die blos speculative Philosophie (die auch von der Frey⸗ 
heit einen blos negativen Begrif geben konnte) verzwei⸗ 
feln mußte mithin der Freyheitsbegrif (als Grundbe⸗ 
grif aller unbedingt-practischen Gesetze) die Vernunft 
aͤber diejenige Grenzen erweitern kann, innerhalb deren 
jeder Naturbegrif (theoretischer) ohne Hofnung einge⸗ 
schraͤnkt bleiben muͤßte. — 
4 
Allgemeine Anmerknng zur Teleologie. 
Wenn die Frage ist: welchen Rang das moralische Ar— 
gument, welches das Daseyn Gottes nur als Glaubenssa⸗ 
che fuͤr die practische reine Vernunft beweiset, unter den uͤbri⸗ 
gen in der Philosophie —XRC , so laͤßt sich dieser ihr gan⸗ 
zer Besitz leicht uͤberschlagen, wo es sich dann ausweiset, daß 
hier nicht zu waͤhlen sey, sondern ihr theoretisches Vermoͤgen, 
vor einer unpartheyischen Critik, alle seine Anspruͤche von 
selbst aufgeben muͤsee. 
Auf Thatsache muß sie alles Fuͤrwarhalten zuvoͤrderst 
gruͤnden, wenn es nicht voͤllig grundlos seyn soll und es kann 
also nur der einzige Unterschied im Beweisen statt finden, ob 
auf diese Thatsache ein Fuͤrwarhalten der daraus gezogenen 
Folgerung, als Wissen, fuͤrs theoretische oder, blos als 
GSlauben, fuͤrs practische Erkenntnis, koͤnne gegruͤndet wer⸗ 
den, Alle Thatsachen gehoͤren entweder zum Taturbegrif, 
der seine Realitaͤt an den vor allen Naturbegriffen gegebenen 
(oder zu geben moͤglichen) Gegenstaͤnde der Sinne bewelset, 
I. 34. Cr 
cher zum Frey 
Caussalttaͤt der 
moͤglicher Wirk 
shen Gesetze un 
Der Naturbeg 
i nun entwede 
ssch, d.ine Dc 
Ersahrung den 
keine hestimmte 
Der ontolt 
Begriffe eines 
— 
fimmt gedacht 
Daseyn, oder 
—X 
des Urwesens 
hoͤrt, damit es 
keit seines Dast 
hͤngige Vest 
Veyde Ersord 
logschen Pee 
intsprangen p 
Der einen b 
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Vegrssedes n 
dige Eristen 
de ihm eine R 
andere den m⸗ 
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eines Dinges C 
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        n luhihe 
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Aherhah den 
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is Gluhengh— 
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)ieser ihr gan⸗ 
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Myruͤche von 
uen Wwoͤrders 
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iatt fuden,dh 
caus — 
—R 
xegruͤndet wer⸗ 
—XR 
ifen gegehenen 
—W 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 463 
oder zum Freyheitsbegriffe, der seine RNealitaͤt durch die 
Caussalitaͤt der Vernunft, in Ansehung gewisser durch sie 
moͤglicher Wirkungen in der Sinnenwelt, die sie im morali⸗ 
schen Gesetze unwiderleglich postulirt, hinreichend darthut. 
Der Naturbegrif (blos zur theoretischen Erkenntnis gehoͤrige) 
ist nun entweder metaphysisch und voͤllig a priori, oder phy⸗ 
sisch, d. i. a posteriori und nothwendig nur durch bestimmte 
Ersahrung denkbar. Der metaphysische Naturbegrif (der 
keine bestimmte Erfahrung voraussetzt) ist also ontologisch. 
Der ontologische Beweis vom Daseyn Gottes aus dem 
Begriffe eines Urwẽsens ist nun entweder der, welcher aus 
ontologischen Praͤdicaten, wodurch es allein durchgaͤngig be⸗ 
stimmt gedacht werden kann, anf das absolut- nothwendige 
Daseyn, oder aus der absoluten Nothwendigkeit des Daseyns 
irgend eines Dinges, welches es auch sey, auf die Praͤdicate 
des Urwesens schließt: denn zum Begriffe eines Urwesens ge⸗ 
hoͤrt, damit es nicht abgeleitet sey, die unbedingte Nothendig⸗ 
keit seines Daseyns und, (um diese sich vorzustellen) die durch—⸗ 
gaͤngige Bestimmung durch den bloßen Begrif desselben. 
Beyde Erfordernisse glaubte man nun im Begriffe der onto, 
logischen Idee eines allerrealsten Wesens zu finden: und so 
entsprangen zwey metaphysische Beweise. 
Der einen blos metaphysischen Naturbegrif zum Grunde le⸗ 
gende (eigentlich⸗ ontologisch genannte) Beweis schlos ausldem 
Begriffe des allerrealsten Wesens auf seine schlechthin nothwen⸗ 
dige Existenz; denn (heißt es) wenn es nicht existirte, so wuͤr⸗ 
de ihm eine Realitaͤt, naͤmlich die Existenz mangeln — Der 
andere (den man auch den metaphysisch⸗ cosmologischen Be⸗ 
weis nennt) schlos aus der Nothwendigkeit der Existenz irgend 
eines Dinges (dergleichen, da mir im Selbstbewustseyn ein 
Daseyn gegeben ist, durchaus eingeraͤumt werden muß) auf 
die durchgaͤngige Bestimmung desselben, als allerrealsten We⸗
        <pb n="526" />
        464 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
sens; weil alles existirende durchgaͤngig bestimmt, das schlech— 
terdings nothwendige aber (naͤmlich was wir als ein solches 
mithin a priori erkennen sollen) durch seinen Begrif durch⸗ 
gaͤngig bestimmt seyn muß; welches sich aber nur im Begriffe 
eines allerrealsten Dinges antreffen laͤßt. Es ist hier nicht 
noͤthig die Sophisterey in beyden Schluͤssen aufzudecken wel—⸗ 
ches schon anderwaͤrts geschehen ist, sondern nur zu bemerken, 
daß solche Beweise, wenn sie sich auch durch allerley dialec— 
tische Subtilitaͤt verfechten ließen, doch niemals uͤber die 
Schule hinaus in das gemeine Wesen hinuͤberkommen und 
auf den bloßen gesunden Verstand den mindesten Einfluß ha⸗ 
ben koͤnnten. 
Der Beweis, welcher einen Naturbegrif, der nur em— 
pirisch seyn kann, dennoch aber uͤber die Grenzen der Natur, 
als Inbegris der Gegenstaͤnde der Sinne, hinausfuͤhren soll, 
zum Grunde legt, kann kein anderer, als der von den Zwe⸗ 
cken der Natur seyn: deren Begrif sich zwar nicht a priori, 
sondern nur durch die Erfahrung geben laͤßt, aber doch einen 
solchen Begrif von dem Urgrunde der Natur verheißt, wel—⸗ 
cher unter allen, die wir denken koͤnnen, allein sich zum Ueber, 
sinnlichen schickt, naͤmlich der von einen hoͤchsten Verstande, 
als Weltursache, welches er auch in der That nach Princi— 
pien der reflectirenden Urtheilskraft, d. i. nach der Beschaf— 
fenheit unseres (menschlichen) Erkenntnisvermoͤgens, voll— 
kommen ausrichtet. — Ob er nun aber aus denselben Datis 
diesen Begrif eines obersten d. i. unabhaͤngigen verstaͤndigen 
Wesens auch als eines Gottes, d. i. Urhebers einer Welt un⸗ 
ter moralischen Gesetzen, mithin hinreichend bestimmt fuͤr die 
Idee von einem Endzwecke, des Daseyns der Welt, zu liefern 
im Stand sey, das ist eine Frage, worauf alles ankommt; 
wir moͤgen uns einen theoretisch hinlaͤnglichen Begrif von 
— 
yn Urwesen zum — 
hur einen practischt 
Dieses aus der 
un ist verehrung⸗ 
leherzeugung auf 
sten Denker und 
wsenen Werke, n 
henen Gruͤndlichk 
ihdadurch ein un 
wodurch gewinnt di 
benuͤth, vornehm 
uunft (denn die Ru 
under der Natur 
ufeine ruhige, sic 
bofnd nicht def 
kuͤndlichen Verste 
hese sud dazu unp 
gnden Vernunft 
dese) alle jene kuͤ 
bey dem wir, als 
Natur stehen blei 
da und was istt 
honst? Jum Ge 
und Vewundern 
welter alz Genuß 
— warum d 
sm zu seyn, kant 
eßt einen pers 
—E geben kann 
ud sein Daseyn 
bung dessen cder 
be zwecke der Nu 
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        ah⸗ 
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— 
wis⸗ 
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üntm, I 
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— — 
üruen dehm, 
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xer hon — 
at nicht — 
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verheißt, peh 
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ten Verfamde, 
t wah Prinel— 
dder Heshaß⸗ 
rwoͤgens, hol⸗ 
xnselben Datß 
een verfindien 
ʒ einer Velt un⸗ 
ystimmt furde 
Lelt, zulern 
—E 
Heqrf hup 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 455 
dem Urwesen zum Behuf der gesammten Naturerkenntnis, 
oder einen practischen fuͤr die Religion verlangen. — 
Dieses aus der physischen Teleologie genommene Argu⸗ 
ment ist verehrungswerth. Es thut gleiche Wirkung zur 
Ueberzeugung auf den gemeinen Verstand, als auf den sub— 
tissten Denker und ein Reimarus in seinem noch nicht uͤber⸗ 
troffenen Werke, worinn er diesen Beweisgrund mit der ihm 
eigenen Gruͤndlichkeit und Klarheit weitlaͤuftig ausfuͤhrt, hat 
sich dadurch ein unsterbliches Verdienst erworben — Allein 
wodurch gewinnt dieser Beweis so gewaltigen Einfluß aufs 
Gemuͤth, vornehmlich in der Beurtheilung durch kalte Ver— 
nunft (denn die Ruͤhrung und Erhebung desselben durch die 
Wunder der Natur koͤnnte man zur Ueberredung rechnen) 
auf eine ruhige, sich gaͤnzlich dahin gebende Beystimmung? 
Es sind nicht X physische Zwecke, die alle auf einen uner⸗ 
gruͤndlichen Verstand in der Weltursache hindeuten; denn 
diese sind dazu unzureichend weil sie das Beduͤrfnis der fra⸗ 
genden Vernunft nicht befriedigen. Denn wozu sind (fraͤgt 
diese) alle jene kuͤnstliche Naturdinge, wozu der Mensch selbst 
bey dem wir, als dem letzten fuͤr uns denkbaren Zwecke der 
Natur stehen. bleiben muͤssen, wozu ist diese gesammte Natur 
da und was ist der Endzweck so großer und mannigfaltiger 
Kunst? Zum Genießen, oder zum Anschauen „Betrachten 
und Bewundern (welches, wenn es dabey bleibt, auch nichts 
weiter als Genuß von besonderer Art ist) als dem letzten End⸗ 
zweck, warum die Welt und der Mensch selbst da ist, geschaf— 
fen zu seyn, kann die Vernunft nicht befriedigen; denn diese 
—DVV 
allein geben kann, als Bedingung unter der allein er 
und sein Daseyn Endzweck seyn kann, voraus; in Erman⸗ 
gelung dessen (der allein eines — 
die Zwecke der Natur seiner Nachfrage nicht Genuͤge thun, 
Kants Crit. d. Urtheiisre. Gg
        <pb n="528" />
        466 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
vornehmlich, weil sie keinen bestimmten Begrif von dem 
hoͤchsten Wesen als einem allgnugsamen und eben darum ei⸗ 
nigen, eigentlich so zu nennenden hoͤchsten Wesen) und den 
Gesetzen, nach denen sein Verstand Ursache der Welt ist an die 
Hand geben koͤnnen. ——— 
Daß also der physisch/teleologische Beweis, gleich als 
ob er zugleich ein theologischer waͤre, uͤberzeugt, ruͤhrt nicht 
von der Bemuͤhung der Ideen von Zwecken der Natur, als 
so viel empirischen Beweisgruͤnden eines hoͤchsten Verstan⸗ 
des her, sondern es mischt sich unvermerkt der jeden Menschen 
beywohnende und so innigst bewegende moralische Beweis⸗ 
grund in den Schluß mit ein, nach welchem man dem We— 
sen, welches sich so unbegreiflich kuͤnstlich im Zwecken der 
Natur offenbart, auch einen Endzweck, mithin Weisheit (ob 
zwar ohne dazu durch die Warnehmung der ersteren berech— 
tigt zu seyn) beylegt und also jenes Argument, in Ansehung 
des Mangelhaften, welches ihm noch anhaͤngt willkuͤhrlich 
ergaͤnzt, so daß in der That nur der moralische Beweisgrund 
die Ueberzeugung und auch diese nur in moralischer Ruͤcksicht, 
wozujedermann seineBeystimmung innigst fuͤhlt, hervorbringt, 
der physisch⸗ teleologische aber nur das Verdienst hat, das 
Gemuͤth in der Weltbetrachtung auf den Weg der Zwecke, 
dadurch aber auf einen verstaͤndigen Welturheber zu leiten; 
da denn die moralische Beziehung auf Zwecke und die Idee 
eines eben solchen Gesetzgebers und Welturhebers, als theo— 
logischer Begrif, ob er zwar reine Zugabe ist, sich dennoch 
aus jenem Beweisgrunde von selbst zu entwickeln scheint. 
Hiebey kann man es in dem gewoͤhnlichen Vortrage fer⸗ 
nerhin auch bewenden lassen. Denn dem gemeinen und ge— 
sunden Verstande wird es gemeiniglich schwer, die verschie⸗ 
dene Principien, die er vermischt, und aus deren einem er 
wirklich allein und richtig folgert, wenn die Absonderung viel 
Ij. Ciitil 
Hachdenken bedar 
hn. Der moro 
hunzt aher eigent 
shen zu einem vo 
derer Heweis, di 
kamersetzt, inder 
Vernunft in der 
ver ufaͤlligen, c 
welche uns nu 
Lausalitaͤt einer 
sehen enthoͤtt, 
keuntuizbermo⸗ 
leuten und auft 
anpsuͤnghcher 
Vegriffe erod 
enthalten und 
es eines heso 
welegrunder 
wesen funsel 
— — 
— 
unnachlaßlich— 
her noch imr 
Welt gar kein 
Teleologie qu 
tiz Wesen ve 
— von Or 
bloßen Mech. 
um derenwille 
fillg weckmi 
lon shiene, 
tlbedenn quck
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        lrtha 
oͤhrf —F 
dhn harun ß 
Nin Vn —FT 
Vhe bih NNo⸗ 
hon —F 
betegt, tiht ih 
in de ünn, ß 
hoͤhsen dehm 
— Noshn 
norahshe dieh 
Men mun den Ve 
uchem —1 
uthnn Verhetthh 
der erfteren —F 
X — 
Angt, vilkiheth 
she heweberun 
ralischer — 
ihl heworheng 
adient hat, dus 
Veg der dwede⸗ 
tuchihersuleiten; 
icte und de Pre 
üchehets, als theu 
xe ist, sih demneh 
wideln sheiut. 
ĩhhen Vortragy sr 
geweinen und g 
dwer, die vershen 
uts deren eihem t 
—XCI 
II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskeast. 467 
Nachdenken bedarf als ungleichartig von einander zu schei⸗ 
den. Der moralische Beweisgrund von Daseyn Gottes er. 
gaͤnzt aber eigentlich auch nicht blos den physisch⸗ teleologi⸗ 
schen zu einem vollstaͤndigen Beweise, sondern ist ein beson⸗ 
derer Beweis, der den Mangel der Ueberzeugung aus dem letz⸗ 
tern erse etzt, indem dieser in der That nichts leisten kann, als die 
Vernunft in der Beurtheilung des Grundes der Natur und 
der zufaͤlligen, aber bewundernswuͤrdigen Ordnung derselben, 
welche uns nur durch Erfahrung bekannt wird, auf die 
Caussalitaͤt einer Ursache, die nach Zwecken den Grund der⸗ 
selben enthaͤlt, (die wir nach der Beschaffenheit unserer Er⸗ 
kenntnisvermoͤgen als verstaͤndige Ursache denken muͤssen) zu 
lenken und aufmerksam, so aber des moralischen Beweises 
empfaͤnglicher zu machen. Denn das, was zu dem letztern 
Vegriffe erfoderlich ist, ist von allem, was Naturbegriffe 
enthalten und lehren koͤnnen, so wesentlich unterschieden, daß 
es eines besondern von den vorigen ganz unabhaͤngigen Be⸗ 
weisgrundes und Beweises bedarf, um den Begrif von Ur⸗ 
wesen fuͤrleine Theologie hinreichend anzugeben und auf seine 
Existenz zu schließen — Der moralische Beweis (der aber 
freylich nur das Daseyn Gottes in practischer, doch auch 
unnachlaßlicher, Ruͤcksicht der Vernunft beweiset) wuͤrde da⸗ 
her noch immer in seiner Kraft bleiben, wenn wir in der 
Welt gar keinen, oder nur zweydeutigen Stoff zur physischen 
Teleologie antraͤfen. Es laͤßt sich denken, daß sich vernuͤnf⸗ 
tige Wesen von einer solchen Natur, welche keine deutliche 
Spur von Organisation, sondern nur Wirkungen von einem 
bloßen Mechanism der roher Materie zeigte, umgeben saͤhen, 
um derenwillen und bey der Veraͤnderlichkeit einiger blos zu⸗ 
faͤllig zweckmaͤßigen Formen und Verhaͤltnisse , kein Grund zu 
seyn schiene, auf einen verstaͤndigen Urheber zu schließen, wo 
zIlsdenn auch zu einer physischen Teleologie keine Veranlast 
682
        <pb n="530" />
        468 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
sung seyn wuͤrde; und dennoch wuͤrde die Vernunft, die 
durch Naturbegriffe hier keine Anleitung bekommt „ im Frey⸗ 
heitsbegriffe und den sich darauf gruͤndenden sittlichen Ideen 
einen practisch- hinreichenden Grund finden, den Begrif des 
Urwesens diesen angemessen, d. i. als einer Gottheit und die 
Natur (selbst unser eigenes Daseyn) als einen jenen und ih— 
ren Gesetzen gemaͤßen Endzweck zu postuliren und zwar in 
Ruͤcksicht auf das unnachlaßliche Gebot der practischen, Ver⸗ 
nunft — Daß nun aber in der wirklichen Welt fuͤr die ver— 
nuͤnftige Wesen in ihr reichlicher Stoff zur physischen Teleo⸗ 
logie ist, (welches eben nicht nothwendig waͤre) dient dem 
moralischen Argumente zu erwuͤnschter Bestaͤtigung, so weit 
Natur etwas den Vernunftideen (den moralischen) Analoges 
aufzustellen vermag. Denn der Begrif einer obersten Ur— 
sache, die Verstand hat, (welcher aber fuͤr eine Theologie 
lange nicht hinreichend ist), bekommt dadurch die fuͤr die re— 
fleetirende Urtheilskraft hinreichende Realitaͤt; aber er ist nicht 
erforderlich, um den moralischen Beweis darauf zu gruͤnden, 
noch dient dieser, um jenen, der fuͤr sich allein gar nicht auf 
—XT hinweiset, durch fortgesetzten Schlus nach einem 
einzigen Princip, zu einem Beweise zu ergaͤnzen. Zwey so 
ungleichartige Principien, als Natur und Freyheit, koͤnnen 
nur zwey verschiedene Beweisarten abgeben, da denn der 
Versuch, denselben aus der ersteren zu fuͤhren, fuͤr das was 
bewiesen werden soll, unzulaͤnglich befunden wird. 
Wenn der physisch ⸗teleologische Beweisgrund zu dem 
gesuchten Beweise zureichte, so waͤre es fuͤr die speculative 
Vernunft sehr befriedigend; denn er wuͤrde Hofnung geben 
eine Theosophie hervorzubringen (so wuͤrde man naͤmlich die 
theoretische Erkenntnis der goͤttlichen Natur und seiner Exi 
stenz, welche zur Erklaͤrung der Weltbeschaffenheit und zu 
gleich der Bestimmung der sittlichen Gesetze zureichte, nennen 
ILdh. C 
—V 
— 
puͤrde sie eine 
punft eben s 
cber, so heb 
ersuͤlen nicht 
Dseorie, die 
X 
soeyte, als? 
Freyheitsprin 
der Vernunft 
uͤlen, st ein 
hen weiter zu 
Der ph 
um vicht pur 
hinreichend 
geben kann 
wen oder se 
lichen Zusun 
— 
eine verstͤnd 
Verstandeß 
auf den hit 
fordert wer 
— 
denthar;n 
kben so schl. 
Nacht des 
deses nurc 
und, da ihr 
— 
ainem sos
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        — 
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bhnhen dlhn 
voͤr) —T 
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alshen) —T— 
lher oherse n 
ir eine dobhe 
icch di sir —T 
it; aberer stuist 
rrauf zu gühen 
biin gar niht af 
Alus gach ehem 
tzen Zuey she 
aehheit, kinnen 
d, da denn der 
n, fuͤrdos woß 
n wird. 
egrund zu den 
c die speculathe 
Hoflung gehmn 
nan toͤnhch de 
xund sener byt 
mienhet und s 
gpechte, gennen 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 469 
muͤssen). Eben so wenn Psychologie zureichte, um dadurch 
zur Erkenntnis der Unsterblichkeit der Seele zu gelangen,.so 
wuͤrde sie eine Pnevmatologie, welche der speculativen Ver⸗ 
nunft eben so willkommen waͤre, moͤglich machen, beyde 
aber, so lieb es auch dem Duͤnkel der Wisbegierde seyn mag, 
erfuͤllen nicht den Wunsch der Vernunft in Absicht auf die 
Theorie, die auf Kenntnis der Natur der Dinge gegruͤndet 
sevn mußte. Ob aber nicht die erstere, als Theologie, die 
zweyte, als Anthropologie, beyde auf das sittliche, d. i. das 
Freyheitsprincip gegruͤndet, mithin dem practischen Gebrauche 
der Vernunft angemessen, ihre objective Endabsicht besser er⸗ 
faͤllen, ist eine andere Frage, die wir hier nicht noͤthig ha⸗ 
den weiter zu verfolgen. 
Der physisch⸗ teleologische Beweisgrund reicht abet dar⸗ 
am nicht zur Theologie zu, weil er keinen, fuͤr diese Absicht 
hinreichend bestimmten Begrif von dem Urwesen giebt, noch 
geben kann, sondern man diesen gaͤnzlich anderwaͤrts herneh⸗ 
men oder seinen Mangel dadurch „als durch einen willkuͤhr⸗ 
lichen Zusatz, ersetzen muß. Ihr schließt aus der großen 
Zweckmaͤßigkeit der Naturformen und ihrer Verhaͤltnisse auf 
eine verstaͤndige Weltursache; aber auf, welchen Grad dieses 
Verstandes? Ohne Zweifel koͤnnt ihr euch nicht anmeßen 
auf den hoͤchst⸗ moͤglichen Verstand; denn dazu wuͤrde er⸗ 
fordert werden, daß ihr einsehet, ein groͤßerer Verstand als 
davon ihr Beweisthuͤmer in der Welt wahrnehmet, sey nicht 
denkbar; welches euch selber Allwissenheit beylegen hieße. 
Eben so schließt ihr aus der Groͤße der Welt auf eine sehr große 
Macht des Urhebers, aber ihr werdet euch bescheiden, daß 
dieses nur comparativ fuͤr eure Fassungskraft Bedeutung hat 
und, da ihr nicht alles moͤgliche erkennet, um es mit ˖ der 
Weltgroͤße, so weit ihr sie kennt, zu vergleichen, ihr nach 
inem so kleinen Maasstabe keine Allmacht des Urhebers fol⸗ 
Ff 3
        <pb n="532" />
        470 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
gern koͤnnet u. s. w. Nun gelangt ihr dadurch zu keinem be⸗ 
stimmten fuͤr eine Theologie tauglichen, Begriffe eines Ur⸗ 
wesens; denn dieser kann nur in dem der Allheit der mit ei⸗ 
nem Verstande vereinbaren Vollkommenheiten gefunden wer⸗ 
den, wozu euch blos empirische Data gar nicht verhelfen 
koͤnnen: ohne einen solchen bestimmten Begrif aber koͤnnt ihr 
auch nicht auf ein einiges verstaͤndiges Urwesen schließen, 
sondern (es sey zu welchen Behuf) ein solches nur annehmen. 
— Nun kann man es zwar ganz wohl einraͤumen, daß ihr 
(da die Vernunft nichts gegruͤndetes dawider zu sagen hat) 
willkuͤhrlich hinzusetzt: wo so viel Vollkommenheit angetroffen 
wird, moͤge man wohl alle Vollkommenheit in einer einzigen 
Weltursache vereinigt annehmen; weil die Vernunft mit ei⸗ 
nem so bestimmten Princip, theoretisch und practisch, besser 
zurecht kommt. Aber ihr koͤnnt denn doch diesen Begrif des 
Urwesens nicht als von euch bewiesen auspreisen, da ihr ihn 
nur zum Behuf eines bessern Vernunftgebrauchs angenommen 
habt. Alles Jammern also oder ohmaͤchtiges Zuͤrnen uͤber den 
vergeblichen Frevel, die Buͤndigkeit einer Schluskette in Zwei⸗ 
fel zu ziehen ist eitle Grosthuerey, die gern haben moͤchte, 
daß man den Zweifel , den man gegen euer Argument frey 
heraussagt, fuͤr Bezweifelung heiliger Wahrheit halten moͤch⸗ 
te um nur hinter dieser Decke die Seichtigkeit desselben durch— 
schluͤpfen zu lassen, 
Die moralische Teleologie hingegen, welche nicht minder 
fest gegruͤndet ist, wie die physische, vielmehr dadurch, daß 
sie aà priori auf von unserer Vernunft untrennbaren Prinei⸗ 
pien beruht, Vorzug verdient, fuͤhrt auf das, was zur 
Moͤglichkeit einer —X erfodert wird „naͤmlich auf einen be⸗ 
stimmten Begrif der obersten Ursache, als Weltursache nach 
moralischen Gesetzen, mithin einer solchen, die unserm mo⸗ 
ralischen Endzwecke Gnuͤge thut, wozu nichts weniger als 
I.dh. 
Mlwissenhet, 
hrige Naturt 
ralischen End— 
wdiquat geda 
zigen Welt 
gan allein 
Auf solt 
zur Veligio 
als goͤttlic 
und des dar 
den Vesrif 
der also sch 
gen dieseß 
Begrif vom 
lich desselhen 
funden werd 
rigkeit, vh 
Einschiehun 
sen eine Ca 
liche Bewe 
bogishe Ve. 
delhst wen 
groͤndet we 
nung(dari— 
jenihen unt 
de (practh. 
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nuͤttz her 
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von Zwan
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Niesen —— 
resen, da hrisn 
Wangenomnrn 
zduͤrnen uherden 
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hohen mochte, 
Aroument srey 
— 
dessehen durhh, 
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ht dadurch, doß 
indaren Princh 
uß, wo zur 
dauf cinen bo 
Lelturheche nach 
Ne unserm mo⸗ 
tz wenther ib 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheiskraft. 471 
Allwissenheit, Allmacht, Allgegenwart u. s. w. als dazu ge⸗ 
hoͤrige Natureigenschaften erfoderlich sind, die mit dem mo⸗ 
ralischen Endzwecke der unendlich ist als verbunden mit ihm 
adaͤquat gedacht werden muͤssen und kan so den Begrif eines ein⸗ 
zigen Welturhebers, der zu einer Theologie tauglich ist, 
ganz allein verschaffen. 
Auf solche Weise fuͤhrt eine Theologie auch unmittelbar 
zur Religion, d. i. der Erkenntnis unserer Pflichten, 
al s goͤttlicher Gebote; weil die Erkenntnis unsererPflicht, 
und des darin uns durch Vernunft auferlegten Endzwecks, 
den Begrif von Gott zuerst bestimmt hervorbringen konnte, 
der also schon in seinem Ursprunge von der Verbindlichkeit ge⸗ 
gen dieses Wesen unzertrennlich ist, anstatt daß, wenn der 
Begrif vom Urwesen auf!dem blos theoretischen Wege (naͤm⸗ 
lich desselben als bloßer Ursache der Natur) auch bestimmit ge⸗ 
funden. werden koͤnnte, es nachher noch mit großer Schwie⸗ 
rigkeit, vielleicht gar Unmoͤglichkeit, es ohne willkuͤhrliche 
Einschiebung zu leisten, verbunden seyn wuͤrde , diesem We⸗ 
sen eine Caussalitaͤt nach moralischen Gesetzen durch gruͤnd— 
liche Beweise beyzulegen; ohne die doch jener angehlich theo⸗ 
logische Begrif keine Grundlage zur Religion ausmachen kann. 
Selbst wenn eine Religion auf diesem theoretischen Wege ge⸗ 
gruͤndet werden koͤnnte, wuͤrde sie in Ansehung der Gesin⸗ 
nung (darinn doch ihr Wesentliches besteht) wirklich von der— 
jenigen unterschieden seyn, darinn der Begrif von Gott und 
die (practische) Ueberzengung von seinem Daseyn aus Grund⸗ 
deen der Sittlichkeit entspringt. Denn, wenn wir Allge⸗ 
walt, Allwissenheit u. s. w. eines Welturhebers, als ander⸗ 
waͤrts her uns gegebene Begriffe voraussetzen muͤßten, um 
nachher unsre Begriffe von Pflichten auf unser Verhaͤltnis 
zu ihm nur anzuwenden, so muͤßten diese sehr stark den Anstrich 
von Zwang und abgenoͤthigter Unterwerfung bey sich fuͤhren; 
Gð
        <pb n="534" />
        472 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
statt dessen, wenn die Hochachtung fuͤr das sittliche Gesetz 
uns ganz frey, laut Vorschrift unserer eigenen Vernunft den 
Endzweck unserer Bestimmung vorstellt, wir eine damut inb 
zu dessen Ausfuͤhrung zusammenstimmende Ursache mit der 
wahrhaftesten Ehrfurcht, die gaͤnzlich von pathol ogischer 
Furcht unterschieden ist, in unsere moralische Aussichten mit 
aufnehmen und uns derselben willig unterwerfen.*“) 
Wenn man fraͤgt: warum uns denn etwas daran gele⸗ 
gen sey uͤberhaupt eine Theologie zu haben: so leuchtet klar 
ein, daß sie nicht zur Erweiterung oder Berichtigung unserer 
Naturerkenntnis und uͤberhaupt irgend einer Theorie son⸗ 
dern lediglich zur Religlon, d. l. dem practischen, nament— 
lich dem moralischen Gebrauche der Vernunft in subjectiver 
Absicht, noͤthig sey. Findet sich nun: daß das einzige Ar— 
gument, welches zu einem bestimmten Begriffe des Gegen—⸗ 
standes der Theologie fuͤhrt, selbst moralisch ist, so wird es 
nicht allein befremden, sondern man wird auch in Ansehung 
der Zulaͤnglichkeit des Fuͤrwarhaltens aus diesem Beweis⸗ 
grunde zur Endabsicht derselben nichts vermissen, wenn ge⸗ 
standen wird, daß ein solches Argument das Daseyn Gottes 
nur fuͤr unsere moralische Bestimmung, d. i. in practischer 
) Die Bewunderung der Schoͤnheiten sowohl, als die Ruͤh— 
rung durch die so mannigfaltigen Zwecke der Natur, die 
ein nachdenkendes Gemuͤth, noch vor einer klaren Vorstel— 
lung eines vernuͤnftigen Urhebers der Welt, zu fuͤhlen im 
Stande „ haben etwas einem religioͤsen Gefuͤhl aͤhnli⸗ 
hes an sich. Sie scheinen daher zuerst durch eine der morali— 
schen analoge Beurtheilungsart derselben aufs moralische 
Gefuͤhl (der Dankbarkeit und der Verehrung gegen die uns 
unbekannte Ursache) und also durch Erregung moralischer 
Ideen auf das Gemuͤth zu wirken, wenn sie diejenige Be— 
wunderung eingloͤßen, die mit weit mehrerem Interesse ver— 
bunden ist, als bloße thebretische Betrachtung wirken kann. 
I.dy 
Wscht hiure 
hee Gtaͤke 
heetz dadure 
her vorgebl 
— 
— 
hur in An 
ges aberd 
bringen ko 
krkenntn 
wo seine 
diglich in 
dieser Ge 
aher zum 
auch in iht 
u machen 
Wen 
hin ihn d 
ne ich ihn 
deselben, 
— 
—D 
deichihner 
gleich nocht 
sehe)ein9 
hm seht, 
Kraͤste seine 
aß der Gr 
tion abnehn 
und der Re 
cüuͤlt uuh 
lihes Weh
        <pb n="535" />
        I 
lhing 
s btthh— be 
dn dnusn, 
in hunt und 
F— ithe 
F —T 
he lusttn w 
chefen 
n hung 
bu bann 
dettmn 
inn dohn 
rrutshen unn— 
luns m hehr 
aß daz einse Pp 
ehrse de Cip 
shit, uhe 
Hauchin Nuehun 
ã dicsen Depeng 
nisen, wemnge 
— Gottet 
ꝛ in hractisher 
Al, uß die koͤh 
der Natur, die 
at llaren Vorsel 
it, zu sͤhlen in 
—XI 
archeine der motdl— 
n mijß worelisse 
ung gegen die wb 
rregung moralisher 
asie diejenige he— 
retem Juteresse het 
Atna wicken kum. 
II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 473 
Absicht hinreichend darthue und die Speculation in demselben 
ihre Staͤrke keinesweges beweise, oder den Umfang ihres Ge⸗ 
biets dadurch erweitere. Auch wird die Befremdung, oder 
der vorgebliche Widerspruch einer hier behaupteten Moͤglich⸗ 
keit einer Theologie, mit dem, was die Critik der speculati⸗ 
ben Vernunft von den Categorien sagte: daß diese naͤmlich 
nur in Anwendung auf Gegenstaͤnde der Sinne, keineswe⸗ 
ges aber aufs Uebersinnliche angewandt, Erkenntnis hervor⸗ 
bringen koͤnnen, verschwinden, wenn man sie hier zu einem 
Erkenntnis Gottes, aber nicht in theoretischer, (nachdem 
was seine uns unerforschliche Natur an sich sey) sondern le⸗ 
diglich in practischer Absicht gebraucht sieht. — Um bey 
bdieser Gelegenheit der Misdeutung jener sehr nothwendrgen, 
aber zum Verdruß des blinden Dogmatikers die Vernunft, 
auch in ihre Grenzen zuruͤckweisenden Lehre der Critik, ein Ende 
zu machen, fuͤge ich hier beygehende Erlaͤuterung derselben bey. 
Wenn ich einen Koͤrper bewegende Kraft beylege, mit⸗ 
hin ihn durch die Categorie der Caussalitaͤt denke so erken⸗ 
ne ich ihn dadurch zugleich, d. i. ich bestimme den Begrif 
desselben, als Objects uͤberhaupt, durch das, was ihm, als 
Gegenstande der Sinne, fuͤr sich (als Bedingung der Moͤg⸗ 
lichkeit jener Relation) zukommt: denn ist die bewegende Kraft, 
die ich ihnen beylege, eine abstoßende so kommt ihm (wenn ich 
gleich noch nicht einen anderen gegen den er sie ausuͤbt neben ihm 
fetze) ein Ort im Raume, ferner eine Ausdehnung, d.i. Raum in 
ihm selbst, uͤberdem Erfuͤllung desselben durch die abstoßende 
Kraͤfte seiner Theile zu, endlich auch das Gesetz dieser Erfuͤllung 
(daß der Grund der Abstoßung der letzteren in derselben Propor⸗ 
tion abnehmen muͤsse, als die Ausdehnnng des Koͤrpers waͤchst 
und der Raum den er mit denselben Theilen durch diese Kraft 
erfuͤllt zuuimmt). — Dagegen, wenn ich mir ein uͤbersinn⸗ 
lithes Wesen als den ersten Beweger, mithin durch die Ca⸗ 
—A
        <pb n="536" />
        474 II. Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
tegorie der Caussalitaͤt in Ansehung derselben Weltbestimmung 
(der Bewegung der Materie), denke, so muß ich es nicht in 
irgend einem Orte im Raume, eben so wenig als ausgedehnt, 
ja ich darf es nicht einmal als in der Zeit und mit andern zu⸗ 
gleich existirend denken. Also habe ich gar keine Bestimmun⸗ 
gen, welche mir die Bedingung der Moͤglichkeit der Bewe⸗ 
gung durch dieses Wesen als Grund verstaͤndlich machen koͤnn⸗ 
ten, folglich erkenne ich dasselbe durch das Praͤdicat der Ur— 
sache (als ersten Beweger) fuͤr sich nicht im mindesten, son⸗ 
dern ich habe nur die Vorstellung von einem Etwas, was den 
Grund der Bewegungen in der Welt enthaͤlt und die Rela⸗ 
tion derselben zu diesen, als deren Ursache, da sie mir sonst 
nichts zur Beschaffenheit des Dinges, welches Ursache ist, ge— 
hoͤriges, an die Hand giebt, laͤßt den Begrif von dieser ganz 
leer. Der Grund davon ist: weil ich mit Praͤdicaten, die 
nur in der Sinnenwelt ihr Object finden, zwar zu dem Da⸗ 
seyn von Etwas, was den Grund der letzteren enthalten 
muß/ aber nicht zu der Bestimmung seines Begrifs als uͤber⸗ 
sinnlichen Wesens, welcher alle jene Praͤdicate ausstoßt fort⸗ 
schreiten kan. Durch die Categorie der Caussalitaͤt also, wenn 
ich sie durch den Begrif eines ersten Bewegers bestimme, 
erkenne ich, was Gott sey, nicht im mindesten; vielleicht aber 
wird es besser gelingen, wenn ich aus der Weltordnung An—⸗ 
las nehme seine Caussalitaͤt, als die eines obersten Verstan— 
des nicht blos zu denken, sondern ihn auch durch diese Be— 
stimmung des genannten Begrifs zu erkennen: weil da die 
laͤstige Bedingung des Raumes und der Ausdehnung wegfaͤllt. 
— Allerdings-noͤthigt uns die große Zweckverbindung in der 
Welt eine oberste Ursache zu derselben und deren Caussalitaͤt 
als durch einen Verstand zu denken, aber dadurch sind wir 
gar nicht befugt ihr diesen beyzulegen (wie z. B. die Ewig⸗ 
keit Gottes als Daseyn zu aller Zeit zu denken, weil wir 
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II.Th. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 475 
sonst gar keinen Begrif von bloßen Daseyn als einer Groͤße, 
d. i. als Dauer, machen koͤnnen, oder die goͤttliche Allgegen⸗ 
wart als Daseyn in allen Orten zu denken, um die unmittel⸗ 
bare Gegenwart fuͤr Dinge ausser einander uns faslich zu 
machen, ohne gleichwohl eine dieser Bestummungen Gott, 
als etwas an ihm Erkanntes, beylegen zu duͤrfen). Wenn 
ich die Caussalitaͤt des Menschen in Ansehung gewisser Pro⸗ 
ducte , welche mir durch absichtliche Zweckmaͤßigkeit erklaͤrlich 
sind, dadurch bestimme, daß ich sie als einen Verstand dessel⸗ 
hen denke, so brauche ich nicht dabey stehen zu bleiben , son⸗ 
dern kan ihm dieses Praͤdicat als. wohlbekannte Eigen⸗ 
schaft desselben beylegen und ihn dadurch erkennen. Denn ich 
weiß, daß Anschauungen den Sinnen des Menscheu gegeben, 
und durch den Verstand unter einen Begrif und hiemit unter 
eine Regel gebracht werden: daß dieser Begrif nur das ge— 
meinsame Merkmal (mit Weglassung des Besondern) enthalte 
und also discursiv sey: daß die Regeln, umgegebene Vorstel⸗ 
lungen unter ein Bewustseyn uͤberhaupt zu bringen, von ihm 
noch vor jenen Anschauungen gegeben werden u. s. w. und 
lege also diese Eigenschaft dem Menschen bey als eine solche, 
wodurch ich ihn erkenne. Will ich nun aber ein uͤbersinnli⸗ 
ches Wesen (Gott) als Intelligenz denken, so ist dieses in 
gewisser Ruͤcksicht meines Vernunftgebrauchs nicht allein er⸗ 
laubt, sondern auch unvermeidlich, aber ihm Verstand bey⸗ 
zulegen und es dadurch als einer Eigenschaft desselben er⸗ 
kennen zu koͤnnen sich schmeicheln ist keinesweges erlaubt; 
weil ich alsdann alle jene Bedingungen, unter denen ich al, 
lein einen Verstand kenne, weglassen muß, mithin das Praͤ— 
dicat das nur zur Bestimmung des Menschen dient, auf ein 
uͤbersinnliches Object gar nicht bezogen werden kann und also 
durch eine so bestimmte Caussalitaͤt, was Gott sey, gar nicht 
erkannt werden kan; und so gehts mit allen Categorien, die 
gar keine Bedeutung zum Erkenntnis in thoretischer Ruͤcksicht
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        476 II. Ih. Critik der teleologischen Urtheilskraft. 
haben koͤnnen, wenn sie nicht anf Gegenstaͤnde moͤglicher Er⸗ 
fahrung angewandt werden. — Aber nach der Analogie mit 
einem Verstande kann ich, ja muß ich mir wohl, in gewisser 
anderer Ruͤcksicht selbst ein Uebersinnliches Wesen denken, oh— 
ne es gleichwohl dadurch theoretisch erkennen zu wollen; wenn 
naͤmlich diese Bestimmung seiner Caussalitaͤt eine Wirkung in 
der Welt betrift, die eine moralisch⸗nothwendige, aber 
fuͤr Sinnenwesen unausfuͤhrbare Absicht enthaͤlt, da alsdann 
ein Erkenntnis Gottes und seines Daseyns( Theologie) durch 
blos nach der Analogie an ihm gedachte Eigenschaften und 
Bestimmungen seiner Caussalitaͤt moͤglich ist, welches in pra— 
ctischer Beziehung aber auch nur in Ruͤcksicht auf diese (als 
moralische) alle erforderliche Realitaͤt hat. — Es ist also wohl 
eine Ethicotheologie moͤglich, denn die Moral kann zwar mit 
ihrer Regel, aber nicht mit der Endabsicht, welche eben die— 
selbe auferlegt, ohne Theologie bestehen, ohne die Vernunft 
in Ansehung der letzteren im bloßen zu lassen. Aber ein theo⸗ 
logische Ethik (der reinen Vernunft) ist unmoͤglich; weil Ge⸗ 
setze, die nicht die Vernunft urspruͤnglich selbst giebt 
und deren Befolgung! sie als reines practisches Ver— 
moͤgen auch bewirkt, nicht moralisch seyn koͤnnen. Eben so 
wuͤrde eine theologische Physik ein Unding seyn, weil sie keine 
Naturgesetze sondern Anordnungen eines hoͤchsten Willens vor⸗ 
tragen wuͤrd e, dagegen eine physische (eigentlich physisch teleo⸗ 
logische) Theologie doch wenigstens als Propaͤdevtik zur eigent— 
lichen Theslogie dienen kan; indem sie durch die Betrachtung der 
Naturzwecke, von denen sie reichen Stoff darbietet, zur Idee.ei, 
nes Endzwecks, den die Natur nicht aufstellen kan, Anlas giebt, 
mithin das Beduͤrfnis einer Theologie, die den Begrif von Gott 
fuͤr den hoͤchsten practischen Gebrauch der Vernunft zureichend 
bestimmte, zwar fuͤhlbar machen, aber sie nicht hervorbringen 
und auf ihre Beweisthuͤmer zulaͤnglich gruͤnden kan. 
ditt. Z.3. 
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Seite 18. Z. 3. st. ausmachen l. ausmachen. 
S. 3. 3. st. berbessern l. verbessere 
*. 2. 3. 13. statt aberl. uͤber (das Semicolon faͤllt weg.) 
8 . unterste Zeile, st. reine und empirische l. empirische und 
etne. 
8. 41 3. 17 st. daß l. daß sie. 
*. . 3 Kt. koͤnnen l. koͤnnen sie. 
—A objektivell. objektive innere. 
5. F. 2 5. st, narel. nun I 
5.7312.statt der l. bey dem. 
2.—Pvon unten st. reyrodueiren koͤnnen l. zu reprodueiren. 
3 2. — — st. reprodueiren l. zu reproduciren. 
5. T. — — st lassen l. zu lasse. 
S. 57. 3. 2. st. wissen lJ. wisse. 
3. 1. und 3. von unten st. Ideal l. beydemal Normaliden. 
S. 69. 3. og demnachel. denaoch. 
28 st. Abfichtl. Absicht ist. 
Z!5) von unten st. oder der Gebaͤude l. als der Gebaͤude. 
. 80. 3. 1. l. comparatiue. i — 
23.7 st. garx oere l. gar kein Prineid. 
S. 86. 3— 1õ st. Zusammensetzung l. Zusammenfassung. 
8 38. 3. 20.ñ. diel. der. ientus. 
33. 5. von unten l. nach dem Wort Ganzen: eine solche. 
97. 2. 12. st. der Ideen.l. den Ideen. 
99. 3. 7 von unten st. wuͤrde l. wurde 
102. 2. 12 st. angenommen l. eingenommen. —— 
109. *. 4. von unten st. verbreitet l. vorbereitet. 
76.. 5. von unten st, stellt sie den l. stellt den. 
121. 3.7. - widrige J. niedrige. 
129. faͤllt der Titel: Drittes Buch Deduetion u. s. w. weg. 
752. 3. 9. st. bringen lJ. finden. 
S 160. J. 5. streiche welches weg. 
S. 173. 3. 1. st. was J. was man. 
2 zißh In unten in der Anmerkungen st. vergeblichen l. vorgeb⸗ 
ichen. 
S. 178. 3. 16. st. allen l. alleii. 
. 259. 3.10. von unten st. gnuͤgsame l. gnuͤgsam. 
*: 32. 3.9. st. folglich auch l. folglich daß auch. 
8 132. 3. 6 von unten st. Ich wuͤrde fagen l. ich 
laͤufig sagen. 4 
S. 328. Z. 6. eriterisch l. eritisches. 
wuͤrde vor⸗ 
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