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        <title>H:Kracauer, Siegfried/01.03/Klebemappe 1923 - [Geschlossener Bestand der Mediendokumentation, Nachlass]</title>
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        K? 
Ilrieki)An6. 
s&amp;gt;s. 
» 1. 
*) Mit Ausnahme zweier noch Erwähnung findender Bücher,^ 
Hie der Neue Geist-Verlag herausgebrachL hat, sind sämtliche hier 
.besprochenen Werke Sinelairs in der trefflichen Ueberjetzung Von^ 
K-Mchnia Lur Mühlen erschienen. 
Ki»«KI,Kr«Zt°8 ?»,ß-5« nn 8«rn«I» 
I^L'jOrRs'L^Ir vors k^G^ZU« 186'—18W. 
Lwlt^Art, veutsoko VoriaKs-^osMU. XII, 369 8. 
Vw küiLiiek oiookreNsii-oii LrioLs 6«Ä;od 8 u r e k k L r 6 ös 
Lir seinen ^reuv6 k'rieüriod v. kreen ke^eiekern .6W 866 
DurekkAräts L^ar niodt um neus ^ü^o, dürlen Ader äoed 
emH iverLvoNe UrMnLMiA seiner „Lrisko an einen Vreki^. 
teilen". Lr lernte, ^16 Lmu 8 t r 3, u K m seinem Vorderiedl; 
ervLdnt, den um etlieke ^sdre ^ün§eren daZ^eden Vervval- 
LnnAsdeAMten verrnnlliev beim ÄdenäNeken Ztammtised im 
„Kirnen" Ln I.örrned kennen nn6 moedw 6v6en, 6^3 sied 
ein „vernünktlKeL OIss ^Vein" n»it idm trinken tasso. Im 
KMderdst 1869 ^nräe 6er Urnedr Odersmtmann v. kreen 
n^ed Ninedsal versetzt, künk ^adre später schon ka.m er Als 
8taär6!rekwr n^ed XLlsrnde, vo viele k'Läsn in seiner Kami 
LusammenHeken. Rnrekd^rät ^Lr in 6ew k'reunäsekAkts- 
verdnitnis änrenLus niedt nur 6er Oedsn6o, er enwkinK viel- 
medr von Sem mitten in 6er ?rLxis siebenten, ^velterkLdreDen 
preunüe, mit äem idn Veredrnn^ kür LedopendAuer un6 vor- 
v^Anäts Ix»den85timmnnA- verdanä, 80 MAnede LeKUiti^nnU 
nnä ^.nreMNZ in poMiseken ViA^en vv6 in mevsedliedea 
Oivgen V/Rrme kürs kröstewäb ^der. ^us 6en 1864 de- 
xinnen6en Lrrsken tritt 61s ^ersönUedke'N 8«rekdAr6tK Lum 
öreiken Zentiied dervor. ^mü88,nt nn6 Nedevg^vüräignin- 
stLnäiled xl3n6ert 6er et-n-as kanLi^s ^nnAKSseNe von seinen 
Weisen NLed ^Vien, konäon, Italien, seinen VVemkLdrten ms 
Oderi3n6 nn6 verkenn im übrigen nie, sied n^ed 6em &amp;gt;Voh1- 
er§eden 6er „kilii" kreens trendesor^t Ln erknnäiZen. 8eme 
kortiLni'ncke OIoZÄernn§ 6er poütiseden Vor^wge verrLt 6^ 
xenLnen Kenner 6er enropLiFeden Oesekiekw, 6er Ae^oimt 
ist, Atz AreiAnisse im OroLen Tu seden, nn6 änred AnLsren 
OlüNL kiek niedt dienten KIM. Mextlsed, M mit nnver- 
kokIeneM inneren dranen direkt 6er Verkasser 6er „Meid» 
kistoriseken LetrAedtnn§en" 6em Lommen6en entgbssen. 
Volksvermekrung, vemokrAtisierun^ Knärkniisi^runA 6er 
Nassen suk 6er einen 8eite, 8ed^in6en 6er ReliMositLt nvL 
6es Meis an« 6er Melt auk 6er anäeren Leite muä idm 
Vorboten 6es vadenäen OkLOs unä ^Ldrdakt propdetisek 
LnVer-t er 1890: „8mnm1 ^eräen 6er entsetrirsire LsMLks- 
mirs von oben nn6 äas deZekrliede Kreiden von unten ^is 
Lvei KokneNrüKe Lnk 6ense1den Oeieisen ^e^eneinLnäer 
prslien". Mt einem KenM^ an 6en nNen 1&amp;gt;enn6 
vom VsLemder 1833 sediisM 6er ^öisMn ansMtLttettz 
ApLon Sinclair. 
! Der Name des ameritzanischen Dichters Upton Sinclair 
wurde in Deutschland zuerst bekannt durch seinen Roman: 
.^Der Sumpf", der die Mißstände in den Chioagoer Schlacht 
Häusern enthüllte und als Nachspiel eine die Richtigkeit seiner 
Angaben bestätigende Regierungsuntersuchung, an der sich 
der Dichter selber beteiligte, zur Folge hatte. Unermüdlich und 
unerschrocken hat seitdem der jetzt Vi-erundvierzigjährige in 
weiteren Romanen, in Dramen und Tendenzschristen aller 
Art Unrecht ans Licht geZerrt und im Kampf gegen die kapi 
talistischen Ausbeuter das Evangelium des Sozialismus ver 
kündet, von dessen Verwirklichung er sich das Nahen des 
Reichs erwartet. Während der letzten Fahre ist eine Anzahl 
seiner Bür^r (zumeist solche der jüngsten Vergangenheit, aber 
auch etliche Werke der Vorkriegszeit) in deutscher Übersetzung 
erschienen. In allen von ihnen ersteht, einem phantastischen 
Spukgebilde gleich, das große chaotische Amerika, Land ohne 
geistigen Mittelpunkt, Schauplatz niederster Gewalten und 
edelster Kräfteentsaltung, aus ihnen allen spricht der für die 
Sache der Unterdrückten werbende Dichter, der, hierin Tolstoi 
verwandt, sein Dichtertum oft beiseite setzt, um mehr Äs 
nur „Literatur" Zu geben, um der mit Leidenschaft ergriffenen 
Pflicht, Aufklärung, Hilfe. Erlösung Zu bringen, un 
mittelbar zu genügen. Die Kunst verwandelt sich ihm in eine 
Dienerin, der Künstler in den Anwalt der Gerechtigkeit; aber 
wenn man seine Bücher liest, so begreift man, warum dieser 
Dichter immer mehr zum sozialistischen Propagandisten wird, 
statt rein als Künstler sich Zu vollenden, ehrt das erschütterte 
Herz, das weiter zu dichten verchmäht, wo eine leere, schauer 
lich entsunkene Wirklichkeit rings umher Neugestaltung begehrt. 
! Unter den seit Kriegsende der deutschen OeffentlichkeiL vsr- 
gekegten Werken steht dichterisch der seinerzeit viel gewürdigt, 
Kriegsroman: „Iimmh Higgins" (Verlag Gusmv Kiepen- 
herrer, Potsdam) voran?) Man wäre versucht, ihn ein! 
negatives Epos Zu nennen, wenn nicht die außerkünsüerischs 
Absicht zuletzt doch allzu stark durchbräche. In der unvergeß 
lichen Gestalt des Jimmy Higgins selber hat der Dichter das! 
stumme Dulderschicksal ungezählter Massen Zustmnnengedrängt! 
Er führt den geknechteten, drrmpsen „Mann der Menge", denn 
seine Seele sich zuneigt, durch alle Andren des Kriegs — 
welche Bilder der Qual gleiten in endlosem Zug vorbei, welches 
Gewimmer der zum Wurm herabgewürdigten Kreatur inmitten 
Nebelschwaden der Lüge, Höllenlärms der Schlachten! — und 
läßt ihn zum Märtyrer der von Rußland her sich ausbreitenden 
bolschewistischen Ideen werden. Glorienschein umwebt den 
Bekenn er, der von der amerikanischen Militärjustiz zu Tode 
gefoltert wird und am Ende gigantisch zu heldenhaftem Vor 
bild heranwächst. — Auch der Roman: „Hundert Pro-! 
zent" (DtÄik-Verlag, Berlin, 1921; illustriert von George; 
Gr 0 sz) spielt während des Kriegs, auch er deckt, freilich mit 
einem nur selten durch dichterischen Glanz überhöhten Sarkasmus, 
ein Stück jener furchtbaren amerikanischen Wirklichkeit auf, die 
sehr mangelhaft durch die Phrasen von Gleichheit und Freiheit! 
verhüllt wird. Sinclair schildert in ihm, sein stets wiederkehren-. 
des Thema auf neue Weise ab wandelnd, die grausamen' 
Kampftnethoden, deren sich die KaMÄistenklaffe, d. h. aber die 
herrschende „Gesellschaft", die das hundertprozentige Ameri- 
kanertum gepachtet zu haben meint, gegen Pazifisten und So 
zialisten bedient. Man glaubt sich in das zaristische Rußland 
versetzt, so raffiniert ist, dem Dichter Zufolge, das amerikanische 
Spitzelwesen ausgebildet. Peter Gudge, schwacher mißleiteter 
Bruder des Jimmy Higgins, beginnt seine Laufbahn Äs 
„LMut provoeateur", schwingt sich von einem gefügigen 
Werkzeug der Gesellschaft zu einem Meister in allen Künsten der 
Korruption empor und gleicht sich schließlich, ein Günstling des 
Geschicks, nach so manchen überwundenen Gewissensregungen 
immer mehr dem Ideal des Vollamerikaners an. Das Buch 
ist zu sehr Protest und AEage, um den ironischen Ton rein 
durchhalten zu können, seine Verarbeitung mancher in Wirklich 
keit vorgekommener Ausschreitungen und Schandtaten empört 
zwar gegen den Terror amerikanischen Faseistentums, erweckt 
aber zugleich den Eindruck der Einseitigkeit, der zum min 
desten dem Roman seine unbedingte Ueberzeugungskraft raubt. 
— Wie kann dieser verrotteten Welt das Heil widerfahren? 
Der Dichter weiß, daß nur ein Sozialismus religiösen Geprä 
ges Keimzelle der neuen Gesellschaft zu werden vermag. Mt 
kühner Realistik läßt er in seinem letzten Roman: „Man 
nennt mich Zimmermann" (MÄik - Verlag, Berlin,, 
1922) den Herrn selber über die Szene schreiten. Die Leidens--^ 
VLs GLZ'MlrtM^LEKLI^H Ü6L« LL'kGrr».LMl8- 
t^^E-rdLO. Von vr. Lsrl Kann deim. (Kant- 
stnäien. iLr^ünLnnsssdekt ^lo. A7-) Vsriin^ Kentder n. 
ILeiedAr6. M Leiten. 
Die vorliegende ^ddanZinng steiit-'äen dtzLedtens^erten 
Versaed 6ar, 6ie krinLipien nnskinäig Ln mLÄrev, nZed 6enen 
zs'ed siie mggiieden Lrkenntnistdeorien konstituieren. Der 
Verfasser nntersedeiaet 6rei 6run6tz^)en von Lrkenntvis- 
Ldeorien, 1e nse^Zem sie idre» ^nsgAng von 6er iogiseden, 
6er MI-edoiogiseden o6er 6er ontologisoden „Ilrsvstematlsie- 
rnng" nedmen nn6 6smit sned 638 erkenntnistdeoretiseds 
Kernproblem: «las krodiem 6er VeLieinrnss L^viseden 6em Lr- 
kennenäen, 6em LnArksvnenäen nn6 6er Erkenntnis anders 
steliev nn6 Wsen. Nsnndeim sorgt einienedten6, 6a3 nur 
eine degrenste ^nL3di soieder ^ösungsversnede mvgHed ist, 
Erst Lder aned naed, sied 6iese a priori kesisteiidsren 
t^piseden Nanntkälle der idrem weiteren XuNdsu bis ins IIv- 
AdseddAre verästeln müssen. Der Verfasser gelängt rrr 6em 
Lrgednrs, 6s6 6Zs Msdrdsitskritermm einer Krkenntn'stdeorie 
6avon addänge, od sie in 6e? KoAK, 6er ks^edologie oäer 
6er Ontologie knnZiert sei. 8o krnedtdar sued NLnn- 
deims OeZanke e'ner LtrukturanAivse 6er verscdieäenen dir- 
kevntnistdeori^n ist, Ln seiner völligen vüredfüdrnng dätte 
es 6oed 6er Mertnvg 6er erkenntnistdeorptiseden 8anpt- 
tvpsn de6nrkt. ank 6is äer Verkassor de^vnM Verhiebt leistet. 
8tstt 6ie8y l'^en Lvm ^nkrreis idrer «trnktnrellen Le- 
sedAkkenkeiten einfaed vodeveinanäs? Lu stellen, gilt es, 
gleiedssm idrei^ Adsomten Ort Ln bestimmen^ ^odei es sied 
etE Leigen v^nräe, 6ä3 6ie ps^edologised geriedtete Erkennt- 
nistkeoris 6er logissd geriedteten ksinesvvegI koorämiert ist. 
Nrst naed erkolgter Ortdestimmnng mag 6snn 6ie mAterial- 
logiseds Unterredung 6er T'^pen Lu, idrsm Iteedte kommen, 
-^.us äer ^Atsaede, 626 6er Ver^s-ser öfters 6ie Mt^eväigkert 
einer ..Lrkenntnistdeorrs 6er ^rkenntnistdeorie^ (6. d° Also 
einer Ordnung 6er von idm dervorgedodenen t^piseden Naupt- 
fälle) betont, gebt dervor. 6a6 er sied selber 6er Vorläukig- 
keit seiner Arbeit de^nkt ist. In Hndetraedt 6er neuen 
Problemstellung, au? 6e? sie derudt, ^äre rdr Ausbau in 6em 
gemeinten Kinne sebr Ln vünseden. Kr. 
Vse Verlag „Vsr Lunä" in Nürnberg dringt in 
Dwtzm gut 6U8g68tati6t6N Länäeden eins ^U8^vadl 6or 
Fragments H 6 rak? it 8 derart f52 beitend Die klsiNE 
KamnAmg. Zis 6em I^eraklit-^Verlc I^rZ8l?ll68 entnom- 
Fnen i^t, tvirö Znred ein eitvsg prätentiösem Vorwort, 
Fr-^KSdiLMTZ' HMAALltSk» 
Oi'
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        i xcMchke iviederholt sich avf amerikäMchem Boden, der Mm- 
rönkg wird zum Petrus, die Filmdiva zur Maria Magdalena, 
und, glossiert von den Riesenafstchen der Zeitungen^ verehrt 
von der halbverstehenden Mass«, verfolgt von den kirchlichen 
und weltlichen Machthabern, vollendet der Neuerstandeiie seinen 
Weg. Das Ganze geschickt als Traum eingekleidet, s eins Ab- 
Mt nach voll reinen Strebens, in der Durchführung sür euro- 
Direktheit und gänzliche Unbeschwertheit durch die Erfahrungen 
voraufgegangener Geschlechter. Und es kennzeichnet sicherlich' 
nur die geistige Gesamtverfassung seines Landes, wenn er. 
wähnt, die Welt beginne mit ihm von vorne und ihre Formung! 
sei rein dem menschlichen Ermessen anheimgeyeben, wenn ihm 
ÄS weltansthaulic^S Fundament seines WW«W ei« banales! 
Gemenge aus pragmatischer Lebensphilosophie und profanem 
RatronÄrsmus genügt und wenn er in der Ebene des Irdischer 
und Sozialen mit gläubiger Zuversicht das Böse ganz ins 
Gute kehren möchte. Dem Bewohner des alten Kon- 
tments, der um die menschliche Bedingtheit weiß, stellen 
sich dre Dinge nicht so einfach wie dem voraus- 
jetzungslosen Weltverbesserer dar, und er fragt, halb hoffend, 
halb zweifelnd, ob die wundervolle Gesinnung dieses Dichter- 
Aevolutionärs die babylonische Wirrnis dereinst zu durch- 
vernrag, ob sie von sich aus dazu fähig ist, dem neuen 
Erbtest Gesetz und ordnende Mitte zu bringen. 
Menschen Sinclair gegenüber wollen allerdings 
M solcher Art nichts besagen, seine reine, unzweideutige 
Existenz ist jeder Fragwürdigkeit enthoben. In einem auto 
biographischen Roman: „Der Liebe Pilgerfahrt" 
(Gustav Kiepenheuer, Potsdam, 1922) enthüllt er ein Stück 
I^cr inneren Entwicklung. Das ganz untendenziöse Buch 
fetzt sich mit dem von dem Dichter erlebten Problem der 
Frühehe auseinander, berichtet ausführlich über seine Bekeh 
rung zum SozialismuS und enthält, zum Unterschied von den 
^meisten anderen Werken, eine Reihe individuell geschauter Ge 
stalten. Nicht nur das ideale Streben des jugendlichen 
Sinclair, die Unbedingtheit und Unbeirrbarreit seines Wesens 
-gibt sich in dieser SelbBarstellung kund, auch fein Hingerissen- 
!iE von den Schöpfungswundern, fein Mitgefühl mit aller 
^Kreatur wird aus ihr offenbar. Von den äußeren Schicksalen 
wäre etwa zu erwähnen, daß der in B a l tim ore Gebürtige 
vier Jahvs an der Universität Columbia studierte, 1906 bis 
1907 Äs sozialistischer Kandidat für den Kongreß ausgestellt 
wurde und eine Zeit lang als Redakteur einer Zeitschrift für 
Körperkultur wirkte. Neben dem literarischen Schaffensdrang 
— schon der Knabe schrieb Verse — ging stets das ^Bedürfnis 
nach praktischem Eingreifen in das Leben einher; so orga 
nisierte er an den Universitäten eine sozialistische Vereinigung 
und gründete im Staate New York die sozialistische „Helicon- 
Home-Kolonie". Kompromisse waren und sind nicht die Sache 
-dieses Mannes. Weder hat er sich, wie sein jetziges Eintreten 
für Rußland bezeugt, vorbehalüos den jeweiligen politischen 
Interessen der sozialistischen Partei verschrieben, noch ist es 
seinen mächtigen Gegnern je gelungen, die ihnen unbequeme 
Stimme zum Schweigen zu bringen. Er beschreibt selber in 
-seinen Büchern, mit welchen Mitteln die Gesellschaft das von 
ihm ausgehende Wort unterdrückt hat, nachdem sie einmal das 
; Vergebliche ihres Bemühens, ihn an sich zu locken, erkennen 
mußte. Da es heute bereits soweit gekommen ich daß Verleaer 
-und Buchhändler seine Werke boykottieren, läßt Sinclair 'sie 
neuerdings im Selbstverlag auf einfachem braunem Papier er 
scheinen, um sie den Masten zu möglichst billigem Preise 
l.SMlgliH M Mchr». Mij die « Mtj, 
vereint der Dichter sein eigenes Los, dem Wandel ihres Ge- 
lkchicks gilt das opfervolle Leben der Bewährung, das er lebt. 
Dr. S. Kracauer. 
Was ist Kultur? 
--- Den von der „Vereinigung von Freunden und Förderern 
der Universität Frankfurt" verunstalteten Worwagszyklus über 
Frugen der Weltanschauung eröffnete Pros. Georg Burckhardt 
Montag Abend mit einem Vortrag, der die Entfaltung des 
Wesensder Kultur zum Gegenstand HMe. Zunächst ver 
folgte der Redner den Bedeutungswandel des Begriffs „KMur 
von den Griechen an bis auf.unsere Zeit, wobei er stets die Kul- 
turauffassnng einer jeder Epoche, und damit ihren ganzen geMgen 
Habitus, durch einige knappe Stichworte treffend zu charakteri 
sieren wußte. Die Renaissance z. B. kennzeichnete er als eine 
Periode der Weltfreudigkeit, die, entgegen den: christlichen Mittel- 
Mer wieder die Rechte einer unid Men weltlichen Bildung gel- 
lend'machte. Von iener Zeit an ^egaM man unter Kultur vor 
allen: die Nationalisierung des Dc nS zu verstehen und glauM, 
daß durch solche Rationalisierung das Glück der Menschyeü her- 
öeigeführt werde. Die Lehre vom natürlichen inneren Licht im 
Menschen beherrschte' dann die folgenden Jahrhunderte und feierte 
Hre Triumphe im Zeitalter der AuMrung, in M) der 
Mensch im Vollbesitz seiner intellektuellen Mundrgkeü führte. Wie 
sich die Griechen von den Barbaren, die Ehristen des Mittelalters 
von den Heiden geschieden hatten, so hob sich damals der Euro-! 
Päer vom WW en ab. Rousseau erst lenkte den Blick der europäi ¬ 
schen Welt auf die Entartungserscheinungen dieser Kultur und s 
trug durch seine Schriften dazu bei, daß man in Deutschland der 
Neberschätzung des Intellekts Absage erteilte. In der klassi 
schen Epoche zwischen Herder und W. v. Humboldt nahm der 
Kulturbegriff eine universale Bedeutung an, erfuhr Verinnerlich- 
ung durch seine Verquickung mit der Humanitätsidee und wurde 
scharf von dem Begriff der Zivilisation gesondert. Die 
Romantiker führten dann spater den Gedanken eigenartiger Natio^ 
nalkulturen ein und erblicken das Wesensmerkmal der Kulturzeiten 
in ihrer inneren Lebens fülle, die sie von den Zeiten erstarrter, 
toter Konventionen tief unterscheide. Auf die Romantik, die nur 
! die Grenze zwischen zwei Zeitaltern bildete, folgte die Epoche der 
! Naturwissenschaften. Kennzeichen dieser technischen 
päische Begriffe allzu naiv, geradezu und kahl. Es steckt eine 
eMNÄulliche Tragik darin, daß die Rsmamverks des Dichters 
in demselben Maße an innerer Wirkung verlieren. Äs er um 
seiner Miffiomstätigkeit willen ihre rein künstlerische Gestaltung 
vernachlässigt. — Beinahe sÄbstverständlich, daß ein Schriftsteller, 
der so sehr wie Sinclair nach einem Wandel der Dinge, einer 
Läuterung der Umwelt trachtet, zum Publizisten wird und, un- 
gebemmt durch die SÄbstgeseUichkeit des Kunstwerks, auch 
außerhÄb des Bereichs der Dichtung sich mitzuteilen sucht. In 
einem Buche: „Der Sündenlohn" mmmt er den Kamps 
mit der korrupten Presse seines Landes auf, in einer anderen 
Schrift: „ReligionundProfit" (gleich dem vorgenann 
ten Buche im Verlag „Der Neue Geist", Leipzig, in der Ueber- 
Ltzung von Pros. I. Singer erschienen) greift er die Kir 
chen an, denen er u. a. das Bündnis mit der Plutokratie zum 
Vorwurf macht. Wenn diese zumal gegen die katholische Kirche 
gerichtete Streitschrift auch, Abgesehen von manchen unrichtigen 
Angaben Wer europäische Verhältnisse, das eigentliche Wesen 
der Kirche verkennt, muerwelkiches und überweliliches Er 
lösungsstreben ohne weiteres ineinander mengt und in jeder 
Hinsicht über das Ziel hinaus schießt, so ist sie doch aus einer 
glühenden und eifernden Seele geboren, die den Spuren des 
revolutionären Tuns in der Geschichte der Religionen folgt, 
und sollte gerade darum den Vertretern der Kirche selber etwas 
bedeuten. — Den Büchern der Abwehr läßt Sinclair neuerdings 
ein Werk des Aufbaus folgen, in dem er die Summe seiner 
Erfahrungen zieht. Der erste Band: „Das Buch des Gei 
stes" (Malik-Verlag, Berlin, 1922) liegt bereits vor; die wei 
teren drei Bände, die von dem Körper, der Liebe und der Ge 
sellschaft handeln, werden in Kürze erscheinen. Das ganze Werk 
ist Äs eine Art von Popularphilosophie, Äs eine Lebens-kunds 
für die arbeitende Bevölkerung gedacht und verbreitet sich in 
zwangloser Form über alle möglichen Fragen des Daseins, 
immer in der Absicht, aus den Erörterungen eine Richtschnur 
für das praktische Handeln zu gewinnen. Es bedarf 
nicht vieler Worte über diese oominou ssnss-Philo- 
sophie. Sie setzt ein unbändiges Vertrauen in den 
Intellekt und den Fortschritt der Wissenschaft, lehrt eine' 
Moral der Solidarität, die auf gesunder, natürliches 
Lebensweise beruht, und überantwortet, ohne des religiösen! 
Untertons ganz zu entbehren, dem freischöpferischen Menschen 
allein die Gestaltung der Welt. Ihr Bestes besteht noch darin, 
daß sie mit einer gewissen Ehrfurcht von dem Geheimnis des 
Lebern redet und frei von jeglichem Parteidoktrinarismus ist. 
Im ganzen gehört das Buch jener didaktischen Literatur an, 
die sich von den Abfällen einer in den höheren Regionen schon 
längst fragwürdig gewordenen Weltanschauung nährt und ob 
ihrer peinlichen Flachheit unerträglich wäre, wenn nicht doch i 
wieder der redliche Wille aus ihr hervorleuchtete, hilflos auf-i 
strebenden Kräften die erste Hilfe zu leisten. 
Wie jede geistige Erscheinung, so muß auch Sinclair ( 
aus der Situation begriffen werden, in der er steht, s 
Er ist Amerikaner unter Amerikanern: diese sehr wesent 
liche Tatsache bestimmt sein Denken und seine Haltung.; 
Welche Beschaffercheit aber die Umwelt aufweist, die M wan-i 
deln Aufgabe seines Lebens ist, das erfährt man am ehestem, 
aus seinen eigenen. Büchern, deren Einseitigkeiten, Verzerrn»--! 
gen und die Wirftichkeit überschneidende Perspektiven nicht all-, 
zuschwer korrigierbar sind. Amerika erscheint in ihnen —-! 
I um nur die besonders wichtigen Züge des Bildes hervorzuhchem 
j— Äs Hooi der jäh und regellos emporgeschoffenen Finanz--^ 
und Jndustriem-agnaten, die, zu Interessengruppen vereinigt,', 
brutal das große Spiel um die Macht miteinander spielen; 
und sich der ungeheuren, aus aller Herren Länder sich immer! 
neu ergänzenden Menschenmassen zur Erreichung ihrer Zweckes 
! bedienen. Mag das nun stimmen oder nicht, richtig bl-eWt doch! 
wohl, daß es in diesem riesenhaften „Schmelztiegel" noch gärt! 
von ungegliederten, amorphen Kräften, daß hier das Leben noch! 
keine Ordnung hat, weshalb auch, im großen und ganzen ge 
sehen, der Wert der Quantität an die Stelle einer Hierarchie! 
der Werte trift, und daß bei einem derartigen Mangft an Ab- 
geftuftheit und Zwischentönen hart Licht neben Schatten wohnt.. 
Die amerUanißche Menschheit ist nicht, sie wird, ihr fchft das^ 
Erbgut, auf dem sie ausbauen konnte, und so dehnt sie sich, nicht! 
belastet zwar durch lichmende Traditionen, aber auch arm an. 
Träumen der Vergangenheit und von alterS her gestifteten 
Bindungen und Beziehungen, einer Zukunft entgegen, von der. 
sie alle die Erfüllungen fordert, die reifere, wissendere Völker! 
gerne in das goldene Urzeitalter zurückverlegen. Der Unaus-i 
geglichenheit der Gegensätze, der unbegrenzten Zukunstsgläubig-l 
keit und der ebenso unbegrenzten Aktivität einer solchen vorerst 
»»geformte« und beziehungslosen Welt entsprechen naturgemäß' 
ihre geistigen Gestaltungen. Rücksichtslosem Machtstreben wnd&amp;gt; 
! Heller Idealismus entgegengesetzt, Güte haust dicht bei Ver-' 
worfenheit: das alles gleichsam in ungebrochenen Grundfar-H 
ben, gradlinig und primitiv, woran auch zivilisatorische', 
Glättung der Oberfläche nichts andern kann. Man ver-! 
steht von hier aus den Optimismus SinclairS, seine naive,
        <pb n="3" />
        „Kultur": äußerste Extensivität, Herrschaft der Maschine über den 
Menschen. Nicht die. Technik an sich aber gefährdet echte KEM, 
sondern das Uebermaß ihrer Geltung, ihre Emanzipation von allen 
Bindungen. Daß es zu solcher Emanzipation kam, hat wohl sei 
nen Grund mit darin, daß man aus dem konkreter: Kulturzusam 
menhang einmal das Geistige, das andere Mal das Materielle 
Herausriß, beide Faktoren ganz von einander isolierte und jeden 
von ihnen zum Fundament des Weltbegnifens zu machen fuGe. 
Nietzsche, als Kultur-kritiker von ähnlicher Bedeutung wie Rousseau, 
! führte auf diese unheilvolle Scheidung zwischen deutschem Geist 
! und deutschem Leib alle Uebel unserer Pfeudo-Kultur zurück und 
würdigte als Erster wieder die hohe Bedeutung der Menschlichen 
Totalität für eine jede Kultur. Im Anschluß . an eine KrMk 
Spenglers deutete der Redner zuletzt noch an, wie das Wesen der 
Kultur in normativer Hinsicht zu begreifen sei. Kultur ist 
nach ihm, lm Gegensatz zu Unkultur, die Welt der vollkom 
menen Menschen und Werke, ist Aufbau einer WE der vollkomme 
nen Werke im Dienste der Menschheit. — Der starke Andrang zu 
der vorwiegend von Smdenten besuchten Veranstaltung — vielo 
Zuhörer mußten, in den Gängen des Hörsaals stehen — mag zum 
Beweis dafür dienen, daß auch heute, trotz allem und allem, das 
.Interesse für geistige Dinge in Deutschland noch nickt er- 
Nofchen ist. 
Oott als rein ^eisiiAS, bandelnde Berson auf und be- 
bauptot die Dvidens eines 8ortlebens naob dem 
^N3 den das V^esen dtz8 rebBösen 8ubjektes, 6. tu des 
religiösen BinLelpei-son und der religiösen Oemern» 
sobait betreffenden Brörteimnssen maß bervor^ebobent 
wenden, daü sie nur ^blebnun^ des Brädestinations- 
Gedankens als einer dein IVesen Oottes widerspreoben- 
den I^ebre ^elM^en. Im übrigen Ia386n siob, wie der; 
Verfasser Leider ^uMstodt, niekt alle reii^iöZen Lr» 
kenntniWe mit Üills natüriioder Lekaukrakt auk pkäno^ 
nrsnolo^isedeni gewinnen, vielineirr mnk 2u den 
so ffoknndensn MesenZE-tirtielten noeii die üdernatür^ 
tiode OUendarun^ der positiven Religion innxntreten, 
aus der Korans 2. 8. allein 2u entZokeiden sei, ob es 
so st^as EH ^i§el und Dämonen ^eke, ob sied das 
Lose in der Gestalt des 8atan8 manifestiere us^v. Dis 
metapk^sisoken Detraelrtun^en am Loklusse des Duekes 
setzen siok mit dem Idealismus auseinander, ver- 
leokten die Nd^lienkeiit. objektiver Erkenntnis der 
^Vesenlieilen und ibrer Ordnung und münden in eins 
Destiwmun^ der besonderen Lxisten^art Oottes ein. 
Die 8ebrikt Oründlers, die sieb in starker ^bbänAF- 
keit von den ^nsobauunMn 86belers befindet, ist in 
sofern erireubeb, als au ob sie, ^leiob so manoken 
anderen Werken der Oexenv^art, aus dem Bedürfnis 
naeb einer Uüokkebr xur religiösen V^irkliebkeit er- 
waebsen ist. Oe^en die pbänomenolo^isobe ^letbods 
freilieb, deren sie sieb bedient, erbeben sieb ernste 
Bedenken. Handelt es sieb denn bei derlei ^Vesens- 
sebauun^en ^irkbob um Linbbeke in OesetLmäM^- 
keiten. denen unBedin^te Notwendigkeit und Mlae- 
mtzinMl'tiIkeit eignet? Obne dak bier auf eine Kritik 
der Dbänomenolo^ie ein^eMnaen werden soll, mukz 
doeb an gemerkt werden, dak diese 8ebauun^en keines 
wegs objektive und apodiktisebe Oeltung im 8inne der 
VransrendentalpbiloZopbie beansprueben dürfen, Son 
dern entweder, wenn niobt als 8et2una6n, so als 
äußerste Oeneralisierun^en empiriZober BrfabrunMN 
aufsufassen sind, die jene Ibnen nu^emutete ^bsobut- 
bert nur innerbalb der dureb sie jeweils konslätuierten 
Regionen erreöeben, oder den Obarakter subjektiv be^ 
dinier Material er Erkenntnisse tragen, die nur darum 
sobembar unbedingt gelten, weil ibre Be^o^enbeit auf 
einen bestimmten Äandpunkt unbewußt verborgen 
bleibt. ^Venn der Verfasser etwa die Debre von der 
Onadenwabl verwirft, so beLeu^t er biermit ledi^bob, 
daß er auf katbolisobem 8tandpunkt siebt. Von so lob er 
Position aus mö»en Binsiobten in Bulle gewonnen 
werden, es Mbt aber niobt an, die fixierte Bosition 2U 
versobleiern und Zu bebaupten, daß jene Bin- 
siebten auob im leeren Baum absolut gültig seien. 
Dieses vom Verfasser einMZobla^ene Verkabren fübrt 
ibn 2. B. 2u den unbaltbaren ^ussa^en, daß sieb aus 
den V^686N8Zob auun^en ein Mßstab berleiten lasse, 
naeb dem die verbundenen Helikonen binsiobtbeb ibres 
^Vert^ beurteilt, werden konnten, oder daß siok die 
blierarobie der ^Vesenbeiten dem auf sie ^eriobteten 
Bliok in ibrer ^.bsolutbert entbülle. ^.ls ob niobt ^rund- 
sätLliob derartig, von der DbänomenoloDe in ^nsvruob 
Religion unri Rksnomenologie. 
Biuo „Boli§iou3pbil08opbi6" von Otto Orüudlsr, 
ein^eleitst von Nax Bobelor,*) dringt oius Beibo i 
8v8t6MLti86b6r UntVr8nodunF6n über äo.8 ^V686N d63 
religiösen ^.ktos, des religiösen Oe^enstandes und 
des iin religiösen ^kt siob kund^ebenden 8ub- 
jektes, die al8 „^eZensobauunMn" sämtliob objek- 
tivo Oülti.akeit beansprueben. ^kuk Drund dieser 
^esenseinsiobten, deren Inbegriff 8obeler auob 
.„natürliobe Uroolo-^io" nennt, Eil sie sieb naol^ 
ibm unabbän^i^ von dem Oebali der positiven 
Beli^ionen ersoblielZen, ergibt sieb 2. 8. für das V^esen 
des religiösen ^ktes, daü seine ^uswirkun^ sowobl an 
ein bestimmtes ^efüblsmäki^es wie an ein bestimmtes 
praktisobes Verbalten geknüpft ist, und dak Oott in 
'weltabZewandter und in welt^uTewandter Binstellun^ 
erfabren werden kann. Bbänom.enoloxisobe ^nalvse 
668 religiösen Oe^enstandes kübrt 2ur Brkenntnis des 
IVesens 6er Heiligkeit und 668 beäb^en Nensoben, weist 
K ^2. 
AaLkverorSuekea-VersainmIsar. 
SitzArrZ VM W, JsRVSr 192L 
Aa der Spitze der LStzHKsrdwrM stand Ne WoHl d^ Bor 
st a u d e Z and der stöndizeU ÄKsschüsse der Smdtversrd- 
neLen-VersamurLunK. Der öisheriDe Vorstand wurde debatteloS 
wiedergewählt, such in den Ausschüssen trat keine Veränderung ein. 
Laut Anlwg d^s Aeltchsr^AuZschuffes, der sodann verlessnr 
wurde, soll die DruckleAmg der Sitzungsberichte unter Anwendung 
von SMrmaßnahMen fortgeführt werden und eLne 
BeschrärrbrnZ der Redezeit 
für EtaWredner emf 45 MinutM, KM BegvüMnra ftMändiger 
Anträge und Anfragen emf 15 Minuten, .für Berichterstatter und 
DeöaLteredner auf 10 Minuten eintre^n, sofern nicht bei wich 
tigen AMelegenheiten Verlängerung der Redezeit beantragt wird. 
Hierzu lag ein Antrag von Stadtv. Pwf. Desssner t-AkE.) 
vor. der die Abschaffung des Drucks der stenographischen Berichte 
angesichts der allgemeinen Not forderte. StadLs. Fleischer 
(Aentr.) unterstützte diese Forderung, während Stadtv. Mai er 
(Soz.) sich im Sinne des Ausschuß Antrags mrssprach. Stadtv. 
Korff (Dem.) warnte vor Ueberschatzung der Sitzungsbericht», 
erklärte eine weitere Einschänkuntz der Sitzungen für unmöglich 
und stimmte M Interesse der Sparsmrckeit ebenfalls dem Antrag 
-t-p Lwmsnto L'U einer pelissionspliilosopliio auf Mänoineno- 
Orunä^ Von I)r. Otto 6r«°älsr. Lempten, 
ä. Lose! und Lr. Bus^et, L.-^. B, 166 d. 
Aleibode. Br siebt niobt- daß die Vebaupiun^ von der ! 
Objektivität und ^llMmein^ülti^keit seiner ^Vesenß- ' 
KobanunMr erst noob eines Kriteriums ibrer Biobii^- 
Keit bedürfte, eines Lrileriums, das befreiillobe^eise 
Uarniobt bei^ebraobt werden kann —- 63. sei denn, daß 
Anan es mit den BbänomenoloMN selber in der kra^- 
^ürdixen Lviden^ jener oft reobt subjektiv anmuien- 
Äerr 8ebauun^en 2u entdeoken wäbnt. Dr siebt auob 
Diebb daß die pbanomenolo^isobs Netbode in der 
Weise, wie er sie verwendet, losgelöst nämlieb von 
Pxierten Bezugspunkten, notwendig xur Aufstellung. 
Hiner 8ebeinontoloxib kübren muß- die nioln 
rnebr wie die erbte Ontologie einer rebMsen 'Wirk- 
Hiobkeit auf bestimmten jxenannten oder ungenannten) 
-Voraussetzungen berubt oder beruben will, sondern als 
Gin dm leeren Baum kreisobwebendss Denk^ebdde 
das genaue Mderspiel der von ibm selbst bekämpften 
Nein lo^istisoben Denkriebtun^ ist. Bs ist nur das Denn- 
Leiebtzn einer so besobakkenen pbänomenolo^iseb fun 
dierten Beli^ionspbilosopbie, daß ibre Brüebte in dem 
vorlitzMnden Balle Zumeist sebr verdünnte katbolisobe 
^n86ba,uun^6nHnd. woran xewik die ^atsLöbe niebis 
ändert, daß ibnen kurserband der Obarakter sobleobt- 
dinier Bvidenx rn^esobrieben wird. Indessen wäre es 
Za auob über die Naben wunderbar, wenn eine derartige 
^naiürliebe Dbeolo^ie" das von ibr Lulet^t anMstrebie 
Äel einer Darbietung der Broffenbarun^ wirklrob er° 
siebte, denn diese Droklenbarun^ rbrer Verbor^enbeit 
Lu entreißen, kießs der namenlosen Äabrbeit Oottes 
Kelber teilbakti^ werden. 
Brankkurt a^ N. Dr. 8. 8 rK 6 Luer.
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        Mssauer Zu. Nachdem der Antragsteller selber noch einige Worte 
zur Begründung seines Antrags geäußert halbe, klönte Stadtv. 
Frl. Sender (Soz.), daß die Drucklegung der Berichte für die 
Aufrechterhaltung der Öffentlichkeit der Stadtverordneten-Ver- 
sammlung unerläßlich sei. Bei der Abstimmung wurde der N n- 
trag Dsssauer gehen bi-e Stimmen der Linken angenom- 
m e n. Der Antrag auf Beschränkung der Redezeit fand einstimmige 
Annahme. 
Zum Delegiertm Mr vierten Sitzung des Haupt-Ausschusses 
des Nassauischen Städtetages wurde von Stadtv. 
Heiß wolf (Soz.) Stadtv. Korff vorgeschlszen, mit der Maß^ 
Mbe, er möge darauf hinwirken, daß der Vorstand zur Hälfte aus 
Stadtverordneten und Zur Hälfte aus Magistvatsmitgliedern be 
stehen solle. Oberbürgermeister Vsigt gab hierzu eiMge sachliche 
Aufklärungen. Stadtv. Korff wurde einstimmig gewählt. 
Die Magiftratsvorla-gen über Erhöhung der Lolche der Be 
amten und Angestellten wrd der A r b e; L e rl ö h n e 
fanden AnnaWe. In der Debatte wurden von Stadtv. Frl. Dr. 
Schuld (Dem.) festgestellt, daß die Beamten und Angestellten 
die inzwischen eingetroffenen staatlichen Zuschüsse noch nicht er 
halten hätten. Stadtkämmerer Pros. Bleicher erwiderte, daß 
die Anweisungen vorbereitet und Vorschüsse bereits erfolgt feien. 
Die MagisLratsvorlage betreffs Uebertragung -er 
BeschlnUasirms in FührLariftrsge« 
Auf dir zn verstärkende Verkehrs . Deputation 
wurde von Stadtv. Kirchner (Soz.) namens seiner Fraktion 
abgelehnt, weil ihre Zusammensetzung nicht der Zusammensetzung 
der Stadtverordneten-VersEmlung entspreche und diese um ihr 
gutes Recht Zu verkürzen drohe. Im Interesse einer Vereinfachung 
der Geschäftsführung, die ja auch seine Fraktion wünsche, brächte 
er den folgenden Antrag ein: 
„Die StadLÄerordneten-VersMM üBerträgt wider ¬ 
ruft ch ihrem Haupt-Ausschuß die errdgültige Beschlußfassung 
m KrhrLavisfragen der Straßenbahn mA der Waldbahn mit 
der Maßgabe, daß der Stadöverordneten-Versamrntung nach 
träglich Kenntnis von den Beschlüssen gegeben wird und gru nd- 
sätzlkhe Aeußerungen l-er Tarifbesümmnngen nur von der 
SLapLvevordneten-Versammluug beschlossen werden können. 
Falls 40 Prozent der anwesenden Mitglieder des Haupt- 
ausschuffes es verlangen, muff die Entscheidung der Stadtverord 
neten Versammlung eingeholt werden." 
Stab trat Dr. Land wann wandie sich gegen dielen An 
trag uud begründete den Magisircri sa n!vag rmher. Eine Haupt- 
urs-acbe des Straßenbahndestizits liege darin, daß die Be 
schlüsse über Tarifänderungen stets zu spät 
kämen, um daß Defizit auszugleichen. Jede Verzögerung bei 
den Tariferhöhungen bedeut^ a^r heute einen ArrsfaL von Mil 
lionen. Schuld an diesen Verzögerungen trage vor allem der 
lange Instanzenweg, den jeder Antrag auf Aerckerrmg der Tarif 
sätze zurückz-rrlegen habe. Airs diesen Erwägungen heraus sei 
der Magistratsantrag angebracht worden, der ein Organ schaffen 
wolle, das mit der erforderlichen SchnelliOeit seine Beschlüsse 
fassen könne. Stadtv. Korff (Dem.) begrüßte den Voschlag des 
Magistrats und polemisierte gegen den Antrag Kirchner, der 
nicht sonderlich dazu geeignet sei, eine Verkürzung des In- 
stanzemr^ges herbeizuführen. Er beantragte Ueberweisung der 
beiden Anträge an den Hauptausschuß. Nach weiteren Be- 
rnerkungen des Stadtv. Heißwolf (Soz.), der sich gegen die 
Schaffung eines gem'schLwirtsckMsLlichen Straßenbahnbetriebs 
aussprach und des Stadtv. Lang (Komm.) kam auch StiDW. 
Landgrebe (Lib) zu einer Ablehnung der Magistratsvor- 
läge. Der Antrag Kirchner und der Magistratsantrag gingen 
gemäß dem Vorschlag Korff an den Hauptausschutz. 
Die Ausführungs - Verordnung zum ReichS- 
mie Lenge setz wurde dem OrganisakioiÄa-usschuß über- 
wiefen. , 
ES Nr GGshiWMZ R^k VE A«KschTtz^ 
Berichten. Der Zinsfuß der städtische« 
kssse« wird dem Vor^lW des HmrpL-AusschusstK KMÜß Mkf 
vier PrstzenL erhöht. 
Au dem Antrag des SsxiLkpskMschen NnSschusseÄ, der MuGistM 
möge in eine zeitgemäße PrüfmW der Sätze für Erwerbslose 
emtreten, brächte Stadtv. LhsMas (S^.) die folgenden beioen 
AMMge &amp;lt;Är: . 
1. Die SMrverschneLe^WerstmMrlnng wolle beschließe 
den Magistret zu ersuchen. M ieden LebensmiAel-! 
scheine von wöchentlich 500 Mach miß-e-rdem für jedes Fa- 
milienmitglied, das keinen eigenen EweÄ h-at, einen Schein von 
300 D-ark zu bewilligen." 
2. Die «Madtvewrvnetm-VerftMmMW ersucht den Magistrat, 
sofort Schritte zu Mternehmen, um die schlNmi^ Ausdehnung 
der SrwerbSlostrEuterstützurrL auf Erwerbslose von 14 bis 
16 Jahren zu erwirken. 
Der Redner befürwortede eine Asstrslke der jugend 
lich e n Erwerbslosen tmrch die Fortbildungsschulen. 
Stadtv. Lang (Kcmmr.) forderte, daß den Erwerbslosen min 
destens 75 Prozent deS Lohnes gewährt werde, und stellte einen 
detaillierten Antrag zur Behebung der Erwerbslosen-Not. Stadt 
rat Dr. SchlsLter bezweifelte, daß man heute schon zu be 
stimmten Sätzen Stellung nehmen Wune und sprach sich für noch 
malige Durchberatung der Anträge im sozialpolitischen Ausschuß 
aus. Stadtv. BsuvereL (Dem.) wies auf die drehende Ka 
tastrophe im Handwerk hin, die dadurch verschuldet werde, daß 
die städtischen Betriebe, wie über^mpt viele großen Betriebe, in 
steigendem Maße zur Selbstversorgung LLoegingen Zu bekämpfen 
sti auch die Ausführung von ^SchrVsrzarbsÄM" durch voll bezahlte 
Arbeiter in den Neöensmnden. Gewerkschrssten und Organisationen 
sollten hiergegen cinschreiten. Der Ausschuß-Antrag wuree 
angenommen, die Anträge Lang und Thomas dem Sozial 
politischen Allsschuß Wer wiesen. 
Stadtv. Frl. De. Schuld (D^n.) fragte -m, warm« der 
MogtsLvTt noch nicht Stellung zmn Eingehen de- Tog- 
Heims für junge Mädchen gensmu-en habe. Smdtrai Dr 
Schlotter erklärte, daß die Erhaltung dieser Einrichtung heute 
im Interesse &amp;lt; des Arbsrtsarntes mcht befürwortet n&amp;gt;eroen könne. 
Nach weiteren Benrerkunzen von Strcktv. Frl. Dr. Schul- (Dem.) 
betonte der O h e r ö ü r g e r m e ister, daß nur elf VtLdcyen im 
Tagherm nntergebvacht worden seien, die nach dessen Schießung 
eine andere Unterkunft finde« sollten. Stadtv. Thomas (Soz ) 
trat warm für das Layheim sm, das er als eine wertvolle Evgän- 
Prng unserer sozialen Einrichtungen bezeichnete. T&amp;gt;er Antrag des 
Sozialpolitischen Ausschusses aus Erhaltung' des Tagheims wurde 
angenommen. 
Dke neue« StraßenKshAtarfft. 
Stadtv. NelleS (Zentr.) berichtete für den HmMcmsschuß, 
der den von uns bereits mitgeteilren MaLiftratSantragen im großen 
und ganzen zustimmt und u. a. die folgenden Abänderungen 
vorschlägt: auch an Sonntagen wie an den Werktagen von 
9 bis 12 Uhr vormittags den 2 Klrn. Einzel- oder Heftfahrpreis als 
Eircheitsfahrpreis zu erheben; den Nachttarif von 11 Uhr 
abends in der Weife festZusetzen daß für Entfernungen bis 2 Klm. 
der 5Klm. TagesfahrprelZ und für Entfernungen über 2 Kim. 
der 8 Mm. TaLeZfahipreis als HschMahrpreiZ erhoben wird; die 
vom Magistrat beantragte Einschränkung der jetzigen Fahrpreis 
ermäßigung der dem Ortsausschuß für Jugendpflege angsschloffenen 
Vereine für ihre Wanderungen und für ansgesprochene Wander- 
vereine zu gewähren, abzutehnen und es bei dein seither geübten 
Verfahren zu belassen. Ferner ersucht der Hauplausschuß den 
Magistrat: 
r) die Frage der Einfühmg von Nmkfahrkartsn an Sonntagen 
alsbald zu prüfen und 
d) dir Frage der Einführung eines AusländerfahrpreiseS 
nochmals eingef)end zu erwägen und hierüber der Stadlverordk-? 
neten-Versainmlung Vorlage zu nmchen, 
e) die Frage der Fahrpreisermäßigung für Kleinrentner be 
schleunigt zu behandeln. 
Stadtv. Hipper (Zentr.) bestand erneut auf Einführung deS 
Ausländertarifs. Nach Ausführungen des Stadtv. Lang (Komm.), 
der Beibehaltung des bisherigen Vergünstigungstarifs für Wochen 
karten, Monatskarten usw. beantragte wandte sich Stadtv. 
WalLher (Dem.) gegen die für die Schüler vorgesehenen Tarife 
und beantragte eine Erhöhung der Schülerfahrscheinheste von 
170 ME. auf nur 250 Mk. Smdtv. Balz er (Dem.) forderte 
Larifermäßigung für die Kriegsbeschädigtem StadLrat Dr. L a n d- 
mann bat, alle Abanderungsanträge in Bausch und Bogen ab- 
zulehnen. Die finanzielle Lage der Straßenbahn so jchtechl, 
daß sie dergleichen die Einnahmen herabdrückenden Aenderungen 
nicht zulasfe. Die Magistratssätze und die von? Hauptausschuß vorse- 
fchlagenen Aenderungen wurden angenommen. 
Zum Schlüsse fragte Stadtv. Landgrebe Wb.) an, ob 
dem Magistrat ^kannt sei, daß 
die Polizeiwache im Osthafengebiet 
aus gesundheitlichen und sicherheitstechnischeu Gründen nicht wehr 
in ihrem Gebäude M halten ist, und forderte Bereitstellung der 
Mittel für die Errichtung einer neuen W&amp;lt;Uhe. Er bat um Ueber- 
weisung seiner Anfrage an den Hemptsusschuß. Sdadtrctt Dr. 
Landmann erklärte, daß in dl^er^ln^elegen der preußi-^ 
sche Gb«M Mr WM HMe ALme VEMUns-, 
StaM VM stlE W ßNÄ-iMbeN M KM i« 
diesem AuSnahmeM veE, ein^r LMtel Stadtv» 
Higler (GoK.) betont No der PskiZeL sm- 
fländiM Mume Mr VerfÜMW M S^trNt M. Lunb- 
mann wies ^ZenÄber den VehauptunM« des UmTelmE dmMZf 
hin, tmß der Magistrat der PskkM yeute KMh genau s- beEwillig 
wie früher wLgegenkomuw «nd dÄ Nötigen Belege hierfür 
zur Verlesung. Trotz der sehr vorgerückten Stunde entspann sich 
über die an W geringfügige Angelegenhett unbericWcherweise noch 
eine Debatte, die höchst überflüssig W d^ Län^e bezogen w-uche. 
Der Antnag ging an den HmrMmKschuß. 
GMuß der SitzKDg Zege« 10 
Stadtv. Kirchner (Gc^.) begründete seine von uns vor 
Wngerer Zeit bereits bekannt gegebene Anfra^ betr. 
Reform des Frankfurter Schulwesens, 
Ne Auskunft über die DurchM-vung der seinerzeit beschlossenen 
Leitsätze fordert. Vor allem unterstrich er die Notwendigkeit 
der Raffung von Aufbauschulen und der Eingliederung 
her Fachschulen in daS E i n h e i t s s ch u l s h ste m. Zum 
Schlüsse beantragte er die Eröffnung einer Arbeitsschule 
in Sachsen Hausen. SLcMrat Meckbach wies darauf 
hin, daß der Magistrat nMs unterlassen habe, um die Beschlüsse 
der Stadtverordneten-Versammlung zu verwirklichen. So seien 
z. B. Versuche mit Förderklassen gemacht tvorden, deren Ergeb 
nis bald vorliegen werde. Was die Aufbauschule angehe, so 
' müsse Msm bsch MmEn M M BxdLrftM M GE 
GchrsftMg bestehe Ewch dedeE MuIrü^uW ei«e fiMKW- 
ziellos Belastung, die im HNMM'EtidK ArWLrMÄ der GhM 
nicht KuZenmtrt werbM ZZMW. DLZ MuoeMni?«MHA d^ Faeh-- 
schulwesens sei tm wesenÄichev bmchIeführt worden, so wett 
nicht der Magistrat aus EparsaMMtsGrunden die vorgeschlagerden 
hauptamtlichen Lehrkräfte gestrichen habe. Die Schaffung einer 
Arbeitsschule m Sachsenhaustn könne nicht befürwortet werden. 
Stadtv. Krämer (Soz.) rügte die Mrßstäude iw Fachschul 
wesen, sich vor allem gegen die Herabsetzung der Pfirchtstunden 
wendend. Dex Antrag MrchE gir^ am den SchulauSschutz.
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        s, , r. V- 
Das Haus Vraunfels. 
Durch den künstlerischen Fassadenschmuck des Hauses 
BraunfeLZ, der jetzt, nachdem die Gerüste großenteils entfernt 
sind, endlich sichtbar wird, ersteht der ganze Liebfrauen- 
bergin neuem Glanz. Das stattliche Gebäude hat eine, bewegte 
Vergangenheit. Erbaut wurde es im Jahre 1350 von dem da 
mals reichsten Bürger der Stadt, dem Weinhändler Brune 
zur Weinrebe, der ihm auch, vielleicht nach seinem Heimatsort, den 
Namen Braunfels gab. Das Haus, das schon früh zu Meßzwecken 
Verwendung fand, galt auf lange hinaus als eines der bedeutensten 
in der Stadt. Hier hielt 1442 und 1474 Kaiser Friedrich ilk. 
sein Hoflager, hier fanden die Sitzungen des 1495 neuerrichteten 
Reickskammergerickts bis Zu seiner Uebersiedlung nach 
Worms im Jahre 1497 statt. In den Zeiten der Reformation 
wechselte das Gebäude öfters seine Besitzer, ohne daß sich besondere 
Ereignisse iL ihm abgespielt hätten. Zu Anfang des 17. Jahr 
Hunderts dienten dann seine prunkvollen Räume wiederholt als 
^Zwischen den Zeiten.^ Zu Beginn des Jahres ist (im 
Verlag Chr. Kaiser, München) das erste Heft einer neuen 
Vierteljahrs-ZeiLschr^ „Zwischen den Zeiten" erschienen, die 
in Gemeinschaft mit Karl Barih. Friedrich Gogarten und Eduard 
Thurneysen von Georg Merz herausgegeben wird. Der Geist 
dieser Männer, in denen wieder alLreformatorische Gesinnung 
auferstanden ist, verleiht dem vorliegenden Heft sein Gepräge. 
EingeleLLeL wird es durch einen Vertrag: „Not und Ver 
heißung der christlichen Verkündigung", den der, 
Göttinger Professor Barth im Sommer 1622 am Pfarrertag 
der Provinz Sachsen Zu Schulpforta gehalten BnrLH gibt 
hier, auf Wunsch der Hörer, „seine" Tcheologis, eine aus der 
Wirklichkeit eigenen Fragens und Vernehmens stammende Theo 
logie, die jeder innerlich unbeteiligten Spekulation und Kon 
templation abhold ist und nur das Eine will: den rechten Weg 
weisen, der durch die enge Pforte der Not W dem Leben der 
Verheißung führt Die Rede, an Geistlich?' gerichtet, erfaßt 
zumal den Beruf des Pfarrers in seiner ganzen Schwere und 
sucht nach seiner Legitimierung. „Erst dadurch, daß unsere Ver 
kündigung aus realer Not kommt," ruft BarLH die Amisge 
nossen an, „wird aus unserem Amt Sendung." Worte voll 
protestantischen Ernstes, die dem gegenwärtigen Einzelnen gel 
ten und das Heil abhängig machen von dem Einsatz der gnnze» 
Person. Legt Varth, weil die Gelegenheit es erfordert, ein Be- 
kenntnis'ab, so führt Gogarten in seinem Aufsatz: „Die 
Entscheidung" bis an die Schwelle des Bekenntnisses 
heran. Die Entscheidung, um die es geht, ist die stets wieder 
neu zu fällende Entscheidung für die endliche Erscheinung 
der Offenbarung. Das dichtgefügte Satzgewebe der Betrachtung 
geht von dem Gedanken aus, daß erst diese immerwährende 
Entscheidung den Menschen aus dem unendlichen Relations- 
zusanrmenhang erlöse, in den Philosophie und Geschichtswissen 
schaft ihn notwendig verstricken. Kierkegaardscher Geist wrrd 
hier spürbar, denn auch für Gogarten handelt es sich um derr 
! einen „Sprung", ohne dessen Vollzug alles im Nm&amp;gt; 
Nelativen verbleibt. KurZe, aus der SeelsorgetcMgkert erwach^M 
Absteigequartier für Fürstlichkeiten. So nahm Kaiser Matthiasv 
1612 in ihm Herberge, als er zur Krönung nach Frankfurt 
kam, und auch Ferdinand !). kehrte 1619 in ihm Zu seiner 
Kaiferkrönung ein. Der Aufenthalt König Gustav Adolfs 
von Schweden im Braunfels wahrte mit Unterbrechungen über 
ein halbes Jahr, von November 1631 bis Juni 1632. Nach 
dem dreißigjährigen Krieg, im Jahre 1658, weilte Kaiser 
Leopold j. in seinen Mauern. 1694 ging das ganze Anwesen 
für 15 000 Gulden an die Patriziergesellschaft Frauen st ein 
über, die damals meist aus Familien des Großkaufmanns- 
standes zusammengesetzt war, sich aber immer mehr als Adels 
gesellschaft ausbildete. Der ernste gotische Burgbau erfuhr nun 
eine durchgreifende Umwandlung im Barockgeschmack. Türmchen, 
Zinnen und Spitzbogen verschwanden, ein neues Portal, mit 
! figürlichem Schmuck wurde errichtet, über dem das Wappen der 
Gesellschaft, die goldene Lilie im blauen Feld, seine Stelle fand, 
und die ganze Fassade tzrhielt eine heitere Bemalung. Bei den 
Kaiserkrönungen öffnete der Braunfels nach wie vor seine Tore; 
1792 hielt der letzte Kaiser des alten Reichs, Franz U., bei 
seiner Krönung mit der Kaiserin und mehreren Erzherzögen in 
ihm Einkehr. Um die Ausnutzung des Hauses noch vorteilhafter 
zu gestalten, ließ die Gesellschaft Frauenstein, die nach ihrer Ent 
stehung und Zusammensetzung mit der Frankfurter Handelswelt 
eng verbunden war, in den Jahren 1791 bis 1792 und dann 
wieder in den Jahren 1794 bis 1796 große Umbauten und Neu 
bauten vornehmen. Derart wurde im Braunfels, dem amtlichen 
Sitze der einheimischen Kaufmannschaft und der Börse, auch ein 
Meßhaus großen Stils geschaffen. Als 1806, nach dem Eintritt 
der Freien Stadt Frankfurt in den Zollverein die Messen zurück 
gingen, leerte sich me Galerie im Braunfels mehr und mehr. Das 
mag die Gesellschaft Frauenstein dazu bewogen haben, ün Jahre 
1859 das ganze Gebäude zu verkaufen. Später nahm es den 
Charakter eines nüchternen,Geschäftshauses an, das im Aeußern 
wre im Innern stark verwahrloste. 
Die seit einem Jahr im Gang befindliche Restaurierung 
dieses historischen Gebäudes ist im wesentlichen das Werk des 
Bundes tätiger Altstadtfreunde. Eine schwere 
Aufgabe war es vor allem, das Hausinnere wieder in Stands 
zu setzen. Im Obergeschoß hatte der Schwamm die Balken 
köpfe zerfressen und eine bedrohliche Senkung der Decken^ 
heroorgerufen. Nach mühsehligen Ausbesserungsarbeiten ist 
jetzt dem Sckaden so Ziemlich abgeholfen, und wie man hört, 
hegt die Stadt die Absicht, in den behäbigen Dachräumen Woh 
nungen einzurichten. Durch die von der Firma Hembus 
ausgeführre Fassadenbemalung ist besonders der Hof wieder 
zu Ehren gekommen. Das Grau des Sockelgeschosses, der Fenster- 
umrahwunven und der Gesimse geht vortrefflich mit dem Gelb der 
großen Putzflächen Zusammen und verleiht der schlichten Barock 
architektur das ihr anstehende freundliche Aussehen. Von dem kleinen 
Uhrtürmchen an der Rückwand, in dem auch wieder Glocken ange 
bracht werden sollen, blickt das neu hergerichtete Ziffernblatt trau 
Lich in dew Hof herab. Die Bemalung der Außenfassade nach dem 
Liebfrauenberg Zu lehnt sich im großen und ganzen an einen im 
Jahre 1728 entstandenen farbigen Stich Salomon K l e i ners an, 
der die bunten Hausfronten am fröhlich belebten, winterlichen 
Platze zeigt. Die gemalten Pilaster werden in der Höhe des zweiten 
Stockwerks von den lebensgroßen Bildnissen etlicher Fürstlichkeiten 
bekrönt, die in dem Braunfels Wohnung genommen hatten. Gelbe 
und rote Töne in Erdfarben überwiegen. Die Ornamentik selber 
ist teilweise etwas matt geraten. Das in kräftigen Farben gehaltene 
schöne Barockportal hebt sich sehr wirkungsvoll von der Fassaden-. 
flächeab^ ' 7 ..." ' Lr. 
DezZ z«A hell N LeN l«d!sches Aeliglonen. 
«- Im Nahmen des von der Vereinigung von Freunden 
und Förderern der Universität Frankfurt ver- 
anstalteten Vortragszyklus sprach Montag Abend Priv.-Doz. Dr. 
Prrnz über die Weg e Zum Heil in den indischen 
Religionen. Er ging von einer kurzen Charakteristik des 
Rigv'eda, des ältesten Denkmals der indischen religiösen 
Literatur aus, der die Menschen noch ganz dem Tage, dem Dies 
seits hinqegeben Zeigt und Erlösungssehnsucht nickt kennt. Später 
erst scheidet sich Himmel von Hölle, die Opfertechnik verfeinert 
sich, das Ritual wird spitzfindig ausgedeutet. Mit dem Erwachen 
.dieser Owerspekulstion stehen auch die beiden Grundgedanken 
*aüer indischen Religionen fertig da, die fortan durch die Jahr 
hunderte hindurch als Dogmen unangetastet in Geltung bleiben: 
die Lehre von der S e e! e n w a n d er u n g, derzufolge die Seele 
nack ihrem Abscheiden sich in unendlich vielen Existenzen wieder 
verkörpert, und die Lehre vom Karma, nach der alles, was 
einem Menschen widerfahrt, geknüpft ist an die Laren seiner 
früheren Existenz. 
Die Sehnsucht nach Erlösung aus dem Kreislauf der Wieder 
geburten und dem Zwang des Karma beherrscht in der Folgezeit 
den indischen Geist. Drei Wege sind es im großen ganzen, dir von 
den Heilsbedürftigen beschritten werden. Der erste ist der W e g 
der Werke. Nur wenige glauben, daß er völlig Zum Ziele 
führe, wenn ihn auch niemand für durchaus entbehrlich hält. Der 
zweite Weg ist der W e g der Erkenntnis, der am meisten 
der spekulativen Veranlagung der Inder entspricht. Seine Anfänge 
gehen auf die Upanishads zurück, in denen das Wesen der Seele, 
der A rman, sich nach und nach Zur wikrokosmischen Urkraft ent 
wickelt und dem Brüh man, der makrokosmischen Urkraft, 
qleichgesetzt wird. Daß das eigene Selbst gleich der Urkraft der 
Welt sei: aus der Einsicht in diese Wahrheit muß für alle, die den 
Heilsweg der Erkenntnis einschlagen, die Erlösung erwachsen. 
Eine Reihe von Lehren wandeln den so gefaßten Erlösungsge 
danken auf verschiedene Weise ab. Da ist Zunächst die Sa muhya- 
Philosophie, in der schon das Leitmotiv aller späteren Lehren: der 
Pessimismus, deutlich hsrvortritt. Sie drängt nach Aufhebung der 
Verbindung zwischen Leib und Seele, damit der Leib zur Urmaterie 
zerfalle und die erlöste Seele ruhig in sich selbst verharre. Die 
Dschein a-Religion wie die Bog a-Lehre legen einen großen 
Wert auf Kasteiungen, die nach thuen zur Tilgung der das Karma 
erhaltenden Leidenschaften und Triebe führen. Auf der höchsten 
Stufe der Askese tritt bissen Lehren zufolge eine Isolierung ein, 
die von Erleuchtung begleitet ist, das Karnra wird vernichtet und 
die Seele wandert in den Himmel der erlösten Seelen. Buddha, 
im Gegensatz hierzu, verwirft die strebe" Askese wie. auch den 
Sinnsngenutz nnd wählt einen mittleren Weg, der zum Nirwana 
Khrt. Ar der Pr^t von MEss M Mm MMchrer t 
die Wahrheit vom Leiden, von der Entstehung des Leidens (durch den 
„Durst", die Gier), von der Aufhebung des Leidens (durch die Be 
freiung vom „Durst") und von dem achtfachen Weg zur Aufhebung 
des Lewens. Die Erscheinungswelt verliert bei Buddha ihre Reali 
tät, aber auch die Seele ist nach ihm nicht unvergänglich. Ueber das 
Nirwana selber, in das dieSeele nach erfolgterLäuterungMeditation 
und Erkenntnis schließlich eingeht, hat er jede Auskunft verweigert 
mit der Begründung, daß er nur lehren wolle, was unmittelbar 
dem Heil fromme. — Hat der Buddhismus in Indien jeden An 
hang verloren, so bekennt sich noch heute die Mehrzahl der gebil 
deten Inder Zur monistischen Vedanta-Lehre, die zirka 
800 n. Chr. entstanden ist, und auf ein (Zwischen 200 und 400 
n. Chr. verfaßtes) Werk zurückgeht, dessen ä00 Sprüche während 
eines Jahrtausends immer neu kommentiert worden sind. Nach 
ihr sind alle Einzelsselen das eine Brahman selber. Durch das 
Wissen hierum wird der Schleier der Maya zerrissen, die Kette 
der Wiedergeburten gesprengt und der Atman eins mit dem 
Brahman. Neben der esoterischen Vsdanta-Lehre besteht noch eine 
exoterische, die das Brahman personifiziert, damit das Volk durch 
die Anbetung eines ihm faßlichen persönlichen GotteS zur Er 
lösung gelange. 
Der dritte Heilsweg ist eben dieser Weg der Gottes 
liebe. Zum Unterschied von dem Agnostizismus der indischen 
Spekulation wurzelt der Theismus in der uralten Religion des 
Volkes, in dem Glauben an die Götter Wischnu und Sckiwa. 
In dem Mahabharata-Epos verkündet Wischnu, der das Wesen 
hafte in allen Dingen ist, als Gott Krischna selber seine Lehre. 
Ihre Quintessenz ist, daß die Seele, die alle Werke um Gottes 
willen tut, dereinst zu ihrem göttlichen Ausgangspunkt zurück 
kehrt. — Der Redner beschloß seinen aufschlußreichen Vortrag 
mir einem UeberbLick übrr die späteren Systeme, in denen sich 
Vedanta-Lehre und Wischnu-Lehre auf verschiedene Arten ver- 
schmelze»^ / - L r.
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        die 
er und 
lieben den Erlöser als ihren Bräutigam und pflegen Verkehr mit 
dem Gemarterten. Auch entsteht in den Frauenklöstern eine 
reiche Erbauungsliteratur, die zu den schönsten Erzeugnissen der 
Hochgotik gehört. Für den fraulichen Geist, der sie beherrscht, 
ist es charakteristisch, daß die Texte vielfach Mosaike sind, „geist 
liche Blumensträuße", die man sorgsam Zum einheitlichen Ganzen 
zusammengebunden hat. Dieser Mosaikfpielerei sind u. a. auch 
die deutschen Predigten Meister Eckharts zum Opfer gefallen. — 
Auch an der Entwicklung der spekulativen Mystik nehmen übri 
gens einzelne Frauengestalten des 13. Jahrhunderts hervorragen 
den Anteil. Vor allem ist Mechtild von Magdeburqzu 
nennen, in deren Werk: „Das fließende Lickt der Gottheit* Ein 
flüsse der höfischen Poesie und der erotischen Bernhardinischen 
Mystik Zusammentreffen. Die ganze Terminologie der Eckharr- 
schen Mystik ist hier schon vorgebildst. Neben Mecktild kommt, 
abgesehen von einer gleichnamigen Schülerin, die sich dem Herz- 
Jssu-Kulr widmet, noch Gertrud die Große in Betracht, die 
sich dem religiösen Leben der Welt Zukehrt und von den Pro 
testanten als Vorläuferin des Protestantismus gefeiert wird. 
Spätere Frauengestalten haben im Vergleich mit diesen Vertre 
terinnen der deutschen Mystik keine Bedeutung mehr. 
Wenn die Frauen vorwiegend die Form der mystischen Vn- 
dachtsliteratur bestimmen, gibt das männliche Laientum, 
das mit den Anfängen des Bürgertums entsteht, den Anstoß zur 
häretischen Sektenbildung und bestimmt im wesent 
sich stärker und leidenschaftlicher aus als in seinen erst vor wenigen 
Jahrzehnten wieder entdeckten lateinischen Werken. Wichtig pno 
.zumal seine Verteidigungsschriften, in denen er die einzelnen 
Punkte seiner Lehre zu erklären sucht. Die Gedankenwelt Eckharrs 
ist eng begrenzt, sie geht nicht über das Gebiet der Religion 
hinaus und bezieht sich lediglich auf das innere Leben, das Ver 
hältnis des Menschen Zur Gottheit. Kirchliche Ueberlieferung 
und Sakramente bekämpft er Zwar nicht, aber sie sind ihm un 
wesentlich. Kern seiner Lehre ist die pamheistische GLerchsetzung 
der Gottheit mit dem 68ss pm um, dem reinen Sein. Dieses 
unendliche göttliche Sein ist die Negation alles endlichen Seins, 
das ja in Wahrheit nur ein Nichtsein ist und erst durch 
Gort Zum Sem erweckt wird. In einem kleinen Winkel 
der Seele, im ungeschaffenen „Seelengrund" vollzieht sich nach 
Eckhart die Berührung und Vereinigung der Kreatur mit Gott, 
und Ziel der Menschen ist es, diese "Geburt Gottes in der 
Seele zu bewirken. — Mit Eckhart bricht die Reihe der großen 
spekulativen Denker ab. Er selber hat sich noch am Ende seines 
Lebens gleich den ihm anhängenden Laiensekten gegen alle Gelehr 
samkeit gewandt, getreu seinem Spruche, daß ein Lebemeister 
mehr wert sei als tausend Lesemeister. Ihm folgen zum Abschluß 
der fraulich zarte Sense und der praktische Lebensreformer 
Tauler -- Gestalten» in denen sich ebenfalls Teilströmungen 
der mystischen Gesamrbewegung verkörpern. Zahllose im Volke 
umgehende Schriften und Kunstwerke bezeugen, daß Funken jenes 
Seelendranges, der die Gotik erfüllt hat, noch heute mit alter 
Kraft aufsprühen. ___ Lr. 
Sentenzen, die Thurneysen unter dem Titel: „Eine 
christliche Unterweisung" vereinigt hat, und ausge 
wählte Lutherbriefe aus den Jahren 1516 bis 1517 be 
zeugen denselben Geist, der auch in den Arbeiten Barths und 
Gogartens MM Ausdruck gelangt, und stellen gleichsam das Leben, 
zu dem die dort gegebenen Formulierungen hinzuleiten 
trach.cn, in seiner Konkretheit dar. Den Beschluß macht ein 
Ver:cbt über den 40. Kongreß für innere Mission, in 
den Merz die Haltung des Kongresses, an dem auch Jugendliche 
wilnahnr-en, kritisch beleuchtet. Das zweite Heft dieser Schriften-, 
folge, die aus der Flut der literarischen Tageserscheinungen sich 
einsam heraushebt, wird u. a. eine Auseinandersetzung mit dem 
Problem der Ethik bringen und die Beziehung zwischen Christentum 
und Sozialismus erörtern. ' Xr. 
lichen die Geistesrichtung der Mystik? Kirchliche und 
spekulative Mystik, desgleichen häretisches Sektierertum sie alle 
wurzeln im Neuplatonismus, der als Ziel des Menschen seine 
Rückkehr zur Gottheit lehrt, von der er ausaeströmr ist. Von 
Alexandrien her dringt der Neuplatonismus durch die Schriften 
des Dionys us Areopagitain das Abendland ein, wo 
seine Werke seit Mitte des neunten Jahrhunderts große Ver 
breitung genießen. Die häretischen Laiensekten, die rm 12. und 
13. Jahrhundert allenthalben aufkommen, knüpfen an die 
panrheistischen Lehren Amalrichs von Bena an, aus der sie 
auch Konsequenzen für die Praxis Ziehen, So die zur Zeit Eck- 
harts blühende Sekte der „Brüder und Schwestern vom 
freien Geiste", die als Laiensekte gegen die gelehrten Theo 
logen opponiert und von einem gesteigerten Selbstgefühl erfüllt 
ist, das sie sogar über die Heiligen sich erheben läßt. Die mit der 
Gottheit selber sich identifizierenden Glieder dieser Sekte lösen 
alle festen ethischen Begriffe auf, billigen Brüdern und Schwestern 
völlige Handlungsfreiheit zu und berätigen auch auf dem Gebiete 
der Geschlechtsmoral wie überhaupt des sozialen Lebens ihre einer 
übersteigerten Mystik entfließenden anarchistischen Grundsätze. 
Diese Züge prägen sich deutlich in dem System Meister 
Eckharrs aus, den die Brüder vom freien Geiste als ihren 
Propheten bezeichnen, obgleich er selber den Anarchismus abge 
lehnt hat. In den unter seinem Namen gehenden deutschen 
Schriften, die nur zu geringem Teil von ihm herrühren, gibt er 
Sle devWe Mystik des MMslallers. 
Der vonderGssellschaftderFreundeundFör- 
derer der Universität Fran k f u r t veranstaltete Vor 
tragszyklus nahm am Montag Abend seinen Fortgang mit einem 
der deutschen Mystik des Mitte lalters gewidmeten 
Vortrag des Priv°-Doz. Dr. A. Spamer, der es vortrefflich 
verstand, in der knappen Zeit em Gesamtbild der Epoche zu ent 
werfen und ihre wesentlichen geistigen Gehalte herauszuarbeiten. 
Zu Beginn seiner Betrachtungen kennzeichnete er kurz das Wesen 
der Mystik selber. Sie ist das Erleben Gottes und ihr Ziel die 
umo mvslms, d. h. das Aufgehen von Ich und Welt in der unend 
lichen Gottheit. Als menschliches Mgememerlebnis steht sie an 
der Wiege aller Religionen, wie auch letzte seelische DifferenZierL- 
heit in sie einmündet. Zur Herbeiführung der Gottesvereimgung 
bedarf es der Ekstase, die beim primitiven Menschen mehr äußer 
lich ist, während beim geistig hoch entwickelten Menschen an die 
Stelle der bloßen Besessenheit das innere Ergriffensein tritt. 
Die mittelalterliche Mystik blüht zur Zeit der Goti k, in einer 
Epoche ungeheuerster geistiger Spannung, sie umgreift alle Schich 
ten und Stände und stellt die höchsten Ansprüche an die Kräfte 
des Verstandes und des Gefühls. Eine innere Erregung wie da- 
mmls, weitergetrieben durch Askese, trifft man später in der deut 
schen Geschichte nicht mehr an. Angefachr und getragen wird die 
ganze Bewegung, die Zwischen einwandfreier Kirchlichkeit und 
ketzerischem Anarchismus schwankt, durch die Frauen und die Laien. 
Gleich an der Spitze der Bewegung stehen zwei Frauen des 
12. Jahrhunderts: H i l d e q a ro von Bingen und Elisa- 
het h von S ch ö n a u. Äeide wirken noch mitten im Welt 
treiben, sind bußpredigende Prophetinnen, die aktiven Anteil an 
den politisch-kirchlichen Kämpfen nehmen. Zahlreiche Legenden 
umspinnen die überragenden Gestalten, die noch heute das Volk 
als Wundertäterinnen verehrt. Im folgenden 13. Jahrhundert 
werden die Ekstasen in den Frauenklöstern zur Regel und es ist 
nicht zu leugnen, daß sie vielfach zu Autosuggestionen ausarten. 
Von Flandern urid vom Niederrhein her breiter sich die mystische 
Welle aus, die sich bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts 
hinein forrerstreckr. Viele Chroniken und Viren zeugen von dem 
Geiste, der die Nonnen zu jener Zeit beherrscht. Statt daß 
kirchenpolitische Visionen sie erfüllen, ist die Außenwelt 
für sie abgestorben, ihre EksLafsn bestehen in gewohn 
heitsmäßigen Uebungen, das Wunder ist ihnen zur Selbst 
verständlichkeit geworden. Während Flagellanrenzüge die 
Welt durchbrausen, verkehren sie nur noch miteinander und 
ihr einziges Ziel ist die Entkörperlichung, das Eingehen in die 
„Abgeschiedenheit", in die Vergottung. Bei alledem bleibt doch 
der Gestaltungsdrang erhalten, die erotische Mystik und d e 
Leidensmystik^des Bernhard von Clairvaux finden ihren 
Weg m die KMer. Die Nonnen spielen mir dem Ehristuskind, 
MitE Dergdor kurzem gegründete 
a r c a n --B lo ck - V e r l «I g IN Koln beginnt die Rolae seiner 
Esiöftm Gebiet sich bewegenden V'cröfftnt- 
W-s 
l'L PMcals und der E-
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        Sie NsSiage des ArchüekleWmSes. 
Mehr als irgend ein anderer der freien geistigen Berufe 
hat der deutsche Architektenstand unter den Folgen 
des Kriegs zu leiden. Die Wohnungsbautätigkeit liegt aus 
sattsam bekannten Gründen D gut wie ganz darnieder, und 
die Erweiterung oder Neuerrichtung industrieller Anlagen 
wird jetzt nicht nur sehr eingeschränkt, sondern überdies in 
steigendem Maße den eigens zu ihrer Durchführung geschaffe 
nen Baubüros der industriellen Werke selber übertragen- Am 
besten ergeht es den Privatarchitekten noch verhältnismäßig 
iw besetzten Gebiet, wo sie an den Aufträgen für die 
zahlreichen, durch die Besatzungsarmee angeforderten Bauten 
beteiligt werden. Freilich bleiben auch hier manche berechtigte 
Wünsch unerfüllt, da die von dem Reichsschatzminister befür 
wortete Hinzuziehung von Privatarchitekten häufig genug an 
dem Widerstand der unteren Baubehörden (der früheren Mili- 
Lärbauämter usw.) scheitert, die sich beeinträchtigt füllen. 
Die selbstverständliche Folge dieser trostlosen Zustände, die 
nachgerade sich mehr und mehr Zu verfestigen scheinen, ist das 
Eingehen einer Unmenge von Architektur-ateliers- Aber auch 
die Lage der wenigen Büros, die sich noch halten können, wird 
immer schwieriger. Sie sind ihrer Natur nach (ebenso wie die 
Mchtsanwaltsbüw z. B ) selbständige Kleinbe 
triebe, deren finanzielle Leistungskraft ganz von der Art 
und Zahl der durch sie zu erledigenden Aufträge abhängt und, 
zumal heute, den größten Schwankungen unterliegt Ihre hier 
durch bewirkte wirtschaftliche Schwächung setzt sie aber in 
einer Mehrzahl von Fällen außerstande, dem Bedangen nach 
tarifarischer Entlohnung ihrer Angestellten auf die 
Dauer zu entsprechen. Nicht äs ob ein solches Verlangen an 
sich unbillig wäre; es paßt sich nur der besonderen Art von 
Betrieben, die rein auf Qualitätsarbeit beruhen und in der 
Regel ganz wenige Angestellte beschäftigen, schlecht an, bedroh: 
sie mit einer ihnen unzuträglichen Mechanisierung und kann 
jedenfalls von ihnen in so labilen Zeiten wie den unsrigen 
kaum befriedigt werden Sucht man ihm doch nachzukom- 
men, so geschieht das oft notgedrungen auf Kosten des künst- - 
lerischen Wertes der Arbeit, da man, um die Gehälter aufzu- 
Lringen, naturgemäß nach möglichst praktischer und intensiver 
Ausnutzung der Arbeitszeit trachten nmß. Der Architekt sieht 
sich so wider Willen gezwungen, statt des künstlerischen Stand 
punkts den kaufmännischen ins Vordertreffen zu rücken, weil 
anders er überhaupt nicht mehr zu existieren vermöchte. Mei- 
ben Her, wie jetzt nahezu, überall, die großen Aufträge ganz 
aus. dann hört das Büro sofort auf, sich zu rentieren und 
kommt zur Entlastung der Angestellten, die früher wohl auch 
in den mageren Jahren miternährt werden können, Die heute 
dem Architekten etwa zufließende Kleinarbeit ist ja gewöhn 
lich ohne fremde Unterstützung zu bewältigen, und wo man 
ihrer doch bedarf, da hilft man sich eben gegenseitig aus. 
Kündigungen der Angestellten sind jetzt an der Tagesord 
nung, sie werden aus Kassel, Dresden und einer Reihe anderer 
deutscher Städte gemeldet. Besonders schlimm hat sich die 
Lage der Architekten in Frankfurt gestaltet. Von 54 dem 
B. D. A. („Bund deut'cher Architekten") angeschlossemn 
Architekten sind hier höchstens acht bis zehn regulär beschäftigt, 
und wer weiß, auf wie lange noch. 
Diese Situation hat begreiflicherweise vielfach zum Be 
rufswechsel gezwungen. Wenn nur die minder tüchtigen 
Kräfte ihn vornähmen, so wäre das im Interesse des Standes 
gewiß k&amp;lt;ün Schaden, Nun trifft aber beim Architekten bau 
künstlerische Begabung ziemlich selten mit jenen Qualitäten 
zusammen, die zur Selbstbehauptung im wirtschaftlichen Exi 
stenzkampf befähigen, und es sind darum nicht immer die 
Schlechtesten, die heute die Waffen strecken müssen Manches 
geschieht ja wohl, um ihnen den Berufsübergang zu erleichtern 
Die badische Regierung z. B. hat, dem Vernehmen nach. die 
Behörden angewiesen, erwerbslose Architekten gleich den not 
leidenden Angehörigen anderer freier geistiger Berufe in^die 
Verwaltung zu übernehmen, und auch in Preußen werden ähn 
liche Maßnahmen erwogen. Zahlreiche Architekten haben sich 
der Industrie zugewandt und betätigen sich etwa als Vertreter 
industrieller Flynen. Wieder andere, besonders die zumeist 
noch jüngeren Angestellten, sind kurz entschlossen Bankbeamte 
geworden oder versuchen, in irgend einem kaufmännischen Be ¬ 
rufe Fuß zu fassen. 
Eine unmittelbare Auswirkung der materiellen Zwangs 
lage, in der sich die Architektenschaft heute befindet, ist nicht 
zuletzt der Mangel an geeignetem Nachwuchs. Die Architek 
tur-Abteilungen der Technischen Hochschulen, die vor dem Krieg 
sich in München, Dresden, Darmstadt usw. eines äußerst regen 
Zuspruchs erfreuten, sind schon seit Jahren schlecht besucht, 
ganz im Gegensatz zu allen anderen Abteilungen, deren Be- 
ftrcherzahl beträchtlich zugenommen Hat. Man muß sich eben 
nach den Umständen richten und wählt, selbst bei vorhandener 
Begabung, nickt leicht einen Beruf, der so wenig Aussichten^ 
für die Zukunft bietet. Dieses allmähliche Äussterben des Nach 
wuchses ist aber ganz dazu angetan, nachdenklich' zu stimmen. 
Denn kommt einmal über Nacht die Zeit zunehmender Bau 
tätigkeit — und sie kann schließlich nicht für immer ausbleiben 
— so fehlt es allenthalben an Kräften, und man wird an 
Pfuscher Arbeiten vergeben müssen, die nur wirklich gediegenen 
Künstlern anvertraut werden sollten. Im Bauhandwer? ist es, 
nebenbei bemerkt, nickt besser bestellt. Viele Maurer z. B. sind f 
s längst in andere Berufe abgewandert und mit dem Nachwuchs' 
steht es auch hier kümmerlich aus. 
So ungefähr ist die Situation heute beschaffen, mÄ die 
Frage steigt auf, was Zu ihrem Wandel geschehen kann. Vor 
allem erscheint es notwendig, die allgemeine Aufmerksamkeit 
mehr Äs bis-her auf die Besonderheiten eines Standes zu 
lenken, der in freier Tätigkeit Werke um Werke hinstellt, die 
nicht wie andere Schöpfungen mit dem Tage vergehen, sondern 
der ganzen Zeit ihren Stempel aufzudrücken vermögen. Es ist 
zum mindesten merkwürdig, daß in der Öffentlichkeit, die sich 
ja überhaupt mit Fragen der Baukunst wenig befaßt, kein scharf 
umrifsenes Bild vom Architekten lebt, daß man sich über 
die Eigentümlichkeiten und spezifischen Bedürfnisse des 
Architekt enberufes im allgemeinen kaum Gedanken 
zu niachen pflegt. Vielleicht sind die Architekten selber nicht so 
unschuldig an dieser ihrer Vernachlässigung durch das öffentliche 
Bewußtsein. Sie reden nur ungern von sich und ihrer Tätig 
keit, verstehen sich schlecht darauf, Reklame zu wachen und ihre 
Kunst anzupreisen und fühlen sich entschieden am wohlsten, 
wenn sie am Zeichentisch sitzen, oder unmittelbar von der Sache 
zeugen können, die sie ganz erfüllt. Sie sind nicht Ho sehr, wie 
der Kaufmann etwa, Vermittler zwischen den Dingen, sondern 
denken in den Dingen selber und mühen sich um deren Gestal 
tung, ihre Tätigkeit stiftet nicht unmittelbar Beziehungen Zwi 
schen den Menschen, sondern erstreckt sich auf die Schöpfung der 
Räume, in denen die Menschen leben, und stellt die Beziehun 
gen her, die zwischen Raum und Raum sich als notwendig er- 
j weisen. Aus diesem ihrem Befangensein in der räumlichen § 
Anschauung erklärt es sich wohl am ehesten, daß sie im allge 
meinen so stumm über sich und ihr Wirken sind, und als Stand 
sich so wenig Beachtung zu schaffen verstehen. Wer weiß denn 
etwas von dem inneren Wesensge etz des Architekten, wie viele 
haben sich Rechenschaft abgelegt darüber, welche Fülle von 
Eigenschaften Zusammentreffen und zur Einheit verwachsen 
muß, damit ein tüchtiger Baukünstler erstehe? Es ist ja nicht 
allein die Fähigkeit, auf dem Papier schöne Projekte zu er 
sinnen, die den Architekten zuw Architekten macht. Hinzukom 
men muß die Gabe der Einfühlung in die jeweiligen praktischen 
Erfordernisse eines Bauwerkes, die dem Bauherrn selber oft 
nur recht rmffar vorschweben, und die Kraft, das praktisch 
Geforderte w zu verarbeitendes künstlerisch so ganz Zu durch 
dringen, daß das an einem bestimmten Ort und für einen be 
stimmten Zweck geschaffene Werk zuletzt in seiner Notwendigkeit 
unbedingt überzeugt. Zur Erreichung solchen Ziels gehört aber i 
auch die Beherrschung des Tecknischen, Organisationstalent, 
das viele Menschen und Interessen in den Dienst eines über 
ragenden Gedankens zu stellen vermag, genaue Kenntnis der 
einschlägigen juristischen Fragen, Sicherheit im Verkehr mit 
den verschisdenartiM Menschengattungen und Berufszwei 
gen usw. Daß schließlich umfassende Bildung und fein ent 
wickelter Geschmack unentbehrliche Voraussetzungen für den 
Architektenberuf sind, versteht sich wohl ohne weiteres Es sind, 
wie man sieht, sebr heterogene Eigenschaften, die in der Person 
des Architekten Zusammenströmsn müssen, und man mag üch 
leicht vorstsllen, welch langer, mühseliger Prozeß Zu durchlaufen 
ist, um sie alle Zu erwecken und in Einklang miteinander zu 
bringen. 
Zeiten unfreiwilliger Muße sind immer auch Zeiten der 
Vorbereitung und der Sammlung. Die ArchitektemM als 
freier Beruf zum großen Teil auf Selbsthilfe angewiesen, 
wird heute vor allem nach Klärung ihres Berufsideals und 
nach Sicherung der 'ozislen Geltung ihres Standes zu 
trachten haben. Manches ist nach dieser Richtung hin im 
Gang Der B. D. A. als stärkste Organisation der Privai- 
architektmschaft, setzt sich u. a. schon lange für eine zeitgemäße 
Reform des Architekturstudiums an den Technischen Hoch- 
chicken ein und erstrebt die Schaffung von Architekten 
kammern, die, hierin den Kammern der Aerzte und Rechts 
anwälte verwandt, dem Architekten bestimmte, öffentlich an 
erkannte Befugnisse zusrteilen, seinen Titel schützen und seine 
Funktionen ab grenzen sollen von den Funktionen der Nachbar 
berufs, mit denen sie heute noch, meistens zum Schaden der 
Architekten, vielfach vermengt werden. Das ist eine Politik 
auf weite Sicht, aber die jetzige Wartezeit ist vielleicht' be 
sonders geeignet dazu, alle Kräfte auf sie zu konzentrieren. 
Schwerer, ja beinahe unmöglich wird es für die Architekten- 
fchaft sein, von sich aus Mittel zu finden, die ihr das materielle 
Durchhalten gestatten. Es ließe sich allenfalls daran denken, 
daß der B. D, A. sich immer wehr zu einer Notgsmein-, 
fchaft ausbaute, die in den Grundzügen der vom Reichskunst- 
wart Dr. Re dslob im vorigen Jahr ins Leben gerufenen
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        Judmkum und SiüLk. 
--- Auf Einladung des ZentraldereMs LeuLscher Staatsbür 
ger jüdischen Glaubens'sprach gestern Abend im überfüllten 
großen Saale des Volksbildungsheims Rabbiner Dr. FrLu- 
de n L h a l (Nürnberg) über das Verhältnis des Judentums Zum 
Sw.at. Nach kurzer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der 
Ortsgruppe, Dr. Mainzer, der namens der Versammlung 
und zumal der deutschen Juden mit Worten der Entrüstung 
gegen die französische Gewaltpolitik feierlichen Protest erhob, 
stellte der Referent gleich zu Beginn seiner Ausführungen die 
Tbes-s anst daß die Liebe des Juden zum ^LaaL den 
religiösen Grundlehren des Judentums selber entspringe. ^Der 
. Glaube an den einen, einzigen Gott, ein universeller, über- 
völkischer Glaube im besten Sinne, hat es dem Juden ermög 
licht, an dem Wähle eines jeden Staates mitzuarbeiten, der ihm 
zur Heimat geworden ist. Schon in den Zeiten des Exils ward 
diese Verpflichtung den Juden ausdrücklich auferlegt. Weiter ¬ 
hin ergibt sich aus der biblischen Lehre von der Ebenbildlichkeck 
aller Menschen die jüdische Auffassung,. daß in einem Staats 
&amp;gt; Wesen alle Konfessionen die gleichen Pflichten und Rechte haben, 
wie überhaupt die Lehre von der Gleichberechtigung 
aller Menschen, die Forderung eines rauf sozialen Grund 
sätzen aufgeöauten Gemeinwesens echt jüdischer Herkunft ist. 
Zum Dienste an solchem sozialen Fortschritt unter Ablehnung 
jeglicher Gewalt verpflichtet schließlich der messt attische 
Gedanke, der ebenfalls in seinen letzten Konsequenzen Treue 
dem in Sittlichkeit gegründeten Staate gegenüber fordert. Wie 
tief diese Treue im Judentum verankert ist, davon zeugt-' die 
jüdische Anschauung, daß die Staatsgesetze den Religionsgefetzen 
gleich Zu erachten seien. Erstrebt wird aber von den Juden ein 
Staat, der Brüder- und Priesterreich ist, ein Staat mithin, der 
freilich rassmmäßme Eimauna und völkische Abgrenzung nicht 
kennt, dafür jedoch Zu Wahrheit, Recht und Frieden 
zu erziehen vermag. 
Im Verlauf seiner weiteren Darlegungen wies der Redner 
die oft gehörte, lügenhafte Behauptung Zurück, daß das Juden 
tum ein Verbündeter des Bolschewismus sei, und 
polemisierte unter lebhaftem Beifall der Versammlung gegen 
eine vor wenigen Wochen gefallene Aeußerung des bayrischen 
Ministers des Innern, der eine durchaus verkehrte Auffassung 
von der -Stellung des jüdischen Bürgers im Staate bekundet 
habe. Fernerhin verwarf der Redner jede Klassen- und Rassen« 
hetze, die schon dem Volk der Bibel tief fremd gewesen war, und 
trat für die Idee des inneren Friedens ein, wobei er 
mit scharfen Worten das Treiben der Hitlerl-eute als einen Ver 
rat am Vaterlande geißelte. Zum Schlüsse bewnte er, daß die 
Juden, ihrem religiösen Gefühlsduange folgend, überall dem 
Staate die Treue gehalten Hätten, selbst wenn dieser Staat es 
darauf angelegt habe, ihnen die Treue aus dem Herzen Zu 
reihen. Vor allem die dewtschLN Juden, die süddeutschen zumal, 
seien trotz der inneren Feinde, die mit ihrem Hasse das Volk 
vergiften, von inniger, stets unveränderter Liebe zu ihrer 
deutschen Heimat erfüllt. Stürmischer, lang-anhaltender Verfall 
dankte dem Redner für seine nur hie und da durch Zwischenrufe 
unterbrochenen Ausführungen. 
J^er kurzen Aussprache drückte Herr Roehle, der 
„Arbeitsg-emenischaft für deutsche Handwerkskultur" entspräche 
Dies- verfolgt neben anderen Zielen die Vertretung deutscher 
Handwerkskultur auf Messen, Ausstellungen und KulturwoHen, 
Hebung der Absatzmöglichkeit für höchstwertige Handwerks 
erzeugnisse, Vertretung der kulturellen Interessen des Hand 
werks gegenüber Behörden usw. Ob-und inwieweit Ä-ehm 
liches für die ArchitektenschE erreicht werden kann, mag hier 
unerörtert bleiben; immerhin ist die gegenwärtige Notlage so 
drückend, daß ein solidarisches Auftreten in allen, aber auch in 
allen Standesfragen sich als unumgänglich notwendig erweist.' 
Hierzu gehörte nicht zuletzt auch eine Fülle von Aufklärungs 
arbeit. So gälte es etwa, um nur ein Beispiel von vielen Her 
auszugreifen, wieder und wieder den festeingewurzelten Irr 
tum einer Mehrzahl von Bauherren zu zerstreuen, daß man 
billiger fahre, wenn^nan sich unter Umgehung des Architekten 
- direkt an den Bauunternehmer wende — als ob er nich^mde! 
i die Ausgabe des Architekten sei, als Treuhänder des Bauherrn' 
- dessen Interessen dem Unternehmer gegenüber Zu verfechten 
und ihn derart vor unnützen Ausgaben zu bewahren, mit bmen 
verglichen, das Architektenhonorar zumeist lächerlich gering ist. 
Freilich hat man sich von vornherein darüber klar zu sein, 
daß diese Selbsthilfe nichts fruchtet, solange fremde Hilfe sich 
ihr verweigert. Dem Staat und den Kommunen Mwrü 
erwachsen gegenüber der deutschen Archiiektenschast große Ver 
pflichtungen, ihnen vor Mm liegt es ob, dafür zu sorgen- daß 
ein Stamm bewährter Kräfte sich hinüber retten kann, und 
daß die drohende Gefahr völligen Traditionsbruches ad- 
gewendet wird. Die kürzlich durch den Reichspräsident 
t e n erfolgte Ueberweisung von drei Millionen MaÄ aus der 
Sammlung der „New Docker StaMzeitung" an den B. D. A. 
bezeugt symbolisch die Hilfsbereitschaft des Reichs, wenn sie 
auch nur ein Dropsen auf den heißen Stein ist. Wesentlicher 
als solche geldliche Unterstützung wäne die produktive Hilfe 
leistung durch Vergebung von Aufträgen an tüchtige, not 
leidende Architekten. Früher war der Wohnungsbau beinahe 
ausschließlich die Domäne der Privatarchitekten, die auf 
diesem Gebiete Vorbildhastes geleistet haben, heute ist er bei 
nahe ebenso ausschließlich zum Tummelfeld der Behörden ge 
worden. Post, Eisenbahn, wie auch die Kommunen lassen 
ihre SiMungsanlagest durch ihre eignen Bauämter errichten, 
- in denen ja gleichfalls — dies fei zur Entschuldigung gesagt 
I — unbeschäftigte beamtete Architekten sitzen, mch ziehen nur 
ganz ausnahmsweise einmal einen Privatarchitekten hinzu. 
' Diese Zurückdrangung der freischaffenden Baukünstler durch 
die Bambeamten erzeugt aber höchst ungesunde Verhältnisse, 
die auch durch an sich sehr fragwürdige praktische Vorteile nicht 
ausgewogen zu werden vermögen. Gewiß sind beträchtliche 
künstlerische Leistungen durch beamtete Architekten hie und da 
vollbracht worden. Doch liegt es in der Natur der Dinge be- 
! gründet, daß sich in der Regel künstlerische Erfolgs nur dann 
erzielen lassen, wenn der Architekt ungehindert durch büro- 
kratis^n Zwang schalten und weckten kann. Daß Deutsche 
land in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten eine neue 
Blüte der Baukunst erleben durfte, ist sicherlich nicht feinen 
DauLeamten zu danken gewesen, vickmehr hat sich gerade um-. 
! gekehrt in nahezu allen Fällen der alte Erfahrungssatz be 
stätigt, daß das Beamtenwesen der Tod des künMEchen 
Schaffens ist. Aus diesen Gründen ist es schon im Interesse 
der Sache selber geboten, die prinzipielle Forderung auf 
Beteiligung der Privatarchitekten an sänÄichen 
Bauauft rägen dM Staates und der Kommunen 
M erhoben. Ihr reiht sich die andere, nicht minder berechtigte 
Forderung cm, daß den festbesoldeten Baubeamten die 
Uebernahme von PrivatauftrSgen streng zu untersagen sei. 
Die Nutzanwendung auf unsere Frankfurter Verhält 
nisse ist leicht zu ziehen Auch hier herrschen die gleichen Miß 
stände wie überall, auch hier zieht die Stadt es gewöhnlich vor, 
ibre Bauten in eigene Regie zu übernehmen, ja, bereitet den 
Privatarchitekten wohl auch kort noch Schwierigkeiten, wo sie 
Verpflichtungen ihnen gegenüber einge^mgen ist. Diese Hal 
tung rmrß von Grund auf geändert werden. Statt Latz die 
Stadt ihre baulichen Aufgaben, soweit solche überhaupt noch vor 
liegen, durch ihre beamteten Architekten bearbeiten läßt, sollt 
sie im Gegenteil aus eigener Initiative heraus der freien Ar-' 
chitektenschaft so diel als möglich helfend zur Seite stehen. Auch 
ein Wettbewerb etwa — wo bleibt z. B. das seinerzeit Zuge 
sagte Preisausschreiben für die Bebauung eines Teiles des 
Festhallengeländes? —- käme als Augenblickshilfe sehr wohl in 
Betracht, obwohl die Devanstaltung von Wettbewerben natür 
lich keineswegs eine grundsätzliche Lösung der hier angeschnit 
tenen Fragen darstellt. Erschwert wird die Lage der Frankfur 
ter Architekten übrigens noch durch das merkwürdige Vorurteil 
d mancher Frankfurter Bauherrn, daß ein Fremder nicht nur, 
um mit dem alten Stoltze zu reden, „immer von außerhalb" sei, 
sondern auch Besseres zu leisten vermöge als die einheimischen 
Kräfte, was weder die Ansicht des alten SLoltze war, noch in 
Wirklichkeit Zutrifft. ' Lr. 
Vom Stadtbild. 
s« Mt der Riesenarmee der Litfaßsäulen, deren Vor- 
LmpM vor einiger Zeit, kein Mensch weiß eigentlich wann und 
wie, über Nacht selbst in die friedluhsten Straßen eingedrungen 
sind, geht seit kurzem eine sonderbare Veränderung vor. Diese 
Wandlung rührt einfach daher, daß etliche mitfühlende Seelen 
schlechterdings nicht einzufehen vermochten, warum gerade die Lit 
faßsäulen gut bekleidet sein sollen, wo doch so viele Menschen in 
höchst reduzierter Kleidung herumlaufen müssen. Aus solcher Er 
wägung heraus, die noch durch das nicht minder gewichtige Argu 
ment der zu stattlicher Hohe sngeschwollenen Papierpreise unter 
stützt wurde, rissen besagte Zartfühlende Menschen den armen Säu 
len ihre Papierhülle vom zylindrischen Leib und ließen sie dann 
frierend in der Landschaft stehen. Der Mensch will leben, nicht 
rvahr, und das Papier, ob bedruckt oder unbedruckt, ist kostbar, die 
hier obwaltenden Zusammenhänge sind'nicht weiter schwer zu fin 
den. Nachdem die Säulen sich von dem ersten Schrecken erholt 
hatten, machten sie schnell gute Miene zum bösen Spiele. Im 
Grunde war es ihnen immer peinlich gewesen, so Willkürhaft von 
jedermann beklebt zu werden, da vegab man sich schon besser in 
den Dienst der einen oder der anderen Firma und ging mit ihr 
^in MuerverhältniS ein. Man konnte sich dann sozusagen häus 
lich sinrichten und an Stelle des lockeren, unsoliden Papiergewan 
des ein gediegenes, vertrauenerweckendes Kostüm aulegem Die 
städtischen Behörden mit ihrem gewohnten Taktgefühl errieten 
bald die geheimen Wünsche ihre? Pflegebefohlenen auf Platzen 
und Straßen und Meten Zwischen ihnen und unternehmungZ- 
lustigen Firmen eine Reihe von Beziehungen, die sich von regu 
lären Ehen nur dadurch unterscheiden, daß sie nicht gerade für die 
Ewigkeit gelten. So sind denn heute schon mehr und mehr Säu 
len mit einem Anstrich versehen worden, dessen fröhliche Farben 
laut von glücklichen Verbindungen zeugen, die man hier ab 
geschlossen hat. Da überdies diese farbige Bekleidung, laut städti 
scher Vorschrift, von Künstlerhand besorgt wird, ist sie meist 
vsn^so angenehmer Wirkung, daß nur noch zu wünschen bleibt, es 
möchten recht viele Säulen dem Beispiel ihrer bereits unter die 
Haube gebrachten Schwestern folgen. X. V,
        <pb n="9" />
        Siadtkammerer Pros. Bleicher sprach» sich für Überweisung 
der Anträge an die NosstandZdepuwtion cmZ. Dieser Vorschlag ging 
durch rnit der Maßgabe, daß Stadtv. Lang zu den Beratungen 
ZugeZogÄN werden solle. 
Führender Frankfurter Sozialdemokraten, sein volles Einver 
ständnis mit den Worten des Referenten aus und legte gleich 
falls Verwahrung gegen den Antiseminsmus ein. Ein anderer 
Redner, der sich ausdrücklich als Nichtfude bezeichnete, bekannte 
seine Enttäuschung darüber, daß die Versammlung nicht ener 
gischer dem deutsch-völkischen Fascismus entgegengetreten sei 
und trat dann für seine kommunistischen Ueberzeugungen ein. 
Nach der vergeblichen Aufforderung des Vorsitzenden, es möge 
ein Vertreter der deutsch-völkischen Iudenhaffer den Mut-finden 
und das Podium besteigen, beschloß der Referent des Abends 
mit knappen Worten der- Entgegnung die Versammlung, die 
trotz der in diesen Tagen angespeicherten Erregung im ganzen 
hier wie überall zu Einschränkungen. Mit scharfen Worten 
sprach sich der Stadikämmerer gegen das Verhalten der Ver 
sammlung aus, das nicht dazu gssi^net sei, den Kredit der 
Stadt Frankfurt hochzuhalten, hätten doch die wenigsten Redner 
bei ibren Ausführungen sich um die allgemeine Finanzlage und 
die Notwendigkeit einer Deckung des städtischen Defizits nur 
im geringsten gekümmert. Stadtv. Kirchner polemisierte 
in seinem Schlußwort gegen die Erklärungen des Kämmerers 
und bat um Annahme der Anträge des SchuLausschusses. 
Stadtv. Korff (Dem.), als Berichterstatter des Hauptaus 
schusses, drückte seine Empörung darüber aus, daß die meisten 
Redner sich von ihrem persönlichen Interesse hätten leiten lassen, 
ohne des Allgemeinwohls eingedenk zu sein. Bei der Abstim 
mung wrrrde der Hauptausschußantrag auf Fortfall der dnitten 
Turnstunde abgelehnt. Annahme fand mit 41 gegen 33 Stim 
men bei namentlicher Abstimmung der Antrag des Schulaus-- 
schusses, der die Reduzierung der^PstichLstundenzahl an den 
Fachschulen verwirft. Der Antrag des Hauptausschusses, die 
Lernmittelfreiheit nur Bedürftigen zu gewahren, wurde aöge- 
lehnt. Im übrigen fanden alle Anträge des Schulaus- 
schusses An nähme. 
O 
Die von uns zrnn Teil schon veröffentlichten Anträge des 
Hauptausschuffes Zum Nachtragsetat, betreffend Wohlfahrtsamt, 
Jugendamt, KriegshinLerbliebeneru' und Kriegsbeschädigten 
fürsorge HochbauamL, Museen. Bibliotheken, Theater-Aktiengesell 
schaft, Zoologischer Garten wurden ohne weitere Diskussion ange- 
nommerr. 
Vsrsbiedcne Anträge des LLefbauMusschuffes erl-edigten sich 
deLaLleloZ. 
Eine vom sozialpolitischen Ausschuß besürwortete Unter 
stützung der jugendlichen Erwerbslosen wurde 
angenommen. 
Den von uns bekamrtZegebenen Anträgen des Schubmsschusses 
zur Schulgeld-Staffelung trat Stadtv. Lang (Komm.) 
mit einem eigenen Antrag entgegen. Die Schulausschuß-Antrage 
fanden einstimmig AnnaLme. 
Um die Erhaltung oes Luft-, Licht- und Sonnen 
bades auf dem Sachsenhaufer Berg noch für einige Zeit zu er 
möglichen, schlug dar Stiftungs-Ausschuß vor, den Besitzer deS 
Terrains darum Zu ersuchen, dem Verein eine Raumungsfrist von 
einigen Monaten Zu gewähren. Ein von Stadtv. Mühlig (Soz.) 
eingebrachler Antrag Hnßwolf, der Enteignung des GelSn^s 
fordert, wurde als ErgSnzungZantrag zum Antrag des SMungs-- 
Ausschusses angenommen. 
Der Vorschlag des SchulauZschusses, die Verlängerung 
der Osterferien um eine Woche einheitlich für alle Schulen 
am Ende der regulären Ferien vEunehmen, fand ebenfalls Ge 
nehmigung. Dafür sollen die Pfingstferren gestrichen 
tverdm. Zu bezweifeln sei freilich, wie der Berichterstatter Stadtv. 
Pros. Zink, hervorhsö, ob der Minister auf diese Regelung ein- 
Mhe. 
BEmpftmI des WmherS mrd der Teuerung. 
Stadtv. Lang (Komm.) begründet einen dringlichen Antrag, 
der den Ausbau der Preisprüfungsslelle, die Lieferung von Brenn 
stoffen an Minderbemittelte und eine Staffelung der Preise für 
Gas, Wasser usw. fordert. Stadtv. Mayer (Soz.) vertrat 
namens feiner Fraktion den folgenden Antrag Thomas: 
^Die Swbwsrsrdneten-Versamml^ wolle beschließen, den 
Magistrat zu ersuchen: 
I. zü veranlassen, daß schärfste Kontrolle der Versorgungs 
regelung der Lebens- und Gebreuchsmittel durchgeführt wird, 
ferner allerschärfste Bekämpfung des^Schieber- 
u n d W u ch e r L u m s; 
II. scharfe Beobachtung und Handhabung der Vorschriften 
über die A r b e i t s st r e «jun g bei Gefahr der Arbeitsstockung. 
Der Magistrat möge an die Dsmobilmachungsbehorden heran 
treten, um diese bei einirEnden Arbeitseinstellungen Zu ver 
anlassen, die gegebenen Vorschriften strengstens Zu beachten, 
insbesondere starke Kontrolle bei Miriebseinstellungen über deren 
Notwendigkeit. 
II!. Größte Fürsorge inLezug auf NaLuralverpflegung für 
Erwerbslose, ELwerbsbeUBEe und sonstige VersotogungZ- 
öerechtigte. Schleuniger Ausbau der Volksküchen, 
besonders für Alwrsrentner, der Schul- und Frühstücksspeisung. 
IV. Abgabe billiger Leöensmittel sowie Brenn 
stoffe (Holz, Kohlen, Gas) und Bereitstellung von Fonds zu 
ihrem Ankauf zwecks Abgabe an Unbemittelte. 
V. Beschleunigte Bereitstellung von Mitteln für Zwecke der 
produktiven Erwerbslosen - Fürsorge. Es ist 
besonders eins Belebung der Bautätigkeit zu ver- 
muessen, um darE gleichzeitig den fs notwendigen Wohnraum 
Sksdlveksrimelen-Versammluus. 
Sitzung vmn 20. FeLrurrk. 
Nach debattelose- Erledigung einiger Vorlagen stellte 
SiadLW Dr. EpstLin (dr^.) erneut den folgenden Antrag zur 
Abänderung der Der gn'üGu n g Ast ern er, her 
Magistrat nicht zugestimmt hatte: 
„Die StadtverEdnetErv-VersMuM ersucht den Ma 
gistrat, bei Vorträgen Wissenschartlichen, Politischen oder welr- 
arrschaul-ichen Inhalts von Erhebung einer VerZrLZungs- 
steuer aLzusehen nicht nur, wenn die Veranstaltung 
geltlich ist, sondern entsprechend dem Beschluß der Etadtver- 
ordnLtLn-VersamuMng vom 6. Februar 1923 immer dann, 
wenn sie ohne Absicht auf Gewinn unternommen ist." 
Stadtv. Pros. Dess au er (Aentr.) protestierte im Inter 
esse der Vermittlung Listiger Güter gEHen den Beschluß des 
Magistrats und fragte an, ob es sich bei die fern Beschluß um 
eirwn Irrtum handiE» SLadtrat Dr. Langer be stritt, daß 
durch die bisherige Handhabung der Vergnügungssteuer die Ver 
breitung der Bildung gehindert worden sei. Er bezeichnete es 
als möglich, Veranstaltungen gemeinnütziger Art steuer 
frei M lassen und bat um dementsprecheude Abänderung des 
Antrags, Der Antrag Epstein wurde einstimmig angenommen. 
Erhöhung der StratzenLahntsrife. 
SMtv. Nolles erklärte M Berichterstatter des Haupt- 
vusschusses, daß die neuen Sätze, die der Ausschuß bereits ge- 
DehmigL habe (Mindestfahrpress WO Mkch vorderhand 
noch nicht in Kraft Lveten sollen. Ern Antrag Lang, dem 
Hauptausschuß das Recht der Festsetzung der Trambahntarife 
wieder zu entziehen, wurde abgelehnt, dagegen fand ein Antrag 
des HauptauZschussLs Annahme, der die Einführung -eines er 
höhten Straßenbahntarifs für Ausländer vorsieht. Zu.- 
gestimmL wurQe ferner der Gewährung einer FahrpreiHermäßi- 
gurcg^ für di^ Besucher der Hochschulwoche. 
SpawlaßnohnEN im Schulwesen. 
Stadtv. Korff (Dem.) berichtete für den HauvkaWschuß 
Lezw. für Via Siebener-Kommission über die vorgesehenen Er 
sparnisse im Schulwesen, Die entsprechenden An 
trags des Haupk^usschmsses sind von uns bereits mitgeteilt 
wordsn. Die Stellung des SchulauZschusses zu den Sparmaß 
nahmen des Magistrats gab Stadtv. Kirchner kund. Danach 
beantr^t der SHuLausschuß die vom MaoMrat vorgeschlaoene 
Erhöhung der Klaffenfreguenz ebenso abzustchnen wie eine Ra- 
duziLrung der UnteinnchtSsturck^nz auf 6 bezw. 4 Stunden. 
Diese Beschlüsse stünden im WiderfzTruch mit Beschlüssen der 
oberen städtischen Behörden. Dagegen versucht der Ausschuß 
den Magistrat über die Erhöhung der Vflichtstundenzahl der 
Lehrer (und zwar der Lehrer aller Kategorien) mit der 
Lehrerschaft zu verhandeln. Stadtv. Honig (Zentr.) stellte 
den Antrag, der Magistrat möge sobald als möglich eine Vor 
tage über die Gewährung größerer Lernmittelfreiheit ambrin- 
gen. StadLvai MeckbaH rechtfertigte nochnwls die vom Ma- 
Mvat öorgeschlagsnen Sparmaßnahmen, die im Interesse der 
städtischen Finanzen unerläßlich seiEm Die Erhöhung der 
PflichistundenAchl der Lehrer sei übrigens noch nicht endgültig 
beschlossen worden. Stadtv. Lorey (Soz.) erklärte sich mit den 
Anträgen des SchulauOschu-sses im allgemeinen einverstanden. 
Er wandle sich besonders gegen di? Sparmaßnochmen im Fach- 
schultSesen urcd ernpfahß hierin weiteroshen-d als der Schulaus- 
fchuß, die Tusdehnung des Werkunterrichts. Im Ver 
lauf seiner folgenden Ausführungen erörterte er im einzelnen 
die Stellung seiner FraMon zu den Magistratsbeschlüssen. Nach 
längeren Darlegungen des Stadtv. Lang (Komm.), der den 
Magistrntsbeschlössen woiLgehende Forderungen entgegensetzte. 
ergriff Stadtv. Dr. H an au er (DEM.) das Wort. Er sprach 
sich u. a. gegen die Erhöhung der Massenfregumrz aus, forderte 
Ausbau des Turnunterrichts und warnte vor einer Ueber- 
spannung der SpavnmßnabM-en auf Kosten der Jugend. Stadtv. 
Laudgrebe (Lio.), der auf die finanzielle Notlage der 
Stadt urch die Verantwortung der Stadwersrdneten-Vsrsamm- 
kung hmwiss, emvfahl ^dringend die Annahme der Beschlüsse» der 
Siebener-Kommissin. Ein von ihm gestellter Antrag fordert 
die Beschränkung der Pstichtstunden^ahl an den Fachschulen auf - 
das gesetzliche Maß. Im Anschluß an Aeußerungen des Stadtv. 
Schütz (Dem.), der sich im wesentlichen gegen die Erhöhung 
der Klassenfreguenz und der Pflickststundenzah! aussprach, 
warnte Stadtv. Walther (Dom.) im Interesse der Ausbil 
dung des gewerblichen NachwuchscK vor eiE generellen Redu 
zierung der Stundenzabl in den Fachschulen ouf 6 Stunden 
und erklärte, daß sich die SchulwerkstäLter selbst erstellen, 
SLadikämmerer Pros. Bleicher richtete den Ävpell an die 
SLadwewrdueten-Vrr^ die Magiitraisbsschlüsse Zu g§- 
nehmigen. Die allgemeinen GesichtsMnktL müßten^ voran ge 
stellt werden, man komme nie zum Spcwen und versündige sich 
nur am Volk, wenn man immer die Wünsche der Interessen^ 
ten berücksichtige. Eine Reduktion der Schulen sei 
unum g ä ngli ch, das riesengroß cnrschwelleV.de Defizit nötige^ 
Stadtv. Dr. Hanauer (Dem.) fragte cm, was der Magistrat 
dagegen Zu tun gedenke, taß sich mrch Aufhebung der öffentlichen 
Hmiser die Unierkünftsverhältnisse der über die ganze Sradt Zer 
streuten VrostLLution wesentlich versKlechtLrt hätten und da 
durch Zahlreiche neue sanitäre und mmülW? Jnftklisusquellen ge 
schaffen seien. Er regte die Schaffung eines Prostitutionspslege- 
amts an, wie eZ schon in anderen Städten bestehe. 
SLadtrat Dr. Schlosser betonte, daß nicht die Stadtverwal 
tung, sondern die Polizei in dieser ÄnMeg-eMeit zuständig sei. Eine 
Wiedereröffnung der betreffenden Häuser konns der Polizei nicht 
'Zugemulct roerdsn. Im übrigen sei die Zahl der GeschlechMmnken 
;eit Aufhebung der Bordelle nicht gestiegen. Unangenehm empfun 
den werde lediglich die Störmrg des Straßenbildes, aber da es sich; 
überhaupt nur um 74 Prostituierte handle, ließe sich schon um dieser 
geringen Zahl willen nicht an die NückgängiMMung der einmal 
getrosteren Dtaßnahme denken. 
Schluß der Sitzung um 5L10 Uhr.
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        Darmstädter Künstlerkolonie, selbständig'weiter gebildet. Wie 
sehr sie Richtung weisen, erkennt man u. a. aus Arbeiten von 
I-S a t t l e r und Otto Hupp, auch ein Exemplar der Zeitschrift 
Mo) bestätigt ihren Einfluß auf die deutschen Kunst- 
Aerse. Abseits von der allgemeinen Bewegung hält sich Melchior 
Lechter, dem eine ganze Vitrine eingeräumt worden ist. Seine 
^uste und schwere, Zuletzt doch romantisierende Kunst steht fast 
ausschließlich im Dienste Stefan Georges, dessen von ihm cmsoe- 
stattere Werke z. T. in kostbaren Privatdrucken vorliegen. 
Auf seine erfreuliche Höhe gebracht wird das Buchwesen in 
Lsr Hauptsache durch die Weitsicht und Initiative der führerchen 
putschen Verleger, die denn auch mit ihren wichtigsten 
Verlagswerken in der Ausstellung gebührend vertreten find. 
An der Spitze steht der 1896 in Florenz entstandene, späterhin 
nach Jena verlegte Died erichs - Ver lag, der die besten 
jungen Künstler heranzieht und es verstanden hat, seinen 
Büchern einheitliches, durch und durch gediegenes Gepräge zu 
verleihen. Walter Tiemann, Joseph Olbrich, Peter 
Behrens, H.V ogler, J.V. Cissarz, F.H.E hmcke und noch 
manche andere gestalten in seinem Auftrag Bücher und Buchreihen, 
begründen unsere heutige Buchkunst. Aem Verlag Eugen Diederichs 
an Großzügigkeit und künstlerischer Vornehmheit ebenbürtig ist 
der Insel-Verlag, der sich Künstler wie Henry van de Velde 
und Marcus Beym er verpflichtet hat und durchaus seine eigene 
Linie verfolgt. Aus der Reihe der übrigen Verleger seien noch ge 
nannt : Hans v. Weber, Kurt Wolfs, Georg Müller, Gustav 
Kiepenheuer, Paul und Bruno Cassirer, Otto v. Holten, 
S. Fisch er usw. Auf die schönen Werke der verschiedenen Frank 
furter Verleger, die den Ausgaben der anderen Verleger in keiner 
Weise nachstehen, wird noch Zurückzukommen sein. Immer aufs 
neue wird man bei dem Rundgang durch die Vielseitigkeit der 
Ausstattung, durch die konsequente Ansnützung jeder buchkünst 
lerischen Möglichkeit überrascht. 
Auch die Erzeugnisse derPressen liegen in kluger Auswahl 
auf. An Drucke der Srn st Ludwig- Presse und ihrer Nach 
folgerin, der Kleukens-Presse (Besitzer: Tiedemann-Uzielli) 
schließen sich Publikationen derBremer Presse, der Marses- 
Gesellschaft usw., ferner die besonders graziösen Erzeugnisse ver 
schiedener österreichischer Drucker, sowie die in Frankfurt ja 
bekannten Werke der Offenbacher Schrift- und Buchkünstler. 
Unmöglich hier alle Namen zu nennen. 
Die Anordnung der Illustratoren ist im großen und 
ganzen nach Maßgabe der historischen Entwicklung erfolgt. Der 
Stil der Illustrationen wird anfänglich, wie man etwa aus den 
Zeichnungen Voglers ersieht, durch die englischen Einflüsse be 
stimmt. Bon England her kommt auch die anmutige Kunst 
Edmond Dulacs, dessen aus Pergament aquarellierte Märchen 
Illustrationen in reichhaltiger Kollektion zur Schau gestellt sind. 
Den breitesten Raum nimmt die Gruppe der Impressionisten ein. 
Unter ihnen ragt der geniale Slev ogr, der geborene Illustra 
tor, hervor, von dem u. a. der „Lederstrumpf" vorliegt. Vertreten 
sind auch der mehr auf Zierlich-dekorative Wirkung abzielende 
Preetorius, der Radierer Meid mit etlichen seiner hinge- 
schriedenen Barock-Phantasien und Rudoif Großmann mit 
pikanten Steinzeichnungen zu Goethes Tagebuch. Der Bibliophile 
kommt gerade Lei diesen Ausgaben auf seine Kosten. Ihren 
Abschluß findet die Reihe der Illustrationen durch die Werke 
einiger expressionistischer Künstler. Man bemerkt es auch hier 
wieder, welch wertvollen Zuwachs expressionistische Kunstübung 
gerade dem Ornament gebracht hat. Erwähnenswert sind außer 
den duftigen Zeichnungen Matheys die kraftvollen Illu 
strationen Walter Klemms, die mit innerer Dynamik ge 
ladenen Holzschnitte BarlKchs und die humorvollen, kapriziösen 
i Tierjchildereien Richard Seewa ldszu Gallerts Fabeln. 
In dem kleinen Stammbuchraum der Lmel-Sammlung haben 
noch einige kleine Sondergruppen Unterkunft gefunden. Samm 
lungen hochwertiger Kinderbilderbücher vereinigen sich hier mit 
Kalendern und ^Almenachen, Privatdrucken und Gelegenherts- 
schriften. Interessieren werden die Frankfurter Fami 
lienbücher (unter ihnen befinden sich. buchtechnisch kostbare 
Veröffentlichungen zur Geschichte der Familien Bansa, Heider, 
Bethmann, Passevant usw.) und die mustergültig ausgestatteten 
F e st s ch ri f t e n, die von Krupp, Stinnes, Kirdorf und anderen 
Großindustriellen herausgebracht worden sind. Durch ihre ge 
schmackvolle Aufmachung sticht die in der Reichsdruckerei herge 
stellte Jubiläumsschrift der Preußischen Staatsbank (der „See 
handlung" 1722—1922) besonders hervor. 
Im allgemeinen hinterbleibt der Eindruck, daß die deutsche 
Buchkunst sich auf gutem Wege befindet. Auswüchse sind natürlich 
vorhanden und werden überdies von der heutigen Wirtschaftslage 
begünstigt. So zeigt sich nicht selten allzu große Anpassung an 
bibliophile Neigungen, Verschwendung ästhetischen Raffinements 
an Werke, die solche Belastung ihrem Inhalt nach nicht ertragen. 
Aber im wesentlichen setzt sich doch — so scheint es — das Be 
streben durch, Form und Gehalt in Uebereinstimmung zu bringen, 
und das Hauptgewicht auf eine geschmacklich anständige, möglichst 
schlickte Ausstattung wirklich wertvoller Bücher zu legen. 
' Die Ausstellung, Zu der Pros. Dr. R. Schmidt, der Direktor 
des Kunstgewerbe-Museums, ein treffliches knappes Geleit 
wort geschrieben hat, ist bis zum 25. März .geöffnet. Lr.
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        12-
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        4 2.2. 
2.1 ) 
Eine üble Rede Aimmens. 
Frmckfurt, 12. Februar. 
Oer erste Sekretär des internationalen Amsterdamer Ge- 
werkschafts bundes, Edu Fimmen, sprach heu-de abend 
'ist Fränffurt, einer Einladung der Funktionäre des hiesigen Ge- 
OerkjWWkMells Folge leistend, über die Weltlage und die Auf- 
Möen bes internationalen Proletariats. Nachdem er die schlechte 
^Situation der Arbeiterbewegung in Frankreich, Italien und England 
gekennzeichnet hatte, eine Situation^ die seiner Ansicht nach auch in 
Deutschland besteht, behauptete er, daß infolge der imperialistischen 
belgisch-französischen Aktion heute, vier Jahre nach Kriegsende, 
Europa wieder von einem Krieg bedroht sei, der sich durch das 
wsglL«^ Eingreifen Polens und Rußlands zu einem neuen Welt 
brand auswachsen könne. Aufgabe der internationalen Gewerk 
schaftsbewegung sei es, mit allen Mitteln diese Kriegsgefahr Zu be 
kämpfen. Leider habe die Amsterdamer Internationale hei Ge- 
le^nheit der Ruhrbesetzung die Erwartungen.nicht erWt, 
die die deutsche Arbeiterschaft auf sie setzte. In einer Zeit d^r Ar 
beitslosigkeit und angesichts der Ohnmacht der Arbeiterschaft in 
den Ländern der Alliierten fei es eben nahezu unmöglich, die Ar 
beitermassen zu einem internationalen Generalstreik Zu entstammen. 
Immerhin fehle es nicht an verheißungsvollen Anfängen — Fimmen 
erinnerte an den Beschluß der holländischen Rheinschiffer —, die 
darauf hindeuteten, daß tue Arbeiter der verschiedenen Länder die 
deutsche Arbeiterschaft nicht kn Stich zu lassen gedächten, es sich 
aber bei der ganzen Ruhraktion, zu dieser Behauptung verstieg 
üch der Redner, höchstwahrscheinlich nur um ein „abgekartetes 
Spiel" zwischen der deutschen und der französischen Großindustrie 
harckle, in dem es lediglich einen Sieger gebe: den internatio 
nalen Kapitalismus, gelte es ja auch nicht so sehr, die deutsch« 
Arbeiterschaft im Kampf gegen die französischen Machthaber, son 
dern im Kampf gegen ihre eigene Bourgeoisie zu unterstützen. Am 
Schlüsse seiner zum Klassenkampf au stuf enden Rede erwähnte Fim- 
men zur Herstellung der Einheitsfront des internationalen Prole 
tariats. In der Aussprache rief die wüste Agitchionsrede eines 
Kommunisten Stürme der Entrüstung hervor. Ein mehrheitssozia 
Mischer Redner erklärte unter Zustimmung der Versammlung, daß 
der deutschen AMeiterschaft dar Kampf an der Ruhr nicht Mch- 
gültig fein könne, daß sie vielmehr das MMe Interesse an der Er 
haltung der wichtigsten Produktionsmittel für Deutschland habe. 
Stadttat Weidner trat dafür ein, daß die Ruhrhilfe in der bis 
herigen Weise fsrtzusetzen sei. 
MsftettMg neuer öeutscher BschMft. 
In den für die Linel - Sammlung neu hergerichteten Erd 
geschoßsälen des Kunstgewerbe-Museums erfolgte am 
Sonntag Vormittag die Eröffnung einer Ausstellung 
neuer deutscher Buchkunst; weitere Sonderausstel- 
lungen auf dem Gebiete der Buch- und Schriftkunst sollen 
folgen. Diese erste Schau entstammt Privatbesitz und zwar 
rst sie, wie der Vorsitzende der Frankfurter Biblio 
phil e n - G e s e l l s ch a ft, Paul Hirsch, in seiner einlei 
tenden Ansprache hervorhob, von etwa vierzig Mitgliedern 
der Gesellschaft beschickt worden. Obwohl sie nur eine Auswahl 
der zur Verfügung stehenden Buchbestände bringt, gewährt sie doch 
einen guten Ueberblick über die Entwicklung der neuen deutschen 
Buchkunst, die sich aus kleinen Anfängen heraus zu einer heute 
von keinem anderen Volk mehr übertroffenen Höhe der Leistung 
entfaltet hat. Die Ausstellungsgegenstände verteilen sich auf w 
undvierzig Glasvitrinen, die in klarer Anordnung die Schöpf 
gen der Verlage, der einzelnen Kunstpressen und verschied n- 
Illustratoren vorführen. Damit Ueberfülle nicht verwirre, 
von einer Darbietung des Buch-Einbands ganz abgesehen worde-, 
nur das Innere des Buches in seinen immer neuen Abwand-! 
lungen wird gezeigt. § 
Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts be 
ginnt so etwas wie eine neue Buchkunst in Deutschland zu erstehen. 
Einige frühere Versuche, die man in der Ausstellung sieht, sind 
noch verhältnismäßig kümmerlich, bekunden aber einen Willen zur 
Einfachheit und Sachlichkeit, der in jenen Zeiten der Geschmacks 
verwilderung immerhin schon einen Wandel zum Besseren be 
deutete. Die entscheidenden Anregungen kommen aus England, 
wo William Morris im Verein mit Burne-Jones, 
Cobden-Sanderson und anderen Druckkünstlern bahn 
brechend wirkte Unter den herrlichen englischen Prachtexemplaren 
fällt vor allem eine von Cobden geschaffene, aus der Doves-Preß 
hervorgegangene Ausgabe von „W e r 1 h e r s L e i d e n" (1911) in 
die Augen. In Deutschland werden die englischen An 
regungen begeistert von der jungen 
lDer Tausch.^ Die heutige Tauschwirtschafr hat auch 
ihre Nachteile, denn es mag sich nicht immer leicht ereignen, daß 
sich die Wünsche der auf einen Tausch Ersuchten glücknch er 
gänzen. Man kann sich Wohl denken, daß st i^felsuch ende Bu trer» 
Produzenten geeignete Partner finden, man kann sich sogar 
denken, daß Ehemänner einen Tausch ihrer Frauen mitunter 
nicht für unmöglich halten. Aber wie soll sich je der folgende 
Tausch vollziehen, der — Zufall oder Absicht? — gerade am 
Fastnacht-Dienstag im Annoncenteil einer hiesigen Zeitung an* 
gemeldet wurde? „Crstklass. Konzertpiano, VorkriegZ- 
Arbeit, fast neu," so stand dort zu lesen, „gegen kleines 
Hrcvus mit etw. Garten oder kleines Bauerngut zn tau 
schen gesucht." Die besonderen Schwierigkeiten dieses Falles 
liegen klar zutage. Verhältnismäßig einfach zu verstehen ist 
noch, daß der Besitzer des fast neuen Konzert-Pianos um eines 
Häuschens oder Bauerngütchens willen sich seines Besitzes ent 
ledigen möchte. Ich bin natürlich davon überzeugt, daß er das 
Konzert-Piano (erstklass. VorkriegS-Avbeitl) innig liebt. Aber, 
nicht wahr, die Zeiten sind schlecht; er lebt in einer kleinen Woh 
nung, vielleicht in einem bescheidenen Zimmer nur, das nun 
von dem mächtigen Instrument ganz ausgefüllt wird. Ergo 
ergreift ihn das Bedürfnis, diesen Bechstein des Anstoßes bei 
seite zu schaffen, um dafür geräumigere Zimmerfluchten, ei^r 
Stückchen Land, Hühner und Enten einzutauschen — zumal ja 
auch die moderne Musik immer atonaler wird. Soweit ist, w'e 
gesagt, alles in Ordnung. Zu begreifen vermag ich nur nicht, 
was der Besitzer des kleinen Hauses, oder des Bauerngütchens, 
der sich als leidenschaftlicher Liebhaber der Musik vermutlich 
schon lange danach gesehnt hat, in seinen vier Wänden zu 
konzertieren, mit dem fast neuen Konzert-Piano anfangen soll, 
wenn er einmal obdachlos geworden ist? Er kann doch 
nicht mitten auf der Straße spielen N Das riefe sicherlich 
öffentliches Aergernis hervor, ganz abgesehen davon, daß es 
auch dem „erstklass." Konzert-Piano schadete. Ich finde, daß sich 
der Einsender der N^once dieA Schwierigkeit nicht genügend 
,LMrr^ zu fernem Piano^ommsu wi^ A 
* Zwischen Ruhr rrnd Schwarzward. Die neueste Nummer des 
„Illustrierten Blattes" steht wiederum im Zeichen der 
R u h r b e s e tz u n g. Gleich auf dem Titelbild erblickt man die 
Schwebebahn Barmen-Elberseld, deren Wagen haushoch über der 
WuMr dahinfahren. Einige weiter? Photographische Aufnahmen 
illustrieren gut die täglichen ZeitungZmeldungen aus dem Ruhr 
gebiet: man sieht die, Franzosen, wie sie beschlagnahmte KohleN- 
züge unter Dampf zu bringen suchen, Kohlenwagen nach dem un 
besetzten Deutschland anhalten und sich, von einem pfeifenrauchen- 
den deutschen Eisenbahner beobachtet, vor einem Stellwerke Zu 
schaffen machen. Auch der Einbruch der Franzosen in das 
badische Land wird bereits durch etliche Bilder verewigt und 
gebührend glossiert. Als guter Ebronikeur beschränkt sich aber 
das „Illustrierte" keineswegs auf die Berichterstattung über die 
Ereignisse im nahen Westen, sondern schweift restlos in aller 
MfferG- und Sehenswerte einzufangen. 
fuhrt es rn die Türkei, zeigt uns Kemal Pascha, 
Angara und ein paar Szenen aus den türkischen Freiheitskämpfen. 
Da lernt man, mit oft genannten und gehörten Äamen endlich eine 
bestimmte Vorstellung zu verbinden, und an die Stelle blasser 
Wortgespenster konkrete Bildgehalte zu setzen. Don der Türkei 
flut,ch. man nach Amerika, wo gerade ein« Art von Ueberzeppelin 
m^.^^"ß»^gegengeLt - größte Luftschiff der Welt, 
versteht sich. Man bewundert das ungeheure SLahlgerippe mit 
ungefähr demselben ehrlichen Staunen, mit dem man heutzutage 
an allen Laden die riesenhaften Butterpreise liest. Wo soll das 
am Ende nur noch hinaus? Für spannende Unterhaltung sorgt der 
Kosten Fortsetzung erscheinende Roman „Ingenieur 
JacqueS, in dem der auch aus dem 
Mlm rühmlich bekannte Dr. Mabuse eine erhebliche Rolle spielt. 
lf. 
Line ursprün^Leb als adMkakia 
unck 1906 ver-MHrMetiH Kekr-rkt üde? 8 trrn 6 r 6es 
"vor kurzem fftzwr ordenen HsrMsnn 8ekuitktzjk 
I o rr ^ r t iV Ok . . k U r r e e k k s Lrä Deckom LMsriHr ^uftsM kerm'8- 
Mdruekt (l^ipn^ ?6six Nembr- VII, 177 8-). Die 
RrunäNeks Arbeit xidt in Nrem srLisn ^kbednrtt sintz 
Vsdsrswbt üd^r äis 8tirn6rsit6r3iur von 18^ dr§ 1904 
null erörtert 8LirnerZ 8teisimK in cker 6tz8ed!eki8 cker 
V&amp;gt;llo8opsije, dosier Mit Heedt äarank 
Mttck. äaü von einem ir^enck^ie enisesieickencken klirr- 
NuA 8tirner3 auk MetMesie bei cker inneren ^686N8° 
^erZesiieäensieit 6er fteillen mesit ckie Necke sein KSnns. 
In ckem weiten ^ksesinitt suesit 8elncktsieitz ckurek äna- 
jvW ckes 8tirner8esien Centraide^rilf68, ckeZ kissoi-?muZ, 
L'm tieferen VerMnckms ckes „Linien neck 8ein lÜMn- 
Aurr" Ll^Ludadnerr. Lr ckem 
Mirner Ln 8elne VedLuptunA von cker e^nimisetten 
kecker LÜ68 kianckelns ^ernes^eM ckle ?orckerun^ xe&amp;gt; 
knüpft kade, es müktsn Kieü nun ckw klensesien cksn 6s- 
86tL6n ckb8 ^N8wnck68 unck cker Klorai Luwicker dettiffoen^ 
Zonckern mit seiner ^ussa^e !ecki^iiesi ckie Oütti^keit 
üderper8&amp;lt;)N3!er Imperative siade sn^reiken ^vvitsn. 
einer Kritik ckeZ untraitdÄren Ktanckpunkts 8iirnsr8 
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Lür Vuob Mr jsätzn Aßdilästeu Osutsed^n. Mit Lus- 
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us 6 b 8 r. 8. (kdltosopdiZodo VIWotbok. M. 169). ! 
lüsiMiK« b'sllx Nower. 310 8. 
Dw Zedrikt VLrtbsI 6 bimA 6Üi6 KMts- 
NÄtM'Ko NukM'UDK von 006td68 LNMM6MV/iL86D86bLktL1ebHA 
uut6? dk807!ätz!6r LörüoksmbtigunK mree , 
und ib?tzr von ätzn 
sipisn üsr WQätzrntzU I&amp;gt;lZ,tur^i88?uKe.-iÄ.kt. vor VerkZ.8L6L' kenn- 
Leiednet Ooetbes WiLKensodakt Al3 eiusn In konkr-ete? Mtur- , 
btztrLebtWK ivurLelnäHnLls eine 
4er Weit,, stets von äem lovenälgen ll'orÄLinensoden ünen 
HnsAMK nimmt. Llsr ynZ mit vollem Levzuötsein äei 
LWi^egneDLen Lrde'tet er äen Ooetbe^ven ls^l''tLt^kersrifk 
brLne, 4er eiFentlicbe RenlitZt in äie korrelLtlvs Verdnn- 
äenbeit von Objekt nnä 8ubjekt verlebt, unä leitet ^eiterbin 
RU8 Ooetbeg ^ukkÄLdunZ' von äer Als einem bArmoni- 
soben Lunst^erk äsg MLtrAnsn äes Diopters ge^en üis 
kALSLlb unä telesloAisMe LatraebtunF 4er Mtnr Ld. 
OivW künstleriLebe OnmäA-uckkAZsunA lassen äes Losmos 
H^eräen anob äw miäeren erkenntnistbeoretisob und pdilo- 
KOPbiLQb ^lobtiAen IlederLeussunssen Oostbes Lnrüek^eMbrt? 
Keine 6e? UAtur^lWenAebAkt LntKessenssestztLte ^nsebAunng^ 
äAL äs? nLtürlivbe NenKtzb ätzn eigentlitzben AusFLNAs- -and 
VtzLNKKMnkt Mtz? Z,nk die Mtnr binLlelendtzn Lirksnntnisso 
Wdtzt, stzinH AblebnnnA des bZ^xotbetlstzbtzn VerkLkrtzQZ LU- 
AARkten vtzrBditz'bender mOrpboIo^lseber ZetrAektunKV Zemen 
MMnbtzn sm die DurebselilLMkrAft des NAtur^lLLensebAkt- 
Zreben Vmverses und seine Opposition xesstzn die mAtbtzMAti- 
mertzMen LendenLen der Natur^issenssIrLkt, deren Ktrebeu 
UAtzb guLntitLtivA' DrLLisitziWK lbm nur die Mtzin sinnvolle 
MAlitAtivv MestzNKtzrkorsobnnss Zu verdrLnWN sebtzint. ^iäbt 
LnltztLt LtziA ^is fremd Ootztkss DbLrLli8MU8z dtzW 
Atzins Ltzitlos Mmemte Uet.AinorMosen-Dtzbrtz Hvtv/Lebst, dem 
Oedanken einer Ltzitlioben DntM'eklnnss der 
Der- und DklAn^tznt^pen AuseinAnder KtzssenüberAtekt. Urt 
Ktzins? vArleWA^ OosLbssebtz? ^rkenntnismetbodH ^1 der 
LerkAKStz? in Lnkunkt ^eiKOn, und fordert K? Wte? 
VtzLn^nAkWtz lok die Optik eine. DrkorsebunK 
4er Mwx im Kinns O'oetktzZ. kreiliebz es HrZobsinL Mtzbr 
Als ^veikMAkty -ob^ lAt8Lsnlieb eine so t^ZobLikene Vureb- 
ÄriuMn^ ds? je Missen8^'liLktliede ObLektivILt btzW- 
Kpruehvn dLrk unä^ - Mio Mrtbtzl AnniWmt- Lu LVsteAAtiKOde? 
Linbtzit vorUetriebtzR werden kLrrn. Oosb v/M dioseK ZedenkM 
Niebts vMer den Koben MerL des MaktzÄ 
Kitzrin cls? KekZM Lrnst Kiektzls Mer OoetkeZ Mtu?Z,L- 
. LokZunnK veiMAnä t, DLäen Mied er LutniWM^ die uns MNN- . 
ZWMtz HNWbtten sind. . - - 
Litsto und DeleZe, die MLN in dem M'erktz DArtbolA lMer 
vermiet, snÖE dä8 von UäA N o b e ? keräusKtzLebevs 
d^nkEMtzrter lsglle. lMterlAUe tär äW 
KlMiTM GasiktzKoktzr WeltLns^kLAUnF MKK dLS MZ Ltokk 
kiZtarisek^ niekt MMNixielA mrardEndH LoWpWdiuW WMlitzko 
VrLDZto ItzistsL. Ors LinIeitunK isß 8ekMLsb° 
DrKnkiWt A« M. - Dr. 8. L? TANd?° 
MßmNet MMWer K«M in ZssÄsn. 
Auf Einladung des OrientiustitutZ der Frankfurter 
NnEverMt sprach am Montag abend Pros. Dr. Uahuba aus 
Madrid, einer der bedeutendsten Gelehrten Spaniens, über die 
DeMmNer der maurischen Kultur in Cordoöa und 
GraMgd a. Zu Beginn seiner anregenden Ausfühnmgen wies 
der Redner darauf hin, wie wenig bekannt auch heute noch diese 
Denkmäler seien. Selbst in den Kreisen der Archäologen wisse man 
kaum Bescheid über die Dutzende von maurischen Aquädukten, über 
die HundeÄe von maurischen Palästen, Moscheen usw. und es scheine 
wirklich nach wie vor der Spruch Gambettas sich zu bewahrheiten, 
daß Afrika schon hinter den Pyrenäen beginne. In seiner knappen 
kulturhistorischen Skizze suchte sodann Pros. Nahuda seinen Hörern 
die Bedeutung dieser bisher so sehr vernachlässigten arabisch-mau 
rischen Kultur nahezubringen. Er erzählte von der ungeheuren 
Vehsmenz, mit der die Araber sich über die pyrenäische Halbinsel 
ausbrei^ten. Kaum hatten sie die letzte Stütze der westgotischen 
Macht mit sich fortgerissen, so verdrängten sie auch schon dre frühe- 
Mr Kulturen, zumal die römische, und begannen alles mit ihrem 
Memm Gckste Zu erfüllen. In jene ersten Jahrhunderte der 
arischen Herrschaft in Manien, als die Abbasiden das Kalifat 
von Bagdad iune hatten, fallen die großen Schöpfungen islami 
scher Kultur. Die Araber waren Erben des ganzen Reichtums der 
Wen Welt und verstanden es nicht nur, das Eroberte einheitlich 
M Verwaltern sondern wußten es sich auch innerlich anzueignen. 
Manuls entstanden die großen Mbersetzungen aus der indischen, 
persischen, chaldäischen, jüdischen, griechischen Literatur, damals 
wetteiferten Kalifen, Fürsten, Statthalter darin, namhafte Ge 
lehrte auszuzeichnen und berMmte Dichter mit Ehren M über 
schütten. 
Als der Glanz des abbastdischen Kalifats im Osten erlosch, ging 
die Sonne über Andalusien auf, das seine Blüte im Zehnten 
Jahrhundert unter dem Omajjaden Ab dar Nahmen lll., 
dem Kalifen von Cordoöa, erreichte. In dieser Epoche war Cor 
ds das Hochschule Pfleg estätte aller Wissenschaften, die gefeiert 
sten Künstler des Orients und Oecidents trafen sich in seinen 
Mauern, ja sein Ruhm drang bis in die stillen Klöster Deutsche 
lands, wo die Nonne Roswitha einen pünegyrischen Hymnus auf 
Ms spanische Me^a und seine Kalifen sang. Cordoöa, heute eine 
kleine Stadt von 40lXD Einwohnern, hatte damals einundzwanzig 
Porvrts mit über einer Million Einwohner und umfaßte 3M0 Mo 
scheen sowie wehr als 9M0 Badeanstalten. Der Reichtum seiner 
Bevölkerung grenze ins Phantastische; so verfügte der Leib- und 
HofaN des Kalifen über ein jährliches Einkommen, das, auf den 
heutigen Geldwert ungerechnet, etwa zehn Millionen GMwark 
LMrg. 
GoOM w«NM «M GZMda. SOM, SWUoW, 
l Malaga, Mittelpunkte des kulturellen Lebens. Sevilla galt 
! als Stätte der Fröhlichkeit, als „Stadt der Pauken und Caftag- 
netten". Hier und in Granada wimmelte es von Schöngeistern, 
LUeraLen und Dichtem, auch die bedeutendsten Architekten und 
' Maler gaben sich hier ihr Stelldichein. 
Besonderes Augenmerk lenkte Pros. Dahuda auf die wissen 
schaftlichen Leistungen der Araber, an denen sich die spani 
schen Araber in hervorragendem Maße beteiligt haben. Man dankt 
ihnen nicht nur die Ausbildung von Hilfsdisziplinen, wie der 
Lexikographie und der Bibliographie, sondern auch die entschei 
dende Förderung der mathematischen und physikalischen Wissen 
schaften. Sie haben zuerst die indischen Zahlen eingeführt, und 
in der Optik etwa sind noch bis- ins 16. Jahrhundert hinein die 
! Schriften arabischer Gelehrten maßgebend gewesen. Auch das 
Studium der Astronomie erfuhr in Cordoöa und Sevilla, wo sich 
die größten Sternwarten Europas befanden, sorgsame Pflege. Das 
Hauptverdienst der Araber liegt aber auf dem Gebiet der Medi - 
z i n. Sie haben die Gynäkologie, die Thevapeutik und die 
MaaMW ausgebaut, die Bedeutung der Narkose und der Urin- 
ühtTrsuchung erkannt und Krankheiten wie Leprose, Pocken, Masern 
üM Zuerst exakt beobachtet und beschrieben. An ihren medi 
zinischen Schulen lehrten viele Juden, unter denen sich vor allem 
der berühmte Moses Maimonides durch seine Leistungen als 
-HMiemZer auszeichnete. Auch die Frauen betätigten sich, den 
mohammedanischen Theologen ein Aergernis, im ärztlichen Beruf 
und brachten es nicht selten als Zahnärztinnen, Geburtshelfe 
rinnen usw. zu ansehnlichen Erfolgen. Große Sorgfalt wandten 
die Araber nicht zuletzt dem Pflege Wesen Zu. Sie erbauten Hospi 
täler, richteten Feldlazarette ein, schufen Altersheime usw. Schließ 
lich darf man sie als die eigentlichen Begründer der Pharma 
kologie und als Bahnbrecher auf dem Gebiet der analytischen 
Chemie feiern; Substanzen rE Weingeist, Sirup, Naphtha 
find von ihnen erstmalig zubereitet worden. 
Nach der Absteckung des ungeheuren Leistungsbereichs der ara 
bisch-maurischen Kultur ging der Redner' zur Beschreibung der 
maurischen Baudenkmäler über. Die vielen Lichtbilder, die 
er zeigte, find nach seinen eigenen Angaben ausgenommen und 
zumal m der Farbe vortrefflich geraten. Durchaus begreiflich, daß 
fie allgemeine Bewunderung erregten, veranschaulichten sie ver- 
Äwenderisch doch eine Fülle architektonischer Details von einer 
schier unerschöpflichen ornamentalen Phantasie. Die Vorführung 
lhegnnn mit der Alhambra, an der die Kalifen von der 
Mitte des 13. Jahrhunderts bis mm Beginn des 15. Jahrhunderts 
gebaut haben. Man sah den Löwenhof mit seinen 124 Säulen, 
.den stillen Hof des Fischteiches, dessen Schönheit hinter hohen, 
„häßlichen Mauern eifersüchtig behütet wird, Details einer Bögest^ 
! spitze, einer Wanddekoration wechselten mit Deckengemälden, die 
MUMM mb Liehe M^Gchrn. FMxiM UAu, Ne Koran- 
gereimte segensiprüche und Gedicht- zum Lob der Sultane 
U.E? verewigen, dann wieder ward man in Alkoven, in den 
r« ?as Torlettenzimmer der Königin geleitet -Eine 
immer neuer Motive glitt vorüber, ein« un- 
Ornamente und Arabesken blühte auf, die 
mitten M die Märchen von Tausend und eine Nacht hineinversetzte 
Rn? Gmnada entehrte Pros- Ychuda nach Sevilla Hier 
emPges Ueberbleibsel der 1252 zerstörten großen 
gewaltige Turm, von dem die Bewohner Sevillas 
an er jede Nacht niedergebeugt werden 
amüS^n? über ihn hinweg könne. Hier befindet sich 
dem Grausamen erbaute Könlgspalast 
lchonen Gesandtensaal und den großen Gärten deren 
zD ^Otzf^^^Eon von der Kraft der spaIhen Sonne 
ZeiM. Zmetzt wurde man in die Mosches von Cordoöa 
iü arabischer Monumentalbmikunst 
^as Mniansor ab geschloffen worden. 
&amp;gt; Schiffen und enthält einen Wald von 
°ov Säulen m dem jeder Schritt, den man tut. neue verwirrende 
^^diEert. Als Heiligtum der Moschee gilt die 
E dem zehnten Jahrhundert, die ein wahres 
Wunderwerk d-r ^Ornam-ntkunst fft. - Der Vortmg an deüen 
Worte flir Dsuttch- 
KörUäfi L Beifa-lskundgebungen
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        j M AMLM des ßWMchNWs. 
Dir Stadt unter dem Bahnhof. — Die neue» Kopftzau-Erweite- 
rrMßrn, -- MartesWirrnenerrmg. — Auf dem Querbahnsteig. 
Obwohl di« Arbeiten im HauptLshuhof noch längst nicht 
chrsn Abschluß gesunken haben, sind sie doch jetzt soweit gs- 
diehe», daß sich ein Miä hinter die Bauzäune sehr wohl ver 
lohnt Das Publikum, das sich schon monatelang geduldig 
durch die von diesen Zäunen gebildeten Engpässe hindurch 
bewegt, ahnt zumeist noch nicht, was hinter der mit Brettern 
vernagelten Welt eigentlich vor sich geht, ahnt auch nicht, mit 
welchen Schwierigkeiten es verknüpft ist, an einem Mittel 
punkte des Verkehrs Umbauten auszufühven, ohne daß der 
M-hnhossbetrieb irgend welche Unterbrechung erleidet. 
Die Hauptätigkeit hat sichöisher unter der Erde voll 
zogen, und man darf ohne Uebertreibung sagen, dsß hier so 
etwas wie ein neuer Stadtteil, eine Art profaner KatÄomben- 
stadt entstanden ist. Bis tief unter die mittlere Eingangs 
halle erstrecken sich die großen Unterkellerungen, die in 
Zukunft der W- und Zuführung des Reisegepäcks von und zu 
den Zügen dienen werden- Sie ziehen sich von der Halle aus 
in Breite der Halls unter dem Quersteig hin, wo gewaltige 
Eisenbetonstützen die Last der beweglichen Prellböcks auf 
nehmen. Unterhalb der Bahnsteigsperre etwa, also am Kopf 
ende -der Bahngleise, Meigt sich der Wiche Quertunnel ab, 
der den Gspäckverkehr zu den Zügen vermittelt und nicht nur 
mit der GepäckausgMe in der Eingangshalle, sondern auch mit 
der - ExpreßguMsäUglörg an der -Psststraße in Verbindung 
sieht. Geräumig« ArrMgs sorgen für die Beförderung des 
Gepäcks von den Bahnsteigen zu dem Tunnel. Die ganze An 
lage soll demnächst dem Betrieb Übersetzen werden, wodurch 
dann «Mich der Perssnenverkchr auf dem QueSahnsteig die 
erforderliche Entlastung erfährt. Freilich ist damit die Tun- 
neUrrung noch nicht zu Ende. Unter dem Mittelbahnsteig dehnt 
sich in Bahns^igbreite «in Längs tunnel, an dem zur Zeit 
Noch .-«-.arbeitet wird. Er verspricht eine wahre Sehens 
würdigkeit zu werden, sein« MSWonstrukftsn ist jrdeM 
Ms, soviel läßt sich schon heute sagen, von hohem Mystischem 
Reiz. Don dem Wichen Quertunnel an senkt er sich allmäh 
lich heoA, um den bestchenden Perfrmerx» und Posttu&amp;gt;nnel 
utrt«fmMn W können, der den Verkehr zwischen den Bahn 
steigen vermittelt. Auf der anderen Seite soll er wicher an- 
steiK-n und in einen wWichen Gepäcktunnel «inmünden, der 
genau ss wie der Wich« WrögWLdet wird. Die Wsitesarbsit 
an diesen TumrÄS wir» sich sehr schwierig gestillten, weil ihre 
MderlaKr diretz unter den Gleisen lfegm und der Betrieb 
aus technischen GrÄcken nicht gKört werden darf. Um Men- 
schenkvast zu sparen, ist im übrigen vorgesehen, die Gepäck 
wagen auf maschinell» Weise durch den Längstunnel zu bs- 
lLrdsm, Mmr hofft, wenn nicht widrige EreiWisse dazwischen- 
weÄn, dir AesMnte UnterMerung im Laufe dieses Jahres 
fsMgWsWm.. Kv« Fortführung unter der HarrpteinMigS- 
haSe hindurch bis ßum Bcchnhofvorplatz und die Verlegung 
auch der Grp8ch.msMrbk in da§ S-sutrrÄrin ist wohl noch Au- 
kun'tZrnusik. 
Auch die Kopfb auken hn Süden und Norden des 
Quertz-ahnstriG find schon zu stattlicher Höhe emxorgewachW 
Üe-sr da- Architektonische, das im Asußeren die Motive des 
HanplümM ohn« skavische Anlehnung in gemäßigtem klassi 
zistischem Geschmack« weiterführt, im Innern dagegen sich 
moderner und freier entfaltet, wird noch zu reden sein, wenn 
alle Gerüste gefallen find. Im gegenwärtigen Stadium der 
Arbeiten yeiWgt es festzustellen, daß die Raumeintei 
lung sehr zweckmäßig getroffen ist. Man betritt den 
Quechahnsteig im Norden und Süden künftighin durch ge 
räumige Vorhallen, zu deren Seiten die Fahrkartenschalter j 
und die Handgepäck-Annahmen angeordnet sind. M« Sand- 
KeinauSfühnmg der Hallen macht einer: günstigen Eindruck, 
der sich vmmrüich noch erhöhen wird, wenn die den Fahr 
kartenschaltern vorgelagerten Drängeltische aus 'dunkelrotem 
Menilbronner Sandstein das Gesamtbild um eine« kräftigen 
Farbsnakzent bereichern. Wo die neuen Kopfbauten mit dem 
Hauptbau zusammenstoßen, sind nochmals Keine Ausgangs 
hallen geschaffen, die direkt ins Freie auf den B-ahnhofvorplatz 
führen. Im Souterrain, von diesen Hallen aus durch be- 
hueme Trqrven zu erreichen, befinden sich die ALortanlagen, 
hie Döder, oi« Wasch- und Frissurräume, die in hygienischer, 
. jechnischer und gescheimMcher Hinsicht aufs Beste ausgestattet 
werden sollen- An sie grenzen, ebenfalls im Souterrain, große 
Vaseckeller für Handgepäck, die mit den darüber gelegenen An- 
stahmestellen durch PatsmsstssauMge verbunden firrd. Die 
hberrn GtvSwerks der Kopsbauten werden für Dienstzwecks auS- 
nützt. Auch hier im internen Betrieb sind manche technische 
evrn norn geplant. So ninmrt der Südbcm in seinem zwei 
ten Obergefchsß einm SM für die automafiischeFern- 
lprrchzentral« auf, durch deren Einrichtung man sich 
Ane besser« Abwicklung des T^ephonverkehrs und Ersparnisse 
AI Personal verspricht: Von den Halbrundfenstern dieses noch 
tm Entstehen begriffenen Saales genießt man einen herrlichen 
Blick auf die Bahnhofshallen mit ihrem Gewirr von Bahn 
steigen, auf dM ganze, scheinbar so ungeordnete Gewimmel 
der drMMnmM? eilenden Menschen, die, von. olympischer 
.Hsk^ ES M wie ein in Aufruhr geratener Ameisenhaufen 
MsnchmE Weitere Kreis-e wird es intereWemn, daß die 
LMeiLrmg l^abstchtigt, die EingangsHalls des Süß 
Laues währwd der Frühjahrsmesse M zehn Tage 
provisorisch .dem Verkehr foeizugeben. 
Me baultÄM Veränderungen rm H auptöau selber 
sind zmn Teil schon beerbt- In den WartesälZn, die M 
einem UeLerfluß von Renaiffaneefchnörkbln und siMrlichem 
Schmuck litten, hat rmm die! Stuck abgeharren und desgleichen 
die großen Kronleuchter Zum alten Eisen geworfen, ein heute 
ja bekanntlich lohnendes Geschäft, das sicher auch künstlich 
den Räumen nicht Zum Schaden gereicht. Der nördliche Warte 
saal ist jetzt ganz auf Grün gestimmt, der südliche erstrahlt in 
einem kräftigen Rot- NeuM Stahlwerk und passend gewählte 
Tischlampen wirken mit, die Stimmung der Räume zu erhöhen 
rard den Aufenthalt in ihnen behaglich Zu gestalten. Von rein 
künstlerischem Standpunkt aus wäre wohl eine noch radikalere 
Umwandlung der wieder vollständig in Betrieb genourmenen 
Räume Zu wünschen gewesen. 
Auf dem Querbahnsteig erfolgt in den nächsten 
Tagen die Eröffnung des symmetrisch zum Cigarettenkiosk ge 
legenen Schor oladenpavillons, eines mit heiterer 
Goldsrnamenük übersäten blaugrünen Jrmenmums, der so 
entzückend ist, daß er vermutlich die Reisenden sehr heftig zum 
Kauf von Leinen SchsksladeMchen anreizen wird. Im 
Fortgang der Arbeiten sollen die ganzen Sperre-Ein« 
r sich Lungen modernisiert werden. Me gegenüber der 
HaupLeingangshalle befindlichen Sperren erfahren ßm besseren 
Kennzeichnung der Mitte eine ovale Ausrundung, die Gesamt 
Zahl der Durchgänge Zu den Bahnsteigen wird auf 62 vermehrt, 
an ^die Stelle der hölzernen Barrieren treten überall steinerne 
Drängeltische, und statt der bisherigen Nummerierung der 
ganzen Bahnsteige ist schließlich die gesonderte Nummerierung 
einer jeden Bahnsteigkante vorgesehen. Wann alle diese Um 
bauten einmal beendet sein werden, läßt sich natürlich unter 
den gegenwärtigen Zeitverhältnisssn nicht mit Bestimmtheit 
Voraussagen. Gewiß ist nur, daß die im Besiegen von Schwie 
rigkeiten erfinderische Bauleitung ihren Ehrgeiz dreinsetzt, die 
Arbeiten ss schnell wie möglich zu fördern, damit endlich das 
GesamtprsjekL leibhafte WirLichkeiL werde, Lr. 
ZMch SZS Mtz?kMÄe ZDMWK. 
— SLudienrat Hiel scher, der Verfasser des Buchs:, „Das 
unbekannte Sapnrm", dessen künstlerisch vollendete Photographische 
Aufnahmen allgemeine Bewunderung gefunden haben,' sprach 
, Freitag Abend im Saalbau auf Veranlassung der Deutsch - 
Spanischen Gesellschaft über seine Entdeckungsfahrten 
kreuz und quer durch Spanien. Er befand sich dort zu Beginn des 
Kriegs und konnte natürlich während der dar-aKffol^ Kriegs^ 
fahre nicht in die Heimat Zurück- Diese lange Zeit unfreiwilliger! 
Muße benutzte er dazu, das Land mit leiner geliebten Kamera Zu 
durchstreife Mit einem Handschreiben des Königs versehen, 
der ihm daZ Photographieren in seinen Schlössern gestattete, und 
auch noch mit anderen Empfehlungsbriefen ausgerüstet, die alle ihn 
freilich nicht vor gelegentlichen Verhärtungen schützten, bsgaö er 
. sich auf die Wanderschaft, und man muß wirklich sagen, daß er i 
sie mit deutscher Grnüdlichkeit besorgte. Kein Ort war ihm Zu i 
entlegen, kein Weg zu beschwerlich. Abseits von der großen! 
Heevesstrahs fragte er sich Lei der einheimischen Bevölkerung nach k 
feinen unbekannten Zielen durch, ein nicht ganz leichtes Unter ¬ 
! fangen, da di-e biederen spanischen Bauern zumeist gar nicht be 
griffen, was er eigentlich wollte. Erst wenn er ihnen seine Bilder 
z -eißte und den Wunsch auZdrückte, ähnliche Dings noch mehr Zu 
- sehen, ging ihnen ein Licht auf und sie wiesen ihn dann häufig auf 
glückAhe Spur. Der Lohn für diese Mühsale blieb nicht aus. Er 
stöberte Erdenwinkcl und architektonische Schönheiten auf, die 
Äävecker mit mehr als einem Stern hatte auszeichnen müssen, 
und erntete den Triumph, den Spaniern selber Aufnahmen vor-, 
führen Zu können, deren Originale sie in ihrem eigenen Lande 
nimmermehr vsmmtet hätten. Kein Wunder, daß in Spanien 
seine Photographien viel begehrt wurden. Sie erschienen sov^ 
laufend in illustrierten spanischen Zeitschriften, deren MitürbeOer HUl- 
scher war, und Mich die Regierung kaufte eine Anzahl von ihnen an. 
Im Verlauf feiner Ausführungen wies der Redner zu wieder 
holten Malen auf die während des Krieges oft genug betätigte 
deutschfreundliche Gesinnung der Spanier hin und unterstrich die 
Notwendigkeit guten Einvernehmens Zwischen dem deutschen und 
dem spanischen Volke. Daß sich im übrigen der etwas schul- 
meisterlich-moralsier^ Vortrag auf sonderlich hohem Niveau 
bewegte, könnte man nicht behaupten, die Selbstüberzeugtheit, 
die aus jedem Wort sprach, wirkte peinlich und auch die Schilde 
rungen waren reichlich trivial und abgeleiert. Da indessen die 
- Lichtbilder selbst hochgespannte Erwartungen übertrafen, 
mochte man dem BegleiLLext immerhin seinen Clichee-Charakter 
nachsehen. Diese Bilder, die da in schier unbegrenzter Mannig 
faltigkeit vorüberzogen, sind mit einem Raffinement ausgenom 
men und aus geführt, das seinesgleichen sucht, und man begreift 
sehr Wohl das Auffehen, das sie auch bei Fachausstellungen er 
regt haben. Geschichte, Wahl des Bildmotivs, Abpassen der gün 
stigsten Beleuchtung, Sorgfalt im Aufsuchen des geeigneten Vor 
dergrundes, Beachtung der Wolkenbildungen usw.: das alles wirkt 
Mjammm, UM W vWHweg ohm MKrrägliM RetouchieMgen
        <pb n="15" />
        LmMpiel, wu 
Das Haus trat gegen die Stimme der Rechten in bis Beratung 
diests Gegenstandes ein. Stadtv. Schütz (Dem.) berichtete über 
.die deLeillrertLn Anträge des sozialpolitischen Ausschusses, die wie 
folgt lauten: 
u Fall je weils sofort der Stadtv.-Vers. 
en Anträ^gen des Schul-Ausschuffes und 
ßen: 1. die 
Die Anträge wurden ohne Debatte angenommen. 
Erwerbslos enfLrssrge. 
Der Haupt-Ausschuß beantragt, die Stadtverordneten-^« 
sammlung wolle: 1. den Magistrat ersuchen, die zrnn Haushalts 
Plan gestellten Untäge entsprechend dem Beschluß der Stadtv.- 
Vers, vom 25. Augrm ISA., s 668, zu erledigen und seine Stel- 
lungnahmes von Fall Z 
mitLzMu teiillsen,. ZL, folgend 
des HochbauEusschuffeZ ZiMmruen und beschließen: 1. die 
StMv.-Vers. beharrt auf dem Antrag der Stadtd.-Vers. unter 
XXV 3 und ersucht den Magistrat erneut, den einheitlichen Be 
zug von Lemmitteln (Hefte, Schreibmaterialien usw.) durch die 
Stadtgemeinde in die Wege Zu leiten 2 fis ersucht ferner den 
^Magistrat, die- Vereinheitlichung der Lehrbücher zu prüfen und 
dafür Sorge zu tragen, daß die Neuauflage von Lehrbüchern 
möglichst vermieden wird. Z. zu XI-3: sie ersucht den Magistrat, 
dir diesbezüglichen Berichte des Maschinen-AnnZ dem Hochbau- 
AusschussZ vorzulegem 
i beraestelltm Photographien zn wahren Mersterleistungen zu 
mamen Besonders die Ausnahme der nn prallen Sonneulrcht 
lieoendeu Architekturen, die Abstufungen der verchredmen^ 
^eitsorade sind ausgezeichnet gelungen. Außer bekannteren 
Städten und Kunstleistungen zeigte der B°rtr°Sende vor allem 
das hierzulande noch nie Gesehene: AE «us spansschen 
Bolksleben. Schenken rm Gebirge, Oede der «lerra ^cevaoa, 
still« Löte abaeleaene Orte voller Romantik nnt Lurmen und 
R W äl E lene u röm A ische ^ A A u qcu h äd d u i ekte S , ti esürgdelic ft hce ht eLan S dsch P afte ^ n und Fels- 
LmMpiel, wurden durch.das Bild veranschaulicht. Das Publi- 
Lum kargte nicht mit Verfall. 
AMVersrLNeleN-VersgWUluNg. 
SitzANF vom 6. MSrz 1823. 
" Dr Hertz gleiteten Sitzung wurden 
^chre^n« lletmre Maglstnrtrvorlagrn ohn, Diskussion erledigt- 
Nachtrirzßforderungen z«r Mr; sts ISA 
berDtek Gtadtö. Korff (Dem-). ES seien Es in Mem noch 
4 Milliarden Mk. zu decken. Durch sechsfache Nach- 
echebung der Getverbesteuer nach der letzten Steuerrolle, sowie durch 
zwölffach« Nacherhebuna d« Wassergeldes, der Kehrichtabfuhr und 
Kanalgebühr kSnue nach Ansicht des Magistrats der Fehlbetrag bis 
aus anderthalb Milliarden zurückgeschmubt werden, die nmn durch 
Zuweisungen vom Reich und durch sonstige Erträgnisse einzubrin- 
gen hofft. Dem MagistratSvorschlag bezüglich der Gewerbe 
steuer stimmt« der HauvtauSschuH mit der Einschränkung zu, daß 
die Nacherhebung auf das kommende Jahr in Anrechnung zu 
bringen sei. Auch sonst stellte er verschiedene Anträge in denen 
die Interessen der Gewerbetreibenden größere Berücksichtigung er 
fahren- Statt der zwölffachen Nacherhebung der öffentlichen Ge 
bühren schlug er ihr« sechsfache Nacherhebung vor. Stadtw 
Kirchner (Ssz.) begründet« den folgenden Antrag; 
Mir beantragen; 
' 1- dir Anrechnung der nachträglich zu erbebenden Ge ¬ 
werbesteuer auf das Jahr 1923 sbzulehnenz 
2. daS Zehnfache der rollenmSßig veranlagten Gewerbe- 
steurr nachzuerhebm.* 
.. Hs erklMe, daß seine Fraktion der ungeheuren Erhöhung der 
Gebühre durchaus ablehnend aegenüberstebr. Die breit« Masse! 
der Bevölkerung sei nicht in der Lage, diese Gebühren aufzubringen.! 
Bezugnehmend auf den Artikel von Magistratsrat Tietz tm «Stadt 
Blatt der Frankfurter Zeitung* stellte er die Behauptung ausi daß 
die von ihm beantragte zehnfache Nacherhebung der Gewerbesteuer 
keineswegs eine unertrLliche Belastung d«S Gewerbes bedeute, 
schließlich drückte -er noch den Wunsch'nach rascherer Ein- 
i eh u n g der Steuer aus. Komme gemäß dem Hauptaus- 
schuMutwA die Gewerbesteuer auf das Jahr IM in Anrechnung, 
p becmtraFe er, das Gleiche auch für die Gebühren durchzuführen. 
. ,AE^,Dr. Kotzenberg (Mm.) bedauert«, daß Fraktion», 
beschlu^e ohne vorheriges Befragen der maßgebenden Kreise-gefaßt 
würden. Handel und Industrie wollten wohl bezahlen, es sei 
aber durchaus unstmfMnnisch, die neu autzubringsnden Beträge in 
emr Lereds abgeschlossen« Bilanz einzustellen. Er vertrete daher 
naä wie vor den Standpunkt, daß das Sechrfacbe der Ge- 
werbchuer, das unbedingt voll bezahlt wetden'müsse,'auf das 
a h r 1S23 anzurrchnen sei. Die sozialdemokratWen Ein 
Wendungen dagrAtn seien ihm unverständlich- Gegen die Linke 
aewrmdh forderte er ein» sachlichere Erörterung der wirtschaftlichen 
Fragen. Im übrigen krach er sich für Annahme der Hauptwrsickuß- 
anträge auS. 
Press. Bleicher wünscht« baldige Verab- 
tch^mg der ganzen NorLrg«, damit endlich Ordnung in die 
MksHn G^nzm k-mmr. In der ALstimmunZ wurden sämt- 
AuSschußanträge angenommen. Dir Anträge 
Kirchner» ftmdm Ablehnung. 
WshmWgKbaEttKtt im Jahre 1SS3. 
Stadtv. Lang (Komm.) forderte die Kommunalisierung der 
Woanu-ntzSbauS mw erhob die gewohnten Anklage;; gegen die Be&amp;gt; 
sttzendkm Stadw. Sieling (Soz.) erklärte, daß sein« FEon 
kotz schwerer Bedenken grundsätzlich daW bereit sei, der vom 
vorZeschlag^mn Erhöhung der WshnuntzsbMMg'Löe Zu- 
zusnmmen. Er trat für staffelmäßtae Erhebung der 
Wohnu.ngsbauaLgaS« ein, womit M der HauOauSsSuß 
noch gemmer zu befassW habe. L«, dem Ausschuß sekn auch 
Rrchtunim mchustellen, bis erkmMn lassen, wer von der Abgabe L-^! 
freiL bleibe. Schließlich wünschte er nur mfchere Einziehung der 
MgaLe, ein Aufhören der durch die LeveiLetsn Schi ¬ 
kanen und stärkere Belastung der Arbeitgeber und Unternehmer. 
Diadw. Hipper (ZenLr) brächte verWchens MißkLnde! 
oei der WohnungsZuteilung zur Kenntnis, sz käme 
vor, daß Wohnungen längere Zeit hindurch leerstündcn. StMv- 
^Qndgrebe (2ib.) befürwortete gleich dem soziMeWkockischen 
Redner die schnellevs Erhebung der UögabL. Dem WchmmgI- 
^end könne freilich emf diesen? Wens nicht sbgeholftn werden. 
Seine FrEion werde, den Magistr^suntmLen im Ausschuß ver 
mutlich nicht zustimmen können. Nach EErirngen von Stadirat 
Landmann verteidigte Gtadtrat Zielowski das Woh 
nungsamt gegen die Anrgriffe des SLadiv. Hipper. Wenn mit 
unter Wohnungen leer stünden, so Habs das stms triftigen Gründe. 
Tio in den letzten Monaten eingeiretenL Verschärfung der Woh- 
mmdZuot sei Zum Teil auf die Ruhrbeschung ZurückZuführen. Die 
Vorlage wurde dem Haupt* und HochLau-Ausschuß überwiesen. 
StaM. Pros. Dessauer (Zentr.) bedauerte, dcch der Ma- 
gsstmt dem einstimmigen Beschluß der Stadtverordneten Versaun^ 
iimg auf «m«l!« Befreiun« der ^orträa« wifl«nsckMtMer und 
1. In den ersten drei Wochen sind die staatlichen Sätze mit den 
bisher gewährten Zuschlägen zu zahlem Die städtischerseits fest 
gesetzten Zuschläge sind auf 2LM M. Zu erhöhen unter entsprechen 
der Erhöhung der übrigen Zuschläge. 
Von der dritten Woche an sind den Erwerbslosen mindestens 50 
Prozent der Tariflöhne eines städtischen ArLeiterZ Zu gewähren. 
Von der siebenten Woche an sind die Unterstützungssätze wie 
folgt Zu Zahlen: Für ein Ehepaar bis Zu 2 Kindern ^ProZ., desgl. 
bis Zu Z Kindern 60, desgl. bis zu 4 Kindern 65, desgl. bis zu 5 
Kindern 70 Prozent des Lohnes eines städtischen Arbeiters. 
Nach den schon ausgesprochenen Grundsätzen des SoZialpol. 
Ausschusses sind die weiblichen Erwerbslosen ebenfalls n^ch den 
Sätzen der Tarife der städtischen Arbeiter (für weibliche) Zu bezahlen. 
2. D(:Z LeLensmktel-Amt soll prüfen, inwieweit es rnöglich ist, 
den Bezug von Kartoffeln zu erreichtem durch Einrichtung beson 
ders für sie bestimmter Kartosfe^Bezugssiellen. 
Z. Unverheiratete Erwerbslose, die m heizbaren Räumen woh 
nen, haben Änspruch auf mindestens einen Zentner Brennstoff im 
Monat, 
4. Die Frage der Doppelbefchäftigung soll besonders geprüft 
werden. Da dies aber eine Angelegenheit ist, die nur im Zusam 
menwirken mit dem Gewerkschaftskartelt und den Betriebsräten ge 
löst werden kann, so möge das Arbeits-Amt sofort Schritte unter 
nehmen, um eine Verständigung herbeizuführen. 
5. Das gleiche soll seitens deZ Arbeits-AmteS geschehen, um 
auf bis Unternehmer einzuwirken wegen der Einstellung' von Ar 
beitslosen. 
6. Der SoZialpol. Ausschuß steht nach wie vor auf dem Stand 
Punkt, daß die beste Unterstützung der Erwerbslosen die Beschaffung 
von Arbeit ist. Aus diesem Grunde ersucht er die Stadtv.-Ver- 
sammlung, an den Magistrat erneut und dringend den Wunsch aus- 
Zusprechen, daß er ein MiLgHecktes Notstands-Prsgrawm vorlegt. 
Insbesondere ist der Nofftandsarösit auf dkm Gebiete des Bau 
wesens größte Aufmerksamkeit zu schenken, um die Bau- und die 
ZNEZitz Bau-Nebenberuse (Weißbrnder, Dachdecker uswO zu be 
schäftigen. Wer auch der Straßen- und Wegebau ist hierbei zu Ze» 
rMsichtigen. 
7. Dem Arbeits-Amt wird naheAlegt, zu seinen Pl-onarsitzunVen 
und Reschwerdsiustanzen, wo es sich um Fragen der Erwerbslosen 
handelt, Vertreter der Erwerbstosen-Konnnission hinzuzuziehen 
Vlll. Weiter soll das Arbeits-Umt wegen einer entsprechenden 
Unterbringung der KonMission in geeigneten Räumen Ausschau 
halten 
9. Den drei Mitgliedern der Urwerbslofen-KonmüssiM ist Zu 
ihrer Unterstützung als Erwerbslose als Aufwandsentschädigung 
soviel hin-uZuzahlen, daß sie auf den Verdienst eines Notstands 
arbeiters kommen. 
Stadtv. Lang (Komm-) stellte einen Antrag, der weit über 
die Ausschuß-Beschlüsse hinausgcht. Ihm tmt Stadtv. Thomas 
(SoZ.) entgegen, der die Genehmigung der Ausschuß-Antrags 
empfahl. In der Abstimmung wurden diese Anträge 
angenommen 
Der GsZPmS. 
SLaLLv- BechAedt (Dem») wandle sich in schärfsten Worten 
gegen die rückwirkende Gestaltung des GaZ- 
preifes wie überhaupt gegen das ganze Gebühren der Gas- 
aesellschaft, das sich die Bürgerschcckt nicht weiter gefallen lassen 
könne. Die neuerlichen enormen Steigerungen des GaSprefteZ 
liefen auf eine SÄröviUna. eine AuSseutuna der BevöÜeruna 
welkmMMch« Art von -er Vergnügungssteuer E ! 
zuaessimmt -ü-e und ?Wug vor, sich mit -mn Magistrat über die 
üeMnete Form der Vorlage zu verständigen. Die Vorlage ging 
L den KA-mSschuß L-rück. Beider nochmaligen Durch- 
dcratung M Pros. Dessau er zugezoren wsrdrn. 
Die NusWanLSentschSdtgungen &amp;lt;M wcheso»«^ 
Dt-MraiS-MMeder und SEverordnete so«en 
b ü ; ! S ^u I « .^ a W en pr B il e a M uf u 1 ß 06 d 0 es 0 A M elt . es m te o n n -A a u tl s ic s h chu u s n s d eS vo k m » 1 1 . . A Ja p n n u l a a r b lu «n L v j 
spre D c i h e et Vo d r e l n ag R e eic b h e s z s ü ä g t l z ic e h n N er a h c ö h h b t ew w i e lf r t d g e u n n . g von Mitteln r f .- u ^ r , p.« n 
M N r e üc u k b . au Sta d d ? t r v. A S lt t e o n ltz B e rüc (D k « e m g ) ing ma - c n hte den hi H erz ° u ch ei b nig a e ^ Vor- 
Wäge. SEv. Heuä (Dem.) erhob tEchMMMwoüm 
aEMR die NetriebZeinfchrärckun'g der SLrÄhenbah 
I i nie 15. Sie bedeute einen unerhörten Eingriff m den Ver ¬ 
kehr Zwischen Oftend und der Innenstadt. Die entsprechende Ein- 
gäbe wurde dem Tiefbau-Ausschuß überwiesen. 
In Beantwortung der Anträge der StadtverordEen-Versamm- 
lung Zum Etat 1922 stellte der HauptauIschuß folgende Anträge:
        <pb n="16" />
        2.p 
bü-' 
Zudengr u n d s ätzliHLn Schriften MLx WeLtzrs 
und Ernst Troe l t s ch s. 
Von Dr. Siegfried Kraeauer. 
Der nachstehende Aufsatz war bereits geschrieben, als 
die schmerzliche Kunde von Ernst TroelLschs allzu 
frühem Hinscheiden kam. Die deutsche Wissenschaft ver 
liert in Troeltsch einen mit dem ganzen historischen, 
philosophischen und theologischen Wissen seiner Zeit aus 
gerüsteten Gelehrten, der dank einer glücklichen Ver 
einigung von Forscherkraft und Gestaltungsgabe wie vyr 
wenige dGU befähigt war, die großen Zusammenhänge der 
europäischen Geistesgeschichte zu überschauen, ohne in der 
Ueberfülle des Stoffs sich zu verlieren. Es veHeht sich 
von selber, daß die Bedeutung der wissenschaftlichen 
Leistungen dieses umfassenden und bis zuletzt lebendig 
regsamen Geistes durch die folgende Kritik an seiner welt 
anschaulichen Position nicht berührt wird. 
r. 
---le Krisis der Wissenschaften, heute schon* zum Gespräch 
des Marktes geworden, tritt am sichtbarsten bei den empirischen 
Wissenschaften Anlage, die, wie Geschichte und etwa Soziologie, 
her Erforschung geistiger Zusammenhänge, der Erklärung des 
smnhaftsn Handelns der Menschen gewidmet sind. Im Verlauf 
ihrer immer breiteren Entfaltung während des letzten Jahr 
hunderts hat sich erwiesen, daß die Verwirklichung des An 
spruchs auf' Allgemeingültigkeit, den sie als Wissenschaften für 
ihre Aussagen erheben müssen, scheinbar unüberwindliche 
Schwierigkeiten bietet: Suchen sie sich nämlich, um ihre 
Objektivität Au wahren, rein auf die Gewinnung wertfreier 
Erkenntnisse M beschränken, so geraten sie entweder in einen 
inhaltsleeren Begriffsformaltsmus oder in die uferlose Unend 
lichkeit nirgends abschließbarer Tatsachenfeststellungen und ver 
stricken sich am Ende doch in Wertungen; treten sie aber von 
vornherein wertend an den Stoff heran, so verfallen sie gleich 
W AMeginn Mner vom Standpunkt der heutigen Wissen 
schaft aus subjektiv zu nennenden Betrachtungsweise der Dinge,' 
da ja die Werte selber wissenschaftlich-objektiv nicht zu begrün 
den sind. Aus den sehr fühlbar gewordenen Folgen dieses 
Dilemmas: sinnloser Sto ffanh äufung und unaus 
weichlichem Relativismus erklärt sich hinlänglich der 
-Missenschastshüß^ des besten Teils der heutigen akademischen 
Jugend. Sie, die nach Lebensnahe der Begriffe, nach großer 
Zusammenschau der geistigen Gebilde, vor allem aber nach 
einem jeglicher Skepsis entzogenen Wozu verlangt, suhlt Ent 
täuschung darüber, daß gerade die Wissenschaften, die doch vom 
geistigen Sein und Geschehen handeln, ihr Verlangen nicht 
zu befriedigen vermögen und steigert nun' die Empörung wider 
das ihr aufgedrängte Spezialistentum und den Zwang des 
relativistischen Denkens nicht selten bis Zu leidenschaftlichem 
Protest gegen die hier gemeinten Wissenschaften überhaupt. 
Wobei sie nur allzu häufig vergißt, daß ihre Forderungen 
vielleicht von der Wissenschaft gax nicht erfüllt werden können 
und daß überdies die Wissenschaften selber ja lediglich Teilaus 
druck der gesamten geistigen Situation sind, in der wir heute 
stehen. 
M WUsnsHskkskrHZ. 
Buchkunst der Frankfurter Verleger. 
— In der Ausstellung: Neue deutsche Buchkunst, die 
zur Zeit in den ErdgeschoßMen des Kunstgewerbemuseums Zu sehen 
ist sind auch die Frankfurter Verleger, denen wir schon 
in unserem Eröffnungsbericht (vergl. „Stadt-Blatt" vom 27. Febr) 
kurz gedachten, gut vertreten. Der Verlag Rütten'u. Loe- 
n Ln g, bekannt durch seine mustergültigen Buchausstattungren, 
zeigt eine von E. R. Wsrß mit erlesenem Geschmack besorgte Aus 
gabe der „Wanderjahre" und einige der vielverbreiteten Japan- 
Lücher Lafcadio Hearns, die von Emil Orlik ornamentiert wor 
den sind. Die Frankfurter Verlagsanstalt A.-G. war 
tet mit einer vornehmen Liebhaberausgabe der »Odyssee" (Buch 
schmuck und Illustration von Alois Kolb) m Großformat auf 
und führt außerdem, damit man sehe, daß sie sich auch aufs Zier 
liche versteht, ein schmuckes Biedevmeierbandchen vor, in dem Cle 
mens Brentanos Liebesleben abgehandelt wird. Auf Bibliophilen 
mag die stattliche, von Erich Steinthal verunstaltete Ausgabe 
von Hauptmanns ^Websr" eine umso größere LÜtziehungskrast aus 
üben, als ihr Heliogravüren nach Radierungen von Käthe Koll- 
witz beigegebrn sind. Sehr charaktervoll wirkt d^ von Bossert 
Mlsgestattete Ausgabe des im Verlag Englerl u. Schlosser 
erschienenen Dergschen Buches: ^Schlupps, der Handwerksbursche", 
dessen Aufmachung sich dem Inhalt ebenso eng anschnnegt wie ein 
modern behandeltes, von Emil Hölzl illustriertes Variete 
Buch, das die Frankfurter Werkstätten herausgebracht 
hoben. Joseph Baer u. Cs. ist mit einer stilvollen Festschrift 
lKum 70. Geburtstag Geb.-Rats Ebrard) vertreten, desgleichen legt 
die Hausdruckerei der Schriftgießerei Flinsch mit einem in Ehmke- 
Antiqua MsgeWrten GedGKarch Mtz Probtz HM Könmns ich. 
! binaus, die geradezu ungeheuerlich sei. In "äußerst energischen 
Wendungen griff der Redner den Magistrat an, der sich noch nicht 
bemüßigt gefühlt habe, für Abhilfe dieser MßstLnde zu sorgen. Zum 
Schluß stellte er einen entsprechenden Antrag. Auch Stadtv. 
Merten (Zeuir.) übte an dem phantastischen Mschwellm deZ 
Gaspreises Kritik, der heute das Sechstausendfachs des 
FriedsnZpreiseZ betrage Ws solche Steigerungen sich als 
notwendig erwiesen, da könne etwas nicht stimmen und es fei die 
-Frage, ob die Schuld nicht daran liege, daß die GaZgesellschast 
einen gemischt-wirtschaftlichen Betrieb darstelle (Hört, 
hört!). Der Redner beantragte, das Reviflonsamt möge das 
FinanMbahren der Gasgesellschaft nachprüfen und der Stadt- 
Verordneten-Versammlung hierüber Bericht erstatten- Auch regte er 
die^ Ermäßigung des Gas Preises für Großabnehmer an. Stadtrat 
Schulz wachte Mitteilung von dem bereits der Presse bekannt 
gegebenen MagistEbefchluß. der eine neue, den Wünschen der 
Bürgerschaft entgegenkommende Prsisregelung Vorsicht. Die Er ¬ 
! böhung des Gaspreises begründete der Redner mit der Erhöhung 
! der Ausgabe für Löhne und Materialien (I Tonne englischer Kohle 
koste 2MM0 Mk.). Einen Ausfall könne die GaSgesellschast nicht 
hinnehmen. Indessen wolle man dem Publikum die 
ratenweise A^ahlung der hohen Rechmmße« 
gestatten. Stadtv. Ulrich (Soz.) führte die unverhältnismäßig 
große Erhöhung des GaSpreises auf Vorgänge in der Gasanstalt, 
so z. B. auf kostspielige Versuche usw. zurück- Er forderte u. L, 
daß die Abrechnungen in kürzeren Terminen erfolgten und trug 
noch sonst verschiedene WünAe vor- Nach Ausführungen des 
Stadtv Kirsch (Komm.), der eine Staffelung des GaSpreisrZ 
nach der Höhe des Einkommens forderte, Zog auch Stadtv. 
Wagner (Mittelstand) gegen die Gaspreisvolink des Magistrats 
zu Feld. Er verurteilte es, daß die Gasgesellschast dem Handwerk 
und dem Gewerbe so scharfe Konkurrenz mache. Nach Emämnoen 
deZ Stadtv. Rudolf (Deutschnat.) stellte Stadtv. Dr. Gold 
schmidt (Dem.) fest, daß ihn die Argumente des Magistrats 
Vertreters nicht befriedigt hätten Offenbach und Frankfurt hatten, 
was den Bezug der Kohle anbetveffs, die gleichen PrsdukLionZ- 
bedingungew In Offenbach habe man aber nur einen GaspreiS 
von 550 Mk. dem ein GaspreiZ von 900 M. in Frankfurt gegen- 
überstehs- Woher rühre diese Divergenz? Tatsache sei jedenfalls, 
daß daZ städtische Gaswerk in Offenbach im vorigen Jahre 
einen Ueberschuß von 17 Milb an die Stadt abgeliefert 
babe; an dem geringeren Gewinnüberschuß dort könne also diese 
Divergenz nicht liegen. Man müsse die grundsätzlich wichtige 
Frage stellen, ob das Frankfurter Gaswerk technisch auf der Höhe 
stehe und ob nicht bereits heute Rücklagen zur technischen 
Vollendung des Werks angesammelt werden, die natürlich auch 
im Gaspreis Zum Ausdruck kommen. Hierüber müsse der Bürger 
schaft endlich einmal reiner Wein eingeschenkt werden. Der-Red- 
neT richtete an den AuffichtZmt. insoweit er in der Stadtverwal 
tung vertrstsn ist, die dringende Aufforderung, dem FinanMbahren 
der GeseNchast endlich einmal auf dsn Grund Zu gehen, und bs- 
fürwortets schließlich die Annahme deZ Antrags Merten Z. 
Auch Stadtv. Pfeiffer (Soz.) sprach üch in diesem Sinn aus. 
Barmt Tillmetz, der Direktor der GasgesellschaK verteidigte 
die rückwirkende Gestaltung der GaZ preise und begründete, die Er 
höhung der Gaspreise mit dem Ruhrernfall» Schuld an der, Er 
höhung trage Luchbie sechswöchmLIiche RblesspZriode. deren Länge 
eins Bezahlung der GaSgosellschaft in viel schlechterem Gelde 
L^wsrrufe. Die Verkürzung der Wlrseperiods scheitere an der 
Schwierigkeit, daH hierfür erforderliche VWrpersonal emzustellen» 
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen betonte Direktor Till 
metz gegen Dr. Goldschmidt ausdrücklich, daß das Ost wer? 
der GaZ gefeilschtft technisch durchaus auf der 
Höhe sei. Der Antrag Merten wurde angenommen. 
Schluß der Sitzung nach halb zehn Uhr. 
Max Weber und Ernst Troeltsch, beide von der 
Gewissensnot der jungen Generation mitergriffen, haben sich 
Mit dies« bedrohlichen Krisis auseinandergesetzt und die Frage 
nach den Aufgaben und der Daseinsberechtigung ihrer in den 
Anklagezuftand gerückten Wissenschaft neu gestellt. Troeltsch, 
um bei ihm zu beginnen, unternimmt in dem jetzt erschienenen 
ersten Buch seines neuen Werks: „D e rHistorismusund 
s^eine Probleme" (Dritter Band der „Gesammelten 
Schriften", I. L B. Mohr, Tübingen 19W) eine Art von 
Ehrenrettung des historischen Denkens und der Geschichts- 
philosophie; d. h. es ist ihm darum zu tun, die Weltanschauung 
des Historismus, dergemäß alle Institutionen und Werte aus 
eifern wie immer begriffenen, geschichtlichen Werden abzuleiten 
sind, ihrer Fragwüvdigkeit zu entheben und sie davor zu schützen, 
von einer «historisch gewordenen Jrrgeud verdächtigt zu 
werden. Er enÜviMt in solcher Absicht eine eigens Theorie 
vom Sinn und' Wesen der Geschichtsphilosophie, die ihm keine 
Angriffsmöglichkeiten mehr zu bieten scheint, und knüpft hieran 
eine der Verdeutlichung seiner Position dienende umfassende 
Darstellung der geschichtsphilosophischen Systeme von Hegel und 
Ranks bis Croce und Bergson. Dieser erste kritische Ueber- 
blick x über die Geschichte des Historismus. selber wird von 
einem großen Zug durchweht, er zeugt von AroeltschS oft be 
währter Meisterschaft der Organisation gewaltiger Stoffmassen 
und bestätigt überall — erwähnt sei nur die Abhandlung über' 
die Marxistische Dialektik — seine Kunst der Herausarbeitung 
des Wesentlichen. Das ganze weiträumig angelegte Buch ist 
als Vorstufe und Sockel einer materialen Geschichtsphilosophie 
gedacht, die Troeltsch in wenigen Jahren vvrzulegsn hoffte. 
So wichtig die Würdigung des Gesamtwerts, insbesondere 
der nicht leicht zu überschätzenden historischen Analysen, auch 
wäre, in diesem Zusammenhang kann nur Troeltschs Lösungs-
        <pb n="17" />
        fenden Lebendigkeit des göttlichen Willens" versetzt. Nun,! 
diese Auffassung verleiht zwar der eigenen Wertentscheidung 
einigen metaphysischen Glanz, schließt aber darum doch, rein 
wiffenschafüich-objektiv betrachtet, wie es sich hier gehört, 
keineswegs das gleichzeitige Vorhandensein anderer Wert 
maßstäbe aus, die ebenfalls auf Grund historischer Erfahrung 
intuitiv gewonnen sind und darum allesamt ohne Unterschied 
eine überrelative Bedeutung für sich in Anspruch- nehmen 
können. Man steht: an dem der Historie notwendig zu ge 
sellten Relativismus wird trotz Troeltschs Versuch, ihn wsg- 
zuintetpretieren, kein Jota geändert, es bleibt vielmehr alles 
! so, wie es vorher schon war. 
Und warum doch? Weil Troeltsch — dies aber ist der 
springende Punkt — den Sprung in Wahrheit gar nicht voll 
führt. Kierkegaard, sein Kronzeuge, springt wirklich; ohne wie 
Troeltsch durch „wissenschaftlich-historische Selbstbesinnung" 
seiner Intuition „innere objektive Notwendigkeit" sichern zu 
wollen, entschließt er sich dazu, die Paradoxie, daß das Ewige 
einmal in die Zeit eingetreten ist, gerade um ihrer Absurdität 
willen anzunehmen, und springt so freilich mitten in das Ab 
solute hinein. Damit hat er aber den archinredifchen Punkt 
außerhalb des historischen Prozesses gefunden, und nichts 
brächte ihn mehr dazu, gleich Troeltsch das ergriffene Absolute 
wieder in die Geschichte einzufenken, um es derart von neuem 
zu relativieren. Wie gründlich mißversteht Troeltsch hierin 
Kierkegaard! „Wenn Kierkegaard... bei diesem Sprung", 
äußert er mit überlegenem Bedauern, „in ein . . . asketisches 
Christentum sich htneinstürzte, so ist darin dann freilich noch 
das instinktive Bedürfnis nach absoluten Autoritäten neben 
allem übrigen wirksam." Ein instinktives Bedürfnis! Als 
habe Kierkegaard aus instiEivem Bedürfnis und nicht aus 
Verzweiflung den Sprung gewagt, als fei es ihm 'darum zu 
tun gewesen, nur so ein wenig zu springen und dann mit 
Hilfe der glücklich ersprungenen Wertmcchstäbe jene selbe ge- 
schichtsphilosophifche Spekulation wieder aukzunehmen, der er' 
gerade durch seinen Sprung entkommen wollte. Troeltsch aber. 
will beides: aus dem Relativismus herausspringen und zu 
gleich als Wissenschafter im Bedingten verharren und Ge 
schichte treiben. Es entgeht ihm, daß mit dem Eintritt in die 
Beziehung zum Absoluten sofort der Historismus unmöglich 
wird, und 'daß MMkehrt dort, wo dieser statthat, sich un 
weigerlich der Zugang zum Absoluten verschließt. Zu sehr 
bedrängt von den Anklagen der Fugend regen die Wissmschoft, 
um gettost zuzugeben, daß das historische Denken voü sich aus 
nimmermehr das Absolute in seinen Bannkreis zwingen kann, 
versucht er, das Unvereinbare doch m'tein-M-der zu vereinen, 
und verfängt sich derart in einem ScheingkkÄ, dessen Schein 
auflösung ihn begreiflicherweise M einem leidigen Kompromiß 
führen muß. Denn ein Kompromiß ist es, Wertmaßstäben 
und Kultursynthesen, die aüs der GeWchte hevauKgeholt und 
in die Geschichte eingebettet werden, nur um ihres stattlicheren 
Aussehens willen hinterher noch eine absolute Bedeutung an- 
zuschminken. TroÄtschs rnetaphhstsche Interpretationen be 
weisen lediglich das eine, daß -der Geschichtsbekachter als, 
solcher dem Relativen nicht zu entschlüpfen vermag und sich, 
?ehr davor W hüten hat, den Sprung -der Intuition mit dem - 
Sprung ins Absolute zu verwechseln. Me Relativität von 
Troeltschs Kultursynthese zieht natürlich auch die Relativität 
seiner StosfauK-wa-A nach sich. 
Die neue MedhofssrdnMg. 
' »» Der Rat für künstlerisch e Angelegenheiten 
Latte mn Donnerstag abend eine Weihs von Fachmännern zu eurer 
Aussprache über die n eu e Frankfurter Frisdhofsoro- 
Luna und die damit verbundenen künstlerischen Absichten emos- 
rufew Eartenbaudirektor Bramme erstattete ein leider zu all 
gemein gehaltenes Referat, in dem er hervorhob, daß der Zwang 
zu Sparmaßnahmen nicht ohne günstige Wirkung aus dre Gestal 
tung der Friedhöfe sei. Um die Gräberflächen der Ern^lgraoer 
Leiser auSzunutzen, ist man z. B. vielfach zur Heckenpflanzung 
Lbergegangen, bemüht sich überhaupt, eins gewisse Veremheulugung 
der Pflanzungen herbsizuführcn. In solchem Sinns wirkt aucy 
der kommunale Grabpflsgebstrieb, auf den der Redner bsr vls,er 
Gelegenheit hinwiez. Weiter gehen die Bestrebungen dahin, chen 
Leinen Grabstein zu schützen, der bei der heute gebotenen ^räum- 
lichen Beschränkung und in Anbetracht der hohen Kosten meyr als 
früher in den Vordergrund gerückt ist- Besondere Ausmechamkut 
wird schließlich der Neugestaltung der Gräberfeldes Angewandt, 
das ebenfalls durck die aus Sparsamkeitsgründen erforverurge 
Weglassung vieler Pflanzungen wie durch sonstige Veremfachungm 
nur gewinnen kann. — Zu einer Erörterung der cigentlicy inttrc;- 
sterenden Fragen kam es erst in der Diskussion. Vec der Dura)- 
beratung der neuen Ge bü h r sn ord n u n g hat sich gezeigt, daß 
teilweise die Auffassung besteht, die Friedhofskosten snen nach 
Möglichkeit alle durch, die Gebühren. einzubAnge«. Demgegen ¬ 
über vertrat Gartendirsktor Bromme die hoffentlich sich durch 
setzende AnM, daß die Ausgaben für die Gräbererhaliung und 
die Friedhofsänlagsn nicht von den einzelnen Leidtragenden allem, 
sondern im wesentlichen von der Allgemeinheit zu tragen seien, 
da ihr ja auch die Parks zugute kämen, zu denen die Friedysse cm 
Laufs der Zeit ausgestaltet würden. Auf eine Anregung aus der 
Versammlung bin gab Hmr Bromme ferner über die organisa 
torischen Fraqen Auskunft, die in der künftigen Neuordnung 
zu berücksichtigen sind. Er befürwortete den schon vor dem Kneg 
von dem Stadtv-ePordneten Pros. Sittig in einem Bericht des 
StiftuMsausschusses gemachten VorsMag,^dM von dem 
versuch des Kernproblems historischen Denkens und damit seine 
prinzipiell« Stellungnahme zur .Wissenschaftskrisis Erörterung 
finden. Nachdem ihn eingehende Prüfung der eine jede Ge 
schichtsbetrachtung konstituierenden Grundbegriffe des histori 
schen Gegenstands und der historischen Entwicklung zu dem im 
ganzen einwandfrei erbrachten Nachweis geführt hat, daß das 
geschichtliche Leben der Bewältigung durch naturwissenschaft 
liche Kategorien spotte, schreitet er zur Entkräfiung jener 
Argumente, die das notwendige Verquicktsein des Historismus 
mit dem Relativismus behaupten. Es muß anerkannt werden,, 
daß Troeltsch das Problem wirklich bis zum entscheidenden 
Punkte vortreibt. Treffend zeigt er, daß der universalhistorische 
Prozeß, dessen Verständnis die Deutung des historischen Ein 
zelgeschehens ja allererst ermöglicht, in seiner Absolutheit rein 
kontemplativ nicht zu begreifen ist, d.H seine Erfassung sich 
vielmehr. Wie die eines jeden Sinnzusammenhangs überhaupt, 
prinzipiell auf Wertüberzeügungen gründet, die ihrerseits 
wiederum von dem jeweiligen Standort des Betrachters ab 
hängen. Da nun der mniverfalhistonsche Prozeß sich bis zur 
Gegenwart und über sie hinaus in die Zukunft erstreckt, setzt 
seine Konstruktion stets Wertentscheidungen des in der Gegen 
wart stehenden und auf die Zukunft ausgerichteten Menschen 
voraus, seine Formung ist, um Troeltschs Ausdruck zu ge 
brauchen, notwendig «n die „gegenwärtige Kultur 
synthese" geknüpft. Woher aber die diese „Kultprsynthese" 
stiftenden Wertmaßstäbe gewinnen? Troeltsch, der sich schlech 
terdings nicht denken kann, daß sie von zeitüberlegener Abr 
solutheit seien, wendet sich scharf gegen den „phantastischen 
Mhstizismus/ einer Jugend, die sich am liebsten aus der 
Geschichte heraus wieder zu „absoluten Dogmen" und „reli 
giösen Autoritäten" flüchten möchte, und sieht sich zu dem 
Zirkelschluß gedrängt, daß die „Kultursynthese" der Betrach 
tung desselben historischen Ablaufs entwachsen müsse, zu dessen 
Erklärung sie doch dienen soll. Freilich, mit „wissenschaftlich 
historischer Selbstbesinnung^ allein ist noch nicht viel erreicht; 
Hinzuzugesellen hat sich, damit die.gesuchten Maßstäbe auch 
wirklich gefunden werden, die auf solche Selbstbesinnung gs- 
stützte „Intuition", die aus den Tiefen der entscheidungs- 
bereiten Persönlichkeit - hervorbricht und dieser erst die Auf 
stellung der gegenwärtigen Zielsetzungen ermöglicht. Es bedarf 
also zur Schaffung der „Kultursynthese" des „Wagnisses" der 
Intuition, eines Wagnisses, das Troeltsch wieder und wieder 
durch Berufung auf Kierkegaard zu rechtfertigen 
trachtet. Kierkegaards Lehre wm „Sprung" nämlich, so meint 
er, besage nichts anderes, als daß alles auf den entscheidenden 
Sprung ankv-mm«, „durch den wir in eigener Entscheidung 
und Verantwortung aus der Vergangenheit in die Zukunft 
gelangen". Er unterläßt allerdings nicht hinzuzufügen, daß 
das Ergebnis der Intuition nur dann „innere objektive Not 
wendigkeit" mit sich führe, wenn der Springende sich bon der 
Plattform sicheren historischen Wissens abschwinge. Ist das 
aber der Fall, dann wohnt nach Troeltsch den so gewonnenen 
Maßstäben kotz ihrer zeitlichen Bedingtheit eine metaphysische 
WOeutzrug inne, die W aus her Umklammerung dmch das 
! relativistische Denken befreit. „Von einem bloßen Subjektivis 
mus ... sind solche Maßstabbildungen getrennt durch ihre tiefe 
und lebendige Einfühlung in das historische Ganze, aus dem 
sie erwachsen, und durch die Gewißheit, darin einen inneren 
Zug ihrer Entwicklung, eine innere Lebensbetvegung des Alls 
oder der Gottheit zu ergreifen." Zur Begründung dieser 
Theorie nimmt Troeltsch (unter Beziehung auf Leibniz 
und Malebranch«) an, daß der endliche Geist als Monade 
an dem unendlichen teilhabe und so dazu besähW fei, in jedem 
Augenblicke einen Sinn der Universalgeschichte zu finden, der 
jeweils als Ausdruck der Weltvernunft aufgefaßt werden müsset 
Sein Lösungsversuch unseres Problems besteht also alles in 
allem darin, daß er zwar die Allgemeingültigkeit der „gegen 
wärtigen Kuftursynthese" preis gibt, ihr aber dennoch mit Hilfe 
metaphysischer Interpretation einen über das Bloß-Relativ« 
erhabenen Rang zubilligen zu können glaubt. — Nur erwähnt 
sei noch, daß Troeltsch im Fortgang seiner Untersuchungen 
auch zu einer Begrenzung des historischen Stoffs gelangt, die 
folgerichtig aus seinen prinzipiellen Ueberzeugungen hervorgeht. 
Da die Geschichte nach ihm nur insoweit zu berücksichtigen ist, 
als sie einheitliche Sinngehalte aufweist, die für die Gegenwart 
Bedeutung haben, ergabt sich ihm von selber die Einschränkung 
-des Themas der Universalgeschichte auf die mittel- 
meerisch - europäische Kulturentwicklung; außerdem 
befürwortet er, zur Abschüttelung weiteren Stoffballastes, vor 
wiegend die Pflege einer Geschichte der in der Gegenwart 
fortwirkenden geistigen Grundgewalten, erübrige sich doch 
zum Verständnis des politisch-ökonomisch-rechtlichen Gegen 
wartsbestandes dessen Ableitung aus der Vergangenheit. 
Wie diese wenigen Andeutungen schon erkennen lassen, daß 
Troeltsch eine Reihe von Irrtümern durchschaut hat, denen 
die formale Logik der Geschichte und die Ges-chichtsphilofophie 
häufig genug zum Opfer gefallen sind, so zeugen sie auch hin 
länglich von seinem sicheren Wissen um die Antinomieen des 
historischen Denkens. Die. Frage ist hier nur, ob Troeltschs 
angebliche Ueberwindung des Relativismus der Nachprüfung 
! tatsächlich Stand zu halten vermag. Träfe dies zu, die Wissen 
! schaftskrists wäre erledigt, der „Wissenschastshaß" der Jugend 
gegenstandslos geworden. Dem Relativismus entrinnt man 
dadurch, lehrt Troeltsch, daß man die zur Konstruktion des' 
historischen Prozesses dienenden Maßstäbe im Sprung der 
Intuition errafft, der den Springenden ins Herz der „schaf
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        L0) 
die eine 
Amt für Bestattungswestn, das hauptsächlich wirtschaftliche Funk 
tionen Zu erfüllen bat. eine, besondere Stelle mit einem Fachmann 
(GarLenbauer) an der Spitze abzuZweigen sei, der die Verantwor 
tung für die Erhaltung und Ausstattung der gesamten Friedhofs 
anlagen übertragen werden solle. Diese Trennung, die schon in 
Mehreren Großstädten durch geführt ist, wäre im Interesse einer ein 
heitlichen und auch die künstlerischen Ansprüche befriedigenden 
Durchgliederung unserer Friedhöfe in der Tat eine sehr empfehlens 
werte organisatorische Maßnahme, 
— In den Olympia-Lichtspielen wird während der laufenden 
Spielwoche ein nach dem Roman von P. Jos. Spillmann 
gearbeitetes Filmwerk: „DieTaLdesAbbeMontmoulin" 
vorgeführt. Die Fabel ist durchsichtig und doch voller Spannung. 
Der Abbe gerät in den Verdacht, einen Raubmord begangen zu 
haben, und es ist nicht zu leugnen daß der Schein sehr gegen ihn 
spricht. Da der wahre Täter, der Küster, ihm das Verbrechen kurz 
vor du Flucht nach Südamerika gebeichtet hat, weiß der Abbe um 
das Geschehen, aber der Mund ist ihm versiegelt und schweigend 
muß, er das Martyrium der Gerichtsverhandlung und der Depor 
tation erdulden. Zum Glück erlebt er und wir mit ihm die Ge 
nugtuung, daß der Mörder in seiner Todesstunde ein Bekenntnis 
Mögt. Das Verfahren wird wieder aufgenockmen und das stille 
Heldentum des Abbe erstrahlt zuletzt in voller Glorie. Der von 
der Aquila-Film-Gesellschaft hergcstellte Film ent 
faltet diese Begebenheit in einer Folge.wohlgelungene-r Bilder, 
unter besten - sich besonders die schönen Kircheninterieurs aus 
zeichnen. Auch die darstellerischen Leistungen halten sich auf re 
spektabler Höhe. rak. 
Der Bmud im MesbadSner Laud§§kheLker. 
Ueber die Brand! ata strophe, die das Wiesbadener 
LandestheaL-er betrssfen hat, wird uns drahtlich noch berichtet: 
Der Schaden an Maschinen und Gebäude wird auf drei 
Milliarden geschätzt- Der Magistrat beschloß in einer außerordent 
lichen Sitzung, den TheaL erbe trieb im Kleinen Haus 
w eiLerzuführen und rm Kurhaus die Möglichkeit für 
Orchesterkonzerte und BallettaufW zu schassen. 
Sachverffändigen-KommMon zu unterwerfen, die das Maß der 
von Deutschland zu entrichtenden Leistungen festsehe, — Nur noch 
ein Tort darüber, daß der Vertrag, nach dessen Beendigung sich 
zahlreiche Hörer in die Listen der Frauenliga als Mitglieder ein- 
trugen, die Dauer von überzWei Stunden beanspruchte. Es 
ist schlechterdings nicht etnzusehen, warum ein Thema, das sich 
recht gut in einer knappen Stund« zur Genüge abhanden und be 
leuchten läßt, nun höchst übcvflüssigerwelse auf mehr als die 
doppelte Länge auZgewqlzt werden muß. Solche Weitschweifig 
keit verrät einen gewissen Mangel an Selbstzucht und verfehlt 
. außerdem ganz die beabsichtigt« Wirkung, da sie das Aufn-Shme-- 
vermögen der Zuhörerschaft über Gebühr anfpannte. — Am 
Donnerstag abend soll, wie bereits angekündigt, in der Ge- 
lchlochterstube ein« Aussprache über den Vortrag HMer ftatt- 
sindsn. Xx. 
PazisisE Unter diesem Titel brachten wir 'm 
„Stad.-Blatt vom 14. März ein Referat über einen von der 
Fnternatwnalm Frauenliga vsranstalteten Vortrag Dr. Kurt H i l- 
HA: Dr. H,ller legt nun Wert auf die Richtigstellung daß 
in jenem Referat hieß, wider die Forderung 
deS demok^ Parteiprogr-mimS auf „Schaffung «iner VolkS- 
For^ des demokratischen Parteipro. 
W l n fuhrung der allgemeinen 
Ww entsprechen mit dieser „Be- 
Wunsche .Herrn Dr. Hitlers, können aber 
sucht fmden, drß dadurch m der Sache selber irgend etwas geändert 
mE» Herrn Hiller offenbar gemeinte Satz des demokra- 
schen ParterprogDlmrms lautet überdies wörtlich* 
M i"l7^^k^kWwungen&amp;lt; SWnerheer ist baldigst durch ein 
Anet st 2 Wehrpflicht zu ersetzen, das ge- 
OE 'st ^Verteidi^ Unabhängigkeit. ¬ 
- Dr. Hiller «s schon für nötig hielt, das demokratM- 
Beiprogramm anzuareifen, so hätte er sich zum ministen A 
Keinen Muhe unterziehen sollen, den Gegenstand seines AnarMs 
rns - uge zu fassen. Es wäre ihm dann sicherlich nickt 
M^äbette/r» Forderung auf die Schaffung eines 
Milizheeres zu Verteidigunas zwecken d b 
(etwa n-ach Schweizer Vorbild) abzielt nicht aber 
L »AS« »!-!- 
/ 2 I 2 
r. &amp;lt;4«,. 
Der Mesbadmec TheaterbrM. 
(Von unserem Sonderberichterstatter.) 
Le Wiesbaden, 20. März. 
Des B r a n d, der MN vorigen Sonntag abend, bald nach 
Schluß der^Rienzi^-Vorstellung, dasBühnenhaus des Staat s- 
Lheaters zerstörte — Menschenleben sind Zum Glück nicht 
zu beklagen — ist für die Kur- und Fremdenstadt Wiesbaden 
ein verhängnisvolles Ereignis. Man rüstete bereits für die 
Frühjahrs saison und plante als Auftakt vier „Parsi- 
VÄ"-Vorstellnngeu, mit denen man just am Ende der laufenden 
Woche zu beginnen, gedachte. Diese Pläne und die Erwar 
tungen, die man an sie knüpfte, sind jetzt vorerst Zunichte 
geworden. Schlimmer aber ist noch der ideelle Schaden, den 
darüber hinaus der Brand in kritischer Zeit dem deutschen 
Geistesleben im besetzten Gebiet Zugefügt hat. Wegen der 
Höhe seiner künstlerischen Leistungen genoß das Wiesbadener 
Theater von jeher internationalen Ruf und war darum in 
hervorragendem Maße dazu geeignet auf bedrohtem Außen- 
posten eine wichtige kulturelle Gen düng Zu erfüllen. 
Nun es vorläufig ausgeschaltet ist, hat eine Quelle Zu fließen 
aufgehörtz aus der viele Lausende sich aufzufrijchen und 
seelische Widerstandskraft Zu schöpfen vermochten. 
4- 
Die Brandstelle bietet ein Bild der Verwüstung. Don 
der Parkseite aus betritt man das offene Bühnenhaus, 
das wie ein Schornstein ausgeraucht ist. Auf dem Bühnen- 
boden lagern in chaotischer Wirrnis die heruntergestürZten 
EisenkonstrukLisnen der Dach-kuppel, eie kläglichen Uebereste 
des großen eisernen Vorhangs, der die VordeMthne von der 
Hinterbühne trennte, halbverbrannte Prospekte usw. — eine 
einzige Schutt Masse, die niermmd mehr Zu entwirren 
Mver Pazifismus. 
— Auf Veranlassung der Internationalen Frausn- 
liga für Frieden und Freiheit sprach Montag abend 
im Bürgersaal des Rathauses Dr. Kurt Hiller (Berlin) über 
aktiven Pazifismus. Der Redner ist tätiges Mitglied 
der Deutschen Friedensgesellschast, deren linkem Flügel er an ge 
hört und hat sich bereits in zahlreichen Schriften und Vorkrügen 
als radikaler Kriegsgegner und Antimilitarist bekannt. Auf die 
an sich reizvolle Auseinandersetzung mit seinen mehr theoretischen 
Ausführungen, die gedanklicher Unterbau seiner praktischen Hal 
tung sind, muß in dem engen Nahmen eines Voriragsberichts ver 
zichtet werden. Erwähnt sei nur, daß er an die Spitze seiner Dar 
legungen den Grundsatz von derUnantastbarkeit des 
Lebens stellte, einen Grundsatz, den er als selber unantastbar 
bezeichnete und zum FundomentalprinAip der Republik stempelte. 
In dieser Form ausgesprochen, ist aber die von Hiller »erfochtene 
These bestenfalls halbrichtig, denn nicht dem Leben überhaupt, 
sondern allein dem sinnvollen, dem vom kategorischen Imperativ 
beherrschten Leben wohnt ein höchster Wert inne, und ez hat Fälle 
genug gegeben und mag sie immer wieder geben, in denen das 
Sitienge'ctz, oder wie sonst man jene höhere Macht nennen will, 
der die" Menschen unterstehen, gerade das Opfer des Lebens um des 
„Lebens- willen fordert. Dieser tragischen Forderung, die sich 
unter Umständen nicht nur an Ein-elmenschen, sondern wohl auch 
an ganze Böller richtet, wurde von Hiller nicht gedacht, wie er 
sich denn überhaupt mit seinen radikalen Leitsätzen die Sache dcI 
öfteren doch gar zu leicht machte und die Wirklichkeit gleichsam 
als ein Nichts ansah, das man einftch ss wegpusten könne. Wobei 
ihm im übrigen, wie sich ja von selber versteht, keineswegs der 
Radikalismus zum Vorwurf zu machen ist. vielmehr lediglich die 
Untiefe und Oberflächlichkeit seines obersten Grundsatzes von 
der Unantastbarkeit des Lebens um jeden Preis. Es war schon 
gut so, daß er im Verlauf des Abends seine fragwürdige These 
durch die Erklärung »6 adsuröum führte, er werde im Falle eines 
neuen Kapp-PutscheS sich sofort als Freiwilliger M Verteidigung 
der Republik melden War heißt das aber anderes, als daß mit 
unter der Gewalt mit Gewalt begegnet werden muß, als daß 
Man eben doch in unser«! Welt, wie sie nun einmal beschissen ist, 
ab und zu in die Notwendigkeit versetzt wird, sein Leben in den 
Dienst eines dem bloßen Leben überlegenen PflichtgebotS zu 
stellen. Wir find geneigt, diese Inkonsequenz gegen das eigene 
Dogma höher eiMufchätzen, als das starr« Bessngensein in dem 
Dogma selber. 
Leicht begreiflich, daß Hiller auf Grund solcher Prämissen zu 
manchen Vorschlägen kam, die das Kind mit dem Bade aus-' 
schütten. Nicht nur. daß er sich wider die Forderung des demo 
kratischen Parteiprogramms auf Schaffung einer VolkS 
wehr wandts, er setzte sich auch — ein indiskutabler Vorschlag 
für die Beseitigung der Reichswe 
große politische Gefahr bedeute. Durchaus zusammen konnte man 
seinen zum Teil gut pointierten Aeußerungen gegen das Hitler 
Unwesen in München, gegen hie illegalen militärischen Verbände 
und gegen die Seuche des blindwütigen Revanche »Nationalismus. 
Seine Haltung hinsichtlich der N uhrbesetzung deckt sich wohl 
in der Hauptsache mit der bereits bekannten Haltung der Inter 
nationalen Frauenliga, Er begrüßte den waffenlosen Widerstand 
und drückte die Hoffnung aus. daß das französische Volk bald den 
Amoklauf des französischen Militarismus hemmen möge. Mit 
unserem Widerstand allein sei es freilich nicht getan, er müßte 
ergänzt werden durch radikale Taten ehrlicher Reparationsboveir- 
schast. Die deutsche Regierung sollte, so fordert er, unverzüglich 
ein exaktes Reparationsprogramm vorlegen, daS die Besitzenden, 
denen an dar Katastrophe ein gut Teil der Schuld hcizumessen 
sei, endlich in dem erforderlichen Maße heranziehe. Gehe das nicht 
an, so b^bs. sie die MWt LL dem Urteili einer jMrnationalen
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        ! wird es empfunden, daß die Werkpläne für das ganze Theater 
mitsamt feinen maschinellen Einrichtungen noch vollständig 
vorliegen. Der Intendant Dr. Hagemann ist der Ueber 
zeugung, daß bei großer Beschleunigung der Bauarbeiten das 
Theater binnen einem halben Jahr wieder in seinem alten 
Glanz erstehen kann. 
Inzwischen wird man sich in der Hauptsache wohl oder übel 
mit dem „K lei.n en Haus", dem ehemaligen Residew'theoter, 
behelfen müssen- Dieses wenige Fahre vor Kriegsbeginn von 
dem jetzigen Kurdirektor Dr. Rauch erbaute entzückende 
Theaterchen sank im Krieg zur Operettenbühne, späterhin gar 
zum Kino herab, und wurde schließlich, als es in die Hände 
von Ausländern zu gelangen drohte, von der Stadt aus längere 
Zeit gepachtet. Vor rund anderthalb Jahren richtete das 
Kultusministerium unter dem jetzigen Intendanten eine zweite 
Staatsbühne in ihm ein, die nunmehr dem Schauspiel und der 
kleinen Spieloper dient und sich großer Beliebtheit erfreut. Für 
Opernaufsührungen kommt das Kleine Haus freilich ebenso 
wenig in Betvacht wie der Kurhaussaal, dessen Umbau 
sür einen solchen Zweck sich als technisch unmöglich erweist und 
ja auch allzu große Kosten verschlingen würde. Immerhin ist 
es nicht ganz undenkbar, daß man doch noch ein Provisorium 
schaffen kann, das Ger ds« opernlofe,chis schreckliche Zeit hm- 
Was soll jetzt geschehen? Das ist die Frage, die alle Ge 
müter beschäftigt. Nun, die beteiligten Kreise sind sich einig 
darin, daß sobÄd als möglich wieder aufgebaut werden muß. 
In einer außerordentlichen Sitzung beriet der Magistrat bereits 
über die zunächst zu treffenden Maßnahmen, und die Verhano- 
lungen mit dem Ministerium sollen alsbald ausgenommen 
werden. Wie entschlossen und tatkräftig man vorgeht, beweist 
die eine Tatsache, daß schon gestern ein neues D a ch für das 
Bühnenhaus bestellt worden ist. Mz wesentliche Erleichterung 
vermag. Die vielen eisernen Führungsschienen der Prospekte 
hängen lose und verbogen, als seien sie Kinderspielzeug, an 
oen kahlen Seitenwänden herab. Dir umlausenden Arbeite 
galerien sind verschwunden, von dem Schnürboden mit seinen 
vielen Tauen und Stricken fehlt jede Spur. Der eiserne 
Vorhang, der zum Glück standhielt, ist gewellt wie ein 
&amp;gt; Tuch und an einer Stelle auseinandergesprengt. Auch der 
Bühnenboden weist natürlich große Riffe auf, wie überhaupt 
sämtliche maschinellen Einrichtungen des Bühnenhauses völlig 
zerstört sind. Die Aufrämnungsarüeiten, die am Montag früh 
sofort einsetzten, werden Wohl eine Reihe von Tagen in An-^ 
spruch nehmen. Zur Zeit schafft man sorgfältig Stück für^ 
Stück "der Prospekte ins Freie. Die Beseitigung des Riesen- 
knäuls der Eisenkonstruinioney steht als schwerste Arbeit noch! 
bevor. Ein sÄtsamer Anblick, diese rauchgeschwärzten, .hoch-' 
ragenden Mauern, die in den oberen Regionen irgendwo 
ohne Grund plötzlich aufhören, diese ganze ungeheure leere 
Raum, auf dessen sinnlos und unordentlich gehäuftes Eisen- 
gerümpel der kaltblaue Himmel des Vorfrühlings lächelnd 
herniederscheint. 
Bei alledem hatte man noch Glück im Unglück. Dekora ¬ 
tionen, Versatzstücke und Prospekte sind nur in geringer An 
zahl zerstört, da von der „Rienzi"-Aufführung her lediglich 
der Rundhorizont mit Stilbühne stand. Die unmittelbar zu 
beiden Seiten der Bühne angrenzenden Garderoben- und 
Büroräume haben kaum eine Beschädigung erlitten. Ueber- 
Haupt ist der unersetzliche Fundus des Theaters — Kostüme, 
Musikinstrumente, Bibliothek — so gut wie völlig unver 
sehrt geblieben, desgleichen die ganze DersenkungSmaschineric 
sowie der Maschinenraum; bloß einzelne in der Rüstkammer 
befindliche Ausstattungsstücke find von dem Feuer an 
gegriffen worden. Gerettet ist auch, was die vielen aus 
wärtigen Theaterfreunde besonders inieressisren wird, der 
herrliche Zuschauerraum, in den die nach oben treibenden 
Flammen gar nicht eingedrungen sind. Am Morgen nach dem 
. Brand fand man noch auf den Drchesterpulten die unbe 
schädigten Noten zum „Rienzi". 
* 
Erst um ^11 Uhr, als der „Rienzi" längst zu Ende geführt 
war und das Haus in völligem Dunkel lag, wurde der Aus 
bruch de^ Brandes bemerkt. Die durch verschiedene Feuer 
melder sofort alarmierte städtische Feuerwehr war trotz des 
Hindernisses der leider noch immer bestehenden Telephonsperre 
bereits um 10 Minuten vor 11 Uhr vollzählig zur Stelle. Zur 
Absperrung erschienen unaufgefordert zwei Kompanien der 
französischen Besatzungsiruppen, die sich im übrigen an den 
Loscharbeiten nicht weiter beteiligten. Schon um 1 Uhr gelang 
es der Wiesbadener Feuerwehr, den Feuerherd zu lokalisieren, 
ohne daß sie hierzu der Unterstützung der auf französischen An 
ruf herbeigeeLten Aiainzer Feuerwehr bedurft hätte. Sie setzte 
gleich nach Erscheinen die Berieselung des eisernen Vorhangs 
zum Zuschauerraum in Tätigkeit, griff das Bühnenhaus mit 
28 Leitungen an und beseitigte so durch ihr umsichtiges Vor 
gehen die Gefahr für die anstoßenden Bauteile. Die Witterung 
kam ihr zu Hilfe. Hatte statt des OstwindeS Westwind ge 
herrscht, so wäre ein Uebergreifen der Flammen auf das be 
nachbarte Foyer-Gebäude kaum zu verhindern gewesen. Durch 
die Wasserfluten, die das Feuer erstickten, sind naturgemäß 
auch die das Bühnenhaus umlagernden Räumlichkeiten, sowie 
die Dersenkungsvorrichtungen überschwemmt. worden. Dieser 
Schaden wird aber am schnellsten zu beheben sein. Auf den 
Rasenflächen vor dem Theater sonnen sich schon, harmlosen 
Untieren gleich, riesige DÄorationsstücke und auch die vielen 
flachen Seitendächer sind geradezu Lbersät mit dem bunten 
Flitterwerk durchnäßter Kostüme, die friedlich zum Trocknen 
ausgsbreitet liegen. * 
Der Grund für den Ausbruch der Brandkatastrophe ist 
noch ganz unaufgeklärt. Der Obermafchinenmeifter selber über 
wachte das Auslöschen der Fackeln am Schlüsse des „Rienzi", 
und ein Versehen von dieser Seite erscheint um so mehr als 
ausgeschlossen, als ein Bühnenkünstler, der geraume Zeit nach 
Beendigung der Vorstellung noch einmal die dunkle Bühne 
überschritt, nichts Verdächtiges beobachtete. Kurzschluß kommt, 
so wird von den Fachmännern versichert, ebenfalls nicht in 
Frage, da die gefamten elektrischen Leitungen im Theater nach 
Theaterschluß ordnungsgemäß stromlos gemacht worden sind. 
So tappt man vorerst völlig im Dunkän und darf auf die 
Ergebnisse der im Gang befindlichen Untersuchung sehr ge 
spannt sein. 
Der Schaden beziffert sich, wie wir bereits mitgeteilt 
haben, nach den ersten überschlägigen Schätzungen auf runs 
drei Milliarde nMark. Dem Vernehmen nach ist zum 
mindester ein Teil der gewaltigen Summe durch Versicherung 
gedeckt. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß über die Erhöhung 
dieser Versicherung gerade mit der Stadt, die Eigentümerin des 
Theaters ist, verhängt wurde. 
! Sie MsienschaftMßs.') 
Z u den g run d s ätzlichen Schrifte« War WeOsrs 
und Ernst LrseltschS. 
Von Dr Siegfried Krasmrer. 
Max Weber, nach Droeltschs trefflicher Charakteristik 
„einer der mächtigsten deutschen Menschen und der um 
fassendsten, zugleich methodisch strengsten Gelehrten des Zeit 
alters", hat Kompromisse von der Art, wie Troeltsch sie schließt, 
schroff «-gelehnt. Aus seinen wiffenschaststhsoretischen Auf 
sätzen, die unter Einschluß des den sogenannten „Mffenscheffts- 
streit" entfesselnden Münchner Vsrtragsrl „Wissenschaft als 
Beruf" jetzt endlich gesammelt vorliegen („Gesammelte 
Aufsätze zur Wissenschaftslehre", Tübingen, I. 
C. B. Mohr, 1922) wird feine neMtiv-roligiöse Haltung in 
ihrer ganzen Dämonie offenbar. So gut wie irgend einer hat 
Weber das Leiden der Jugend an der durch die Wissenschaft 
herbeigeführten „Entzauberung der Welt" erfahren, er weiß 
jedoch auch, daß die Sehnsucht der Jugend nach dem Absoluten 
von der Wissenschaft selber nicht gefüllt werden kann. Der 
Sprung zum Absoluten, so urteilt er, hierin tiefer, well radi- 
kÄer als Troeltsch, ist ein Sprung, der über den Abgrund 
hinweg in den Bereich des Maubens und damit endgültig aus 
dem Bereich der Wissenschaft hevaus führt, und unumwunden 
erklärt er — ein Kierkegaard mit umgekehrtem Vorzeichen —, 
daß „die Spannung zwischen der Wertsphäre der „Wissen 
schaft" und der des religiöstn Heils unüberbrückbar ist". Sind 
aber, von der Wissenschaft aus geschen, alle Wertentscheidungen, 
alle Zielsetzungen unseres Handelns notwendig relativ, so hat 
nach ihm die Wissenschaft, will sie ihrem Objektivitätsideal 
gerecht werden, sich unter Ausschaltung jeglicher 
Wertung rein auf den Nachweis der Bereitungen von 
Sachverhalten und Tatsachen, der inneren Strukturzusanmen- 
hänge von Kulturgütern usw. zu beschränken. Das ist für ihn 
Sache der „intellektuellen RechtschaffenHeit" und heißt ihn 
jede wissenschaftlich verbrämte „Kathederprophetie" ver 
werfen, die in den Hörsälen zu geben sich anmaßt, was „nur 
ein Prophet oder ein Heiland" zu künden vermag. 
Das Verfahren, nach dem Weber ein objMves und wert 
freies Verständnis des sinnhafien Geschehens zu erreichen strebt, 
kann hier nur grob Umrissen, seine Problematik nur gerade ge 
streift werden. Es steht für Weber von vornherein fest, daß 
die durchgängige kausale Verknüpstheit der unendlichen-Ereig- 
nisfolye innerhM der geistigen Welt — ein« Verknüpstheit 
übrigens, an deren SelbstverstäniEichkeit Trocktsch aus guten 
Gründen zweifelt — niemals ganz anfzuhellen ist, und daß 
man sich darum auf das verstehende Erfassen ausgewählter 
Bruchstücke des nnausschöpflichen Erfahrungszusammenhangs zu 
beschranken habe. In dieser Absicht vereinfacht und schemati 
siert Weber den jeweils ihm vorliegenden verworrenen Au- 
sammenhang (z. B. das „Christentum" oder den „Kapitalis 
mus") so lange, bis er aus ihm, durch einseitige Hervorhebung 
irgendwelcher Gesichtspunkte, das eine oder andere in sich 
widerspruchslose unwirkliche Gedankenbild, den sogenannten 
„Jdealthpus" (also z. B. den „Jdealtypus" des „Kapi 
talismus") gewinnt, der dann dank seiner Eindeutigkeit und 
völligen Faßlichkeit als Ausgangspunkt sür das Wirklichkeits 
verständnis M dienen vermag. Die idealtypischen Konstruk 
tionen, deren Zahl genau so unbegrenzt ist wie die der Werte, 
auf die sich die zu untersuchende Wirklichkeit beziehen läßt, 
nehmen zumeist eine „zweckvationole" Form an, das heißt, sie 
sagen aus, wie ein Handeln Mausen würde, wenn es, un 
beeinflußt von Affekten, rein rational einen gewissen Zweck 
(z. B. wirtschaftlichen Vorteil) verfolgte; aber auch dort, wo
        <pb n="20" />
        ) Vevgl. Hochschul-Blatt vom 8. März. 
BehM Troeltsch gegenüber Weber taAn recht, daß er die 
Konstruktion von Sinnzusammenhängen an Wertungen 
knüpft, die eben nur nicht, wie er meint, im Rahmen wissen 
schaftlicher Betrachtung aus dein Relativen ins Absolute 
hinübergespielt werden dürfen, so behauptet Weber entgegen 
Troeltsch mit Recht die Relativität aller Wertentscheidungen 
Vom Standpunkt der Wissenschaft aus und irrt erst, 
wenn er ihrer entraten zu können glaubt. Das Ergeb- 
das nicht der Fall ist, beruhe« sie immer auf einem solchen 
„Wenn", da sie ja zur Darstellung eines beliebigen ideal 
typischen Sachverhalts die Ersahrungsmannigfaltigkeit zuvor 
notwendig Wimmten Bsdingungen unterwerfen muffen. Wie 
vollzieht sich nun mit Hilfe dieser idealen Konstruktionen die 
Erklärung der Wirklichkeit selber? Man gelangt nach Weber 
zu ihrem objektiven Verständnis dadurch, daß man den je 
weiligen Erfahrungszusammenhang mit der von ihm ab 
strahierten idealtypischen Konstruktion vergleicht, feststellt, in 
wieweit er mit ihr übeveinstimmt oder von ihr abweicht und so, 
unter steter Benutzung der eindeutigen idealthpischm Begriffe, 
allmählich den betreffenden Zusammenhang mehr und mehr 
entwirrt, was freilich immer nur annäherungsweise möglich ist. 
Aus Webers Grundposition folgt unmittelbar, daß er einer 
vorwiegend soziologischen Verarbeitung des Stoffes zudrängen 
muß, die, wie Troeltsch bemerkt, „ohne jede geschichtsphilo- 
sophische Konstruktion und Sinndeutung des Prozesses" ist. 
Tiefer ethisch unterbaute Verzicht auf große Geschichts- 
fynthesen, der seiner Einsicht in ihre Wertbedrnglheit ent 
springt, hindert ihn natürlich nicht daran, gewisse historische 
Entwicklungen als Jdealtypen zu konstruieren (vgl. seine Aü- 
Dandlung über „Die protestantische Ethik und der Geist des 
'-Kapitalismus"), vor deren Beimengung mit der Wirklichkeit 
er aber niemals zu warnen unterläßt. Was schließlich den 
Sinn der Wissenschaft anbetrifst, so weist er ihr eine durchaus 
dienende Rolle zu. Sie hat die technische Beherrschung des 
Lebens zu ermöglichen, Klarheit darüber zu schaffen, wie bei 
Verfolgung irgend eines Zieles am besten zu verfahren sei, 
und vor allem jede persönliche Wertentscheidung bis auf die 
weltanschauliche Position zurückzusühren, der sie entquillt, um 
derart den Wertenden zu zwingen, sich Rechenschaft über sein 
eigenes Tun abzulegen. Man erkennt leicht, daß sich aus dieser 
Einordnung der Wissenschaft in das Ganze des Lebens zu- 
Hleich eine gewisse Abgrenzung der Stoffunendlichkeit ergibt. 
Wie bei Troeltsch, so ist auch bei Weber zu fragen, ob es 
ihm gelingt, des Relativismus Herr zu werden und den An 
spruch der Wissenschaft auf Objektivität zu erfüllen. Sicherlich 
darf ihm zugestanden werden, daß er sich, seiner Absicht ge 
mäß, des Ausgangs von persönlichen Wertbehauptungen ent 
hält, und die Auswahl des Erfahrungsstofses wie der Jdeal- 
typen lediglich in Beziehung auf Werte vornimmt. Und doch: 
verwendet" er die Jdealtypen, die selber schon infolge ihres 
großenteils empirischen Charakters sehr fragwürdige Gebilde 
sind, in der geschilderten Weise zur Erforschung der Erfahrungs 
zusammenhänge, so zeigt sich früher oder später, daß er die 
angesirebte Objektivität cke kacto nicht zu verwirklichen vermag.! 
Da nämlich der Inbegriff aller eine gegebene Realität aus-! 
machenden Verknüpfungen schlechterdings unausschöpflich ist, 
müßte Weber zu ihrer objektiven Erfassung an den das Ver 
ständnis der Realität erschließenden idealtypischen Fall eine 
konstruktive- Bestimmung nach der anderen in unendlichem 
Fortgang anreihen. Es leuchtet ein, daß die völlige Durch 
führung dieses BestimmungsprozesfeS sich prinzipiell verbietet, 
daß sein Abbruch an irgend einem Punkte unvermeidlich ist. 
Wo er aber zum Stehen kommt, wo also das gespenstische 
„Wenn" der idealtypischen Konstruktionen auf daZ „Ist" einer 
Wirklichkeitsaussage aufprallt, das hängt ganz davon ab, wie 
der untersuchte ErfahrungSzusammenhang aufgefaßt und be 
urteilt wird. Mit anderen Worten: trotz aller Sicherungen 
schleichen sich, die immer von neuem hinausgeschobenen Wer 
tungen am Ende doch wieder ein, ein dauerndes Vorbeigleiten 
an ihnen, und damit an subjektiv bedingten Standpunkten, 
' ist unmöglich. So gleicht denn Webers Methode einer abschluß 
losen Hetzjagd im Schattenreich der Empirie, bei der er sowohl 
Verfolgter wie Verfolger ist; hinterrücks Überfällen ihn die 
Wertungen, die er ins Angesicht hinein verleugnet, während 
das Objektive, dessen er habhaft zu werden trachtet, vor ihm 
ins Unendliche flieht — und fliehen muß, da er in ihm ja, 
ergriffe er es je, das Absolute selber, wenn auch im Spiegel 
bild nur, gleichsam als Leerform, gewönne. Ein doppelt 
tragisches Schauspiel, diese mit einen: Furor ohnegleichen 
unternommenen Streifzüge: nicht nur, daß sie, auf vergeblicher 
Flucht und vergeblicher Suche, ins Uferlose entführen — in 
dem sie der Sinngebung des Geschehens entsagen, wird auch 
zuletzt ihr eigener Sinn problematisch. Weber stellt zwar 
ausdrücklich die Wissenschaften in den Dienst des Sich-Ent- 
scheidenden, der mit ihrer Hilfe die Erkenntnis des Ursprungs 
und der Folgen seines Tuns erlangen soll, die Frage ist aber, 
ob nicht gerade durch solches schrankenlose Erkennenwollen, das 
schließlich auch die Stoffabgrenzung zu einer Sache der Will 
kür macht, die Möglichkeit des Sich-Entscheidens unterbunden 
wird. Dies wäre lediglich die geheime Rache der Wertungen 
für ihre heroische Preisgabe um des Phantoms einer Objektivi 
tät willen, die ja doch nicht erjagt werden kann. 
nis ist, daß die Wissenschaften, insofern sie auf das Ver 
ständnis der geistigen Erfahrungswelt abzielen, dem Rela 
tivismus notwendig verfallen sind. Die unüberwindlichen 
Schwierigkeiten, denen im übrigen ihr Vorhaben begeg ¬ 
net', erftären sich, um auch das noch anzudeuten, aus 
der Unangemeffenheit der spezifisch wissenschaftlichen Kate 
gorien an den Stoff des geistigen Seins und Geschehens. 
Solange indessen die mit diesem Stoffe sich befassenden Wissen 
schaften sich M reine Wissenschaften konstituieren, können 
sie gar nicht anders sein, ÄS sie nun einmal sind, und 
es wäre ein durchaus verfehltes Bemühen, sie von inner her 
begrenzen zu wollen. Nicht von der Wissenschaft selber oder 
mit Hilfe philosophischer Spekulation vermag die durch das 
erwachte Gewissen der Jugend herausbefchworene „Wifsen- 
fchastskrisis" gelöst zu werden, sie erfordert vielmehr zu ihrer 
Ueberwindung den wiMchen Austritt aus der ganzen geistigen 
Situation, in der Wissenschaften wie die hier gemeinten in 
solchem Ausmaß überhaupt möglich sind. Tilgung des rela 
tivistischen Denkens, Sperrung des Blicks gegen die uferlosen 
Unendlichkeiten: das alles ist gebunden an einen in Wirk 
lichkeit vollzogenen Wandel des ganzenf 
Wesens — und vielleicht nicht einmal an ihn allein. Wie 
dann,,nach dem durch solchen Wandel etwa bewirkten Eingehen 
in das Absolute, das geistig« Geschehen sich darstellt und welche 
Begrenzung die feiner Erkenntnis gewidmeten „Wissenschaf 
ten" erfahren: das auszumachen, führt schon über Absicht und 
Möglichkeit dieser Betrachtung hinaus. j 
Ausstellung der Lunstgewerbe-Fachschule. 
--Die Kunstgewerbe-Fachschule an der Moltke. 
Allee ist in den letzten Jahren unter Direktor Walter stark 
ausgebaut worden. Wie die diesjährige Ausstellung der 
Schülerarbeiten beweist, freut sich besonders das 
graphische Gewerbe sorgsamer Pflege. In der Schule sind 
alle zur Herstellung des Buckes erforderlichen Werkstätten einge 
richtet : so die Stempelschneiderei, die Schriftgießerei, die Setzerei, 
die Buchbinderei, sodaß dieSchüler eine gründliche praktische Durch, 
bildung erhalten. Auf dieser gediegenen Grundlage bauen sich 
dann die höheren, mehr kunstgewerblichen Leistungen auf; also 
! etwa das Schriftfchreiben, der Plakatentwurf, die Flächenkunst 
mit ihren mancherlei Techniken usw. Schon in den LehrlingSkursen 
wird auf eine möglichst umfassende Ausbildung Gewicht gelegt; 
ihnen schließen sich dann die freiwilligen Abendkurse an, in denen 
Gelegenheit zur Weiterbildung in einer ganzen Reihe von Fächern 
gegeben wird, sowie als Oberbau die Tageskurse für die Fortge 
schrittenen. Einzelne Klassen — wir nennen nur die von A. 
Windisch geleitete — Weisen ganz vorzüqliche Leistungen auf. 
Von Ostern ab will man unter der Bezeichnung: Drucke der 
Frankfurter Gutenbergpresse ausgewählte Drucks 
herausbringen. Das erste Buch, eine von Pros. Ziehen mit 
Vorwort und Anmerkungen versehene Abhandlung Schopen 
Hauers, liegt bereits vor und soll binnen kurzem in einer Auflage 
von 2ö0 Exemplaren erscheinen. ES ist in einem von der 
Bauerschen Schriftgießerei gestifteten Ehmke-Schriftsatz auf 
handgeschöpftes Büttenpapier gedruckt. — Zu erwähnen ist noch 
die Abteilung für Schreinerei mit ihrer großzügig angelegten 
Lehrwerkstatt, in der unter der Leitung eines Schreinermeisters 
die einzelnen Möbelstücke von den Schülern selber nach eigenem 
Entwürfe angefertigt werden. Daß sich alle Abteilungen auf der 
selben Höhe hielten, wäre zu viel behauptet; so erscheint eher, um 
ein Beispiel Herauszugreifen, das Projektiynszeichnen als recht 
reformbedürftig. Es hängt hier eben viel von der Richtung des Lehrers 
ab, und ein gleichmäßiges Niveau wird sich Wohl erst nach und 
nach erreichen lassen. Insgesamt verfügt die Schule jetzt über 
fünfzehn Lehrwerkstätten, die sich zum großen Teil durch den Ver 
kauf der aus ihnen hervorgegangenen Arbeiten selbst erhalten. 
Eine wesentliche Erleichterung für die Schule bedeutet es, daß 
viele Materialien von Fabriken und Firmen kostenlos zur Ver 
fügung gestellt werden. Solchem Entgegenkommen verdankt z. B. 
die Zahnklinik, in der jedermann zum Selbstkostenpreis be 
handelt werden kann, ihre ausgezeichnete Einrichtung. Hervor 
gehoben zu werden verdient übrigens auch die Beweglichkeit, 
mit der man lich den verschiedensten Bedürfnissen anzupassen 
strebt. Neuerdings sind z. B. Kurse für Schüler vom 10. bis zum 
14. Jahre eröffnet worden, in denen die Möglichkeit, zum Frei 
handzeichnen, Zirkelzeichnen und Modellieren gegeben ist. Manche 
noch schlummernde Begabung wag hier rechtzeitig geweckt werdeW 
und sich selber entdecken.
        <pb n="21" />
        Die Ausstellung selber illustriert die Darlegungen 
Dr. Paquets aufs beste. Der Obergeschoß-Saal des Antiquariats 
birgt in seinen Vitrinen kostbare Frühdrucke von Sigismund 
Feyerabend, de Bry, Egenolff, Wechel, 
Merian usw.; auch das von Hauck gedruckte älteste Karten 
spiel liegt auf. Als Kuriosität mag man ein theologisches Werk 
aus der Bibliothek von I. W. Textor, des Großvaters 
Goethes, bewundern. Lokalhistorisches Interesse bietet die 
kleine Schau von Frankfurter Almanachen aus dem 
19. Jahrhundert, in denen sich u. a. auch der wohlbekannte Schul 
meister Gräff ? bunt koloriert präsentiert. Krönnungs- 
diarien reihen sich an, sowie wertvolle Frankfurter Erst 
ausgaben wichtiger Werke von Grabde, Rückert, 
Hölderlin, Moser usw. Die noch durch Altfrankfurter 
Stiche bereicherte Ausstellung gewährt eins gute Uebersicht über 
die mannigfachen aus Frankfurt stammenden Buch- und Druck 
Erzeugnisse. — Im Erdgeschoß wird man zur Gegenwart zurück 
geführt. Die hier ausgebreitenden Schätze der heute in Frankfurt 
blühenden Verlage erwecken ihrer Vielseitigkeit und ihrer ge 
diegenen Ausstattung wegen die begründete Hoffnung, daß Frank 
furt bald wieder zu einem Mittelpunkt des deutschen Buchhandels 
werden wird. Eine besondere Vitrine ist übrigens den schönen 
Büchern Schwerdtfegers eingeräumt. Die Ausstellung, die 
sicherlich viele Besucher anZieht, bleibt bis Ostern gegen freien 
Eintritt geöffnet. 
Tiedemänn L Uzielli und des Zinglerschen Kabi 
netts. Zum Schlüsse hob er noch die Bedeutung dreier Verlage 
hervor, deren Ruf über Deutschland histausgedrungen ist: des 
pädagogischen Verlags Moritz Diestexweg, der seit achtzig 
Jahren die Herausgabe einer Mehrzahl finstrer deutschen Schul 
bücher besorgt; des jüdischen Verlags I. Kauffmann, der 
Dank der GeLehriamLeit feiner Inhaber ari dem Gebiete der 
hebräischen Literatur und der Judaica aller Art eins führende 
Stellung einnimmt, und des weithin bekannten Antiquariats 
v. BaerLCo., das auch durch seine stattlichen Verlagswerke sich 
eines wohlbegründeten Ansehens erfreut. 
Gesellschaft der Arelmds der ArsMurker 
SkadibiblioLhek. 
— Gestern abend fand in der GeWechterstube des Rathauses 
- die Gründungsverfammlung der sellschaftder Freunde 
der Frankfurter S tadtbiblioth ek" statt. Geh.-Rat 
Ebrard dankte den Anwesenden für ihr Erscheinen und verband 
hiermit den Dank an den Magistrat, an Herrn Bankier Emden, den 
er als den eigentlichen Vater des Gedankens dieser Gesellschaft be 
zeichnete, sowie an die „FmnMMer Zeitung", die in ihrem „Stadt 
Blatt" der Notlage der SLMbrbliothek besondere - Aufmerksamkeit 
gewidmet Habs.. Für die aus ÄR Aufruf hin bereits im Betrag von 
655 000 Mk. eingegangenen Spenden sei man zum großen Teil 
einer Reihe von hiesigen Verlagsbuchhandlungen verpflichtet. Im 
Verlauf seiner folgenden Ausführungen legte Gch.-Rat Ebrard an 
Hand statistischen Materials die Schwierigkeiten dar, denen infolge 
der Geldentwertung die Stadtbibliothek bei der Literaturrbeschaffung 
und der Aufrechterhaltung des Bibliothekbetriebs begegnen. -- Nach 
Konstituierung der Gesellschaft trat die Versammlung in die Be 
ratung der Satzungen ein, deren endgültige Fassung von dem 
Verwaltungsausschuß ssstgelegt werden soll. Als jährlichen Min « 
destbeitrag setzte die Versammlung die Summe von 1000 Mk. 
fest; für die ewige Mitgliedschaft soll das sünfhundertfache dieser 
Summe entrichtet werden. Gewählt wurden zum Ehrenvorsitzenden 
Oberbürgermeister Dr. Voigt, Zum 1. Vorsitzenden Konsul Dr. 
Kotzenberg, zum 2. Vorsitzenden Geh.-Rat Ebrard, zum 
Schriftführer Dr. Lieb wann, zum Kassenführer Bankiev H. 
Emde n. Am Schlüsse der Sitzung meldeten sich bereits drei ewige 
Mitglieder an. 
Gesellschaft der Freunde der Skadkbibliokhek. 
.^ 3^. unserem gestrigen Bericht üker dir Gründungsvermmm- 
Gesellschaft der Freund; der Stsdtbibliolhek (veröl.. 
WM-Matt vom 27. März) mochten wir noch nachtragen, dak 
^'.E.das .M^rndek-munen der GMschost Dr. K. M e i iz i n g e r 
weienMMe Verdienste ermord«» hat. Er P der Verfasser des «Mn 
LE'Wi M mit der Lage der Stadtbibliothek beMMgenden 
AE E,Dtadt-Blatt", die jetzt von der „Frankfurter A-ituna" 
Ä'hR^nderdrück der Gesellschaft zu Propegandazwecken zur 
VechrWns gestellt worden sind. In dem betreffenden AE (verzl. 
StM-BlM vom 20. Januar L- I.) regte Dr. Meißinger nicht 
nur .-M Schaffung einer Organisation zur Erhaltung dä Stadt 
bwkoihck an, sondem. trat auch für die Heranziehung des Frank 
furter Buchhandels ein, und machte schließlich den jetzt angenom ¬ 
menen Vorschlag, daß die Namen der großen Stifter auf den s 
marmornen Ehrentafeln im Vestibül der Stadtbibliothek verewigt 
werden sollen. 
«-V Die Firma BaerLEo. hatte am Sonntag vormittag Zur 
Eröffnung einer in ihren schönen Räumen auf der Hochstraße stalt- 
sindenden Sonder-Ausstel lung geladen, die Frank 
furts Bedeutung als Bücher stadt in Vergangenheit und 
Gegenwart veranschaulichen soll. In einem sehr lehrreiche^ Vor- 
trag schilderte Dr. Alphous Paquet die Entwicklung, die Frank 
furt auf dem Gebiet des Buchwesens genommen hat. Schon 
lange vor Erfindung der Buchdruckerkunst wurde in seinen Mauern 
dks Buch als Handelsgegenstand vertrieben. Der eigentliche Auf 
schwung setzte aber erst ein, als sich die umstürzende neue Erfindung 
seit 1462 mit ungeheurer Schnelligkeit, vor allem im Nhemtal, 
verbreitete. Peter Schöffe r brächte seine Kunst aus dem un 
glücklichen Mainz nach Frankfurt mit und erwarb hier 1479 das 
Bürgerrecht, um sich den Zugriffen auf sein Vermögen zu entziehen. 
Mit unter seinem Einfluß tauchten die Bücher bald regelmäßig 
auf den Messen auf, wo sie in der Gegend der Leonhardskirche 
und in der Buchgasse, die noch ihren Namen von ihnen trägt, ver 
handelt wurden. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte siedelte 
sich eine ganze Reihe von Buchdruckern und Verlegern in Frank 
furt an, unter ihnen Egenolff, der zuerst den systematischen 
Nachdruck betrieb, und der zwar tüchtige, aber auch skrupellose 
Feyerabend. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts 
bereits stand Frankfurt an der Spitze der Bücherstädte, obgleich es 
nicht einmal eine Universität besaß, und teilte sein Ansehen nur 
noch mit Köln und Wien. Diese günstige Entwicklung zu einem 
Zentrum des innereuropäischen Buchhandels dankte die dicht 
bevölkerte, wohlbewahrte Stadt neben ihrer guten VerkehrZlage 
such dem juristischen Vorzug des kaiserlichen Privilegs, außerdem 
war sie Freistatt zahlreicher Emigranten und alles in allem einer 
der wichtigsten Treffpunkte im alten Reich. 
An Büchern nahmen in jenen Zeiten höchster geistiger Spannung - 
vor allem Werke derTheologie und Rechtswissenschaft 
von Frankfurt ihren Ausgang. Bekannt sind etwa Zehn Frank 
furter Bibelausgaben, daneben eine Menge von Postillen, Predigt- 
und Gesangbüchern. Die Verlagstätigkeit auf juristischem Gebiet 
genoß internattoualen Ruf, viel begehrt wurden Zumal die Neu 
drucke der italienischen und spanischen Conziliensammlungen. 
Desgleichen erschienen medizinische Werke: GesundheiLsbücher, 
DestMerbücher, Kräuterbücher usw. in stattlicher Zahl, und nicht 
zuletzt wird auch sür das Unterhaltungsbedürfnis durch die Heraus 
gabe von Ritterromanen, Heldensagen, Fabeln, Schnurren und 
Teufelsbüchern gesorgt. Von den vielen ebenfalls in Frankfurt 
aus den Markt gebrachten Kartenspielen, Zeitungsblättern usw. 
ist Leider nur noch wenig erhalten. 
Die politischen Wirren im 17. Jahrhundert wirkten zuf.M auch 
auf Frankfurt hemmend, außerdem vertrieben die durch dM Mser- 
Üchen Censor erfahrenen Belästigungen viele Verleger vKr Orw 
Pus jener Zeit ragt der in Frankfurt ansässige BasleMWMas 
Merlan hervor, der sich durch die Veranstaltung seiner^ 
Nren deutschen und ausländischen Topographien ein einZigmttiges 
bat. Seinem großzügigen Unternehmen laßt 
DA Wir Dr. Paquet hervorhob, an Umfang heute höchstens die 
„Frankfurter Zeitung" mit ihrem Stab von auswärtigen Korre- 
spondentett zur Seite setzen. Ihm folgten Zeiten des Niedergangs. 
Der Büchermarkt verzog sich allmählich mehr und mehr nach Leip 
zig, und um die Wende des 19. Jahrhunderts war Frankfurt Ledig 
lich noch eine Zweigstelle des süddeutschen Buchhandels. Ganz rrß 
freilich die Tradition nie ab. * Weiter gepflegt wurde sie vor allem 
durch den 1774 gegründeten Kunstverlag Prestel, der heute im 
alten Berhmannschen Palais seinen Sitz hat und die Herausgabe 
von Kupferstichen, Frankofurtensten und herrlicher Reproduktions 
werke betreibt. 
Erst in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kün 
digte stch em. Wiederaufstieg an. Es erstanden die großen 
weltbekannten Schriftgießereien und Kunstdrnckereien, und Anti 
quariate sowie rührige Verlage wuchsen empor, die Frankfurt von 
neuem zu einer Bücherstadt von wachsender Bedeutung machen. Kurz 
charakterisierend verweiltederRsdnerbei einzelnenUnternehmungen. 
Er gedachte der Druckereien von Englert L Schlosser, 
Na um ann, Osterri e th und Br ön n er, wies auf Buch- ' 
künstler wieSchwerdtfeger und Cissarz hin, und nannte 
auch etliche Frankfurter Buchbinder, die Meister ihrer Kunst 
sind Bei der Kennzeichnung der Verlage begann er mit dem 
1816 gegründeten Sauerländer's Verlag, der in der 
Literaturströmung des „Jungen Deutschland" stand, das 
„Rheinische Museum für Philologie" verlegte, an politischen 
Schriften die Erinnerungen des Fürsten Lichnows? i heraüs- 
gab und heute sich hauptsächlich der Handelswiffenschaft und 
Volkswirtschaft widmet. ' Der vornehmlich die Schöne Literatur 
pflegende Verlag RüttenLLoening druckte früher Gutzkow, 
Nolefchott u. s. w., unterhielt Beziehungen Zu den Demokraten der 
Paulskirche, verbreitete die Schriften des Dänen Georg Brandes, 
und hat sich gegenwärtig, vor allem durch bei ihm verlegten Werke 
von Lafcadis Heern, Romain Rolland, Buber, sowie durch seine 
exotischen Reisebücher und seine Kinderbücher (den „Struwelpeter", 
die „LiE Maja" u. s. w.) einen Namen gemacht. Die Frank 
furter Verlagsanstalt ist mit dem Strichl-Jahrbuch, 
einer schönen Brentanoausgabe, Diebolds „Anarchie im Drama" 
und neben guten Werken der Kunst und Literatur rühmlich her 
vorgetreten. Der rührige Verlag Englert L Schlosser 
glänzt mit den vortrefflich ausgestatteten Bänden der 
„Frankfurter Lebensbilder", in dereri Folge demnächst eine 
Biographie von Adickes und die Briefe der Lili Schöne 
mann erscheinen sollen, und der in den letzten Jährest 
stark ausgebaute Buch Verlag d-er Frankfurter 
Sozietätsdruckerei zeichnet sich durch seine Monographien 
aus dem Wirtschaftsleben, seine zeitkritischen und staats- 
männischen Bücher und seine Reiseschilderungen aus. Weiterhin 
erwähnte Dr. Paquet die Leistungen des Pathonos-Verlages und 
der Verlage von Keftler, Willi Ehrig, W. Gerstun^ 
Frankfurt als BücherfiadL. In den gestrigen Bericht über den 
Paquets (vgl. Stadt-Blatt vom 27. März), haben 
---A* sich versüß sinnstörende Druckfehler eingeschlichen. So ist die 
X) V e r la g san sta lt nicht mit dem „Strichl- 
Jahrbuch", sondern mit dem Staedel-Jahrbuch bervorge- 
tr^en, auch handelt es sich nicht um den „Pathonos-Verlag", 
- andern ümldcm P a t h m o s - V e rlaa des Bühn e n v ö l ks- 
Vu-A uns bekannte Kinderbuch von Bonsels den.Titelh 
Mam" Uägt, wird sich der Leser wohl schon selber Zurecht^
        <pb n="22" />
        eine 
elix Neinerj V, 191 8.) bat iin Xeudruok kei 
eebensebakt ab. 
Von Lrok.- ^ffred Brunswig ist als 54. Land der 
Lbilosopbiseben Leibe" des Verlags Lösl Oo. in 
üneben ein kür breitere Leserkreise bestimmtes ^Verk 
Zur Frühjahrsmesse vom 15. bis 21. April soll die sich an 
das Haus Offenbach anschließende neue Halle Schuh und 
Leder eröffnet werden. Die nach den Plänen des Architekten 
Franz Roeckle errichtete Halle umfaßt zwei Geschosse und weist 
odenfläche von rund 6500 Quadratmetern auf. Besonders 
schwierig gestaltete sich die Belichtung des. Erdgeschosses, dessen 
Breite 32 Meter beträgt. Der Architekt bewältigte diese Schwie 
rigkeit sehr glücklich dadurch, daß er in. der Decke des Erdgeschosses 
vier große Oeffnungen anordnete, die das Zur Erhellung 
der mittleren Teile des Erdgeschosses erforderliche Licht von den 
Fenstern des schmaleren Obergeschosses aus zuführen. An der 
Verbindungsstelle zwischen dem Haus Offenbach und der neuen 
Halle befindet sich die behäbige dreiarnüge Haupttreppe, der. noch 
zwei an den Seitenwänden der Halle gelegene Nebentreppen zu 
gesellt sind. Die vier Reihen der die Deckenkonstruktion und die 
Dachlast tragenden Stützen teilen das Innere der mächtigen Halle 
in fünf Längsschiffe auf. Mit Ausnahme des Daches und der 
Holzstützen des Obergeschosses sind sämtliche Konstruktionen aus 
Eisenbeton hergestellt. Diese Holzstützen sollen später mit Rabitz 
umkleidet und durch Stichbögen miteinander verbunden werden, 
auch ist zur Verhüllung der vorläufig sichtbaren Dachkonstruktion 
die Einschaltung einer über dem Mittelschiff gewölbten Zwischen 
decke vorgesehen. Die konstruktive Durchbildung und Proportio- 
nierung des gewaltigen Raumganzen ist vortrefflich gelungen. 
Eine starke Wirkung wird zumal durch die Lichtöffnungen hervor 
gerufen, die Erd« und Obergeschoß zur architektonischen Einheit 
Kranksurier Angelegenheiten 
Neues von der Frankfurter Messe. 
verschmelzen. 
Was die in der Sparbauweise von Eurich ausgeführten 
Fassaden betrifft, so ist die Nordfassade'noch Fragment. Ein 
richtiges Bild erhält man hier erst, wenn die geplanten baulichen 
Erweiterungen hinzutreten, die das Haus Offenbach mit dem 
Werkbundhaus verbinden sollen. Das Werden von Messebauten 
kann eben nur nach und nach erfolgen, und es hat sogar seinen 
eigenen Reiz, dieses allmähliche Wachstum zu beobachten 
und von Zeit zu Zeit festzustellen, wie scheinbar zusammenhangs- 
lvse Bruchstücke sich über kurz oder lang als Teile eines größeren 
Gänzen erweisen. Die Südfassade überzeugt ebenso wie das 
Innere durch ihre guten Proportionen und ihre ruhige Geschlossen- 
heit^^ das Projekt so schnell in die Wirklichkeit umgesetzt 
konnte,, ist das Verdienst des mit der Bauleitung betrauten 
^KäurM Grörich. Die Einrichtung der Kojen hat auf Voran- 
tässunH der Aussteller Prost Hugo Eberhard t übernommen. 
Nach und nach erst verfliegt der Schein, daß bloßer Wissens 
drang so ohne weiteres schon dem Ziele nahebringe, daß das 
Absolute etwas sei, von dem es heißen dürfe: „Das ist schwarz" 
oder „Das ist weiß". Denn was geschieht? Was muß einma 
im Lause des als reine Erkenntnishandlung begonnenen Ge 
sprächs geschehen? Die beiden geraten in einen Wider 
sprach: Ein Widerspruch, der vorerst unauflösbar scheint 
bedroht an dieser Stelle den Fortgang ihres Gesprächs. Sie 
haben sich vielleicht über den Begriff des Schönen Zu einigen ge 
sucht oder sich gar in die Erörterung eines religiösen Problems 
verstrickt und bemerken mit einem Male, vermutlich sehr zu ihrer 
eigenen Ueberraschung, daß die letzten Gewißheiten, bis zu 
denen vorzustoßen sie überhaupt fähig sind, sich fremd und 
offenbar unversöhnlich gegenüberstehen. Und, was das 
Schlimmste ist: weder die eine noch die andere Ueberzeugung 
kann „bewiesen" werden, es fehlt vielmehr an einer überge- 
prdmten Instanz, die objektiv angäbe, wie nun das Absolute 
an sich beschaffen sei. Weser Widerspruch bedeutet natürlich 
keineswegs, daß das Absolute sich nicht doch als Eines er 
weise,, er besagt nur, oder braucht doch nur zu besagen, daß es 
über Ross i ersebieneQ (306 Loiten). Der Land emp- 
kiebit siob dureb seine kaAiejie Darstellung rur ersten 
Linkükrun^ in das He^elsebe Lastern. 
Das bei Lelix Meiner in Leip^i^ ersekienene 
„L^steniatiseLe ^Vörterbueb der Llrllo. 
sopbie" von Olauder^ und Dudislav (V, 
565 8.) versiebtet auk Literatur-angaben, die das Lis- 
lersebe Landnörterbueb ausLeiebnem und bringt statt 
dessen in rnö.^liebst sMeinatiseber Dorrn Deftnitionen 
und Lrlüuterun^en der einzelnen Le^rikke. Natbernatik, 
LoMk, Xaturwissensebakten, Lioio^ie und Ls^ebolo^ie 
baden besondere Lerüeksiebtigun^ erkabren. Lei den 
Dekinitionen linden sieb bänki^ Zitate von Xant, Lol- 
rano und IVundt, wäbrend die Aussagen anderer Den 
ker Lurneist nur ibrern 8inn naeb knapp wieder- 
xe^eben werden. 
LeipMZ, n elix Neinerj V, 191 8.) bat iin Xeudruok kei 
nerlei Veränderung erklirren. 8ie stannnt aus dem 
luftre 1900, 8teilt noob unter dem Linliuiz Luekens und 
M^t, von rvelvfter 8eite der 8oiieler Lur kiränomeno- 
lo^ie gekommen ist. Das andere, erst nseir der Le^s^- 
nun^ mit Husserl und der?ffünomeno1o^ie (1913) ent 
standene Luoii ,^ur j?nänom6noIoFi6 und Direorie der 
Z^mpattne^eküiile" Kai eine durchreitende IIm^68ta1- 
tun§? erkaftren. Ü8 ist jet^t (im Verh b'riedrieff Ooffen, 
Lonn) unter dem 1'itel: „V^6 8en und Normen 
der 8m patiiie" als erster Land eines ^Verks 
über die 8immeZet?e des emotionalen Lebens ersebie- 
ven, in dessen lobenden Länden Zebeler eins Hieorie 
des Zebam^ekübls, der Hnxsk und Lurobt, sorvie des 
Mr^eNbls xu dringen gedenkt. Lureb saeiilioiie Lr- 
^Ln^unWn, polemisebe AuseinandersetsunAen und dis 
WnküMn^ neuer Kapitel, die 2um Peil der ^ukrollun^ 
krülier noeli undeaelitet gebliebener LroblsmLusammen- 
bän^s dienen, ist das Lueb aul mebr als das Doppelte 
seines ursprün ^lieben LmkanM erweitert worden. 
Deder seine beuti^e 8tellunss ?u den beiden nsuauk- 
Mie^ten LüebeM le^t 8ebeler in den Vorworten 
In der „LunMlunZ Löset" sind OeorF V. Ilert- 
ÜNA8 „Vorlesungen über N e t a p b zs s i k" 
eisebienen, berausZsgebe von dein Mnebner Lni- 
versitätsprokesso Uattbbrs Neier, dein der Ver- 
kasser noeb Lu seinen Lebzeiten das Vlanuskript über- 
ImA (XX, 137 8.). Üm blonderes Depräge erbalten 
die VortesünKen dureb die Xarnpkstellun^ Lertlm^s 
M^en den Rateiial-iM seiner Lpoebe. Das &amp;gt;Verk, 
in liessen Wttelpunkt die Begründn NF der tbeistiseben 
^Veltansebauunb stebt, kuN auk dem aristotebseben 
Donjen, ent^ieLelt aber die von dortber und aueb von 
LotLe so^vie Irendelenbur^ ernpkangenen AnrossunZon 
in selbständiger IVeise Lu einem SMternaiiseb K6' 
8eblo886N6N Lebr^ebäude. 
^vei ältere ^obriften von Nax 8 ebeIe r sind 
Mist in weiter AuklaM ersebienen. Die eine, seine 
Habilitationsarbeit, „Die tran 8 Lendentade und 
die ps ve b o l o g i s o be Netbode" (2. ^uLa^e, 
Das Zeugende Gespräch 
Von Dr. Siegfried Kraeauer. 
Für alle nicht im Glauben lebenden Menschen, die von der 
unersättlichen Begierde nach absoluter Gewißheit ergriffen 
sind, ist das auf die letzten Dinge ausgerichtete Gespräch -ein 
Vorgang, der jedenfalls immer eine wichtige Etappe ihres 
Weges bezeichnet. Nicht wie die Unterredung zwischen dog 
matisch gebundenen Menschen dient es der wechselseitigen Ver 
sicherung und Entfaltung feststehender Glaubenssätze, nicht wie 
die Unterweisung wird es geführt und getragen von der einen 
Person des Lehrers, der sein Wissen direkt oder indirekt dem 
Schüler weitergibt — es ist vielmehr das zur Suche und 
Hebung der „Wahrheit" gemeinsam unternommene Werk von 
Menschen, die aus dem Stande des Nichtwissens heraus ver 
langen. Soll es jene Innerlichkeit und Ausschließlichkeit an 
nehmen, die durch die Aufgabe selber geboten ist, so wird es 
sich wohl , oder übel als Dialog vollziehen müssen, als Zwie 
sprache, die von dem Einzelnen an den Einzelnen ergeht. 
Denn wo mehr als zwei Menschen beisammen find, über 
wuchert alsbald — von bestimmten Ausnahmefällen abgesehen 
-— die Peripherie, und Spannkräfte entwickeln sich, die das 
elastische Vordringen zum unbekannten Ziele verhindern. 
Gesetzt also, zwei Menschen, beide einander ungefähr das 
Gleichgewicht haltend, beide in gleicher Weise gebend und 
nehmend, wie es sich für ein richtiges Gespräch gehört — ge 
setzt, zwei so geartete Menschen Ziehen zusammen aus, um 
die Wahrheit Zu finden.. Aus allen Bezirken, die sie gemein 
sam durchschweifen, steigen Fragen auf, von denen aus sie sich 
zu den allein wesentlichen Grundfragen Vorarbeiten können. 
Jeder Punkt ist als Ansatzpunkt geeignet, von überall her füh 
ren radial Zulaufende Straßen dem verborgenen Zentrum zu. 
Zunächst mag es den Beiden so scheinen, als sei das ge 
suchte „Absolute" etwas Objektives, das sich wie irgend ein 
mathematischer Ausdruck errechnen und beweisen läßt, etwas 
ein für allemal Gültiges, das von jedermann auf dieselbe 
Weise erkannt werden muß, gleichviel, wie immer man sich zu 
ihm verhält. Träfe diese Annahme zu, wäre also das Absolute 
lediglich ein Gegenstand des Wissens, so hätte das Gespräch 
als Gespräch, genau genommen, keinerlei Bedeutung. Allen 
falls verdankte man ihm eine gewisse Erleichterung, eine Ab 
kürzung des Wegs, aber man verdankte ihm sicherlich nichts 
Wesentliches, nichts, was vielleicht nur durch seine Hilfe zu 
erreichen wäre. So lehrreich die Unterredung auch sein könnte, 
an ihrem Ende stünde notwendig ein fixiertes „Was," an 
Hand der Tatsachen ließe sich schließlich eindeutig ausmachen, 
wer recht, wer unrecht hätte, und die Beiden trennten sich 
sich transparent, sie benötigten einander nicht im mindesten, 
um das Absolute zu gewinnen, da dieses als objektive Ge 
gebenheit ja unbeweglich wie ein Fixstern üM ihren Häuptern 
verharrt^, ohne sich irgendwie um ihre Existenz zu kümmern.
        <pb n="23" />
        Prozeß verwickelt wie ich, wir 
und kommen dadurch gemeinsam 
ringen leibhaftig miteinander 
vom Fleck. 
Der Höhepunkt dieses 
erreicht, wenn die Gestalten, 
waren, mit ihrem Sein nun 
Bund zweier in polarem Gegensatz befindlichen Gefüllten ver 
danken, bezeugt nur nochmals nachdrücklich ihr Jn-BezichunH- 
Stehen zu dem Wesen, zu dem gemehrten Wesen ür mit 
einander Verbündeten. 
durchwandert man nun die Welt der Menschen und Dinge, l 
verweilt beruhigt hier und dort, und alle Urteile entspringen 
jenem dritten, erweiterten Sein, auf das die Beiden den glei 
chen Rechtsanspruch haben- Ein stetes An-und Abschwel 
len ist so das Gespräch: ein Anschwellen, das kein Ende hat, 
weil das definitive Verhältnis zum Absoluten sich im Dialog 
ja überhaupt nicht erzielen läßt, und ein Abschwellen, das 
ebenfalls, kein Ende hat, weil die Beiden als Gestalten sich 
immer wieder unter die Gestaltungen der Welt mischen müssen, 
und das Verharren im Gestalteten ihnen immer wieder zum 
auälenden Stachel für ihr Emporsteigen Wer jedwede vorläufige 
Begrenztheit wird. 
Und nun das Letzte noch, das dieses Gespräch vor allen 
anderen Gesprächen auszeichnet, ihm eine wundersame Färbung 
verleihend, die selbst das flüchtigste Wort zart grundiert. Trotz 
des gemeinsamen Wandels im Existentiellen kommt es doch 
nicht, zur völligen Verschmelzung der beiden Wesen, etwas Un 
gelöstes, Unvereinbares bleibt zwischen ihnen aufgerichtet: 
Kennzeichen der Bedingtheit, in der Beide vor dem Absoluten 
' rhen. Drohend starrt dieses Trennende noch in ihre Ver 
bundenheit hinein und schwände wohl erst am Ende, wenn der 
Eingang in das Absolute wirklich vollzogen wäre. Lieb« 
allein vermag zu Überdrücken, was so in de- Gestalt geschieden 
Gesprächs, die Zeugung, ist 
die polar auseinander getrMn 
so zusammenklingen, daß gleich 
sam ein neues Sein heranreift, das beider Sein umfaßt und 
in sich hegt, und wenn aus Hm, dem neuen Sein, dann Ein 
sichten erblühen, die keiner vorher so hätte empfangen können. 
Daß die so gewonnenen Einsichten ihr Dasein dem realen 
liest; der Mensch aber, mit dem ich in Wirklichkeit rode, wird 
in den gleichen existentiellen 
in irgend ein-er Beziehung zu dem Wesen des Menschen steht, 
und daß dieses Wesen, das als konkretes Wesen ja mannigfach 
bedingt ist, das verschleierte Bild zu Sais vielleicht nicht zu 
entschleiern vermag. 
Der Punkt, an dem die Leiden Wißbegierigen inne werden, 
daß es sich bei der Suche nach der Wahrheit nicht um einen 
Feldzug der bloßen Erkenntnis, um die exakte Auflösung einer 
mathematischen Gleichung handelt, ist ein ausgezeichneter Punkt 
der Gesprächskurve. Hier angelangt, prallt das Gespräch wie 
an einer unsichtbaren Mauer zurück und seine gradlinige 
Wetterführung wird unmöglich, denn die Beiden entdecken 
einander jetzt als Gestalt, als konkrete Wesen von eigen 
tümlicher Beschaffenheit — vorausgesetzt, daß sie nicht, an 
ihrem ursprünglichen Vorhaben verzweifelnd, in das Bloß 
Seiende Her-abstürzen und fortan nur den unwesentlichen 
Dingen sich zmnenden. 
Mer bist Du eigentlich, mit dem ich da rede?" das 
ist die Frage, die sich immer drängender ihrer bemächtigt. 
Wäre der erste Gesechtsgang des Gesprächs nicht (notwendig) 
remis geblieben, es hätte dieser Kehrtwendung nicht bedurft; 
so aber muß schon, soll das Gespräch nicht überhaupt abbrechen, 
die früher unbeachtete Gestalt selber in das Blickfeld treten und 
zum Gegenstand der Reflexion werden. Man tastet sich ab und 
bMäht M M MdeMMen Seins gründe aufzuschürftn, um 
die Quelle jenes unlöslichen Widerpruchs der Ueberzeugun 
gen freizulegen, denen man vorher als naiver Bekenner oder 
ohnmächtiger Neinsager gegenübersiand. Indem man sich der 
art als schlechterdings unüberwindliche Gestalt erfährt, alch 
Wesen, das da ist und nicht einfach beiseite geschoben werden 
kann, lernt man zugleich begreifen, daß die letzten Gewißheiten 
der Menschen in dieses ihr Wesen eingebunden sind, daß die 
Art, irr der ihnen das Absolute entgegentritt, abhängt von der 
Beschaffenheit ihres untilgbaren Seins. 
Wie aber stellt den Beiden ihre Gestalt sich dar? Nun, die 
zwei Gestalten entzünden sich aneinander, die eine dient der 
anderen gleichsam als Hintergrund und Folie, hebt sich rein 
inbezug auf sie aus ihrer Verschwommenheit heraus. Und zwar 
wird der unlösbare sachliche Widerspruch jetzt zu einem Gegen 
satz der Wesen ausgeweitet, das vorherige Auseinanderklaffen 
der Erkenntnisse vertieft^ zur Volarität des Seins- Diese 
Abhebung soll die Undurchdringlichkeit der Gestalten eindrucks 
voll bezeugen und symbolisch Zur Geltung bringen, daß das 
Absolute nicht erreicht werden kann, es sei denn mit dem Ein 
satz des ganzen gefamtmenschlichen Wesens 
Freilich, man wird kaum annchmen dürfen, daß diese Gipfel 
punkte des Gesprächs schon etwas Letztes und Endgültiges für 
die beiden Menschen bedeuteten. Wäre dem so, das Gespräch 
müßte unmittelbar bis zum Absoluten selber herMtragen, und 
es ist doch wohl nur eine Etappe des wer weiß wie langen 
Weges zu ihm hin. Die in ihm erfahrene — in der Verbunden- 
heil erfahrene — Gestalt des Ändern, das durch gemeinsamen 
Wandel der Existenz Errungene wirkt nun, den Dialog über 
dauernd, in den Monolog hinein, den jed^r der beiden auf 
das Absolute ausgerichteten Einzelnen fort und fort führt. 
Daz Gespräch, das diesen Monolog entscheidend vorwärts 
treibt, hat an dem Wesen der Beiden MtgeLaut. es ist Wahre 
Zeugung insofern gewesen, als es in den Beiden Keime zur 
Entfaltung gebracht hat, die ohne den zeugenden M nicht er- 
wM worden wären, da eben nur durch das Austauchen der 
anderen Gestalt, durch das Ringen mit ihr und durch die 
Verbindung mit ihr zur entscheidenden geistigen Handlung die 
gewalttätige, oft bitter schmerzhafte Sprengung des alten Da- 
sEsnuges überhaupt möglich wa. Jedoch, so mag man immer 
noch fragen, was bedeutet es angesichts des Absoluten, 
daH solche Wandlung vor sich gegangen ist? Wenn die Er 
greifung des Absoluten von der Beschaffenheit des Wesens ab- 
hängt, so kann es nicht gleichgültig sein, wie der Mensch vor die 
letzten Fragen tritt. Gerade dieses ,Mie" aber erfährt im Ge 
spräch Formung; indem der eine die Gestalt des andern erleidet 
und leiden macht, wird das Wesen eines jeden aufgeschlossen, 
weiter gespannt als bisher und derart die Herstellung des 
vollen Kontaktes mit dem Absoluten erst richtig vorbereitet. 
Nur vosbereitet: denn das Gespräch vermag den auf das 
Absolute hinzielenden Monolog nicht zu ersetzen, in dem der 
Rechen aller der Gestalten fortlebt, mit denen gemeinsam man 
einmal existiert hat. Dieser stets gegenwärtige Chor symbolisiert 
dir Menschen in ihrer Verbundenheit, Md jeder, der Dialoge 
geführt hat, wie sie angesichts des Absoluten geführt zu werden 
verlangen, wandert schließlich in der Begleitung einer ganzen 
Schar von unsichtbaren Gefährten seine einsame Straße dahin, 
ewige Zwiesprache mit den geisterhaften Gesellen pflegend, so 
lange er sich im Stande des Nichtwissens befindet. In ihrer 
Gesamtheit aber erweitern die in den Monolog hinübergenom 
menen, fortan in ihn eingeflochtenen Dialoge die Existenz bis zu 
ihver imßersten Grenze, und Es den entscheidenden Beziehun 
gen, die sie zu allen anderen Existenzen stiften, erwächst zuletzt 
die eigene Gestakt, bis zum Rande gesättigt und erfüllt, existie 
rend so voll und breit, wie einer nur existieren kann Wie 
lange der Monolog sich hinzichen muß, damit das Eine Ab 
solute endlich erreicht werde, ob nicht der Monolog vielleicht 
schon vor dem Ziele zum Stillstand kommt: das läßt sich wahr- 
UH E so einfach sagen. Möglich wäre es immerhin, 
AH erst das ErgnsfenseM vom Glauben hinter die Spännune 
auch noch des vollsten Existierens das' letzte Punktum setzte. 
Haben die Beiden sich einmal in ihrer Bedeutung als exi 
stierende Menschen begriffen, so wird das Gespräch als Ge 
spräch unendlich wichtig, die Suche nach der Wahrheit wird 
dann zu einem Ringen der Ge st alten. Der zweite, der 
eigentlich entscheidende Gesechtsgang des Gesprächs beginnt. 
Nicht niehr, wie zu Anfang, sieht man an der Gestalt und 
ihrer Bedingtheit vorbei, nicht mehr auch lenkt man den Blick 
ab auf das Wesen selber, das im Wege stand und darum zu 
durchleuchten war — man zieht vielmehr jetzt in das Gespräch 
Sache und Wesen zusammen hinein, der ganze Mensch tritt 
jetzt in Aktion. Wären die Beiden als Gestaltn abgeschlossen 
und. unverrückbar, so hätte das Gespräch mit der Erfassung 
ihrer Gestalten sein Ende, Wesen befände sich starr dem Wesen 
gegenüber, und die Suche nach der Wahrheit klänge zuletzt in 
eine resignierende ästhetische Würdigung der Wesen aus. Das 
heißt, die Unterredung erschöpfte sich darin, daß die zwei Ge 
sprächsteilnehmer bei der Anschauung ihres Vorgefundenen 
Seins verharrten, und liefe sich derart ebenso tot wie durch 
das vorherige Streben nach seinsfremder Erkenntnis. Diese 
Möglichkeit scheidet aber aus, da Beide ja im Nichtwissen 
stehen, und darum noch nicht so fixiert sind, daß ihr Sein sich 
nicht öffnen und erweitern, nicht voller als bisher dem Ab 
soluten entgegenwachsen könnte. Statt daß das Gespräch im 
Ästhetischen versandet, wirkt vielmehr der empfundene Wider 
stand der Gestalten als Stachel, der vorantreibt dem verborge 
nen Ziele zu. 
! M dieser Phase wird das Gespräch zum Entscheidungs- 
jEampf, zur Auseinandersetzung und Jneinanderfügung der 
vollen Gestalten. Auch jetzt Mg noch (oder wieder) 
vom Begriff des Schönen und des Religiösen die Rede fein, 
aber der Wahn von früher ist vorbei, als handle eK sich bei 
derlei Aussagen lediglich um Wesens gleich gültige BestinMMN-- 
gen. Die Existenz in ihrer ganzen Breite wird nun mitge 
nommen, und es kommt zu Akten geistiger Zeugung &amp;gt; 
deren Ergebnisse weder dem einen noch dem anderen allein 
angehören, sondern die Frucht gemeinsamen Ringens sind- 
Gleichvi-A, welches diese Ergebnisse sind: ob sachliche Ueber 
einstimmungen, ob nur ein Einklang, in der Beurteilung noch 
vorhandener Differenzen — ihre Bedeutung besteht darin, daß sie 
einer in Gemeinschaft vollzogenen Wandlung der Existen^n 
entstammen. Keiner von Beiden geht mehr aus dem Gespräch 
so hervor, wie er in das Gespräch hineingegangen ist, es ge 
schieht etwas an Beiden im Gespräch, und seine Früchte sind 
aus solchem Geschehen, aus solcher existenti ellen Ver 
bundenheit Heraus gezeugt. Kraft der Verbundercheit 
wird das bisherige Definitivum der Gestalten aufgehoben, die 
Gesprächshandlung wird zum Zusammen-Leben, und Beide 
rücken, sich gegenseitig Geburtshelfer-Dienste leistend, durch 
einander in ihrer Existenz vor. Das gibt dem Gespräch den 
Vorrang vor dem einseitigen Dialog mit einem Buch: Das 
»Buch ist fertig, es wandelt sich nicht mit, während num E
        <pb n="24" />
        Liebe der im Bedincrten iK 
"" Wesen und heißt die Geschöpfe «uchdmt 
^Eden und miteinander leben, wo das Verstehen 
Ed gemeinsame Erkenntnis unmöglich wird. 
s sc tu he m u m si u ch nd an u g n e g s e i l c ö h s t t s , s e o ine w r ied g e ro r ß u e n n d G w ef i a e h L r M Ä sam M me E ndr n ä7a ^ e e n 
, 
L^' "P"b- »-»&amp;lt;-. mlL'i" 
MMZLZZ 
WMWWLEN'L
        <pb n="25" />
        Am LsZe der WsMsMtM. 
Im Hinblick auf die Univerfität Frankfurt. 
Die Zuschrift im HochschuM (Abendblatt vmu 8. März) 
über das Schicksal der Privatdozenten mag noch 
durch-etliche Angaben ergänzt werden, wobei uns die Frank 
furter VerMtnisse als Beispiel dienen mögen. Auch hier, wie 
überall, sind naturgemäß die PrivaLdozenten der geistes 
wissenschaftlichen Fakultäten am schlechtesten gestellt. 
Einige von ihnen hat man mit besoldeten Lehmufirägen bedacht, 
die noch iw Februar 192Z im günstigsten Falle ein Honorar von 
rund AV W0 Mt. enckrachren, ein Honorar wohltzemerkt, das sich 
nach den persönlichen Lebensumständen seines Empfängers in keiner 
Weise richtet. Weder in der philosophischen, noch in der ^echts- 
wissenschaftlichcn Fakultät gibt es bisher einen außerplanmäßigen, 
geschweige denn einen planmäßigen Assistenten, der Zugleich Pri- 
vatdozent ist, und mich die nanonalökonomische Fakultät hat nur 
einen einzigen planmäßigen Assistenten aufzuweisen. Besser stehen 
sich die Nmurwissenschaftter uns Mediziner, für die eine Reihe 
von Assistsntenposten geschaffen find, die ja auch dringend benötigt 
werden. 
Von den nicht als Assistenten beschäftigten Privatdozenten 
üben manche einen Nebenberuf aus und verdienen sich auf 
diese Weise ihren Lebensunterhalt. Sie find als praktische Aerzte, 
KrankenhaüsärZte, Rechtsari walte, Lehrer, HandeMchrer tätig 
und haben für gewöhnlich in. ihrem „Nebenberuf" ein gerütteltes 
Maß von Arbeit zu verrichten, das ihnen die für ihre wissen 
schaftliche Fortbildung erforderliche Zeit sehr beschneidet. Zum 
Teil handelt es sich übrigens in diesen Fällen um Dozenten, die 
weniger ihren Beruf als ihre Universitätslaufbahn gleichsam 
Nebenamt l i ch betreiben. Auch hier wieder, bei der Wahl 
?- 
VIe MrbelkM der Zorm. 
--- Die Folge der während der Frühjahrsmesse im Haus 
Werkbund stattfindLnden Verträge eröffnete gestern Profi 
Peter Behrens mit fesselnden Betrachtungen über die wer 
bende Kraft der künstlerischen Form. Seine Darlegungen 
waren gerade für die Meffebesucher von Wichtigkeit, suchten sie 
doch Zu erweisen, welche Bedeutung auch in rein kommerzieller 
Hinsicht dem gut gesonnten Gegenstand zukommt. In der Ge 
stalt, die irgend eine Ware findet, so ungefähr führte er aus, soll 
ihre Echtheit und Solidität veranschaulicht werden, die Form 
ist gleichsam der Ausdruck ihres inneren Wertes und bringt sie 
als vorbildhaften Typus nach außen hin zur Geltung. Gut 
durchgeformte Erzeugnisse möchten wir nicht bloß besitzen son 
dern, sie uns auch seelisch ganz Zu eigen machen. Es handÄt 
sich Lei ihnen um die Erhöhung der materiellen Werte durch eine 
individuelle geistige Tätigkeit, die ihnen den Rang eines Mo 
nopols verleiht. Solche Durchtzeistigung des Gegenstandes, 
die überall möglich ist, bringt nicht allein Nutzen, sie verschafft 
auch Glanz und Ansehen. Die Kirche sowohl wie die Fürsten 
kanAen sehr wohl die werbende Kraft der Form und haben 
nicht umsonst Bauten errichtet und sich mit Dingen umgeben, die 
bis ins kleinste künstlerisch durchgebildet waren. 
An Hand zahlreicher Lichtbilder zeigte Profi Behrens, 
welch starker Formmille sich in der Gegenwart durchringt, und 
vergaß im übrigen nie darauf hinzuwelsen, daß die gute Form 
gebung sich auch wirtschaftlich stets bezahlt macht. Als erstes 
Beispiel führte er Messels Warenhaus WerLyeim vor, oas 
den entscheidenden Anstoß zur Errichtung geschmackvoller Waren 
häuser und Handelsbauten gab- Er erzählte, daß er kurz nach 
Eröffnung des Werthe-m-Baues im Gespräch mit Rathenau die 
Frage aufgeworfen habe, durch welche Motive wohl Messet be 
stimmt worden sei, ein Warenhaus so hochkünstlerisch zu gestalten. 
Nachen au sei schon damals (es war im Jahre 1897) von der 
Erkenntnis durchdrungen gewesen, daß eine Steigerung unserer 
Ge&amp;gt;. &amp;gt;rna^ gerade für die Wirtschaft einen unnennbaren 
Das StmßeMK. 
st Frn Vergleich mit der Herbstmesse scheint die Reklame Es 
den" HMpLvHrkehrssLraß sich dieses Moll etwas weniger leb ¬ 
! haft zu entfalten. Freilich, der große Bär auf dem Platz der 
Republik beherrscht noch immer eifersüchtig, um nicht Zu sagen 
bärbeißig das Aufmarschgelände zm Messe, Aber Zum Glück 
fehlen Heuer die beiden ftagwürdigen Riesengestalten, die bis 
her noch immer am Bahnhofsplatz die Kaiserstraße flcm- 
NerLen. Diese Über gibt auf der Strecke zwischen Frank 
furter Hof und RoßmmkL deutlich kund, daß sie der wichtigste 
Fangarm des MeffepolyM ist: wohlbeleibte Reklamekästen 
einer Frankfurter Firma umklarmnew hier sämtliche Leitungs 
masten und verleihen dem Straßenzug das für die Messewoche 
geziemende Aussehen. Daß nicht wehr geschehen ist, hängt 
wohl mit den schwierigen ZeitvechälttriM zusammen. Noch ist 
indessen nicht aller Nächte Morgen, und manches am SanWiag 
noch ungeborene Rekknnefähulein mag am Sonntag lustig im 
Winde flattern. Am meisten für die Belebung des Straß en- 
bildes werden, wie stets in solchen Fällen, die Menschen selber 
zu sorgen haben. Zu wünschen bleibt nur, daß auch die Sonne 
der Verschönerungspflichten nicht vergesse, die in den Messe 
tagen ihr Zufällen. 
Gewinn bedeute An weiteren der gebotenen Beispiele großer^ 
Handelsbauten erhärtete Bohrens die These, daß die Schönheit 
der Form niemals äußere Zutat ist, sondern rein aus der rich 
tigen Anpassung an die innere Zweckbestimmung des jeweiligen 
(oder Gegenstandes) von selber erwachst. Besonders 
intevessimt ckt m.dieser Hinsicht das neue Verwaltungsgebäude 
der Höchster Färb werke, das zur Zeit nach den Ent 
würfen von Pros. Behrens ersteht. Materialschwierigkeiten haben 
hier Züeffsch zur Schaffung neuer Formen geführt, d&amp;gt;s nun ganz 
erumal gegebenen Verhältnisse und Bedingungen 
sind. Das Haus ist auch im Innern als Ziegelbau angeführt 
, ,Z l -h vür Geschosse gehorche Halle, die von 
Mb'g LNLeMheneu ZragMeLlM setnMH wich» SLM des 
Anst üblichen StoffbelagZ sind die Freitreppen mit einer in die 
Stufen eingelassenen Ornamentik versehen. So wird ^uZ der 
Not eine Tugend, in diesem Falle eine Kunst, gemacht. 
Für die Industrie gilt das Gleiche wie für den Hmchel: 
auch sie wird darnach trachten müssen, durch monumentale Bauten 
einen starken Eindruck hcrvorZurufm. Maßgebend für die ssrm- 
volle Anlage der Industriebauten ist derErzeugungsgang, die 
Zuführung der Gleise usw. Entwickelt man nur unbefangen das 
Bauwerk aus sinnen Lchnischen Erfordernissen heraus, so ergeben 
sich ohne weiteres hohe SchönheiLswerte: gute Staffelung der Ge 
bäude, interessante Silhouetten, geschlossene Platz Wirkungen. An 
mancherlei Beispielen, zumal an seinen eigenen Bauten (erwähnt 
sei nur die herrliche Turbinenhalle der A. E. G-), belehrte Behrens 
darüber, wie im EinzelMe -er künstlerische Charakter seinem 
rnnem Wesen entspringt, und wie stets das Aesthetischs mit dem 
Wirtschaftlichen harmonisch Zusammen geht. Auch die Ammoniak 
behälter der von Behrens im Frankfurter Osthafen er 
richteten Gasfabrik dienten als Beleg hierfür. 
Natürlich darf die künstlerische Gestaltung nicht bei den Bauten 
Halt machen; sie muß sich ausi jede Ware, jedes industrielle 
Erzeugnis, bis Zum Prospekt und zum Fabrikzeichen herunter, er 
strecken. We solche Formgebung durchzuführen sei, erläuterte 
BehrenZ an den von der A. E. G. auf den Diarkt gebrachten Venti- 
latoren^ Leekschern, Heizkörpern, Widerständen usw., die allesamt' 
von ihm selber Gestalt empfangen haben. 
Was schließlich die Reklame anbstrifst, so ist Lei ihr Zu be 
achten, daß sie nur dann Sinn und Wert hat, wenn sie aus der 
Umgebung herausfällt Gemäß dieser Notwendigkeit wir- sie sehr 
wohl mit künstlerischen Mitteln geschmackvoll zu gestalten sein. 
Behrens Zeigte u- a. ein Straßenbild aus Hongkong das große 
Ähnlichkeit mit der Leipziger Messe aufwies, und betonte em- 
dnngttch den PEischen Vorteil, den eine gut ausgemachte Reklame 
mit sich bringe Der von ihm entworfene neue Briefkasten der 
Rerchspost mit seinen herunterNngenden schrägen Seitenflächen 
veranschaulichte treffend die von ihm aufgestellten Leitsätze. 
Zum Schlüsse entkräftete Behrens einige Einwänds. He von 
kaufmännischer Seite häufig gegen die QualitätsaGeit erhoben 
werden. Er widerlegte den Irrtum, daß fünstlerische 
Arbeit die Ware verteure, indem er nMw'ws, daß der 
Auftraggeber stets am heften durch den geschickten Künstler bedient 
werde. Auch wandle er sich gegen die Auffassung, daß der Kauf 
mann sich nach dem Geschmack des Publikums richten müsse. Das 
wenig differierte Publikum hat als solches überhaupt keinen 
Gestymack und ist der Ueberredung durch den Verkäufer Zugänglich 
Dw msch in sittlicher nicht mir in wirtschaftlicher und ästhetischer 
Hinsicht wichtige Aufgabe ein hohes Ge-chmacksniveau zu erreichen, 
wnw notwendig von dem führenden NErWaMn gelöst werden 
Müssen. . --- - 
lGroße BücherauMon in Frankfurts Die vorn 14. bis 
18. Mai bei Baer u. So. in Frankfurt Zur Versteigerung ge 
langende Bibliothek des 1910 verstorbenen NegierunOratS Ernst 
Magnus umfaßt hauptsächlich Werke der deutschen Lite« 
ra 1 ur des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Sammeltätigkeit dorr 
Magnus, die sich auf die großen Schriftsteller der klassischen Pe 
riode beschränke, begann mit Leffing, fand ihre Fortsetzung mit 
den Stürmern und Drangern, mit Goethe, Schiller und Kleist und 
dehnte sich auch auf die gesamte Heine-Literatur aus. Erich 
Schmidt, der nahe Freund von Magnus, war für den Ausbau 
der Bibliothek ein unentbehrlicher Berater, man findet manche 
Bücher mit seiner Widmung und darf überhaupt feststellen, da^ 
die litemrischen Jutereffen des Besitzers mit den seinen aufs 
glücklichste Zusammentmfm. Von den Schätzen der Sammlung 
seien hier vorausweisend rmr einige wenige genannt: der sehr 
seltene „Brief des Pastors" von Goethe, die eftten Ausgaben 
der „Räuber", sowie die nicht minder seltene medizinische Abhand 
lung Schillers: „Ueber den Zusammenhang der tierischen 
Natur des Menschen mit seiner geistigen" und sämtliche wichtigen 
Ausgaben des „W u n d e r h s r n". Heine ist u. a. mit dem „Buch 
der Lieder" in den ersten zehn echten Ausgaben und mit der Reihe 
seiner seltenen französischen Schriften vertreten. -- Das knapp 
charakterisierende Vorwort zum Katalog hat Dr. Karl Vi 6 tor 
geschrieben.
        <pb n="26" />
        Frankfurt als Büchsrstadt. Im Hause WeÄund sprach Dr. 
Alpbons Paquet'gestern über das Rhein - Maingrbiet 
als Heimat des Buchdrucks. In seinen fesselnden Dar 
legungen, die besonders für die Messebesucher viel Interesse boten, 
ging der Redner hauptsächlich auf Frankfurts historische Be 
deutung als. Bücherstadt ein. Der Vertrag stellt im übrigen eine 
ziemlich genaue Wiederholung des VortrMZ dar, don Dr. Paquet 
vor einiger Zeit zur Eröffnung einer Sonderschau im Antiquariat 
Vaer u. Co. gehalten hat. Wir haben über seinen Inhalt damals 
(vgl. StM-Blatt vom 27. März) ausführlich berichtÄ 
---MAe «nd Reklame. Heft 158 der „Zeitschrift des Verbau- 
des Deutscher Reklamefachlsute" ist als Frankfurter Heft 
erschienen und der Frühjahrsmesse gewidmet. Die° !wr- 
Mgnch ousgestattete Nummer enthält etliche auf das Reklame- und 
Messewesen ,m allgemeinen und die Frankfurter Messe im beson 
deren bezügliche Artikel von Otto Ernst Sutier. M Schons. 
I. v D e ch e nd, Gust. WaIlaschek und Miksa B « nkovi chu 
Eh der Gebrauchsgraphik in Frankfurt wird in einem Aufsatz von 
Albert Wrndisch gedacht Den Haupkschnmck bilden die Mbl- 
reich dergegebenen künstlerischen Reklameentwürfe, die von Albert 
Fuß, Windisch, Cissarz, H. Bohn, C. Tips und 
anderen Frankfurter Künstlern herrühren. 
Minister Dr. VeSZr über den demschen 
AbMehrksmpf. 
Frankfurt, 21. April. Im Klub für Handel und 
Industrie sprach gestern abend vor einem zahlreichen ge- 
ladMen Publikum Re'HswirLschoffLsmi Dr. Becker über 
den Ruhrabwehr kampf, seine bisherigen Folgen uns 
die Bedingungen, unter denen es zu einer Verständigung mit 
Frankreich kommen könne. Der Minister begrüßte Zu Anfang 
seiner Rede die Gelegenheit, durch seine Ausführungen an eine 
engere Fühlung mit der Bevölkerung Zu treten, als es sonst 
wohl möglich fei. 
Ausführlich erörterte er sodann dis brutale Handlungsweise, 
wirres passenden Nebenberufes, sind nun die Geisteswissenschaftler 
den Naturforschern gegenüber im Nachteil. Mauüi -einer von 
rhnen würde gerne, wie man so sagt, „in den sauren Apfel 
beißen und irgend eine Tätigkeit ausüben, auch wenn diese 
nicht M»; in der Richtung seiner LehrZiele läge, aber er kann 
keine Stellung finden, die ihm noch genügend Muße für dis Vor 
bereitung seiner Vorlesungen, wie für alle mit seiner Lehr- und 
^orfihungsMigkeit verbundenen Ausgaben läßt. 
A denn die Lage der Privatdozenten, vor allem in den 
gecheswisfenschafM nicht gerade rosig zu nennen, 
wobei es allerdings zu berücksichtigen gilt, daß es das Wesen des. 
Prwmdozenten ist, als freier, nicht beamteter Gelehrter zu Wicken. 
Frankfurt mM. fehlt es nicht nur in erschreckendem Maße 
an Ässistentenpostem auch LehrsuftrZge werden hier 
rn viel geringerer Zahl erteilt als an anderen Universitäten. Wie 
groß die Not ist. Lehrt das Beispiel eines in einem Vorort Frank 
furts wohnhaften verheirateten PrivaLdozenten, der zwar einen 
Lchrauftwg, dafür aber auch zwei Kinder hat; er mußte m diesem 
Wintersemester verschiedene Vorlesungen Magen, weil er die hohen 
Trambahnkostsn einfach nicht mehr zu erschwingen vermochte. Ein 
anderer, ebenfalls verheirateter Privatdozent ohne Lchraufirc^ und 
Assistentensielle erzielte im letzten Halbjahr bei großer wöchentlicher 
Stundenzahl aus den Kolleg- und Seminargeldern eins Einnahme 
von se chstausend Mark; Vorlesungen an der Arbeiter 
akademie brachten ihm weitere 4000 Mark, so daß er während des 
ganzen Semesters alles in allem über ein Einkommen von 
10 M Mark verfügte. Es erscheint ausgeschlossen, daß ein durch 
Lehrtätigkeit so stark beanspruchter Dozent noch genügend freie Zeit 
für einen gewinnbringenden Nebenerwerb erübrigen kann' Private 
Fürsorge hat Zur Linderung augenblicklicher Not manches getan. 
Aber freilich, eine so wohltätige Erleichterung diese Spenden auch 
gewahren, eine befriedigende und durchgreifende Lösung der Privat 
dozenten-Mags stellen sie keineswegs dar. 
Woher rührt es nun, daß gerade in Frankfurt die Ver 
hältnisse sich besonders ungünstig gestaltet haben? Die Frankfurter 
Universität ist bekanntlich eine Stiftungsuniversität, an deren Spitze 
als oberste Finanzbehörde ein die SLiftungsgelder verwaltendes 
Kuratorium steht, in dem die Stadt Frankfurt mck die ver 
schiedenen stiftenden Gesellschaften vertreten sind. Obwohl nun 
heute die Zinsen des SListungskapiLals zur Erhaltung der Uni 
versität längst nicht mehr ausreichen und in Wahrheit bereits seit 
etlichen Jahren dem Staate die finanziellen Hauptlasten zu 
fallen, hat das Kuratorium doch noch in allen geldlichen Ange 
legenheiten entscheidend mitzureden. Diese an sich ja wünschens 
werte Organisationsform, über deren Aenderung übrigens Verhand 
lungen schweben, hat freilich auch ihre Schattenseiten. Einmal 
führt sie. zu einer mißlichen Verschleppung des Ge 
schäftsganges, die sich besonders in Zeiten schwankenden 
Geldwertes bemerkbar macht. Zum andern ist zu bedeuten, daß an 
der jungen Universität FmE viele Ausgaben neu zu bewilli 
gen sind, für die an anderen Universitäten die Grundlage schon 
seit langem verbanden ist. In einem größeren Kuratorium aber, 
in dem die verschiedensten Jnteressenrichtungen vertreten sind, kann 
schon der energische Widerspruch einer Stelle genügen, um Neu- 
anforderungen zu Fall zu bringen. So ist es vorgekonwren daß 
Stellen, die von den Fakultäten angefordert und vom Ministerium ' 
gmndsätzlich genehmigt waren, an dem Einspruch städtischer 
Vertreter scheiterten, obwohl die Stadt ja nur einen kleinen 
prozentualen Zuschuß zu leisten hat. Auch hierunter leiden mckE 
gemäß die Geisteswissenschaftler. 
Die Folgen solcher Vernachlässigung find vechLnMMM 
Ueber kurz oder lang wird sich ein empfindlicher Mangel an 
wissenschaftlichem Nachwuchs einstellen und unter 
diesem Mangel werden nicht nur die Wissenschaften selber zu leiden 
haben, sondern mittelbar auch die Volksschulen und die höheren 
Schulen, wie überhaupt sämtliche Erzichungs- und Bildungsan 
stalten, die ja alle wichtige Bestandteile der in ihnen gereichten 
geistigen Nahrung von der höchsten Bildungsstätte: her Universität 
her beziehen. Wir kennen sehr wohl die Vorwürfe, die man heute 
gegen die Universität und gegen den WissenschasisbetriM erhebt, 
glauben aber nicht, daß an den bestehenden VerhältniffLN das ge 
ringste gebessert werde, wenn man nun die Universität 
einfach im Stich läßt und so dem Verfall mit allen seinE 
Begleiterscheinungen prsisgibt. Infolge des Fehlens geeigneten 
Nachwuchses sind schon heute in einzelnen Fakultäten die Pro« 
fessoren durch Prüfungsarbeiten, Senatssthungen und Dermal 
tungsgeschäfte so überlastet, daß sie kaum mehr zu ihren eigenen 
wissenschaftlichen Forschungen kommen. Nicht vergessen soM man 
auch, daß die trübe Aussicht auf allmähliches Verhungern gerade 
nicht das taugliche Mittel ist, um wirklich tüch 
tige Kräfte anzulocken. Nur sehr vermögende Leute find 
heute noch in der Lage, sich zu habilitieren. Und die Gefahr 'be 
steht, daß die Fakultäten sich (unbewußt) die Habilitanden miß 
ihre finanzielle Leistungsfähigkeit hin ansehen, daß zumal in h« 
ökonomischen und politischen Fächer statt der Gelehrten Interessen 
Vertreter hinein geraten. 
Wie kann hier Abhilfe geschehen? Nach unserer Uebe^ 
Zeugung wäre schon viel gewonnen, wenn man die älteren Privat- 
dozenten, die das Amt von Assistenten, KrofMoren usw. 
Neiden und äe tue. to bereits die Funktionen eines 
Professors versehen, in weit größerer Zahl als bisher in 
planmäßige, beamtete Profeffmenstellen einrücken ließe und 
derart den nötigen Raum für die jüngeren Dozenten schüfe» 
Darüber hinaus ist zu erwägen, ob nicht solchen PirivaLdozeÄe^ 
die sich bewährt haben und deren Verbleib in der wissenschaft 
lichen Laufbahn als wünschenswert erscheint, eine ausrei 
chende Besoldung zuteil werden konnte. Die Bewährung 
müßte evtl. durch ein besonderes Prüfungsverfahren festgestM 
werden, wie dies schon jetzt bei der Verleihung der Dienstbe^ich- 
nung des a. o. Professors geschieht» Diese Fragen einer befrie 
digenden Lösung zuzuführen, erscheint uns als eine der drängerA 
sten Aufgaben praktischer Hochschulreform. Xr. 
Die Archikettur-Schau im Kunstverein. 
« E&amp;gt;ie Ausstellung Frankfurter Künstler iin 
Kunssverem ist von den Architekten leider so dürftig beschickt 
worden, daß st« kein ausreichendes Bild von dem Schaffen der 
hießen Baukunstler gewährt. Warum diese Enthaltsamkeit ge- 
Ä: ?icht recht etnsehen. Wenn die Architek- 
kcrn,Interesse daran hab-n ihr« Werke, dem Publikum 
°"ch n-cht darüber beklagen, daß das 
A geringes Verständnis entqcgen- 
bringt. Hier tut entschiede» mehr Aktivität »ot, sonst 
wird niemals die stiefmütterliche Behandlung mrWren, die heute 
Mch immer die Baukunst im Vergleich mit den anderen Künsten 
erfährt. 
Daß die wenigen gezeigten Entwürfe zum Teil ältere Arbeiten 
sind, lieZt natürlich an dem durch die wirtschaftlichen Verhältnisse 
bedingten Döangel an größeren Auftragen. Man sieht wieder eine 
Perspektive der von H e b e r er, v. H o ven und LesnharL ent 
worfenen neuen Mainbrücke, deren Ausführung man auch in die 
sem Dasein noch gerne erleben möchte. Thyriots Skizze der 
Niederwälder Schule läßt nur gerade die behäbige Gliäemng 
der Massen erkennen. Einen guten Eindruck gewinnt man von 
dem auch durch das Modell veranschaulichten neuen Verwaltungs 
gebäude von Peters Union, das zurzeit nach der Plänen des 
Architekten Aßmann entsteht. Die Fassade des mit einem 
flachen Dache abschließenden Baues ist sachlich, ohne nüchtern 
zu sein, und wirkt hauptsächlich durch die Gruppierung der Fenster 
und den zwischen ihnen und der Mauerfläche erzielten Ausgleich. 
Die Handschrift Paravicinis ist unverkennbar, seine Ent 
würfe weisen durchweg einen herben, streng lekLonischen Charakter 
auf, alles drängt beiZhm zur architektonischen Grundform, dem 
Kubus, hin. Er zeigt aus einer preisgekrönten Konkurrenz für 
den hiesigen israelitischen Friedhof die Perspektive des Haupt 
gebäudes, dessen ernst-feierliche Eisen Verteilung seinen Bestim- 
mungZMeck angemessen zum Ausdruck bringt, ferner Aufnahmen 
des trefflich durchgebildeten Hauses Autenrieth bei derMühlbem- 
schule und zwei architektonisch empfundene Erbbegräbnisse. Archi 
tekt Bernoully wartet mit Photographien des behaglich hin- 
.gestreckten, in den Proportionen fein ausgewogenen Hauses Dechold 
auf und führt außerdem den geschmackvollen und vornehmen 
Jnnmväum von Zmglers Kunstkabinett vor. Von Architekt 
Senf sieht man außer einer älteren Konkurrenzarbeit für daS 
Henschel - Bad in Kassel den wirkungsvollen Entwurf eines 
Denkmalplatzes für den Frankfurter Ehpenfriedhsf; architektoni 
schen Mittelpunkt bildet ein von ruhigen Baummaffen umgebener 
mächtiger Stein, den ein bewegtes figürliches Relief von Benno 
Glkan schmückt. Erwähnt seien schließlich noch Heberers 
kapriziös ornamentierter Wandteller und die ArchitekturgroLeZken 
O. FuckerS, die ihrem StimmungSgchalt nach irgendwie an 
Galgenlieder Morgensterns erinnern. Nr.
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        Sr. Werfen Wer die deutsche AutzeWsM 
- Frankfurt, 26. April. 
Im stark besuchten großen Saale des Zoologischen Gartens 
sprach gestern abend der Führer der Deutschen Demokratischen 
Partei, Reichstagsaögeordneler Senator Dr. Peter sen 
r Hamburg) über die heutigen Notwendigkeiten der deutschen 
Außenpolitik. Nach einleitenden Worten des Landtags 
Abgeordneten Goll erörterte der lebhaft begrüßte Redner zu 
nächst die verschiedenen politischen Probleme, die zum Weltkrirg 
geführt haben, und wies hierbei vor allem darauf hin, daß es 
von jeher das Bestreben Frankreichs war, die Hegemonie in 
Europa Zu erlangen, woraus sich seine Haltung gnenüber 
Deutschland von Ludwig XIV. an bis in die jüngste Ver 
gangenheit erklären lasse. 
Auch durch den Frieden von Vers ailleS, so fuhr er 
fort, haben diese Probleme keine Lösung erfahren. Sinnlos ist 
LZ, Deutschland im Osten zu zerstückeln, sinnlos ist die Behand 
lung der russischen Frage, sinnlos das Vorgehen im Saar 
gebiet, in den Rheinlanden und neuerdings an der Ruhr. Diese 
ganze Versailler Lösung, die es Frankreich infolge der zaudern 
den Haltung Englands und Amerikas erlaubt, mit eiserner Kon-! 
sequeng sein Ziel: die Vernichtung Deutschlands bis 
ans Ende zu verfolgen, ist keine Lösung. Wissen die Staats 
männer hier keinen Ausweg, versagen sie weiter, wie sie bis 
her versagt haben, so sind die Massen im Recht, wenn sie ihr 
Schicksal selber in die Hand nehmen. Unabsehbares Elend 
wird dann freilich die Folge sein. 
Für uns, die wir den Versailler Vertrag unterzeichnet haben, 
gibt es trotz seiner Sinnlosigkeit nur den einen Weg: den Ver 
such zu machen, ihn nach Möglichkeit zu erfüllen, um durch 
solchen notwendig vergeblichen Versuch seine UnersüllLarkeit 
einer nach und nach von der Kriegsleidenschaft genesenen 
Menschheit zu beweisen. Diese Politik des guten 
Willens ist von den verschiedenen Regierungen durchgeführt 
worden. Auch das Kabinett Cuno hält sie inne und gehorcht 
damit der gleichen zwangsläufigen Entwicklung wie seine Vor 
gänger Rathenau und Wirth. Daß es die Zahlungen an Frank 
reich und Belgien eingestellt hat, ist lediglich die Folge des 
rechtswidrigen Einbruchs der Franzosen in das Ruhrgebiet. 
Mit warmen Worten stattete Dr. Petersen den Kämpfern 
an der Ruhr den Dank d?s deutschen Volkes ab« Er hob 
hervor, daß es in diesem letzten Kampfe, der jetzt an Rhein und 
Ruhr auZgefochtm werde, um unsere ganze Zukunft .gehe. Wir 
sind bereit, so betonte der Redner weiterhin, uns mit den Fran 
zosen zu verständigen, Zahlungen im Rahmen des Mög 
: lichen Zu leisten, Frankreich Sicherungen gegen neue Kriege zu 
' gewähren und uns an der Abrüstung in Europa ebrlich zu betei 
ligen. Alles, was Zu den Vereinigten Staaten von Europa führen 
bann, sind wir bereit Zu tun. Nur eines kann Frankreich nicht 
haben: Niemals werden wir uns dazu hergeben, auch nur 
einen Zoll breit deutschen Gebietes ab zu treten. 
Die Deutsche Demokratische Partei weiß, wie unerhört schwer 
heute die politische Situation ist, sie weiß auch, daß nur eine kluge 
Politik aus dieser Situation herausführen kann. Mit Genug 
tuung empfindet sie es, daß unter dem Druck von außen heute 
eine Einheitsfront im Innern entstanden ist; sie freut 
sich vor allem darüber, daß von der Sozialdemokratie bis zur 
Deutschen Volkspartei völlige Einigkeit über die Notwendig 
keit der Herbeiführung von Verhandlungen 
herrscht. Bei dieser Gelegenheit werden die Besitzenden selbstver 
ständlich die .größten Opfer zu bringen haben, zumal die Besitzer 
der Sachwerte werden Eingriffe in ihre Substanz machen müssen, 
vorausgesetzt, daß uns durch solche Opfer auch wirklich die Mög 
lichkeit geboten wird, endlich zur Freiheit zu kommen. Das war, 
immer unter dieser Voraussetzung, schon feit Jahren nicht allein 
die Forderung der Sozialdemokraten, sondern auch der anderen 
Parteien bis Zur Deutschen Volkspartei. Heute stimmen alle Par 
teien darin überein, daß versucht werden muß, in besonnener Weise 
an die Rede Curzons anzuknüpfen und die Aufnahme von 
Verhandlungen unter Bedingungen zu erreichen, die uns unsere 
Existenz und unsere Selbständigkeit gewährleisten. 
Nach innen hin werden wir den demokraLischen Sraat 
aufrecht zu erhalten haben, für den sich hcute die Kämpfer an 
Rhein und Ruhr einsetzen. Gelingt es, ihn gegen Angriffs von 
außen und innen zu verteidigen, so ist damit die sicherste Bürg- 
sKafi dafür gegeben, daß in Europa endlich der Gedanke des 
&amp;gt; Rechts und der Völkerverständigung Zum Siege 
j gelangt. (Lebhafter Beifall.) 
Leren sich Frankreich in den letzten dreieinhalb Monaten des 
Ruhreinbruchs in zahllosen Einzelfüllen schuldig gemacht habe, 
wobei er nicht zu erwähnen unterließ, daß sich seit einigen La 
gen die Anzeichen mehrten, als ob man etliche Erleichterungen 
eintretsn lassen wolle. Sodann ging der Minister auf die Art 
unseres Abwshrkampfcs ein, der von der ersten Minute ab als ein 
waffenloser Kampf geführt worden war. Er betonte hierbei be 
sonders, daß alle Maßnahmen aus der Bevölkerung selber er 
wachsen seien, denen die Verordnungen der Regierung gewöhnlich 
nur nachhmkten. Auch wies er auf das noch HZu^s unvermindert' 
fortbestehend^ Einvernehmen zwischen Arbeitneh 
mern und Arbeitgebern in dem Passiven Widerstand bin. 
Daß alle passiven Maßnahmen zu dem Erfolge führen ksnmm, 
den sie tatsächlich „gezeitigt haben, war nicht zuletzt der Einicht 
in die Notwendigkeit zu verdanken, daß die Wirtschaft im besetz 
ten Gebiet unter -allen Umständen in Gang erhalten werden müsse. 
Was die Wirkungen des Kampfes anlangt, so darf 
man wohl sagen, daß Frankreich nichts von dem erreicht hat, was 
es erreichen wollte. Abgesehen davon, daß der Gedanke, Frank-! 
reich bvauche Sicherungen, angesichts seiner militärischen Stärke 
und der Ohnmacht Deutschlands nicht recht einzuleuchten vermag 
—- alaubt man denn wirklich, daß es durch die Ruhrbesetzung 
solche Sicherungen erlangen kann? Man schaudert, bei der Vor 
stellung, daß eines LageZ die Saat des Hasses aufgehen kann, die 
Frankreich dort gesät hat. Gerade weil wir keinen Krieg wol 
len, wünschen wir, daß Frankreich erkenne, wie sehr es durch sein 
Vorgehen die Revanche-Idee in Deutschland festigt und mehrt. 
Aber -auch das Ziel, produktive Pfänder zu erlangen, hat Frank 
reich durch die Ruhrbesetzung nicht erreicht und wird es wohl 
auch nicht erreichen Bis heute haben die Franzosen im ganzen 
vielleicht 200 000 Tonnen Kohle nach Frankreich befördert, d. h. 
eine Menge, die vor dem Embruch in fünf Togen dorthin ging. 
Die Folge ist einzig und allein, daß die französische Eisenindustrie 
an der Östgcenze heute zum größten Teile stilliegt. Die Wirkung 
auf Deutschland dagegen war Lei weitem nicht so, wie man be- 
fünchtzet hatte. An Rhein und Ruhr geht die Wirtschaft trotz Be 
triebseinschränkungen infolge Anspannung äußerster Energie wei 
ter und auch im unbesetzten Gebiet haben wir dank der Einfuhr 
von Koblen und Eisen keinen Mangel an dem unentbehr 
lichen WrLschaftsbedach Restlos erfreulich ist, daß unser Volk 
einen einheitlichen Willen bei der Abwehr des Ein 
bruchs gezeigt hat. 
Ueber den Ausgang des Kampfes, läßt sich schwer prophe 
zeien Das eine aber dürfen wir sagen: Solange die Front an 
der Ruhr so steht wie bisher, gehen wir mit den besten Aussichten 
den. Weg weiter, den wir gewiß ohn? unseren eigenen Willen 
haben einschlagen müssen, Die kommunistischen Un 
ruhen am Rande des Ruhrgebiets geben keinen Anlaß zu Be» 
ffürchtungen, da die Mehrheit der deutschen Arbeiter über gs- 
nügend Vernunft und politische Einsicht verfügt, um sich nicht 
durch kommunistische Schlagworte einfangen Zu lassen. Den Fran 
zosen allein, die die Ruhr von der Schutzpolizei entblößt haben, 
ist di-s Schuld LeiZumessen, wenn es im Ruhrgebiet infolge des 
Vergehens radikaler Elements drunter und drüber geht. Auch 
die E rs ch ü t teru n g der Mark in den letzten Tagen braucht 
nicht ängstlich Zu stimmen. Die Einbruchsstelle ist zum Teil schon 
wieder abgedeckt worden und der Regierung tmrd es gelingen, 
die Stabilität auch weiterhin aufrecht zu erhalten. 
Wiekann es aberzuVerhandlungen komme n? 
Das eine steht fest: ein solcher Kampf kann nicht mit Diktaten 
beendet, unmögliche Forderungen können- von uns nicht 
erfüllt werden. Sicher ist, daß wir nur dann zu einer Verstän 
digung kommen, wenn diese Einsicht, und damit eine wahre Ver 
handlungsbereitschaft, sich auch in Frankreich Bahn LrichL. Ob 
das heute schon der Fall ist, erscheint zweifelhaft. Wirunse - 
rerseits sind gewiß dazu bereit, alle Wege zu 
gehen, um den Ru'hreinbruch abzubauen. Not ¬ 
wendig hierzu ist freilich, daß wir auf dem Fuße der Gleichberech 
tigung uns mit unseren Gegnern an den Verhandlungstisch setzen 
können. Keine deutsche Regierung wird sich ferner dazu ver 
stehen, freiwillig auf Souveränitätsrechte in irgend einem deut 
schen Gebiet zu verzichten: Preußen und das Reich 
m ü fs en unzerstückelt bleiben, das will auch der Rhein 
länder selbst. Vorbedingung der Verhandlung ist ferner, daß 
alle Vertriebenen und Ausgewiesenen wieder in ihre Heimat zu 
rückkehren können. Was Frankreichs Forderung hinsichtlich der 
Sicherungen anbetrifft, so glauben wir Wohl, wie schon 
unser früherer an Amerika gerichteter Vorschlag beweist, 
daß sich in diesem Punkte eine Einigung erzielen 
Näßt. In wirtschaftlicher Hinsicht müssen wir zu erreichen suchen, 
daß unZ bestimmte Reparationsforderungen, die! 
sich im Rahmen unserer Leistungsfähigkeit halten müssen, auferlegt 
werden. Verlangt Frankreich finanzielle Garantien, P wird, 
dessen find wir sicher, auch die deutsche Industrie sich nicht wei 
gern, ihm solche Garantien Zu bieten. Wie sehr man selbst in 
England noch unsere Lage verkennt, beweist der kürzlich im eng 
lischen Oberhaus ausgesprochene Wunsch, wir möchten mit 
bestimmten Vorschlägen hervortreten. Immerhin zeigten diese 
Verhandlungen doch in vielen Punkten eine objektivere Betrach 
tung der Verhältnisse, wenu sie auch noch manches in Deutsch 
land schief sähm Wer Ohren hat zu hören, der 'mußte aus ver 
Red- des deutschen Außenministers v. Rosenberg und weiterhin 
aus der des Abg. Stresemann genau entnehmen, auf welcher 
Grundlage uns Verhandlungen.möglich erscheinen. Daß wir kei 
nen formellen Vorschlag unterbreiten, rührt einfach daher, daß 
Frankreich solche Vorschläge bisher immer — der Minister er 
innerte an die Januar-Vorschläge —- zurückgewiesen hat und daß 
man uns auch die Unterweisung eines derartigen Vorschlages als 
Schwache mMlegsn würde. Wenn Frankreich nicht hören will, so 
müssen wir den Abwehrkampf ebm weiierführen. Die Front au 
der- Ruhr hält fest, und wenn auch das Hinterland in Treue aus^ 
harrt, so werden wir ihn zu einem guten Abschluß bringen, auf 
daß endlich einmal nicht die Macht über das Recht, sondern das 
Recht selber züm Siege gelange. 
Nach Schluß der Rede dankte Konsul Dr. KotzenLerg 
dem Minister für seine Ausführungen und versicherte ihm, daß 
das deutsche BoA nach wie vor! hinter den Maßnahmen der 
Regierung stehen werde. 
In ä«r vmn Veris« 0. 6. ksckt in Mnvk«n Lernns- 
LarnWwnk „LstkoMon" ist äriita öa-va: 
Au Au 8 tinu 8; 6M 1^68Gbu6b aus K6M6N VVHrLtzN 
In einer von losepk öernkert besorgten 
Wabi (285 8.) ersMensn, äw das vrHlKtrabll^ö vv-bsen 
Luxuetins möBoket voüstLnäi« -u re^sn suokt. Die 
isnse, ssäisxeiw Linleitun? gruppiert äiv ksLaiLenMett 
Austins vsok äsn si« konetituierenäsn 6runäks- 
erikksn unä Mt äsinit ruxkick einen EUsäsn sb kur 
ckia cker aus äsn Marken LN^etützrteri 8t6L- 
jsn. öie bat der KerLULAedar rrut 
ktzakt LLNL -selten beran^o^en, um Las nur sn seiner 
6LQsbeit erfaßbare "Werk niebt nMkürlnk ru serreiken. 
Lmen LrsstL kür äie Werke selber bietet ckae I^eeebuen 
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K i 6 ba r d Nüller - D rervnkel 8 bat Vorträ^e 
üMr LSitMNÖWiMbe kliUosoMs. die er am Lentralin- 
sLitut kür DrLieb-un^ und Dnterniebt in Berlin Mbalten 
üat, nunmebr m einem Duob: „Di e? b 11 osopbie 
dtzs20. labrbunderrs in Lbren Raupt - 
8 t r ö m u n i^' (Lerbv, 8. Mittler u. 8obn. XI, 138 
8.) verÄvi^t. Dr untsrsobeidet rwisoben Lwe! Daupt- 
, puppen ^enwarti^en DenLens: der ^ViKsen- 
8 6 d a k t 8 p Ir z I o 8 o p Ii 1 e , ru der er alle 8Fstem6 
ramt, die den ^.nsprueb auk absolute Rrbenntnis oder 
doob MINI MMZdesten auk ein rationLleZ LsMeiken der 
erbeben, Miß etwa die Marbur^er und die Badisobe 
8eblul6, den sensuabstiseben DositiviMnus und neuer- 
diriM die Dbanomenolo^ie, und der Debenspbilo- 
sopbiZ, die, bei Zebopenbauer und XieiWebs an- 
be-bend, den Orund der ^Veli^in das rational niebt er- 
laLbare „beben" verle-^. Die manni^kaeben pbiio- 
sopbiseben Rieb tunken der OeMn^art werden diesen 
Mvei KauptMuppen Lu^eteilt und in Lnappsn, Mnieist 
tueWoberen ^nai^sen der Lrürterunss ünterLO^en. Da 
^ibeb der Verkämer durebaus auk dein Roden der De- 
benKpbdosopbie stebt, er^veist sieb die von ibrn an den 
einLsinen Riebrun^en ^eüRte Xriri^ in der Re^ei als 
saebbeb ankeobi&amp;gt;bsr. lirob-dsrn Leistet das klar AeZebrie- 
vene Rueb als ReberKie-bt Mute Dienste. 
Der Oäekener RrokeKVor der DbÄoLopnie u u § t 
Messer uniernimMt es in seinem Rueb: „Oswald 
8 pen^ler Lls Rbilosopb" (8tutt^art, 8ireeber 
und 8ebroder. VII, 209 8.), die pbilosoMseben Orund- 
anKebauunMn ZpenBe'rs in ibrem inneren ^usannnen- 
banx darruLteben und britiseb Zu beurteilen, ^uk 6rund 
der nirgends in bleinbobes Detail siob verlierenden Dn- 
ierKuobunMN Mlan^t er Mi dem LrMbnis, dak 8pen^&amp;gt; 
Msobiobtspbilsoisopbisober Xaturabsmus und damit 
seine Dnier^an^sb^potbese ebenso unbabbar sind wie 
sein Relativismus in erbenntnistbeoretisober DinsiobD 
^ueb ^en ZpeMters deterministisobe DtbiLc wendet 
er siob vom ide-aliMseben 8tandpunLt aus.
        <pb n="29" />
        As VÄttgfMk EWfl NßgWI 
Im Ausstellungsraum des Antiquariats Vaer u. Co. ist 
Freitag und SanEtag die Bibliothek Ernst Aca g nu s zu öestch- 
Ligen, die ick Montag 14. ds. zur V erste igerung gelangt. Ihr 
Besitzer, der 1910 verstorbene, NegierungsraL Magnus, hat diese 
herrliche Sannnlung von Werken deutscher Literatur des 
18. und 19. Jahrhunderts mit Unterstützung seines Freun 
des Erich Schmidt und auf Grmrd eigener gediegener Lllermur- 
kenntnis rm Lcmfe vieler Jahr: sorgsam ZusEENgetragen. Das 
abgerundete Bild, das sie bietet, bezeugt hinreichend, daß sie nicht 
unsachlichem Eifer und blinden Zufällen, sondern genauem Wissen 
um das Wesentliche und weitausgreisender systematischer Sammler 
tätigkeit ihre Entstehung verdankt. 
Den Grundstock der Bibliothek bildet die sehr umfangreiche 
! mit einem solchen Zukunsts^istentum von eigenen Gnaden, 
schließlich sein verhüllter Hinweis auf rmue, noch ungeahnte 
Möglichkeiten des NaMrerkenneus gemeint find natürlich 
die Naturschaüungen seines Meistens Steiner, die ihrerseits 
wiederum Verzerrungen Goeth^scher Natuiverkenränis dar 
stellen —: das alles ist im Kern anthroposophisches Gedanken 
gut, durchsetzt mir mystischen Einschlägen und getragen von einer 
ab^lMeten, beinahe bis zur Unkenntlichkeit getrübten Reli 
giosität, die weder für den Einzelnen, noch gar für die Welt 
Erlösung bedeutet. So sehr befindet sich RiLtelmeher im Banne 
jener unheilvollen synkretischen Gnosis, die sich Anthroposophie 
nennt, daß für ihn Äe echten religiösen Kategorien wie „Glaube" 
und „Gnade" kaum -eine Rolle noch spielen, daß er vielmehr, 
eingefangen von pseudo-religiösen Lehren, Anschauungen ver 
tritt, die eigentlich nur mehr dem Namen nach christlich heißen 
dürfen. Hatte er im Laufs des Vobtrags seines Jünger-Ver 
hältnisses zu Steiner ausdrücklich gedacht, es wäre der Met 
zähl der Hörer Wohl Leichter gewesen, sich ein richtiges Urteil 
über sein besonderes Christentum zu bilden. So mag nur noch 
in Ergänzung seiner Darlegungen erwähnt werden, daß die 
unter Rittelmeyevs Führung gegründete Christengememschaft 
von der Stuttgarter Anthroposophen-Z entrale ausgeht und zu 
meist Anthroposophen zu ihren M-tgln-edern zählt, und daß die 
sog. „LebensfLi-ern" sich in kultischen Formen vollziehen, die 
tells -von der römischen Messe übernommen, teils von Steiner 
„geschaut" sind Lw. ! 
Welk-EMsmg. 
Der frühere Pfarrer Dr. Fr. Ritt sture her, ernst 
Anhänger Johannes Müllers, jetzt eingeschwoven auf Rudolf 
Stet wer und die anthPoposophische Bewegung, trat MoMag 
abend in Frankfurt auf, um Jünger für seine neue christliche 
VerkündiMrtg M werben. Ein sonderbares Evangelium war 
es, das er vertrug Um erlöst zu werden, so lehrte er, müssen 
wir nur das „Christuswesen" in uns lebendig werden lassen. 
uns- mit janam „königlichem Gsistwillen der Liebe" beseelen, 
den Christus selber dufth sein Leben bezeugt hat. Nnch RitteR 
meyers Meinung hat das Christentum bisher in dieser Hinsicht 
versagt. ^M'der üblichen christlichen GoAesseÄen seien darum 
Lebensfei ern einMsühren, bei denen die Menschen un- 
mAtÄbar das Christus-Ich in sich ausnehmen — wie diese 
Lebensseiern zu denken sind, darüber siel kein Wort —, auch 
gelte es, das Christentum von jenem EgOisnnrs zu besioeien, 
der nur nach Erlösung des Einzelnen strebt und statt dessen 
ein Ehristenchum aufzürichtem das die Erlösung der ganzen 
Welt zum Ziele hat. Erne besondere Aufgabe inner^lb 
dieses ZuIunstschristentums fällt nach&amp;gt; MttelmeyLL den Ger 
-narren zu. Sie, die gleicherweise zum Geist emporstveben,! 
wie zur Natur hi-nstveben, werden im Zeichen des neuen RM-Äl- 
meyerschen ChnistenÄums das zu vollbringen haben, was bis 
her leider weder Goethe noch Hegel! gelungen ist: die Geist-' 
-L _ &amp;lt;.— --- 
Geistes. In diesem Zusammenhang wies der Redner auch 
auf das Elend der modernen Natnrwissenschast hin, und deutete 
an, daß bck rechter Fragestellung einK andere, aufschlutzreichere 
Art der NaLnverkenntnis als die henke gewohnte sehr Wohl mög 
lich sei. 
Abgesehen von der Verworrenheit dieser Erlösnngsbolschaft 
war am meisten M bedauern, dass Rittelmeyer in seinem gan 
zen Werbevortrag seine innigen Beziehungen Zur Steiner 
scheu Anthroposophie und so manches andere noch 
geradezu ängstlich verschwieg. Geschah es wirklich nicht am 
^DiplomaNe", daß er nirgends klär und offen sein astthropo- 
sophisch Lurchffejuchtes Christentum bei dem rechten Namen 
nannte? Viel eher hatte man das Gefühl, d&amp;lt;ch er durch solches 
Verschweigen nicht von vornherein empfängliche Gemüter zu 
rückschrecken wollte, die etwa an der Herkunft seiner Lehre aus 
der inzwischen glücklicherweise etwas weniger geräuschvoll auf- 
trsteNd'Ln „«Mthroposophisch mÄEniiertSN Gsisteswiffenschasi" 
hätten Anstoß WechEn können. Dabei waren die Verbindungs- 
fädM Zur AnLHropos^Me siür den Eingeweihten recht deutlich 
zu erkennen. Rittelmehem Auffassung vom „Christuswesen", 
Mne sehr gWWM gefärbte Lehre von der Vereinigung der 
Menschen^ mit dem „ Christenwesen", seine irrige Meinung, de 
Sammlung von Werken Goethes. Man findet w a. die unge 
wöhnlich seltene erste Ausgabe der Werke Goethes vor, die 1775 in 
Biel in der Heilmannischen Buchhandlung erschienen ist und den 
„Werther", den „GZtz* und den „Clavigo^ umfaßt; ferner die 
achtMrdige Gsschensche Ausgabe von 1787 bis 1790, die erste, recht 
mäßige Sammlung seiner Werke; weiterhin die sieben Bände 
„Neue Schriften" bei Unger (1792 bis 13)0). ein vollständiges 
Exemplar der Eottaschen Ausgabe letzter Hand (1827 bis 1842) und 
ein 139 Bände zählendes Exemplar der Sophien-Ausgabe in großem 
Format und in OriginalemLändem Daneben ist eine Reihe seltenster 
Einzeldrucke vorhanden: so der Mrief des Pastors^ (1773), die 
erste Ausgabe von „Elaudine von Villa Vella^ (1776), zu der wie 
bekannt die Handschriften fehlen, eine äußerst rare Sonderausgabe 
der ^Gesänge" zu „Claudius von Villa Bella", die erste Ausgabe 
von „Egmom" usw. Auch der „Fauste (einschließlich einer reich 
haltigen ^FausL^-Literatur), ist in den verschiedensten Drucken, Be- 
arüeitungeu und Uebersetzungen vertreten. Genannt seien außer 
dem noch der Erstdruck der Satire „Götter. Helden und Meland" 
&amp;lt;1774), oie erste Auflage des „Götz" von Goethe und Merck 1773 im 
Selbstverlag herausgegsben, sowie die zu Frankfurt in der Eichsn- 
Lsrgschen Buchhandlung verlegte zweite Auflage und die dritte Auf 
lage, die sog. „AechLe Ausgabe", bei Göschen im Jahre 1787 er 
schienen; dann die beiden ersten Werthsr-Drucke, die erste Ausgabe 
des „Römischen Carneval", der ^Stelle", des ^West-Oestlichen D'i- 
vaw' und manche anders Seltenheiten- Dem weitgespannten Nah 
men fügt sich eins Sammlung von Goetheschen Einblatt-Drucken, 
PrivaL-Drucken W festlichen Gelegenheiten und Publikationen seines 
Kreises zu den Geburtstagen und Jubiläen ein. Daß die Brief 
wechsel nicht fehlen, versteht sich leicht. 
DlL Schiller- Literatur reiht sich wKrdig an. Von unschätz- 
Harem Werts ist hier Zumal die fast vollständige Sammlung aller 
MZubsr^-Msgaben, ^ginnend mit der erstem; Ausgabe von 1781 
Mranffurt und LsipZig), die bi^ 2m: seltensten Bücher der deut 
schen Literatur ist. Eine Reihe von kostbaren Erstausgaben ferner ' 
Schriften schließt sich an, darunter der „VenuZwagen" (1781), 
der „Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des 
NLmschen mit seiner geistigen". ^Wallenstein", ^FieZco^ ^Wilhelm! 
Tell" usw. Auch liegt ein komplettes Exemplar der Zeitschrift 
„Thalia? rmt ihrer Fortsetzung Thalia, sowie Wem Vor ¬ 
läufer ^Rheinische Lhalio/ vor. 
VvA Stürmern und Drän gern sind Kling er, H C. 
Wagner, Lenz und Bürger mit Erstausgaben gut vertreten. 
Sehr reichhaltig ist 'die Sammlung der N o m ant i? e r. So 
tritt Arnim auf mit einem schönen Exemplar der Romantiker-! 
Zeitschrift „TröstLinsamkeit" (1808) und der ersten Ausgabe 
von „Des LknaLen Munderhsrn^ (1806—08); Brentano mit 
der seltenen Geschichte von ^Bogs dem Uhrmacher" (1807), die 
in Gemeinschaft mit Görres herausgegeben wurde, und mit „Gockel, 
Hinkel und Gackeleia^ (1838, Erstausgabe). Von Hölderlin 
sieht man den Erstdruck des „Hyperion" (1797—1799), der auch in 
der Zweiten Auflage von 1822 vorhanden ist, und die ^Trauerspiele 
des Sophokles^ (in Frankfurt 1804 erschiene) — beide Werke 
große Seltenheiten der Romantiker-Literatur. Kleist als aus 
erwählter Liebling Erich Schmidts ist besonders gut vertreten. 
Da stößt man auf eine Rarität wie die Erstausgabe der „Familie 
Schroffenstein* (in Bern und Zürich erschienen), ferner findet sich 
die erste Ausgabe des „KäthHen von Hsilbronn^ (Berlin, 1810), 
der ^Penthefilea (1808), des „Zerbrochenen Krugs-" usw., nicht! 
Zuletzt ein Exemplar der mit Adam Müller heraus gegebenen Zeit 
schrift ^Phobus^ (1808) G T. A. H offmann erscheint mit 
einem hübschen Exemplar der „Gesammelten Werke" mit dm 
Hosemannschm Bildern in Halbfranzbänden der Zeit. Vorhanoen 
ist auch die erste Sammlung seiner Werke aus den Jahren 1827 
bis 1839, sowie eine Anzahl von Erstausgaben, darunter das sehr 
gesuchte Bündchen „Kindermärchen", das er im Verein mit Csn- 
Lessa und M la Mstte-FouquS mit Bildern nach eigenen Zeich- 
nungsrr herauZgegeben hat. 
Von LessLng ist vor allem die erste SeseArrtEsgaLe feiner 
Schriften zu nennen (17ö3 bis 1753) und die große Reihe der Erst 
drucke, die Perlen wie die erste AusgaLs des und des 
str Herrn S. G. Lange" enthält. Außerdem begeg 
net man einer ansehnlichen. Literatur über LeMg. 
Für Heine gilt das Gleiche, auch er ist mit Einzelausgaben 
mrd gesa-melten Werken reichlich vertreten. 
ALgefehsn von den Klassikern umfaßt die Bibliothek noch die 
Dichter des 19. Jahrhunderts in weviDrÄen Einzeldrucken und Ge- 
'mntEZgaöen; hmgewiesen fei nur auf Fontäne, HebLel, 
Stifter, Stsrm usw., von denen zum größten Teil auch die 
Erstausgaben vorliegend Vervollständigt wird die Sammlung durch 
die frühen, schr seltenen Jahrgänge der ^Fredm Bühne" (der ietzi- 
gen „Neuen Rundschau^) und eine Anzahl moderner Zeitschriften. 
Der gründliche Katalog der über 2106 Nummern mrHählt, 
ist mit einem übersichtlichen Vorwort von Privatdozent Dr. Karl 
ViLtor versehen. Erwähnt mag noch werden, daß gleichzeitig 
mit der Bibliothek eine Handzeichnung von Goethe aus 
dem Besitz Bettina w Armin, später Joseph Joachims, versteigert 
wird. - ___ ^r-.
        <pb n="30" />
        (Hr i o 
§kaSlserseWÄS8-Ver?«m!«nz. 
Sitzung vom 18. Mai. 
Anträge zur Erwerbslosenfürsorge. 
An Beginn der Sitzung ersuchte Stadtv. Lang (Komm.) 
darum sofort in die Beratung einiger dringlicher Anträge zur 
Erwerbslose nfürsorge einzutreten, die der Vorsitzende 
Hops darauf zur Verlesung brächte. Stadtv. Lang wandte sich 
daaegen, dir Anträge dem sozialpolitischen Ausschuß zu Über 
werfen; er sprach zum Teil zu den dichtgefüllten Tribünen, von 
denen aus durch Zwischenrufe seine Forderung unterstützt wurde. 
Stadtv. Thomas (Soz.) erklärte sich verwundert darüber, daß 
die Galerie den leeren Versprechungen des Herrn Lang so tnei 
Vertrauen «ntgegenbringe; man möge statt dessen lieber der 
raschen Arbeit des sozialpolitischen Ausschusses vertrauen, die 
wirklich zu Taten führen werde. Auch OberbüvMrm-eister Votgt 
sprach sich für di- Beratung im Ausschuß auS, dessen Tätigkeit im 
Dienst der Erwerbslosen er rühmend hervorhob. Man werde seht 
zu einer immer individuelleren Behandlung der Erwerbslosen 
kommen, auch sei schon in nächster Zeit die Möglichkeit gegeben, 
die Unterstützungssätze um 5V Prozent zu erhöhen. Stadtv. B a l- 
zer (Dem.) warnte davor, mit der Not der Erwerbslosen PolMk 
zu treiben, dchu sei die Lage zu ernst. Besserung der ErwerbS- 
lofenfürsorae sei nur durch Ausschußberatung zu erreichen, nicht 
durch überhetztr Antragstellung fünf Minuten vor Beginn der 
Sitzung. Die Erwerbslosen könnten sich darauf verlassen, daß 
Ausschuß und Magistrat ihre Rechte weitzchendst wahren werden. 
Stadtv. Landgrebe (lib.), der durch Zwischenrufe von den 
Tribünen vielfach unterbrochen wurde, meinte, daß es Herrn Lang 
keineswegs auf die Sache ankomme, sondern auf agitatorische 
Deklamationen. Die Anträge wurden schließlich dem sozialpoli 
tischen Ausschuß überwiesen, der alsbald unter Zuziehung des 
Stadtv-'Lang tagen soll. 
Der Vorsitzende Hopf machte beim Eintritt in die Tages 
Ordnung Mitteilung von einigen Schenkungen an die Stadt 
und 'gab ferner bekannt, daß sich der Magistrat mit dem Beschluß 
der Versammlung über die Wohnungsbauabgabe einver- 
. standen erklärt habe. Verschieb MagistratsvyÄagen wurden 
dann ohne längere Debatte genehmigt bezw. den Ausschüssen üLer- 
wiesen. Zur Vorlage über Aenderung der Gebührenordnung 
äußerte Stadtv. He iß W olf (Soß.) verschiedene Wünsche^sie 
wurden nach kurzer Aussprache dem HguptauSschuß überwiesen. 
* - - '' 
Stadtv. Kirchner (Sch.) bezeichnete die Vorlage über die 
Schulgeldstaffelung, die infolge des Fehlens steuerlicher 
Unterlagen eine vorläufige Regelung Vorsicht, als eine Verschlep 
pung und erklärte, daß seine Fraktion ihr nicht Zuftimmen könne. 
Stadtrat Meckbach erwiderte, der Vorwurf der Verschleppung 
sei unzutreffend. Auch von dem Stadtv. Lang (Komm.) wurde 
tue sofortige Einführung der Staffelung verlangt. Stadtv. 
Landarebe (lib.) hob, gegen den Vorredner gerichtet, dre so 
zialen Maßnahmen gerade auf dem Gebiet des Schulwesens her 
vor. Die Vorlage ging an den Schulausschuß. 
* 
Eins Reihe von Ausschußbemcht-en wurde glatt erledigt, 
Karunter ein Antrag des Hauptausschusses, der den Magistratsbe- 
Wuß auf Schließung des Straßenbahn-Betriebs 
bahnhofes Eckenheim abzulchnen ersucht. Stadtrat D^. 
Schmude erklärte, der Magjstrat könne diesem Antrag nicht 
Folge leisten, dis Schließung bedeute eine Ersparnis von hundert 
Millionen. Im übrigen bezeichnete er es als einen ungewöhn 
lichen Vorgang, daß die Stadtverordneten-Versammlung in be 
triebstechnische Einzelheiten eingreifen wolle. Nach längerer De-, 
Latte wurde der Hauptausschußantrag mit einer Stimme Mehr 
heit der Linksfraktionen angenommen. 
* 
Die Vergebung bei städtische nDruckarbriten durch 
die VermMunasstelle des Buchdruckervereins soll vom Magrstrar 
aufzrhoben werden. Der sozialpolitische Ausschuß empfiehlt, dem 
Mag'stratsantrag bsizutreten, die Druckarbeit im Wege des Min- - 
.dritangebots zu vergeben und nur Frankfurter tariftreue Drucke-! 
reirn zu berücksichtigen. Stadtv. Bouveret (Dem.) wandten 
sich gegen den Ausschußantrag, der nach seiner Meinung der! 
Schmutzkonkurrenz Vorschub leiste. Stadtv. T h o maS (Soz.) 
trat für den Ausschußantrag ein. Unterstützt wurde der Magistrats 
antrag durch Stadtrat Z i elo w Ski. der die Zulassung der sreien 
Konkurrenz als unerläßliche Sparmaßnabme rechtfertigte und den 
Der Verlag Ktreeker und KeKröder in Kiuttgart Kai 
r 6 o k n er 8 : ,,Dü ob l e i n v om DeKen naek 
d e m D o d e" (94 8.) n eu keraumyebraokt. Dr. Wilkelm 
DlatZ bat es mit einem DekenKabriß Deekners und 
Erläuterungen vergeben. 
tirur DiCi'Zlui' Zur KntkropvLopkir. 
In dsr iotZton Abit sind wrods? eüieko 8okriken 
A^r ^rrtkkoposopklH drsokierrsn; dio^ okwokl sio au8 den 
vorsokiodtzoStKnDa^ stammen, dook alle Zarin üker- 
Linstimmen, dak Äo siok M^6N dma ntkrop080pki sok&amp;gt;6 
„DeistHZwiAsensokaii'^ Dr. Dudoli 8 t 6 rn 6 r 8 erklären. 
Nitoinem ^rsena! MwiektiM Oründe ausgerüstet, Ziokt 
der kmpZiger DrivatdoZent der Dkiiosopkie Dr, ü. 
1» 6 i sog a n 8 w einem Wndoken. „D i tz 6 r u n d &amp;gt; 
j a g e n d e r 4^ n t k r o p o s o p k i e" (Damkurg, Dan- 
«eatisoke Verlagsanstalt. 105 8.) temperamentvod wider 
die Kteinerseke Dekre Zu k'eld. Dr wirkt Zunaokst einen 
Mek auf die geistige DersönkekkeitKteiners, so wie 
8W siok in dessen eigenen Merken darkietet. und ke- 
leuoKLet dann kritisok die eikenntnistke^ 
Psvekoiogisoken und etkisekep Orundiagen der äntkro- 
.Dosopkisoken V/eKansekauung. Nan srRkrt aus äs? 
Ktreitsokrilt einige für die antkroposopkiseke LeWe- 
gung keZeieknende DrnZelkeiten. 8o kükrt Dersegan^ 
Leriokie des Dlarrei s Lukv über Dornaoker „Nvsterien- 
koknspokus" an und sokildcn seine eigenen vergeK- 
Koken Deinükungen um Erlangung eines DinhKekes in 
die „6tzk6iinZ.yk1en", die er sink Zu einer von antkro- 
posopkiseker Keite seikst geforderten PSIOKolo^ISOKeN, 
Drülung der Lrkenntnisnoeikode 8teiners erketen kalte. 
Die Dekiüre der anregendem 8ökM mag maneken 
Kekwankenden vor der Dingäke an eine offenkundige 
lrrlekre kewakren. 
Moker rükrt nun aber dre ^nZiekungKkraft, die 
eine soieke Lrsekeinung deute selkst au! akadennseke 
Lreise ausZuüken vermag^ / rtkur Drews. 6er 
in Vor! ragen vWfaek gegen die ^ntkroposopkie aukge- 
treten ist, erklärt sie in seinem neuen Ddoke: „Ne t a^ 
p k vs i k u n d Ln t k r o po s 0 pdbi e in 'kE'KteilNng 
Zur Erkenntnis des Dekersinnlioken" (Verkn, Deorg 
Liilke. 111 8.) aus dem Versagen der gegenwärtigen 
liniversitätspkiiosopstie, die okükrer NetapkyZikkeinä- 
Kokk-eit den tiefsten Bedürfnissen der inensMioken 
Keele niokt gereekt geworden sei, ^uf B. v. Klart- 
mann kukend, weist er auf den 2usamm6nkang der 
^ntkroMSopkie mit der naekkantisoken idealistisoken 
Dkiiosopkie kin und suekt in 6rk enntnistkeor et isok 
Drientierien Betraektungen 8teiners Orunäirrtum von 
Äer Nögkekkeit einer ükersinnkeken Lrfakrung Zu 
widerlegen. Die Argumente Drews verlieren dadurok 
an Durokseklagskraft, dak sie von pküosopkiseken 
OrundükerZeugungen getragen werden, die selber Zum 
vnndesten kragwürdig sind. 8eine Lekauptung etwa, 
^ZaL die kantisoke und naekkantiseke Dkilosopkie kis- 
dee im allgemeinen noeb nickt über den naiven Bealis- 
Mus kinauK^ekommen sei, des^Ieieken seine aus Hart- 
MLNN3 ?kilosopkie des linke wußten erwaeksende 
I^ordexun^ einer induktiven NetapkMiiL würden Zu M- 
wiekiiMN Linwanden ^nlak Abbe^ 
H'ie die kkilosopken, so re^en siek auek die Meo- 
to^en im ^kwekrbampk MMn die ^vtkropMopkie. Von 
Latkoliseker 8eiie setZt siek ^ i o i s Na^er 0. 8. 8. 
in seiner 8ekrikt: „1 k e o 8 o p k i e und 0 kr! ste n- 
t u m' * (Verkn, k^erd. Dümmier. 109 8.b die eine Heike 
von Verträgen in erweiterter i^orm vereint, mit der 
IkeosopkisekM I^raM auseinander. Im Lysekluk an 
eine MürdissunK des im MupIatoniWnus und Vuddkis- 
Mus siek Luswirbenden tkeos Dranges naek 
Durekkreekun^ der 8ekranken des Mwöknkeken 
Denkens, enthaltet er in klarer Darstellung das s^nkre- 
tistisMe 6pmenge der antkropösöpkiseken OeiZtes- 
wiMensekakt. 8ie kake mit den alten kmdnisek-ikeo- 
sopkiseken LWkulationen niekts mekr gemein, sondern 
übGmMme,Kie als. unverstandenes Drbgut und sei alles 
MHM mekt^ M eine gssekiekte 8v8temati- 
sierung von KallunZinationen Zu einem Weltbild. Line 
eingekende' DntM widmet Nager der tkeo- 
Zopkiseken Dskre von der 8eelenwanderung, die er 
vom okristlioken Ltandpunkt aus verwirkt. Keine ^us- 
Mkrungen MM in dem 8atZe, dak allein die ekrist- 
Keke Deligion die wldersprueksIoW Dösung der von 
der Dkeosopkie aukgeworkenen Dragen brir^, und daß 
EZ Keule in der ekrisikeken Dekre das Nvsiiseke be 
sonders Zu betonen gelte, damit die religiöse Keknsuekt 
unserer 2eit im Okristenium jene Lekriedigung kinde, 
^ie sie bei Kleiner vergebliek suekb 
In der ^bsiekt, positive Lritik an der ^nikropo- 
sopkrs M üben, wendet siek seklieUieK DIarrer Die. 
Lurt Dtzkmann-Isse; in einem Düeklein: „.^. n- 
Ikroposopkle oder religiöse Erneue 
rung" (DeipZig, Wnrioksseke Luekkandlung. 108 8.) 
an die 8ueken-den und Dnentsokiedenen. Das in dem 
iDtel auKgedrüokie Lntweder-Oder verrät sokon seinen 
LtandorL. Vielkaek gegen die der ^ntkroposopkie ver- 
ialienen protestantisekmi Ikeologen v^üe Mtelmever 
und ObMr polemisierend, begreikt er Kleiner als den 
Noßsn blaturwiKsensokaktler, der eben als ^aturwissen- 
sokaktler unvermögend Zu irgend 'einer Aussage über 
Gegenstände der Itekgion ist, da sie siek, wie immer 
wieder mit Dsokt kervorgekoben wird, nur in der reli- 
Mösen Drkakrung selber konstituieren und darbieten. 
Unter ständiger LeZugnakme aui die notwendige Dr- 
kenntnisarl und das nolwendige 8ieir&amp;lt;erkaimn des Rakr- ! 
kalt in der religiösen DeZiekung Kiekenden gelangt der ! 
Verkasser. Zu entsekcüdenden Linsiekten in die speZi- 
ksok unr-ekgiöse k^atur der Okristusaukkassung Kieiners, 
seiner DibelauLlegung usw Kein DaZit ist, daß Kleiner 
in seinem Ktrebsn den verkörperten ^ntiekrist dar- 
steke, der die ikm folgenden immer tieker in die 
„Kekattenwelt des Losmos" kinablükre, Lr.
        <pb n="31" />
        Landen, getragen von dem unbeschränkten Vertrauen und der § 
s Herr ReichMSsident! Hochgeehrte VersauMlungt 
Unsere feierliche Erinnerung soll heute dem Tage 
im dem vor 75 Jahren dre Edelsten aus allen deutschen 
Landen getragen von dem unbeschränkten Vertrauen und der 
I7 u - oe - ^6 t 
Standpunkt des Magistrats gegen dir Angriffe des Stadw. 
Bouveret verteidigte. Nach Magerer Debatte wurden die Anträge 
des sozialpolitischen Ausschusses angenommen. 
q« 
Stadtv. tzipper (Zentr.) beschwerte sich über die zu Hohen 
M ar ktsta n d g eb üh r en und beantragte ihre Senkung auf 
die Höhe vom 1. März. Der Antrag ging an den LeLensmiLtel- 
ausschuß. _ 
Stadtv. Merten (Zentr.) kritisierte in Form einer Anfrage 
die Geschäftsverbindung der Gasgesellschaft mit Frank 
furter Jnstallationsgeschäften und erörtertechrenEin- 
fluß auf die Gaspreisgestaltung. Oberbürgermeister V o i g t 
wandte sich dagegen, daß der Vorredner von einem „Untersuchungs 
ausschuß gegen die Gasgesellschaft" sprach, der in Wahrheit gar 
nicht -besteht, gab detaillierte Auskunft über die Beziehung zwischen 
der Gasgesellschaft und der V. I. G. und rechtfertigte weiterhin 
das ganze Geschäftsgebaren der Gasgesellschaft. 
Wie Sitzung dauert bei Schluß der Berichterstattung noch fort.) 
Parlamentarier vortrefflich wiedergeben. ! 
Viele Einzelstücke und Kuriositäten bestätigen nachdrücklich 
die .innen AnteM an den großen poli- 
ttschen Ereignissen sener Tage. Da findet man T ei l er mit 
! d-en Bildnissen hervorragender Abgeordneter —nicht geschmack 
voll gerade, aber sehr gesinnungsiüchtig — ferner eine Samm 
lung der 1848 in Frankfurt geprägten Münzen, eine wert 
volle Kollektion von Siegelabdrücken der Neichsministerien, 
Kommandos, Gesandtschaften usw., auch Kokarden, Armbin- 
den,-Schleifen, alles schwarz-rot-gold, sind vertreten, darunter 
die von Robert Blum getragene Schärpe, dann Kartenspiele 
mit boshaften Anspielungen (z. B. „Blutegel saugen aus das 
Blut, Beamte thun dem Volke gut"), LorbeerkränZe, Stimm 
zettel, Erinnerungsblätter an die Kölner Domgrundsteinlegung, 
kurzum, es fehlt nichts zur vollsaftigen Ausmalung des 
Zeitbildes. 
Der andere, nicht minder interessante Teil der Schau ist 
in der Geschlechte rstube ausgestellt. Den Vorraum 
schmückt ein Panorama der Zeil aus dem Jahre 48, das zeit 
geschichtlich wichtige OcrtlickMten vor Augen führt. Die 
stärkste Anziehungskraft übt ohne Zweifel die große Kari 
katur e n-Sammlung aus, in der die glänzende Serie der 
von zwei Frankfurter Künstlern: Schalck und Engel von 
der Rabenau gezeichneten „Hampelmänner" den Ehren- 
pllatz verdient. Selbst die keramischen Gebilde bleiben von 
politischer Spottlust nicht verschont, wie das Beispiel einer 
Frankfurter Hüfnerschüfsel beweist. Erwähnt sei noch eine 
seltene Originalausgabe des „Piepmeyer" (von Schalck und 
Detmold) aus der Stiebelschen Sammlung. Breiten Raum 
nimmt die Flugschriften- und Broschüren-Litera- 
Lur der Zeit ein. Manche Raritäten werden auch hier die 
Aufmerksamkeit auf sich lenken, so ein Exemplar der „Leipziger 
Illustrierten" mif Zensurlücksn, ein „Album der Geschichte 
des Jahres 1848" von Dr. Würth mit eigenhändiger Wid 
mung des Verfassers an seine Tochter und etwa noch die ersten 
Nummern des „Preußischen Staatsanzeigers" und der 
„KreuzzeiLung". Gruppen der -einzelnen Länder und 
Städte: Wien vor allem, dann Baden, Bayern, Sachsen, 
Schleswig-Holstein, Berlin usw. runden das Mld zum umfassen 
den Ganzen. Ln. 
Ne SrWmWSftier im Kaisers««. 
Kmz Wch ll Uhr mchm die Begrüßungsfeier in dem 
Kaisers«»! ihren Anfang. Die Mverßrmmku^ erhob 
sich von den Sißen, als Reichspräsident 6bert an der 
Spitze der Regierungsmitglieder erschien. Dann ME das 
Amar-Quartett zwei Sätze aus ermm Quartett von 
Hrndemith, leidenschaftlich verhangene Mupk ganz aus 
dem Geiste dieser Zeit geboren. Es folgte dre Reihe der Am 
sprachen, einaeleitet von Oberbürgermeister V o i g t, der w 
Worten der Rückschau und ernst-gefaßt ni Gederckiis der lchwe- 
WN Gegenwart den Reichspräsidenten und die Schar der Gaste 
namens der Stadt Frankfurt bewillkommnete.. 
Dem Redner wurde reicher Beifall zuteil, Zumal als er die 
Gäste aus Oesterreich begrüßte. Bei seinem Gruße an dre be- 
drMen Volksgenossen, im Westen erhoben sich die Anwesenden 
spontan von den Plätzen. 
Oberbürgermeister Bürgt: 
AZ Wer des IZ.Nsim IrMfurl. 
Die histsrische Ausstellung im Römer. 
- In den schönen Erdgeschoßräumen des Römers ist eine 
von dem Direktor des Frankfurter historischen Museums Pros. 
! Bernhard Müller und feinen Helfern, den Kustoden Dr. 
! W 0 elcke und WelckLr trefflich organisier Gedachtnis- 
ausst-ellung unLergebrachr. die ein sinn^Mges Bild von den 
i Vorgängen des Revolutionsjahres gibt und vor allem darüber 
Lelehrh wie sehr sich die politische Erregung jener großen 
Epoche auf die breiten Schichten des Volkes übertrug, wie sie 
das ganze Dasein beherschte und selbst in dem kleinsten Ge 
lrauchsgegenstand ihre Auswirkung fand. Im Mittelpunkt 
steht begreiflicherweise die Frankfurter Nationalver 
sammlung, die durch Wrt und Bild vielfältig veran 
schaulicht wird; daneben sind aber auch größere Gruppen der 
revolutionären Bewegung in den verschiedenen anderen deut 
schen Ländern gewidmet, so daß sich das denkwürdige Treiben 
der Zeit seinem vollen Umfange nach getreulich hier spiegelt. 
Viele Sammler und Museen haben bereitwillig ihre Schätze 
zur Verfügung gestellt und hierdurch wesentlich zum Gelingen 
dieser Erinnerungsschau beigetragen. 
An der Spitze nmrschiert das ,F rank furter histo 
rische Museum, das die meisten auf die Nationalver 
sammlung bezüglichen Gegenstände aus seinen reichen Bestän 
den hergeliehen hat und wohl überhaupt in besonderem Maße 
dazu geeignet wäre, den natürlichen Mittelpunkt aller Samm 
lungen abzugeben, die auf die Pflege der großdeutschen repu 
blikanischen Traditionen und Bestrebungen bedacht sind. Auch 
die anderen Frankfurter Museen, einschließlich des Goethe 
Museums, sind gut vertreten. Von den auswärtigen Museen 
gebührt Dank für ihre Beteiligung' dem Kieler Landes 
museum, dem städtischen Museum Erfurt, dem stadtge 
schichtlichen Museum Leipzig, dem Märkischen Museum 
Berlin und dem historischen Stadtmuseum München. 
Vieles stammt aus Frankfurter Privatbesitz. Zu nennen sind 
vor allem die Herren Heinrich Stiebel, Geh. Justizrar 
H i rq ch, Dr. Alfred Landsberg. Dr. Fr. Eding er, 
Magistratsrat Dr. H. Mater, Dr. I. Cahn und Schwe- 
kowsky, die aus ihren Sammlungen Originalzeichnungen, 
Handschriften, Urkunden und noch so manches andere wert 
volle Stück beigesteuert haben. Von RechLsanwalt Ullmer 
aus Mesloch rührt wertvolles Material zur burschenschaft- 
lichen Bewegung her. 
Der große Saal des Hauses Löwen st ein beherbergt 
hauptsächlich die annähernd chronologisch angeordneten Samm 
lungen zur Nationalversammlung. Handzeichnungen der Zeit 
vergegenwärtigen das Innere der Paulskirche und halten alle 
möglichen wichtigen Ereignisse im Bilde fest. Erinnerungen 
von damals vermengen sich unwillkürlich mit der Erinnerung 
an die Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit, und man spürt 
deutlich die durchgehende, freilich vielfach verdeckt gewesene 
VerbmdungsM die sich von 1849 bis 1918 hinzieht. Zahl 
reich sind die Handschriften und Drucke. Man sieht Original- 
menuflripte von Hecker und Blum, einen Antrag des 
Radikalen Simon von Trier, eine an das Parlament er- 
gangene Aufforderung des in Schleswig-Holstein komman 
dierenden Generals Wrang el, gegen dessen Wirken sich die 
ebenfalls vorliegende Anfrage eines Abgeordneten richtete — 
die ganze Zeit wird durch diese Dokumente lebendig, die wahr 
lich nicht verstaubt anmuten. Mancherlei Bilder und Dar 
stellungen, die Zu einer eigenen Gruppe vereinigt sind, be 
zeugen den tiefen Eindruck, den die Ermordung des Generals 
Auerswald und des Fürsten Lichnowskh hervorrief; , 
stark wirkt zumal die Totenmaske des Fürsten. Auch her Reichs 
verweser Erzherzog Johann von Oesterreich hat seine 
Gruppe erhalten, in deren Mitte sich als Hauptschmuck sein 
von Bmnert gemaltes Oelbildnis befindet, das er selber der 
Stadt Frankfurt als Geschenk überwies. Daß die Mehrzahl 
der - Abgeordneten: Blum, Jucho, Gagern, Simon, 
Uhland, Vogt, um nur wenige Namen herausZugreifem in 
charakteristischen Porträts auftauchen, versteht sich wohl von 
selb-sr; besonders sehenswert ist die seltene Kollektion von 
Daguerreothpen, die die meist bärtigen Gesichter bekannter 
Reichs mimster des Innern Oeser dünkte namens des 
Reichspräsidenten und des Reichsmini^ für die Will- 
kommenswsrte. Lebhaftes Bvavo erschallte bei seinem Hinweis 
darauf, daß der 11. August, der Lander Weimarer 
Verfassung, zum nationalen Feiertag gemacht 
werden solle. Weiterhin hob er in kurzem historischem Rückblick 
die Bedeutung Frankfurts für die Geschichte der deutschen Ein 
heit hervor. Der heutige Tag bezeuge eindringlich, daß die 
junge Republik ihre Tradition besitze. Aber wir dürfen, gerade 
als Republikaner, nicht engherzig sein. Alle geistigen Besitz 
tümer der Nation, alle großen Gestalten der deutschen Ver 
gangenheit müssen wir in diese Tradition mit einbeziehen, aus 
der ganzen deutschen Geschichte wollen wir lernen, und im Ver 
trauen auf den deutschen Genius die kommenden schweren 
Zeiten überdauern. Am Schluß seiner Rede verlas der Reichs- 
winister das nachstehende 
Schreiben des Reichskanzlers Dr. Enno: 
„Zu meinem großen Bedauern erlauben mir dringende Politische 
Geschäfte nicht, morgen in Frankfurt zu sein. Desto nnhr drängt! 
Der Vizepräsident des Reichstags Dr. Bell dankte hieraus 
namens des ReichsLagspräsidiums für die Einladung zur 
i Jubiläumsfeier. Seine ersten Worte galten dem Ernst der 
! heutigen Lage. Lwnn gedachte er der trefflichen Männer der
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        ! NMonalversummlung, die vor 75 Jähren ihr ganzes Können 
und Wissen in den vaterländischen Dienst setzten, um die 
Reichseinheit zu schaffen. Gelang auch das Werk nicht, ver- 
geMch war das Wirken dieser Männer nicht. Der Redner zog 
die Verbindungslinie von 1848 über 1871 bis 1919 und seierte 
Frankfurt als Wegbereiter und Bahnbrecher für 
Weimar, wo die deutsche Reichseinheit in neuem GewE 
wiedErerstand. Er schloß mit dem Hinweis auf das Pflicht 
gebot der Stunde: zur nationalen Selbsterhaltung unerschütter? 
lich zusammenzustehen, damit das kostbare Gut der deutschen 
Reichseinheit der kommenden Generation bewahrt bleibe. 
Kein Opfer darf uns zu groß und zu hart sein, 
um dieses Gut zu retten: das sei das Treuegelöbms der 
Stunde! Besonderen Gruß entbot er als Sprecher des 
deutschen Volkes zuletzt den zahlreich erschienenen Brüdern 
aus Deutsch-Oesterreich und den Volksgenossen in den besetzten 
Gebieten im Westen und Osten. (Lebhafter Beifall.) 
Der Vertreter des österreichischen Nationalmts Seitz 
dankte für die herzliche Begrüßung in Frankfurt und betonte, 
! daß es gerade jetzt, wo Deutschland im Westen so sehr bedrückt 
! und von Haß allenthalben verfolgt werde, den Oesterreichern 
! ein Bedürfnis gewesen sei, nach Frankfurt zu kommen und 
auszusM welche Liebe Oesterreich für Deutschland 
empfinde. (Langanhaltendes Händeklatschen.) Die Einheit des 
deutschen Volkes stehe wohl noch in weiter Ferne, und das 
Wort in dem Friedensvertrag von der Unabhängig^ Oester 
reichs gegenüber Deutschland sei sicherlich das schlimmste Wort, 
das der Vertrag enthalte. Trotzdem lebe aber in den Oester- 
reichern der starke Wille, endlich eins zu werden mit Deutsch 
land. In solcher Sehnsucht und solchem Wollen seien sie hart 
und fest, und die Geschichte werde ihnen dereinst gewiß recht 
geben. (Starker Beifall.) 
Der Vizepräsident des Reichstags Geheimrat R i e ß e r 
drückte sodann die unerschütterliche Ueberzeugung aus, daß 
keine Macht der Erde stark genug sei, um den endlichen Zu 
sammenschluß zwischen Deutschland und Oesterreich zu ver 
hindern. Auch er lenkte den Blick auf die Tage der Pauls 
kirche zurück und stellte fest, daß seit jener Zeit von Jahr zu z 
Jahr die Einsicht in die Zusammengehörigkeit der beiden 
Völker gewachsen sei. Kurz verweilte er bei der Bismarckschen 
Awischenära und feierte zuletzt in kernigen Worten das zu 
Unrecht so vielgeschmähte „ProfessorenparlamenL", d&amp;lt;rs im 
Jahre 1848 weithin das Banner des deutschen Idealismus 
entfaltete und eine Fülle bedeutender Redner und Politiker 
vereinte, wie sie kein Parlament seither besaß.. Was damals 
ein Redner gesagt habe, es gelte auch heute: daß wir in ge 
duldiger Arbeit und im Glauben an die Zukunft unseres 
Volkes die Zeiten der Not überwinden müssen. (Lebhafter 
Beifall.) 
Aus der Mitte der Versammlung wurde im Anschluß an 
die Rede ein Hoch auf die einige groß deutsche Re 
publik ausgebrächt, in das die Anwesenden begeistert ein- 
stiwmten. Mit den Haydn-Variationen des Deutschland 
Liedes schloß die ernste und würdige Feier. 
Als die Musik verklungen war, Legaben sich die Anwesenden 
über die «^ehrwürdige Treppe hinab in die Römsrhallen, wo 
der Reichskunstwart Dr. Rsdslsb einige einleitende Worte 
zur Eröffnung der historischen Ausstellung sprach. 
Man lerne in der schönen Schau, so führte er aus, die An- 
fange des deutschen Parlamentarismus aus unmittelbarer 
Nähe kennen. Köpfe, Autogramme usw., das ganze bewegte 
Leben der Zeit trete dem Beschauer greifbar entgegen. Vor 
allem aber erfreuen, und das sei das Erhebendste, die vielen 
schönen Frankfurter Erinnerungen, die hinlänglich beweisen, 
wie innig von jeher die gute deutsche Stadt Frankfurt mit der 
deutschen Geschichte verquickt gewesen sei. An die Rede des 
Reichkunstwarts schloß sich der Rundgang durch die Aus 
stellung. 
Sie Zeier m der PMMrche. 
Me Stichs werden lebendig, wenn man das Innere der 
Paulskirche betritt. Ihr schöngebildetes Rund hat die gleiche 
Ausschmückung erhalten wie Zur Zeit der Nationalversamm 
lung und so sich würdig für die Weihestunds bereitet, die der 
Erinnerung an jene Tage, gelten soll. Wohltuend berührt es 
vor allem, daß der große Gaslüster entfernt worden ist; 
das prächtige Kuppeloval gelangt nun ganz zu seiner 
Wirkung, und voller erklingt der Raum. Ueberall,' wohin man 
blickt, beherrschen die Farben der Republik das Feld, die vielen 
Gsdächtniszei^ rufen den frühen Traum von ihr wieder 
wach, den verfrühten Traum, der sich gar seltsam mit der 
gegenwärtigen Wirklichkeit vermengt. Die Estrade der Kanzel 
ist rot ausgeschlagen. Darüber befinden sich auf rotem Grund 
drei schwarz-rot-goldene Fahnen, in der Mitte 
der Reichsadler ohne Krone, Schwarz-rot-goldene Be 
hänge folgen in der Höhe des Hauptgesimses dem 
Kuppelrund, vielfach unterbrochen durch kleinere Fahnen, 
die natürlich ebenfalls in den jetzt zum vaterländischen Symbol 
gewordenen Farben gehalten Pnd. So durchwogt der gute 
Farbendreiklang das ganze Innere und schafft die rechts 
Stimnmng für die Feier. Von der Empore oberhalb der 
Kanzel „herab grüßt Mutter Germania ihre bedrängten Kinder. 
Rechts und links von ihr stehen in großen Lettern jene rührend 
schlichten Wers-e geschrieben, die den Abgeordneten im Nationale 
Parlament als tägliche Mahnung dienen mochten. Stumm 
bitten sie: „O walle hin, du Opferbrand, hin über Land und 
Meer, und schling' ein einzig LiebesLand um alle Völker her!" 
und: „Des Vaterlandes Größe, des Vaterlandes GliÄ, s 
schafft sie, o bringt sie dem Volke zurück!" 
Längst vor zwei Uhr füllte sich bereits die Kirche. Auf 
der Empore drängte sich, dichtgeschart, die Menge, viele mußten 
sich mit Stehplätzen begnügen. Um Viertel nach zwei Uhr be 
traten die Teilnehmer des Zuges die Kirche, voran der Banner 
träger mit der schwarze Fahne, dann der ReichL-- 
prästdent, die Minister, die Spitzen der Behörden und alle 
die übrigen Gaste, unter denen sich auch, wie noch nachgetragen 
zu werden verdient, Oberbürgermeister Dr. Luppe (Nürnberg), 
und Vertreter Münchens, der Pfalz und Frankens befanden. 
Schnell waren die Bänke bis auf den letzten Platz besetzt, auch 
' ein Film-Operateur fehlte nicht, der die rasch wechselnden 
SZenenbilder aufnahrm Während Vertreter der studentischen 
Verbindungen sich um die KanMl gruppierten, leitete Orgel 
spiel die Feier ein. Daran schloß sich Gesang des Frankfurter 
Motetten chors unter Leitung seines Dirigenten 
Professor Gamble. Weihevoller Auftakt waren 
' die nun folgenden Worte von Oberbürgermeister Voigtr 
„Heilig Band," sprach ev die Festversammlung an, „schlingt 
sich herüber von dem Tage, wo treue Werkleute des deutschen 
Volkes hier zusammenkamen, den Traum von Einheit und 
von Freiheit zu Wirklichkeit zu bilden. Ihr Work blieb un 
vollendet damals. Sein Fundament jedoch hat sich bewährt 
Zum Bau, in dem wir heute wohnen. Nach 75 Jahren sind 
wir Söhne hier, lebendig Zeugnis abzulegm für das Werk 
; der Väter. In ihrem Geiste wollen wir auch die bessere 
Ackunst bauend 
Hierauf ergriff das Wort . 
Reichspräsident Ebert: 
Meine Damen und Herren! 
Ihnen, Herr Oberbürgermeister, und der StadtFrank- 
f u^L, die reichen Geschichte vor 75 Jahren jene 
EmpfindMML SMie von der Bergstraße. 
Der Morgen Brütete, matte Ahnung der Berge verschwamm im 
Frühdunstt und SchtzenenstrsMe liefen endlos weiter durch die 
ELme nach Süden, nach Süden. Darm flog Staub um rms 
msf als wir von Bickenbach den Höhen uns näherten, erd- 
grchrer Staub sich den Himmel, und wir — wir waren, 
sMer lme Staub — voller Stadt waren wir noch und quirl 
ten weg über den Lag. Jugenheiw mit seinen wei 
ßen Springen-Häusern schlief, wir schritten hindurch, lau 
wesite sich die Luft; anf Feldwegen strichen wir an den 
WWerhüMln vorbei, und da lag Seeheim schon, lässig am 
Mergründ auKgeKreistch Häuser, Bäume, Gärten hingehaucht m 
blauem Bezirk Gkmino, mem junger Begleiter, lächelte und un 
sere Spannung wich, verbitterte im traumhellen Tag. So war 
SS am Dodensse gewesen, nein, in Italien. Aber die fremden Bil- 
Ler mißten sich nur, um gleich zu verschieben, denn hier war ja 
Süden, leiöLissüger Süden, immer tiefer wuchsen wir hinein, 
Figuren eines GEÄdes waren wir, m dem wir wunderbar stol 
zierten. KWe Zimmer, durch JOlsusien MgBlendet, öffneten sich 
uns, und später saßM wir sn großem Lisch im Hotelgarten, 
einzig betroGm darüber, dG her Kellner mehr italienisch sprach, 
daß "da noch LuKnHe M kaum verlassenen, längst versunkenen 
GegendM beftsÄLN. Automobile fuhren ein, Schleier lüfteten sich, 
leichte SsnmrergeMt-en verfingen sich im grünen Schattenkreis- 
Mir gingen von dritten, und Häuser, Bäume. Gärten blickten 
rE noch, wie wir so ohne Ziel dem Ungewissen zuschlenBerten. 
Er 
In dZM KsiMN JMMNtzeimer GM verMuMen wir die frühe 
KiLmgMrm.de. Tm Klavier stmch im Raum, Manino konnte 
Nicht widerstehen, er schlug die geliebten Melodien an, 
And von LrGengMrr dünn kontVKpunktiert, quoll aus schwarzen 
Tasten Heiterkeit schnxrMM in die SAsgestorbene Welt. 
Durch die leer auslaufenbe Pch^M-enstraße schlichen wir, rochen an 
MederLüschen. spähten in Hofwinkel hinein und trotteten Zwi 
schen Hecken dem Nchchbarorte zu, wo wir einem befreundeten 
»Schriftsteller begegneten, den wir lange nicht mehr gesehen hatten, 
.qmd der NUN RirsMd heißen mag, weil er ganz einem AöruMN- 
xLuber glich, so ZMräunt wor er, dieser zivilisierte Räuber mit der 
'«naLkömMlicheR Pfeife im UkrndwirM, Muarzm Zocken- 
hMr, der hHMdsuLLlöß^n und den stets spöttischen Äugen- 
MnMo Hleffte uns diech den Ort, dessen Namen — wir HAen 
Als der rauschende Beifall nach den Worten des Reichs-- 
prästdentE sich gelegt hatte, folgte zum Schluß die ge 
dankentiefe 
Festrede von Alfred Weber: 
s Hmhmrschnliche Versanmckung! Herr Reichspräsident! 
Wozu versammeln wir uns heute, an dem Tage, da das deutsche 
Varmment vor 75 Jahren an diesem Ort eröffnet ward? Gewiß
        <pb n="33" />
        j uns trennte, um Schweinekoteletts für das WendeAen einzu- t 
Kaufen, wie feine Frau es befahl. ch 
Mein gelassen, trieben wir im Glycine^uft Wer den Heiligen 
berg ins Stettbacher Tal. Hinter uns schlug das Gebüsch 
zusammen, Rwaldo, so träumten wir, war am Eichhörnchen, das an 
der seidenen Strickleiter seiner Ballade sich in die Wipfel schwang, 
- inMer höher, bis es^ kichernd sich verlor; schwere Träume glitten 
wie GlutweLen über uns hin, wie wir uns in das kreisende Geheim 
nis des Laltrichters einbohrten, und aus dem grünen Meer, das 
aufwogte und sich um uns schlang, blmZLen versinkende rote 
Dächer uns verständnisvoll Zu, als seien wir MLverschweren^ als 
wüßten wir um etwas, was nur sie und uns betraf. Langsam 
ließen wir uns von der Mut tragen, da verebbte das Blattgerausch, 
und oberhalb des Talgrundes fanden wir uns auf weicher Rasen 
, fläche, die den geöffneten Kessel zart durchklang. Hier lagen wir 
nn abziehenden Lag, lange lagen wir hier, eingefangen von d-r 
reifen SpäLftunde, die unbeweglich verweilte und alles zum Stehen 
brächte, daß Mes ewig mit ihr zm weilen schien. Weiße Blüten- 
fülle wallte trag zu Tal, lastende Wälder wälzten sich über die 
Hügel unaufhaltsam ihr entgegen. Gianino wandte sich mir zu, 
das ist unsere Stunde, sagte, er, und nahm in einem Seufzer 
vieles vorweg- Mute um Blüte sank nieder, wir gingen hinab 
und kreuzten die bevölkerte Talstraße, zu deren Seite Akazien, 
Himmel, Wolken «nd Menschen m sorgsam «KgeteMsn Stau-Becken 
'IchanVeEss sich MeMen. 
viele Schriftsteller möchten am Ende eine Unruhe erzeugen, die der 
Literatur nicht zuträglich ist — schmale Wege führte uns 
^Rinaldo hinan zu Einern Standquartier, der Villa unterhalb der 
Burg und pfiff seiner Frau, die uns alle mit hinein nahm, während 
e selber überfloß von Schmidtbonn bis George, von Goethe bis 
Edschmid, die ganze Literatur hindurch, daß es uns fast den Atem 
verschlug und wir ein Glas Himbeerwasser nach dem andern ver 
schlangen, um nur ja bei Besinnung zu bleiben. WN traten auf 
den Balkon und dachten, daß es sich hier Art weilen lasse, so in 
halber Höhe an der Grenze von Gebirg und Ebene, hinter Es 
die zum Meliöocus «mst-eigenden Wälder, vor uns weit, weit die 
gesellige Rheinebene, bewohnte unendliche FlWe, die jenseits im 
Himmel sich löst. Wie da der Odenwald sich sanft hinemschwingt 
in die befreundete Eben-', dachten wir, als ob er wisse, daß sie zu 
ihm gehört, welch leichte Wege er den nach Abkehr bedürftigen 
Menschen bereitet. Und wir dachten, »daß dies gerade die rechte, 
schwer M treffende Mitte sei, wenn aus dem geräumigen Flach 
land mit seinem Strom, seinen Städten, Dörfern und Straßen 
so wie hier in schmiegsamem' Crescendo der Höhenzug cwfchwillt, 
fühlten uns angeheimelt von dem Einklang Zwischen der verhüllten 
Offenheit der Ebene und dem geöffneten Schweigen der Wälder. Da 
brach Rivaldo nach Räuber-art in unsere Meditationen ein, auf 
Jndianerpsaden drangen wir, von ihm geleitet, zur Burg hinan, 
einem Kinderspieheug von Burg mit Tischen, Bänken und Brause 
limonade, und weitbogige Waldwege taten sich auf, die Leuchtend 
in der Richtung nach Jugenheim sich wanden. Wr trödelten hin 
im Nachmittag und Rinaldo zwischen uns trug eine Ballade vor, 
eigene verjährte Komposition, lang sei sie zwar, kündigte er an, 
aber sie werde den Gang uns kürzen. Der Weg, den vielen Buch 
tungen sich anpassend, krümmte sich, und die Ballade krümmte sich 
nnt, wir stiegen an und die Ballade stieg mit, es war eine elastische 
Ballade, länger als der ganze Odenwald, nie hätten Gianino und 
! ich geglaubt, daß eine Ballade so lang sein könne. Sie besang den 
! Untergang eines alten angelsächsischen Grafengeschlechts, gut nur, 
daß damals das Abendland noch ahnungslos weiterbestand. Wäh 
rend der fromme Grafensproß, in Raserei geratend, an der schönen 
Dirne aus dem Volk schändlich sich verging, sickerte Las Licht grün 
und spöttisch, spöttisch wie Ninalds selber, durch die dichten Laub- 
Wer, harrn wieder zeigte sich kokett in immer nerzen Situationen 
die nahe Ebene, während längst Mammon mrs dem Grafenschloß 
MZelien, dM Schloß veröVmmkL rmtLMich miismnt hmn Gra- 
stn und dsr Dirne, uNd indM die Verse -erschöpft M dm Hafen 
der MomL siKmündeten, kletterte ein ihnen entsprungenes Sich- 
Wimchen «m grauem Buchenstamm empor, und Zwischen roten 
.KrHkKLM HamHLO Med-SP Jrrgenhetzn auf, wo Rmakdo sich von 
Jn^ der Mmmemng FerfM^ die Eintracht Mischen Gebirg 
und Ebene. Zu sanftmütig war der glatte Tag gewesen, jetzt riß 
die Ebene M aus der Umarmung fcheu zurückweichender Hügel, 
stöhnte auf in der Schwüle und brächte es doch nicht über ein 
Stöhnen hinaus, so fest umklammerte sie noch der Tag. Fahriger 
Glanz fuhr über den Horizont und schwand ins Ungewisse, Ge- 
knirsch wie aus Höhlen brach vor, unheimliche Revolte, dazwischen 
Flüsterworte und Gelächter, das die Lust durchschnitt, die brünstig 
uns^umschwamm--- tMischer Zwielichtfpuk das alles, der brandige 
Gerüche ausschwitzte und an unsichtbaren Ketten zerrte, gierig sich 
i auszutoben Zwischen Tag und Nacht Wo war nun Wohllaut der 
- Landschaft, blieb Gleichmaß und schön-freiwilliger Uebergang ? 
i AufgestSrt schritten .wir verwandelte We.ge, Fremdheit drängte sich 
Nn und ls^rte die Gehege, schweifende Gedanken flogen aus.! 
! Müchru Tag und Nacht, verhallenden Stimmen nach, die vergeb-i 
l'ch sich riefen. Und wir umfaßten Gebirg «nd Ebene, Nacht 
und Tag, auf des Messers Schneide gingen wir hin. Dunkles ver 
strömte. Unruhe M-rkvampfte sich, SMenenstränae, wußten wir. 
liefen endlos nach Süden, nach Süden. Fiebernd huschte die Zeit 
vorbei und höhnisch kichernd äffte uns Rinaldos Ballade, Karr-« 
katur jenes Abenteuers, das im Zwielicht uns suchte, nicht mehr 
als versuchte freilich, weil der sanftmütige Tag wieder 
und wieder uns band. Dann wuchsen Häuserküsten herauf, Garten 
buchten Müßten — Seeheim kam auf uns zu und alle Dinge M- 
Leu noch ihren Namen. Dsrflausbuben rauchten im Gswinkel, und 
unter Bäumen, Zwischen Lichtern, sammelten wir UNI an gedockten 
^Tischen zu den Uebriaem Automobile, Menschen, Musik — das 
!alte, selbe Spiel, bewegter Hintergrund und rauschender Schleier, 
! immer cmfs weue im die Hergen! 
! Spät noch ginMn wär manbelmuhMt in den Abend- Haus- 
wände, Weich und fensterlos, blieben zurück, urch MLdsVen 
Mauern, dE kurz nur folgten, entrann talernwärts ein v-emmn- 
schenM SMuchtwag, der uns in seAve Kühle rmt sich nahm. Host 
stoße karrten E Rand, Ha^dufL webte an, ein Bach klang' auf 
im Dunkel — wir Kaubten rm Hochgebirge zu fein, fern in den 
-DoLomiten, auf gewu-ndeper Patzstrahe glaubten wir zu wan 
dern und spähten nach weißen Gipfeln aus, lauschten verirrtem 
Geläut, aber kein Gipfel zeirgte sich, kein fremder Ton betörte, 
nur WäMerscmsen ringsum und Plätschergewebe im Grund. 
Ueber den Bergs-aum her glotzte ein Stern, ein roter riesiger 
SWon, der näher und näher, kam und uns durchbohren wollte 
mit bösem funkelnden Blick. Eng rückten die Wälder aneinander» 
Fackeln schienen zu schwingen, nicht Fackeln waren es. Meine 
Helle Punkte vielmehr, die unbeweglich harrten, Lichtpunkte, 
die bald wieder schwanden und wieder sich zeigten, Lichter in ver 
borgenen Häusern, derep Schimmer das Laubgeriefel rnKd 
duachgloww. Die ErschMnung stand und verging, wir starrterr 
ihr nach im Anhauch der Nacht, und mit uns stcrxrte der Ssern, 
neu gierig-verwundert, so gar MHL mehr böse. HMe Rinalds 
eine neue Ballade gezaubert? Uebermütig summte Gianino 
einen Nagtime in Vierteltönen, und droben der rote Glotzende 
tanzte dazu, unverdrossen tanzte er noch, als wir, in unseren 
Mänteln fröstelnd, Abschied -ihm wirkten und schnelleren 
Schnittes nach Hause zogen. In dem Baumdnnkel rechts schlvebte 
eine Wand ohne Hast im Gesträuch, groher Abend-Kehr 
aus war voller Geglitzer, Wirbel und Abgesang auch in ums^, 
dieweil der Bach leise plätscherre urch der vermummte WMnino 
den ganzen Wunder von Mädchen, Leben und Liebe stoßweise 
omsschütteEe irr die Nacht. Zuletzt verbalste das Wäldersausen 
hinter LNs, schläfrig strichen 'die räed-eren. Mauern hsrbei und 
AMMMWelm-VersanikM-U. 
Sitzung vom 29. Mai. 
Zu Beginn der Sitzung kamen einige M a g i st r a t s v o r - 
lagen Zur Verhandlung. Der Magistrat teilte mit, dm in diesem 
Jahre die gleichen Stvaßenbahnfah^ wie im Vor ¬ 
jahre für die Besucher der städtischen Strandbäder Zur 
Anwendung kommen sollen. Stadtv. Bechstedt (Dem.) forderte 
wieder die schon einmal abgelehnte Fahrpreisermäßigung für die 
Besucher des Licht- und Luftbades an der Eschersheimer Landstraße, 
Stadtv. Hipp er (Zentr.) Ermäßigung für die Kleinrentner. 
Stadtv. Lang (Komm.) beantragte höhere Ermäßigungen als die 
vorgesehenen. Der Antrag Bechstedt wurde angenommen, die An 
träge Hipper und Lang gingen an den Ausschuß. 
Die Aufhebung des A n sländ ertarifs bei der Straßen 
bahn soll im Hauptausschuß nochmals durchberaten werden. 
Die erhöhte Zuwendung an die P a t e n g e m e i n d e 
Zaborze in Oberschlesien wurde sofort genehmigt. 
Auszahlung der Beamtengehalter. 
Stadtv. Frl. Dr. Schulst (Dem.) begründete im Anschluß an 
die Vorlage über Einführung ei nerAltersgrenze für 
Beamte den folgenden Antrag: 
„Ist der Magistrat bereit, sofort bei der Reichsregierung vor 
stellig zu werden, daß als Vorschuß sofort nach Genehmigung für 
die Reichs- und Staatsbeamten die Beamten- und Angeftellten- 
' Zuschläge den Gemeinden überwiesen und die Regierungspräsi 
denten durch Telegramm angewiesen werden, sofort die Zahlung 
. Zu leisten, damit die Komwunalöeamten und Angestellten gleich 
den Reichs- mnd Staatsbeamten s ö f o r t in den Bezug der Gel 
der kommen. Ferner erwartet die Stadtv erordneten-V^ 
kung, daß die Stadt Frankfurt a. M. die ihren Beamten und An 
gestellten Zustehenden Betrage ganz und nicht in Raten zahlt." 
Bei der Begründung hob Frl. Dr. Schulst hervor, daß Frank 
furt die einzige Stadt des Regierungsbezirks sei, die, ihre Beamten 
und Angestellten in Raten bezahle. Die Schuld hieran liege wohl 
an dcm Personalamt, das dte erforderlichen Unterlagen nicht recht 
zeitig dem Regierungspräsidenten unterbreite. Zum Schluß stellte 
sie den zweiten Antrag, der Magistrat möge die Mai-Teuerungs- 
Fuschüsse sofort ganz Zur Auszahlung bringen. Stadtv. Thomas 
(Soz.), der auf die Notlage der Arbeiterschaft Hinwies, forderte 
ebenfalls eine schnellere Auszahlung der jeweiligen Beträge. Auch 
Stadtv. Lang (Komm.) begründete'einen (bereits veröffentlichten) 
Anwag, wonach u. a. den Arbeitern eine Entschädigung von 10 000 
Mk. für nicht rechtzeitig ausgezahlte Teuerungszuschüsse gewährt 
werden soll. Stadtv. Gervien (Soz.) beantragte Neberweisuttg 
der Vorlage über die Einführung der Altersgrenze für Beamte an 
den Organisationsausschuß. Er erklärte sich nicht einverstanden mit 
d.r Bestimmung, daß Ausnahmen bei der Zwangspenstonierüng 
zulässig seien. Stadtv. Landgr^be (lib.) sprach sich gleichfalls
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        duk 
d » e u r 
-des 
-st?, 
- Dr- BEauten des Hsuptbahnbsfs. Man schwibt 
uns: . Die A rch i t e k te n g ru p p e des Rats für k ü i: st - 
sieri f ck e Angelegenheiten nahm am Di-enAt-ag aus 
^lgener Initiative heraus e^ue Besichtigung der Neubauten oes 
Hauptbahnhoss vor. Die Teilnehmer an dieser Besichtigung 
kgmeu übereinstimmend zu der UeborZeugurtg, daß die Neubauten 
nicht den Anfo^Srungien entsprächen, die man an die Erweite 
rung eiu-es Bauwerks von so allgemeiiner Bedeutung, wie der 
EWertstche HaupOahnh-of es ist, richten müsse. NnL Kvar wurde 
vor allem die unklare Entwicklung der Baumassen gerügt, die 
sich in der kleinlichen SAsiouMe nach deni Bahnhofsvlatz zu 
auswirke und den groß^ugi'Aen Rhythmus des alten Baues nicht 
genügerrd ausKrugen lasse. Gleich wenig vermöge die Abschluß 
' löfung des Ouerbahnsieigs im Innern zu befriedigen, die drei 
i verschiedene Bauteile nlit ganz verschiedenen Maßstäben und 
Formen ohne archi-tek attisches Empfinden aneinander füge. Dieses 
Ergebnis sei umsomeyr zu betmuern, als der Rat sich ''rechMitig 
an die EisenbahNdirektion gewandt und in zwei Besprechungen 
ferne Beidercken gegen das behördliche Pwjekt zum Achsdruck 
gebracht habe. 
Die bereit» ttntgctEe MaMrotsvorlaae über die Er.' 
hoyung b e r s t r a h e II b a k n t a r i f e ab 1. Juni würd" 
Quiekt des HauptMlSschuffes angenommen^ 
sonstige ""E von dringlichen, Borlagen 
für Ausschußberatung der Vorlage aus und befürwortete wstterym i 
das Aufhören der NatenMhlungen. Besonders setzte er sich für die 
Pensionierten und Hinterbliebenen cin. Nach Ausführungen des, 
Stadtv. Kreß (Zentr-), der sich dem demokratischen Antrag an-' 
schloß, und des Stadtv. G ra u ch «Dem.Z erklärte sich Stadial 
Dr. Schmu d e mit der ueberweisung der Vorlage an den Orga 
nisationsausschuß cinverstande,r und legtzeVerwabsiung ein gegen den 
V rwurf von Frl. Dr. Schultz, daß der Magistrot an der Verzöge 
rung di-e Schuld trage. Die Verwaltung habe durchaus Verständnis 
für die Notlage der Beamten und wolle alles tun, was in ihrer 
Macht liege, um die derzeitigen Zustände Zu bessern. Swdtrat Pros. 
Bleicher erinnerte daran, daß man bZ den steten Tariferhöhun 
gen, auch für die nötige Deckung sorgen müsse. Er schilderte sodann, 
sich an Frt. Dr. Schultz wendend, die mannigfachen Schwierigkeiten, 
de sich der Barzahlung der Gehälter immer wieder ertgchenstRwn. 
Bon dem Reich dürfe, man immer nur ungefähr die Hälfte dessen 
erwarten, was im Angmblick auszuzahlen sei. Da übrigens die 
erforderlichen Gelder für die Maizuschüsse inzwischen von der Regie 
rung eingetroffen seien, könnten in dieser Woche'noch 70 Prozent 
der Zuschüsse ausbezahlt werden. Zum Schluß hob Pros. Bleicher 
noch die VoAclle der Ratenzahlung hervor und erhärte, daß die 
Reichsbehörden im allgemeinen Mit den Zahlungen nicht weiter 
seien als die Stadt. Die Ueberweisung der-Vorlage des Magistrats 
an den Organisationsaus s ch u ß wurde gen eh m i g t. 
ein Antrag -Heißwolf, ein Rochtsgutachten darüber einzuholen, ob 
die Magistratsmitglieder mich unter die Zwangspensionierung fallen, 
ging an den Hauptausschuß. Der Antrag Dr. Schultz wurde dem 
Hauviausschuß üb erwiesen.dm Antrag Lang, insoweit er den 
städtischen Arbeitern eine Sonderentschädwuna von 10 000 Mk. zu- 
chilligt, kam mit 35- gegen .35 Stimmen, wobei der Vorsitzende H o p f 
den Ausschlag gab, zur Annahme. 
- E.ewerllÄofLnfiirsVW 
Stadtv. Thomas (Soz.) berichtete üDr die Stellungnahme 
des sozialpolft^chen Ausschusses zu der von uns verösfmtsichten 
Antwort des Magistrats auf die Ausschuß^ und gab die 
neuen Beschlüsse des Ausschusses bekannt, tue der Reichsrcgicrung 
übermittelt werden sollen, leider aber der Prasse infolge der kaum 
erst erfolgten Beschlußfassung nicht mehr ma/stellt werden konnten. 
Zum Schluß ermähnte er zusckleun'ger Gen.hmigung der Anträge. 
An die langen, parteipolitisch gcfärbtm Expekwrationen des 
Stadtv? Lang (Komm.), der u. a. V rdov^elung der vom A"s- 
schuß beantragten Sätze forderte, schloffen sich Ausführungen des 
Stadtv. Schneider (Soz.), der folgenden Antrag begründete: 
Die Stadtvrrordneten-V^ ersucht den Magistrat, die 
Unterstützung für alle unter 2,1 Falne ollen, unverheirateten Er 
werbslosen nicht generell auf 25000 Mk. sistzusetzen, wie es 
in der Magistrats Antwort heißt, sondern gleitend nach Maß 
gabe der Neichssätzs und n i cht unter den Satz eines kinderlosen 
Ehepaares, falls der Erwerbslose in Untermiete wohnt oder son 
stige soziale Verpflichtungen zu erfüllen hat. Bis zur endgültigen Re ¬ 
gelung ist den jugendlichen Erwerbslosen, auf die obige Voraus 
setzungen zutreffen, ein Vorschuß von 12 000 Mark zu zahlen. 
Stadtrat Dr. Schlotter teilte zur Kennzeichnung der Situa 
tion mit, daß die ErwerbslosrnDlnterstW um 33P5 Pro ¬ 
zent erhobt worden seien. Tuest Erhöhung' genüge nicht, wie auch 
vom Magistrat anerkannt werde. Eine Reduktion der gewährten 
Sätze, wie sie die Regierung fordere, sei, unter allen Umständen 
ausgeschlossen. Das wolle man auch der Rüchsregiermm klipp und 
klar erklären. Eine Deputation, mit ihm selber an der Spitze, werde 
nach Berlin gehen und dort das Nötige Vorbringen. Mas die Zu 
satzunterstützung anlange, so fei man an die Vorschriften der Rcichs- 
regierung gebunden. Deswegen gedenke er ebenfalls in Berlin vor 
stellig zu werden. Bürgermeister Graef teilte mit. daß die Stadt 
die von der Gasgesellschaft verfügte Sperre von Gasometern auf 
gehoben habe, außerdem dürfe keine Exmittierung von Mietern 
mehr stattfinden. Wo dergleichen doch verkomme, möge man das 
d^r Stadtverwaltung gleich zur Kenntnis bringen, damit sie Ab 
hilfe schaffe. Der Antrag Lang, insoweit er Anpassung der Unter 
stützungssätze an die Geldentwertung fordert, wurde angenommen; 
die von ihm verlangte Verdoppelung der Sätze wurde- 
unter lebhaftem Protest der Tribüne mit 36 gegm 33 Stimmen 
ab gelehnt. Im übrigen fanden die Beschlüsse des sozialpoliti 
schen Ausschusses Annahme, auch die weitgehenden Anträge wegen 
Ermäßigung des Gasvreises für Minderbemit 
telte und Erwerbslose, über die sich, unterbrochen durch lärmende 
Zurufe von der Tribüne, eine persönlich sehr gereizte Debatte ent 
spann, in deren Verlauf Stadtv. Balz er. (Dem.) scharf gegen 
die verantwortungslosen Forderungen des Stadtv. Lang polemi 
sierte. Seine Bemerkungen gaben dem Stadtv. Heißwolf (Soz-) 
Anlaß zu einer Erwiderung., 
Eure Aussprache fand über den Antrag des Lebensmittel- 
Ausschuffes zur Erhö h u mg der M a r ? t st a n d g e b ü h r e n 
statt. Gegen die Erhöhung wandle sich ein vom Stadtv. 
Thomas (Soz.) vertretener Antrag folgenden Inhalts: 
Die SLadtverordneten-VersaMmlung möge beschließen, den 
Mag'strat zu ersuchen, mit Rücksicht auf die inzwischen ein 
getretenen Veränderungen der WährunasveHältniffe eine 
Rückzahlung der Mieten für April und Mai nicht ins Auge 
zu fassen. Dagegen möge der Magistrat dafür sorgen, daß im 
Sinne seines letzten Beschlusses für Juni keine 
Steigerumg -ein tritt, bis ein entsprechender Aus- 
j gleich eingetreten ist. Härten in Einzelfällen möge die Markt 
verwaltung prüfen und für Erleichterungen eintreten. 
In Uebereinstimmung mit diesem Anträge forderte auch der 
Stadtv. Heue (Dem.) Ablehnung des Ausschuhantrages, 
während Stadtv. Landgrebe (Lib.) ihn befürwortete. Der 
Antrag Thomas wurde ange n o m m c n. 
Machte einen Antrag cin. 
den vollständigen Ausbau der R i e d e r w a l d sch n I e 
Maallra^ bezeichnete das Vorhaben 
Jingntiatch die schule nur teilweise ausbauen will 
Stadtrat Schaumann erwiderte 
der Magistrat d-e Schule natürlich fertig zu bauen gedenke 
Der das Tempo verzögern müsse.' 
ü' -Kaste, wie sttzt geplant sei, genüge den 
-edi.»smff.a der nächsten (Kegcnwari. Der Nntraa Kirchner 
wurde angenommen. Stadtv. Walter (Dem.) stellte eine 
üezu^'ch ner Belegung von Schulen durch die Handel«. 
^oz.) sagte Prnsung der
        <pb n="35" />
        aus deren Leben sie erwachsen. 
Was wäre ein Zirkus, in dem nicht die Tiere als Hauptdar 
steller agierten, Auch fle benehmen sich anders als gewöhnlich 
vereinen sich, Kraft guter Dressur und hoher Intelligenz, mit ihren 
Herren und Herrinnen zu einem Tun, Wer das vermutlich ihre in 
Freiheit herumlaufendsn Brüder befremdet den Kopf schütteln 
würden. Richtige BÜren z. B. fahren Rad und trinken aus 
Flaschen und ein kleines Hündchen in Tirolertracht stolziert 
unnatürlich selbstbewußt durch die Manege. Man fragt sich wirk 
lich, ob nicht die Schöpfung eines Tages aus ihren Fugen geben 
kann, wenn solche Dinge geschehen- Dann ist da die Berbe'r - 
l o w e n-Familie, die mit ihrem Dompteur allerlei praktische Tätig 
keiten verrichtet. Man hockt etwa aus Schemeln, blickt starr vor 
lich hin, oder ringt mit dem Dompteur und liebkost ihn dann- 
Wenn auch das Löwenjunge manchmal knurrt und die Mama nicht 
eben angenehm gelaunt scheint, so ist doch dir Familie im allge 
meinen ganz uneuropäisch friedlich gesinnt; der Löwenvater zumal 
ist ein die Ruhe liebender älterer Herr, der mit dem Dompteur aus 
gutem Fuße stehh unh in ihm offenbar den Gentleman ehrt. 
M Mm. . 
Vor dem Tor, auf der Oftendstraße, dort, wo die häßlichen 
Bachtemgebaude der Landwirtschaftlichen Hallen stehen, staut sick 
irr der Dämmerung die Menge. Dahinter, das weiß sie verbirgt 
sich Las Geheimnis, eine fremde Welt öffnet sich hinter dem 
Zaun, die schlechthin anders ist als das ewige Einerlei auf den 
grauen Straßen. Man Passiert die Kontrolle, die jedem Unbö- 
rusenen den.Zutritt streng verwehrt, und steht nun unmittelbar 
vor dem Geheimnis. Wagen breitet sich neben Wagen eine aanzc 
Wagenburg bedeckt die Mache, lauter kleine fahrende Häuser deren 
manche von innen erleuchtet sind, und da ist auch das Riüsenzclt, 
das die vielen Wunder umschließt. Helliakeit blendet dis Em- 
tretenden, die Kinder brechen in Rufe des Entzückens aus und die 
Erwachsenen staunen wie die Kinder, alle sind hier einander gleich. 
Man sollte es nicht glauben: zwei Manegen enthält dieses 
irnwchrscheinliche Zelt, zwei große Rings, die von den ansteigen 
den Zuschaucrtribünen gleichmäßig umfaßt werden; in der Mitte, 
wo sich der Eingang befindet, ist es leicht eingebuchtet, und gegen 
über dem Eingang tut sich ein schwarzer Schlund auf der bald 
d'.s verborgenen Herrlichkeiten aus seinem Dunkel entlassen wird. 
Masten tragen schwer und bedächtig ihre ZeMast, Strickleitern und 
Taue, dis irgendwo in den oberen Regionen befestigt sind, hängen 
lose im Raum und harren ihrer Bestimmung. Dann spielt die 
Hauskapelle, während dis Tribünen allmählich sich füllen, ihre 
Märsche und Tanz-weisen auf. unter den Klängen der Musik quellen 
'aus dem geheimnisvollen Schlund zwei Reihen aalonlerter Zirkus 
diener hervor, die feierlich Aufstellung nehmen und die Akteure tän 
zeln eilig in die Manegen. 
, Man müßte überall Augen haben, um alles wahrnshmen zu 
können, was gleichzeitig in 'den beiden Manegen sich vollzieht Die 
Darbietungen, um die es sich hier und dort handelt, sind 
zwar einander stets fehr ähnlich, aber stets sind auch Abweichungen 
vorhanden, die man für sein Leben gern genau beobachten möchte. 
Das geht nun nicht, denn man kann ja nur das richtig erfassen, 
was in der Näh- im eigenen Ring vorgeführt wird; und so er 
greift die Uebernrugi-rigen ein eigentümliches Schwindelzefühl, 
sie drehen und wenden sich und geraten in einen Taumel, der die 
Dinge noch illusionärer macht, als sie eS an sich schon sind. 
^chrMiches Segibt sich in der Manege. Gitterartige Holz 
wände sind aufgerichtet, dis zu einem Ridsenkäfig sich runden. In 
diesem Käfig kreist ein Mann auf dem Nad, von einem Knaben 
gefolgt, dis Wände hinan; beide rasen immer höher, immer im 
Kreii: herum, ganz horizontal wirbeln sie durch den Käfig, dann 
senken sie sich mählich herab und begrüßen, als sei gar Nickis ge 
schehen, mit lässiger Gebärde das jubelnde Publikum. Wir an 
dern gehen senkrecht über die Straße und denken, das müßte so 
Mn« weil die Gesetze der Schwerkraft es angeblich gebieten. Aber 
was haLen^i^e Gesetzs noch viel zu besagen! Der Mann in 
dem Holzring hebt sie einfach auf, auf einem Rad, ja sogar auf 
. einem Motorrad äfft er die sogenannte Wirklichkeit und knattert 
i über ihre Gesetze hinweg Wände empor in anders Bezirke, in 
denen die gewohnten Bestimmungen nicht mehr gelten. 
Viel, sehr viel muß sich überhaupt diese unsere so vertraute 
Welt hier gefallen lasten, alles, was sie trägt und im Gleichgewicht 
erhält, scheint hier ganz und gar umgestürzt. Junge Damen mit 
zi-Michen Sonnenschirmen tanzen auf dem Drahtseil, das doch 
gewiß kein Parkettboden ist, einen Step, der sich wahrlich sehen 
lasten kann. Hüte, drei, vier, fünf an der Zahl, fliegen weit fort 
durch den Raum und kehren gehorsam wieder in die sie aus 
werfende Aand zurück, hoch oben in der Lust sitzt ein Herr gemüt 
lich auf einem Stuhl, raucht seine Zigarette und liest bei dem 
Licht der Bogenlampe die Zeitung, Spiralen, aus Menschenkör 
pern gebildet, winden sich Zur Decke empor, man weiß nicht, wo sie 
eigentlich befestigt sind, Luftschaukeln dienen als unsolide Grund 
lage für nock unsolidere Kletterkünsts, Herkulesse treiben mit unge- 
- heuren Stahlfedern und Zentnerlasten ihre gewichtigen Späße, 
, ein Fakir verspeist mit dem größten Appetit Flammen wie Butter 
brote und das alles geht vielfach gleichzeitig vor sich. Der 
Kopf dreht sich einem förmlich, man glaubt selber auf dem Kopf 
zu stchen. «.Leipziger Merlri", sagt der lange Emil. 
Der lange Emil, der Neins Fritze und der werßgepuberte 
CorLy sind ein besonderes Kapitel. Ihre Kleidungsstücks sitzen^ 
&amp;gt; entschieden nicht so, wie es sich gehört, die Weste ist zu lang, die 
Hose zu kurz, das Hemd zu weit und die fuchsroten Haare des 
langen Emil sträuben sich ruckartig und ganz unwahrscheinlich gräß 
lich, sodaß der winzige Fritze erschreckt hintorkolt und drollige 
Purzelbäume schlägt. Auch gehen die drei durchaus anders wie 
anders Leiste, sie stoßen überall an und unnennbare Schwierig 
keiten bereitet es ihnen etwa, die niedere Manegen,-Schranke zu 
überschreiten. Während des Aufräumens feuern sie die Diener zur 
Arbeit an, sparen nirgends an lehrhaften Ermahnungen und be 
eilen sich sogar, selber zu helfen, aber freilich das ist nicht so ein 
fach, der gute Wille allein tut es nicht, unsichtbare oder im Eilen 
selbst bereitete. Widerstände verhindern jede nützliche Tätigkeit, 
man kann eben nicht, wie man gern möchte, und treibt nur, was 
man nicht treiben will. Einsam und ernst verfolgen die Drei alle 
Darbietungen und versuchen hinterher auch ihr Glück — daß es 
nicht glückt, ist sicherlich nicht ihre Schuld, denn sts strengen sich 
ordentlich mit Verbissenheit an; Schuld daran, daß ihr ehrlicher 
Ernst so lächerlich wirkt, tragen stets kleine, fatale Umstände, oie 
alle ihre. Bemühungen vereiteln. Die richtige n Akteure heben 
die Bedingungen des uns gemäßen Lebens auf, der lange Emil 
und seine Freunde, zu denen übrigens auch ein faWcker Eng 
länder auf Rollschuhen und noch manche anderen merkwürdigen 
! Typen gehören, heben wiederum durch ihren abseitigen Ernst die 
'Unwirklichst jener Akteure auf — man sollte meinen, daß sie 
selber nun wieder die normale Wirklichkeit herstellten aber weit 
gefehlt, sie sind nur Karikatur der Karikatur, man glaubt in einem 
Spiegelkabinett Zu weilen aus dessen hintereinander befindlichen 
Spiegeln dem Beschauer das Ägene Antlitz immer verzerrter ent- 
gsgenleuchtet. » 
Jn der Pause ist Stallbesichtigung. Löwen, Bären 
und andere Ungetüme sitzen, selber jetzt Zuschauer, brav und 
gesittet hinter ihren Gittern und die schön aufgezäumten Pferde 
und Ponys lassen sich, von dem stolzen Attila an bis herab zur 
Keinen Liest, geduldig von vielen taufenden Händen streicheln. 
Direktor Straßburg er benutzt die Pause, um ein wenig von 
seinen Unternehmungen zu plaudern. Seine Besitztümer mit den 
Tierparks und Dressuranstalten liegen in Strehlen bet Breslau. 
Der eine seiner drei Zirkusbetriebe ruht jetzt völlig, der zweite, 
von seinem Schwager geführt, durchreist die Tschechoslowakei und 
mit dem dritten befindet er selber sich unterwegs. Zwei Loko 
motiven dampften dem Wer 40 Wagen starken Sonderzug voran 
der Truppe und Menagerie mitsamt all den wilden Tieren aus dem 
zahmen Darmstadt hierher beförderte, wo man nun annähernd 
vier Wochen bleiben will. 
Lü E°tlR VE stehen unter dem ° n 
den folgenden Aufsätzen dialektisch duvchMführt. Gogarteu 
stellt in einer längeren Hum Teil polemisch gefärbten Betrachtung 
der Ethik des Gewissens die Ethik der Gnade gegenüber, Kar! 
Barth erörtert aus dem gleichen neformatonifchen Geiste 
heraus in dialektisch sehr Mgespitzter Weise das Problem der 
Ethik in der Gegenwart, und Eduard Thurneyj en schließlich 
sucht zu zeigen, warum 'das Christentum bisher dem SeziaUs- 
mus gegenüber; versagte urcd wie es sich mit ihm, wenn es 
richtiges Christentum Ware, auseinandersetzen müßte. Ein und 
dersewe Grundgedanke zieht sich durch alle diese Aufsätze hin-- 
dürch: der Gedanke, daß kein menschliches Tun, auch nicht das 
ethische, von sich aus beanspruchen darf, zu Gott hinzuleiten, 
und daß darum gerade das ethische Hartdeln am verwerflichsten 
und recht eigentlich „gerichtet" ist, wenn es solchen Anspruch 
erhebt. Nicht vom Menschen zu Gott, sondern nur von Gott zum 
Menschen führt der Weg, und eben die Dialektik dieser Er 
kenntnis fordert, daß der sittlich am höchsten stehende Menfch 
ferner Ohnmacht am tiefsten inne werde. Der Glaube allein, 
der Glaube an die Botschaft des Evangeliums trägt aus dem 
Abgrund empor, in den so alles Menschliche gestürzt ist. Wer 
in ihm lebt, der wird nicht mehr in titanischer VermessenheiL 
wähnen, daß eigene Schöpfertat Hm die Verbindung mit dem 
Göttlichen gleichsam garantiere, er wird vielmehr alles Ethische 
unter den nötigen Vorbehalt stellen und die begrenzte, nur 
relative Bedeutung der menschlichen Ordnungen nach Gebühr ein? 
schätzen. Durch diese Nelativierung der Welt aus der Spannung 
des Glaubens heraus erhält freilich jedwedes welthafte Wirken 
einen neuen Akzent, es wird seiner über die menschliche Be-; 
dingth^t hinausgveisenden Ansprüche entkleidet und in einem 
ganz bestimmten Sinne zum „Spiel"; darum aber, und hierauf 
weisen die Verfasser nachdrücklich hin, bleiben doch die Förden 
rungen der Welt als Forderungen gleich fehr für uns bestehen, 
und nichts von ihrem Ernst geht ihnen verloren, nichts von der 
Kraft unseres Strebens nach ihrer Verwirklichung büßen wir 
ein, wenn sie auch vor Gott eben nur ein „Spiel" sind und der 
Glaube ihre Nelativierung heischt. — Mit der Andeutung dieser 
paulinisch - lutherischen Gedanken wag es hier fein Bewenden 
haben. Ihre Paradoxie tmrd in den Aufsätzen auf die Spitze 
getrieben und bewundernswert entfaltet. Es sind freilich Ge 
danken, die sozusagen auf des Messers Schneide stehen und bei 
der leichtesten Vergröberung eine unnennbare Gefahr bedeuten. 
Viel, ja alles hängt davon ab, wie sie sich in denen auswirken,
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        Nelles (Ztr.) vorgeschlagenen redaktionellen Aenderun 
Vorlage des Haushaltsplan-Entwurfs für 1923. 
Oberbürgermeister Voigt 
übergab der Stadtverordneten-^ den Haushaltsplan 
Viel verwendbar, sehr gelehrig und von kunstgerechtem Be 
tragen sind vor allem die Pferd e. Sie springen rings um die 
Manege, führen niedliche Tanzreigen auf mit Figuren, wie man 
sie schwieriger kaum erdenken kann, arrangieren, unter des Direk 
tors Leitung, ein lebendes Kamfsel, ordnen sich zur langen Reihe 
und verbeugest sich zuletzt mit einem Kratzfuß oder richten sich hoch 
auf, als Zweibeiner rückwärts den Raum verlassend. Während 
sie unentwegt dahinrasen, fliegen Lassos um ihre Häupter, Herren 
g An- 
nahm-e. Auch die Kanalge b ühr en - Ord nun g wurde nutz 
^gab noch einige Erklärungen über die Tätigkeit des Ausschusses, 
während der letzten zwei Wochen. Er betonte vor allem die Not- i 
wendigkeit einer Erhöhung der Reichssätze. Die Stadt trage wahr 
lich nicht die Schuld daran, daß die Sätze angesichts der katastro 
phalen Notlage noch immer nicht ausreichend seien. Zum Schluß 
trat er für sofortige Auszahlung der neu gewährten Sätze und 
für die Vorlage eines großzügigen Notstandsprogramms ein. 
Unter lebhaften Pfuirufen von den mit Erwerbslosen gefüllten 
, Tribünen wurde die Gewährung einer einmaligen Zulage 
! von 150 000 Mk. an die Erwerbslosen abgelehnt. Die A n - 
! t r äg e des A u Z sch u s s e Z fanden im übrigen einstimmige 
Annahme. 
Vebergsngsgelder für städtische Arbeiter rmd Angestellte. 
Der Sozialpolitische Ausschuß beantragt, folgende 
Uebergangsgeldw Zu gewähren: nach dem 1. und 2. Dienstjahr in 
Höhe eines Monatslohms, 3. und 4. für Zwei Monate, 5. und 6- 
für drei Monate, 7. und 8. für vier Monate, 9. und 10. für fünf 
Monate. Bei einer Dienstzeit von über Zehn Jahren soll von Fall 
Zu Fall gemeinsam mit dem Betriebsrat das UebergangSgeld fest 
gesetzt werden. Die bisherige Bestimmung, wonach ein Uebergangs-- 
geld nur gezahlt werden darf, wenn für den Ausscheidenden eine 
Ersatzkrast bei der betreffenden Amts stelle nicht eingestellt 
wurde, wird dahin erweitert daß das Uebergangsgeld auch dann 
gezahlt, werden kann, wenn durch das Ausscheiden die Neueinstel- 
lung eines Ersatzes im Rahmen der Gesamtverwaltung nicht not 
wendig ist. Die Höhe der Abfindung ist grundsätzlich nach dem 
am Tage des Ausscheidens gültigen Lohn zu bemessen. Sind in 
dessen am Tage des Ausscheidens Lohn- oder Gehaltsverhandlun 
gen im Gange, die Nachzahlung einer Erhöhung im Grfolge haben, 
so ist die Erhöhung auch bei der Bemessung des Uebergangsgeldes 
Zu berücksichtigen. Schwerbeschädigte dürfen das UebergaWsgeld«! 
nur bekommen, wenn die Versorgungsstelle Zustimwt. 
Der Antrag wurde einstimmig angenommen. 
Skadkverordnekerr-Persammlimg. 
Sitzung vom 14. Juni 1923. 
ErweMlsseNfürs orgs. 
Zu Beginn der von dem stellvertretenden Vorsitzenden Dr. 
Hefttz geleiteten Sitzung wurde auf Antrag sämtlicher Fraktionen 
die ErwerLslosenfürforge behandelt. Stadtv. Schneider (Dem ) 
berichtete über die Stellungnahme des sozialpolitischen 
Ausschusses zu den verschiedenen Vorlagen und Eingaben. 
Die neuen Äusschußvorschläge finden ihren Niederschlag in dem 
folgenden Antrag: 
„Mit Rücksicht aus die qualvolle Lage der Erwerbslosen ist die! 
Nachzahlung der erhöhten Unterstützung einschließlich der fälligen 
Wochenunterstützung so rasch als möglich zur Auszahlung zu bnn-, 
gen, damit sie schnell in den Besitz von Geldmitteln gelangen. Für 
ledige Erwerbslose beantragen wir eine Erhöhung der Unter 
stützungssätze um höher als 50 Prozent, um gerade diesen aus 
ihrer bedrängten Lage zu helfen. Ferner ist bei den Reichs- und 
Staatsbehörden dafür einzutreten, daß weitere Erhöhungen der 
Reichssätze sofort erfolgen." 
Stadtv. Lang (Komm.) kritisierte die Ausschuß-Anträge, die 
ihm lange nicht weit genug gehen. Bei dem Kredit der Stadt 
Frankfurt sei eins viel durchgreifendere Unterstützung der Erwerbs? 
losen möglich. Vor allen Dingen Müsse viel mehr für Arbeit ge 
sorgt werden. Der Redner forderte, daß dem Ausschußantrag so 
wie her Eingabe der Notstandsarbeiter zugestimmt und baldigst ein 
neuer Ausgleich herbei-geführt werde. Stadtv. Thomas (Soz.) 
sdie Grundlage des festen Zu sammenstehens aller Deut*s 
'scheu nach außen sein. Das aber ist es allein, was das unglück ¬ 
liche Deutschland vielleicht noch retten kann! (Lebhaftes Bravo!) 
i für 1923 (vergl. den einleitenden Artikel an der Spitze des Blattes 
! und die unten folgende Uebersicht über den städtischen Haushalts 
' plan) mit einer längeren Rode, in der er u. a. ausführte: 
Der Haushaltsplan des Jahres 1923 schließt nach dem Stand 
vom 15. Febr. im Ordinarium der allgemeinen Verwaltung mit 
-rund 135 Milliarden, im Extraordinarium mit 8 Milliarden Mak 
ab. Die Betriebsverwaltungen balanzieren im Ordinariury mit 
56^ Milliarden, im Extra-Ordinanum mit 10^ Milliarden Mark. 
Daß die Beordnung der Verteilung der Reichs 
steuern auf Reich, Länder und Gemeinden, insbesondere, aucy 
die Lösung der wichtigen Frage des Umsatzsteuersatzes und des 
' GemeindeanteilS an dieser Steuer jahrelang auf sich warten laßen, 
ist ein in der d eu t s ch en S teu er g e s ch i ch t e noch n icht d a- 
.qewesener Vorgang, weswegen gegen Reichstag und 
Neichsregierung ebenso schwere wie berechtigte Vorwürse in der 
Öffentlichkeit erhoben sind. Unter diesen Umständen kann man 
nicht sagen, daß der Etat des Jahres 1923 im einzelnen Ziffern-- 
mäßig festgesetzt ist, sondern nur, baß durchs den Entwurf der, 
Rahmen für oie Verwaltung geschaffen ist. 
Oberbürgermeister Voigt meinte, es. Wäre vernünftig, den Ge- 
jmeinden wieder eigene Steuern oder eigene 
Anteile an den vom Reich veranlagten Steuern zu überweisen. 
Der ReichssinanZmimster aber weiß die Gemeinden mrr zu ermäh 
nen. „in ganz anderem Maße als bisher ihre eigenen Quellen aus 
, zuschöpfen, die Ausgaben auf das strengste nachzuprüfen und alle &amp;gt; 
nicht lebensnotwendigen Aufgaben zurückzustellen." Die Stadt! 
Frankfurt kann für sich darauf Hinweisen, daß sie die HauptauZ- &amp;gt; 
gaben ihres Etats, Psrsonalkosten wie Materialkosten, insbesondere 
auch den Kohlenverbrauch, ganz systematisch und mit Erfolg e i n- - 
geschränkt hat. In kurzer Zeit haben 70 Boomte und 100^ 
Angestellte und 560 städtische Arbeiter entlassen werden können. 
Seit dem 1. September 1922 ist kein Beamter oder Angestellter! 
neu angestellt worden. Durch Tod oder Abgang frei gewordene 
Stellen dürfen nur mit besonderer Zustimmung der Personal-Kom 
mission von neuem besetzt werden. Um noch mehr Stellen frei Zu 
machen, hat der Magistrat tue Ausdehnung des sog. Alters-Sperr- 
gesetzes auf unsere städtische Beamte vorgeschlagm. Wie schwer 
es aber ist Sparmaßnahmen durchzusetzen, hat man gelegentlich 
der Durchführung der sog. Schulsparmaßnahmen erfahren. Es er 
gibt sich aber bei den Schulen eine natürliche Ersparnis da 
durch, haß infolge des Geburtenrückgangs im laufenden Jahr 4700 
Minder wenig-er em,gefchult sind als im Vorjahr. Trotzdem stehen 
die Schulen Mit den notwendigen Zuschüssen in Höhe von 6-^ 
Milliarden im Etat an erster Stelle. 
Die G r u nd erw e rb s - und Z u w a ch s st e u e r wird im 
laufenden Jahr wahrscheinlich höhere Erträge ergeben als ange-' 
nommen worden ist. Die Vergnügungssteuer und die 
Frem d enst eu e r bringen erhebliche Beträge. Dagegen ist der 
Eingang aus Land- und Haussteuer unbeträchtlich. Für die Er 
hebung einer Getränks- und Fahrzeugsteuer fehlt es immer noch 
an de'r gesetzlichen Grundlage. Die Umsatzsteuer ist mit 2&amp;gt;2 
Prozent Steuersatz und 25 Prozent Gemeindcanteil an dem ört- 
rchm Aufkommen' festgesetzt — ein kühnes Unterfangen anaesichH j 
dessen, daß der Reichstag bisher die Erhöhung der Umsatzsteuer' 
abgelehnt hat und die Reicbsregierung unter diesen Umständen 
auch den Gemeindcanteil nicht erhöhen will. Diejenigen, die an 
. de'r finanziellen Sicherung der Gemeinden ein Interesse haben, - 
sollten für die Erhöhung der Umsatzsteuer eintreten. 
Zum Schluß wies der Redner darauf hin, daß der Magistrat 
zwar nicht allen Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung i 
Zustimmen, daß aber doch nicht von Konflikten gesprochen^ 
werden könne. Man kann im Gegenteil von einer weitgehenden 
Uebereinstimmung zwischen den beiden städtischen Körperschaften 
sprechen. Das ist für beide Teile der auf die Dauer allein mögliche 
Zustand. Einigkeit der Zur Zusammenarbeit an den einzelnen &amp;gt; 
Stellen des öffentlichen Dienstes Berufenen wird schließlich auch 
und Damen springen auf und ab und führen erstaunliche Tänze 
auf ihrem Rücken aus, aber das kümmert sie nicht sonderlich dich 
sie rasen nur hin und freuen sich ihrer Raffe. Auch die „hohe 
Schule" wird natürlich geritten. Direktor Straßburger, sein 
Sohn und seine Tochter verstehen ihr Handwerk, es ist wahrlich 
kein Spaß, wie sie ihre Pferde zu bewegen wissen. Während der 
Direktor und sein herrliches Lanzpfetd sich noch produzierten, ge 
rät alles in Aufruhr- Der lange Emil und seine Konsorten singen^ 
„Herr Direktor, wir brauchen einen Borschuß", ein Herr aus dem 
Publikum bittet den Direktor um einen Schieber, der Direktor 
gibt den Wunsch an sein Pferd weiter, das Pferd nickt „Ja", der 
Kapellmeister ist auch damit einverstanden, und dann tanzt das 
! Pferd eben einen Schieber und das Publikum klatscht dazu im 
- Takte mit. Wirklichkeit mischt sich mit der Unwirkliche und 
man weiß oft nicht mehr, ob das Leben ein Zirkus oder 
der Zirkus das Leben ist. Später geht man dann durch 
die dunklen Straßen aus der Fremde in die Fremde nach Haus- 
Verschiedene Vorlagen des Magistrats wurden anstandslos er 
ledigt. Zur Neufestsetzung d-er Hundesteuer erklärte Stadtv. 
Hipper (Ztr.). daß eine stärkere Kontrolle der Hundesteuer Ein 
treten müsse. Auch rügte er die Verunreinigung der Bürger 
steige durch die Hunde, und appellierte zur Abhilfe dieses 
, Uebslstandes an den Lokalpatriotismus der Hrmdebesitzer, was 
ihm allseitiges lebhaftes Bravo eintrug. Stadtvat Dr. Langer 
betonte in seiner Erwiderung, daß die in Frankfurt herrschenden 
toleranten Beziehungen zwischen Mensch und Hund von Fremden 
sehr gerühmt würden. Die Vorlage ging^ an den Ausschuß. 
Stadtv. Dr. Goldschmidt (Dem.) unterstützte die Eingabe 
der Frankfurter Frauenvereine betreffs Errichtung eines Luft 
bades auf dem Gelände hes Palmengartens. Da 
der Palmengartm eine Stätte der Volkserholung sei, dürfe niemand 
von dieser Einrichtung ausgeschlossen bleiben. Die ablehnende 
Haltung des Palmengartens gegenüber der Eirmabe sei nicht zu 
billigen, im Gegenteil, oer Magistrat möge alles tun, um die 
Errichtung des Luftbades so schnell als möglich heröeizuführen. 
Auch Stadtv. Frau Landsberg (W.) drängte auf beschleu 
nigte Durchführung des Projekts noch vor der Umorganisation 
des Palmengartens. Ihr Antrag wurde abgelehnt. Die Ein 
gabe ging an den Ausschuß. 
Uebs: die Hauptausschutzanträge Mr neuen Tariferhöh 
ung der Straßenbahn berichtete Stadtv. Nelles (Ztr.) 
Die Anträge wurden nach längeren polemischen Ausführungen des 
Stadtv. Lang angenommen. 
Die Neufassung der Haus- und Lsndsteuer - Ord 
nung sowie die Aenderung der Gebührenordnung 
betr. K e h r ich t ab f u h r gab Veranlassung zu einer Debatte, in 
der vorwiegend sachliche Wünsche geltend gemacht wurden. Die 
diesbezüglichen Äusschußantrüge fanden mit eine? vom Stadtv.
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f 
Aus Zeitschriften 
„Diese neu " e Bildung wird zweifellos viel starker natio- 
nal, „deutsch" gefärbt sein, Ä Ses das Ideal der &amp;lt;Men Bildung 
daß die im Jahre 1920 einsetzende Naunrannsche Bewegung, der 
der Humanität ins Gesicht schlage, und daß sie nicht zuletzt auch von 
einer völligen Entfremdung dem Judentum gegenüber zeuge. Die 
Rede, die vielfach Aussprüche namhafter Assimilationsjuden Wider 
die Naumannschen Thesen irK Gefecht führte, gipfelte in dem ein 
gehend beendeten Satze, daß die von Nauwann sehr zu Unrecht 
verleumdete jüdische Solidarität die deutschen Juden niemals 
daran gehindert habe, ihre Pflichten deutsche Staats 
bürger bis zum Achten zu erfüllen. — Im Anschluß an eine 
längere Diskussion, in der wiederholt die Naumann-Gruppe als 
eine unwürdige und unwesentliche Erscheinung innerhalb des deut 
schen Judentums gekennzeichnet wurde, gelangte mit überwältigen 
der Majorität folgende Resolution zur Annahme: 
„Die heute im großen Saal der Frankfurt-Loge versammelten 
Frankfurter Juden protestieren aufs Entschiedenste gegen die Bestre 
bungen der „nationaldeutschen Juden". Es wird der dringende 
Wunsch ausgesprochen, daß in allen Orten des deutschen Reiches 
gegen diese Verleumdungen des jüdischen Namens energisch Ein 
spruch erhoben wird. Deshalb halten wir in der Mehrmng der 
Namnann-Gruppe eine Einheitsfront der deutschen Juden für un- 
^ bedingt notwendig."__, . 
Dre Zeitschrift „H ilfeZ als deren Mitherausgeber jetzt der 
.Abgeordnete Anton Erkelenz zeichnet, hat sich seit dessen 
Emtrrtt außerordentlich verlebendigt und bringt in jeder Num 
mer eine Fülle fesselnder Beiträge Das neuste Heft enchW 
u. a. einen Vortmg d^ seit kurzem dem Mitarbeiters^ der 
^Hrlfe" angehörrgen bübischen Kultusministers Dr. Willi HeLl- 
pach über die Krisis der Bildungsschicht. Nachdem 
Hellpach darauf hingewiesen hat, daß eine viel schärfere Be- 
gaAenauslese als bisher, aber auch in manchen Punkten ein 
Abbau höherer Bildung, namentlich der gelchrten Bildung er 
forderlich sei, um das Ansehen der wirtschaMich dEassierten 
geistigen Leistung wieder herzustellen, versucht er im Umriß 
das Wesen der neuen Bildung zu charcckterrsieren, die 
heute schon auf dem Wege ist. Er sagt:^ 
-- Natrsnaldeuischs Indem Die hiesige Or^gruppe des Ver 
bandes nationaldeutscher Juden fühlt sich beschwert durch unseren 
(im Stadt-Blatt vom W. Juni enthaltenen) Bericht über eine von 
zionistischer und national-jüdischer Seite einöerufene Versammlung, 
in der gegen die Bestrebungen der Neumann-Gruppe Stel 
lung genommen wurde. In der uns eingesairdten Berich 
tigung verwahrt sie sich dagegen^ als „sogenannte" national 
deutsche Bewegung bezeichnet zu werden, und greift im übrigen 
unter Hinweis aus ihr Programm verschiedene Behauptungen an, 
die der Redner des Abends ausgestellt hatte. Wenn wir diesen 
mehr programmatischen und polemischen Teil der Berichtigurg. 
nicht ausführlich wiedergeben, so gechieht das aus dem Grunde, § 
weil er sich weniger mit unserem Bericht, als mit den Gedanken- &amp;gt; 
, gangen des von uns referierten Vortrags auseinandersetzt. 
' — ^Dev FraueustimwrechEmrgretz in Rom.Z Frau Jenny 
Apolant (Frankfurt) plauderte vor einigen Tagen in einem 
Vortragsabend" über den diesjährigen internationalen Frauen- 
st i m m rechtskongreß in Rom, an dem sie als eine der zehn 
offiziellen deutschen Vertreterinnen teilgenommen hatte. Achthunoert i 
Delegierte, die rund 4'0 Länder vertraten, waren erschienen, 
ihnen Ägypterinnen, Jndiermnen, Griechinnen, deren farbige Ge 
wänder die Buntheit des Bildes verrnehrten^ Der Kongreß 
tagte in dem für diesen Zweck viel Zu großen Saal des PalaMo 
dE Jnstruzione, dessen schlechte Akustik die Sitzungen etwas Le- 
! emtrüchtigte." Bei der Charakteristik der einzelner!. Nationen ver 
weilend, rühmte Frau Apolant den Vortrag der Engländerinnen 
und Amerikanerinnen, die besonders frei und ungezwungen 
sprächen. Die verschiedenen Forderungen, zu deren Formulierung 
man in langer Kommissionsarbesi gelangte, entsprechen zumeist den 
Wünschen, die von der deutschen Frauenbewegung schon seit Jahren 
vertreten werden und zum Teil ja auch schon durchgesetzt worden 
sind. Als wichtige Punkte heb die Rsdnerin die bisher nur in 
Amerika verwirklichte Forderung hervor, daß die verheiratete Frau 
hinsichtlich ihrer Reichs- und StaatszuKrhörrM-t die gleichen 
Rechte wie der Mann erhalten solle, ferner die Forderung, daß bis 
Alimentationssumm für uneheliche Kinder sich nach dem Einkom 
men des Vaters (also nicht wie bei uns etwa nach dem der 
Mutter) zu richten habe. Als Zeichen dafür, daß sämtliche Dele 
gierte vom Friedensgedanken erfüllt waren, fand eine allseitig ge 
billigte Entschließung zum Völkerfried eu Annahme. M uff - 
solini selber. eröffnete als Ehrenpräsident des Kongresses die 
Tagung mit einer Ansprache, in der er freilich erklärte, daß die 
Mentalität des italienischen Volkes der Ausdehnung des Frauen- 
stimmrechts auf das Parlament vorderhand entgegen sei. Von wei 
teren offiziellen Veranstaltungen erwähnte Frau Apolant noch 
einen musikalischen Thee auf dem Palatin, zu dem die Regierung 
eingeladen hatte. Die Deutschen fanden überall herzliche Auf 
nahme. Nützliche Aufklärungsarbeit leistete Frau Dr. L ü d e -r s, 
die der deutschen Kolonie über die Vorgänge an Rhein und 
Ruhr berichtete. Auch die von der deutschen Regierung entsandte 
Frau Gertrud Bäumer wirkte in gleichem Sinne durch einen! 
. öffentlichen Vmürag über die aufbauende Arbeit in Deutschland,! 
ffder einen starken Eindruck hinterließ. __ Lr. 
In der dem deutschen Selbstbestimmungsrecht an Rhein, 
Saar und Ruhr gewidmeten Wochenschrift „Rheinischer 
Beobachter" richtet der Berliner Historiker Pros. Dr. 
Friedrich Meinecke aus seiner Kenntnis europäischer Ge 
schichte heraus ernste Worte der Mahnung an Frankreich. 
Nachdem er die wahren Pläne der französischen Politik gekenn-! 
zeichnet hat, die darauf abzielen, Deutschland dauernd im Zu 
stand der Ohnmacht zu erhalten, fährt er fort: 
Mir dürfen gewiß nicht müde werden, an die ewigen, jetzig 
schnöde verletzten Gesetze der moralischen Weltordnung immer und! 
immer wieder zu appellieren, aber wir werden damit, wie die SLaa-! 
ja übrigens nur ein verschwindend kleiner Bruchteil der deutschen 
Juden angchort, nichts anderes als ein Symptom der seit jenem 
Jahre wieder erwachten Reaktion sei, daß sie jenem falschen, &amp;lt; 
engstirnigen Nationalismus huldige, der gerade von den besten 
Deutschen nicht geteilt werde, weil er den berechtigten Forderungen 
--- „NaLisualderüsche Juden". In einer von der Frankfurter 
Mnistischen Vereiniguna und den: national-jüdischen Jugendaus 
schuß einberusenen stark besuchten Versammlung, wurde Montag 
abend gegen die von Dr. Naumann ins Leben gerufene soge 
nannte „nationaldeutsche" Bewegung Stellung genommen. Nachdem 
der Vorsitzende das vor kurzem erfolgte Austreten Naumanng in 
Frankfurt als einen Versuch gegeißelt hatte, die Einheitsfront des 
Frankfurter JudentuwZ zu zerstören, griff der Referent des Abends, 
KakoÜ Herzberg, mit Geschick die sehr fragwürdigen Theorien 
dieses neuefftandenen Vorkämpfers für ein natimmldeutsches 
Judentum an. Es war ihm vor allem um den Nachweis zu tun, 
Das Klubgebsude des Sportklubs „Frankfurt 188S". 
Den am Kühhornshof geleg-enen n-euen Sportplatz des Sport- 
ElubZ „Frankfurt 1880", über dessen Eröffnung vor kurzem hier 
beachtet wurde, ziert ein kleines Kluögebäud e, das rein als 
arMektsnische Leistung einige Beachtung verdient. Architekt Pa- 
DFlv^ e rn i, der Schöpfer der ganzen Anlage, hat das langgestreckte 
flach abgedeckLe Gebäude inmitten der drei Wettspielplätze &amp;lt; Ur 
Hugöy, Hockey und Tennis auf zwei Terrassen angeordnet, die 
Anen vollwertigen Ersatz für Zuschauertribünen bieten. Der niedrige' 
Mau 'enthält eine große, mit hohen Fenstertüren versehene „Diele", 
W deren beiden Seiten sich die Herren- und Damen garderoben 
M anderen Nutzräume befinden. Trotz aller Einfachheit ist diese 
Mre,^ ore durch ein Büffet in direkter Verbindung mit der Küche 
MM gcgr apart eingerichtet. Die nach Entwurf angefertigten roten 
Tlsch-e und Stühle heben sich gut von den grünen Wänden ab und 
L,sZ QMvakkmolle kantige Bretter-Motiv, das. mannigfach variiert, i 
ün den verschiedensten Stellen auftaucht, gibt dem Raum seine &amp;gt; 
be;vndere Note. Wohl gelungen ist vor allem die Anbringung der 
WGuchtungZkörper an den Pfetlerköpsen und den originell geform 
tem Wandarmen. Nach außen bin tritt das schmucke Häuschen sei 
ner Bestimmung gemäß sehr anspruchslos aus. Das richtig« Bild 
von dem zweckmäßig und übersichtlich angelegten Gelände" wird 
chan erst nach etwa sechs Wochen erhalten, wenn die als Einfassung 
der MStze dienenden Platanenbäume mrd die Ligustcrhecken an 
den Terrassen zur vollen Höhe gediehen sein werden. Lr. ! 
^ireffs des Gruppen. 
öff-Echt-n Anträa-n d^SchulauZs^ S ch u lg - l d- 
Versammlung nachkurzer Debatte ,u 
d^ Ve^r?MM^,&amp;gt;s? ^chulauZschuffez, die BIonnschul/ nach 
s,u --pe.erZ-^l.kielichuU zu verlegen, konnte Stadtrat Mcckba2 
sich nicht emverstanden erklären. Der AuEmhantraa 
Sem durch. Auch fand ein AusschußanÄ« A 
Mtzung der privaten Ltzzeen Annahin«.
        <pb n="38" />
        Zu den vielen Kinotheatern Frankfurts ist jetzt ein 
neues hinzu gekommen: die „Neue Lichtbühne" auf der VW-eler- 
straße, die sich gestern mit dem oben besprochenen Großfilm „Fried 
rich Schiller" auf das Beste eingesührt hat. Um einen genügend 
großen Raum Zu schaffen, hat man das frühere Odeon-Kino durch 
einen Anbau erweitert, der den seitlichen Hof Zum Teil überdeckt. 
Berücksichtigt man die Schwierigkeiten eines solchen Umbaus. Acht 
man auch mit in Erwägung, daß durch die strentzen baupolizeilichen 
Anforderungen die Freiheit des architektonischen Planens vielfach 
begrenzt wird, so erscheint die Raumlösung in praktischer Hinsicht 
zufriedenstellend. Durch einen breiten, mit großen Wandspiegeln 
ausgestatteten Vorraum, in dem Kasse und Büro gelegen sind, be 
tritt man das Theater, dessen 630 Sitzplatze sämtlich den erwünsch 
ten Ueberblick über die Leinwandfläche gewahrem Der Bühne 
gegenüber ist eine weit ausladende Galerie angeordnet, hinter der 
sich der Raum für den Operateur befindet. Die Entleerung des 
Hauses erfolgt durch mehrere Seitenausgänge nach dem Hofe Zu, 
der direkt auf die Straße mündet und, gemäß den baupolizeilichen 
Bestimmungen, so breit ist, daß die Feuerwehr in ihn einfahren 
und an seinem rückwärtigen Ende wenden kann. Decke und Wände 
des von dem hiesigen Architekten B end er mit der Architektur- 
finna Opfermann umgebauten und erweiterten TheaLerchens 
sind in Hellen, ein wenig Deckten Farben HchMe^ die Ornamentik 
kätte man sich moderner und kräftiger gevEnM. — Die Licht 
bühne will vor allem Mure zeigen, die Kr die Irgend geeignet 
sind, und zwar außer den AnLechal^mg Ech Wissenschaft-« 
liche Filme, die der Belehrung Mmm Mir HMen Rese Echt 
für fehr begrüßenswert und glauben, daß^k einem 
in weiteren! Kreisen gehegten berMMM UÄM ese AEMtz. 
As- ßÄ man kek»? 
Reiselektüre zu empfehlen, ist einigermaßen schwierig, 
da die Manschen den verschiedensten Gcfchrmü haben, und man 
selbst dann, wenn man ihren Geschmack im allgemeinen kennt, immer 
noch nicht weiß, was sie nun gerade auf ihrem Erholungsurlaub zu 
lesen rvünschem 
So tappt man ziemlich im Dunkeln und ist auf allgemeine Mut 
maßungen angewiesen. Immerhin bleibt noch genug übrig und 
gute Detekivromano wärm nicht das Schlechteste, zum mindesten 
dann nicht, wenn man dorr der Ansicht ausgeht. Laß ein wenig 
Spannung selbst in den Ferien nichts schien kann. Da find Z. B. 
die gu en DerEdgeschichLen von Frank Heller, etwa sein geist 
reiches Buch: „Des Kaisers alte Kleider", oder von Sven Elve- 
stad: „Der Mann, der dir SLaLL plünderte" — nicht zu vergessen 
Friedrich Schillers: „Geistersehen", der ebenfalls in dieses Ge- 
bwt schlägt. Wer von geistiger Wunder- und Abenteurerlust ergriffen 
ist, der mag mit Johannes V. Iensen in die mythischen Zeiten 
der Menschheit zurückwandern und ferne Romane: „Das verlorene 
Land" und „Der Gletscher" lesen, denen jetzt als neuestes Werk 
der Roman „Columbus" gefolgt ist. Auch Stuckens Roman« 
Lrilogre: „Die weißen Goiter", eine Art von Epos, d^ die Er 
oberung Mexikos behandelt, gehört hierher. 
Von Politik will man Zwar während der kurzen Ferienwochen 
verschont bleiben, dennoch ist es sehr unterhaltend, einen Blick hinter 
die Kulissen M Lrm und sich von einem klugen Beobachter vordenwn- 
strieren zu lassen, wie nun eigen lich die Politik gemacht wird, zu 
mal wenn der Beobachter ein Dichter ist, und es sich außerdem nicht 
um die Politik von heute handelt. Schon Stendhal hatte gar 
scharfe Augen, wie etwa seinem zur Zeit des BüraerkZnigs spielen 
den Roman: „Lucien Leuwen" zu entnehmen ist, der allerhand ge 
fährliche Geheimnisse der Sieatskunst ausplaudert. Auch die Romane 
von Analste France, z. B. »Der Amechystring" oder „Monsieur j 
Bergeret o Paris", die freilich schon bedenklich noch die Gegenwart! 
streifen, enthalten Dialoge von entzückender Aufrichtigkeit über &amp;gt; 
Dinge der Politik, rücken brutale Tatsächlichkeiten in eine ironische 
Beleuchtung, für die man gerade in der kurzen Ferienpauss noch 
am ehrten geöffnet ist. 
Indessen, es ist nicht jedermanns Geschmack, sich in Spannung 
versetzen oder das AllLaMeben auch nur im Abglanz des Dicht- 
werks an sich vsrübeMehen M lassen, wenn man Ruhe und Er 
holung sucht; abrücken will man vielmehr von der gewohnten und 
die allzu uWewshnten Welt und womöglich Einkehr halten bei 
sich selber. Wie wäre es da, wsrm man die Bücher hervorholte, die 
man in seiner Jugend gelesen oder auch nicht gelesen hat,'un- 
moderne Bücher, die jedenfalls, soweit man sich zurückerinnern kann 
schon da waren und, unberührt von der Zeit inmrer da sein werden? 
Den Roman aller Romane, den „Don Quich 0 Le" z. B. sollte 
nmn wieder emnM vornehmen, er ist unausschöpflich und hat gerade 
die richüge Ferienlänge. Auch die Novellen von Kleist oder die 
von Lieck, Hauffs Märchen, Sichendorffs „Leben eines 
TaugenUts" und „Ahnung und Gegenwart", um nur einige wenige 
Namen und Titel zu nennen, tragen sicherlich gern zur Erholung 
bei. Es ist schwer, hier eine Auswahl zu treffen; jeder hat ja seine 
Bücherfreunde aus der Jugend, oft gelesene oder von ferne verehrte, 
Zerfetzte und vechaubte — er k^mse sie aus dem Schubfach und 
Lade sie mit auf die Reise ein Geht er an die Ostsee, so mag er zu 
Fritz Reuter greifen, ist der BoLensee sein Ziel, so leistet ihm 
vielleicht Scheffels „EAehard" die beste Gesellschaft; gleichviel 
welche Gegend ausersehen ist, stets wird sich der paffende Einklang 
zwischen Landschaft, Mensch und Buch ungezwungen hersMen lassen. 
Nur eines Dichters sei noch ausdrücklich gsdacht, der überall und 
immer, und just in den Ferien, in denen man so Leicht die richtige 
Distanz Zu den Dingen gewinnen kann, genossen werden sollte. 
Kaum Herrlicheres gibt es auf Erden, als hingelagert auf einer 
Sonrmerwiess, Seite mn Seite und ganz bedächtig, Ab albert Stif 
ters „Nachsommer" zu lesen, jenes wundersamste aller Erziehungs 
und Wunschbücher, das Nietzsche, der es ja wissen mußte, zu den 
Zehn schönsten Wecken der Weltlitr^Or zählte. Stifters „Studien" 
und ^BunLe Sterne" (unter ihnen besonders die Erzählungen: 
„Kalkstein" und „BerArystM") verschossen nicht minder Stunden 
der Erbauung und inneren Gelassenheit, sei es nun, daß man in 
einem Segelboot den Nachmittag vertrödelt ode? hoch im Gebirge 
zwischen Kühen im Grase liegt. —-sr. 
Aus den Lichtspieltheatern. 
In den OLympia-Lichtspielen wird zur Zeit eine gerade 
M fabelhafte amerikanische Affäre „D i e Fi L m s der 
Prinzessen Fantoche" Vorgefühl. Diese Lustspielidee 
sucht ihresgleichen, sie zieht mit Geist den Film selber in 
den Film hinein und 'entfaltet sich spannend bis zum guten 
Ende. Was die Handlung anbei rifft, so muß man zunächst 
wissen, daß die entzückende Modistin Mary Dupont in den. Sohn 
des Polizeiprafekterr verliebt ist, der aber der Verehelichung 
seines Sprößlings mit einem armen Mädchen streng enigegen- 
steht. Weiterhin muß man misten, daß die Fata-Morgana-Film 
A. G. schlecht» Geschäfte macht, und sich durch eine Serie von' 
Schlagern wieder auf die Beine helfen will, in der ein neuer 
Filmstern, die Prinzessin Fantoche, die Hauptrolle spielen toll. 
Der Direktor der Filmgesellschaft läßt die Film Prinzessin mit 
dem Operateur zu sich kommen und weiht sie in seine Pläne 
ein; er denkt, daß ein unter ihrer Beteiligung erfolgender fin 
gierter Raubüberfall auf ihn, den Direktor selber, sachgemäß 
gekurbelt, denn doch seine Wirkung tun und die Aktien der Ge 
sellschaft zum Stengen bringen müsse. Gedacht, gemacht! Man 
bracht ckn, die Polizei lächelt verständnisvoll (es ist ja nur 
eine Filmaufnahme!), der Operatuer kurbelt und alles scheint 
gut. Aber, oh Weh! Der Einbruch ist offenbar garnicht fin 
giert, diese Teufelspninzessin plündert wirklich mit ihren Kum- 
vanen den Kassenschrank aus und iiberläßt den gefesselten 
Direktor seelenruhig seinem Schicksal. Und was noch schöner ist: 
die ganze Affäre wird verfilmt und der Polizei zur Zensur 
vorgelegt. Die sehr düpierte Polizei läßt den Film schließlich 
passieren, weil sie hofft, daß die Prinzessin sich bei seiner Vor 
führung verrate. Aber dieses verflixte Mädchen ist mit allen 
Wassern gewaschen, es fällt ihr garnicht ein, sich fangen zu 
lassen, im Gegenteil, sie führt die Polizei an der Nase herum 
und bringt erweist der Himmel fertig, jede neue Blamage der 
Polizei zu verfilmen und so dem Publikum kund zu geben. Der 
Präftkt tobt und haucht den Kommissar an, dieser den Wacht 
meister usw., der Skandal - zieht immer weitere Kreise, man 
steht Prinzessin Fantoche in jedem Weibe, eines Tages sogar 
in der Frau des Präfekten, die doch gewiß keine Helena ist, es 
folgt eine Interpellation im Parlament (alles prompt im Film 
wiedergegeben) und zuletzt verspricht der Minister des Innern 
selber, den mehr als gordischen Knoten zu lösen. Er erscheint 
in der Stadt der Blamage, und nun, da die Handlung auf dem 
Höhepunkt ist. gefällt es endlich der Prinzessin, die Wirrnis zu 
entwirren. Sie begabt sich zum Minister und macht ihm be- ' 
greiflich, daß er am besten daran tut, die ganze Sache zu ver 
tuschen," da ihre Preisgabe die Blamage nur noch vergrößere. 
Denn wer ist doch Prinzessin Fantoche? Jene entzückende 
kleine Modistin, die mit dem fingierten und doch nicht fingier 
ten Ueberfall zwei Fliegen mit einer Klappe schlug: die Aktien 
der Fata Morgana-Gesellschaft A. G. in schwindelnde Höhe 
trieb und den Sohn des Präfekten errang, der ihr getreuer 
Helftrshelfer war. Liane Haid in ihrer reizenden Doppel 
gestalt und Karl Ettlinger als Präfekt halten das rechte 
Schwanktempo inne und tragen wesentlich Zum Gelingen bei. 
— Vortrefflich ist auch das große Sensationsdrama: „Der 
geheimnisvolle Dolch" mit Eddie Polo in der Hauptrolle, 
dessen erster in England spielender Teil schon auf die Fort ¬ 
! setzung begierig macht, die in verschiedenen anderen zum Teil sehr. 
j exotischen Himmelsstrichen spielen soll. räc.
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        f^ceLr^ 
g^gen der Parole l^r^ pour llart, dem üb ergreifenden Gesamt 
leben angehöre, aus dem es hervargegangen sei. Von dem Kunst 
werk unterscheidet sich im übrigen nach Simmel Las gelebte Leben 
vor allein darin, daß es immer wieder, alle Harmonien auflösend, 
seine selbstgesetzten Grenzen überschreitet; und es ist nur, so zeigt 
er in einem weiteren, zu Vergleichen mit Bergsons Schrift: „Le 
rire" herausfordernden Essay, die besonders Aufgabe einer eM- 
nen Kunstgattung, nämlich der Karikatur, durch einseitige Ueber 
treibungen und Verzerrungen den Menschen als solchen metaphysi 
schen Grenzverletzer nachdrücklich zu kennzeichnen. 
Eine kritische Erörterung der Lebensanschauung Simmels hier 
anzuknüpftn, wäre gewiß verlockend. Indessen mag in diesem Zu 
sammenhang ein kurzer Hinweis auf den eigentlichen Grund ge 
nügen, der ihn zu seinem steten Hinübergleiten in die ästhetische 
Sphäre drangt. Da er das Jdeenhafte, trotzdem er ihm einen hohen 
Selbständigkeitsgrad zubilligt, am Ende doch zu einer Funktion 
des plan hinfließenden, eindimensionalen Lebens macht, bleibt ihm 
der Zugang zu dem Ewigen — oder wie sonst man das heißen 
will, was dem Leben schlechthin übergeordnet ist — notwendig der- 
wehrt. Nun sucht er aber einen Einklang zwischen Leben und 
Form. In dem nur so gelebten Leben kann er ihn begreiflicher 
weise nicht finden, und zu dem auf das Ewige ausgerichteten Leben 
der Wirklichkeit, in dem er eigentlich Zu suchen, wenn auch viel 
leicht nur zu suchen wäre, fehlt ihm der Zugang. Daher muß er 
sich schon aus dem gelebten Leben heraus in das Gebiet des Aesthe- 
tilchen begeben. u« jener nicht auf Begriffe gegründeten, son 
dern wesentlich irrationalen Einheit habhaft zu werden. Einzig 
das Kunstwerk bietet ihm diese ersehnte Einheit der metaphysischen 
Gegensätze dar, seine Scheinwirklichkeit wird ihm zum Ersatz für' 
die echte Dirklichkeit des Lebens, die, wenn sie überhaupt in seinen 
Blickkreis getreten wäre, ihn wohl Zu anderen Fragen und anderen! 
Mtworten MSW Wk Dr. S. KrscMek. I 
-- MlLine Mitteilungen^ Dr. S. Friedländer, der 
Verfasser vsrichredener philosophischer Werke und einer Reihe unter 
dem Pseudonym Mynona erschienener Grotesken hat letzt den Ent 
wurf eines Katechismus: „Kant für Kinde r" an gefertigt, 
i^r dM Grundlage für die ethische Unterweisung in der 
AN* soll. E der Einführung Mes solchen an Kants 
MW anknupfMdei^ obligatonM-m M o r'alu n t err i ch t s der 
neben dem RelMnsunterricht gepflegt werden mag, verspricht sich 
v.r ^erf^cr ^ftame-erz-ieherLsche Wirkungen. Der Entwurf liegt' 
-uranuskript dem Reichsminstterimn des Innern zur 
S!sNservrd«elen-Ler!ammIiing. 
Sitzung vom 5. Juli 1823. 
Zu Beginn der vom Vorsitzenden Hopf geleiteten Sitzung 
wurden verschiedene Vorlagen des Magistrats ohne Diskussion 
erledigt. 
Erw eröslosenfürsorge. 
Stadtv. Cräme^ (Ssz.) begründete als Berichterstatter 
folgenden Antrag das Sozialpolitischen Ausschusses: 
„Der SozialPolNsch-L Ausschuß beantragt, die Stadtveror^- 
not en - Vers a mmlun g wolle beschließen, den Magistrat W Er 
suchen, erstens bet oer Rei chs re gieruK g vorstellig zu wer 
den mit dem Anträge 1. auf sofortige Erhöhung der Erwerbs- 
losen-Unterstützungssätze, da diese trotz der am 26. Juni d. Js. 
erfolgten Erhöhung nicht ausreichend sind; 2. die Erwerbslosem 
Unterstützungssätze laufend der Geldentwertung anzupassen; 
zweitens "das Wohlfahrtsamt zu ermächtigen und ihm 
entsprechende Anweisung zu geben, den ledigen und verheirate 
ten Erwerbslosen zu den Reichssätzen nach individueller Prü 
fung in Fällen der Bedürftigkeit Zusatzunterstützungen in bar 
oder Sachbezügen zu gewähren; ferner das städtische Gas 
werk und die Frankfurter Gasgesellschaft zu ersuchen, 
ihre Bezugsscheine auf Kubikmeter und Geldbetrag auszustellen; 
sowie zu prüfen, in welcher Form den Erwerbslosen wie auch 
anderen Bedürftigen der Eintritt in die städtischen Museen 
unentgeltlich ermöglicht werden kann; 
drittens die vom 27. Juni 1923 datierte, am 8. Juli 1923 
eingegangene Eingabe der Erwerbslosen im übrigen 
für erledigt zu erklären." Diese Eingabe lautet wie folgt: 
„1 . In Anbetracht der schwierigen Lage der Erwerbslosen 
wird der Antrag gestellt, für Verheiratete 500 000 Mk., für 
Ledige 400090 Mk. W irt schaft s b eihil f e zu zahlen. 
2. Es muß alle acht Tage eine Versammlung stattfinden, um 
zu jeder Frage sofort Stellung zu nehmen., 
3. An dem Tage, an dem eine Erwerbslosen - Ver 
sammlung stattfindet, ist" die Abstempelung der Karten 
rm Versammlungslokal vorzunehmen. 
4. Es ist in Zukunft bei Sonderunterstützung kein 
Unterschied zwischen Ledigen oder Geschlecht zu machen. 
5. Die Gas sch eine sollen nur die Kubikmeterzahl ent 
halten, um bei Gaspreissteigerung die Uwstempelung zu er 
sparen und unnütze Streitereien mit dem Erheber Zu vermeiden. 
5 a) Den Erwerbslosen ist der Zutritt zu där Museen 
sowie Gärten kostenlos zu gestatten. 
6. Den Erwerbslosen ist in Anbetracht der teuren Schuh 
preise auf der Straßenbahn gegen Vorzeigung der Erwerbs 
losenkarte ein Fahrschein zum niedrigsten jeweiligen Tarif 
auszuhändigen, gültig für alle Strecken. 
7. Solange die Erwerbslosenunterstützung nicht die Höhe 
erreicht hat, die dem Lohne eines ständigen städt. Arbeiters 
Georg Simmel: „Zur her Kunst.- 
Eine Reihe von Aufsätzen Georg Simmels, die sich zumeist 
auf das Gebiet der Kunst erstrecken, aber auch vereinzelt philo 
sophische Gegenstände unmittelbar abhandeln, werden von Frau 
Gertrud Simmel in einem Sammelbande (erschienen Lei Gustav 
Kiepenheuer, Potsdam, 1922) vorgelegt. Die Arbeiten, die der 
Zeit von 1895 bis 1918 entstammen und in den anderen Werken 
keine Aufnahme gefunden haben, sind aus einem doppelten Grunde 
sehr lehrreich: einmal spiegeln sie die denkerische Entwicklung 
Simmels von seinen stark am biologischen Pragmatisnms 
orientierten Anfängen an (vergl. hierzu die in dem Band ent 
haltene Studie: „Ueber eine Beziehung der Selektionslehre zur 
Erkenntnistheorie", 1895) bis zur vollen Entfaltung seiner LeLens- 
! Philosophie getreulich wieder, zum andern dienen sie als Zeugnis 
für das stete Streben Simmels, mit Hilfe seiner philosophischen 
Grundeinfichten den Stoff der Welt zu durchdringen und so der 
Erscheinungsoberfläche einen tieferen Sinn abzugewinnen. 
Ein Verständnis der Aufsätze läßt sich am ehesten von Simmels 
Auffassung des „Lebens" her erzielen, die, wenn sie auch eigentlich 
erst in seinem letzten Werk „Lebensanschauung" zur philosophischen 
Reife gedieh, doch schon von jeher in ihm angelegt war und im 
Laufe der Zeit in mancherlei Hüllen und trmrm VMi 
neuem nach abschlußhaftem Ausdruck gesucht hatte. Der Begriff des 
„Lebens" scheint dem Denker das zu geben, was die formalen 
Systeme des Transzendentalidealismus nimmermehr zu geben ver 
mögen: die ganze konkrete Wirklichkeit scheint ihm in diesen Begriff 
einzugehen. Sein Wissen um das Unvermögen der Rati, mit ihren 
selbsterzeugten Begriffsabstrakta sich der Wirklichkeit zu bemächtigen, 
führt ihn, ähnlich wie vor ihm schon Nietzsche, zum Irrationalis 
mus der Lebensphilosophie, d. h. er identifiziert die Wirklichkeit 
nicht mit einem aus der Immanenz des Denkens heruorgegangenen 
Vernunftprinzip, sondern mit dem in keinerlei Begriffe einzwäng- 
baren „Leben" selber, dem sämtliche Gebilde durchströmenden und 
stets auf seine Steigerung, auf „Mehr-Leben" bedachten Leben, 
das alle Begriffe, auch die scheinbar so selbstherrlichen Vsrnunft- 
prinzipien, erst aus sich heraus erzeuge. Aus einem dem Buche ein- 
verleibten Aufsatz über Henri Bergson (1914) geht deutlich 
hervor, bis zu welchem Grade er mit der Lebensmetaphysik des 
französischen Denkers übereinstimmt, wie er gleich ihm alles Fest 
gewordene, und so nicht zuletzt die Tätigkeit des Denkens, Begriffe 
und Ideen, als ein Produkt des Lebens, als etwas Sekundäres 
demnach, begreift. Freilich zieht er in eben diesem Aufsatz auch 
den entscheidenden Trennungsstrich zwischen sich und Bergson. — 
weist er doch andeutend auf die Paradoxie hin, daß das Leben sich 
nicht nur, wie Bergson meint, in dem Fließen und Strömen er 
schöpfe, sondern sich auch in jenen festen Begriffen und Ideen 
manifestiere, die es aus sich entläßt und von denen es dann für 
kürzere oder längere Zeit umgrenzt, überhöht und sinnvoll gemacht 
wird, daß es, mit andern Worten, nicht „Leben" allein vielmehr gleich 
sehr „Mehr-als-Leben", d. h. Form und Festigkeit sein müsse. 
Die Kluft zwischen sinnleerem Leben und sinngebender Form: 
das ist das dauernde, immer neu variierte Thema Simmels, und 
seine Lebensphilosophie in ihrer letzten Phase ist nur der ver 
zweifelte, weil von vornherein Zum Scheitern verurteilte Versuch, 
diese Urdualität durch einen paradoxen Begriff des Lebens theo 
retisch doch noch zu überwinden. Die ganze Welt wird ihm Zu einer 
Abwandlung des einen Themas, alle konkreten Erscheinungen und 
Vorgänge sind ihm Gleichnisse für die mannigfachen Stadien, dkr 
das Verhältnis zwischen Leben und Gebilde, angefangen von dem 
Hervorbrechen des Gebildes aus dem Leben bis zu seiner Ver- 
selbständigung, Erstarrung und Wiederauflösung in das Leben, 
durchlaufen kann. Der rechtmäßige Einklang von Form und Leben 
aber scheint ihm nur in der ästhetischen Sphäre erreicht: 
daher der besondere Symbolwert, den für Simmel das Kunstwerk 
und das in seiner Totalität angeschaute, als Kunstwerk sich dar 
bietende Individuum erlangt. 
Die kunstphilosophischen Aufsätze gelten durchweg dem Ausweis 
verschiedenartiger Erfüllungsmöglichkeiten der Beziehung zwischen 
dem Leben und der Form. Da wird z. B. der Bild rahmen einer 
subtilen, allzu subtilen Deutung unterzogen; er versinnlicht nach 
Simmel die innere Einheit des von ihm umfangenen Gemäldes, 
grenzt das die Gegensätze harmonisch zusammenbindende ästhetische 
Gebilde ab von der realen Welt mit ihrer untilgbaren Spannung. 
Das Kunstwerk selber mag nun mancherlei Arten von Einheit ver 
wirklichen. In dem „Abendmahl" Lionardos etwa findet Simmel 
die organische Einheit individuell, verschiedener, gleichberechtigter 
Persönlichkeiten dargestellt, begegnet hier also der ästhetischen Lösung 
eines Problems, dessen existentielle Bewältigung immer wieder nur 
l anK-strebt Mrdm Lamr. Auch die frühe Lyrik Georges ist ihm 
Symbol einer Harmonie zwischen weit gespannten Gegensätzen, sie 
beugt nach ihm das Leben ganz unter die Formgesetze der Kunst 
und drückt doch ganz das persönliche Leben aus. Umgekehrt liegt 
der Fall, wie Simmel in seiner Studie über das Porträt nach- 
weist, bei Rembrandt, in dessen Bildern nicht die Form das Leben 
bestimmt, sondern das zur vollkommenen SeelenhastiM gesammelte 
Leben ordnendes Gesetz der Geflchtszüge wird. Sehr schön und 
geistreich sind die Aufsätze über einige italienische Städte, 
die Simmel als Sinnbilder eigentümlicher ästhetischer Einheiten be 
greift und ebenfalls gleichnishast ausdeutet. Florenz tritt ihm als 
Einheit von Natur und Geist entgegen, Rom bietet sich ihm als 
Inbegriff polar auseinander getretener Stile, Zeiten und Persön 
lichkeiten dar, die hier Zur geschlossenen Einheit verwoben und ganz 
Gegenwart geworden sind, und Venedig, für das er überraschend 
glückliche Wendungen findet, nennt er eine lügenhafte Schönheit 
der Maske, eine künstliche Stadt, deren längst entwichene Lebens 
substanz nur noch scheinhaft an der Oberfläche sich spiegele. Die 
Frage, wie sich das ästhetische Gebilde, das in allen diesen Studien 
mögliche Gleichungen und Ungleichungen zwischen den meta 
physischen Grundprinzipien des Lebens und der Form symbolisiert, 
Nun zu dem gelobten Leben selber verhalte, wird in einem Aufsatz 
pour llart" ganz im Sinne der Simmelsch^n Lebensphilo 
sophie dahin beantwortet, daß das KunMuerk, obwohl es ein 
durchaus sMtgenügsameZ Ganze darstelle^ doch auch stets ent-
        <pb n="40" />
        Der Erhöhung der Hunde- und PferdeKensr wurde 
zugestimmt. 
W 
gleichkommt, sind Maßnahmen zu treffen, daß den Erwerbs 
losen auf sämtliche Lebensrnittel ein Rabatt von 50 Pro 
zent gewahrt wird. 
8. Die Dopp elbeschaftigrrngen urrd Doppelexisten- 
tzen sind Zn beseitigen. Hauptsächlich besteht dieser Mißstand 
bei Behörden und Bauten. Entsprechende Gesetzesvorlagen sind 
dem Reiche unverzüglich zu machen. 
0. Die Einstellung von Erwerbslosem hat nur durch die 
Vermittlung Lurch das ftädt. Arbeitsamt zu erfolgen. Die 
aufgehobene Demobilmachungsorder, die diese Angelegenhei 
regelte, ist wieder in Kraft zu setzen. 
Die Erwerb slosenkomM gibt vorstehende Anträge und 
Forderungen mit dem Bemerken weiter, daß alle in Frage kom 
menden Instanzen sich die größte Mühe anZugedeihen haben, 
sämtliche Forderungen einer gebührenden Berücksichtigung zu 
unterziehen. Wir verfehlen nicht, darauf hinzuweisen,' daß 
auf Grund der ungewöhnlichen Teuerung die Verelendung 
der Erwerbslosen immer größeren Umfang 
annimmt und Verzweiflungsakte in den nächsten 
Tagen zu befürchten sind, wenn nicht rechtzeitig Linderungs- 
'mahnahmen getroffen werden. Die Erwerbslosen befürchten, 
daß Lurch die Beurlaubung der Stadtverordneten und Magi 
stratsmitglieder ihre Anträge nicht mehr behandelt werden, und 
die Kommission erstrebt daher, ihre Anträge als äußerst dring 
lich behandeln zu lassen. Wir haben ferner Veranlassung, 
gegen Las rigorose Vorgehen der Gas gesell s chaft 
zu Protestierer die entgegen den Abmachungen mit dem 
Magistrat usw. ihre Erheber angewiesen hat, den Erwerbs 
losen das Gas zu sperren. Wir ersuchen, auf dem schnellsten 
Wege dahin zu wirken, daß Liese Maßnahme aufgehoben wird." 
Der Antrag fand widerspruchslose Annahme. 
Ein hierzu vorliegender Hrmpt-Aus schußantrag hak den fol 
genden Wortlaut: 
„Der Haupt-Ausschuß beantragt, die WadrverLrdn&amp;gt;eLen-Ker- 
saminlung wolle 1. beschießen: Die Wshnungsbauabgabe 
wird abl. Juli192Z:L)ftw Wshwäume auf 20 600 Prozent 
vom Nutzungswert der Gebäude, d) für alle Räume, die nicht zu 
Wohnzwecken dienen, nach Maßgabe der Richtlinien des Magi 
strats auf 40 0M Prozent vom NutzungZwerL der Gebäude, e) für 
alle Luxusgaststätten auf 60000 Dozent vsm Nutzmrgswert der 
Gebäude festgesetzt; ferner den Magistrat zu ersuchn: 
1. darauf himuwirken, daß in höherem Maße als seither pri 
vaten Siedlungsverernen usw. die BauMigckeiL ermög 
licht wird, eine Abrechnung vorzulegen, aus der die Kosten 
der bisher erstellten Bauten und die Verwendung der aus der 
Wohnungsbauabgabe eingegangenen Beträge hervorgehen, die 
Richtlinien bezüglich der Freistellung von der WohnunO- 
bauabgabe baldigst vorzulegen und von der Erhebung der Ab 
gabe solange abzusehen, bis die Richtlinien genehmigt find; 
2. Anstimmen, daß das für 1923 vorletzte Banprogramm 
ausgeführt wird und dieeinstweilen ZmMgesteNen sechs städti 
schen Häuser an der Bruchfeld-Str atze s ogleich 
weiter gebaut werden und das Siedlungs-Awt im Benehmen mit 
dem Hochbau-Amt ermächtigt: wird, wetteve städtische Baupro 
jekte alsbald vorzubereilen." 
Stadtv. Kreß (Zentr.) erklärt., daß die Abgaben schlechter 
dings nicht getragen -werden könnten; zum mindesten fei zu ver 
langen, daß alle herangezogen werden. Man MWte wenigstens 
! Frauenschwimmbad zur Sicherstellung der Badegelegenheit im Win- 
!ter. Der Antrag wurde wie auch die übrigen AuTschußantrage 
angenommen. 
Stadtv. Jschim (Soz.) berichtete für den sozialpoli 
tischen Ausschuß. Gegen den Antrag auf Erhaltung der 
BekleiLungsstelle polemisierte Stadtv. Landgrebe (Li^ der den 
Abbau dieser Stelle im Interesse des Handwerks fordere. Nach 
einer kleinen Diskussion, in der sich Stadtv. Korff (Dem.) unrer 
der Voraussetzung, daß nur Minderbemittelte die Bekleidungsstelle 
in Anspruch nehmen, für den Ausschußantrag erklärte, wurde der 
Antrag angenommen. Auch die übrigen Anträge fanden Genehmi 
gung. 
Die Gewerbesteuer. 
AIs Berichterstatter des Hauptausschusses begründete Stadtv. 
Kirchner folgenden Antrag: 
„Der Haupt-Ausschuß beantragt: 
1. die vom Magistrat vorgeleate rreue Gewerbesteuer 
Ordnung mit folgenden Abänderungen beM. Ergänzungen 
anzunehmen: 
§ 6 der Gewerbesteuer-Ordnung erhält folgende Fassu 
„Die nach den KZ 2, 4 und 6 zu entrichtenden Steuerbeträge 
ändern sich für jedes Vierteljahr um je 5 Prozent für je 10 000 
Mk., um die sich nach den letzten Notierungen vor dem Viertel 
jahresbeginn der am 1. April jedeZ Steuerjahres festgesetzte amt 
liche Goldankaufspreis für das Zwanzigmarkstück ändert;" 
in § 6 als weiteren Absatz einzufügen: 
„Rückständige Steuerbeträgs sind für jeden angefangerren 
Monat des Verzugs mit 10 Prozent zu verzinsen." 
2. dem Magistrat folgenden Antrag als Nichts ch nur zu 
überweisen: 
„Die Stadtv erordneten-Versammlung ersucht den Magistrat, 
in Ausführung der Gewerbesteuer-Ordnung die Voraussetzungen 
der §Z 44 und 45 des Gewerbesteuer-Gesetzes in allen Fällen 
als vorliegend anzunehmen, in welchen der Ertrag lediglich in 
dem Arbeitseinkommen des Gewerbetreibenden besteht und dieses 
den tarifmäßigen Arbeitslohn nicht übersteigt." 
3. den Magistrat Zu ersuchen: 
„bis Zum 1. Januar 1924 über die Ausfichrung der vorlie 
genden neuen Gewerbesteuer-Ordnung Zu berichten und evtl. 
Vorschläge für die A b ä n deru n g dieser Ordnung zu machen." 
Stadtv. Hipp er (Zentr.) beantragte hierzu, daß reim 
Handwerksbetriebe, die bis Zu drei Gesellen beschäftigen, 
von der Lohnsummensteuer befreit bleiben sollen; ferner stellte er 
den Antrag, in die Lohnsummensteuer die Familienzulage und 
soziale Beihilfen nicht einzubegreifen. Stadtrat Langer spracht 
sich gegen diese Anträge aus, die denn auch bei der Abstimmung 
nicht durchgingen. Die Hauptausschußanträge wurden an 
genommen. 
Waffergeld und Gebühreusrdmwg 
Hierzu liegt folgender Antrag des Hauptausschusses vor: 
„Der Haupt-Ausschuß beantragt, die Stadtverordneten-Ver- 
sammlung wolle zustimmen, daß vom 1. Juli 1923 an: a) die 
Kanal- und Kehrichtabfuhr- Gebühren bis auf 
weiteres mit IM Prozent der in den neuen Gebühren-Ord- 
nungen festgelegten Tarifsätze erhoben werden, d) für das Etats 
jahr 1923 die StraßenreinigungZ - Beiträge nach 
dem im Entwürfe vorgelegten Gemeinde-Beschlüsse Zur Erhe 
bung gelangen; c) das Wassergeld für das Vierteljahr 
Juli, August, September 1923 mit rd. dem IMfachen Betrage 
des auf dem Steuerzettel des Rechnungsjahres 1922 ursprüng 
lich angeforderten Jahressatzes erhoben wird und die gleiche 
verhältnismäßige Erhöhung für alle übrigen Wasseraögabesätze 
in sämtlichen Stadtteilen von Frankfurt a. M. einzutreten hat." 
Der Antrag fand Annahme. Desgleichen werden verschiedene 
weitere im Schlußberichte des HauptausschusseZ 
einstimmig angenommen. 
Dem ^Haupt-Ausschuß wurde die Ermächtigung erteilt, vorbe ¬ 
haltlich späterer Zustimmung der Stadtverordneten-BersmMrMm 
wichtige Vorlagen des Magistrats zu erledigen. 
Vorsitzender Hopf sprach zum Schlüsse der Beratung den 
Ausschüssen den Dank für die van ihnen geleistete Arbeit aus. Der 
Magistrat schloß sich dem Danke an. 
EmzelberaLuug des Haushaltsplans. 
Für den Hauptausschuß Kapitel: Allgemeine Ver 
waltung berichtete Stadtv. Kirchner (Soz.). Stadtv. 
Fell Dr. Schultz (Dem.) begründete einen Antrag, der den 
Magistrat ersuchst baldigst «ein der Neuzeit entsprechendes OrLs- 
statÄ bete. Anstellung und Versorgung der Kommunal- 
beamten vorzulegen. Der Antrag wurde angenommen; auch 
die AMschManträge selber fanden sofortige Annahme. 
Stadtv. Landgrebe (Lib.) erstattete für den Hauptaus- 
fMß, KaMel: Betriebsverwaltung, Bericht. Einem Aus- 
WußaniMA zum Betrieb der Stadtkämmerei, der die Durchführung 
Der im Vorjahr gefaßten Beschlüsse betreffs Anpassung der Miet- 
uA WchLzinsen der gewerblichen Unternehmungen an die Geld 
entwertung fordert, wurde zügestinnnL. 
Die Anregungen des Wirtschaftspolitrsch en Aus 
schusses (Berichterstatter Stadtv. HenL (Dem.) fanden An- 
ÄhUU, 
Auch die Berichte des Lebens mittel-Ausschusses 
und des Tiefbau-Ausschusses (Berichterstatter: Stadtv. 
Heiß Wolf (Soz.) wurden anstandslos genehmigt. 
Stadtv. Korff (Dem.) berichtete für den Schul-AuZ- 
schuß. Au dem Kapitel: Statistisches Amt sprach Stadtv. Frau 
Fürth (Ssz.) den Wunsch aus, man möge, unbeschadet aller not 
wendigen Sparmaßnahmen, das Statistische Amt auf seiner bis 
herigen Höhe halten, ja, es noch weiter ausbauen. Zu einem eben 
falls hierher gehörigen Antrag des Haupt-Ausschusses, dex fordert, 
daß den laut Betriebsräte-Gesetz gewählten Angestelltenvertretern 
der Städtischen Bühnen Sitz und Stimme im AufflchtsraL gewährt 
werbe, erhob Stadt. Lang (Komm.) Forderungen, die über den 
Antrag weit hinausgingen. Stadtrat Landmann wies die Be 
hauptungen des Vorredners über die Verhältnisse öckm Theater 
zurück und ersuchte um Ablehnung des Hauptausschußantrags, da 
bei künstlerischen Betrieben die Entsendung von Betriebst)erdetem 
eine ungeheure Erschwerung bedeute und außerd^n laut Gesetz 
nicht zulässig sei. Auch Stadtv. Lion (Lib.) eEN2e sich gegen 
den Antrag, den er als einen ungewöhnlichen Schritt bezeichnete. 
.Stadtv. Nelles (Zentr.) sprach über die Zusammensetzung des 
Aufstchtsrats selber und beantragte, daß die Zahl drr aus der 
Mitte der Stabtverordneten-Versammlung zu wählenden Mitglie 
der des Aufstchtsrats erhöht werde. Nach weiteren Ausführungen 
des Stadtv. Lang (Komm.) setzte sich Stadtv". Heißwolf 
(Soz.) nochmals, hauptsächlich gegen Stadtrat Landmann polemi 
sierend, für den Haupt-Ausschußantmg ein. In der Abstimmung 
wurde der A n tra g mit ZZ gegen L1 Stimme^ angenommen. 
Desgleichen fand der Antrag Nelles einstimmige Annahme. Die 
übrigen Ausschuß-Anträge wurden sämtlich genehmigt. Eine kleine 
Diskussion entspann sich noch zwischen dem Berichterstatter für den; 
HaupEusschuß Stadtv. Kirchner (Soz.) und dem Stadtv. 
Prsf. Wachsmuth (Lib.) über das Berufsamtsür Aka-! 
demiker; die diesbezügliche Position soll laut Hauyr-Ausfchuß- 
antrag nur vorbehaltlich besonderer Genehmigung bewilligt rverden. 
Stadtv. Pros. Dessau er (Zentr.) befürwortete Gewährung der 
Mittel für das BerufZ-amt. Die angeforderte Summe wurde zur 
Hälfte bewilligt. Ein von Stadtv. Schauerte (Soz.) begrün 
deter Antrag Lctr. Zuschuß für den Palmengarten: 
„Der Magistrat wird ersucht: der Stab Werordneten-Versamm- 
! lung mitzuteilen, ob die Palme ng arten-Gesellschaft 
! zur Erfüllung dieser Bedingungen (jährlich mindestens sechs 
&amp;gt; Volkstage, wozu die Arbeiter-, Angestellten- und Beamten ¬ 
organisationen Freikarten erhalten sollen; ermäßigter Eintritts 
preis an einem Sonntag in jedem Monat) bereit ist, und 
warum bisher die Volkstage nicht wieder eingeführt worden 
sind, obwohl dies ausdrücklich s. ZL. von der Verwaltung der 
Palmengarten-G-esells-chaft zugesagt worden ist". 
wurde angenommen. 
Für den Hochbau-Ausschuß berichtete Stadtv. Lio'n 
(Lib.). Zum Kapitel: Badean st allen beantiMte Stadtv. 
S t oltze (Dem.) die Vorbereitu^ -iner Regeneratronsanlage im
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        ph 
nommen. 
iy- 
Dr. 8. Lraeauer. 
weise, noed okken lädt. 
Lrankkurt a. l^d__ 
Symphonie-Orchester. 
ib.) setzte sich dafür ein, daß dem Sym 
„kk und vu". 
Das vor Kursem orsedienene Luod Nartin 
Luders: „led und Du" (Deipsig, Inselve-rlag. 
137 8.) stellt den Anfang eines auf medrere Lände 
dereodneten W^erkes dar, in dem Luder die 8umme 
seiner rÄigiösen Lrkadrungen su Lieden gedenkt. Dr 
bedeidet darin das deden dor Wirkliedkeit, in 
dem wir mit allen Dingen in eigentümdeder Verdun- 
dendeit jeden, su idnen gleiedZam mit unserem Fanden 
Meson „Du" sagen, von dem Denen der Lnwirk - 
Iledkeit, in dem sied uns die Welt su einem von 
uns adgelösten Oegenstand, su einem „Ls" entfrem 
det, das wir nur an der OderWeDe erfahren und ge- 
draueden, odne innerded mit idm verbunden su sein. 
Das Deden der Wirkliedkeit Leieimet sied also naed 
Du der vor allem dadurod a us. dak es uns in eine de- 
sondere „Vesiedung" — in die „Du-Lesiedung", wie 
Luder aued sa^t — su sämtiieden V^esen setLt; diese 
Wrrsn, soLsrn sie kür uns wirMed sind, iLein von uns 
ad^etrenntes, ein kür aiiemal leststeiidares DWein, 
sondern erwaedsen erst aus der .VeLieDun^", die 
L^lsoden idnen und uns immer neu äioü bildet. Wn- 
Lu kommt ferner als duredKedendes Merkmal der 
MLrMeützMt, dak in idr alles auk das WH^en in der 
LeZüeduns stellt ist . Der Nensed und die von id&amp;gt;m 
sn^esproedenen DinM: Leide sind naed Luder in der 
die Mirdliedireit lLonstituierenden LeLiedun» abtiv, sie 
deMMen einander, um sied su verMiMioüen und 
existieren ledLxüed. wenn sie sied immer wieder 
existent maeden. 
Ls ist nun die Drundü derLeu^un^ Luders, daü wir 
in dieses dured und dured dMamisede, unkixierdare 
Deden der MirtdiediWit nur kür seltene ^u^enNiede 
einLutreten vermögen. 8tets von neuem sinken wir 
aus idm in ein Löedst unwirldiedes Deden üerad, in 
dem die aus der LeLiedun^ Lu uns losgelösten Din^e 
uns Lart entM-^ensteden. Lulturen erstarren so, leden- 
diM reliAöse Ordnungen verwandeln sied in tote l^m- 
mende Oedilde. ^.Lerr niedt das erstarrte Dedilde allein, 
Melmedr jede »ur 8etdLtändi^deit Melanite koste Dorrn 
und LatTunF üderdaupt dedeutet kür Luder eine Lin- 
dun^, wenn aued eine notwendige Lindun», die de- 
reit8 dem unverkesti^ten, in der LeLiedunT xu Dott wur- 
Lelnden Leden der MirModdeit entdedt. 
Diese ^nLedauun^en daden idren esedatoloAiseden 
Dnior^ivind. Die von Luder gemeinte MirlM-eddeit 
nämlied ist LuletLt doeli die ^Virdlieddeit des meWia- 
nisoden „Leieds", die sied kreidod in unserer Welt 
nur pundtdakt erfüllen dann. Dem entspriedt denn 
aued Luders DesediedtsaukkaKsun^. OeZodiodte ist idm 
der ,Me^", der uns „in tieferes Verderden und in 
Arunddaktere Lmdedr xu^leied" küdrt — dis am Lnde 
in der dunkelsten 8tunde das „Leied" sied ^ediert, in 
dem die NensedenMmeinde sur Verdundendeit der 
reinen LeriedunA Meint ist. 
2u einer einMdenden Mürdi^un^ des Luedes ist 
dier niedt der Laum. 8o max nur Mrade auk die Mode 
ira.^weite und Lruedidardeit des von Luder unternom 
menen Versueds einer ^dMenLun^ des Dedens der 
Wmddeddeit 'von dem der LnwirMeddeit dinMwLesen 
werden. 2umM die als DauptdeKtimmunMtüed der 
Mrdlioddeit einMküdrte Late^orie der „Lexiedun^" 
leistet dierdei Mte Dienste. In der Dat destedt ja kür 
den in der Mmddeddeit ledenden Uenseden niedt jene 
von der modernen MisZensedaU als seldstverstandlied 
angenommene 8paltun» ^wiseden 8udjedt und Odjedt; 
led und ^Velt sind kür idn vielmedr von vornderein 
mitemander verdunden, eine LeLiedun^ waltet Lwiseden 
idnen od, in die erst naedträ^ded dured den nennenden 
Verstand ein Lei! Mtrieden wird. (Lin Leispiel kür 
diese ^ukkassun^ wäre etwa Doeide, der das Daupi- 
Mwiedt auk die korrelative Verdundendeit von Direkt 
und Ludjekt le^te.) Liedti^ ist aued, dad diese Ver- 
dundendeit sied allein dured die Aktivität sowodl des 
leds wie seines jeweiligen Degenüders in der Lwiseden 
idnen destedenden LeLiedung voll erfüllt. 
Indessen dleidt doed ein sedr Mwiedtiger Ninwand 
M^en LuderZ ^VirMeddeitKa Lu erdeden. Die 
^Virkliedkeit, auf die er dinLielt, kommt immer nur 
für Kurse ^ugendLeke Zustande, und so mud es wodl 
aued sein, denn sie ist ja dei Luder im Drunds die 
^Virkdedkeit des „Leieds". Vorder diese Lestimmun^ 
der Wirkdedkeit dede sied weiter niedts sa^en, wollte 
Luder niedt Lu^leied mit dem LeMikk von idr aued die 
konkrete ^Virkliedkeit ^anx umspannen. 
Das ader Mdn^t idm just niedt, eden wml er infolge 
seiner annäd-ernden DleiedsetLun^ der „^Virkdedkeit 
mit dem „Leied Lottes" diese Wirkdedkeit so ad- 
Menxt, dad alle Verfestigungen und VerdaitunMweisen, 
die sied aus dem konkreten Ausammenleden der Nen- 
seden erMden, ^ar niedt medr in sie einMden. Wenn 
sied mitunter aued ein ^ussprued findet, der darauf 
dindeutet, dad Luder selder die Ledwieri^keiien emp 
findet, in die er mit seinem rein am mesLianWeden Oe- 
danken orientierten WirkliedkeitsdeMiLL Mrät, so dat 
er doed im allgemeinen, immer voransgesetLi, dak es 
sied idm aued um die Lrgreikung der konkreten Wirk- 
dedkeit dandelt, den IrennunMstried Lwiseden dem 
8edattenleden der Lnwirkdedkeit und dem Deden der 
Wirkdedkeit viel 2 u doed gelegt. Dieses ist. näm- 
lied weder ein augenddeksdakter Vorgang, noed eine 
Lolge einzelner, in die leeren unerfüllten Dedenspausen 
dineinMsnrengter LreigniWe, sondern ein stetes 
^.UKgeriedtetsein der Nenseden. ein dauerndes Verdal- 
ten, das kreided auf die eins oder andere Weise sied 
mit der menKedd^en Ledingtdeit und den dured sie 
geZetsten dlotwenmgkeiten adkmden muL, ein Existieren 
im Ledingten also mitsamt allen LonsequenLen soleden 
Lxistierens, w.e 2. L. odjektiv fixierten Erkenntnissen, 
kestumrandeten (Gestaltungen usw. 
Nan verstedt, dak Luder, dierin wie in so manedem 
anderem^ Mystiker wider Willen, von seiner messiani- 
seden Warte aus dem Ldänomen der religiösen Ord 
nung (also etwa dem traditionsgedunden iuden- 
tum) niedt Mreedt werden, dak er die Laradoxie der 
Ledgion und idrer Fixierungen niedt idrer vollen liefe 
naed erfassen kann. Ordnung reednet er nur dann 
der Wirkdedkeit ru, wenn sie noed gar keine Ordnung 
ist, sondern verweilender ^usdruek punktdsfter Le« 
Liedung. Wird sie Lur sanktionierten Ordnung, derM 
8atxunMn in idrer Gültigkeit üder die einWinen 
^.ugendlieke der Lüderseden „Wirkdedkeit" dinaus- 
greiken, so vdrstöki er sie sedon aus dieser WiMied^ 
keit und erniedrigt sie su einem Düekendüker Lwiseden. 
den punktueiien LeLiedungseroignissen. Wer eden wis 
er alles auk die Larte des „Leieds" setrt, dem muK, 
kreided jede Ordnung als lästige Ledranke ersedeinen. 
^stder üderspringt er damit niedt jene selde konkrete 
Wirkdedkeid deren er doed, einsedliekded der Wirk- 
dedkeit des „Leieds", dabdakt werden wdl? ^ued dier 
Zeigt sied, dad Luder garniedt die Wirkdedkeit der im 
Ledingten weilenden Mnseden meint, wenn er von 
Wirkdedkeit redet, sonst könnte er niedt gut dis Dat-. 
saelre so gering aedien, dak die immer- wieder Lu stif 
tende, immer wieder xersededende Ordnung den 
sedwierigen und paradoxen, also notwendig tragisedsn 
Versued riedtig existierender Nenseden darsteRt, dE 
Lwige in die kdekende 2eit dineinLULieden. 80 sein', 
er im Leedt ist, wenn er sied weigert, in der Ordnung 
etwas DetLtes und Lndgültigos Lu erdlieken, so unreedt 
dat er ader, wenn er sie verigleiodgülL und nur als 
LiLtarrungspdänomen, niedt aued als Dinweis und 
Lrüek-e vorn Nenseden aus au Ladt. Ver Mdlied fragt 
man sied wieder und wieder, wie auk Drund soleder. 
Linstedung in dieser unserer Wett eigenilied su 
l eden sei, wie man, geleitet von einer dedre, die 
"jede Lindung verpönt und das ^llersedwerLte und 
Merdöel^te, namded das reine ungedundene In-Le- 
xiedung&amp;gt;8teden, deinade sum MlerseltdstverKtänddem 
.sten maedt, mit Nenseden suLammenwirken, in der; 
Dukt menseddeder Ledingtdeit atmen könne. Die fol 
genden Lände Erden venmutlied die volle Lutkadun« 
der Losition Luders dringen und viedeiedt aued maneds 
Zweifel üder prinLipied wiedtige Lunkte tilgen, die das 
vorliegende Lued, dauptsäedded wodl infolge seinem 
niedt immer glüokdeden poetisierenden ^usdrueds- 
berücksichtigen, daß der Hausbesitzer wenn er in dem Hause wohnt, 
von der Steuer befreit bleibe. Nach Darlegungen des StdZ.Lv. 
Lang (Komm.) beantragte Stadtv. Krem er (Soz.), daß 
Räume, die gemeinnützigen Zwecken dienen, nicht zu besteuern 
seien. Stadtrat Landmann versprach die Anregung zu prü 
fen, bat aber, die jetzige Vorlage reicht dcmüt zu beAwerm. Der 
Antrag Krem er, sowie ein Antrag Lejeune, die Sprechzimmer der 
Aerzte ebenfalls von der Wohnungsbauabgabe zu oesrekm, wurden 
dem Magistrat überwiesen. Die Ausschußantrage gelangte» zur 
Annahme. 
Eine Debatte entspann sich über einen Antrag des Haupt-Aus 
schusses betreff Gewährung eines Vorschusses von 
300000 Mk. an städtische Bedienstete zur Beschaffung von 
Winterbrand- Stadtv. Sechste dt (Dem.) fssserte, daß 
die städtischen Beamten denselben Zuschuß wie die staatlichen 
erhalten. Dieser Antrag wurde angenommen. 
Die n«euen Erhöhungen der Straßenbahn 
Tarife fanden gemäß den Haupt-Ausschrchcmträgen Genehmi 
gung. 
Dem Antrag des Schul-AusschufseZ, die Schulgeld-sätze der höhe 
ren und Mittelschulen nach den staatlichen Sätzen zu erhöhen, 
wurde stattgegeben. 
er Gemeinnützigst WLe- 
sprochen werde. Weigere sich der Magistrat, das anzuerkennen, so 
müsse das Orchester eingehem was nicht nur eine große Einbuße 
für unser Musikleben, sondern auch einen finanzieren Verlust be 
deute. Der Redner stellte einen entsprechenden Antrag und for 
derte die Einsetzung eines Unterausschusses, der sich mit dieser 
Angelegenheit befassen solle. Stadtv. Hofmann (SsZ.) be 
dauerte ebenfalls die Engherzigkeit des Magistrats und schloß sich 
der Auffassung des Vorredners an, daß die Erhaltung des 
Symphsme-Orchsters unbedingt nötig sei. Stadtrat Langer 
stellte fest, daß eine Reihe von Veranstaltungen des Symphonie 
Orchesters bereits von der Vergnügungssteuer befreit sei, in ande 
ren Fällen liege Gemeinnützigkeit nicht vor. Schuld an vor 
schwierigen Position sei sicherlich z. T. die geringere LoEnngZ- 
sähigkeit des Orchesters selber; der Magistrat könne jedenfalls 
nicht für die schlechte finanzielle Lage des Orchestervereins verant 
wortlich gemacht werden. Im übrigen sei das MuMedürfnis in 
Frankfurt so groß, daß ein zweites Orchester wohl die Möglichkeit 
des Existierens hier habe. Die Anträge Lion wurden ange-
        <pb n="42" />
        lerusaleinZ ^DluIeituuZ in 
äie ?di1o8opi6" (I^olpLi^, ^Vüdelru UrauuruüIIer. 
X, 370 8.), äie einen evoIutiomKtiseden Linpirikning ver 
tritt und der dureü den Verka88er Leider vieUaeii ge 
förderten 80Lio1ogis einen de8onder8 breiten Uaurn 
ge^väiirt, Ist In 9. und 10. Anklage ersedienen. Xeu din- 
Lugedornnieu i8t eine icritiLede Würdigung der kdäno- 
nienoloigie öuLseris und der „^diiosopdie de8 ^.18-Od", 
sonde ein ^dLednitt über Loriologisede LrkerintrMedre, 
in dein lerusaiein auf Orund so^iologiseiier Oesiedts- 
punirte u. a. gegen den ^.prioriLinus, kreiiied mit unLU- 
reiedeuden Mitteln, ^u beeide Liebt. 
Dr. U-udoif Lisier gibt in Leinein Luede: „b'. 
UüHer-I^era1s8or:io1ogundLu1turpvi- 
sopd" (Müneden, Albert dangen. 188 8.) eine din- 
küin'ung in das dedens^veric des dedannten Nünoduer 
8oLioiogen. XuE diographiseiie Vordeinerirungen 
geden dein SMteinatiLeden Beil voran, in deni die 
Grundideen und Hauptergebnisse der 8ebrikten Nüller- 
d^ers kaMeb dargestellt und an inaneden tunkten ltri- 
tisob deleuebtet werden. Der Verfasser verfolgt rnit 
seiner Arbeit die ^.bswlit, weitere Lreise auf den „äeut- 
seden 8penoer"- nüe er Vlüller-d^er nennt, aukinericsain 
2u rnaoben. 
Die erst feit kurzem in Lauenburg an der Elbe erscheinende 
Aeine Zeitschrift „Gerechtigkeit" (Herausgeber Alfred 
SLeen), die redliche Menschen um sich sammeln möchte, 
denen es mit dem moralischen Wiederaufbau Deutschlands 
ernst ist, kennzeichnet in einer sarkastischen Glosse: „Revolu 
tion des Bedeutungslosen" treffend den geistigen Hintergrund, 
vor dem sich das Treiben Hitlers und seiner Siurm- 
trup pen abspielt. Es heißt in dem Aufsatz wie folgt: 
„Wer gerade das ist es ja, was dieser nationalistischen Ideo 
logie so üppige Werbekrast verleiht, die Bequemlichkeit der Lehre 
mit dem Motto: „Und willst du nicht mein Bruder sein, so 
schlag ich dir den Schädel ein". Da ruht der Sinn der Hitler- 
schen Erfolge, daß seine Weltverbefssruna iedem der Millionen, 
Jn der „Glocke" berichtet Frau Elly Heuß-Knapp über 
die Ausstellung der verbündeten Vereine für Mittel 
standsfürsorge im Berliner Sportspalast. Das Bild, 
das sie von der schleichenden, unter dem Druck der MaM-ata-'j 
strophe innmr noch, zunehmenden Not des hembgesunkenen! 
Mittelstandes entwirft, ist erschütternd und sollte sich allem 
Volksgenossen tief einprägen. Zumal die ungezählten kleinem 
Sorgen der „neuen Armen" weiß sie sehr «anschaulich zu 
l schildern: &amp;gt; 
! „Was unsichtbar in dieser Ausstellung hinter dem Problem Er 
werbsarbeit sich versteckt, das ist das Nebeneinander von unendlich 
erschwerter Hausarbeit. Sorge für die Familie und ErwerbZ- 
Dve Erkenntnis von der UnzulLnsslichkeit der Klaffenkampf- 
iheorte und der nmiMaliftischen GesHichLscusfassung bricht sich 
Zum Glück auch in ssZialistischen Kreisen mehr und mehr Bahn. 
Alan hat aus den Erfahrungen der letzten Jahre gelernt, daß 
ein Kampf, der rein in der wirtschaftlichen und politischen 
Ebene geführt wird, nicht zum Ziele bringt, daß vielmehr ein 
Wandel der Wirtschaftsordnung an die Umgestaltung des gan 
zen, inneren Menschen gebunden ist. Mit anderen Worten: 
der Geist, der in der marxistischen Ideologie nur Ausdruck 
einer bestimmten GesellsHaftsschichLung war, wird wieder in 
seine ursprünglichen Rechte eingesetzt, immer deutlicher beginnt 
man emmsehen, daß zuletzt doch er es ist, der die materiellen 
Verhältnisse und die gesellschaftlichen Beziehungen zwischen den 
Menschen bestimmt. Dieser Absage an eine überlebte Ideologie 
wie der von einem Teil der sozialistischen Jugend ja schon voll 
zognen Wendung zum Geiste und damit zum Grunde des Leben 
hin redet ein in den „Sozialistischen Monatshef 
ten" enthaltener Auffatz R. G. Haeblers: „Wiedergeburt 
des Religiösen" das Wort, öem wir die folgenden beachtens 
werten Sätze entnehmen: 
„Die Kämpfe innerhalb des SoMlismus, die wir heute sehen, 
sind nichts als ein Aufdruck des Zusammenbruchs der sozialisti 
schen Ideologie alten Schlages. In Zukunft wird man die Ab- 
lMeirre Bücher-ÄnzeigÄ.j Seinem im Verlag Eugen 
Diederichs, Jena, erschienenen Auswahlband der „Vorsokratiker" 
(2. Auflage 1922) hat Wilhelm Nestle jetzt einen Band: „Die 
.Sokratiker" und zwei Bände: „Die NachsokraLiker" 
folgen lassen; die Sammlung griechischer Philosophen ist damit zu 
! Ende geführt. Die Bücher bringen in guter Uebersetzung eine 
Auswahl der wichtigsten überlieferten Fragmente, unter Ausschluß 
von Plato und Aristoteles, deren Werke leicht zugänglich sind, und 
Lre überdies nicht eigentlich als bloße Nachfahren des Sokrates zu 
gelten haben. Unter den Sokratikern sind die Kyniker, die Kyre- 
naiker, die Megariker, die elisch-eretifche Schule, die Alte Akademie 
und die Peripatetiker mit charakteristischen Proben vertreten, in 
den folgenden Bänden der Nachsokratiker, die bis zum AuZgcmg 
der Antike reichen, gelangen dann Stoiker, Skeptiker Neupytha- 
goräer und Neuplatorriker mit gebührender Ausführlichkeit zu Wort. 
Breit angelegte Einleitungen unterrichten über die Persönlichkeiten 
, der verschiedenen Philosophen und stellen den erforderlichen Zusam 
menhang zwischen den dargeSotenen Texten her. Für den philo 
logisch geschulten Leser find knappe Anmerkungen und Quellsnüber- 
sichten beigefügt. Das Gesamtwerk wird sicherlich nicht nur dem 
Studierenden und dem Fachgelehrten, sondern auch dem gebildeten 
Laienpublikum sehr willkommen sein. Lr. 
. ?aß Lei her problematischen Stellung, die heut« die Universität 
rm deutschen Geistesleben -rnnimmt, jeder Versuch ihre Kdee^ -u 
erfaffm und von dieser Idee aus ihre Aufgaben zu bestimmen, auf 
kaum uberwrndüche Schwierigkeiten stoßen muß, ist nur zu beorcif- 
klw. Indessen, selbst wenn derartige Versuche von vornherein 
zum Scheitern vrrurtsilt sein sollten, so werden sie doch immer 
wreser gerechtfertigt durch das unabweisbare Bedürfnis nacki Ge 
winnung eines Maßstabes, der es ermöglicht, die inner- Gestaltung 
der Universität wie ihr« Bedeutung im Rahmen des kulturellen Ge- 
samtlrbens zu beurteilen. Zwei Gefahren bedrohen hauptsächlich 
den Beurteiler eines solchen gewachsenen Gebildes, wie die Unl- 
ve.pmt cz ist. Geht er ohne Rücksicht auf die Erfahrung von einem 
T«in formalen Prinzip aus, so kann er sicherlich den ^luaana iiur 
konrreten WMichkeit nicht finden; läßt er sich dagegen umgckehrt 
van seiner Erfahnlng der gegebenen VerhMnifle überwältigen so 
b.e.bt es rhm eoenso gewiß verwehrt, bis zu dem einbeiLli^m 
Sinn der Universität vorzustoßen. emye.mym 
Philosophieprofessor Eberhard Grisrbach be- 
müyt sich in semem Buche: „Di e Schule des Geist - s" (Max 
Riemeyer Halle) darum, die richtige Mitte zwischen einem 
Verspannten formalen Idealismus und einer bloß empirischen 
Entfaltung des Tatsächlichen innezuhalten. Gegenstand des 
.das Pr° b l em d er V ildun z, zu dessen Behandlung 
Grisehach durch seine systematischen Grundgedanken gedrängt wird 
In eme Erörterung dieser Gedanken selber einzutreten, ist hier nicht 
d« Ort. Genug, wenn man weiß, daß Grisebach dem ver 
nünftigen Geiste die Aufgabe zuschreibt, in steter Erkenntniarbeit 
das Universum umfassend zu denken, daß er aber eins endgülttge 
Loluna bnscr Aufgabe Nicht für möglich hält, sondern den Geist 
unablässig von Frage zu neuer Frage getrieben steht. Das Leben, 
das, der Geist zu gestalten hat, fügt sich eben nicht schlechthin den 
Eiwrrungen des GersteZ, immer wieder muß es in ewiger Dialektik 
neu angepackt und bewältigt werden. Das Schwergewicht ruht 
A^ dach auf dem grundsätzlich unabschließbaren Prozeß 
der Verwirklichung selber nicht auf den fertigen Antworten und 
Losungen, dw der Geist etwa darzubteten hat. Da er so einerseits 
den vernünftigen Gerlt als das die Welt gestaltende schöpferisch«! 
Prinzip anerkennt, andererseits aber das Leben mitsamt allen seinm! 
Gegebenheiten ms eme für den Geist nicht nur nicht ausschöpfbare, 
sondern viel «her ihn noch umfangende Grundmacht begreift 
langt er notwendig dazu, den Nachdruck auf eine kritisch e und 
besonnene Erfahrung zu legen, die sowohl den An- 
^uchen des Geistes wie denen des Lebens Rechnung trägt. Und 
es erwachst für ihn ganz von selber das Problem: wie den« dir 
daß sie Anteil an der Erkenntnis 
arbeit nehmen koimen, daß sie dazu befähig werden, an der immer 
Eruwi 'en^ der Beziehung zum Absoluten tätig 
^5. iNrisÄÄh das große Problem der Bildung 
I Versuchen ähnlicher Richtung aus. Einmal behandelt er den gan 
zen Prohl«mkr«iS wirklich auf Grund einer einheitlichen (in ihrer 
Systematik freilich fragwürdigen und zum Teil noch nicht ganz 
zum AuStrag gelangten)) GesamtkorHeption, zum andern fragt und 
antwortet er seiner Absicht nach überall mit jener heute leider so 
seltenen besonnenen Erfahrung, die seinen philosophischen Voraus- 
'jungen entspricht. Sein immerwährendes Bemühen, im Konkreten 
zu bleiben, und die richtige Mitte zwischen idealer Forderung und 
realer Gegebenheit zu treffen, verdient besonders hervorgehoben zu 
werden, denn wenn etwas an dem Buche wohltuend berührt, so ist 
es eben dies, daß «in« von den Radikalen jeden Schlages sehr 
zu Unrecht verdächtigte gute Haltung der Mitte sich in ihm kundgibt. 
Wre stellt nun Grisebach die Universität in das Ganze des 
goMgen Lebens ein? In Uebereinstimmung mit seiner Grund 
anschauung bringt er sie in engsten Zusammenhang mit derKul- 
t u m deren Mitte sie erblüht, sie ist ihm der Ort universellen 
Ei .mtmsstrebens rn der Kultur, der Brennpunkt, in dem die Ein- 
he&amp;gt; ulMreller Arbeit für die Zukunft zusammengefaßt wird. Da 
rm oic Beziehung zwischen universeller Bildung und lebendig« 
Kultur gewahrt bkibe, schlägt er vor, „die Künstler, Forscher und 
Schöpferischen in Religion, Staat und Recht in einer Akademie 
zu sammeln und dieser Versammlung aller für die Kultur in Be-
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        tracht könnenden Geister Einfluß auf die Universitäten zu gewähr 
leisten . Das Idealistische, das in einem derartigen Vorschlag liegt, 
wird dadurch annehmbar gemach!!', daß Grisebach nirgends ins 
Blaue hinein fordert, sondern stets der Wirklichkeit kaum zu be 
siegender Widerstände eingedenk ist. In dem vorliegende« Falle 
deutet er ausdrücklich darauf hin, daß es auch Zeiten der 
SEturlosiM gibt, in denen die Universität auf die Durchdringung 
von zurückliegenden Epochen angewiesen ist. Fn^merhin dient ihm 
ferne aus der metaphischen Konzeption hervorgehende UeberZeu- 
^6 von einer notwendigen Verbundenheit zwischen Universität 
und Kultur als Norm bei der Beurteilung bestehender Bildungs 
anstalten. Wvs die heutige Universität anbetrifft, so rügt er tref- 
send ihre Uebertreibung rein historischer Bildung, sowie die Ueber- 
schatzung bloßen Tatsachenwissens durch die Naturwissenschaft, die 
heute überhaupt des Zusammenhangs mit dem auf die Beziehung 
Wn Absoluten gegründeten Geiste verlustig gegangen sei. Diese 
Einstellung auf das Nur-WiffensMßige, hie ihre Wurzeln in der 
momaMk habe, verhindert nach ihm die» Teilnahme an einer vor- 
wartvfchrertenden Kultur ebenso sehr, wie der formale Idealismus, 
der lerne realen Ziele mehr kennt und zur Scholastik entartet ist. 
In dem Hauptteil des Buches entwirft Grisebach den Grund- 
rH einer im rechten Sinne idealen Universität, das heißt, er sucht 
! brs ins einzelne aufzuweisen, wie die innere Gliederung 
- Universität beschaffen sein nmß, deren Fakultäten rnd An 
gehörige alle ein ihrer metaphysischen Bedeutung gemäßes Ver 
hältnis zum Geist und Zum Leben haben. Dank seiner Besonnen- 
hrt entgeht Grisebach Zumeist (wenn auch nicht immer) der Ge 
fahr, Lustbauten zu errichten, er setzt vielmehr die realen Mächte, 
i w^e Staat und Kirche, mit in die Rechnung ein und ist bedacht 
sam genug, dem Zu formenden Stoff nirgends Gewalt antun Zu 
Kch H« MeitM» der SttWÄÄM M tzW 
philosophischen Emndgedanken zum T«il"«twas verschwommene 
u?d nicht überall gleich rechtmäßig erfolgt, läßt sich nicht leugnen,: 
liegt aber mit m der Sache selbst begründet; als Aeußerungen eines l 
erfahrene und auf das Letzt« ausgerichteten Menschen haben diese 
Vorschläge jedenfalls ihren Wert und bringen manche wichtige 
Anregung. 
DerPhilosophieals der Grundd'rsziplin schreibt Grisebach 
die Aufgabe zu, die universelle Bildungsarbeit zu organisieren 
Sie hat die Ordnung der Einzelwissenschaften zu bestimmen,' 
die Idee der universellen Bildung wachzuhalten und durch 
richtiges Fragen und Antworten stets zum Absoluten hinzu- 
^n. Vei der philosophischen Erziehung handelt es sich nach 
ihm Nicht eigentlich um Darbietung abgeschlossenen Wissens, son 
dern um Anweisung zu einer bestimmten geistigen Haltung. Im 
einzelnen wird dann dargelegt, wie diese Erziehungsabsicht in den 
verschiedenen philosophischen Unterdisziplinen durchzuführen sei. 
Die theologische Fakultät hat Grisebach die Er 
ziehung zum Glauben zu übernehmen, der die durch das Denken 
nicht zu verwirklichende Beziehung zum Absoluten sich erstellt und 
mit Inhalt erfüllt. Ueber Kirche und Religion fallen in diesem 
Abschnitt kluge Worte, betont wird vor allem, daß die Universität 
der Theologie bedürfe, die allerdings trotz des bedeutenden von ihr 
eingenommenen Platzes keineswegs das Recht erlange, in die Er 
kenntnisarbeit selber einzugreifen. Vorsichtig die Grenzen zwischen 
geistlicher und weltlicher Bilduna ziehend, vertritt Grisebach die 
Auffassung, daß Kirche und Universität sich in die Ausbildung 
deS zukünftigen Theologen zu teilen Hecken und daß der wissen 
schaftliche Unterricht der lebendigen Uebung im Glauben unterge 
ordnet werden müsse. 
Welche Bedeutung Grisebach überall einer praktischen Aus-! 
bildung beimißt die den ganzen Menschen ergreift und ihn dauernd 
in der geforderten Beziehung zu Geist und Leben erhält, geht be- 
, sonders deutlich aus seinen Ausführungen über die soziolo 
gische und juristische Fakultät hervor, der er die Ver- 
! pflichtung auferlegt, für die Ausbildung der Fähigkeit zum Staats 
und Rechtsleben zu sorgen. Unter anderem erhebt er die Forde 
rung, daß die Verfassung der Universität selber eine vernünftige 
ideale Form anzustreben habe, und empfiehlt die Einrichtung von 
UmverstMs-Parlamenten, einer Art parlamentarischen Spiels, in 
dem auch der Universitätslehrer ungescheut seine politischen Ueber 
zeugungen verfechten möge. Mit seiner steten Hinneigung zum! 
Konkreten hängt es überhaupt zusammen, daß er die Notwendigkeit 
emer wirklich politischen Erziehung stark in den Vorder-^ 
gründ rückt. Im Dienste solcher Erziehung befürwortet er z. B. I 
einen besonderen politischen Geschichtsunterricht, der dm Ent-! 
Muß zu politischem Handeln wecken soll, auch erscheint ihm die" 
Aneignung mindestens einer fremden Sprach« für den universell 
gebildeten, praktisch wirkenden Menschen unerläßlich. Die Juris 
prudenz will er erst im Anschluß an die Soziologie behandelt 
Wissen, was sich ersichtlich aus seiner tief begründeten Ablehnung j 
rein formalen Denkens ebenso erklärt wie etwa seine Anregung zu 
, elfter den Blick auf das richtige Recht hinlenkoMn und rM 
t KWkrM Lsmerrden PsMMM kS MWMMKWMts Mt dW t 
der anderen Völker. Daß er das juristische Studium mit der Ein 
führung in das praktische Leben beginnen läßt, versteht sich nach 
gerade von selber. 
An die von den gleichen Grundgedanken ausgehende Erörterung 
der naturwissenschaftlich-medizinischen FeckuWL 
reiht sich ein Abschnitt über die Fakultät der Künste, der die 
Literarhistoriker, Archäologen, Kunsthistoriker, Germanisten, 
Romanisten, klassischen Philologen und Orientalisten ein 
gegliedert werden. Die Schaffung dieser Fakultät begründet Grcke- 
Lach damit, daß die ästhetische Erkenntnis weise der wissenschaftlichen 
und ethischen durchaus nebengeordmt sei, da die Kunst das Absolute, 
dem der Erkennende und Handelnde ewig zustreben, ohne es je Zu 
erreichen, in einer Mannigfaltigkeit individueller Gestalten un 
mittelbar zur Anschauung bringe und so gleichsam einen dritten 
Weg zum Absoluten eröffne. Man mag diese Erwägung annehmbar 
finden und doch dem Plan einer Fakultät der Künste skeptisch gegen- 
üLerstehen, da es ja fraglich ist, (und zwar fraglich Es soziolo 
gischen und psychologischen Gründen, die in der Zwischenschicht des 
Konkreten sehr ins Gewicht fallen), ob die ästhetische Bildung der 
Theorie zuliebe zur Sache einer eigenen Fakultät gemacht werden' 
soll Allzu thoretisch erscheint übrigens auch die Ansicht, Laß die 
Weckung des Nationalempfind en§ nur oder doch vor- 
r wiegend chei ^Gelegenheit der Einführung in die nationale Kunst 
zu erfolgen hat. 
Das Beste sagt Grisckach wohl Wer die Erziehung des 
der Schule und ihrer Autorität entwachsenen jungen Menschen. 
Alle Erziehung ist ihm SelLsterziehung, alle Bildung SelbMilvRM, 
Jeder muß allein seinen Ort im Leben und Äe Beziehung zum 
Absoluten finden, eine allgemeine Anweisung hier M geben, ist un- 
möglrch. Dem Studenten wird die akademische Freiheit gewährt. 
Lärmt er so aus eigenen Kräften den richtigen Weg entdecke und 
beschrerte. In schönen Worten schildert Grisebach den Typus eines 
jungen Menschen, der, gleich weit entfernt von der Romantik des 
üblicyen VerbindungsstudenLenLums wie her NommM naturschwär- 
meeden FresstudenLenLums, besonnen und ehrfürchtig wahrer Bil 
dung nachstrebt und ein wesenhastes Leben zu führen sucht. Der 
Lehrer darf in diesen Gang der Selbsterzichung nicht durch direkte 
Mitteilung eingreifen. Die beste Hilfe vielmehr, die er anbieten 
kann, ist seine eigene, m gemeinsamer Arbeit immer wieder be 
währte vorbildhaste Haltung. MssenschaMche Pädagogik und Phi 
losophie lassen hier, wo es sich recht eigentlich um die Menschwer 
dung handelt, im Stich. Nur einen Erzieher, eine Schule gibt 
es für den Werdenden: das Leben selber, das er mit all seiner 
Sinnlichkeit und Häßlichkeit erfahren nmß, weil er allein aus 
solcher Erfahrung und ihrer höchst realen Not heraus die wirkliche 
gesEtmenschliche Beziehung zum Absoluten gewinnt. Diese 
Schule, der die wahrhaft seienden und gebildeten Menschen ent 
stammen, nennt Grisebach die „Schule des Geistes"; sre ist 
ihm das Ideal aller Bildungsanstalten, dir freilich alle immer nur 
eine Seite des Lebens auszubildcn vermögen. 
Dr. S. Krakauer 
sich die Begegnung von Ebene und «n- 
tzvebendeiu GeNrgsMg so heiter, ja Mich wie m BM Hom- 
bnra Gewmrdene, sorgsam gepflegte Parkwege lecken un- 
meÄ-ich in die WAder über, breite Alleen, von Hotels, 
SSWÄwsiAr M-d Pensionen umkränzt, führen mitten in die 
freuEche offene Schönheit der Tmmuslandschast hinem. 
Die AM« ist hier kultiviert, sie gibt sich gang von ihrer ge 
sellten Sekte nutz schmiegt sich überall zutunlich dem Men 
schen gleichviel, ob man nur im mähen Umkreis sich HAt, 
oder weit« Hin-aus zur SaalLurg oder auf den Herzkopf 
chanv^i.. . 
Seine qeMtzie Lage in erner derart vermenfchkchtm, 
das Gemüt unnennbar HerMgenben Landschaft macht 
Homburg zu einem Lu ftknr or t ohnegleichen. Und als 
wolle die R.Ä»r an Nest« ein-sn PnNkte dem Menschen ihr 
aanz-'K EniaeaNkonnnM bezeigen, hat sie Hm überdies noch 
He Hau eilen «scher«, deren segensreiche Wirckungsn sich 
MM-l mff Ä-MvsMrkkrsnkheiien erstrecken. Alles ist ge- 
WHen, um die ^Kveft der Quellen auSWNutzen, vielerlei^ Hei- 
ümoen zu erzielen und die. Genesung in angemessenem rr.empo 
M fördern. In dem bequem gelegenen Kaiser Wilhelms-B-aö 
Mht fick Zelle an Zelle für RirrevMäder, die W-rigenS auch 
s« V-W-ed n-n Sa'oalorien rmd in dem eOen Hotel der 
Stadt verabfolgt werden, man wühlt sich hier in den erqmck- 
lichen SMamm der Moorbäder ein oder läßt sich, sofern man 
-n MtzMMMS odex E.L Met, TonWamN-Packun§en 
anlegen, deren Therapie von der Hamburger Aerzteschaft im 
Lauf der Jahre wissenschaftlich erforscht und planmäßig ent 
wickelt worden ist. Nicht zu vergessen die Hamburger Diät 
behandlung, die man aus Grund der Kriegserfabrung neuer 
dings so veveinsacht hat, daß sie in jedem Hotel und jeder 
Pension ohne Schwierigkeit duvchgeführt werden kann. 
Für angenehme Unterbrechungen des inonotonen Tagwerks 
der Brunnengänger, Badenden und sich gesund Bummelnden 
ist hinreichend gesorgt. Gute Köderte auf der Terrasse 
des Kurgartens, ausgiebige Abendunterholttmgen, üvs 
o^Iook-Tses, Munions in den oberen festlichen Fluchten 
des von Blaue um 1840 erbauten, erstaunlich geschmackvollen 
Kurhauses — wessen bedarf es eigentlich mehr? Wer aber, 
Männletn oder WeMein, damit noch nicht zufrieden ist, der
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        (As 
-Verantwortliche Für den redaktionellen Inhalt: .ü V. Dr. S.Kraeaner. 
HinM gesellt sich der Sport, der in Bad Homburg von 
jeher seine Stätte gefunden hat. Nahe beim Kurhaus sonnen 
sich Tennis-, Golf- und Croguetplätze inmitten des Kurparks, 
und dicht vor den Toren der Stadt liegt der Tontauben 
Schießplatz. Die besten deutschen Spieler geben sich auf diesen 
Plätzen ihr Stelldichein, und wer nicht selber mitspielt, kann 
doch znm mindesten reichlich Zuschauerfreuden genießen. Auch 
die Automobilturniere, die mit dem internationalen Gordon- 
Bennett-Remnen im Jcchre 1904 von Homburg ihren Aus 
gang genommen haben, werden sorgsam weiter gepflegt. 
Manches andere ist noch in der Entwicklung begriffen. So 
entsteht eine Sportanlage für Reit- und Fahrsport auf der 
dem Tennisplatz benachbarten Siamwiese, und der nichts- 
ohnende stille Kurparkweiher soll ein« Vergrößerung erfahren, 
die es Freunden des Segelsports erlaubt, ihn an langen Nach 
mittagen kreuz und quer zu befahren. Der tätige Müßiggang 
des rege ausgeübten sportlichen Treibens verleiht dem Bilde 
der Badestadt sein besonderes Gepräge. Wann und wohin 
man auch schlendert, man steht schlanke Gestalten in farbigen 
Jumpers, die sich mit Grazie durch die grünen Wandelgänge 
des Parks von und zu ihren Spielplätzen bewegen. Wichtige 
Cäfuren in diesem täglichen Sportleben sind die großen 
Turniere, die eine Menge von Leuten nach Homburg wirbeln 
und nicht nur die Spieler und Schiedsrichter in Atem halten. 
Bis dann nach wenigen Tagen der Spuk verweht und alles 
wieder, als sei nichts geschehen, in gewohntem Gleichmaß vor 
sich geht. i 
Der Be s uch hat mit dem schönen Wetter seit Anfang Juli 
stark eingesetzt. Wie alle deutschen Badeplätze leidet natur 
gemäß auch Homburg darunter, daß sich die Zahl der verfüg 
baren Fremdenbetten nach Kriegsende verringert hat — eine 
Tatsache, die ihre einfache Erklärung darin findet, daß Aus 
ländsdeutsche, Bewohner der abgetrennten Gebiete, Flücht 
linge und Verdrängte, die in den Städten keine Dauer 
wohnung fanden, nach den Kurorten gezogen sind. Trotz 
dieser Raumnot, der in den kommenden Jahren mit allen 
Mitteln abgeholfen werden muß, ist indessen immer noch 
Platz genug für Kurgäste vorhanden. Auch die Nachbarschaft 
des besetzten Gebietes sollte niemanden verhindern, in Hom 
burg Erholung zu suchen; der Ausflugsziele in die nähere und 
weitere Umgebung find viele, und von einer spürbaren Ein 
schränkung der Bewegungsfreiheit kann nirgends die Rede sein. 
Die allgemeine ökonomische Umschichtung in Deutschland 
ist begreiflicherweise nicht ohne Einfluß auf Art und Herkunft 
der Besucher geblieben. Verzeichnet werden mag nur die Er 
fahrung, daß, während der gute alte Mittelstand sich immer 
spärlicher einstellt, die Zahl der aus der werktätigen Bevölke- 
rnng stammenden Kurgäste stetig anwächst. Was den Aus 
landerverkehr anbetrifft. so haben ihm die erst seit 
kurzem aufgehobenen PaßverorAnmgen der Reichsregierung 
Abbruch getan; zumal für den .Besuch aus Uebersee ist diese 
Aufhebung zu spät erfolgt. Hauptsächlich find Besucher aus 
dem Osten vertreten, auch Neutrale finden sich mehr und mehr 
ein. 
Ar einem Kurort gehört wesensnotwendig ein Pro 
gramm der Veranstaltungen, und dieses Programm 
wiederum setzt einen Mann mit wirtschaftlicher, gesellschaft 
licher und künstlerischer Phantasie voraus, der es entwirft und 
darum Kurdirektor genannt wird. Der Beruf eines solchen 
Mannes ist merkwürdig, genug; sein Ernst beginnt gencu 
Die Angst vor den Preisen, die gerade viele der früheren 
! Besucher davon abhält, wieder in Homburg Aufenthalt zu 
nehmen, ist nicht eigentlich begründet. Zwar find hier wie 
anderswg den Kosten nach oben hin reine Grenzen gezogen, 
aber sie setzen dafür auch in einer bescheidenen Höhe ein, die 
selbst von weniger begünstigten Zeitgenossen stch noch er 
schwingen Läßt. Die mit der jeweiligen Schlüsselzahl — gegen 
wärtig beträgt dieser Multiplikator 2Z 000 — zu vervielfältigen 
den Grundpreise für Pensionen heben, wie ran uns versichert, 
schon bei rund 4 bis 4.50 Mark an, und die Grundzahlen Dr 
den Gebrauch der Kurmittel bewegen stch von 0.80 Mark an 
aufwärts. Statt rein mechanisch und allzu pauschal Aus 
länder einfach mit dem üblichen Valutazuschlag zu bedenken, 
zieht man es vor, die Preise nach dem Einkommen zu staffeln, 
was ihre labilere und gerechtere Gestaltung ermöglicht. Kur 
direktor und Hoteliers mit ihrem Blick für Gepäck und Auf 
treten der Reisenden sind Menschenkenner genug, um in der 
! Mehrzahl der Fälle di? Leistungsfähigkeit ihrer Gäste richtig 
' einzuschätzen. Im übrigen wird auf individuelle Behandlung 
großes Gewicht^ geregr. Minderbemittelte genießen weit 
gehende Vergünstigungen. 
dort, wo andere Leute sich von dem Ernst ihrer Geschäftigkeit 
erholen, er ist der einzige, dem das Vergnügen kein Vergnü 
gen bedeutet, der überhaupt inmitten der ihm Anvertrauten 
eine Sonderexistenz führt, weil sein Alltag just auf ihren 
Sonntag fällt. Gleichviel indessen, wie es sich damit verhalte: 
der neue Hamburger Kurdirektor Anders, der früher den 
gleichen Posten in Kreuznach bekleidete, hat jedenfalls die 
Situation erfaßt. Er will Homburg, das vor dem Krieg 
noch weithin als Luxusbad galt, zu einem wirklichen Heil 
bad und Luftkurort machen, und derart eine Ent 
wicklung fördern, die nicht auf Entfaltung von Reichtümern, 
sondern auf Geschmack und Einfachheit der gesellschaftlichen 
Zusammenkünfte abzielt. Dem entspricht denn auch das Pro 
gramm, das bei aller Reichhaltigkeit — geplant ist z. B. in 
nächster Ait außer Vorträgen und musikalischen Vorführungen 
ein Fest in historischen Kostümen: „Tag aus dem Dreißig 
jährigen Krieg", sowie ein „Rheinland-Tag" als Opsertag 
für die Rhein- und Ruhrkinder — nirgends zu töricht-prunk- 
haftem Aufwand herausfordert. Auch sollen Automobiltouren 
nach schonen deutschen Städten (Heidelberg, Braunfels usw.) 
unternommen und „B ä der - P ickn icks" verunstaltet wer 
den, bei denen sich Homburger Kurgäste mit kleineren Gruppen 
aus den benachbarten Bädern an einem dritten Ort zum Zweck 
seiner Besichtigung und — wer weiß? — auch des Flirts ge 
sellig vereinigen. Mehr' in d^e Ferne weist ein Projekt, das 
auf die kalte Jahreszeit Beschlag legt und für den Winter 
anstelle des obligaten Sportprogramms eine Folge künstlerisch 
eigenartiger Veranstaltungen vorfieht. Warum auch in aller 
Wüt im Dezember lassen, was im Juli durchaus erreichbar 
ist? Homburg als Wintergesellschaftsplatz: so 
lautet die Parole der Zukunft. 
* 
Sehr im Irrtum befindet sich, wer nun etwa wähnt, daß 
man stch dem GesellschaMrubel in Homburg nicht entziehen 
könne. Im Gegenteil: gerade die Abseitigen, die Stillen 
im Lande haben hier gute Tage. Niemand wird sie daran 
hindern, sich irgendwo privat einzunisten und ein beschauliches 
Leben nach eigenem Gutdünken zu führen. Parkgehetze und! 
Landschaft^räum sind so weit, daß die Menschen bald darin 
verschwind n, und nur eine Ahnung, noch von bewegtem Hin 
tergrund zmückbleibt, die den Reiz der selbstgewollten Einsam 
keit. beträchtlich erhöht. Sei es nun, daß man sich im Kurpark 
und den angrenzenden Wäldern oder im abgeschiedenen Schloß 
garten ergeht, sei es, daß man über Dornholzhausen ziM 
Gothischen Haus pilgert: stets gibt es Pfade genug, dir zu 
friedlicher Einkehr locken. Besonders schön für die der Ruhe 
Bedürftrgen ist es, auf geglätteten Wegen in den Feierstunden 
des'Spätnachmittags dahinzutrödeln. wenn Männer, Frauen 
und Kinder, die ganz unwirklich geworden sind, auf den 
Bänken pflanzenhaft die Zeit verträumen und ein unvergleich 
lich mildes Licht Wiesenflächen und Vaumgruppen umglänzt. 
i. - Dr. 8. Xraoau 6 r. 
mag abends im Kasino verschwinden, um sich durch ein harm 
loses Jeu in temperierte Aufregung zu versetzen. Zwischen 
Ruhe, die nicht in Langeweile ausartet, und Abwechslung, die 
nicht eben überanstrengt, wird gerade der hygienisch bekömm 
liche Mittelzustand aufrechterhalten. 
— I« der Renen Lichtbühne auf der Vilbelerstraße läuft diese' 
Woche ein amerikanischer Lustspielfilm „F a tt h a l z Lebens 
retter , der m den gesegneten Gefilden Merikos spielt. Fattv &amp;gt; 
- em von einem winzigen Negerbübchen gefalzter unglaublich 
großer Fettwanst, der sich in allerlei prekären Situationen nicht 
nur mit einer sein Gemüt ehrenden Gutmütigkeit, sondern auch 
mrt staunenswerter Gefchicklnhreit zu benehmen weiß. Wenn z B 
rechts und. links Schurken nahen, biegt er einfach L la Karl May 
dre bmden Laufe seines Gewehrs auseinander und erledigt die 
i zwei Gesellen, daß es nur so eine Lust ist. Durch solche Künste i 
§ gelingt es ihm hie bildhübsche Schurlehrerin des Orts von ibren 
Verfolgern zu befreien, wofür ihm denn auch der gebührende Lohn 
zuteil wird. Las große Gesellschaftsschauspiel: „DieFrauaus 
er"* Orient , spielt anfänglich am Hofe eines Emirs, in den 
folgenden Akten auf europäischem Boden. Das Stück behandelt 
eine LiebeSgeschichw mit exotischem Einschlag; zum Glück passiert 
As "'S Vade an der Klippe des Ehebruchs vorbei, sodaß 
AusgnWNimmtE^" ^ahrnissen einen allseitig befriedigenden
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        Is? UWtzs« der M« UM. 
— Die Vs^ndung der Elen Alten Brücke ist von keinem 
Huten Geschick boWnstigL. Zuerst war es der Krieg, der die 
Bautätigkeit viele Fahre hindurch unterband, danach ge- 
seMn sich als Hermnniffe der WeitevarLeiL alle die Schwierig 
keiten hinzu, die in unserer trostlosen Wirtschaftslage ihren 
Grund haberr — wobeü die Frage noch ganz offen bleiben 
mag, os man nicht trotz dieser Schwierigkeiten schneller zum 
Ziele hätte kommen können. Das eine läßt' sich jedenfalls 
sagen, daß weder die Stadt noch die an den Kosten zu be- 
teiligLnde preußische Regierung durch! die fortwährenden Ver 
zögerungen gewonnen haben. Ganz im Gegenteil wäre man bei 
intensiverer Förderung der baulichen Arbeiten weit billiger 
gefahren. 
Nachdem nun die Fundamente endlich fertiggestellt find, ist 
die Stadt, wie es in einer von uns im Stadt-Blatt vom 
1Z. ds. veröffentlichten Zuschrift heißt, zu der Ueberzeugung 
gelangt, daß ihr die Aufbringung des auf sie entfallenden 
Kostenanteils von rund 18 Milliarden für die Ausführung 
des Brückenüberbcms nach dem ursprünglichen Projekt nur im 
äußersten Notsall Mgemutet werden darf. Das Tiefbauamt" 
ist daher in Erwägungen darüber eingetreten, wie sich Ein 
sparungen an den Baukosten erzielen lassen. Drei Möglich-! 
ketten hat es ins Auge gefaßt. Einmal denkt es an eine Ver-j 
schmälerung des Brückenquerschnitts und eine Vereinfachung' 
der Pfeilervorröpfe usw. Zum andern schlägt es vor, die in 
der Breite von 19 Metern projektierte Brücke zunächst nur in 
der geringeren Breite von rund 14 Metern ausgusühren, 
schließlich regt es die Schaffung eines weiteren Provisoriums 
in Gestalt einer neuen Fußgängerbrücke an, die nach der in 
zwei Jchren Zu erwartenden Zerstörung dei bisherigen Holz 
brücke an deren Stelle Zu treten hätte. Am Schlüsse der Zu 
schrift heißt es dann, daß die vom Liefbauamt angestellten 
Untersuchungen sich ihrem Ende nähern und Entwürfe und 
Kostenberechnungen deumächst der Brückenbcnrkomwiffron und 
dem Magistrat vor gelegt werden sollen. 
In Anwesenheit der Brückenarchitekten Hellerer und 
WH oven wurde gestern in einer Vorstandssitzung 
der heefiMr Ortsgruppe des Bundes deutscher Archi- 
LekteN M der Behandlung der Brückenfmge durch die Stadt 
Stellung genommen. Es ergab sich hierbei, daß das neuer 
dings von der Stadt -Angeschlagene Verfahren, Ab- 
führungen Sie 
„Zur Philo 
v. 4. ds.) wird uns die folgende wertvolle Ergänzurlg ein- 
gefandt: „Wie sehr Simmel durch Nietzsche fruchtbar beein 
flußt war, ist bekannt und auch in jener Besprechung zum Aus 
druck gekommen. Wie Nietzsche ist aber auch Simmel in hohem 
Maße durch Schopenhauer beschert worden. Und gerade 
Shopenhauer gebührt hinsichtlich des Nachweises oder der These 
von der sekundErr Bedeutung des Denkens und seiner Begriffs 
die Priorität und höhere Genialität gegenüber dem in jener 
Besprechung mit Recht gewürdigten französischen Denker Ber^- 
som Simmel selbst hat diese LePung Schopenhauers voll an 
erkannt in seinen Verträgen über Schopenhauer und Nietzsche 
! (als Buch erschienen m 2. Anst, bei Duncker und Humblot, 
' München und Leipzigs. Zunächst urteM Simmel mit großer 
Gerechtigkeit: „Und dies gehört zur Tragik der Erschernung 
SchopenAmers, daß er mit den. besseren Masten die schleGe^ 
Sache verteidigt. Denn mit Nietzsche verglichen ist er KEAb 
los der größere Philosoph/ ES. 1Z4 Daß Mr Me sekurHare 
Dresden), in der zum ersten Mal-e das soziologische Problem 
in den Zusammenhang der grundlegenden philosophischen Frage 
stellungen des DaseinZ hmeingestellt wird. 
Kracauers Buch wird damit besonders wesentlich. Es ist ein 
Wendiger Widerspruch gegen unorganische ALowiflerung des Wissen- 
ßHüstsbeLrisLes und ohne mit einem Satze die strengen erkenntniZ- 
LiLischen Forderungen, die es an sich stellt, Preiszug eben, ganz auf 
das letzte Ziel jeder Wissenschaft, hie Beantwortung der Frage 
nach dem Sinn hingeordnet. 
Hier t Her sofort der ganze Zwiespalt auf, von dem jedes 
. Bedeutung dex Vernunft gerade von Schopenhauer, längst vor 
Bergstm und tiefer als von diesem, hernusgecrrbeitet worden 
ist, würdigt Sinrmel u. a. rrrrt folgenden Worten: ^Aber ande 
rerseits emhaN diese Willensrnetaphtzstk eine Bedeutung,. die, 
werM man auch ihre metaphysische Nebersteigerung ablehnt, noch 
immer zu. den wenigen ganz großen Fortschritten gehört, die 
dem Probleme des Menschenlebens überhaupt innerhalb der 
Philosophie bisher beschrieben sind. Von . . . wenigen Einschrän 
kungen abgesehen ... ist aller Philosophie vor Schopenhauer 
der Mensch als ein Vernunftwesen erschienen Dieses 
Dogma nun von der Vernunft als dem tiefsten . . , Wesens 
gründe des Menschen hat Schopenhauer zerschlagen; und gleich 
viel ob man Las andere, das er an diese Stelle setzt, annimmt 
oder nicht, so gehört er damit in jedem Fall zu den großen philo 
sophischen Schöpfern, zu den Entdeckern einer neuen Möglichkeit, 
das Dasein zu deuten Schopenhauer hat sehr tief erkannt, 
daß schon die Vorstellungsrnhalte und die verständesmäßigen 
VM-ettungen als seelische Vorgänge eins Triebkraft voraus 
setzen, die jenseits der bloß ideellen, bloß logischen Beziehungen 
jener Inhalte lebt . . . auch der logische Satz Lmucht, um seelische 
Wirklichst zu werden, einen Träger, der an sich mit Logik über 
haupt nichts zu tun hat Schopenhauer hat den Mut zu 
dem Radikalsmus, daß die Bewußtfeinsbildsr, in denen das 
empirisch gelebte Leben verlaust, .die WiMchkeit unseres Seins! 
nM srnschließen, sich überhauzst nicht mÄ ihr berühren können, 
weil dieses Sein eben nicht des gleichen Wesens ist wie das 
vernünftige BewuMern." (S. Mff.) Interessant ist, daß Mm- 
mel in diesem Zusammenhang auch auf die Lurche Liefe Erkennt 
nis .entstehende unerwartete Verwandtschaft zwischen Schopen 
hauer urG Marx aufmerksam macht, auf die auch Masaryk, 
Tugan-BaranÄvskh urch Tonnies hMgeWiefen haben. Doch 
würde das hier zu weit führen. Es mag genügen, jene Be 
ziehungen zwischen SnrmM und Schopenhauer in Erinnerung 
gebracht zu haben/ Neinb. Weck»er 
Soziologie als Wissenschaft. 
Von Dr. Werner G. Thsnnarm. 
Immer mehr charakterisiert sich die Soziologie als die in unserer 
Zeit lebendigste und gerade von den Menschen denen'" gelehrtes 
Streben nicht Selbstzweck ist, am heißesten umworbene Wissenschaft. 
Die Sehnsucht der Lebendem aus den Ueversteigerungen des In-- 
dimdualiZmus Zu neuen Formen der Gemeinschaft zu kommen und 
daZ Bemühen um die Erkenntnis der Wesens'grundlagen, auf denen 
die sozialen Aggregale. der Menschen beruhen, spricht sich darin 
Es. Die, letzten Jahrzehnte haben denn auch eine Fälle von 
Untersuchungen soziologischer Art gebracht, die aber fast alle m 
der Betrachtung konkreter Einzelfalle und in Ableitung von Regel- 
haftigkeiten aus einer Summe von Tatsachen der historischen Er 
fahrung stecken blieben, so daß mit Recht ernste Zweifel erhoben 
wurden, ob die Soziologie überhaupt -als eine eigene Wissenschaft 
anzuspvechen sei oder vielmehr die Teilgebiete anderer Mssenschafwn 
bedeute, die im Hinblick auf die besonderen Ziele der betreffenden 
Disziplin die Probleme der menschlichen GesÄschastsöildung zu er 
örtern haben. Demgegenüber ML es als Rettung der Soziologie 
den norumtiven Rang und den SeinsgeM ihrer Erkenntnisse M 
begründen, sie also in den Bereich des Abpoluten M erheben. Die^r 
Aufgabe, unterzieht sich Siegfried K r a c a ners bedeutungsschwere 
— sGeorg Simmel und Schopenhauer-^ Zu den Aus- 
egfried Kracaners Wer -Georg Simmel: 
sophie in der Kunst- (im 1. Morgenblatt 
änderungsvorschl äge für die Brücke durch das Tiefbauamt statt 
.unmittelbar durch die mit dem Entwurf beauftragten Künstler 
mffertrgen zuftassen, von einer gründ verkehrten Auf 
fassung des Sinnes einer solchen Entwurfsarbeit ausgeht. 
Schon einmal vor rund zwei Jahren mußte der Bund deutscher 
Architekten dagegen protestieren, daß die Stadt die eigent 
lichen Schöpfer des Brückenentwurfs zu umgehen suche. Da 
mals erteilte der Magistrat die beruhigende Antwort, daß 
davon keine Rede sein könne, daß vielmehr die Stadt bei allen 
maßgebenden Entscheidungen selbstverständlich die Architekten 
ZuZieheu werde. 
Ist das dieses Mal geschehen? Wir haben allen Grund, 
daran zu zweifeln. In der Sitzung erfuhr man, daß bereits 
am 29. Märtz d. I. die Heroen Heberer und v. Hoden Hn. 
Schreiben an die Bruckenbaukommission gerichtet 
haben, in dem sie erklären, daß sie es für angebracht halten, 
die Möglichkeit eines neuen Entwurfs zu einer sehr 
vereinfachten Gestaltung in Erwägung zu ziehen. 
Sie teilen in diesem Schreiben ferner mit, daß sie schon ver 
schiedene Vorarbeiten zu einem solchen Projekt gemacht haben 
und gerne bereit sind, es mit dem Brückenbaubüro des Tiefbau- 
mnts weiter durchzuarbeiten. 
Wem möchte es kaum glauben, und doch ist es so: das Schrei 
ben ist bis heute unbeantwortet geblieben. Statt dessen 
rückt jetzt das TieföauamL in Bälde gleich mit drei neuen Ent 
würfen heraus, ohne daß die Architekten als die eigentlich Be 
rufenen von diesen ganzen Planungen überhaupt in Kenntnis 
gefetzt worden find. Wie drnkt sich eigentlich die Stadt ihre 
Mitwirkung? Sollen die Architekten nachher, wenn das 
JngenieurwaßM fesWegt, gleichsam die Dekoration des Ge 
rippes übernehmen? Wer so entsteht niemals ein Bauwerk 
was einem Gusse, die erste Planung obliegt vielmehr dem 
Architekten, und dann erst hat der Ingenieur das Wort. Als 
Thiersch die Frankfurter Festhalle schuft hat er 
selber die großen Formen der eisernen Kuppel festgelegt, und 
arrch Peier Bohrens bei feinen Bauten der hat 
stets bestimmend auf die Gestaltung der technischen Ewzel- 
heiten eingewirkt. Es Zeugt von einer nur schwer faßlichen 
Verkennrmg des künstlerischen Schaffens, wenn man dem 
Architekten die Führung zu entreißen und ihn zum Hanb- 
lan-Mr des Statikers zu machen sucht, wahrend doch gerade 
umgekehrt der Techniker feinen Ehrgeiz davem sehen sollte, den 
Intentionen des Architekten möglichst getreu Folge zu leisten, 
Welche Motive das TieföauamL dazu bestimmten, "irgendwelche 
Pläne ohne Hinzuziehung der Architekten auszrrarbeiten, 
wissen wir nicht, sicher ist nur, daß damit der Sache nicht 
gedient wird, und, nebenbei bemerkt, durch solche Projektierun 
gen auch Summen verschlungen werden, die vermutlich zweck 
mäßiger zu verwenden gewesen wären. 
Diese Gesichtspunkte wurden in der Sitzung mit Ent- 
schiedenhett geltend gemacht. Man schritt dann zur Be- 
sichffgMg eines neuen, wesentlich vereinfachten 
Brücken ent Wurfs, den die Architekten Heberer und 
v. Hoden in den letzter: Monaten aus g e a rbeitet haben. Dieser 
Envmrrf plant die Brücke in B etonausführuna. auch 
! KkWt er si&amp;lt; betrAMch schmaler, als ursprürrKH vorgeschen.' 
Die ZeichrMgep wirken schr Werzeygend, vor allem erftevi 
die EinsachLeit mrd charaktervolle BehandlMg sämLicher 
Formen. Au wünschen wäre, daß der neue Entwurf bald der 
OesfenTschkeit zugänglich gemacht werden könnte. Lr.
        <pb n="46" />
        ^r. 
- 
Denkens auks genaueste vnederspiexelt. 
ss e^' 
Paul Steegemonn, Hauno0er und Leipzig) heraus, in denen etliche 
bekannte Zeitgestalten glossiert werden und auch das eine oder 
andere Mgemeinproblem zur Erörterung gelangt. Die innerlich 
abgewogene Haltung Michels tritt besonders ia dem Aufsatz .Die 
geistrg« Mitte" zutage, der falscher Aktivität und einseitiger Kräfte- 
ausg&amp;lt;che ei» ruhiges Wirken entgegensetzt, d«K sich« und stets 
aktentWen dem Wesensmittelpunkt «ttflicht. Getragen von dem 
Bewußtsein solcher Mitte wendet sich Michel dort wider Speng. 
Wirklich seine Freude daran, wie geffwM er 
ihm begegnet. Vor allem wirft er ihm vor, daß « das Leben ent- 
gerste und den Anteil des Blutes überschätz«. Auch wird sehr witzig 
das falsche Catonentum Spenglers gegeißelt, der „Feldwrbetton", 
Ä Kunst uiü&amp;gt; Wissenschaft aus dem Bereich der wirklichen 
dachte. M verbonMn sucht. Gewiß führt diese Polemik nicht 
HE ein msstSndigez Nivew inn« und findet 
gluSUche Prägungen. D« Anthroposophi- ist Senfalls eine 
krmiche Studie gewidmet, und zwar erstreckt sich die Kritik nicht 
nur auf drs Methode der hellseherischen Erkundung all« möglichen 
vergangenen und zukünftigen Ereignisse, sondern auch auf Stri- 
Nkrs DaiLtellungswetse und fein äußeres Auftreten; Wie ja über 
Haupt MichÄ»efil fein^ Gefühl ^siht für die Zusammenhänge 
zwischen dem lErchen Gehalt einer Lehre mü d« Art ihr« Dar- 
den übrigen Beiträge« fei noch erwähnt ein Auf 
satz über fugend, der die geistige Nrchellung des PÄertSts- 
alt«s Mw Welt und zur menschlichen Gesellschaft daraus ervärt, 
m Wftm d&amp;lt;Ä proteische Prfitzip d« unbegre^ten form- 
losm Moglrchkerteu abgelSst weM von de« chwliinischen Prinzip, 
v« Gestaltung. Lr 
philosophische Streben des modernen Menschen zerrissen wird. 
Wie ist es möglich. Zu letzten Erkenntnissen vorzustoßen, nachdem 
das Ich und die Welt so ganz LUsLinandergebrochen sind alle 
Realität relativiert werden und «an die Stelle eines wohlgeordneten 
Kosmos die unendliche Mannigfaltigkeit getreten ist. ^Kracau er packt 
dies Problem mit den Methoden der streng phänomenologischen 
Richtung an, wie sie Hufferl bisher am folgerichtigsten vertrat. 
Nach einer klaren und dankenswerten Herausarbeitung der Ziel 
setzung und des Stoffgebietes der Soziologie, die sie vor ach m 
aus den Grenzwissenschaften der Geschichte, Geschichtsphilosophie 
und Psychologie heraushebt, gibt er im umfangreichsten zweiten 
Kapitel seine/Buches eine Begründung der Soziologie aus phano- 
menoloqischer Einstellung Zum Problem der Erkenntnis. Die da 
bei angewandte Terminologie enthält bei. allem Fußen auf den 
grundlegenden Werken der zeitgenössischen Phänomenologie teilweise 
eiZenschöpferische Werte Wie dw reine, formale Phänomenologie, 
die Sphäre, in der sich die Wesenschau des „entindividualssierten 
Ich" vollzieht, sich durch immer weiteres Vortreiben des Generrli- 
sierungsprozeffes aus dem Felde der deskriptiven, alle Bewußtseins 
inhalte des eigengearteteen Subjektes umfassenden Phänomenologie 
erhebt, so wächst aus der maierialen, allen Tatsachen der Erfahrung 
hingeg^Lenen Soziologie eine allgemeine oder formale Soziologie 
heraus, die sehr wohl in der Lage ist, Erkenntnisse auszusprechen, 
denen Allgememgültigkeit und Notwendigkeit innewohnt. Als 
Zwischenschicht erscheinen die „typischen Schemata", die namentlich 
in den soziologischen Betrachtungen Simwels eine große Rolle 
fielen. 
Kmesners Schrift erhebt sich in der Herausarbeitung dieser 
Postulate trotz aller Konzentration auf den Gegenstand seiner Unter/ 
suchung weit über die Begrenzung ihres Zieles hinaus. Er kommt 
zur Ausrottung der ganzen Problematik, die der Phänomenologie 
innewohnt in der Fragestellung, inwieweit sich die Ontologische 
Wesensschau des veinen Ich mit dem transzendentalen Subjekt 
Kants und seinen synthetischen Urteilen a. priori berührt. Und hier 
erscheint die eigentümlich? Zwischsnstellung der Phänomenologie im 
Karsten Licht, die sie -als geistiges Produkt einer Zeit des Üeber- 
MngLI charakterisiert ganz wie die der Phänomenologie ent 
sprechende Richtung im Bereiche der Kunst, des Expressionismus. 
Auch die Phänomenologie vermag den Widerspruch, der im Er 
kenntnisstreben einer sinnentleerten Epoche liegt, noch nicht zu be 
wältigen; wahrend sich, in der WesenKschan sicherlich schon ein neuer 
OLstMvismu^ apmoriMche Erkenntnis des AeLuZ im alten 
aristotelischest Sinne'-ankündiost, bedeutet die Phänomenologie eine 
Hochststeigerung der idealistischen Zerspaltung von Ich und Welt 
und damit der Unmöglichkeit, von dem Standpunkte subjektivistischer 
Überspitzung die Welt der Wirklichkeit und die höhere Realität, die 
hinter dem äußeren Schein der Dinge liegt, zu bezwingen. Kra- 
e-auer neigt zu einer stärkeren Betonung dieser Seite der Phäno- 
mmologir, daher sein Gegensatz zu der Schelevschule, in der die 
Wesensschau zur Grundlage einer neuen Sinnerfülltheit des Welt 
bildes gemacht werden soll. 
Mit dieser Problematik der Phänomenologie ist aber natürlich 
eine tiefgreifende Problematik der auf sie begründeten Soziologie 
als Wissenschaft gegeben., Sie wird in schonungsloser Deutlichkeit 
im letzten Kapitel der Kracauerschen Schrift enthüllt. Man wird 
vielleicht über eine Methode staunen, die ein Gebäude unter Außer 
achtlassung der Tragfähigkeit des Fundamentes errichtet, obwohl sie 
von deren Unzulänglichkeit sich überzeugt hatte und dann selbst wie 
der aus Einreisen geht, man ist überrascht, «alle Einwände, die 
man sich gegen die beiden ersten Kapitel des Buches angemerkt 
hatte im dritten vom Autor selbst mit größerer Klarheit und Aus 
führlichkeit erhoben zu finden. Aber Kracauer scheint mir recht 
Zu Haben, wenn er sich mit dem Hinweis entschuldigt, daß ein sol 
cher Umweg notwendig war, um „nachzuweisen wie gänzlich un 
geeignet die idealistische, Leim reinen Subjckt anhebende Philosophie 
Zur Bewältigung jener konkreten Wirklichkeit ist". 
So klingt Kvacauers Buch hinein in die Sehnsucht nach der 
wahren „Heimat des Geistes", der Bindung der auseinanderstreben 
den Teile des Kosmos, des Ichs und der Welt meiner neuen Epoche 
des Sinnes, der Lösung aller Gegensätze, von denen das mensch 
liche Leben Zerrissen wird in einer organischen GoLtbezoqsnheit 
Mes Seins. Dlefe Sehnsucht scheint uns mehr und mehr das 
Wesensmerkmal unserer Zeit als einer Periode des Ueöergangs 
wenn auch die letzten Jahre und vielleicht besonders die Mona^ 
die seit dem Erscheinen der Schrift Kracauers verflossen sind, uns 
gelehrt haben, daß die inhaltliche Erfüllung dieser Sehnsucht viel 
leicht in, weiterer Ferne liegt, als man angesichts der Welle des neu 
erwachten religiösen. Interesses, die vom Kriegs- und Revolutions 
erlebnis emporgetragen wurde, anfangs vermuten durfte 
^sug1p«'od!eme «in Zoriowgir. 
Lrinnsruri- an Nsr er ist ietrt ein 
^^^^1 ^inElvvsrk: „Hauptproblems 
? o? ioIox &amp;gt; e (vunolcer u. üuinblot, Nünsken) 
^88N Lntstebunx äie besten Vertrster 
daü-Z N-&amp;gt;? Oe-stss«^ beiMtr3,?sn 
»adsn. Oas von Uotollior kalvj derart 
baumlet äsn naebbaltiMn Lmkluk, äsn .^ax 
lieber als gslebrtsr unä kolitiicer auk äen vsrsokis- 
6er korsebun^ s-usxsübt bat; es ist 
^or allem ein äauernäss Zeugnis kür äis münnixkaobsn 
LnrsMnxen ä,e. unmittelbar oäer mittelbar von 
^nsokalten^ ° Ioxis unä ibrer ^aebbarvis- 
Lm^LL L '°U«^äi.er 
vorn emlmtonäen XuksatL von ?rok. v. Loknlro- 
Oüvernitr, ckor Nox ^Vedar8 VtzräioriLteri um ckio 
Uationalökouomls unä seiueru polltisollen ^irk^n eins 
46iri8inuj86 ^Vürcki^un^ läkt, selllrskt sioll 
tzwo au, irr ckor OsZolliollto uuci Uetkoäeu- 
lellre äer Loriologio dstianckelt werden; Werner 8oiu- ! 
l)art dringt eluo lllKtori8ollo Ltuäitz üder die 
Äer Loriolo^, ^rav2 Lulendurx erörtert dis 
Wö^iolliLelt llt8torl8ehHr Oe8«tLS, Üernwuu Lautoro- 
,^162 Hutwirkt unter desoud-erer LerüetcZiolltixuu^ der 
Reollüssorloloxie em s^stemLirLek kdxeruudetes ^uk- 
'dausollema der soLrvio^isollen ^VisZenLellakt und ^ri3d- 
riell v. OottL-OtililieQkeld steuert unter dem 
Pitel „ssreilleit vom ^orte" eine metllodolo^rsolle 
VnterFuellun^ xur tlleoretisollen I^Ltlonüiökonomie i^ei. 
Le lol^en In der den ns,türliollen und individuell-E- 
ulloloMsolltzn OrundlL^en des Oesellsellaktslellens x^e- 
Midmvten ^llteitunA ^uksätre von Hans 6 rull! e 
Wer dis LelllstdioxrLpllie und von Imdo Harimann 
tzllvr die sorioiordselle Bedeutung der nationalen 
. 6ren^. 2u dem LaviLel: Orund^Lte^orien und Nä- 
- Mevtarkormen der Ver^eseUsellLktunb liefen wertvolle 
.Ädllündlunflen von Lberllerd Ootnein, Ferdinand 
^iZnnles und K. Pllurnweld vor. Desonders 
»nrexend sind die ^usküllrunken I^so 7 ordan 8 llder 
.'Kpraolle uM Oesellsellakt und klarl Vokters Aller 
' Äie Orenren der KpreellsoLioloxie, die tiek in die llisllsr 
^Looll weni^ .^epkle^te 80A0I0M der 8praelle einküll- 
— Den Lweiten Land erökknet eine Keille von 
Mrlleiiev die sioll mit den 8trukturprolliemen des mo- 
&amp;gt;^rnen 8tÄLts llekassen. Oarl Lollmitt verllrsitet 
«ell üller die 8orioloaje des 8ouveränMtslleArikk8 und 
MÜtiselle IllsoIoM, kiollard Plloma üller den Le- 
ist der modernen Demokratie und 6arl Drink- 
ann über KoLiolojd« und Naatswissensollakt; diesen 
Mudren sllLemsineren Indafts ^lledern stell L^vei mellr 
6nter8uMin-?6n von Lar! Dowenstein 
d Mrl Dandausr an, die poIitisoll-sorioIo^iZolle 
MM OeMkDtsnd kaden. ^uell die 8oLioioM 
der Künste und Missensollakt findet nie 
Wllrende 8tZM. Lmll lederer entv^iokelt 
ÄSn Umrissen die ^ukxallen einer ^uitursoxio- 
, kM Ronlssdeim xellt in auksoklukreioller 
ise aÄ die soriokochisolls Bedeutung der nominallM- 
MMsn ?Mosopllie und ^rtllur v. Rostllorn 
"nMm in einer kleinen 8tudie üller Rell^ion und Mirt- 
TvsLkk In 6llina llriMoll 8tellunx ru den das ^leiolle 
Allema lletrekkenden D^rldMnxen Nax Kellers in 
Seiner Mlrtsellaktsetlli^ der ^Vellrell^ionen. VLe H)- 
tvllun^ „Li38K6n und 8tände" undaA eine prinApiells 
^llllandiun^ ?aui 0 m ll e rt 3 üller das ^Vesen der 
ZoLialen Llasse und eine 8pHLia!unter8u6llun^ ferner 
Mittiolls üller den socialen 6ella.it von „W^llllelm 
Leisters iüellrjallren". Den Leselliutz lliiden drei ^violl- 
ti^e Leitrads rnr neuen ^VirtsollaktsMKelliollte und 
^irtZollaktspolltill, als deren Verkasser kalter Dotr, 
Heinrioll 8ievellinß; und Neiollior kai^i reiod- 
nen. ^lles in allem ist das vielstrallllxe ^erll niellt 
nur eins dem dämonisoll xetriellenen und doell so 
llesonnenen k^orsollerMste Kellers darxellraollte 
Üuldi^un^, sondern auell ein Denllmal, das die deutsolls 
^issensellakt stell selller Mset^t llat, ein Leit^eselliellt- 
llelles Dokument von llollem Ran^, das dis Rielliun^ 
und krolllematik des xe^en^artiMn ^vissensellaktllellen 
— ^„Der abendländische Zeus "! Unter diesem an ein Wort 
Hölderlins anknüpfenden Titel, der die eigentümlichen Voraus 
setzungen und Strebeusziele abendländischen Daseins zum Unter 
schied von denen des griechischen kennzeichnen soll, bringt Wilhelm 
WiHsL M»klKiMr«; KMjLtzK
        <pb n="47" />
        L^visoben 
LetLnn^ äiessr Orunäbexrikks erörtert Haas 
kätrlieb niebt aus. 
Rrankkurt a. lä. 
SomMkücher Verznüsmgslmmel. 
Die Verguüguugswul, die im Wwter schon groß 
genug war, ist im Sommer keineswegs abgeebbt. Der Be 
trieb irr Dielen und Bars geht lustig werter, ^LW die KMtLe", 
„Me Keine Slmd-erin^ und andere Personchen dieses Schlags 
ibnen obvaltenäen NeLiebnn^en, v^obei sieb ibm ergibt, äaL 
äie seeiisebe IVirblmbbeit beberrsebt värä von äem Anta 
gonismus r^iseben Lrakt unä DrsobeinunK. V^ie xieiebe 
tzuantitäten xs^obiseber Lrakt unAeieben Lrsebeinunxen ent- 
sxreoben, eo entsxreoben umZebebrt xieieben DrsebeinunZen 
unssieiobe tzuantitäten von Lrakt. Das beM niebt nur, äaL 
äie aääguate Uexroäubtion einer DrsebeinunA in äer DrinNe- 
runx einen xerin^eren Lraktauk^anä als äsn ibr ursxrünxveb 
LUAeoräneten benötigt, es beiöt aueb, äaL äie Drsebeinung 
selber sieb änäsrt, äaü sie Uleiobsam ver^röLert unä über 
trieben v^irä, 'kvenn man sie mit unveränäerter Lrakt rexroäu- 
siert. visss Wr zeäe xs^ebisebe vinF^elt sseltenäen 6iesetLv, 
äie im Verlaut äer Arbeit noeb manebe vuebti^e Lr^LnsunZ 
unä Dr^eiterun^ kinäen, erweisen ibre Druebtbarbeit äaäureb, 
äa6 sie ?u sinbeitlieber DrblärunZ einer Reibe seelisebsr 
Dbänomens berankeLoxen v^eräen können, ^us äer Vorberr- 
sobakt äes D^namiseben, äie Deibebaltun^ immer ä-erseiben 
LraktKröLs koräert, leitet Haas 2. V. äie unstabilrsierts Dr- 
sobeinunAsv^elt äer primitiven Völker, äer Rinäer unä äer 
D-äumenäen ab, aueb äer Vorgang äer Verärän^unK etna, 
äen er als DolAe einer an äer vollen Dntkaltunss Zebinäerten 
Drsebtzinunx be^reikt, erkäbrt im Rabmen seiner Ibeorie eine 
2^ansslo8tz Deutung. Line beinabe ^läernatilrlisbe ^b^eiob- 
un§ von äen vielen LestätiAunKen zener ps^obisobsn kropor- 
tionsAesetLs biläen eissentUob nur äie . vor allem in Inäien 
betriebenen ^ieäitLtionsbbun^bn äer böberen Religionen, äie 
naob ibm äen rvüseben Lrakt unä Rrsebeinung bestebenäen 
Antagonismus äureb vauerverkoppelung äer gleieben Rrakt 
mit äer gleioben Rrsebeinung Lu tibervünäen Sueben. — Nan 
mag aus äiesen wenigen Angaben erseben, v^obin es äen 
konstruktiven 6eist äes Verfassers ärängt. Oleiebviel, vie 
seine eigenartige Ibeorie Zm einzelnen Lu bewerten ist, sie 
äart zeäeiüalls äas Veräienst Mr sieb in Vnsprueb nebmen, 
äa6 sie äer längst antiquierten ^.ssoLiationsps^ebologis mit 
allen ibr anbängenäen RonsequsnLen siiE entsoblossene Ab 
sage erteilt, obne äarum — vas übrigens sein trüberes Rueb 
noeb niebt so äeutlieb exkennnen lieü — einer mebr oäer 
weniger ^lllkürbakten, tveil SMem- unä riebtungslosen pbäno- 
menologiseben 8esob_reibung äer xs^ebiseben llatsaeben an- 
beimrukallen. zVünsebensvert väre es, äa6 äer Verfasser 
sieb äer begrenzten Leitung seines Ratsgorienmaterials stets 
bevmN bliebe. Me tauglieb immer äie Vegrikke äer xs^ebi- 
soben Lrakt unä äer pL^ebiseben Lrsobeinung Lur ^uibellung 
von (^esetriliobktziten inäiviäualxs^ebologiseber, obaraktero- 
logiseber, ps^eboxatbologisebsr ^.rt sein mögen, 2u äer von 
ibm äes eiteren versnobten ^usäeutüng religiöser unä ge- 
sobiobtspbilosoxbisober SinNLusammenbänge reieben sie grunä- 
die zurzeit schon herrschende zu versetzen, mondäne Paare be- 
wrtzen die Sommerpause, um stch str den Winter auf die 
neuesten Tänze vorzubereiLen, und zu alledem gesellen stch noch 
die üblichen Sommervergnügun-gen als da stnd: Feste im Freien 
mit Feuerwerk und bengalischer Beleuchtung. In diesem 
Jahre wurden mehrmals solche Unterhaltungen geboten, wobei 
es außer sonstigen Genüssen auch an bunten Raketengarben 
nicht fehlte. Etliche Zuschriften aus unserem Leseckeise zeigen, 
daß ernster Denkende an dieser geräuschvollen und weithin sicht 
baren Art, sich zu erlustieren, Anstoß genommen haben. Für 
uns ein doppelter Anlaß, uns mit dem Üebermaß dsr Dev» 
gnügnngenim allgemeinen und mit dem sorrmrernachZichen 
Feuerspuk im 'besonderen auseinanderzusetzen. 
Es sei ferne von uns, den gestrengen Sittenrichter zu 
-spielen und als Abraham a SnrLa Clara zürnend Mchnpyedig» 
ten in KnitLekrersen zu HÄtem Im Gegenteil, viel eher möch 
ten wir versuchen, etliche Grunde für die heute allgemein herr 
schende Sucht nach Amüsement und Zerstreuung autzu decken. 
Wenn man Zur AÄL tu Deutschland nicht nur wie besessen 
tanzt, sondern noch dazu den Untergang des Abendlandes 
bengalisch beleuchtet und mit Naketengeknattsr begleitet, so 
rührt diW w der Hauptsache sicherlich daher, daß man schon 
seit Jahren sozusagen aufAbbruch lebt. Unserem unglück 
seligen Geschlecht ist jeder Ausblick auf dauernde Zustände ver 
sperrt, wir haben gleichsam das konstante Phantasiemilieu ver 
loren, tms eine ruhige und stete Entfaltung aller Neigungen 
und Planungen ermöglicht, und stnd statt dessen dazu ver 
dammt, punkchast von Lag zu Lag zu leben. Eine solche ge 
raden widernaLrlich zu Kennende Einengung des Horizontes, 
ein solches Ausgestoßensem mrs jeder festeren Lebens Ordnung 
bringt begreiflicherweise leicht jene JnstmklB zum Verküm 
mern, die sonst auf die richtige ReMierung von Anspannung 
und AbspMMung, von Berufsarbeit und Vergnügen LBziAen. 
Wer nicht weiß, was der Morgen mit ihm vor hat, wird 
gerne, wenn er nicht besondere Widerstandskräfte in stch ent 
wickeln kann, am heutigen Lage alles erraffen wollen, was nur 
irgend an einem Tage sich erraffen läßt. Uns erscheint dieser Zu 
sammenhang zwischen dem Mangel einer Ordnung auf weite 
Sicht und dem übersteigerten Drang noch Zerstreuungen 
offenbar genug — so offenbar, daß wir mehr aus jenen Man 
gel als auf die heutzutage soviel besagte besondere Schlechtig 
keit der Menschen das nicht einzudammerHe AmMerbedurftM 
Zurückfichren möchten. 
Zu dieser nous lo MInZs-Stmmmug, die viel ¬ 
fach auf dem Grunde der hohlsten Larven und der schalsten Ver 
gnügungen schlummert, gesellt sich zumeist auch eine schauerliche 
innere Leere, die ausgefüllt zu werden verlangt. Weder 
stehen die Menschen heute in einem Wen Zusammenhang, noch 
vermögen sw irgendwelche Zusammenhänge M überschauen; 
die Maschinerie, deren Sinn es ist, beherrscht und dienstbar ge 
macht Zu werden., rast entfesselt weiter, und keiner ist mehr, der 
das Hexentreiben zu bändigen vermöchte. Die Frage nach dem 
Sinn, die notwendig sich einstellen muß, bleibt ohne Antwort, 
chaotisch werden, die Menschen unchergewirbelt, sie sind Werk 
Zeug ihrer Werkzeuge, und alles Denken stößt bald, allzu bald 
auf einen Widerstand, der schlechterdings nicht zu besiegen ist. 
Was Wunder, daß man sich schließlich des Denkens überhaupt? 
begibt und, ganz nach außen gewandt, einfach in den Tag 
hinein lebt, weil über den Tag hinaus kein Leben mehr mög 
lich scheint. Was an der Oberfläche wie Leichtsinn und ekler 
Zeitvertreib aussieht, ist im Grunde ein Nichtmehrsehenwollen, 
entspringt der Platzfurcht vor einem Leerrmun, wie er sich 
fürchterlicher kaum denken läßt. 
Verstehen und Erklären heißt allerdings nicht zugleich recht» 
fertigen, wenn wahres Verständnis auch hindert, leichthin Mo 
ralpauken Zu halten. Solche Standreden stnd ja heutzutage 
im Schwang, es ist sogar vermutlich nicht allzu schwierig, sie 
abzufassen und mit ihnen emphatisch vor die Menge zu treten. 
Indessen nutzt diese tugendhafte Zorngeberde im allgemeinen 
nur sehr wenig; Tanzpaare und Feuerwerker zucken vielmehr 
die Achseln und betreiben ihr beanstandetes Gewerbe ruhig wei 
ter. Etwas anderes ist.es, wenn man, ohne stch in den MantA 
der Tugend zu hüllen. Gründe sachlicher Art gegen 
eine Fortführung jenes „löblichen" Treibens geltend machen 
kann. Uns scheint, zum mindesten in Frankfurt, an solchen 
Gründen kein Mangel Zu herrschen. Der gesunde Menschen 
verstand allein sollte uns sagen, daß in unmittelbarer Nähe des 
besetzten Gebietes Aeußerungen des Vergnügens, obwohl sie 
Zum Teil sicherlich einer an sich durchaus berechtigten Lebens 
lust entspringen, auf ein gewisses Maß herabzudrücken find. 
Vor allem werden sie nicht eine Form annehmen dürfen, die 
in den vor den Toren sehenden Franzosen den ja sicherlich 
törichten Glauben erwecken muß, daß man im Weichbild der 
Stadt in Saus und Braus lebe. Ein schönes Feuerwerk in 
Ehren — aber seine freudigen Lichterscheinungen wirken jen 
seits der Grenze nur aufreizend und verdüstern darum unsere 
Nächte, statt sie zu erhellen. Zudem wäre auch zu bedenken, daß 
in den Mauern unserer Stadt Tausende von Flüchtlingen aus 
dem Rhein- und RnhrgMeL weÄen, die Kr fickche SmckHÄmv» 
gen Mr Zeit sicherlich nur wenig empfängt find. AM der 
artigen wirklich dringenden RAksichten täte man besser daran, 
voräst auf festliche Schaugepränge und laute Amüsements zu 
verzichten. Wir Dauben bestimmt, daß diese Erwägungen, M 
denen sich auch mch der Hinweis auf die Pflicht zur Sparsam 
keit gesellen möge, hinreichen werden, um die Notwendigkeit 
einer Abdämpfung der bei den verschiedenen Lustbarkeiten zn 
entsendenden Licht- und Schallwellen zu erweisen. Was zum 
Schlüsse noch das Moralische betrifft, so versteht es sich entweder 
von selbst und Reibt dann besser unberedet, oder es versteht 
sich nicht von selbst, dann aber hilft es auch nicht viÄ, wenn 
man nur große Worts von i^n macht. , Lr. 
UrLkt HLILÄ DL'SGd^lQRLrLK. OrunäM einer vlULmL 
äes ks^ovlseven. Von Dr. 8s,L8, Drivst- 
äoLSQt LL der Universität Löln. Bonn, Drieärieb Oobem 
112. Leittzn. 
Das vorUexenäs Luev, äss kied Luk einer krüveren Sevrikt 
äesseldeiL VeriLkserL („Die xs^eviseve Din§^elt") LukbüLt, 
enthält orissinelitzv unä xeistreiev ä^reiiKekMrtev. Ver- 
suev emer konstruktiven ks^evolossie. Im 
OegensstL rn äer atomisiorenäsL DrupLiLäunW- uuä ^.ssoris- 
liovspH^elloloFitz nimmt Ls^s Nie xs^oirisoveQ Neslitäten (slso 
OeäsniLtzn, OekMie, Werte usv.) st« lAe^edenveittzQ Viv; äisse 
Realitäten treten aber naeb ibm veäer rein isoliert ank, noeb 
LerkiieLen sie absatrlos In äsm Ltrom äs« xs^ebiseben Oe- 
Lobebens, sie verbinäen sieb vielmebr Ln äer Dinbeit äes 
xszrtzbiseben vinxes oäer äer xs^ebiseben L r s e b e i n n n 
äie ans Gekübl, Oeäanben nnä Linärnebs^ert sieb Lnsam- 
mensetLt. Dm nnn äie keZetrmäLigbelteQ sn blären, äenen 
äer ^anäel soleber xs^ebiseben Linbeiten innerbaib äes De- 
^uÜtseinL nnterlis^t, kübrt äer Verfasser äsn DeMiLt äer 
ps^ebiseben Lrakt ein, äen er äsm Ds^M äer Drsebsi- 
nun^ booräiniert. Dnä svar beiLt Lrakt ibm äer- 
ZeniAS DaLtor äer ps^ebiseben Welt, äer äen Vbiank äer Dr- 
sebeinunAen bestimmt unä überbanxt äie Hesamtbeit äer 
ps^ebiseben DinZe erst In DluL bringt. Im ^nsebiuü an äie
        <pb n="48" />
        Dir großen gedanklichen Leitmotive, die, 
mamngfach abgewandelt, in allen Vorträgen wiederkehrten, 
wurden gleich während der sonntäglichen Eröffnungsfeier in 
der Festrede des Abtes Jldefons Herwegen angeschlagen. 
Zsiuml für,den Außenstehenden war diese Rede ausschluß 
reich; ihn dicht bis an die geheime Mitte katholischen Wesens 
heranfuhrend, enthüllte sie ihm, ohne irgend theoretisch ent- 
hullen zu wollen, jene Grundkategorien katholischen Denkens, 
dre recht eigentlich dessen Stärke ausmachen, und von der 
Kirche, freilich nicht von ihr allein, mit gutem Rechte wider 
die Kategorien des noch durchweg säkularisierten idealistischen 
werden dürfen. Ein 
Meisterstück der Architektonik und geschliffenen Eloqenz, wi« es 
Tradition von Jahrhunderten geschulte katholische 
ri " yervorzubringen vermag, gründete sie das 
Nicht genug damit, daß der Abt von Maria-Laach dtv 
Wurzeln und den Sinn katholischen Gemeinschaftslebens 
austvies, er zeigt« auch, daß ein so gegründetes Leben im 
Handeln und Erkennen notwendig einer guten Ordnung 
der menschlichen Beziehungen und der Dinge zuführt. Seins 
Rede rundete sich zu hymnischer Fülle, als er die Gliederung 
der zur Lebenseinheit verbundenen Gemeinschaft aus der 
Teilnahme an den Sakramenten ableitete und, die Breite der 
Welt Lurchmessend, jedem Stand und Mer Tätigkeit den 
gebührenden Rang innerhalb des vräo zubilligte, ohne an 
der Klippe einer unzulässigen Starrheit zu stranden, die sich 
im Ziehen hart« Gvenzen msiloS erschöpft. Auch hier 
wieder tritt unstreitig «i« Unterschied des katholischen 
Denkens gegenüber dem der Mitte und ih«r Spannung 
entglittene reis autonome Denken zutage. Dieses hat die 
Fähigkeit zur summa verloren und vermag von sich aus 
nicht jenen Begriff der Ordnung zu fassen, der von der Kirche 
gehegt und in bestimmter Weise verwirklicht wird. Angegeben 
selbst, daß katholische Philosophie, wenn sie über die poli 
tischen Zustände reflektiert, häufig restaurative Neigungen 
bekundet, so ändert das doch nichts daran, daß ihre beste» 
Vertreter der modernen Staatsphilosophie, die entweder einer 
schlechten Autoritätsgläubigkeit verfällt oder im Uebev- 
schwange jede autoritative Bindung überhaupt verwirft, Li« 
richtigen, weil in der Beziehung zum Uebernatürlichen ver 
wurzelten Begriffe von Autorität und Ordnung entgegenzu- 
setzen wissen. Daß «ine solche Ordnung der Gefahr der Der« 
festigung, der Ablösung vom Leben unterliegt, duldet keine» 
Zweifel; ebenso gewiß ist aber, daß sie, wenn sie nur den 
genügenden Tiefgang hat, sich immer wieder aus sich selber 
heraus verjüngen kann. Die Rede des Abtes Jldefons Her 
wegen schien ein Beweis dieses Regenerationsvermögens, sie 
schien es vor allem deshalb, weil sie das Mysterium wie das 
aus ihm unmittelbar erwachsende Sich-Bewäbren in die 
„Mitte der Wirklichkeit des wirklichen Lebens' stellte und der 
art auf die Quelle hindeutete, die den ja keineswegs in sich 
beruhenden oräo stets erneut speisen muß, damit er nicht 
Mysterien, insbesondere auf die Eucharistie, die sie gleich den 
anderen Mysterien, gleich dem ganzen Kirchenjahr als ein 
Mitleben des göttlichen Lebens zu begreifen lehrte. Verall 
gemeinert man diese Bestimmung, was vielleicht bis zu einem 
gewissen Grad« gestattet ist, so besagt sie jedenfalls unter 
anderem azrch, daß das Leben der Menschen nur dann ein 
wirkliches Leben heißen kann, wenn seine Hast im 
Uebernatürlichen hat. Merdings ist hiermit das gemeinte 
Leben der Wirklichkeit noch nicht hinreichend umgrenzt. Soll 
es sich wahrhaft «Wen, so muß es nicht nur teil haben 
am Uebernatürlichen, sondern auch seiner Kreatürlichkeit stets 
eingedenk bleiben, es muß gleichsam hingespannt sein aus 
dem Bedingten in das Unbedingte, es gewinnt, anders aus 
gedrückt, Wirklichkett und Konkrethett allein als ein Leben 
der Mitte (genauer: der provisorischen Mitte), das weder 
den Himmel an dis Erde verrät, noch je seine irdische Ab 
kunft zu verleugnen sucht. Diese sehr fragmentarische Ueber- 
setzung spezifisch katholischer Begriffe in eine wenn auch 
fragwürdige Allgemeinsprache bringt zum mindesten den Vor 
teil mit sich, daß sie die sichere Position des Katholizismus 
in der modernen Welt und seine daraus entspringende An 
ziehungskraft auf so viele Intellektuelle in mancher Hinsicht 
verständlich macht. Aus eben jener wie immer paradoxen 
„Mitte', die von der Kirche anerkannt und innerhalb ihres 
Bannbereichs der Intention nach eingehalten wird, hat sich 
ja gerade das neuzeitliche Denken entfernt. Der Spannung 
zwischen Natur und Uebernatur sich entwindend, ist jhm nur 
mehr die Wahl geblieben, entweder in grobschlächtige Stofs- 
gläubigkett herabzusinken oder zu spekulativen Abstraktionen 
sich zu verflüchtigen und so beide Male der richtigen Mitte 
! verlustig zu gehen. Erst heute, da dieses Denken der selbst- 
erzeugten Leere inne wird, beginnt es eigentlich wieder der 
Bedingungen zu achten, unter denen ein wirkliches Leben 
überhaupt möglich ist, bemerkt wieder den Ort, an dem sich 
die gestaltete Welt in ihrer Konkrethett erschließt. Und in 
dem es aus der Hastlosigkeit zurückbegehrt, muß es entdecken, 
daß die Kirche das Wissen um die von ihm verlassene Mitte 
weniger eingebüßt hat und in der.Gegenwart sich doppelt M, 
ihre 
Schwabens vorgesehen worden sein, mit der die Tammo 
ihren Abschuß fand. 
Ulm, das den Rahmen hergab, war mehr als nur Rahmen. 
Es gehört zu jenen gewachsenen Städten Süddeutschlands, die 
nach den Worten Pros. Guardinis ganz von innen her ge 
formt sind. In der Mitte das Münster mit der« allüber 
ragenden Turm, nach der Donau zu, die kleinen Kanäle um 
lagernd, Aas Gewimmel der alten Quartiere mit ihren un- 
bestimnibaren Gerüchen, ihren südlich Hellen Plätzen, den 
vom Schattendunkel verschlungenen Gaffen, den vielen Brück- 
chen und den tief in das Hausgewinkel eingeschnittenen 
Hosen, sann die gar nicht blaue, sondern viel eher heiter 
grüne Donau selber, deren flacher kalkweißer Strand bedeckt 
ist mit lauter Badenden, die, eine Unzahl dünner Striche, 
sich unaufhörlich durcheinanderbewsgen, dem Flußlauf sich 
anvertrauen und mit ihm unter weitgespanntem Brückenbogen 
bald zwischen Gebüsch in der nahen Ferne entschwinden, 
darüber von Zeit zu Zeit die Klänge der Münsterglocken und! 
das Ganze eingeschmiegt den sanften HSHenzügen rundum 
— das ist Ulm. Eine begrenzte Welt, die wohl Heimat! 
fern kann und auch den Fremden freundlich umfängt. 
M r^W ÄR WÄMN MHMtsT. 
Mr Wm, 10. M 16. AuglO. 
LA MMe Wrgufi M Nlm vemnstaltete vierte reli- 
g4Ss-wissenjschaftlichs Losung des Verbands katho- 
KWer Akademiker, einer noch jungen, im Wachsium befind 
lichen Gründung, die binnen weniger Jahre bereits in vielen 
deutschen Städten Ortsgruppen gebildet hat, bezeugte dem 
RüHtkacholiken nicht allein die heute wieder neu hervor- 
Lrechende Lebenskraft der Kirche, sie Keß ihn auch, mehr 
rKÄÄchi als manchen Katholiken selber^ die besondere Bedeu 
tung deS 'jungkathoiischen Denkens und Seins gevade für unsere 
Zeit erkennen. Außer den zahlreichen deutschen Mitgliedern 
und Freunden des Bundes, unter denen man eine Reihe von 
Rheinländern bemerkte, hatten sich Teilnehmer aus Oestev- 
re^, aus der Schweig, Böhmen, Holland und Italien ein- 
gefimden. Welch« Beachtung man in kirchlichen Kreisen dem 
Kongreß schenkte, bewies die Entsendung des päpstlichen 
Seyens durch Dr. Davids, den Rektor vom Osinpo 8nnto 
und die Anwesenheit hoher geistlicher Würdenträger. Die bei 
nahe überreichlich bemessenen Veranstaltungen, die sich in 
EinzÄvorträge, Kurse und Gemeinschaften (mit beschränkter 
Teilnehmerzahl) gliederten, erstreckten sich auf ungefähr alle 
Gebiets der Wissenschaft und des Lebens, von der Theologie an 
Äs zu den aktuellen Foagen der Politik und Wirtschaft- Daß 
diese Vielheit der Gegenstände einheitlich angegriffen und be- 
wAtigt wurde, daß überhaupt nirgends das übliche Kongreß 
bild eines babylonischen Wirrwarrs der letzten Ueberzeugungen 
mch vorletzten Meinungen sich bot, dafür sorgte derselbe katho 
lische Geist, dessen Richtung auf die Welt hin solche allseitige 
D^chirringung des Gegebenen ftrderte. Zu dem anstrengenden 
Tagmrerk t«r Kurse, t«ren Abhaltung führende GeistlüA und 
namhafte Gelehrte — beide nicht selten in einer Person ver 
einigt — übernommen hatten, gesellten sich tägliche kirch 
lich« Feiern, damit nicht nur gemeinsam gehört, sondern 
auch gemeinsam gelebt werde. In gleicher Absicht mochte die
        <pb n="49" />
        Wir sprechen im Nachfolgenden nur vorn neuen Menschen,! 
ob nun der Aufsatz scheinbar eine Tagung der Jugendbewegung, 
eine internationale Jugendtagung oder einen Kongreß katho 
lischer Akademiker zum Gegenstände hat. Auch der Verfasser 
des letztgenannten Aufsatzes (selbst kein Katholik) hat, das sei 
zur Verrneidung von Mißverständnissen gesagt, nicht etwa eine 
Werbung für speziell Katholisches, sondern ausschließlich den 
Menschen der inneren Mitte und des Morgen 
vor Augen, der heute den KaLHMgismus erobert, nachdem er 
ihm lange genug gefehlt hat. Formen sind nicht das Wesent 
liche; der Geist, der das Werden einer besseren Zukunft ge 
staltet, ist alles. Wer das nicht versteht, wird diese Jugend 
nie begreifen. 
Dmge der Welt wie sämtliche Beziehungen zwischenmenschlicher 
AÄ wahrhaft zu duuchformen, sie sich „emzuverleiden" und 
jo aus dem Stande der schlechten „Zivilisation" W L^n der 
richtig vechandenM religiösen „Kultur" zu tre^n. 
Guardini glaubt nun, daß die liturgische Bewegung, die 
anfänglich vorwiegend literarisch war, dank des neuerwachten 
WirklichkeitsdranAes der Jugend heute vor der Aufgabe stehe, 
diesem Dränge gleichsam ein Bett zu gmöen, das ihn zur 
rrchtrgen Erfüllung der liturgischen Formen hinlenL Sein 
Znl ist also liturgische Bildung; eine durch Erziehung Le- 
wrckte Wandlung leibgeloster Begriffler in Menschen, Leren 
Seere sich dem Kultus willfährig eintut und auch die toten 
Dmge noch, indem sie ihnen sich zuneiA aus ibrer Wge- 
trennthert von jeglichem Sinn erlöst. Die Mutter möge das 
Kind z. B. lehren, die Hände zum Gebet zu falten, damit es 
später dieser ja keineswegs Zufälligen Handlung die ihr zu 
geordnete Bedeutung beimeffe und unmerLich zart in em kom 
wetes Sem der Mitte hineimvachse, das die gegenwärtige 
Entfremdung zwischen Leib und Seele nicht mehr kennt. 
Der mannigfachen Fährnisse eines solchen Bildungsweges, 
der me Feste der Religion nicht nur von innen, sondern min- 
bejoens ebensosehr von außen her zu nehmen sucht, ist sich 
Guardini wohl bewußt. Mder übersteht er. daß die von ihm 
geforderte Erziehung sich teilweise an Gebilden emporranken 
muß, die als Hervorbringungen der Kultur notwendig der 
Zert verfallen sind, noch unterschätzt er die antinomnche 
Spannung, die zwischen Religion und Kultur besteht und jedes 
Brückenschlägen von dem emen Bereich zum anderen dauernd 
fragwürdig macht. Auch oen Vorwurf der Romantik ober 
einer vorzugsweise ästhetischen Einstellung der kirchlichen 
FmnMwM gegenüber wird man kaum wider wn erheben 
können, stknnck er doch mit Abt Mesons Herwegen durchaus 
darin Worein, daß das Sich-Einsenken in den orcko nur dann 
z^ Recht erfolge, wenn es sich aus eiF echtes Glaubensleben 
grmAet. Die Erfahrung mag lehren, ob der von ihm vor- 
gezeichuete ErzichrmgsMng, eingäämmt durch diese Siche 
rungen, in die ersehnte Wirklichkeit einmündet. In dem dem 
nächst erschsiEdsn Buche Guardinis: „Liturgische Bildung" 
sollen die Per gestreiften Probleme auMhrliche Behandlung 
echchE. 
O 
Mit kachMWew MMiWeitZsinn, der nicht selten in der 
Schwebe läßt und bei zunächst unauswachboren vorletzten 
Gegensätzen gern die ertrMiche Mittellinie sucht, wurden im 
allgemeinen auch die über das Jnnerkatholische hinmrs- 
greifenden großen Frugen der Gegenwart angepackt. Da 
sllen Losungen und Formul^rungen nachzuspüren in dem 
eMgeu Rahmm des Berichts sich verbietet, werde an einigen 
wenigen Beispielen umrißhast veranschaulicht, wie etwa jene 
Grundhaltung sich in den Oberflächenschichten auswirkte. 
Diözesanbischof Dr. Wilhelm v. Keppler brächte ledig 
lich die katholische Auffassung von der heutigen Universi 
tät zur Geltung, wenn er die abseitige Stellung, in die sie 
gedrängt wmdsn ist, aus der völligen Emancipation der Ms- 
ftnschnften von jedem religiösen Bezugspunkt erklärte. In der 
Tat trägt ja die Hauptschuld an der Verbannung der modernen 
Universität (oder doch zum mindesten der geisteswissenschaft 
lichen Fakultäten) in eine fern der geistigen Mitte gelegene 
Provinz der tragische Selbstverzicht der Forschung auf das 
Eingsbundenftin in die Spannung des wiEchen Lebens; und 
dieser Isolierung wiederum ist mittelbar ein ahnungsloser Wisi 
srnschastsdünkel entwachsen, der die Kluft zwischen Volk und 
Intellektuellen nur noch vertieft hat. Den verderblichen „Hoch- 
fchulhochmut" geißelnd, warnte der Bischof die katholischen 
Akademiker vor Eigenbrsdelei und Wechter Absonderung 
und ermähnte sie dazu, mit dem katholischen Volk, das als 
Volk hoch über dem „Bildungspöbel" stehe/gemeinsame Sache 
zu m achen. 
Von derselben auf Au^leich bedachen Gesinnung unter 
baut waren auch seine weMugen Worte über das Problem der 
Glaubenstrennung und Glaubenseinheit in Deutsch- 
land, daI überdies der Meißener Bischof Dr. Josef Schreiber 
in einem besonderen Kursus erörterte. Vorbehaltlos gestand 
Bischvf Keppler Zu, daß die Kirche die konfessionelle Spaltung 
mitZrwerantwmten habe und in den Kreisen der Andersgläu 
bigen sich mitunter ein religiöser Eifer finde, der fo manche! 
Katholiken beschämen könne. Mag auch eine Vereinigung der! 
Konfessionen vorerst auf unüberwindliche Schwierigkeiten 
stoßen, so mußte doch der versöhnliche Geist seiner Rede gerade 
den Andersgläubigen wohltuend berühren. 
In einer Zeit, in der Spengler surm den Nnter- 
tzang des Abendlandes verfügt, war es besonders lehr 
reich, Pros. Hermann Platz über die Zukunft eben dieses 
Abendlandes sprechen zu hören. Ein wenig gar zu konstruktiv be 
stimmte er dessen Aufgabe dahin, daß es sich sowohl gegen das 
seelenlose Amerika wie gegen das formlose Asten als „Land der 
Mitte" M behaupten habe. Ihm, dem Rheinländer und Ka 
tholiken, dünkt das möglich nur dann, wenn Germanen und 
Romanen sich endlich Zusamwenflnden und inmitten einer ent- 
wiMchten oder noch nicht Wirklichkeit gewordenen Welt sich 
gemeinsam Zu jenem gestalthaften Geist bekennen, der in der 
W. M 1S. Asgust. 
Wurde der Raum, den diese den Kongreß beherrschenden 
Grundgedanken absteckten, auch nirgends überschritten, ss ent 
falteten sich in seinem Bereich doch vielerlei Stellungnahmen 
und Auffassungen und man erfuhr wieder einmal, daß die rich 
tig gelegte Grenze unbegrenzte Möglichkeiten der Haltungen 
und Aeußerungen umschließt. Ueberhaupt mochte die Tagung 
die Gültigkeit des Goetheschen Gleichnisses von den gemalten 
Fensterscheiben bestätigen und gerade den Nichtkatholiken leh 
ren, daß sich die gelebte Wirklichkeit der Kirche (wie natürlich 
jeder anderen wohlgegründeten Gemeinschaft auch) nicht einfach 
auf Formeln abziehen läßt und seien sie von deren Gliedern 
selber geprägt. Was dem Blick von außen etwa an Dogmen, 
Prinzipien und Leitsätzen sichtbar wird, stellt im Innern sich 
nicht in der gleichen Abgchobenheit dar, es ist in die Span 
nung einverwobenes Fundament und Ziel, zwischen demn 
das eigentliche Leben, das Leben der Mitte, sich frei von dem 
Druck -er Grenze und so reich gegliedert, wie Dben nur immer 
sein kann, hinerstveckt. Das in drin Kursus Wer das Wesen 
des Katholizismus geäußerte Wort des Tübinger Dogmen- 
lMorikers A d a m, daß der katholischen FrönMigkeitsfo 
so viele seien wie Blätter an einem Baum, ist lediglich eine 
Bestätigung dieser Einsicht. Und noch eines gibt dem von 
außen Eindringenden sich kund: ketzerisch genug spürt er, daß 
die besondere Erfüllung des wirklichen Lebens, welche die 
Kirche gewährleistet, über sich hinaus auf ein Unsagbares weist, 
dem man sich Zwar nur in der Besonderung annähern kann und 
darf, aber wohl nicht ausschließlich in dieser einen Besonderung 
allein; spürt, mit anderen Worten, die Weite des Kreises, 
der die „Mannigfaltigkeit der FrömwigkeiNformerr" embegreist 
und ahnt, ohne mehr als bloß zu ahnen, daß Mischen ihnen 
allen eine geheime Verwandtschaft besteht. 
Einer Erörterung der verschiedenen typischen Richtungen, 
die während der Tagung Vertretung fanden, muß schon aus 
dem Grunde unterbleiben, weil sie allzu tief in rein inner 
katholische Fragen hineinführen würde. Gedacht sei nur der 
starck hervortretenden liturgischen Bewegung, die sich, 
zumal in den Kreisen der katholischen Akademiker wie über 
haupt der katholischen Jugend, einer wachsenden Anhänger 
schaft erfreut. Nach den Worten ihres Vorkämpfers Romano 
Guardini ist sie an das Heute gebunden, sie ist Ausdruck 
der Sehnsucht eines Geschlechtes, das, dem Einflüsse der Um 
welt nachgebend, die volle Wirklichkeit katholischen Daseins im 
Stich gelassen hat und nun den alten Besitz neu zu erwerben 
trachtet. Genau jene für das kirchliche Leben so sehr 
zeichnende „Mitte" gilt es wiederzugewwnen, me eine 
Tymnnis der Seele über den Leib so wenig duldet wie eine 
Vergewaltigung der seelischen Ansprüche durch die nur-leib- 
Lichen. llnd zwar will die ursprünglich von Mürm-Laach aus- 
gHMMMne Bewegung hauptsächlich der aktuelleren ersten Ge 
fahr begegnen, d. h. sie will das bis tief ins katholische Lager 
eingedrungene abstrakt-begriffliche De.^n überleiten in ein 
Denken, das die Wahrheit des Satzes: „uniina loiunn eor- 
porlL" mit allen ihm anhangenden Konsequenzen neu erfaßt 
— eine Bemühung übrigens, die von manchen Vertretern des 
Protestantismus (erinnert sei etwa an Pfarrer Wilhelm 
Stählin) und auch des JudentruW durchaus geteilt wird. Die 
Bildkraft der Seele bewährt sich aber laut Guardini Zuhöchst in 
der Liturgie, in der das Geheimnis Gestalt gefunden) IM und 
die zur sichtbaren Gemeinschaft geeinten Körperchristen 
im Einklang mit den Dingen das Mysterium wirllich 
leben. Sollen die abgerissenen Fäden Avisen Seele rmd 
i Leib angeknüpft werden, so muß darum im Sinne der liturgi 
schen Bewegung vor allem anderen die Liturgie wieder den 
ganzen Menschen ergreifen, der ganze Mensch sich wieder so 
bereiten, daß er voll eingeht in die kirchliche Handlung. Erst 
die Zurückerlangung solcher „Shmbolfühigkeit" macht ihn 
gemäß der hier wiedergegebenen Auffassung dazu tauglich, die 
M Tagung der lEoWeuMMWer.
        <pb n="50" />
        die Lichterscheinung ihrer Mutter sich nahte? 
ein Leugner bleiben, wertn er erfuhr, 
strengster Kontrolle gehaltenen Medien v. 
gewisse stoffliche Phänomene aussenden, die 
Und wer konnte 
daß die unter 
Schrenck-Notzings 
nicht nur photo- 
Mag eine Tagung den Nachteil haben, daß sie stets nur 
oft Zufällige Bruchstücke des darzustellenden Ganzen aufzeigt, 
sie gestattet dem Besucher immerhin das lebendige Eindringen 
in dieses unübersehbare Ganze von dem einen oder anderen 
Punkte aus und befähigt ihn unter Umständen dazu, richtiger 
als sonst wohl die vorhandene Spannung zwischen Er 
reichtem und zu Erreichendem zu ermessen. Die Ka- 
Lholikentagung bezeugte, daß auch innerhalb der katholischen 
Welt eine solche des Ausgleichs harrende Spannung besteht. 
Und wie sollte es anders sein? Ist die Kirche mitten in der 
Welt gegründet, so hat sie Teil an den allgemeinen Gezeiten 
von Ebbe und Flut der religiösen Kräfte. Diese, die allentz 
halben neu stch Zu regen beginnen, strömen gerade erst in sie 
ein, nicht weiter erstaunlich also — was einsichtige katholische 
Beurteiler unumwunden anerkennen —, daß hier wie anders 
wo manche Irr- und Umwege eingeschlagen werden, daß ge 
übtes und gewslltes Sein stch keineswegs immer entsprechen. 
Ein Symptmn hierfür wäre etwa das häufige Entgleiten in 
die dem katholischen Denken garnicht gemäße Scheinontologie der 
modernen Phänomen Alogischen Philosophie — ein 
Entgleiten, das sich bei Gelegenheit eines Vortrags über die 
Ehe «Äs natürliche Einrichtung wieder einmal deutlich fest- 
siellen ließ. Auch sei die Frage cmfgsworfen, Zu der u. a. die 
kaum das Mittelmaß innehalLende Ausstellung für katholische 
Hauskunst Veranlassung gab, ob nicht hie und da doch die 
Sehnsucht nach dem onäo dcM verführt, künstlich wachen zu 
wollen, was, genau im Sinne katholischer Anschauung, nur von 
innen und aus sich selber heraus wachsen kann. 
Indessen, man verstünde diese Zweifel falsch, nähme man 
sie zu gewichtig. Sie besagen nur, daß der Besucher des Kon 
gresses in den Kreis eines Lebens hineingezsgen wurde, das 
wie jedes Leben voller ungelöster Spannungen ist. Wesentlich 
bleibt allein, daß dieses Leben eine gute Richtung hat, daß es 
die drei großen Begriffe der Wirklichkeit, der Mitte und 
der Ordn ung neu zu erfüllen begehrt. Mitlebend es er 
fahren M haben in einer Stadt, die sein Sinnbild ist, war der 
Gewinn der Tagung. 
Liturgie vorgebildet ist. — 
Ueber die katholische Jugend bedurfte es nicht viel des! 
Theoretiflerens, trat sie doch selber in Gestalt zahlreicher Quick-! 
brrner, Mädchen und Jünglinge, lesbarst auf den Plan. Sie 
ischloß stch eng an ihren verehrten Führer Romans Guardini an, 
und, gestützt aus manche Beobachtung ihres Wechselverkehrs, 
glaubte man zu spüren, daß sie tatsächlich der stets und überall 
gemeinten Mitte Zuwächse. Den anerkannten Bindungen sich 
fügend, sprach und bewegte sie stch ungezwungen, Freiheit des 
Toms mischte sich gut mit geschuldeter Achtung; so schien hier! 
ein Versprechen ^gebem, das die Zukunft vielleicht doch einmal 
einlsst. * 
macht), daß die Geister in umso hellerem LiM erstrahlen, je 
vollkommener ihre Moral als Erdenbürger war (was auf 
einen gewissen Zusammenhang von Ethik und Optik hin- 
deutet) und daß sie es im allgemeinen vorziehen, tunlichst bald 
nach Eintritt in ihre neue Existenzform mit den Überlebenden 
in Verbindung zu treten. Zum Schlüsse sprach der Redner 
die Vermutung aus, daß die Seele aus strahlender Materie 
bestehe, welche Annahme eine plausible Erklärung der Hypnose, 
Telepathie usw. gestatte. .. 
Daß es Dinge gibt, von denen sich unsere Schulweisheit 
nichts träumen läßt, hat schon Shakespeare gewußt, und jeder 
Einsichtige wird sich gerne davot hüten, in den Fehler traumlos 
dahinschlummemder Schulweisheit zu verfallen. Etwas anderes 
aber ist es, wie man sich zu jenen rätselhaften Dingen Mischen 
Himmel und Erde verhält. Und da meinen wir, daß die&amp;gt; 
jenigen schlecht beraten seien, die auf eine fragwürdige Kunde 
aus einer fragwürdigen Geisterwelt ihre Hoffnung, setzen und 
unerlaubte Folgerungen aus problematischen Erscheinungen 
ernster nehmen als sie es in Wahrheit verdienen. Statt das er 
sehnte trostreiche Wissen zu finden, werden sie, ein Opfer ihrer 
Neugierde und Betäubungssucht, in Sümpfe des Wahns ge 
lockt und immer weiter abgelenkt von der freilich nüchternen 
„Forderung des Tages", die doch zu allererst zu befriedigen 
wäre. Ihr zu genügen und im übrigen gläubig zu verehren, 
was nur geglaubt, niemals gewußt werden kann, empföhle sich 
aber sicherlich mehr, als der zeitraubende und zudem sterbens 
langweilige Hintertreppe mit zweifelhaften ' Spuk ¬ 
gesellen, die durch des Ausspeien von Stoffen, hysterisches 
Schellen und sinnlosen Radau lediglich ihre gar nicht geister 
hafte Gottlosigkeit beweisen. 
MLderkLhr^der Tsken? j 
— Trübsal des Diesseits und alles umdunkelnde Hoff-' 
nungslosigkeit erweckt heute wehr denn je in den Massen die Be 
gierde, unsere irdischen Bezirke zu verlassen und Umschau zu 
halten in dem Reich der vielleicht glücklicher gestellten Geister. 
Da man hienieden in einem Jammertal haust, sucht man Trost 
in dem Gedanken an ein Fortleben der Verstorbenen, möchte 
man wissen und bündig bewiesen haben, daß mit dem elenden 
Erdendasein noch nicht alles Zu Ende ist. So erklärt sich das 
gesteigerte Interesse breiter Schichten für spiritistische und 
okkulte Phänomene, so der Zulauf, den neuerdings Redner 
finden, die man im Besitze genauer Kenntnisse von der Existenz 
nach dem Tode wähnt. 
Der starke Andrang zu dem Vortrag Dr. Lomer s, der 
Aufklärungen auf diesem Gebiete zu geben versprach, dürste 
hiernach nicht weiter Wunder nehmen. Und das Publikum 
mochte auch wohl auf seine Kosten kommen. Der Redner, der an 
die Untersuchungen v. Schrenck-Notzings und Flammarions an- 
knüpste, berM ausführlich über eine Fülle merkwürdi 
ger Kundgebungen Verstorbener, die, wie 'er 
versicherte, sämtlich von zuverlässigen Augenzeugen mitgeteilt 
worden seien und darum die Gewähr für ihre Wahrheit in sich 
trügen. Wen überlief nicht ein Schauer, als er vernahm, daß 
eine just abgeschiedene Seele durch hartnäckiges Klingeln oder 
Poltern ihre nichtsahnenden Anverwandten von ihrem Ab- 
und Fortleben zugleich benachrichtigte, daß ein anderer Geist, 
getreu einer schon zu seinen Lebzeiten' getroffenen Verein 
barung, durch das Zerbrechen einer Fensterscheibe seine nun 
mehr ' körperlos gewordene Existenz bestätigte und daß gar 
einer vierjährigen Waisen in Gegenwart des Anstaltsdirektors 
Das Frankfurter »Hochhaus«. 
--- Man erinnert sich wohl noch daran, daß seinerzeit das 
Projekt eines Hochhauses an der Bismarckallee viel umstritten 
wurde. Die Nachbarn erhoben Einspruch qegen das Vorhaben der 
Firma Vogel u. Co. und es kam schließlich zwischen ihnen und 
der Bauherrin zu einem Vergleich, der die beabsichtigte Höher- 
fuhrung des nach dem Platz vor der Festhalle zu gelegenen Bau- 
terls unterband. 
Inzwischen ist der erste Bauabschnitt des gewaltigen Kom 
plexes, der den Flügel an der Bismarckallee. den halben Flügel 
an der Königstraße und den Quertrakt umfaßt, fertvaestellt 
worden. Da der erwähnte Vergleich auch vorsieht, daß im Inter 
esse der guten künstlerischen Gestaltung sowohl das Hochbauamt 
wie die Öffentlichkeit über den Gang der Arbeiten unterrichtet 
werden, fand gestern nachmittag eine Besichtigung des 
Vollendeten samt der zugehörigen Pläne und Modelle statt zu der 
außer den Nachbarn die Vertreter der städtischen und staatlichen 
Behörden eingeladen waren, Architekt Vozgenberger wies 
in seiner Begrüßungsansprache mit Recht darauf hin, welche 
Forderung die Durchführung des Unternehmens in diesen schwie 
rigen Zeitläuften für weite Kreise Frankfurt, nicht zuletzt für das 
Handwerk, bedeute und streifte auch die mannigfachen Hemmnisse, 
die sich infolge der politischen und wirtschaftlichen Lage immer 
wieder der Verwirklichung des Projekts entgegensetzten. Seine 
Darlegungen dienten vor allem dem Zweck, einen Einblick in 
die Tätigkeit des Baukünstlers zu gewähren. Die Notwendigkeit 
- eines durch Instanzen und fremde Einmischungen ungehinderten 
freien Schaffens betonend — bet welcher Gelegenheit er zugleich 
dem Hochbauamt für sein verständnisvolles Entgegenkommen 
dankte erklärte er doch überall dort, wo es sich um monumentale 
Bauaufgaben handelt, eine Fühlungnahme mit der Öffentlichkeit 
für ersprießlich. Er ging sodann näher auf die Natur des archi- 
tektomschen Schaffensprozefses ein, skizzierte den Weg, der von der 
ersten Konzeption eines Bauwerks bis zu seiner endoültigen Ge 
staltung zu durchmessen ist. Schließlich suchte er das Meten des 
noch normenlosen Baustils unserer Zeit zu bestimmen, der aus 
der gleichen seelischen Grundhaltung kervorgehe wie etwa die 
Regiekunst Tairoffs, die Plastik Ärchipenkos oder auch eine 
moderne Schnellzugslokomotive, und dem es obliege, den uns be 
wegenden geistigen Mächten einen gewissen baulichen Ausdruck zu 
verleih en. 
Die in dem großen Erdgeschoßsaal gezeigte Ausstellung, 
dre gewissermaßen den gesprochenen Text illustrierte, führte gut in 
dre Werkstatt des Architekten ein. Man sah die ersten Vorstudien, 
me rn Skizzenform drei verschiedene Lösungen darboten, wurde 
darauf zu den Werkpsänen und Detailstudien weiteraeleit^ "nh 
mochte angesichts der Modelle der Fassaden, Büroräume und ein- 
ausgezeichneter architektonischer Punkte die Schwierigkeit der 
Durchbildung eines baulichen Ganzen ahnen. Pläne und Photo 
graphien verschiedener Nadbkriegsbauten Voggenbergers veran 
schaulichten den modern gerichteten Bauwillen dieses Architekten 
und eme kleine Sonderschau von Hochhäusern und anderer zeit 
genössischer Bauleistungen ließ deutlich gewisse überall durchgehende 
Zuge der 'gegenwärtigen Baukunst erkennen 
Der Rundgang durch den Torso des Hochhauses bestätigte, 
daß der Bau bisher genau nach den ursprünglichen Plänen aus- 
gefuhrt worden ist. Unwesentliche Veränderungen hat nur die 
archiLektomM Gestaltung erlitten, was sich zum Teil daraus er 
&amp;gt; narr, daß wegen der ALschnürung des besetzten Gebietes das Vor- 
graphiert, sondern auch verfilmt worden sind, daß einer Nonne, 
die gerade Bier holte, ihre frühere Superiorm einen Hände- 
druck erteilte, der fünf heftig schmerzende Male hinterließ? Von 
! den weiteren Auskünften, die der Redner über die Gepflogenhei 
ten der umwandelnden Seelen gab, sei etwa noch erwähnt, daß 
- bei derartigen Erscheinungen häufig ein KMesturz beobachtet 
! wird (was sie besonders im Sommer zur Annehmlichkeit
        <pb n="51" />
        gemeinhin ahnt. 
Lr 
Die H. ^.-Lichtpiele Zeigen ein Filmstück „Ilona", in 
dem die bekannte Filmgröße Lya de Putti Gelegenheit hat, ihre 
Zahlreichen Reize zu entfalten. MaP sieht sie als Gänftmädchen 
und im Gesellschaftskleid und freut sich stets ihres Temperaments, 
gleichviel, ob sie gassenjungenhaft -ein Pußtapferd reitet oder sich 
des zudringlichen Liebhabers mit der Reitpeitsche erwehrt. Das 
in Ungarn spielende Stück erinnert an Romane der Marlitt; es läßt 
sich lange Zeit sehr schlimm an, geht aber zuletzt doch so gut aus, 
daß man die umsonst zerdrückte Träne bereut. — Hervorragendes 
leisten die vom Pech verfolgten amerikanischen Groteskkomiker Fix 
und Fax, die erfahren müssen, was einem alles passieren kann, 
wenn man sich ohne Billett in einen Zirkus einzuschmuggeln ver 
sucht. Daß sie in einen Löwenkäfig geraten, ist noch das geringste: 
außerdem werden sie in Fässern gerollt, ins Wasser gestoßen, und 
auf ganz unwahrscheinliche Weise durch Zelte, Käfige und Straßen 
gehetzt. Kurzum, nichts bleibt ihnen erspart, und mit fabelhaftem 
Geschick benehmen sie sich stets so ungeschickt, wie die Situation es 
erheischt. 
sKlerne Bücher-Anzeigen.) Von Georg Simmel l 
i die gesammelten Essays: „Philosophische Kul-l 
r" in dritter: Auflage vor (Kiepenheuer, Potsdam). Sie- 
wd um verschiedene früher gesondert erschienene Aufsätze, so 
lw die bekannte Abhandlung: „Der Begriff und die Tragödie 
-er Cultur" vermehrt worden. 
gesehene Material nicht immer zu beschaffen war. Soweit man 
nach dem Geleisteten urteilen darf, ist es dem Architekten gelungen, 
den sachlichen Bestimmungszweck des Gebäudes sowohl nach außen 
hin wie im Innern in ästhetisch einleuchtender Weise Zur Geltung 
Zu, bringen. Es fehlt Zumeist noch die Farbgebung, die viel zur 
Wirkung der Fassaden, der Höhe und der riesigen Raumfluchten 
vertragen wird. Die Besichtigung, die besonders deshalb sehr lehr 
reich war, weil sie, das Werden des Gebäudes bis in seine kon 
struktiven Einzelheiten hinein vor Augen führte, erweckte den 
Wunsch, daß das Werk in Uebereinstimmung mit den künstlerischen 
^ntentronen des Architekten weiter wachse und sich einst wirklich 
zum Hochhaus auftürme. 
Frankfurter kunsimeffe. 
SondersHau der Stuttgarter Werkschule. 
Im Rahmen der vor wenigen Tagen eröffneten Frankfurter 
KunKneffe (vgl. den kurzen Bericht im Ersten Morgenblatt vom 
18. ds.) Wird ehne Reine Svnderschau der Stuttgarter 
Versuchsgrundschule und Werk schule gezeigt, einer 
Gründung des Architekten Albrecht L. Merz, die ihre? Absichten 
und ihrer Ergebnisse wegen gleich beachtenswert ist. Merz hat im 
Krieg die Erfahrung gemacht, daß die meisten Menschen infolge 
ihrer allzu abstrakten Denkweise kein unmittelbares Verhältnis 
mehr zu den schaubaren und greifbaren Dingen der Umwelt haben, 
daß sie sozusagen mit stumpfen Organen dahinwandern, unfähig, 
mit irgend einem gestalteten Gebilde in leibhafte Fühlung zu 
treten. Diesem Mangel will er nun durch eine Erziehung abhelfen, 
die, stetig unterstützt von zeichnerischen Uebungen, die lange ver 
nachlässigten Kräfte des „Erkennens und Gestaltens" der Dingwelt 
ausbilden soll. Merz fängt beim Kinde an. Er erweckt in ihm 
etwa, durch Vorzeigen oder Beschreibung entsprechender Gegen 
stände. die Vorstellung eines rund in sich geschlossenen oder eines 
steig ansteigenden Gebildes und läßt es dann zeichnerisch das 
Wesen des „Geschlossenen" und des „Ansteigenden" ausdrücken. 
Oder er gibt ihm auf, eine Fläche nach eigenem Gefühl mit Schrift 
zu füllen, befiehlt ihm an, sich ganz in eine Blume, einen Vogel 
Zu versenken und das in solcher Versenkung Erfahrene dann mit 
Buntstiften frei zu -gestalten. Die wenigen vorgelegten Versuche 
beweisen, daß so angeleitete Kinder einen erstaunlichen Sinn für 
das Wesentliche der Formen und Farben bekunden und eine ge 
haltvolle Ornamentik Zu erzeugen vermögen, die der verbildeter 
Kunstgewerbler überlegen ist — sie lehren zugleich, doß offenbar in 
jedem Menschen Fähigkeiten des Gestaltens schlummern, die ledig 
lich infolge ihrer Nichtachtung meist verkümmern müssen. 
Diese Fähigkeiten anzuregen, hat Merz auch eine „Bauschachtel" 
erfunden, deren Inhalt aus einem Haufen HolzRötzchen von ver 
schiedenster Größe, Form und Tönung besteht. Die Idee ist ein 
fach und sinnreich: das spielende Kind setzt bei dem Zusammen 
stellen der Klötzchen seinen Gestaltungswillen unbewußt durch, 
wirkt, ihre Stumpfheit beseelend, seine Phantasie dauernd aus 
und bleibt zudem, ein nicht Zu überschätzender Gewinn, der läh 
menden Mühsal des Einräumens nach äußerer Vorschrift enthoben. 
Auf allen diesen Uebungen, die Merz nicht nur mit Kindern, son 
dern auch mit älteren Schülern und in besonderen Kursen an der 
Stuttgarter Volkshochschule anstellt, baut sich der weitere Unter 
richt in der „Werkschule" auf. Er zielt darauf ab, die Lernenden 
mit den Eigentümlichkeiten der verschiedenen Materialien vertraut 
zu machen, so daß sie instand gesetzt werden, mit ihren erschlosse 
nen Sinnen aus dem Material heraus Gebrauchgegenstände und 
freie Kunstgebilde zu schaffen. An den vorgeführten Beispielen 
einiger Metallschalen, Holzleuchter usw. kann man ermessen, daß 
das Einwachsen des Schaffenden in Werkzeug und Werkstoff schöne 
FrHAte zeitigt, — Mr^-effen Bestrebungen denen des „Staat 
lichen Bauhauses" in Weimar in mancher Hinsicht verwandt sind, 
hat seine Schule — „Werkhaus mit Werkschule, freie Akademie 
mit staatlich anerkannter Versuchs-Grundschule", so lautet ihr 
offizieller Titel — nach Befiegung anfänglich großer Widerstände 
ganz aus eigenen Mitteln errichtet. Ein Kopf voller Ideen, will 
er seinen Anschauungen auch an der Universität eine Statt- berei 
ten, ferner zur Gründung eines Kindergartens schreiten, um schon 
die ganz Kleinen in seinem Sinne Zu erziehen. Mögen die Hoff 
nungen, die er an sein Unternehmen knüpft, übertrieben sein, so 
ist es doch jeder Förderung wert, denn es dient auf seine Weise 
dem guten Ziele des WiedereinpflanzenZ entwurzelter Menschen 
in den Grund des wirklichen Lebens — einem Ziele, dem man sich 
heute ja von vielen Seiten her anzunähern sucht- Da die jetzige 
Schau nur einen unvollständigen Einblick in das Geleistete ge 
währt, wäre die Veranstaltung einer größeren Ausstellung der 
Schularbeiten in Frankfurt sehr zu begrüßen. Lr. 
— k„Der- Christ und sein Schatten.") Walter T s ch u p- 
piks Streitschrift: „Der Christ und sein Schatten" (Theodor 
Thomas. Leipzig) wendet sich mit einer Erbitterung, hiner der 
man das Leiden an der deutschen Gegenwart spürt, wider die 
„absolute Moral" des Christentums, dessen jüngste und reinste 
Form: der deutsche Idealismus uns vollends aus dem realen 
Leben in irgend ein Wölkenkuckucksheim verschleppt habe. Alle 
Mittel der Polemik werden aufgeboten, um die Gefahren des der 
christlichen Haltung entwachsenden Denkens drastisch darzutun, ge 
schichtliche Belege in Menge erbracht, die Zeigen sollen, wie weitab 
von nüchternem Weltsinn der deutsche Geist seit und infolge der 
Reformation geraten sei. Die idealistische Wirklichkeitsflucht, so 
argumentiert Tschuppik, nötigt nicht nur zu mannigfachen Ideolo 
gien. sie ruft auch ungerechtfertigte Verachtung der wirklichen 
Welt hervor, mit der Zusammenzustoßen nun einmal unvermeidlich 
ist. Aus dem Konflikte aber Zwischen der Realität und den Trä 
gern der „absoluten Moral" wird als deren Gegenspiele? nach 
Tschuppik der „Jude" geboren, er ist Repräsentant jener vom 
Idealisten übersprungenen Wirklichkeit, die sich eben doch nicht 
ganz beiseite drängen läßt, er folgt wie ein ewiger Schatten den 
Anhängern der „christlichen" Ideen Seine mit launigeM Sarkas- 
mus verfochtene These sucht der Verfasser u. a. durch den Hinweis 
auf die in Deutschland übliche Ablehnung des englischen eommnn 
sense Zu erhärten; er begreift sie als Frucht des idealistischen 
Denkens, das den Engländer wie überhaupt alle real gesinnten 
Menschen gleich dem Juden selber am liebsten ms Ghetto verban 
nen möchte Und er gelangt Zu dem Ergebnis, daß dieses Ghetto 
erst dann aufhören werde Zu existieren, wenn die Menschen und 
Völker, endlich befreit von ihrem Hang zu christlichen und ideali 
stischen Ideologien, sämtlich darin Platz gefunden haben. — So 
viel -gegen die teilweise seltsam verspäteten Gedanken Tschuppiks 
einzuwenden ist, man sollte sie darum doch nicht leichthin äbschieben, 
zumal ihre Durchführung manche historische Tatsachen in ein un 
gewohntes Licht rückt und eine Anzahl sehr geistreicher Formulie 
rungen enthält. Gewiß: es geht nicht an, von einer mehr als 
fragwürdigen Position aus, die sich etwa durch die Verquickung 
materialistischer Geschichtsauffassung mit englischem Militarismus 
bestimmt, gegen die Wahrheiten des Christentums Sturm zu laufen; 
ebenso wenig kann, um nur dies noch anzudeuten, der deutsche 
Idealismus ohne weiteres als Nachfolge der Reformation verstan 
den und gerichtet werden. Diese Angriffe von unten und nutzen 
her verfehlen schon deshalb ihr Ziel, weil sie ihr Ziel garnicht 
voll erfassen. Trotz ihrer mangelnden Durchschlagskraft verdienen 
sie aber durchaus Beachtung als Gegengift gegen jene Romantik 
unserer Tage, die vor den wirtschaftlichen und politischen Tat 
sachen sich gar zu gern in den Sand verkriecht — 'ganz abgesehen 
davon, daß sie einem schlechten Idealismus gegenüber natürÜch 
stets Recht behalten. Ihr Hauptverdienst ist wohl die Verteidigung 
der heute so geschmähten „Zivilisation" wider deren modische und 
vorschnelle Ankläger und der Einsatz für die englische Util^ 
taritätsphilosophie, die Liefere und legitimere Wurzeln hat, als man 
Kleine Buch-Anzeigen.) Die Sammlung der Taschen 
Ausgaben des Verlags Kröner (Leipzig), die der Verbreitung 
philosophischer Bildung dienen, ist um vier Bände bereichert wor 
den. Außer der „Ethik" Spinozas (Bd. 24) und HaeckelZ 
Werk: „Die Lebenswunder" (Bd. 22) sind noch Zwei An 
thologien erschienen: eine gar nicht unzeitgemäße Zusammenstel 
lung von Nietzsche-Worten über Staaten und Völker, die 
Frau Elisabeth Förster-Nietzsche heraus gegeben hat (Bd. 21), und 
eine von Karl Heinemann besorgte Auswahl: „Lebensweis 
heit der Griechen" (Bd. 23), die ihre Bestimmung erfüllen 
wird, wenn sie zum eingehenderen Studium griechischer Denker 
und Dichter anregt. 
Oskar Jancke hat Nriel Acostas „Exemplar burnanLe ' 
vitLe", die Darstellung seiner religiösen Kämpfe und der er 
littenen Verfolgungen, unter dem Titel: „Dokumente 
-s-Mn e s Menschenschicksals" neu übertragen. Das im 
Verlag „Die Kuppel", Karl Spiertz, Aachen, erschienene Bünd 
chen weist eine gute Ausstattung auf. 
Der rührige katholische Matth ias-Grünewald-Verlag, Mainz, 
hat einen bedeutenden Ausschnitt aus Jan van Ruhs- 
Lroecks Werswerk, dem „Buch von den zwölf? 
Beghinen" in der Uebertragung von MlliLrord Verkade O. i 
S. B. herausgebracht. Sehr erwünscht ist die Beigabe des alt- ' 
.flämischen Textes. Das Buch wird Lurch die Nachzeichnung^ 
einer Miniatur geziert, die den in Waldeinsamkeit schreibenden 
- Ruhsöroeck darstellt.
        <pb n="52" />
        wie Kunstgewerbe 
rend für die mehr kulturellen Zweigs 
Frankfurter Herbstmesse 1923. 
--- Durchwandert man am Bortag der Messe Hallen und 
Räume, so bietet sich noch ein chaotisches Bild. KWn und 
Kasten stehen halbausgepackt umher, die meisten Maschinen 
entwirren könne; indessen, 
die Vorbereitungen sind in vollem Gang, und wie immer wird 
Zu den (von uns bereits veröffentlichten) Anträgen deZ Haupt- 
ausUusses über die Erhöhung der Wohnungsbaus 
ab gäbe erklärte StMv. Nelles (Zentr.), daß seine Frak 
tion der gleitenden Skala bei der Wohnungsabgabe nicht zustimmen 
könne und beantragte dem entsprechende Abänderung der Anträge. 
Stadtv. Lang (Komm.) bezeichnete die Wohnungsbauabgabe als 
.Verbrechen am arbeitenden Volke und polemisierte Lei dieser Ge 
legenheit gleich gegen die Wohnungspolitik der Stadt. StMv. 
Wagner (Mittelstand) sprach sich gegen die Zwangswirtschaft 
auf dem Gebiete des Wohnungswesens aus, die eine größere Ent 
faltung der Bautätigkeit hindere. Stadtv. Heiß Wolf (Soz.) 
suchte die Argumente des Vorredners zu widerlegen und plädierte 
für Annahme der Anträge. Auch Stadtv. Landgrebe (Lib.) 
stimmte der Wohnungsbauabgabe zu, weil sie das einzige Mittel 
sei, die Bautätigkeit M beleben. Die gleitende Skala lehnte er 
ebenfalls ab. Nachdem Stadtrat Schaumann die Notwendig 
keit der gleitenden Sätze betont hatte, gelangten die Ausschuß 
anträge unverändert zur Annahme. 
auch dieses Mal in letzter Minute die richtige Ordnung her 
gestellt sen. ' , - 
Die kritische außenpolitische und wirtschaftliche Lage wirkt 
sich naturgemäß fühlbar aus, wenn Wch, nach der Zahl der 
Boranmeldungen zu schließen, mit einer beträchtlichen Abnahme 
der Aussteller nicht zu rechnen ist. .Indessen beobachtet man, 
daß, wohl infolge der Unsicherheit aller Verhältnisse, der Ge 
schäftsmann sich mehr und. mehr mf kurze Fristen einstellt. 
Oft entschließt er sich erst am Vorabsnst zum Besuch der. Messe 
und steht sich dann durch die hohen Eisenbahn- und HotelMi.se 
gezwungen, nur einen Tag zu bleiben. Da in Frauksurt MM 
Unterschied von Leipzig sämtliche Messebautm auf einem Ge 
lände vereinigt und die Branchen übersichtlich angeordnet sind, 
ist ihm ja auch die Möglichkeit gegeben, seine Einkäufe in knapp 
ster Zeit zu erledigen. Die Tatsache, daß, auf die VorauSbs- 
tellung der Messekarten zumeist verzichtet wird, erLärt sich eben- 
s falls aus,der allgemein empfundenen SÄMierigksit, Dispost- 
rionen Ulf lange Sicht zu treffen. 
M.« der für Frankfurt wichtige Verkehr aus dem be 
setzten Geb te t sich gestaltet, läßt sich noch nicht beurteilen. 
Vorerst steht nur sest, daß eine Reihe von Ausstellern weg 
geblieben ist und andere Firmen ihre Wärest nicht Wer die 
Grenze gebracht haben, wovon manche Schilder an leeren 
Ständen, etwa im Hause der Technik, Zeugnis ablegen. 
Von ausländischen Ausstellern haben doch 
wiegend Oesterreichs!, Deutschböhmen und Tschechen sich ein 
gefunden. Neu hmzugekommLN ist die Handelsvertretung der 
Sochjet-Rspubliksn/ der im Obergeschoß des Wer?- 
bundhsuses der große Mittelfaal eingeräumt wokdsn ist. Sie 
führt hauptsächlich Rohstoffe', mist sich: Häute,. Felle, Hanf 
usw. und legt etliche Berichte vor, &amp;gt; die u. a. über' ihre Wirk 
samkeit im Rahmen der Leipziger Messen und über die große 
Ausstellung &amp;gt; in Moskaus Auskunft erteilen. An .ausländischen 
Käufern erwartet man Besucher aus Nngarn, Böhmen, 
den nordischen Ländern, Holland und Schweig, sowie In 
teressenten aus England und Amerika, das in Frankfurt über 
dies durch verschiedene amerikanische EWkausAgefellschaften 
verbeten ist. — Dis. Haup.trÄzießung^ wird. vwhl auch, 
dieses mal Widder die-Textil-uns LsdermW. puSWen, väh- 
Die Straßenbahntarif-Erhöhungen ab 14. September wurden 
Wchiräglich genehmigt. 
Die ErwerbslosemrnterMtzung. 
' Die Anträge des sozialpolitischen Ausschusses lauten wie folgt: 
I. Die Stadtverordneten-VersaM wolle den Magistrat er 
suchen, bei der Reichsregierung dahin vorstellig zu werden, daß 
1. sofort ein schnelleres Anpassen der Erwerbslosm 
UnterstützungsM an die R eichs index Ziffer veranlaßt 
wird, damit die Erwerbslosen noch in der laufenden Woche die! 
Erhöhten Sätze bekommen; 
2. Meßziffern festgÄegt werden, damit die Gemeinde 
behörden selbst in der Lage sind, die Unterstützungssätze auszu- 
rechnen. Bei der Festsetzung der Indexziffern ist die voraussicht 
liche Entwicklung der nächsten Tage mit zu berücksichtigen; 
3. die Grenze für Auszahlung der Unterstützung fallen 
gelassen wird, da eZ niemand verantworten kann, einen ausge 
steuerten Erwewslosen dem Nichts Zu überliefern; 
4. die Karenzzeit in Fortfall kommt und die Er- 
werbslosen-UnterMtzung sofort nach Eintritt der Erwerbslosigkeit 
gewährt wird; 
5. a) sofort seitens des Reiche der Länder und Gemeinden 
großzügige Arbeiten in Angriff genommen werden, um die 
Erwerbslosen produktiv Zu beschäftigen, d) die Förderungssätze 
für die produktive Erwerbslosenfürsorge an die 
Gemeinden erhöht werden. 
H. Bis zu einer umfassenden Neuregelung der geldlichen Unter 
stützung ist seitens der Gemeinde noch Zu sch u ß p o litik zu 
treiben, Der sozialpolitische Ausschuß beantragt daher weiter, den 
Magistrat zu ersuchen: 
1. den Erwerbslosen mit Kindern den Bezug, von Milch 
zu erleichtern; in der Regel sollen 50 Prozent Ermäßigung, in 
Uusnahmefällen freier Bezug von Milch gewährleistet werden; 
2. in bedürftigen Fällen (bei Krankheit, großer Kind erzähl, 
Schwangerschaft usw.) Gas Leihilfen Zu gewähren. Die 
Bedürftigkeit ist von Fall zu Fall festzusetzen; eine Begrenzung 
der KubiLmeterZahl soll nicht stattfinden; 
3. Brennstoffe an die Erwerbslosen seitens des Wohl- 
fcchrts-Amtes Zu verbilligten Preisen und unter Erleichterung der 
&amp;gt; -Abzahlung des Kohlenpreises zu liefern; 
4. a) verbilligte Essenscheine an unverheiratete 
Erwerbslose zum Essen in den Volksküchen zu verabfolgen, 
d) das Essen in der S ch u lk i n d e r sp e i s u n g den Kindern 
der Erwerbslosen unentgeltlich zu gewähren; 
5. Erleichterungen in der Aufbringung der Kosten für Rep o- 
raturenvon Kleidern und Schuhen durch die städtische 
Bekleidungsstelle eintreten zu lassen; 
6- in don Vororten Kontr oll st eilen einzurichte 
-. Von vorläufigen E i n z s l e i, n dr ü ch e n sei, nyr wLüiges 
festgchaltM. Dem Bedürfnis ° nach-'schneller' EffMguttg des 
Shorts kommt', wie'sich seift gezeigt Hai, der im Früh 
jahr eröffnete Güterbahntz of aufs beste entgegen, sein 
Vorhandensein' gestattet, eine AdwirUnng- des Güterverkehrs,, 
deren -Raschheit für die auSftellenden Firmen eine sticht zu 
:stMrWtzende Ersparnis bedeutet. ..Fm Hau? der Technik 
iwrrden übrigens die Wagen neuerdings mit einer elektrischen 
sGMe anbefordert, die eine Lokomotive überflüssig macht. 
Auch sonst hat dir Meffelsijmrg trotz der mißlichen Wirtschafts-. 
läge im letzten Halbjahr-wieder etliche Neueinrichtungsn ge 
schaffen, die zum Teil mit stnanM verbunden 
waren'. Ss ist .das Erdgeschoß des Hauses Schuh und Leder 
völlig geweißt worden, was erheblich zur Steigerung der 
.Helligkeit in Kojen unÄ Gängen beiträgt, ferner hat es Er 
gänzung durch eine Halle erfahren, die lediglich der Auf 
nahme von Schuhmaschinen dient. Ein zweiter 
Anbau erweitert die jetzt von der Straße aus direkt zugäng 
liche Osthalls .4. nm fünf Meter; hauptsächlich die Herren 
Modeartikel umschließend, ermöglicht er eine günstigere Glie 
derung der Tcxtilwaren, die von Messe zu Messe breiteren 
Raum in Anspruch nehmen. Lr. ' 
MUWWMMM-MsSNMNg. 
Sitzung vom 25. September 1923. 
Zu der Mitteilung, daß der Termin für die Neuwahlen 
tzu den Gemeindevertretungen um d«rei Monate hinausgescho- 
b e n worden sei, erklärte Stadtv. Lang (Komm.), daß dies eine 
Vrüskierung des Volkswillens bedeute. Er beantragte, die Ver- 
fammlung wöge von der Regierung die sofortige Durchführung 
der Wahlen verlangen. Stadtv. Korff (Dem.) bezeichnete es 
als abwegig, gerade in dem jetzigen Augenblick diesem Antrag 
ftattzugeben. Stadtv. Heiß Wolf (Soz.) bedauerte die Ver 
tagung, würdigte aber gleich dem Vorredner die .für sie sprechenden 
Gründe, die zu einer Ablehnung des kommunistischen Antrages 
Zwängen. Auch Stadtv. Landgrebe (Lib.) sprach sich in 
ähnlichem Sinne aus. Nach gleichgerichteten Ausführungen des 
Stadtv. Merken (Zentr.) wurde der Antrag Lang einstimmig 
abgelehnt. 
Eine Reihe von Ausschußberichten wurden ohne Anstanid er- 
ledcht. 
Stadtv. Nelles (Zentr.) fragte an, aus welchen Gründen 
der Magistrat die Verlage betreffs Einsetzung eines Aus 
schusses zur Abänderung der Sätze der städtischen Ab 
gaben - Ordnungen zurückgezogen habe. 
SLadtM Langer begründete die Zurückziehung damit, daß 
der Hauptausschuß durch seinen Beschluß die Zahl der Magistrats- 
witglieder zu einer Minderheit im Ausschuß habe herabdrücken 
wollen. Der Magistrat zöge es darum vor, es Lei dem jetzigen 
Zustand bewenden zu lassen. Stadtv. Heiß Wolf (Soz.) trat 
dieser Auffassung entgegen. Gleich ihm bedauerte auch Stadtv. 
Landgrebe (Lib.) das Vorgehen d-es Magistrats und erklärte 
die Bereitschaft seiner Fraktion zu erneuter Beratung der Vorlage. 
Oberbürgermeister Voigt begrüßte diese Anregung und recht 
fertigte im übrigen das Verhalten des Magistrats. Die Debatte 
zog sich noch länger hin mit dem negativen Ergebnis, daß der 
Anregung des Stadtv. Landgrebe nicht stattgegeben wurde.
        <pb n="53" />
        Stadtv. Lang (Komm.) stellte demgegenüber den folgenden 
Antrag: 
„Wir beantragen, die Stadtverordneten - Versammlung wolle 
beschließen: 1. Die Unterstützung wird nach dem städtischen 
Index festgesetzt; sie beträgt mindestens zwei Drittel des Lohnes 
eines Vollarbeiters des jeweiligen Schlüsselgewerbes. 2. Den 
Erwerbslosen werden die Brotscheine, die Gasbeihilfe und 
der freie Milchbezug wie seither in voller Höhe weitergewährt. 
Außerdem werden den Erwerbslosen Gutscheine zum freien Bezug 
von Mittag- und Abendessen in der Volksküche verabfolgt. 3. Den 
Erwerbslosen ist eine ausreichende Beihilfe zum Kaufe von Kar 
toffeln und Brennmaterial zu gewähren. 4. Gegen 
Vorzeigen der Vormerkkarte ist den Erwerbslosen der billigste 
Fahrschein der Straßenbahn für die Fahrt vom und zum! 
Arbeitsamt zu bewilligen. 5. Die Aussteuerung der Erwerbs 
losen wird während der jetzigen krisenhaften Erwerbslosigkeit auf 
gehoben oder die Unterstützungsdauer auf 52 Wochen verlängert. 
6. Die sechstagige Karenzzeit wird aufgehoben." 
Der von Stadtv. Thomas (Soz.) begründete sozialdemo- 
kvatische Antrag, der Dezentralisation des Arbeits 
amtes fordert, hat die folgende Fassung: 
„Die Stadtverordneten-Versammlung möge beschließen, dem 
Magistrat dringend nahezulegen, in der Notstandskomwission die 
Frage der Notstand sarbeiten sowie der produktiven Er 
werbslosenfürsorge alsbald zu behandeln und sofort ein groß 
zügiges Programm hierzu vorzulegen. Der Magistrat wird ferner 
ersucht, die gegenwärtigen unhaltbaren Zustände im Arbeits 
amt zu beseitigen. Es soll sofort eine Dezentralisation des Ar 
beitsamtes derart stattfinden, daß in einzelnen Stadtteilen, wie 
im Volkshause Bockenheim Rundbau, im alten' Lokalbahnhof, in 
der Stadthalle. Kontroll- und Zahlstellen eingerichtet werden." 
- Stadtrat Dr. Sch^lotter erklärte, daß der Magistrat den 
Ausschußanträgen restlos Leitrete mit Ausnahme des Paragraphen, 
der den Fortfall der Karenzzeit fordere; in deren Fortfall werde 
die Reichsregierung niemals einwilligen. Magistratsrat Dr. Mater 
wies darauf hin, daß heute ein Zehntel der Frankfurter 
Bevölkerung öffentliche Unterstützung genieße und! 
betonte, daß eine schematische Unterstützung stets teurer komme als! 
eine Prüfung von Fall zu Fall. In der Abstimmung wurden die! 
&amp;gt; Anträge des sozialpolitischen Artsschusses gegen die Mänderungs-! 
und Erweiterungsvorschläge des Stadtv. Lang angenommen. Der 
- Antrag Thomas fand ebenfalls Annahme. 
Stadtv. Frb Dr. Schultz (Dem.) stellte folgende dringliche 
Anfrage: 
„Ist der Magistrat bereit, Auskunft Zu erteilen, was er mit dem 
Frau en s em i nar plant? Ist es richtig, daß der Magistrat 
beabsichtigt, dem Beschluß des Fachschulamtes Leizutreten, acht 
j Tage vor Eröffnung des Unterkursus, zu lvelchem bereits Schü- 
! lerinnen angemeldet und ausgenommen und teils unter Leitung 
des Seminars vorgebildet sind, zu schließen?" 
Gleichzeitig beantragte sie Eröffnung des Unterkursus ab 
1. Oktober und Ueberweisung der ganzen Angelegenheit an den 
Schulausschuß. Stadtrat Meckbach erwiderte, daß Kurse unter 
2-0 Teilnehmern — und um einen solchen handle es sich im vor 
liegenden Falles— zu hohe Kosten verschlängen. 
Stadtv. Frt. Bittorf (Soz.) verlieh ebenfalls ihrem Er ¬ 
staunen über das Vorgehen des Magistrats Ausdruck. 
Stadtv. Korff (Dem.) erklärte dem Magistrat gegenüber, daß 
man eine Spezialanstalt wie das Frauenseminar nicht auf eine 
Stufe mit anderen Anstalten stellen dürfe. Die Provinz stelle 
-ein starkes Kontingent der Besucher dieser Anstalt, schon darum 
könne man sie nicht ohne weiteres einschlafen lassen. Im übrigen 
schloß er sich dem Antrag, von Frl. Dr. Schultz an. Stadtv. 
Land grabe (Lib.) stimmte mit den Ausführungen des Vor 
redners überem. Der Antrag wurde angenommen. 
Stadtv. Kreß (Zentr.) beantragte, daß die Schornstein 
fegergebühren wieder wie früher durch die Schornstein 
fegermeister direkt von den einzelnen Metern Mngezo gen werden. 
Stadtv. Higler (Soz.) stellte demgegenüber den Antrag auf 
Kommunalisierung des Schornsteinfsgergewerbes. Stadtv. Wag 
ner, (Mittelstand) rügte in endlosen Ausführungen die geringe 
Arbeitsleistung und die Ueberheblichkeit der Schornsteinfeger. 
Stadtrat Dr. Schmude versicherte, daß die von Stadtv. 
Kreß gemachten Anregungen zurzeit in Erwägung gezogen wür-' 
den. Im Stadtv. Bouveret (Dem.) fand der angegriffene 
Schornstinfegsr seinen Verteidiger. Die Anträge gingen an den 
wirtschaftspolitischen Ausschuß. Kurz nach neun Uhr stellt die 
Presse die Berichterstattung ein. 
--- Die Frankfurter KutturLagung. In seinem Vertrag über die 
Wissenschaft und das Evangelium nahm Prof. Eugen j 
Ros^n stock das Wort Zur „WissenschastskrisD Er erklärte die 
seelische Abwanderung der Jugend von der Wissenschaft, insbeson 
dere! der Naturwissenschaft, daraus, daß diese nicht nur die Frage 
nach der Wahrheit, dem Sinn des Geschehens unbeantwortet lasse, 
sondern sich auch noch vermesse, mit Maß und Zahl die vor ihrem 
Forum gar nicht zuständigen Beziehungen zwischen den Menschen 
zu erkennen rmd zu regeln. Wie am Endo des Mittel-alters die 
Scholastik an der aufkonwrenden Natur-wissenschaft Zerbrochen sei, 
so Zerbreche heute die Naturwissenschaft an einer bereits sich an 
kündigenden neuen Wissenschaft, die sich der Wissenschaft von Gott 
und der Wissenschaft von der Natur als „Wissenschaft vom Menschen" 
anzu-gliedern habe. Die besondere Aufgabe dieser Wissenschaft, die 
etwas gewaltsam als Phase eines historischen Entwicklungsprozesses 
ausgedHm wutde. skizzierte der Redner dahin, daß sie zum Unter 
schied von der abstrakten Naturwissenschaft stets die konkrete 
.Situation zum Ausgang und Endziel ihres Fragens nehmen 
^müsse. Statt zu unwirklicher Objektivität sich zu verflüchtigen, 
dürfe sie niemals Ähren wirklichen Ursprung vergessen und die 
numMWe Mmeinschaft verleugnen, der sie entwachse und der sie 
zu dienen habe. E'ne solche Wissenschaft kann, dem Redner zufolge, 
nichr in einen Widerstreit mit dem Glauben verwickelt werden; im' 
Gegenteil, sie wendet nach seiner Ueberzeugung die Wahrheit des 
Evangeliums insofern auf sich an, als sie von ihren Jüngern nicht 
ein Absehen von ihrer Person, eine Entselbstung forderst wie die 
Naturwissenschaft es tut, sondern gerade das Eingeständnis ihrer 
„unendlichen Interessiertheit" an den Problemen von ihnen Heischt^ 
/so) lsE-/- 
! ttuM KnrriZTn. 
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Lu nebmen, unä L^ar ^lrä ^or aflern Wert ant äen 
äak äie pääuMMehe I'ryvinL äsn 
NsliAchnsuritegmekt. auk Mierkonk^sionelle OrunäwM 
sieLe, ernssLtrMr InäLvidualpLäg^o^rk eine 
tsich unä äie LeldstdetätiZunA äer 8eküchr koräsrs. 
Diese DedeDeMstMinun^en WMMden, seüeint uns äoM' 
i»Äneke8 eine äirestte ^dchitunF äer bMts er ¬ 
» strebten ^rdeit^- unä NinbeitZsebuch OeMMMÜeM 
Oeibie Zpreetzerr. 
0 8 nalä Weläendaeft Mbt in sei Ein, äem 
^sräenlcen Lirnnrech M^iäniStsn Vuebe: „W elt» 
3 n 8 ebanun an 8 äe rn 6 ei 8 Le äes Xr 1L1L18- 
inus" iDbiloGopinseüe Reibe. Vä. 63. Mineben, Rösl 
Oo. 310 8.) «ine sebr perLönirob ^ebnltene Dattel- 
lunA. Die ^MvbaulunMN, äie er entv^okelt, nübern 8ieR 
starl: äer I^benspbäesop^ 8iMineIs an; sch sueben 
äss Deben als äanernäe Lpannnn^ Lvriseben nnülxu- 
^K^ädaren DsMnsätLen unä Miäersprüeben M bSMl ei 
len, äie von uns äen steten beroiseben Mn8aiL kor- 
ä-ern, obne äM äoeb je bellen oäer aneb nur! 
v/ünseben äürlten, Äe 2n sebliebien. Das Rneb mt 
seiner extremen Dinserti^iceit vreMN dsbriechb; Mist 
LrW^KMNZ lmt es MeniA bin. 
H / h 
In äer KeiM-ktenreibe ,,1VWsen nnä äes 
VerlsM I^eAx Neiner, DeipLi^, äie sieb vornreM äi« 
LMnternn^ bestinrinter pbiloKopbäK'obei Liassist-er unä 
äch RänlübirnnL; in Ornnänrodlenie äer DInIoKOpIrM Lur 
setLst sinä kol^enäe Vünäe in Meiter, r. st. 
er^ün^tier' emeinenen: „LantssteR r e o m, 
KkteToris esten I mper ati v" von Dr. ^rtknr 
Vu e st e n G n (8ä. 1), kerner äie Zestrilt Drok. 4^ r ist u r 
stkeste rtK : L e ist kr 1 ti 8 est e R st i! oso - 
p st ie ü sterstanpt in ö I I e st ?" (Rä. 4) unä Dr. 
NÄx pe 18: .A o W in e n i a r 2 n L a nts Rrv - 
I e ^ o nae n (Rä. 16). Mu stinLuMstorninen ist als 
Danä 15 äss Vuest: „Drole^oniena rn einer 
Hvr-8 se vsest aktliesten R Zieste Iox;ie" von 
Anna st üma-rst i n , äZs ääe Ornnälmten meiner äer 
stiMnari äe^ ^eelenlVstevs..Kereestt .weräenäen. vrissen- 
«vstAkEesten DKMstolOM, My sie rnerÄh von Möjste-Irn 
Dätste^ geloräeri ^vnräe, im 8inne äer sträisosten 
DstÄoKopstie Listen nniernMnrt. 
Hr " 
Dein UsNA rurn O^LoItisnmK, äer kiest aps äen vsr- 
sestieäenKten Orünäen staute näe eine ^neste. 
stieilet stai, rüdlä eine 8ost«E von Reora Re z^er 8. st: 
,,I) e r O k- st n It 1 8 inns unserer sta e" (Leve- 
laer, stosopst Rerestei. 192 8.) eneiMKest unk äen I^eid. 
Das seiir voIst-stÜMstest MstMene Rüestchln Mstt einen 
De-sterWest üster äie inaniL^kaesten DrLesteinnnMkor- 
nren äes inoäernsn Oststnltisnins von äen ststeosopsteni 
unä ^ntstroposopste an stis st-eiast sn äen KpiriMtiKesten 
stsKestenKMelern unä NN es nir^enäs an strülii^sn 
dorten ^e^en Irrlestrer unä stetrü^srEeste MÄn-äer- 
tLter kestlen. Die Detraestiun^en M-sten von äeni 8tänä- 
punstt aus, äak äer OststultisinuK in allen sÄMn Lr- 
sosteännnMkorinen ein steinä äer Kirrste sei. — In äie- 
sern ^uKUMmenstanM sei anest äie Zesträkt äes Oiekener 
DmvatäoLenien Die. Dr. Keinriest Driest : „ ntstro- 
posopstiseste 8estau unä religiöser 
6 ILust e" (Ztreeste-r unä 8estiöäer, 8iuttMt) genannt, 
äie in Lnstrusttiv^r ^eise eine stvpoloM äes „sestanen- 
äen" unä äes „^läustiZen" Nensesten ent^viestelt. 
Die DnterZnestnnAen ^ipkeln in äeni stlaestweis, äaL 
RuäoR Kleiner ein nuk äie 8ostmr stinLielenäer 
OnostLster kiest von äern Bäusti^en Nensesten äarin un- 
dersesteiäet, äsL er äie Lestransten äer Lreatur ni-eäer- 
MreiAen traostbet, ääe ä-er DUnstiM Mnau innestLlt. ^uest 
wärä an äer Ilanä ^utLN8M^stlte.r Rele^e ^eseM, ä»^ 
i O oetste, an l äen sie st äie ZteMerLaner i nrnrer ru ste- 
- ruken pklexen, viel ester äem st^puL äer OstMstensnMN» 
Kosten LNMieostnen sei.
        <pb n="54" />
        --- In den Olympia-Lichtspielen geht „Othello", ein Film 
der. Worner-Gesellschaft, über die Szene. Ausstattung, Regie 
und schauspielerische Leistungen beeindrucken stark und entschädigen 
dafür, daß es sich auch bei diesem Film wieder wie bei so vielen 
der letzten Zeit um die „Bearbeitung" eines Dichtwerke^ handelt, 
das sich nur sehr unzureichend in die Filmsprache übersetzen laßt, 
^annings spielt den Othello dumpf-befangen und schwerbeweglich, 
beinahe als Tier, das einsam in seinen Instinkten lebt, kaum 
Een Zugang zur Außenwelt hat und nur jäb auffährt, wenn 
es aus seiner Bahn gestoßen wird. Ein Meisterstück der Charak 
teristik ist der Jago van Werner Kraust: das Lachen unsagbar 
frech, die Fratze leer und schlau, Gesten und Gang intrigantenhast, 
die ganze Gestalt eine Verkörperung der Gemeinheit. Auch die 
anderen Darsteller halten sich auf der Höhe. — Fattps um- 
glaubwürdige Körperfülle tanzen zu sehen, ist ein reiner Genuß. 
In einem zweiaktigen Lustspiel produziert er sich wieder auf die 
bekannte Weiss, allen Gesetzen der Statik zum Hohn. Ein Glück, 
daß seine Korpulenz stets moralischen Zwecken dienstbar gemacht 
wird, sie könnte sonst unsere sowieso schon fragwi'rrdige Weltord 
nung vollendG Zerstören. Als Retter in höchster Not befreit das 
Ungetüm das geliebte Mädchen aus einer mit Recht übelbelem 
mundsten Kneipe «nd führt die Braut, in Ehren heim. r^.— 
l b 2.! H " 
e L r L L?&amp;gt; 
" LürgerUche Literatur."! ES ist auf jeden Fall 
M Zeichen fortschreitender Klaffend ersöhnung, daß die Buchhand 
lung einer bekannteren soziMemokMischen Zeitung in ihrem ^n- 
seratenM jüngst „Parteiliteratur aller Art sowie gute bürgerlrche 
Literatur" empfohlen hat. Nur freilich bleibt zu erraten, was 
ünter solcher Literatur zu verstehen sei. Mancherlei Kombinationen 
sind denkbar. Zunächst möchte man annehmen, daß jene Kategorie 
Mrarische Erzeugnisse meine, die im Gegensatz zur sozialistischen 
-Parteiliteratur aller Art" unmittelbarer Ausdruck spezifisch bür 
gerlicher Gesinnung sind. Da es aber allzu unwahrscheinlich ist, daß 
em GsnMe — uM^chÄnRe WeitherziMit sMsi 
l zu dem Schluß gedrängt, die inserierende Buchhandlung osaLsich- 
tige, als „gute bürgerliche Literatur" einfach Goethe, Schiller und 
andere Klassiker zu Verkaufes Auch dies muß indessE ein Fehl 
schluß sein. Denn wie sollte man wohl voraussetzen dürfen, 
daß ein noch so radikaler LiLeraturverstandiger die Werke der gro 
ßen Dichter, ihrer Menschheitsbedeutung uneingedenk. schnöde und 
! schlechthin in das Gefach „bürgerliche Literatur" einsteM So 
fleht alles danach aus, als sei die aufregend-geheimnisvolle Kate 
gorie in genauer Analogie zu dem Begriff „gute bürgerliche Kost" 
gebildet. Geholfen wäre freilich mit dem Ausweis dieser gewiß 
einleuchtenden Parallele nur, wenn man zugleich in Erfahrung 
bringen könnte, welche Art. von literarifcher Nahrung nun eigentlich 
den kulinarischen Genüssen der bürgerlichen Küche entsprechen soll. 
Wird das Gewicht mehr auf den Nährwert oder auf «eine geschmack 
lich gute Zubereitung gelegt? Doch gleichviel! Wenn die von der 
Buchhandlung angewiesene „gute bürgerlrche Literatur" sich nur. 
auf der Höhe der früheren bürgerlichen Küche hält, darf man 
schon Zufrieden fein.
        <pb n="55" />
        § 
l o 
« sDer Meister des jüngsten Tages.Z Wer aus dem 
neuen Roman von Leo Perutz „Der Meister des jüngsten Tages" 
(Albert Langen, München) das Gruseln nicht lernt, der lernt es 
gewiß nimmermehr. Selbstmords, sämtlich unter den gleichen rätsel 
haften Umständen verübt, sind schon an sich unheimlich genug; wie 
viel unheimlicher noch, wenn man von Anfang an ihren mysteriösen 
Zusammenhang ahnt, ohne ihn doch vor Ablauf der Ereignisse un 
zweideutig ergründen zu können. Zweifel, Grauen, Spannung so lange 
wachzuhalten, ist eine nicht geringe Virtuosität aufgeboten. Es ge 
lingt etwa, den als Erzähler eingeführten Hauptäkteur Freiherrn 
von Aosch bis zuletzt in den unbestimmten Verdacht einzuhüllen, 
daß er an dem plötzlichen Tode des Schauspielers Eugen Bischofs 
die Schuld trage, mit dessen immer noch geliebter Frau Dina er 
früher Umgang gepflogen hatte. Es gelingt weiterhin, durch Ve 
rschwörung abgerissener Klänge, Ausstreuung fahler Lichter auf 
Park, Straßen und Räume eine Stimmung zu erzeugen, die in! 
alle Poren dringt und die Folge jener seltsamen Begebenheiten ge 
spenstisch umlauert. Es gelingt schließlich, die Träger der Hand 
lung: Halbkünstler und Balkanexistenzen in eine dichte Atmo 
sphäre der Verwesung zu stellen, unter Vermeidung unan 
gebrachter psychologischer Vertiefung ihre Wurmsüchigkeit ge 
rade soweit anzudeuten, daß sie stets nur Hintergrund des die 
eigentliche Mitte susfüllenden spannungshaften Geschehens bleibt. 
Zu dem alten Bischofs mit seiner erloschenen Gestaltungskraft und 
dem Freiherrn selber, der bereits zu sehr Spätling ist, um noch 
brutal zupacken Zu können, -gesellen sich die Schattenriß-Figuren 
des ehrenwerten Spanislen Albachary, in dessen Person sich die 
Talente eines Wucherers und Kunsthändlers wundersam vereini 
gen, seines Hausgenossen, des ausrangierten Majors Kulicek, wie ' 
der in allen Künsten dilettirenden Leopoldine Leichmann, die es 
schlechterdings nicht ertragen kann, sich als Pharwakologin unbe- 
rühmt und prosaisch durch die Welt schlagen zu müssen — ge 
brochen sie alle, lediglich in den Zwischenschichten zuhause und 
gut akklimatisiert an die Wiener Luft, deren UntergangshauH sie 
Zubiläumskagung des Atöbel-Verbandes. 
Die 21. Hauptversammlung des Deutschen Fröbel-Ver- 
bandes, der in diesem Jahre auf sein fünfzigjähriges 
Bestehen zurückblicken kann, wurde nach vorausgegangenem 
Begrüßungsabend heute mit einer Festsitzung im Römer er 
öffnet. Regierungsrat Dr. Lieser und StadLrat Meck- 
bach bewiWommneten die Tagung, zu der auch Verband s - 
freunde aus dem Ausland, zumal aus den nordischen Län 
dern, erschienen sind, namens der staatlichen und städtischen 
Behörden. Im Anschluß an ihre Ansprachen ergriff 
Pros. EduarL Spranger 
Zu seinem Festvortrag über neue Strömungen in der 
Frauen- und Jugendbewegung das Wort. 
! bFmcyt. Aus diesem Helldunkel tritt einzig der Ingenieur SolqmL 
! scharf hervor: Deutschbalte, der einst im russisch-japanischen Krieg 
^dei^Diunho eine Schützenkette von fünfhundert Japanern durch 
HochspannunDsströme vernichtete und nun die Erinnerung an die 
starre Reihe der Getöteten dauernd mit sich trägt. Durch jenes 
ihm eingegrabene Schreckensbild der UnmiLLelbarkeiL des Lebens 
und Mrtlebens enthoben, hat er den nötigen Abstand von Dingen 
und Menschen gewonnen, um ihre Verkettungen furchtlos zu er 
sahen. Er entwirrt, ein inwendig Erfrorener, mit dem Spürsinn 
' des DetE W verborgenen. Fäden und dringt am Ende das 
UnbvZMstM M tzSK MNers M M dem NP-! 
Heber der Selbstmorde, dem „Döetster des jüngsten Tages" vor, 
' dem freilich er selber auch zum Opfer fällt.' Wer ist dieser 
Meister und welcher Sinn liegt den Geschehnissen zugrunde, die 
unter seinem Einflüsse sich vollziehen? Ohne die Lösung preis- 
zugeben, sei doch gesagt, daß sie, offenbar ihres zu Lohen An 
satzes wegen, nicht ganz gestaltet worden ist. Metaphysische Gehalte 
in dem Stoff des Kvrminalromans auszudrücken, muß man 
'schon Dostojewski sein; Perutz jedenfalls versagt genau dort, 
wo er die Grenzen einer auf Spannung aufgebauten Erzäh 
lung zu überschreiten strebt. Dabei entbehrt die Idee, aus der 
er die geheimnisvollen Vorkommnisse ableitei, keineswegs der 
Tiefe. Es ist einleuchtend, daß mittlere oder erlahmte Künstler 
naturen um sie aber handelt es sich zumeist bei den Selbst 
Mördern -- ihre Phantasie an Gesichten gleichviel welcher Her 
kunft zu nähren wünschen, und es ist gut erdacht, daß jeder 
Mensch vor Entsetzen sich Löten muß, dem die vorwegnehmende 
Schau des jüngsten Gerichts, und zwar seines besonderen 
jüngsten Gerichts, zuteil wird. Wäre nicht, infolge des Man 
gels an hier zudem unnötig beanspruchtem dichterischem Ver 
mögen, der Weg allzu abgeblatzt, auf dem der Renaissancemaler 
Giovanstmone Chigi, der Meister des jüngsten Tages, den nach 
solcher Vision Begierigen den Zugang zu ihr vermittelt, so 
bliebe ein Buch, das rein als Spannungsroman nicht leicht 
übertroffen werden kann. 
— Das Frankfurter soziale Frauensewinar. Trotzdem sich die 
! Stadtverordneten-Versanm^ung in ihrer letzten Sitzung einstim 
- mig für die Erhaltung des Frauenseminars ausgesprochen hat, be 
haupten sich hartnäckig Gerüchte, die jenem Beschluß zuwiderlaufen. 
Ihren Niederschlag mag die auch von uns vor kurzem gebrachte 
Notiz (vergl. Stadt-Blatt vom 2. Oktober) bilden, derzufolge das 
Frauensennnar am 1. April 1924 geschlossen werden soll. Ent ¬ 
gegen diesen mißverständlichen Gerüchten darf zuver 
sichtlich damit gerechnet werden, daß die Verhandlungen mit dem 
Oberpräsidenten zu einem günstigen Abschluß gelangen und das 
nicht nur für Frankfutt unentbehrliche Frauenseminar weiterge 
führt wird. 
-- Dis Neue LichLöLhus in der Vilbelerstraße führt ein 
sechsaktrges Drama: „Teufslsschmphonie" vor, das seinen 
Namen nicht Zu Unrecht trägt. Das teuflichs Prinzip wird von 
einem indischen Fakir verkörpert, der auf ebenso niederträchtige 
wie phantasievolle Weise den Ehemännern einer in seinem hypno 
tischen Banne befindlichen Gräfin nach dem Leben trachtet. Der 
berühmte Sportsmann Fred Kelly, dem sein chinesischer Diener 
getreulich zur Seite steht, zeigt sich zum Glück den einmal schon 
gelungenen Anschlägen des Mordmenschen gewachsen. Dank 
seiner VLelgewandrheit entrinnt er sämtlichen Gefahren, die in 
dem Schveckenshaus des Jnmrs ihm drohen: Falltreppen, giftigen 
Dämpfen, Ausräucherung in einem beweglichen Käfig; zum! 
Schlüsse tötet er den Lsussichen Feind und rettet, wie sich von 
selbst versteh die Gräfin, die, von Erna Morena gespielt, in 
den s^wierigsten Situationen eine untadelige Haltung bewahrt. 
Ist die Handlung auch just nicht wahrscheinlich, so erfüllt sie doch - 
zum mindesten den einen Zweck, verbrauchte Nerven durch die! 
schnelle Folge erfinderisch ausgeheckter Greuel aufzureizen. 
F a t t h in dem Lustspiel „Alles aus Liebe" ist wesentlich harm 
loser als jener schlimm gesinnte Fakir Zwar, er prügelt wieder, 
wenn er geprügelt wird, aber seine Dicke entwaffnet, seine Liebens 
würdigkeit versöhnt. Als Köchin verkleidet, entfaltet er weibliche 
Reize, die sogar das Herz eines älteren Farmers betören. Die 
Handlung, in deren Verlauf Männer und Frauen verschiedensten 
Kalibers in den Ziehbrunnen stürzen, durch die Fenster fliegen 
und sich auf mannigfache Arten überraschend von der Stelle be 
wegen, endet natürlich mit einem vollen Triumph von FaLths 
Korpulenz. 
Ausgehend von einer Würdigung Fröbels, den er als Urheber 
der inneren Frauenemanzipation, als Befreier der Frau 
aus geistiger Gebundenheit pries, skizzierte er die Entwicklung der 
von Fröbel eingeleiteten Bewegung in der Folgezeit. Nach 1848 
hat diese Bewegung, dem Redner zufolge, durchaus realistische 
Bahnen eingeschlagen, fle fordert und erwirkt in enger Verbin 
dung mit den demokratischen und sozialdemokvatischen Be 
strebungen vorzugsweise die wirtschaftliche und politische Gleich 
stellung der Frauen. Sind damit die äußeren Ziele der Frauen 
bewegung erreicht, ihr eigentlicher Sinn bleibt nach Eroberung der 
Außenforts noch zu erfüllen. Worin aber besteht dieser Sinn? 
In der Entfaltung aller derjenigen Kräfte und Fähigkeiten, die 
der Frau besonders eigentümlich sind und darum eine unersetzliche, 
Bedeutung für den Aufbau unseres Kulturlebens haben.' Seit 1914 
hat sich die Erkenntnis hiervon mehr und mehr verbreitet. Leider , 
fehlt es ihr vorerst an der rechten Durchschlagskraft, da es eine! 
spezifisch weibliche Jugendbewegung noch nicht gibt. 
Die heutige deutsche, Jugendbewegung kennzeichnete Professor 
Spranger dahin, daß sie, zum Unterschied von der bisherigen 
Frauenbewegung, nicht in den Strömungen des Jahres 1848 
wurzele. Sie sage sich vielmehr los vom Individualismus, In 
tellektualismus und Oekonomismus der voraufgegangenen Ge 
neration und gründe statt dessen in der Sehnsucht nach neuem, reli 
giös unterbautem Gemeinschaftsleben. Daher ihr sekten- 
hafber Charakter, ihre vorläufige Ferne von der Wirklichkeit, ihre 
eschatologische Richtung: alles Züge, die in der feinsinnigen 
Schilderung Pros. Sprangers klar hervortraten, und bereits 
manchen Hinweis auf die kommende Reife in sich enthalten. 
Aufgabe unserer weiblichen Jugend wird es sein, rm Nahmen 
der allgemeinen Jugendbewegung ihre Sonderart auszubilden. 
Gemäß der Anlage des weiblichen Geschlechts hat sie von vorn 
herein die Richtung auf das Ganze des Lebens zu nehmen, ihre 
Bestimmung ist es, den lebendigen, totalen Menschen 
in die von uns ersehnte Kultur hineinzutragen. Macht sich die 
zukünftige Frauenbewegung solche Ziele dienstbar, so dürfen wir 
hoffen, daß diese Kultur die endliche Vermählung des männlichen 
und des weiblichen Prinzips bringe. Eine wichtige Etappe auf 
dem Wegs zu ihr hin wird nach der Ueberzeugung des Redners 
die im Interesse geeigneten Nachwuchses zu schaffende Frauen- 
hochschule sein, die als UeLerbau über den verschiedenen 
Formen der Frauenschule und der ihnen an gegliederten sozialen 
und pädagogischen Anstalten sich erheben mag.
        <pb n="56" />
        Dieselbe geistige Einstellung, der man die Weckung jenes Ge-, 
spenstes und den ganzen an ferne Erscheinung anknüpfenden 
Geschichtstratsch dankt, Zeugt auch die aufgeregten Schwärme 
reien der unentwegt Erneuerungssüchtigen; denn- wer sich in 
strikten Gegensatz Zu einer Position setzt, erhebt sich nicht über! 
die durch sie bestimmte Sphäre. 
Es ist recht eigentlich diese Sphäre welthistorischer Pro- 
phetie und bindungslosen Neuschöpfertums, die verlassen 
werden muß, wenn es sich je mit uns bessern soll. Die Hal 
tung, die wir in ihr einnehmen, ist scheinhaft, und unwirk 
lich alles, was wir in ihr erfahren oder begehren. 
Das gilt zunächst für die Zeichendeuter der Weltgeschichte. 
Indem sie sich vermessen, das historische Universum unbeschränkt 
zu überblicken und objektiv zu erkennen, gedenken sie nicht mehr 
ihrer Gebundenheit an eine ganz bestimmte konkrete Situation; 
der Schauplatz der Weltgeschichte öffnet sich ihnen genau in 
dem Augenblicke, in dem sie von dem Schauplatz ihres wirk 
lichen Lebens abtreten. Da man aber nur solche Dinge kern 
! haft erfaßt, zm denen man in einer wirklichen gesamtmensch- 
! lichen Beziehung steht, sind ihre welthistorischen Konstruktionen 
und Synthesen, die dieser Beziehung gerade nicht entstam 
men, in Wahrheit wesenlos. Es ist schon so unendlich schwer, 
innerhalb des Lebenskreises, den man voll erfüllt, das Rich 
tige zu treffen. Wie sollte es da gelingen, Völker, Kulturen, 
Religionen, die man lediglich von ferne und außen gewahr 
wird, bei ihrem Namen zu nennend Derartige Einsichten 
rühren nur an die Oberfläche des Geschehens, weil man, sie 
zu gewinnen, sein wirklich es Selbst im Stich lassen muß und sie 
täuschen überdies ein Wissen vor, dessen Gott allein fähig wäre. 
Kierkegaard hat das Blendwerk der weltgeschichtlichen 
Spekulationen tief durchschaut. Er bemerkt in seiner Polemik 
gegen Hegel: „...Dagegen ist die Weltgeschichte der könig 
liche Schauplatz für Gott, wo er nicht zufällig, sondern wesent- j 
lich der einzige Zuschauer ist, weil er der einzige ist, der es 
sein kann. Zu diesem Theater steht der Zugang für einen ! 
existierenden Geist nicht offen. Bildet er sich da ein, Zuschauer 
zu sein, dann vergißt er bloß, daß er ja selbst auf dem kleinen 
Theater" — auf dem „Theater" seiner eigenen ethischen Entwick 
lung nämlich — „Schauspieler sein soll, indem er es jenem 
königlichen Zuschauer und Dichter überläßt, wie dieser ihn in dem 
königlichen Drama, dem ärLiuu. ärnrnntiini verwendet." 
Scheinhaft wie das welthistorische Getue sind die mit ihm 
verbündeten Unterg angsphantasteen. Nicht als ob es ganz von 
der Hand zu weisen wäre, daß eines Tages etwa Deutschland 
oder gar das Abendland ins Dunkel versinke — jedoch die 
Frage Mch^ ihrem UntWLML AWwr sie M WMM WhWL- 
diges Geschehen meint, ist falsch gestellt und muß darum ohne 
Antwort bleiben. Sie ist eine echte Zuschauer-Frage im Sinne 
Kierkegaards, die ganz außer Acht läßt, daß wir in das wirk 
liche Leben eingestellt sind, nicht um uns von ihm abzutrennen 
und es dann „objektiv" auf seinen Untergang oder Aufgang 
hin auszuforschen, sondern um als wirkliche Menschen uns in 
ihm zu bewähren und die Aufgaben Zu bewältigen, die von 
Fall zu Fall an uns herantreten., Eine solche Frage entwirk- 
licht uns und die Welt, sie zeigt an, daß wir uns aus der Ver 
bundenheit mit dem Geschehen gelöst haben, und ist gegenstands 
los, weil eine sinnvolle Erkenntnis nur in dieser Verbunden 
heit überhaupt gewonnen werden kann. Befinden wir uns in 
ihr, wie vermöchten wir uns unbeteiligt zu übersehen, wie zu 
erklügeln, wohin der Weg uns führt? Das hieße sich an die 
Stelle des „königlichen Zuschauers und Dichters" setzen und 
sollte uns zuletzt auch nicht kümmern. Alle Gedanken, die sich 
mit dem Untergang befassen, sind darum müßig; mehr noch: 
sie sind verderblich und selber Untergangsshmptom, denn sie 
lenken von dem Hier und' Jetzt ab, das allein uns angeht. 
, Scheinhaft schließlich ist das Trachten der Erneuerungssüch 
tigen aus Ueberschwang. Nicht anders als die theoretischen Un- 
heilsverkünder entziehen auch sie sich der Situation, die ihnen 
als Ort ihres Seins und Wirkens angewiesen ist. Während 
jene sich aber gleichsam selbst ausstreichen, um sich ganz der 
Betrachtung welthistorischer UnLergangsphänE Zu widmen, 
lassen diese nur ihren eigenen urwedingten Willen gelten und 
verkennen das Schwergewicht der Wirklichkeit, in die sie ein 
geflochten sind. So gut es ist, daß sie überhaupt fordern, so 
wenig es etwas gegen ihre Forderung besagt, daß sie 
auf Unerreichbare abzielt, die Abstraktheit und Leerheit ihres 
Rufes nach Erneuerung bezeugt allzu deutlich, daß er, genau 
so wie das Wchgeschrei über den Untergang, außerhalb des Be 
reichs unseres konkreten Lebens hallt und wiederhallt. Heißt 
es aber nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, wenn 
man wider eine angeblich altersmatte Menschheit eine angeblich 
funkelnagelneue plakatiert? Twrt ein Herabstnben aus der 
Wirklichkeit, hier ihr Ueberfliegen. Wo doch viel eher not wäre, 
daß man, Unauswachbares beiseite schiebend, die Bedingtheit 
unseres Wesens und unserer Einrichtungen Augestände und in 
eins wirkliche Beziehung zu den Dingen träte, die uns als An 
griffspunkte gegeben sind. 
Gehorsam gegen die „Forderung des Tages": das 
ist, um es mit einem Worte zu sagen, die alleinige Rettung 
vor der geräuschvollen Scheinhastigkeit der Zeit. Leistet man 
ihn, so stürzen die welthistorischen Kulissen von selber ein, und 
statt dem Untergang oder der Erneuerung nachzufmgen, wird 
. WN liebU WM km K MMen UmMuden 
^2 7^,^) 
e^P SLLtvvi 
Von Dr. G. Kraeaner» "s^WMr^ 
Das Gerede vom Untergang, zu dem Spengler, jener ge 
waltige Oberbefehlshaber der Geschichte, in seinem umschrch- 
tigen Werk den Grund gelegt hat, schwirrt verheerend durchs 
Land. Und freilich: was Deutschland betrifft, scheint es von 
Tag zu Tag sich mehr zu rechtfertigen. Das Hineinträumen 
in die Zukunft ist uns längst verwehrt, gewiß ist nachgerade 
nur die Ungewißheit, und wenn leben heißt: ausgerichtet fern 
auf ein kommendes Heil, so leben wir schon seit unvordenklichen 
Zeiten nicht mehr. Da kein Band uns mit helleren Stunden 
verknüpft, sind wir erschlafft herabgeglitten, Beute der H ofs-^ 
nun gslosig kett, die ihr Werk der Zerstörung M- 
oefchästig an dem Volk vollbringt- Wie gelähmt starren wrr 
auf diesen Vorgang der Vernichtung, er verzaubert uns, reißt, 
uns bedrohlich mit sich fort. 
Begreiflich genug, daß in solcher Lage Nntergangsgeruchte 
Lppig ins Kraut schießen. Sie festigen sich aber um so mehr, 
als sie sich auf die Erkenntnis des gesamten Geschichtsablaufs 
zu stützen behaupten. Ja, es ist keine Frage: wir sind zu 
historischen Alleswissern geworden und betrachten die Ge 
schichte nur noch aus der Vogelschau. Nicht zufrieden damit, 
die Entwicklung, in der wir stehen, mit sorgenden Gedanken 
zu begleiten, lösen wir uns gleichsam aus ihr heraus, ver 
gegenständlichen sie und erforschen — ganz unpersönlich, ver 
steht sich —ihre Bahn und ihren Sinn. Und einmal in dieser 
Richtung unterwegs, dehnen wir die räumlichen und zeitlichen 
Blickfelder gleich ins Unabsehbare aus und tummeln uns 
munter in lauter welthistorischen Perspektiven. Kein Gebiet 
ist zu abgelegen, kein Glaubensbekenntnis zu fremd: wir er 
schauen es, nisten uns in ihm ein und versehen es mit einer 
eigenen Kennmarke. Wir mischen Brlddhismus, Konfuzianis- 
mms und MoharmnedanismuA, wie man Karten mischt, spielen 
Fangball mit Indien, China, Japan, verfügen über Kon 
tinente und Kulturen, daß es nur so eine Art hat, und durch 
messen die Jahrtausende mit Lichtgeschwindigkeit. Welt 
geschichte, immer nur Weltgeschichte, lautet die Losung. In 
ihren dröhnenden Gang werden die Religionen, die politischen 
Strömungen, die Richtungen des Kunst- und Geisteslebens ein 
getan, bis sie ebenfalls dröhnen, und alles Hier und Jetzt 
wird solange aufgeblasen und leergeblasen, bis es sich der 
historischen Betrachtung als würdig erweist. So setzen wir als 
Lhsaterdirektoren die Marionetten in Bewegung und verfolgen 
-SÄ Zuschauer MMierig-gM KW 
Ist das glücklich vollbracht, haben wir das uns Zugefügte 
und von uns Gewirkte in die Oede der allseitig geöffneten 
Horizonte hinausgestoßen, dann nimmt das Orakeln aus dem 
Kaffeesatz der Geschichte seinen Lauf. Eingeweideschauer und 
Astrologen ablösend, nahen sich mit wichtigen Mienen unsere 
modernen Magier und weissagen auf Grukd ihres Einblicks 
in die welthistorischen Konstellationen die Schicksale der 
Volker. Mit ausgezogenen Fernrohren stehen sie umher, er 
rechnen den Aug des Geschehens und treffen geographische, 
politische und kulturelle Dispositionen auf lange Sicht. Dem 
Abendland e geben sie im allgemeinen wenig Hoffnung 
mehr — wie könnten sie auch? Dafür verweisen sie tröstend 
etwa auf Rußland, das jetzt nach geheimnisollem Gesetz seine 
Bahn antvete, oder lassen wohl gar, wenn sie gnädig gestinunt 
sind, aus Amerika ein wenig Sonne scheinen. Die ehrfürchtig 
harrende Menge aber, die vielleicht irrtümlich meint, sie habe 
bei ihrem eigenen Untergang auch ein Wort mitzureden, wird 
durch jene prophetischen Bulletins in wahre Abgründe der 
Verzweiflung gestürzt. Und, von welthistorischem Schauer 
gepackt, fragt sie verängstigten Gemütes, ob denn das ange 
kündigte Verhängnis sich wirklich vollziehen müsse. 
Auch dort, wo diese Frage radikal verneint wird, befindet 
man sich noch in ihrem Bann. Viele möchten heute die Dreh 
orgelballade vom Untergang durch den Sirenengesang von der 
Erneuerung übertönen. Von jenen zur Erneuerung wahr 
haft Berufenen, die nicht zum wenigsten deshalb berufen sind, 
weil sie das historisch Gewordene und Seiende stets mit in 
^Rechnung setzen, unterscheiden sie sich darin, daß sie eine Eigen 
macht des Gegebenen überhaupt nicht anerkennen, sondern 
ihrem subjektiven Willen allein geschichisblldende Kraft 
beimessen. Und sie spannen diesen Willen nach dem noch 
nie Dagewesenen hin, wähnen, daß die Welt, frei von Hast 
und Klammer, mit ihnen ganz von vorne beginne. In allen 
Tonarten fordem sie den neuen Menschen, die neue Gemein 
schaft, die neue Kunst, die neue Religion — das Vorhandene 
schert sie einen Pfifferling, es ist nur vorhanden, um aus 
gelöscht und erneuert zu werden. Halten die Andern Leichen- 
schmäuse zum Gedächtnis des Abendlandes, so begehen sie 
Freudenfeste in der Erwartung seiner Neugeburt. Aber diese 
Auferstehungsorgien, diese hemmungslosen Predigten von der 
Neuwerdung um jeden Preis erinnern verdächtig an gewisse 
tumultöse Veranstaltungen primitiver Völkerstämme, die der 
Verscheuchung böser Geister dienen. Der inbrünstige Schrei 
nach der neuen Menschheit ist am Ende doch zumeist ein ver- 
gebüchsr Fluchtversuch aus MschichÄicher Bedingtheit heraus, 
und mit all dem Klappern beweist man lediglich das 
' eure, daß Wyr das UnterLanMespenst noch umschleichen sieht.!
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        10^) bi -vvrg,, ,'o- 
richtig zu leben. Die Mühe eines solchen Lebens, das dem 
Nächsten verbindet und der Stunde ihr Recht gibt, ist groß 
genug, um den Blick auf die zu weiten, viel zu weit gespannten 
Horizonte zu verbieten, seine überzeitliche Bestimmung aus 
geprägt genug, um die Hoffnungslosigkeit, unter deren Einfluß 
man heute in Deutschland die Wirklichkeit verflüchtigt und 
zerschwatzt, zwar nicht zu tilgen, doch zu begrenzen. Wie es zu 
führen sei, davon reden und schweigen die Worte in Goethes 
„Vermächtnis altperfischen Glaubens": 
„Und nun sei ein heiliges Vermächtnis 
Brüderlichem Wollen und Gedächtnis: 
Schwerer Dienste tägliche Bewahrung, 
Sonst bedarf G keiner Offenbarung," 
) ) vro e 
-r s-'SSÄPfung".! Unter diesem Titel bringt der Berliner 
Furche-Verlag ein vollendet ausgestattetes Sammelwerk heraus, 
das der religiösen Ausdruckskunst der verschiedensten 
&amp;gt; Volker und Zeiten gewidmet ist. Der -vorangeschickte programma ¬ 
tische Aufsatz des Herausgebers Oskar Beyer lenkt nach einigen 
prinzipiellen Aussagen über den vlÄeröUerten Zusammenhang von 
Religion und KulMr den Blick auf das religiöse Schaffen dar noch 
in d-r Vereinzelung stehenden Künstler unserer Zeit. Das von ihm 
angeschlagsns Thema führen Btzitrags über Steinhaufen, Carl 
Mensc, Otto Langes religiöse CLaMk und Rudolf Mach näher 
aus. Von der Betrachtung dieser zeitgenössischen Künstler, die er- &amp;gt; 
gänzt wird durch eins WürdiWNg des Kultbaugedankens in der 
neuen Architektur, leiten andere Darstellungen zurück auf van 
Gogh, Grünwald, BottieM, Kunst und Religion- im neunzehnten 
Jahrhundert, die LandschaftS-malerei der Romantik und mittelalter 
liche deutsche Plastik- Auch- die Kunst des Ostens ist einbezogen: 
Japanisch-buddhistische Plastik, der Tempel Boro Budur, die 
Malerei von Nowgorod und die Eingebungen chinesischer Land- 
schastsmalevei werden in kleinen Monographien liebevoll erörtert. 
Für die GAs der Aufsätze bieten schon die Namen her Verfasser 
Gewähr; erwähnt feien etwa G. F. Hartlaub, Meter- 
Graefe, Fechter, Frich Lühbecke, E. A. Brinckmänn, 
Wa-etzold, Otto Fischer, Karl With Ms Mindere, das 
sich hie und da doch eingMichen hat, wird WerreiW auf«, 
wogen durch die mehr Äs sechzig AMlduGen, die MeistÄwerke 
der R-produktiimStechmr M. Der Verlag beabsichtigt, d»ser 
ersten Veröffentlichung bald eine Keichtzsartete zweite folgen zu 
lassen. - Kr. 
Stadtv. Hipp er (Zentr.) kam nochmals auf seine bereits 
beantwortete Anfrage, das lange Leer stehen der Wohnun 
gen betreffend, zurück und übte, hieran anknüpfend, Kritik an dem 
zu langsamen Geschäftsgang des 
Wohnungsamtes, 
das mit dem eisernen Besen ausgekehrt werden müsse. Stadtrat 
Zielowski erklärte in seiner Erwiderung, daß Herr Hipper 
es verabsäumt habe, ihm das Tatsachenmaterial zu unterbreiten. 
Er sei darum nicht in der Lage, auf Einzelheiten einzugehen. Durch 
die neuen Gesetze werde übrigens ein gewisser Abbau der 
Zwangswirtschaft erreicht. Den Schwarzmietfällen lasse 
sich nur schwer beikommen, auf keinen Fall aber ziehe das Woh 
nungsamt sie groß. Nicht die schlechte Organisation des Woh 
nungsamtes, sondern der Manael an verfügbaren Wohnungen 
Siadioerorvuelen-versammlullg. 
Sitzung vom 9. Oktober. 
Au Beginn der Sitzung gelangten Lei schlechtbesuchtem Haus 
und Lichtb-esetzten Tribünen verschiedene Magistratsvorlagen zu 
dsbatteloser Erledigung. Zu einer kleinen Diskussion^ führte der 
unbegreiflich bürokratische Beschluß des Magistrats, die für gärt 
nerische Arbeiten in der Wegscheide angeforderten 600 000 Mk. (!) 
zu verweigern- Der Fall erledigte sich dadurch, daß die Presse 
vertreter den Betrag zur Verfügung stellten. Zu der Vorlage 
über KurLoffelbeschaffuna für Beamte, Angestellte 
und Arbeiter beantragte Stadtv. Frl. Dr- Schultz (Dem-), 
daß sie an den Magistrat zwecks Erhöhung der durch die Geldent 
wertung überholten Vorschüsse zurückverwiesen werde- Stadtv. Frl. 
Bittorf (Soz.) forderte außerdem eine großzügigere Regelung 
der Kartoffelbeschaffung. Stadtv. Nelles (Zentr.) befürwortete 
im Anschluß an die Ausführungen des Stadtv. Lang (Komm.), 
der ebenfalls einen weitgehenden Antrag stellte, sofortige Erhöhung 
der Zuschüsse entsprechend der heutigen Preislage. Sein Antrag 
kam zur Annahme; der Antrag Lang wurde dem Magistrat zur 
schleunigen Prüfung üLerwiesen. 
Die neuesten Erhöhungen der Straßenbahntarife 
wurden nachträglich genehmigt. Stadtv. LanH (Komm.) forderte 
hierbei, daß die Beschlußfassung über die Tariferhöhungen erneut 
in das Plenum zurückv erlegt werde. Sein Antrag fand Ableh 
nung, was die Tribünen mit lebhaften Pfm-Nufen zur Kenntnis 
nahmen. 
Eine Eingabe des G. d. A. bezüglich Abänderung der Verord 
nung über Schornsteinfeger « Gebühren ging an den 
sozialpolitischen Ausschuß- 
Einem Antrag des Schulausschusses. der sich für die Erhaltung 
des sozialen Frauenseminars ausspricht und seine Ueber 
nahme durch die Provinz fordert, wurde zugesümmt. 
Annahme fand auch ein weiterer Ausschuß-Antvag, der sich 
dafür erklärt, daß der Landeshauptmann Mittel und Wege finde, 
um die Taubstummen - Anstalt zu erhalten, die von der 
Stadt nicht mehr finanziert werden kann. 
Stadtrat Dr.Schlotter betonte, daß er die Entwicklung der, 
Dinge mit großer Sorge betrachte. Es gebe jetzt in Frankfurt 
50 bis 60 000 Kurzarbeiter und eine Reihe weiterer Betriebsein 
schränkungen stehen bevor. Einem Abbau der Demobilmachungs- 
vorschriften werde sich das Arbeitsamt strikte widersetzen. Der guten 
Zusammenarbeit aller verantwortlichen Stellen in Frankfurt sei es 
bisher gelungen, die Arbeitslosigkeit zu bannen; auch in Zukunft 
werde das Mögliche getan werden. Hierzu sei allerdings Ver 
trauen- erforderlich und die Hetze unverantwortlicher Organe könne 
nur störend wirken. Der Antrag Lang ging an den wirtschasts- 
politischen Ausschuß. 
Ern Antrag des sozialpolitischen Ausschusses, der fordert, daß 
den Erwerbslosen nur der während der Bezugszeit gültige 
Gaspreis angerechnet werde, fand einstimmige Annahme. Ein 
weiterer Ausschuß-Antrag, der freie Beförderung der Notstands 
arbeiten durch die Hafenbahn bezw. Ermäßigung der Fahrpreise 
fordert, wurde ebenfalls angenommen. 
Stadtv. M'üblig (Soz.) stellte folgenden Antrag: „Die 
Stadtverordneten-Versammlung ersucht den Magistrat, die Aus 
führung seines Beschlusses Nr. 1712 vom 4. Oktober 1923, betr. 
oas Sachsenhäuser Luftbad einstweilen auszusetzen und 
der Stadverordneten-Verfammlund erneut Gelegenheit zu geben, 
zu dieser Sache stch zu äußern." 
Stadtrat Bernecker erklärte, daß der Magistrat alles ver 
suchen werde, um einen Ersatz für das Licht- und Luftbad in 
Sachsenhausen, vielleicht im Anschluß an das Stadion, zu schaffen. 
Der Antrag Mühlig wurde angenommen. 
Gaspreis. 
Stadtv. MerLen (Zentr.) stellte die dringliche Anfrage: ,Zst 
der Magistrat bereit, darüber Auskunft zu erteilen, 1. ob er dem 
StadtverordneLen-Beschluß vom 6. März 1923, § 178, durch wel 
chen der Magistrat evsucht wird, durch seine Vertretung im 
Aufsichtsrat der Gasgesellschaft zu veranlassen, daß das städtische 
Revisions-AmL die Kalkulation und die Gewinnanlage der Gas 
gesellschaft nachprüft und der Stadtv.-Versammlung hierüber bal 
digst Bericht erstattet, Rechnung getragen hat und evtl. welche Er 
gebnisse die Nachprüfungen gehabt haben; 2. aus welchen Gründen 
die bisher der Frankfurter Gasgesellschaft für die Festsetzung des 
Gaspreffes zugebilliate Kohlenriäusel von 0.4 neuerdings auf 
0.55 erhöht worden ist. Außerdem stellte er folgende Anträge: 
I. „Die Stadtverordneten-Versammlung wolle beschließen: 
Der Magistrat wird ersucht, die Verordnung vom 5. Ok 
tober wonach der Gaspreis rückwirkend auf 26 000 000 
Mark festgesetzt wurde, unverzüglich zurückzunehmen." 
II. Die Stadtverordneten-Versammlung wolle angesichts 
der außerordentlich starken Steigerungen des Gas 
preises, die für weite Bevölkerungsschichten der Frank 
furter Einwohnerschaft nicht mehr tragbar stnd, 
beschließen, den Magistrat zu ersuchen, 
I. künftigen Gaspreiserhöhungen der Frankfurter GaZ- 
gesellschaft erst zuzustimmen, wenn der HauPLaus- 
trage nach Wie vor die Schuld an den herrschenden Zuständen. 
Stadtv. Kirsch (Komm.) forderte schärfere Beschlagnahmung der 
Wohnungen und endliche Abhilfe gegen die Wohnungsmisere 
(Bravo von den Tribünen). Stadtv. Sieling (Soz.) ersuchte 
den Magistrat, für Einrichtung leerstehender Räume in Heddern- 
heim zu Wohnzwecken zu sorgen. Stadtv. Kreß (Zentr.) sprach 
Änliche Wünsche unter Hinweis auf einige bestimmte Fälle aus 
Stadtrat Zielowski verwahrte sich gegen die Behauptung, daß 
nur für die reichen Leute Wohnungen besorgt werden. Im West- 
end seien mehr als dreihundert Ruhrffüchtlingsfamilien unterge 
bracht worden» Eine Prüfung der in der Diskussion erwähnten 
Fälle wierde natürlich erfolgen. -»k 
Die Lebensmittelversorgung. 
Stadtv. Kreß (Zentr.) begründete eingehend einen Antrag, 
der den Magistrat auffordert. Lei der Reichsregierung wegen der 
Aufhebung der von Bayern, Hessen usw. erlassenen Ausfuhrver 
bote vorstellig zu werden. Ein weiterer von Stadtv. Lang 
(Komm.) eingebrachter Antrag dringt u. a- damuf, daß die Kom 
mune die Fleisch- und Fettversorgung selber in die Hand nehme, 
und tritt überhaupt für durchgreifende Beschlagnahmung der wich 
tigsten Lebensrnittel ein. Die Annahme eines Antrags der Er 
werbslosen, ebenfalls mit den Zuschüssen für Kartoffelversorgung 
bedacht Zu werden, wird von ihm empfohlen- Stadtv. Frau Fürth 
(Soz.) betonte, daß die Ausführungen des Vorredners jeden 
brauchbaren Vorschlag vermissen ließen- Seine Forderungen seien 
nur für die Galerie bestimmt gewesen. — Die vorliegenden An 
träge gingen an die Notstandskommission. In einer Richtigstel 
lung wandle sich noch Stadtv. Kirchner (Soz.) gegen die Be 
hauptung des Stadtv. Lang, daß die sozialdemokratische Reichs 
tagsfraktion der Aufhebung der Brotversorgung zugestimmt habe. 
Stadtv. Lang (Komm.) versuchte» seine Behauptung zu recht 
fertigen- 
Ein weiterer Antrag des Stadtv. Lang fordert die Ergrei 
fung von Wiaßnahmen zur Verhinderung von Betriebs 
einschränkungen und -stille gung en. Stadtv. Tho 
mas (Soz.) kennzeichnete die Leichtfertigkeit der Behauptungen 
des Stadtv. Lang und betonte, dessen Vorwürfe entkräftend, daß 
die SozialdemokraLie stets für die Erfassung der Sachwerte ge- 
kämpft habe. Seine weiteren Darlegungen galten dem Nachweis, 
daß uns nur mit einem Preisabbau und einer exakten Kal 
kulation zu helfen sei. Nadtv. Korff (Dem.) erklärte, daß in 
Frankfurt 130 Handwerker vom Arbeitsamt unterstützt werden, 
und über zweihundert Handwerker ihren Betrieb 
eingestellt haben- Die Großindustrie versuche sich allerdings Leute 
durch Betriebsstillegung der Steuerschraube zu entziehen. Es sei 
zu fordern, daß der MMtraL, vereint mit dem Demobilmachungs- 
kormnissar, diesen Dingen auf den Grund gehe. Die Berechtigung 
der Kurzarbeit sei zu prüfen, auch müsse verlang« werden, daß die 
Leistungskräftigen ihren bedrängten Volksgenossen durch die Zeiten 
der Not helfen» Mit großer Schärfe wandte sich der Redner so 
dann gegen die Verhetzungen des Stadtv. Lang, die nur dazu on- 
getan seien, Zwietracht in die Bevölkerung zu säen. Statt natio- 
rialistischer mch kommunistischer Propaganda zu huldigen, komme 
es darauf an, zusammenzustehen, sonst könne man der Schwierig 
keiten nicht Herr werden.
        <pb n="58" />
        schuß der StQöLV.-Versammlung hierüber gehört 
worden ist; 
Z. den Gaspreis für das städtische Gaswerk Heddern- 
heim künftig nur im Einvernehmen mit dem HaupL 
ausschuß der Stadtverordneten-Versammlung fest 
zusetzen; 
Z. für Gasmesser der Hausflur- und VorplatzLeleuch- 
tung, soweit diese Gasmesser s. Z. eingerichtet wor 
den sind, ohne daß für sie besondere Miete berechnet 
wurde, auch ferner von der Miete frei zu stellen." 
Den Anträgen der sozialdemokratischen Fraktion stimmte er zu. 
Stadtv. Ullrich (Soz.) begründete diese Anträge, die den 
folgenden Wortlaut haben: 
„Die Stadtverordneten-Versammlung ersucht den Magistrat, 
bei der Frankfurter Gasgesellschaft darauf hinzuwirken, daß 
1. die Ablesung des Gasverbrauchs und die Einziehung 
des Geldes in kurzer Zeit und regelmäßig erfolgt (Ab 
lesung immer an demselben Wochentage, Rechnungsertei 
lung eine Woche nach der Ablesung); 
A. der Gaspreis nur einmal wöchentlich festgesetzt 
wird, und zwar etwa in der Mitte der Woche, damit den 
Wochenlohn-Empfängern der neue Gaspreis beim Lohn 
empfang bekannt ist; 
8. das Gutscheinsystem ausgebaut wird, so daß den 
Verbrauchern ausreichende Gelegenheit gegeben ist, ihren 
Gasverbrauch in wöchentlichen Teilzahlungen zu begleichen; 
4. eine gemeinverständliche Darstellung der Gasabgabe- 
und oer Zahlungsbedingungen und -Möglich 
keiten jedem Verbraucher Zugänglich gemacht wird (durch 
Zeitungsnotiz, Anschlagssäulen, Merkblätter); 
Z. Härten, namentlich wenn sie in organisatorischen Un- 
Vollkommenheiten ihren Grund haben, ausgeglichen 
werden, wobei insbesondere die bei der laufenden Ein 
ziehung durch verspätete Ablesung oder verspätete Aus 
stellung der Gasrechnung geschädigten Verbraucher durch 
die Festsetzung eines Mittelpreises berücksichtigt 
werden/" 
Der Redner forderte auch eine Aenderung der Regelung bei 
Licht und Kraft. Ein Antrag Lang (Komm.), der ebenfalls Vor 
tag, lautete wie folgt: „In Anbetracht der eminenten Bedeutung 
der Gasversorgung möge der Magistrat die restlose Kom- 
munalisierung der gesamten Gasbetriebe sofort durch 
führen. Bis diese Uebernahme bewerkstelligt ist, sind alle Preis 
festsetzungen, Verordnungen und Bekanntmachungen der Gas 
gesellschaft zur Genehmigung der Stadtverordneten-Versamm- 
lung zu unterbreiten. Die Gasgesellschaft darf unter keinen 
Umständen den Gasbezug sperren, wenn der im Zahlungsverzug 
Befindliche nachweist, daß er während der Wleseperiode erwerbs 
los war oder Kurzarbeit verrichten mußte. Men Erwerbslosen, 
Sozialrentnern Kriegsbeschädigten und Kurzarbeitern wird, so 
weit sie nicht ganz den Gaspreis durch Verfügung des Wohl- 
fahrts-Amtes ertasten bekommen, der Gaspreis berechnet, der in 
der Ableschencdr am niedrigsten ist." 
Stadtrat S ch u l z bat um Ginjetzung eines Au § schusses, 
der dis Angelegenheit prüfen solle. Der Magistrat denke 
gar nicht daran, alle Forderungen der Gasge- 
fsllschaft zu genehmigen, wie Stadtv. Merten behauptet 
Habs. Härten, dis vorgekommen seien, habe die Gesellschaft Zu 
mildern gesucht. Ihre Organisation sei freilich noch nicht ein 
wandfrei, sie werde aber ausgebaut WZrden. Bei dem ElekriZiLäts- 
Werk sollen in Zukunft auch die Preist wöchentlich festgesetzt 
werden. In der nächsten Zeit müsse man leider mit emem 
weiteren Steigen der Preise rechnen. Direktor Schellenberg 
sicherte die Annahme der meisten Anträge zu. Gleich bei der 
Ablesung werde das Inkasso ewgeführt. Ebenso solle das Gut- 
scheinshstem erheblich verbessert und mehr Zahlstellen eingerich 
tet werden. Es seien Verfehlungen vorgekommen, die unum 
wunden zugegeben werden müssen. Wöchentliche Ablesung bei 
einer Konsumentenzahl von 190 000 sei nicht durchführbar, statt- 
dessen möge sich jeder iw der Woche soviel Gutscheine erwerben, 
wie er braucht. 
Nach einer längeren AuMrache, in der die Redner der 
Fraktionen nochmals Stellung zur Preispolitik der Gasgesell 
Ichast nahmen, gingen sämtliche Anträge an den wirtschafts- 
politischen Ausschuß. 
! — „Freifahrkarte nach JenrsaÄm." Man schreibt uns: In 
-dreien Briefkasten, die eins jüdisch klingende NanrenSauMnft tra 
gen fanden sich in den letzten Tagen blaue EisenbahnbilleiZ, deren 
Besitz laut Aufdruck eine Freifahrt nach Jerusalem garantiert Nur 
aus dem glühenden Wunsch der unbekannten Spender, alle jüdischen 
Mitbürger los zu werden, läßt sich ihre geradezu erschütternde 
Freigebigkeit erklären Aber ist es nicht generös gedacht 
von jenen wahren Patrioten, in einer Zeit, in der, unbeschadet dez 
dreien Papiergelds, Papier und Geld so knapp sind, daß wertvolle 
Geisteswierke nicht gedruckt werden können, Stöße von Fahr ¬ 
karten" kostenlos herzustellen und zu liefern? Und da sage man 
noch, daß es in Deutschland an Opfermut fehle! 
Mkgeld und Kleingeld. 
— Die mit der Geldentwertung wachsende Kompliziertheit und 
Mannigfaltigkeit unserer Zahlungsmittel macht sich im täglichen 
Leben immer störender fühlbar. Was zunächst das Notgeld betrifft, 
so mag jeder sich glücklich schätzen, der es nicht mehr besitzt. Sonst 
kann es ihm leicht ergehen wie einem Mitbürger, der, wie er uns 
mittestt, jüngst eine wahre Leidensgeschichte mit Zehnmillionen- 
fcheinen der Reichsbahn direktion Cassel erlebte. Da 
die Annahme solcher Scheine in hiesigen Geschäften verweigert 
wurde, versuchte er sein Glück im Hauptbahnhof, in der Erwar 
tung, daß die Direktion Frankfurt das Geld der Direktion Cassel 
ohne Anstand umwechsele. Die Kasse der Reichsbahndirektion, 
an die er sich zuerst wandte, schickte ihn an einen Fahrkarten 
schalter, wo ihm erklärt wurde, daß man zwar solche Scheine 
„in Zahlung" nehme, aber den ganzen Betrag, der sich auf S5ü 
Millionen beließ nicht Umtauschen wolle. Man wies den irren 
den Ritter an die Wechselstube, die ihm zumutete, sich an den Aus 
gabeort der Scheine zu begeben. Wäre er dem freundlichen Rat 
gefolgt, so hätte er eine Hin- und Rückfahrt nach Cassel Kran 
wagen müssen, um das Papierbündel los zu werden — und noch 
etliche Scheine dazu. Dis Geschichte ist ein besonders krasses Bei 
spiel dafür, daß das Notgeld nicht nur aus der Not stammt, 
sondern auch Not zeugt. Man sollte es sobald als möglich ganz 
aus dem Verkehr zurückziehen. Denn abgesehen von den empfind 
lichen Unbequemlichkeiten, die es mit sich bringt, symbolisiert es 
auch die Zerrüttung unseres Staatswesens in allzu eindring 
licher Weise. 
Daß in einer Zeit, in der die Million den Bruchteil eines 
Pfennigs gilt, Tausendmarkscheine oder gar noch geringere Be-, 
träge nur unter dem Mikroskop wahrnehmbar find und einen rein, 
theoretischen Wert, oder besser: Unwert haben, scheint längst nicht 
überall gebührend gewürdigt zu werden. Der bei uns herrschende 
Sinn für Genauigkeit kennt offenbar auch nach unten hin keine 
Grenzen und der Respekt vor gewaltigen Zahlen ist so gewaltig, 
daß man darüber ganz vergißt, wie scheinhaft ihre Gewalt ist. 
Wäre dem anders, wie könnten größere Firmen noch immer die 
Gehälter ihrer Angestellten bis auf dre Tausender und 
Hunderter mit einer Peinlichkeit errechnen, me in gar keinem 
sinnvollen Verhältnis zu dem durch sie erzielten Ergebnis steht? 
Statt die Summen nach oben oder unten abzurunden, scheut man 
weder Arbeitskraft noch Mühe, um auch den letzten Stellenwert 
sorgfältig auszumitteln und zahlt dann Beträge aus, die sich' 
nirgends mehr sehen lasten können. Die Liebe fürs Kleine in 
Ehren — aber dieser Triumph der Mathematik ist denn doch zu 
teuer erkauft. Man wird sich auch in der Buchführung daran ge 
wöhnen müssen, vor Nullen weniger Ehrfurcht zu hegen als bisher, 
da man sonst wie überall auf den Hund kommt und aus 
Sparsamkeit zum Vergeuder wird. Zur Ge 
winnung deS richtigen Größenmaßstabs empfiehlt es sich vielleicht, 
das so erziehliche wie ökonomische Sprichwort: „Wer den 
Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert" entweder in Gold 
umzurechnen oder mit der jeweiligen Indexzahl zu multiplizieren. 
Lr. 
«412.) , l'r.OU»-. ^75^) 
I bar Verlaq 8trsekar und Zakröäor in Ltuttgart legt 
nugensta strei dleuausgahkn pstiloeoplrisosier VVerlie in 
hÄnäliosten öänticpen vor: von 8 o st l e i e r rn a ö st s r 
stio 8ostrikten „N onoIog e" (125 8.) unä in verstürrtsr 
kestM „Vobv&amp;gt;- äse k s I i g i o n" .&amp;lt;175 8.), steiäs 
sterausgsgssten unä singsleitst von ?rök. August besser, 
unä keokners 8ekrikt „Ilestsr äas stöoststs 
6 u t", äio I)r. ^Vüsteim Diäte mit Drlüuterunqen ver 
sehen stM (XI, 171 8 ). In 6er gleichen pstilosopsti- 
soston Reiste stes rührigen Vsrlsqs ist anest eins, lslono- 
ximpkis „Doch n e r" von Dr. IIeinriest ck ö I p st 
erschienen, ckie eine gute Darstellung cker iVelt- 
snsolmuung ckes Denkers nist kritischer VVüräieuna ver ¬ 
s stuniei I I,17 8.j. , 
Das interessante Duck Martin Damms über 
8 w e &amp;lt;1 e n l&amp;gt; o r g I Dpsg., D. kleiner, übertragen von 
Ilse Ne^sr-Düne, VIII, 37g 8.) gibt auk 6runä von 
ejnellenstuckien eine zestr ustterr iolstencke Darstellung cker 
LnDvioklun.-? Lvveäenboigs rum Llystiker unck Oesstsr- 
ssster. Damm weisst ckie Vsrstinckungskäcken auk, ckie von 
chen krähen »atnrpstijosoplüsobsa Arbeiten su cken spä 
t deren theologischen KVerken küstren, in (testen cker Visio 
när rum Durchbruch gelangt, scstilcker-t einxekenck ckes- 
"ssn auk ckM Linkst, k kabbalistischer Sckrikten bs- 
rustsncke mLstiSeste Lsbelckeutung unck verweilt,anek aus- 
mdvlspst bei ckest 6e«M süs ckenen LwycksnborZ «eins 
verusuns .aPskW^. Sesonckers kßssslnä ist ckie--Dar- 
ayr von äei' Eron Urfetztz 
unck ck^m lenstzLiL; äzu 6k LUZ mrt Ooistern 
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Visionen unck ckie j^eLäinte WAunK trift au8 ckem Luek 
ckeuftiek vervor.
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        Einklang mit den Grundsätzen, nach denen er di^ „Schule der 
Weisheit" leitet —, daß der deutsche Mensch durch zielbewußte 
Ausbildung seiner Fähigkeit des Verstehens und EinveihenZ aller 
geistiger Erscheinungen in noch ungeahnte Abgründe des „Sinnes" 
hinabzusteigen habe, um derart, wie er sagt, nach dem Vorgang 
des Christentums vor zweitausend Jahren dem Geiste gleichsam 
eine neue „TiefeMmension" Zu eröffnen. Eine so gerichtete innere 
Umwandlung, der unsere gegenwärtige Abgeschlossenheit sogar zum 
Segen werden mag, ist ihm Bedingung für die Vormachfftellung 
Deutschlands in der künftigen ökumenischen Kultur. 
Die Botschaft klingt gut und freundlich und wer ließe sich 
heute nicht gerne trösten? Indessen, so scheint es, ist auch 
bei Keyserling der fromme Wunsch alleiniger Bildner seiner 
Ideale. MenschheitsÖkumene! Verwechselt man politische Zu ¬ 
sammenschlüsse und abflachende zivilisatorische Ungleichungen 
der Völker nicht mit ihr, so wird man vergeblich auch nur den 
Ansatz zu rhr suchen. Vorerst weist viel eher alles darauf hin, 
daß Kulturen und Nationen ihre Selbständigkeit genau wie 
früher zu behaupten streben, und nicht einmal Faszismus und 
Bolschewismus/ die Keyserling, wie sämtliche Welterscheinun 
gen, auf einen Generalnenner bringen möchte, begegnen, ein 
ander so ohne weiteres. Gesetzt aber selbst, ein ökumenisches 
Reich fei der Menschheit verheißen, so wird es. sich gewiß nicht 
als ein- neue, nur weiter gespannte Kultureinheit darstellen, 
! die die alten, überwundenen Kulturen einfach ablöst, und über 
haupt nicht in der Richtung liegen, in der Keyserling es M 
sichten glaubt; nein, es wird ein Reich sein, das an ganz 
andere Bedingungen als an das Vergehen und Entstehen von 
AlemauML-LZchLspiele. Der Film dieser SpielwMe: 
„Fraulein Raffke" entspricht nur zum Teil seinem Titel, 
da Raffke-Züge lediglich sporadisch auftreten. Es handelt sich um 
ein Parvenu-Ehepaar, dessen Tochter, ein von LeePerry ge 
spieltes amerwan sich nicht, wie der Papa will, in den vom 
väterlichen Reichtum .angelockten Baron v. Geldern, sondern in 
einen armen Schlucker von Angestellten verliebt. Das junge 
Paar wird verstoßen und der Ehemann ist so unwahr 
scheinlich gesinnungstüchtig, daß er trotz Not und Armut 
den freundlich sich ihm nahenden Raffke zurückstößt und 
seinen Milliarden die Annahme verweigert. Eine tränenreiche 
Zeit folgt, in der auch Raffkes Enkelkind eine sehr rührende 
Rolle spielt, und man erkennt wieder einmal, daß Geld allein nicht 
glücklich macht. Der Ausgang ist durchaus im Sinne der Courths- 
Mahler. Man erlebt die moralische Genugtuung, daß der nach 
gerade gemeingefährliche Baron von der Bildfläche verschwindet 
und stellt befriedigt eine Wiederanbahnung der Beziehungen 
zwischen Raffkes und ihren Kindern fest, die Fröhliches für die 
Zukunft verheißt. — Immerhin, auch der Typus Raffke kommt 
zu seinem Recht, freilich nicht der Typus des Schiebers, der unbe 
denklich seine Netze auswirft und nichts anderes kennt, als 
unmetaphysische Spekulationen, sondern der über Nacht reichge- 
gewordene Mann aus dem Volk mit gesunden Säften, ein 
Kerl, der lebt und leben läßt und von seinem Reichtum 
auf eine entzückend barbarische Weise Gebrauch macht. 
Werner Kraus verleiht ihm die Züge eines Menschen. 
Schlechthin liebenswert ist die Art, in der sein Raffke von einem 
Schloß mit Ahnengalerie nicht ganz ohne Respekt Besitz ergreift, 
und dort Feste solchen Ungeschmacks gibt, daß die Ahnfrau bei 
ihrem Anblick, wie mit Recht bemerkt wird, Wohl im Grab rotieren 
würde. Dieser große Schauspieler verwirklicht sogar das Un 
glaubhafte: er entwächst für wenige Augenblicke der Sphäre des 
Nur-Komischen und breitet über Raffke, wenn er etwa in seinem 
Schlosse an verödeter Festtafel sitzt oder betrunken im Palais äe 
clawe seinem Schwiegersöhne einen Auftritt macht, einen Schimmer 
von Tragik aus. Ihm zur Seite steht Frau Raffke, deren Be 
nehmen alle jene unfreiwilligen Raffkewitze rechtfertigt, die ihr 
nachgesagt werden. Zum Ruhme des Films, der auch dort zu 
lachen gibt, wo man vielleicht nicht nur lachen sollte, sei noch die 
vorzügliche technische Aufmachung hervorgehoben. — Außer den 
Raffkes produziert sich in einem Einakter der amerikanische 
-Komiker Lloyd, ein wahrer Geschwindigkeitsteufel, der ohne 
viel. Gemüt in jeder Situation heillose Verwirrung anrichtet. rae. 
--- Mhronik der KüAste.Z Frankfurt: Der Frankfurts 
Kunstverein bringt eine große, sorgsam durchgebikdete Lithographie 
von der „Friedberger Warte* heraus, die erneut oaS reife 
und so liebenswerte Künstlertum Fried Sterns bezeugt. Nie 
derem Gehöft entsteigt der jedem Frankfurter vertraute massige 
Turm, der mit der Landschaft zu einer festgefügten Komposition 
verwächst- Reine Naturinnrgkeit beseelt das heimatlich anmutende 
Vkrtt, das gewiß zu den schönsten Gaben des Kunstvereins gehört. 
l I 0) kTe , iF - O t». 
" „Freifahrkarte «ach Jerusalem". Au unserer Notiz im 
„Stadt-Blatt* vom 11. Oktober haben wir aus unserem Leserkreis 
verschiedene Zuschriften erhalten, di« beweisen, welche Ausmaße 
der von uns gerügt» Unfug angenommen hat. Ein jüdischer Herr 
teilt uns mit, daß feinem Sohne, der eine hiesige höhere Lehr» 
anstatt besuche, eine Unzahl jener .Freifahrkarten* von verschie. 
denen Mitschülern auSgehändigt worden sei. Er rühmt mit Recht 
das Verhalten des Direktors, der auf seine Beschwerde hin die 
Schüler sofort energisch vorgenommen und ihnen gedroht habe sich 
in Wiederholungsfällen an ihre Mern Zu wenden. Freilich ist 
damit — auch hierin sind wir mit dem Einsender einer Minung 
— das Uebel noch nicht an der Wurzel behoben. Um dem Un 
wesen wirklich zu steuern, müßte man schon wissen, wer die Ehren- 
manner sind, die Schulkinder auf diese Wpise mißleiten, und wo 
her sie die Mittel zu wahren Massenauflagen der bewußten Karten 
beziehen. 
— ^„Durch die Wüste".^ So lautet der Titel eines be 
kannten Wenteuerbuches von Karl May. Aber um jedem 
Mißverständnis vorAub engen: das neueste Werk von Ernst 
Bloch (bei Paul Cassirer), das diesen Titel trägt, ist nicht von 
Karl May, sondern wirklich von dem Philosophen Ernst Bloch, 
der uns durch die geistige Waste unserer Zeit zu führen vor- 
nimmt. Jedoch sind die schriftstelleriM Mittel Blochs nicht 
minder abenteuerlich als die seines begabteren Kollegen. Auch 
bereichert man dabei keineswegs seine geistes-geographischen 
Kenntnisse, weil einem die literarpolemische Aufwirbelung des 
Wüstensands die Aussicht benimmt. Da einige der indivi 
duellsten Mitarbeiter der „Frankfurter Zeitung" von dem ich- 
sprechenden Herrn Bloch mit philosophischen Dattelresten und 
Kamels mist Leworfen werden, interessiert sich die Redaktion 
hauptsächlich für diese Seiten des Blochschen Wirkens, dessen 
Gefamtbesprechung wir uns nach solcher Einsicht gerne ersparen. 
Es handelt sich um emen polemischen Wut-anfall gegen ^Wul 
Bekke r, der Blochs „Geist der Utopie" auf seine musikalischen 
Erkenntnisse hin besprochen hat, und gegen Dr. Siegfried Kra- 
cauer, der seinerzeit den pseudo-prophetischen Geist des 
„Thomas Münzer"-Buches sum Gegenstand einer tief argumen 
tierenden Kritik gemacht hat. Man sollte nun denken, daß ein 
Philosoph vom Selbstbewußtsein Blechs sich um Kritik der An 
dern wenig kümmerte und gelassenen S nnes seine Wüsten 
weiter pflügte. Aber was tut Mach? Nicht allein, daß er ein 
aus lobenden Erwähnungen zusammengeleimtes Waschzetteln 
Potpourri deZ eigenen Ruhmes zu singen anhebt, nein: er wür 
digt auch die von ihm ob ihrer Winzigkeit verachteten Gegner 
eines gigantischen Gezänks. Statt auf die gründlichen Aus 
führungen des Kracauerschen Aussatzes sachlich einzugehsn — 
mit jener Sachlichkeit, die Lessing auch einem Herrn Klotz gegen 
über wahrte — verlästert der Weise den redlichen Gegner m.L 
„dummem Mittelmaß", mit „Kümmerlichkeit", mit „purer In 
suffizienz" und „niederträchtig mit Methode". Ja, Herr Mach 
alaubt es seiner philosophischen Biederkeit schuldig zu sein, sogar 
Kracauers äußere Erscheinung mit einem nicht gerade edlen 
Witz zu- kritisieren. Der verblüffendste Zug im Schachsviel 
unseres Polemikers ist aber ohne Zweifel dieser: daß Bloch 
zur Zermalmung des von ihm ungek-Men Mannes einen jour 
nalistisch-ironischen Bericht aus dem „Büberblatt der 
Frankfurter Zeitung" heranzicht, um aus der zufällig-pcriphew- 
schen Berufsarbeit ums tägliche Brot — die allerdings mit 
Philosophie allein nicht zu bestreiten ist und jedermann auch 
zu den Banalitäten des Alltags zwingt — seinen Kritiker lächer 
lich zu machen. Lächerlich wird damit aber nur Herr Bloch. 
Herr Bloch würde Wohl auch den Spmoza philosophisch wider 
legen, weil er Brillen schliff; und den Jaoob Böhme, weil eben 
die Schusterei nicht zur Philosophie gehört 
Jedenfalls haben wir nun erkannt, wie Bloch den Lesern 
seines Wüstenbuches Sand in die Augen streut, und immer 
nur von der eigenen Oase redet, die doch auch nur eine FaL« 
Morgana ist. Die armen Kamele aber, die zu dieser vorgespre- 
gelten Weiheitsquelle traben, mögen einem leid tun. 
«Die deutsche Zukunft." 
Vortrag des Grafen Keyserling. 
Gr-af Keyserling eröffnete in seinem gestrigen Frank 
furter Vortrag weltumspannende Fernblicke auf Deutschlands 
Zukunft, die viele Hörer ' - tröstlich anmuten mochten. Es geht 
nicht anders, so lehrte er, wir Müssen das, was heute geschichsi 
aus d'er Perjpektve von Jahrtausenden betrachten. Und da be 
merkt man denn — Sjxngler hat nach ihm unstreitig recht hierin 
— daß die alte AulLurstele rettungslos' dem Untergang verfallen 
ist. Symbol: der Versailler Vertrag, der das Ende des alten 
Europa letztgültig besiegelt.- Aber fvMch, jene Kulturseele g-oht 
nur unter, mn in einer höheren wieder aufz-Gehen, sie dankt ab 
HU Gunsten einer neuen ökumenischen Kultur, die einst die 
ganze Menschheit umgreifen wrrd. Keyserling will allenthalben 
schon die ersten schwachen Keime des Kommenden gewahr werben. 
Ein neuer Europäertypus sei in Bildung begriffen, der sich mit 
dem modernen JnDier etwa vortrefflich verstehe, auch der Islam 
erwache und beteilige sich an dem allgemeinen geistigen Völker- 
.gespräch — kurzum: der ökumenische Mensch reife langsam und 
sicher heran. 
Und Deutschland, das hinter den Stacheldrähten gefan 
gene Deutschland? Muß es nicht angesichts dieser welthistorischen 
Perspektiven sich sozusagen völlig verkriechen? Keyserlings Ueber 
zeugung geht im Gegenteil dahin, daß die anbrechende ökumenische 
Epoche zugleich die deutscheste Periode der Geschichte sein werde. 
Begründung: das deutsche Volk ist noch jung, und da es zudem 
die Sinnlosigkeit der «Werbenden Kultur so Lief wie kein anderes 
Volk erfahren hat, mag es dank dieser Erfahrung zur Auffindung 
eines neuen Sinnes am ehesten tauglich sein. Auch hegt Keyser 
ling die Hoffnung, daß die nahende Menschheitsökumene, die cr 
sich vorwiegend geistig und unpolitisch geartet denkt, gerade der 
deutschen Wesensanlage besonders günstige Ausdrucksmöglichkeiten 
gewähre. 
In den Schoß allerdings fällt dem deutschen Volk diese Welt 
geltung nicht, es muß sie vielmehr wollen und sich zur Führer- 
schüft selber erziehen. Wie das geschehen könne, deutet Keyserling 
leDer ctWM Mu dunkel an. Er meint ungefähr — gewiß im
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        Xr. 
llö 
-- lKkeme MLiteLlungen.^ Das vor kurzem erschienene 
vierte Heft der ausgezeichneten theologischen Zeitschrift „Zwi 
schen den Zeiten" (Chr. Kaiser, München) enthält eine 
Abhcmdüung Karl BarLhZ über Luthers Abendmahlslehve so 
wie einen Aufsatz Gogartens, der sich mit VsW- und Be- 
ksnntniZkirche kritisch auseinanderseht und auf die eigentliche 
Aufgabe der Kirche verweist. Außerdem erörtert Eduard 
Thu rnetz sen in Hm an dem Beispiel Dostojewskis, wie 
der wesentlich religiöse Mensch sich in das kulturelle Leben ein- 
zustellen habe und würdigt in einem weiteren Beitrag das 
Wirken des sechzigjährigen Hermann Kutter, 
ihnen besungen wird, gleichviel, ob den Morgen bringt oder 
als „UÄermatz der Sterne" dre Nächte erhellt. .Ds Goethes 
Verharren in Äer Gestalt deutest der Redner schließlich ihre 
MgMärMMeit, diK keinssMZ die Dinge «aliMch aSbud^l, 
sondern in den Dingen selber das- Unsagbare und Unschaubare! 
rmtbegreift, das sie symbolisch verkörpern -Lr. s 
--- ^Goethes, MLersgedichte.Z Die GeselIschaft der 
Freunde des Frankfurter Goethe-Museums 
hatte zu einem Vertrag des Frankfurter Privatdozenten Dr. K. 
Viötor geladen, der faßlich und gewählt die in den Mers- 
gedichten Goethes sich ausdrückende Grundhaltung entfaltete. 
Stellte dem jungen Goethe schon die Welt sich in ihrer Bild« 
haftigke.it dar, so eignete er sie sich erst recht im Alter, dichtend, 
sammelnd, forschend, mit dem Auge an. Und zwar ergriff er 
sie in doppelter Schau: Das äußere, sinnliche Auge nahm die 
Weltgehalte auf, das innere, geistige Auge erkannte ihre ideelle 
Ordnung. Kraft dieses Vermögens zu schauende? Erfahrung, 
die sich auf sein Vertrauen Zur Natur gründete und mit höchster 
Besonnenheit verband, stieg Goethe bis zu den „Urphänomenen" 
an, in denen ihm die Ideen gestaThaft entgegenzutreten 
schienen. Ueber das Anschauen ihrer Gestalt Hinauszugehen, 
verhinderte ihn das Bewußtsein menschlicher Bedingtheit, das 
ihn stets die richtige Mitte, auch im Denken, einnehmen hieß; 
weder verflüchtigte sich seine Reflexion je zu entfinnöichten Speku 
lationen, noch drang er als Mystiker in die Bereiche des Ge 
staltlosen vor. In den Altersgedichten (etwa aus dem „Divan") 
prägt sich, wie Dr. Vitztor recht überzeugend aufwies, diese EirAtsk- 
lung zur Welt rein aus. Sie sind ein einziges „Lob des Auges" 
und bekunden ein geradezu religiöses Verhältnis zu dem 
wundersamsten Urphänomen: dem Licht, dessen Walten in 
u. T.-Lrchtspiele. Ein Filmschauspiel: »Die grüne 
Manuela" wird vorgeführt. Das Stück nach irgend einem 
langweiligen Roman ist zu sechs Akten ausgesponnen worden. Die 
Handlung begibt sich in Südamerika, und jene Manuela, die 
Earmen-Züge trägt, führt Zwischen einem Grafen, der sie ver 
führen möchte, und einem Schmuggler, der sie heiratet, ein von 
Eifersucht undLiebe reich bewegtes Leben zu Fuß und zu Roß. Für 
die Armseligkeit der Fabel, die übrigens auch ausländischen Dar» 
stellern Gelegenheit gibt, sich vorteilhaft zu präsentieren, ent 
schädigt einigermaßen die überraschend gute filmtechnische Aufma 
chung. Man hat in diesen Dingen allmählich eine Vollkommen 
heit erreicht, die nicht mehr gut gesteigert werden kann. 
bilder von GrMtadtstraßen, ^phantastisches Gewinkel südlicher 
i Hafenstadt, fein gestufte Uebergänge aus Tagsswirklichkeit in 
j Traumszenen — das alles ist ganz gelöst und auch die Regie, die 
beschickt mir Leitmotiven arbeitet, läßt kaum noch zu wünschen 
übrig. .Schade nur, daß dieses hohe Können so selten in den 
Dienst von Stücken gestellt wird, die ebenfalls aus dem Geist des 
Films heraus geboren stnd. — Dem großen Schauspiel geht ein 
kurzer TierfiLm voran, der verschiedene wohlbekannte Tiere 
mir.der Iflege ihres eigenen Körpers beschäftigt zeigt. rae. 
„Ku'iEursoeben geknüpft ist, an Bedingungen nämlich, die 
über kulturelle Dispositionen und Möglichkeiten schlechterdings 
hrnauswersem « 
Gerr^p folgt man Keyserling darin, daß er nicht wieSpeng- 
Ler den Wandel der Kulturen als objektive Notwendigkeit be- 
grerst, sondern die welthistorischen Aspekts auf ein gewisses 
Maß emschrankt und der Freiheit menschlicher Entschei 
dung ihr Recht läßt. Sicherlich ist auch gut zu heißen, daß er&amp;gt; 
das deuchch^ Volk zurr Besinnung auf sich selber und zu innerer 
Ernkehr ermähnt. Nur fragt man sich, ob die von ihm geforderte 
selbst erzrehung gerade von der Art sei, di-e uns besonders 
not tut. JedenfaW scheint eine Förderung der Gabe des 
Allesverstehens, wie er sie wünscht, nicht ungefährlich; sie ver 
leitet dazu, die Dinge aus der Vogelperspektive oder auch aus 
der Froschperspektive, zu betrachten, statt ihnen menschlich nahe 
zu treten, und lockt gar leicht aus der Wirklichkeit des Lebens 
heraus in eine unwirkliche Zuschauerhaltung. Immerhin kann 
Keyserlings Mahnung: . Wandelt euch! auf keinen Fall 
schaden. Versteht man sie als Aufforderung zu einem richtig 
geführten Leben, das mit den Dingen und Menschen lauter 
konkrete und echte Beziehungen eingeht, in. einem Sinne also, 
m dem sie freilich Keyserling just eben nicht verstanden haben 
möchte, dann wird, sie gewiß von einigem Nutzen sein. Lr. 
-- Sus-«Wrr«Lruch u«L Wi-der-ufiau. Auf Veranlassung der 
Internationalen Frauenliga für Frieden und 
Freiheit sprach gestern Generalmajor a. D. v Schoenaich 
über die Gründe des Zusommenbruchs und den Wiederaufbau. Der 
Redner, der u. ^ kräftige Worte gegen die „tollgevordensn" M° 
putschen fand, stellte das Ideal der Völk-rsolidarität auf, zu dessen 
V-iwmkachung Staatsbürger und Regierende zu erziehen se en 
W/r unwahrer Geschichtsklitterung und zumal vor Lbersteioertem 
Rationalismus warnend, gab er seinem Glauben an die HMrnft 
Ausdruck, die den Arbeitsfrieden im Volk und das all^mrme 
Weltvertrauerr wieder herMeLen habe. 
Gesellschaft der Freunde der SkadkbibUokhek. 
— D:e Gesellschaft der Freunde der Stadtbibliothek hielt 
gestern unter dem Vorsitz von Konsul Dr. Kotzenberg ibre 
außerordentliche Generalversammlung ab. Schrstt- 
führer Dr. Liebmann berichtete über die Entwicklung der 
Gesellschaft seit dem 25. März. Er erinnerte zunächst an die un 
geheuren Schwierigkeiten, mit denen die Stadtbibliothek infolge 
der MaEatastrophe zu kämpfen habe. Selbst die unumgäng 
lich notwendigen Anschaffungen können aus den dürftigen Etats- 
mltteln nicht bestritten werden. In den Zeitfchriftenserien 
mache sich bereits empfindliche Lücken bemerkbar, die kaum jemals 
wieder auszufüllen sind, und gar an die Beschaffung ausländischer 
Literatur ist nicht mehr zu denken. 
Die Gesellschaft, der gleich am GründungsLag drei ewige 
Mitglieder beitraten, zählt heute deren fünfundsechzig. 
Einer von ihnen, Dr. James L oe b, wurde Zum ewigen Mit 
glied ernannt, weil er der Stadtbibliothek eine wertvolle philo 
logische Bibliothek stiftete. 
Im Verlauf seiner weiteren Ausführungen erwähnte Dr. 
Liebmann, daß aus den MiLgliederbeiträgen 37 wertvolle Werke 
angekauft worden seien, und sprach die Erwartung aus, daß das 
Beispiel einiger ewiger Mitglieder, die ihre Beiträge oer Geld 
entwertung entsprechend erhöhten, -allgemeine Nachahmung fin 
den möge. 
Sodann dankte er der Presse für ihre Unterstützung, ins 
besondere der „Frankfurter Zeitung", die durch ihre uneigennützige 
Propaganda und die Stiftung eines Werbebüchleins die Inter 
essen der Gesellschaft tatkräftig gefördert habe. Worte des Danks ! 
fand er auch für die Frankfurter V e r l a g sfirm en, die sich j 
verpflichtet haben,, je ein Exemplar der bei ihnen erschienenen! 
Werke der Stadtbibliothek zu. überl-assen; ferner für das Kura- 
! torium der Dr. Asch-Stiftung, die neuerdings wieder 
!-einen hohen Betrag der Gesellschaft zur Verfügung gestellt hau. 
77 sEbr Aufruf an die Zeit.? Der Bonner Rabbiner 
d om Buch „Judentum" (erschienen bei 
Georg Müller, München) in die Welt hinaus, das er als einen 
„Aufruf an die Zeit" bezeichnet. Er klagt in ihm, was frei- 
lrch ichon des.öfteren geschehen ist, unsere Zeit an, die von den 
drer bösen Machten des Kapitalismus, Sexualismus und eines 
verhärteten Nationalismus beherrscht werde und geißelt so-? 
dann, dem besonderen Schicksal des jüdischen Volkes sich Zu 
wendend, die mannigfachen Entartungserscheinungen west ¬ 
europäischen Judentums. Auch für Nichtjuden sind diese Aus 
führungen insofern beachtenswert, als ihnen eine mit Ein 
schränkungen zu bejahende Auffassung von der Bedeutung ver 
überlieferten religiösen Formen zugrunde liegt. Das Gin 
wurzeln in solchen Formen ist nach Cobn unerläßliche Voraus 
setzung eines wiMchkeitserfüLLen Lebens, und er verwirft 
darum ihre Verflüchtigung durch Mystiker, Rationalisten, 
Idealisten gleich sehr wie ihre lebensfeindliche Verfestigung 
durch eine buchstabengläubige Orthodoxie. Der „Aufruf, in 
dem das Buch gipfelt, will die unter dem Einfluß der Ziwlisa» 
tion entwirklichten Juden zu neuer Wirklichkeit zurückgewrnm n. 
Er fordert, gemäß der hier nicht zu erörternden z4onLst:schen 
Einstellung des Verfassers, daß das jüdische Volk, um wieder 
Volk zu werden, seine angestammte Sprache sprechen lerne, de* 
stehlt ihm Gläubigkeit und Gebet an und ermähnt es zum 
Tun der religiösen Uebung, zum Leben in der lebendigen 
Form. --- Was an dem Buche sachlich richtig ist und als For 
derung annehmbar sein mag, rmrd leider durch die Art, in 
der Cohst es verkündet, seiner Wirkungskraft beraubt. Das 
innerlich ungehemmte, nie um die Worte verlegene Pathos 
entstammt ganz offensichtlich noch derselben „Zivilisation", die 
Cohn mir pssthumer Entdeckerfteude verneint, wie denn über- , 
Haupt das seiner Aussagen daran zweifeln läßt, daß ihr 
„Was" voll ergriffen sm. Da versichert er etwa, daß sein BuH 
ein WMMs sei, vor Hessen Unerhörthsrt er selber zittere, nennr 
seine ZeiLkvitik ein Blutgericht, fließt über von Bekenntnissen 
und Geständnissen, die ob des Mißverhältnisses zwischen Form 
und Inhalt peinlich anmuten, und unterbreitet mit großartiger 
Gebärde sein Manifest den Völkern der Erde — dieses Mani 
fest. das papierene Rhetorik hartnäckig mit Prophetenrede ver 
wechselt und die gemÄnte Wirklichkeit stets nur halb trifft, 
weil es sie von außen her mnruft, statt sie von innen heraus zu 
bezeugen. Cohn teilt darin das Schicksal der meisten heutigen 
Manifestier, daß er durch solche gewiß unfreiwillige Plakatie» 
rung des ihm Widerfahrenen die besten Worte -wie „Volk", 
„Gläubigkeit" usw. zu wesenlosen Schemen entteert. Er darf 
daher nicht mit der Welt allein zürnen, wenn das ersehnte
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        können oder wollen. 
Ir, 
Als erste Publikation der Gesellschaft soll im Verlag der 
Frankfurter SoÄetätsdruckerei d«L Verzeichnis der einzigartigen 
.„Flugschriftensammlung Gustav Frey tag" er 
scheinen, die 1896 der Stadtbibliothek von Leopold Sonne 
mann geschenkt worden ist. Dr. Liebmann gedachte dankend 
des edlen Spenders und dankre auch Herrn Dr. Hohencmser 
für die mühevolle Bearbeitung dieses Werks. 
Bankdirektor Emden gab als Kassenführer einen UebrrbliS 
über die Finanzen. Seinen Erklärungen zufolge sind die 
Gelder der Gesellschaft, die heute 170 Jahresmitglieder zahlr, 
unverzüglich wertbeständig angelegt worden. Leider bat 
sich der im Frühjahr festgefetzte Mitgliedsbeitrag nicht der Geld 
entwertung angepaßt, sodaß die Beiträge der später eingsiretenen 
Mitglieder keine nennenswerten Zuschüsse mehr krackten. 
Um diesem Uebelstand abzuhelfen, schlug der Direktor der 
Stadtbibliothek Geh.-Rat Cbrard einige Satzungsände 
rung en vor, die ohne Diskussion angenommen wurden. Danach 
soll der von den Jahresmitgliedern und den ewigen Mitgliedern 
zu entrichtende Beitrag künftighin nicht mehr von der Mitglieder 
versammlung sondern vom Vorstand in einer dem jeweiligen 
Stand der Mark entsprechenden Höhe festgesetzt werden. Um 
diese Aenderung mit sofortiger Wirkung durchführen zu können 
wurde der Anfang des neuen Geschäftsjahres auf den 1. Oktober 
zurückverlsgt. 
Einer Anregung aus der Versammlung, daß es zulässig sein 
möge, anstelle des Mitgliedsbeitrags auch Bücher desselben 
Wertes der Stadtbibliothek zu übermitteln, gab der Vorstand 
gerne statt. 
Im Anschluß an die kurze Aussprache ergriff Dr. Hohen- 
emser das Wort zu seinem fesselnden Vortrag über die 
„Flu g schriftensammlu ng Gustav Frehtag", die 
ein nur Wenigen bekannter Schatz unserer Stadtbibliothek ist. 
Wir werden seine Darlegungen an einer anderen Stelle unseres i 
Blattes bringen. ! 
wLssenKobaktboden Ltbik unüberwmdüoben ZobwiWLg- 
keiten begegne. 6emW seiner MrbzektLVWtisoben Orund- 
baltiung gelangt er Lu dem Drgebnis, dak jede etlMsobe 
Bntsobeidung von der konkreten Zibration abbänge, in 
der sie gekaM wird und allgemeine NoralgEi^e 
tbeoretisob niobt kestTMsiellen ^ien. — 
19. I^rbunäe^ ' 
Dis äe-utsolre DebscELung des von der Kopen- 
bagsner Bnive-rsiNL preisgekrönten ^Veihes: „Btbik 
und ZoLLokogle" von 6 sorg Oobn (I^pLig, 
1. IlMbroskrs Bartb. IX, 316 8.) ist in Zweiter, unver 
änäerter -^rLge onschienen. Oolm suobt an der Nand 
einer kritischen ^nalMe der verscäEdorren bisLorisoben 
Kvsteme ru MLgen, ä^L so wobt die Drrebkübrung einer 
normativen wie eher auk 8oWoIogie siob grünäendsn 
kurr« Knrrigrn. 
Von klax Lebsivr sind swsi öänäo „Koftrik- 
ieu r u r LoLioloAio unä IV e I t an 8 o k au - 
uvxsl obre" orsodionsQ (w Dr. Betör Boinkolds 
„Der neu« Otzist-VsriaA", BoiMZ). 8io vSrsluigsn 
auLsr den wesonLlwkstsN, Lum im erwoitsrtsn Xd- 
kanälunZen des vorssrlffensn Luodos unä 
dau" eins Bsido seiner in Leitsedrikien verokkentUekten 
unä noeir uuvoröklontöoüts ^rdWi«n. Die ^uMtxs 
Lieien Lunreisi äarauk ab, das IVeseu der von rdnen 
untersuchten sseisti^en Osbiids m-mögffedstbr 
darrudiotou, die ^rt unä ^Voiss idror soLroiogiLodon 
Ledingtirsit ru klären unä die ^uH«,ssun§en kritisoli 
Lu durodmustern, dio man von ibnen aus äer B^rspyk- 
tive äer versebieäenen ^VeitAnsebauunAen xswinnt. Der 
erste Band, .Moraira" betitelt (XI, 175 8.), setrt 
mit xwsi kritischen Ltuäien ein, ä^ren eine LtellunZ 
nimmt in dein äureb klax IVobsrs LhbanähnA „wissen 
sokakt als Borut" enLIesselten soZ. „IVlLSOnsodakts- 
streit" unä äeren anders die OüIii^ksiL äes Oornteseben 
Dreistaäien^esetLes ankiodt, das Beii^ion unä Nota- 
pb^sik beute tznäÄrltiA äureb äis positive IVissvnsokalt 
ad^slöst waftnL. Bosonäer« BoLodtunA in diesem Band 
verdient ooeb die erbediiob LusFei&amp;gt;iute ^dbrcnälunss: 
„Vorn 8inn äes b-eräes", äie eine pbänornenoloFisobe 
Beschreibung äer ^eltbistoriseb fiebrigen Deutungen 
Deiäes (rurns! äer duääbisLiseben unä äer christ 
lichen) Hekert unä äie diesen Deutungen jeMeiis ent 
sprechenden Veihsltungsweisen dein leiden gegenüber 
in der ausgesprochenen Absicht auldeekt, die ebrist- 
iiebe DeiäLuIkLssung dem heutigen iäensoben wieder 
nabe Lu bringen. Die in der ÜauptsLebe bekannten 
Dntersuobungen des Lweithn Bandes: „Ration und 
^Veitansebauung" (VBI, 174 8.) stellen sieb vor 
wiegend die H.ulgabe, die in dem Bereiche der ^Velb 
ansebauung, Bolitik usw. siob ausprägenäen Konstan 
ten geistigen ^esensxüge der groken europäischen. 
Rationen berauL^rkristalbsieren. Von den ein wechsel 
seitiges VölkerVerständnis kordernden ^.uksätsen mag 
bier nur die „nationalpädagogisobe" Betrachtung: „Von 
kwei äeutsoben Xrankbeiten" erwäbnt werden, die 
2wei der ^utVoben 8eele be^rte ärobende Oekabren 
beleuchtet: ibr 8obwanken rwisoben maßloser Älbst- 
pr-eisgabe und ebenso maßloser ZelbstübersobätMmg 
und ibre Bluobt in eine kölsche Innerlichkeit, die einer 
bildungs- und geistlosen i^aobt die Desbätung des 
LuLeren Bebens überläkt. — 8o viel Grätiges gegen 
die Denkmetboäen 8obe!ers einLuwenden ist, wie man 
ches Bragexeieben man auob binier BinLeläuIrrungen 
seinen mM, die ^bbandlungen kesseln doob als Be 
kundungen eines Autors, der über Leitene ps^obo- 
logisebe Lpürkrakt verkügt und seine Briabrungen auk 
etbisobem und religiösem Dehiete mit den in mebr 
peripberen 8okiobien gesEmelten Lrkabrungen geim- 
reiob und okt ant bellend ru verknüpfen wei^. Xr. 
Anthroposophre und Christentum. 
-- Das Frankfurter K at"holikenkomit ee und die Ka 
tholische Akademikervereinigung, die schon im 
Vorjahre sehr unterrichtende Vortragsabende eingerichtet hatten, 
eröffneten die Reihe ihrer diesjährigen Veranstaltungen mit einem 
Vortrag Dr. Ernst Michels über „Anthroposophie und Christen 
tum". Der Redner ging von einigen allgemeinen Bestimmungen 
des christlichen Lebens aus. Der Christ, so führte er aus, lebt in 
der Spannung Mischen „Natur" und „Uebernatur", in dem 
Glauben an die ihm durch Christus verbürgte Erlösung. Seinen 
Schwerpunkt hat er nicht in sich, sondern in Gott, dem er im 
Glauben antwortend standhält. Ihm, der sich nicht durch irgend 
welche Leistungen erzwingen läßt, gläubig sich hinzugeben: das 
ist das ungeheure Wagnis des Christen. Eine seiner Gefahren 
besteht nun darin, daß er sich aus der Beziehung zu Gott löst und 
die Uebernatur, die doch nur dem Glauben zugänglich ist. der Er 
kenntnis zu unterwerfen sucht; daß er ferner das natürliche Leben 
mißachtet und alles Schwergewicht auf die Teilhabe am über 
natürlichen Leben legt. Diese Eigentümlichkeiten der Gnosis 
sind an dem Beispiele der Steinerschen Anthroposophie be 
sonders deutlich aufzuweisen. 
Steiners Schriften lassen drei Perioden seines Denkesis unter 
scheiden, mag dies auch von seinen Schülern und ihm selber be- 
stritten werden. In der ersten monistischen ist er Anhänger 
Haeckels und leugnet eine übernatürliche Wirklichkeit. In der 
Zweiten theosophischen erkennt er als Dualist eine übersinnliche 
Welt an, in die man durch Geheimschulung seiner Erkenntnis 
organe dringen könne. In der anthroposophischen Periode 
schlie^Ych,. in der er noch heute steht, entwertet er die uns gege 
bene sinnliche Wirklichkeit völlig und erniedrigt sie Zur Domäne 
des gewöhnlichen Denkens; dieses sei nur eine Vorstufe des 
schauenden Bewußtseins, mit dessen Hilfe sich der 
Mensch der geisterhaften übersinnlichen Welt zu bemächtigen habe. 
Man erwirbt es nach Steiner durch systematische Steigerung un 
seres Erkenntnisvermögens, die am Ende mit dem Urgrund der 
Dinge vereinigen und derart den Glauben ersetzen soll. 
Dieser von ihm erhobene Anspruch des Erkennens aber tilgt 
das Christentum (wie jede Religion), beseitigt er doch, indem er 
dem Denken die Vorherrschaft zuspricht, die Spannung zwischen 
Schöpfung und Schöpfer, auf die der Christ sein Leben gründet. 
Den Christen kümmert es garnicht, wie das Wesen Gottes an sich 
sei, er will vielmehr in seinem konkreten Leiden hier und heute 
des Willens Gottes gewiß werden, und besondere Erleuchtungen 
j der Vernunft sind für sein Heil keineswegs entscheidend. Seine 
! Erkenntnisse quellen aus Gnade und Offenbarung; der Wahn der 
Anthroposophie, durch magische Kräfte der Vernunft die übersinn 
lichen Kräfte für den Menschen wirksam machen zu können, ist 
ihm wesensfremd. 
Auch ein Blick auf das Verhalten Zum Alltag lehrt die 
grundsätzliche Verschiedenheit zwischen Christentum und Anthro- 
posophie. Der Christ ist dem unmittelbaren natürlichen Leben 
seinem ganzen Umfang nach geöffnet, alle Leiden und Härten 
dieses Lebens nimmt er in das seine auf. Konkret am Alltag 
wirkend, ist er recht eigentlich der Mensch des unwiderbringlichen 
Augenblicks, der stets erwarten muß, daß Gottes Gebot an ihn er 
geht. Anders die Anthroposophie. Das Besondere verflöchtet 
sich ihr zum Tvpischen, die Wirklichkeit zur Idee. Das aber ist 
Unglaube und Weltflucht. 
Alles in allem ist das sogenannte „höhere" Erkenntnisver 
mögen der Anthroposophie nichts anderes als die gewöhnliche 
Vernunft auch, die entweder sich mit ekstatischen Traumbildern 
verbündet, oder sich auf den Wahrheitsgehalt der Mystik wirft und 
aus ibm irgend eine phantastisch übersinnliche Welt formt. Nicht 
überflüssig, zu erwähnen, daß Steiner bei dem Entwurf dieser 
Welt nirgends über die Schauungen seiner Lehrerin Annie Besant 
hinausgekommen ist. Daß es möglich ist, durch Pflege der im 
Orient heimischen Seelenpraktiken uns unbekannte Naturkräfte 
ihrer Verborgenheit zu entziehen, soll im übrigen garnicht ge 
leugnet werden Nur wird man mit ihrer Hilfe gewiß nicht die 
absoluten Erkenntnisse und das Heil erlangen, in deren Besitze 
Steiner sich wähnt. 
Bedürfte es noch eines Beweises hierfür, die Sprache Ster- 
ners lieferte ihn. Dr. Michel kennzeichnete sie treffend als un- 
z persönliche Schablone, die jede ursprüngliche Kraft vermissen 
»lasse und indirekt bezeuge, daß Steiners. Anspruch auf geistige 
Führerschaft nicht gerechtfertigt sei. Seine (neuerdings sehr 
Zurückgegangene) Wirkung mag eine Erklärung darin finden, daß 
- die Anthroposophie als Mischgebilde aus den Elementen einer 
Zerfallszeit ein Vakuum ausfüllt für Menschen, die den Zusam- 
menbruch erfahren haben, aber die Armut im Geiste nicht ertragen
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        — Neue Lichtbnhne. Der Hennh Porten-Film: „Di e 
Liebe einer Königin" geht über die Leinwand. Ein 
großes historisches Schauspiel, das die Schicksals des Arztes, 
Staatsministers und VolksfreundeZ StrUensee und der 
Königin Karoline Mathilde von Dänemark behandelt. 
Ludwig Wolfs hat den bekannten Tragodienstoff wirkungs 
voll für den Film bearbeitet. Auftritte, in denen das Leben 
am englischen und dänischen Hofe sich prächtig entfaltet, wechseln 
mit Bildern, in denen die Beziehung zwischen Struensee und 
der Könimn sich anspinnt und immer enger knüpft; dazwischen 
einaestreut sind die Weiber- und Wahnsinnsszenen König 
Christians VII., den Walter Janssen sehr glaubhaft ver 
körpert, Volk und Garde unterbrechen in passenden Augen 
blicken das Spick der Hauptpersonen, und auch aus die von der 
Stiefmutter Les^ Königs angezettelte ^Verschwörung zur Be 
seitigung der Königin und ihres Ministers fällt genügend Licht. 
MAL? dem Ganzen kegt die Stimmung des unrergehenden 
Rokoko. In Tanzmusik und Rauschen der bauschigen Gewänder 
dringen die Freiheitsrufe des Volkes, dem Struensee zum vor 
zeitigen Anwalt wird. Diese Kontraste werden durch gute 
Regie sichtbar und fühlbar, besonders einige Helldunkel-Szenen 
' und die Errichtung des Schafsots bei Fackellicht lösen seelische 
Wirkungen aus. Henny Porten überzeugt durch ihre Schön 
heit, wenn sie auch nicht eben eine große Tragödm tst. Doch 
spielt sie die Affekte ohne Uebertreibung und legt rn di« Ver 
zweiflung der unglücklichen Königin den Ausdruck der Wahr 
heit. — Ein gezeichneter „M ü n chn e r B ickd e r b og e n geht 
voran, der recht aus dem Geiste des Films geboren ist. rac.
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        die nickt minder überholt anmuret. So hinkt man stets nack und 
Her der Herren resigniert äußert, daß die Summen, die 
man empfangt kaum die Hohe eines Dollars erreichen, maa 
dies schon ferne Rrchtmkert haben. Das Verfahren der Auszahlung 
selber ertragt man wre so manches Unerträgliche; immerhin meinen 
E-che— und gewy mSt daß durch bessere Ein- 
kilung die scheußliche Prozedur des Anstehens für die einzelnen 
Geldempfänger etwas abgekürzt werden könnte. 
Um l/gll Uhr soll die „Entlohnua" beginnen. Die Zeit per- 
streicht und der Schalter bleibt noch geschlossen Kurz danach ver- 
kundet mn Herr, daß wegen des späten Eintreffens der Gelder die 
Fertigitellung der Listen sich verzögert habe; doch seien sie jeden 
Augenblick zu erwarten. Man telefoniert, tröstet einander und! 
harrt still werter aus. Genau wie bei einer militärischen Muste 
rung. Derweilen regnet es draußen unaufhörlich. Lr. 
Deutsche Kriegergräber. 
--- Die vom Volksbund Deutsche Kriegsgräber 
fürsorge im Kreuzgang des Domes Veranstalters Aus 
stellung gewährt einen guten Ueberblick über die vielseitige 
Tätigkeit des Bundes. Abbildungen von allen Kriegsschauplätzen 
sind beigebracht, dis beweisen, daß die im Ausland gelegenen 
Ruhestätten durch die Bemühungen des Volksbundes fürsorglich 
- in Stand gehalten werden. Viele Friedhöfe, zumal im Westen, 
entstammen schon den Jahren des Kriegs. Da sind schlichte 
Holzkreuze aus Douai, eine idyllische Partie aus dem Sachsen 
wald, eine Anlage zuBuechecque — und so geht es in langer 
Kette von Ort zu Ort. Holzportale aller Art, manche inmitten 
der Wirren des Krieges flüchtig gezimmert, bezeichnen die Ein 
gänge zu den Friedhöfen, und dort, wo viele Gefallene ruhen, 
erhebt sich wohl auch einmal ein steinernes Monument, um das 
sich die große Schar der Kreuze sammelt. Die Anlage der Ruhe 
stätten wechselt mit dem Gelände. Bald schichten sich die Gräber 
terrassenförmig an, bald ordnen sie sich zu regelmäßigen Feldern 
oder vereinen sich auch Zu kleineren Gruppen, die von Gebüsch 
und Bäumen behütet werden. Im Hintergrunds sieht man mit 
unter die Ruinen eines Zerschossenen Dorfes, und einzig die Gräber 
noch scheinen in dieser verwüsteten Umgebung von menschlicher 
Nähe zu Zeugen. 
Auch die nach dem Krieg entstandenen Friedhöfe werden in 
hinreichender Zahl vorgeführt. Besonders schön sind die Sieben- 
bürgischen Anlagen. In Hermannstadt hat man den Kin 
dern die Pflege der Gräber anvertraut, und jedes müht sich nun 
um sein Fleckchen Erde. Der Gedanke ist gut und sollte Nach 
ahmung finden. Eins Postkartenserie veranschaulicht galizische 
Friedhöfe, andere Abbildungen zeigen Anlagen in Belgien, unter 
denen vor allem der Friedhof Zu Laclaireau durch seine 
Treppenambauten anziehend wirkt. Nicht vergessen sind schließ 
lich die palästinensischen Friedhöfe Zu Nazareth und zuDjenin, 
wo hauptsächlich Marinesoldaten ruhen. 
Auf dis gute geschmackliche Ausbildung der Friedhöfe und 
Gräber hat man nach Maßgabe der vorhandenen Mittel stets 
Wert gelegt. Einzelne Grabmaltypen befriedigen durch ihre Ein 
fachheit und Gediegenheit, und auch etliche plastische Entwürfe 
bekunden den richtigen Sinn für das sachlich und künstlerisch 
der Heimat, so zu 
Die Aerzke stehen an 
L- In einem geräumigen glasübsrdachten Hof der Schäfer 
straße erlebt man seit einigen Wochen an jedem Freitag morgen 
ein merkwürdiges Schauspiel. Die Frankfurter Kassen 
ärzte— vierhundert an der Zahl — stauen sich hier vor einem 
kleinen Schalterraum und warten lange Stunden — nicht etwa 
auf die Vorführung eines interessanten medizinischen Falles, 
sondern auf die Auszahlung ihrer Gelder. Erhebend ist 
das Zeitbild just nicht; es bestätigt sehr sinnfällig die kläg 
liche Lage der Bildungsschicht und zeugt beredter, als Worte 
es vermögen, von dem Elend unseres alltäglichen Lebens. 
Viele Kollegen, alte und junge, sind selber zur Stelle, 
andere haben ihre Frauen geschickt. Man raucht, plaudert und 
benutzt auch wohl eine der umberstehenden Kisten als Sitzgelegen 
heit. Alles geht still und ohne Erregung her, wie es bei ver 
nünftigen Leuren zu geschehen Pflegt. Die Wartenden kennen 
einander, sie ermessen durchaus die mit solchen Zahlungen ver 
knüpften organisatorischen Schwierigkeiten und fügen sich als g e- 
duldige Patienten, die sämtlich an dem einen gleichen Uebel 
leiden, gefaßt ins Unvermeidliche. Nur gedämpft werden Klagen 
und Abänderungsvorschläge laut — man weiß ja ohnehin, woran 
man ist und spart seine Worte. Als drückend empfunden wird zumal, 
daß die Festsetzung der Beträge nach einem läng st überholten 
Inde x erfolgt, auf Grund irgend einer ministeriellen Vorschrift^ 
- Zwischen Flammen und Bestien. Das große Sensationsstück 
. der Bavaria Film A.-G., das jetzt in den „Neuen Lichtspielen" 
gezeigt wird, bringt eine Handlung aus dem Zirkusleben, die sich 
in höchst aufregenden Szenen entfaltet. Die Hauptrolle darin 
spielen zweiK'inder: ein kleines entzückendes Zirkusmädcken 
und ein ebenso entzückender Lord, der sich zum Beschützer des 
Mädchens aufwirft. Oberhalb der kindlichen Sphäre entwickelt 
sich das übliche romantische Eifersuchtsdrama. Der Vater jenes 
winzigen Mädchens, Witwer uotabene, liebt seine rassige Kollegin 
vom Trapez, die ihn wieder liebt, was den ebenfalls in 
sie verliebten Löwenbändiger, einen recht ungeschlachten, 
aber gar nicht eigentlich unsympathischen Muskelmenschen, 
zu den schlimmsten Torheiten treibt. In den Gang der fatalen 
Angelegenheit greifen die Löwe n sehr aktiv ein. Sieht man 
das kleme Mädchen unter ihnen sitzen, so möchte man meinen, das 
messianische Reich sei schon angebrochen. Freilich zeigt sich, daß 
sie auch anders können, zumal wenn sie hungrig sind. — Die Auf 
nahmen verdienen jedes Lob, keine technische Möglichkeit, die der 
Hilm gewährt, bleibt ungenutzt» Feuersbrunst beim Volksfest, 
Panik, nächtlicher Wandel auf dem Drahtseil inmitten der Rake- 
tengarben. Flucht des Löwen mit dem Kind: alle diese mär 
chenhaften Ereignisse gleiten so schnell vorüber, daß die Unwirk- 
lichkeit, die der Zirkuswelt schon an sich anhaftet, eine letzte, jeden 
Rest von Wirklichkeit vollends aushebende Steigerung erfährt. — 
Das Zweiaktige amerikanische Lustspiel: „Die geteilte Woh 
nung" ist ein rechtes Beispiel drastischer Bewegungskomik. 
Thema: Zwei Ehepaare, die zusammen wohnen, geraten in Streit 
und halbieren nun mathematisch genau die Wohnung, einschließlich 
der lebenden Besitztümer wie Dienstmädchen und Hund. Die 
Komik, die in dieser unerbittlichen Folgerichtigkeit liegt,ist zwingend 
und ihre Sichtbarkeit macht den BegleitexL überflüssig. — Ein ge 
zeichneter „M ü nchener Bi! derboge n" geht, wie schon das 
letztemal, den Mücken voran. Seine Unwahrscheinlichkeit, die 
jedem Naturalismus zuwiderläuft, entspricht ganz dem Wesen des 
FilmS, der ja, wenn er sein Eigenstes leisten soll, die natürlichen 
Zusammenhäng^unseres Lebens völlig zerbrechen muß. i ae. ! 
MchKM M Mmmr MßMMWfMRZ.. - 
Die Vorträtz«, dis während der diesjährigen 27. Aarauer 
L L u d e nten k on f e r enz gehalten wurden, sind jetzt in einem 
SammelLand erschienen (Verlag Chr. Kaiser, München). 
nahezu durchweg eine Gesinnung den Fragen der 
Wissenschaft und des Lebens^ gegenüber, der man gerne mehr Ver- 
Mrnscht. Diese Gesinnung entwächst dem Glauben an die 
menschlichen GAtes und ist auf die Verwirk- 
trchueg des Möglichen gerichtet Die von ihr getragenen Menschen 
verwerfen den ^itamsmus einer Vernunft, die von sich aus die/ 
Welt begreifen möchte, sie lehnen überhaupt jeden maßlosen Ueöer- 
schwang ab, der die dem Menschen gezogenen Schraten zu über- 
Mngen Statt dessen lehren sie immer wieder das eine: 
daß alles Schwergewicht auf dem richtig gelebten Leben 
ruhe, das gläubig sich hinfpannt zu dem in der Schrift verkündeten 
überzeitlichen Wer sich in der Spannung eines strichen Le- 
Lens beendet, der verhält sich, wie sie mit Recht meinen, zu Men 
schen und Dmgen als existenter Gesamtmensch seinen Fragen und 
Antworten ist eine Grenze gesetzt, er steht in der-MMchkeit. Die 
sem Menschen der Wirklichkeit gilt ihr Streben, und 
ste verabsäumen Nicht, zu zeigen, wie sehr, sein stets konkretes 
Denken sich unterscheidet von dem abstrakten und/ schemhasteu Den 
ken aller derer, die sich aus der Beziehung zur Wirklichk-eit gelöst 
haben. , Die Kritik, die sie von ihrem Standpunkte aus an der . 
Ueberspännuna des wissenschaftlichen WelterkennenZ und an dem' 
idealistischen KulLurbegriff üben, ist lehrreich genug. Ihr beson 
derer pädagogischer Wert besteht darin, daß sie die Abhängigkeit 
des richtigen Denkens vom richtigen Leben nachdrücklich ins Be 
wußtsein erhebt und derart den Einzelnen zur Besinnung auf sich 
selber und sein Leben nötigt. . i 
Eberhard Grisebach untersucht in seinem Vortrag Las Ver 
hältnis von Bildung und Wissenschaft. Er weist nach, 
daß die Wissenschaft den wirklichen Menschen ganz außer Ächt 
läßt und darum unfähig ist, Bildung zu übermitteln. Diese setze 
eben den wirklichen Manschen voraus, det in der reellen Gemein 
schaft mit anderen Menschen in eine konkrete Buchung zur Welt 
trete. Ms Betrachtung Grisebachs stöbert das abstrakt gewordene 
Denken unserer Zeit in allen seinen Schlupfwinkeln auf und sucht 
.es in die Wirklichkeit zurüLAuzwingen. — Gleich ihr ist der 
Vortrag Pros. Gilgs über Christentum und Kul 
tur cmf den GruMton nüchterner Besonnenheit gestimmt. 
Wird auch nach ihm durch die Botschaft von der Erlösung und 
dem Reiche Gottes jede bloß-menschliche Bemühung unter ein 
radikales Nein gestellt, so setzt damit das Evangelium iwch 
keineswegs die Ethik und das kulturelle Schaffen außer Gel 
tung. Nur freilich: Wer jenes Nein vernommen hat, der 
weiß um die ganze Relativität der kulturellen Arbeit und wird 
^kraft dieses Wissens umso gelassener, aber auch umso ernster 
und verantwortungsvoller Anteil nehmen am Werk der chuk- 
Lur. — Als ein solcher Mensch der Spannung wird in einem 
trefflichen Aufsatz Wert Schaedelins Blaise Pascal 
vorgeführt. Ed ist Mensch des Wissens und Mensch des 
Glaubens zugleich, den der Widerspruch von Erkennen und 
Glauben in eine ungeheure dialektische Spannung versetzt. 
Sein Glaube, der im Jenseits wurzelt, begrenzt die mensch 
liche Vernunft, von der er fordert, daß sie im der „Mitte" 
bleibe und fest und/sicher nach dem Möglichen greife. — Dsr 
letzte, Vortrag, der etwas aus dem Rahmen hercmAfällt, ist dem 
Begründer der Landerztehungsheime Hermann L r e tz ge 
widmet. Karl Matter würdigt auf Grund persönlicher Eim 
drücke den Anstieg und das Schaffen von Lietz, den er als 
sormatyr der Erziehung feiert; er wünscht, daß auch die eid 
genössischen Mittelschulen im Sinne feiner - Gedanken - die Hr- 
perliche Ausbildung der Schüler stärker berücksichtigen und Wer 
EigenMgkeit mehr Raum gönnen.
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8&amp;lt; 
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Umkreis Siedlungen und „Satellitenstädte" geschaffen, mit denen 
man auch bisher ganz gut fahren mochte. Für die kommende Zerr 
aber wird sich das Wohnen in den Vororten schon aus dem Grunde 
nicht empfehlen, weil die Verkehrsmittel zu, teuer geworden sind. 
Es gilt im Gegenteil, in den Altstädten wieder kleinbürger 
liche Wohnungen zu schaffen, und Aufgabe der Städte wird 
es sein, die Hausbesitzer in diesem Sinne wirksam zu beeinflussen. 
Indem man die alten Häuser zu Wohnzwecken neu verrichtet, tut 
man das meiste und beste für ihre Erhaltung. Gerade heute 
unter dem Druck der Wohnungsnot erscheint eine solche Polttik 
aussichtsreich. Die ihr dienenden Bestrebungen des Bundes der 
Altstadtfreunde sind nach Pros. Gurlitt aller Unterstützung Wert. 
In Frankfurt kommt ihnen noch das eine besonders entgegen, daß 
die großen Verkehrsstraßen die Altstadt nicht kreuzen. Lr. 
ip- kM SL^ 
AZ MZW Wh AhallWg der Altstüdke. s 
Auf Einladung des Bundes tätiger Altstadtfreunde sprach 
am Donnerstag der Dresdener Kunsthistoriker Geh.-Rat Pros. 
Cornelius Gurlitt vor einer zahlreichen Zuhörerschaft über 
die Pflege der Altstädte und stellte einige Richtlinien 
für ihre Erhaltung auf. Der Redner schrlderre zunächst im Umriß 
die typische Entwicklung der Großstädte, die beinahe überall zur 
Aushöhlung des alten Stadtkerns geführt habe. Da dieser zu 
meist zur City, daß beißt zvm wirtschaftlichen Zentrum wird, ent 
völkert er sich mehr und mehr, und seine Häuser erleiden Umwand 
lungen, dee ihre bessere wirtschaftliche Ausnutzung ermöglichen 
sollen. Indessen, die alten Wohnhäuser passen sich den geschäftlichen 
Bedürfnisson nur schleckt an und kommen durch die fortwährenden 
inneren und äußeren Umbauten schließlich so herunter, daß der- 
Grund und Boden, auf dem sie stehen, einen höheren Wert ge 
winnt a!s sie selber. Ergebnis: man reißt das alte Gerumpel 
mitsamt den Nachbarhäusern nieder und errichtet einen Neubau, 
der den modernen Erfordernissen besser entspricht. Gegen die 
Architektur unserer modernen Geschäftshäuser wendet Pros. 
Gurlitt, gewiß nicht ganz mit Recht, hauptsächlich ein, 
daß sie Zu viel Gewicht auf große Schaufenster lege; auch 
rü -t er das Uebermaß der Reklame, das zur Verhäßlichung des 
Straßenbildes führe. Wo dieser Entwicklungsprozeß die Altstädte 
noch nicht völlig zerstört hat, wird es Aufgabe der Denkmals 
pflege sein, sich schützend vor das Alte zu stellen und Abbrüchen 
die größten Hemmnisse enrgegenzusetzen. Anderseits muß sie ver 
hüten, daß bei notwendigen Veränderungen das Alte einfach 
kopiert wird Das Neue ist vielmehr aus dem Geist unserer Zeit 
heraus Zu schaffen und soll als Neues kenntlich sein. In dieser 
Hinsicht begrüßte der Redner die vom Bund der Altstadtfreunde in 
Frankfurt durchgeführte Bemalung der alten Häuser; möge 
sie auch im einzelnen Anlaß zur Kritik geben, so gehe sie doch von 
der richtigen Auffassung aus, daß es mit bloßer Rekonstruktion 
des früher Vorhandenen nicht getan sei. 
Auch die neuen Verkehrsmittel, vor allem das Auto, 
wirken vielfach auf die Vernichtung der schönen alten Stadtteile 
hin. Sie zwingen dazu, Straßen zu verbreitern und größere 
Durchbrüche herzustellen. Wie kann hier helfend eingegriffen 
werden? Pros. Gurlitt meinte, man möge rund um die Altstädte 
eigene „Automobilstraßen" anlegen, die auf lange Strecken hin 
keinen Querverkehr haben. Durch Schaffung eines solchen Ringes 
gelinge es, die Altstädte zu entlasten, deren bescheidene Straßen 
dann sehr wohl Zur Bewältigung des ihnen zufallenden geringeren 
Verkehrs ausreichen mögen. Dem Plan ließe sich gewiß zustim 
men, wenn er nur nicht gar zu sehr ein Plan auf weite Sicht wäre. 
Zuletzt erörterte der Redner die wirtschaftlichen Folgen 
der Entvölkerung der Altstädte. Hm die aus dem Mittelpunkt der 
Stadt evakuierte Bevölkerung unterzubringen, hat man in ihrem 
"O^r»lctsrdiläsr SpLtrom, 
aa äw äss moäsi-nsn Luropa" von 1L v o ¬ 
'» äritter verbesserter äuklszs ersebis- 
so tzusüs u. Us^er, 488 8.) 8sm ist, 
so verteil äes rSmisekeir Meltrsiokes ru sokiläsr^ 
rrr 1&amp;gt;ro?eL, m üom um! Italien Lukböreu 
sutruw äer politisobM Dinge -n sein, unä äie (Irunäb 
xsn äes beugen Europa sieb dlläsn. ^Lsr äes virä 
ebt init sokuimAHtxsr Oesübiektssebreibuns voi-'ö- 
6er Neise äsL äie DersöuIiekkiLa 
rsioknet ^eräsn, äie ibrs 2eit obsrslcterisisren: 8sv- 
i D n m st s an L ü s n vsru ä s e , r ä 6 ie r°k s e ^ris J v u d li s e n n Lei 8 s M er o in b n o sn ün D ä io Ä e r ie i t ^ i- d in 
., , 
ekristliodsn L-reks, Osrmsnsnköniss. vss 
2LN nsst sieb ^ie ein Romkui, spsnnenä vow &amp;gt;^nsün^ 
Ls ^t ^ii e ! rk n re ie u b li t eb 6s x s s o u k i i H vd , ts äs o L do m e an ,JV su e e r§ k 
ib Q z L s N Lt L m L s n m k s N n im ä m es t, Verkssssrs ebne xroks Desebver 
Meine MiLLerlungen.^ Die Gesellschaft der 
Freunde des Frankfurter Goethe-Museums 
ehrte am Sonntag Las Andenken ihres vor wenigen Tagen da- 
hingegangsnen Gründers und Vorsitzenden Dr. Julius B urg- 
hold durch eine Gedächtnisfeier, in. der Geh.-Rat Biese die 
innigen Beziehungen des Verstorbenen zu Goethe und der deut 
schen Kultur kennzeichnete und mitteilte, daß er seine Samm 
lungen Goetbelcher Handzeichnungen und Autographen der Ge 
sellschaft testamentarisch vermocht habe. KonsPorialrat Dr. 
Dechent schilderte hierauf das religiösbewegte Seelenleben des 
jungen Goethe«, ww es in seinem kürzlich aufgefundenen Brief« 
j Wechsel mit Langer, demLreund aus der Leipziger Studienzeit, 
widerspiegelh. 
An Verein für 'orientalische Sprachen 
l i n ein genauer Kenner der 
turMchewVer^ seine Erlebnisse in dem vorderasiatischen 
. r u s s a m den Jahren vor dem Weltkrieg. Er leitete damals 
ein Resorm-Archüekturdüro im türkischen Kultusministerium und 
bereme die ganze Türkei zu architektonischen Studienzwecken. 
Seinem Berichie sind manche fesselnde Einzelheiten zu entnehmen. 
Zunächst dre B a u w e r k e Brussas: es sind zumeist Schöpfungen 
der ersten fechs Sultane des osmanischen Reichs, die im Jahr 1236 
Brussa e-nnahmen und dort bis zur Ewberung Konstantinopels 
nn Jahre 14oo rhren Sitz hatten. Die alte griechische Kultur ver 
drängend, ließen ste unter Heranziehung Persischer Kunsthand 
werker durch, grreämche Baumeister ihre Grabkapellen (Türbe) 
Lwicheen, Universitäten (Medressen) und Bäder errichten. Bon 
dem Glanz der Sultansherrschaft zeugen vor allem die grüne 
Moschee und die grüne Grabkapelle, die unter Mohammed'!, im 
14. Jahroundsrt entstanden sind. 
Im Vergleich mit den großen Sultansmoscheen Konstantr- 
nopels, die nach dem Vorbild der byzantinischen Haqia Sophia 
geaasten stnd,. zeichnen sich diese frühen Bauten vor allem aus 
durch die Originalität ihrer Planung und das kernige Kraft- 
bewußtwm, das aus ihnen spricht — ein KrafLvewußtsein, das 
den historisch Unterrichteten denken Läßt an die gewaltigen Waffen- 
taren,.dle diese Bauherren in Turban und Hermelinmantel im 
I^nen Mazedonien auf den Schlachtfeldern des Amselfeldes und 
ver Nrkopolrs verrichteten. 
Brussa liegt am Nordhang des mächtigen asiatischen Olymps 
(rund 2500 Meter hoch), der aus der byzantinischen Zeit den Namen 
„Mönchsberg" trägt. Der Redner bestieg ihn zu einer sehr unge 
wöhnlichen Zeit, rm Dezember nämlich. Er ging allein und 'zu 
Fuß, während man im Sommer gewöhnlich zu Pferd oder auf dem 
Maultier den Gipfel erklimmt und der Vorsicht halber sich von 
Gendarmerie begleiten läßt. Charakter der Landschaft und Vege 
tation erweckten in dem Reisenden vielfachere Erinnerung an die 
bayrischen Alpen, und nur etwa die Gebetsrufe, die bei Morgen 
grauen von den mehr als fünfzig Minaretts Brussas ertönten,rieien- 
Ihm die Gegenwart zurück. Die Nomaden sind im Winter von 
den Anhöhen verschwunden und von dem^ Getier leisten Adler 
allein in den oberen Regionen Gesellschaft. " In 2060 Meter Höhe 
stieß der einsame Wanderer auf eine breite Fahrstraße, die in 
einem Tannendickicht plötzlich endigte. Derartigen halbfertiaen 
Bauten begegnet man in der Türkei oft, es wäre aber durchaus 
verfehlt, die Schuld hieran lediglich auf die türkische Verwaltung 
zu schieben. Europäische und levantinische Unternehmer verleiten 
aus egoistischen Motiven die technisch nicht so erfahrenen Türken 
häufig zu solchen Experimenten, die dann wegen mangelnder Mittel 
und fehlerhafter Voranschläge nicht zu Ende geführt werden können. 
Ein ernstes Kapitel ist auch der Raubbau, der von den nomadi 
sierenden Bewohnern Kleinasiens vielerorten mit den Wäldern 
getrieben wird. An ihrer Stelle wuchert dann Strauchwerk, das 
die Nomaden ebenfalls ausrotten, weil es ihnen die Weideplätze 
nimmt. Die Folge davon ist, daß nach dem Abweiden der Gras 
narbe die Winterregen die Erde wegschwernmen und schließlich 
Ein historischer Film In der Neuen Lichtbühne wird eü" 
großer historischer Film : „Der Mann mit der eisernen 
Mask e" vorgeführt, er behandelt das Schicksal des angeblichens 
Zwillingsbruders von König Ludwig XIV. Das beste „sind Ke 
Szenen, in denen das Prunkleben am Hofe des Sonnenkönigs sich' 
entfaltet. Im übrigen werden, nicht eigentlich silmgemäß, so viele 
Jnrcigen aneinandergestückt, daß es mitunter schwierig ist, sich 
zurechtzufinden. Albert Bassermann ragt als Darsteller 
des Kardinals Mazarin hervor. — Ein kleiner 'Tierfilm geht 
der Staatsakten voran. raa. 
Worms und Dülmen, sind übrigens mit der gleichen -Liebe be 
handelt worden; Photographien von ihnen mögen darüber auf 
klären, daß von deutscher Seite alles geschehen ^ist und geschieht, 
um die Gefallenen der fremden Länder würdig zu ehren. 
Verständnis und Entgegenkommen werden dem Deutschen 
Völksbund im allgemeinen nicht versagt Er arbeitet Hand in 
Hand mit dem italienischen Bund, und auch die Belgier unterstützen 
nach Kräften seine Bestrebungen. Das in ihm vertretene Marine 
ministerium hat erst jüngst die auslaufenden Schiffe damit beauf 
tragt, in den fremden Häfen Erkundigungen nach den deutschen 
Ruhestätten einzuholen und ihn von dem Ergebnis zu unterrichten. 
Am wenigsten Unterstützung findet der Volksbund bei den Fran 
zosen: indessen sind Verhandlungen im Gang, um das erforder 
liche Einvernehmen zu erzielen. 
Die Ausstellung, die vierzehn Tage bei freiem Eintritt geöffnet 
bleibt, hat sich die Aufgabe gesetzt, für den Gedanken der deutschen 
Kriegsgräberfürforge zu werben. Viel ist getan, mehr noch bleibt 
Zu tun. Soll der Volksbund seine humanen, der Völkerversöbnung 
dienenden Aufgaben vollends bewältigen, so bedarf er der tätigen 
Anteilnahme des ganzen Volks. Es ist Zu hoffen, daß die Aus 
&amp;gt; stellung, die sehr sinnfällig die Erinnerung an die Opfer des 
Kriegs wachruft, ihm neue Anhänger zuführt. Lr.
        <pb n="65" />
        der kahle Fels zutage tritt. Der Kampf der Regierung gegen diese 
uralten Gewohnheiten, die das Klima ungünstig verändert Habens 
gestaltet sich sehr schwierig. — Von dem Gipfel des Olymp soll sich 
übrigens bei klarem Himmel der Fernblick bis zum Schwarzen Meer 
erstrecken. 
Ist man der Sprache mächtig, so bat, wie der Redner sagte, 
der Umgang mit der türkischen Bevölkerung großen Reiz. 
Man kommt dem Fremden höflich und gesittet entgegen und übt 
Gastfreundschaft nach orientalischem Begriff. Einzelzüge sind 
hierfür bezeichnend. Einer jener Brussaer Bauern, die irr ihren 
Obstgärten ein gottergebenes Leben führen, bewirtet den Zufällig 
Vorübergehenden wie selbstverständlich mit Kaffee und der Wali 
von Brüssa läßt gleich Zweihundert Briefe schreiben, um dem 
allerdings von der Regierung empfohlenen Reisenden in jeder 
Weise entgegenzukommen. 
Der Aufenthalt Dr. Klinghardts in Bruffa fiel in den Faste n- 
monat, den Monat Ramasan.^Zu dieser Zeit ist in den Nächten 
alles auf den Beinen; man sitzt in den Kaffeehäusern umher 
oder besucht die unseren Marionettentheatern verwandten Ver 
gnügungsstätten, in denen volkstümliche Schattenspiele vorg^ 
führt werden. Die Minaretts der Moscheen sind mit Oellämpchen 
verziert, zu denen sich zahllose Kerzen und Lampen gesellen. Sie 
erzeugen ein wahres Lichtmeer, das in die Stimmung von Tau- 
sendundeine Nacht versetzt. Lr. 
Ab) , 4 
--- HochsLsprsrMme. In den Großen Luna-LMspielm werden 
gleich zwei HoÄkwlerMme auf einen Schlag vorgesührt. Vor 
den historischen PrunWmen. die neuerdings modern geworden 
sind, haben immerhin den Vorzug, daß sie keine sorg ältig MA- 
ten Szenen, keine ausgefeilten Handlungen zeigen, die man eben 
so gut im Theater sehen könnte, sondern spannende Geschehnisse 
aus dem ALLag improvisieren, und daß sie ferner auf die Darbie 
tung seelischer Gehalte zuaunsten der filmgerechren Wied rgabe &amp;gt; 
ich einhasten Oberfläch enlebens verzichten. Liebesüffärea und krimi 
nelle Begebenheiten gehen in beiden Filmen ihren Pakt miteinander 
-ein und an Hoteldieben, Spielklubs, zweifelhaftem G lichter und 
verständnisvollem Augenzwinkern wird nirgends g spart. In dem 
Film „Der Frauenkönig" wandelt sich ein hoffnungsvoller 
Friseurjüngling und Liebling der Damm Zu einem eleganten .Ba 
ron", der aber schließlich trotz bedenklicher Lebensführung ^och 
noch einer Läuterung fähig Zu sein scheint. Der andere Mm: 
„Die Männer der SyöiU" mit Ltza Mara in der Haupt 
rolle, spielt annähernd in demselben Milieu; auch hier Lockstap mde 
Spießgese^, die in das Gehege der Gesellschaft einörechm und 
durch ibr- dunklen Aben-ucr schwer Zu lösende M'wkrun^ au ey- 
ten. Nimmt man den Kitsch als Kitsch, so mag man hi.tte m 
Schaibenspiel seelenloser Figuren, unwirklicher Ereignisse Zch 
smtimmtüler Schlüsse ^inen tieferm Sinn suchen und finden e 
Aufnahmen sind im allgemeinen gut; besonders einige nü, ch^ 
SLraßmszenen verfehlen nicht ihre Wirkung. r^e. 
Aus der Biedermeierzeit. 
Briefe der Cleophea Bans a. 
In der Bücherreihe „Frankfurter Lebensbilder" (Verlag 
Englert u. Schlosser, Frankfurt) ist jetzt unter dem Titel: „E in 
Lebensbild in Briefen sus der Biedermeier 
zeit" die Briefsammlung der Cleophea Bansa erschienen, 
deren Jugend noch in die Zeit der Napoleonischen Kriege fiel. 
Die Briefe, die hauptsächlich der ersten Hälfte des 19. Jahr 
hunderts angehören, vergegenwärtigen das Leben der bekann 
ten Frankfurter PatrizierfamWe; auch die engere und weitere 
Zeitgeschichte klingt in ihnen auf und manche Träger berühmter 
Namen, so die Humboldts und Lassalle, wandeln vorbei. Ihr 
Hauptreiz besteht wohl darin, daß sie das Wesen der. klugen 
und liebevollen Schreiberin selber unmittelbar Widerspiegeln 
und einen menschlichen Feinsinn bezeugen, der heute nahezu 
ganz aus der Welt entschwunden scheint. Den folgenden Brief, 
der aus ihrer glücklichen Reifezeit stammt, schreibt sie im Jahre 
1837 an ihren in England weilenden ältesten Sohn Gottlieb^ 
„Es ist alles still um mich, nur Julius spielt hinter mir 
Clavier; kein Frühöesuch stört mich am kalten Wintertag, und 
SiMWMLMW-SsrsMMsz. 
Sitzung vsm 26. November. 
22 Zu Beginn der Sitzung beschwerte sich Stadtv. Lang 
(Komm.) darüber, daß neuerdings für die Z u h ö rr rt r i b ün e n 
nur eine beschränkte Zahl von Karten an die FrEionen ausgegeben 
werde; ferner beantragte er, auch seiner Fraktion eine Abschrift der 
stenographischen Protokolle Zu überlassen und beklagt sich über die 
angeblich unrechtmäßige Vorenthaltung des FrakLionszimmers. Vor 
sitzender Hops betonte, daß die Kartenbeschränkung sich als not 
wendig erweise, da Stadtv. Lang mit ihnen Mißbrauch ge 
trieben habe, und wies auch die anderen Beschwerden des Vor 
redners zurück. Stadtv. Heiß Wolf (Soz.) drückte seine Ueber 
einstimmung mit den vorn Vorsitzenden vertretenen Beschlüssen des 
AettLsten-Aüsschusses aus. Nach weiteren erregten Aeußerungen 
des Stadtv. Lang bemerkte Stadtv. Landgrebe (Lib.) noch, 
daß das Haus der Fraktion des Herrn Lang stets ein Entgegen 
kommen gezeigt habe, das nicht selten weit über das erträgliche 
Maß hinausgegangen sei. Er billige das Verhalten des Vorsitzen 
den. Auch die Versammlung stimmte den Beschlüssen des Aeltesten- 
Uusschuffes zu. 
Vor Eintritt in die Tagesordnung legte Stadtv. Korff,? 
(Dem.) dagegen Verwahrung ein, daß bei Totenfeiern den 
Vereinen Friedhofsgebühren abgefordert werden. Er bat 
den Magistrat, die Friedhofsordnung daraufhin durchzusehen. 
Oberbürgermeister Voigt begründete die Gebührenerhebung, er 
klärte aber, daß in bestimmten Fällen auf Antrag Erlaß eintreten 
solle. 
Mehrere Magistratsvorlagenan der Spitze der Tages 
ordnung wurden debattelos erledigt. Die Vorlage über die Er 
haltung des Licht- und Luftbades Sachsenhausen wurde nach 
kurzer Diskussion an den Stistungsausschuß zurückverwiesen. Zur 
Vorlage über die Erhöhung der Dienstbezüge der Beamten usw. 
bemerkte Stadtv. Frl. Dr. Schultz (Dem.), daß die Gehälter 
der Beamten und Angestellten in keinem Verhältnis 
zu den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen stünden. Von 
der berühmten Rentemnark habe man bisher noch nichts gesehen. 
Die Rednerin stellte namens ihrer Fraktion einen Antrag, in dem 
u. a. die Auszahlung eines Teiles der rückständigen Gehälter in 
wertbeständigem Geld gefordert wird. Stadtv. Schnei 
der iSoz.) schloß sich diesem Antrag an und befürwortete seine 
Ueberweisung an den Organisationsausschuß, damit er dort auch 
noch auf die Arbeiter ausgedehnt werde. Stadtv. Merten 
(Zentr.) unterstützte ebenfalls den Antrag. Nach Ausführungen 
des Stadtv. Lang wies Stadtrat Pros. Bleicher darauf hin, 
daß die Beschaffung wertbeständiger Zahlungsmittel in der Vor 
woche daran gescheitert sei, daß Goldanleihe nicht verfügbar war. 
Auch die Rentenmark komme vorerst nicht zur 
Ausgabe. Der Antrag ging an den Organisations-Ausschuß. 
O 
Für die Fundierungsarbeiten am Neubau der Alten Main 
brücke wurden 10 OM GoldmarL bewilligt. 
Die beiden letzten Erhöhungen der Straßenbahn 
- fahrPreise fanden nachträglich Genehmigung Desgleichen 
wurde einem Antrag des Stadtv. Pros. Dessauer (Zentr.) auf 
Ermäßigung-der Straßenbahnpreise für die Frankfurter 
Aerzte einstimmig stattgegeben. 
.Zu dem Bericht des Organisations-Ausschuffes über Kün 
digung der regulativmäßi gen Anstellung her 
Arbeiter lag folgender, von Stadtv. Schneider (Soz.) be 
gründeter Antrag der soMldemokratischen Fraktion vor: 
„Wir beantragen, die SLadtverordnei-en-Versammlung wolle 
dem Beschluß des Organisations-Ausschuffes vsm 16. Oktober 
1923 Zustimmen, der dahin geht: Die Stadtverordneten-Versamm- 
lung sieht in der Vorlage des Magistrats eine Bestätigung ihrer 
Auffassung, daß die vom Magistrat einseitig erfolgte generelle 
Mnöigung nicht ohne Zustimmung der Stadtv er- 
ordneten-Versammlung hätte erfolgen dürfen. Sie 
stimmt nunmchv der jetzigen Vorlage des Magistrats und der 
reuen Fassung des Regulativvertrags mit der Maßgabe zu, daß 
n 8 3 des Vertrags die Worte „und Versorgungsämter" ge- 
trichrn werden. Sie fordert weiter, daß die gleichen Vergün- 
Ligungen. die der neue Vertrag enthält, auch den übrigen städri- 
Hea Arbeitern und Arbeiterinnen unter denselben Voraus- 
etzungen und von dem gleichen Zeitpunkt ab gewährt werden." 
Stadtv. Frl. Dr. Schultz (Dem.) erklärte, daß der Magistrat 
garnicht daran denke, den neuen Vertrag auf alle Arbeiter und Ar 
beiterinnen auszudehn-en. Außerdem sei damit zu rechnen, daß 
der Reichsmantebtarif von Jahr zu Jahr schlechter werde. Schließ 
lich muffe man dem Magistrat das Recht bestreiken, einen bestehen 
den Vertrag einseitig zu ändern; solche Aenderung könne nur dann 
Rechtskraft erlangen, wenn die Stadtverordnetenversammlung ihm 
zustimme. In ihren weiteren Ausführungen vertrat die Rednerin 
entschieden das Recht der regulativm-äßig Angestellten und befür 
wortete den Antrag des Organisations-Ausschuffes, der fordert, 
d&amp;lt;ch üe Rechte deZ Regulativvertrags seinen bisherigen Inhabern 
wieder gewährt werden sollen. Stadtv. Kirsch (Kom.) unter 
stützte diesen Antrag, auch Stadtv. Landgrebe (Lib.) stimmte 
ihm ? r. Stadtv. Nelles (ZLr.) trat gleichfalls der Auffassung 
der Vorredner bei und wünschte außerdem, daß alle diejenigen die 
noch nicht die Vergünstigung des Regulativ-Vertrags genießen, 
ihrer teilhaftig werden möchten; er pflichtete darum dem letzten 
WfchniLt des sozialdemokraLischen Antrags bei. Stadtrat Dr. 
Schmude erklärte, daß je nach der Beschlußfassung der Ver- 
sanmckuna, der Magistrat erneut Zu der Frage Stellung nehmen 
werde» Im übrigen sei er bereit, Anregungen aus der Versamm- 
krng entgegenzunehmen. 
Der sozialdemokratische Antrag wurde in der Abstimmung an 
genommen. 
Der Organisationsausschuß beschloße dem Maaistratsantrag auf 
Schließung des Pfandhauses nicht stattzugeben. Er 
beantragte Erhöhung der Mnderzinsen und Neuregelungen, die im 
Einklang mit den heutigen Verhältnissen stehen. Diesem Antrag 
wurde zugestimmt. 
Mit einer Eingabe auf Gewährung eines Lohnausgleichs an die 
Mitglieder der Erwerbslosenkommission soll sich auf Antrag des 
sozialpolitischen Ausschusses das Arbeitsamt beschäftigen. 
Stadtv. Dr. Hanauer (Dem.) erörterte als Berichterstatter 
des Stiftungs-Ausschufles die 
Maßnahmen zm Sanierung der Ortskrankenkaffe. 
Stadtrat Schlosser betonte, daß der Magistrat seine Be 
mühungen für die Sanierung der Ortskrankenkaffe fortzusetzen ge 
denke, hierzu aber nicht in unbegrenztem Maße fähig sei. Schon 
in der nächsten Woche könne vielleicht die Balance zwischen Ein 
nahmen und Ausgaben erzielt werden, was hoffentlich auch für die 
Dauer möglich sei, falls nicht jede kommende Woche eine hundert-' 
prozenüge Dollarsteigerung bringe. War die OErankenkcUe 
sicherlich zu ihrem eigenen Bedauern, genötigt, zu Mimmalleistun- 
gen zurüchukehren, so wird sie auf Grund der jetzigen Maßnahmen 
bald wieder ihre Leistungen erhöhen können und 
muffen. An Aerzte und Patienten ist freilich die Mahnung zu rich 
ten, daß sie die Tätigkeit der Ortskrankenkaffe in jeder Weise unter 
stützen. Zu begrüßen hat man es auf alle Fälle, daß Lei den Ein 
sparungsmaßnahmen die freie Aerztewahl nicht amgetastet wurde. 
Ein Aböau-ihres Verwaltungsapparates^wird^der Ortskranken-
        <pb n="66" />
        se r.-) (0«/, 
Das 1918 erKoftienene ^Verb Rudolf Luobens: 
^Menseft und ^Velt" (I^pM^, (Quelle ^leyer. 
XII, 489 8.) wird in dritter, dureftgearbeiteter ^uftaM 
voik^eie^t. Rs Mftt aus von der Xot der Oe^enwart, 
in der die 8oele unter dein Druck Lukenor RnerMeent- 
kaftun^ iwmer rneftr LusainmenMsoftruinft sei, und steift 
sieft in den Dienst einer Rrneuerun^ dies Lsrkiüfteten 
rnodennen bebens. Die se-ftr weiträunnMn Detraefttun- 
xen rnöeftten daftin wirken, dak diese Xwft Lwiseften 
&amp;gt;Ve1t und ^lenseft, Arbeit und 8eele sieb verringere 
und die un^efteure wis-iseftaftiiefte und MsiiM Xrise 
iftre Dosunx: linde dureft unseren in einen 
neuen, ft oberen DeftenKstand. 
Dtlrriftek. Via BmwAS Lur De- 
kebrebta der modernen Ltkik. Von Uiobael IViLt- 
mann. vüsseläork, D. Lob^ann. 115 8. 
vis ^nskäkrunKon 6es kÄtkoiiLokHn, aristotelised einge- 
steHwn VorkasZsrs (orsebienen al8 dritter Land der von prok. 
I'illinann üerÄu«sse§ebenen „^.bbLndlunxen aus Ltkik nnd 
Aoral") bejaben -war Lebelerg Lant-Lr!tik, erdkknen aber 
einen begründeten ^.ngrikk ank seine ^Vertlekre nnd seine Ls- 
käinpkunA der küioktetkilr. dener wirkt er vor, dak sie snk 
einem kalseben Intuitionismns beri^bs nnd im Dnklaren dar 
über lasse, wie die Werte auk Dott rn belieben seien. Diese 
klebt er an, weil sie, infolge ibrer Wendung geMn einen 
„einseitigen" kkliebtbe^rikk (gemeint ist der Lantisebe), rn 
einer DeuAnunA des Dkliekt^edankens überbaupt xelange und 
ßfanx die ll'atsLebe verkenne, dak dem sittlieb Ruten als von 
Rott Rebotenem eine veiPkliebtende Xrakt eigne. Der Dole- 
mik, die xnletrt niebt verabsäumt, die IIngenaEkeit maneber 
^ßsebiebtlieben .Angaben Lebelers nnd seine Willkür im Re- 
braueb tbeologtseber Legrikks Lu rü^en, wird aueb von niebt- 
tbeolotziseber 8eite ein gutes Reebt xugedMgt werden kön 
nen, insoweit sie die Draxwürdigkeit der 8ebeler«eben Dbän- 
nomenoloxie erweist. Lr. 
I)r6 im Lwerdkr. siBebwENH 
„?kilo80pbio 6er InälviZuLlität" von 
Rieft krä r-k' r 6 ienl 6 ! 8 (ftrüpLik, I?. U&amp;gt;Ä- 
nvr. XI, 289 8.), dm öftren von einer ä^r Posi ¬ 
tion 8uninG8 6NA verwan-ckton iSftonLpftilosopftisofton 
Orunck-Lnseftarmno: nömint, «rkiärt ckm „Inckivi-änafttät" 
kür 6w rational nniabiwftoZ (FodM-e. Da das Indi- 
vidnollo nM dein lüften vorciurokt sei, spott« e« ä«r 
ftoxisiorunT, und rvonn dös Individuen auoft in dureft- 
Lus loMirnor ^«ise ru rationalen l'vpiswrunTOn, su 
üftorindividuoUen k'orinon und ^Verton ftinmnofttsn, 
trügen di«8o dooft stots das Norünra! iftros snftjoktivon 
IIiBprunMs an sioft und dürften icein«rl&amp;gt;eä ^nspruoft auk 
aftkow te O eftun^ erbeben. Xu in Zoftlusse spielt der 
Verkasser seinen etvvas verspätet an wütenden vit aiisti- 
Keften Irrationaftsmus Liegen die Aleelmnisierun^ und 
Rationaftbierun^ des Menseften der Äviftsation aus. 
oftne su werben, dak seine Rosition ^enau der ^leieften 
Lpftäre w-ie die M^neriK-ofte angeftöri. 
, 2-S - 
Grstz-ZiMlkmk. 
Vom Institut für Soziatforschung. 
/ Das im März dieses Jahres in Angriff genommene Ge- 
däude dez Frankfurier Instituts für Sozialforschung, eine 
Gründung bekannter Förderer der Universität und ihrer Ein- 
richtun-gen, nähert sich der Vollendung. Ueber seine Bestimmung 
ist bereits früher von uns berichtet worden (vergl. Stadt-Blatt 
vorn 26. Oktober 1922). Es h-tt die AufgNbe, in einer Biblio 
thek alles zu sammeln, was an Spezialliteratur und Sonder- 
vsLsentlichungen über das ihm «nvertraute Arbeitsgebiet vor 
handen ist. Daneben tritt als nicht minder wichtige Aufgabe 
die Anlage eines Archivs, dem die Zusammenstellung des in 
Mi- und ausländischen Zeitungen, Zeitschriften, Denk- und 
Flugschristen zerstreuten Materials obliegt, ferner die Schaf 
fung einer Kartei, dis als Zentmlnachweis der im Institut 
selber nicht erreichbaren Werke auszubilden sein wird. 
Das von Architekt Franz Roeckle errichrte Jnstttuts- 
tzebäude erhebt sich in unmittelbarer Nähe der Universität an 
der Viktoria-All«. Es gliedert sich in drei HvuptteÄe: «inen 
Teil, der dem akademischen Schulbetrieb dient, einen anderen 
der Spszialforschung gewidmeten Teil und schließlich einen 
Teil für Bibliotheks- und Verwaltungszwecke. Die Räume 
für den allgemeinen Schulbetrieb gruppieren sich sämtlich um 
die große Mittslhalle, die sich durch die zwei unteren Haupt 
geschosse erstreckt. Sie umfassen außer etlichen Dozenten- und 
Afsisbentenzimmern eine Anzahl von Seminarräumen, die in 
der Hauptsache als Stiftung an die volkswirtschaftliche Fakul 
tät der Universität übergehen sollen. Der eigentliche Jnstituts- 
betrieb, der von dem Lehrbetrieb ganz abgetrennt ist, spielt sich 
in dn beiden Obergeschossen ab, zu denen zwei links und rechts 
beim Eingang gelegene seitliche Treppen enrperführen. Den 
Kern dieser Abteilung nimmt der dis beiden Geschosse er 
füllende Lesesaal ein, der über der Mittelhalle liegt und durch 
hoch angebrachte Seitenfenster sein Licht erhält. Schmale 
Zimmer von normaler Geschoßhöhe, dis den Benützern des 
Instituts als Arbeitsstätte dienen, umlagern ihn wie Mönchs- 
lasse so wenig wie irgend einem anderen Unternehmen erspart blei 
ben. Zum Schlüsse ermähnte Stadtrat Schlosser die Ortskranken 
kasse dazu, sich Kredit aus dritter Hand zu beschaffen, um für die 
Zukunft gerüstet zu sein. 
Stadtv. Dorschu (Soz.) als Vorsitzender der Ortskranken 
kasse bestritt, daß die Kassen nicht rechtzeitig abgebaut hätten und 
rechtfertigte im einzelnen die von der Ortskrankenkasse getroffenen 
Maßnahmen. Bürgermeister Graf bemerkte, daß es nicht an- 
gehe, die Kranken, die Gelder für Medikamente benötigen, dem 
Wohlfahrtsamt zu überweisen. Solle die Ortskrankenkasse 
saniert werden, so müsse sie ihre Unterstützung auch auf die Medi 
kamente ausdehnen; das Wohlfahrtsamt sei nicht in der Lage, Ver 
pflichtungen wie die ihm zugemuteten zu übernehmen. Stadtv. 
Fleischer (Lib.) gab verschiedene Anregungen für die weitere 
Sanierung der Ortskrankenkasse und erstattete der Frankfurter AerZLe- 
schaft seinen Dank daM, daß sie trotz aller Schwierigkeiten wäh 
rend der Krisis aus geharrt habe. Stadtv Walther (Dem.) gab 
der Auffassung Ausdruck, daß die Ortskrankenkasse nur im Verein 
mit den Aerzten saniert werden könne, für deren direkte Honorie- 
rung er ssich aussprach. Mit der vorübergehenden Hilfe der Stadt 
erklärte er sich durchaus einverstanden. Gegen die Anträge des ' 
Stiftungs-Ausschusses erhob sich kein Widerspruch. 
4- 
Stadtv. He iß Wolf (Soz.) protestierte 
gegen die Sperrung 
der ArbeitslosemrntersLützung im Rhein- und Nuhrgebiej 
und begründete folgenden Antrag der sozialdemokratischen 
Fraktion: 
„I. Die Zustände rm Rhein- und Ruhrgebiet treiben zur 
Katastrophe. Dringlichste Pflicht ist es, zu ihrer ent 
schlossenen Abwehr in letzter Stunde alle Kräfte wachzurufen. 
Während feindlicher unerbittlicher Druck auf unseren Volks 
genossen im besetzten Gebiet lastet, wagt es ein verantwor 
tungsloses Unternehmertum, Millionen Arbeiter und An 
gestellte rücksichtslos auf die Straße zu setzen. Gleichzeitig 
kündigt die Reichsregierung an, den Erwerbslosen und So 
zialrentnern jede Unterstützung zu sperren. Diese Politik 
widerspricht der Menschlichkeit, wahrhaftem nationalen Im 
texesse, deutscher Rechts und friedlicher Staatserhaltung. 
Es widerspricht der Menschlichkeit, hungernde 
und frierende Menschen aus finanziellen Gründen elemen 
tarste Lebensnotwendigkeiten zu entziehen, obwohl noch nicht 
einmal der Versuch gemacht worden ist, durch Sonderbesteue-' 
rung Mittel gegen den Hungertod aufzubringen. 
Es widerspricht nationaler, die Einheit des 
Reiches wahrender Politik, die Bevölkerung der besetzten 
Gebiete der Verzweiflung und damit dem französischen An 
nexionismus widerstandslos preiszugeben. 
Es widerspricht dem Anspruch auf recht 
liche Gleichbehandlung, daß Volksgenossen, die 
Deutsche sind und Deutsche bleiben wollen, Ünterstützungs- 
rechtr entzogen werden, die den übrigen Volksgenossen zu 
stehen. 
Es widerspricht fri edlicher Staats erha l - 
tung, einen Zustand herbeizuführen, der die Gefahr herauf 
beschwören muß, daß verzweifelte Massen, möglicherweise 
mit feindlicher Unterstützung, auch im unbesetzten Gebiet mit 
Gewalt sich aneignen, was ihnen friedlich versagt wird. 
II. Von den Rückwirkungen einer solchen Politik 
wird das ganze deutsche Volk, besonders die Städte an den 
Grenzen des unbesetzten Gebietes, mithin auch Frank 
furt a. M., betroffen. 
Deshalb beantragen wir: 
Die Stadtverordneten-Versamm wolle beschließen, 
den Magistrat zu ersuchen, unverzüglich 
1. bei der Reichsregierung und der Preußischen 
Landesregierung vorstellig zu werden, um 
L) Widerspruch gegen die Massen^ntlassungen in den 
besetzten Gebieten und gegen die angedrohte UnterstützungS- 
sperve -einzulegen; 
d) darauf zu dringen, daß schleunigst durch auf den Besitz 
gelegte Sonderbesteue rung Mittel zum Kampfe 
gegen die Hungersnot, vor allem in den besetzten Gebieten, 
aufgebracht werden; 
2. den Städtetag zu veranlassen, ein Gesamtvor- 
gehen aller 'deutschen Städte im Sinne dieses Antrages her- 
veizufühven." 
Stadtv. Korff (Dem.) stellte zunächst fest, daß es sich Lei dem 
Antrag um Fragen der großen deutschen Politik handle. Er und 
seine politischen Freunde seien gewiß nicht mit allen Maßnahmen 
des Herrn Stvesemann in der letzten Zeit einverstanden gewesen, 
fänden aber, daß sich der Antragsteller die Sache denn doch zuleicht 
gemacht habe. Tatsächlich habe die deutsche ReichZregierung alles 
versucht, das Wirtschaftsleben an Rhein und Ruhr in Gang zu 
bringen, aber an dem harten Nein des sadistischen 
französischen Imperialismus seien alle Versuche ge 
scheitert. Da könne man es verstehen, daß die Reichsregierung 
schließlich daran denke, ihre hoffnungslosen Bemühungen aufzu- 
geöen, um zu retten, was Zu retten ist. Freilich gegen eine Preis 
gabe des Rheinlandes müsse war: sich unter allen Umständen zur 
Wehr setzen. Die Entscheidung aber liege Zuletzt Lei Frankreich. 
Stadtv. Landgrebe (Lib.) sprach sich in ähnlichem Sinne wie 
der Vorredner aus. Die Auszahlungen seien ja übrigens bis zum j 
Monatsende zunächst sicher gestellt. Müßten wir auf die Dauer von 
Reichswegen diese Lasten aufbrrngen, so würde das ganze deutsche 
Volk zusammenbrechen. 
Der sozialdemokratische Antrag fand mit Ausnahme der 
äußersten Rechten Annahme.
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        LunZ Zss von i!im äurekeiltsn Oodistss, 
Lr 
bis zu Ende. 
nae. 
I DLS LkotZL ^SL* LKRvKsKLLL. Voll U. v. 6 S 0 rs 
baoAer. ki-ass, vr. ckosek k'Issek. 167 Leitoo. 
Der VerkAFLsr suekt an vleleo Lelesson äio NberrAsseoZy 
Rollo Lii erweisen, äie in äer Lad da! 8,, vioiit Lvletxt Luelr 
m äer Aoledton R^ise^en ^VirLNelikoit, äer Rrotik ?.n- 
ortellt ^exäs, nodsi er Lu so L?L§^üräitz'6o LodÄUpLuogsn 
^is der xelLuxt, äLÜ äitz ivlloro ^Misedo Ossebiebto Als 
roeü? oder iriiLäer be^uLtsr Laioxk L^isekeo äer mLoir- 
^sidlieiien unä MLoo-mLorüiebeo erotiseiieo Riektuoss sr- 
sedemo. Im SAALon ist äss Lueb kaum mekr 8,1s eme Ioter- 
exakte ULteriLlsAMmlullZ, äsreri ^ert äured ikrs nälMür- 
lieke 2u8Lmm6ll8t6l!un^ kreüiek starlc deemtrAektiZt ^virä. Ois 
LU8 äeu ^Ltsaebeo allLuselillell xsLOssLosn Ledlü8se, &amp;gt;v!e Aueb 
äie oderkläoMeke llerallLielmllA äsr VsvodoLQLl^LS Isbreo, 
äaü äer Verkssser seinem 8tokk niebt voll Zo^Aebsco ist, 
unä ^eeben äen ^unseb nLek siller ^näiieberen LrFebüs- 
ZemerküNUk. 
Der Haderhat sich heute so tief in die Seele des deutschen 
Volkes eingesressen, daß Selbstbesinnung und Achtung des 
Gegners geschwunden scheinen. Das Gefühl der Gemeinsam 
keit grundiert nicht mehr die Aeußerungen aus verschiedenen 
Lagern, und das vernünftige Wort verhallt ungehört. Dieser 
Mangel macht sich natürlich auch in dem Verhältnis von 
Arbeitgebern und Arbeitnehmern oft fühlbar. Das liegt manch 
mal an dem einen, manchmal an dem anderen Teil. In einer In 
dustriestadt nahe bei Frankfurt stellten die zu einem erheblichen 
Teil noch voll beschäftigten Arbeiter bei den Lohnverhand 
lungen der letzten Tage Forderungen, die den Schwierigkeiten, 
mit denen die auf den Export angewiesene Industrie zu kämpfen 
hat, nicht gerecht wurden. Der Verhandlungsleiter sagte einem 
Vertreter der Arbeiter, daß die Arbeitgeber dank der vor 
handenen Aufträge zwar noch zwei bis drei Wochen Löhne 
Zahlen könnten, wie sie gefordert würden, dann aber die Arbeit 
reduzieren oder gar einstellen müßten, da das Ausland bereits 
billiger liefere. Und er fragte ihn, ob die Arbeiter angesichts 
dieser Umstände es nicht verzögen, ihre Ansprüche freiwillig zu 
ermäßigen, um der Industrie und auch sich selber über die Krise 
hinwegzuhelfen. Der Arbeitervertreter erklärte, daß er trotz 
dem die Forderungen ihrem vollen Umfang nach aufrecht ev- 
balte. Die Arbeitgeber sollten zahlen, solange sie hierzu in der 
Lage seien, und später sollten sie eben mit den Arbeitern 
„stempeln" gehen, d. h. sich bei der Erwerbslosenfürsorge 
melden. Abgesehen davon, daß die Industriellen noch keines 
wegs „stempeln" gehen, wenn die Arbeiter in diese Notwendig 
keit versetzt werden: welche Kurzsichtigkeit spricht aus dem 
Neue und alle Bucheinbände 
Den Mittelpunkt der in den Räumen der Buchhandlung 
Joseph Baer L Cs. am Montag eröffneten Ausstellung 
bildet die Sammlung kostbarer Bucheinbände von Max 
Schwerdtfeger. Die Arbeiten dieses Künstlers, sämtlich 
Unika, sind sehr durchdachte kunstgewerbliche Leistungen von unbe 
dingter Zuverlässigkeit der handwerklichen Ausführung. Erreicht 
ist vor allem, was bei BibLioPhilen-Ausgaben nicht immer ver 
wirklicht zu werden Pflegt: der Zusammenhang von innerem Ge 
halt und äußerer Gewandung. Vorsatzpapier und Schmuck des 
Einbandes sind nicht nur stets ein in sich geschlossenes Ganze, 
sondern erwachsen überdies sinngemäß aus dem Geist des Textes, 
mit dem sie sich zu übsrgreifender Einheit verbinden. Je nachdem 
Inhalt und Schriftbild es erfordern, ist der Einband bald reicher 
ausgestattet, bald in einfacher Ornamentik gehalten; sicheres 
Taktgefühl schreibt im allgemeinen — Ausnahmen bestätigen auch 
hier die Regel dem Künstler vor, ober seine Phantasie spielen 
lassen darf oder sich auf einige strenge Umrißlinien zu beschränken hat. 
Wie immer auch die Komposition stch entfaltet, sie berücksichtigt 
von vornherein das Material mit und ist bis in die kleinste Einzel 
heit hinein technisch vollendet durchgebüdet. Häufiger Gebrauch 
wird von farbiger Leder-Intarsia gemacht. Mitunter 
füllt sie den größeren Teil der Fläche, wie etwa auf dem ausge- 
seichneren Robinson Crusoe-Band, mitunter ist sie auch als kleine, 
schnittige Vignette einem einfarbigen Grund eingelegt; von Werken 
dieser Art seien die Prachtbände der Buchfolge „Genius" und der 
sehr kapriziöse Einband einer snobistischen Berliner Zeitschrift 
„Der Kleiderkasten" genannt, der zu Beginn des Krieges eine kurze 
Lebensdauer beschieden war. Unter den reinen Pergament 
Bänden ragt eine mächtige Lutherbibe! inMindpressung hervor; 
an die Flächen mit ihrer breit ausladendM und doch zurückhalten 
den Ornamentik schließt sich der derbgewichnge Rücken ausge 
zeichnet an. Im Gegensatz zu solcher Monumentalität stehen die 
goldgeprsßten Einbände Rilkescher Gedichtbücher, die stch auf 
hauchartige Andeutungen beschränken und durch die Auserlesenheit 
des Materials bestechen Verschiedene Einzelleistungen verdienen 
noch emsn besonderen Hinweis: so der mir farbigen Arabesken und 
Genreszenen übersäte Einband der Indischen Sagen, der ebenfalls 
hmrdgemalte Einband eines chinesischen Gedichtbuchs (vonBethge , 
das nach Art der chinesischen Blockbücher gebunden und geheftet 
ist, und das mit feinstem Geschmack ausgsstatrete Gedichtwerk der 
Sappho, ein Meisterstück der Buchtechnik, das durch die schöne 
Hülle einen Reiz mehr empfängt Neben ^iesen^ndividuetten Er- 
Sollen den Klosterhof. In Verbindung mit ihnen sind auch 
dre Räume für Archiv und Kartbotek, sowie das Zimmer des 
DMktorr ungeordnet. Nach rückwärts schließt sich der fünf- 
Seschossige Derwaltungsteil an. der durch eine Wendeltreppe 
Mit dem Institut und der MittslhaLe verbunden ist. Im Erd 
geschoß befinden sich Buchbinderei und Duchdruckerei darüber 
liegt die Hausmeisterwohnung, die sch-on bald bezogen werden 
soll. Die drei oberen Geschosse bergen ihrer ganzen Aus- 
deynung nach die BücherMagaZine in sich, die rund 60 900 
Bande aufnehmen können; ein Ausleihe- und Abgaberaum 
vermittelt den Verkehr zwischen ihnen und dem Lesesaal. Die 
erfordelichen Nebemäume, wie Garderoben, Paprermagazin, 
Mtentvssoc, Keller für Brennmaterialien und Zentralheizung, 
sind all« im Souterrain untergebrachk. Auch ein großes'Kistsn-Ü 
Magazin, das gleichzeitig als Auto-Unterstellraum dient, fehlt 
Lbricens nicht. 
Die schwierige Aufgabe, einen baulichen Organismus 
zu schaffen, der so verschiedenen BestimmungSzwecken gereckt 
wird, ist voll bewältigt. Klar und übersichtlich oreisen die 
Raumgruppen ineinander, Zusammengehöriges steht in zweck-' 
mäßiger Verbindung und nirgends erhält man'den Eindruck 
der Künstelei. Bei der Grundrißbildung und Fügung des 
Ganzen hat äußerste Sparsamkeit gewaltet. Damit das uner 
läßliche Höhenmaß nicht überschritten werde, sind die Semi 
narräume und der Lesesaal von niedrigeren Zwischengeschossen 
umgeben, in denen die kleineren Räume Unterkunft gefunden 
haben. Auf mcssive Konstruktionen ist überall großer Wert 
gelegt. Im wesentlichen hat man mit Eisenbeton aearbeitet, 
der in Pfeilern und Deckenbalken unverhüllt zum Ausdruck 
gelangt. 
Die Fassaden sind folgerichtig aus dem Grundriß ent 
wickelt. Sie sollten ursprünglich in Klinkern ausgeführt wer 
den, da aber nach der Sperrung der Grenzen dieses Material 
aus dem besetzten Gebiet nicht mehr zu beschaffen war, griff 
m n zum fränkischen Muschelkalk. Er verleiht dem Aeußeren 
einen ernsten, beinahe festungsartigen Charakter, den der&amp;lt; 
durch die flachen Dächer erzielt? horizontale obere Abschluß 
noch beträchtlich steigert. Auf den ersten Anschein hin wirkt 
Liese schmucklose Architektur, die bewußt auf die Uebernahme 
tradit oneller Stilelemente verzichtet, etwas befremdend, zumal 
ihr- Beurteilung erschwert wird durch das hohe Nachbarbaus, 
dessen Stockwerk- und Fensterteilung einen falschen Maßstab 
hergibt. Wer hat stch erst das Auge richtig eingestellt, so gewinnt 
die äußere Erscheinung mehr und mehr anUleberzeugungskrast 
und man spürt, daß sie das gedrungene und komprimierte 
Innere mit großer künstlerischer Unbefangenheit zur Dar- 
siellung bringt. , Lr. 
Der Kaufmann von Venedig. So nennt stch ein achtaWger 
Prunkfilm, der frei nach AreLino, Mastuccio und u. a. auch — 
Shakespeare von Peter Paul Feiner sür den Film bearbeitet 
worden O. Das Stück, das zurzeit im National-Lheater und in 
den Skala-Lichtspielen vorgsführt wird, entfaltet sich breit und 
zögernd in einer schleppenden Handlung- Beiwerk rückt in den 
Vordergrund, und jedes Geschehen wird Mzugründlich motiviert. 
Von Shakespeare ist nicht mehr viel übrig geblieben — kein Wun 
der schließlich, ws so viele Autoren Pate gestanden haben. „Das 
Ganze fehlt, auf den Inhalt hin angesehen, strikt wider den Geist 
des Films; sichtbarer sprunghafter Bewegtheit gibt es gedankliche 
Uebergänge und überflüssige Verzahnungen, statt grotesker Oöer-- 
läche falsche SssLenLiefe, statt überraschender Improvisationen 
orgfäMg präparierte Sßenen. Kurzum: kein echtes Filnsstück, son 
dern schlechtes Theater und glanzvolle Revue. Für diese gründe 
'Wichen Verirrungen entschädigen allerdings überreichlich die 
herrlichen Bilder und bis schauspielerischen Leistungen. Die Auf 
nahmen stnd in Venedig und Umgebung gemacht und mögen 
rElHem armen Schlucker hierzulande einen Ersatz für dre Jtaften- 
reise bieten Die Markusktrche steigt auf in magischer Schönheit, 
dichte TmrLenscharen umflattern den Turm, man wandelt in 
Sansovinos SäulengLngbu, gleitet in der Gondel durch verschwie 
gene Kanäle, oder fahrt in der Mondnacht zum Lids hinaus, wäh 
rend die Kuppel von Ssn Salvatore weit und weiter schwindet. 
Jede? Winkel der einzigen StM wird lebendig, und wieder und 
wieder erfährt man den Zauber der Palaftfassadm, die ebenso 
scheinhast find wie ihre Spiegelung irr den Kanalem Die Szenen 
sind mit viel Geschmack gestellt: lebende Renaissance-Bilder nach 
Paolo Versness und anderen berühmten Mustern. Eine ganze 
Reihe erlauchter Filmstars gibt sich in dem mittelalterlichen Venedig 
Rendezvous. Voran Henny Porten als sehr reizende Porzia, 
dann Lia Eiben schütz, die der Jessiea ihre Verführungskrast 
leiht. Werner K?auß — als Raffle noch in gutem Angedenken 
-- spielt den Shylok, eine für den Film nahezu unmögliche Auf 
gabe, die er aber innerhalb des gegebenen Rahmens groß bewältigt; 
sein Partner ist Albert Steinrück, der den Tubal mit charak 
teristischen Gesten verkörpert Auch unser Carl ELerL hat den 
W-eg zum Film und zu Henny Porten gefunden; sein Antonio 
ist ein wahrhaft königlicher Kaufmann, der sein Geschick mit Würde 
trägt. Harry Liedtke steht ihm als leichtsinniger Bass-nris 
ebenbürtig zur Seite. -- Voran geht die hier schon gesehene ame 
rikanische Groteske: .Fatty als ländlicher Held", ein 
lr-Orger Schmarren, fmngerecht und unwahrscheinlich von Anfang s
        <pb n="68" />
        zeuoMsen, von denen das eine oder andere ichon die Grenze des 
Gesuchten streift, finden sich auch Einbände, die über den Rahmen 
guter Stilkonventionen nicht hinausMisen; sie wirken vornehm, 
ohne durch besondere Eigenart aufzufallen. Trotz derartiger 
Schwankungen hinterläßt aber die Kollektion doch den Eindruck 
einer reifen Künstlerschaft, die sich der Bestimmung des Buches 
willig unterordnet, ihre Eigenart in den gegebenen Schranken 
bewußt zur Geltung bringt und sich vor den Gefahren über 
triebener Selbstbetonung und routinierten Epignonentums gleich 
sehr zu hüten weiß. Zu erwähnen bleibt noch, daß eine Anzahl 
von Bänden aus Privatbesitz stammt. 
Die Verlagswerke des Münchener Verlags Ro eSlL Co., die 
in der gleichen Ausstellung gezeigt werden, umfassen in der Haupt 
sache Klassiker und Memoirenliteratur. Heine, Cervantes, 
Büchner, Kleist (diese beiden von Arnold Zweig herausgegeben), 
alles Bände großen Formats, treten reihenweise in Leinen,' Halb- 
leder und Leder an; ein fünfzigbändiger Goethe sott, wie man 
hört, noch vor Weihnachten folgen. Der Güte des Drucks ent 
spricht das untadelige äußere Meid, das sich mit derselben Liebe 
um die Tragödien eines deutschen Dichters wie um die Denk 
würdigkeiten der Margarete v. Balois oder der Dubarry legt. 
Der Unternehmungsgeist des Verlegers., der heute stattlich-präch 
tige Ausgaben in solcher Fülle auf den Markt zu bringen wagt, ist 
auf alle Fälle zu bewundern. Liebhabern ser verraten, daß die 
Lederbände in einem bei uns noch nicht benutzten Oasenziegenleder 
hergestellt sind, dem Lichtechtheit nachgerühmt wird. Ein Borzug, 
der vermutlich teuer zu erkaufen ist. 
Ergänzt werden diese Kollektionen durch eins Sammlung 
alter Bucheinbände aus den Beständen der Firma Baer 
selber, die sich von einem griechischen Einband um 1200 in chrono- 
logsicher Reihenfolge bis zu den romantischen Einbänden aus der 
Mitte des 19. Jahrhunderts erstreckt. Zahlreiche Kostbarkeiten 
sind hier vereint — eine wahre Schule der Ornamentik, in der 
Italiener, Deutsche, Franzosen einander zu überbieten trachten. 
Pros. Nob. Schmidr, der Direktor des Kunstgewerbe-Museums, 
wird in seinem morgigen Vortrag diese zum Teil seltenen Arbeiten 
ausführlich würdigen. ' Lr.
        <pb n="69" />
        HnvrÜL, , -2.-Ah. 
Die Quäker. 
- -- Auf Einladung des Bundes für Mutterschutz 
sprach Donnerstag abend Dr. Alfons Paquet über Wesen 
und Ziele des QuäkerLums Der Redner erinnerte zunächst 
an das allbekannte Wirken der Quäker in jüngster Vergangen 
heit. Wie sie schon während des Krieges sich helfend ein setz 
ten, so bewährten sie auch nach dem Krieg überall, wo es not 
tat, ihre großzügige und schlichte Hilfsbereitschaft. Sie waren 
in Rußland zur Stelle als dort die Hungersnot ausbrach 
und verlegten ebenso ihre Tätigkeit nach Deutschland, um hier 
das drückendste Elend zu lindern. 
Zum Verständnis ihres Wirkens ist ein Blick auf ihre 
Geschichte geboten. Der Redner schilderte die Anfänge 
der Bewegung in der Zeit der Cromwellschen Bürgerkriege, 
einer Epoche, die an Zerrissenheit ganz der unsrigen glich. 
Junge, religiöse Menschen, die sich selber die „Sucher" nann 
ten, durchstreiften damals das Land, um zu erkunden, was 
werden solle. In ihrem Kreise wuchs auch George For, 
der Sohn eines Webers, auf. In Opposition zu der Kirch- 
lichkeit seiner Zeit stehend, legte er in der Kathedrale zu 
Nottingham zuerst Zeugnis ab von dem ihn bewegenden 
Geiste. Er fand natürlich viele Gegner und mußte Jahre 
im Gefängnis zubringen. Bald mehrte sich die Schar seiner 
Anhänger; sie hatten schwere Verfolgungen zu erdulden, ob 
wohl sie nur für friedliche Ziele eintraten. Man siedelte sie 
strafweise in den neuen amerikanischen Kolonien an, aber die 
Strafe erwies sich als Wohltat, gewährte sie ihnen doch Ge 
legenheit, an der Gestaltung eines Staatswesens tätigen An 
teil zu nehmen. Zumal in Pennsylvanien konnten sie durch 
den Abschluß von Verträgen mit den Indianern ihr JdeÄl 
des Friedens praktisch auswirken. Mit den englischen Kolo 
nisten vermischten sich bald deutsche Pietistische Auswanderer, 
und enge Beziehungen spannen sich vor allem zu Frank 
furter Kreisen an. 
D:e Gedanken, denen das frühe Quäkertum diente, sind in 
der Folgezeit nie verloren gegangen. Nicht nur für die 
Sklavenemanzipation in Amerika haben die Quäker Große- 
geleistet, sie haben auch ihren Einfluß in der französischen 
Revolution geltend gemacht und auf den Zaren Alexander 
persönlich eingewirkt. Eine ihrer großen Gestaltet! aus neuerer 
Zeit ist Elisabeth Fry, die ihr Leben in den Dienst einer 
Besserung des Strafvollzuges stellte. 
Nach dem Ausspruch eines bedeutenden Führers der Quäker 
ist ihr ganzes Wirken, das sich in der Gegenwart zu unerhörter 
Aktivität gesteigert hat, als „P rophetentum der Tat" 
zu begreifen. Sie selber empfinden ihre Arbeit an den Men- 
lchen als Arbeit am Reiche Gottes Nicht allein in praktischen 
Handlungen drückt sich jenes Prophetentum aus, eS gibt sich 
auch in ihren Andachten und Versammlungen kund und be 
stätigt sich neuerdings wieder in der Gründung des Londoner 
Komitees für internationale Arbeit, einer Art von Wel^ 
zentrale, die ihre Gesandten in alle Teile der Welt entbietet, 
damit sie auf friedlichen Ausgleich und Gerechtigkeit dringen. 
Schönstes Dokument solcher Gesinnung ist der in diesem Jahre 
vom Komitee erlassene Aufruf an die Völker und Regie 
rungen, der sich gegen den Vertrag von Versailles und seine 
Ausführung richtet. 
Was können die Quäker uns bedeuten? Sie sind uns Trost, 
weil sie durch ihr Sein und Wirken immer von neuem beweisen, 
daß selbst in diesen dunklen Zeiten noch Menschen leben, die 
das Licht der Wahrheit hüten und über der Gerechtigkeit 
wachen. Durch ihr Verständnis für jede Situation mögen 
sie uns in vielen Dingen zum Vorbild werden. Wesentlich 
für uns ist zumal ein Verständnis ihrer Religiosität, 
d e praktisches Handeln mit einem starken Glauben vereint, ge 
schäftliche Tätigkeit verbindet mit einem inneren Sicherneuern 
und derart dem ganzen Leben einen sakramentalen Charakter 
verleiht. Lr. 
--- Eine Film-Dexierposse. Der in den U.-T-L-chtspielen vorge- 
führle Film: „Seine Frau — dle U n d e k a n n l e" be- c ht 
eigentlich aus zwei Stücken, d e ohne ersichtlichen Grund miteinan 
der verwoben sind. Das erste Stück, da^ als Tragödie eines B! n- 
den andebt, schnappt plötzlich ohne Pointe ab, ist a!so genau be 
sehen überhaupt kein Stück, oder nur das Sück eines StiÄes. TaZ 
zweite Stück, das nicht allein deshalb zam Lachen reizt, wei! es sich 
als Lustrpiel gibt, verdankt seinDasem der lächerlichen EtteUcit 
des jungen Eheweibs jenes Blinden, der durch irgend eme Bwn- 
dcrkur sein Augenlicht m Amerika wieder erhalten hm Nach 
Winer Rück hr gibt sich nämlich die merkwürdige Frau dem nun 
mehr sehenden Gemahl nicht zu erk nnen, da sie den Ehrgeiz hat, 
von chm erkannt zu werden. Er tut ihr aber den Gefallen nicht, 
und so Verschwender sie als verschmähte Ganin, um als Fr.m e, 
die ihren Mann neu erobern möchte, in sein Haus wieder cin- 
zuz ehen. Die Posse, die auch pikanter Entkleidungsszenen nicht 
emb.hrt, löst in ihrem Verlauf die folc-enden Vexiersragen : Wre 
kann eme Frau auf sich leider erfeuüchtig werden? Und: 
Wre gelingt es einer Frau, sich ihren Mann abspenbig zu 
machen und ihn dadurch zur Untreue gegrn sie zu verleit..n, 
dak sie ihn selber verfuhrt? Der ingemöse Erfinder dieser un 
wahrscheinlichen Weiberlogik bat sicherlich gemeint, ihre Un- 
wahrscheinlichkeit tauge eigens für den F lm; indessen, die.Vnno- 
logik, ist sie auch nicht minder umvahrftl einlich,darf doch virbt ohne 
weiteres gle chgZetztz werden mit den vielleicht wahrscheinlichen 
Capricen eines ausgesucht albernen Geschöpfes Das Ganze endet 
mit Versöhnung und Kuß, und unbean woriet bleibt lediglich die 
Frage, wre em Mann m;t eu er solchen ( aus von Frau fürder zu 
sammenleben könne. Doch rst das Kmo schließlich nicht dazu da, 
daß man sich über fremde Angelegenheuen den Kopf zerbrich^ 
Als Darsteller ragen LrlDagover und Willy Fritsch hervor. 
— Der vorangehende amerikanische Film „FrxundFax ais 
Lufrschiffer" ist ein ausgezeichnetes Beispiel grösster 
Komik, die sich ganz an die Oberfläche zurückgezogen hat. r av. 
- -- ^Türkische AschitBtur.I Im großen Rundsaal des 
Frankfurter Völtermuseums ist zurzeit eine Ausstellung 
von zeichnerischen und Photo graphischen Aufnahmen türkischer 
Architektur zu besichtigen, die sehr sinnfällig das rege wissen 
schaftliche Interesse bezeugt, das man m Deutschland, ganz un« 
a5h'&amp;lt;:aig von unseren Wirtschaftsbeziehungen zum Orient, der 
türk scheu Kultur entgegenbringt. Ihr Veranstalter, Dr. Jng. 
Karl linghardL, der vor dem Krieg ein Reform-Architek 
turbüro im türkischen Kultusministerium leitete, hat sein um 
fangreiches Material auf einer Studienreise zusammengetraaen, 
die er 1913 in das Entstehungsgebiet der osmanischen Architektur 
unt-rnahm. Unterstützt durch Dr. Halil Bey, den Direktor der 
ehemals kaiserlichen Museen, und den türkischen Generalbau- 
dir^ktor Ke-malhe-in Bey, fand er Einlaß in Bauten, die euro- 
pän^'m Märchen bisher verschlossen waren, und konnte so die 
- tigte Erkundung des eigentümlichen Wesens türkischer 
Da -.st erschöpfend durchführen. Seine Forschungen beweisen, 
'da^' osmanischer Machtwille griechische Vorbilder, indische Ein 
flüsse, seldschukische, persische und arabische Anregungen Zu einem 
neuen Ganzen vor; eigener Struktur verwoben hat. Groß 
zügigkeit und repräsentative Note der architeltoruschen Anlage, 
Reinigung und Vereinfachung des Durcheinanders der Vorge 
fundenen Stile und Abstreifung allzu üppiger orientalischer 
Phantastik: das ungefähr sind die Merkmale de? Bauwerke, 
die auf Geheiß der Sultane von griechischen Architekten und per 
sischen Fayencetöpfern in schneller Folge geschaffen werden. 
Die Studien Dr. Klinghardts erstrecken sich vorwiegend auf 
den Zeitraum oon Beginn des 13. Jahrhunderts bis zur Erobe 
rung Konstantinopels im Jahre 1453, auf jene Epoche also, in 
der die osmanischen Eroberer von Eskischehir aus nach dem 
Bosporus und den Dardanellen vorgedrungen sind. Zahlreiche 
Blätter veranschaui Hern ihr bauliches Wirken in dem 1226 ein? 
genommenen B r u s a, das sie mit rhren Bauten gerade über 
säen. Man begegnet hier frühen prunkvollen Moscheen von 
festungsartigem Charakter, die entfernt an christliche Kirchen 
erinnern, Medressen (Universitäten) und Speisehäusern für 
Arme, den sogenannten Jmarets; in den Gärten stehen die 
kleinen kuppelüberwölbten Turbes (Grabkch llen), einige von 
ihnen Ruhestätten osmanischer Prinzen, deren Turbane die Sar 
kophage zieren. Diese Bautypen kehren in reicherer oder gerin 
gerer Ausstattung immer wieder. Nicht selten entfalten sich 
bei U-ebergängen vom Rechteck ins Gewölbe verschwenderisch 
wuchernde Stalaktiten, oft auch werden die Flächen mit einem 
herrlichen Favencemantel umkleidet, wie etwa das Beispiel des 
einzigartigen Minarets der grüi en Moschee zu I s n i k (dem 
alten Nicäa) lehrt. — Besondere Aufmerksamkeit hat Dri Kling- 
hardt den Bädern gewidmet. Zwei Systeme dieser Profan 
bauten tauchen nebeneinander auf: der an die römischen Ther 
men arrllmgende Zentralbau, der in Brussa z. B. selbständige 
Ausgestaltung erfährt, und das System der türkischen Schwitz- 
kammer (Haman), das in mannigfachen Kombinationen, vom 
großen Prachtbau Lei Jsnik an bis zum kleinen Vad an der 
Straße nach Brussa, verwirklicht wird. — Berücksichtigt sind auch 
einige der gewaltigen Bauten aus dem Anfang des 16. Jahr 
hunderts, die ihrer Ausdehnung nach an Anlagen des Barock 
erinnern. Man steht z. B. die Mustafa Pascha Moschee zu 
Gelse, einen ungeheuren Komplex, der außer der Moschee 
selber noch Logterhäuser, Armenküchen, Universität, Bibliothek 
und Kloster umfaßt und bereits Einflüsse aus dem kurz vorher 
eroberten Aeghpten spüren läßt. 
Diese märchenhafte steinerne Welt ersteht aus einer Ueber- 
fülle architektonischer Aufnahmen. Photographien vermitteln den 
Bildeindruck und zeichnerische Darstellungen, die das Fayencedetail 
ebenso festhalten wie den Grundriß und die Fassaden, ermög 
lichen die genaue Rekonstruktion. Die schönen Blätter, von 
denen vorech nur ein Teil fertig ausgearbeitet vorliegt, erwecken 
den Wunsch, es möge das Ganze bald zu einer Monographie 
über die ersten Jahrhunderte türkischer Baukunst vereinigt werden. 
Lr.
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        Bergpredigt und moderne Kultur. 
--- Dr. Johannes Müller gab in seiner Ansprache am 
Dienstag Abend eine Deutung der B e r g p r e d i g t in esckaw- 
logischem Sinne. Den Gegensatz zwischen ihr uvd unserer Kultur, 
ja soear dem geliebten Christentum hervorhebend, betonte er sehr 
entschieden, daß sie weder Sittengebote in sich begreife, die für alle 
Menschen verbindlich seien, noch irgendwie idealistisch aufgefaßt 
werden düxfe. Sie ist, wie er in immer neuen Wendungen zu 
klären suchte, nicht Moral, sondern das Ende der Moral, die Er 
lösung von ihr; auch gilt sie nicht ollen Menschen schlechthin, 
sondern nur den AuserwählLen, die durch die eure Pforte ein 
gegangen sind. Als Botschaft vom Reiche Gottes kündet sie ein 
neues Sein, das im Gegensatz steht zur Gerechtigkeit der 
Schriftgelehrten, zu den starren Moralgesehen der noch im Dies 
seits verhafteten Menschen Zu diesem neuen, verwandelten Sein 
gelangt man nur durch das Sterben an sich selber, und nimmer 
mehr kann es der Mensch von sich allein aus erraffen. Erst wenn 
er auf dem schmalen Weg zum Reiche völlig scheitert und fein Selbst 
ganz preisgibt, mag göttliche Barmherzigkeit ihm reue Pforte 
öffnen, die Einlaß gewährt. 
Nur kurz verweilte Dr. Müller bei der Betrachtung der 
modernen Kultur. Sie ist zertrümmert wie der Turmbau'von 
Babel und auch der moralische Ruin scheint unaufhaltsam. Was 
hat in solcher Zeit die Bergpredigt zu bedeuten? Gerade s i e soll 
heute Evangelium sein. Sie lehrt vernehmlich, daß die Neuwr- 
mung des Chaos nicht rein Menschenwerk ist, sie heißt die Ver 
zweifelten sich umstellen auf das Reich Gottes, Nicht um Religion 
gebt es hierbei, sondern um mehr: um das Sterben und die 
Wiedergeburt des ganzen Menschen — Die Worte Dr. Müllers 
hatten Gewicht, weil sie Erfahrung und Widerfahrenes bezeugten. 
Zu wünschen wäre vielleicht gewesen, daß er, das paradoxe Ver* 
hältnis zwischen Moral und Üebermoralischem neuem Sein voll 
aufrollend, der Moral mehr gegeben hätte, auch durfte man wohl 
ein ausführlicheres Verweilen bei der aktuellen Gegenwart er 
warten, ober das allein Wesentliche: der Hinweis auf das „Sterben 
an sich selber" trat doch bestimmt und unmißverständlich hervor. Lk 
Die erste Groß-Ailmbühne. 
Das Schumann-Varietö ist tot — es lebe dasSchumann- 
Großktno! Zur Eröffnungsvorstellung fahren b.ruos in langer 
Reihe r-or, und viele Hunderte, die keinen Platz mehr erhallen, 
kehren voller Enttäuschung um. Junen Guirinndenschmuck, Suche 
nach einem leeren Plätzchen, festlich erregtes Haus. Wie bemerkt 
I doch Schieber Neuruann in Kaders „Nebeneinander" sehr richtig 9 
&amp;gt; kx Kmo tux! 
Der Vorhang zieht sich zurück und enthüllt die weiß gähnende 
Fläche. Ehe sie sich belebt, taucht Robert vom Scheid; vbr ihr 
auf und gibt mit seinem mächtigen Bariton, der een ungeheuren 
Raum mühelos bezwingt, den „Bajazzo"-Prolog Zum besten. Nach 
dem oielbeklatjchten Präludium hat der Film — wenn man so 
sagen darf — das Wort. In Deutschlands nunmehr größtem 
Kmotheater produziert sich Jackie Coogan, Amerikas kleinste 
Kinogröße. „Das Zirkuskind', so heißt die Filmschöpfung, 
in der dieser „liebe kleine Junge" seinem Vaterlands auf der 
ganzen Linie zum Sieg verhilft. Eine rührende, gar sehr rührende 
Geschichte, die das gute amerikanische Herz bezeugt. Die Mutter 
des winzigen Jungen leb; bei ihren Verwandten, wo siemicht wohl 
gelitten ist. Jackie wendet die Not. Er verdingt sich im Zirkus 
als Eiscreme-Boy und schickt seinen sauer verdienten Dollar 
wöchentlich nach Hause. Durch seinen Augenaufschlag und seine 
schelmische Grandezza bestrickt er die Welt aus und vor der 
Leinwand — nicht zuletzt die kleine Schulreiterin Baöette 
und den gewaltigen Zirkusdirektor, der ihn auf einen impro 
visierten Erfolg hin mir 7Z Dollar die Woche engagrert. 
Auch diese schickt der brave Boy postwendend seiner Mutti und 
eines Tages erscheint er schließlich selber im Riesenauw mit 
Babette und dem ihm befreundeten Clown, packt stolz die Mama 
auf und fährt mit ihr in eine unbeschwertere Zukunft davon. 
Der Film findet jubelnden Beifall und in der Tor: manche Szenen 
sind von erschütternder Komik, die Nachtaufnahmen der im Ge 
witter dahinstürmenden Zirkuswagen mit ihren Wouvermann- 
Schimmeln suchen ihresgleichen und welcher Hartherzige wollte am 
Ende dem süßen Knirps und seinen kindlich-bravourösen Taten 
widerstehen? Zumal bei einer musikalischen Begleitung, die mit 
Unterstützung von Haydn, Mozart, Beethoven, Reger dem ameri 
kanischen Ereignis gewissenhaft sekundiert? Kurzum: der Erfolg 
des neuen Frankfurter Großkinos im Zeichen dieses deutsch-ameri 
kanischen Bündnisses ist unbestreitbar und erweckt gute Hoff 
nungen auf künftige volle Häuser, die dem wagelustiaen Unter- 
i nehmer Wohl Zu gönnen sind. 
Die Mkm als LarMister 
— Im Erdgesckoßsaal des V ö l k erm u s eu m s, der seine 
AuLsiellunq türkischer Architekmramnahmen beherbergt, sprach 
Dr. Katl Klinghardt auf Einladung des Frankfurter Archi 
tekten- und Jngenieurvereins über die bauschöpferischen 
Fähigkeiten derTürken. Er legte die Einsiciit zugrunde, daß für 
die Baukunst eines Landes nicht ohne weiteres der einheimische 
Techniker und Künstler an erster Stelle maßgebend sei, sondern oft 
aenuq der starke Wille des Bauherrn, der die große Leistung er 
zwing». Als Bauherren nun haben die Türken mächtige Impulse 
gegeben. Kaum den Nomadenzelten entronnen, drangen sie nach 
dem Bosporus und den Dardanellen vor und fließen hier auf die 
byzantinische Kultur, die seit Jahrhunderten keine bedeutenden 
Bauwerke mehr hervorgebracht hakte. Unter dem Einflüsse der 
osmamscken Eroberer erst entwuchs dem brachliegenden Lande 
neue Frucht. Sie siedelten in ihren Residenzen griechische, persische, 
seldschuUiche Künstler an, die ihrem Willen Gestalt verleihen und 
durch die Errichtung gewaltiger Bauten der Verherrlichung ihres 
Ruhmes dienen mußten. Eines brachten sie freilich selber mit: die 
Begabung auf dekorativem Gebiet, die ihnen wie allen 
Orientalen ursprünglich eignet. Ihr Sinn für das ornamcmale 
Gebilde ist so ausaeprägt, daß sie durch den Anblick einer lchönen 
^eppichverschlinaung in eine ähnliche Stimmung versetzt werden 
mögen wie Euroväer durch das Anhören guter Musik. Von solcher 
Neigung zeugt ihr Kunstgewerbe nicht minder wie die Aus 
schmückung ihrer Bauten, bei Henen das Dekorative entschieden 
überwiegt. , - . ..., 
Nachdem der Redner im Zusammenhang unt diesen allge 
meineren Bemerkungen kurz die einzelnen Bauthpen!gekennzeichnet 
halte, deren wir bereits in dem Bericht über seine Ausstellung ge 
dachten (vergl. die Notiz „Türkische Architektur" im Abendblatt 
vom 3. Dezember), ging er zur Beirachtung der gegenwär 
tigen Verhältnisse in der Türkei über. Als technisch wenig be- 
qabtes Volk haben die Türken vor dem Krieg sich ihre Ingenieure 
aus Europa verschrieben. Diese Einspannung fremder Kräfte ist 
aber in dem Zeitalter des modernen Verkehrs nicht so ungefähr 
lich für sie geblieben wie in der Vergangenheit. Denn einmal 
haben die europäischen Kapitalisten bald eine Vormachtstellung in 
dem Land errungen, dem sie scheinbar dienten, und zum andern 
bedroht die schnelle Industrialisierung die türkische Rasse physisch 
und psychisch geradezu mit dem Untergang. Aus dem Wissen um 
diese Gefahren heraus setzen jetzt die Türken nach ihren neuerlichen 
gewaltigen Erfolgen der Fremdherrschaft und der weiteren Techm- 
sirrung einen Widerstand entgegen, der als ihr gutes Selbst, 
ephaltungsrecht zu begreifen ist und keinem Europäer Anlaß geben 
sollte, sich über sie zu erheben. Wir Deutschen, die wir nicht Aus 
beuter sind, können nur damit einverstanden sein, wenn etwa die 
l Bauten, die in der neuen Hauptstadt A n g o r a über kurz oder 
lang erstehen müssen, von türkischen Architekten in türkischem 
I Sinne errichtet werden. ' 
- lPaul Fechter: „Die Tragödie der Architektur".! 
Das mit neun vorzüglichen Tafeln aus gestattete Buch Fechters 
(erschienen bei Erich Lichtenstein in WeiMr) begreift den archi 
tektonisch gestalteten Raum als Ausdruck und Sinnbild des ihn 
gestaltenden Geists und liest demgemäß an der Geschichte der 
Architektur die Geschichte menschlichen Geistes ab, zahlreiche Be 
ziehungen zwischen ihnen erb?üend Es ist insofern ein echtes 
Dokument unserer Zeit, als es von UntergangSstinmmnq getragen 
wird und das Gewesene in einer Weise zusan-nnenschaut und 
psychologisch deutet, wie nur der von ihm Abg-elöste. der schaudernd 
am Ende Stehle es vermaß. N'mmt man diese Halftmq der 
Neroanaenste-'t gegenüber in Kauf ist man v?n vdcherck 
daß die ihr entwachsende« geschichtsphilofophisch 
Einsichten nicht allzusehr belastet. werden dürfen, so wird man 
die geistreichen RaummMysen gerne guthechen, zumal sie nebenbei 
noch die Wssion erfüllen, deutsche Augen zum Verständnis archi- 
Manischer Gebilde zu erziehen. Die bei der ägyptischen Kunst an 
hebenden Betrachtungen suchen gleichsam Wesensformeln für den 
geistigen Sinn der jeüer großen Kultur-Epoche zugeordneten typi 
schen Raumausfassung Zu gewinnen, um dann von diesen Formeln 
aus den Gehalt der einzelnen exemplarischen Architekturwerke zu 
erschließen Während etwa von dem ägyptischen Raume ausgesagt 
wird, daß er als anorganische, abstrakte Gestaltung die organische 
Natur verneine,.'gilt der griechische als Symbol des Gleichgewichts 
zwischen Mensch und Welt, der römische als Raum der Leere und 
profanen Zwecken Untertan Es reiht sich an die Deutung der 
zuerst in romanischer Baukunst sich verkörpernden germanischen 
RaumkonZeption, die in den Schöpfungen der Gotik dem Verfasser 
zufolge das Gleichgewicht der. Nauw.koordmaten aufheöt und eine 
durchaus antiräumliche Gesinnung bekundet. Mit der Gotik be 
ginnt der Abstieg, der Bezug aufs Transcendente, der ihr den 
Austrieb erteilte, bedarf keines räumlichen Ausdrucks mehr, da der 
frei geworden- Geist sich ganz irs Innere Zurückzieht. Daran ändert 
die Gegenbewegung der italienischen Renaissance ebensowenig wie 
der Barock, dessen prunkvolle irdische Räume nur das „rauschende 
Sterbelied" der Architektur sind. Ob das Erlöschen der Symbol- 
fLH'.gkeit der Architektur, das Fechter sehr ungenau ihre „Tragödie" 
nennt, endgültig sei. oder moderne Zweckbautm und Städtebau 
kunst einen neuen Anfang bezeichnen, bleibt offene Frage. Dir 
den Ausweis dieser großen Zusammenhänge begleitenden Sinn 
erläuterungen bedeutender Bauwerke machen den besonderen Wett 
s des Buches aus» Tr.
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        Hölderlins Uebertragung entstammt der Zeit, da sein 
GeK schon an der Grenze stand. Grenzhaft ist auch die Sprache; 
sie verlerbt das Sagbare fremd und schön und ertastet dem Unsag- 
r Form. Kaum zu ergreifender Sinn bleibt oft un- 
faßuch m der dünnen Hülle und zwischen Satzgebilden von un- 
wHerstehncher Klarheit breitet sich Sedweigen und Nacht. Tief 
neigt sich die Sprache ins Griechische hinein; eignes Wort sucht 
das fremde anzusprechen und möchte seinen vergrabenen sinnlichen 
Gehalt an die Oberfläche zwingen. So entstehen Formen und 
Wendungen, die Ungehörtes in sich einpressen und Kunde aus 
geahntem Rerckr Zu bringen scheinen. Die Ferne wird in ihnen 
Zur fühlbaren Nähe und ein Licht,, das bald wieder verschwindet, 
erhellt den Umkreis. 
Wilhelm Michel hat sich in seiner Bearbeitung treu an den 
Text angelehnt. Geringe sachliche Verstöße Hölderlins die ihren 
Der sta'ke Eindruck der Vorstellung war nicht zuletzt der Regie 
Eugen Kellers zu danken, der den Rhythmus zu bändigen die 
Zäsuren em.zuhalten verstand. Spieler und Gegenspiel-r traten 
M -tnander klar entgegen, die Prinzipien wurden Gestalt und 
das Wort Sing ein in die stilisierte Gebärde. Nur der Chor ver 
Grud m der Benutzung ungenauer alter Ausgaben haben, sind 
getügt, grammatikalische und lexikalische Irrtümer beseitigt worden. &amp;gt; 
E- Morgen ifh von unwesentlichen Streichungen und der! 
Klärung nmncher allzuschwer durchwinglichen Stelle abgesehen 
.ursprüngliche Fassung rein erhalten geblieben. Die 
Aufführung erbrachte den vollen^VeweiZ für ihre Bühneweignung. 
dagegen stirbt in der Gruft bei Antigone — aus Liebe zu ihr, ! 
aber nicht allein aus Liebe — den selbstgewählten Tod, nachdem er 
vergeblich versucht hat, den Vater zur Umkehr zu bewegen. Erst 
der blinde Seher Tiresias, kein magisch Zwingender, der reine 
Mund des Gottes vielmehr, macht den Verblendeten sehend. Doch 
zu spät. Das unaswendete Schicksal -entrollt sich gnadenlos und das 
Ende des Dramas ist wirklich das Ende, dem nichts mehr folgt — 
es sei denn die frommwissende Ergebung in den unergründlichen 
Ratschluß der oberen Mächte. 
Gelenkt von einem geheimen „kalkulablen Gesetz", dem Hölder 
lin nachgHspürt hat, halten sich die Figuren der „Antigone" un 
erbittlich das Gleichgewicht. Das Tragische in seiner Reinheit ist 
hier ganz Stil geworden und zu abschlußhaster, nicht mehr vev° 
letztlicher Gestalt gediehen. Wundersam aber ist zumal dies: Trotz 
dem alles Zufällige aus dem Gang der Handlung ausgeschaltet 
wird, Prinzip dem Prinzip hart entgegensteht, bleibt weiter Raum 
für das Menschliche, das die spröden Härten erweicht, stch ein- 
schmiegt in die Abgründe und zart auffteigt aus den gebrochenen 
S^len. Es gewinnt Sprache in Antigones Klage um ihr einsames 
Scheiden und erfüllt die Wechselnden des Chors, die das Geschehen 
nachdenklich, zweifelnd, fordernd und immer fühlend begleiten. Der 
dunkle Ausblick am Schlüsse bezeugt, daß der Dichter ein Grieche 
gewesen; doch harrt seine Seele auch nicht auf Erlösung, so weiß 
sie dre Menschen doch in göttliche * r Hut. 
Die „Antigone" des Sophokles Packt die wesenhaste Tragik 
menschlicher Existenz an der Wurzel. Sie entfaltet die Dialektik 
des Gesetzes zum Drama, in dem Thesis und OMHests ihre Person. 
haften Vertreter finden, die das durch sie verkörperte Prinzip bis 
zur Entscheidung austragen. Kreon, der Herrscher Thebens, ist 
Hüter des selbstisch äffen en Gesetzes, aber er setzt es unbedingt und 
zerbricht darum hilflos mit ihm, wenn er seine Bedingtheit er 
fährt. Recht und Unrecht find in dem König eng gepaart. Gewiß, 
Verrat lauert umher, die Stadt bedarf des strengen Herrn, und 
doch: das Gesetz verdorrt, wenn es sich unnachgiebig zu behaupten 
sucht. Die Aufrührerin Antigone. die „den Geist des Höchsten g e - 
setz^os erkennt", spielt das genaue Gegenspiel, sie bestattet, einzig 
der Schwesternliebe folgend, den Leichnam ihres Bruders Polynms 
Wider des Königs Geheiß. Da dieser nur das herzlose Gesetz kennt 
und sie nur den ungesetzlichen Zug ihres Herzens, durchleben beide 
nicht eigentlich den tragischen Konflikt, sondern stellen ihn lediglich 
unbewußt, stumm dar. Seelisch -erlitten wird er viel eher von den 
Mittlern: von Jsmene und Hämon, in denen der in Kreon und 
Antigone Gestalt gewordene Gegensatz nachhallt und zum Bewußt- i 
sem seiner selbst gelangt. Jens scheitert daran, daß sie das Königs- j 
Wort weder Hinzuhalten noch zu Lrechen vermag. Kreons Sohn i 
Das Schicksal des Dominikanerklosters. 
--- Das Frankfurter Dominikanerkloster an der heutigen 
BatLonnstraße ist eine Schöpfung des Dominikaner- 
Bettelordsns um die Wende des 13. Jahrhunderts., Im 
Gegensatz zu den adligen Orden der Benediktiner, Cisterzienser 
und Prämonstratenser, die ihre Niederlassungen fern den 
Städten gründeten, siedelten sich die Bettelorden inmitten der 
Städte an, um sich gemäß der Lehre des hl. Franziskus und 
des hl. Dominikus der Armenpflege und Seelsorge in der 
Landessprache zu widmen. Zumal den Dominikanern gehörten 
die größten Gelehrten und Mystiker des 14. Jahrhunderts an:! 
so Albertus Magnus, Meister Ekkehart, Suso, Tauler usw. 
Die monumentale Kargheit des hiesigen Dominikanerklosters 
bezeugt, daß auch in Frankfurt der Orden in seiner FrühzeiL 
das Armutsgelübde zu erfüllen trachtete. Bis ins 19. Jahr 
hundert hnein — der Orden wurde 1803 durch die Franzosen 
aufgelöst — war das Kloster eine große Sehenswürdig 
keit, da es in seiner Kirche berühmte Gemälde von Holdem 
d. Ae., Grünewald, Dürer, UffenLach usw. barg. Diese bilden 
seit kurzem emen Hauptschmuck des Städels. In der Folge 
zeit - diente das säkularisierte Kloster den verschiedensten 
Zwecken. Von 1886 bis 1923 war die Battonn schule 
darin untergeLracht; die in der Mitte geteilte Kirche wurde 
als Turnhlle für die Schule und als sogenannte „SLadthalle" 
für Volksvorlesungen und ähnliche Veranstaltungen verwandt. 
Es erhebt sich die Frage, was heute mit den leeren Räumen 
geschehen soll. Der Magistrat plant, in dem ersten Stock des 
Klostergebäudes die Kassen des Gas-, Wasser- und Elektri 
zitätswerkes zusammenzulegen. In dem Erdgeschoß, das den 
noch schön erhaltenen Kreuzgang umschließt, will das Tief 
bauamt Werkstätten für die Wassermesser'Prüfung 
einrichten. Vom Or-densprovinzial Albert Magnus bis zum 
Wassermefferklempner — immerhin kein kleiner Schritt. 
Daß das Gebäude für solche profanen Zwecke denn doch zu 
kostbar ist, sollte nicht Zu bezweifeln sein. Ein- bessere Ver 
wendung seiner Erdgeschoßräume hat seit einem Vierteljahr 
der „Bund tätiger AltstMfteunde" auf eigene Initiative hin 
gefunden. Er betreut und speist dort in den geheiztem Sälen 
den ganzen Nachmittag hindurch über 5 00 Altstadt 
kinder. Bei gutem Wetter dient der von allen Seiten ge 
schützte Kreuzhof als Spielstätte, bei schlechtem Wetter der ihn 
umziehende Kreuzgang. Solche Fürsorge für die sonst völlig 
verwahrlosende Altstadtjugend entspricht dem Willen der 
Stifter des Gebäudes gewiß mehr als die Anlage von Werk 
stätten, für die etwa eine Unterkunft in historisch belangloseren 
Gebäuden gesunden werden müßte. Der Sparzwang darf 
keineswegs dazu führen, daß man den Kindem diesen idealen 
Platz in der Altstadt wieder nimmt und damit zugleich ein 
Gebäude von hohem geschichtlichem Rang seiner inneren Be 
stimmung entfremdet. 
Und die Kirche? Der Besuch der Stadthalle ist seit der 
Gründung des Volksbildungsheims immer mehr zurückgegangen 
und die frühere Turnhalle im Chor wird gegenwärtig über 
haupt nicht benutzt. Uns dünkt nach alledem, daß jetzt der 
richtige Augenblick gekommen ist, eine schon alte Anregung von 
SLadtbaurat Schaumann und Geheimrat Kautzsch zu 
verwirklichen. Sie ging dahin, die der Stadt gehörige (zur 
Zeit in der Kegelbahn des Liebieghauses Zusammengestapelte) 
Sammlung von Abgüssen der mittelalterlichen 
deutschen Monu mentalplastik in einem besonders 
geeigneten ehemaligen Kirchenraum aufzustellen. Leider kommt 
die KarmeMenkirche, die vorläufig! Theaterkuliffen beherbergen 
muß, hierfür in absehbarer Zeit nicht in Betracht. So scheint 
die Dominikanerkirche geradezu berufen, eine solche Bestimmung 
zu erfüllen. Diese Verwendung böte mehrere große Vorteile. 
Einmal würde die frühgotischs Kirche durch die Hemusnahme 
mochte sich nicht einzugliedern. Seine Bewegungen folgten allzu , 
schwach dem Zug des an ihm abprallenden Geschehens, und so trat 
er aus der Rolle ds passiven Zuschauers kaum hervor. Freilich: 
er ist ein fremdes Element unserer Bühne und fraglich bleibt, ob 
ihm überhaupt ein volles Leben zugeteilt werden kann. — Die 
Bühnenarchitektur hat PiLartz geschaffen. Niedere Stadttore, 
das unendliche Rund eines graublauen Himmels — sonst nichts. 
Aber gerade oisse spärlichen Andeutungen waren der richtige Hin 
tergrund für die Figuren, die in ihm plastisch und von Einsamkeit 
umflossen standen, wie die zugespitzten Sätze des Dialogs. Auch 
die Farben der (gleichfalls von Pilartz entworfenen) Gewänder 
führten eine deutliche Sprache. In ihre matten braunen, grauen, 
grünen Töne brach allein das Rot des Königsmantels mit grellem 
Klang herein. — Frl. Kersten schenkte der Antigone die längst 
schon abgeschiedene Seele und die Wehmut der Klage; nur die 
Konturen waren wohl zu weich gezogen. Den harten unbeugsamen 
Kreon spielte Herr Ball schr überzeugend. Er sprach die Worte 
ohne Milde und gestaltete wirksam auch die jähe Erschütterung des 
Endes. Ihm ebenbürtig hielt sich der wahnvolle Tiresias des Herrn 
Ritter. Da übrigen Darsteller, unter denen wir nur noch die 
Jsmene Frl. Sparrens, Herrn Rehmer als Hämon und 
Herrn Kulisch als Boten nennen, fügten sich dem Ensemble gut 
ein. Dr. S. Krakauer. 
Hölderlins deutsche «Antigone-. 
„Antigone" von Sophokles, Übertragung von Höl 
derlin, Textbearbeitung von Wilhelm Michel. Urauf ¬ 
führung im Hessischen LandeZLHeater zu Darmstadt, 
9. Dezember. 
Die Tragik menschlichen Existieren- enthüllt sich grundhaft in 
dem Verhalten der Menschen Zum Gesetz, das ihnen um ihrer 
Unvollkomwenheit willen gegeben ist. Sie müssen sich dem Gesetz 
beugen, weil sie im Bedingten stehen und ihr Zusammenleben nur 
durch die unverbrüchliche FnnLhaltung der sanktionierten Gebote 
gewährleistet wird; und sie dürfen sich ihm wiederum nicht schlecht 
bin unterwerfen, weil sie über das Gesetz hinaus sich Lusnchren 
sollen auf das Unbedingte, das nimmermehr in starre Formeln sich 
bannen läßt. Das ist die Paradoxie des Gesetzes: daß es un 
antastbare Geltung beansprucht und doch zugleich nach steler Selbst 
aufhebung drängt. Wenn es als Letztes sich setzt, wird es zum 
Frevel, und wenn es sich preisgibt, zerfällt die Gemeinschaft, für 
die es besteht. Seine Doppelnatur mag der betrachtende Weise 
durchschauen oder der Heilige, der über die Bezirke deZ gemein 
samen Lebens sich erhebt; die in der Mitte wirkenden Menschen 
aber müssen immer wieder an ihm schuldig werden. Denn nehmen 
fie es fraglos hin, so verfehlen sie sich wohl Wider das, was höher 
ist als geprägte Satzung, und gehorchen sie, schlechtes Gesetz bec- 
feite schiebend, diesem Höheren, so treten sie aus den Grenzen 
heraus, die niemand ungestraft mißachten kann. Gnade allein ver 
möchte den Widerspruch zu tilgen und die Versöhnung zu stiften. 
*
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        Laß man sich über sie entsetzen könnte. 
rae. 
Ein moderner Fabrik-Vemallungshsu. 
— An der Mainzer Landstraße erhebt sich seit kurzem daS rt:ue 
Verwaltungsgebäude der Peters Union. Es wurde 
errichtet, weil die gegenüberliegende Fabrik erweitert werden sollte 
und keinen Platz mehr für Büroräume bot. Die Ausführung des 
im Oktober vollendeten Gebäudes nahm die Zeit von anderthalb 
Jahren in Anspruch. 
Der Neubau, eine Schöpfung des Frankfurter Architekten A. 
Aßmann, ist ein mächtiger Block, der eine Rechtecksfläche von 
rund 1700 Quadratmetern bedeckt. In seinen fünf Geschossen, die 
sich um Zwei symmetrisch angeordnete Jnnenhöfe gruppieren, sind 
olle für die Verwaltung dienlichen Räume untergebracht; sie haben 
gleich so große Ausmaße erhalten, daß sie bequem das doppelte 
Personal bergen, können. Eine geräumige, wohlproportionierte 
Halle, in deren Mitte die breite Haupttreppe einmündet, empfängt 
den Eintretenden. Er mag von ihr zu Kasse und Buchhaltung aus 
der einen Seite, zum Stadtverkauf und zur Ersatzabteilung auf der 
anderen gelangen. Im ersten Obergeschoß liegen die Dtrcktorenzim- 
mer und nach hinten zu der große Sitzungssaal, der mit einem Be 
ratungszimmer in unmittelbarer Verbindung steht. Büros und 
Lagerräume, alle hell beleuchtet, fügen sich in den verschiedenen Ge- 
jchofsen dem Grundrißschema stets ohne Gewaltsamkeit ein. Zu- 
höchst befindet sich die ausgedehnte Reklameabwilung mit einer 
eigenem?kleinen Druckerei und das Kasino für -Beamte und Ange 
stellte, das durch die Speiseausgabe mit einer elektrisch eingerich 
teten Küche zummmenhängt Von seinen Fenstern aus genießt man 
einen schönen Blick auf die Gleisanlagen des Hauptbahnhofs. 
An daS Verwaltungsgebäude schließt sich ein niedriges, lang 
gestrecktes Lagerhaus an, das schon bestehenden Schuppen vor 
gebaut ist und mit dem Keller drei Geschosse umfaßt. Die Güter 
wagen fahren dicht an die Laderampe vor, sodaß die Verladung 
ohne Schwierigkeit erfolgen kann. Später^sollen nach dem Hof zu 
Wetter uttd Retter. Dia Neue LichLbühne hat in dieser 
Spielwoche für ein ausgezeichnetes Programm gesorgt. Da 
läuft ein FÄm: „Die närrische Wette des Lord 
Aldin g", der an die besten Opera der -leide-r -Angegangenen 
SLuact Webbs-Serie erinnert und so Linomäßig ist, wie man 
nur immer wünschen mag. Warum? Weil er nirgends eine 
für ihn ja doch nicht faßbare Wirklichkeit vortäuscht, sondern 
sich um ein reines Nichts dreht, das nun Zu einem sehr span- 
N-enLen und sehr unwahrschmrEchen E.was aufgebauscht wird. 
An dem Beispiel dieses Stückes ließe sich recht gut die noch 
ungeschriebene Metaphysik des Films entwickeln. Es Zeigt 
nämlich, daß echtes Kinospisl die Aufgabe hat, durch Ueber- 
steigerung der Unwirklichkeit -unseres Lebens seine Schein- 
haftiakeiL zu ironisieren und derart auf die wahre Wirklichkeit 
hinzudeuten. Lord Alding, ein bekannter Sportsmann, wettet, 
daß er sich drei Monats liang als Vagabund herumtreiben 
könne, ohne daß ihn jewapd erkenne. Nun kommt es natürlich 
zu Verwechslungen von unwiderstehlicher Komik. Eine exzen 
trische amerikanische Milliardärin etwa wettet ihrerseits, daß 
sie den Lord-Vagabund vor Ablauf der Frist rekognoszieren 
und heiraten wolle, weil er „«in Mann" sei. Sie erwischt — wie 
wär? es auch anders möglich? — den Falschen, indes der rich 
tige Lord sein Geschick an eine exotische Prinzessin aus Naomi 
Land tettet. Nur gegen Schluß spukt die Wirklichkeit gespenstisch 
herein, soll doch der angebliche Mörder des Lords elektrisch 
j hingLLichtet werden. Aber sie zerplatzt gleich wieder wie eine 
! Seifenblase, denn der fixe Gentleman befreit auf eine seiner 
würdige Weise in letzter Minute den armen Schelm. Autos, 
Ozeandampfer, W aff erfliugzenge, Waljenkratzer 
svielen in diesen Affäre eine wesentliche Rolle. Die tiefere 
Bedeutung des amüsanten Scherzes besteht darin, daß er die 
Nichtigkeit einer Welt -enthüllt, die sich um einer Nichtigkeit 
willen in Bewegung setzen läßt und das Gelächter über ihren 
vorher entgifteten Ernst heraufbeschwört. Daß man diese 
Bedeutung g-arrncht merkt, ist vielleicht das Beste &amp;lt;rn dem har 
monisch verklingenden Ulk. — Zugespitzte Karikatur ist auch 
-die amerikanische Groteske: „Jiwmy Aubrey als Retter 
der Unschuld." Sie parodiert die menschliche Beweglichkeit 
so übertrieben, daß jede Natürlichkeit schwindet und alles aus 
Zauberei zu beruhen scheint. Das Kommen und Gehen der 
Menschen wird unglaubwürdig Md keine Norm findet mehr 
.den Zusammenhalt der Mieder. Man lacht über die Drastik 
der Menschen-Automaten, die zu wenig wahrscheinlich ist, als 
der Zwischenwand wieder in ihrer alten Schönheit «riehen, 
zum anderen erhielte Frankfurt kostenlos eme Musterung« 
Schau von Skulptnrenaus der Blutezert des dmtscheu § 
-Kunstschaffens. Da man die Bildwerke m den ScnenMfen 
unterbrinaen könnte, bliebe außerdem das brerte Ävtiel,chrff, 
das über taufend Personen faßt, für Portrage, Konzerte usw. 
sederzeit frei verfügbar. , 
Wir besitzen in Deutschland noch kem großes Museum 
mittelalterlicher Plastik. Umso weniger sollte man m Frank 
furt die seltene Gelegenheit verpassen, die sich letzt für eme 
Verwirklichung bietet. Der Gedanke, daß em derartiges 
Museum, das die Versenkung in die Meisterwerke der. deutschen 
Vera-MMuhAt ermöglicht, mit Muz geringen ^ltteln sich 
schaffen läßt, müßte alle Hindernisse zurückdrängen, die simer 
Gründung etwa entgegenstehen. __! 
noch mehrere Garagen in ihm Unterkunft finden. 
Der zweckmäßigen Organisation des Grundrisses entspricht die 
Güte und Gewähltheit der Architektur. Es versteht sich von 
selbst daß sie auf prunkvolle Entfaltung verzichtet und sich ganz 
chlicht gibt. Wahl des Materials und manche architektonische Fein 
heiten tragen dazu bei, daß daS Aeußere trotz dieser Einfachheit 
reizvoll wirkt. Erdgeschoß, Fenstergewände, Gesimse und andere 
ausgezeichnete Bauteile sind in einem geblichen Tuffstein ausge 
führt, von dem der grüne Putz angenehm absticht. Der oberen Ab 
schlußlinie des mit einem flachen Dach versehenen GebäudeS ver 
leihen die konsolartigen Ausbuchtungen des Hauptgesim^s eine ab 
wechslungsreiche Gestalt, wie überhaupt die guten Prosilierungen 
der umlaufenden Bänder und Gesimse das Ganze beleben und 
klangvoll machen. Das häufiger wiederkehrende Dreiccksmotiv. das 
sich mit den Spitzbogen der oberen Fensterreihc wohl vertragt, blicht 
die Starrheit der Horizontalen und erzeugt eine leichte Bewegtheit der 
Fläche. Der wenig« Schmuck sammelt sich über der Fassadenmittc, 
der «in von Pfeilern getragener Balkon im Erdgeschoß vorlagcrt. 
Er wird von zwei liegenden männlichen Gestalten bekrönt, die sich 
der Architektur richtig einfügen und ihr einen wesentlichen Akzent 
verlcih-n. Sie sind das Werk des Bildhauers Ohly, der auch den 
Sturz über der Eingangstür sehr glücklich ornamentiert hat. Beab 
sichtigt ist noch, auf der Mitte des Hauptgesimses die Bronzeplcstrk 
eines Bärs des bekannten Rcklam-ezeichens von Peters Unron, an- 
zubringen. Doch auch ohne dieses Tüpfelchen auf dem I vermag 
das Baumafliv zumal von der Einfahrt in den Hauptbahnhos her, 
die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. 
Die Innenausstattung steht hinter dem Aeutzeren nicht 
zurück. Vornehm wirkt vor allem die mit geblümtem Jura-Hrkl«Z&amp;gt; 
' bete Eingangshalle, die architektonisch einwandfter gelost ck. Wam&amp;gt;. 
schränke sind vielfach eingebaut, alle Nischen praktrfch a^mutzt.- 
Iusammengehalten werden sämtliche Räume durch Lee einfache 
Formensprachs, die den Decken, Möbeln, Beleuchtungskörpern rhr 
Gepräge verleiht. - 
Bezirkstag des Bundes Deutscher Architekten. 
kr* Frankfurt, 15. Dezember. 
Heute nachmittag fand im Verwaltungsgebäude der Peters 
Union die Jahresversammlung des Bundes Deutscher 
Architekten, Landbezirk Hessen und Hesse n-N a s s a u, 
statt. Vertreter aus Mainz, Darmstadt, Offenbach, Worms, Wies 
baden nahmen an der Sitzung teil. Der Vorsitzende P:of. von 
Löher, hielt die Eröffnungsansprache, in der er die Hoffnung 
ausdrückte, daß auch für den bedränaten Architektenstand bald 
bessere Tage nahen und künstlerische Gesichtspunkte wieder mehr 
in den Vordergrund rücken möchten. 
Ueber die kommend. Aufhebung der Zwangswirt 
schaft im Bauwesen sprach Architekt Aßmann. Er nahm 
zunächst Bezug auf folgerte Resolution, die der Bund Deut 
scher Architekten auf seiner Tagung in Hannover gesüßt 
hat: „Es darf festgestellt werden, daß die Erkenntnis von der Not- 
-- xDie Skulpturen des Ttraßburger Münsters.? Knapp 
vor Weihnachten läßt die Frankfurter Verlags-Anstalt A.-G. noch 
ein besonders kostbares Werk: „Gotische Skulpturen des 
Straßburger Münsters" erscheinen, das die Fülle der 
Münster-Bildwerke in bisher nicht erreichter Vollständigkeit zur &amp;gt; 
Abbildung bringt. Herausgeber der beiden mächtigen Bandr 
ist der Frankfurter Kunsthistoriker Otto Schmitt In einer 
feinen, den herrlichen Lichtdrucktafeln vorangeschickten Text 
studie schildert er Werden und Schicksale des bildnerischen 
Schmucks, der, wie der Münsterbau selber, vom frühen 13. Jahr 
hundert an bis Zu den Tagen der Reformation langsam herauf- 
wächst. Der historische Ueberblick wird von stilkritischen Unter 
suchungen begleitet, die den Wesensunterschied zwischen den 
leidenschaftlich bewegten deutschen Münsterskulpturen und ihren 
formvoll geglätteten französischen Vorbildern scharf heraus ¬ 
arbeiten Die 276 Tafeln, die den gewaltigen steinernen 
Makrokosmos erschließen, sind chronologisch angeordnet und 
kommen dem Verständnis dadurch sehr entgegen, daß sie stets die 
Eingliederung der Skulpturgruppen in den baulichen Gesamt- 
organismus veranschaulichen. Durch alle Sphären erstreckt sich 
diese Welt der Statuen; sie steigt an von dem Bereich der Un- 
geschöpfe, spiegelt das kreatürliche Sein tausendfach wieder und 
erhebt sich Zu den Wesenheiten der Uebernatur, deren Wirklichkeit 
sie in viele Gestalten einzubannen sucht. Zeitlich voran geht die 
QuerschniLLplastik mit den berühmten Figuren der Ecclesia und 
der Synagoge, es folgt ber Lettner, von dem nicht mehr allzu- 
viele Figuren auf uns gekommen sind, und als zweite? Höhepunkt 
plastischen Schaffens der Skulpturenreichtum der Westpsriale. 
Hinzu gesellen sich die Statuen des Innern am „Engelspfeiler" 
und in den Grabkapellen, die Friese und Wasserspeier der Fassa 
den. die Entwürfe Zum Fassaden-Zwischenbau, der Balustraden- 
Zyklus am Turmoktogon usw. eine lange Reihe, die mit den 
unerhörten Büsten des Nicolaus von Hagenau um die Wends 
des 15. Jahrhunderts ihren Abschluß findet. Kaum Mt sich ein 
erschöpfenderes Kompendium mittelalterliche? Geschichte denken i 
als dieses Werk, dessen Figuren-Manni^alLlyke.L sich wundersam 
M? suMML rundet. Seine Herausgabe ist einer friedlichen 
! WiedererMrung des uns verlsrengegangenen Münsters gleich zu 
Wachten, ja, sie MArt uns das verlorene so zurück, datz wir es 
nun M-Hx als ftLMr zu besitzen vemögen — Die dem T^L bei 
gegebenen Abbildungen französischer Skulpturen und die An- 
mervmgerr zu -m Tafeln erhöhen den Wert der BLnd^ ilLr.
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        1. 
2. 
3. 
4. 
Er bezeichnete die Durchführung -er Steuer trotz aller Härten, 
Die Stadtverordneten-Versamm wolle zustimmen, daß 
mit Wirkung vom 1. November d. Js. an für die Monate 
November und Dezember 19W zu der staatlichen Steuer vom 
Grundvermögen gemeindliche Zuschläge und Zwar 100 Prozent 
bei bebauten Grundstücken, die n'cht dauernd land- oder forst 
wirtschaftlichen oder gärtnerischen Zwecken zu dienen bestimmt 
sind, und 50 Prozent bei allen übrigen Grundstücken; 
vom 1. Januar 1924 au für bebaute Grundstücke 200 Prozent 
und bei unbebauten Grundstücken 100 Prozent Zuschläge zu - 
den staatlichen Steuersätzen erhoben werden; 
an Stelle einer besonderen Veranlagung -:-e Auslegung -er 
Hsbelisten erfolgt; 
vom 1. Januar 1924 an -ie bisherige Haus- un- Landsteuer 
außer Hebung gesetzt wird. 
Die neue SLeuervorlage. 
Stadtv. H,eißwolf (Soz.) erklärte Zu -er Vorlage betreffs 
Erstehung von Zuschlägen zur staatlichen Steuer vom Grundver 
mögen, daß seine Fraktion der Magistratsvorlage nicht zustimmen 
könne. Dagegen befürwortete er den Vermittlungsvorschlag Ksrff- 
Nelles, wenn die in ihm angeführten Zuschläge gewisse Herab 
setzungen erfahren. Stadtv. Korff begründeter den von allen 
bürgerlichen Parteien eingebrachten Antrag, der wie folgt lautet: 
Erben sterben werde (und es ist gut so). Meine Hinterlassenschaft 
rst wie eine in barem Gelde, das an viele Erben verteilt wird 
und jeder setzt sein Teil in irgend einen Erwerb um, der seiner 
Natur entspricht: dem die Provenienz aus jener Hinterlassenschaft 
nicht anzusehenflst/" / Dr. S. Kr acau e r. 
-- Weorg Simmel: „Fragmente und Aufsätze"^ In 
einem von Dr. Gertrud Kantorowicz heraus gegebenen 
und ausgezeichnet emgeleiteten Sammelband legt der Mün 
chener Drei-Masken-VerLag Fragmente und Aufsätze aus dem 
Nachlaß von Georg Simmel vor, die ungedruckte Aufzeich 
nungen und Veröffentlichungen der letzten Jahre umfassen. 
Die einzelnen Abhandlungen, die zum überwiegenden Teil in der 
Zeitschrift „Logos" erschienen sind, erstrecken sich auf die verschie 
densten Gebiete und Gegenstände: eine fragmentarische Betrach 
tung gilt dem Phänomen der Liebe, ein anderer Essay erörtert dre 
Wesensunterschiede des platonischen und« des modernen Eros, dann 
wieder wird das Thema der Geschichtsphilosophie angesmlagen, 
und den Beschluß bilden drei kunstphilosophische Untersuchungen 
über die Gesetzmäßigkeit im Kunstwerk, die Erscheinung des 
Schauspielers und das Problem des Naturalismus. In welchen 
Sonderbereich die Gedanken immer weisen, bezogen sind sie sämt 
lich auf Simmels metaphysische Grundkonzeption von dem Wider 
streit Zwischen dem Leben und den aus ihm hervorbrechenden For 
men, die das Leben wohl für eine kurze Zeit zu bergen unb Zu 
gestalten vermögen, dann aber wieder sich auflösen in dem sie 
verschlingenden Strom. Da das Wechselspiel niemals zum Stehen 
kommt sondern über jede gewonnene Grenze stets von neuem hrn- 
wegdrängt, ist das gelebte Leben notwendig tragisch; ferne Ge 
staltungen zerfallen, seine Einklänge dauern nicht, und einzig das 
von ihm abgehobene Kunstwerk spiegelt die ihm selber unerrerch- 
bare abMuUaftL Versöhnung Wider. Drese Einsichten aus den 
Spatjahren des Denkers, die sehr tief die paradoxe Situchion des 
Menschen erfassen, erschüttern doppelt.^ weil sie das wnflrch 
meinte nur in der uneigentlichen Sprache der LebensM 
ausdrücken und eine Antwort auf die Erlösungssehnsucht nur in 
dem Kunstwerk suchen uM Undm Mmn, 
l"„Dokmnente der Menschlichkeit"^ Dem regen Bedürfnis 
nach Klarheit über die Ziele menschlicher Entwicklung und Zusmn- 
menlebenZ sucht der philosophische Verlag Felix Meiner (Leipzig) 
durch die Herausgabe einer Sammlung: „Dokumente der Mensch 
lichkeit" Zu entsprechen, die unter den Werken großer Staatsdenker, 
Sozialreformer und Utopisten der Vergangenheit eine gute Aus 
wahl trifft. Sie bringt Schriften von Campanella, Rousseau, 
Fourier, Kant usw., die auf die Entwicklung des europäischen 
Geisteslebens einen wesentlichen Einfluß aus geübt haben, und macht 
auch die abseitigen Gedanken bedeutender Menschenkenner me 
Lichtenbergs und Chanfforts der Allgemeinheit Zugänglich. 
Fichtes Entwurf: „Die Republik der Deutschen", eine Schrift 
aus dem Nachlaß, in der er die Monarchie ablehnt und sich offen 
zm Republik bekennt, eröffnet die Reihe der preiswerten Bündchen, 
' Tr. 
wendigkeit des Abbaus der Zwangswirtschaft tm Bau- und Woh 
nungswesen Allcmetngut aller Kreise geworden ist, denen ouich 
Beruf und Stellung im Wirtschaftsleben die Möglichkeit unab 
hängiger und sachgemäßer Beurteilung gegeben ist. Der Bund 
Deutscher Architekten als Berufsorganisation muß diesen Stand 
punkt aus volkswirtschaftlichen Rücksichten unterstützen Er ^st 
kraft der Berufsausbildung seiner Mitglieder und ihrer Erfahrung 
als Treuhänder im Wohnungsbauwesen in erster Linie zur Beur 
teilung der Sachlage berufen. Der Bundestag richtet an di« 
Reichs- und Staatscegierungen, an die Parlamente und alle, die 
das Wiedererstehen unserer Bauwirtschaft als Grundlage für die 
Gesundung unseres ganzen Staatswesens erkennen, die Aufforde 
rung. sich für den Abbau der Zwangswirtschaft einsetzen zu wollen.' 
Der ReichZrat befaßt sich in diesen Tagen, so erklärte der Red 
ner im Verlauf seiner weiteren Ausführungen, mit der Aufhebung 
der Zwangswirtschaft im Wohnungswesen und der Beseitigung 
d-r bisher ergangenen Noterlasse über Mictswesen und Woh- 
nunasbauabgabcn. Man hört, daß die Mieten ab 1. Januar 1924 
25 Prozent der Friedensmiete betragen sollen und bis zum 1- Ok: 
1924 die FriedenSmieie wiederhergestellt werden soll. Die MietZ- 
crträge sollen aber dem Hauseigentümer nicht ganz zugs'ührt, 
sondern zum großen Teil den Städten für Herstellung von Neu 
bauten überwiesen werden Die bisherigen Wohnuna'sbauabgabcn 
waren sa völlig unzureichend und zw-ckloS, denn -z konnte nur 
ein kleiner Bruchteil von den Erträgen seiner Bestimmung über- 
geden werden, während der größte Teil für die Verwaltung ver- 
Es wird Sache der Architektenschaft sein, dafür einzu- 
treten, daß die bei der Neuregelung zu erstellenden Mittel tatsäch 
lich zweckentsprechende Verwendung finden und die freien Archi- 
tckten als die berufenen Verireter bei der Projektierung und Aus 
führung der WohnunaSbauten hevanaezo.gen werden. Ferner ist 
darauf hmzuwirken, daß durch den Abbau der Beamten auch dem 
ständigen Anwachsen der Bauämter in den letzten Jahren 
entgegengearbeitet wird. Im übrigen erscheint die Hoffnung nicht 
unberechtigt, daß die Aufhebung der Zwangswirtschaft endlich wie 
der -ur ersehnten Belebung der Bautätigkeit führt 
An die Sitzung schloß sich eine Besichtigung, des neuen 
Verwaltungsgebäudes der PeterS Union. 
Mit jener unvergleichlichen Sicherheit, die alle seine Werke be 
stätigen, bahnt Simmel sich auch in den letzten Schriften den Weg 
von seinen obersten metaphysischen Ueberzeugungen in die Mitte 
des Geschehens. Er schreitet den weiten Bezirk der seelischen 
Wesenheiten ab, ohne sich je in bloße Psychologie zu verlieren, 
versenkt sich in künstlerische und kulturelle Gebilde, ohne ihre Be 
schreibung je zum Selbstzweck zu erniedrigen. Durchweg vielmehr 
Zielt sein Bestreben auf eine metaphysische Ortsbestimmung der ge 
sichteten Erscheinungen ab; er prüft die Art ihrer Teilnahme an 
dem großen Prozeß, der sich zwischen Leben und Form entspinnt, 
und zeigt so jedes besondere Sein in dem Lichte einer äußersten 
Bedeutung. Eben diese leidenschaftlich geübte Fähigkeit des Durch, 
dringens der stumpfen Oberfläche, des Verknüpfens der mannig 
fachen von einander geschiedenen Gegebenheiten rmt dem sie einen 
den Sinne zeichnet Simmel vor den meisten Denkern aus und ver 
leiht seinen gedanklichen Schöpfungen das unverwechselbare Ge 
präge. Er ist nicht nur Philosoph, sondern er ist wirklich ein Phi, 
losophierender; er beschränkt sich nicht allein auf die Bestimmung 
von Leitbegriffen, sondern er erfüllt sie auch mit tausendfältigem 
Gehalt. In seinem dem Bande Leigefügten nachgelassenen T ag e- 
b u ch, das zumal Erkenntnisse aus den konkreten Zwischenschichten 
Zutage fördert und gesättigt ist mit dem Wissen um die tragische 
Mdersprüchlichkeit des hingespannten Lebens, spricht er einmal 
von den Philosophen, die das „Herz der Dinge klopfen" hören; 
gewiß hat er auch sich selber ihnen zugezählt. Und wie klar er 
zugleich gesehen hat daß nicht so sehr seine vergängliche Lehre, 
als vielmehr die jederzeit von ihr abtrennbare Deutekunst der un 
endlichen, verworrenen Vordergründe fortzuwirken vermag, bezeugt 
ein anderes entsagungsvolles Wort diNes Tagebuchs, das ihm mit 
Recht als Motto vorangesetzt ist: „Ich weist, daß ich ohne geistigen 
AMVWrdMeN-VersMMlWß. 
Sitzung vom 20. Dezember. 
Zu Beginn der Sitzung wurde für den ausgeschisdenen Stadw. 
Gerwien (Soz.) der Gewerkschaftsbsamte Stadtv. Anton Kalb 
(Soz.) durch den Vorsitzenden Hopf in sein Amt eingeführt. 
Zu der Magrstratsverord rung, daß Leistungen und Lieferun 
gen für d'e Stadt innerhalb 24 Stunden zu bezahlen seien, er- 
klä:ts Stadtv. Hipper (Zentr.), er b^weifle zwar ihre Durch 
führbarkeit, halte sie aber für unerläßlich. Stadtv. Bouveret 
(Dcm.) drückte seine Freude über die Annahme seines Antrags 
aus und wünschte ihn tatkräftig verwirklicht. 
Für d'e Weiterführung der Notstands arbeiten im 
Stadion, sowie für die Vermehrung der Katalogfache in der 
Stadtöibliothek wurden die erforderlichen Mittel ohne 
Debatte bewilligt. 
Ueber die ÄbänderunqsantrSge des Haupt- und Tiefbauaus 
schusses Zur 
WassevaLgabe-Ordnung 
berichtete Stadtv. Landgrebe (Lib.). Sie enthalten UeSer- 
gangsbestimmungen und einen „Härteparagraphen", der folgenden 
Wortlaut hat: 
Von der Zahlung des Wassergeldes können auf Antrag be 
freit werden, die weniger als 50 Prozent des Einkommens eines 
ungelernten städtischen Arbeiters beziehen. Bei Familien erhöht 
sich dieser Prozentsatz für jedes Kind ohne Verdienst um weitere 
5 Prozent. 
Die Wasserwerksverwaltung ist außerdem berechtigst- in be 
sonderen Noträllen das Wassergeld auf Antrag ganz oder teil 
weise zu erlassen. 
Stadtv. Lang (Komm.) beamragte eine weitergehende Fassung 
-es Härteparagraphen und Stadtv Wagner (Mittelstand) be 
fürwortete die Eintreibung des Wussergeldes durch das Rechnei- 
Amt, nicht durch den Hausbesitzer. Stadtv. Heißwolf (SoZ.) 
wandle sich gegen beide Anträge und brächte einen Abänderungs 
antrag bezüglich der Staffelung des Waffergeldes ein. Im wei 
teren Verlos der Diskussion betonte Stadtrat Schulze, daß der 
Magistrat M mit der vom Ausschuß vorgeschlagenen Herabsetzung 
-es Wasserpreises von 21 auf 12 Grldpfennig nicht einverstanden 
erklären könne, sondern mindestens 19 Pfennige für erforhe lich 
halte; außerdem bat er aus Sparsamkeitsgründen darum, es bei 
-er vierteljährlichen Ablesung (statt der vsrgeschlagenen monat 
lichen) zu belassen. Stadtv. Lion (Lib.) beantragte Annahme 
-er Magiftratsanttäae mit der Abänderung, daß der Wasserp^eis 
auf 19 Pfenn'ge festmsetzen und die vierteljährliche Ablesung Lei- 
zubebalten sei. Stadtv Korff (Dem.) schloß sich diesem Ver- 
mi^ümtMorschlag an In der Abstimmuna wurden- die Anträge 
Lion-Korff in ihrer Gesamtheit angenommen.
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        die sie mit sich bringe, als unerläßlich und r'chtete an die Franko 
hrr^'- Bürgerschaft die Bitte, sich der Tragweite der heute gefaßten 
Deflblüffe bewußt zu sein. Sie müsse bedeuten, daß es sich bei 
der Steuer um einen letzten Versuch zur S a n i e ru n g unse 
rer städtischen Finanzen handle. Nach Ausführungen 
des Stadtv. Lang (K^mm.) unterstrich Stadtrat Dr. Langer 
die Notwendigkeit der Vorlage und appellierte an die Einsicht der 
Stadtverordneten Lebne man die Vorlage ab, so werden in Zu- 
kuntt noch bartere Belastungen kommen. Die Regierung habe mr 
Wr'gen auf die Verpflichtungen der Städte hingewiesen, die 
Steuer aM schärfste arnusvannen. Mit den Anträgen der bürger 
lichen Parteien könne sich der Magistrat zur Not abfinden. Diese 
Anträge wurden in der Abstimmung gegen die Stimmen der Linken 
angenommen. * l 
Die Straßenbahn. 
Hu dem Beschluß des Hauptausschuffes über Einführung der 
Renten mark-Tarifsätze bei der Straßenbahn brächte 
Stadv Sieling (So?.) folgenden Antrag seiner Fraktion ein, 
der die Beseitigung verschiedener Härten Vorsicht. 
Wir beantragen, die Stadtverordneten-Versammlung wolle 
den Magistrat ersuchen, die Möglichkeit einer we'teren Herab 
setzung der Straßenbahntarife insbesondere für Monats- und 
Wochenkarten zu prüfen und der Stadtverordneten-Versammlung 
darüber baldigst zu berichten. 
Gleich dem Stadtv Lang (Komm.) vertritt auch Stadtv. 
Fleischer (Lib) den Standpunkt, es müsse prinzipiell möglich 
sein, die Grundtare der Straßenbahn auf 10 Golbpfennige 
herab'udrücken. Daß das in einer Zeit der so sehr verminderten 
Löhne nicht geschehen könne, sei ein bedenkliches Zeichen. Stadtv. 
Schell in (Deutschnat.) bezeichnete den Frankfurter ^traßen- 
bahntarif als besonders hoch und sprach sich ebenfalls für Herab 
setzung der Fahrpreise auf 10 Pfennige aus. Stadtrat Dr. 
Schmude eAlärte, daß der Magistrat bereit sei, dem sozialdemo 
kratischen Antrag näher zu treten, wenn die stärkere Frequenz der 
letzten Wochen anhalte. Der socialdemokratische Antrag wurde 
angenommen» 
* 
Zu der Durchführung des Beamten-MbaugescheS lagen ver 
schiedene Anträge vor, die das vorläufige Weiterbestehen der alten 
Sätze der Uebergangsgelder fordern. Sie wurden ange 
nommen. 
ch 
Stadtv. Landgrebe (Lib.) begründete einen bereits von der 
Reichsrezierung angenommenen Antrag, der die Schaffung und 
Beibehaltung von U e L e r g a n g s kl a s s e n an den Mittelschulen 
und höheren Schulen bis zur endgültigen Regelung der Ange 
legenheit fordert. Stadtrat Meckbach bezeichnete es als wün 
schenswert, wenn die Verscmrmlung im Sinne des Antrags be 
schließe. Er wurde angenommen. 
Nach einer Aussprache über eine Veröffentlichung der All 
gemeinen O^skrantenkasse im Städtischen Anzeige 
blatt stellte Stadtv. Nelles (Zentr.) eine Anfrage, die von dem 
Magistrat verschiedene Auskünfte über die Berechnung des 
Gaspreises erbat. Stadtrat Schulz erteilte in längeren 
Ausführungen Bescheid und Oberbürgermeister Voigt erklärte 
noch, daß die Kalkulat-on des Gaspreises von einer Sachverstän- 
digen-Kommission geprüft worden sei, und der Preis den tatsäch 
lichen Verhältnissen entspreche. Zum Schlüsse stellte Stadtrat 
Schulz eine Ermäßigung des Gaspreises in baldige Aus 
! sicht. Stadtv. Dr. Goldschmidt (Dem.) wies darauf hin, 
daß Lei der Schwierigkeit der heutigen Steuerberechnung 
mancherlei Unklarheiten beständen, über die es dem Steuerzahler 
an der nötigen Aufklärung fehle. Von der Steuerverwaltung aus 
könne immerhin einiges geschehen, um dem Steuerzahler seine 
Pflichten zu erleichtern. Zunächst läßt sich denken, daß als Multi 
plikatoren einfachere, runde Zahlen gewählt werden, ferner wäre 
die Aufforderung zu den Steuerzahlungen wieder in deutlicher 
Sprache an den Litfaßsäulen anzuschlaqen. Solange die unbe 
ständige Währung dauert, sollte jedenfalls alles geschehen, um dem 
geplagten Steuerzahler entgegenzukommen. Stadtrat Langer 
versprach Verwertung dieser Anregungen. Zum Schlüsse wurde 
die Verweigerung der Säle des Voltsbildungs 
heims für die Zwecke der Vaterländischen Verbände und der 
Deutschnaftonalen Volkspartei zum Gegenstand der Erörterung ge 
macht. Nach Beendigung der Tagesordnung gab Stadtv. Hopf 
einen 
Schluß-Rückblick 
über die Lage im Jahre 1923 und Unen Ausblick auf unsere künf 
tigen Ausgaben und Pflichten; er führte aus: 
Vaalbeek-Aussiellung. 
cMdn Kunstgewerbemuseum sind zur Zeit die großen 
MwMaphischen Aufnahmen der Meßbildanstalt von den T e m- 
dRiÄffi nen m Baalbeek zu sehen. Die Ausgrabungen, die 
dort rn Hen Jahren 1900 bis 1904 auf Wunsch des ehemaligen 
Kaistrs Veranstalter wurden, haben zur völligen Freileguug der 
Ruinen geführt. Der Tempel des Jupiter Heliopolitanus, 
ekfte Schöpfung der ersten nachchristlichen Jahrhunderte und ge 
wiß das schönste antike Heiligtum Syriens, erhebt stch in der 
reichen Ebene zwischen Libanon und Anftlibanon auf einem Fun 
dament von siebzehn Metern Höhe. D!e Rekonstruktionen ver 
schaffen ein gutes Bild der gewaltigen Anlage. Riesige Freitrep 
pen führen zu den Propyläen empor, an die stch der von den 
Säu enhallen umgebene Tempelhof schließt; gegenüber liegt der 
Tempel selber, von dessen Größe noch einige Säulen zeugen. 
Spätkorinthischer Stil mischt sich mit syrischen Architekturmotrven, 
und an Friesen und Decken entfaltet sich üppig eine schon stark 
naturalistische, doch immer gebändigte Ornamentik Der 
Hof wurde in den folgenden Jahrhunderten ganz verbaut. Eine 
frühchristliche Basilika siedelte sich in ihm an, und später wandelten 
die Arader den ganzen Komplex in eine Festung um. Besonders 
gut erhalten ist der kleinere Bacchustempel nebenan, dessen 
hohe Innenwände durch Halbsäulen und Nischen gegliedert sind. 
Von den Ausmaßen der Bauten geben aufgefundene Quaderblöcke, 
die 22 Meter lang unh über sechs Meter breit sind, eine ungefähre 
Vorstellung. Die Photographien, die der A n t i k e n - A b r e i- 
lung des Alten Museums in Berlin entstammen, wirken 
Dank ihrer Größe wie Projektionen auf die Leinwand und berück 
sichtigen Landschaft und Gesamtbild nicht minder wie das Detail. 
Sie bilden den Grundstock des von Tbeodor Wiegand heraus 
gegebenen dreibändigen Monumemalwerks über Baalbeek, dessen 
beiden ersten Bände bereits erschienen sind. Lr. 
--- F lm im Film. In den Alemannia-Lichtspielen läuft der 
Film „S e e l e n h a n d e l", ausnahmsweise keine Groteske, wie 
sonst amerikanischer Import stets, sondern ein naturalistische 
Schauspiel. Die Fabel hat nur insoweit Bedeutung, als sie dazu 
dient, das Leben in der Filmstadt Holywood bei Los Angele- 
zu entrollen. Dieser Blick hinter die Leinwand ist wirklich sehr 
unterhaltend. Man zieht mit Regisseur und Filmoperateur in die 
kalifornische Einöde hinaus und kurbelt arabisches Nomadenleben 
mit, oder beteiligt sich an der Herstellung eines Zirkusfilms, der 
trotz v-eler Fährnisse (Gewitter, Zirkusbrand usw.) schließlich doch 
zustande kommt. Zugleich wird man des Hochgefühls teilhaftig, den 
Werdegang eines veritablen weiblichen Filmstars verfolgen zu 
dürfen. Das junge Geschöpf, das irgendwo in Californien aus dem 
Zug springt,um seinem gefürchtetenMann (Heiratsschwindler,Mör- 
der usw) zu entgehen, läuft schnurstracks einem Wüstenscheichnebst 
Kamel in die Hände, der in Wahrheit — aber was ist hier Wahrheit ? 
erster Liebhaber der Mnuruppe ist. DasMärchen ausTausendund 
eine Nacht entpuppt sich ihr bald als ernste Wirklichkeit. Gar so einst 
ist diese Wirklichkeit freilich nicht, denn Liebhaber undRegisseur ver 
lieben sich schleunigst in den Findling — jener aus Beruf, dieser aus 
Neigung — und erleichtern ihm die ersten Schritte im Reiche der 
Jupiterlampen. Bald ist die Diva fertig, deren Ruhm alle Litfaß 
säulen in alle n^rdteften künden. Operateure drehen sie in jeder 
Leb uAage, und sie lächelt wie eine Königin. Daß sie schließlich 
die ehftame Gattin des Regisseurs wrrd, ist eine reine Privat- 
ang egenheir, die ihre Größe nicht zu mindern vermag. Tue Auf-: 
nah ren sind tecknilch vollendet, zumal die Panikszenen bei dem 
Zir usbrand steigern die Kinowirkung bis an die Grenze des Mög 
lichen. — Porher zeigt sich Harald L l o y d in einer amerikanischen 
Groteske: ungeschickt, roh und kindlich wie immer. rae. 
Peter der Grosich Der Film, der im NationMheater spielt, 
sucht an PrachtentMung und getreuer VerlebeMgung histori 
scher Einzelzüge seinesgleichen. Die Strelitzen marschieren auf. 
Episoden aus der Schlacht von Pultaw-a ziehen vorübet und 
auch ein kaiserliches Prunkgelage ersteht im Bild. Das Massen 
aufgebot kennt kaum Grenzen, die Mannigfaltigkeit der schnell 
wechselnden Hintergründe ist schwer zu überLieien. Auch in der 
Gruppierung der Szenen scheint die Filmregie nachgerade aus 
gelernt zü haben. Sie versteht sich auf Kontrastwirkungen ebenso 
sehr wie auf konzentrische Umkreisung des jeweiligen Themas, 
schließlich aus die Verbildlichung von Gedanken und Stimmun 
gen. Bliebe nur noch Zu wünschen, daß sie ihhen großen Apparat 
und ihr ganzes Können der Darbietung solcher Stoffe dienstbar 
machte, die wirklich dem Geiste des Films gemäß sind. Historische 
Stoffe stnd es nicht eigentlich, weil sie Menschen und Dinge in 
ihren natürlichen Zusammenhängen belassen. und zu wenig Ge 
legenheit zur Verkörperung des Unwahrscheinlichen und Phantasti 
schen geben. Ihre Darstellung erinnert immer noch ans Theater, 
und erst wenn der Film jede Spur von der Bretterbühne abge 
streift hat, ist er ganz Leinwand . . . Im Mittelpunkt des Stücks 
steht Emil Ianningsals Aar Peter. Er übersetzt das Geistige 
vollkommen in die Sichtbarkeit; Brutalität, Schlauheit, Gutherzig 
keit, angeborene Herrschergabe, Mächtigkeit des Willens und natur 
Haftes Wesen gestaltet er in Geste, Schritt und Blick, und stets 
hält seine überragende Erscheinung alle Kräfte und Gegenkräfte 
zusammen. Die Darsteller der Katharina, des unglückseligen Alexei 
und des Mimsters Mentsch-ikoff (Bernhard Goetzke) bleiben kaum 
hinter ihm., zurück, und auch das EnsemblespiA ist mehr als nur 
Staffage. Das verschiedentliche Abweichen der Handlung von dem 
historischen Tatbestand mag hingenommen werden. rae.
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        ^Spengler nnd das Frrdcntum.1 In einer Schrift: 
»D a s magische Iudentu m" sW. M. Kaufm&amp;lt;nn, L:.p-ig) 
setzt sich der Karlsbader Nabbirer Pros. I. Ziegler mi- den 
Ansichten Spenglers über das Judentum auseinander, das von 
chm sa bekanntlich der „magischen" Kultur zuaeredb;et wird. Der 
Verfafler steht ersichtlich im Banne der Gedanken Spenglers und 
gibt -hm mel, allzu viel vor. N-Ä nur läßt er seine allgemeinen 
Bestimmungen des Kulturbegriffs gelten, er erzeugt sich auch, 
seltsam genug, weitherzig gegen seine Definition des magischen 
SeelentumS und seine Auffassung des Judentums, die m t aller 
Gewalt die jüdische Geschichte in ein ganz von aus-cn hcmn- 
gebrachteS Konstruktionsschema einzupressen sucht. Trotz dieser 
theoretischen Befangenheit übt Ziegler von n di'chcm Standpunkt 
aus an einigen von Spengler gezogenen Folgerungen gründlich 
Kritik. Er bestrcitet mit Fug dessen mehr als gewagte These dass 
der Jude kein Heimetgefühl kenne, und lehnt gleich entschxdcn 
seine dem Shstemzwang entsprungene Lehre ab, die das Er- 
storbensein der jüdischen „Kultur" behauptet und die heutigen 
Juden zu einem „Fellachenvolk" stempelt, dem die Auslösung 
bevorstehe. Auch die das eigene Scelentum erhellende Tb'ori' 
Spenglers, dass der Jude inmitten der jüngeren „faustischen" 
Kultur mm zerstörend wirke und zwischen den Angeüöriaen der 
beiden verschieden alten Kulturen notwendig Hast aesät sei. wird 
aus der Wirklichkeit inneren Erlebens heraus überzeuaend ah. 
gewehrt. Das Buch mag gerade solchen Kressen, die den An, 
sch"uungen Spenglers zuneigen, manche sachliche Aufklärungen 
bringen, 
künstlerische Bucheinbände. 
An dem Kunstsalon TritLIer zeigt der Verlag Dr. jur. 
Schröder (Tegernsee) einige gepreßte Pergament-Einbände, die 
durch Güte des Materials und Gediegenheit der Ausführung her 
vorstechen. Der künstlerische Schmuck hält sich, von der „Schwarzen 
Galeere" vielleicht abgesehen, nicht durchaus auf der Höhe. — 
Stileinbände in Lederpressung stellt die Leipziger Firma Hübe! L 
Denck zur Schau. Vornehme Qualitätsleistungen, die sich in 
der Ornamemierung zum überwiegenden Teil an bewährte fran 
zösische Vorbilder onlehnen. Gut gelungen sind zumal die in der 
Ausstattung zurückhaltenden Einbände der (im Drei Masken-Ver- 
lag erschienenen) Faksimile-Notendrücke etlicher Werke von Bach, 
Wagner, Mozart usw. Von den übrigen Arbeiten sei noch der 
reicher verzierte Band: „Käthchen von Heilbronn" in grünem 
Leder genannt, sowie das vorzüglich gebundene Prachtexemplar: 
.8reue et Oommnno', eine seltene französische Flugschriften- 
Sammlung aus der Zeit der Pariser Kommune, die schätzenswerte 
Radierungen von Maxime Labanne enthält. Xr. §
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