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        <title>H:Kracauer, Siegfried/01.07/Klebemappe 1928 - [Geschlossener Bestand der Mediendokumentation, Nachlass]</title>
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        Harry Domela im Film. 
— Um eZ vorwegzmiehmm: der in dem Gloriapalast ge 
zeigte Domela - Film tut niemanden weh. Man hat Domelas 
im Malik-Vertag erschienene Erinnerungen für den Gebrauch des 
Kinopublikmns gründlich gereinigt. Der Potsdamer Adel, der sich 
gegen den vermeintlichen Stande-sgenossen so zuvorkommend be 
wa, ist unter den Tisch gefallen. Verschwunden die Heidelberger 
Sax, Borussen, deren Schilderung zu den besten Abschnitten des 
Buches g&amp;gt;.börl. Auch einem Prozeß L lo PiScator mit dem Herrn 
tu Door-^-Ä die Filmgesellschaft sich kaum au-setzen müssen, 
^ahm lachen die Streifen über die Leinwand, nur unbesorgt, es 
geht gnädig ab. Die Courage war nicht so groß wie die Angst 
Vor ihr 
Was ist übrig geblieben? In der ersten HS'fte eine Illustra 
tion der Elendsstat tonen, die Domela als staatenloser 
junger Mann, der nirgends Arbeit finden kann, in dem Deutsch 
land der Nachkricgs jähre zurücklegt. Die Darstellung, die sich 
nicht durchweg an das Buch anschließt, ist filmtcchniich nur Mittel 
mäßig gelungen. Das Uebliche an Hintergründen und Statisterie, 
keine optisch durchdachten Uebergänge. Ja, hie und da sogar eine 
kleine Abweichung von der Wirklichkeit, die gerade in diesem Film, 
der allgemein bekannte Milieus heranzicht, besonders genau Zu 
beachten gewesen wäre. 
In der Zweiten Hälfte werden einige Hochstapeleien ge 
boten. Man muß es der Regie Lassen, daß sie Domela fast durch 
weg als einen sympathischen Jungen Zeigt. Abet auch jene ge 
wissen Kreise, die betrogen werden, weil sie sich selber betrügen und 
darum den Schabernack, wenn rnchts Schlimmeres, verdienen, 
dürfen sich nicht die Sympathien verscherzen. Die Folge ist, daß die 
Satire sich in Komik und Buffonnerie verflüchtigt; -daß die Ge 
stalten, die Zum Teil Groß-Figuren hatten sein sollen, in lächer 
liche Kleinstadttypen sich auflösen, denen schon in den alten Possen 
niemand böse war; daß die Gesellschaftskritik, die aus dem Domela- 
Buch herauszuholen gewesen wäre, einer Verulkung Platz macht, 
die streichelt, statt daß sie schlüge. 
Domela spielt sich selbst. Er ist ein etwas doofer, aber hülttoser 
und eher gut gearteter junger Mensch, der, wie schon das Buch 
erwies, seine juristisch nicht einwandfreien Taten ohne eine Ahnung 
von der Bedeutung begangen hat, die sie über die Jurisprudenz 
hinaus haben. Im Gegenteil er erblickt etwas Besseres in jenen 
Kreisen, die sich die besseren nennen. Insofern paßt er zu den 
Zarten Absichten der Regie. Man hat ihm gesagt, wie er gehen, 
stehen und blicken soll. Wie man Hofintendanten wohlwollend auf 
die Schulter klopft, wird er allein gewußt haben Im übv'gen 
- wirkt er recht nett und wiederholt anständig, was er früher vor- 
i gemacht hat. — Unte- den übrigen Darstellern zeichnet sich^ Wil 
helm Vendows Hotebdirektor aus, der ein Musterpröbchen 
harmloser Komi? ist. 
—„ Der Bettelstudent." Wieder einmal eine verfilmte Operette 
wieder einmal mit Harry Liedtke, der geradezu ein Monopol 
auf charmante, edelmütige und besonnene Licbhaberrollen hat Er 
singt in einer jeden mit dem gleichen Lächeln und den gleichen 
Posen; die offenbar so unwiderstehlich sind, daß die Frauen ihrer 
rucht müde werden. Dieses Mal muß Agnes Esterhazy daran 
die eine schöne, dunkelfarbige Komtesse ist, mit Jda 
W ü st als Mama. Das Stück selbst ist voller Pointen aus der Zeit 
der Mazurkas und der Waber, schöner Pointen, die man schon 
lange Voraussicht, nachdem sie so oft auf der Bühne daro^ellt 
worden ünd Aber man kann auch schließlich noch einmal im Film 
Nachsicht nnt ihnen üben Er läuft in den Alemannia-Licht- 
spielen und ist mit Routine gedreht. Hermann Picha tragt in 
chm einen Vollbarb kaaa 
- Ew Offr-Oswalda-FÄrm In den Bieberbau-Licht- 
spielen wird: s j i auf Abwegen" gezeigt, ein harm ¬ 
loses Produki, nach einem verjährten Lustspiel a-t renoviert. Hwei 
Frauen unternehmen m der Abwesenheit ihrer Ehemänner emen! 
Vergnügungsausflug in ein Seebad; natürlich sind die Männer 
dort auch zur Stelle. Der Gegenspieler Ossis, die in früheren Mb! 
mm lustiger war ist Livio Pavanelli, der behäbch mit den! 
Augen Zwinkert und flirtet. Auch aus einem solchen Stoff wäre! 
rein filmmäßig mehr herauszuholen gewesen. Ganz nett ist das? 
Lausbubenhasie Zusammensein der beiden Frauen. — Voran geht 
ein amerikanischer Filmfletsch, der wenigstens Tempo hab KgQL. 
2) 
„Hrient-Erpreß." 
Dieser jetzt im Frankfurter Capits! ge 
zeigte Film ist einiger Regieeinfälle und der Darsteller 
wegen irrteressant. Sein Thema variiert das Motiv aus Kaisers 
„Von morgens bis mitternachts". Der StaLionsbe-amts eines klesi 
nen Ortes sehnt sich nach dem großen Leben, das in Gestalt des 
Orient-Expreß Tag für Tag an ihm borübersaust. Da er nicht 
ausürechren kann, bricht das Leben zu ihm herein. Einmal hält der 
Expreß unversehens an dem Statiönchen, weil eine Reisende sich 
mit Veronal vergiftet hat. Sie wird in die Stube des Beamten 
geschafft und verbringt dort einige Tage bis zu ihrer Genesung. 
Er liebt die Welt in ihr, die er nicht hat; aber sie läßt sich nicht 
halten. Eiire feine schöne Dame, plötzlich ausgetaucht und plötzlich 
verschwunden. 
Heinrich George spielt den Beamten dumpf, dumm und 
ganz in der Gewalt seiner unbehauenen Instinkte. In einigen 
Szenen sprengt er den Rahmen des Stücks, das aus Eisenbahn 
Romantik und Glanz und Elend der Kurtisanen zusammengesetzt 
ist. So unmittelbar nach dem überraschenden Anhalten des Zugs« 
Wie oft hat er sich das Ereignis ausgemalt, das ihn aus den! 
Alltag heben könme. Nun ist es eingetroffen, und er steht betäubt. 
Begreift nicht, warum die Kranke in sein Häuschen transportiert 
wird, trägt dem Arzt geistesabwesend die Koffer nach. Etwas 
Lraumwandlerisches hastet ihm an. Das ist es, was mit seiner 
Plumpheit und seiner törichten Machtgier versöhnt: daß er hilflos 
WIE wie die bloße Natur. 
Ihre Ohnmacht wird durch die Überlegenheit Lil Dagovers 
unterstrichen, die eine Dame von Welt ist. Sie ist eine deb wenigen 
Filmkünstlerinnen, die mit leisen Bewegungen laut Zu sprechen 
verstehen. Ihre Pupillen lächeln, die drei Linien der laug er 
zogenen Augenbrauen und des Mundes arbeiten wie sorgsältig 
aufeinander eingeübte Jongleure zusammen. Welch eine Zarte 
Komposition sind die Augen und jene Linien auf dein weißen 
Untergrund des HochZeitsgewandes. -Gibt Georges Kunst die 
.Natur in ihrer Befangenheit, so die Dagover das Unbefangene der 
'zur Kunst gewordenen Natur. 
Die Regie hat, von verschiedenen plumpen Effekten abgesehen, 
das Spiel geschickt unterstützt. George wird aus der Froschperspek 
tive photographiert, damit feine Anmaßung desto pomphafter auf- 
trete. Sehr hübsch sind die Großaufnahmen aus einer Mode 
zeitung, die der Stationsbeamte nach schicken Anzügen durch 
sucht. Die leblosen Elegants wiÄm komisch und schrecklich Zu 
gleich. Das verworrene und lebenshungrige Wesen der Kleinstadt 
figur wird optisch ausgezeichnet dadurch charakterisiert, daß ihr 
Kopf einmal hinter dem Wasserstrahl eines Springbrunnens und 
das andere Wal vor einer Erdkarte erscheint RaeA. 
UsrArLsrsrre. , 
t/eön-sersrnU nan &amp;lt;7/r«prro. Ssrörn, Zrrek 
Ker/?. 237 Werten. 6^eö. S. 
Unbedingt nottA ^Lrs rüs IIsErsrsstMNL äieVAs 
Uawans nmbt MMssn. Lr bat Es TsndsnZi, dis 
or Misti-imt; von OnstLltunS ist bäum Ls Rods. 
Lin nnvordsnbtW Linnliebss I^andmädabsn in dar 
OoMnd um woulon Mi-ät in dis döbers 
sebakt, nüid von einem unMUedten Nann Vc-b^an^er, 
bann 8i ob niobt Mir entKoblieüen, 
lisksrt das Lind ins bindeLbaus ein und einigt stob 
mit ibrsm Onbei äuk dia ^ordennnT, daü 
bünktix; jede b^rau nur naob ibrem sinnen 'iVMen 
Natter Morde. „Dins Natter, die s-exen ibnen ^Villen 
ein Lind debom-mt, mäüta das Ueebt baiben, es bei 
seite Mi brinMn, ebe e« ^oberen ist, so Mt Mis sie 
das Ueobt bat., es naobber MegMiMben." Ls ist 
nätLliob, dall über die ^btreiban^ ebne UmsobMeik 
MSproobea Mird. and NarMeriti-s macbt es sieb mit 
der sobMieii^en Lra^s niebt einmal ieiobb H-er in 
einem Uoman ist es damit niobt ^etan. Die Per 
sonen sind naob dem Wlioben Lobema enbMorken, die 
OnMn beiü. die Oes-präebe Mim 1eU Meonetisob, 
die Mir ^asMatbieian^ ein^estrsaten LobitderanMN 
alan. Lenner Narseilies Meiden sieb aas rein statt- 
liobon Orändon kär die Leonen aas dem ^Iton Uaken- 
viertel intoressieron. Das ^Verb rnax- als Naniksst 
in Lranbroiob ^uksebsn erregt bsben; in unserer 
Oettontli obbeit vird es niobt eben orsobütternd 
Mirben. 
Lr. ' ! 
Das Geheimnis des Abbe X. Dieser Film der Neuen 
LichLbühn e und der Ka m m e rl i ch L s p i e l e behandelt eine 
romantische Angelegenheit in der Nähe von Rom. Ein AbbL 
liebt seine Schwägerin, deren Mann unter geheimnisvollen Um 
ständen verschwunden ist. Auch sie liebt ihn, heiratet aber, um ihn 
nicht in Versuchung zu führen, einen anderen, der ein Schurke ist. 
Er kommt zum Glück ums Leben, nachdem vhn der AbbL als den 
Mörder seines Bruders identifiziert hat. Der Film, dessen 
Inhalt nicht besonders wesentlich ist, stellt eine sehr begabte Regie 
leistung Wilhelm Dieterles dar, der auch die Hauptrolle spielt. 
Rasches Tempo der Szenen, geschickte Uebergänge, wundervoller 
Wechsel der Hintergründe. Man langweilt sich nicht, obwohl die 
Handlung nicht gerade kouragierte Spannungen enthält. Freilich 
wirkt auch die.schöne Marxella Albani mit, die aus dem Ge 
mälde eines italienischen Meisters herausgetreten zu sein scheint. 
Laca.
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        Die Handlung ist eine brauchbare Unterlage für den Regisseur. 
Er heißt Max Neichmann und ist in der Manege zuhause. Die 
Genauigkeit seiner Arbeit hat den Hauptanteil an der Vortreff- 
lichkeit des Films. Wie liederlich verfährt die Mehrzahl unserer 
Regisseure mit den Details und den Hintergründen. Hier ist nichts 
erschwindelt. So werden in Pariser Vestibüls die Plätze ange 
wiesen, so folgen die Programmnummern aufeinander, so sind die 
Garderoben und die Kantine eingerichtet, so ißt ein Manager zu 
abend,, so sehen Stallmeister aus, so verhalten sich die Artisten zu 
ihrem Direktor. Aus hundert richtigen Beobachtungen entsteht ein 
Wm, der zum- Müdesten die MirKWkMspi-eg U; 
Die Zuschauer klatschten; was in Frankfurt leider Wen ge 
schieht. Das musikalische Mompagnement geht verständnisvoll mit. 
(Zur Aufführung des Films Lm 
Frankfurter Gloria- Palast.) 
K a,e ». 
Zu den Darstellern: Mary Johnson als Todesgirl erin 
nert an die Gish. Rührend hilflos mit großen Augen; die Rolle 
bewußt aufgebaut. Raimondo van Riel und Ernest van 
D ur e n waschechte Artistenbrüder in der Manege und im Privat 
leben. Der Manager Gerrons bis zuletzt durchgehalten, brutal, 
fett, abgebrüht, ohne ein unglaubwürdiger Bösewicht zu sein- 
Lucie Höflich duldend und hart, wie Geprüfte es sind, die 
ihre Leiden beenden. Valy Arnheims Stallmeister ^in sym- 
patischer Gentleman. Bis Zu den Clowns herunter sind die Mas 
ken penibel, ihre Auftritte wahrheitsgetreu. 
Zwei Brüder, Artisten auf dem Drahtseil, sind seit Jahren 
verfeindet, durch ihre abendliche Zusammenarbeit aber stumm an 
einander gekettet. Ein Manager nötigt seine Stieftöchter, in einer 
lebensgefährlichen Nummer aufzutreten, vor der ste sich überdies zu 
Tode ängstigt. Der jüngere Bruder möchte das Mädchen gütlich 
oder geivaltsam von seinem Peiniger befreien und die Wiederholung 
der Nummer verhindern. Was wäre in einem der üblichen Filme 
zu erwarten? Daß de^ Manager das Drahtseil lockerte oder das 
Mädchen verunglückte. Nichts davon; die Darbietungen gelingen. 
Das ist sehr gut, denn es beweist die verhältnismäßige Unabhängig 
keit artistischer Arbeit von dem Seelenzustand. Es ereignet sich noch 
das Folgende: der altere Bruder versöhnt sich Mt dem jüngeren 
und stellt den Manager selbst zur Rede. Durch eine. Verkoppelung 
von Umständen wird er für dessen Mörder gehalten. In Wahr 
heit hat die Frau die Tat in Notwehr begangen. Freispruch der 
Frau (Ort der Handlung: Paris). Hochzeit. 
nicht aus Brettern gedichtete ostpreußische Dörfer mit gestellten 
amerikanischen Phantasiestädtchen zusammenbraut, wie es der arg 
verrannte Murnau in seinem „Sonnenaufgang" getan hat — als 
stecke er noch im „Faust". Schon um der anständigen Arbeit wlllen 
ist „Manege" eine Ausnahme. 
* 
Der Realismus allein hätte nicht die starke Atmosphäre dieses 
Films erzeugt. Daß er sie ausstrahlt, daß er Glanz verbreitet und 
Erregung mitteilt, ist der gestaltenden Durchführung zu danken. 
Die Kamera wird außerordentlich geschickt gelenkt; so sind etwa 
die Glanzlichter der von einem Artisten geschleuderten Reifen ein 
wundervolles ornamentales Spiel. Die dargebotenen Zirkuspro 
duktionen, schon an sich von besonderer Art — der brüderliche 
Drahtseilakt vor allem ist schön erdacht —, werden nicht ihrer 
Länge nach verfolgt, sondern nur in den für den Film und die 
Handlung wesentlichen Ausschnitten gekurbelt. Wenn sie sich 
wiederholen, wiederholen ste sich nicht bloß. Keine Unter 
brechungen im Zeitfluß; die Großaufnahmen an entscheidender 
Stelle; die Massenszenen so unauffällig geleitet, daß man nicht 
gleich die Anordnungen durch Megaphon hört. 
Dr. Befsels Verwandlung. Man muß bei diesem im 
Capital gezeigten Film die vielen Unp-ahrscheinlichkeiten des 
Romans mit in Kauf nehmen, der als Vorlage gedient hat. Daß 
es einem verwundeten deutschen Frontsoldaten gelungen sein sollte, 
sich durch die Aneignung der Ausweispapiere eines auf dem 
Schlachtfeld neben ihm gelegenen toten französischen Soldaten mit 
diesem zu identifizieren und nun in Frankreich als der betreffende 
Tote fortzuleben, ist eine Konstruktion, die an die Gutgläubigkeit 
der Zuschauer (die Leser gehen uns nichts mehr an) verteufele 
Ansprüche stellt. Die Konstruktion zieht dann noch die Mutter des 
falsch auferstandrnen Toten zu Hilfe und verstrickt fie^mitsamt 
seiner Braut in Gefühle und Handlungen, die sogar dem Phantasie- 
begabten Autor einiges Kopfzerbrechen gekostet haben muffen. 
Notdürftig gerettet wird der Film durch das Spiel, wenigstens 
vermögen die guten darstellerischen Leistungen ab und zu eine nick4 
vorhandene Wirklichkeit vorzutäuschen und auch über manche 
Atelierhintergründe hinweg zu helfen, die von der Regie aufae- 
baut sind, um Paris oder Marseille zu ersetzen. Hans SLüwe hu 
ein ehrliches Männergesicht und gibt alles her, was ihm als Beffel 
auf dem vorgeschriebenen Weg an Freude und Angst zugemutet 
wird. In den seelischen Zwischenschichten ist Agnes ELerhazy 
zuhause. Curt Bois und Jlka Grünfeld haben nur kleine 
Auftritte, aber wie sind die paar Szenchen gestaltet! Auch sonst ist 
an ersten Kräften nicht gespart: Jacob Tiedtke, Rosa 
ValeLti und Gertrud Eysold sind mit von der Partie. 
Schade nur, daß, wie so oft, der große schauspielerische Aufwand 
für eine Sache verbraucht wird, die ihm nicht genügt. Immerhin 
k sei die folgende Bemerkung nicht unterdrückt: das Ereignis des 
&amp;gt; Kriegs steht noch heute — oder richtiger: erst heute —- so 
! waltig vor den Menschen, daß es sogar in einer Herart schiefen 
Komposition wie dieser nicht völlig vernichtet werden kann, sondern 
; durch ihre Lücken hindurchbricht und für Momente selber wahr 
! nehmbar wird. 
Hin Zirlmssilm. 
Der Film: „Manege" der Deutschen Film-Union A.-G. über 
ragt unsere miserable Durchschnittsproduktion um ein gutes Stück. 
Er spielt in der Zirkuswelt, hat es also etwas Leichter, die soziale 
Verlogenheit der einheimischen Gesellschaftssilme zu meiden. Aber 
die Manege birgt andere Gefahren für das Kino: Todesstürze, die 
tragisch sein sollen und nur sentimental sind, Beschwörung des 
Flitters, Verlegung des Schwergewichts auf Effekte,'die darum noch 
j lange keinen Effekt auf der Leinwand machen, weil sie im Zirkus 
es tun. Allen diesen Gefahren entgeht der Film. Mag er Schwä 
chen enthalten — einige Zugeständnisse in der Handlung, ein paar 
nur illustrierende Streifen —, sie verschwinden gegenüber seinen 
Vorzügen, die bestricken. 
- M raffmrerteste Frau Berlins. Ein GauneMckchen, nach 
Mem-Knwrnalroman verfilmt, mit Mary Johnson in der 
Hauptrolle, die eine stärke Begabung ist. Sie spielt ein unschul ¬ 
diges Wdchen, das durch »eiwen Zufall ich 
verschlagen wird, und ihrer Naivität wegtzn Ns M durchtriebene 
Person erscheint. Wie sie diese Unschuld vorn Lände davstM, ist 
schon ausgezeichnet; denn hinter der aufgeschminkten Unschuld 
schimmert die Durchtriebenheit durch, die zu dieser Schminke , ge 
griffen hat. Im übrigen: eine stofflich amüsante Handlung, Pen-' 
delverkehr Zwischen Kopenahgen und Berlin, .die Regie durch 
schnittlich Der Mm wird in den AUemannia-M 
spielen gezeigt. -^r. 
Tom Mix. Dieses Mal tritt der unverbesserliche Wildwest 
Held in einem Stück: „Die Panzerpost" auf, das die Neue 
Lichtbühne und die Kammerlichtspiele Zeigen. Das 
Rezept ist immer das gleiche' durch seine Reitkunst, seine Kühnheit 
und seinen edlen Charakter bezwingt Tom Feinde, Jntrigen und 
Mädchen. Die Handlung spielt zu jener Zeit, als noch Räuber 
banden den Westen unsicher machten und Pferdekutschen auf den 
Landstraßen ausgeplündert wurden; in der Großstadt und im Auto 
wäre auch Tom schlecht am Platz, es sei denn, er wirkte als De 
tektiv. Seine Filme sind primitive Kost, aber längst nicht die 
schlimmste. — Voran geht ein Film: „D e r s p r e ch e n d e A f f e", 
nach dem bekannten Theaterstück schlampig gedreht. Leider kommen 
die Kopien beider Filme auf der Leinwand nur trüb heraus. 
Ein Carmen Born-Film. Der Film: „Lotte hat ihr 
Glück gemacht", den die B i e b e r La u - 2 ich t s p i e l e 
zeigen, ist ein Vauöeville, das einige amüsante Partien enthalt. 
Eine Maniküre lernt bei ihrer an Anknüpfungsmöglichkcrten 
reichen Tätigkeit einen Lebejüngling kennen, mit dem sie eine 
Dchsinheirat eingeht — der Papa hat andere Pläne mit seinem 
Sohn —, die dann beiderseitiger sogenannter Liebe wegen zur 
Dauereinrichtung wird. Carmen Boni in der Hauptrolle zieht 
sich anständig aus der Afure, wahrscheinlich gelangt sie in weniger 
leichtfertigen Rollen besser zur Wirkung. Schade, daß Rosa 
Valetti nur in einer Nebenrolle auftritt. Andrö Rsänne 
als Jüngling hat das richtige Windhund-Gesicht, ganz leer und 
flott. Hans Junker mann kommt mit dem Krückstock als Lebe- 
greis daher; blendend geradezu Hermann Valentin mit Leu 
Pascha-Allüren eines MaKaronifabrikanten en §rc&amp;gt;3. Sonst noch: 
die übliche Jazzmusik und vergnügungssüchtige Ärmen und Herren. 
Der Schluß effekt recht hübsch. , LseL.
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        gesuchte Person, die zu fremden Beerdigungen geht,'um sich aus- 
sauertöpfischer Kleinbürger, dem die 
VL» »EV8«»« 
die Dssebiebts 
stück 
wird, verlohnt den Gesuch des Films. 
L-aca. 
Ladenmädchen spielen Kino 
In dem Film 
Ein Glanzstück ist Marys Familie, die sie liebt und zu 
mner Prachtfamilie umm Die Mütter eine dicke ' kunstvoll aus- 
das Lor2 der südkransösischen Landschaft und er 
höbt ohne irgendein lVunder 2u Llilke ru nehmen, 
den Ltier 2ur antiken Lagengestalt. T r- 
Psychologie bringt, um das trappe and hinauszuschieb^n, mag 
dazu dienen, Ddary unter Tränen lächelnd, und mitten im Lachen 
weinend zu zeigen, ist aber so wenig plausibel wie die Handlung. 
zuweinen; der Vater 
Die Me Geschichte: ein WrsLensohn taWt in dem 
Volk unter und findet das arme Mädchen, das, zu ihm paßt. Zum 
Schluß Enthüllung, Vermahlung, Apäthesse. 
Hosenträger inmitten der Zimmereinrichtung heraLhängen; die 
Schwester ein kitschiges Mädchen, das mit ihrem Liebhaber schwer 
hercingefallen ist. Lauter Lustspielfiauren, die. in sehr komischen 
Szenen Hch aneinander reibem — Was der Film sonst noch, an 
..Der Ltier, der 
.Lilan2"). 8ie greikt in 
Technisch und regiemäßig gehört der Film Zu den besten 
Leistungen der' ahgslaufensn Saison. Solide, großartige Hinter- 
gründe/die echt sind, nicht mühsam wie echt gestellt. Das Innere 
des Warenhauses strahlt wie der Jüngling. Die Autofahrt durch 
die Wolkenkratzerstraße zaubert die ganze Stadt hervor«. Rasendes. 
Grotesktempo am Schluß, wo unglaubliche Ereignisse sich in 
fünfzehn Minuten zusamwendrängen. 
Das alles hat man schon ähnlich gesehen. Reu ist .dieser Effekt: 
Mary und ihr Abgott schlendern nach dem ersten Kuß (der länger 
als/ fünfzehn Minuten gedauert hat), iw strömenden Regen -durch 
die Straßen. Vor dem S ch a u f e nst e.r ' eines Ausstattungs-, 
geschüftes, .das Mary in Verzückung- bringt, bleiben sie stehen. Seine 
Aufschrift lautet: „Liefern Sie die Dame, die . Ausstattung lie 
fern wir/ Großaufnahme des Schaufensters: zwei lebensgroße 
Puppen, ein Herr und eine Dame, inmitten käuflicher Pracht- Mary, 
fühlt sich und den Jüngling in die Puppen'hinein, möchte auch sa 
mit ihm.im Schaufenster sitzen. Nach jenem unglückseligen Wend- 
essen kommt.sie auf der Flucht wieder an dem Schaufenster vor 
bei, blickt wieder sehnsüchtig in das jetzt fern gerückte ^Paradies. 
Eben durch dieses kurze Verweilen aber wird , dem Jüngling er-, 
möglicht, sie sinzuholen und zu verlohnen. (Der. Film, läuft im 
F rankfurter. Gloria-Palast.) Laeau - 
Die Apachen von Paris. Dieser in der Neuen Licht 
bühne gezeigte Film der Ufa-Produktion enthält einige recht 
hübsche Szenen. Eine amerikanische Sittlichkeitskommiffion, zu der 
eine junge MMonarstochter gehört, kommt nach Paris, um dort 
die Unsittlichkeit zu studieren Natürlich verliebt sich die Ameri 
kanerin in einen Apachen, was ihr freilich zu verzeihen ist, da Joan 
Eatelain wirklich eine reizende Larve hat. Außerdem hat er 
einige Spießgesellen, die rüder geartet sind und ziemlich ungemüt 
lich werden können. Das Ende ist gut bürgerlich. Zum Tatbestand' 
in der Nähe von Moulin-Rouge — der Eingang und das Innere 
find gut nachgebildst — gibt es höchstens noch malerisch gestellte 
Apachen, die niemandem etwas tun. Hiervon abgesehen sind aber 
ein paar Einzelheiten richtig beobachtet. Besanders herausgestrichen 
sei eine Szene in der Jacob Tiedke als etwas blöder Privat 
detektiv eine Abendgefillscha die Schlaubeit der Apachen 
unterrichtet, obne die Anwesenheit des gefährlichen Gelichters zu 
abnen. Der Streich der ibm mit einer VriMnLagrasfi gelyieU 
Mar y Pickf ord als Ladenmädchen: unbeholfen wie ein 
Clown^ sprod und Zärtlich zugleich«- Das Kind im Weib. Eben be 
nimmt sie sich noch wie ein Gaffeüjustge und im nächsten Augen 
blick kokettiert sie' schon mit einer List, als sei sie in allen Schlichen 
geübt. Aber ihre weiblichen Reize brechen üngewußt durch, 
überspringen gleichsam die ganze Sphäre, in der sie wissentlich 
gestaltet werden, und stehen dann unvermittelt neben- den Eiw 
fällen, Lölpeleün und zierlichen Streichen des -M 
Gamin. Daß alles Reife und Erblühte so absichtslos Und zu seiner 
Zeit auftaucht., verleiht ihm eine UnLerührtheit, die zu rühren 
bermag. Besonders drastisch ist der Sprung aus der einen in die 
andere Schicht in der folgenden, schon erdachten Szene. Der Jüng 
ling hat Mary unter irgend einem Vorwand in das gerade leer 
stehende elterliche Haus mit genommen, um mit ihr. d o rt zu Abend 
zu esstm Mary werß nicht, daß der Freund hier zuhause ist. Sie 
ißt auf richtige Weise falsch, aber das ist nicht wichtig. P otzlich 
kehren die Eltern samt der reichen Braut zurück Mary hat Kind er 
äugst und kriecht unter den Tisch. Der Jüngling klärt' seine. Leute 
rasch auf, zieht Mary hervor, und teilt ihr mit- -daß er selber der 
Warenhaussöhn sei. Nun geschieht dies: sie läuft nicht davon wie 
ein dummes Mädchen, das sie ist, sie bemüht sich auch nicht darum, 
Dame zu fein, sondern ist mit einem Schläge das Weib, in dem 
von Anbeginn an sämtliche Erfahrungen aufgespeichert sind. 
Traurig -verläßt sie das Haus. „Ich will nicht stören.". 
motiv des Inkognito amerÄrnisch-zeitgemaß verändert» Der 
Fürstensohn (in, strahlender Jüngling, der freilich ' gut strählen 
kann, wenn sein Vater Warenhauskonig ist. Ganz 'unten muß. dev 
Jüngling' im. Warenhaus anfangen, um es später besser in die 
Hohe bringen Zu innern Dort, unten trifft er sein kleines -Lehr 
mädchen, liebt sie, wird wieder geliebt, läßt seine reiche Braut, 
fahren -und macht jenes Mädchen W seiner M Der Pap 
gibt den Ssgem Ein Märchen. 
Drei ns^io Lands der von Nans LoikäMr d^- 
Kor^ton LiMv^-^riSMibS des Verlags Laul List- 
(LsiMi^) lis^on vor. Dnrob dioss und dis krübsrou 
Dünndruckdandebon iviid dsr Mvke&amp;gt; on.^iiscbs DicW 
tsr unser VeÄur. I^iclit Mnu^ Miüdmt werden kann 
die Oedie^enkeit der Ausstattung und die Lorgkalt 
die ant die HedersetMN^ verwandt, worden ist,. Den 
einen der jüngst ersekienenen Lände: „LilaNr"' 
(299 Leiten. Oed. 6.50) bat Laus Lsisi^r 
selbst ubertraMN. Die msistsrbakt verdeutselrt^ 
Lamndun^ enthält Oesediebten aus dem. LrieA und 
noeb andere DrsäNunAen aus versebiedenen weiten 
und Ländern. „Ooscbiebton aus Limla", 
von L. Lsinbardt üborsstrt (286 Leiten. Deb. 
6.50). ist ein Indisnbucb, in denl, ^ie okt bei 
Linlin^, die LeidekLalsIäukc von LnÄändern und Lin- 
Mborenen sieb sonderbar verseblln^en. Mt der lieber- 
sstLUv.^ des weltbekannten „D s e b u n e 1 bu ob s" 
(149 Leiten. Deb. 4L0) seblisMcb le.^t Lsn- 
venuto LauntMann eine beachtenswerte Lrobe 
seines Lpraobtalents ab. (Dieses Vueb dark übrigens, 
Minab einer vertraglichen VerMjcbtung gegenüber 
dein ursprüngiioben Verleger, nur Lusamrnen mit drei 
anderen Hpling-Vandsn abgegeben werden.) 
Ls sind kleine Lrräblungen in den neuen Bänd- 
eben. die Lipling wieder in seiner ganzen OröLe 
Zeigen. lieber welebe Tonkülls verkügt der Rann! 
Nanebmal strotzt er vegetativiseb wie die blatur 
selber, verherrlicht die primitive Trakt, erbaut sieh 
an tonen soldatischen lugenden, die das Lmpire 
gesehakren haben und erhalten. Die Apologie des 
Nänwiebon scheint aus alten Ll^dengesängen herauf 
su Klingen und wirkt nicht selten brutal. Dann 
aber wieder gestaltet er Dinge , von unvergleichlicher 
Zartheit, so in der Oesehiebts vom ^unschhaus, 
die nur einer schreiben konnte, der viel gelitten hat. 
Dr beherrscht den geographischen Laum und den 
menschlichen Innenraum, Dschungel und Limmel. 
Webt su leugnen, daü seine Lhantasie mitunter 2U 
barbarischen OsschMaeklosigkeiten abirrt, dall sie 
Degenstände schiebt anthropomorphisiort und sich 
an der Nvthologie übormäQig ergötzt. Aber was be 
sagt das gegenüber ihrer lVeits, ihrer elementari- 
scben Dswalt. die dem Ursprung nahe ist; was 
besagt es vor allem gegenüber der Tunst, mit der 
isdes Lbsma dargestellt wird, linnaebahmlieh, wie 
aus der Lchilderung der Dialog auksteigt. wie die 
Lersonen und Lachen eingesetzt. Temperaturen und 
Darben gewandelt werden. Din Lrunk- und Meister- 
Ludwig Thsms verfilmt. Das Lustspiel „Moral* von 
Ludwig Thoma ist für einen Film arrangiert worden, den die 
Alemann ia-Lichtspiele zeigen. Ein gutes Lustspiel — 
ein Film von anständiger Durchchnittsregie, die aber auch den 
Harmlosigkeiten der inhaltlich veralteten Komödie nicht aufhelsen 
kann. Sittlichkeitsverem^ die. an dem Auftreten eines Revue 
stars Anstoß nehmen, sind denn doch gar zu sehr aus der Zeit, 
und dieses ganze Wechselspiel zwischen öffentlicher Tugendheuche 
lei und privatem Liebesbedürfnis ist heute aus dem einfachen 
Grunde gegenstandslos geworden, weil die Tugend sich ins Privat? 
leben zurückgezogen hat und die Liebe öffentlich geworden ist. Die 
Fabel also ist historisch, und die Pointen erregen höchstens ein 
kulturgeschichtliches Gelächter. Dafür ist der Gymnasialprofesssr 
Arthur Ralphs eine schauspielerische Attraktion. Ein richtiger 
Thoma-Profefsor mit einem Bartpanorama, verkniffen, duckmäuse- 
nsch, m der Bauchgegend gerundet, in jeder Bewegung ein Schül- 
despot. Ellen Richter spielt jenes bedenkliche Wesen, das Ab 
scheu und Liebe erregt. Sie ist ein wenig schwer für die leichre j 
Rolle, macht sich aber mit Geschick so pikant als möglich Sehr! 
hübsch die Darstellung einiger alter Schlager und die Szenen aus 
der Haller-Rwue- Ks,6s» -
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        --- lHaery der ZZMer.1 In jedem seiner Filme — sv auch 
in dem neuesten: „Mein Freund Harry" — bezwingt 
HarryLiedtke das Herz einer reichen Erbin; er muß sich 
sck-on Millionen auf diese Weise erworben haben. Die Frauen 
fliegen nur so auf ihn und das Glück kommt ungrruftn herber. 
W'e stellt er es an, um am Ende stets in Freuden zu leben? Ich 
hab- lange darüber gegrübelt, und bin zu dem Ergeor'.Z ß'kmlmcn, 
daß sein Lächeln das Wunder bewirkt. Sonst tut er nämlich nichts'. 
Gewiß, er ist liebenswürdig, ritterlich gegen Frauen, verficht die 
Tugend, wenn er dadurch in gutem Lichte erscheint, und verbrauch! 
viel Seele tagsüber: aber alle diese herrlichen Eigenschaften bräch 
ten ihm nicht den geringsten Erfolg, wenn nicht ein ewiges Lächeln 
seine Lippen verzöge. Kein amerikanisches Lächeln natürlich son* 
dern ein durchempfundenes, aus dem Innern stammendes Lächeln 
Bei jeder Gelegenheit taucht es auf. Harry hat sich im Lagerraum 
eines Ozeandampfers als blinder Passagier eingeschmuggelt (keine 
Sorge, der Film fangt erst an) und lächelt zwischen den Kisten. 
Er gerät bei der Erbin in den nicht unbegründeten Verdacht, ein 
Hochstapler zu sein, und lächelt. Schmerzlich, entsagungsvoll wett- 
erfützEi und verliebt lächelt er. Am Schluß des Films lächelt er 
vsm Fallreep eines Ozeandampfers an der Seite der Erbin, die 
er mitsamt dem Fallreep durch sein Lächeln errungen hat. In w 
verschiedenen Situationen immer gleich zu lächeln vermag nur 
Harry. Gott weiß, was die Frauen, zumal die reichen, dahinter 
suchen, aber das Lächeln muß jedenfalls ihre Phantasie ungeahnt 
snregen denn mit der Tugend und der Seele allein sind doch 
nicht solche Effekte zu erzielen, das wissen wir alle. Es ist Gold 
wert, das Lächeln; auch wenn es ganz leer wäre. (Der Film. 
Freund Harry" wird im Frankfurter Capital gespielt.)
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        WH8GL.H.NN LVLI KLs 1SSS 
Der Held ist Andres Starsow, 605 
listisoben ^rt 
tut er ei^entliob niebts, sondern IZN die andern 
tun. kin Russe, wüe er seit dem Oblomow in den 
Rüobern stsbt, natürbob sebr gut. und. ^u allen 
mö^lioben Opfern bereit. 8eine Diebe ist Claris, 
ein kleines deutsobes Deufelsmädoben, das es in 
erotisober und revolutionärer Rin siebt drob 
binter den Obren b??t. Kein freund der Naler 
Kurt ^Vann, der ols braver Dputscber in den 
Me Leibeigenen. Dieser Mm der National- nnd ! 
Skala-Lichtb-üyne ist nach einem Schauspiel Newsktzs von 
Richard Eichberg wirkungsvoll gedrcht Er spielt um die Mitte 
des vorigen Jahrhunderts und illustriert die Schreck-m der Leib 
eigenschaft. Die Hauptfigur ist Heinrich George als Wald 
hüter Nikita, eine gewaltige und zugleich um ihrer Herze nseinfalt 
willen rührende Erscheinung George packt in dieser Rolle, die 
Mischung aus elernentarischer Kraft und Zartsinn ist ihm beson 
ders gegeben. O s c a r H 0 mslka als Gouverneur ist mindestens 
ebenso sehenswert: brutal und servil, versoffen und pfiffig. Das 
junge, unglüMch-glüMche Liebespaar wird von Harry Halm 
und Mona Maris gut verkörpert. Die Regieleistungen sind im 
allgemeinen auf anständiger Hohe und verraten jedenfalls eine 
Routine die nicht leicht fehl greift. —er. 
UsQsodkn SLAt: „8Lv rnorksn viobD was unter 
ibrM, Küken Hext, sie sobon ewix vorwärts und 
binanb Und sie tun dies rnit oinor Zpannunx, als 
wäron sie kenne Uonsobon, sondern Rurn- 
- borffsobe Induktionsspulen. V^enn man ibnon 
von verrosteten 8eblössern und altem kmen er- 
Läblte, würden sie es niobt versieben." Dem 
Revolutionär, der die ^esellsobaltbebe V^irkliob- 
beit niobt ätzend xenu^ sobildern bann, lädt der 
wissende dlibilist in die ^rme, der am ebesten 
noeb an so personlioben Dingen wie Diebe und 
kreundsebakt bän^t; und der WtteilunT xarter 
persönliober Resobebnisse wiederum wird dureb 
den revolutionären ^VNen ^brueb Miau. Dabsr 
aueb das Zobwanben des Stils swiseben i-eali- 
siiseber Preue und übertreibender Satire, ^.lle 
Rrei^nisse sind mitten im Dauk an^eb.alten und 
sieben dann wie Detäukt. 
ober'üäeblieben Vei'wirrung auob wirkliebes 
Ob aos. kr um takt krieg undRsvolutiov, 
spielt IN Deutsobland und RuNand. blürn- 
berss — Risoboksber^ (an der böbmisoben Oren^e) 
— Retro»rad ^losbau —- Semidol — eins 
lan^e Reiserouts, von vielen Uensoben dured- 
messen. ^uk der Ztreobe ^esebiebt, was seiner- 
Lbit ^esebeben ist. Der "Ueltbris^ beginnt mitten 
Im krieden, in 6bin Rür^er, Arbeiter, 8tudentM 
sieb wäbnen. kreundsobakten mit Ausländern 
werden ab^ebroobsn, ^n§eboriFb kemdliob.rr 
8taaten mternierb Die krie^ssabre im deutseben 
Hinterland: eine kette von RunFer^ualen, ^obl- 
Miamis -VeranstaltunMn, selbstverleu^nendsA 
Heldentaten. Redrüobun^en, Diebsobakten, pri 
vaten NeivnnAen und Mentlioben Skandalen. Ds 
reinst Orden und amputierte Olieder, w den 
krübbnT strömen die Rikt^ass aus. Die Revy- 
lution dringt bur^s krquiobunB:. Reimbebr der 
russisoben KrisMMkan^enen nnd das RuLland 
der labre 1918/19. ^ueb b-ier alles von unten und 
eins näobster Mbe ^eseben, lauter bleine Scenen, 
die mit ^.bsiobt ebne Zusammerchan^ gelassen 
sind, denn gerade ibr brasses disben ein ander 
benn^siebnet äsn Zobreoben und vielleiebt auob 
das Olüeb jener labre. 
ks xibt in dem Roman einige ZM-ven. um 
derentwillen er sobon allein ^.ukmerbsambeit 
verdiente. So ist von einem erstaun lieben ^Vabr- 
beits^ebalt das Kapitel, das unter der lieber- 
selnüri: „V^ann der Krie^ ei^entliob begann" 
ein labnmarbtskest in krlanMn bur^ vor LrlsM- 
be^inn sobilderi. ^as wird in ibm nüt.Mteilt? 
Dak Nenseben in einer Sobaukude mit Rallen 
naob Verbreoberböplen werken, dak Studenten 
auk ^robs planier Resit?, von Nädeben er^reffen 
— niobts ^.ukerFew'öbnliebes also, aber gerade 
darum reiobt bier der Rbob tief; denn in diesen 
alltäFlieben ReFebenkeiten ist der keim ru Krie 
gen erbannt. In einem anderen ^.bsebnitt ist 
eine Spitals?sne gestaltet, die an kntset^boblreit 
ikresAleioben suobb Deberbaupt wäobst der 
Roman stets dort, wo er 2wrn na-ebten Reoben- 
sekaktsberiobt wird. 8. kraoauer. 
Die Krstarrtbeit rübrt vermuMeb von einem 
durobgebenden inneren Zwiespalt des Autors 
ber. Lr ist ein Revolutionär, obne Zwettel; 
aber er ist niobt minder von der müden, n 1 n i - 
seines ^ndreb der über die 
2u dem Roman Konstantin Red ins. 
Der Roman: „Städte und Iabre^ des 
Russen Konstantin, Kediu (Lutorisierte 
OebersetLUNT von Dmltrij Rmansbij. Nabb- 
Verlas, Rerbn. 446 Zeiten. Red. 7) sän^t am 
Lnde an. ^Ver naob ^ewobnter ^.rt von vorne 
beginnt, glaubt sieb düpiert, so wenik vertraut 
ist er mit äsn Personen, die ibre Lm unbebann- 
ten Zobicksale sobon binter sieb baben. I^aob 
den ersten seob^i^ Zeiten springt der Dränier 
dann m die VemMN^enbeit Lurüob und lültst all- 
mäbliob den Sobleier, der ant der 8obwelle des 
Ruobs den Deser umkin». ^üe Peile verstellt, ein 
Kreuzworträtsel im ^roHen. 
„^.der einst überlebte ieb mir", sa^t eine der 
Hauptpersonen, „daä man M die Romane edensd 
Lobreibt, wie man kisren LusamrpennaAelt. Idan 
muk darauk aobi ^eben, dak ledes Rrett neben 
dem andern aut allen Zeiten ^latt lie^t. 80 
sobried man die Romane wenigstens vor dem 
Kriege, M?t aber sebeint man niobt einmal im 
Roman an einer Zielte mebr als ?wei Uensenen 
LusammenLubringsn. Der Keim ist un brau ob bar 
geworden und biüt niebt mebr ordentlieb... 
Oie Vretter, die noeb mübevoll rusammenbalten, 
muk man auseinandernebmen. vielleiebt Ler- 
seblagen, weil sie nur künstlieb xusammengs- 
leimt sind " 
In seinem Ruob bat Redin dieses Rezept 
etwas ^u wörtlieb genommen, kr bolt einen 
Hammer und ^srseblägt seine sebone Kiste, 
.^ber den Zebluk einlaeb sum ^nkang 7n maeben, 
ist eine plumpe und bandgreirliebe Demonstra 
tion, die niobt eben viel beweist, wenn im 
übrigen die durebeinander gerüttelten Kapitel 
in sieb unbesebädigt sind. Die Zerstörung der 
Romankorm von innen ber wäre wirksamer ge 
wesen. 
wäbrend des Krieges in deutsober Sebutchait panop m, as m rgen ene menge wm 
lebt, und naobber den russisoben Rür^erbrie^ tiger dokumentarisober Darstellungen entbalt. 
mtimLokt. l^aeb bswäbrten russisoben. plustern 
Zustände und Riguren sind wie die Korm M 
grob berausgebauen, entspringen aber gleiob ibr 
riebtigen ^bsiebten. blirgends ist die ^ Kontur 
genau getroRen, nirgends ist sie verieblt. Das 
gilt vor allem kür die Darbten über Deutsemand. 
Unen soloben Kurt mag es geben, und die bio- 
grapbie des Karkgraken wird so ungekäbr sobon 
gelautet babsn. Dennoeb baben beide etwas 
Duppenbaltes an stob: mit den äuüerltob naeb- 
ge^eiebneten Rewegungen ist niobt Mgleiob der 
Xleobanismus gegeben, der die Rewegungen 
produÄert. ^.ueb die übrigen Spieler und Mb 
gan^e 8tatisterie der Dinge und Rmtergrunde 
sind trot^ ibrer blaturwabrbeit merkwürdig 
starr geraten 7 als seien sie in einem ^ugen- 
bliob böobster Debendigkeit plotÄiob vom 8ob1ag 
gerübrt und sokort abgegossen worden.^ Nan 
wandert dureb das Rueb. wie dureb ein Rressn- 
panoptiküm, das im übrigen eine menge wmm 
Gegen dre Todesstrafe» 
-- Der Film: „Die letzten Nächte der Mrs. 
Orchard", der im Gloria-Palast lauft, plädiert für die 
Abschaffung der Todesstrafe. Sein Inhalt ist kurz gesagt der: ein 
eifriger Anhänger der Todesstrafe wird währen-5 der UeLerfahrt 
nach Rio von Liebe zu einer Frau ergriffen, die ihm vorspiegelb 
daß ste eine Mörderin sei, möchte alles tun- um sie zu retten- 
schreckt sogar vor einem Mordversuch nicht zurück, und gerät auf 
Grund dieser Schiffserlebnisse, die natürlich in einer Heirat 
endigen^ auf den einzig vernünftigen Gedanken, daß es» mit der 
Todesstrafe doch nichts sei. Durch einen Trick ist der Saulus in 
einen Paulus verwandelt. Das konnte eine nette Komödie sein, 
ist aber viel zu schwer angelegt, um als Lustspiel Zu wirkem Vor 
allem die Gesängnisszenen am Anfang (übrigens höchst mäßig 
gestellt) sind von einer Düsterkeit, die sich mit den späteren Frauen- 
listen nicht recht verträgt, und auch das Täuschungsmanöver selbst 
wirb mit einem Ernst gemurrt, der geradezu unpassend ist; oder 
umgekehrt: die Täuschung ist unpassend, wo es um so ernste 
Dinge geht. Als einzige Lichterich ei nung ragt aus, dem ver 
schwommenen Halbdunkel die schöne Lil Dagover in ihren 
schönen Toiletten heraus, die ihre unmögliche Rolle nach Kräften 
lebendig Zu machen sucht. Das gelingt ihr nicht, und kann nicht 
gelingen; aber immerhin: fielst da, sie Zeigt sich in vielerlei 
Posen und umarmt zum Schluß wundervoll Ihr Partner Jean 
Murat ist von sympathischer Männlichkeit, dürftig die Komik 
Georg Baselts. Warum tritt Gertrud Eysoldt stets in so 
kleinen Rollen auf? Aufnahmen und das Arrangement bieten 
weiter keine UeberraschungM« Raea. 
krieg siebt und als strammer Kommunist m 
Immerbin: der Roman entbält auker der Noskau wieder berauskommt^ Da Andrei aus 
rein personlioben Gründen seine beliebten gegen 
die Zowjetumon verletzt, muk Lbn Kurt ruguter- 
^ixt leider toten. Line böse Rolle spielt auob der 
säobsisobe Oral von Mir Nüblen-Zebonau, ein 
Leutnant und Kunstmä^en, dem weder nie 
Revolution noeb Karies Diebe M Andrei bebagt. 
ZablrÄebes biebenpersonal in beiden Dändern; 
ersebütternd der Krüppel Dependin, der bem- 
und armlos in die Heimat rollb
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        Schönheit ohne SMirAmst, Kunstgewerbs ohn« rede Gewalt — 
nicht mehr. ' Schade. Laos. 
/ch '. OttftOW Hergner. ' 
Zum Film: „DoLa Juana". 
Der MmuDwS« Z.ua»a« ist gutes Ku-ystgeyerbe -7. 
nicht mehrt KaulCZ inner hat iht, für E «th Be rg.n «r 
gedreht, um die M in diesem altManischen Stückchen mlles^drcht 
KunschewerhgM vor allem ihr eigenes^sPiL Zugegeben, daß ste 
wie früher so auch jetzt is spanischen Mädchen- und JunglrnM- 
kostütnen M fremd und reizend Seweech Ihr etwas volleres Gesicht 
hyt an Anmut eher gewonnen, und die fliehende ^tttn merkte cho- 
gar noch erregender, tveun nicht imnier ein LSckcyen darüber weht«- 
Sie geht auch schmal und.fein. Ger Pvknmge sie fE 
FlorÄtz dch ste niemals verletzt Werden sollte, sie pepMg eine 
Eine Vase bedarf der Draperien, vor denen sie ihren Zauber 
entfaltet. Czinmr, der Regisseur, hat bildschöne spanische Land-. 
schaften gMefeA: Straßen, über die Don Q-uichote geritten 
sein Springbrunnen in Gransda, die aus dcr Lernwand 
.zu rauschen scheinen Ausgezeichnete Ph^ Ue der 
optischen Aufwertung des alten Komödienstosfes dienen, der Edel- 
ltzute mit ihren Bediensteten umtreLLt und Liehesintrigen nach end 
losen Unglücks fallen zu^ glücklichen. Ende bringt. Die Szenen 
sind geschickt vera^ Regieeinfalle — seien sie frer 
erfunden ode-r nach der Borlage gedreht — sogar besonders lEch 
gerMten^ Einmal übernachten die Bergner und, ach, der geliebte 
Jüngling sWalther Rilla, der sick beflissen spanttch benimmt) 
zusammen im Heu ohne um ihre Gegenwart zu wissen; obwohl 
. sie beide sspmmetmsch W aus den Heubündeln der- 
russtr^en 'Das andere Ma' nartt die ^eraner bei'" Rsi„'&amp;gt;«kuh- 
spi«l mit ihr«« Schal den Verfolger, als sei er ein Stier und sie 
der Torero, . 
Aber ist dies« Aufmachung gleichbedeutend mit einem wir^- 
li^en Mlm? Keineswers? Au^ der RepMur ist Mr nn 
Dekorateur fund muß es um der Bergner wÄm wohl 
bat die Ausstattuna besorgt, den Natur- und Kunstlos«, erstellt, 
der für dir Bergner taugt. Eine Szene, die mehr a S dw kuttr- 
viert ausgenomwene Umwelt brächte, die rein aus dem Frlm 
heraus geboren Ware, ist ihm nirgends geglückt. 
Reihe besonderer Posen zu stellen aber das ist in der Tat aües^ 
was stestn diesem Film zuwege.bringt. 
Es ist Dekoration-. Richt in. einer Szene wird das Spiel der 
Arabesken durchbrochen, an keiner Stelle, aber auch wirklich an 
keiner einzigen kommen- Blick und Gebärde aus einer tieferen 
Schicht. Im Gegenteil, die Bergner verläM sich völlig auf die rhr 
-verliehene. Gestatt, die verlassen ist, weil weder Leihen.Hast noch 
-Vernunft sie von innen bewegen. Wie gehalten ist sie dort, wo sie 
erschüttert sein sollte. Durch einen Zufall erlangt su Einsicht m 
einen Brief, aus dem hervorgehH daß ihr der GelicL'.e für immer 
entrissen werden soll. Weint sie? Erstarrt sie? Faßt sie unverzagt 
kich einen Entschluß?. Nein, nein, nein. Aber sie liest den Bn-ef 
fünf- bis sechsmal durch und verändert bei jeder neuen Lestürechts 
Haltung des. Kopfes, damit er sich von allen Seiten gleichmäßig 
darbieLe. Im Hinblick auf die Handlung'sind die Kopfverschiebun» 
zen nicht minder .'Wecklos wie die Aeußerungen in der spatere» 
Trunkenheit/die mehr als zw-Mss, die sinnwidria sind —wie ent 
zückend immer sie im übrigen jein mögen, So geht es durch das 
ganze Stück, auS'chem LotäML in die Großaufnahme hinein: die 
Empfindung treibt nicht die. Gesten spräche hervor, sondern diese deckt 
fast die Empfindung zu- Die Erscheinung möchte sich selbständig 
behaupten. Wie eine edle in den.Wiener (oder anderen) Werk 
stätten erzeugte " Vase ist sie abgelöst von dem Untergrund- in den 
eingebettet sie erst das richtige Leben gewänne. 
Der fröhliche Weinberg» 
— Zuckmayers Bühnenstück ist für den Film sinngemäß abge- 
anbert worden: die SprcchsFenen verkleinert, die Akzente anders 
verteilt. Statt der Dialogie hat die Regie I. und L. Flecks an 
Rhein geboten, was nur in die Kamera ging. Er fließt um 
sonst, ist immer da und löst in jeder Beleuchtung Stimmung aus» 
Vor ihm läßt Carl de Vogt seine Armmuskulatur spielen, deren 
er als starker Jochem bedarf, vor ihm führt Camilba Horn 
Clärchens Liebeskummer versonnen spazieren, vor ihm stehen die 
innig umschlungenen Paare. Ueberall Rhein und die dazu ge 
hörigen- Rebenhügel und die Fachwerkgiebel — der ganze Land- 
schastspomp, der in diesem Stück ungefähr das gleiche bedeutet 
wie in historischen Stücken eine Asscmblee von berühmten Namen. 
Was die waschechten Liebesszenen betrifft, so steht natürlich der! 
Film dem Theater nicht nach. Sie gehen unter der Assistenz! 
daftig aufgepäppelter Schweine, Hinterteilen von Kühen und ver-! 
schwiegener Heuschober vonstaLLen. Wie es sich kr einem Volksstück - 
gehört; mit der erforderlichen Blechmusik daW, damit es noch 
lauter schallt. Zum Glück gibt Fritz Odemar seinen Assessor 
Knuzius auch im Film. Er hat sich prächtig auf die Jupiterlampen 
umgestellt. Der blamable Exkaiser-SchnurrLart, der Kneifer, der 
immer auskneisen möchte, die Bewegungen beim Weineingießen, 
die Darstellung der Liebesgefühle, das nnßglückte Fensterln, der 
Gang über die Straße — das alles sitzt, in Total- und Groß 
aufnahme, ist eine runde, fertige Leistung. Angesichts seines Spiels 
regt sich der Wunsch, ihm noch öfters auf der Leinwand zu be 
gegnen. Seine Partnerin Camilla Horn ist übrigens im betrunkenen 
Zustand entzückend. Sonst sind noch außer dem Mein einige gute 
Volkstypen der verschiedenen Konfessionen Zu erwähnen, auch seien 
die zum Teil vorzüglichen Nat'/photographien anerkannt, von 
denen abgesehen her Film regiemäßig wirklich nichts Besonderes 
bietet. (An manchen Stellen wird mit den AebeMendungm nur 
so „geaast".) Bei der Aufführung im Gssor ia-Palast, deren 
musikalisches Mompagnement Zu rühmen ist, ?eigt sich Fritz 
Odemar in Originalgröße und erzählt dem Publikum, wie es so 
beim Filmen zu geht. Das wacht er-«sehr witzig. — Als Begleitfilm 
laust ein kurzer Streifen, der einige nette Karikaturen Paul 
Simmels enthält. 
Der Film „Der fröhliche Weinberg* wird übrigens auch in den 
Alewannia-LichLspielen gezeigt. .kLeo. 
E DaS Mädchen aus FrLseo. Es geht abenteuerlich zu in 
diesem Film der Capitol - Lichtspiele. Die blonde Un 
schuld einer Tänzerin (Helga Thomas) gerät auf ein übles 
Schiff, das dem Opium und der Liebe dient. Der Kapitän will z 
daS Mädchen zur Ehe zwingen, ein rüder Kerl, dem Louis 
Ralph das verbissene Wesen und die langjährige AbgebruhcheU 
verleiht. Er hat in dieser Rolle von Lon Ehaney gelernt. Wer 
rettet das Mädchen, das so nicht untergehen kann und darf? Ein 
niedlicher enMcher Seeoffizier und Rudolf Klein-Rogge 
als erfahrener Weltenbummler. Als Kurtisane großen Stils deren 
Heim in Schanghai allen Junggesellen geöffnet ist, greift auch 
Erne Morena helfend ein. Leider erscheint sie nur selten auf 
der Szene. Sie ist fein und vornehm wie immer; etwas von Ge 
heimnis haftet ihr an, Die Regie ist durchschnittlich. Zur Erweckung 
exotischer (Andrücke hat sie einen gut spielenden asiatischen Dar 
steller hcrüngezogen und sich im übrigen mit einigen Straßen- 
aspekten aus San Francisco begnügt. Der Hafen scheint deutscher 
Herkunft zu sein; cmch Hermann Picha als Oberrnaat wirkt nicht 
gerade bedrohlich R-nes. 
Ehschliu-FMe. In dm Drrxrl^Lichtspie« 
l«n laufen zwei alte ChoMn-Mlkm unter den Titeln: »HM mir 
mal ein Dina drehen" und Letzt Kttns loSgehen". Chaplin dreht 
rnmwc °m Ding, und auch los geht es stets bei ihm. Wie gewSLn- 
ltch taucht Charlie in den beiden Stücken irgendwo auf, wo man 
ihn nicht vermutet Hütte und entschwindet dann wieder am Schluß 
unterrichteter Dinge: ein rührender klerner Gentleman, der nur 
darum oft so dumm und plötzlich ist, weil er nicht die geringste 
Beziehung zur Umwelt unterhW. Er möchte lieben, findet aber 
Ane Frau, möchte geradeaus gehen, aber die Wege sind krumm. 
Daß das. Stückchen sich an allen möglichen Gegenständen verfängt, 
nicht sewe Schuld. Im Keim sind in den zwei Filmen schon 
sämtlich«e Motive enthallteenn,, die stch später im „Goldrausch" ent- 
wicckeltt darstellen. Niemand, der Chaplin liebt, sollt« sich diese 
frühen Stückchen entgehen lassen. «ae»
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        Mraune. 
-»- Der Roman von Hanns HeinA Ewers, nach dem dieser 
Film der Ufa-Lichtspiele gedreht ist, hat es in sich. Sein« 
Heldin ein dämonisches Wesen, das ein berühmter Naturforscher 
auf dem Wege der künstlichen Zeugung erschaffen hat; wobei er 
sich eines Gehenkten und einer Dirne bediente. Kaum ist das Mäd 
chen erwachsen, geht der Spuk los; es stürzt Jünglinge ins Un 
glück brennt durch, dringt in einen Löwenkäfig, macht sämtliche 
Männer verrückt. Zu guter Letzt auch den berühmten Profoessor, der 
sich als hren Vater auszegeben hat; hinter welch« fromme oder 
unfromme Lüge Alraune gelegentlich des Durchblätterns seines 
Tagebuchs kommt. Nachdem er von ihr ruiniert worden ist, läuft 
sie mit seinem Neffen davon. Wahrscheinlich wird er das Schicksal 
des Onkels teilen. So eine Art von Lulu-Ersatz. 
Die etwas falschen Schauer im Text sind von der Ufa und 
ihrem Regisseur Henrik Galeen weidlich ausgenützt worden. 
Galeen hat Sinn für Wirkung und arbeitet geschickt. Er hat die 
Zirkusszenen gut gebaut, kann Spielsäle stellen, bezieht überhaupt 
die Architektur in weitem Umfang ein. Wie er durch die Führung 
des Objektivs eine unheimliche Stimmung erzeugt, wie er die 
Lichtverteilung und Spiegeleffekte sich dienstbar macht — das alles 
ist einwandfrei. Auch vergreift er sich nirgends in der Auswahl 
der Typen. 
Dennoch hat der Film kompositionelle und technische Schwachen. 
In dem Roman mag die Heldin aus dem Tagebuch des Professors 
ihre wahre Herkunft erfahren; im Film wirkt das Tagebuch so 
öde, daß man sich wünschte, sie hätte auf eine andere, jedenfalls 
nicht handschriftlich fixierte Weise das Geheimnis ergründet. Auch 
ist wieder einmal zuviel und zu sichtbar gestellt: die Einleitungs 
szene, in der die Puppe eines Gehenkten gruseln machen soll, wäre 
besser gestrichen worden; und ist es denn wirklich immer nötig, 
winzige Eisenbahnzüge im Modell durch die künstliche Nacht rollen 
zu lassen? Schließlich wird manchmal über dem Auspinseln der 
erotischen Gefühle vergessen, daß es doch weitergehen soll. 
Paul Wegener als Professor: ein Koloß von Mann, dem 
man die kaltblütige Inszenierung jener sonderbaren Zeugung 
glaubt. Sein Gesicht wie aus Erde gestampft. Er scheint kaum zu 
spielen, sondern einfach er selbst zu sein. Der allmähliche Ueber- 
gang aus dem Vater, vor dem das Mädchen sich fürchtet, in den 
begehrlichen Liebenden, den sie zum Irrsinn treibt, ist mit voll 
endeter Sicherheit durchgeführt. Brigitte H e l m s Alraune ist eben 
falls eine ansehnliche Leistung. Ein blutarmes Gesicht, aus dem 
die Haare zurückgekämmt sind: die Augen traurig, Haftlos und leer. 
Etwas Aufsaugendes wohnt ihr inne. Ausgezeichnet die Szene im 
Gesellschaftskleid, in der sie den Pseudovater verführt. Man spürt 
hinter alledem den Regisseur. Hier und da scheint er locker zu 
lassen, dann schimmert unfreiwillig Naivität durch die Vampirhafte 
Außenseite hindurch. — Zu nennen noch: Wolfgang Zilzer, 
der für anständige Jünglinge wie geschaffen ist, und Louis 
Ralphs Zauberkünstler, eine Erscheinung von robuster Zwei 
deutigkeit. — Die Musik begleitet verständnisvoll. kaeL. 
KHaplm. 
Zu seinem Film „Zirkus*. 
Um es vorwegzunehmen: der Zirkusfilm erreicht als Kompo 
sition nicht den Goldrausch. Seine Fabel ist konventioneller, und 
auf kurze Strecken nimmt er seine Zuflucht zu Motiven, die auf 
der Hand liegen, entgleitet er in eine Komik, die nur zum Lachen 
reizt. Nicht die Hauptlinicn der Handlung, sondern die vielen 
Einzelzügc verleihen dem Film Bedeutung. Er ist die Unter 
lage, in die sie einverwoben sind. Das Mosaik, zu dem sie sich 
Zusammensetzen, stellt jene einzigartige Figur dar, die an den 
Namen Chaplin geknüpft ist. Sie besitzt in dem Film eine gewiß 
nickt geringere LeucktkE als im Goldrausch, und wenn sie Ge 
lächter erweckt, so rührt sie zugleich. 
Das Geheimnis dieser Figur tritt in der S p i e g e l k a b i n e t L- 
SZene am reinsten zutage. Chaplin rettet sich auf. dem Rummelplatz 
vor einem Polizisten in das Kabinett, in dem er hundertfach wider 
strahlt. Er weiß nicht mehr: ist er es, der vor den Spiegeln steht, 
oder ist er eine von den vielen Gestalten in den Spiegelkulissen. 
Auch der Polizist, der ihn glücklich eingcholt hat, weiß es nicht. 
Beide werden von den unaufhörlich sich wandelnden Bildern geäfft, 
die Welt ist in Stücke zerrissen, die durcheinander wirbeln, sie 
scheint dem Irrsinn verfallen zu sein. Der Polizist erfährt sie so 
nur im Vexierkabinett, Chaplin dagegen lebt, im Spiegelkabinett 
der Welt. 
* 
Sie ist ihm ein Gaukelspiel der Menschen, Tiere und Dinge, 
in dem er höchstens aus Zufall einmal feste Konturen greift. 
Da er sich in den Erscheinungen und ihren Absichten nicht aus- 
kcnnt, ängstigt er sich vor ihnen allen und sucht sie durch kleine 
Listen sich günstig zu stimmen. Vielleicht ist das Hündchen gefähr 
licher als_ der Löwe: eine Gewähr hat man nie. Nur so viel ist 
das Zirkuspferd mit den beweglichen Ohren-zu den 
todfeinden gehört. Der schlimmste Gegner ist freilich ^der Zirkus 
direktor selber, ein rüder Patron, den Chaplin mit erlesenen 
Schlichen traktiert. Es naht sich wohl auch ein freundliches Ge 
schöpf, ein^Mädchen, aber es ist nicht für ihn. Dicht umstellt ihn 
die Märchenwelt, in der sich die Gegenstände und Lebewesen ver-, 
wirren. 
Die Veziehungslosigkeit, mit der er sie durchwandest, zeigt sich 
Lach süßen hin besonders deutlich in den Clownszenen. Er be 
lustigt nur so lange die Menge, als er gar nicht komisch wirken 
einfach Chaplin LA der sich vor irgendeinem Phantom 
rettet oder die gewöhnlichsten Dinge nicht versteht. Drastischer und 
genauer als durch die unbewußte Erzielung der Komik — sie ist 
als Motiv nicht neu — offenbart sich seine Fremdheit und Hilf 
losigkeit in gewissen Zügen, die beinahe unschön wären, wenn 
sie Lei einem anderen Menschen aufträten. Er erpreßt, nachdem er 
über seinen Wert für den Zirkus aufgeklärt worden ist, von dem 
Zirkusdirektor ein hohes Gehalt. Er benutzt einen auf dem Boden 
liegenden Menschen, der knOck-out geschlagen worden ist,als 
Schemel, um durch ein Zeltloch Zu gucken. Er verhält sich dem 
Löwen gegenüber, der ihn aus Laune in Ruhe läßt, mit prahle 
rischer Großmannssucht. Aber gerade solche Anmaßungen verraten 
unzweideutig seinen Mangel an Selbst-Bewußtsein. Nur ein 
äußerst verwundbarer Mensch, der sich in der Welt nicht zu regen 
versteht, nimmt derartige Anläufe, um sich in ihr zu behaupten. 
Sie brechen in sich zusammen und machen ihn lächerlich. 
* 
Hinter den Masken der Notwehr verbirgt sich die wahre Gestalt, 
die sich immer wieder in kurzen Augenblicken bezeugt: Dieser 
Mensch Chaplin ist gut und zärtlich und hat Achtung vor jeder 
Kreatur. Wie er das Kind anlächelt; wie er sich durch ein Lupfen 
des Hütchens bei dem Huhn bedankt, das ihn mit einem Ei bedacht 
hat. Die Höflichkeit kommt aus seinem Herzen..Auch eignet ihm 
ein wesenhafter Zug der Märchenfiguren: die Naivität. Er kann 
sich totlachen über die albernen Spässe der Clowns, deren Pro 
duktionen das Publikum einschläfern. Dann ist da noch ein sonder 
bares Verhalten, das mehr als irgendein anderes in seinen letzten 
menschlichen Grund weist, aus dem es bricht: daß er vor Freude 
beinahe überschnappt. So war es im „Goldrausch" und früher, 
so ist es auch hier. Auf die vermeintliche Gewißheit hin, daß das 
geliebte Mädchen ihn wiederliebe, schlägt er wie toll um sich, die 
Augen funkeln, er zerspringt in Stücke. Es ist, als habe die Welt 
sich aus dem Spiegelwahnsinn zurückgefunden und er dürfe sein, 
wie er ist. 
Daß er es nicht sein darf, sondern mißverstanden wird von 
einer Umgebung, die er mißversteht, weckt das Gelächter. Es ist 
von jener Art, die auch das Weinen in sich begreift. Denn der 
Humor Chaplins blamiert die sich ernst gebärdende Welt nicht, 
um sie zuletzt unangetastet bestehen Zu lassender enthüllt sie viel 
mehr wie jeder große Humor, zeigt etwas an ihr auf, das sie 
aus den Angeln zu heben vermöchte. Wenn jeder alle Geschöpft 
so höflich begrüßte — wäre sie nicht verändert? Daß sie anders 
sein könnte und doch weiter besteht: bei diesem Blick auf sie mischen 
sich Tränen doppelter Herkunft. Die Mischung entspringt der 
falschen Proportion zwischen der Gewalt der Welt und der ihr 
begegnenden Schwäche. 
' -- — , . .. K^. ' 
Die Komik, es wurde gesagt, verweilt nicht durchweg an dem 
entscheidenden Knotenpunkt. Es ist lustig, wenn Chaplin aus Un 
geschick die Zauberkästen öffnet, denen nun das Geflügel zur Unzeit 
entschwärmt: bestimmend für ihn ist es nicht. Vielleicht wäre es 
auch nicht nötig, daß er bei dem Gang über das Seil von den 
Affen behelligt würde und sich hosenlos zeigte. An diesen Stellen 
verdrängt eine Komik Zweiter Ordnung jene tiefere. Sie wird 
ebenso überschattet in den Partien, in denen Liebe und Eifer 
sucht als die Hauptmotive herrschen; gerade in den Seiltänzer 
sZenen also. Hier klingt eine Verwandtschaft mit dem Bajazzo auf, 
die Chaplin sonst überall meidet und die auch nicht seine Sache 
ist. Von den Höhepunkten aus gesehen ist vor allem der kleine 
Austritt problematisch, in dem er aus Liebeskummer als Clown 
versagt. — In diesem Zusammenhang mag noch erwähnt werden, 
daß der Film nicht so reich und überzeugend aufgemacht ist wie 
„Goldrausch". Die Gegenspieler sind schemenhafter. Der rohe 
Zirkusdirektor ist eine Karikatur und das Mädchen ein Mädchen, 
so lieb es ist. Chaplin müßte sich nicht mit solchen Abbreviaturen 
behelfen. 
Am Ende fährt der Zirkus davon. Chaplin mit Hütchen und 
Stock bleibt allein auf freiem Feld zurück, mitten in der Kreisspur 
der Manege. Er sieht den Wagen nach, sein Gesicht ist alt, wie es 
bisher nie gewesen, alt und vergrämt. Werden die Spiegel je in 
Trümmer gehen? Wird der Spuk je verschwinden? Dann rafft er 
- sich auf und hopst davon, ein Männchen von hinten, komisch an- 
zuschaucn. 
(Bei Gelegenheit der Aufführung des Films im Frankfurter 
G l o r i a p a l a st.) S. Kracauer.
        <pb n="8" />
        Die Jugend der Komgm Luise. 
Au diesem Terra-GrsMm hat Ludwig Berg er das 
Manuskript geschrieben. Ms Absicht maa ihm yorgeschwebL haben: 
darzustellen, wie Menschen im Zercmonial sich regen. In der Tat 
ist die Spannung zwischen den menschlichen Leidenschaften und 
Gefühlen auf der einen Seite und der stavren Etikette auf der 
anderen ein ausgezeichneter Vorwurf für den Film. Denn wortlos 
sichtbar ist sowohl das Gepränge wie das seelische Verhalten zu 
ihm das, um den vor geschriebenen Gebärden zu antworten, selber 
! Gebärde werden muß. 
Man hat die Jugendzeit der. Königin Luise^ hevausge- 
griffm — genau so gut, oder wahrscheinlich besser,-hätte ein 
anderer Stoff gewählt werden können. Der vc.rarbeilete ist etwas 
dürftig. Immerhin ist bei ihm mit sicherem Instinkt der Akzent 
auf die richtige Stelle gelegt: auf dcn Gegensatz nämlich zwischen 
&amp;lt;7eL. «L 6. 
Oor äs? sedo« sias ksüw vcm 
Odosi^i-ton-MnckVN rorstzlsxL bat. üdormittsit in 
chsssrv neusv äsm äsutseksn ?udli^um visäsr einixs 
Wrrsr Odseducktsn. in äsusn äsr viedtsr ckis kllsu? 
DstskttvL M1A um! 
L)r bat äZts PdsmL rnimsr ^ieäor bedLn- 
äslt. una ckis äsIsk^iviKLdsn in äsn 
LLdlunesn Vntsr unck vom Nnnn äor 
suvisi sosL? tieksr s,!s in äer sotrt 
VbräouMOdtsn ZLinmIuns. Osnnood lobvt sied idr-s 
äL sis ckis nttsn Notivs niobt un^sssntttcd 
vs.rms?t. vor ist klebt krüüsr sin Kkibo 
Iisedsr Priester ocksr eins ^r-t Mm ÜLmiot-OsstaZt. 
koncksrn S2k üObsr ltlobtsr L. cksr seiv 
V6?IorHN dLt. sr vIotLlivd EOvorcksn 
ist. Dks doillt öckko noemLl. 8orns Vernüeictboit 
destnnci nLmI^d cknrrn. ä^L sr slnss äw sor- 
Mkls ^urisnruäonL nlcdt msdr scärLtLts uvck IlrtMs- 
surüedo kLUts. äis rislieiedt SLiomooisod, ador niobt 
Is,nckssN)!!eb &amp;gt;oLrsn. vissor« okkirieUs ^ar-r äured- 
sedaut in äe-m Duod rur Vor^unckbounz? soinor 
^rsuväs vrnik-s dtonsodsv unä Problems. Haupt- 
tdoss: bsr äse Snt^ir'niLS' äss I^sbens dommt es 
niedt so «sbr av-k ä^s Xsnvtnis unck vl^ns ^uscksn- 
tunr äse ll'Ltsnoden sn kls Lrck äsn vnbokLnssnen 
VIieiL. asr unter äw Oborllllebs ckrinEt Dos ist 
vredt nea. äoob ttnmer-kiy on^rnstt voraobsitHt, 
unck Luüoräom ist bs! Obestsrtsn äer kiekenpsvobo 
loFs. nms sr sonst niobt übsruii ist. sin Velksr. ckor 
in äsn Kssisnböbien äo» Iväivickuums so ^ut vis in 
cksn nntsrückisobsn OLuLsn äsr Ossollsebakt Lo- 
nE I» ckkE 0««*» LsmM Lv «Lslks- 
nisroü» Hub. äsr NAnnM Äs »ÄtsaW«^ 
öllsnOrob vo^r niobt LusTsübton Lsruksn nZLÜrLebsn: 
sinsr bnt sins XTSntur kür romnntisobs ^dsntsusr. 
ein Lnckorsr pulvert sbrxeiLi^s dnckbeutsl mit 
8obls.scksrtis!csit auk us^v. Mns bübsebs LrkinäuvL. 
äis (ins NÄdsnsinLnäHr äer NWonsn in einer ^slt- 
stuckt ckurob cksv äor Duoicen nnck RitLSN 
I^lsobsn rbnsN sntbMt. R r. 
— Harry Piel und der Tiger. Der Film „Panik" der 
Neuen Lichtbühne ist nicht hohe Filmliteratur, hat nicht 
einmal den Ehrgeiz, so etwas wie ein fröhlicher Weinberg zu 
sein, aber ich kann mir nicht helfen — er ist spannend und m 
manchen Teilen wirklich gut gemacht. Leute, die Angst vor der 
Kolportage und vor Raubtieren haben, sollten hübsch aufpassrn, 
wenn sie hineingehen, denn Harry Piel ist ein Schlimmer, der 
von unwahrscheinlichen UeLerraschungen nur so wimmelt, ob er 
nun als Maharadscha mit einer rhythmischen Lieblingsfrau er 
scheint oder im atlasgefütterten Frackmanteil als Halbgott., Aber 
eigentlich zu fürchten braucht man sich in seiner Gegenwart nie. 
Steht auch immer, wo er auftritt, eine gräßliche Gefahr zu er 
warten, so wird doch, streng genommen, die Gefahr nur herauf 
beschworen, damit er sie im letzten Augenblick abwenden kann. Die 
ses Mal soll eine Versammlung von Millionären auf die scham 
loseste Weise ausgeplündert werden. Also, man muß sehen, mit 
welch einer süßen Eleganz er des Hochstaplers Herr wird. Freilich 
hat er einen Partner, der ihm, Harry, mindestens ebenbürtig ist. 
Der Partner ist ein Tiger, ein schönes Naturexemplar, das sich 
so zutunlich zu Harry verhält, nun, sagen wir wie ein von einem 
Knaben abgerichtetes Haushündchen zu seinem Gebieter. Der rich 
tige Spielkamerad. Niemals würde Harry Liedtke mit einem 
Tiger spielen (höchstens mit seinem Fell); dieser Harry tut es 
und lächelt dazu noch obendrein wie Liedtke. Er frühstückt mit 
dem Tiger, nimmt ihn ins Hotel mit, schreckt und rettet mit ihm 
die Millionäre — ein reizendes Tigerlein, von einem Halsband 
umwunden. Nehmt alles nur in allem: Harry Piel hat sich in 
dem Film selbst übertroffen, und nächstens werden Tiger beim 
Zünfuhrtee die große Mode sein. Rein regiemäßig ist übrigens 
dieses aufregende Sensationsstück geschickt aufgebaut; die Intro 
duktion ist sogar ausgezeichnet. Zu den Mitspielern zählen außer 
verschiedenen erstklassigen Raubtierkräften unter anderem Erich 
K a i s er - Tietz, Albert Paulig und Henry Bender. 
winnt. Dafür wird es auch von CAy Feindt geritten. Es 
empfiehlt sich, nur von ihr zu reden, denn die FamULentragödir 
iw Hintergrund ist fürchterlich. Was sich eben so manchmal auch 
in Gutsoesttzerkreisen tut, mit mißratenen Brüdern, Zuchthaus, 
Zwang zum Ehcversprechsn usw. Also Cilly Feindt, kein Engcl 
ist so rein — wirklich, sie ist ein recht liebes Mädchen ohne 
Herrenschnitt im Herrensitz auf dem Gaul. Auch von ihren er 
staunlichen Reitkünsten abgesehen, arbeitet s« die ihr vorgeschriebene 
Figur bewußt und anständig heraus; Zum Unterschied von ihrem 
jugendlichen Partner, der nun schon gar nicht spielen kann. Dir 
übrigen darstellerischen Leistungen sind guter Durchschnitt- Manch 
mal befriedigt die Regie- manchmal weiß Ke nicht weiter. 
? Der FeldmarschaL. Es ist ein Perd, daS in dem neuem 
! Film der Saalburg-Lichtspiele ein großes U'Men He-r 
Artifie«. Meser Fibm der Capirol-Lichtspiele 
schlägt wieder einmal in das beliebte Airkusfach und gehört zur 
gleichen Familie wie der ausgezeichnete, jüngst in Frankfurt ge 
zeigte Film: Manege". Freilich reicht er an ihn nicht heran. Die 
Handlung schweift in angestrengt komische Episoden ab, der 
Zirkuszauber ist nicht straff genug gebannt. Es liegt eben immer 
sehr viel daran, ob die Regie nur über die übliche Routine veMgt 
oder ihren Stoff wirklich durchknetet, wie es in jenem Manege 
Film geschehen ist Die Hauptdarstellerin ist in beiden Stücken die 
gleiche: Mary Johnson, eine bsgaots Künstlerin, die nur in 
diesem neuen Film die mädchenhafte Unschuld mit zu großen 
Augen und zu dicken Gebärden aus-pmaunen möchte. Werner 
Fütterer als jugendlicher Liebhaber ist eine mittelmäßige Er 
scheinung. Niemand hätte in Ernst Deutsch gerade die hypnoti 
schen Kräfte vermutet, die er hier mit einem Ziemlichen Auswand 
an starren Blicken hergeben muh. ' I&amp;lt; aca. ! 
der Unbefangenheit eines jungen Mädchens, eben der späteren 
KönOn, und dem Glanz des höfischen Leberrs. Es gibt Zu 
sammenstöße, es komm! zu winzigen KonfWchen, aus denen der 
Film seine Nahrung bezieht. Zur Auffüllung wird noch die 
Maitreffe des Königs herbeizitiert, die sich zwar nicht, wie die 
Kronprinzessin, einen Verstoß gegen die Etikette erlaubt, aber als 
Maibreffe bereits der Verstoß in Person ist Für das "Dp^e! und 
Widerspiel, das nirgends in eine Tiefe'geht, die uns heute noch 
anzurühven vermöchte, ist der Film nur viel zu groß ausgemacht. 
Gedreht hat ihn Karl Grüne, dem im Umkreis der Terra 
die Hvsluft besser anschtägt als die „Straße", aus der er früher mit 
so schönem Ersolg begann. Er entwickelt in dem Film bcttächL- 
liche Talente Zu einem Oborzeremomenmeister alten Stets. Die 
Regelung des Prunks ist ihm vorzüglich gelungen. Das Leben am 
kleinen Darmstädter Hof, der hochzeitliche Fackeltanz zu Pots 
dam, der Hofball in der Spiegel-galerie; das alles such historische 
Miniaturen, die in Wirklichkeit kaum stilvoller verlausen sein 
werden. Auch gelangt die Differenz Mischen allen den glänzen 
den Requisiten und dem Mädchmmturell zu der erwünschten sinn 
lichen Wirkung. Einige unauffällige Momente, in denen dieser 
Zwiespalt ganz Bild wird, beweisen die Fingerlpchen des 
Regisseurs. Starke Schönheitsfehler stnd die dummen Modell 
bauten, die doch niemand glaubt. Das Brandenburger Tor in 
künstlicher Herrichtung ist eine Unmöglichkeit. Ebenso albern ein 
paar geknipste Gesechtsszenen und Landschaftshintergründe aus 
dem Atelier. Dergleichen leicht durchschaubare TäuAungen sollten 
naiv nicht mehr angewandt werden. 
EinM unmittelbaren potttifthen Effekt in reaktionärem Sinne 
will der Film nicht. Aus den ersten Blick hin werden so^ar die 
Galaereigniffe leicht verhöhnt, und die Sympathie ist durchaus 
auf Seiten der Darmstädter Prinzessin. Das heißt allerdings nicht 
viel. Dennoch: man muß a-uf der Hut sein. Was vielleicht als 
tendenzlose Historienmalerei gemeint ist, bestärkt manche Ten 
denzen. 
Erste Kräfte wirken mit. In der Prinützlichen Hauptrolle 
Mady Christians, die sich mit dem Charme _von heute in den 
alten Stilkleidern bewegt. Von einer phantastisch pompösen Wü'de 
Adele Sandrock als Obcrhosmeistwin. Hans Mierendorff 
hat die Dästigkeit Friedrich Wilhelms il. erstaunlich heraus. 
Hedwig Mangel und Jda W ü st-erteilen kleine psychologische 
Lektionen hinsichtlich der intimeren Seelenverfassung großer 
Staatsperlon en. 
Gchwejk im Film» In den Drexel s Lichtspielen^ 
wird zur Zeit ein Schwsjk-Film gezeigt, der ganz matt geraten 
ist. Man hat einige Teils des Buchs illustriert, aber die Illustra 
tionen geben so wenig, daß das Publikum (mit Recht) Wert mehr 
über die Titel lacht, die vorn Film unabhängig ünd^ Den 
Schweff versucht Karl Noll zu spielen. Er versagt gründ, rch, 
denn er stellt so eine Art von blödem Bierksmiker auf bieVeine, 
der sich viel Zu hastig bewegt und von der vertrackten Achwest 
Natur keinen Schimmer hat. Eine Verfilmung des Schwest- 
! Romans ist vielleicht nicht einmal unmöglich; ste könnte indeßen 
i nur Mcken, wenn man sich nicht unter Pckllenberg begnügte.
        <pb n="9" />
        F 
Dragoner!ieöchen. Dieser Film der Al e m a n n i a - Licht 
spiele ist mit Harry Liedtke angefüllt, der seinen persönlichen 
Reizen noch die der knapp ansitzenden Uniform eines österreichischen 
Oberleutnants beifügt ein Ueberfluß an Charme also, der sich 
über die Beschauer ergießt. Daß um das Maß des Zaubers voll zu 
machen, Maria Pandler als modernes Smoking-Girl sich da 
zwischen mengt, mag als verzeihlicher Anachronismus gebucht wer 
den. Der pikanten Ingredienzien sind bei einem Publckumsstlm 
solcher Art nie genug. Er gefallt, das Gemisch aus Waffenrocken 
und duftigen Anspielungen löst immer wieder lautes Gelächter 
aus; was will man mehr, da seine Hersteller nicht mehr wollen? 
Je geringere Ansprüche ein Spielfilm stellt, desto ruhiger darf man 
ihn über die Leinwand ins Nichts laufen lassen. Erst die PEentio- 
nen fordern die Kritik heraus. Eine kleine Schutznmnnsszene in der 
ersten Halste ist übrigens gekonnt. KLcL. 
Chaplin vor einem Jahrzehnt. Wie merkwürdig die beiden 
alten Chaplinfilme, die in den D r e x e l - L i ch t s p i e l e n laufen. 
Chopin als Betrunkener, Chaplin als Heimtskandidat — ganz 
im Stil der alten Groteske, sehr quick und nahezu jeder Gehalt 
in die Bew-egungsdrastik aufgelöst. Dennoch ist an dem ehemaligen 
Chaplin etwas zu spüren, das mit den alten Photographien nicht 
modert. Das Bleibende sind aber keineswegs die Sprünge und 
Gesten, die mancher andere vielleicht eben so gut fertig brächte, 
sondern gewisse Einfälle, die auf die menschliche Substanz Zurück 
deuten. Der heutige Chaplin verrät sich etwa schon in jenen durch 
ihr Ungeschick und ihr spielerisches Wesen gleicherweise rührenden 
Arm- und Beinverschlingungcn, mit denen er dem Mädchen seine 
Liebs Zu erkennen gebsn nröchte. Beide Filme fesseln als erste 
Regungen des noch nicht Zum Selbstbewußtsein gelangten Künstlers. 
eigenschaften «m Platz. Er gibt wirklich die innere Leere, die sich 
die Uniform überzieht und sich mit ihr sogar etwas erfüllt. Die 
? L O LP' E in 
seine anhaltende Blsndheit eine aparte Note bringt. Fred Louis 
8 erch ihr sympathischer Partner. Als Chargenfigur ausgezeichnet 
der Lheaterdirektor Hugo We rne r-Kahl es. ktsaL 
--- Die Geliebte seiner Hoheit. Diesem Film der Capitsl- 
Lichtspiele liegt die bekannte Operette von Jean Gilbert 
zugrunde. Er ist ein Durchschnittserzeugnis., in dem alles» vor- 
kommt, was gefällt: Galauniformen und höhere Standesper 
sonen, die zugleich verhöhnt werden^ eine süß hochstapelnde Tän 
zerin, eins Dollarmillisnärin und die Repräsentationsräume eines 
Luxushotels. Die LustiAeiL dauert zu lang, um immer lustig zu 
sein, aber sie tut es um der Erotik willen Das mondäne Damen- 
duett wird von Vivian GiLson und Mary Kid bestritten. Lia 
Eibenschütz lächelt trotz ihrer Jugend manchmal so überlegen. 
Recht nett Kurt Vespermann als dämlicher Bonvivant. Der 
Amerikaner Hans Junkermanns hat entschieden in Oester 
reich das Licht der Welt erblickt. kLLL. 
— „Freiwild" — verfilmter Schnitzler. Der nach einem Schnihler- 
schen Schauspiel gedrehte Ulm der Capitol-Lichtspiele 
le'det zwar an den Mängeln aller solcher Uebertragungen — sie 
illustrieren nicht für sie entworfene Texte und entraten der eigent 
lichen Filmmotive — hat aber dennoch Qualitäten, die ihn vor 
manchen heutigen Gesellschaftsstücken auszeich nen. Starke mensch 
liche Substanz leuchtet durch die etwas vergilbten seelischen Zu- 
stäudlichkeiten und Motive hindurch, die übrigens nicht einmal so 
überholt sind, wie sie auf den ersten Blick hin scheinen Haupt- 
koufl'kt: ein junger Zivilist verweigert einem Offizier das Duell, 
weil er sich nicht für eine Narretei schlagen will. Das mag heute 
kein solcher Bruch mit der Konvention wie früher sein, aber man 
verpflanze den Satisfaktionsbegrrf aus dem militärischen Gebiet 
in das des Sports, und es hat sich nicht eben viel geändert. Zu 
den psychologischen Unbegreiflich^ die mit Vorliebe in der 
Wiener Atmosphäre amugehockt wurden, gehört dann freilich, daß 
der gleiche junge Zivilist, der so mutigne'ge das Duell ablehnte, 
die Freundcswarnung vor dem desperaten Offizier in den Wind 
schlägt,/um kura-giert zu erscheinen. Dann hatte er sich schließlich 
auch duellieren können. Holger Madsen, der Neg'sseur. ist der 
Bühnenentwicklung aus der Leinwand Zu ausführlich gefolgt, bat 
aber,, vor allem bei der Behandlung "des Requisits, anständige 
Arbeit geleistet. Die Strecken des möblierten Zimmers aus der 
Vorkriegszcit sind echt Zu den Darstellern: Bruno Kastners 
Oberleutnant ist em Geli^g'en. Was immer sonst gegen den 
Künstler einzuwenden wäre, in dieser Rolle sind seine Spiels 
Duell m den Lüften. Ein französischer Mkn der 
Alemannia - 8 ichrs piele, der aber nicht zu jenen EMUg- 
nisfm gehört, deren Import sich unter allen Umständen gelohnt 
hätte. Zwei Piloten sind um einer toten und einer lebendigen 
Frau willen sehr böse aufeinander und tragen, dramatisch genug, 
ihren Streit mit Hilfe von Aexoplanen aus, eben weil sie Pil-!«n 
sind. Die Hauptrolle der lebendigen Frau wird von Mady 
Christians gespielt, die, in diesem Film wenigstens, Mere 
Toiletten als mimische Einfälle hat. Zu der VergegmwSrtigunH 
tieferer Seelenschichten scheint sie nicht das rechte Zeug zu 
habm. Gut die französischen Darsteller und sehenswert die Flieger 
aufnahmen der Wüste. Rass, 
Xmer-Lkmrisek« /sF-pk Del- 
Mo«r. Zsl-rr« - Lk-tsäsKL«. MsiröSskel'-^K'iss. 
Lö7 Leite». 6eö. 
Oisss Oo.unsr'kLbr'tGN Äuck kür MssndLbrckLbr-tWr: 
untsudÄltsnäs Ltrsiebs muss 
Uumpon, äor im soms »msrmL 
nisebou Usn-clslsuts prsüt uM WLnebmsl im Luebt^ 
ÜLUs LtLtiou ms-edt. ^dor Lueb 6ort vorvoUiLommLsb 
sr Lieb. Ois krobidit-iom äsr äritts Oroxl, 
cüs UorllMNvsrsbruLK -- LämtUebs soMQLrslellon Liu 
riebdauMu äsr LbLatsu -^sräsu von ibm Zu klümis- 
ruuMu Lrollsa Lrüs LULMQut.2t. Lina LLoäslcsr 
äureb älo ^Vsit ä^ö Ust-ru-KS. siu Xomoomiium äsr Tur 
in äsn U. 8. möLliebsn Uisbsn und ULnks, 
mit äon nötigen LlLNA-Lroe^sn säs Orsin^Lbo« äomit 
äL8 I^o^LlkoIorit Msiebsrt ist. Usdsr sin rnsebss 
^müssmsnt in äsr Lissnda.bn binLUs rsiebt äse 2LU- 
bor oilsräinKs niebt. ^eil äis Lrlinäun^sü und Aom- 
dinationsn dLS Notiv dss lloed8tap!ors nur rLZNLlt 
3-nrübrsn. ^sseb^siM dsnn srseböpksm Lr ist dior 
v/irLlstb niebt msbr Lls ein durebtrisdsnsr (Gauner, 
dsr sieb von äsn mindsrsn VxsmplLrsn dsr Vsr- 
brsebsrkLunL ko-um Lbbsbt.. und ssins ULudruAS snt- 
rutsn. von äsr &amp;gt;Vit,2N0into s-d^sssbon. vis ü-Mndsln 
M'kvöbnliebsr ULdsnsindrued des bobsron Linnen. 
V/ädrond b'ranlL Usllsrs Usrr Ooiin prnLrisebs Oo- 
ssUsebLktsIcritik tätigt, ivonn s-ueb in ssino sissns 
iLsebs. füllt disssr suspsüto Ilsld Miss Issebsn, obns 
sinsn N-ndsrsn ^utLskkslct LU srLiolsn. O^runr nennt 
sieb äks Lueb im Untsrtitsl ru Unreebt eins Oro- 
t s ss n - La-mmlun^. bliebt äls dedsutunMloso 
Uedertreiduns ist ^rotosic; vielmsbr Lllsin ein soledss 
^uselnLndsrtrsibsn der Uebenskomplexs, d^s sie iv 
kleinste belieben sprengt, die. unter dem Ver^röüe- 
run^SKins betrieb tet. die sonderbare rs^vüräi^keit 
lener Lomplexe srbsÜsn. Ll r.
        <pb n="10" />
        « sMr. Wu.^ Lon Chaney, der berühmte amerikanische 
Charakterdarsteller, der nicht umsonst der Mann mit den hundert 
Gesichtern heißt, spielt in diesem Film, über den kein Wort zu 
verlieren ist, so sehr dient er nur als belanglose Folie, einen hohen 
chinesischen Mandarin. Diese Probe seiner Verwandlungskunst 
ist unter Men Umständen sehenswert. Mag in Wirklichkeit ein 
chinesischer Würdenträger sich anders gebärden, in der Jllustons- 
sphäre des Films erscheint Lon Chaney als echter Asiate. Groß 
artig ist die Kraft, mit der er sich in die fremde Figur übersetzt. 
Wie die Augenbrauen Zur Haltung passen, der Gang aus der 
Haltung kommt! Svgar die Haut und die Gesichtsfalten sind von 
der neuen Einheit umgriffen. Das eigentlich Erstaunliche ist aber 
nicht die vollkommene LranspMioy der AeußerlichkeiL, sonders 
ihre Bewegung von innen her. Aus einem fremden und jedenfalls 
nicht europäischen Soelenzentrum wird die Mimik gespeist. Das 
umständliche Zeremonia! der Begrüßungen scheint in der Tat 
dem ererbten Wissen um die Lehren des KonsuMs zu ent 
fließen, und über den Bewegungen der Hände wachen die 
Ahnen. Auch die Usbergänge vollziehen sich nach einer 
ungewohnten Mechanik. Soeben noch in die nachfühlbare Trauer 
' um den Opfertod der Tochter versunken, schreitet, der Man 
darin Zur vorgeschriebenen Rache an ihrem Verführer. Der 
Schmey reißt in einer nicht mehr ganz faßlichen Weise 
ab und springt abrupt in Tücke über, die sich nach außen 
hin Lalt unh freundlich stellt. Durch diesen Sprung, der 'das Werk 
einer Sekunde ist, wiÄ eine unbekannte Vorstellung Lwelt eröffnet, 
die gewiß nicht die unsrige ist. Auch Renee Adoree kommt 
chinesisch daher, mit den hochgehobenen Armen beim Trippeln. Doch 
nicht darauf beruht Hr Reiz, sondern auf der süßen Kindlichkeit, 
die sie durch das Keine Mädchen-schicksal hindurchschimmern läßt. 
Schade nur, daß Zwei so ausgezeichnete Darsteller sich nach den 
Launen einer minderen Fabel Mischen Blütensträuchern bewegen 
müssen, die nach Hollywood duften. (Zur Ausführung des Films 
in den Frankfurter Ufa -Lichtspielen.) Lr. 
-PblLAUGr MZLFLL ILLLÄ M«L8Q§r. l/öösr- 
sstLt, bi^aeibiter ANÄ briarLtert ro?r L ri 6 L e- 
öerF. Mt S 1 Zerrte. 
cker lsseMitcrntur.) Xk, Aeite-r. 
/sTrs. Oieäerie/rs. &amp;lt;7eb. 7. 
MLr OLr^ri. Gesammelt ttirck ÄöertraAeTr 
r-on MKit er Lelker. F'raueTrfM. 
cü &amp;lt;7o. ZFZ Kerten. 6. 
Nit äsm Vanä äsr U.vtdsn unä Näreüsn 6er 
alten amsrikanisedsQ Lultur Völker 
bat äis ^näorvollö UarcäisnsamnüunT von LuZsn 
Diätsrioks sinsn neuen vsrtvollsn ^u^neba erkaltsn. 
Der Lanä ist Lrisksdsr LU äanksn, äsr äsn 
Närsüsu eins dsi aller LnLnpdsit Lullerst isssslnäs 
Linleitun^ verausMsekiekt bat, in 6er er über sein 
ÜntsrnswnM Useksusebakt adlest. Dr erörtert, aus- 
tübrliüd 6ie Quellen unä arbeitet äaun äis Ilutsr- 
seüisäo ^^iseden äsr amsrikanisedsn Lulturm^tdo- 
un6 6er Llvtdoloche, 6er amsrikanisedsn Ratur- 
völksr üsraus. Die latsaebs. äall nur ^sniM 6er 
tvvisoksn, in ^lorä- unä Lüäamsrika verdrsiteten 
Nüreüsnmotive aus äsn LulturMdistsn üderlisisrt 
sinä, srlMrtSieb naeb Lricksdsrs aus'äsrVorbsrrseliLkt j 
6er von 6sn Priestern viellaeü uw^eäeuteten Ovttsr- 
rnvtdsn. 6ls sens vollrstümliede lMredenliteratur in 
6sn 8interr?run6 ärän^tsn. In äsn Län6 auiMnoin- 
msn sin6 in 6sr Lauotsaeds nur 6isisni^6N Näredsn 
unä Laxen. „6is in m^tlüssdsr 2sit unä DmMdunZ 
snielsn. bis Lu 6er Dnosds. in -6er Ls Din^anclsruns 
6er MLsdiedtliedsn Stamms in idrs spätsrsn ^odn- 
sitM erfolgt", ^rotrr 6sr edristliedsn Zutaten lassen 
sieb ursnrünMsüe IlsdsrsinsttmmunMN ri^iseden äsn 
alt- unä nsuv/elMieden LaMN in Froster Ladl ksst- 
stsllen; sis darren noed äer Drkiärun^ äureb äis 2U- 
künitiKS Dorseliuns. Der ^issenseliaktlieds Xpnarat 
äsg Lanäes ist musterM^ 
vls ..1 sZsinsr Näredsn" sinä von 'U aI - 
tsr Lsllsr derausMMden. äsr kür äis Lammluntz 
äse Vsrla^s Oisäsriebs äis ita^'snisebsn VolLsmäredsn 
vordersitet. dloed vor äsm Drselminsn einer italie- 
niseden XusLadv sinä in äiesem äsäRsedsn Vanäs 2um 
eilten Nals sedte VollLSMärohsn aus äsm Dessin ver- 
sint. OeärueLtes Material bat LeUer kaum vor^s- 
kunäsn. äa^sMN konnte sr eine danäsodriktäebs 
Lamm^un» äsr Dran Duiai Oarloni (lrovni (Xltleli- 
rsrin in Doviod benutzen, äis Dassenäs Ztüske snt- 
dält. Das meiste vmräe auk seinen lessinsr ^Van 
äeruns-en unä LtuLenaui'en-ka'tsn LusammsnMtraMn. 
Ois Lläreden. äis sied übrigens aueb kür äis 6u^nä 
§mt eignen, vmnäe^n in äer HeMl äis bekannten No, 
tivs ab, entbehren aber niebt selten äes Dokal- 
Kolorits, äas iknsn einen besonäsrsn Reis verleidt. 
Lr. 
Ufa-BviprvGMMM. Außer dem Hauptfilm: ,M r. W u", 
den wir im Abendblatt der „Frankfurter Zeitung* vorn 10. ds. 
besprochen haben, läuft in den Ufa-Lichtspielen ein Bei 
programm, das zum Glück für die Zuschauer nicht die übliche 
Misere ist. Wir erwähnen es ausdrücklich, weil sich kürzlich im 
Feuilleton der „Frankfurter Zeitung" eine Zuschrift mit Recht 
über die minderwertigen Hors d'oeuvres beschwerte, durch die sich 
in. der Regel das Publikum hindurchbeißen muß, ehe es zum Ge 
nuß der eigentlichen Mahlzeit gelangt. Dieses Mal sind die Vor 
gerichte wenigstens schmackhaft. Ein Trickfilm: „K'oko als 
Arzt" zeigt das Neueste vorn Titrtenmannchen, einer gezeichneten 
Wgur von entzückender Blödheit. Das Matterhorn von rechts, 
links, oben und unten ist jedenfalls ein Kulturfilm, der manche 
andere Gattung hinter sich läßt. Ferner ist eine ganz nette ameri 
kanische Kleingroteske: „Die Männer sind alle Ver 
brecher" einbezogen; bei welcher Gelegenheit bemerkt werden 
mag, daß das Genre dieser amerikanischen Ein- und Zweiakter 
schon reichlich abgelebt ist. Ueber das Prinzip d'er Wochenschau wird 
noch einmal grundsätzlich zu reden sein. kaca. 
E ^5- 
Abstrakter Iikm. 
Zur Vorführung der Gesellschaft Neuer Film. 
Frankfurt, 12. März. 
Die Berliner Gesellschaft Neuer Film hat sich das 
Ziel gesteckt, statt der üblichen Spielhandlungen solche Bildstreifen 
zu zeigen, die scheinbar aus dem Geist des Films selbst geboren 
sind. Nicht Übersetzungen literarischer Stoffe in die stumme 
Sprache der Optik, sondern ursprünglich optische Vorgänge, die in 
keine andere Sprache zu übertragen sind. Deutsche und französische 
Filmregisseure haben schon seit Jahren Versuche dieser Art an 
gestellt; Gelegenheit, sie im Zusammenhang kennen zu lernen, 
hatte man aber bisher eigentlich nur in den Pariser Avantgarde 
Kinos. Die Gründung der Berliner Gesellschaft ist umsomehr gut 
zuheißen, als sie ihre Programme auch der Provinz Zugänglich 
machen will. 
In der gestrigen Frankfurter Veranstaltung wurden einige 
Studien vorgeführt, die sowohl die Möglichkeiten wie die Grenzen 
der neuen Filmbestrebungen erkennen ließen. Vorauszuschicken ist, 
daß es sich fast durchweg um Versuche handelt, die, wenn nicht 
zeitlich, so doch Zum mindesten ihrer Absicht nach, Zeugnisse des 
Expressionismus sind, das heißt jenes Kunstwollens, das Gehalte 
ohne Gegenstand geben zu können meinte. 
Eine „Diagonal - Symphonie" Viking Eggelings 
(1917!) bewegt Lichtstreifen, Helle Graten und andere geometrische 
Bruchstücke in einem gewissen Rhythmus durcheinander. Es ist, als 
seien Bilder von dem Genre bestimmter Werke Picassos lebendig 
geworden. Hans Richters: „Film-Studie", zu der H. 
H. S L uck e n schm idt die musikalische Illustration geliefert hat, 
läßt durch ein Wolkenchaos Kugeln stügen, die sich in Augen 
verwandeln; setzt Plastersteine in ein Gittergeflecht um, das zu 
taumeln beginnt. Deutlicher noch wird durch den Film „Smak 
Bakia" von Man Ray die Herkunft der abstrakten Motivik 
aus richtigen Gegenständen veranschaulicht. Wasserresiexe sind in 
ihm zu fremdartigen ornamentalen Gebilden destilliert, und mit 
gewöhnlichen Steh Umlegkragen werden reizende Bewegungsspiele 
getrieben. Der Film des Grafen ELienne de Beaumont 
schließlich gewinnt seine strahlenden Lichteffekte aus Gläsern, die 
sich langsam drehen, und Wider scheinenden Spiegeln. ^Da es ihm 
auch um den visuellen Ausweis von Schnelligkeiten zu tun ist, 
kurbelt er in rasendem Tempo Metro- und Dampferfahrten durch 
Paris. 
Es kommt darauf an, was mit diesen Filmen gewollt wird. 
Gewiß ist, daß sie desto mehr bedeuten, je anspruchsloser sie auf- 
Lreten. Erschlossen wird durch sie tatsächlich in einer bisher unge 
ahnten Weise eine neue Welt von räumlichen Konfi 
gurationen. Optische Eroberungen großen Stils sind nicht 
nur jene Filmfragmente, in denen eine starre Ornamentik zu merk 
würdigen gymnastischen Uebungen entfesselt wird, sondern auch alle 
Bildserien, in denen, sei es durch die Wahl- des Blickpunkts, sei es 
durch Isolierung von Teilobjekten, aus der uns vertrauten Ding 
welt Motive herausgehoben und variiert werden, die den bekannten 
Aspekten nicht mehr entsprechen. Die beliebig? Abwandlung ab 
strakter Figuren und konkreter Gegenstände ist ein dem Film vor 
behaltenes Thema, das er gar nicht weit genug ausbauen kann. 
Denn dadurch-, daß er dieses Thema angreist, bereichert er das 
Inventar unserer Vorstellungen um Formen und Zeichen, die alle 
einnial Gehalt zu werden vermögen. 
Aber — und das ist wesentlich —: derartige Entdeckungspar- 
:ien sind sich nicht Selbstzweck. Was sie einheimsen, ist Diaterial, 
das erst der Verwendung in echten Zusammenhängen harrt. In 
dem die gezeigten Filme Zum überwiegenden Teil sich als Kom 
positionen gebärden, erheben sie fälschlich das Material zum 
Gehalt und werden damit hohl und manieriert, wie der Expressionis 
mus als fixierte Kunstrichtung es war. Eggeling glaubte, die Um 
triebe seiner Diagonalen seien eine Symphonie, und auch die an 
dern reihen ihre Impressionen zu einem Ganzen aneinander, von 
dem sie vorgeben, es stelle etwas Ganges dar. Ihre Wendung 
gegen den Spielfilm zugunsten des gegenstandslosen Films ist in-
        <pb n="11" />
        könnten seiner Menschlichkeit 
Rundfunk 
Rednerpults. 
Lr. 
Figurenfilm des Programms, 
nach einem Chanson gedreht. 
der Kammer 
amerikanischen 
Kompositionen? Ihre Elemente 
dienen. 
Veranstalter worden, dessen Leiter Dr. Flesch einige Be 
grüßungsworte sprach. Es sprach auch ein Herr von der Gesell 
schaft Neuer Film, der glaubte, das Vorhaben der Gesellschaft 
philosophisch begründen zu sollen. Das Publikum, das den Dar 
bietungen mit Anteilnahme folgte, beklatschte in einer schönen 
Aufwallung ungewohnten Temperaments die Entfernung des 
Der hübsche Gedanke, emen Schlager zu verbildlichen, ist in dem 
übrigens schon ein paar Jahre alten Film mit viel Esprit und 
photographischem Witz durchgeführt worden. Die charmante Mori- 
tat, die man der noch kaum gepflegten Gattung 
groteske zurechnen könnte, läßt die heute üblichen 
Grotesken weit hinter sich. ' 
Die Matinöe war von dem Frankfurter 
,,^'tite lrNe", der einzige 
ist von Alberto Cavalcanti 
« Die Dame mit dem Tigerfell. Der in der Neuen Licht 
bühne gezeigte Film ist ein sympathisch ausgemachtes Span 
nungsstück, das gute Photographische Details enthält und geschickt 
zurechtgeschnitten ist. Von der an sich belanglosen Handlung 
nur so viel, daß sie im Karneval von Nizza beginnt, inmitten des 
Konfetti- und Luftschlangenbetriebs zu ausgewachsenen Hoch 
staplerszenen sich schürzt, die eine längere Vorgeschichte haben, 
und schließlich der Gerechtigkeit und Liebe Genüge tut, wahrend 
immer noch der Karneval rauscht. So windig die Vorgänge sind- 
sie geben Gelegenheit zur Entfaltung einiger.effektvoller Bilder. 
Ellen Richter bemüht sich in schönen Toiletten um Pikanterie, 
Georg Alexander verkörpert wieder einmal den Typus des 
etwas dümmlichen Bonvivants. Von Bruno Kastner wäre 
zu sagen, daß er sich einen mächtigen Ruck gibt, um als intelli 
genter Abenteurer zu wirken. Zwei so ausgezeichnete Darsteller 
wie Heinrich Schroth und Kurt Gerron spielen mit. 
k LLL. 
dessen, der künstlerischen Haltung nach, nur eine - o sth n nie N e 
volution, deren Unftuchtbarkeit auf den Gebieten der Malerei 
und der WorLkunst längst am Tag liegt. Wären die KompoMo- 
nen noch Träume in der Bildersprache — aber auch das sind sie 
ihrer Zu systematischen Fügung wegen nicht einmal. Sie sind, um 
es in aller Schärfe Zu sagen, eine wie immer stilisierte Sammlung 
von Ausdruckselementen, die, zu selbständigen Gebilden verknüpft 
nicht das mindeste ausdrücken, weil sie in ihrer leeren Vereinigung 
genau desjenigen Bezugs auf die Wirklichkeit entraten, der ihnen 
allein Bedeutung verliehe. Wie die expressionistischen Gemälde 
werden auch die Filmsymphomen im Kunstgewerbe versanden. 
Zur Nutzbarmachung der neu gefundenen Raummotioe bedürfte 
es deZ Verzichts aufdie Behauptungihres Eigen 
werts. Diese Motive und Kombinationen sollten sich nicht gegen 
den Wirklichkeitsfilm als eine Sondergattung etablieren, sondern 
ihn durchwachsen, um ihm vollere Wirklichkeit ZU schenken (wie 
es übrigens in manchen Filmen schon geschehen ist). Sie bedeuten 
etwas, wenn sie das Leben der Menschen und Dings intensiv ver- 
gegenmärtigen helfen, statt sich ihm gegenüber zu sperren. Nur 
--- CharloLt etwas verrückt Der nach dem bekannten Roman 
von Speyer gedrehte Film, der in den Ca p L t o l - Licht 
spielen läuft, ist eine ziemlich genaue Übersetzung seiner Vor 
lage. Das Buch hat einen gewissen Sensationserfolg gehabt, trotz 
dem oder weil es einen Typ der Berlinerin Zeigt, der zwar viel 
leicht häufig vorkommt, aber nicht eben sympathisch ist. Der Roman 
soll hier nicht analysiert werden, doch muß gesagt werden, daß er 
einer der verlogensten und peinlichsten Produkte ist, die in den letz 
ten Jahren ihrem Autor hohe Einnahmen verschafft haben. Die 
garnicht verrückte, sondern allenfalls etwas snobistische Charlotr, 
die leider das bißchen Hetz, das sie zu besitzen glaubt, durchaus 
am falschen Fleck hat. wird von Lya de PuLti gespielt. Dieser 
Filmliebling ist wirklich hübsch und gibt sich recht kapriziös, be 
sonders in jenen Momenten, in denen ein kätzchenhaftes Benehmen 
am Platz ist. Ihr Partner Livis Pavanelli ist ein Liebhaber, 
dessen Bonhomie sich auf der gesunden Grundlage einiger Millionen 
aufbaut. Als Nebenfiguren ausgezeichnet Olga Lim bürg um) 
der Darsteller eines preußischen StandesÄamtsn. Mit den 
Staffagen hat sich die Regie nicht viel Mühe gemacht: ein paar 
Lichtreklamen flimmern für Paris, ein paar Kokospalmen deuten 
verschämt die Philippinen an. Im übrigen wenig Tempo und nur 
spärlich besondere Filmeinfälle. Nein auf seinen Inhalt angesehen 
ist der Film sehr interessant; freilich in anderer Weise, als seine 
Verfasser es meinen. KaaL. j 
durch die engste Bindung an die in jeder künstlerischen Darstellung 
zu treffende Realität, nicht aber durch die Emanzipation von ihr, 
erlangen sie den Sinn gehaltvoller Zeichen. Was sind im Ver 
gleich mit einer einzigen Grimasse Chaplins, sämtliche abstrakten 
— Pat und Patachon. Diese Beiden treten wieder einmal in 
einem, Film der Alemannia-Lichtspiele auf. Es ist 
eigentlich schade, daH das Paar, das äußerlich in der Tat komisch 
wirkt, so ungeleitet durch die Welt ziehen muß. Ein guter 
Manuskriptautor und ein geschickter Regisseur könnten aus diesen 
Kastor- und Pollux-Gesellen etwas machen. Von alleine gelingt 
es ihnen nicht. Sie sehen sich immer nur an und brauchen endlose 
Zeit, um den geringsten Effekt zu entwickeln. Dann ist er natürlich 
keiner mehr. In Dänemark muß das Leben von einer unnatürlichen 
Langsamkeit sein. Dieses Mal sollen sie eine plastische Gruppe vor- 
Läuschen Zwei Bildhauerinnen waren mit der Verfertigung der 
Plastik betraut, haben aber aus Unlust am Handwerk die Ulk 
brüder einfach weiß angestrichen und als Denkmal im Park aus 
gestellt. Gut so; doch es genügte, wenn Pat und Patachon einmal 
vsm Sockel heruntersprangen. Sie wiederholen den Sprung Zu 
oft, ihr Hunger ist auch zu ausgedehnt. In dem Maße, als sie an 
Jdeenmangel leiden, unterschätzen sie unsere Auffassungsgabe. 
Einen Regisseur her, der die Komiker komisch macht! ka c a. 
Therese Raquin. 
Der nach dem RÄnan Zolas von Jacques Feyder gedrehte 
Film — das Manuskript stammt von F. Tarifen und Willy Haas 
— ist die Leistung eines «außerordentlichen Stilgefühls. Man 
könnte die Wahl des Themas beanstanden: die Darstellung des 
Haffes, den Ehebruch und Gattenmord Zeugen — aber diese 
ganze seelische KatustrophenM läßt sich auf der Leinwand Wider 
spiegeln, da sie an das Milieu gebunden ist. Sonst widersetzt 
sich der Film gewöhnlich der Abbildung inwendigen Geschehens, 
das des Worts bedarf, um sich voll auszudrücksn. Hier, in dem 
Zola-Roman, lebt die gesamte Umwelt die menschlichen Vor 
gänge mit, und in der Sprache der Dinge reden vann auch die 
Menschen. Eine solche Mitbenutzung und Auswertung des Milieus 
ist für die französische Literatur vor Ende des 19. Jahrhunderts 
bezeichnend. Der Griff in sie est aber nicht nur glücklich, weil er 
sich guter Mrrrszenerien versichert, sondern auch »darum, weil er 
jene ganze Epoche herauHolt. Sle gehört noch» zu uns und hat 
doch schon begonnen, sich von uns abzulösen. Ihre Beschwörung 
von der Grenze zwischen Tod und Leben her hat einen eigentüm 
lichen Reiz. 
Wenn der Film etwas beweist, so diE daß die entscheidende 
Spannung Lm Film weniger durch eine noch so krasse Handlung 
als durch die Schilderung von Zuständl ichkeiten entsteht. 
Feyder hat mit Recht der Entwicklung des Milieus einen großen 
Raum gewährt. Er baut eine — übrigens sehr echt wirkende — 
altpariser Passage auf, und läßt sie durch verschiedene Lichteffekte 
so vielgestaltig werden wie das Leben in ihr. Eine Musterleistung 
ist die Pariser KleinLÄrgerwohnung, die von Gespenstern be- 
vöLert ist; denn ihre einzelnen Möbelstücke sind noch von all den 
vergangenen Schicksalen geladen, die sich hier abgespielt haben. 
Da'sind das Doppelbett, der hohe Lehnstuhl, das Silbergeschirr - 
sämtliche Dings haben die Bedeutung von Zeug-en, die menschliche 
Substanz ist spürbar in sie eingegangen und nun reden sie; besser 
oft, als Menschen zu reden vermögen. Kaum je noch ist in einem 
Film — von den russischen abgesehen — das Walten der toten 
Dinge so aktiv und gesättigt an die Oberfläche gezwungen worden 
hier. 
Auch das Jnsinandergreifen von Menschen und Dingen ist ge 
lungen Wenn T'herese die Jalousien schließt, versinkt die Mit. 
Die düstere Pracht des Paffagelädchens und die Treppe Zur Woh 
nung find mchr als nur der Nahmen für Mordereignisse: sie 
helfen von sich aus die Schrecknisse vorbereiten. Ein wundervoller 
Regieeinfäll' der Tanz Lheresens mitt Raquin im Zimmer: die 
Wände des Raums drehen sich, und durch ihren Wirbel tritt die 
innere Auflösung drastisch nach außen. ES versteht sich von selbst, 
daß Feyder die Führung der Kamera beherrscht. Er kennt die Macht 
des Details, und durch die plötzliche Wendung vom Gesamtbild zum 
Kragen Nagn ins vermag er den Abscheu Theresens vor ihrem 
Mann sinnfällig zu spiegeln. Solche Einzelheiten im Film gleichen 
den Anekdoten, die breite Zusammenhänge erhellen. 
! Ehe-Ferien. Dieser Film der U f a L i ch t s p i e l e ist nach 
! einem Schwan? von Hans Sturm und Alexander Engel gedreht 
und enthält eine Unsumme Verwicklungen, die das Thema der 
ehelichen Treue betreffen Da sie in dem Film unentwegt hoch 
gehalten wird, kann er sich im übrigen alle möglichen Freiheiten 
gestalten. Nach dem bewährten Schwan^chenm gibt es Verwechs 
lungen Kon^ronts- und Kombinationen in Menge, die mehr oder 
weniger unwahrscheinlich sind und im übrigen verjährt Daß jetzt 
solche Lustware typenmäßig fabriziert wird, ist ein Armuts 
zeugnis für die Industrie und ihre bcdiensteten Manuskriptautoren. 
Wäre wenigstens Charme in den Sachen — aber immer wieder 
geschehen Entgleisungen wie diese, daß das Nervenzucken einer 
jungen Dame von einem unternehmungslustigen jungen Mann 
als Zeichen der Annäherung aufgefaßt wird Für derartige Ge 
schmacklosigkeiten ist der Ausdruck Barbarei zu gut. Einigermaßen 
erträglich wird der Film nur durch Lilian H a r v e y, dre über 
Anmut und ein bewegtes Mienenspiel verfügt. Harry Ha^l m 
strotzt zwar von Lieblichkeit, Hot aber sonst nicht viel, k L
        <pb n="12" />
        Das Geheimnis von Genf. 
en Leuten recht machen will. Die 
Furchtbarkeit der Handlung ss genau 
ollen, wie es geschchen ist. Unjer Ber 
t batte gewiß Riecht, als er bei (Gelegenheit 
der Uraufführung die Moglieit der S chl u ß- 
Im Gloria-Palast wußte der Film: „Therese 
Naquin" verfrüht abgesetzl werden, weil er leere Häuser machte. 
Das Frankfurter Publikum, fürchtet sich offenbar vor 
dem Ende mit Schrecken. Wir reden einem solchen Ende gewiß 
nicht das Wort, meinen aber doch, daß -es sich hier um ein Ver 
sagen des Publikums handle. Es hat sich, aus höchst unnötiger 
Besorgnis um einen verlorenen Ab*end, einen ausgezerchneten Frlm 
entgehen lassen, der mehr wert ist als die ganze ameukamjche und 
deut che Durchschnitisproduktion, ^md wäre eimnal das Amüsement 
zu kurz gekommen, so doch nicht die auf richtige Eriahrungen ab 
gestellte Schaulust. Das Gros der Filmfadr-kamen scheint sich 
sein Publikum schon tüchtig erzogen zu haben. 
Nachg&amp;lt;olgt ist der Spionaaesilm: „Das Geheimnis von 
Genf", der es jedenfalls alle 
Geheimnisse sind sichtbarer als 
Geheimnisse sind sichtbarer als Genf, das sich nur einmal zu Be 
ginn in einer scheußlichen MeliervogelpersMivc ais Hort des 
Völkerfriedens enthüllt. Im übrigen wimmelt das Stück von Jn- 
trigen, geheimen Diplomaten, Morden, Kanälen, Verbrechern und 
Polizisten — ein Kunterbunt, das es mit jedem der beliebten 
Kriminalromane von Edgar Wallace aufnehmen könnte und wie 
diese nach anfänglicher Konfusion sich allseits befriedigend klärt. 
Da der Film ein paar spannende Szenen emhäU und überdies ein 
junger hoffnungsvoller Diplomat in ihm zu einer ebenso gearteten 
amerikanischen Journalistin in einer jener Beziehungen steht, dre 
heute allgemein als Liebe verbucht werden, dürste ihm der Erfolg 
beschießen sein, den „Therese Raquin" nicht hatte. Von den Dar 
stellern seien Alfred A b e t, Ernst Reicher uns bannen Car- 
te Nie ri genannt, die gut den Typ einer zweifelhchren Masseuse 
verkörpert. — Hum Beiprogramm gehört eine amerikanische Gro 
teske, die durch die Hartnäckigkeit ihrer Lücken belustigt. 
' kLo L. 
Die Therese von Gina Man L s könnte von Minet gemalt 
kein. Durch diese Darstellerin wird die Romangestalt zur unver. 
äeAichen Figur. Me sie dumpf die Kleinburgerwelt haßt, wie 
sie sich mit^einem Schlag aus der Ehefrau zur Geliebten wandelt, 
Lies elementgrisch Böfe aus ihr hwortzcht, sie m Aeng. 
sten wandelt — das ist voMoEen durchs^ildet, wich Mnz Mr 
Erlcheinuna. und R zugleich rn der Mrmrk französisch durchaus. 
Kaum weniger stark Marie Laurent als Mutter. Seine, große 
Spielgabs beweist Wolsgang Zilzer m der REe des lungen 
RaauiN, dem er vor allem das erforderliche dünne Wesen verleiht. 
Schlei tsws Laureat hält stand, ohne allzu sehr individuali 
siert zu sein. Die Nebenfiguren sind ausgezeichnet. Als Ganzes 
ist der Film ein erfreuliches Ereignis auf dem Weg der deutsch,- 
französischen Verständigung. 
(^ur Aufführung des Film» tmGloria-Pala 
" Ei« Zirkusfilm. Es O eben Hausse tn Ztrkusfilmen. Dieser! 
.Die letz te Galavorstellung im Zirkus Wolfson' 
— er lauft tn den Alsmannif-Lichtpielen — scheint balbitaltmf. 
scher Herkunft zu sein. Graste Auhn,achung, anständiges Tempo 
sind ein paar gute Produktionen. Im Mittelpunkt Domenico, 
Gambino-Saetto der auch die Regie geführt hat. Eine 
Art von Douglas FairbankS, wenigstens bewerkstelligt der ent 
zückende Bursch« mit Eleganz und Lächeln die schwierigsten 
Lebensrettungen zu Land und zu Wasser. Seine Partnerin 
Selen Allan ist hübsch und kaum minder gewandt. Die Toll 
kühnheiten der beiden Darsteller helfen einigermaßen über die 
frappanten schwächen unh Unwirsch eiMckLeiten der Ha-ndkun-g 
hmweg. Hermann Vallentin als ArkusdirekLor führt 
Fa^opplerends Pferbchen vor, als ha^öe immer in der Manege 
gestanden. Ende gut, alles gut. K a c r. 
Es ist die Frage, oö die Furchtbarkeit der Handlung ss genau 
Mts ausaesvonnen werden sollen, wie es geschchen ist. Unjer Ber 
liner Korresvondent batte gewiß Riecht, als er bei (Gelegenheit 
reiner Besprechung der Uraufführung die Moglieit der S chl u ß 
b U d e r in Zweifel zog, in denen durch die Anwesenheit der ge- 
Wmten Frau das leibhaftige Grauen Gestalt annimmt. Nicht so, 
als i-b das Grauen dem Film sich verweigere; aber hier vermochte 
nur die Sprache das Erlösende mitzuteilen, das dem Sinn der 
Handlung nach dem Grauen innewohnen i°ll. WaS der Roman wie- 
dergibt, gebt im Film unter, und übrig bl-rbt nur das Entsetzen 
über den Abschluß, der in Ermangelung des Worts als endgültig 
erscheint. — Auch sonst hat der Film Mangel, die, hauptsächlich 
der au peinlichen Befolgung der Vorlage entspringen. Ganz 
schloßt ist die letzte Szene, die das Glück der RolrnS versinnlicht. 
Fn der Weiten Halste hätte die Schere tüdMg arbeiten sollen 
um unkrMiae Wiederholungen zu beschneiden- Schließlich, wäre 
«L Aer T-il der Uebetblendungen WeEMig gewesen, öre den 
loten Raquin dem schlechten Gewissen Vorfahren. Die Phantasie 
der Zuschauer bedarf solcher Handgreiflichkeiten nicht. 
IrMMlG 8e.LlSZ.DL'. Komarr l'orr 1^. 
t/eö er- 
sstErs Von I-erp^iL, 
&amp;lt;S Oo. ZZ2 Leiten. 
UMLÜLM, äsr äsn im Kieloben Verlas srsQÜisQS- . 
von önnKbiu-ÄomÄQ: „vor Lss-ssssns" sssevrisdeu 
Kai — ein ^Vsck. äas niobt nur bdemÄtisob, souäeru 
vor Moin äuwü ssins srotssks Zpruovlorm ksssslt — 
srLäiüt in äsm vorUsMuäeu Lueü äis (^ssekiobts 
oinos LvsdruOÜs. OLS Lueü ist eins Mts iliäer- 
dLltuusÄsirtürs; niobt mein-. 'VVLLrsnä in äsm „Ls- 
sssssnsn" äis in ein Os^sbs ikrsisr, sit msL-, 
vüräiKsr ^.ssoLintionsn sinbsLoMn ^r, ist sis bior 
sMiobt ^isäsnToMbeu, unä äis ^ssoLiutionön Ksbö- 
rsn 2ur Lnobs. Das Orsisoic uns Nunn, b'ruu, i?rsunä 
Lonnnt äissss Nni in (Lina Wstnnäs, äuz nuoü eins 
seiner OboIornssuLbsn bsnKeibsn nmÜ, änniit ein 
LuÜsros LobrsoksnssrsiKnis äsn äos innsrsn 
besieKoln belio. 2mn Oiüoic vsi-Liobtst NLUKiiuni 
äs-rL-ui. äsn LnunnunKsreiL uns äor. sxotisobsn Hm- 
^slt ru Lioben. stsiit Lis vioimsbr eintnob binter unä 
nsi&amp;gt;sn soins nrodismÄ tisoben DnKiünäsr. Ilnts? ibnsn 
ist äsr Ksbörnts ^beMLun äis intorsssuntssts Lr- 
seLsinunK; sin LnLtsrisiEs. äsm ssins truu untreu 
v^irä» v^sil sein ^.nstunä siebtiinrer als ssins Körner^ 
iiobsn unä NsssUsobuMiolisn VorÄiKs ist. Hier aus 
äsr unsobsindursn ^nstunästiKur snt^ioirsit sieb 
ännn snLtsr eins NÄobtraKbnäs Ztunnnbsit, unter 
äsr äis i^ruu -vssis unter einer kurobtbursu I/ust 26r- 
driobt. Dis Dmnonis ibrsr Linnssiisbs värä in einsr 
äsr AMuli-Mnsn EtiK äurMstsllt. in äsr sis sioii 
nuob äem Doä äss Uunnss nooü sininul von äsin 
EÄt-btan veLmen Lütz äsn sis vsracLtst. Dar 
äss buadss dsoullt snr äsr Lunäs äss UMsus, äsr 
usubtsn ^sieliLunr- äsr Ollaralltsro nnä ävm rssi- 
Knisrsnäsn i/Visssn UIU äus I^sdsneinuuäer uueb 8oi- 
oNsi- ^snsoiien, ws sion insinunäsr Ksisbt Lu leiden 
MLUven.
        <pb n="13" />
        Anmerkungen zum Mm: Aas Ende von St. Wetersöurg 
(Zur Aufführung des Films in den Frankfurter Ale- 
kaca. 
mannia-Lichtspielen.) 
worden wäre. 
UacL. 
Nicht durchweg freilich hält sich der Film auf der Höhe seiner 
Hauptpartien. Ist auch die Kontinuität der Zeit im allgemeinen ge 
wahrt, so sind doch etliche Ereignisse, offenbar der Vollständigkeit 
halber, zu sehr im Eiltempo genommen. Vielleicht ist der Film ver 
stümmelt worden. Die Andeutung der Schlachten wäre überflüssig 
gewesen, die Parallele zwischen den Transaktionen an der Front 
und an der Börse liegt an der Oberfläche. Hier und dort schlägt 
eben doch bloße Tendenz durch, die unkräftiger wirkt als jene Teile, 
in denen die Tendenz als Haltung zugrunde liegt. (Gerade diese 
Stellen sind es, an die sich Piscator als an fein Vorbild in 
seinen Begleitfilmen hauptsächlich gehalten zu haben scheint). Daß 
das Reiterstandbild während der Kriegsbegeisterung zu weinen be 
ginnt, ist witzig, aber auch etwas billig. 
Figur ist wirklich, scheint nicht zu spielen, sondern zu sein. Die Dar 
stellung ist umso gewaltiger, als auf die leichte Wirkung verzichtet 
wird, die Männer der Gegenseite — den Fabrikanten, einen Offi 
zier und Bürger , zu eindimensionalen Karikaturen herabzuwür- 
digen. Georg Grosz hat-es sich seinerzeit bequemer gemacht als 
die Russen, die unter allen Umständen realistisch bleiben. Freilich 
sind die Zarenanhänger vom Haß gezeichnet, der etwa die Aehn- 
lichkeit zwischen dem Fabrikanten und dem Reiterstandbild entdeckt. 
Führende Gestalten des Volkes: ein dumpfer Landmann, der nach 
Petersburg gekommen ist, um Arbeit zu suchen, und eine Arbeiter 
frau, deren Härte erst zuletzt schmilzt. Die Kunst, mit der ste durch 
das Stück gehen, sucht ihresgleichen. Auch ste beruht auf dem Er 
griffensein vom revolutionären Geschehen. Der menschliche Grund 
ist mitbeteiligt. 
--- Opfer. So heißt der Großfilm der Ca p it o l-L ichtH 
spiele, der sich in einem galizischen Grenzort während des 
Kriegs entwickelt. Das bewährte Milieu von „Hotel Stadt Lem- 
berg" erscheint hier in zweiter Auflage, die aber leider nicht ver 
bessert worden ist, obwohl Iwan Mosjukin und Mary Phil 
tz in die Helden sind. Diese spielt eine Jüdin, jener eine russische 
kaiserliche Hoheit. Da sich beide trotz der Verschiedenheit der Rasse 
und Kriegsziele lieben, mag man sich denken, zu welchen Opfern 
es kommt. Die Philtzin ist bildschön und Mosjukin von apathischer 
Eleganz. Als Hintergrund ein ausgedehntes ostjüdisches Ensemble 
und die Uniformen der kriegführenden Nationen. Der Film hätte 
- entschieden gewonnen, wenn er nicht durch Poesie zu lang gedehnt 
Für den großen P u d o w kin - Film M, was für die 
paar anderen in Deutschland gezeigten Russenfilme gilt, die er 
mit Ausnahme des Potemkin übertrifft: sein Kunstwert ist an die 
Voraussetzung einer bestimmten Haltung geknüpft. Die Revolution 
wird in dem Film verherrlicht, und die ganze Darstellung ist ge 
tragen von dem Denken, das zur Revolution hinleitet und sie bejaht. 
Es gibt ein Gut und ein Böse in dem Film, und jedes Ding hat 
seinen bestimmten Charakter. Statt daß die gemeinte Gesinnung 
die reine künstlerische Gestaltung zur Illustration einer Tendenz 
entstelle, macht sie vielmehr die künstlerische Leistung erst möglich. 
Denn um, wie das Kunstwerk es tut, die Gegenstände mit Bedeu- 
! Lung zu sättigen, muß die Bedeutung erkannt sein. Die Gegenstände 
mögen vielerlei Bedeutung haben, und auch die Fridericus Rex- 
Filme wissen, was sie wollen. Aber es gibt richtige und falsche 
EAenntnisse, und sind die Gestaltungskräfte überhaupt vorhanden, 
so wird das von der richtigen Erkenntnis erfüllte Kunstgebilde sich 
behaupten, während das ahnungslose Machwerk versinkt. 
Aus der revolutionären Haltung heraus empfängt alles, was 
im Film erscheint, seine Bestimmung. Wie ist wieder die Hohlheit 
der Prunkgebäude durchschaut, die den Machthabern dienen! Ein 
antiker Giebel braucht nur aufzutauchen, um sofort gerichtet zu 
sein. Als Hauptsymbol der Oberklasse dient das große Reiterstand 
bild, das immer wieder von oben und unten, von rechts und von 
links erscheint. Es triumphiert und es glänzt, und zu seinen Füßen 
spielt das Elend sich ab. Auch die Hinterhöfe und die Mietskasernen 
reden unmittelbar. Durch die Perspektive, durch die Belichtung und 
den Bildausschnitt sind sämtliche menschlichen Manifestationen bis 
ins Mark hinein getroffen. 
Wie die Gebäude, so stehen sich die Bevölkerung und die Ver 
treter der Herrenschicht einander gegenüber. Ueber die unerhörte 
Auswahl dsrTypen ist kein Wort wehr zu verlieren- Jede 
Die künstlerische Phantasie, mit der dieser Film gedreht 
wurde, ist jeder Bewunderung wert. Ausgebildet ist vor allem 
die assoziative Technik. Inmitten der rasch wechselnden Im 
pressionen, die der Gleichzeitigkeit des Geschehens Ausdruck ver 
leihen, werden gewisse Motive wiederholt: außer dem Reiterstand 
bild das große Schwungrad und die Fanfarenbläser. Diese Leit 
motive vennüpfen das Gewebe und weisen die Richtung. Eines der 
hervorragendsten Ausdrucksmittel ist der Raum. Wir hatten schon 
einmal bei Gelegenheit eines Russenfilms die Beherrschung des 
Raums in diesen Filmen gerühmt. Er ist hier in unvergleichlicher 
Weise gemeistert. Die Magie des Winterpalais, die Schrecklichst 
einer Straße, die Verlassenheit eines Häuserblocks sind noch kaum 
je erblickt worden. Durch geringfügige Veränderungen wird häufig 
der Sinn der Vorgänge drastisch entschleiert. Musterhaft die paar 
Szenen, in denen der Krieg beschlossen wird: man sieht gold 
strotzende Uniformen, schwärze Cuts und gestikulierende Hände, 
aber niemals die dazugehörigen Kopfe. 
iv- 2 r/l/-
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        allen Reformversuchen auf dem 
blieben. Er stellt lebende Bilder, 
Gemäldeschinken eines Piloty 
schrecklicheren Wirklichkeit. Man 
die Theaterrequifltenräume und 
Gebiet des Films unberührt ge- 
die längst verschollenen historischen 
werden in ihm von neuem Zur 
hat, der Kulturgeschichte Zuliebe, 
einige frei nach Lukas Cranach sind. Nach der Vorschrift des 
albernen Manuskriptes wird das ganze Personal, dessen Verkleidung 
jeder Untertertianer durchschaut, im vermeintlichen Zeitstil bewegt. 
Da öffnet Hans Sachs ein Butzenscheibenfenster und schreibt mit 
einem strahlendem Lächeln und echtem Gänsekiel sein Gedicht auf 
die wittenbergische Nachtigall; da sitzt Kaiser Karl in Dürerwanrer 
auf dem Thron und blinkt Hütten unzweideutig gepanzert die 
Treppe hirvan; da erlebt der junge Luther buchstäblich eine 
Vision. Sie ist "von einer Entsetzlichkeit ohm Inmitten 
des auf der Leinwand spürbaren Geländes der Filmgesellschaft ist 
eine altdeutsche Landschaft errichtet, die Jupiterlampen blitzen, 
Wassernebel werden zerstäubt und durch den Naturaufruhr taumelt 
der Reformator auf ein Kruzifix zu, das vom Kunstgowitter zer 
trümmert wich, fallt selbst nieder, betet den Bildtiteln zufolge 
die Vision einer verderbten Phantasie und eines ununterrichteLsn 
Im siebenten Himmel. Der große Foxfilm, der jetzt im 
„Gloria-Palast" läuft, nennt sich selbst einen „Liebesroman 
von überirdischen Leidenschaften". Ueberirdisch ist der Film keines 
wegs, aber leider auch nicht recht irdisch. Sämtliche Staffagen 
sind nämlich gestellt. Von Paris sieht man ein Dachgewimmel, 
das nach Alter riecht, und dahinter dir arg verzeichnete Kuppel 
von Sacrö-Coeur, die in Hollywood unmittelbar neben dem Eiffel 
turm Zu liegen scheint. Gestellt ist auch die Liebesgeschichte, deren 
lang gedehntes Adagio einem Straßenkehrer und einem einfachen 
Mädchen gilt, höchst sentimental, mit dem Krieg dazwischen und 
einem gehörigen Schuß von amerikanischem Optimismus mitten 
ins pseudofranzösische Milieu hinein. Janet Gaynor und 
Charles Farrell, die Hauptdarsteller von Murnaus unseligem 
Sonnenaufgang-Film, spielen das Paar. Die Gaynor ist ausge 
zeichnet, „§lsbr" nur ein bißchen zu viel; ihr Partner eine durch 
trainierte sympathische Erscheinung, der man aber den Straßen 
kehrer nicht glaubt. Gute Nebenfiguren und geschulte Photographie. 
Das Ganze im Ansichtspostkartenstil, gigantisch und süß. 
Ra e a. 
Aer Luther-Ailw. 
Der von der Film-OöerprüMlle genehmigte Luther-Film liegt 
Heute in einsr Gestalt vor, die jedenfalls den katholischen Voiks- 
teilen zu einer besonderen Entrüstung keinen Anlaß mehr gibt. 
Er zeigt zwar ein paar Meter lang den Ablaßhandel und stellt ein 
Rom ins Atelier, das etwa dem Venusberg im Landhäuser ent 
spricht, mit sündigen Kurtisanen und religiösen Pru 
die -das fromme Volk beiseite drängen, aber die Art, in der die 
Unsitten geboten werden, entspricht nur dem Verfahren rm ganzem 
Es ist dumm, ahnungslos und monströs und sollte die allge 
meine Entrüstung erwecken. 
Was haben die Veranstalter dieses Film getan? Sie haben 
eines der schwierigsten Kapitel der deutschen Geschichte aufgegriffen 
und es nach den Methoden der üblichen Geschichtsklitterung 
traktiert. Die Reformation auf der Leinwand fürs Volk. Ohne 
Geist und ohne Verstand sind Szenen aneinandergereiht worden, 
die den Anekdotensammlungen und Schullesebüchern entnommen 
zü fein scheinen. Für den Wert der Informationen spricht unter 
anderem die Behandlung der Bauernkriege. „Der Bauern 
krieg bricht los. Fanatiker wollen das Werk der Reformation mit 
Feuer und Schwert vollenden" — so steht es im offiziellen Pro 
grammheft des „Film-Kurier" geschrieben, dessen Dext dem Film 
kongenial ist. Die Reformation? Ein Geschäft. 
Vielleicht ist es gar keines. Denn dieser Reformationsfilm ist von 
Regisseurs. Wo Hat man dergleichen schon gesehen? Auf 
'Schmieren. Auch Eugen Klopfer/der übrigens eine 
ganz gute Luthermaske hat, wird notgedrungen zum DcrrflANZ- 
dianten. Je technisch geschickter einzelne Szenen aufgebracht sind, 
desto beklemmender winkt die Wandertruppenmache. 
Gegen die UrrLildung der üblichen Filmproduzenten läßt sich 
nichts tun, und für die Herstellung der durchschnittlichen Gesell 
schaftsfilme reicht sie auch aus. Wenn sie sich aber an solchen Ge 
genständen wie der Reformationsgeschichte vergreist, wird sie zum 
überkonfessionellen Skandal. Sie sollte es wenigstens für alle die 
Kreise sein, die sich noch nicht nach den Gesellschaftsfilmen bilden. 
Baaa. 
die Rüstungskammern ausgeplün ¬ 
dert, man hat die Schauspieler in Kostümpuppen verwandelt, deren 
--- Spione. Der neue Fritz-Lang-Film der Nfa* 
Lichtspiele —- wir haben über ihn schon anläßlich der Ber 
liner Erstaufführung im Feuilleton des Hauptblattes berichtet 
—- ist großartig gemacht und Zeigt die außerordentlichen Regie 
fähigkeiten Längs. Die Handlung, die von der Art der Spannung 
eines Edgar Wallace-Romans ist, entfaltet sich blitzschnell und bringt 
wundervolle Großstadtaufnahmen, Eisenbahnunfälle und Telefon 
tische — eine tolle optische Reportage, die zwar etwas zu viel 
mit gestellter Staffage arbeitet, aber blendende Ausschnitte und 
Uebergänge zeigt und mit einem kaum zu übertreffenden Geschick 
zurechtgeschnitten ist. Schade nur, daß dieser selten begabte Re- 
Meur mit Thea v. Harbou auch künstlerisch im Bunde steht. 
Me bei den Nibelungen und dem Metropolisfilm hat sie wieder 
das Textbuch geliefert. Es hat entschieden einen sensationellen 
Inhalt, es ist nicht einmal untalentiert, aber eS ist zugleich so 
minder, baß es jedenfalls für eine Verfilmung großen Stils nicht 
taugt. Frrtz Lang, der seiner formalen Anlage nach hinter den 
russischen Regisseuren wahrscheinlich nicht zurückstcht, muß, der 
Autorin zuliebe, eine Spionagegeschichte dreyen, die weder Sinn 
noch Verstand hat, und nur spannt, ohne wohin zu spannen. Er 
hat es zu gut gemacht, die Bildfolgen übertreffen die Fabel so 
sehr, daß man das Gefühl zurückbehalt, es sei ein glänzendes 
Prunkgewebe um ein Nichts gesponnen. Ein Jammer, daß dieser 
Regisseur nicht die Manuskripte findet, die zu ihm passen. Die 
Darsteller — wir nennen nur Rudolf Klein-Rogge und 
die pikante Gerda Mauru s --- sind durchweg vortrefflich. Baea. 
VÄK ^AFSdALGL Ävr* M^ÄÄSr EZdrLVORL^t. 
Boiiti^. Brterutm', ^eseiisc/rsfr irr Baris ron 
—it§9A. Ins Beutse^s ÄbertrsAe-r Von 0?M 
Ki^aik. /IrLZySWS/rir n?rd einLeibitsr Von ?srri 
^isyieV. LfÄne^en, ^dert Ba-rsen. L^7 KbiLen. 
Seö. 5. 
Bas dsiULmtD la^sbued bat dureb dio vor Kur- 
20m eriolKdo VeröKoudUobun^ von 2-oIa-Brioksn sins 
srueuw HctualitLt M^ouusu. vor jotst' vor^olsAto 
Land ist von Baul "MsÄor vorMalieb ausM^LM 
und Lsleitst Cordon. Um die d^amon suiruLäblsu, 
dis äsn Brüdern dsso^nst sind, müüts man sämt- 
livüs 2oIedr1tätHn Branlcrsiods aus dsr ^siton 
BMts des voriMN llabrbundsrts ta^dollarisod ver- 
soiebnon. Baudot, Lainto-Bouvo, Bu^o, Blaubert, 
Oavarni, — mir Mm ^nroir do8 Oaumong seion 
sin paar dor ^röllton Konannt. Bas V^iodti^to an 
der OdroniL sind vioRoiobt niobt einmal ibrs Hauod- 
und LtaatLsebildorunMN. sondsrn doiläukiL^ Lomor- 
bunM-n und Roll sxio neu, dio durob ain 8oitonpk8rt&amp;gt; 
obon in dis Intoriours ionor Booobs oinkMrsn. Alan 
orläbrt otva. in ^odensä^on Äoiedsam, bodoutsndo 
BinMlboiton über dio dür^orlieb-s 'Wobnuna und dio 
BWiobuE dor Insassen M ibr. Odor ss kindst siob 
boi OolsMubsit Blaubortg sins so morb^ürdigo 
Bsodaebtuna disss: „Biosog Bäronlobsn des 
BobriiktstMoro im noun^obnisn llakrbundsrt ist solt- 
sam, vorÄoiobt man es mit dem ^o-ssUsebaktliobsn 
Bobsn der Bitoratursn im aebtLobnton llabrbundort 
von Diderot bis ru Narmontsl. Das VürMrtum der 
^eMnv'Lrtisen 7sit suebt nur dann don Bm^an^ das 
ZedEsEers, -venn dieser Mnoiat ist. dis Rolls, 
eines AVundertiers. eines Bossonroillors oder in der! 
Bromdo eines Oiesrene Mi übornobmon." ^Vo das 
Daseduod sied niedt mit den LtrelÜi ediern der 
Blondlatorno dss:nü^t. sondern borübmts OsAon- 
stände einer BauorbslouobtunK aussetZt, bietet es 
krsiüob böobstons Bassadsn, nenn niedt Aar Moden- 
an si ob ton dar. Bs kedlt rvar niodt an amüsanten 
Anekdoten und nlastiseden Bssobroibunaon, aber im 
eMemeinen werden dood die BsIdsnMZuräobo von 
literLrisoden Kammerdienern vernommen. Bs bedarf 
sodon der Werde der iiisspräodspartner, um den 
fatalen Lindruod LU ver^isoden. den die HuiMob- 
nunAen mitunter dinterlassen: daü nämliod dis 
IInterdaltunKSQ bei Kodvmnneoko Aekildrt worden 
seien. Broilieü lädt siod naed der ioiMndsn AeseA- 
neten LetraodtunA kaum medr erwarten- ^.m W. 
^UKust 1870 sodrsidt Ddmond säuderliod din: ,,^m 
Labnbok Kaint-Daxars stelle iod ant eine druyoe 
von et^va nvanÄA Agaven, den Dsderrest eines 
Bataillons, das unter Nae-Uabon dämpkte. Niedts 
ist so sodon, niodts so eindruedsvoü, so bildbakt, so 
malsrisod vüs diese von einer Aodlaodt ersedöpkten 
Nensoden. ^uk idnen lastet eine lodesmüdiAdeit, 
^eit ab von jeder anderen NüdiAdeit, und idry IIni- 
kormen sind adAenut^t. versodossen. kadl, als datten 
sie die 8onns und den ReAen vieler dadrs in sied 
au^Aenommen." Din daldes ladr vorder vmr der 
Bruder dules Aestordsn. Wer seinen Baudelaire so 
Aründliod miüvsrstedt&amp;gt; dem sind auod in 7aZe- 
düodsrn Oren^en Mssdrd Lr.
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        dmuenarzt Dr. Schäfer. Dieser Film der Ä lema n nia- 
Licht spiele behandelt die Frage der Abtreibung an einem 
Schulbeispiel. Die alte und die junge Aerztegeneration stehen sich 
gegenüber, und das Stück nimmt offensichtlich Partei für die 
freiere Moralauffassung der Jungen. Zu einer grundsätzlichen 
Entscheidung kommt es aus Behutsamkeit nicht, aber der unver 
bindliche Privatsall wird dem end zugeführt. Ein ganz 
anständig gemachter Film, der angenehm unterhält. Kein Wunder, 
denn Ivan PeLrovLch ist wirklich der Arzt, den sich gesunde 
Frauen nur im Traum vorzustellen brauchen, um sofort krank zu 
werden. Ein sympathischer Typ auch Leopold Krämers älterer 
Professor. Evelyn Holt ist ein nettes, blondes Mädchen, das 
leider bei der Henny Porten in die Schule gegangen zu sein 
scheint. Wesentlich reizvoller wirkt Agnes Petersen, die sich 
vor allem im Zustand der Betrunkenheit so entzückend benimmt, 
daß man sich am liebsten in sie verlieben möchte. Hans Albe rs 
zeigt wieder einmal seine SpeZialbegabung für Schufte. 
— Amor auf Ski. Ein Harry-Liedtke-Film im Capitob 
Nach dem üblichen Schema die üblichen Ansprüche nett befriedigend. 
Liedtke ist dieses Nial ein strahlender Prinz, der in Oberbayern, 
wo sie für Prinzen noch Verständnis haben, von den Leuten ge 
feiert wird. Als Prinz entwickelt er aber auch wenn möglich noch 
mehr Charme als gewöhnlich. Natürlich verlieb: er sich inkognito 
in ein Mädchen, das ihn für einen gemeinen Bergführer hält, und 
natürlich heiratete er sie zuletzt. Alles in Wonne, trotz des Win 
ters. Als Liebesvermittler dienen der Abwechslung halber die 
Schneeschuhe. Mit ihrer Hilfe wird der pikante Gipfel des Mms 
erklommen — jene Szenen folge nämlich, in der, das Mädchen und 
der Prinz in einer Almhütte emschneien und allein zu zweien über 
nächtigen. Ganz amüsante Nebenfiguren und eine routinierte Regie. 
Il 8, 0 8-, 
Zl9 äerisn. 2.95. 
In der LäMmIunT „Romans dsr in der 
nsbsn manebsn inindsr^srtiMN Rrodicktsn aueb 
6miM nusMWiebnsts Romans 2ans Ors^s vsrökksnb- 
liebt worden sind, ist bürrlieb disssr sn^Rsebs 
Östobtivroman (Originaltitsl: „d/m-der af an Ä. R.") 
srsobisnsn, der dis übliebsu LrMNTnisss soinsr Oat- 
tuns übertrittt. bliebt nur daü dis LpannnnZ bis 
Lulstst aubält. aueb das ästobtivisebs Vsrkabron ist 
neu. Der Rutdeebee dss Vsrhrsebsns ist nämlieb 
sin verlump tsr Naler, der brakt &amp;gt; seines pdvsioTnomi- 
seben Lebnribliebs die verdäebtiMn Rersonen Mnnuer 
durebsebnut als die Amtsperson von Leotlnnd Vnrd. 
2udsm verkämt er noeb über eins M^isss VsMbun§ 
?:ur Oesellsebnktsbribib. die leiebt paradox und ssbr 
kleMibakt nut^etisebt v^ird. Ole LntvdrrunZ der 
Reden Mbt in einem LebloÜ vor sieb, das mit sei 
nem Msnmten toten Inventur in die Rnndlnn^ ein- 
Kreikt. ^.neb das Rondon der blnobbrieMLeit vnrd 
Lls LtnkknM verwandt. Das RersonenreMtsr ent 
hält 2ur Rlnnptsnebs die tvpiseben Rißmren des eng- 
liseben (l-esellsebaktsromLNs, L^iseben denen sieb ins- 
Mbeim die Verbreeber be^vs^en. Lins OleiebunS mit 
msbrersn Lndebnnnten. die Tut LNMsetLt und els- 
Tsnt entEkslt ist. L 
yon R/r. Lnanr 
. Rundfunk mrd Colorado. In d«r N e u e n Lichtbühne 
wird das Lustspiel: „Funkzauber" mit Werner Krauß 
m der Hauptrolle gezeigt. Er gibt einen Mann, der seinen Fimmel 
mit dem Rundfunk hat und im Rucksack immer die Antenne bei 
sich trägt. Erstaunlich wie selbst in einer so harmlosen Rolle sich 
die Dämonie von Krauh gleichsam unfreiwillig enthüllt. Sein ver 
wirrter Blick ist oft der eines Verfolgten, und die leicht« Komik 
wird unter der Hand ins Schrecklich« verkehrt. Das Stück ist im 
übrigen recht nett und deutet die Möglichkeiten, die der Rundfunk 
der Kamera gewährt, nach Röten aus. Richard Oßwald, der 
RegMur, hat eine Menge guter EinM°, entgleitet aber leider 
meiMns in die bloße Routine. Unter den prominenten Darstellern 
&amp;gt;2, die blonde L « nia Tesni genannt -- Der Beglsitfilm: 
„D e ^Schrecken des Colorado" ist «in aufregender Wild- 
west-Tchmarren, in dem wundervoll geritten und gerettet wird, 
.mr Vergleich mit unseren MsellschaftsMmen wirken Stücke dieser 
in'zugleich die Atmosphäre deMchnet ist. 
-- Der Sensationsprozeß. In diesem Film, den die B i ed er- 
bau-Lich t s p i« I e zeigen, ist Magda Sonja entweder die 
Mörderin ihres Mannes oder wird des Mordes nur grundlos ver 
dächtigt. Jedenfalls liegt ihr Mann nach einer aufregenden Nacht 
erschossen in seinem Schlafzimmer, es kommt zur Gerichtsverhand 
lung, StaaLsanwalt und Verteidiger konstruieren ihre entgegen 
gesetzten Auffassungen und am Ende —? Am Ende Freispruch. 
Ob zu Recht, darüber soll sich das Publikum den Kopf zerbrechen, 
Mcholo-gisch ist die Sache nicht uninteressant. Der Film hat 
starke Mängel, bringt aber einige ausgezeichnete Regieeinsälle. Nach 
dem die Tat geschehen ist, wandert die Kamera in ständiger Be 
wegung durch die ganze Wohnung, so daß das Zimmerinventar 
als stummer Zuschauer bei dem Ereignis mit aufgerufen wird. 
Hervorragend ist auch die bildliche Vergegenwärtigung der von 
der Angeklagten vor Gericht gemachten Aussagen: die intimen 
Szenen, über die sie berichten muß, werden so wiedergegeben, daß 
man stets den Richtertisch im Hintergrund sieht. Ihr Eheleben 
spielt sich also gleichsam vor dem großen Publikum ab — drastischer 
kann die Schwierigkeit der Enthüllung privater Dinge in der 
^Öffentlichkeit kaum vermittelt werden. Magda Sonja wird sehr 
herausgestellt; eine schöne, dunkle Frau, deren natürliche Anlagen 
größer sind als ihre künstlerischen Gaben, mit deren Hilfe sie jene 
gestalten mochte. Carl Goetz als Gatte eine vorzügliche Charakter- 
stgur. Gustav Rickelts Gerichtspräsident ist die vollkommene 
Verkörperung unwirschen Wesens. Ein paar glänzend ausgewählte 
Gerrchtssaaltpyen blitzen zum Glück heiter in die Düsterkeit dieses 
Mrgeorsen Schauspiels hinein. 
H Roman. Ran Robert 6ore- 
Heut' tanzt MarieLLst Ein Film fürs Publikum, der im 
.Gloria - Palast läuft. Alles, was das breitere Publikum 
liebt, kommt in dem Film vor. Zunächst ein Schlager, der Lei 
jeder GeRgenheit wiederholt wird'-— die Leute im Zuschauer 
raum werden ausdrücklich aufgefordert, ihn mitZusingen —; 
dann ein herzgewinnendes armes Mädchen, mit dem ein vor 
nehmer Herr seinen Scherz treibt; dann dasselbe Mädchen, das 
es in Mris zu einer zweiten Josaphine Baker gebracht hat 
(jedes Mädchen, hat den Marschallstab im Tornister, denken die 
kleinen Ladenmädchen); dann St. Moritz und beim Silvesterball 
die Verlobung mit jenem vornehmen Herrn. Ein Märchen also, 
das auf schwindelhaste Weise lauter Wunschträume erfüllt. Lya 
Mara ist die Mariett'. Die Karriere, die sie dem Filmmanu 
skript zufolge macht, gewinnt dadurch an UnwahrschcinM 
daß sie außer dem Schlager, dcr nicht schlägt, keinen weiteren 
Einfall hat, belanglos tanzt und ziemlich albern lächelt. Der 
begabte Friedrich Zelnik hat den Film unbegabt gedreht. Er 
arbeitet mit Intermezzi aus .Scherenschnitten und anderen 
Zwischenstücken, die schon den verheerenden Einfluß Piscators 
zu zeigen beginnen. Wieviel besser war seinerzeit Ludwig Ber- 
gers Aschenbrödelfilm: „Der verlorene Schuh"! Nur in einigen 
flüchtigen Bildimpressionen verrät sich das offenbar von den An 
weisungen des Textbuchs verschüttete Regietalent. Unter den 
Darstellern ragt einzig Ralph Arthur Roberts hervor, der 
Leider nur eine kleine Nebenrolle hat. Aber, wie gesagt: das 
Publikum läßt sich betören. Hoffentlich hört man jetzt nicht den, 
Schlager in allen Lokalem Ausgezeichnet ist übrigens die musi 
kalische Illustration von Kapellmeister Heinz Meletta, die 
über mehr Witz verfügt als der Film. aca.
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        Publikums bewies, daß es keine Lust hatte, dieses Surrogat eines 
Nationalgerichts zu verdauen. Beide Filme laufen im G l o r i a - 
Palast. Lsav. 
2um Lsid^sssn von Onid-Oa-d Erimid ss idm Lrsi- ! 
Ilod ststs uutsr äsn Mucksn. Lr ist ru MtmüttZ, ; 
dsr Voictor, sr moedts Msu dsckürktiKW Msrsn und 
UMZedM bolksu, und bat or siiMLl «rollsrs Din- 
nadmsn, so vorLus^adt sr sis sofort viäsdsr in 
äsr (^rändunL sinss LsimF kür MdrssWell-s Drosob- 
Icsn^Luls, das, nodlKsmsrd^ äis Oüuls in siMns 
RsÄs übsrnsümon. IIsdsrdmMt sind äis liors Im 
aü^smÄLou dlü^sr als Idrs ^Uärtor. 8is r2,KormwrM 
ü-uk s-umutlss üdsr äis LcdMLlüisii äsr Museb-su 
uuä äis kLlseds VsüuoäluuL äis idusv. TAdsü virä. 
2um OküsL dsidsu sis so äoduuu volittls slusu Vor- 
troutou. äsr ibrs ZorLsdo vsrsteLd. Lr suMbrd sius 
im Zirkus idrsn IMisu Wlousssu MÜLitsos 
Ilobds, äks sied, uoed idrem iü Lurüed- 
ssdud; sr nimmt sied äsr LedlouMo ou, äis mit 
Koedt KSKsu äis MuäiMrin sMirut sind: or er- 
müÄiedt äsn I^ö^so. äsosu dsr dLusrnds Xuksutdolt 
uo Xüki^ Msuuddsitiied uiedt dsdoiomt, dlsiusro 
VoLLisrLÜQLS m dis tlmMbun^, ^odured sied idrs 
^bsitskroudiLLsIt. Lrdödt^ 2uIstLt riedtst sr ein 
^isrdLbLrstt sin, in dem dis Msrs sied odns msnsod- 
IIÄo VÄsiMs visl hssssr uroduÄsrsn ols untsr un- 
verstLndiLsr ^uksiedt. ^ndlrslods ^itLi^s VinkLits 
dniten^ Lös 2um Rnds in Zponnun^. ^irMnäs ein 
LütÄsissn Ln billi^s ZbvtimsntniitLt,' dnM.^sn düü- 
DSmsr^unMN, dis Von LQNLrksr Vsobnedtun^ nuvd 
Mr msnsemieden l^uuno rsuMN. Der Vond ^ä^ä den 
Lr^Denssnsn niedt ^sniMr Freuds nls den Rindorn 
mosdsn- L r. 
TdVZLtE MMLttZGF TLr-ZEW. vnck kM- 
k/söörrr-aMmv L. SrMffsr. 6. 
MMams Oo. Seiken. Ae-. «U 6.§9. 
visssr' dtttts jotst vordsutscLts Land äsZ bo- 
EMitso HoäHäbusüs übsrttäkkt bÄuods äis Vor- 
uoed. Nil s-sinso —&amp;gt; äsm Lands llin 
ckor ossoi^tso LoLs DL'd-DQ-b, äsr rssdnorissd ds- 
mmscksn Luls Dud-Iüd^ dom muudsrou Keü^vsin Oob- 
modt rulsttt äsr 
äs^Ltioümisd-^isüäisIi — Mdt äsr krsuuckliebs Hsr- 
ckoLPor Lum LirLus E-sr, um dort Osld Lu vsräisnsn. 
Zwei Lustspiele. 
„Buster Keaton als Student" — ein Film, in dem 
der apathische Auster den Sportbetrieb auf den amerikanischen, 
Universitäten glossiert. Die Studenten vervollkommnen sich in allen 
Stapionkünsten, und Auster, der im Grund den Sport verachtet, 
möchte ihnen gerne nacheifern, um die Liebe eines College-Girls 
zu erringen. Seine Ungeschicklichkeit ist von unwahrscheinlicher 
Geschicklichkeit und führt zu reizenden Szenen. Ueberall steht er im 
Weg. Da er nicht das innere Verhältnis zum Sport wie die 
anderen Burschen hat, ahmt er sie äußerlich nach und schwelgt 
in einer Folge sinnloser Bewegungen, deren Leer« von äußerster 
Komik ist. Die bekannten Effekte der amerikanischen Grotesk- sind 
hier zum großen Teil bis zur Vollendung getrieben. Ein kleines 
artistisches Meisterstück ist vor allem die Mixer-Szene, die beinahe 
an Chaplin heranreicht. Damit dem Film die Moral nicht fehle, 
erweist sich Auster in dem Augenblick als ein einwandfreier Sports 
mann, in dem es gilt, die Geliebte von einem zudringlichen Kerl 
zu befreien. So kommt der Sport zum Schluß doch noch zu Ehren, 
ugd anders wäre es ja auch nicht möglich gewesen. Die Einblicke, 
die man in dem Film in den amerikanischen Universitätsbetrieb 
erhält, sind nicht eben erquicklich. Die vielen Pointen erweckten 
anhaltendes Gelächter. 
Für den „Lustspielschlager" r „E i ns 4- ei n s — Drei" zeichnet 
Bsla Baläcz^verantwortlich. Der ungarische Autor hat eine 
Philosophie des Films geschrieben, in der ein paar gute Beob- 
ach Lungen stehen. Man weiß nicht, w oher er sie hat, wenn m&amp;gt;arr 
diesen Film sieht, der von ihm ist. Wirklichkeit, groteske Ueber 
treibung und GeWnacklostgkert mengen sich in ihm auf furchtbare 
Weise. Die Sache soll etwas Intellektuelles sein, gewissermaßen 
für ein höheres Publikum, alles leicht ironisch, mit Berliner Ein 
schlag. Ungefähr wie folgt: Zwei junge Leute leben in einer 
Dachstubenpoeste, der eim liebt ein Mädchen, das er heiraten 
würde, wenn er nicht eine Erbschaft nur unter der Bedingung 
mitteten könnte, daß er kein Mädchen heiratet, weshalb der andere 
junge Mann mit dem Mädchen eine Scheinheirat eingeht, was 
wieder zu Verwicklungen führt, die sich schließlich mit jenem ab 
sichtlichen Witz lösen, der das Ganze beherrscht. Das ist die Fabel. 
Sie wird zum Teil forciert gesellschaftskritisch aufgezogen, insofern; 
nämlich, als ein Familienvater '-darin vorkommt, der Frau und 
Kinder auf närrische Weise hsrumkommandiert. Ganz abgesehen, 
.daß dieser Vater aus dem Jannings-Film: „Der Weg 
Es Fleisches" gestohlen ist, haben auch die Familienszenen eine 
dumme Hämischk-eit in sich, die den zu treffenden deutschen Spießer 
gar nicht trifft. „Da man nun offenbar Angst hatte, diese sozusagen 
atzende Satire könne das Publikum verjagen, hat man den anderen 
Teil des Films in eitel Eichendorffsche Romantik getaucht: oder 
vielmehr in eine sentimentale Brühe, die nur ein Bela BaÄcz für 
Romantik halten kann. Was aber fing« ein Berliner mit solcher 
Romantik an? Also hat man, damit «r auch auf seine Kosten 
komme, eine gewisse weltmännisch-blasiert« Note beigesügt, die 
beweisen soll, daß man sich natürlich über Romantik erhaben fühlt 
und die Angelegenheit nur als einen Scherz aufgefaßt haben 
will. Nimmt man noch hinzu, daß am Anfang «in paar reichlich 
blöde Trickzctchnungen Paul Simmsls beigestouert sind, so hat 
man nicht etwa den deutschen Lustspielschlager, den das Programm 
verkündet, sondern ein schlecht zubereitetes Gulasch, an dem man 
sich höchstens den Magen verdirbt. Schabe, daß so qute Schau 
spieler hineingemanscht sind. Das zurückhaltend« Verhalten dcs 
! -- Die Flucht aus der Hölle. Ein Großfilm der C a pi t ol- 
i stick&amp;gt; tsviele in dem sich die Ereignisse nur o lagen Aber das. 
was dem Film an Fomseinheiten fehlt, ersetzt er durch die ,p°n. 
ncnde Handlung. Er überhauft mit Stofsmassen, deren ^llustrie» 
rung etwas zu sehen gibt, und kommt auch das Komposttionsgefuhl 
u kurz s° wird doch die Sensationslust b°ftiedigt. deren An 
sprüche durchaus legitim sind Bei der Kolportage - dies^ Wort 
in einem sehr achtbaren Sinne verstanden - liegt das Schwer ¬ 
- oneic w h u i b v t ie v l odr z a ü nga l c i hc h waiL uf s d ieener I znä h hlat lt seinnd , u unn d d ombansie f .rsategt t s d w ie it W R aech h r- t 
, Minlichkeit für sich haben Einige ^lchworte mögen zur O^en^ 
! ti^iino oevüaen. Am Beginn: eine unglückliche Ehe, ein ^u«v- 
sta^" und' ein sympathischer Liebhaber, der den Schuft von t,he- 
' mann in Form eines Totschlags erledigt. Der Liebhaber wird zur 
Zwangsarbeit verurteilt. Es folgen ffträflingssz^ sud' 
'ichen Festung, die kaum eine Grausamkeit ubergehen Fiucht ves 
Liebhabers; seine Rückkehr zur Geliebten Verfolgung durch die 
Polizei Der Vater der Gelieh en hat "N Bergwerk, in dnn imtur 
sich Me Katastrophe passiert. Ein MMer; d°s g ucküche End . 
Die Renke bat das Kanterbunl der Schauplatze mrt v 
wältiqt ?nd überhaupt für FarbiMt gesorgt Besonders o^ 
Einfälle hat st« nicht, Gescheh^ 
^ ^ ^" 
Z^Dam« mck InneAichf-M^ ^/sä W« 
Unbeweglichkeit die aber bei dieser a . d 
Murat als Liebhaber und Sträfling ^^in sa l mirMübrt 
Au? dem stattlichen Ensemble, das seine kleines 
sei noch der lustige Paul H ° i de m an n genannt, ein^ewer, 
! drolliger Spaßmacher, der alles mit Heiterkeit anp—.. .
        <pb n="17" />
        brödelfilm Vergers usw.) und Gesinnung allein tut es noch nicht. 
Gerade die richtige Tendenz hätte sich vor UnbilliKeiten besonders 
zu hüten. 
Man mag erwidern, daß es sich hier um einen Propaganda 
film handle, die in ihm beliebte Methode der schematichen Verein-, 
fachung ist indessen leider heute eine allgemein angewandte Form 
der Darstellung geworden. George Grosz hat sich auf sie beschränkt, 
Piscator ste ausgebaut. Man benutzt Menschen dazu, um Gesin 
nungen zu demonstrieren, statt daß sich die Gesinnungen aus dem 
Verhalten der Menschen ergäben. Man plakatiert, statt zu gestal 
ten; man stellt Gerüste auf, ohne ste auszufüllen. Aber Gesinnung 
ersetzt nicht Substanz. 
Gerade die Russenfilme — nicht zuletzt der gestern ge 
zeigte: „Der Kellner vom Palasthotel" — klären darüber auf, 
woran es der zweidimensionalen Karikatur gebricht. Ohne Zweifel 
ist es den Russen vorwiegend um propagandistische Wirkungen zu 
tun. Niemals jedoch entleeren sie um ihretwillen die WirkUchkeir, 
verleugnen ste die Liefendimenston. Selbst die Anhänger des zari 
stischen Systems sind noch Menschen. Darum rütteln die Russen 
filme nicht nur vorübergehend auf, sondern halten wach. Die Ge 
sinnung hat in ihnen Träger. 
das beste Herz der Welt verbindet. Carmen Bon: verleiht dem 
Geschöpf die gerade in der Verwahrlosung besonders bestechenden 
Reize und das eckige, leicht freche Wesen. Sie macht nette X-Beme 
und die Haare fallen ihr lustig über die Stirn. Freil^ um als 
rechter Gamin zu überzeugen, müßte sie noch losgeloiter fern, Bon 
ihrem Werdegang nur soviel, daß sie sich einem ^ngeni.ur rns 
^erz Meistert, den Livio Pavanellt mit eurer dicken Sanger- 
Bonhommie verkörpert, die auf die Dauer genau so schwer er 
träglich ist wie Liedtkes Lächeln. Auch H^s ^unkermann 
feirt herein. Der Film enthält einige rcgrcmaßrg begabte Szenen 
und geizt zum Glück nicht mit den Straßen und Monumenten 
RomS, die er in Fülle zu Hintergründen verwendet. Carmen 
Boni schreitet vor ihnen wie eine Braut über dre rhr gestreuten 
Blumen. — - tiaca. 
Uokksveröand für Mmkrmst. 
Lr- Frankfurt, 80. April. 
Die Frankfurter Zweiggründung des Vo lks v erba n d s 
für Filmkunst, über dessen erste Berliner Veranstaltung wie 
seinerzeit berichtet haben, trat am Sonntag hier vor die Öffentlich 
keit. In einer kurzen Ansprache unterrichtete LeoLanLa (Berlin) 
über die Ziele des Verbands. Sie find der Unterstützung wert. 
Widerstand gegen die üblichen deutschen (und ausländischen) 
Durchschnittsfilme — auf die künstlerische und gesinnungsmäßige 
Erbärmlichkeit unserer Durchschnittsproduktion ist gerade in der 
„Frankfurter Zeitung" immer wieder hingewiesen worden — 
bekanntlich den Volksverband ins Leben gerufen. Er ist wie die 
Volksbühnengemeinschast als Konsumenten-Organisation gedacht; 
d. h. er will die anständigen Elemente des Publikums sammeln, 
jene, die den herrschenden Filmbetrieb satt haben und mit ihrer 
Hilfe den öffentlichen Geschmack wandeln. 
Seine Parole: Gesinnungsfilme statt der Ge- 
schastssilmeist plan und gewiß nicht eindeutig, mag aber zur 
vorläufigen Orientierung genügen. Beabsichtigt ist zunächst eine 
Reform der W o ch ens ch au. Die heute verabfolgten Wochenschau 
rationen sind durchweg ein unverdauliches Bildgemenge aus Sport 
ereignissen, Einweihungen, Erdbeben und anderen Explosionen, das 
der Konfusion entstammt und von hellsichtigen Filmkonzernen ge 
braut wird, um blind zu machen. Es käme darauf an, den Typus 
einer Wochenschau zu schaffen, die nicht wie die bisherigen von den 
wirklichen Zuständen wegblickt, sondern sie vergegenwärtigt. Der 
Volksverband hat sich an ihr bereits versucht, indem er aus dem 
vorhandenen Bildmaterial behördlich genehmigter Wochenüber 
sichten eine Auswahl in seinem Sinne traf. Ihrer aufreizenden 
Wirkung wegen hat der Zensor diese neue Zusammenstellung 
pronrpt verboten. Es ist gefährlich, die Kamera nach der richtigen 
Seite zu lenken. — Außer der Wochenschau, die etwas anschaut, 
sollen noch wertvolle Filme vermittelt werden. Später hofft man 
zu einer eigenen Produktion Zu gelangen. 
H - 
Der Illustration dieses Programms diente ein kleiner Vor 
spannfilm, der mit Beispielen und Gegenbeispielen arbeitet, 
die den Bildarchiven entnommen sind. In optischen SLichworten 
zieht vorüber, was endlich abziehen sollte: Ansichtskartenzauber aus 
Alt-Heidelberg und vom Rhein, MMärkitsch, leerer Prunk der 
Paraden. Sehr geschickt geschnitten, man lacht. Als musterhaft her 
aufbeschworen werden dann einige Fragmente aus den großen 
Filmen Chaplins und der Russen. 
Eine Miniaturrevue ä la Piscator, die ein wenig grob 
schlächtig verfährt. Sie vergleicht die Elite der „Gesinnungsftlme" 
mit dem Ausschuß der „Geschäftsfilme"; aber es gibt auch gute 
GesaMsfilme (z. B. ein paar Filme von Lubitsch, der Aschen« 
Die Durchgangerin. Dieser einem Stück von Ludwig 
FulLv gedrehte Film des G l o r ra - Pa l a st s ist inhaltlich ein 
antiquierter Schmarren. Nichts peinlicher in unserem Kinobetrieb 
als die Armut an Stoffen und Manuskripten, die dazu zwingt, 
Mere Dinge zu verfilmen, nach denen kein Hahn mehr kräht. Die 
Armut rührt übrigens einfach daher, daß man nicht die Kurage hat, 
die Gegenwart vors Objektiv zu stellen, die wahrhaftig reich genug 
an Problemen und Ereignissen wäre. Aber um sie zu kurbeln, 
mühte man unter Umständen die Wahrheit zeigen . . . In dem 
Zuldafilm handelt es sich darum, daß ein Oberregierungsrat eine 
Fvau hat, die ihn betrüg!; was der Gute nicht merkt. Dafür merkt 
er, daß sein Töchterchen mit einem jungen Mann anbändelt, und 
verleugnet in seiner moralischen Empörung das Mädchen. Die 
Meine heiratet den Jüngling und geht mit ihm nach Amerika, wo 
sich die Beiden im Hand- und Filmumdreken 500 000 Dollar ver 
dienen. Solche kruden Unwahrschein!^ werden ohne Scheu 
aufgetischt. Für lven? Für die kleinen Ladenmädchen, die sich in 
ihrer Phantasie daran berauschen sollen. Am Schluß verläßt dann 
die Ehebrecherin ihren Oberregierungsrat, der noch ein spätes Glück 
als Papa des jungen Amerika-Paares findet. Voilä. Hanns 
Sch warz, der sich zur Verfilmung dieser albernen Fabel berge 
geben hat, ist ein hochbegabter Regisseur. Leider hat er die Dumm 
heit des Textes zu wörtlich genommen, statt sie genügend mit 
Ironie zu unterlegen. Es ist auch eines guten Regisseurs un 
würdig, in einen solchen Film technische Details des Ozeandampfers 
einzuschmuggeln, um die banale Tatsache einer Ueberfahrt M ver 
anschaulichen. Aber sonst hat Schwarz ein paar rei ende Einfälle 
angebracht. Glänzende Ueöergänge; sehr geschickt die Veranschau- 
lichung'des häufigen Berufswechsels des Pärchens; gewandte Ent 
wicklung, der Interieurs. — Wenn der Besuch des Films trotz 
seiner vielen Torheiten dennoch zu. empfehlen ist, so um Käthe 
v o n N a g y s willen, die den Backfisch spielt. So ein entzückendes 
Mädchen ist lang nicht in deutschen Mmen erschienen. Ihr Trotz, 
ihr Lachen, die mimische Gestaltung des Temperaments — das ist 
ursprünglich und zugleich gekonnt. Wie sehr Wenrifft die Nagy 
an Natur die Bergner, die in dem „Geiger von Florenz" zu Be 
ginn eine ähnliche Rolle zu bewältigen hat. Ihr Partner ist der 
beliebte Hans Brausewetter, der leider zu dick und pomadig 
geworden ist. Jean Dax ist vorzüglich in der Maske des höheren 
Beamten der neunziger Jabre, Karl Ptaten der vornehme Die 
ner mit Herz. Genannt seien noch die pikante Vivian Gib son 
und Adele Sandrock, die immer noch ihre Frau stellt (oder 
soll man sagen: ihren Mann?). — Der Film des Beiprogramms: 
„B u b i s W o ch e n e n d" ist einer jener scheußlichen anretitanischen 
Kinderfilme, in denen Kinder dle dümmsten Späße machen müssen, 
um die Sentimentalität der Erwachsenen M befriedigen. Es wäre 
an der Zeit, daß man mit den amerikanischen Kurzstücken dieser Art 
endlich Schluß ^nachte; ste sind roh und gemein. kaca. 
— Das Mädchen von der Straße. Dieser Film der Bisber- 
bau-Lichtspiele ist nach einem bekannten italienischen 
Lustspiel gedreht (das sogar vor etlicher Zeit auch einmal in 
Frankfurt gezeigt worden ist). Zcampolo, d. y Lümpchen, wird 
seine Heldin genannt. Sie ist ein Gaffenmädchm, das in den 
Straßen Roms aedciht und mit den Manieren eines Lausbuben
        <pb n="18" />
        6^ , o 
--- Ossi Osmalda Co. In dem Film: „Ein schwerer 
Fall" tritt ein ganzes Ensemble ausgezeichneter Berliner Schau 
spieler auf. Ossi Oswalda selbst, die kleine Hauptperson, bemüht 
sich, eine zweite Mary Pickford zu sein, aber die Pickford kann sich 
besser- Wen steht man nicht außer ihr alles in diesem Lustspiel, das 
sich so anstrengt, lustig zu sein, daß man fast über die Anstrengung 
lachen könnte! Da ist Henry Bender, Paul Morgan, Siegfried Arno 
und die Meröezirk — lauter Größen, die ihre Sache vortrefflich 
machen, nur eben ist die Sache zu winzig, und die rühmenswerten 
darstellerischen Einzelheiten ergeben keinen berühmten Gesamteffekt. 
Immerhin sei pflichtgemäß verzeichnet, daß das Publikum sich er 
heiterte. — Es läuft auch noch ein Wildwestfilm mit Jack 
Hoxie, der Tom Mix an Reitfertigkeit und Heroismus erreicht. 
Importierter Militarismus. 
Wo Fridericus Rex-Filme fehlen, stellen sich Kriegsma 
rine-Filme zur rechten Zeit ein. Wir haben keine nennens 
werte Kriegsmarine mehr, aber Amerika besitzt dafür eine um 
so größere. Seinen Marine-Propagandafilmen nach zu schließen 
hat der Militarismus, den es bei uns hat erschlagen wollen, dort 
trotz der harten Einwanderungsbestimmungen ein neues Asyl ge 
funden. Es ist nicht der schlechteste Witz der sogenannten Welt 
geschichte, daß wir ihn wieder aus dem gleichen Land importieren 
müssen, das seinerzeit so besorgt um seine Ausrottung war. 
Wir: das heißt hier der Ufakonzern. Er hat sich den Film: 
„Der Brand im Ostern" von drüben entliehen, der ein 
Ausbund unverfälschter militaristischer Gesinnung ist. Ist es ein 
Zufall, so doch ein geschickter, daß die Wahl des Zeitpunktes seiner 
Aufführung gerade der Zeitpunkt vor den Wahlen ist. Amerika 
hilft Lei der Propaganda mit, man braucht sie nicht einmal aus 
eigenen Mitteln allein zu bestreiten. 
In dem Film wird ein junger Mann Seesoldat. Er will es 
eigentlich nicht recht werden wird es aber eben darum um so mehr. 
Ein hübscher, frecher Bengel, dessen loses Maul ihm im Dienste 
Scherereien genug verschafft. Sein Sergeant treibt ihm die Im-, 
pertinenz aus und flößt ihm in den so entstehenden Hohlraum 
den Stolz ein, ein brauchbarer Seesoldat der amerikanischen 
Kriegsmarine zu sein. Lon Chaney spielt den Sergeanten als 
einen großartigen Landsknecht, wie er in den^riegsbüchern stchty 
inwendig voller Güte. Wir sind Zeuge der oft sehr handgreiflichen 
Instruktionen, die er seinem jungen Untergebenen erteilt, und 
wenn es dem Film nachginge, so sollten unsere Herzen bei den 
Rohheiten höher schlagen. Wenigstens wird alles getan, um die Ne, 
geisterung zu schüren Hinten dampfen die großen Schlachtschiffe, 
die Kanonen donnern, ein Boxkampf findet auf Deck des Schul 
schiffes statt, weil sonst nicht genug Kämpfe wären, die SeesoldaLen 
exerzieren in wundervollen Uniformen wie Bleisoldaten, und jeden 
Augenblick könnte ein neuer Krieg losgehen, bei dem jeder 
Bengel mitmachte... 
Er geht los, damit die Marinebilder einen Zweck haben. In 
China. Dort finden laut dem Filmtagesbericht „Unruhen" 
statt, die zu einer Gefährdung der Weißen führen. Unter ihnerx be 
findet sich ein Ansichtspostkartenmädchen, für das der Sergeant und 
sein Seesoldat ein besonderes Interesse haben; denn Liebe und 
Militär sind innig miteinander verquickt. Um die Ansichtskarte zu 
befreien, feuern die beiden Tapferen Mit ungemeinem Eifer in 
die Chinesen hinein. Ein gerettetes Mädchen, eine hervorragende 
Kriegsmarine, eine elende Chinesenbande: sollen unsere Herzen 
über eine so niederträchtige Propaganda nicht noch höher schlagen? 
Schlußbild: der gar nicht mehr impertinente Jüngling, der 
jetzt nur noch erprobter Seesoldat ist, quittiert den Dienst und 
heiratet das Mädchen. Auf seinem alten Kasernenhof steht er ein 
letztes Mal in Zivil und beobachtet traurig, wie der Sergeant die 
eben eingetroffenen Novizen anbrM. Er möchte wieder dabei 
sein, möchte selbst wieder angebrüllt werden. Immer und immer. 
Der Sergeant erblickt ihn, stellt ihn den Neuen als Vorbild hin. 
Eine einzige Trauer, kein Seesoldat mehr, nur noch privat mit 
dem Mädchen. Im Hintergrund dampfen die Schlachtschiffe. 
Morgen sind die Wahlen. 
Zu der Aufführung des Films irr den 
Frankfurter! Ufa- Lichtspielen. 
Koca. 
Onkel Tom's Hütte. Dieser nach dem berühmten Roman 
der Harrtet Beecher Stowe gedrehte amerikanische Grotzsilm, den 
die Ufa-Lichtspiele zeigen, ist als Handlung so überlebt 
wie der Roman, der bekanntlich seinerzeit eine gewaltige Wirkung 
ausgeübt hat. Man kann weder dis langwierigen Marterszenen 
auf den Plantagen noch den Überschuß an Sentimentalität recht 
ertragen; immer wieder Peitschenhiebe, grausame Farmer, gute 
Farmer und das Geplärr — es ist zuviel. Wider den Geschmack 
verstößt aber die Verfilmung des Romans vor allem darum, weil 
sie an den gegenwärtigen' Befreiungskampf der Neger in den 
U. S. A. erinnert, der nicht verfilmt ist. Solange die schwarze 
Rasse drüben als minderwertig angesehen wird, ist es eine Heuche 
lei von hohen Graden, die Zuschauer von heute einfach mit ver 
gangenen Taten zu blenden. Um ganz Zu schweigen davon, daß 
wohl nicht nur moralische Motive zur Aufhebung der Sklaverei 
drängten. — Im übrigen bietet der Film gute schauspielerische 
Leistungen und veranschaulicht realistisch die Erscheinungen jener 
Epoche. Man hat einen eigenen Raddampfer gebaut, der auf 
dem Fluß nach Süden zieht, seine beiden Schornsteine qualmen 
schwarz, und die Frühzeit der Maschinentechnik steigt leibhaft mit 
ihm herauf. Echte Lands-chaf'sbilder, echte Neger und brutale 
Farmertypen, die Angst cinzujagen vermögen. Der eine von ihnen,! 
der im Irrsinn endet, ist meisterhaft. Ein Kabinettstück der Komck z 
ist die Topstz-Szene. Topsy, von Mona Rah gespielt, ist ein- 
kleines Negermädchen, dessen Drolligkeit ihresgleichen sucht. Wie 
es den Kopf neigt, wie es die Augen mit der Schnelligkeit eincS 
Flugzeugs öffnet und schließt, wie es anschleicht. betrügt und 
weint das ist eine Spitzenleistung durchaus. Mit dem Einzug 
der amerikanischen Befreier läuft der Film in den Hafen des 
guten Endes ein. Auf den Negerfilm der Gegenwart wird man 
noch warten müssen. , Raca. 
--- „Spuk im Schloß " Dieser Film, der als zweiter — neben 
Liä" — in den Ufa - Lichtspielen läuft, ruft Sen 
sationen der Angst hervor, leicht gemildert durch etwas Humor. 
Paul Leni hat zum Teil großartige Jnszenierungsaröeit geleistet. 
Zwar flattern Zuviel Vorhänge in dem verwunschenen Schloß, 
aber manche Beleuchtungseffekte erschrecken wirklich, und vor 
allem sind die Sprünge von der Totalansicht zur fragmentarischen 
Großaufnahme beklemmend. Erreicht wird jedenfalls eine starke 
Spannung und jene angenehme Art des Gruselns, über die sich 
der Zuschauer zuletzt doch erhaben fühlt, da er genau weiß, daß 
sich am Ende alles klärt. Es war ein guter Einfall, gerade 
Laura La Planta zum Objekt der Spukvhänomene zu machen. 
Sie sieht so furchtlos und unberührbar aus, daß ihr Schaudern 
doppelt erschreckt. Auch die anderen Darsteller sind vorzüglich; 
die ä.tere Tante, die eine Hauptrolle spielt, ist das Muster einer 
bösartiger Schachtel. 
Sind Frauenherzen käuflich5 Natürlich nicht in einem sran- 
Mischen Film, der diese Frage stellt. Er ist nach dem Stück „Aue - 
äa 1a ?aix" gedreht und spielt wirklich in dieser Straße in einem 
eleganten Modesalon. Seine Heldrn ist Andree Lasayette, die 
als Mannequin von schönem Wuchs und unbezahlbarer Treue ist. 
Der edle Millionär kann jedenfalls ihre Preisgabe nicht'bezahlen 
und muß zuletzt erkennen, daß Liebe sich mit Geld nicht erzwingen 
läßt. Die Intrigantin im Modesalon ist Suzy Pie-son, eine 
schöne,, schwarze Erscheinung, die man gerne in einer größeren 
Rolle sehen möchte. Die Karikatur eines flegelhaften Amerikaners 
(Armand Bernard) beweist, wie befremdend das rüde Wesen 
mancher Leute aus U. S. A. gerade auf Franzosen wirkt. Geradezu 
reizend Fleur Des Champs als eine leicht grotesk unterlegte 
Gamine. Es ist dankenswert, daß tie Alemannia-Licht- 
spiele auch einmal einen solchen französischen Durchschnittsfilm 
Zeigen, den mit den üblichen deutschen Erzeugnissen zu vergleichen 
nicht uninteressant wäre. Aaea.. 
Nach einer kurzen, schweren Krankheit ist Max Scheler 
in Frankfurt gestorben. Mit dem erst Vierundfün^igjährigen 
verliert das gegenwärtige Deutschland — es ist zu sagen er 
laubt: Europa — einen seiner bedeutendsten und merkwür 
digsten Geister. Einen Mann, der schon allem darum nicht nur 
der Geschichte der Philosophie, sondern der umfassenderen Zeit 
geschichte angehören wird, weil er die Geschichte der Zeit in 
jenem doppelten Sinn des Worts mit-machte, der besagt, daß 
er an ihr gestaltete und ihr zugleich unterworfen war. 
Er war im nie verleugneten Ursprung ein dämonischer 
Mensch, ein Mensch, in dem sich chtonische Gewalten mit den 
Kräften der Kontemplation unzertrennlich verbanden. Die 
Leidenschaft, mit der er sein empirisches Leben lebte, 
brach in seine Erkenntnisse ein und riß sie stets wieder in 
das empirische Leben zurück. Er ist während des Krieges als 
offiziöse Persönlichkeit im neutralen Ausland tätig gewesen, 
er hat sich in den letzten Jahren in seinen Schriften, bei Kon 
gressen und internationÄen Veranstaltungen für eine neue 
Organisation der Wissenschaften eingesetzt und die politische 
Mentalität des Nachkriegseuropa zu beeinflussen gesucht. 
Dämonie ist Mischung, ist mehrfache Bestimmtheit des 
Wesens. Manche Wandlungen hat Scheler durchgemacht, und 
nicht nur einmal hat er spater verbrannt, was er früher rm- 
gebetet hatte. Aber er ist in eine Zeit der allzu großen, allzu 
nahen und überdeutlichen Ereignisse g^aten, in der kaum 
einer einen Kompaß besaß. Andere mögen stetiger geurteilt 
haben als er: sie sind nicht so gefährdet gewesen. Wo immer 
er umstürzte oder aufzurichten meinte, bat er M um die
        <pb n="19" />
        Sammlung und richtige Anordnung der auseinander streben 
den und miteinander ringenden Mächte bemüht, deren Schau 
platz er selbst und mit ihm die Zeit war. Daß er, wie wenige 
von diesen Mächten angetroffen wurde, daß Hölle und Himmel 
in ihm waren, haben alle gespürt, die ihm begegneten. Er hat 
Konvertiten gemacht, und auch dann, wenn er sich der Nach 
folge entzog, find Schüler und Anhänger, Freunde und Geg 
ner der entschwindenden Erscheinung wie einem Meteor mit 
den Blicken gefolgt. 
War die Bahn dieses spätbürgerlichen Menschen und Philo- 
sophsn unberechenbar? Wir glauben er nicht. Sie hielt trotz 
innerer und äußerer Schwierigkeiten, trotz des umfänglichen 
Denk- und Lebenssystems, das mehr als einmal in Be 
wegung zu setzen war, mit erstaunlicher Folgerichtigkeit einen 
bestimmten Kurs inne. Ihr Verlauf, d er sich heute schon &amp;lt;rb- 
zuheben beginnt, bezeichnet annähernd den der Epoche, 
* 
AIs Schüler des etwas verbissenen Kulturphilosophen und 
Nobelpreisträgers Gucken hat sich Schaler 1900 mit einer 
Arbeit: „Die transzendendÄe und die psychologische Methode" 
habilitiert, die im Jahre 1922 neu aufgelegt worden ist. Die 
Schrift übt in veralteter Terminologie an dem damals noch 
verhältnismäßig unangekränkelten formalen Idealismus und 
dem Psychologisnms Kritik, und mit Recht bemerkt Scheler 
indem Vorwort zur Neuauflage, daß sich schon in jener 
Betrachtung die später von ihm vollzogene Wendung zur 
Ontologie und zum realistischen Weltbegreifen ankündige. 
Sichtbar wurde sie, nach einer Pause von über einem Jahr 
zehnt, in seiner kurz vor KrieOausbruch erschienenen be 
deutenden Abhandlung: „Zur Phänomenologie der Sym 
pathiegefühle." Sie enthielt im Keim die Grundelemente des 
Schelerschen Denkens. 
Es ist ein Denken, das sich, beeinflußt durch Huffeck, von dem 
Funktionalismus der herrschenden neukantianischen psycho 
logistischen und historistischen Philosophien abkehrt, um nach 
der einen Seite hin in unmittelbarer Anschauung den Stufen- 
bau der seienden und zeitlosen geistigen Wesenheiten zu er 
fassen. Nach der anderen Seit« hin dringt es zum Unterschied 
von dem Formalismus jener Philosophien, den auch Husserl 
mit ihnen teilt, in die materkalen Bestände der Welt ein und 
möchte die Beziehung sämtlicher empirischer Fakten in Natur 
und Geschichte zu dem Reich, der geistigen Wesenheiten er 
hellen. Die dämonische Person erstreckt sich nach oben in die 
Sphäre der geistigen Gehalte, und st« reicht zugleich tief in 
die Machtpositionen des Unteren, in das Triebleben, in die 
dunklen Seelenregungen, in die Tatfächlichkeiten des histori 
schen und soziale» Geschehens hinein. (Wenn Scheler von 
dem „Bösen" sprach, schien er es manchmal mit darzustellen, 
und so Personhaft hatte er auch Teil an dem „Guten".) 
Während der ersten Kriegsjahre ist Scheler der deut 
schen Oeffenüichkeit durch sein Buch: „Der Genius des 
Kriegs" bekannt geworden, ein sinistres, später von ihm selbst 
verleugnetes Weck, in dem viel schlechter Nietzsche und 
falscher Heroismus sich umtreiben. Er hat noch in anderen! 
aktuellen Abhandlungen seinen Tribut an die jeweilige Zeit 
entrichtet, und überhaupt finden sich in seinen Schriften immer 
wieder Stellen, die, wie der ihm befreundete Troeltsch einmal 
treffend formulierte, „ein« seltsame Mischung von Scharfsinn, 
Tiefsinn und Leichtsinn" find. Sie beiveisen nur, was er ver- 
mullich nicht bestkitten hätte:. Laß auch das trüb« Dasein Ee- 
walt über ihn hatt«, __ 
Dem Gegenpol seines Wesens entstammen die in den großen 
Werken: „Der Formalismus in der Ethik und die Material« 
Wertethik" (1916) und: „Vom Ewigen im Menschen" (1921) 
niedergelegten Gedmcken, die ihn zum Erneuerer augustini- 
scher Katholizität gemacht haben. In beiden Wecken, 
die zusammengehören, ist die Anschauung den höchsten Sinn- 
und Seinsgehalten zugewandt. Eröffnet jenes, unter nahezu 
völliger Ausschaltung der theologischen Shäre, den Blick aus 
das Reich der hierarchisch gestaffelten Werte, von den Sach 
werten an bis zu den Personwerten, bis zur heiligen Person, 
bis zu Gott, so will dieses „die ersten Fundamente des syste 
matischen Baues einer natürlichen Theologie" aufweisen und 
den von seinen zeitgeschichtlichen Hüllen befreiten Augustims- 
muS mit den Gedankenmitteln der phänomenologischen 
Philosophie neu und tiefer begründen. Mögen die Gedanken 
mittel der Phänomenologie fragwürdig sein, Scheler hat mit 
ihrer Hilfe, befähigt hierzu vor allem durch seine außerordent 
liche Gabe der Zusammenschau von Wesenheiten der ver 
schiedensten Seinsprovinzen, einer den religiösen Erkenntnissen 
entfremdeten Welt «inen Zugang zu den kirchlichen Lehren 
geschaffen. In den Jahren der Revolution und Inflation, 
als Viel«, denen aus schlechten oder guten Gründen Max 
Webers asketischer Heroismus nicht genügte, eine Behausung 
suchten, die sie vor der Leere draußen schütze, sind manche durch 
ihn geleitet und auf eine lang verschüttet gewesene Dasems- 
weise aufmerksam gemacht geworden Daß dmnals eine jung 
katholische Bewegung entstehen konnte, die sich hoffnungsvoll 
anließ, war nicht zuletzt sein Verdienst. Sein größtes war 
— es ist unabhängig von dem Gebrauch der phänomenologi- 
schsn Schsinstützen —, daß er dem modernen Denken wieder 
den Eigenbestand halb verschollener Wahrheitsgehalte ins 
Gedächtnis zurückgerufen hat. Das haben ihm auch Prote 
stanten gedankt. 
„Man hat mich für einen katholischen Philosophen ge 
halten," sagte Scheler vor einiger Zeit zum Verfasser dieser 
Zeilen, „ich bin es niemals gewesen." Noch außen hin er 
schienen jedenfalls sein« ungefähr seit Beginn des euro 
päischen. Stabilisierungsprozesses formulierten Erkenntnisse in 
ihren Kernstücken als «in Bruch mit den früheren. In Auf 
sätzen und Reden, am sichtbarsten bisher in seinem 1926 ver 
öffentlichen Wecke: „Di« Wissensformen und die Gesellschaft" 
trat der Umschwung zutage Aus dem Theisten Scheler war, 
wenn man so will, ein atheistischer Metaphysiker 
geworden. Er lehrte in dieser letzten Periode, daß der Katho-, 
lizismus das stärkste Hindernis für die Entfaltung der abend 
ländischen Metaphysik gewesen sei. In der Absicht, das Ge- 
bäuds einer gereinigten Metaphysik auszuftchren, hat er nicht ! 
allein di« neuesten Forschungsergebnisse der Naturwissen 
schaften in den Rahmen seiner Interpretationen einbezogen, 
sondern auch mit ziemlicher Schonungslosigkeit eine Reihe von 
Weltanschauungen und geistiger Haltungen als Idol« be- 
stimnwer Gesellschaftsgruppen enthüllt. Sein Hauptwerk sollt« 
eine „Anthropologie" werden, die er im kommenden Winter 
semester zu vollenden gedachte. Ihre Grundthese, di« er auf der 
vorjährigen Frühjahrstagung der Schule der Weisheit ent 
wickelte, lautet etwa: der „Geist" ist machtlos, alle Kraft liegt 
bei dem Unteren, bloß Naturhaften, beim „Drang". Gott ist 
danach so wenig allmächtig, daß seine Verwirklichung in die 
Hand des Menschen gelegt ist. Ein« Verwirklichung, die 
Scheler, nach jenem Vertrag zu schließen, mit dem am End« 
der Geschichte sich vollziehenden Ausgleich zwischen Geist 
und Dräng gleichgesetzt zu haben scheint. Die Behauptung ist 
nicht zu gewagt, daß das Dämonische in ihm, das sich im 
Unteren verhaftet wußte und das Obere kontemplativ erfuhr, 
von einem Ausgleich die Lösung der Spannung, den Frieden 
«HMe. , , , &amp;gt; 
! Noch ist das Schrifttum Schelers nicht in die Geschichte 
zurückgetreten. Immerhin läßt sich eine Hauptlinie 'der Ent 
wicklung dieses Denkens erkennen. Es entmythologi- 
sierte sich in dem Maße, als es fortschritt. Das heißt: es 
unterwarf mehr und mehr bestimmte naive Einstellungen und 
ungebrochen hingenommene geistige Gebilde der Kontrolle des 
Bewußtseins, indem es sie als Manifestation des Unteren durchs 
schaute. Der Philosoph, der in der Hauptzeit seiner Wirk 
samkeit manche Leuchteffokte seiner Gabe der Verzauberung 
verdankte, entzauberte späterhin seine eigene Welt. 
Daß der gepriesene Erneuerer des Augustinismus seiner 
großen Gefolgschaft den Rücken kehrte, wollte etwas bedeuten. 
Er selbst hat geäußert, wie schwer es ihm gefallen sei, den 
Bruch zu vollziehen. Dem Triebleben den Einfluß zuzw- 
gestehen, den es besitzt, und die Macht der ökonomischen und 
sozialen Fakten anzuerkennen, mußte ihm doppelt schwer wer 
den in einer Zeit, in der, im engsten Zusammenhang mit der 
Stabilisierung des Kapitalismus, eine neue mythologische 
Front sich zu festigen beginnt. Ueberall um Scheler herum 
drangen Anschauungen durch, deren Wachstum er durch die 
von ihm pveisgegebenen zum Teil selbst begünstigt hatte. Eine 
halbe Stunde nach seiner Wendung zum Profanen empfand 
SornbM romantische Sehnsucht nach einem religiösen Gehäuse; 
der Ruhm von Klages ist im Steigen; der Hang zu einer vor 
eiligen Konkretheit hat sich auf große Strecken hin der Geistes 
Wissenschaften bemächtigt und verhindert sie, ihre Situation 
! zu Ende ^mWlhsiereu» RWtzmgen. dk da^ OWjMWWh 
daß sie, mit oder ohne Absicht, zur Konsolidierung der reaktio 
nären Mächte beitragen. 
Scheler ist zum Unterschied von ihnen eine «Höriges 
Stück wmt den Weg der Aufllämng gegangen. Seine 
letzten Schriften lassen an entscheidenden Punkten Lust herein, 
sehen zum mindesten der Realität der gegenwärtigen Gesell 
schaft ins Auge. Mit der Witterung für atmosphärische Er- 
eigmffe, die ihn auszeichnete, hat «r das Zukünftige gespürt. 
Er ist. semer sozi^ Zugehörigkeit nach, der Philosoph des 
fortgeschrittensten Bürgertums gewesen, jenes Bürgertums, 
Las schon «in Uebergang ist, das heute, nachdem es sich ver 
geblich zu allen möglichen Ideologien geflüchtet hatte, bewußt 
und kritisch gegen sich selbst seine materiellen und sozialen 
Dasemsbedmgungen üöerprüst, und auf Grund des Ergeb 
nisses dieser Prüfung seine geistige Haltung einrichtet. 
* 
Für die Frankfurter Universität bedeutet der Tod 
Schelers «inen besonders schweren Verlust. Er war erst vor 
kurzem aus Köln nach Frankfurt berufen worden und hatte 
sein Lehramt noch gar nicht angetreten. Von der Anziehungs- 
krast seines Namens und seiner Person erhoffte sich die Uni- 
versltat einen neuen Aufschwung, und ihm selbst gereichte es 
zur Genugtuung, in dem urbanen Frankfurt wirren zu können. 
an ihn geknüpften Erwartungen sind jetzt zerstört. Kein 
DEer ist heute mehr an unseren Universitäten, der einen 
solchen Realitätsfinn wie er mit einem solchen Wissen um die! 
geistigen Wesenheiten verbände. 
' S. Kracauer.
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        ' 
--- So küßt nur eine Wienerin. Ein Film der Capital« 
Lichtspiele, in dem Werner F ü t t e r e r, offenbar ein 
Frauenliebling, die Küsse von Frauen der verschiedenen Länder 
durchprobiert. Daß ihm die der Greta Graal, die als kleine 
Wiener Mädchen austritt, am besten schmecken, ist um so weniger 
zu verstehen, als er Gelegenheit hat, Erna Morena vor dem 
Hintergrund des MartuSplatzes zu küssen. Die Morena sieht am 
Badestrand fabelhaft aus, sie hat Haltung und Grazie, und ihr 
andeutendes Spiel ist in seder Geste bewußt. Zum Ruhm ^r 
Wienerin muß der Frauenliebling auch noch eine amerikanische 
Miß durchprobteren, die freilich fürchterlich ist. Die Regte ist 
normal, arbeitet mit allseits beliebten Praterszenen, Gondelfahrten. 
Sängertriumphen, Kindern und erzielt sogar an zwei oder drei 
Stellen ganz hübsch« Arrangements. Raca. 
Harry Piel. Wieder hat Harry einen reizenden Film aus 
geheckt, in dem er als Gentlemen-Abenteurer Triumphe feiert. 
„Mann gegen Man n", so heißt der in der Neuen Licht 
b ü h n e gezeigte Film; er sollte heißen: Mann gegen Männer", 
denn dreier Harry erledigt Sieben mit einem Streich. Zugegeben, daß 
die Situationen unwahrscheinlich sind, die er sich bereitet — aber mit 
welchem Applomb, mit welch berückender Aeffigkeit löst er sie auf. 
Mit einer Pistole hält er einen Generalbankdirektor in Schach: die 
Pistole ist gar keine, sondern ein schlichter Zigarettenbehälter; 
mrt emer anderen Pistole wird er selbst von einer Detektivin 
bedroht; er reißt ihr das Morbinstrument einfach wie ein Kinder- 
Melzeug aus der Hand und schickt ihr dann zur Entschädigung 
Rosen; eine Unzahl von Schmugglern will über einen Gebirgs 
paß die Grenze passieren: er nimmt unterhalb eines Felssturzes, 
von dem die Leute sich einzeln abseilen müssen, Mann für Mann 
m Empfang und wirst einen jeden wie ein Paket den Grenzern 
m die offenen Arme. Mit tausend Tricks begegnet er auf tausend 
Sportarten tausend Gefahren. Ein Tausendkünstler, dem nichts 
W lreb ist, als im ersten Akt für einen bedenklichen Hochstablcr 
gehalten zu werden, weil ihm das absichtlich erzeugte Vorurteil 
E dazu dient sich im fünften oder Zehnten Akt desto strahlender 
zu enthüllen Freilich: wenn man ihn sieghaft sich nahen sieht, 
weru man schon im ersten, wer er in Wirklichkeit ist. Kurzum, 
der ^ilm ist spannend und amüsant, und jeder Unverbildete 
wird sich mehr an ihm freuen als an vielen eingebildeten Kunst 
produkten. 
Sechs Mdchsn suchen Nachtquartier. Die Stoffarmur ist in 
der Filmbranche so groß, daß bereits seit Längerem alte Schwänke 
verfilmt werden; obwohl die Stoffe aus der Straße liegen, die aber 
offenbar nicht gezeigt werden darf. Der im Gloria-Palast 
vorgeführte Schwank obigen Titels, den man jetzt ausgeschachrer 
hat, spielt in der Zeit der Duodez-Fürstentümer und gibt sogar 
Gelegenheit zu eimgen republikanischen Empfindungen. Wir er 
leben es, baß Georg Alexander als kleines Fürstchen mit 
einem Schurrbärtchen in einem kleinen Städtchen residiert. Das 
Sämurrbärtchen hätte er sich besser nicht angepappt, denn es raubt 
ihm die dümmliche Eleganz, durch die er sonst wrrkt. Und die sechs 
Mdchen? Sie sind, mit der hübschen Jenny Iugo an der Spitze, 
eine in Berlin verkrachte Tanzgirltruppe, die aus Geldnot nach 
dem Fürstenstädtchen verduftet und sich dort in einem Magdalenen- 
heim installiert. Unter der Maske von Büßerinnen betragen sie sich 
höchst unbußfertig, was die Kleinstädter je nach ihrem Geschlecht 
entzückt oder verdrießt. Kurzum; Verwicklungen in jedem Sinn. 
Bei welcher Gelegenheit einmal zu sagen wäre, daß die in solchen 
Filmen beliebte Satire auf die Kleinstädter bereits in der Vor 
kriegszeit nachhaltig gepflegt worden ist und selber der Provinziali- 
tät nicht entbehrt; denn der Stolz auf Verkchrstürme und Nacht 
lokale ist genau der des Provinzlers. Zum Glück für das Stück hat 
es der begabte Hans Behrendt gchreht. Zwar ist er an vielen 
Stellen zu breit verfahren, hat aber wirklich filmmäßig gearbeitet 
j und reizende Szenen entwickelt, die voller SituaÜonskomik sind. 
Die Pleite in Berlin; der fürstliche Ahnensaal; der Anmarsch der 
Eheweiber; der Bürgermeister vor dem Fürsten — das sind Auf 
tritte, über denen ein echter LustspielgeW waltet. Der Witz der 
Regie modernisiert in ihnen mit der Geschicklichkeit eines guten 
Schneiders den abgetragenen Konfektionshumor. Die Darsteller, 
unter denen noch Adele Sand rock, Ändert Wäscher und 
Ellen Plessow genannt seien, befolgen durchweg ausgezeichnet 
die ihnen erteilten Instruktionen. Wie die Aufführung bewies, ist 
dem Film ein Publikums erfolg sicher. RacL. 
Tra«evfeker für War Scheler. ! 
In dem Ehrenhof der Universität fand -Oson" 
vormittag die Trauerfeier für Pros. Max Scheler statt. Die 
Vertreter -er studentischen Korporationen umstanden mit ihren 
Fahnen die Halle, in deren Mitte der mit Blumen und Kränzen 
geschmückte Sarg aufgekrhrt war. Im Umgang, auf der Treppe 
und den Galerien scharte sich die Zuhörerschaft. 
Der Kurator der Universität, Dr. Kurt Nie zier, feierte in 
würdigen Worten den Toten und sein Werk Er gedachte oer 
seltenen Einheit, die Leben und Erkennen in Scheler gebildet 
hatten, und begriff die Wandlungen des Denkers aus der Fülle 
seines Wesens. Dieses Wesen habe die Tendenz in die Breite 
gehabt, aber sich nie in der Breite verloren, sondern stets das Für 
sich-Seiende, das Absolute erfragt. Es durchzusetzen und zu ver 
wirklichen, sei der Sinn seines Denkens gewesen, 
Pros. Drev ermann, der Rektor der Universität, stellte 
der. studentischen Jugend das den höchsten Zielen geweihte Wir 
ken Schelers als Vorbild hin. 
Als Vertreter der philosophischen Fakultät beklagte Pros. 
Hans Naumann den unersetzlichen Verlust, den die Universität 
durch das Hinschciden Schelers erlitten habe Vor allem an 
deren war sein schöner, warm empfundener Nachruf dem Genius 
des Menschen Scheler gewidm-et. 
. Bei gesenkten Fahnen wurde der Sarg hinaus geleitet Die 
Beisetzung erfolgt in Köln.
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        21 
modernen Baugesinnung sicher sein. , 
—er. 
Trotz diesen Schwächen, die nicht zuletzt ein Ausfluß der gegen 
wärtigen Situation in Rußland sein mögen, ist der Film gleich 
seinen Vorgängern ein gewaltiges Zeugnis für die Substanz des 
russischen Volkes und das lebendige revolutionäre Bewußtsein 
seiner Führer. Er enthält Momente und Ansichten, die unver 
geßlich sind. Einzigartig ist wieder die Kunst, mit der hier ent 
larvt wird. Eine Umwelt, die das selbstverständliche Zubehör 
der voraufgegangenen Generationen bildete — sie ragt übrigens 
in die' heutige noch gehörig hinein —, beichtet in diesen Bildern 
ihr Geheimnis. Es ist, als werde sie zum ersten Male mit wachen 
Augen gesehen. Kerenski schreitet die große Barocktreppe hinan: 
das Treppenhaus bezichtigt sich selbst als eine dem absoluten 
Herrscher Zugeeignete Schöpfung. Sind aber die Fassaden und Ge 
mächer einmal denunziert worden, so kann man naiv in ihnen 
nicht mehr wohnen. Aehnlich verhält es sich mit den Trachten, 
oder doch jedenfalls mit gewissen Eigenheiten des bürgerlichen 
Aufzugs, die durch die Art ihrer Darstellung im Film nahezu 
unmöglich gemacht werden. Der Wunsch steigt auf, es möchte 
Herr Eisenstein mit seiner Kamera einmal nach Westeuropa 
kommen, um dort sein optisches Herbarium Zu erweitern. 
Das Volk spielt mit. Man ^sht Soldaten, Arbeiter, Ma 
trosen, in deren Mienen M Erde und Himmel begegnen. Von 
^Das neue Frankfurt.^ Die von Ernst May und Fritz 
Wichert herausgegebene Zeitschrist: „Das n eu e Fra n kfu rL" 
(Englert L Schlosser, Frankfurt) — sie wird seit einiger Zeit von 
I. Gantner geleitet — ist binnen kurzem zu einem Sammel- 
ort geworden, an dem sich alle Bestrebungen auf dem Gebiet der 
modernen Raumgestaltung gespiegelt finden. Sie dankt den Auf 
schwung der Tatsache, daß sie sich in unmittelbarer Fühlung mit 
dem neuen Bauleben entwickelt, das durch Stadtbaurat May und 
seine Mitarbeiter in Frankfurt eingezogen ist. Der Geist, der in 
den Mayschen Bauten zum Ausdruck gelangt, verleiht auch der 
Zeitschrift sein Gepräge: ein Geist der schmucklosen Sachlichkeit, 
den man schon um seiner Sauberkeit und (auch wirtschaftlichen) 
Aufrichtigkeit willen anerkennen wird, selbst wenn man ihm viel 
leicht nicht immer unbedingte Gefolgschaft leisten mochte. Daß er 
bis zu einem gewissen Grade Gemeingut der europäischen und 
amerikanischen Gegenwart zu werden beginnt, geht aus den Hef 
ten selbst hervor, die in jeder Nummer unter dem Titel: „Um 
die neue Gestaltung" ausländische Bauten der gleichen Gesinnung 
verzeichnen. Wie bei uns, so entstehen auch in Frankreich, der 
Schweiz, Rußland, Holland und Amerika, Architekturen, bei denen 
von einem einheitlichen Stil zu sprechen nicht verwehrt ist. Die 
Hefte — jedes einzelne ist in glücklicher Weise einem Hauptgegen 
stand gewidmet — behandeln im übrigen nicht nur die baulichen 
Erscheinungen, sondern greifen auf sämtliche Nachöarkünste über. 
Bühne, Film, Radio werden berücksichtigt; sehr interessant die 
(in Nummer 3 erfolgte) Zusammenstellung neuer Photographien. 
Auch das Schaffen einzelner Künstler — so Oskar Schlemmers 
und Willi Baumeisters — wird gewürdigt. Eine besonders hübsche 
Idee ist die Einführung kurzer Bilderberichte; Adolf Behne 
besorgt sie aus Berlin. Mit dem soeben erschienenen Heft 5 be 
ginnt eine Reihe von Publikationen über die neueste Bau 
tätigkeit der Stadt Frankfurt. Eingeleitet wird dies 
Folge durch einen Rundfunkvortrag Stadtbaurat Mays über das 
soziale Moment in der neuen Baukunst. Diese und die kommenden 
Veröffentlichungen dürfen der Anteilnahme aller Anhänger der 
erhört. Er wird daraufhin natürlich FremdenlegionLr. Die Legio 
närsszenen sind noc 
scheint wenigstens 
„Blutsbrüderfchaft" darf man freilich nic 
Schwalben spielen eine gewisse svmbolMs Rolle. k L a a. 
s Der FremdenlegionLr. In dem Glo ri.a-Palast läuft 
ein Film: „Wenn die Schwalben heiwwärtszieh'n", 
der das deutsche Dorf und die Wüstensonne ipl einen volkslied 
haften Zusarnmenhang bringt. Dorothea Wieck ist die Lore 
am Brunnen vorm Tore und Gustav Fröhlich ein junger 
Sonnenbursch^ dem die Lore das Herz bricht, weil sie ihn nicht 
Der Gisenstern-Jikm. 
Der Eisenstein-Film „Zehn Tage, die die Welt er- 
schütterLen" ist ein offizielles Revolutionsfestspiel. Man merkt 
es ihm an, daß er von der Sowjetre-gierung in Auftrag gegeben 
worden ist, um die Geschichte jener denkwürdigen Tage in 
Städte und Dörfer zu tragen. Er erteilt genehmigten Geschichts 
unterricht. So waren Kerenski und Kornilow, und so waren wir. 
Hier Zogen die Bürger und dort standen unsere Leute auf Posten. 
Es ist zu sagen, daß es sich die Illustratoren für unser Gefühl 
mit der Geschichte manchmal Zu leicht gemacht haben. Muß Ke- 
renski ein solcher Feigling, sein? Müssen die Junker Löffel stehlen? 
Von uns aus gesehen erscheint die Unterstreichung derartiger Züge 
als eine unnötige Herabsetzung der eigenen Sache. 
ch 
Der Film ist der letzte in dem Zug der großen russischen Revo 
lutionsfilme. Die Kraft, die den „Potemkin", Mutter", „Das 
Ende von St. Petersburg" emporgetrieben hat, ist.in ihm stellen 
weise kaum noch zu spüren. Stammten jene ihrer Komposition und 
ihrem ganzen Gebaren nach aus dem Undefinierten Zentrum revo 
lutionärer Erregung, dem der Verband der Bilder seine ge 
stalthafte Einheit dankte, so entspringen die Einzelheiten dieses 
Films zum Teil dem Begriff. Den pragmatischen Begriffen 
der russischen Geschichtsbehörden vom Gang der Ereignisse. Be 
weis hierfür ist vor allem die SZenenfolge, die nicht eine den imma 
nenten Gesetzen des Filmganzen entsprechende ZeitkonLinuität wahrt, 
sondern sich auf Grund von Rücksichten regelt, die außerhalb des 
Films gelegen sind. Statt daß die Bilder den Text überflüssig 
machten, ist ein Text bebildert. 
ch 
Leider herrscht in einigen Partien die Manier. Was vor 
dem unmittelbarer Ausdruck war, neigt jetzt dazu, fertige Form zu 
werden. So wird aus der Architektur das Letzte an Bedeutung 
herausgeholt und damit ihre symbolische Macht fast schon erstickt. 
Das Zarendenkmal fügt sich bei Beginn der Regierung Kerenskis 
selbsttätig wieder Zusammen. Jeder Zierat am Winterpalais gilt 
als Zeichen des alten Regimes. Eine starre, überdeutliche Emble- 
matik ist ersonnen worden, um die Lugenden und Laster zu ver 
sinnbildlichen. Hinter den schlechten Gewalthabern etwa tauchen 
Adler, Pfauen und NDoleonbüsten auf, und die Mahnung der 
Menschewiken zum inneren Frieden wird durch Harfenbilder ins 
Lächerliche gezogen. Die aus der Revolution hervorgegangene Re 
gierung schmückt den Triumphwagen mit Attributen, schleppt die 
Beute hinter sich her. 
— Ein Rudolf SchiLdkrauL-Film. Der Film: ..Der Land 
arzt" — er ist wohl schon'älteren Datums -^- wird in den 
B i e b e rba u - Li cht s,p i el en gezeigt. Rudolf Schild 
kraut spielt den menschenfreundlichen alten Arzt. Die von ihm ge 
schaffene Gestalt ist ergreifend. Ein Mann, aus dessen Gesicht die 
Freundlichkeit der Seele strahlt; der gleicherweise guten Essen 
wie Zu guten Handlungen neigt; der in einem kurzen Stirnrun 
zeln eine tausendjährige Lebenserfahrung -ausz vermach 
Wirklich ein Mensch; keine schauspielerische Figur. Ueörigens hat 
auch Cecil de Mille einige ausgezeichnete Regie-Einfälle. So ver 
gegenwärtigt er die Folge der Krankenbesuche dadurch, daß er hin 
ter den rotierenden Rädern des Arzt-Cabriolets- verschiedene Pa 
tienten fragmentarisch austauchen läßt. — Der andere Film: „Der 
Bandit" ist als Satire auf die Abenteurerstücke gedacht, ohne 
mit dem nötigen Witz durchgeführt zu sein. Sein Held ist Rod 
l a R o q u e, ein junger Prahlhans, der ein.böses Maul, körper 
liche Fähigkeiten und Kurage besitzt. . R u e a. 
Ihr Sinn geht merklich auf Repräsentation. Man 
hat das Haus errichtet, man bemalt seine Wände. Fest -- das 
Wort in seiner Bedeutung als Feier und in der anderen, d'ie 
Festigkeit meint, gilt für den Film. Er unterläßt es nicht, Fresko 
Gruppen von den Siegern und den Vertretern der erledigten 
Mächte zu stellen. Das noch unterjochte Volk hungert malerisch, 
die durch ein paar Argumente zur Revolution bekehrten asiatischen 
! Regimenter führen einen schönen Waffentanz auf. So komponiert 
nur der Triumphator, den kein Zweifel mehr Plagt. Manche 
Gemälde erinnern fatal andre längst vergangener bürger 
licher Maler: an Uhde, an Naturalisten und Impressionisten. 
Sie sollen im Rahmen des Films wohl Ruhepunkte sein; sie 
sind tatsächlich eine Vergeßlichkeit, die sich aus dem Bedürfnis 
nach Ruhe herzuleiten scheint. 
ch das beste am Film, ein Teil der Bilder 
Algier gesehen zu haben. An den Film: 
cht zurückdenken. Es 
setzt Kabylenkämpfe, Durstgualen mit dem für den Film beson 
ders dankbaren Zauber der Fata morgana, ein Todesurteil, 
Zwangsarbeit und die endlich geglückte Flucht. Nach so vielen 
Abenteuern kriegt der Bursche dann zuletzt seine Lore. Die
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        lr,UMäs^ Unter der Leitung von Henri Barbusse 
beginnt zu erscheinen, eine Pariser Halbmonatsschrift 
internationalen Charakters, zu deren Stab Manne? wie Einstein, 
Gorki, Upton Sinclair, Umrmuno gehören. Bewußt will „Uonäe" 
ein Kampfblatt sein. Die Ziele der Zeitschrift: die Entschleierung 
der in der Gegenwart herrschenden Ideologien und Haupttrieb 
kräfte; die möglichste Annäherung der Kopfarbeiter an die Hand 
arbeiter, zu der die genaue Kenntnis der heutigen Gesellschafts 
schichtung Paletten soll; die Förderung und Sammlung aller Be 
strebungen, die auf eine auch den Massen zugängliche KunstüLung 
gerichtet sind. Da vielseitige Aufklärung als ein wesentliches Mittel 
zur Erreichung dieser Ziele erachtet wird, hat sich „Uonäe" einen 
auZgebreiteten Informationsdienst geschaffen, den namhafte Mit 
arbeiter der verschiedenen Länder versehen. Die erste Nummer, die 
uns jetzt voEegt, hat äußerlich jenen Zeitungscharakter, den wir 
auch manchen unserer Zeitschriften empfehlen könnten. Durch die 
Einfachheit und das beinahe Improvisierte der Aufmachung wendet 
sie sich nicht nur von vornherein an eine breite Leserschaft, sondern 
vermeidet auch die Geschlossenheit, die sich vor den Inhalten doch 
nicht behaupten kann. Barbusse entwickelt in dem Heft seine Auf 
fassung von der kommenden Kunst; Piscator eröffnet mit einem 
Artikel über das politische Theater eine Diskussion, an der sich 
such hervorragende Regisseure anderer Länder beteiligen werden; 
Manuel Ngarte berichtet über die Auseinandersetzung zwischen den 
Vereinigten Staaten und den Ländern des lateinischen Amerika; 
Raum gegönnt ist nicht zuletzt der Belletristik, den Problemen 
des Rundfunks und des Films. Wichtig die groß? Rubrik: 
„Panorama", in der sich Notizen und kritische Müssen über alle 
möglichen Vorgänge finden. Daß, der Bestimmung von „Noncke" 
entsprechend, stets auf die Zusammenhänge zwischen den sozialen 
und geistigen Ereignissen geachtet wird, versteht sich von selbst. 
Der Herr der Nacht. Dieses Kriminalgesellschaftsstück, das 
die Hansa-Lichtspiele Zeigen, ist nach einem Roman von 
Rosenhayn verfilmt. Lüstspielmotive älteren Stils mischen sich in 
ihm mit den Schauern des Mondänen, das in dem „Herrn der 
Nacht" sich därM Klein-Rogge, der so pathetisch 
Ängeredete, ist ein mächtiger Lheaterdirektor, der sich in Vor 
stadtvarietes seine künftigen Stars aufliest und mit Napoleons 
allüren den Revuebetrieb leitet. Sein Gegner: ein Verein zum 
Schutze der GrößstMjugend. In ihm finden sich außer alten 
Possenschachteln ein sympathischer Banrdirektor (B r e n k e n d o r f), 
der aber heimlich eine Revueschönheit aushält; seine jungfräuliche 
Tochter- deren Ahnungslosigkeit Aud Egede Nissen mit viel 
Ahnung spielt; ihr Verlobter, ein gemeiner Erpresser, dem Erich 
Kaissr-Tietz einen Scheitel und das süßliche Lächeln leiht. 
Aus der Aufstellung deZ Personeninventars geht schon zur Ge 
nüge hervor,- daß hie Bankierstochter den Herrn der Nacht 
heiratet. Damit das möglich wird, muß übrigens Theodor Loos 
in all seiner Blondheit als eifersüchtiger Chemiker einen Theater 
brand entfachen. Einige gute Nachtaufnahmen und Ueberblendun- 
gen schmücken den Film. Was ihm nichts schadet. KucL. 
aus der Jacke,, während er gestikuliert - ein höchst bedeutender 
Anblick. Erschütternd und sonderbar auch, daß gerade dieses spiri 
tuelle und hergewehte Gesicht sich im Umkreis der Volksgestalten 
findet, mit denen es sich wundervoll eint. 
ch 
Besonders großartig sind die wenigen Szenen, in denen die 
Improvisation verherrlicht wird. In den Augenblicken der 
entscheidenden Kampfhandlung zeigt sich die Tür Zum Zimmer 
des Exekutivkomitees. Mein ihr unterer Teil tritt ins Bild. 
Ununterbrochen geht der Türflügel auf und Zu, Beinpaare eilen 
heraus und herein. Werden in »den übrigen Teilen des Films ab 
gelebte Raumerscheinungen gekennzeichnet, so ist mit dieser Tür 
auf das Element eines neuen Lebens hingewiesen. Sie ist der 
Bestandteil einer Gesellschaftswelt, in der die Improvisation 
mehr besagt als die Institution. Ihr Bild hält den der Erstarrung 
anhermgesallenen Szenen des Films die Wage. 
* 
Der Film — die scheußlichen Musik-geräusche Weisels beglei 
ten ihn °— wurde von der Frankfurter Ortsgruppe des 
Volks Verbandes für Filmkunst im Gloria 
Palast vorgeführt. Alfons Paquet sprach die schonen ein 
leitenden Worte. Kack. 
Natur und Liebe. 
Dieser von der Kulturabteilung der Ufa hergchellte Wm 
— er wird in den Ufa-Lichtspielen gezeigt — ist eine 
Art von populärer Leitfaden durch die Schöpfungsgeschichte. Bei 
dem Unternehmen haben eins Reihe von Professoren Pate gestan 
den, so daß man wenigstens die Gewißheit haben darf, die Welt 
sei so entstanden, wie sie hier vorgeführt wird. Zwar, bei dem 
Urnebsl wird auch kein Professor zugegen gewesen sein, er sieht 
überhaupt mehr nach einem Filmatelier aus — aber die meisten 
naturwissenschaftlichen Bilder sind doch geeicht und authentisch. 
Von den Einzellern an über die Affen zum Menschen steht man 
eine Reihe von Aufnahmen, die das Leben der Geschöpfe, chre 
Nahrungsbefriedigung und ihre Fortpflanzung vergegenwärtigen. 
Das wird viele interessieren. Häufig wird mit riesigen Ver 
größerungen gearbeitet und auch geschickte Trickbilder sind oft 
herangezogen; lehrreich zum Beispiel die Darstellung der Ent 
wicklung des menschlichen Embryos. Die Titel, die diesen Längs 
schnitt durch das Erdenleben erläutern, sind leider nicht frei von 
Schwulst. Außerdem werden dem großen Publikum Konzessionen 
gemacht, für die es sich bedanken sollte. So muß es prähistorische 
Stzenen über sich ergehen lassen, die entsetzlich gestellt sind, und 
muß am Schluß einen kunstvoll aufgebauten Anstieg halbnackter 
Statisten Zu neuen Menschheitsgipfeln genießen, dessen Anblick 
den Wunsch nach einem sofortigen HSllensturz aufleimen läßt. 
Von solchen und anderen groben Geschmacklosigkeiten abgesehen, 
enthält aber der Film immerhin für die breiteren Schichten man 
ches Instruktive. K.LLL. 
«- Das Spielzeug von Paris. Der Film ist vor über Zwei 
Jähren zum ersten Male gezeigt worden. Es ist.ganz interessant, 
ihm in den Al em an n i a- L i ch t sp ie l e n wieder zu be 
gegnen. Er spielt in der Lebewelt, Niggerjazzbands und glänzende 
Revuedekors sind sein Hintergrund. Damals herrschte in Paris 
noch die Inflation, und ein Kabarett strahlte auf der Rue Pigalle 
zu immer teureren Preisen neben dem andern. Man merkt an dem 
Film: die Kabarett- und Tanzindustrie hat bereits einen leichten 
Hautgout, die Jazzwut beginnt historisch zu werden, der Lebe- 
taumel ergreift nicht mehr wie früher die Massen. Stabilisierung 
auch hier. Die schöne Lily Damita als großer Revuestar hat 
einige gute Momente. K.LcL. 
Casanovas Erbe. Dieser Film mit dem schlecht gewählten 
Titel — die Bieberhau-Lichtspiele führen ihn vor — 
ist ein sehr guter Hochstaplersilm. Sein Held ist, genauer gesagt, 
ein Heiratsschwindler. Harry Hardt spielt ihn doof und schön, 
mit einem symmetrischen Schnurrbärtchen und angestrengt aristo^ 
kratischen Allüren. Das Glück kommt Zu ihm in eine Hafenkneipe, 
wo er als Geiger amtiert. Durch einen handlungsmätzig geschickt 
arrangierten Zufall gewinnt er Geld und einen Paß, mit dessen 
Hilfe er sich fortan als Freiherrn ausgeben kann. Sein nächstes 
Ziel ist das große Hotel. Dort wird er von einer Gräfin, die sich 
als HoLelratte entpuppt, über seine eigentlichen Fähigkeiten auf- 
gcklän. Nacheinander nimmt er dann, ach, durch seine Gestalt für 
sich ein; seine plötzlich zu Reichtum gelangte Wirtin (die von 
Maly Delschaft blond und innig verkörpert wird), eine Zofe 
und eine echt- Gräfin, der er wie der Wirtin alles abnehmen 
möchte. Andröe la FayetLe leiht ihr die reife GesellschsstZ- 
erscheinung. Gerade in dem Augenblick, in dem sie ihren Gästen die 
Verlobung mit dem Schwindle? verkünden will, wird der ver 
haftet. Kum Glück hat sie einen wirklich aristokratischen Freund 
kJohn Lob er), der sie vor dem Skandal bewahrt. Manfred Nss 
bat dieses unterhaltende Sujet, von einigen Längen abgesehen, 
ihnen heben sich die Gesichter dex gestürzten Oberklasse als von 
einer reinen Folie ab. Niemals zuvor sind verschiedene gesell 
schaftliche Zustände durch die bloße Konfrontation der von ihnen 
abhängigen Typen so drastisch veranschaulicht worden. Noch ein 
dritter Typus kommt in diesem Film hinzu: der des intel 
lektuellen Revolutionärs. Antaroff, ein dünner, 
schwarzer, bärtiger Mann, entwirft den Aufmarschplan, führt die 
Truppen zum Sturm aufs Winterpalais. Sein Röllchen fliegt 
sauber, schlagkräftig und hie und da witzig gedreht. DaS klein- j 
bürgerliche Milieu und das des gräflichen Schlosses sind exakt 
getroffen, und die Art, in der sich der Held den verschiedenen 
Umwelten anpaßt, bezeichnet diese nicht minder wie ibn. Auch 
sind die Uebergange gemeistert (ein Blumenstrauß, den der Held 
mehreren Damen anbietet, bindet die betreffenden Szenen (zusam-^ 
men. Schließlich sei der originellen Aufnahmen deZ KabarettädsndZ 
im Hotel gedacht, bei welcher Gelegenheit übrigens ausgezeich 
nete Artisten ihre Künste zeigen. Es wirken noch mit: ein be 
gabter Junge., Kurt Gerron mit einem ausgeschlagenen Auge 
als Hafenwirt und der immer gute Louis Ralph als vertuschte 
Mstenz. RucL
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        RA0L. 
zisten ist und war es verwehrt, eine Frau mit diesem Gesicht M-d 
Gehaben ohne Umschweife als Freudenmädchen zu registrieren. Die 
Fühllosigkeit hat zum mindesten ihre ästhetischen Grenzen, und 
das wirkliche Geschehen ist im Gebilde nicht immer wirklich. Ver^ 
mittlich ist der Film für die russische Dauernd evölkerung herge« 
stell; worden. Bei ihr mag er seine propagandistische Wirkung aus« 
üben,, in unseren Kinosälen ist er nicht mehr als ein krasser 
Einzelfall. 
Bedeutung gewinnt der Film allein durch die Animier- 
kneipe. Die Bilderreihe, in der dieses Milieu vergegenwärtigt 
wird, ist von großer EmdruckskrafL und bezeugt überparteiliche 
Humanität. Ein holzgetäfelter Raum, in dem Kleinbürger ver 
kehren. Es wird getanzt: Rheinländer, Walzer, Franyaise. Die 
alten Tänze steigen aus dem Grab und scheinen von Mario 
netten exerziert Zu werden. Gespenstisch drehen sich und Hüpfen 
die Paare; als kehrten die Modelle älterer Photographien unge- 
rufen ins Dasein zurück. Einzelne Paare gehen die Treppe hinan, 
die aus dem Saal Zu den Zimmern der Mädchen führt. Die 
Musiker selbst sind nicht zu sehen, nur ihre Schatten fahren über 
die Wand. Das Durcheinander der Silhouetten, der Tanzenden und 
der Treppe ist eine unvergeßliche Komposition. 
(Zur Aufführung des Films in den Frankfurter Ale- 
-- Der Kurier des Zaren. Die Ufa.-Lichtspiele haben 
diesen älteren Prunkfilm wieder ausgenommen, in dem Ruffen- 
und Tartarenhesre sich mit echt gestellter Echtheit bekämpfen. 
Iwan Mosjukin durcheilt als Michael Strogoff Sibirien, um 
eine Botschaft des Aaren nach dem belagerten Jrkutsk zu bringen. 
Schrecklich? Schicksale hat ihm Jules Verne unterwegs zugedacht, 
und die Regie, auf den Geschmack der Menge spekulierend, erlabt 
sich daran, die Grausamkeiten — Knutenhiebe, eine Augen 
blendung, einen Zweikampf — so ausführlich wie nur möglich zu 
schildern. Zeuge dieser Szenen zu sein,, ist kein reiner Genuß. 
Nach dem Ruffensieg und den endgültig überwundenen Leiden 
zeigt sich Mosjukin in strahlender Kürassieruniform, und alles 
schwimmt in Butter. Uaea. 
gelbe Paß/j Dieser etÄas weitschweifige Russensilm 
spielt in der Vorkriegszeit. Sein Thema ist: die Leiden darzustellen, 
denen Kleinbauern durch die herrschenden sozialen Verhält 
nisse ausgesetzt waren. Demonstriert wird -an einem jungen 
Bauernpaar, dem nichts erspart bleibt, was das zaristische System 
an BedrückungsmöglichkeiLen enthielt. Dem Mann wird nicht nur 
die Pacht gekündigt, sondern auch die Frau entrissen. Anna Sten 
stellt ste zu sehr als runter ckolorosL dar. Sie kommt als Amme 
zur Gutsherrfchast und wird natürlich von dem gnädigen Herrn 
poussiert. Standhaft erwehrt ste sich seiner, aber kaum ist ste 
entlassen, so fällt ste auf -der Straße bei einer Razzia der 
Polizei in die Hände, wird als Dirne angesehn, erhält den infa- 
mierenden „gelben Paß", und gerät, da sie kein Dach über dem 
Kopf hat, in eine Animierkneipe, in der ste dann bleibt. Der ver 
söhnliche Schluß — ste findet sich wieder zu ihrem Mann Zurück 
— ist ein Anhängsel. 
In dem Film häufen sich die Unglücksschläge zu dicht. Gewiß 
kann sich ein solches Schicksal ereignen, aber nur vertrackte Zu 
fälle bringen es zuwege. Es ist auf alle Fälle ein individuel 
les Schicksal, dem die Beweiskraft mangelt. So kann es sein: 
so muß es nicht sein. Auch als individuelles Schicksal ist es 
übrigens mcht einmal zwingend. Selbst dem verstocktesten Poli- 
Der Mher-etz. 
« Dieser im Gloriapakast gezeigte Wm reicht LN den 
nach Sternheims „Hose" heran. Erich Gch ö n seid e r Hat ihn 
nach dem Lustspiel vgn Hauptmann gedreht, das durch alle Ver- 
änbemWm und.Zutaten hindurch in unverwüstlichem Glanz er, 
strahlt. Welch ein Mut und welch ein Geist auch gehörten dazu, 
in einer Zeit, in der noch der kaiserliche Zerschmetterer herrschte, 
die faktische GewaltenauftEung darzustellen und zu verhöhnen. 
Wie eine Allegorie wütet das Stück heute an: der Dünkel des 
AmtsvoOchexS, dsx Betrug in Gestalt von Mutter Wolfs und das 
Spitzeltum des Forstadjunkten Mothes bilden ein Trio, das sich 
gegen den Spießbürger verbündet, der es nicht anders verdient- 
Die Filmproduzenten kommen sich vielleicht schon tapfer vor, 
wenn sie ein solches Stück heute verfilmen und es noch dazu wagen, 
das MkÄM in «nzweidkutiger Absicht an die Wand z« HSnäen. 
m a nni^ 
Man ist bescheiden geworden, und die Zivilklage hetättgt sich 
gegenwärtig zumeist in der Tradsstisrung des vergangenen Re 
gimes, das erledigt ist. Und auch das nur mit Maß, denn sonst 
hätte sich schon langst ein Wner Mann gefunden, der Heinrich 
Manns Roman: „Der Untertan" verfilmte. Schönfelder hat den 
Film mit unleugbarem Geschick gedreht. Eine Introduktion ist 
ihm oelungen, die mit einem Schlag die gute alte Zeit enthüllt; 
das Mobiliar in der Rentierwohnung erweckt nur eine Sehnsucht: 
die nach unserem Madtrat May; die Typen sind treffsicher ge 
wählt; manche Details isa das erste Auftreten WehrhahnL, von 
dem man zunächst nur die 
den erfahrenen Routinier; 
eudalen Gamaschen sieht), verratest 
ie angehängte Hochzeit nebst der 
Schleusendurchfahrt — für das Manuskript zeichnen W. Haas und 
Ä, Carlsen verantwortlich sind rein silnnnäßig prächtig. Dem» 
gegenüber ist es pon niM allzu großem Belang, daß die Szenen 
Lei Mutter Wolfs etwas schleifen und die Tänzern nicht voll aus- 
gewertet ist. Die Idealfigur aller wilhelminischen Krautjunker 
ist Ra ph Arthur Roberts als Amtsvorsteher. Unübertrefflich, 
wie Monokel und Schmiß zu einander passen, die Augen dumm 
stolz funkeln, der Mund sich verzieht, die Zunge schlenkert und die 
Arwe sich tm rechten WinU bewegen. Lucie Höflich ist eine 
würdige Nachfolgerin der unvergeßlichen Eis« Lehmann. Als ein 
GemiM von Bonhomie und natürlicher Schlauheit gibt sich die 
Hirkdämmerung. 
Der amerikanische Tendenzfilm: „Chikago" nach einem 
bekannten Bühnenstück von Maurice Watkins gedreht — erklärt 
Lern Girlkult und der Sensationspresse den Krieg. Die in "thun 
geübte Gesellschaftskritik zwingt Europäer, die Amerika nur aus 
den Illustrierten und den Filmen kennen, ihre weit hergcholten An 
schauungen zu berichtigen. Sollte die Girldämm drüben be 
ginnen? Sollte eine Front entstehen, die der Epoche des Pseudo- 
Matriarchats ein Ende machen -will? Es wäre nicht mehr als 
richtig, wenn die Reformen in Hollywood ihren Anfang nähmen. 
Eine jener Blondinen, die nach dem berühmten Buch von 
Anita Loos stets bevorzugt sind, ist die Heldin des FilmZ. Auf 
gut Berlinisch: eine Nutte. Während ihr Mann, das arme, gute 
Schaf, für sie schuftet, betrügt sie ihn daheim mit einem Gentleman, 
der ihr, der ewigen Geldforderungen satt, Zuletzt in wenig höf 
licher Weise die Freundschaft kündigt. Sie knallt ihn aus Zorn 
einfach nieder; bums. Obwohl der Wlann die Schuld natürlich 
auf sich nimmt, wird sie rasch als Täterin entlarvt, Triumphgefühl 
besiegt ihre Angst; denn nun ist sie mit einem Schlag „berühmt", 
und ihr Bild prangt in den Zeitungen auf der ersten Seite. Da 
der Rechtsanwalt, ein abgebrühter Gauner, Unsummen verlangt, 
tut der Mann ein Aeußerstes für die Frau: er stiehlt das Geld 
bei dem Rechtsanwalt selbst. (Schade, dieser Einbruch ist eine 
Uebersteig-erung.) Vor den Geschworenen bilden der Anwalt und 
seine Klientin ein Duett, dessen mimische und rhetorische Glanz 
leistungen den Freispruch erwirken. Dem Weibchen liegen die 
Richter zu Füßen. Zum Glück ist der Mann, durch seine Er 
fahrungen gewitzigt, aus einem Schaf endlich zum Mann geworden 
und weist am Schluß der Blondine die Tür. 
Unter der Oberleitung von Cecil de Mille hat Frank Urson 
die Regie geführt. Man möchte glauben, er habe von den Russen 
gelernt; jedenfalls ist er von Eifer für die dreidimensionale Wirk 
lichkeit erfüllt. Er stellt nicht künstlich, sondern schafft scheinbar 
improvisierte Episoden (die Reporter in der Wohnung, die drei 
kauenden Girls im Gerichtssaal); er verwaltet die Kunstmittel 
ökonomisch; er staffelt mit Vehemenz die Effekte. Ein Meisterstück 
der psychologischen Durchdringung ist die SZenenfolge, die einge- 
keitet wird durch den Unterricht, den der Anwalt vor der Verhand 
lung feiner Schutzbefohlenen gibt, und ihren Höhepunkt in dem 
unbezahlbaren Auftritt erreicht, in dem die erteilten Lehren mit 
Erfolg angewandt werden. 
Kein Ruhmeswort ist zu hoch fürPhillys Hader. Es ist, 
als verkörperte sie die platonische Idee des Girltums hienieden. 
Makellos stellt sie das hohle, gemeine Maschinchen dar, das sich 
Wolfnn. Genannt seien noch die hübsche Lesntine La Janas 
und Pauk Henkels als fataler Mothes. Auch die übrigen 
Rollen sind durchweg aus zeichnet besetzt. Usea.
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        nicht LloH in jedem Magazin wiederholt. Ihr Gesicht kann nur 
durch die Ueb erblind ung unzähliger Gesichter gewonnen worden 
sein. Wenn sie Augen macht und die Lippen schürzt, steigen sämt 
liche Revuetanzgruppen aus der Versenkung hervor, machen dutzend 
fach Augen und schürzen die Lippen. Ueber die Schilderung der 
Leere hinaus gelingt ihr auch der Zustand der Angst, in dem sie 
das eigentliche Unwesen der Figur drastisch enthüllt. Victor 
V a rconi, ein hübscher Junge, ist als verliebter und abgekühlter, 
glücklicher und unMMcher Gatte gut am Platz. Ausgezeichnet 
gliedert sich das Mustevexemplar des Rechtsanwalts ein. Den 
Physiognomien der Journalisten, Geschworenen und des Publikums 
sieht man die Maske nicht an. 
Keine Jazzkapelle wirbelt im Stück. Kein Nigger grinst, keine 
Beinpaare schweben durch die Bar. Kein entzückendes Kindchen 
bildet das Glück von Papa und Mama. Kein junger Millionär 
lüftet am Ende sein Inkognito, kein schlichtes Mädchen verlobt sich 
mit ihm. Oder umgekehrt: keine junge MMonärin usw. Ameri 
kanische Wunder geschehen in Hollywood. 
(Zur Aufführung des Films in den Frankfurter Weber 
bau-Lichtspielen.) Daca. 
MAnd Hotel. . .! Diesen in den Ufa-Lichtspielen 
gezeigten Ufafilm hat B^la Balasz verfaßt. Dem Manuskript 
ist anzumerken, daß sein Autor etwas von der Theorie des Films 
versteht, aber eben so sehr versteht er sich freilich auch auf Kompro 
misse. Der Schauplatz ist ein großes Hotel, das ja in der Tat 
durch sein stetes wechselndes Publikum Gelegenheit zu allen mög 
lichen Improvisationen gibt, die dem Film gemäß sind. Wie die 
Figuren schar durcheinandergewirbelt wird, ist mitunter ganz 
hübsch. Ein dünner Handlungsfaden, dem man anmerkt, daß er 
von einem Literaten gesponnen worden ist, zieht sich durchs Ganze. 
Fräulein Anni nämlich, eine hübsche Hotel-Gouvernante, die in 
Wahrheit eine arme Medizinstudentin ist — Mady Christians 
spielt sie als reizendes Persönchen mit brünetten Haaren — hat 
sich arg in einen jungen Professor verliebt, der als Dauergast das 
kleinste Hotelzimmer bewohnt. (Frage: Seit wann wohnen Pro 
fessoren in solchen Hotelsd). Günther Hadank gibt ihn karg, 
blond, bedeutend. Er ist in Gsldsorgen. Anni hilft ihm, ein Dieb 
stahl kommt vor, Polizei besetzt -das Hotel, wahrend gerade ein 
Maskenball.Lobt, und Zum Schluß klärt sich natürlich das gestellte 
Chaos, über dem die Sonne des Verlobungskusses strahlt. Zahl 
reiches Personal ist aufaeboLen, um das Bedürfnis des Publikums 
mich mondänen und zweifelhaften Existenzen zu befriedigen, die es 
in einem derartigen Hotel auf Grund von Romanlektürs vermute:. 
Erna Morenaist eine Gräfin, die mit dem von ihr ausgehalte 
nen Jüngling (Werner Fuetterer) gleich ein ganzes Apparte 
ment inne hat. Als dämonische spanische Anarchistin tut sich 
Dagny Servaes verführerisch auf; Karl Platen verkörperr 
einen alten Elegant, der manches auf dem Kerbholz hat; Otto 
Wallburg ist der Hoteldetektiv, der nichts entdeckt. Eine an 
rüchige Gesellschaft; man kann sich an ihrem Glanz erbauen und 
doch froh sein, daß man nicht so ist. Die Regie hat sich nicht allzu 
sehr um die Echtheit der Hotel-Hintergründe bemüht. Nett ist die 
alte Generalin, die in ihrem Zimmer dem Gesang der Kanarien 
vögel lauscht und infolge ihrer Schwerhörigkeit von dem Treiben 
auf den Korridoren nichts merkt. Ein Spitzwegbildchen. Im 
übrigen steht es in einem großen Hotel wirklich anders aus.
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        Kulissen. Die Regie ist gut. 
kuea. 
-- Die große Nummer. Dieser in den Ufa-Lichtspielen 
gezeigte amerikanische Film ist eine Reprise. Er spielt im Milieu 
der VarietMnstler und hat zur Hauptperson Norma Shearer, 
die gerne die Hauptperson sein möchte, ohne hierfür mehr als ihre 
gutgebaute Person mitzubringen. Erobert sie auch nicht das 
Publikum,, so doch ihren Tanzpartner, der zwar mit ihr nicht auf 
dem Podium tanzen, aber doch durchs Leben gehen will. Man 
sieht im übrigen einige gute Artistentypen im Umkreis, einen 
Impresario in Zigarre und Hut und ab und zu hinter Hie 
Der Wagen kommt ins Sausen. Er jagt in den Abgrund 
hinein, seine Geschwindigkeit ist nicht zu ermessen. Ein einziger 
Schrei bricht los. Jeder muß schreien. Auch wenn er die 
Zähne zusammenbiffe, schriee er jetzt. 
Die primitiven Instinkte treiben den Schrei heraus. Sie, 
die für gewöhnlich von dem festen Gefüge der Dinge erstickt 
werden, sind durch die Verwirrung im Aeußern, durch das 
Ineinander den Fassade und Holzgerüst freigelegt worden. 
Das irrsinnige Tempo erweckt sie vollends, und nun spielen sie 
Aufruhr. Die Fahrenden brüllen vor Angst, zerschmettert zu 
werden, sie schaudern am Rand der Welt, das Bild der Gefahr 
versetzt sie in Schrecken. Ihr Schreien ist elementarisch. 
Es ist etwas anderes noch. Es ist auch der Schrei der 
Seligkeit darüber, ein New Vork zu durchfahren, dessen Bestand 
aufgehoben ist, das nicht mehr zu drohen vermag. Fast scheint 
es, als schrien alle, weil sie sich endlich erlöst wähnen. Ein 
Triumphschrei: wir sind da, wir schweben mitten im Glück, 
wir rasen, weiter und weiter. Das Rasen kann Tod bedeuten; 
es ist zugleich die Erfüllung. 
Der Schrei dauert an. In einem unaufhörlichen Taumel 
wird das Spiel zu Ende gebracht. Die Geheimnisse finstrer 
Tunnels werden blitzschnell ergründet, verwischte Fronten 
brausen vorbei. Eine wilde Kritzelei ist die Welt geworden. Das 
sind nicht Arbeiter, kleine Leute und Angestellte mehr, vor denen 
die Brocken stürzen, die Linien rascheln, die Stücke aufrauschen. 
Es sind Menschen, die im Augenblick sind, die, fliegenden 
Strichen gleich, von einem Pol Zum andern sich dehnen. Vom 
Berg ins Tal, «aus der Höhe in die Tiefe und wieder zur Höhe. 
Ankunft. Fertig. Die Fahrt hat nur ein paar Minuten ge 
dauert und ging quer durch, die Welt. Erschöpft Lebt der Kör 
per nach. Auf dem Areal, das der Kosmos war, türmt sich un 
nahbar New Nork. In einem Pavillon vor den Kulissen sitzt 
ein schattenhafter Mann, der den Betrieb überwacht. Der Mann 
ist müd. Er sieht nicht die Wolkenkratzer, die maurischen 
Kuppeln und das winzige rote Licht, das im Dunkel schimmert. 
Raca. 
Am Lunapark von Halensee erhebt sich zwischen dem 
Wellenbad und der Reitbahn ein gemaltes New Dort. Bunt 
und schwindelhaft fahren die Wolkenkratzerfassaden zum Nacht 
himmel empor. In Wirklichkeit bedecken die Kulissen nur einen 
mäßigen Raum. Sie dienen einem Schienenstrang als Staf 
fage, der sie nach allen Richtungen durchwindet. 
Am Samstag abend, dem Morgen der Arbeiter, der kleinen 
Leute, der Angestellten, drängt sich die -der Stadt entronnene 
Menge vor den Toren der Stadtillusion. Aus ihrem Innern 
tönt fortwährend Gekreisch. Manchmal taucht an einer Stelle, 
an der er am wenigsten zu vermuten wäre, ein Wagen auf 
und verschwindet so plötzlich wie er gekommen. Eigentlich ist 
nicht der Wagen selbst zu sehen, sondern ein fliegender Men 
schenstrich. Sofort nach der Ankunft füllen sich wieder die 
Wagen. Sie sind schmal und lang, jede Sitzreihe reicht genau 
für ein Pärchen. 
— Almenrausch und Edelweiß. Der tn den Alemann ia- 
Lichtspielen gezeigte Film, nach einem bekannten Roman- 
vorwurs gedreht, ist ein oberbayrisches Volksstück mit Schmuggler 
leben und Liebe. Er paßt für den Sommer, in dsm die Städter 
mit der Natur in Beziehung zu treten wünschen. Sie Wi auch 
keineswegs; in Gestalt von Hochgebirge und Seen ergänzt sie das 
Jäger-, Müller- und Bauernmilieu. Ter - fal, der sich in ihm 
huSkennt, ist ein- waschechte HeimatZfigur, und auch KamperS 
stehen die Krachledernen gut zu Gesicht. Dem jungen Walter 
Slezak ist anzumsrken, daß er am Tegernsee gründlich auf 
Aelpler studiert hat. Margarete Kupfer als Bauernweib hat 
nur das Kleid gewechselt: die gemeine Seele ist ihr im Dorf wie, 
im Salon zugedacht. Ksca. 
Die Fahrt beginnt zögernd. Daß sie allmählich an den 
Geschoßfenstern entlang aufwärts führt, ist nicht weiter be 
fremdlich. Auch die Untergrundbahn klimmt aus der Erde, 
und wenn sie schräg nach oben gleitet, können die vielen Steno 
typistinnen in die Büroräume blicken," in denen sie sonst 
schreiben. Hier freilich, und das ist wunderbar, dringt der 
Wagen über jede Hochbahn hinaus, bis zum dreißigsten Stock 
werk vielleicht. Die Arbeiter, die kleinen Leute, die Angestell 
ten, die werktags von der Stadt niedergedrückt werden, 
bezwingen jetzt auf dem Luftweg ein überberlinisches New l 
Fork. Sie sind Sieger, die zauberhaft hingepinselten Paläste' 
liegen zu ihren Füßen. 
Der Wagen ist bei einer maurischen Dachkuppel angelangt. 
Seit wann sind Wolkenkratzer mit Kuppeln bekrönt. Eine 
scharfe Kurve, und die Kuppel ist fort, der Glanz der Paläste 
dahin. Die Fassaden sind nur Fassaden gewesen, simple Ver 
satzstücke, die eine riesige Holzkonstruktion auf ihrer Rückseite 
verdecken. Pfosten, Streben, Balken: der Kern der herrlichen 
Fronten ist ein Gerüst. Soeben noch hatte die Wunderstadt 
geprunkt, und nun enthüllt sich das kahle Skelett. Das also ist 
New Aork -- eine angestrichene Flache und dahinter das 
Nichts? Die kleinen Pärchen sind verzaubert und entzaubert 
zugleich. Nicht so, als ob sie die aufgebauschte Stadtmalerei 
einfach für Humbug hielten, aber sie durchschauen die Illusion, 
und der Sieg über die Fassaden bedeuM ihnen fortan nicht 
allzu viel. Sie weilen an dem Ort, an dem die Dinge sich 
doppelt zeigen, sie halten die Zusammengeschrumpsten Wolken 
kratzer in der hohlen Hand, sie sind frei von der Welt gewor 
den, um deren Pracht sie doch wissen. 
AuS der Vorkriegszeit. In den Ufa-Lichtspielen 
wird, um dringenden Bedürfnissen abzuhelftn, ein Lustspiel: 
„DaS Spreewald Mädchen" vorgefuhrt, in dem ein 
Leutnant und eine Spreewälderin während der Manöver sich 
näherkommen. Der bunte Rock übt seine bekannt- Anziehungs 
kraft auf junge Mädchen aus, das Militär zeigt nur seine heite 
ren Seiten - kurz: die gute alte Zeit entfaltet sich wieder ein 
mal prächtig. Daß inzwischen Krieg war, merkt man dem Film 
nicht an. Immerhin hat er ein Gutes: indem er den Glanz des 
früheren Soldatenlebens heraufbeschwört, läßt er erkennen, wie 
verblichen bereits der Glanz ist. Die Uniformen scheinen aus der 
Rumpelkammer geholt, das ganze Gehaben wirkt archaisch. Es hat 
sich docy etwas geändert bei'uns seit 1914, und Filme wie dieser 
erwecken den Eindruck verstaubter FamilienpoträtS. Nacs. 
-. - D-rine und der Zufall. Dieser Film der Al«mannia - 
Lichtspiele brmgt eine verführerische junge Amerkanerin mit 
drei jungen Herren zusammen, die sie gerne verführten. Aber 
das Verfahren ist recht kompliziert. Denn kaum hat sich die 
! immer lächelnde, immer tanzsüchtige junge Dame mit d«m einen 
^verlobt, so überrascht der sie mit dem zweiten. Der zweite vcr- 
lobt sich mit ihr und nun pfuscht der dritte ins Spiel. Lauter 
Zufälle, die harmlos sind, aber bedenklich erscheinen. Sie mehren 
sich und bringen es schließlich zuwege, daß Dorine doch dem 
ersten Herrn anheimfällt, der sie zu lieben behauptet. Fay 
MarbS glänzt in schönen Toiletten (sonst ist sie ziemlich uncr- 
traglrch), Ernst Verebes ist .vaS man einen .süßen Jungen" 
nennt. Ganz nett Hans Thiemig als Verliebter, der einen 
! schnupfen hat. Leider wird aus dem Zufall im Film ein Prin- 
^^P gemacht. Me Regie erlaubt sich manche Unwahrstheinlich-
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        Belphegor. Das ist ein Monstrekriminalsensationsfilm, der 
im Gloria - Palast vorgeführt wird. Mt einem Aufwand, 
der ans Unheimliche grenzt, werden die Unheimlichkeiten ent 
wickelt. In Frankreich, dem Heimatland von Gaston Leroux und 
Maurice Leblanc, dem Schöpfer Arsens Lupins, ist diese Aus 
geburt romantischer Phantasie und rationalistischer Schläue ent 
standen, Ihr Hauptrequisit ist der alte Schmuck der französischen 
Könige. Diese Glanzstücke des Mittelalters regen zu modernen 
Verbrechen auf, die mit einem Elan ins Werk gesetzt werden, der 
sich gewaschen hat. Der Oberverbrecher, dessen Namen w'jr um 
. Ein Südsee-FUm. In den Ufa . Lichtspielen Wust 
Mm: „Aloma, die Blume der Südsee", der die 
Geschichte emes auf eine Südsee-Jnsel verschlagenen Europäers 
mit dem nötigen sentimentalen Einschlag erzählt. Gilda Grau, 
die Darstellerin der Blume, ist von großem Liebreiz und jener 
unbewußten Sanftmut, die aus dem ungebrochenen Leben mit der 
Natur hervorgchen mag. So belanglos die Handlung ist, so schön 
sind die Aufnahmen der Umwelt. Man sieht einen Sturm, der 
ungeheure Wassermassen über die Klippen spült, Tänze und einen 
Brautzug. Der Insulaner freilich, der Aloma sich schließlich zu 
ergen macht, ist mohr als gestellt. - Ein Lustspiel ist beigegeben. 
Gloria-Palast gez^uner- 
Lraglrche Stuck von Max Mohr, das mit einer Verlogenheit ohne 
gleichen einen Mann aus der menschlichen Gesellschaft zurück zur 
^Aen läßt, hat Paul W e gener 
verfilmt. Wahrscheinlich reizte rhn die Rolle des Rampers, der aus 
der Eiswüste als Tiermensch wieder unter Menschen kommt. Das 
vertierte Aussehen ist Wegener in der Tat geglückt, auch die Aura 
er um sich gezwungen. Aber was hilft die Kunst 
des Darstellers, wenn sie einen solchen Unsinn vermitteln muß? 
Gegen Schluß zu, wenn Ramper von neuem zum Menschsein er 
wacht, treibt denn auch die dumm-gehirnliche Phantastik dem Spiel 
die Kraft aus, und Wegener behilft sich mit rhetorischen Gesten, die 
?NEhr ausdrücken. Er versagt, weil er versagen muß, weil 
nichts da ist, das er ausdrücken könnte. Der begabte Max Reich 
mann hat die Regie geführt. Ein guter Geist hätte ihn vor der 
Verfilmung emes Stücks bewahren sollen, das sich schlechterdings 
nicht regieren läßt. Die Eiswüsten find spürbar Modell, das Schiffs- 
mnere schmeckt nach Theater, der Jahrmarkt ist Klischee. Das kommt 
wenn man sich an Spekulationen heranmacht, die nicht 
lebenskräftig find. Nur hie und da, vor allem bei den Ueberaänaen, 
meldet sich ein Einfall, der aber auch bloß Lücken auswattiert, statt 
eine Filmhandlung zu begründen. Kurt Gerron tritt in der 
von ihm stets gekonnten Rolle eines Zirkusmannes auf, und Mary 
Johnson assistiert ihm in ihrer etwas anämisch-edlen Natur. 
D L o a. 
Aein/roöä Oorrrack Urtsskief. 
brurroW. beö. 9. 
Im MtMpuuLt äissss komLNs stobt am sroÜsr 
Urkmäsr uuck Organisator, äor übsr unbsgrsurto Ooiä- 
mittos verlügt. Dr miübrauebt ssmo Naobt riebt, sou- 
äoru ist oia Drouuä äsr Novsebon. Voriolgtsu gsväbrt 
or Lebutr, Vorirrts kübrt or auk äor riebtigsu ^Vog 
Zurück, ^bor das Olüeb. das or sät. orntot or mebt; 
dsuu or ist anders als dis anderen, or bat olnsn 
Luebob Dis Luüsro MÜgostatt, d's ibn von dem 
Dsbsn jsnsr andoron ausseblisÜt. sobakkt ibm ein 
Dolden, mit dem or ksrtig ^ird. obno os 2U üdsrvdn-- 
den. Üuseblor bat seinen Leiden so großartig v,üs nur 
möglieb ausstakliort Dr iäÜt ibn das bünstliebo Ooid 
orkindon, sst^t ibn in dsn VssitL oinos Dornsobors 
und mobrorsr ^eroriave, maebt ibn rum Dorrn über 
das Dlima und sobonbt ibm niobt raietet eins loobtsr. 
dis an Dsinbsit, Ddolmut und Divdssliods ibres- 
gleioben suobt. ^.dsr dor Dokraiv lautot doob ststs: 
über oinon Vuctcel kommt man niobt binneg. Immer* 
bin gsbt dor Dold aueb aus dissom Asolonkampi. der 
ibm sob^vHror lallt als dor ge^on den Neid und dis 
Oummbsit. ^ovigstons mit Dssignation bsrvor. Das 
MÜou ist von dem romanbalton Domv und der ?ban- 
taLtik dor Dauvtligur. ^.dneobsolnd vdrd naeb 2o11, 
naeb Dairo und in dis tVüsts gellogen. sins Duxus- 
jaebt lis^t immer bsroit u^d Dositrtümor auk Oarin 
stoben LurVorlügung. ^.us dem reiebbaltigsn ?ersonen- 
dostand seien nur sin ontmanntsr ^ogvvter. bin 
genialer ^isseneobaltor, ein treuer Obinoso, om 
Doebstanler, sins Lobauspielonn mit losdisebsn Nei 
gungen und oinigo Ataatsminister omvabnt. Din inter 
nationales Dnssmblo. das dor arms Dsros boborrsobt. 
abkindet oder?um Outen lenkt. Dsidor ist dis Daupt- 
gestalt dsinabs ru einem ^U^sser geraten und übsr- 
baupt LU ssbr ins Dv^abrsobbinliebs gesteigert wor 
den. um (Dauben erwecken ru können, ^.uob ist dis 
Darstellung, der oiob dis Dardigkeit niobt adsvreoben 
iLÜt. rsiobliob mit bentimentalitätsv durebwirkt. Viel 
von einem ^unsebtraum baktst ibr au. Tr. 
Der Orlow. JndenAlemannia-Lichtspielen wird 
der nach der bekannten Operette gedrehte Film vorgeführt. Er ist 
leidlich geschickt für den Werweltsgechmack zurecht gemacht un-d 
bietet ein Ensemble beliebter Darsteller auf: so das Lebepaar Georg 
Alexander und Hans Junkermann; Bruno Kastner 
als den falschen Großfürsten in einem Frack, der echt ist; Iwan 
PeLrowitsch als den echten Großfürsten in falscher Armut, 
aber mit einem Benehmen ausgestattet, das gleich die hohe Her 
kunft verrät. Der eigentliche Glanz kommt von feiner Partnerin, 
der schönen Vidian Gibson, die in einem Wunderwerk von 
Pyjama erscheint. Einige russische Emigrantenfzenen, in denen auf 
besonders Wimme Weise Heimwehgefühle ausgedrückt werden, 
sorgen für hie in solchen Filmen wohl unentbehrliche Senti 
mentalität. ' Daca. 
keinen Preis verraten, wandelt in teuflischer Vermummung um,! 
Leichen werden gestohlen, Geheimtüren, von denen niemand nichts 
weiß, öffnen sich plötzlich — kurz: man vergeht vor gemachter, 
Angst über die blendenden Unwahrscheinlichsten in dieser angeb-' 
lich so prosaischen Zeit. Um die Herkunft des Spuks zu ermitteln, 
bedarf es des Scharfblicks von Marcell Navarre. Nicht umsonst 
heißt er der König der Detektive. Er hat das Herz auf dem 
rechten Fleck und die Seele im Innern — jeder Zoll ein Sherlock 
Holmes, von dem er sich nur dadurch unterscheidet, daß er offenbar 
einmal verheiratet war, wenigstens ist ihm eine Tochter geblieben. 
Aber in Frankreich muh eben ein Derettiv nicht notwendig ein 
Hagestolz sein. Natürlich möchte die Kriminalpolizei immer klü 
ger sein als er, was ihr, ebenso natürlich, niemals gelingt. Die 
Sockte des Cineromans hat an Äussiattungstosten nicht gespart 
und im übrigen sehr gute Nachtaufnahmen geliefert. Als Rahmen 
und Mittel der reportagehaften Zaubereien ist aufgeboten: eine 
Wohnung, die ein ganzes Filmatelier füllt; ein mittelalterliches 
Schloß; der Keller im Schloß; ein anderer Keller unter einer 
Kirche; Flugzeug und Autos; eine alte Chronik; Katharina von 
Medici usw. Eines der schönsten Bilder ist aber unstreitig das 
letzte, das die nach allen den Schreckensereignifsen doppelt zu be 
grüßende Verlobung auf dem Eiffelturm darstellt. Vor dem Eisen 
gerippe erscheinen Braut und Bräutigam, und als ferner Hinter 
grund zeigt sich Paris. K. a c a. 
Alte Filme. In den Astoria-Lichtspielen auf der Kaiserstraße 
wird der schöne Film Max Linder s: „Der Zirkuskönig" ge 
zeigt. Dieser Max Linder, dessen trauriges Ende noch in Er 
innerung sein wird, war ein großer Komiker, ein französischer 
Chaplin, wenn man so will, dem früheren Chaplin auf jeden Fall 
in seinen Intentionen nicht unverwandt (in der Darstellung der 
Trunkenheit vor allem). Mit unerschütterlichem Ernst und ein- 
wan^eier Eleganz jongliert er sich durch die von ihm selbst her- 
aufbesch wo reuen Wechselfälle des Lebens. Manche später in schlechten 
amerikanischen Groteskfilmen verwässerte Motive sind hier an der 
Quelle zu studieren. — Außerdem läuft noch ein «alter Harry 
Piel- Film, der sehr drollig wirkt, weil er zum Teil in einem 
Asien spielt, das offenbar in den Rüdersdorfer Kalkbergen auf 
gebaut worden ist. Harry Piels Abenteuerlust war aber schon da 
mals unbedingt echt. Daca. 
Ein französischer AufkLärungssiLm. Im Capital wird 
der Film „Küsse, die töten" gezeigt, ein französisches Erzeugnis, I 
die Gefahren der Syphilis veranschaulicht und den eindring-' 
lichen Rat erteilt, im Falle einer solchen Krankheit sofort zum 
zu gehen. Die^ Belehrung ist in eine Romanhandlung Mge- 
klerd'eL. Ein junger Mann aus der Bretagne wird zu den Matrosen 
emgezogen und gibt während der zweijährigen Ausbildungszeit 
emmal m Marseille (das in derartigen Angelegenheiten gewöhnlich 
herhstten muß) dem fleischlichen Gelüst nach. In einem Angst- 
Lraurn vergegenwärtigt er sich die Folgen der Ausschweifung: eine 
kranke Frau, das Kind erblich belastet, er selbst dem Wahnsinn 
^Lallend. Da er nach dem Traum den Arzt aufsucht, wird er 
natürlich geheilt und alles schwimmt in Butter. Der Film, der 
lemer schlecht komponiert und mit überflüssigen phantastischen Zu 
raten versehen worden ist, mag in manchen Kreisen des Publi- 
Ms nützliche Dienste tun. Es gibt bessere deutsche Filme dieser 
Art. Er enthält übrigens einige schöne Meerbilder und Landschafts 
ausnahmen. — Als zweiter Ulm wird „Die Blumenfrau^ 
-vom Potsdamer Platz" gezeigt. Dass. 
Ein neuer Conrad VeidL-Film. Der in den Alema nn ia- 
Lichtspielen vorgeführte Film: „Der seltsame Fall 
eines Arztes" ist spannendes« Theater. Er beginnt mit einer 
kleinen Gefangenenrevolte in einem Gefängnis, das kein gewöhn 
liches Gefängnis ist, sondern eine Art von ChLteau d'Jf im 
Mittelmeer. Es beherbergt einen Sträfling, der früher Arzt war 
und wegen schmerzloser Tötung hierher gekommen ist. Conrad 
28^- Veidt. Er spielt gut die Szene, in der er, Sträfling noch, die 
, Rolle des- Arztes übernehmen muß. Die gesunkene Gestalt wächst 
an, das verwilderte Haar wird aus der Stirn gestrichen, die Ge 
lenkigkeit der Finger erprobt. Nachher geht es toll her. Veidt 
flieht, ein Marseiller Freund, ebenfalls Arzt, nimmt ihn auf, der 
Freund erblindet und so übt Veidt unter dessen Namen seine 
Pflichten aus. Es genügt, zu sagen, daß der Freund eine Schwester 
hat. Die Handlung wird nach Algier verlegt und die eigentliche 
Spannung entsteht dann daraus, daß Veidt einem Offizier seines 
einstigen Gefängnisses begegnet. Zum Ueberfluß liebt der Offizier 
noch die Schwester. Eine vertrackte Angelegenheit, die aber zuletzt 
zu allseitiger Zufriedenheit bereinigt wird. Veidt bleibt bis zum 
Schluß auf der Höhe, er hat auch Nuancen, und das Lächeln, mit 
dem er von jeher die Frauen charmierte, kann er immer noch. 
Ein Glück, daß er in dem Film sich einmal ohne jene Pseudo- 
dämonie zeigt, die es ihm früher angetan hatte. Sehr schön ist 
die Gegenspielern Barbara Bedford und ein armer sympathi 
scher Bursche Jan Keith als der blinde Freund. Auch der 
Leutnant Arthur Ed. Carews ist ganz gut angelegt. Dagegen 
darf man sich Mit Fug und Recht über die von der Regie ge- 
! stellten Araber beklagen, so hell die Wüstensonne auch ist, die sie 
l bescheint. - R. a. cA
        <pb n="27" />
        beinbaren, des allgemein Bnt- gestalt, nock läßt 6? srck je 
der Beschickte Bebergangensn äsn adstrakten Denken ein. 
MSNN er äis fss.1s visie ctlk -VlSvktz» äsn pe- 
den Bonkretionsn und dem Abstra^en, wwiscbsn 
spönne. 
Bmpkängsrs darren 
8. LrLeanor. 
der ikm verwandt ist. Mit Benjamin erkält die 
I^k'äosopkie inkaltlicke Bestimmtheit wurück, 
wird der Bkilosopk in äis „erkodens Mitte wwi- 
schen dem Borscher und dem Xünstler" gerückt. 
Mag er auck nickt im „Beicks äer Bebenden" 
weilen, aus äen LpeicKern äes geledten Bebens 
kolt er die dort deponierten Bedeutungen, die des 
Benjamin äark sieb in Lbnlicbem Linns einen 
Oebeimagenten nennen, in äsm Bisrkegaarä sieb 
als den „Oebeimagenien der Obristenbeit" bc 
weiebnete. 
Benjamin selbst nennt sein Verkabren mona- 
äologisob. Ls ist äie Oegenposition rum pbrlo- 
sopbisoben Kxstem, äas sieb in ^llgemeinbegrii- 
ken der Welt versiebern möobte; äis Oegenposi- 
iion Lur abstrakten Verallgemeinerung Qberbaupt. 
Wäbxenä die Abstraktion die Bdänomens mit 
einander verbindet, um sie in einen mebr oder 
minder sifstematisobsn Zusammenbang kormaier 
Bsgrikks wu bringen, bebauKet Benjamin, bierin 
au? die Blatonisebs läeenlebre und die Lobolastik 
sieb beriebend, die diskontinmerliebe Vieibeit — 
niobt so sebr der Bbänomsne als der läsen. 
8ie maniksstieren sieb im trüben Uedium der 
Oesobiebts. Das Trauerspiel etwa kt eins Idee. 
Bntsobeidsnä lür dieses Denken, äaö Lieb 
ibm die Ideen niebt aus der unmittelbaren Büb- 
lungnabme mit äen lebendigen. BrsebsinunE 
ergeben. Der Betraobter, der sieb unmittelbar 
ru den Brsebeinungsn verbält, mag ibre Oestalt 
erkabren oder sie als die Verwirkliekung irgend 
weleber Abstraktionen auktasssn. Oleiedvisl. wie 
er sie wabrnimmt: die ^rt und WUss, in der 
eine Brsebeinung sieb im unmittelbaren Verksbr 
äarbietet, besagt naeb Benjamin am allerwenig 
sten etwas über die Wessnbsiten, dis sie birgt. 
Ibre lebendige Oestalt ist vergänglieb, die von 
ibr abgewogenen BegrMs sinä niobiig. Lurw: 
die Welt weigt dem ibr unmittelbar Zu gewandten 
eins Bigur, die er Zertrümmern muk, um Lu äen 
Wesenbeiten wu gelangen. 
In äer Irauerspielarbeit nimmt Benjamin auk 
exsmplarisebs Weiss die rur Darstellung der 
Idee erkoräeiliebs Zerlegung des Komplexes: 
..Laroektrausrspiel" in bedeutende Blemente vor. 
Lines ist die Allegorie. Benjamin gebt an 
Dand der tzuellen bis wu dem intentionalen Ur 
sprung der Megorie wurüok; also bis wu dem 
Bunkt ibrer Oesebiebte, an dem sieb ibre eobte 
Bedeutung entbüllt Bin seltenes ^.bnungsver- 
mögen bekäbigt ibn dawu, in die ^.knenwelt der 
Wesenbeiten einwuäringen unä aukwukinäen, was 
ibnsn von ^nkang ber wukommt. Leins Interprs» 
tation äer Allegorie ist bewunderungswürdig. 8ie 
belegt wum erstenmal aus den Originalsobrikten, 
wie dis todverlallene I^atur --- Oesobiebts als 
Beiäensgesobiebte der Welt ist dem Barock 
Mtur — unterm Blick des KLslanebolikers wur 
Allegorie wird. Racbäem sämtlicbe Blemente 
mit dem Bxtrem ibrer Bedeutung geladen sinä, 
weist Benjamin die äislektisobe Bewegung 
auk, in die sie in dem Oebüde des Barocktrausr- 
Spiels verwickelt werden. Bolgeriebtig äurebaus, 
dak es sieb kür ibn niemals darum banäeln kann, 
die Wesenbeiten in einem abstrakten Oberbe 
grill wur Deckung gelangen wu lassen, sonäern 
stets nur um ibre äialektisebe 8Mtkese, die 
ibnen die volle Konkretbeit wabrt. Binen sieb 
Bedeutungen jm Zeieben einer Idee, so springen 
sie wie elektrisebs Bunken ineinander über, statt 
sieb in einem Bormalbegriik „aukwubeben". Dia- 
lektiscb setwen sie sieb aueb wieder in der Os- 
, sebiobte auseinander und kaben, jede kür sieb, 
ibre gesonderte blaebgesebiebte. 
Der Dntersebieä wwiseben dem üblieben ab 
sirakten Denken und dem Benjamins wäre also 
der: laugt jenes die konkrete Bulle der Degen 
stände aus, so wüblt sieb dieses in Ztokkäiekiebt 
ein, um äis Dialektik der Wesenbeiten wu ent- 
kalten. Bs Mt sieb auk keinerlei Mgemeinbei- 
ien ein; es verkokt den Dang bestimmter läsen 
äurcb die gescbicbte. Da ikm aber jede läse 
eine Monaäe Ist. sckeim mm in der Darsiol- 
!ung einer jeden die Web sied wu bieten, „Daz 
Lein, das da mit Vor- unä blackgesckickts m sie" 
— ärs Idee — „eingekt, gibt in der eigenen ver 
borgen äie verkürLts und verdunkelte Bigur äer 
übrigen läeenwslt . . 
Der Historiker, 6er Biteratur- und Lunstgs- 
sck'cktler — um von den Bbilosopken wu sckwei- 
gen '— werden in äer Lckrikt über äas Trauer- 
spisl das Ibre finden. Bin ungemeines Wissen 
um äie Bedeutungen unä läsen verbindet sieb 
mit äer profunden L^esenbeit äes Borsckers. äer 
äurob seine pkilosopkiscken Binsickten gerade ru 
äsn unbekannten. adLertigen Quellen getrieben 
werden muß. Line neue Tbeorie äer antiken 
Tragödie wird in äsm Bück gegeben; abgeseben 
von äer Interpretation äer Allegorie werden in 
ibm aus äen Lackgedalten äer Barockswene große 
Wesenbeiten wie äas LckickZal. die Bbr-s, äis 
Molanckolie srscblossen; äer 8inn äer Biguranten 
äes Trauerspiels unä aller ru ibm gekörigen 
Beztände ist geklärt; äas klassiscbe 8ckicksal3- 
ärama unä äis romantisoben Ausläufer sinä ein- 
berogen. gewiß ist nock niemals so scblagend 
erwiesen worden. daß äis Wesenbeiten mit äer 
Oesobiobie anbeben, obns au? ibr ru stammen. 
Man wird naed Benjamin^ Werk äas Barock, 
unä viebt nur äas Barock, mit anäerev Augen 
anseben als voräem. 
Hier, wo. es auk äas Methoäiscbe ankommt, 
ist wichtig vor allem: äas Trauerspielbuck snt- 
bÄt niebt allein äis Bsdsutungsgescbicbts einer 
im LtokkKcben inkarnierten Idee, sonäern auob 
eins Ansckauung von äer Mitlosen Ordnung 
äer läeenwelt. ^enes gleicke Aknungsvermügen, 
äas Benjamin rum DrspruNg kinkübrt, vermitteb 
ibm äas Wissen um äen richtigen Ort äer 
Wesenbeiten, ein Wissen, äas mit Bug unä 
Bsckt tbeologisck beißen dark. Ikm ist äis Welt 
verstellt; so verstellt, wie sie es tbeolo- 
gisober Betraobtung von jeder gewesen ist. Dms 
genau ist aueb äer 6runä, aus äem Benjamin 
äis Dnmittelbarkeit glaubt niobtaebten, äie Bas- 
saäs einreiksn, äis Oestalt Lerstüokeln ru 
müssen. Bs ist in ssinem 8inns sebr konse 
quent, äak er kaum js an äis Oebiläs unä Bbä- 
nomens rur 2sit ibrer Blüts bsrangebt, sie viel 
medr in äer Vergangenbeit auksuobt. Die lsben- 
äigen sinä ibm verworren wie ein 'Braum; im 
Ktaäium äeg TerkaUs Uobten sie sieb. In äen ab 
gestorbenen, äer aktuellen Behebung entrückten 
Werken unä Zuständen keimst er seine Brüten 
ein. Denn, äs äas voräringliode'Beben aus ibnsn 
ausgewogen ist, sinä sie transparent gegen äis 
Oränung äer Wessnbeiten geworden. 
Brakt der Binsiebt in diese Ordnung mücdte 
Benjamin die der tbeologiseben Kontemplation 
wukommende Tat der Bett un g vollbringen. 
8tets ist es seine besondere Angslegenbeit nack- 
wpweisen. daß das Oroße klein, das Bleine groß 
Breilieb, das Beben selbst, das umgetriebsn 
werden soll, wird kaum einkalkulrert. Bs ist ge 
wiß kein Zukall, daß die in der „Bmbabnstraßs" 
der Oegenwart abgswonnenM Interpretationen 
längst niebt die Leblagkrakt der Deutungen 
bauen, die Benjamin dem Material des Baroek- 
trauerspiels entlockt. Das erklärt sieb aus seiner 
Deberweugung von der Oebaltlosigkoit des un 
mittelbar 8eienäen, das ibm verworren dünkt. 
8o adgewanät ist er äer Dnmitteldarkeit, daß er 
sieb niebt einmal mit ibr auseinandersetwt. Br! 
verLeicknet weder äsn Binäruok irgendeiner 
gestalt, nock läßt 6? srck je mit dem kerrscken- 
Vor kurwem sind im Brnst Bowoblt-Verlag 
wwei Werke von Walter Benjamin er- 
sebiensn. Das eine: „D r s p r u n g d e s d su t - 
seben 'Br an er spielt (257 Leiten. Osk. 
FL 8) entbält äis Darbietung unä Deutung der 
Wesensbestände, dis in der Wirkbebkeü des Ka- 
rocktrauerspiels sieb verkörpert baden (es ent- 
bält noeb vieWs mebr). DL5Lnäsre:„Bin- 
babnstraLe" (83 Leiten. Deb ist eme 
Lammlung von ^pborismen, die auk einem wenig 
publiken 8tra5ennetw von den Brsebeinungen des 
gegenwärtigen Bebens ab^weigen oder in sie 
einmünäen. , , 
Ibrer tbewatlseben Versebiedennskt ungeaebtst 
gebären beide Werke als die Aeußerungen eines 
Denkens Zusammen, das kremä ru dem der Zeit 
stebt. 8tammverwandt sind ibm eber talmuäiscbe 
Lebrikten und mittelalterliobe 1'raktate. Denn 
glsieb ibnen ist seine varstellungskorm äis In 
terpretation. Leins ^bsiebten sind tbeolygisober 
^rt. 
ist. Die Wünsebelrute seiner Intuition «oblagt im 
Vereieb des Dnsebeinbaren, des allgemein Bnt- 
werteten, das von der Beschickte Bebergangensn äsn adstrakten Denken ein. Lein eig—entl-i-c-k--e--r 
an und entdeckt gerade bier dis boobstsn Bedeu- 8tokk ist das OeweFSNe; aus den krummern er- 
tungen. Glicht umsonst ergebt er sich in dem wäcbst ibm das Wissen. Bier wird also gar 
Oeälanä des Barocktrausrspiels und belastet die nicht die Bettung der lebendigen Welt in An- 
ATzgoris mit einem Oewiebt, das sie naeb der grikk genommen, vielmebr: der Meditierende 
üblieben Aukkassuvg im Vergleieb mit dem 8vm- reitet Bruclistücks der Wvgangenbeit. bliebt wu 
bei niebt besitwt. Sie rettet in Benjamins Dar- Dnreebt erkält von dev Welt m rbrer Bnmitte - 
Stellung, bsLeiebnend genug, die antiken Dotier, barkeit aus die in ibrem Büeken sreb voll- 
die äureb sis in der keindliebsn Dmwelt des mit- wiebenäe Dialektik der Wesenbeiten, äm an den 
telalterlieben Ohristentums kortleoen können. Da&amp;lt;?6rk^ Werken aukgewiessn werden muß, 
ande. s Motiv seiner Kontemplation ist dis Bm-j den Ansebein des A e s tk e i r s c b e n. Zur 
büllung jener verborgenen Äelisn und Bnoten- vollen Wirkliebkeit dränge BenMmin erst durok, 
Punkt'! äs? 6«Moktsve»-!»uks, «, äsnsn äis L r- MSNN er äis fss.1s visie ctlk -VlSvktz» äsn pe- 
losung gemeint ist oder !m Bild sieb wsigt narrten der DiNge und mren Biguren, LWiScben 
„5a / wenn der Böebste wird vom Bircb-klok den Bonkretionsn und dem Abstra^en, wwiscbsn 
erndtsn ein / 8o werd icb Todten-Bopkk ein Bng- äem 8inn der gestalt und der gestalt selbst ent- 
liscb Antlitw ssM" — dieser 8prucb eines reden 
den Totenkopkes aus: „B.yacintben" von Beben- 
Daß Benjamin die Welt aus ibrem Traum 
wecken will, beweisen einige radikale Aphoris 
men äer „B inb ab n str ak e". Das kleine, mit 
etwas wu verspieltem Witw aukgemaebte Bueb 
— wir baden seinerzeit mebrers Ltücke daraus 
in unserem Beuilleton abgeäruckt — vereinigt 
Bedanken aus den versebisäenZtsn personalen 
unä ökksntlioben Debensgebietsn. Auks Derats- 
wobl seien berausgegMen: kuriose Traumbe- 
riebte; Linäerswensn und etliebe den exsm- 
- plariseben Ltätten der Improvisation (labr- 
märktsn, Häken) gewidmete Nedaillons, deren 
warte Bontur an Blaebrebeks erinnert; Aussagen 
über Diebe, Lunst, Lücber, Bolitik, die mitunter 
i erstaunliobe Bunde äsr Meditation verreiobnen. 
Die BetraebLungtzn sind im übrigen ungleieb- 
wertig. Mben l^otiwen, die vielleiebi noeb der 
Ausarbeitung darren, linden sieb Aeußerungen 
äes bloßen Bsprit, und die vud da —so in dem 
AbsebniLL: „Baiser-panorama", der die deutsche 
Inklation wu cbarakterisieren suebt — sind niebt 
ebne Willkür private Impressionen monumen- 
tabsierk BZ ist, als bade Benjamin mit Absiebt 
die vielen ibm wugängliebsn Aspekts in dem 
Band erökknet, um die diskontinuierlicks Ltruk- 
tur der V/elt aueb von dieser Leite der wu sr- 
bärten. Was die Oesamtbaltung der ^Binbabn- 
straße" betrikkt, so reigt die 8umme der Apbo- 
riZMen bewußt das Bnäe äsr inäiviäuabstiseben, 
naiv-bürgerlioben Bpoebe an. Die im Barock» 
bueb verwanäte Netboäe äer DissoLiiSrung un 
mittelbar erksbrener Binbeiten muß, auk äas 
Beute angewandt, einen wenn niebt revolutio 
nären. so äoeb sprengenden 8iny erlangen. In 
äer Tat ist die Lammlung reieb an Detonationen.! 
Hinter dem Lebuttbauksn kommen Weniger reine 
Wesenbeiten als vielmebr kleine materielle Par 
tikel wum Vorschein, die auk Wesenbeiten wei 
sen (Brwäbnung der Bedeutung des nüchternen 
Zustandes am Norgen, des Wasebens usw.); wie 
sieb übsrbaupt das Bueb durch seinen besonde 
ren Materialismus von der krüderen Ar 
beit unterLcbeidst. Daß an den gewobnlioh un- 
gesebenen Orten abgetragen und aukgeklärt wird, 
entspricht dem ganLM Verfahren Benjamins. 
„Meinungen," so prägt er gleiob im erZtsn Apbo- 
rismus, „sind kür den Biesenapparat des geseb- 
sebaktlieden Bebens, was Oel kür die Masebiuen; 
man stellt sieb niebt vor eine Turbine und über- 
gießt sie mit Masebinenül. Man spritwt ein wenig 
davon in verborgene Mieten und Bugen, die man 
kennen muß." 
stsin ist als Motto über äen leisten Abseknitt äsi Denken, das er bnuLe einseitig und wie 
Trauerspielarbeit gesetwt. der von dem Dmsedlag öftrem imyiör verkörpert, rsi seit dem Andruck 
der Melanckolis in die Welt goties dandelt und äes Idealismus m Vergessenkeä ge^^^^ stellt 
das Bild der Apotkeoss als einen Hinweis auk die es im Bannkreis unserer Bkuosopkw 
Brlosung deutet. Vielleicht ist die eigentbok dem der dewußt äar; dank oer Vereinigung 
keriseke Aksickt Benjamins: jenen Broweß kiei äer glereken Bäkigkelt, die er Bar! Braus üaek- 
und dort wu verfolgen, der kick im Bücken ^äe: ^gt: das „Bsunon aus einer cktomscken I mie 
vt.iM -visodsv Siwmel uvä Sülls «bspielt unc AprsAs ru vsrnsdmsn mit isrisr »näsrsn 
mitunter sicktdar in unsere Traumwelt eindrickt äie rbn die V'esenkeiten sokmecken wüt. bückt 
iimsonst kat er Teile von Proust übersetzt,
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        Liebe u«d Verbrechen. Im Capital IZust ein Dubapester 
Frlnn „D e r s l e b e n t e S ch l e i e r", in dem ein junger Mann 
die Bmut seines Bruder; begehrt, die er ihm ruhig überlassen 
ste ist so fad wie der Bruder. Liebe, die nur so heißt, 
keine sind, und eine kingweilige Regie, die .das 
.N'chts des Stoffes zum Ueberfluß dehnt. Ernst VerebeS spielt 
m der hinterweltlichen Mache den Jüngling mit Krampf und auf. 
gerchenen Augen. — Netter ist schon der Wildwestfilm: „Im 
«chatten des Verbrechens", in dem der Micbe Leld 
auf dem üblichen Mustang sich die Braut errettet. skisen 
Vas N^lok. Roman. ^on .ä. §. 
A. Rttte^Lnson. Deutso^ von Rauas von 
bEppenber^. RerlLn.. Drei UasLeu Urins. 
5S9 SeiLerr. Ssö. S. 
Vor bekannt? ovLärsobo Romansebriktstollor vor- 
suobt Lied" in äiessm Vucb an äsm eroLsn l'boma 
äsr N a o b k r i s e s r o i t. Lsin Lslä ist, sin iuneer 
&amp;gt;lavn. äon man am skosten als sinsn minäsrsn 6NL- 
lisebon Vsttsr äss ..läioten" von Dostomvski an- 
svrsobon äark. Dr bat an äsr Dront rrokämnkt. ksbrt 
unvomvunäst aus äem Xriss Lurüok unä veiü niokt. 
v^as sr ankanssn soll. Der Olaubs. äaÜ er ru einem 
dssonäsren 2^eok ruksesvart sei. bestimmt sein vor- 
AMses ^iobtstun. Ds vollLiebt siob in äsr Dm- 
velt Lasier Lrüäsr äes iuuson Naunes. äersn 
Lobioksals äureb äis allsemeins DrrseunL iener 
DvooLe miteourLst vsräen. Der eins ist ein ven- 
bittorter Äanm äsn seine Drau betrüst. nas sr 
ab?r rum Äück oäer DnLlüek niobt merkt. Der an- 
äere ist ein korrekter Oentleman in sinLuLreiobe-r 
8teIIunm äsr ebenkalls eine krabüräiLe Dirs kükrt 
(man äark nickt allsu korrekt ssin). Der 8elä ist 
dior unä äort äabei. säst niebts unä v^irkt als l'rost. 
Xllmakliek virä sr erweckt. bükt. betet, varküväst 
äem näberen unä vsitersn Lrsis äss Itsied Dottes 
in Uensekenkerrtzn unä keiratet seblisLliek äis (Z^s- 
liodte. — Das Vuek entkalt eins Reibe mit ssLeieb- 
netsr. niokt allru interessanter Gestalten, äis mit 
äsr au« ensäiseksn LesellsckLitLromantzn bekannten 
Vrsito binLssstLt veräen. 8is maeben Konversation 
unä Laben 2eit unä Dust kür ein Innenleben, äas 
ibnen ^.nlaü ru vielen 8kruveln eibt. ^m besten 
ist noob ein moäerner ^Varenbausbesitrer Letrokken. 
äsr am Ranä äes Rauvtmilieus visäerbolt auk- 
tauekt. Osraäe sein Dasein bekräktirrt .äLtz^sebon 
obnebiv vorbanäsne Mütrauen eeesn äie vVaons- 
tumsmoeliebkeiten äieses .-^aebsenäen Reivns . äas 
äenn äoeb im minstiMten Ralls sine blous oekten- 
an^ele^enbeit ist.
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        / l 0 
--- Ein Lil Dagover-Film: „Im Taumel von Paris", 
den die BLeberbau-Lichtspiele vorführen, gibt Lil D a- 
gover Gelegenheit, stch in allen möglichen Stationen eines Le- 
bensmeges M zeigen. Sie hat einen alten Lord zum Mann, der 
nicht will, daß sie zum Theater geht. Sie geht dann doch, scheitert, 
zwingt zuletzt den Triumph, kehrt aber schließlich in der Er» 
wägung, daß sie ihn nicht halten könne, zu ihrem Lord ins schot 
tische Hochland zurück. Eine reichlich verschrobene Angelegenheit, 
aber Lil Dagover ist eine schöne Frau. Bedeutende Gesten, die 
seelischen Kummer ausdrücken sollen, stehen jhr freilich weniger 
als die einfache Damenhastigkeit oder ein heiteres Benehmen ohne 
allzuviele Hintergründe. In einigen Szenen sieht sie wieder be 
zaubernd aus. Dis französische Regie hat in merkwürdiger Be 
fangenheit lauter Bilder gestellt, deren manche wie Reproduktionen 
von Salongemülden oder höheren Photographien anmuten. Freier 
gibt sie sich nur in den Theaterauftritten, die gut aufgebaut sind.. 
Von Paris ist leider kaum etwas zu merken und auch der Taumel 
hätte sich von rechtswegen in rascherem Tempo vollziehen sollen. 
Raoa. 
RrsLor. UüneHen, 6eors UMer. 29S Letten. 
Vrrxld. UMr'am Oarne. k/eöersetsuns 
aus &amp;lt;iem FnMse/ren rnn ^4. Lösn- 
ckm-r» 262 Letten. 
Sir ZLLeLASls ?on L. K. 6. 
ö^oron. r/eöersersuns ans ckem Knsrise^en 
von ^4. v. Lr-rnsen. Löenckort. 22^k Leiten. 
«LSI- Spur &amp;lt;L«S Maurers, 
^on U. -8 sott, kebe^setsnng von Mra 
v. ttottsnctev-^fnn/c^. 26^ Letten. Absnckort« 
&amp;lt;LSmttr'ek &amp;lt;ien Lnmnrinno von Aeors FMers 
Lttnrincrttonränen). Asr-t. ze 2.2S. 
2ur Lerrsokt Vaisss in OetsLtivi'oMkUMQ. 
Dis LLMmluus OsorA NMsr, MLneLs 
nsts DLnäs tziMÄt. ka-t mit. ikreil nsusstsn Vsr- 
MHnMekunKeQ nsnis (Mek. „Das Mtssl 6ss Al 
bert Orvm" Ist Oius v^LntÄ8t,i8oIls DrrLdluno?. In 6sr 
äis 8s-slsnvsrta.usekuuL oins HntseLsläsnäs ÜsIIs 
spislt. Lis Ksdt untsr so uumSÄioiibQ VorLUKsstLun- 
vor LioL, äaü man siek AieLt einmal ms^r Mr 
äio vordreedsrisolisn illtsrsssisrt, um 6sreut- 
-lvillou kis dstrieidsi! v^irä. — „l'rixLo" ist 6er 
mau eines Romans. Diu ftvitÄKer Vvmvurk. lei- 
6er mit ru dMi^em Humor ausM^valrt rvirä. — ^uod 
„8ir Medaels ^deuteuer" dsmüdt sied verMdlied, 
Hoedstauslsisu amüsaurt LU Kestaltsu. Das Dued or- 
Ledt sied in snälossu VorlveedsiuuWsoiolsu, 6is 6er 
kiu6iso Deser sodou vou ^okans au 2u 6urodsedalien 
uu6 adLU^andelu vermag. — .^m desteu ist uoed 6er 
Roman: .,^uk 6er 8nur siss sed^aMn Na^iers", Lü 
6em ^eul^steus ein riedtiLsr Detektiv rmdtiMn 
Nerätaten auk 6er Lvur ist. Den Dntateu uu6 okkul 
ten Led^inäblsieu seines OeMnsnielers seist er sied 
! M^vaedsen ^vis nur is sin Detektiv in Romanen. 
— Die Haupt- und Staatsakten im Schumann-Theater ist 
zur Zeit Sam Wooding mit seinem Neger-Jazz 
Orchester. Ein immer freundlich lächelnder dunkler Herr, 
dessen dünnes Stückchen die Evolutionen der Saxophone, Kla 
rinetten, Trompeten und des Schlagzeugs regiert. Wundervolle 
Klangbilder bringt die Truppe hervor, es rauscht wie aus 
Urwäldern, höhnisches Gelächter gellt in das süße Pianissimo 
hinein, und die im Dunkel schwelgende Sehnsucht wird durch 
lautes Getümmel entzaubert. Aus dem Jazz brechen die Er 
regungen hervor, in den Jazz kehren sie wieder zurück. Nach^ 
seinem Rhythmus bewegen sich drei schvksladefarbene Girls, 
wirbelt ein kleiner Junge wie ein großer Gentleman daher, 
steept ein Meistertänzer mit Monocle in rasenden Kaskaden. 
Es ist ein hartes Los, nur zusehen zu dürfen, denn die Musik 
fährt in die Beine, die um jeden Preis mittanzen möchten. 
Manchmal halten es die Instrumente nicht bei sich selber aus: 
sie platzen vor Lebenslust und bekämpfen einander, oder sie 
ahmen einen Eisenbahnzug nach, oder sie locken die menschliche 
Stimme herbei, und ein Gesang schwingt sich auf, irgendein 
sentimentaler Song, in dem es von Heimat und Liebe wimmelt^ 
Um bei den tänzerischen Darbietungen zu bleiben — es 
ist geradezu unglaublich, mit welcher Sicherheit sich Man- 
ning und Glaß auf dem Drahtseil ergehen. Als sei 
die Schnur ein Parkett, so frei produziert sich vor allem der 
männlich« Partner im Fandango, im Jazz und auf russische 
Art. Er dreht sich und wirst die Beine in die Lust, und hat 
doch unter sich nur die eine schwanke Linie, auf der er stand 
halten muß. Zuletzt entledigt er sich noch des Schirms und 
schwingt einen Lasso, der ihn in immer größerem Abstand um- 
streicht: eine vollkommene Geometrie, gebildet aus der Geraden 
des Drahtseils, dem Riesenkreis des Lassos und der senkrecht 
ten Mittelachse des Mannes selbst. 
Die Chinesentruppe Sing Fang Lu Co. vollbringt 
Spitzenleistungen der Jonglierkunst. Eines ihrer Mit 
glieder läßt bumerangähnliche Hölzer durch den Zuschauer 
raum fliegen, die wie Lufthündchen getreulich zu ihm zurück 
kehren. Andere führen Schwertertänze auf und schleudern ein 
endloses Band, das sich in schönen ornamentalen Linienzügen 
windet. Einen Teller auf der Spitze eines Bambusstabes um- 
zutreiben, ist gewiß keine Kleinigkeit — aber was sagt man 
erst dazu, wenn ein Mann zugleich mit vier Tellern arbeitet 
und dabei, noch überdies seinen Körper in die bedenklichsten 
Lagen bringt. Bon den Verrenkungen eines Schlangenmenschen 
gar nicht zu reden, der sich der Mühe unterzieht, auf «in« ver 
trackte Weise gewissermaßen hinterrücks ein Glas auszutrinken. 
Die Balzer-Sisters leidet es nicht auf dem Erd 
boden. Sie entschweben ständig in die höheren Regionen, in 
die sie ein Metallgerät entführt, an das sie sich allein mit ihren 
Zähnen klammern. Solche Gebisse sollte man haben. Dort oben 
musizieren sie, drehen sich besinnungslos um sich selbst und^ 
flattern, poetische Schmetterlinge, mit Flügelschlag liebenS- - 
würdig umher. 
Läppund Habel, so nennen sich zwei reizende Herren, 
die betont östlich aussehen, aber viel zu gutaäig sind, um 
Antisemiten in Rage zu versetzen. Der ein« ist ein großer 
schwarzer Typ, der andere rötlich und klein. Ihn plagt di« 
Schwatzsucht, nur versteht man nicht, was er eigentlich will, 
weil er zu leise mault. Außerdem ist er feige und schreckt vor 
den Forderungen des Großen zurück, der ihn zur Mithilfe 
braucht. Ohne ihm die Unterstützung,zu verweigern, entwertet 
sie doch der Kleine sofort wieder. Er deckt den Trug der^ 
Zaubereien auf, und auch die Akrobatik, die er betreibt, ist 
höchst verdächtig. Die Darbietungen dieses würdigen Paares 
sind sehr komisch und originell. «so». 
russisch« Spionin und ein Haufen deutscher Infanterie binein» 
gemixt. Das ganze Gebräu schmeckt widrig. Es verkitscht 
den Krieg auf erbärmliche Weife, indem es ihn zur Staffage 
privater Sentimentalitäten mißbraucht. Albert Steinrück 
K Rabbiner ist übrigens durchaus fehl am Platz. Der einzige 
Lichtstrahl aus dem Talmud ist Siegfried Arno, der mit Augen 
und Handen einen jüdischen Trödler mimt. Kaea, 
— Der Krieg als Milieu, Jener zweifelhafte Pola-Negri- 
Film: »Hotel Stadt Lemberg" hat seines Erfolges wegen reich 
lich Nachfolge gezeugt. Wieder taucht ein Wm auf — der im 
Gloria - Palast gezeigte; »Leichte Kavallerie" —, 
der von dem Glanz des Ahnen seinen Teil abbekommen möchte. 
Er eignet sich den östlichen Kriegsschauplatz an und spielt in einem 
aufgedauten Dorf, das, wenn die Erinnerung nicht täuscht, auch 
schon in anderen Filmen ganz oder teilweise hat daran glauben 
müssen» Der Krieg wird zu dem höheren Ruhm der österreichischen 
Armee geführt: ein Angehöriger der Hscharistokratte benimmt sich 
anständig gegen ein RabbinerStöchterchen Mizza la Porta), 
das sich ebenfalls im kritischen Augenblick bewährt, und ein 
Husarenwachtmeister, den Fritz Kamp«rS mit langgezwirSeltem 
Schnurrbart verkörpert, ist daz Muster eines umsichtigen Sol 
l baten- Ferner sind noch Vivian Gib s o n Äs verführerische 
-- Zwei amerikanische Filme. Im Gloriapa! ast sind zwei 
amerikanische Filme von einem bei uns weniger bekannten Typus 
zu sehen. Der eine: „Schlachtenbummler" verfolgt das 
märchenhafte Schicksal zweier amerikanischer Soldaten, die im 
Jahre 1918 aus der Gefangenschaft durchbrennen, sich in ein 
Frachtschiff einschmugßeln und weit hinten im Orient in bedenk 
liche Abenteuer verwickelt werden, die sie natürlich siegreich be 
stehen. Eine phantastische Vagabundengeschichte zur Verherrlichung 
amerikanischer Smartheit. Das Ganze ist nicht ohne Selbstironie 
aufgemacht, die freilich auch nottut. Ausgezeichnet ist der Sergeant 
Louis Wolheims, ein dummer Raubautz, der alle Gegner im 
Handumdrehen erledigt, und im übrigen eine Seele von Mensch. 
Die schöne Mary Astor spielt die Türkin, um deren Besitz das 
westöstliche Ringen geht. — „Diebstah l", der andere Film, ist 
ein Gesellschaftsstück, das mit großer photographischer Delikateste 
ausgenommen ist. Feine Nebelbilder, genaue Interieurs und eine 
sorgfältig abgestimmte Regie. Die Handlung führt in die Seelen- 
nöte der vermögenden Oberklasse ein und zeigt wieder einmal, daß 
Eifersucht Leiden schafft. Corinne Griffith, die Heldin, ist eine 
reizende Frau, deren Spiel zu fesseln vermag. 'Raca.
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        j i H/ / l ) - 
Entschädigung hat die Regie in Einzelheiten vorzügliche Arbeit 
geleistet und Details beigebracht, die man nicht häufig sieht. Da 
ist vor allem eine genaue und peinigende Darstellung der Methode, 
mit der die Polizei, so scheint es, in Amerika Geständnisse zu er 
pressen sucht. Der Angeklagte wird dem überhellen Licht eines 
Scheinwerfers ausgesetzt, und während die Beamten trinken und 
es sich wohl sein lassen, muß er in dem Licht- und Hitzebad 
Tantalusqualen erleiden Auch noch einige andere- Situationen 
sind nicht nur äußerlich photographiert, sondern durch geschickte 
Montage von innen her gestaltet. Dolore^ die Heldin, 
ist zart und hilflos, möchte nur gar zu viel Rührung erpressen. 
Es ist. wie in diesen amerikanischen Filmen immer: das Ganze 
ist für den breitesten Publikumsgeschmack zurechtgemacht, an der 
einen oder anderen Stelle finden sich höchst beachtliche Einfälle. 
R a c 3. 
— Eva in Seide. Diesem rn oen Atemannia-LLcht-i 
spielen vorgeführten Film liegt eine reizende Idee zugrunde,; 
die auf der Leinwand zu viel besserer Wirkung gelangt als in^ 
Ernst Kleins Roman* „Nuttchen", dem sie entlehnt ist. Ein etwas 
herabgekommener Schriftsteller spielt Schicksal: er stapelt ein auf 
der Straße aufgelesenes Mädchen mit Hilfe des Kredits von 
Freunden so lange hoch, bis sie zur Grande Cocotte wird und 
einen richtigen Prinzen heiratet. Zuletzt kehrt sie natürlich zu 
ihrem Freund und Schöpfer zurück, dem sie im Innern stets treu 
geblieben war. Die Phasen des Anstiegs sind nicht ohne gesell- 
schaftskritische Pointen geschildert. Zum Beispiel verschafft ein auf 
Pump erworbener Nerzmantel dem Mädchen gleich das gewisse 
Air, das sie zu einem standesgemäßen Auftreten im Adlon be 
fähigt. Der Regisseur Carl Böse hat die Sache routiniert ge 
dreht und durch die Montage manche glückliche Effekte erzielt. 
Lissi Arn uüft ein sehr liebes Mädchen, das seine Rolle nett und 
ohne jede Übersteigerung anpackt. Ihr Partner Walter Nilla 
bewährt sich wieder einmal als ein sympathischer Junge, der 
melancholische Blicke auszusenden weiß. Margarethe Kupfer, 
die in der letzten Zeit nicht immer auf der Höhe war, glänzt 
als komische Alte; eine gelungene Leistung. Das Stück ist eine 
angenehme Unterhaltung. Raca. 
Die Jacht der sieben Sünden. EZ ist ein Jammer, daß die 
deutsche Filmindustrie in dem Bemühen, allen Ansmüchen zu ge 
nügen, jetzdmitunter einen minderwenigm Stoff, der allenfalls eine 
gute Kolportagehandlung abgäbe, mir großen Ambitionen aufmacht: 
als werde der Stoff dadurch veredelt. Der in den Ufa-Licht 
spielen gezeigte Film:,.DieJachtdersiebenSünden" 
yat eine Fabel, die man nur als blödsinnig bezeichnen kann, oder ist 
es nicht eine Zumutung, anzunehmen daß ein Luxusdawpfer Haupt- 
lüchlich zu dem Zweck in die Welt hinausfährt, um ein Verbrechen 
zu Orgien und Räuereien zu geben. Immerhin, man 
hätte diese unwahrscheinliche Erfindung zur Unterlage eines 
NerßerZ machen können, der unwahrscheinlich sein darf, wenn er 
Tempo wahrt und rein auf die Sensation gestellt ist. Geschehen ist 
dagegen genau das, was nicht möglich war: nämlich dle Ausgestal 
tung des Motivs zu einem Großfilm, der mit realistrschen psyclw- 
Mischen Mitteln arbeitet. Für seine Inszenierung zeichnen die 
Regisseure I. und L. Fleck verantwortlich, die offenbar mit dem 
„Spione"-FLlm von Fritz Lang haben wetteifern wollen. Im Ver 
ein mit dem Architekten Jack Rotmil haben sie Räume und Hinter 
gründe geschaffen, in denen die Neue Sachlichkeit kunstgewerblich 
mißverstanden wird. Pompöse konstruktive Architekturen, die schwer 
ernst und hochgradig phantastisch sind. Das wäre vielleicht die ge 
eignete Umwelt für eine Gesellschastssatire, ist aber gewiß nicht das 
Milieu, in dem sich gerade diese Handlung abspielen sollte. Aehnlich 
aufgebaufcht sind auch die Personen. Brigitte Helm, die in der 
Tat ein bleiches, spukhaftes Wesen hat, muß sich in Punkgewändern 
zu Gesten übersteigern, die eher in den fünften Akt eines Schicksals 
dramas gehören als in die unglaubhafte Luxusjacht. Dabei ist sie sehr 
begabt, und die eigentümliche Ausdruckskraft, die sie besitzt, ließ: sich 
wirklich besser verwenden. Unter den Darstellern nennen wir noch 
Kurt Gerron, Hugo W e r n e r. Ka h l e und Alfred Gerasch, 
ein gut bürgerliches Herz schlägt, das lauter Opfer bringen möchte. 
Daß ihr Spiel überzeugte, wäre zu viel gesagt. Sie ist mit Umstand 
edel, macht auch bei nichtigen Anlässen große bedeutende Augen und 
steht genau dann als stumm-abgehärmte Figur in Großaufnahme 
da, wenn sie reden oder irgend etwas tun sollte. Daran lnagfrerlrch 
auch der Regisseur schuld sein; aber gleichviel: mit der Wirklich 
keit hat ein derartiges Getue wenig zu schaffen. Echter sind ms 
beiden älteren Kleinbürgersfrauen Margarete Kupfer § und Lotte 
Steins, die Zille-Töne hämischen. Ueberhaupt ist das Ensemble 
in diesem sonderbaren Erzeugnis geschickt Zusammengestellt, 
^erikanischer Zirkusfilm. Der im Capital gezeigte 
Ein: „L&amp;gt; ensation im Zirkus" ist reich an Handlung und ! 
hat sogar eine soziale Pointe: er wendet sich nämlich gegen den 
Standesdünkel eines reichen Geschäftsmannes, der seinen Sohn 
der Heirat mit einem Zirkusmädchen wegen verstößt. Im übrigen! 
ist die Fabel ziemlich verworren, sinnlos und undisponiert. Zur I 
&amp;gt; alle drei ausgezeichneten Masken. Gutgeschrieben mag den Film 
allenfalls werden, daß er in einigen Partien eine gewisse Spannung 
i besitzt. Kack. 
Ein neuer Henny PorLen F 
--- Der in den U f a - L ich t s p i e l e n laufende Film: „Z u - 
flucht" ist als Mixtur sehr interessant. Nach einer Idee von 
Walter Supper hat Friedrich Raff ein Manuskript geschrieben, 
demzufolge ein junger Mann, der sich als revolutionär empfin 
dender Mensch von seiner reichen Familie getrennt hat, schließlich 
seine Zuflucht bei armen Kleinbürgern in Berlin N. oder O. findet.; 
Das gibt dem Regisseur Carl Fro elich die Gelegenheit, zwischen 
proletarischen und bourgeoisen Milieus zu wechseln. Er hat sich 
unverkennbar die Aufnahmetechnik der Rüsten zunutze gemacht. 
Perspektivisch ausgezeichnet gelungene Darstellungen von Hinter 
häusern und Arbeitsvorgängen bei den Untergrundbahnöauten 
werden einbezogen; die Typen in den Markthallenständen könnten 
nicht besser gewählt sein; der junge Mann, d'em der schöne Franz 
Leder er die nötige Glut verleiht, muß einen Russenkittel 
tragen und so aussehen, als sei nicht nur der Kittel russisch; 
Straßenvisionen, ein Wartesaal und Bevölkerung sind reichlich 
mitverwandt. Das ist recht und gut: nur haben diese Einzelaspekte 
nicht den inneren Zusammenhang mit der Handlung, den sie in 
Rufsenfilmen besitzen. Dort wird mit dem Photographischen Ausweis 
der Umwelt der Kern der Fabel enthüllt, das Abbild eines Justiz- 
palasteZ etwa verdammt' die ihm geübte Rechtsprechung. In 
dem deutschen Film dagegen sind die Milieus nur mehr oder 
weniger überflüssige Illustrationen, die einen rein äußeren Rahmen 
abgeben und sich ihrem Sinn nach auf die Handlungen selbst 
nicht beziehen. Sie ist kleinbürgerlich durchaus, möchte aber gern 
in höheren Sphären eingreifen. Um diesen Ehrgeiz zu befriedigen, 
spinnt der Jdeenmann Supper sie nicht zu Vem kapp/ end aus, 
das nach ihrer geringen Substanz zu erwarten gewesen wäre, son 
dern läßt sie traurig enden. Vielleicht soll es auch tragisch sein, 
wenn der inzwischen wieder zur Familie zurückgekehrte junge Mann 
genau in dem Augenblick sterben muß, in dem alles glücklich aus 
gehen könnte. In Wahrheit ist die Idee, den Mann, kost- es, was 
es wolle, in den Tod zu schicken, weder traurig noch gar tragisch,; 
sondern einfach dumm, denn nichts spricht in dem ganzen Stuck 
für einen solchen Abschluß. Was im Leben bisweilen geschieht, Ve-; 
darf in der Kunst der genauen Begründung, um als Abbild der - 
Wirklichkeit zu erscheinen. Vermutlich hat Henny Porten den 
Tod des von ihr geliebten Mannes gewünscht. &amp;gt;Dre ist em armes, 
aber um so braveres Mädchen, unter dessen proletarischem Gewand 
--- Liebeskarneval. Dieser von den Dieb erbau - Licht- 
svielen gezeigte Film ist eine Komödie der mrt 
warmen Boni in Hosen und Röcken Recht der -.r ck, 
durch den sie den geliebten Mann von seiner FreunM losrust, 
uni ihn für sich zu gewinnen. Sie verwandelt sich einfach selbsi in 
s l e' Ä c^k»en m D ä ii n ue n n l q i B c e h on e ni R H h o ea l r l r e tn n ,sc g huo e nn f d rö i n ng t eew u ini n ne d nmt in farül « s d h e e r sroe T lnc a h t eFr w ild i m r ie kt iFh sie rree m run«dN H ien e i r g r uf e ün n gr - 
in-kacn ^unendlicher als in , Mädchenkleidern und Backsischgesien, 
auf Frauen nicht verfehlt. Die Regie Augiffto Gen: n a s ar 
beitet geschickt mit bewährten Mitteln. Manche Szenen sind s ) 
lustig. 
Ein neuer Harry Liedtte-Film. Harry Liedtke hat klug 
daran getan, sich in seinem neuen im Capital gezeigten Film 
(„Harry Liedtke als Herzensphotograph") unter die Regie Max 
Reichmanns zu Legeben. Dieser treffliche Regisseur versteht 
sich auf Photographie und Montage, wenn ihm ein halbwegs taug 
licher Stoff zustößt. Hier sind ihm zwei dankbare Motive zur 
Verarbeitung geboten worden: ein Pyotogmphenatelier und das 
ihm vertraute Cabarett- und Artistenmilieu. Den alten, von Gar- 
nson verkörperten Photographen hat er ausgezeichnet zurechtge- 
stutzt und in die Umgebung gestellt. Außerdem ist ibm sehr über 
zeugend die Gestaltung der kleinen Welt gelungen, in der ein aus 
beuterischer Manager und die von ihm bedrückten Mädchen die 
Hauptrollen spielen. Gerade die Mädchen — die Namen ihrer 
Darstellerinnen sind noch unbekannt —- haben, offenbar dank Reich 
manns Einfluß, ein Auftreten, das sich durch seine Echtheit höchst 
vorteilhaft von dem erlogenen der sonst in Filmen bcrumslitzenden 
Dämchen unterscheidet. Eis berührt wohltuend, wenn einmal 
Räume und Zustände die für gewöhnlich nur eine klischeehafte 
Wiedergabe finden, mit offenen Augen angesehen werden. Auch 
die Überblendungen sind nicht das Werk eines Routiniers, son- 
dem verraten eine eigene Anschauung. Angesichts solcher filmi 
scher Vorzüge mag der Fabel die Trivialität nachgesehen werden. 
Liedtke selbst tritt gar nicht so sehr als Star heraus, sondern fügt 
sich dem Ensemble gut ein. . kkaca.
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        Vis sinä äie Mebts äurebsebaut, äis äas Deben 
^äriennss käräern! Dsr Vatsr will beim 
naeb äer Dem^eratur gskragt sein, stellt 
Lrübstüeb 
äis nassen 
sommes-nous st xerr korsgM äs souffrrr^ — 
getreu äsm voran gestellten Notto äebnt sieb äie vom 
Verblieben abgetrennte ^ärienns in ein Viläermesr 
obns Dker binein. Das Deiä ist äis Quelle äer Ge 
siebte, vor äenen sie nur äavonstürrt, um in neue 
ru kabren. Line Llut versebrobener Veltgemäläs, 
äeren beines äis V^elt trikkt, seblägt über äem Nää- 
eben rusammen. Naeb äem Doä äes Vaters reist sie 
einmal riellos in eins Naebbarstaät; sis bann äas 
einsame Daus niebt ertragen, sis mull kort. Dis 
Gaststubs, äsr ^.rbeitsr auk äer Ltraüo, äis Naebt 
im krsmäsn 2immsr — alls niebtigsn Ltationsn äsr 
Vanäsrung srrsgsn gswaltigs V^irbsl, äis ^ngst- 
träums sinä, äis unmsrblleb ru sebten ^ngstträumen 
weräen. In ibrer Not sebreibt sis an äsn geliebten 
^lann einen Lriek, äsr niebt in seine Däväs gelangt, 
sxriebt sie Lätrs, äis niemanä smxkängt. Linsn Dalt 
kinäet sie nur an äsm Daus, ru äsn? sie naeb äen 
Lsbaxaäen äes Vabns bsimbommt wis äas Linä Mr 
Nuttsr. ^ber im Lxsissrimmer äes Dauses sebausn 
rwölk LamUisnbiläsr auk sis berab. 
Lebubs an äsn Oken, Zwingt äis loebtsr, ^bevä kür 
^bsnä Lartsn mit ibm ru sMsn. Dis Lebwsstsr 
bsnutrt ibrs Lranbbsit rur Lnsebtung äes Nääebens, 
äis Lranbbeit, von äsr man niebt wei6, worin 
eigsntliob sie bestebt. Lartsn, Lebubs unä Ueäirinen 
weräen äureb äie Dunst äes Diebtsrs ru lotsn- 
Signalen. Lauter sinrslns Dings, äis sieb an ^.ärienns 
bängen unä sie bebsrrseben. Lis käbrt, ob sis will 
oäer niebt, mit äsm Vtaubtueb über äis Vköbelkläeben, 
ist äem Ammer börig, bann sieb niebt regen rwi- 
seben äen leblosen Danten. In äem magiseben Lrsis 
vernimmt sis äas Daunen äer Dings, äas äis Nen- 
seben ärauilen niebt abnen. Dis Ltimmen ruken aus 
äsm Dolr unä äsm Ltsin wis aus Grüktsn, unä von 
äen verworrenen Veäeutungen geloebt, läüt sie sieb 
immer weiter ru äen Lebatten entgleiten. Lie ist ein 
Oxker von ^.nkang an. Naeb ibrem Lrloseben bonnts 
äas Daus viellsLebt wisäer atmen. 
H 
Dsr aebtunärwanrigjäbrigs Diebtsr ist von norä- 
amsribaniseben Lltsrn in Daris geboren unä bat käst 
seins ganrs äugenä in Lranbrsieb vsrbraebt. Der 
bunkt unä Nation besagen nur wenig, unä alle Ls- 
gsgnungen sinä möglieb. Dior bat sieb äis mit äsm 
Dragsr äuäsn Lakba ereignet, ^.ueb bsi Gresn rer- 
brovbelt unsers Veit, weil sis von einem Ort aus 
srsebeint, äer niebt in ibr liegt. Nur äaü Oresn sis 
äsn loten ausliekert, wäbrsnä Lakka äen loä in sis 
selbst verlegt. Der Vabnsinn, äsr ^ärienns bsim- 
suebt, ist in Lakkas Romanen äie Resebakkenbeit äer 
Vslt. Dsr sins rsillt seine Deuts ins Grab, äsr 
anäsrs bat äis geökkneten Gräber im Linn. Greenr 
Lxraebs gewäbrt — soweit sis aus äsr gut lesbaren, 
wenn aueb in maneben LinMlbeiten anstößigen 
DebersetLung 2U beurteilen ist — äem lönsn äer 
Gespenster kreien Dureblaß. Lis ist lautlos, äamit äis 
Geisterreäs börbar weräs. Lie umkleiäet niebts, son- 
äern weekt äis Gegenstänäe, äie äann auksebauern. 
Lin großer Grikk äes Diebtsrs ist, äaß sr äie 
Danälung in äis äabre vor äem Lrieg verlegt. Gaur 
am Lebluß wirä wäbrenä äes Nationalieiertags ein 
mal äer Ruk: „Doeb Lallieres!" ausgestoßen. Diese 
Lpur von Lsitliebem Inbalt genügt über unä über, um 
sin Gesebeken Lu lokalisieren, äas sieb ausärüeklmb 
bürgerlieb nennt. Lin lotengesang äer alten bürger 
lieben V/elt ist äas Vueb. Lis treibt in äen Vabn- 
sinn, unä äas Naebsxiel muß äie Latastroxbe sein 
In äsm Roman: „^ärisnns Nssurat" von 
äu 1 ien Grssn (Deutseb von Ireny Lakka. Visn, 
L. 6. Lpeiäelsebs Verlagsbuebbanälung. 441 Leiten. 
Geb. 7.50) vollriebt sieb äas Verbängnis an einem 
Zungen Vürgsrsmääebsn in äer kranrösisebsn Rro- 
vin2, ^ärienne wobnt In einem Daus mit äer kränk- 
lieben älteren Lebwsster unä äsm Vater Zusammen, 
äer längst in äen Rubestanä getreten ist. Deiäe, 
Lebwestsr unä Vater, sinä ibrer ^ugenä ksinä: jene 
aus Neiä unä Obnmacbt, äieser aus äsm Lgoismus 
äes Greisenalters bsraus, äas niebt mebr aukgestört 
sein will. 
Oiy Leins Lamllis, äer ä!e minäsrjäbrigs ^ärivnne 
preisgsgsbM ist, riebt sie ins lotsnreieb binab. 
Laum möebts äas Mäebsn sieb rum ersten Nal vom 
Haus adlösvn, so grsiksn Lebwestsr unä Vater naeb 
ibr unä rsrrsn sie wisäsr bsrsin. Dis Lebwsster 
klisbt spätsr unä läßt ^.ärisnns allein mit äsm Greis 
rurüek, äer sie naobts einem ^lxäruek gleieb bs- 
ärobt, weil sie äis beimliebe Lluebt unterstützt bat. 
In ibrem Lntsstrsn stoßt ^.ärisnns äen Häten äis 
lroxps binad. Lr fällt sieb ru loäs. Nun könnte 
sie tret sein, ^.ber ru sebr ist sie sebon an äis 
gssebisäsnsn gsksttst, äis naeb ibr Verlangen. Ibnen 
bükt äas Laus, äis ksrns Lebwsster, äis Ltaät — sin 
ganrer Obor, äsr ^ärisnns umstellt unä ibr Ent 
rinnen vsrbinäsrt. Der VabnsLnn kängt sis auk. 
* 
Das Bueb ist äis Darstellung eines äen loten 
verfallenen Daseins. Lie erweisen äaäureb ibre Naebt 
über äas Nääeben, äaß sis ss von äer verblieben 
Veit absebnürsn, um es in sieb vsrenäen ru lassen, 
^.ärisnnes Dsbsn ist ein sinniger Nonolog. Statt mit 
äen Nenseben ru rsäen, reäst sis sieb äis Uensebsn 
ein unä weg. Genau äort, wo sis eine Durebbruebs- 
stelle gekunäsn ru baden glaubt, ist sis am weitesten 
von ibr entkernt. Denn niemals bat sie äen Nann, 
äen sis liebt, aueb nur gesproeben, sonäern sie liebt 
ibn von weitem, unä äas Vilä, äas sis von ibm in 
sieb trägt, ist ibr mebr als er selbst. Um äes Rbav- 
toms willen vsrrebrt sie sieb, Hueb äie anäeren Ge 
stalten, mit äenen sis umgebt, rsrrinnen ibr: äas 
rum Daus gebörigs Disvstmääebsn, äas erst ganr 
ruletrt ^ärlenne äureb ein Vort ru errsieben ver 
mag; äie Eetexin in äer Villa gegenübsr, sins rwsi- 
kelbakts Rsrson, äis wie ein Lobolä auktauebt, äie 
Verlassene äkkt, ausplünäert unä entsebwinäst, äis 
Lcbwester äes geliebten Nanves, äie jeäe Lnnäbe- 
rung an ibren Lruäsr mit einem Likör bintertreibt, 
äsr äoppslt kurebtbar ist, well ^äriennes Diebe sieb 
ia gar niebt anrunäbern vermag. Dnä äas Ltääteben 
niebt einmal äas leere Rrovinrstääteben wirä von 
äsm Wäeben ermessen, sis äringt niebt über äie 
näebsten Ltraken binaus, unä äis über sie verbreite 
ten Oerüebts rieben an ibr vorbei. 
* 
Asus Lammes tornöes en tout, eommen- le 
2u äsm Rueb von Julien Orssn. 
Von 8. »
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        niekt kinaus §slan§te; daü or die diekterisoks dan2- 
ksit überall durek das ^.neinaizlsrrsiken von ^.sso- 
2iationen 2U erroieksn suekts, dlo den Lskinkalt auk 
Wissens- und LiläunZskomxlsx6 bsLieksn, stLtt 11m 
immittsldor LnseLaMeli ru 1113 edou. 
Lm bokromdoudos, sm ULlwÄU LukroiMudos Dr- 
xodnis, dos sieli oder um so ^ou1§or Lmr^oikoln läüt, 
als os uoeL dureL dlo krükimZ dor ^omousdä^oleli- 
mmZM I'ontLnss, dor von llim vor^andtou Raum- 
LUZsotmItts, somor XoQ2oxtl0N6u und soluor Zdiok- 
kousrolloxiouou orLärtol "wird. Ls orkälirt ssiuo lolrts 
VortiokuuF duroli dio VussoZon, 2u denen lau suk 
6rund soinsr Lnalvilsolion Notliods §6lnn§t. 8io §0- 
stnttot iiim nämlied, sino LInssikLation dos sxiselion 
LodrikttumL vorTunolrmsn, dio siek nuk Lontrollior- 
dnro stilistisolio Merkmals stützt. Mit ikror LüUo 
untorZekeidot er, von einem sioksron 1Vort§okü1ü §s- 
loitot, 2v/isokon dor ?ro8adiektun§ und dor ^unst- 
er^älilunA — 2woi O-attunZen, denen er als dritte 
noek das Merk des Lokriktstellers im en§eren Linus 
uedeuordust. Lr kommt 2u dem LolüuL, daÜ Von- 
tans oiu LunstorrMlor sei, dor kei der dostaltun§ 
des LanrllunZsraumes als Leliriitstsller verkable. 
Dis Vodeutun§ dor Vier ein§6sebla§oneu Netliods 
dsstebt darin, daü sie entzaubert. Lis kokt dis 
IVerko aus dem Dunstkreis Korans, der siek um sis 
LU2usot2SN Mo§t, und deokt ikrs kaktisokon 8iil- 
^.ls ersten Vanä einer von Lkm korau8§e§okonsn 
Itoike: ,,DMseks DostaltunZ" vorolkontliekt Max 
7 an sms Lokrikt: ,du am dsekakts- und 0 r ts- 
darstellunZ Lkeoäor Dentanos" (Lekul- 
roseks Lokkuokdrueksroi und VerlagskuekkandlunZ 
Hudolk 8ekwart2, O1denkur§ i. 0. IV, 121 Leiten» 
(Vek. 3.50), die über äsn Rakmen einer London» 
untersuokunZ kinausreiokt. 81s will eins Mstkods 
dsr Iätoraturkstraoktun§ einkükren, die mokr als die 
kiskeri§sn siek um den ^ukweiZ und die §enaus Do 
urteilunZ der Oestslt von episoken Werken ksmükt. 
^LU Zskt niekt von der Interpretation der Werk-- 
Sekalts aus, sondern kokt, unter vorläukiZsr Vor» 
QLok1äLsi§un§ dsr Intentionen, Ksi der Ltilanal^ss 
an. Mit ^ksiekt Kat or als Deispisl das Wedc Von» 
tanss §ewaklt, dsr als einer der Kedeutendsten Vro- 
sadisktsr des nsunLekuten dakrkunderts §111. derads 
einem so anerkannten Dioktsr §6§snüker muü siek 
die Vruoktkarksit dsr Mstkods erweisen. 
Mit äsn Mtteln der VkänomsnoloZie arbeitet 
das Vorkakren Vontano8 bei der Dandsekatts^ und 
OrtsdarstellunZ Korans. ^n Land s^stematisok aus- 
Aswsrteter Litate kann er unwiderlsgliok reiZenk 
dak Vontans „kein ursi&amp;gt;rnn§1ie,kes und unmittel 
bares Vorkältnis 2ur Dandsokakt bssaÜ und sie da 
rum auek niokt ant Kssondero, oinmali§o Weise M 
Usstalton vermoekts; daü or ebenso del seinen 
OrtsbosokroibunAen über konventionelle. ^nZabsn 
§oset2s auk. Damit aber bringt Äs Migloiok dis 
„xrosaiseks" Mrkliokkeit dsr Werks au den Lag, 
jeno Wirkliekksit, von deren Dcktkoit rum üksrwie- 
§snden loil die des Dekalts akkän§t. Durek ikrs 
Vemükuv§ um sis stimmt dis Netkods ^aus mit 
allen Destrskun§Sn üksrsiu, dis siek, vis dis Ds^eko- 
anal^ss etwa, dis Dntm^tkoloZisisrunZ dsr Welt 
an§e1e§en sein lassen. Lis ist iusoksrn §ülti§or als 
dis Konto violkaek üklieke L6traektuu§8wei86, dis so- 
kort auk dis Wesenstotalität der Werks losriskt, 
okus ikrs Lxraok- und VedoutunZsoloments §esiektot 
Lu kaksn. I'au §odenkt seine erste DutersuekunF 
durek eins Zweite 2u er§an2en. Dr wird in ikr viol- 
leiekt noek deutlieker als jskrt das Vild, das ein 
Werk im allZemeinen VowuLtsein kinterläkt, mit 
dem realen Drund des Werks kenkrontisreu müssen 
und 2u erklären kaksn, warum in dsr He§sl dis 
DrseksinunZ des Werks so sekr akwoiekt von seiner 
oiZentlieken Nealität. 
Im Ükri§en ist dis Lokrikt auek von §roAom xrak- 
tisekon Klut26n tür dis Autoren, ssien sis nun Lekrikt- 
stsller, Lun8ter2äk1br oder §ar Diekter. Lis lornen 
aus dieser Arbeit ikr Dandw6rk826U§ kennen und 
worden 2ur VerantwortunZ er20§en. Ds §ikt manoken 
kookanAesekenen ^utor, don die ^.nalvson laus 
§rü^dliek kssekamen sollten. 
8. Lraoauor.
        <pb n="33" />
        Im (Luxushotel. 
Raoa. 
sitätsprofessoren in unserem Luxushotel nicht anzutreffen find. 
Sein einziger Professor ist der für Tennis. Am persönlichsten zu 
geschnitten find die Physiognomien einiger älterer Herren. Im 
Gefolge des einen von ihnen befinden sich mehrere unsichtbare 
Sekretäre, die immer um ihn sind, wenn er sie auch nicht mit 
gebracht hat. Ein anderes Gesicht wirkt wie ein Privatkonto mit 
ledergepolsterten Türen und wieder ein anderes erinnert an eine 
Kaffeeplantage in Holländisch-Jndien. Der Ausdruck wird ge 
dämpft durch die Gegenwart der Familien, die nirgends so ein 
trächtig auftreten wie in der Öffentlichkeit des Hotels. Sie sind 
sorgfältig komponierte Schaufensterauslagen, deren größere oder 
geringere Pracht den Reichtum des Besitzers verrat. Ihr Haupt 
schmuckstück ist die Dame. Unter den jungen Leuten überwiegen 
die SportgeE, die Schultern wie Querbalken haben, an denen sie 
selbst lose herabhängen. Die Mädchen bilden kleine Banden wie 
in den ersten Bänden von Proust und lachen den ganzen Tag 
unbeschwert Zwischen ihren Tennispartien und den anderen Par 
tien, die für sie angebahnt werden. Bonnen in weißen Hauben 
beschirmen die Kleinen, die später auch einmal lachen können. Für 
die größeren Kinder ist ein eigener Tennisplatz angelegt, auf dem 
sie sich standesgemäß üben. Kein Laut der Welt dristgt herein. 
Daß sich unser Hotel in den Alpen befindet, lohnt nicht der 
Erwähnung; es könnte ebenso gut in der Ebene liegen, am Meer. 
Streng genommen liegt es überhaupt nicht in einer Landschaft, 
sondern ist das Panorama, auf das die Landschaft sich ausrichtet, 
um defsentwillen sie als Landschaft erst Beachtung verdient. Pa 
noramen sind Blickpunkte, sie genügen sich selbst. Da der Gesell 
schaft die Natur, die allen gehört, zu wenig luxuriös ist, gestattet 
sich das Hotel den Luxus einer eigenen, die gesellschaftsfähig ist. 
Sie zeichnet sich vor der landesüblichen dadurch aus, daß sie aus 
Tennis- und Golfplätzen besteht — eine Natur für Klubmitglieder, 
von früh bis spät fliegen die Bälle. Die Sonne kommt bestenfalls 
Wettspielen zustatten. Das Alpenglühen «oird dm Hotelgästen 
Unser Luxushotel vereinigt eine internationale Gesellschaft: 
Hochfinanz, Aristokratie, Großindustrielle, Arrivierte aus freien 
Berufen und Erben. Ist je ein Krieg gewesen? Man merkt es 
hier kaum. Unter dem Schutz des Kellogg-Paktes geben sich Bevor 
zugte der verschiedenen Nationen dem Genuß eines Friedens hin, 
der um so tiefer ist, als sie für ihren Teil auch das soziale Problem 
bereits gelöst haben. Vor lästiger Neugier sind sie durch den drei 
fachen Riesenwall der Pensionspreise besser behütet als durch An 
schläge, die Unbefugten den Zutritt verwehren- Sie wollen nicht 
gesehen werdendste wollen sich gegenseitig zeigen, ohne sich zu ge 
wahren. Kein Laut der Welt dringt in ihre Enklave: es sei denn 
ein Hochstapler, der aber nicht laut ist, oder das Kursblatt, das 
wahrend der Saison die Ruhe nicht ernstlich zu stören vermag. 
ersten und zweiten Ranges überlassen. Bei Regenwetter fliegen 
die Bälle im Innern des Hauses. Ob Saalwand, ob Bergwand: 
die Umgebung umgibt nur die Sports. 
Mit der Eisenbahnstation hat unser Luxushotel nichts Zu tun. 
Seine Gäste kommen überhaupt nicht an oder reisen gar umständ 
lich ab, sondern sind einfach da, ohne eingetroffen zu sein, und 
verflüchtigen sich ebenso unbemerkt. Ein Vakuum klafft zwischen 
ihrem Aufenthalt im Hotel und dem an anderen Orten. Vor 
dem Psrück wartet ein Automobil, aber es ist ungewiß, ob es 
nur eine Spazierfahrt unternimmt oder mit seinen Insassen für 
immer entrollt- Freilich auch dann fahren sie spazieren. Der 
Chauffeur trägt eine weißblaue Livree. 
In mittleren Filmen wird mit Vorliebe ein höheres Gesell 
schaftsleben dargeboten, das in den kleinen Leuten Sehnsucht er 
weckt. Auf der Leinwand Wesen Herren und Damen, die der 
Filmregisseur mit einem schlechterdings unirdischen Glanz um- 
woben hat. Sie gleichen den Lilien auf dem Felde: statt der 
Sorgen haben sie Jachten. Ein Paradies, das nicht wirklich sein 
kann, das offenbar nur zu dem Zweck gestellt ist, damit das 
Publikum sich für eins Stunde über den Alltag erhebt. 
Das Märchen ist wahr, und so wenig wie die Sonnenunter 
gänge auf Oeldrucken sind seine Figuren erdichtet. In den Luxus 
hotels lustwandeln sie höchst dreidimensional. Die Frage ist nur, 
ob sie zu flüchtigem Dasein aus der Leinwand getreten oder jene 
Films nach ihrem Vorbild geschaffen sind. Fast scheint es, als 
lebten sie allein von Gnaden eines imaginären Regisseurs. 
Der Müßiggang ist im Luxushotel eine Modenschau. Jede 
Sportart erfordert ihre eigenen Kombinationen, und der Pullover 
wie die blaue Golfjacke erlangen die Bedeutung von Charakter 
zügen; jedenfalls ziehen sie stärker als ein Charakter, der schlecht 
angezogen ist. Es gibt mehr geheime Zusammenhänge zwischen 
Krawatten und Socken, als die Mittelschulweisheit sich träumen 
läßt. Abends prangen die Gesellschaftstoiletten, aber keineswegs 
jeden Abend die gleichen; obwohl die in ihnen geführte Konver 
sation sich in der Regel gleich bleibt. Nicht nur durch die Not 
wendigkeit des fortgesetzten Kleiderwechscls ist der Tag so aus 
gefüllt wie der eines Angestellten. Den Matchs und Konkurrenzen 
sich fernzuhalten verstieße wider — die Unsitten; der Dbä äansant 
gehört zu den Nachmittagspflichten; die Bälle und Kostümfeste 
wollen mitgemacht sein. Mittelpunkt ist die Halle, ein weitläufiger 
Gesellschaftsöahnhof, aus dem man nach einem peinlich geregelten 
Fahrplan zu den Sportplätzen, dem Speisesaal und der Bar ent 
schwindet- Die ununterbrochene Kette von Tätigkeiten verleiht dem 
Nichtstun das gute Gewissen, mit dem freilich nichts weiter getan ist. 
ch 
Das Haarsieb mondäner Geselligkeit läßt individuelle Eigen 
heiten nur spärlich durch; um ganz davon abzusehen, daß Univer 
In äsr Lammlung „BbilosoMs unä deistes- 
wi-ssensobattsn" bat Lrisb Rotbaeker als rrwsi- 
ten Land äsr „Xeuäruoke" (Lalle. Max Memevei. 
XVII, LZ Leiten. Hsd. 2.50) Rankes bisber 
sebwer LugängUobs Zebritt „Das Bolitisobe 
Lesnräeb" von 1836 unä sins Reibe von Hueb 
Isnstellen aus seinen Lodritten nur Lrläuterung sei 
ner erksnntnistbeorstisebsn 6-eäanken berausgegebsn. 
Xls Band 25 unä 26 äer ..Hassiker äes Alter 
tums", äis unter Leitung Banns Lloerkes im Bro- 
vvläen-Verlag (Berlin) ersebeinsn. sinä Zeusens 
b ilo s o nb is eb e 8eb ritten" berausge- 
kommon (XXXIX, 465 unä XIX, 528 Zeiten. Heb. 
10). Die stattlisben Bände sntbalten eine Reibe 
von Xbbandlungen unä äis Vriets an Dueilius. 
Dbassilv von 8ebetter bat auk Orund äer 
DebsrsetLung von August Baubv unä X. Laakb äis 
Xus gäbe besorgt. 
ch 
Dis von Max Lrisebeisen-Xöbler begründeten 
..äabrb ueber der Bbilosovbie" (Berlin. 
L. 8. Mittler u. 8obn) treten naeb 2wölti übriger 
Lnterbreebung — vor äsm Xrieg konnten nur rrwei 
Bände veröttentUebt werden — in diesem labre 
mit einem dritten Bande dervor ( VI. 362 Zeiten, 
geb. 15). Lr wird von IViUv Moog in Ver 
bindung mit rablreieben Laedgenosssn bsrausge- 
gebsn. Von den trüberen Bänden untersebeidst er 
sieb darin, daü er niebt einem bestimmten Launt- 
tbema gewidmet ist, sondern einen abgeseblossenkm 
OesamtüberbliiL über den gegenwärtigen Ztand 
der vbüosovbiseben Lorsebung auk den versebieds- 
nen Gebieten sieb 2u geben bemübt. Unter äsn 
Xutoren dieses Bandes seien Lrnst Oassirer, 
Dbsoäor 2iebsn. Xltred Viorkandt und Lmil! 
Dtits genannt. Man wird sur Intormation um so 
lieber 2u dem dabrbueb greiken. als ibm eine aus- 
tübrliebs Zusammenstellung der ieweils besvroebe-- 
nen Literatur beigegeben ist. Mob seinem Vor 
bild sollen aueb äis tolgenden Bände aukgebaut 
weräen.
        <pb n="34" />
        VL- k^K ^ol 
Jenen im Sepicmßer. 
OLraALElx, im September. 
LLsr äs Olsss. 
An schömn Tagen fahren Hunderte mit der Zahnradbahn nach 
MontenverZ, um das Rer äs Olaes zu betätscheln. Der breite 
Metscherfluß gleicht an der Besichttgungsstelle in der Tat einem 
alten ausgedienten Raubtier im Zoologischen Garten. Sie nähern 
sich ihm mit Halbschuhen und GeLirgsstöcken, ohne es reizen zu 
Wunen. Auf den Stöcken ist „Chamonix^ eingebrannt. Berufs 
Photographen, die am Eingang des Gletschers zu Diensten stehen, 
verwenden ihn als Hintergrund für Gruppenaufnahmen wie 
irgendeine gemalte Folie im Atelier. Sein Rücken hat den matten 
Glanz eines Parkettfußbodens, der durch die häufige Benutzung 
stark abgescheuert ist. Dr ein Teppich fehlt, wird er fast stets nur 
mit Führern betreten. Nettere Damen stoßen kleine Schreie aus 
und Kinder legen hier den ersten glitschigen Grund für spätere 
Erinnerungen. Nach ein paar Schritten macht das Publikum Halt, 
Lallt sich inmitten der gezähmten Eiswelt zu einem Knäuel und 
blickt zu den Höhen empor, in denen der Gletscher noch frei 
strömen darf. Ein Wunder nur, daß es ihn nicht füttert. Sanft 
mütig liegt er da, an jenen anderen erinnernd, den Lartarin für 
ein künstliches GebWe aus Papiermache hielt. 
Montblanc. 
Unten im Hotelgarten blühen Dahlien und Begonien, oben- 
starrt unentwegt das weiße Montölancrnassiv. Das ganze Tal 
liegt ihm zu Füßen und weiß warum. Seine Schneegipfel sind 
umworben wie kaum eine schöne Frau, die sich in blendenden 
Toiletten zeigt. Jedes Wölkchen möchte man ihnen von der Stirn 
wischen. Man blickt auf sie in allen Lebenslagen, ruck selbst wer 
einmal nicht blicken wollte, könnte sich ihnen nicht entziehen, denn 
sie scheinen in die Zimmer herein. Mit Hilfe von Schwebebahnen 
erreicht man Höhepunkte, die auch solche des Daseins sind, da sie 
eine noch bessere Aussicht gewähren. Die rotbraunen Wägelchen 
der neuen b'unLeulairs auf den Planpraz sind übrigens nette 
Dinger: sie brummen wie Schmeißfliegen aus ihrer schrägen Halle? 
heraus und nehmen, je höher sie entschweben, immer wehr das 
Aussehen von GlücksWerchen an, die Wer die Wälder kmbbeln. 
Es gibt drei Arten, um aus den Montblanc selbst zu gelangen. 
Besonders verdienstlich ist die seiner Besteigung. Sie wird von 
Touristen mit ernsten Gesichtern ausgeführt, deren Eispickel 
vor Pflichtbewußtsein heimlich strahlen; heimlich, weil sie zu neu 
erschienen, wenn sie noch blank wären. Eispickel dürfen nicht 
unmittelbar aus dem Geschäft kommen, wenn sie mit Anskrnd 
gebraucht werken sollen. Geringere Mühe als die zweitägige per 
sönliche Besteigung macht ersichtlich der Flug Wer den Montblanc, 
der gewiß in noch nicht einer Stunde vonstatten geht. Eine 
Kleinigkeit. Das Flugzeug fährt niedrig an- Zieht ein paar Spi 
ralen, verschwindet für einen Augenblick und läßt bald danach 
als Pünktchen die ganze Eismisere unter sich. Am beqmmsten 
gelangt man aber unstreitig durch die Zahllosen Teleflope aus er 
sehnte Ziel, die überall im Ort aufgestellt sM. Sie sind Geschütze, 
die man nur ein wenig richten muß, um mit Lichtgeschwindigkeit 
zum Gipfel geschossen zu werden. Eines von ihnen befindet sich 
mitten unter den Dahlien und Begonien, und die Faulheit ist 
ein doppelter Genuß, wenn in vielfacher Vergrößerung eine 
Karmvane sichtbar wird, die auf dem Montblancmasflv Stufe um 
Stuft HM. 
Spezialt täten. 
Welcher innere Zusammmhrng zwischen dem Montblanc und 
dem Nougat obwaltet, ist nicht zu ergründen. Die äußere Ähn 
lichkeit liegt auf der Hand: auch das Nougat ist fest und weiß, 
urü) als stamme es aus den Urzeiten, so Zeichnen sich die ein 
gepreßten Früchte auf ihm wie Versteinerungen ab. Daß ein 
Mächtiger Trabanten um sich sammelt, die es ihm gleich zu tun 
suchen, ist ja auch sonst die Regel. Jedenfalls wächst das Nougat 
in Chamonix wild; dank einiger Geschäfte, die sich nahezu aus 
schließlich seiner Fabrikation widmen. Meistens hat es die Form 
von Stangen, die schroff und eckig wie die Felsennadeln im 
Umkreis sind und nach dem Genuß nur Zögernd ihre Süße ent 
hüllen; als seien auch sie von dem Ehrgeiz beseelt, sich ihrem 
Bezwinger nicht ohne Umschweif zu schenken. In einem Schau 
fenster prangt die stolze Masse in Gestalt einer riesigen Birne, 
die an eine Mandoline gemahnt und bei AnLruch der Dunkelheit 
erleuchtet wird; ein herrliches Nougatglühen klingt dann weit in 
die Nacht hinaus. Das Klingen hört niemals auf, demr^üM- 
über wird es von den Kuhglocken besorgt. ^Nns Fabrik am Ort 
stellt sie her. Sie hängen an Latten und stehen in Reihen auf 
den Regalen: ungeheure für Ueberschsen und winzige für die 
KMchen Gin Glück, daß sie nicht alle gleichzeitig zu lauten 
beginnen. Auch in die kleinste noch sind die Züge ihres künftigen 
Trägers einMaviert. 
Lass. 
Das Gast hat wie jedes andere in Frankreich seine Tischchen 
im Freien. Es liegt am Kopfende der hügeligen Hauptstraße, die 
schwach der von Lourdes gleicht, nur daß sich keine religiösen 
Mzare auf ihr zwischen die profanen mengen, Nach dem Abend 
essen bummelt die große Welt über den glänzenden Viertels- 
Loulevard und mustert die Kollektionen der Achatschalen, der 
Stoffpuppen und der Spinnrädchen aus Elfenbein. Das Geschlecht 
dieser Andenkenarttkel währt so ewig wie der Schnee auf dem 
Montblanc mL dieselben Schweizerhäuschen, die lang vor dem 
Krieg den Kindern als Souvenirs miLgeövacht wuMn, bilden 
noch heute ihre Mniaturdörfer. Eine kurze Frist später sind mit 
einem Male alle Tischchen besetzt, und Puccini nimmt seinen 
Lauf. Auch vergessene Schlager werden neu erweckt; wie überhaupt 
in Sommerfrischen die Beliebtheit von Operettenruinen der ver 
fallener Burgen kaum nachstchü Unter den täglich wechselnden 
Cafegästen erhält sich als fester Kern ein Stammpublikum, das so 
regelmäßig wicderkchrt wie das Mufikrepertoin. Es taxiert jede 
ungewohnte Erscheinung mit der Peinlichkeit einer Steuerbehörde 
ein, die Hinterziehungen wittert. An der Affichenwand gegenüber 
halten sich zahlreiche Einheimische auf, die von ihren Stehplätzen 
aus kostenlos das Konzert mitgenießen. Um Zehn herum leeren 
sich die Tischchen, der Boulevard verwandelt sich in eine gewöhn 
liche Straße zurück und im Kasino fängt das Nachtleben an. 
0 5SS. 
Die Engländer sind in der Ueberzahl. Sie haben auf Bildern 
und in Romanen so hübsche Frauen, nur sieht man sie leider 
verhältnismäßig selten. Der Trupp weiblicher Boy-Scouts zum 
Beispiel, der gerade in Chamonix und Umgebung seine touristischen 
Manöver abhält, brauchte gar nicht so energisch aufzutreten, um 
sich gegen eingebildete männliche Uebergrisfe zu wehren. Die 
Mädchen sind alle in die gleiche blaue Uniform gekleidet, mit; 
Signalpfeifchen atn Gurt und einer Fülle von Abzeichen auf den 
kriegerischen Aermeln. Daß die Abzeichen das Dienstalter be 
deuten, ist unwahrscheinlich, obwohl manche dieser Amazomngirls^ 
nicht mehr ganz jung sind. In geschlossenen Cadres durchziehen 
sie zweireihig den Ort mrd erobern vermutlich in Ermangelung 
anderer Objekte die Berge der Alliierten stürmender Hand. Auch 
englische Reisegesellschaften in Zivil brechen herein. Ein fixes 
Manager weidet sie. Er treibt sie zu den Mahlzeiten züsammeL 
und peitscht das Programm der Sehenswürdigkeiten mit ihnen 
durch, für dessen Fnnehaltung er verantwortlich ist. Den Morgen 
nebel, den er ihnen nicht zerteilen kmn, durchdringen sie über 
dies mit ihren OperngMrn, um die Gletscherwelt aus ihm 
hervorzuklauben. Denn sie sind erst zufrieden, wenn sie sich davm 
überzeugt haben, daß alle Dinge an ihrem Platz stehen: möglichst 
an dem, den sie ihnen angewiesen haben. Das scheint in der Regek 
der Fall zu sein, da sich kein Ausdruck so oft in englischen Nntem 
Haltungen wiederholt wie das »0 Auf ein einziges Ja kowmetz 
mindestens zehn dieser affirmativen Wogen, die immer wieder bis 
Tonleiter hinauf- und hinabgespült werden. England beherrscht 
auch in der Sprache die See. 
P. L. M. ; 
Eine wunderschöne Einrichtung sind die Autocars der Paris— 
Lyom—MMterranee, die unter anderem die Nvuta 6es 
Nizza nach Chamonix bestreichen. Täglich treffen sie aus Grenobl^ 
Annech und Mx-les-Bains ein, und täglich fahren mehrere auD 
dem Ort heraus. Bei der Ankunft gleichen sie modernen trojanft 
i scheu Pferden, die mit Bewaffneten bis zum Rand gefüllt fintz 
Wenigstens fitzen die Insassen so gespannt auf ihren Plätzen, als 
ob sie es kaum erwarten könnten, sich in voller Reiserüstung auf 
die Ortschaft zu stürzen. Zwar der Augenschein trügt, und es gibt 
auch Drückeberger bei Besichtigungen. In der Erinnerung taucht 
eine Szene auf, die sich gelegentlich einer Fahrt im FremdenautH 
nach Versailles abgespielt hat. Eine ältere Dame streikte damals 
als es die Expedition durch das Schloß und die Gärten galt. Giß 
blieb einsam in dem großen leeren Wagen zurück, während dis 
anderen das KunstgMet überschwemmten. Es war ein heißer Tag, 
und sie fächelte sich Lust. Als die Herde sich wieder erschöpft im 
Wagen sammelte, thronte sie abgekühlt und unnahbar auf dem niß 
verlassenen Sitz. Ein leiser Triumph leuchtete aus ihren Zügen, 
und der Führer behandelte sie mit besonderer Achtung- Der An« 
blick der P. L. M.-Autocars regt allerdings nicht gerade zu einem 
solchen Defaitismus an, wie heroisch immer er sei. Im Gegenteil! 
wenn sie prall davonrasieln, sehnt sich der Verweilende ihnen nach; 
noch über Annech, Aix-les-BainZ nutz Grenobls hinaus. 
RR0A.
        <pb n="35" />
        Nerr* KpierLirK Lirrs sVenture). Koma«. 
U«L Lasrman. ^4^ dem ^merrLa- 
m'se/ren Äbertraserr Von UerENÜr Lrrr UMken. 
fKomane de^ ^ett.) R^iin. M. Lnaur ?iacLk. 
AL7 weiten. 6ed. 2.62. " 
Lastman. ein radikalsr amsrLanisodsr ^utor. 
sMIdsr^ In keinem stoWek intsrsssantan Roman 6ie 
Dntvieklun^ eines jungen Mannes vom Oossllsetiairs- 
menseiren und Gssebäktsbsrrir rum 8o2ialistsn. t-isr 
UM llo ist ein ^e^urar- dem ein wurnalisti- 
xedsr freund und RrauenMlnst in ^ev lorL 2U 
ras eilen DrkolMn verwelken. Dr vdrd von der exssn- 
triseken Narv LittridM begönnert, die er in der E- 
tunx andiedtst — ein postisedss LrmMw. aas rnm 
nooL anders Damen einträst. 2u der reinen koesis 
tritt die anM^vandte: do bad nLmiien den Manrsn- 
den LinkaU, den Lauskrauen Lakkss aus kriseNkS- 
rösteten Lodnen dured den Niledmann ruvrmAsn 211 
lassen. Die Intuition ^ird mit xroMapitalmtiSLNsr 
DnterstütLun^ vsinvlrlclieüb. aber ds sennapyr ab, 
noeb sbs er eins Grolls in ^allktrest worden ist. 
Der Grund ist seine 8vmpaMs kür dis ImLs Gs- 
^vsrksebakts-OrKLnisation der I. (Interna ¬ 
tional tVorld Yorkers), ^ueb der diesem Umsebla^ 
spielt kreilieli dis Doesis eins Rolls, denn ein revo 
lutionäres Nädeüsn liat es dem Heiden ssnr an^stan. 
^m SeliluK trennt er sieb naeb langem pudern 
endMtm von den UileLmännsrn und LakkssnLnd- 
lsrn, dis sieb damit trösten, dall er even doen sin 
Diebtsr sei. — Das Duck, das im Ädrigen selbst 
böebst undiebtsriseb ist, setrt einige d vnsn aus der 
amsribanisebsn Gossllsobakt vor, deren Rorträts los- 
kein. Da ist dis reiebs Llarv. dis aus einem un- 
durebdrin^iiebon Oemiseb von Snobismus und vdrL- 
lieber Xnteilnalims den Lorialismus betreibt und 
^Isieb^sltix: ibren Diebeslrummer/pkls^.. onns dall 
das Damenberr bräebe. Da ist vor allem ein 
^irtsebaktskapitan. der von der obsren Oren^e der 
DourMoisis aus den ökonomisebsn Apparat über- 
bliebt und unverblümt Kritik an ibm übt; ^vas ibn 
niebt bindert, alle Naebtebaneen erbarmungslos kür 
sieb ausLunut26n. Dall dis Rersonsn auk der Gegen 
seite sebsmatiseb geraten sind, mag auob an der 
8gebe liegen. Oan2 gut gelungen ist das 2vüsspäi- 
tige Verbalten des Del den. der sunäebst mebr aus 
Debensdrang und Abenteuerlust als aus eebter 
DeberLsugung ins andere Dager entgleitet. Dis 
Uandlung spielt vor dem Dintritt Amerikas in den 
Lrisg. Lr. 
Krbeiierkunff. 
LLr Paris, Ende September. 
Da DeNeviUoiss, die größte Pariser Arbeiter-Konsumgenossen 
schaft, hat zum ersten Male eine Ausstellung verunstaltet, in 
der hauptsächlich künstlerische und handwerkliche Leistungen von 
Arbeitern vereinigt sind (Uxposition proletarienne artisti^ue 
et artisanale). Das Gebäude dieser Genossenschaft, die sich sehr 
vielseitig sozial betärigt — sie unterhält unter anderem eine Art 
von Volkshochschule —, liegt mitten in der Vorstadt Belleville,: 
einer rein proletarischen Gegend. Dort steigt die von Bruant be 
sungene Straße Menilmontant an, dort schwellen die Hügel des 
Parks der Luttes-Ekaurnont über dis unfreundlichen Häuserblocks 
im Umkreis hinaus — liebenswürdige Hügel, deren einer pittoresk 
zugespitzt ist und ein Lempelchen trägt, von dem aus man die 
Kirche Sacrä-Coeur erblickt, die wie ein Phantom der be 
zauberndsten aller Stadtlandschaften entwächst. 
Die Ausstellung will die künstlerische Erziehung der Arbeiter 
fördern und der Arbeiterpresse unentdeckte Kräfte zuführen. Nicht 
zuletzt sind revolutionäre Absichten mit ihr verbunden; möchte sie 
doch einer eigenen proletari chen Kunst den Weg weisen, die sich 
nach Möglichkeit von dem Einfluß der „bürgerlichen" befreit. 
Damit hat es noch gute Weile; wenn auch in stofflicher Hinsicht 
die revolutionäre Gesinnung sich genügend auslebt. Marx, Lenin, 
James — um ihre Porträts auf der Leinwand, auf Email und 
auf Kissen haben sich mit mehr oder weniger Glück rmmer wieder 
Zeichner, Graveure, Keramiker und künstlerische Dilettanten be 
müht. Diese Darstellungen ästhetisch zu bewerten, wäre verkehrt; 
sie sind Devotionalien, die eine Haltung bezeugen. Aus ihr gehen 
auch die zahlreichen Karikaturen, Protestbilder und Milieuschilde 
rungen hervor, deren einige an Grosz und Zille gemahnen. Eines 
jener Autocars, die Nacht für Nacht die Fremden zu gestellten 
Montmartre-Orgien entführen, ist mit menschlichen Grimassen ge 
füllt; die Mauer der Föderierten wird heraufbeschworen; die 
üblichen kostspieligen Ausschweifungen werden gebrandmarkt; ein 
Zug mit der rote Fahne marschiert auf. Besonders häufig sind die 
Erinnerungen an den Krieg. Damals entstandene Wichen be 
legen seine Aöscheulichkeit dokumentarisch und neuere Illustrationen 
geißeln bewußt seine Niedertracht. Das alles hat, von den weni 
gen wirklich begabten Leistungen abgesehen, nur inhaltlich eine 
Bedeutung^ Es ist die Verbildlichung von Tendenzen und schlägt 
sich oft genug in Allegorien nieder. 
Erst recht verraten, wie es gar nicht anders sein kann, die 
Lendenzfreien Gemälde und Zeichnungen eine starke Abhängigkeit 
von Vorbildern, die zu Unrecht bürgerlich heißen. Henri Rousseau 
findet sich nachgeahmt, Otrillo kehrt wieder. So wird an ' 
Planheit, mit der die Klassenunterschiede schematich auf das Gc- 
LLet der Kunst übertragen werden, unfreiwillig Rache ^eüöt. 
Wollte man überhaupt die Begriffe bürgerlich und proletarisch 
verwenden, so wäre eher von einer gewissen Kleinbürgerlichkeit zu 
reden, die sich hie und da bemerkbar macht; wobei freilich erwähnt 
werden muß, daß der französische Kleinbürger urch der deutsche 
nicht dasselbe bedeuten. Jener ist, formelhaft ausgedrückt, noch die 
Mitte des Volks, dieser ein Ueberrest. Kleinbürgerlich sind vor 
allem viele handwerklichen Erzeugnisse und Basteleien: die bemal 
ten Aschenschalen, die Blumenvasen aus Ochsenhsrn, die Papier 
messer und die Puppen, die dadurch nicht reizvoller werden,, daß 
es ihnen an mondänem Wesen gebricht. Erstaunlich ist übrigens 
das technische Geschick, mit dem etliche Liebhaberarbeiten hergestellt 
sind. Zu den Glanzstücken gehört ein peinlich durch gebildetes 
Schiffsmodell, das unter den primitivsten Bedingungen verfertigt 
worden ist. Solche Leistungen bestätigen nur die Verbreitung der 
handwerklichen Gaben im Volk; während das Kunsttalent stets 
selten ist. 
Der Ausstellung eingegliedert ist eine Sonderschau der Mont 
martre-Gruppe: ^.rt et ^ctivn", die sich seit langem um eine 
Revolutionierung des Theaters bemüht- Eine radikale Vc*eu'i- 
gung von Amateuren und Berufsschaufpielern, deren Ziel es ist, 
mit den einfachsten Mitteln zu wirken. Sie zeigt theatralische 
Figuren, die aus Papier und Stecknadeln zusammengefügt sind, 
und ein paar Szenenbilder von gewallter Schlichtheit. Die Proben 
muten etwas kunstgewerblich an, und es ist sehr die Frage, ob 
das intellektuelle Spiel sein Publikum findet. 
Ueberraschende Ergebnisse zeitigt also die Ausstellung nicht. 
Aber sie ist wertvoll als SammeMtte der Kräfte, die sich in 
der anonymen Masse regen. Sollte sie zu einer regelmäßigen 
Einrichtung werden, so könnte ste unter Umständen großen Nutzen 
bringen; vorausgesetzt, daß ihre Leiter falsche Ansprüche fallen 
lassen und eine eigene Initiative zu entwickeln wissen.
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        «MDSLW VOM VZLM 
MNULGr -- NLLLMU — ZDMM^^ZMN. 
Buäolk Darms v^ämet sieb in seinem Bueb: 
„Lulturbsäsutung unä Lulturgekab- 
ren äes Bi 1 ms" (44. Banä äer Beibs „IVissen 
unä lVirken". Verlag d. Braun, Larlsrubs. 70 8ei- 
ten. Oeb. 1.80) bauptsaebUob äen sorialsn lVir- 
kungen äes Lüms. Die Zebrikt ist so venig aus 
erster Banä väs seine trüber ersebienene, äis sieb 
allru ansprucbsvoll: „Bbilosopkis äes Bilms" nannte. 
Hle von Darms angesteMsn Deberlegungen äreben 
sieb um äis banale latsaebe, äaL äer Lilm, äer 
äem ^nsebein naeb äis Vstrkstokksit abbiläe, sis in 
Ouiäo B agier vSrökkentliobt einen Zroüsn 
Band: „Dsr kommende Dilm. Dine ^.b- 
rsebnung unä eine Dokknung" (mit 203 
^.bbstäungen. veutseke VerlaZL^NStalt, Ztuttgart. 
94 Leiten lext. Oeb. 20), in äsm er Leigen 
möekts, was äsr Dstm war, was er ist und was er 
§ein wirä. Beider ist aus äsm Bueb über äis (legen- 
^art unä äis Aukunkt wenig in Drkabrung 211 brin- 
gsn; um von äsr Vergavgsnbeit gans 2U sobweigen. 
^Rgsmoins Bebauptungsn unä dilettantLsobs Be- 
grifksbsstimmungsn setLsn sied 2um übsrwisgenäen 
lest an äis 8teils des Inbalts. 81s werden aueb äa- 
äurob niebt gewiebtigsr, äaü sie in Orotesksebriften 
versobisdenstsr (AröÜs auktrsten- Dis kalLobe Monu- 
mentasttät äer Druekanoränung maobt böobstsnL äis 
äsr Aussagen noeb deutlieber. 
Greifbar sinä nur ein paar Bruobstüeke äes 
Dextes. Ltwa äis Anklagen gegen äen beutigen 
Dilm, äsr von wirtsebaktlioben Deberlegungen ab- 
bänge, Lentimental unä kolportaZekakt sei unä äsn 
Ausammenkang Lwisebsn „Natur unä OsiLt" niebt 
erlülls. Nun ja, mau bat davon sobon läuten kören, 
uuä gekosten ist mit äeu vagen Dkesen niekts. 
IVis wirä äsr Dilm siek wandeln müssen, um Lu 
sieb selbst Lu kommen? Datier ist bekanntstek ein 
Vsrksokter äss abstrakten Düms, äsm er auek in 
äiessm Buok äen Vorrang sinräumt. Zum linter- 
sobisä von ikm meinen wir, äaü gSgenstanäslose 
optiseks Dompositionsn, äis siek als ZelbstLweek 
ru bekauptsn sueksn, notwendig äem Dunstgewerbs 
verkästen seien (vsrgl. unseren Deuillston-^uksatr 
„Abstrakter Dstm" im Listen Morgenblatt vom 
13. Mrr). Anstimmen läüt siek äer Beurteilung 
äes Lulturkilms, äen Bagier als einen sekmalen 
Nebenarm äsr Gattung beLsioknst. "Aas äsn Lpiel- 
kilm betrikkt, so werden einige formale GesetMek- 
ksiten entwickelt, äsren Innekaltung ikm rur Dnt- 
stoWekung vsrkistt; ferner wirä eine allgemein ver- 
stänästeks tvpiscbs Danälung unä äie Betonung äes 
Wesentstobsn gefordert. Die Dkesen drängen unver 
kennbar äarauk bin, auok äen 8xieWm naek Mög- 
licbkeit äem abstrakten Dilm anLunäbsrn, äas Aiel 
eines im expressionistiscken 8inne „reinen" Dilms 
liegt ibnen Lugrunds. Diese ibre einseitige Riebtung 
verkinäert sie, bedeutenden Motiven äes Dstms gs- 
reekt ru werden; so scbeinen sis etwa äie ästks- 
Dinsekaltung äes „Anfalls" in Dstmkanälungsn ru- 
kommsn kann. Nit völliger GewiÜbeit ist ibnen 
! kreilick kaum eins konkrete Angabe ru sntnebmen, 
denn sis verbellen in soleber ^bstraktionsköke, äaL 
sie äis eigontlieks lssirkliobkeit äes Bilms nur von 
Lerne umsokvestsn. 
Das Oleiebs gilt kür Vagiers ^.euLerungsn Aber 
äis vüv8eksnsverten sorialen Voraussstrungen äsr 
kommsnäen Lilmkunst. Ibre Orunäbeäingung ist 
ibm „eins von gemeinsamem 2iel getragene Oemein- 
sekakt". ^n velekes ^üel, an veleks ^.rt von Os- 
meinsobakt värä geäaekt? Von äsrartigsn verblase- 
nsn Bostulaten aus kükrt kein Weg in äis IVelt. 
Leins Boräerung, äis Broäuktion im Interesse ibrer 
kinanriellen Dnabkangigkeit an äen 8taat unä äie 
Lommunen ru übergeben, äünkt Bagier rum Dlüek 
selbst utoMeb; sis lisüs sieb überäiss, so Lügt er 
Linsn, sinnvoll nur vsrvirkliebsn äureb eins Dikta 
tur, „vüs sis vielleiekt in Lovjet-BuLlanä oäsr in 
Mussolini-Italisn moglieb rvärs". Das „Oäer" kenn- 
reieknet äis Verseb^ommenksit äes ganren Buebs. 
Das Beste am lext sinä äis Viläer. lieber 200 
^.bbiläungen aus allen moglieken Bilmsn. Ibr äoku- 
mentariseker lVert virä ibnen aueb äureb äis Dnter- 
sekriktsn niebt geraubt, äis sie ru äer Inbaltslosig- 
ksit äsr vorangsZangsnsn Betraobtungen entleeren 
sollen. 
Aum 8ekluÜ sei äss au sgerei ebneten Du ob es r 
„Dilmregie unä Dilmmanuskrixt^ von 
Vf. kustowkin geäaebt, aus äsm ' man, rum 
Dntersebieä von äsn vorigen Metern, wirksteb 
etwas über äen Dilm erkäbi-t (Berlin, Verlag äer 
„Diebtbstäbübne". Banä V äsr „Büeber äsr kraxis"^ 
2H1 Leiten, (leb. 5.) Der berübmts Vebopisr 
äer Dilme: „Mutter" unä „Die letLtsn Lage von 
8t. Detersburg" vermittelt in ssiner Lebrikt wiek- 
tigs Dinblioke in äie Werkstatt äse Dilmberstsllers 
unä unternimmt ruglsieb äen Versueb, einige Daupt- 
ZesetLe äer ^estbetik äss Dilm« bsrauLLukriLtalli- 
sieren, Das Ltuäium äes kleinen Dsitkaäens ist niebt 
nur für äen Dilmintsressenten von Nutsen, sonäern 
wäre aueb manebsn Regisseuren LU wünseben. 
Dis ^.uskübrungen Duäowkins sinä vorwisgenä 
äsm Orunäbsgrikk äer Montags gewiämst. Mon 
tage : so nennt er selbst einmal äis rwangklaukig^ 
Lteusrung äsr OsäanMn äss^usekauers äüreb äen 
Regisssur. Din Dilm wirä, wie er lsbrt, niebt 
eigsntliek gsärsbt, vielmebr aus unLäbligen Mon- 
tagsbiläeben aukgsbaut, unä äis Objekts, äis äer 
Lamsra sieb äarbieten, sinä nur äas Dobmatsrial 
äsr Montage. Lie, äis äer Regisseur genau äureb- 
äaebt baben muL, ebe er übsrbaupt mit äsr Arbeit 
beginnen kann, erzeugt aus äer äreiäimensionalen 
IVlrkliebkeit eins neue, äsr eins anäers Aeit als äis 
gegebene unä ebenso ein anderer Raum eigentüm- 
liek sinä. Die ^bweiebung äer äureb äis Montags 
errsiebten künstlieken Realität von äer Ursprünge 
stoben mag so weit geben, äaü ganLs auk äer Dein^ 
wanä gezeigte 8Lsnen in äer IVirkstobkeit gar niebt 
existieren, ^.uk Orunä von Beispielen analvsiert Ru- 
äowkin vsrsebieäens Metboäen äsr Montage, äis 
siob im Dank äer 2eit berausgebiläet baben. Dis 
Dntersuebungen sinä, wis es niebt anders Lu er 
warten ist, von einem klaren ^Vissen um äis be 
sonderen DompositionsZeLetMebksittzn äes künstls- 
riseben Dilms getragen und ertesten nebenbei aueb 
eins Mengs ^ukseblüsse: so über dis Drioräernisss 
äss Dilmmanuskripts, über äen 8inn äer Ditel, übsr 
äis Aufgaben dsr Dilmdarstester und äis Dunktio-- 
nen des Operateurs. Duäowkin müüts niebt Russe 
sein, um niebt im übrigen immer wieder äis Be 
deutung äer Dollsktivarbeit beim Dilm 
naebärüekliob Lu unterstrsiobsn. 8is ist ibm „niebt 
nur eins Dolgs des gegenwärtigen Betriebes, son 
dern eins Notwendigkeit, dis aus den ebarakts- 
ristiseben Orunäsigsnsebaktsn äer Dilmkunst folgt". 
Dsr Band entbält noeb einen Dssav des rus- 
sisebsn Regisseurs 8. Hmosebenko über 
„Dilmkunst unä D Llmsebn Ltt". äsr äis 
Darlegungen Dudowkins in ein^slnen Dünkten an- 
genebm ergänzt. Derner sind ein paar Droben aus 
guten Orebbüebern beigsgeben. 
8. Draoausr. 
l'Virkliebkeit olt verkülsebe. Dr erbebt Anfalls, 
§erscbeinungen rur Mgemsingültigksit, kerrt äie 
iMassen aut usv. IVert erlangt er naeb Darms als 
,„Merbemittel von läsen in positiver, kulturkoräern- 
&amp;lt;äer Dorm^. ^uk äieser positiven Leite veräen unter 
-anäerem äis amerikaniseken Orotesksn unä äie 
Dsbr- unä Lulturkstme verbuebt. 
Lrkenntnisss, äie sekon vieäerbolt bemerkte Dr- 
&amp;lt;ssbeinnngen registrieren, okne Ibren Ilrsaeksn naeb- 
Lukragsn; abgeseken äavon. äaü äer Begriff äer 
Lnltur, auk äem sie aukbausn, niebt eben ein Liebe 
res Dunäament ist. Ds vären — stva naeb ^rt äer 
Närs 1927 in unserem Deuilleton ersebiensnsn 
tikelssrisL „Dilm unä Desestsebakt" — äie in äsn 
DurebLobnittsfilmsn ksrrsekenäen läeologien inkalt- 
Uob genau Zu untersueken gevesen; äis gessllsekakt- 
liebsn unä ökonomiseben V/urrsln äieser läeologien z 
ibr notvsnäiger Ausammenkang mit äen Interessen 
äer DilmproäuLSntsn usrv. Okne ein Dlngebsn auk 
,äis Mir Dauxtsaoke sebr materiellen Orünäe äes 
gsgsnvärtigen Austanäs blsibt seine Bssobreibung 
unkruektbar. Dsbrigsns ist sie keineswegs ünmer 
ssbr xeinlieb. 80 unterläuft Darms äie Bskauptung, 
äaü äsr Drsebeinungsort äsr paar LagsLLsItungen, 
äis bin unä wieäer ekrlieks DLlmkritik übten, sieb 
auf Berlin besebränks. Lollts äis Mrllekksit wirk- 
lieb so Lu lokalisieren Lein?
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        2.. 
das seine echte Gepalt allein in der dreidimensionalen Fülle hat. 
gung zur künstlichen Einheit montiert ist. Besser, viel besser Wie aber der Ruttmann-Film beweist, liegen die Möglichkeiten 
hätte Ruttmann daran getan, das Verschiedenartige übergangslos des Tonbildfilms viel eher in der Darstellung und Formung der 
nebeneinander bestehen zu lassen, statt es, wie schon tm Film 
„Berlin", einer Lildfremden literarischen Idee unterzuordnen, die 
iw optischen Medium doch nicht die nötige Bindekraft besitzt. Lei 
der ist auch akustisch zu viel und noch schlechter komponiert wor 
den: nämlich von Edmund Meisel, deten Musik den Film auf 
lange Strecken hin begleitet. Sie gemahnt in irgend einer Hin 
sicht an das laufende Band und scheint kilometerweise fabriziert 
zu werden. Ihre Dreingabe verdrießt vor allem, weil sie gerade 
bei einem Tonbildfilm schlechterdings überflüssig ist; denn wenn 
etwa ein Wasserfall auf der Leinwand erscheint, will gewiß nie 
mand eine andere Musik hören als die des rauschenden Falls. 
Unter Abzug dieser Verfehlungen bleiben kurze Stücke, die 
wie ein Märchen mit Staunen erfüllen. In ihnen sind auch 
Märchenträume verwirklicht. Ein Hafen mit Schiffen, und die 
Sirenen, beginnen zu brüllen; man fleht und hört es zugleich. 
Im Bahnhof: ein Zug braust an, eine alte Frau ruft »Auf Wie 
dersehen". Die Menschen sprechen, während sich ihre Lippen be 
wegen, die Maschinen knirschen, die Seelöwen prusten und fauchen. 
Das Leben wiederholt sich in Bild und Ton, was war, kommt! 
wieder und wieder herauf. 
Der zweite Film: „Ein Tag Film" ist ein Sketsch mit 
Paul Graetz in der Hauptrolle. Er enthält ein paar Szenen von 
gemäßigter Lustigkeit, die in einem Filmatelier spielen. Obwohl 
die Tonwiedergaben noch vielfach mangelhaft find, bestätigt der 
Einakter doch die Durchführbarkeit des neuen Prinzips. In 
ästhetischer Hinsicht freilich ist er fragwürdiger als das Mosaik des 
ersten Films, weil er zum Unterschied von diesem nicht vorwiegend 
unwillkürliche Geräusche Nachbilder, sondern Figuren, die auch 
stumm agieren könnten, zum Sprechen zwingt. 
Eine Zusatzleistung, deren Problematik darin besteht, daß sie 
die Filmhandlung zur notwendig mangelhaften Kopie eines 
Theaterstücks erweitert. Sie möchte die Illusion der Körperlich 
keit erwecken-und bringt es höchstens zum scheinlebendigen Wachs 
figurenkabinett. Sie sucht ein Geschehen zü vergegenwärtigen, 
durch keine früheren Mittel noch vernommenen Wirklichkeit, jener 
Wirklichkeit, die aus der Bühn? bisher nicht mitgesprochen hat. 
Das unbeabsichtigte Getöse der Straße zum Eingreifen in unsere 
Welt zu erlösen, ist dem neuen technischen Verfahren genau so 
Vorbehalten, wie es der seitherigen Filmtochnik vorbehalten ge 
wesen war, das Leben der Lichter und Schatten unserem Bewußt 
sein zugänglich zu machen. Es wäre eine müßige Spielerei, das 
ästhetisch bereits bewältigte Dasein einfach zu repetieren; zu seinem 
eigentlichen Sinn wird der Tonbildfilm erst gelangen, wenn er 
dcG vor ihm nicht gekannte Dasein erschließt, das Tönen und 
Lärmen um uns, das mit den Bildeindrücken noch, niemals kom 
munizierte und stets den Sinnen entging. z 
In Klsmmernr ! 
Der Lonvildfilm ist einstweilen Las letzte Glied in der Reihe 
jener gewaltigen Erfindungen, die mit blinder Sicherheit und wie 
von einem geheimen Willen geleitet auf die vollständige Abbildung 
der menschlichen Realität hindrängen. Durch ihn wäre es im 
Prinzip möglich, das Leben in seiner Totalität der Vergänglichkeit 
zu entreißen und der Ewigkeit des Bildes zu überliefern. Freilich 
nicht das Leben schlechthin, sondern nur die Seite des Lebens, 
die sich im Raum darstellt. Sie ist der meßbaren, der chronologi 
schen Zeit zugeordnet, die Bergson abtrennt von der nicht meß 
baren und nicht räumlich zu veranschaulichenden Zeit, in die, 
banal gesprochen, unsere Erlebnisse fallen. Ihre Gehalte, und nur 
sie, will Proust heraufbeschwören, wenn er sich auf die Suche nach 
der verlorenen Zeit Legibt. 
Die im Tonfilm aufbewahrte menschliche Realität entspricht der 
von Proust gemeinten so wenig, daß beide eher sich ausschließen 
als einander ergänzen. Nicht eines der zur ErlebnisZeit gehö 
renden Ereignisse läßt sich verfilmen, und kein Film vermöchte ein 
solches Ereignis in die Ordnung der Erlebniszeit einzureihen. Fast 
hat es den Anschein, als oL die Menschen ihres nicht zu verbild 
lichenden intensiven Lebens in dem Maße verlustig gingen, in dem 
sie das extensive räumliche Leben zu bannen vermögen. Wäre es 
so, dann hätte die Technik über den Menschen gesiegt, und der drei 
dimensionale Mensch sich dem Menschen auf der Leinwand vollends 
angeglichen» Herr über die Technik wird der Mensch nur sein, 
wenn er sich das Leben erhält, das nicht der Linse des Aufnahme 
apparats, sondern allein dem Gedächtnis erscheint. 
S. Kraesuer. 
Frankfurt, 12. Oktober. 
Die Aufführung zweier sprechender Filme, die gestern zum 
ersten Mal in Frankfurt stattfand, rief die Anfangszeiten der 
Kinematographie ins Gedächtnis zurück. Als man damals komische 
Bewegungsposen und unzusammenhängende Fragmente wiedergege- 
Len sah, ahnte man nicht, welcher Entwicklung die Filmkunst der 
einst fähig sei. So geht es auch heute. Niemand vermag nach den 
dargebotenen Proben auch nur annähernd zu ermessen, was uns 
der Tonbildfilm später noch einmal bedeuten wird, wenn die Er 
findung erst technisch vervollkommnet und ästhetisch durchdrungen ist. 
Ueber das Tri-Ergon-Verfahren sind schon manche 
Mitteilungen in die Oeffentlichkeit gelangt. Den Laien mutet es 
wie höhere Zauberei an. Er muß sich darauf beschränken, mit dem 
Kopf zu nicken, wenn ihm der neben dem Filmstreifen herlaufende 
Tonstreifen gezeigt wird, der wie ein Spektrum aus lauter einzel 
nen Strichen besteht. Der schmale Streifen ist nach dem Urteil der 
Fachleute eine Photographie der Schallwellen, in die er wieder 
Zurückverwandelt wird- Zur gesamten Metamorphose ist, wie es 
heißt, eine elfmalige Transformation erforderlich Die Einge 
weihten werden genau Bescheid wissen. Jedenfalls übertrumpft die 
Esoterik der Technik heute bereits die der eleusinischen Mysterien. 
Es wäre unrecht, den von WalterRuttmann geschaffe 
nen Tonbildfilm des Systems Tri-Ergon: „D eutscher Rund 
funk" als eine künstlerische Gestaltung zu bewerten. Er ist ein 
interessantes, vielversprechendes Experiment, und kann bei dem 
heutigen Stand des Verfahrens kaum mehr sein. Immerhin muß 
gegen ihn eingewandt werden, daß er seine Aufgabe, möglichst 
! viele Geräusche zu reproduzieren, auf ziemlich sinnlose Weise be 
wältigt. Ruttman gibt Einblicke in die großen deutschen Sende- 
stationen, veranschaulicht einige ihrer Leistungen, und sucht zu 
gleich die hervorstechenden Eigentümlichkeiten der zuthnen ge 
hörigen Landschastsgebiete einzubeziehen. Eine Kollektion, , die 
sich zum Teil aus tönenden Ansichtskarten zusammensetzt, in ihrer 
bildungstüchtigen Buntheit an die Rundfunkprogramme erinnert 
und trotz des Widerstrebens der Einzelstücke gegen ihre Vereini- 
Der Präsident. Ejn in den V L e o e r b a u - L ich t s p i e - 
l e n laufender Film, der amüsante Teilstücke enthält, wenn er sich 
auch zu Unrecht satirisch nennt. Satire ist er höchstens insofern, 
als er einen Mann aus dem Volk darstellt, der es dank der Gäbe, 
unverstandene Zeitungsphrasen vor der Menge flnnt)s durch- 
einanderzuschütteln, zum Parteiagitator bringt. Aber dann hört es 
auch mit der Satire auf. Denn daß der Münn dank einer rheto 
rischen Eingebung Staatspräsident wird, und zwar ein so guter 
wie Abraham Lincoln, daß er sich ferner zugleich mit der Würde 
eine stolze Frau erobert, das ist höchstens Romantik. Ivan 
Mosjukin spielt den unwahrscheinlichen Helden mit der ge 
botenen Verve. So verschmutzt und latschig er als Bauer an 
fangs daherkommt, so hell blitzen später feine Augen, wenn er 
die Parade abnimmt und die Herren Minister anfährt. Voilr 
un Komrns Seine Partnerin Suzv Vernon hat nicht mehr 
zu tun, als ihn mit einer Verachtung zu behandeln, aus der die 
Liebe spricht; was sie nach besten Kräften besorgt. Die hoch 
politische Aktion ist ins Spanische verlegt, wodurch eine südliche 
Gebirgslandschaft die Gelegenheit erhalt, mehrmals als Hinter 
grund zu erscheinen. Anzuerkennen ist die geschickte Regie. 
kLea. 
Tonöikdstlm. 
Kur Vorführung im Frankfurter Gloria-Palast.
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        --- ^Nachträgliche Fragens Seit er eingetroffen, am 
Landungsmast befestigt und in die Halle untergebracht worden 
ist, hört man gar nichts mehr von der Atmosphäre; obwohl eben 
noch besorgte Bulletins über sie veröffentlicht wurden, als sei sie 
ein hoher Patient. Das Konsilium der Wetterwarten verfolgte 
sie durch sämtliche Schichten hindurch, gab ihre Temperaturen, 
ihre Böen und Unregelmäßigkeiten bekannt und enthielt dem Pub 
likum auch die Depressionen nicht vor, an Venen sie ununterbrochen 
litt. Vielleicht hatte LaS viele Gefunke sie besonders nervös ge 
macht, man weiß es nicht ganz genau. Gewiß ist nur, daß sie 
während der Ueberfahrt s» empfindlich war wie Minister Lei 
inneren Krisen. Hat sie die Gefahren glücklich Verstanden? Wie 
geht eS ihr jetzt? 
Solange er teils niedrig, teils höher die Luft durchkreuzte, 
wurden Namen von Orten, Kaps und Inseln verbreitet, die kein 
Mensch vorher vernommen hatte. Sie entsprangen dem Nichts mit 
einer Plötzlichkeit, die sich nur durch die Bedeutung des Ereig 
nisses erklären läßt, daz offenbar auch der geographisch unge- 
läufigen Gebilde zu Zeugen bedurfte. Für die Dauer von an 
nähernd 111 Stunden brachten sie es zu einer weltgeschichtlichen 
Berühmtheit, wie sis in der letzten Zeit allein Finland durch Nurmi 
--- Aus der Zeit dsr amerikanischen Kolonisation. Der Film: 
„Entfesselte Elemente", den die Neue Lichtbühne 
zeigt, schildert Vorgänge, die sich bei der Bewässerung der Wusie 
Colorados abaespielt haben. Der schon wiederholt durchgeführte 
Gedanke, Ereignisse aus der amerikanischen Geschichte zu schildern, 
ist an sich glücklich, und einige Szenen dieses Films — w der 
Sandsturin, die Stadtgründung der Kolonisten und ihr Zug durch 
die Wüste — sind auch wirklich gelungen. Freilich, die Handlung 
ist schlecht und recht nach dem üblichen Schema der Wildwestfilme 
gezimmert, das auf primitive Weise Zwischen Schafen und Böcken 
scheidet.» Es erinnert alles in allem an ein transportables Zelt, 
das überall wieder aufgeschlagen wird. Ronald Eolman und 
Vilma Banky, die Hauptfiguren des Stücks, verdienen ihrer 
Reitkunst wegen jede Sympathie. — Der zweite Film: „Der 
Tanzstud ent", ist eine nicht schmackhafte Mischung aus verschie 
denen deutschen Filmlustspielmotiven. Die Filme dieser Gattung 
sind sämtlich über einen Kamm geschoren, und so sehr es sich ver 
lohnte, sie einmal grundsätzlich zu erörtern, so wenig erbaulich ist 
das Eingehen auf einen Einzelfall. Willy Fritsch und Suzy 
Vernon paffen zu ihren Rollen, die keine sind. L a 6 a. 
Twir des LtzUotzA-kakLtzs dauert einstweiltzn 
das NiiWr uoM kort, ^.ueü in Holland, wo 68 
üitzmand so ItzioLt vsrinutet Lstttz. Lemtz vor» 
wissend keitersn Zsitsn dort sind der ützZsn- 
stand des Lomans: „Das Uädeken mit 
ätzM dlLU6n Nut" vo n 5oLaM kadrl- 
Oku 8 (Mwn, Lau! Tsolnav» 350 KHiton. Aod. 
M. 5.50). 
ÖLS LuoL Ist dtzWHr als sein Öntsrtltsk: „Lin 
lustiZer koman aus dern Aoidattznitzbtzn", Hör an 
Moktzr und 8oü1ioLt denken läkt. .^UerdinFS 
merkt man der Lustigkeit an, daü sie einem 
Lands entstammt, das am Lrisx niekt bstsiliFt 
Fswessn war. Die adFesekilderte Foldateska ist 
in einen LonntaKskrieden FetLuekt, der sioL sonst 
nur um mu8iLierende ?euer&amp;gt;vekrMänner breitet, 
und an der OkerkläoLe kerrsekt sttzUsnweise der 
Don der WlitLrkumHreske, in dessen Larmiosi»- 
keit dei uns deute nur noed die sedieedtesten 
kilme verkallen. ^.der dis Käserinde von Lieder- 
keit wird däukiA Ee^^ dureddroeden imd sodark 
Kesedene DWSn dringen derauk. 
Öaantse, der Lodn eines kolonialwartzNAe- 
sodLktSj ist der negative Leid des Luedes. Lin 
tumder Dor aus der LrovinL, der während seiner 
nMtarisoden ^usdiidun^sxeit Lum erstenmal 
ins Leben tritt,, das ibn wieder tritt, obne idn 
aus seiner LodwerkMiAkeit ernstlied auksodeu- 
eden ru können. Kr ist das mit der Bitterkeit 
und der Liebe des Fatirikers dsraukbesedworene 
Lirmodeil des werdenden Lpiekers in LoIIändi- 
soder 8auee. ^n ibn maedt sied der in den 
wassern aller Kanäle ^ewasedene DoontsS der- 
DLW ... 
an, ein Murend xelun^ener D^p, der sedma- 
rotLt, wo er nur von kern beld vermutet, ent» 
setMed viel Lratsedd seinen derben an den 
anderen ausMt und mindestens so MimütiF 
wie gemein ist. Diese eedte KiMr aus dem 
Volke kindet sied unter allen Kationen, und es 
ist darum niedt verwunderlied, dak rwiseden 
idr und dem 8oü we.sk eine ^rt von weitläufiger 
Verwandtsodakt bestedt. ^.uod Letsx, das Näd» 
eden mit dem blauen Lut, brauedte kaum aus 
dem Holländiseden übersetzt Lu werden, um 
etwa in Lerlin als vollwertige kleine Nutte ru! 
gelten. 8ie verlobt sied mit vaan^s und 
sodr0pkL idn gedörrg, wird aber durek seine 
Tugend enttäusodt, die idm Liebeskreuden vor 
der Lde niedt gestattet, ^uletrt gibt sie aus 
instand dem koloüialwarsnsodn den Laukpad; 
weil sie idn weder unglüekliod maedsn noed 
Selbst reitlebens dintsr der ^deke sieden 
möedte. Trauer und Neigung koigen dem epde» 
meren Llesodöpkeden, wenn es am Lude wieder 
ins Laager Orodstadtleben davonwirbeld 
Öer Darstellung daktsi eine gewisse Le» 
kangendeit an. Noed wagen sied uis Anstalten 
niedt völlig ans Lagesliedt, noed wird die eigent» 
liede Komik Lum ^eil dured' eine Kleinbürger» 
liebe verdeckt, die von weitem an Bat und Lata- 
odon erinnert. Öoed maedt sied das Lued in 
seinen besten Lartien von diesen Lodranken 
krsi. Niedt sein geringster "Uert ist, daä es den 
Alltag junger Lurseden Und Wdeden unsenti» 
mental ansedaut — den Alltag, der leider noed 
lang niedt so literaturkädig geworden, ist, wie 
er es verdiente. 8. Kraeauer. 
-- Exzentriktanzer in den Ufa-LrchLspielen. Myron und 
Pea r l, so nennen sich die beiden jungen amerikanischen Gentle 
men, die zur Zeit ein Gastspiel in den Ufa-Lichtspielen 
geben. Leider nur für vier Tage. Sie sind von Berlin hergeflogen, 
wo sie bei der Eröffnung des neuen Universumtheaters am Lehniner 
Platz mitgewirkt habend Zwei sommerlich gekleidete Herren, die mit 
einer unglaublichen Präzision ihte Gliedmassen rhythmisch be 
wegen. Die Gesetze der Statik scheinen aufgehoben, wenn sie etwa 
das eine Bein in weitem Bogen so herumwerfen, daß es nicht 
eigentlich mehr am Körper sitzt, sondern dieser, leicht wie eine Feder 
geworden, ein Anhang des schwebenden Beines ist; oder wenn sie 
auf eine unbeschreibliche Art sich auf den Boden niederzulassen 
drohen, ohne ihn aber wirklich zu berühren, weil das Schenkelpaar 
kunstvoll dazwischen fährt, das sie auch nicht zum Sitzen benutzen. 
Kaum je noch haben sich so verzwickte Kniebeugen ereignet, und ge 
wiß werden nicht häufig schwere gymnastische Traktate so leicht und 
graziös abgehandelt. Dem anmutigen Schauspiel, das die Körper 
maschine in ein atmosphärisches Instrument verwandelt, ward mit 
Recht starker Beifall zuteil. Die Nummer, bei der übrigens auch 
eine Dame sich tänzerisch Produziert, ist zwischen das Beiprogramm 
und den Hauptfilm eingelegt. kaea. 
erlangt bat. WeS blickte auf ihre Bewohner, die ihrerseits in die 
Luft blickten, um etwas zu erblicken. Manche fuhren auch in 
Fischerkähnen hinaus. Womit beschäftigten sich nun die Leute 
Was geschieht bis zum nächsten Flug mit den vrelen Inseln und 
Als er noch über dem Ozean schwebte, war das Hinterland 
wieder mit Kriegsberichterstattern bevölkert. S« 
faßten ihn als einen Feldzug auf, den sie mit glorrerchen Ge 
fühlen umwoben. Hatten Siege stattgefunden, so feierten sie die 
Ueberlegsnheit ihrer Waffen und nahmen den endgültigen Triumph 
schon vorweg. Kam es zu einer Niederlage, die nicht verschwiegen 
werden konnte, so war sie in Wahrheit keine gewesen, sondern 
womöglich ein noch größerer Sieg. Die Stimmung des Kanarien. 
Vogels war glänzend, die Kommandobrücke bewahrte stets ihre 
Zuversicht. Je schwärzer die Wolken, desto wolkenloser der 
Horizont — vier Jahre lang haben wir daS gelesen. Kriegs 
berichterstatter anderer Länder stellten natürlich auch dann einen 
bedeckten Himmel fest, wenn er vielleicht strahlte. Nach Friedens 
schluß priesen sie alle die Völkersolidarität, die sie inzwischen 
gelernt haben; aber wahrscheinlich meinen ste mit ihr nur wieder 
einen neuen Krieg. Wann sterben sie endlich aus? Wird der Friede 
immer so aus sehen? Raea.
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        räume sind so unbezweifelbar echt wie der FamNenkram in der 
Kantorwohnung. Durch die Montage wird gegen den Schluß hin 
die letzte Spannung herausgeholt. Einige Meter sterbender Kan 
tor, dann wieder ein paar Meter das Revuetheater mit den Girls 
und dem als Neger geschminkten Sohn. Die Parallelität verengt 
sich mehr und mehr, das Tempo wird immer schneller. Auch die 
Kontraste sind keß geschnitten und die zu Rührungszwecken einge 
schobenen Ritardandos richtig ausgeklügelt. Technisch ist hier 
viel Zu lernen. 
In Amerika ist der Film als Tonbildfilm vorgeführt worden. 
Er kann auch erst zu seiner vollen Wirkung gelangen, wenn Al 
Jolson wirklich singt. Man sagt, er habe Tränen in seiner 
Stimme. EZ sind höchstbezahlte Tränen, und vielleicht hat er sie 
versichert wie Paderewski seine Hände. Rein darstellerisch ragt er 
trotz der Tränen nicht einmal sonderlich über die andern hinaus, 
obwohl er auch die Gesangspartien durch mimische Mittel über 
zeugend in die Filmsprache übersetzt. Von erstaunlicher Lebens- 
nahe-ist die Gestalt des Vaters, eine Leistung, die der Darsteller 
des treuen Trabanten der Kantorfamilie beinahe noch übertrifst. 
Denn er ist in jeder Bewegung das Leben selbst. Seine Hände 
halten Monologe, und wenn er nur die Augenbrauen leicht hebt, 
macht er lange Abhandlungen überflüssig. Und die Mutter — sie 
ist eine Mutter. 
Al Jolsons Lebensgeschichte ist auch eine Auseinandersetzung 
Zwischen der jungen und der alten Generation. Soll man das 
Kol-Nidre singen oder für 600 000 Mark auftreten?. Das ist das 
Problem. Ein rein amerikanisches freilich in anbetracht der Höhe 
des Honorars. Aber nun reißt es auch an uns. 
Dieser Film ist ein Reißer, aber ein guter, der wirklich reißt. 
In New Kork ist er Monate hindurch vor ausverkauftem Haus 
gelaufen. Al Jolson spielt in ihm seine eigene Lebensgeschichte. 
Al Jolson, der 600000 Mark für eine Rolle erhält, soll der höchst 
bezahlte Darsteller Amerikas sein. Seine eigene.Lebensgeschichte; 
ein Reißer. 
Die Handlung setzt im New Uorker Ghetto ein. Kantor 
Rabinowitz, ein Mann von gewaltiger Frömmigkeit, will aus 
seinem Jungen ebenfalls einen schwarzbärtigen Kantor machen. 
Der Junge singt so schön. Nur singt er leider viel lieber in den 
Bars als in der Synagoge. Ein Kantorsohn, der Gassenhauer vor- 
Lrägt — unmöglich. Er wird verstoßen, er ist kein Sohn mehr. Die 
Mutter freilich... Nach Jahren treffen wir ihn wieder. Robin, 
so heißt er jetzt, durchreist als kleiner Jazzsünger die Staaten, die 
groß sind. In einer Bar begegnet ihm Mary, eine jener be 
zaubernden Revuetänzerinnen, die man immer wieder mit ein 
ander verwechselt. Mary erkennt sofort sein Talent, betet ihn und 
die Kunst an und setzt glücklich durch, daß er mit ihr für eine 
Broadwayrevue engagiert wird. Der Abend der Premiere wird für. 
ihn der Anfang einer ruhmreichen Laufbahn sein. Aber ausgerechnet 
an diesem Abend beginnt auch der Versöhnungstag und möchte der 
Vater den Jungen, dem er bisher nicht verziehen hakte, das Kol- 
Nidre singen hören. Der Vater liegt nämlich auf dem Totenbett. 
Die Mutter... Wird der Junge die Premiere im Stich lassen? 
Die Vorstellung muß abgesagt werden, er singt dem sterbenden 
Vater das Kol-Nidre. Und ist doch worden der höchstbezahlte 
Mann am Broadway. 
Der Film ist virtuos gemacht. Die endlose Ghettosiraße spielt 
mit? ein Provinzbahnhüf greift ein, und die Bars und Bühnen 
Ale eigene LeVensgeschichie — ein Weißer 
Zur Aufführung des Films: „Der Jazzsänger" im Frankfurter Capital. 
OsAtse/r Dorr Usr-is I-eipE 
Sr-eMern B Oo- L^Z Leiten. Ask. Z.7A 
PranL KsUsr ist ein MistMebsr Look. In M- 
nsn LLdlrsiedsn Modern dat sr äsn Lzwuk des ver- 
smslten LloodsiapIerroTNÄNL Msedaiksm in 6sm sied 
OssprLeds. äsrsn Ironie mitunter an O-eseHZebnkts- 
dritL RrsnZt, um eins msdr oäsr MsniMr LWsed 
HrÄLsbtB MMuM randen. Idr UM ist dlsdsr Nerr 
OoUln Ke^sssn, ein so Kodüäster ^Ls Ksrisssner 
Qsunsr. äsr stets äen 8iex über ä^s kedleedts ?rin- 
rip äsr dsrrsodsnäsn I/Lnäes^ssetLS äavon^stra^sn 
dat. Hs sein dlaedkol^sr stellt sied in äem neusn 
Vued äsr Miseds ksvedonnLl^tidsr vr. 
^imWsrtür aus ^mstsräam vor. Idn vsr^iedelt Red 
lsr in einen Msttstreit mit einsm ^strolosen. 
Zus äem äsr sedlaus ^udän^sr ^rsuäs als Brium- 
vdator dsrvEsdt. ^rsilied Mndt Ldm dein Lrsis. 
äsnn äie Bsuts in 0isstA.1t sinss entLNedsnäsn Kdä- 
^dens iLllt äsm Lorasdopstsllsr andsim. Vvarum, 
dlsidt uvdlar. Ldsr äis lüsbs ^anäelt idrs emensn 
"UsLe. unä mit VsLrünäunLbn äar? man üdsrdnupt 
äsm KomLN niedt kommen. OenuA. äaü er äured 
einige nstts Vinkälls unä dosdakte Ranäslosssn kür 
äis vLuer ssinsr I-sdtürs su untsrdLltsn vermag. Ls 
dönnts maneden ^utorsn. äis vielloiodt msdr Kud- 
NtLNL M vsraus^Ldsn dadsn. niedts sedaäsn. ^vsnn 
sie st^as von äsr iMedtiadsit Lsllsrs annLdmsn, 
mit äsr er ein Medts an Atoll LrLLiös LursedtLupit. 
- L r. 
Zwei Mnerikamsche Filme. Der eine der im Gloria- 
P a l a st gezeigten Filme heißt „Titanic und stellt den An- 
streg eines jungen Mannes in dem titanischen New York dar. 
George O' Brien spielt den Helden mit Muskelkraft und 
anständiger Gesinnung. Aus New Kork East-SDe — ein paar 
schöne Stratzenbilder tauchen auf -- geht es über den Boxerring 
nach den vornehmen Gegenden, wo der Junge erfahren muß, daß 
Reichtum allein nicht glücklich macht, sich daraufhin das immer 
geliebte arme Mädchen (Virginia Valli) aus dem LHten wie 
der holt und mit ihr sehr reich wird. Die oberflächlich gearbeitete 
Handlung wird durch gute Typen und Milieuschilderungen 
einigermaßen wettgemacht. Damit nichts an Titanischem fehle, 
ist auch ein Schiffsuntergana mit grandiosen Eisbergen einbe 
Zogen. — Das andere durchschnittlich ausgemachte Stück: „W a s 
eine schöne Frau begehrt" ist eine leicht satirisch ange 
hauchte amerikanische Filmbetrachtung über die weibliche Eitelkeit 
und'die Vorurteile der Gesellschaft. Die nette Billie Dove, die 
Hotslangestellte ist, spielt sich als Gast dieses Hotels auf und 
kapert sich einen ungemein reichen Junggesellen durch kleine Be 
trügereien, die zuletzt herauskomm-en. Da aber der Junggeselle 
auch innere «Schätze birgt, begehrt er sie dennoch zur Frau. 
Nahme sie rhn doch! Sie nimmt ihn nicht, sondern kehrt zu dem 
geliebten armen Chemiker zurück. Die Parallelität zwischen beiden 
Almen rst merkwürdig. Sie beweist zum mindesten, wieviel die 
Anfall des Herzens cuf der Leinwand gilt; was wieder Rück 
schlüsse auf die Praxis erlaubt. Raea. 
Die Carmen von SL. Paulü Das Beste an diesem in der 
NeuenLichtbühne (und den Kamm e r - L ich tspi e l en) 
gezeigten Ufa-Film sind die Milieuschilderungen. Zwar ist As 
immer Mederkchvende Vergnügungsstraße ersichtlich gestellt, aber 
Äazwischen taucht doch häufig genug der Hamburger Hafen auf. 
Großartige Aspekt besonders gut wirken, wenn ein leichter 
Nebel sie halb verschleiert. Die Handlung ist auf billige Effekte 
hin Aufammengestoppelt und nicht von Belang. Willy Feit s ch 
als junger Seemann erliegt den Reizen Jenny Iugo s, die sich 
Mühe gibt, eine verführerische Carmen zu sein, ohne doch ihre 
im Grund blonde Harmlosigkeit hinreichend verbergen zu können. 
Sie ist das Idol und Ideal einer kleinen Schmugglerbande, die 
aus verschiedenen Utelierapachen besteht. Fritz R a s p gehört ihr 
mit verwegener Miene a^ Wolsgang Zilzer ist der Schüchterne 
lm Kreis. Teils vollfüIren diese Leute Schiffseinbrüche, teils 
treten sie (wie im Grünen Kakadu Schnitzlers) als Attraktion 
der Gäste in einer Kaschemme auf. Zuletzt geschieht ein Mord 
aus Eifersucht, aber das glückliche Ende bleibt doch nicht aus. 
Das alles ist nicht ein glaubhaftes Geschehen, sondern ein Usa- 
Arrangement. Die Regie sucht beflissen das dunkle Treiben Zu 
belichten. .___ K a c m
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        U. &amp;gt; 
LIN »UILM ^ML8 
Lao L. 
wagt. 
IsZsksn. 
8. Lr3.e3.usr. 
Nit ssinsm Vuok: „Laris. Lins 8taäk als 
L u iist sr k" (N. 67 Hk. Lsrlin, Lnäolk Nosss. 
176 8sitsn. O'sd. 8.50) bat sied. Drits 8 t g k 1, 
äsr nnIänZst vsrstorksns Lritiksr äss „ösiämsr 
HAsdlatts", ein sekönss Dsnkmal xsssl^t. DaL 'lVsrk 
ist äis Drnokt siusr Disks, äis siek mit äsn änkrsu 
nickt vsrriüKsrt, Lonäsru an Disks nur MZsnommsn 
kat. 8is ks^nkrt siek äsn ^slisktsn OsZsnstanä, 
inäsrn sis ikn kssonnsn äurekärinZt. 
8takl vermittelt ^säsr Imprsssionsn, äis nickt 
naekxrükkar sinä, noek kistst sr sinkaek einen 
rill äsr §ssekiektlieksn Dut^iokinnZ äar. Dr tut mskr 
unä ivsni^sr: sr kaüt äis KrknkrunZsn Msammsn, 
äis ikm in einem jakr^skutslanAsn vertrauten Dm- 
ANNA mit äsr 8taät Zuteil Zs^voräsn sinä. Ikrs ^üZs 
vsräiekten siek ikm 2u einem Liiä, äa^ einiZs DüItiA- 
ksit kat, iveil es äurok Liläun^ mitkestimmt ist. 
Dnrok Wns Liläun^, äis siek in üslskrsamksit niekt 
srsekoM, aber ein AsPsFsnes wissen sindsZrsiit. 
8is ist äsr ksutigsn Dsnsration naksM völlig ak-i 
kanäsn §skommsn. ^.u» äsr unsrsoküttsrtsn Vor- 
Krisgsrsit, ru äsrsn kestsn DssitLtümsrn sis xekörts, 
stammt auek äsr 8xraeksti1, ässssn runäs ksrisäen 
siek sin v^sniZ §1att ansinanäsrrsiksn, stammt so 
manoks inL^iseKsn drüekiZ Zsv/oräsns MsnäunZ. Ds 
Ist niekt mskr gut mögliek, eins 8taät als Lunst^srk 
Lu dsLsieknsn säsr Daris sin Drlsknis LU nennen. 
Dis paar ^naekronismsn unä 8eknaeksn kssagsn in- 
ässssn niekts v/iäsr äas Duek, äas sins seitens Vsr- 
sinigung ^on Osnauigksit unä Lärtliekksit ist. Ls 
dbLsuZt äis Meklieks Lks L^lseksn äem Rann unä 
äsr 8taät. 
Nit äsr Aieksrksit äss xsrslktsn Disdkaksrs 
kristallisiert 8tak1 äis ^sssnkaitsn Digsntümliok- 
Lsitsn von karis ksraus.. Dr erkennt, äaü siek in 
äsr 8taät römiseke Vaugssinnung auk nnvsrglsiek- 
Lieks Msiss mit äsr noräiseken verquickt. Von jener 
rükrsn äis xsseklosssnsn LtraÜsnvLnäs ksr, äisos 
lebt siek ko^okl in äer VorlisKs kür LaumksMan- 
LUNZ ^is in äsr ungsdunäensn Vislksit äsr DtaZsn 
unä Lamins auk äsn Däeksrn aus. Die Klotivs vsr- 
«ekisäsnsr Lsrkunkt v^aekssn su sinsm Laust^xus 
Zusammen, äer Überall glsiekmaüiZ äurekZekükrt värä, 
unä Lur Dinkeit äer Dorrn küZt siek noek äis äss 
silksr§rausn Dons, äsr äem ^unäervollsn kranLösi- 
seksn Lall^Ltsin Zu äanksn ist. ^uok ikrsr Anlage 
naok ist äis 8taät ivis keine anäsrs eins Dinksit. 
Dsnsrationen kaben Diätes unä 8traÜen2ÜAe auk 
Erunä äes ursprünZAeken klans so kolgsriektig ru 
Dnäs gestaltet, als seien sis äis Vollstrecker äes 
Vollens äer 8taät selber. Dür 8takl ist äisssr V7iUs 
kein bloüer Degrikk, sonäern sins ivirklieks Lrakt, 
äis äas Lanäsln äer Lsrrseker, äer Vaumeistsr unä 
äss Volks stetig gelenkt kat. 8is voraus^usetLen, ist 
man alleräirigL angesiekts äer gewaltigen btaätlanä- 
sekakt geneigt, in äer kaum etwas äsr Willkür über 
lassen ru sein seksint. Die 8eLns ist als groLte 8traLe 
in sie sinbeLogen, unä äis versekwenäerisok über sie 
ausgestreuten Nonumsnte sinä ebensoviels arekitsk- 
tonisoks Nittelpunkts, äis äas sinkeitlieks OanLS 
mannigkask glieäern. 
Din gssekiektlieker Debsrbliek srgLvrt unä ver- 
tiskt äis unmitteldars ^nsokauung. Da äer Ver- 
gangsnkeit um äer Dsgsnwart willen naekgskragt 
wirä, verliert sr siek nirgsnäs ins Dnabsskbars. Dis 
Darstellung suekt auLer äsn bekannten DenkmLlern 
auek unbekanntere Legionen auk; so vsrweilt sis 
Zismliek auskukrliek bei äsm mittelalterlieksn karis, 
von äem noek ksuts viel mskr vorkanäsn ist, als äis 
meisten aknen. In ikrem V^rlauk unterstreiokt sis 
wieäsrkolt äis ^atsaeks, äaü äis Ltaät trotr äer 
sekwersten xolitiseksn Drseküttsrungsn siek okns 
sigsntlieksn DraäitionLbruek gekormt kat. Ms 8takl 
mit Leekt betont, kaben auek äie von Lauümann 
gesekakkensn Voulevaräs, ^venuen unä 8traÜsn äas 
alte karis niekt Lerstört, sonäern erkalten unä 
vollsnäst. 
Das Duok kann allen Lotsenden als Begleiter 
smpkoklen weräen, äis es ernst mit Baris meinen. 
Din ausgeLsieknetes ^bbiläungsmaterial ist ikm bei- 
mommen und mechanisch zureMgeschnMen^ innen! 
her erfahren und durch die sein auskalkulierte Verwebung von 
Elementen der photographierbaren Realität vollkommen zum! 
Bild geworden. 
Auch die Auswahl der Typen ist über jedes Lob erhaben. 
Ein altes, hechelndes Weib verkörpert ihre ganze Gattung, 
und ebenso find die Männer nicht nur beliebige Männer. In 
der Hauptrolle wirkt Anna Sten sehr überzeugend. Mer 
man sollte bei -diesen Filmen einzelne Nmmn gar nicht 
nennen. 
Der Fibn: „Mi? osHrückt ein" (Regie: Rolf Randolf), 
ein sogenanntes Lustspiel, in bem Prominente wie Paul Mor- 
gan, Cläre Rom m e r, Georg Alexander usw. sich an- 
strengen, komisch zu sein, wirkt nach dem Russischen schlechterdings 
unerträglich. Es ist eine Schande für die deutsche Produktion, 
daß sie einen solchen Dreck dem Publikum überhaupt vorzusetzen 
«L GroßstadLjugend. Warum der Film der Alemannia- 
LichLspiele so heißt, ist unklar. Zwar kommt auch Jugend in 
ihm vor, aber in seinem Mittelpunkt steht doch Harry Liedtke. 
Er ist älter geworden, ein Herr um die vierzig herum, der schon 
als reifer Onkel Zu wirken begönne, läge nicht in der Lust um ihn 
so etwas Verführerisches und auf seinen Lippen jenes kitschige 
Zauberlächeln, das ihn Zum ewigen Liebhaber macht und ihm die- 
sesmal die Neigung Maria Paudlers zuzuwenden vermag, die 
ein modernes Mädchen mit Auto ist. Zum wievielten Mal Harry 
Liedtke sich in Filmen bereits verlobt hat, läßt sich schlechterdings 
nicht ermitteln; gewiß ist, daß er es stets auf die gleiche Weise 
tut und finanziell immer gut dabei fährt. Dem Publikum den 
Geschmack an dieser Courths-Mahler-Figur zu rauben, wäre eine 
unverzeihliche Roheit. Dennoch muß im Interesse der Wahrheit 
festgestellt werden, daß der Film, abgesehen von dem Lächeln, eine 
einzige strotzende Dummheit ist, deren Aufmachung noch dazu alles 
zu wünschen übrig läßt. Den Vogel schießt der Detektiv. Hermann 
Pichas ab, der in eine Anstalt für Schwachsinnige gehörte. Oder 
sollte dergleichen Humor sein? Laca. 
Ein russischer Film. 
-- Es gibt Zu denken, daß sich die russischen Filme, so sehr 
von den deutschen unterscheiden. Sie sind fast durchweg filmi 
scher konzipiert und technisch unvergleichlich viel besser durch- 
gefichrt. Woher rührt die ästhetische Ueberlegercheit? Gewiß 
nicht allein von der größeren Filmbegabung der Russen. Wahr 
scheinlich ist. daß durch die Abwesenheit privatkapitaliststchn 
Interessen die Ausbildung jenes Kollektivbewußtseins geför 
dert wird, das, nach Pudowkin, gerade zur Herstellung von 
Filmen unerläßlich ist. Vor allem aber scheint in Rußland 
noch so etwas wie menschliche Substanz vorhanden zu sein. 
Jedenfalls ist sie in allen russischen Filmen spürbar und ver 
leiht ihnen den Wert von Dokumenten. 
Der in den Luna-Lichtspielen gezeigte Film: 
„Das Kind des Anderen" (Regie: E. Lscherwjakow) 
enthält kaum das, was man Handlung nennt. Ein Feuerwehr 
mann holt aus der Entbindungsanstalt seine Frau Heim, die 
ihm gesteht, daß das Kind von einem anderen sei; von einem 
Kollegen des Feuerwehrmannes. Der Gatte zürnt, säuft, ver 
nachlässigt den Dienst. Die von allen gehetzte Frau geht in 
ihrer Verzweiflung zum Anderen. Der Feuerwehrmann ge 
langt zur Einsicht, daß die Menschen schwach sind, und daß er 
seine Frau liebt. Bei einem Brand rettet er das fremde Kind, 
das nun zu seinem eigenen wird. Er verzeiht dem Anderen 
und blickt seine Frau an, die liebend zurückblickt. 
Das ist das ganze Geschehen. Es ist frei von jeder Ten 
denz, die ausgeKeöt wäre. Alle Gewalt kommt aus dem De 
tail, das mit einer Beobachtungsgabe ausgenommen und ge 
sichtet ist, die von dem klaren Wissen um die Natur der Men 
schen zeugt. Wir !haben es schon einmal geschrieben: die den 
Rüsten eigentümliche Kunst der epischen Darstellung lebt heute 
in den Schilderungen ihrer Filme fort. Jede Einzelheit hat 
die Bedeutung eines Zeichens (ohne darum Symbol zu sein); 
jede Belichtung sagt etwas aus. Die Wirklichkeit wird, wie 
es auch sein soll, durch die Montage in eine neue Wirklichkeit 
verwandelt, deren Raum und Zeit ganz vermenschlicht sind, 
ganz aus den Menschen zu strömen scheinen, um deren Sein 
es in dem Film geht. Wie die unglückliche Frau über die 
Straße torkelt, wie verworren dem Feuerwehrmann die 
äußere Welt entgegentritt — das ist nicht einfach aufge-
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        f^c»' i 
S. Kracauer» 
im Frankfurter Luna-Palast») 
aes. 
Daß sie sich ein wenig anders gebärden als das Volk, dem sie 
gleichen, rückt sie nicht fern, sondern enthüllt nur die Tiefe der 
Gemeinsamkeit. Sie tanzen mit dem selbstvergessenen Ungestüm 
von Kindern, denen die toten Dinge Götzen sind, die angebetet und 
gestürzt werden können. Ihre Beine sprudeln über vor Freude, 
ihre Pupillen rollen unablässig in den kleinen weißen Binnenseen 
der Augen auf und ab, und ihre Umarmungen sind voller Unschuld. 
Die Fremden werden enttäuscht sein. 
steigen, sie sind es also auch hier in dem Sälchen. Wenn die Neger 
kaum von ihrer Umgebung abstechen, so heißt das mithin nicht, daß 
sie die Exotik einbüßten, auf die sie ein Recht haben; die Möglich 
keit einer solchen Anpassung ist vielmehr das Zeichen für die Exotik 
der Pariser Bevölkerung, für jene wirkliche Exotik, die sich aus der 
Geographie nicht ableiten läßt. Man muß dieses Volk bei seinen 
Jahrmärkten beobachtet haben, muß gesehen haben, wie es die 
Straßen belebt und Farben und Lichter um sich ausstreut, die 
seinem Dasein etwas von der Buntheit des Hafenvolks verleihen. 
Paris begreift auch Afrika in sich. Es kann darum für die Neger 
zum Hafen werden. 
macht; mit Ausnahme eines bebrillten jungen Gentlemans, dessen 
Smokinghemd einsam im Gedränge blinkt. Seine Züge verraten 
die düstere Entschlossenheit eines Pamphlets gegen die koloniale 
Unterdrückung. Vielleicht ist er ein Häuptlingssohn, der literarische 
Speers wirst. 
Wo aber bleiben die Sensationen? Sie ereignen sich nicht. 
Weder verrenken die Musiker ihre Körper noch erzeugen sie Nigger 
songs und jene Jazzmelodien, deren Exdtik parfümiert wie die 
Morands ist. Im Gegenteil: sie scheinen sich geradezu verabredet zu 
haben, auf die negerhafte Urtümlichkeit Zu verzichten, an der sich 
die Montmartre-Besucher erbauen. Je weniger rassig diese sind, 
desto mehr lieben sie die Schaustellung von Rassen aus sämtlichen 
Absatzgebieten. Das Orchester spielt eine richtige Schrammelmusik, 
, dis gleiche, die im bleu und bei den Lals Musettes der 
! Brauch ist, es spielt vor allem den langsamen Walzer, zu dem die 
Burschen mit erstarrten Schultern ihre Mädchen immerfort im 
Kreis drehen. Die melancholische Eintönigkeit der Klänge beschwört 
die Wüste und den Zug der Fremdenlegion herauf, ein anderes 
Afrika als das der gehobenen Dancings, das gar nicht Afrika ist. 
Sie tanzen auch nicht so, die Herrschaften, wie sie es ihrer Ab 
stammung schuldig wären. Das exzentrische Schlottern fehlt, und 
wird der Boden etwa zur Trommel, auf dem die Absätze Kriegs 
wirbel schlagen? Nichts davon. Jeder halbwegs gebildete Neger 
imitator setzt einen echteren Charleston hin als die hier geübten, 
die auch ohne Zeitlupe sichtbar sind. Die dunkle Haut schützt nicht 
vor Dilettantismus, und offenbar teilen die meisten das Los der 
zahlreichen Bleichgesichter, für die ein Tanzkurs unerschwinglich ist. 
Der Eindruck befestigt sich, daß diese vulgären Neger erst ins 
Amerikanische übersetzt werden müßten, um Neger zu sein. 
Das ist kein Negerball, das ist ein Pariser Vorstadtball, der Zu 
fällig von Schwarzen verunstaltet wird. In der Tat mischen sich 
auch die Eingeborenen des Quartiers Grenelle ungescheut unter sie. 
Aeußere Farbenkcntraste entstehen, die nur die innere Gleichheit der 
Seelen offenbaren. Höchstens das Benehmen der einen oder anderen 
fremden Dame, die eigens herb ei geeilt ist, um sich an einen! 
— l„Der Gentleman von Pari-.") AdolpheMenjou 
ist in diesem neuen Film mehr noch als in früheren womöglich 
die Verkörperung des vollkommenen Kavaliers. Des Kavaliers? 
Seiner platonischen Idee hinieden. Obwohl er das Platonische nicht 
eigentlich schätzt, sondern ungescheut von dem erotischen Wissen 
Gebrauch macht, das ihm die Liebeskünstler aller vorangegangenen 
Generationen vererbt zu haben scheinen» Auch andere Menschen 
waschen sich in der Frühe; durch s e i n e Morgentoilette erhält die 
Sauberkeit ihr Adelsprädikat, wird das Spülen des Mundes zum 
sakralen Vorgang. Ehe er sich zum Ueberfluß mit Parfüm be 
spritzen läßt, duftet er schon vornehmer als jedes Parfum. Die 
Art, in der er leicht den Zylinder schwingt, drückt wunderbar aus, 
daß nichts ausgedrückt werden soll. Wer ihn eine Dame förmlich 
begrüßen steht, von der die Welt nicht erfahren soll, daß sie seine 
Geliebte war, empfängt einen Gratisunterricht in höheren Um 
gangsformen, die sich freilich doch nicht erlernen lassen, weil sie 
unnachahmlich sind. Wenn er auch nur in einer Speisekammer 
lächelte, so verwandelte sich die Speisekammer sofort in ein Bou 
doir mit Louis Seize-Möbeln. Das ist kein gewöhnliches Ver 
führerlächeln, die ganze Melancholie des Don Juan liegt darin. 
Seine Augenlider senken sich oft mit der Diskretion von schweren 
Damastvorhängen herab, hinter denen eZ um der Ehre willen 
etwas zu verbergen gilt; in zweifelhaften Fällen stets eine ver 
heiratete Frau. Er sitzt am Spieltisch und greift in einem bedenk 
lichen Augenblick nach dem Zigarettenetui: die Geste mit dem 
Wort blasiert zu bezeichnen, hieße ste schänden. Er wird in einer 
Gesellschaft des Betrugs bezichtigt, aber blamiert ist nur die Ge 
sellschaft, denn er selbst geht aus der Affäre mit einer weißen 
Frackweste hervor, die ein Kunstwerk ist. 
Der Film ist ein routiniert gearbeitetes Boulevardstück mit 
einer Unzahl galanter Beziehungen, die sämtlich liquidiert werden, 
mit einem Kammerdiener, der als Kammerdiener beinahe so 
unerreichbar ist wie Menjou als Kavalier, mit einem reizend auf 
gebauten kleinen Skandal und einer witzigen Lösung. Die Regie, 
für die ein Mann mit dem sonderbaren Namen D'Abbadie D'Arrast 
verantwortlich Zeichnet, hat Kammerspieltöne angeschlagen. Die 
Blicke führen Dialoge, in denen kein Satz zu Ende gesprochen 
. wird, und auch die Gebärden sind nur skizzenhaft ausgefühct. Der 
&amp;gt; Gang auf den Zehenspitzen ist um so erfreulicher, als in den 
meisten Filmen heute gepoltert wird. (Zur Aufführung des Films 
stämmigen Neger zu schmiegen, macht auf Umwegen fühlbar, daß 
der Gegenstand ihrer Inbrunst ein Neger ist. Niemand merkte es 
sonst. Statt das Verlangen nach Negerplastik Zu befriedigen, wirken 
die Exoten wie einheimische Produkte. Sie sind der Art des Volks 
nicht entgegen, sie verschmelzen bildhaft mit ihm. 
Der Mangel an Sensationen, der von dieser Uebereinstimmung 
herrührt, ist aber eine größere Sensation als die erwarteten. Oder 
ist nicht die Bestätigung wunderbar, daß die Völker einander ver 
wandt sind wie ihre Märchen? Sie sind es unter der Voraussetzung, 
j daß sie noch in den Grund reichen, aus dem die Märchen auf- 
WegeröaL in Hans. 
Die Neger treffen sich mehrmals wöchentlich im Quartier! 
Grenelle, weitab von den Hauptzonen des Vergnügungsbetriebes. 
Arbeiter und Kleinbürger bewohnen das Viertel. Es ist nachts so 
dunkel wie die Hautfarbe der Neger, die sich aber weniger aus 
koloristischen Gründen als aus dem Bedürfnis, ungestört zu bleiben, 
dorthin zurückgezogen haben. Schon öfters haben sie den Ort 
wechseln müssen, um der weißen Neugierde zu entrinnen. Ein ver 
gebliches Verfteckspiel, denn die Fremden folgen stets wieder aus 
dem Fuß. Sie versprechen sich ungemeine Sensationen von einem 
Negerball und sind mit dem Instinkt von Spürhunden begabt. 
Der Versammlungsraum unterscheidet sich nicht im geringsten 
von den üblichen Vorstadtlokalen. An der Fassade prangt als be 
scheidene Festillumination eine Leuchtlinie, die sich, unmodern ge 
nug, aus einigen bunten Glühbirnen zusammensetzt. Sie lockt in der 
leeren Straße nicht eigentlich Passanten an, sondern beschränkt sich 
darauf, eine stillvergnügte Horizontale zu sein. Durch den Vorhof 
eines Cafes gelangt man ins Solchen, das von nicht zu unter 
bietender Einfachheit ist. Solche Interieurs dienen in amerika 
nischen Wildwestfilmen gewöhnlich als Hintergrund für Schlägereien. 
Die Kapelle sitzt gedrängt auf einer Estrade, an den Seiten stehen 
wahllos Tische herum. Mager gestrichene Wände; eine Art von 
Hühnerleiter führt zur hölzernen Galerie. 
Von ihr aus blickt man aus ein Urwaldgewimmel herab. Aus 
der undurchdringlichen Finsternis der Frisuren glänzen die roten, 
grünen und gelben Gewänder wie tropische Blüten nach oben. Um 
die schwärzlichen Hälse geschlungen, erfüllen sie die Luft als seien 
sie starke Gerüche — eine aufregende Vegetation, die an die Drei 
farbdrucke in Pflanzenwerken erinnert. Manchmal schwindet die 
dunkle Grundsubstanz in die Fingernägel, und Gestalten tauchen 
auf, die hell wie eine Lichtung sind. Die Damenwelt hat ihre Gipfel 
und Niederungen; eine der Negerinnen ist von der gekräuselten 
Pracht einer Kongomajestät, die eben aus dem Busch kommt, andere 
scheinen in dem großen Paris bereits vernutzt worden zu sein. 
Nicht jede bringt es zu einer Josefine Baker, und es gibt viele 
kümmerliche Berufe, bis herab zu dem, dessen Ausübung zwingt, 
allnächtlich zwischen der Place Manche und der Place Pigalle 
spazieren zu gehen. Unter Umständen ist er ganz lohnend; denn das 
männliche Publikum auf dieser kurzen Strecke besteht ja nicht nur 
aus College-Boys und amerikanischen Legionären, die freilich Blon 
dinen bevorzugen. Bon den Herren, die fast durchweg das Aussehen 
längst gezähmter Raubtiere haben, mögen einige Portiers sein, 
Barkellner und Chauffeure. Besondere Toilette haben sie nicht ge-
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        «- Der Schuß in der großen Oper. In diesem neuen Film der 
„Bieberba u- Liebt spie le" ist die überragende Figur H ein- 
richGesrge als Komponist SLroganosf. Er verkörpert glaub- 
baft Genialität und Sinnlichkeit, die sich hier in einem pompösen, 
apernhaften Wesen treffen. Durch seine Gesichtsmaske erinnert er 
manchmal an Balzac: ein kleiner Mund, die etwas aufgequollmen 
Backen und der phantastische Hauch um die Züge. Wenn er das 
Monokle einklemmt, versinken sämtliche Gents, die sich seiner be 
dienen. Am Dirrgentenpult holt er wirklich die Musik heraus, und 
am Flügel hat er Inspirationen, die beinahe sichtbar sind. (Frei 
lich, die Oper, die er komponiert hat, muß, nach den paar sie ver 
anschaulichenden Bildern zu schließen, ein furchtbarer Schmarren 
sein.) —- Im übrigen handelt der nach einer Novelle von Otto 
Runge gedrehte Film von Theaterlisbeleien und mehrfacher Eifer 
sucht, die sich schließlich durch einen Revolverknall Luft schafft. 
Eine dumme, schlecht durchkomponierte Geschichte mit unbeMedi- 
gendem Schluß. Die Regie hat daraus gemacht, was zu machen 
war; ein paar wirksame Szenen, die in der Luft schweben. Von den 
Darstellern seien Otto Wallburg, Marcella Albani und der 
stets gute Siegfried A rno genannt. KaeL. 
Heut spielt her Strauß. Dieser Film der Ufa-Licht^ 
spiele rafft so Ziemlich alles zusammen, was dem Publikum 
gefallt: Wen, Krinolinenröcke, den Wiener Wald, den Strauß 
Vater und den Strauß Sohn mit der schönen blauen Donau. Nur 
der Geist fehlt, aber auf den. kommt es auch in solchen Mischungen 
nicht an. Das Gemüt ist dafür um so herzhafter Zur Stelle, ist 
gerührt und rührt auf. Ang esich ts der Lebens geschickte von Strauß 
senior und junior kann es freilich in Wallung geraten» Jener, 
ein ZigsunerLyp, brennt seiner Frau durch, findet Lei der andern 
im goldenen Käfig auch keine Ruhe und will den Jungen nicht 
hochkommen lassen. Der spielt Geige, steht der Mutter Lei, ent 
brennt in Liebe, wird Walzerkönig und bezwingt den Vater. 
Lauter Ereignisse, die durch die Verfilmung genügend verwässert 
werden, um vage Allgemeingefühle zu erregen. Gemacht ist der 
Film mit mittlerem Geschick, das sich zu viel auf die Wirkung 
der Kostüme, des Milieus und der historischen Namen verläßt, 
Ab e l als Straußenpapa verkörpert die schwierige genialische Er 
scheinung mit berücken Augen. Ein charmanter-, ja poetischer Junge 
ist Jmre Rabatz; vielleicht etwas zu süß, wenn er auch langst 
nicht so ein Zuckerl ist wie seine kleine Freundin Lillian Ellis- 
Gute Episüdenfiguren: Ferdinand Bonn und Jakob Liebte. 
— Durch eine reizende Balleiteinlage in der Mitte des Films er 
freut Ilse Petersen, deren tänzerische Darbietung des Donau 
walzers mit Recht lebhaft beklatscht wurde. Schließlich sei noch 
die musikalische Illustration Kapellmeister Pflugmachers ge 
rühmt. NL0L-" 
e« Soman «kulisn ArßsN« 
Deutsch Kosn Men. K. 
KpeiM'sekö ZZ4 Leiten 
Abö 6. 
Vor Roman birgt anuLbornck äis Zloiebsn Os- 
balts ^1s „Mrienns Nosurat", äL8 auäsrs, bisr 
LsinsrLblt auskübrUob Zs^üräiZts Luell äss OwlltsrZ 
(vsrgl. RLtsratuMatt dlr. 33 vom 12. ^,UM8t). Lr 
kpiolt auk sinsr Losit^unZ im Lüäsu MaskinZtovs, 
in smsr 6MSLM6N I-Lnäsebakt, äis mitZxisIt. Ms 
ein böser Dämon Ist an äsn Ort eins Drau xs- 
bannt, in äsr sieb äsr 0 s 1L so IsibbM vsrlcörxort, 
änü als als ssins Ulsgorls srsebsmt. Dsr Lall 
Ibrsr ll'oeütsr ZoZsn sis Ist sin atatuarisebsr Lall, 
äsr gs^altiA unä undsilvoU ist ^is äsr Osir. LLsr 
kämxksn umbt Nsnsebsn mitsinanäsr, sonäsrn 
ssnbsitsn. 8is vsrstrieksn sied ^ütsnä, sis lasssn 
bis 2U ibrsr ulwr DntsrZanZ niebt von sieb nb. 
Lmsm Orkan gwieb §rsiksn sie nuk äis bslsbts unä 
äis unbßlebts Natur über, äsr DrsibsitsäranK äsr 
loebtsr vsrlcsbrt sisb in äis DssitLMr äsr Nuttsr, 
unä am Lnäs gsbt äas Vssitxtum in Diammsn 
8o ist es in äsr OränunZ: äsnn ^snn äis NäektK 
äsr Ontsr^slt sieb ^is Ruuäs von äsr Lstts rsiüsu, 
mull Vsrniebtung äis DoIZs asin. Mt vollsnästsr 
DoZilc ^irä äas Ossebsbsn gsstaltst, äas LebioLsnI 
bsillsn äark. Ls xrLZt sieb sin als äüstsrss Dilch 
L r^ , 
« Msdernx Giraten. Diesen in den Klemanaia-Licht» 
spielen gezeigten Film hat Manfred Noa mit allzu großem 
Aufwand an Trust und Phanjastik gedreht. Der Ernst und die 
Phantast» vertragen sich nämlich nicht miteinander. Dieser zu 
folge raubt eine Piratenbanke in der SLdsee einen Dampfer, um 
mit seiner Hilfe und der irgend einer Großmacht irgendwo zur 
Macht zu gelangen. Der gegen sie entsandte Kriminalkommissär 
lJack Trev »r) schließt sich einer Filmgesellschaft an. die in den 
gleichen Gewässern Aufnahmen macht. Dank seiner Schlauheit 
gelingt «S ihm, die Filmleute gegen die Piraten auszuspielen, 
und am Schluß nicht nur den Sieg davsnzutragen» sondern auch 
die Braut. Das ist eine Idee, die höchstens mit der sanften Ironie 
Frank Hellers stilgerecht hätte durchgeführt werden können. Herr 
Nsa aber bleibt ernst. Er läßt mit gerunzelter Stirn Schiffchen 
im Weliertaifnn schaukeln, richtet bedenklich« Opium höhlen ein, 
arbeitet mit Dynamitkisten und gruppiert malerisch Palmen. Wird 
durch die vorgMufchts Wirklichkeit die Fabel wahrscheinlicher? 
Man mißtraut ihr ^rst recht, wenn der Glaube an sie beansprucht 
wird. Die Unsicherheit der Regie schädigt alle Details. Ein 
reines Vergnügen bereitet einzig Siegfried Arno, ein Kabarett 
komiker ersten Ranges, der gum Glück Gelegenheit hat, sich aus 
giebig zu produzieren. LaeL. 
Ich heirate Meine Frau. Eine Kswödie der Neuen 
Lichtbühne, die Max Reichmann gedreht hat. Auch die 
Idee stammt von ihm, und sie ist nett. Eine sehr reiche und sehr 
lebenslustige Dame von über dreißig Jahren, die in Monte 
residiert, möchte gern ihre arme Nichte verheiraten. Auf den Ge 
danken kommt sie ausgerechnet, nachdem sich die Nichte gerade 
verehelicht hat. Da diese um der zu erwartenden Mllioneneröschuft 
willen auf die Caprice der Tante eingehen muß, fährt sie nach 
Monte und läßt ihren Mann nachkommen, der sich als Fremder 
zum zweitenmal um sie bewerben soll. Ehe er sie wieder erringt, 
find manche SchwieriMiten zu überwinden, unter denen nicht die 
geringste ist, daß die Tante sich in den jungen Mann verliebt. 
Reichmann hat Spielphantasie. Jedenfalls gelingen ihm auch in 
diesem Film, dem doch keineswegs Bedeutung beizumssssn ist, ein 
paar winzige Arabesken, die von der Regel abweichen. Schon 
dafür muß man dankbar sein, und es ist wirklich nicht viel. 
Gustav Fröhlich, der den Helden spielt, ist eins zweite Auflage 
von Hans Vrausswetter, wie er früher ausgesehen hat, sehr 
blond und lieblich Carmen Boni als msndäne Erbtante ist gut 
hergerichtet. Der zweite Film: „Unter Verbrechern" zeigt den 
Hund Rm-Tin-Tin im dunkelsten London. Ein spannendes 
Kolvortagestück mit so viel Scotland Mrd, daß eK von Edgar 
Waltace sein könnte. K^ea, 
SaMphsrEusi. Ein Film derCapitol-Lichtspiele, 
in dem es'von Tillergirls nur so regnet. Eine Baroneß, die nach 
London ins Institut "geschickt wird, und eine HeizersLochtsr, die 
sich in der dortigen TanZschuls ausbilden lassen soll, vertauschen 
ihre Rollen. Dieses etwas verbrauchte Motiv wird noch einmal 
gehörig hergenommen. Selbstverständlich kriegt die Baroneß ihren 
englischen Lord und das Mädchen aus den unteren Kreisen nur 
einen Philosophen. Revue-Atmosphäre» Klub in London, der lebe- 
durstigs Papa Baron und das Milieu der kleinen Leute — das 
sind die Haupteffekte, mit denen gearbeitet wird. Alles grob ge 
macht; die üblichen Klischees. Geradezu peinlich jene Szene, in 
der die schlechten Etzmanieren in der SouterrainwohnunT ver 
höhnt werden, solche billigen Travestierungen verraten einen 
Mangel an Feingefühl, der die Grenze des Möglichen schon fast 
überschreitet. — Die Heldin/Anni Ondra, ist ein ganz quickes 
Mädchem Im übrigen nur Durchschnitt. lk » e A. 
Gedächtnisfeier des 
Vereins für Geschichte und Altertumskunde. 
» Der Verein für Geschichte und Altertumskunde veranstaltet« 
«n Donnerstag abend in der Eingangshalle des Historischen 
Museums eine Gedächtnisfeier für drei verstorbene Mitglieder, die 
sich hervorragende Verdienste um die Geschichte Frankfurts erworben 
haben. Dr. Julius Lahn ergriff als eHer das Dort, um das 
Andenken Pros. Jfldor KracauerS zu ehren. Er erzählte kurz 
das Leben des Gelehrten, mit dem freundschaftliche Beziehungen 
ihn eng verbanden, und gedachte dann seiner zahlreichen Arbeiten: 
der in den Archivbänden erschienenen Reihe Lon Aufsätzen, der 
Studien über daS Militärwesen der Reichsstadt, und vor allem der 
Geschichte der Frankfurter Juden, jenes bedeuten 
den Quellenwerks, daS die Frucht jahrzehntelanger Mühen war 
und vom Verfasser noch vor seinem Tode abgeschlossen werden 
konnte. In besonders schöner Weise würdigte der Redner di« 
menschlichen Züge Kracauers, die ihm die Liebe seiner Schüler, 
tzi« Achtung des Gegners und den Kreis der Freunde erworben 
haben. — Justizrat Dr. Alexander Dietz sprach über Emil 
Padjera, dessen einfaches LebenSschichsal sr vor Augen führte. 
Padjera, der Frankfurt und seine Geschichte wie kaum «in anderer 
liebte, besaß ein« groß« Leidenschaft: die für das B e f e st i g u n g s- 
wesen. Er hat diesem Thema sein Hauptwerk gewidmet und
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        Clownsmaske verwandelt. Die 
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Ackioksals sinL§sr dslreunäsLsr brÄUsn, äis auLsr- 
kalk äss äsr LoovHvUousü Lkr bsken m 
kchadkäuZUksiL lsdsn 'Uollsn. ^VLektiZ Lum Vsr- 
stLnäms ist, äaü älsss „MlavDpisrtsn" krauen 
kraULLLtnUSN sinä unä Lick Ln ?aris äureKLUkn.DA6N 
sucksn; äsun kisr, äis altsn Lauvsatlonsn nock 
hinäsnäs LrM dsLitssn, kat äis auk SIAWS küks 
AHLtsüts brau vislisickh mskr LSMMULMN ru üdsr- 
^mäsn säs in mancksn anäersn LtäätW uuä bänäsrn. 
; Dis ZssokLäsotsy Dedsuslauks äisusn alls rur 
brkLrtunZ äsr sinsn Dksss: ä^L Zsküästs brausn, 
äis niekts sonst Wöcktsg sis sigk Lkr Brot. auk 
austLnälZs ^rt sr^srdsu, äas Dassm von Oalssran- 
strLüivZsn 5MrM. bin paar von Lkoev sinä in 
§aur Mtsn Lsruksn untsr§ssckluM? eins ist äis 
j krivatsskrstLrin sinss Laukäirsklors, sins anäsrs 
^slttznn äsr UsrstsllunZ smes VsrlLAS, äis äntts 
sins llournaUEu. /.dsr man ks^aklt sis sÄüsokttzr 
als äis NLnusr, lLüt sis küklsn, äaü man ikrs ^r- 
! dsit nickt sonäerUed dock ks^srtst, unä spnvFt 
EekLiektslys mit iknen um. Luk VeKritt unä Iritt 
Msiksn sis, äaü sis nur brausn sinä. bsl äsr 
Msrsuoks srIsksn siek lautsr 8ekvüsriUksLtsu, unä 
! äis Drsks, äls srsMnts ^irkUeks biZks, äis siek 
krsr §cksukt unä frei smpkLNASL ^irä, ist bin vsr- 
tmoktsb; nickt W Ktz^LltlZsuäHs broklsM. RsMs&amp;gt; 
äis LauptkiAur, kat sins bsÄskunH ru smsW vor- 
kdiratstsn UZützr LNAsknüM, äsr Mm IrEpunkt 
sin LdMloZHLSL btunäsukotsi V'Et, ämoit ssius 
brau mckts von äsr IHson vrkäkrt. MaA als bisds 
dsZauu, enäst ün Mtz! — sin LUdssieknöt. äarxs- 
LtHNtsr Vsrlam. ^uek äis ÄdriZen brausn mucksn 
^skMckW äurck. Da sis siek nickt prostituierst 
sollen, ist Mttsrksit lkr k-os. I^ur eins von iknsn 
unZsIt sick rrLsIdS^Ltz smm Usnn; über sis ist von 
vornksrsm säs OsMnt^pus konstruiert. 
Des LrZskms ist ItSMZnLtion. R.sBvs rsttet 
Kick von äsr (Aulbsrs in äis Vernunkteks kinein. 
„Nsin Irrtum v^nr briüLrt sis äsn D^unämnon, 
,,^u Zlaudsn, änL ick miok Wer msins 5u§svä kin- 
LUS mit sinsm T&amp;gt;eksn änttsr DLSL6 Eräs ndkinäen 
kkinnsn. 5stLt vM ick, änk ick, MSNN äls« I/Sden 
so iMtsrAsksn vmräs, m Meinen ^uMn nickt äss 
nLrs, Mss ikr so ZrdünrtrZ sms unnkkLnZiZs k&amp;gt;nu 
nennt, sins krois ?rnu — sonäern eins vorpatsts 
KiÄstenL, ein Lrmes Wssem" 
Dsr Roman kat nickt WsraU Osstnlt Zo^onnsm 
Uanckes ist ikm psrsönlieks VrkakrunZ Zsdlisdss, 
unä äis RrlnkrunZtzn Letrsn siek kis unä äs, in 
RsklsÄonsn um» äis KentimMtÄl wirken, nmU äsr 
Lstrscktsrrn äsr ästketiseks /.dstanä M äsn Lrlsd- 
nisssn ksklt. Oock äsr MnstlsriKeks ULmre! virä 
m äisssw ?si! rum VorruZ äss Osrickts, ässssn 
XVskrksrt sr nnviäsrlsZUek dskrLktiA. Dis Lon- 
ksssionsn äsr kiuFsn unä ksinsn Vorkasssrin sr- 
LciüisLsn vürkUek äsn ktzbonnrauD sinsr rückt un- 
dsträckUicksn ^raususekickt, srsckiisLen iko mit 
sinsr .4.ukriektiZksLt, ^is sis nur HkrecknunFsn siZ- 
nsk 80 ist äsnn äas Zuck ssinsm ^voLsMicksn Os- 
ksät n2Lk sis sins köckst dsäsutsnäs sosiLls Ro- 
ports^s aukrulLsssM Ikrs ^uskünkts kstrsilen 
jsäsn. Ois trilds 'Aslsksit, Lu äsr sie am AMuü 
KslLQZK ^irä rüsmLnäE so Isickt unZsrükrt iasssn. 
8. TrasLUsr. 
treibt nicht selten und trägt überhaupt zu dick auf. Manches ist 
ihm allerdings ausgezeichnet gelungen; so eine Traumszene, in der 
sich der Clown über das zur PuppenhastigkeiL verkleinerte Holz 
gerüst der „Lodesschleife" neigt, auf der die Geliebte sich mit dem 
Artisten produzieren soll. Gerettet wird der Film durch Werner 
Kvauß, der die Rolle wundervoll zart und mit melancholischer An 
mut durchführt. Er rührt, wenn er im Straßenanzug um das 
Mädchen wirbt, und als CloÄn ist er ein so guter Clown wie 
nur wenige. Sein Gesicht, dessen Ausdrucksgewalt der Darstellung 
jeder dämonischen Regung fähig ist, strahlt hier nur Güte aus. 
Wissen und Mitgefühl. Von besonderem Reiz sind jene Bilder 
folgen, in denen es sich in d 
übrigen Darsteller sind in der Hauptsache gut gewählt; wenn auch 
gerade Jenny Iugs, die Partnerin von Krauß, ohne Atmosphäre 
ist. Schade, daß Gina Manä s nur mit einer Nebenrolle bedacht 
worden ist, in der sie sich aufs Typisieren beschränken muß. Aus 
gezeichnet ist Warwick Ward als weiberwütiger Artist. Für die 
Episodenfiguren sorgen unter anderem Siegfried Arno, Lydia 
P 0 Le china undMax G ülst 0 rff. Raoa. 
Flucht vor Blond. Die Idee dieses Films der Neuen 
Lichtbühne stammt von Louis Ralph, der auch die Regie 
geführt hat. Das Wort Idee ist allerdings zu hochgegriffen, denn 
es handelt sich einfach um einen Hochstapler, der eine solche 
Leidenschaft für Blond besitzt, daß er von Frauen dieser ^Haar- 
farbe nicht lassen kann; was ihn zu einer luchreu Beute für die 
Polizei macht. Eine schwarzharige Amerikanerin, die einen 
Narren an ihm gefressen hat und rhn aus schwierigen Situationen 
rettet, erobert zum Schluß seine Liebe und seinen Farbensinn 
und befreit ihn von allen Blondircn der Welt. Den Hinter 
grund bilden Luxushotels, Dampfer und Ei;enbahnkorridore. Georg 
Alexander wirkt als Einbrecher nicht so glaubhaft wie als 
etwas vertrottelter Herzensbrecher. Eigentlich bricht er überhaupt 
nicht, sondern die Herzen öffnen sich ihm unbegreiflich erweise 
von selbst. Daß er dem strahlenden Blond von Lia Eiben- 
schütz nicht widerstehen kann, läßt sich n-achfühlen. Agnes 
Esterhazy kann auch als Amerikanerin die Wienerin nicht 
verleugnen. — Viel schöner ist der däftige Wildwestfilm ^des 
Beiprogramms: „Dämon der Prärie", eine schmissige 
Reiterkolportage, in der ein Hengst die Hauptrolle spielt, der eine 
Art von Douglas Fairbanks unter den Pferden ist. Sein Herr 
- Jakuna Lanutt ist des Hengstes würdig, denn er reitet traumhaft 
* verwegen und ist, nehmt alles nur in allem, ein Mann, wie es 
deren in Texas wenige gibt. Raca. 
er in einer Reihe von Aufsätzen in der früheren illustrierten 
„Kleinen Presse" behandelt Seine Leistungen sind um so mehr 
der Achtung wert, als er sich vom Kaufmannsstand aus den Zu 
gang zur Wissenschaft erobern mußte. — Als letzter Redner feierte 
! Kustos Dr. Karl Woelcke das Gedächtnis des verstorbenen 
«Museumsdirektors Pros. Bernhard Müller. Der langjährige 
Letter des Historischen Museums unser« Stadt stammte auS 
Hannover und hatte scharr von seinem Vater das Interesse für die 
Archäologie geerbt. Nach Abschluß der UniversitätSstudien wirkt» 
er am Landesmufeum in Dormsiadt, wo er n. o. die Neuordnung 
der archäologischen Sammlung unternahm. Er wurde Staatlicher 
Denkmalspfleger in Hessen und befaßte sich mit allen Fragen des 
H«MatschutzeS. Im Jahre 1808 kam er nach Frankfurt. Was 
er hier in seiner amtlichen Eigenschaft geleistet hat, ist allen Freun 
den der Geschichte Frankfurts gegenwärtig. Erwähnt seien nur 
die Sammlungen Höchster Porzellans und Frankfurter Fayencen 
Nn Museum, die zu seinen eigensten Verdiensten gehören. —- Zum 
Schluß legte UniverMtsprofessor Drl Fedor Schneider, der 
erste Vorsitzende des Vereins, in schönen Worten das Gelöbnis 
daß niemals das Gedächtnis der Toten entschwinden solle, 
dl« an dem großen Dom der Wissenschaft gebaut haben. ^-«r. 
„I^OVVlu^ tllO Ivov" mit Werner Krauß. Die Handlung 
dieses neuen Zirkus-Großstlms der Ufa-Lichtspiele steht und 
fällt mit ker etwas fragwürdigen These, daß ein Clown Lei 
Frauen kein Glück habe- Die Frauen müßten über in lachen, also 
sei er als Mann erledigt.L)er Held des Films, ein berühmter Clown, 
hat wenigstens einmal eine solche Erfahrung gemacht und richtet nun 
sein Leben nach ihr ein. Er lernt ein junges Mädchen kennen, dem 
er seinen Beruf verheimlicht, weil er das Mädchen liebt und 
wiedergeliebt werden möchte. Die junge Person kehrt sich aber nicht 
an sein Verbot, in den Zirkus Zu geHen, sieht ihn dort als Clown, 
ohne ihn freilich zu erkennen, wendet sich auf seine Vorhaltungen 
hin aus Trotz von ihm ab, läuft einem Artisten nach, der ihr nur 
schlechtes antut und wird zuletzt von dem Clown aus asten Nöten 
befreit. Große Schlußszme: der Clown schminkt sich ab und ent 
hüllt sich als der gleiche Mann, dem davongelausen zu sein sie 
längst bereut hat. Statt über ihn zu lachen, ist sie stolz auf ihn, 
und so wird denn am Ende zum Glück die Hauptthe.se widerlegt. 
Zirkusproduktionen und Eifersüchteleien lausen nebenher. Der Film 
„Manege" war nicht nur kompositorisch, sondern auch regiemätziH 
ungleich besser. Zwar hat sich Arthur R 0 Lis 0 n, der Regisseur, 
um ein echtes und reiches Milieu bemüht, aber er ist in ihm nicht 
so zu Hause wie Max Reichmann, der in dem Manegefilm bis rn 
die kleinste Einzelheit hinein dis Wirklichkeit traf. Robison über- 
«- Der geheime Kurier. So nennt sich, offenbar um des größeren 
Anreizes willen, die in den B ieL er ba u - L ichL s p l el e ü ge 
zeigte Verfilmung von Stendhals: ,Kouxs st noir". Der Roman 
ist bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden, ohne daß wenigstens 
seine vielleicht filmwirks-amen Szenen ausg-enutzt worden wären. 
Nicht einmal der Film in sich ist ein Ganzes, sondern ein fühl- 
los zusammengewürfeltes Gemenge einzelner Episoden, die abge 
hackt nebeneinander stehen. Warum man als Julien Sorel gerade 
Mosjukin ausgesucht hat, ist unerfindlich. Der Held müßte ein 
junger, hübscher, etwas ungeschickter, aber behender und leiden 
schaftlicher Mensch sein, und MoZjukin wirkt alt, erfahren und 
wie eine Noue. Er ist eher ein abgebrühter Emigrant als ein 
Stendhalscher Held. Seine Partnerin Lil Dagoder kommt mit 
ihrer Schönheit nicht zur Geltung, weil sie sich auf konventionelle 
Gebärden beschränkt. Am besten ist noch Agnes PetersenS 
kleine Marquise, ein frisches Geschöpf, das die Mimik in Einklang 
mit dem Stilkostüm zu bringen weiß. Der Regie fehlt jede Ein 
gebung. —— —Us 0 ».
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        ü I / 2 -» ^7 
Ernst Lubitsch: „Alt-Heidelberg" im Ufa. 
Es lassen sich Einwände gegen den Film erheben, aber er 
ist entzückend gemacht. Das muß gleich zu Anfang gesagt 
werden. 
Man kann etwa fragen, ob es notwendig war, zu Wilhelm 
Meyer-Förster zu greifen, wo doch der Stoff auf der Straße liegt. 
Man kann fragen, ob es uns ansteht, das schwere Geschick eines 
- Fürstensohnes zu glorifizieren, während zahllose unbekannte Men 
schen ein viel schwereres erleiden. Es steht uns nicht an, und die 
Fabel ist tatsächlich trotz der zeitgemäßen Jronisterung ein Ana 
chronismus. 
Doch wie anfechtbar immer das Sujet sei, das Lubitsch 
seiner Popularität wegen gewählt: er hat es mit einem Witz 
und einem Sinn für zarte Wirkungen gestaltet, über die heute 
nur ganz wenige Filmregisseure verfügen. Man halte die üblichen 
Erzeugnisse der gegenwärtigen deutschen Produktion daneben, um 
den Unterschied Zu bemerken. Schon in „Lady Windermeres Fächer" 
hat Lubitsch gezeigt, wie sehr er sich auf Nuancen versteht und 
aus geringfügigen Gesten die Bedeutung herauszuholen vermag. 
Er stammt noch aus der alten psychologischen Schule; das ist 
nicht immer und gewiß nicht bei ihm ein Schaden. 
Nun hat er, ein höchst merkwürdiger Fall, in dem amerikanischen 
Hollywood eine versunkene deutsche Wirklichkeit wieder.erweckt. 
. Es zeugt für ihn, daß er zum Zweck solcher Beschwörung keines- 
z Wegs das bekannte Theaterstück mechanisch in die Filmsprache 
l übertragen, sondern so weitgehend verändert hat, daß eigentlich eine 
neue Handlung entstanden ist. Ihr Gehalt begreift teilweise den 
des Romans: „Königliche Hoheit" mit ein. Wie in dem Werk 
Thomas Manns, so steht auch im Film der Lebenslauf des Prin 
zen im Mittelpunkt. Kaum zu erwähnen nötig, daß Lubitsch nur die 
Oberfläche abbildet, deren Scheinhaftigkeit Mann gestaltet. Aber 
immerhin, er übernimmt noch etwas aus der Sphäre des Buchs. 
Er führt den Prinzen schon als Knaben vor, der in einem Park 
hinter Gittern wie in einem Käfig gehalten wird. Er läßt ihn 
die Farce des Abiturientenexamens durchmachen und verwandelt 
Alt-Heidelberg in eine Episode dieses belanglosen Glanzlebens 
zurück, in die einzige Episode, die mehr ist als äußere Herrlichkeit. 
Ihre Bedeutung wird unterstrichen durch die ausführlichen Schluß 
szenen, in denen das höfische Milieu wie eine undurchdringliche 
Hecke um den Helden hochwächst. 
, Der Film hat einen bewußt spielerischen Charakter, den zahl 
reiche glückliche Einfälle festzuhalten und geschickt zu steigern wissen, j 
Reizend arrangiert ist am Anfang und Ende das Zylinder- 
geschwenke Lausender treuer Untertanen; eine gelungene Simpli- 
zissimus-Satire das Ballspiel des Knaben mit drei Lakaien; muster 
haft der leichte Spott, mit dem die zeremoniellen Ereignisse trak 
tiert sind. Lubitschs künstlerischer Geschmack sorgt dafür^ daß nir 
gends plump übertrieben wird. Stilsichere Assoziationen und Ueber- 
gänge verstehen sich bei ihm von selbst. Im Gegensatz zu den 
Durchschnittsregisseuren arbeitet er eben nicht mit festem Schema, 
sondern gruppiert von Fall zu Fall. Wie ausgezeichnet ist, um 
nur das noch zu erwähnen, der Endauftritt, in dem der Fürst an 
der Seite der hohen Gemahlin durch die Residenz fährt. Von der 
ganzen hohen Gemahlin ist nur ein Stück Kleid über den Knien 
zu sehen. 
Kompromisse und Nachlässigkeiten seien nicht verschwiegen. Hie 
und da ist die Sentimentalität knüppeldick; so hätte uns die Nacht 
wiese mit dem funkelnden Sternenhimmel darüber getrost erspart 
werden können. Das Corps Saxonia gibt sich zuerst ein wenig gar 
zu drastisch (dafür kommt freilich sein späteres Ersterben vor dem 
inzwischen zur Durchlaucht Aufgerückten um so besser heraus). 
Die Architektur des fürstlichen Krähwinkels ist nicht naturecht 
genug. 
Schwerlich wird es, einen charmanteren Karl Heinz als 
Ramon Novarro geben. Er ist ein bildhübscher, anständiger 
Junge, der den Mangel an außergewöhnlicher Intelligenz durch 
gute Manieren und unmittelbare Gefühle ersetzt. Auch der Dr. 
Jüttner Jean Hersholts ist porträtähnlich getroffen, während 
Norma Shearer als Käthi nicht durchaus überzeugt, so sehr ste 
, ihr Herz auch verloren hat. ; 
/ n n . 
Ein alter Douglas FairbankZ-Film. In der Neue« 
Lichtbühne wird ein vor vielen Jahren gedrehter Film: „D e r 
vierte Musketier" gezeigt, der nach dem Roman von 
Alexander Dumas fabriziert worden ist. Vielleicht hat er damals 
als Prunkfilm gegolten; heute ist er nur noch ein Mönches 
Kuriosum. Es handelt sich in ihm um verzwickte höfische Kabalen^ 
in deren Mittelpunkt der Kardinal Richelieu steht. Er wirkt wie 
ein Schmierenintrigant, und Adolphe Menjou, sein Gegenspieler, 
ist nun einmal trotz des angehefteten Spitzbärtchens kein König, 
sondern ein süffisanter Lebemann. Auch Bronnens längst verstor 
bene Barbara La Marr muß übrigens in der Geschichts- 
Maskerade herhaltem Douglas Fairbanks selbst hat inzwischen 
entschieden Fortschritt« gemacht; denn als vierter Musketier fM 
er zwar so trefflich wie heute, aber sein Auftreten ist von einer 
kaum zu Lberbietenden Tölpelhaftigkeit. — Der vorangehende 
amerikanische Kinderfilm — einer der vielen, in denen Laus 
buben sentimental glorifiziert werden — Wäre vielleicht zu er» 
tragen, wenn man nicht wüßte, daß» aus den Lausbuben später 
Amerikaner werden, die wieder solche Film« herstellen. 
stre».
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        Abend im Hotel. 
schlüssel. Die Söhne; wie Menschenfresser sahen sie 
Ginster. § 
wichergegebm&amp;gt; mit der WolM im Hintergrund, den Kreuzfa^rteit 
6o.^ SL? L«rt^ veb? äÄ/' 
livNM"^ nnr vermuten lisü, virä äurcb äsn neuen 
Lanä bsktüti«t: krank Isllsr bat seinen En 
veeksslt. Der kamose Locbstaplsr Lsrr Oollm. äer 
im. Dienst äsr Vsrecdtt^ei^unä^n^ 
8ckppcImllkcUu«.iEsnäMti ruaunstsneines 
in ^meteräam vobnbattsn Dr. /immertür adxstr 
ten. äsr naeb äem Nus^r mancbsr derNdmteu vs^ 
tive in einer lockeren Lsrisbunu rur LriminalpolE 
stsdt. Im WriMN reinst er als Dsvckoauaivtcker 
äas 8sslsnlsbsn kremäsr ^E^n/t seine krsl^ 
?/it äsroäeM 8tE. vo er seine klelanckoUe 
unä alkoboliseks Üetrünks 8en&amp;gt;süt Dieser s) im 
patbiscbs ^nbänMr 8ieLmunä krsuäs virä ÄMMN 
mekr väer vsnixer ewcklmk erlunäsnen kallsn 8^ 
eenüderMstellt. äis er neck äem d'Mäes Autors 
mit einem 8ellsrtsinn bevaltmt ru äsmidui^m 
unä Lasse uleieiisrmaüsn "swklickten /ms Dräumen 
erscklieüt sr Verbrseksn. unä isäs Osduräe virä ckm 
rum kinWrMiu. Ldsr äis ^Visseuscdakt 
es värs nickt o^lUn mit soiasr 
uat^licds^Ä°aülieit KLtts lösen konusn. ver 
uatlicdsÄaülieit KLtts lösen konusn. ver 
Doktor«raä unä äis ksveiioanalvso stikten im DrunN 
nur VsrvirrUnu; äenn sie sMä äort eutdslirlicd. vo 
es auk Driumvlis ankomm^äm äer^Dai^s^ Kut^is 
säM nElen«son äis äurcli Mts 
unä äumut entrücken, ^ksr äas verstellt sied bei 
einem 8ckriktsteIIsr vm Heller von selbst. Lr.
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        v?cbt ruletrt den Kuk, das „8t. Moritr der westsckweör' 
Klima vom gewohnten Lauf abweicht. Der Regen etwa ist kein ge- 
^Buster Keaton.1 In seinem neuen Film: 
Wasser 
.„ 
hat Balken"ist Auster KeaLon, offenbar unter dem Einfluß wöhnlicher Regen, sondern ein übernatürlicher Wassersturz, der 
alles Lebendige fortschwemmt. Mit einem zerfetzten Regenschirm 
Chaplins, merklich gereift. Die Welt, die früher nur grotesk war, 
ist jetzt verzaubert, ste ist ein Zauberwald, durch den der stumme kä mp ft Bu s t er gegen di e dä mon i sc h e Flü ss i g k e it an . Ih r f o l g t e i n 
'wäre nickt das internationale Centrum, das es ist, 
niekt rugleick ein 8portplatL ersten 
nare. Der ?k!egs sämtlieker 8portarten verdankt 
sogar das deutsche Kublikum. Italiener und 
vervollständigen die leiste der liier vertretenen 
Ritter Buster streift. Er sucht nicht Abenteuer, sie stoßen ihm zu. 
Nach jahrelanger Abwesenheit auf dem College kehrt er endlich nach 
Hause zurück. (Das Zuhause ist, nebenbei bemerkt, ein alter Fluß 
raddampfer, dessen Kapitän sein Vater ist.) Was wäre natürlicher, 
als daß sein am Zug wartender Vater ihn an der weißen Nelke 
im Knopfloch erkennt, die er, Buster, sich eigens angeheftet hat, um 
schneller gefunden zu werden? Der Vater und er verfehlen sich 
trotz der weißen Nelke. Buster soll für den Vorddienst eingekleidet 
werden. In einem Hutgeschäft werden ihm Hüte anprobiert, aber 
Zu keinem paßt er richtig, und soviele Hutformen auch auf ihm 
sitzen, sein Kopf sitzt eigentlich niemals unter ihnen. Auch die 
Hüte sind Feinde irr dieser verwunschenen Welt, in der sogar das 
Sturm, der die Häuser vom Boden hebt und die Wände niederreißt. 
Buster fliegt auf einen Baum durch die Lüste, rollt in einem Märchen 
westscbweiL. 
unteren Kbonetal gelegen, 
ist einer der scbönsten Punkte der westscbweir. Ulan errc icbt 
den 1300 Meter boben Ort von 8ex aus mit einer elektriseben 
Lram, die teilweise als Taburadbabn ausgebaut ist. Aabl- 
reicbe Oipkel scblieOsn sicb rund um Villars ru einem wobl- 
proportionierten ^.lpenpanorama Zusammen: ganr links die 
Diablerets, in der Mitte der Olacler du Orient und die viel- 
gsraekte Dent du Midi, nacb recbts die 8avoier 8erge. ^.uLer 
den Oipkeln sieben übrigens in der nacbsten Umgebung aucb 
Wälder kür die 8parüergänger bereit. 
deinen laQdscbaktlicben und vor allem seinen klimatiscben 
Vorrügen — das Klima ist mild, gleiebmäÜig und kür 8r- 
bolungsbedürktige besonders geeignet —- dankt Villars den 
regen Zesucb. 8s bietet, Zusammen mit den Ortscbatten 
Cbesi^res und rveyes, Lablreicbe Onterkunktsmög- 
licbkerten, die kür die verscbiedensten ^.nsprücbe sorgen, ^.n 
der 8pitre der Hotels und Kensionen präsidiert das Kalaee- 
Ikotel, dessen weitbin bekannter Name mit der Entwicklung 
von Villars ru eng verquickt ist, um verscbwiegen ru werden. 
Kamillen, die Dausbalt kübren wollen, können sicb in einem 
dsr vielen Cbalets einnistsn. Kinder kinden in einer Keibe 
gaurjabrig geökkneter und mebr oder weniger luxuriös aus- 
gsstattetsr HeimG ^uknabme. 8is baben ibre eigenen 8piel- 
plätre, genieOen Onterricbt und gebraucben 8onnen- und 
I-iegekuren, dis etwa in kaUen von Kacbitiz und 8luiarmut 
gute Wirkungen errielen sollen. 
Dis rum dabrs 1924 wurde Villars bauptsäcblicb von 
Kranrosen, Dngländern und Delgiern besucbt; aucb ^.egypter 
und Oriecben gekörten ru den regelmäßigen Oästm. Dann 
kamen langsam die Deutscben. ^.ngSLogen durcb den 
kreundlieben Dmpkang und die Keire des Orts nabm ibre i^abl 
mit jedem ckabre ru, und in der diessäbrigen 8ommsrsaison 
ru sein. Im 8ommer werden lennis und Oolk gespielt und auk 
dem 8tadion des ?alace Körperkultur getrieben, wundervoll 
ist das 8ckwimMbad mit seiner Diegswiese, auk der sicb der 
Körper unterm weiten Himmel deknt upd der Llrck das Kund 
des Oebirgspanoramas umsckweikt. Daß aucb der Winter 
sport in Villars seine weikestätte bat, versiebt sieb von 
selbst. Kükmenswertes läßt sieb der künstlieben Dobbakn 
naeksagen. 8ie ist über 1 km lang, siebt also der von 
8t. Moritz niebt viel naeb; woru noeb kommt, daß ibre 8e- 
Nutzung wesentlick billiger ist. Man läukt naiürlieb suck 
8eblLttscbub, man spielt Diskockey und Curling. Ausgiebiger 
?klege erkreut sieb der 8krsport. Die Dedingungen kür ibn 
sind darum besonders günstig, weil man jederzeit in kurzer 
Krist mit der elektrischen Iram das 1800 m bocb gelegene 
Klateau von 8 retaye erreicben kann, wo man über klebet 
und Wetterstürre erbaben ist. Die Mitgliedsckakt /um 8ki- 
klub, der im vergossenen Winter 480 Mitglieder batte- 
ist kür 8 8r§ ru erwerben und berecbtigt rum Oratisunt rrrickt. 
Dis 8ports sind im übrigen alle organisiert und kabsn ibren 
eigenen 8ekretar, der die lautenden Oesckäkte versiebt. In 
der ersten wintersaison, die von Glitte December bis Knde 
ckanuar dauert, kindet sicb kauptsäcklick englisckes Kublikum 
ein, dessen Kern eins dakr kür dakr wiederkebrende 8tamm- 
kundscbakt bildet. Man recbnet kür die ^ukunkt, vor allem 
aucb im Kebruar, mebr als bisber mit den Deutscben, denen 
Villars als winterplair nocb verkältnismäßig wenig bekannt ist. 
Das internationale Publikum will sicb amüsieren. 8s lebt 
sicb in gesellsebaktlicben Ereignissen aus, 
deren Mittelpunkt naturgemäß das Dalace ist. ^n Dancings 
ist kein Mangel, 8ä!1e geben Oelegenbeit rur Kntkaltung von 
loiletten, und Kostümbälle erbeben das Vergnügen, lanr 
überall, im dreien und in der 8ar. Kine sorgkaltige Kegle 
bringt ^.bweckslung in die Veranstaltungen binein und 
klügelt die sckeinbaren Improvisationen mit Vorbedackt aus. 
8ie miscbt Koxtrott-Konkurrenren mit sportlicksn wett 
spielen, deren es bler nicbt unbeträcktlicks gibt. 8o wird 
im nacbsten Winter ru Villars der berübmte llackson Cup 
kür Curling ausgetragen, der über das Cbampionat von Europa 
entscbeidet. ^.ucb in Dridge tut sicb nebenbei bemerkt 
mancbes. Kurr, es ist dakür gesorgt, dall der AlüOiggang die 
korm einer Lätigkeit annimmt, die ibn bescbönigt und 
mindestens so anregend ist wie die Höbenlukt, in der er sicb 
vollriebt. 
bett dvhin und geht sorglos durch Türen aus der Leere ins Leere. 
Die ernste Miene ist sein Visier, die Unbeweglichkeit seine Waffe 
in einem Reich voller Schrecken. Manchmal stellt er sich Lot, manch 
mal liegt er still wie ein Falter, der vortäuscht, ein Zweig zu 
sein. Aber ungeachtet der Angst ist er ein guter Junge, ein Ritter, 
der echte Gefühle hat. So empfindet er Zum Beispiel Kindesliebe. 
Der Vater kommt ins Gefängnis, und Buster glaubt sich sofort 
berufen, ihn durch Ungeschick Zu befreien. Das Ungeschick ist mit 
einer abgefeimten Schlauheit verbunden, deren Grazie an die 
Chaplins im „Goldrausch" erinnert. Ueberhaupt tritt er nicht 
plump auf, sondern greift immer behend daneben, und seine An 
mut ist ein Versprechen, das freilich erst eingelöst werden mag,, 
wenn der Bann von der Welt genommen ist. Dann könnte Buster 
sich endlich frei regen und lachen. —- Der ausgezeichnet gemachte 
Film läuft im Frankfurter Gloria-Palast. 
a c s. 
überwog 
Holländer 
^ati-nsn. 
illars 
es 
8Kang es 
— P D« l Dämon. In dies« ^m^inen ^ Dän^ Hbl 
wus- au egene ne erz u 
d h hier einen halb wehM mmgen Kerl, Urkunde zu- 
einer reinen Iungirau tvLchtet, ^^^blixiers ersorberlrch seu 
folee, für tue Zubereitung starrt sein Opser atL 
Er wirst den Mantel ^^4^" er Stoff m4t °uS Um die 
; wie ein Hypnomeur; mehr gibt ver « n und ern spuk- 
Phantastst zu steigern sprelt «A BrlMue^ Schauer 
Haftes Felsenschloß « EÄ« 
sehen freilich von den ModÄen m ist anspruchs- 
reine Jungfrau drechr Er chtl^A Seiten traten 
—L--- 
VIUKKS 
Das8t. Noritr der 
Villars, oberbalb von 8ex im
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        vorrn. 
HH 
retE. N 
&amp;gt;- Liroaek 
, 
npfiehlt 
ExzentrRSnzer im Glorta-Palaft. Im Spielprogramm dieser 
Woche tritt das akrobatische Lanzpaar Charlie und Blust 
Mattä von der Berliner Scala auf. Die Tänzer stellen ewige 
gute Posen. Fein LurchgeUldet ist vor allem die kleine Apachen- 
fzene, die sich freilich vor einem etwas helleren Hintergrund ad- 
spielen dürste. Die Einlage dient als Überleitung zum Auster 
Keaton . Film: „Wasser hat Balkens den wir im gest 
rigen Abendblatt gewürdigt haben. Zu erwähnen bleibt noch die 
vorzügliche Regie Charles F. Reisners, der das Menschen- 
und NLeliermögliche getan hat, um die Elemente im Aufruhr zu 
zeigen. peinz Meletta hat für eine reizvolle musikalische Illu 
stration gesorgt. Dem Film ist ein breites Publikum zu wünschen. 
Je ernster BuKer ist, um so mehr kann es sich suSlachen. 
KaeL. 
in ihm wahre Begebenheiten dargchM werden sollen. Beabsichtigt 
scheint also ein sozialer Protest. 
Die Handlung sängt in einer höheren Schule an, in her das 
Koedukations-Prinzip Lurchgesührt ist. Unter den Schülern haben 
sich zwei Parteien gebiwet: die zu einem Klub vereinigen „Gott 
Losen", Lie, von einem temperamentvollen DW-chen gelenkt, sich 
dem Atheismus verschrieben haben, und die anderen, die GoLLes- 
freunde, Leren Obmann ein ernster, kräftiger, hübscher Junge ist. 
Warum sollte das in Amerika nicht möglich sein? Wahrscheinlich ist 
auch, daß die Frommen eins Versammlung der Nihilisten sprengen 
und im Treppenhaus sich eine fürchterliche Schlacht entspinnt. 
Die Motive dieses JugendkriMs sind sogar denen des Weltkrieges 
überlegen, weil sie Geologischen Ursprungs süw. Dsr Versuch 
Hres Wahrheitsbeweises hat allerdings fürchterliche Folgen, In 
der Hitze des Gefechts bricht nämlich das Treppengeländer ent 
zwei, und eine Schülerin Mrzt sich zu Tode. Die Anführer der 
beiden Parteien, dsr Junge und Las MLdchem werden zu fünf 
Jahren Zwangserziehungsanstatt verurteilt. 
Die Zwangserziehung sanft alt ist Las eigentliche 
Thema des Films. Sieht sie wirklich in Amerika so aus? Und ist 
die gezeigte Anstalt typisch? Wenn die Schilderung zuträfe, wäre 
die amerikanische Zwangserziehung ein Schandfleck wie die frühere 
NegersZLaverei. 
Die im Wm gezeigte Anstalt ist in jeder Hinsicht ärger als 
ein Zuchthaus, und ihre AuMMLeamLen find Teufel, die ihre 
sadistischen Triebs unöekirmmert ausleben. Jede freiheitliche Regung 
wich in den FürsorgeZögLingen erstickt. Sie müssen nach der Mi 
nute arbeiten, sich waschen, in Viererreihen spazieren gehen, schla 
fen und beten. Wer nur mit einer Geste widerstrebt, erhalt von dem 
m der Boxkunst erfahrenen Oberaufseher einen Hieb, der ihn 
nMeMrsckt, oder wird durch einen tückisch auf ihn gerichteten 
Wasserstrahl erledigt. Der DrahtZaun zwischen der Knaben- und 
Mädchenabteilung ist mit Starkstrom geladen, und we^ denen, 
die ihn berühren. Schlimmere Sünder werden mit Ketten an den 
Füßen Kum Abtransport des Mülls kommandiert. In den Emzel- 
zMn sitzen um geringer Vergehen willen Häftlinge bei Wasser 
ukck Brot. Manchmal sind sie Zum Uebsrslutz noch an den Händen 
gefesselt. 
Vor diesem reizenden Hintergrund spielt sich Las Dasein der 
Hauptpersonen ab. Leider entwickelt es sich zum Sensmionsdrama. 
— ein scheußlicher Kompromiß zwischen den Erfordernissen 
einer genauen Reportage und den Notwendigkeiten des zugkräf 
tigen Reißers. Das Mädchen und der Knabe fliehen, erleben einen 
schönen Tag In den Wäldern, lieben sich, werden von den Anstalts 
beamten eingeholt, Zurückgeschleppt, gepeinigt und dann — dann 
bricht als Oeus «x rnLedrnL eine Feuersbrunst aus, die ihnen 
Gelegenheit gibt, nicht nur sich, sondern auch den schurkischen 
Oöeraufseher zu retten, der ihre Begnadigung erwirkt. Die Lore 
öffnen sich ihnen. Und zuletzt erklärt das gottlose Mädchen aus 
drücklich daß es nun an Gott zu glauben gelernt habe. Somit 
wäre also nachträglich die gegeißelte Einrichtung der großen Frev- 
lerin doch zum Heil ausgeschlagen. Eine Rechtfertigung, die nach 
den vorangegangenen Greuelbildern nicht eben mundet. 
Ceeil de Mille ist ein außerordentlicher Regisseur. Vorbildlich 
tst seine Montage der Schülerschlscht, einer Szenenfolge, die durch 
bis geschickte Herausarbeitung verschiedener Einzelzüge sich zu 
einem unerhörten Tohuwabohu steigert. Die paar Schutzleute, die 
am Ende eingreifen, so effektvoll zu placieren, gelingt nur wenigen. 
Ob und an welchen Punkten die Ereignisse in der Anstalt bereits 
Ln die Karikatur übergehen, ist nicht immer ganz klar. Die Ver 
gewaltigung der jungen Zöglinge wich durch ihre Behandlung in 
der KleDerkammer urck beim Anstaltsfriseur filmisch überzeugend 
veranschaulicht. Eine großartige Mache ist die Verfolgung der 
Flüchtigen durch Autos und Hunde und die Feuersbrunst, deren 
Flammen vielleicht noch kaum je in Filmen so bedrohlich ge 
Angelt haben. Die Gewalt des nächtlichen Aufruhrs wich durch 
den Einsatz eines Mädchens gesteigert, das plötzlich in Wahnsinn 
suKörM und dis Wasssrhähns zudreht. 
Das Spiel ist gut. Lina BasquetLr und Georg Durtzes 
sind die Helden. Am besten ist Mary Prsvost, ein blondes, 
schnippisches, unsentimentaleL Mädchen. 
Schade, baß eine kslportagehrste Handlung den dokumentarischen 
Gericht überwAtigt. Was ist wahr an dem Film? Was um der 
Sensation willen gestellt? R L e K.
        <pb n="48" />
        &amp;gt;5895 
Nicht die Typisierung des Films ist verv^l-cd-Im 
«eg-nteil: statt des wahllosen Experimentierens 
Bon T. Kraeauer. 
Die Filmproduttion hat sich so stabilisiert wie das 
Publikum. Ihre Erzeugnisse weisen typische, immer wieder 
kehrende Motive und Tendenzen auf, und selbst die vom 
Durchschnitt abweichenden Filme bieten kaum noch eine Ueber- 
raschung. Eine Verfestigung, die sich sowohl auf die Filmfabel 
wie auf das technische Verfahren erstreckt. Die Außenseiter, also 
etwa die Filme: „Die freudlose Gaffe", „Manege", „Die 
Hose", „Primanerliebe", „Therese Raquin", lassen sich zählen. 
ES ist an der Zeit, mit dieser Produktion abzurechnen. Sie 
ist dumm, verlogen und nicht selten gemein. Sie dürfte so nicht 
fortgesetzt werden. 
Ihre Liquidierung wäre um so notwendiger. Äs die FLm- 
freudigkeit während der letzten Jahre gewaltig zugenommen 
hat. Unzählige neue Kinos sind entstanden, die sich Paläste 
nennen, und der Kreis der eingeschworenen Filmverächter 
stirbt auS. Von den Arbeitern in den Vorstadtkinos an bis 
zur Großbourgeosie in den Palast - Etablissements strömen 
heute dem Film sämtliche Schichten der Bevölkerung zu; 
am stärksten vermutlich die kleineren Angestellten, die sich 
seit der Rationalisierung unserer Wirtschaft nicht nur ab 
solut, sondern auch relativ vermehrt haben. Ist aber der 
Film in die Massen gedrungen, so find seine Produzenten 
jedenfalls nicht allein für ihre Ware verantwortlich zu machen. 
In ihrem eigenen Interesse müssen sie die Bedürfnisse der Kon 
sumenten zu befriedigen suchen, und sogar Hugenberg be 
herrscht nur bedingt den Markt. Die Kritik der gegenwärtigen 
Produttion richtet sich mithin keineswegs ausschließlich gegen 
die Industrie, sie wird genau so an der Öffentlichkeit geübt, 
die dieser Industrie sich auszuleben erlaubt. Mitgefangen, 
mitgehangen — das gilt hier in strengem Sinn. 
Daß die Anklage gegen den heutigen Film nicht zur still 
schweigenden Rechtfertigung des augenblicklichen Theaters 
dienen kann und soll, braucht hoffentlich nicht erst ausdrücklich 
versichert zu werden. Wenn sie durch eine Untersuchung der 
deutschen Verhältnisse belegt wird, so heißt das ebenso 
wenig, Kß der ausländischen (nichtrussischen) Produttion ein 
Vorrang vor der eigenen eingeräumt werde. Vor allem die 
amerikanischen Fabrikate, die in letzter Zeit zu uns gekommen 
sind, wären, mit Ausnahme verschiedener, allerdings erstaun 
licher Spitzenleistungen, am besten gleich drüben geblieben. 
Aber das deutsche Elend betrifft uns unmittelbarer als das, 
der andern. « 
Der Heutige Iilm und seinWuötißum 
schon eher die Abwandlung bestimmter Vorlagen, außer 
dem vermöchte ja auch der größte Konzern nicht L. 
Woche neue und originelle Muster zu liefern. Verwerflich ist 
die G esinnung der Filme. In allen Typen, die sich heraus 
kristallisiert haben, wird unsere gesellschaftliche Wirklichkeit aus 
bald idiotisch harmlose, bald verruchte Weise verflüchtigt, be 
schönigt, entstellt. Genau das, was auf die Leinwand proji 
ziert werden sollte, ist von ihr weggswischt, und Bilder, die 
uns um das Bild des Daseins betrügen, füllen die Fläche. Be 
darf es der Beispiele? Ein Neberblick über unsere Durch 
schnittsproduktion genügt. 
Um nur ja nicht die Gegenwart zu zeigen, werden in den 
Spielfilmen tatsächlich die abenteuerlichsten Fluchtver 
s u ch e gemacht. Die Kamera, die an jeder Straßenecke stehen 
könnte, durchrast im Atelier ferne Zeiten und Räume, mit 
denen wir nichts mehr zu tun haben. Es muß nicht der Luther 
der Schullesebücher sein, Otto Gebühr oder die Jugend der 
Königin Luise, es muß überhaupt kein GeschichtSheros ein 
springen, der von dem wesentlicheren Heroismus namenloser 
Menschen ablenkt, — die jüngste Vergangenheit ist schon so 
weit von uns entfernt, daß sie uns wieder nahe gebracht wer 
den kann. Ihre verschollenen Lustspielstoffe sind den modernen 
Filmen gerade rechi, vorausgesetzt, daß die Lustigkeit weniger 
dem „Simplizifsimus" als den „Fliegenden Blättern" enr- 
stammt. Vor allem haben es die abgeschafften Fürstenhöfe 
den Manuskriptautoren ongetan. An diesen Höfen findet sich, 
was das republikanische Publikum nach der Meinung der 
Filmgesellschaften ersehnt: ein erlauchter Kreis von Standes 
herren, Galanterie aus Zeitvertreib, Glanz der Kostüme und 
frisch gebohntes Parkett. Die Stücke sind nicht zu zählen, in 
denen der Glanz neu ersteht, und käme es nur auf das Lächeln 
in Dragoneruniform an, so hätte Harry Liedtke längst wieder 
die Menge für das alte Regime gewonnen. Er ist der Mann 
nach dem Herzen der Marlitt und der Held vieler Operetten. 
Je abgetakelter die Operetten sind, desto mehr eignen sie 
sich offenbar für die Verfilmung. „Der Bettelstudent", „Der 
Orlow", „Die Geliebte seiner Hoheit" — in Schwärmen fallen 
sie über die Zuschauer her, mit ihren leichtsinnigen, aber 
liebenswerten Prinzen, ihren Feenschlössern und faden 
Couplets. Der Plunder, der nach der Revolution in Staub 
zu zerfallen schien, gebärdet sich quicklebendig. Seine Dar 
bietung ist gewöhnlich eine günstige Gelegenheit, auf Wien 
; zurückzugreifen, das die Berliner Fabrikanten ins Herz ge- 
! schloffen babem weil es su den sichersten Oviaten schort. DaS
        <pb n="49" />
        <pb n="50" />
        Zeit hat schließlich die Kriegs montags eine feste Fonn 
angenommen, deren Widerwärtigkeit n^ht zu überbieten ist. 
Wann immer der Krieg auch nur den bejHeidenen Hintergrund 
eines wichtigeren Filmereigniffes bildet, werden in kleinen 
Dosen marschierende Kolonnen, Stacheldrahte und Granats 
emschläge verabreicht. Aus den Schlachten drehen sie Villen, 
DeryeuligeMlmund seinUuölikum 
Von S. Sracauer. 
(Schluß.)») 
Es fehlt nicht an Filmen, die von besserer Art als der 
Durchschnitt zu sein behaupten. Sie stellen bewußt künst 
lerische Ansprüche und werden häufig mit besonderen Auf 
wendungen gedreht. Wenn die in sie gesteckte Summe groß ist 
und eine noch größere aus ihnen herausgeholt werden soll, 
heißen sie Großfilme. 
Zum überwiegenden Teil sind diese Eliteerzeugnisse genau 
ss hoffnungslos erstarrt wie die Produktion, der sie aufgestockt 
sind. Man kann sie unter dem Oberbegriff: „Gehobene 
Spielfilme" zusammenfassen. Mit den üblichen Spiel 
filmen ist ihnen der Grundmangel gemein, daß ste die Wirk 
lichkeit nicht treffen; ein Versagen, das Lei ihnen doppelt ent 
täuscht, weil ste der Wirklichkeit doppelt verpflichtet sind. Vor 
dem Durchschnitt Zeichnen sie sich noch durch einige Verfeh 
lungen aus, die daher rühren, daß auf dem höheren Niveau 
neue wesentliche Gehalte in den Gesichtskreis treten, gegen die 
nun auch gesündigt werden kann. 
In der Regel glauben die Produzenten dem künstlerischen 
Bedürfnis schon Genüge getan zu haben, wenn sie einfach die 
Kolportage zur Spitzenleistung emporschrauben. Als ob 
die Kolportage gerettet werden müßte wie ein gefallenes Mäd 
chen! Aber eben das ist die Meinung der Filmgesellschaften/ 
deren Hebungsversuche wie so oft im Jeden den Wert des 
angeblich Gehobenen nur herabmindern. Die Kolportage ist die 
Projektion großer Gegenstände auf die Ebene der Trivialität. 
Der Widerstreit zwischen Gut und Böse, das Wunderbare, dis 
Versöhnung — viele bedeutende Motive werden von ihr wie 
verzerrt immer dargestellt. Darum haben die hie und da aus 
gezeichnet gemachten Sensationsfilme Harry Piels ihr gutes 
Recht, und gegen nette Hochstaplerstücke wie „Casanovas Erbe" 
wird gewiß nichts einzuwenden sein. Leider erscheinen sie viel 
Zu selten. In dem Drang nach Höherem nämlich bauscht man 
Fabeln dieser Art solange auf, bis sie zu Prunkfilmw wer 
den, die den mit ihnen gesetzten Ansprüchen nicht gewachsen 
sind. Es entstehen kunstvolle SchauergebildL wie der Spione 
Film Längs oder „Die Jacht dsr sieben Sünden". Die Sen-1 
Ä/E nn1)L h in Masten, M/o eru nur unzu 
lässigem Raffinement ausgebaut;" alberne psychologische Be 
gründungen schleichen sich zwischen Begebenheit^ ein, die blank 
nebeneinander gesetzt zu werden verlangen; der -Schein der 
Improvisation wird durch eine Ausstattung aufgehoben, die 
für Galaopern zu pompös und dauerhaft wäre. ES kenn 
zeichnet dis Jnstinktlostgkeit der Filmfabrikanten, daß ste 
gerade das seinem Wesen nach qualitätsfremde Sujet der 
Kolportage in eins Qualitätsware verwandeln wollen. Was 
in Broschürenform atmen kann, wird im Satineinband 
erstickt. (Das stimmt wörtlich; denn bei Gelegenheit 
der Erstaufführung des Films: „Spione" wurde der Kritik 
ein Werk überreicht, das ein Wunder der Buchbindekunst war 
und nichts anderes enthielt als Thea v. Harbous Roman.) Die 
gleiche Schande eines hochherrschaftlichen Arrangements wird 
übrigens auch Stoffep zuteil, die noch nicht einmal Kolportage 
sind, und ebenso Texten, die ursprünglich mehr sind, aber 
offenbar in der Absicht, ste filmreif zu machen, erst zum Nichts 
zerstäubt werden (vergl. den Film: „Die Liebe der Jeanne 
Neh"). 
Da in den oberen Kunstregionen die Tragik beheimatet 
ist, mehren sich die Filme mit schlechtem Ausgang; glauben , 
doch die Produzenten tragisch daher zu kommen, wenn sie auf! 
das übliche stupM enä verzichten. Was ist in ihrem Jargonl 
tragM'? Ein beliebiges Unglück. Sie beschaffen es und machen! 
so mit Kunst ihr Geschäft. In dem Hennh Porten-Film: „Zu 
flucht" findet ein junger Mann, der während der Revolutions- j 
zeit seiner Familie davongelaufen war, schließlich wieder zu - 
ihr zurück und muß ausgerechnet in dem Augenblick sterben, in 
dem alles gut werden könnte. Nichts drangt auf seinen Tod 
hin, die arme Braut war sogar schon von der Familie in 
Gnaden ausgenommen. Wer der Fabrikant bleibt unerbittlich: 
das Publikum verlangt nach Kunst, und gestorben muß sein. 
Dr man das Malheur zugleich als eine Strafe für die revolu- 
! Lionäre Gesinnung des Jünglings auffaffen kann, werden 
überdies zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. — Um ein 
hohes Niveau Zu erzielen, greifen die Hersteller auch mitunter 
Werke auf, deren Gehalt so in der Sprache beschlossen ist, 
daß sie sich gar nicht verfilmen lassen. Nach einer Novelle von 
Leonhard Frank ist jüngst ein Film: „Heimkehr" gedreht wor 
den, dessen Hauptszene die Schranken durchbricht, die dem 
Film gezogen sind. Ein aus dem Krieg heimgekehrtsr Mann 
findet bei der jungen Frau seines Freundes Obdach. Er und 
die FrM.LAeW sich, der Freund ist einstweilen noch ab 
wesend. AusW wird gezeigt, wie sich die Frau in ihrem 
Bett wälzt, und der nur durÄ eine Wand von ihr getrennte 
Mann auf seinem Lager so geKlagt . Beide können 
vor Erregung nicht schlafen. Es geschieht nichts. Wasaver ge 
schieht, ist in der stummen Sprache des Films von einer ' 
i Schamlosigkeit ohnegleichen. Wein das Wort vermag solche i 
Witte zu beschwören —8 es ausdrüÄ, was in der furcht- 
noch das zum Zierat herabtzesnnkene Detä'^ mit 
... Sorgfalt behandelt! Doch «S bleibt in der ReM so 
rüeivaltrgt wie die außerfilmisch« Sisalrtät. Man schlaIN? t. 
Man richtet Straßen her, denen anzwnerlen ist, daß fie nicht 
wEfuhren Man gibt sich damit zufrieden, daß Teilauf- 
w-d GeiamEstcht irgend eines Objekts sich nur ober. 
stachllch entsprechen; daß also etwa eine zuerst in ihrer ganzen 
Ausdehnung gongte bauliche Anlage nicht im geringsten mit 
dem im Atelier errichteten Bruchstück dieser Anlage Merem- 
^r eigentlichen Handlung als Staffage dienen 
Wo- Bilder von Mod^llaoHitEuren und psn wirklichem 
Häusern-einander ablösen, stehen sie gewöhnlich so fremd gegen- 
emander, daß das Modell sofort als Modell kenntlich wird. Die 
Hintergründe undMilieus sind nur allzu oft ungenau. Besonders 
schwindelhaft pflegt im Innern vornehmer Hotels verfahren 
Zu werden; entweder weil man, vielleicht nicht mit Unrecht, 
annimmt, daß dem Publikum diese Interieurs fremd sind, 
oder weih man sie selbst nicht kennt. Kaum der Erwähnung be 
darf dis Liederlichkeit, mit der die Einzelheiten gesellschaft 
licher Arrangements hingesetzt sind. Nicht einmal die Eisen 
bahnabteile dritter Klasse, über die doch jeder Mensch Bescheid 
weiß, werden immer richtig wtede^gegeben. Der Mangel an 
Beobachtungstreue macht sich um so empfindlicher bemerkbar, 
als die PhsLographie im allgemeinen auf 'der Höhe ist. 
Fast scheint es, als verflüchtige sich mit wachsender Vollendung 
der photographischen Technik mehr ruck mehr der Gegenstand, 
den sie anzugreifen hätte. 
Ist das Bildmaterial schlecht und hat sich, schlimmer noch, 
die Filmkomposttion nach einer unfilmischen Handlung Zu rich- 
M, so kann dieMontage im besten Fall eine bloße Fertig 
keit sein. Die Regisseure haben gelernt, wie die Apparate zu 
bergen sind, sie wechseln leidlich geschickt zwischen Großauf- 
naMe, Premierplan und Totale, sie wenden Überblendungen 
an uud suchen optisch zwischen den verschiedenen Szenen Zu 
ve^rntteln. Diese Künste, die den Sinn der Fabel ausdrücken 
und sich mit ihm jeweils wandeln müßten, sind indessen faktisch 
zum äußeren Beiwerk erstarrt. Einige Konfigurationen der 
Montage haben sich im Lauf der Zeit verselbständigt und wer 
den, ob sie nun Passen oder nicht, fühllos sämtlichen Filmen 
aufgezwungen. Wenn es sich um eine Tanzbar handelt, mengen 
sich regelmäßig Srxophonstücke und torkelnde Mustkerrümpfe 
unter die aufgelösten Paare — eine meist plump geschnittene 
stabilisierte Bildsormel für den Pseudorausch des Amüsements. 
Einer hat es einmal so erfahren, und jetzt fahren die anderen 
nach. Auch die Träume Betrunkener oder Sehnsüchtiger sind 
völlig mechanisiert. Neuerdings hat sich eine bestimmte 
Methode des Usbergangs eingebürgert, die bei jeder Geleaen- 
Hl wwoerlehrr. Zar er sich folgende Auftritte, zwischen denen 
keine unmittelbare Beziehung besteht, sollen miteinander ver 
schmolzen werden. In dem ersten möge ein eleganter Herr 
erscheinen, im zweiten eins Zerlumpte Frau. Wie werden die 
^ZLNen verkoppelt? Der Blick wird von der Gesamtstgur des 
Herrn Zu senen HalüschuhLN gelenkt, die sich unmeälich in 
grM Stiefel verwandeln, dsmn die Frau entsteigt. 
Weichen könMn in bestimmten Fallen ihren tzutsn Sinn hüben. 
Wenn sie aber sachlich nichts ausdrücken, sind ste em Wetischer 
Betrug, da sie dann einen ZusammemMtg vortäuschen, der 
nicht Vorhand^ ist. Es kommt auf die Verknüpfung der Ge^ 
halte im optischen Medium an, nicht auf die rein formale 
optiM Verbindung unverknüpfter Moffteik. Seit längerer
        <pb n="51" />
        wässs. 
! ih'/r Wienerin 
&amp;gt; ßesch Ssfilmen w 
umt u 
u nnu d r w Biassdesrem i neeier M st ä u d b 
finden sich in vielen Romanen und Theaterstücken Motive und 
Stoffzellen, denen ein echter Film entwachsen könnte; aber die' 
Produzenten machen sich nicht die Mühe, ihre Originale in 
Der stofflichen Unzulänglichkeit entspricht, wis es nicht 
anders sein kann, die ästhetische. Gleichzeitig mit den verschie 
denen Handlungstypen hat sich eine Konfektionstech 
nik verfestigt, deren sich dis Autoren der Drehbücher, die mehr 
oder weniger routinierten Regisseure und ihre Assistenten fkru- 
pellos bedienen. Man merkt es den Stücken schon von weitein 
«n, daß sie nicht auf Maß gearbeitet sind. Mögen di- Erforder 
nisse des Betriebs zu einer gewissen Schematisierung drängen, 
sie rechtfertigen nicht den niedrigen Stand der VerfahrungS- 
_ , M v" 
Visionen der Schöpfung und oes AnM,, er Menschheit 
verdichtet. Der Ufa genügt die Erläuterung. &amp;gt;es Geschlechts 
lebens nicht, sie muß auch noch träumen und künden wie eine 
Sybille. 
Einstweilen darf festgestellt werden: sämtliche Fabeln 
der Durchschnittsproduktion 'sind bewußte oder unbewußte 
Umgehungsmanöver. Teils entfernen sie sich einfach von 
unserer Wirklichkeit in gleichgültige Weiten, teils richte» 
sie im Interesse, der stabilisierten Gesellschaft Ideologie» 
auf, dir einem Hauptstamm der Kinobesucher, den kleinere« 
ch 
eben betrifft — „So küßt nur eme 
Gut geki ißt wird übrigens auch m gängigen 
„Opfer'' und „Leichte Kavallerie , ve - 
ge» von „Hotel Stadt LemLerg -inMnen 
ihnen neu aufzubauen, sie übersetzen vielmehr die Originale 
Szene für Szene und verändern höchstens dem Publikum zu 
Gefallen die Handlung. Das heißt: der so entstehende Film 
ist die fortlaufende Illustration eines fremden Textes, 
während er selbst dsr zu lesende Text sein sollte. Seine Auf 
tritts folgen sich nach der Anweisung einer Kabel, die un 
abhängig von ihnen verläuft, nicht aber entwickelt sich die 
Fabel nach einem in der Bildfolge beschlossenen Gesetz. Bloß« 
Illustrationen sind auch die üblichen historischen Stücke, Sie 
veranschaulichen Episoden, die noch dazu meist schlecht erzählt 
sind — eine GeschichtskuNde in Bildern, statt daß sich aus den 
Bildern die Geschichte ergäbe. Ueberhaupt teilen nahezu sämt 
liche Filme, die nach einem schon von Anfang an für die 
Leinwand ersonnenen Manuskript gedreht sind, das Los derer, 
die sich auf «ine vorgeformt« Handlung stützen. Ihre Kompo 
sition ist silmwidrig, die Handlung steckt nicht in ihnen, sondern 
steht hinter ihnen und scheint von der Leinwand ablösbar zu 
sein. Sie sind Romanübersetzungen, auch wenn die Romane 
nicht existieren. 
Ein solches Verfahren beraubt zwangsläufig viele De 
tails ihrer Bedeutung, die das tragende Gerüst eines Films 
zu sein hätten.; denn ist sein Fortgang an eine außer ihm 
gelegene Handlung geknüpft, so sind die sie vergegenwärtigen 
den Bildteile nur ein Zubehör. Damit die optische Einzelheit 
die ihr gebührende Funktion erhielte, müßte sie ein wesentliches 
Bestandstück der visuell völlig zu erschöpfenden Handlung sein; 
wie sie es etwa stellenweise in dem Film „Therese Raquin" ist, 
in dem die Kleinbürgerwohnung aus eigener Kraft mitspiclt. 
Dir stabilisiert« Technik macht zwar auch ausgiebig von Autos 
Gebrauch, zeigt bei jeder Reise des Helden das Gestänge der 
V-Zugslokomotioe, läßt Bein« laufen und Wagenräder rollen 
und scheut selbst vor teuren Katastrophen nicht zurück — 
aber alle diese Fragmente haben nur einen ornamentalen 
Sinn, und man könnte sie getrost entbehren, ohne daß der 
Film an Verständlichkeit verlöre. Sehr zum Unterschied vom 
richtigen Film, der sofort unverständlich wird oder doch spür 
bar seine Vollkommenheit einüüßt, wenn ein E^datom aus 
man sie nicht zeigen will, und dis Satire hat einer Ver- 
ulkung Platz gemacht, die streichelt, statt daß sie schlüge. 
Die dokumentarischen Filme haben nicht wie die 
meisten Spielfilme künstliche Szenerien sich gegenüber, sondern 
die Wirklichkeit, die sie erfassen sollen. Man könnte meinen, 
daß sis den Ehrgeiz besäßen, uns die Welt vorzufühten, wis 
sie ist. Genau das Umgekehrte trifft zu. Sie sperren von dem 
Leben ab, das uns einzig angeht, sie überschütten das Publi 
kum mit einer solchen Fülle gleichgültiger Beobachtungen, daß 
es gegen die wichtigen abstumpft. Eines Tages wird es völlig 
erblinden. Die Schiffstaufen, Schadenfeuer, Sportaufnahmen, 
Festzüge, Kinder- und Tieridylle der von den bekannten 
Firmen gemixten Wochenberichte sind zwar vielleicht 
Aktualitäten, aber gewiß keine Ereignisse, bei denen sich 
hundertmal zu verweilen lohnte; um ganz davon zu schweigen, 
daß sich die verschiedenen Motorradrennen zum Verzweifeln 
ähnlich sehen. Die Monotonie dieser Ragouts ist die gerecht« 
' Rache an ihrer Belanglosigkeit, die durch die gedankenleere 
Art, in der sich die einzelnen Bildeinheiten zum Mosaik fügen, 
nur noch gesteigert wird. Drastisch entlarvt worden ist sie von 
dem „Volksverband für Filmkunst", der seinerzeit aus dem 
Material der Bildarchive eine eigene Wochenschau zusammen- 
stellte, die pointierte Inhalte vermittelt«: Auch die üblichen 
Kulturfilme hüten sich ängstlich davor, unserer Kultur 
auf den Leib zu rücken. Lieber schweifen sie zu der fremden: 
zu afrikanischen Völkerstämmen, zu den Sitten und Gebräuchen 
'der Eskimos, zu Schlangen, Käfern und Palmen. Daß einig« 
von ihnen gut gemacht sind, verschlägt weniger als die Tat 
sache, daß sie wie auf Verabredung nahezu alle den dring 
lichsten menschlichen Angelegenheiten aus dem Weg gehen, daß 
sie das Exotische in den Alltag hereinziehen, statt die Exotik 
im Alltäglichen zu suchen. Außerdem sind sie meistens schlecht 
gemacht, ziemlich unsinnig« .Gebilde, die, ohne darum gebeten 
zu sein, einen oberflächlichen JnstruktionLunterricht erteilen, 
den jedes Konversationslexikon besser versieht. Von der Pferde 
zucht bis zur Teppichknüpferei ist kein ausgefallener Gegen 
stand vor ihrer Volksbildung sicher. Am schrecklichsten sind sie, 
wenn sie sich durch poetische Titel einschmeicheln, die mit 
Adjektive nicht knausern. Die Afterpoeste feiert ihren end- 
^ültiaen Triumvb im Uka-Kulturfilm: „Natur und Siebe", 
eingsstreute Schützengräben die Reize privater Liebschaften 
erhöhen sollen. 
Wenn nun doch die Gegenwart dargesiellt wird, so 
entschwindet sie erst recht aus dem Gesichtsfeld. „Selig sind 
die Armen, denn ihrer ist das Himmelreich" — nach diesem 
Wort der Bergpredigt verfährt ein großer Teil der unserer 
Zeit gewidmeten Filme. Sie halten mehr von der Prädesti 
nation als von den Gewerkschaften; jedenfalls wählen sie unter 
den Arbeitern und Angestellten, die sis sich durchweg als 
unorganisiert denken, stets nur den einen oder anderen ver 
einzelten Armen aus, den sie dann selig werden lassen. Das 
ist das Schema der Zille-Filme, die das Angenehme mit 
dem Nützlichen verbinden, indem sie ein Proletariermilieu 
gruselig schildern und zugleich eins Person aus der Hölle er 
retten. Die Wege der Filmherven sind unerforschlich. Auch 
Telephonistinnen, Ladenmädchen und Privatsekretärinnen kön 
nen hoffen, ohne ihren Berufsverband in Anspruch nehmen 
zu müssen, denn nicht nur „Lotte hat ihr Glück gemacht", Lotte, 
die eine einfache Maniküre war, sondern noch manche andere 
Kollegin, der es niemand an der Wiege gesungen hatte. Frei 
lich, hübsch muß man sein. Das Himmelreich, in das diese 
dreimal gesiebten Personen befördert werden, ist die Gesel l- 
schaft. Sie erstrahlt in den herrschenden Filmen so hell wie 
das Paradies auf mittelalterlichen Bildern. Ihre Mitglieder 
Haussieren selbst, leben in Berlin, Paris und an der Riviera, 
treten fast nur im Sportkoftüm oder in großer Abendtoilette 
auf und geraten höchstens einmal in Not, wenn sie sofort 
hinterher eine reiche Heirat brachen. Es geht ihnen von Tag 
zu Tag besser und besser, und nachts tanzen sie in der Bar, 
sitzen am Spieltisch oder brechen beinahe dis Ehe; das heißt, 
sie entkleiden sich allenfalls der Frivolität wegen, und dann 
kommt etwas dazwischen, dieses Mal der Moral wegen, die 
aufrecht erhalten werden muß, weil sonst der Glaube an die 
Gesellschaft zu wanken begänne. Für seine Unerschütterlichkeit 
sorgen die Filme mitunter einfach durch den Nachweis, daß der 
Revueschlager die Musik dieser SphärsRst. Ja, Lotte, die in 
sie einheiratet, hat wirklich ihr Glück gemacht. 
Nicht alle Filme treiben solche Theologie. Es gibt auch 
aufgeklärtere, die dem Geschmack eines mehr intellektuellen 
Publikums entsprechen möchten. Sir setzen halbwegs radikal 
ein, aber ihre Radikalität kehrt sich immer nur gegen die ge- 
stürzt-n Größe» von gsstsr»:. Werde» Zwing Herren bekämpft, 
so. Find es &amp;lt;die Frühkapitalistsn der-,Weber". Eine beliebte 
Zielscheibe des Spotts sind die Untertanen dM Kaisers (z. B. 
M ^Biberpelz"), deren Stelle heute die Lakaien der Geldmacht 
einnehmen, die unbehelligt bleiben. Oder man lächelt (etwa in 
dem Film: „Sechs Mädchen suchen ein Nachtquartier") über 
dir Rückständigkeit der Provinz mit einem reichshauptstädti- 
schen Hochmut, der selbst Provinzlerisch ist. Bezeichnend für die 
ganze Gattung ist die Verzagtheit des Domela-Films. Die 
Saxo-Borussk» sind in ihm unter den Tisch gefallen, unter dem 
Angestellten also, die Aussicht versperren. Diese Ideologien auf 
der Leinwand sind viel verstaubter als manche dreidimensiona 
len, dis im übrigen Deutschland eben Umläufen. Weder eine 
gescheite Verkäuferin noch ein fortschrittlicher Unternehmer 
kann ihnen Glauben schenken. Es wäre zum mindesten an der 
Zeit, daß die Ufa etwas von der Existenz der Asu erführe. 
Aber gerade die Unwissenheit ist bezeichnend für das allgemeine 
Versagen der Filmhersteller angesichts der Realität — ein 
Versagen, das die politische Rückständigkeit ein- 
begveist, ohn« sich in ihr zu erschöpfen. Von ihm zeugen außer 
der bereits genannten Ware die zahlreichen Kompromißsilme, 
die auf Kosten der Wahrscheinlichkeit Feinde und Freunde der 
Republik, Pazifisten und Kriegshetzer anlocken möchten; ferner 
die Konjunktur-Serien, die ein beliebtes Thema — den Zirkus, 
die Pubertätskrisis, das Sexualproblem — nicht um irgend 
einer wahren Aussage willen abhandeln, sondern aus Gründen 
des Geschäfts. Sie alle gestalten nicht das Leben, sis möchten 
«S ausschlachten. Konfusion ist die Folge. Die Art und Weise, 
in der sie mit Gefühlsschablonen hantieren, sucht an Verwor 
renheit ihresgleichen — man rufe sich Filme wie „Charlott 
etwas verrückt" oder „Heut tanzt Mariett'" ins Gedächtnis zu 
rück. Daß sie auch geschmacklos sind, läßt sich vielfach nach 
weisen. So werden, des vermeintlichen Witzes wegen, junge 
mondäne Damen stets mit Stoffpuppen in Großaufnahme 
assoziiert, die als Pendant ihrer Herrin gedacht sind. Oder «s 
werden immer wieder die schlechten Eßmanieren gewöhnlicher 
Leute dar gestellt, über die freilich die gewöhnlichen Leute 
im Zuschauervaum immer wieder lachen, weil sie nicht so essen 
wie jene.
        <pb n="52" />
        Lichtspiele als um 
Eine Frau vor Format. Dieser Film der Bieberb-au- 
tspiele ist Mittlere Unterhaltungsware, nach einer 
die Lpuren seines ganLen vürklieben Lebens eingo 
tragen — es ist sein Leben, mim Monogramm ru- 
sammengekaKt. Ibm gegenüber, das den Orund auk- 
deekt, aus dem das Laeben kommt, v^ird aueb das 
dureb etliebe vorÄtgliebs kbotos vergegenwärtigte 
^ivilgesiebt Obaplins 2ur Maske. Leine Züge sind 
Lart, gütig, bilklos und ebne Alter, doeb trot2 ibrer 
Okkenbeit verraten sie niebts. 
Ls genügt, die LÄdiseitHn 2U durebblättern, um 
so viel von Obaplin LU erkabren, wie nötig ist. Dr 
weiÜ, warum er sein Leben versebweigt. M-as er 
von ibm bsvvabreu will, lebt längst in den kibnen. 
Luerteilen; um ganr davon ab^useben, 
dak auf unseren Lübnen mebr als drei 
8ebönbeiren in engerer ^abl steben. 
Der 8treit, der sicb um ibretdllen oft 
entspinnt, ist darun nicbr weniger bek- 
tig als der in der Antibe. Aber eines darf 
der scbönen 8cbauspielerin unter allen 
Dmstanden Zugute gescbrieben werden: 
dak sie dem kübnendicbter stets Lum 
bleil gereicbt. Ist sein 8tücb gut, so 
gelallt es dank ibrer 8cbönbeir dem 
kublibum nocb besser, 'kaugt es nicbrs, 
so verlockt Lu seinem Lesucb docb die 
LcLönbeir. —er. 
dem --- Fi E lm in : H „ a D rr e y r -Lie m d o tk d e- e F r il n m e . D C e a r s lä a c n he o ln v d a e " H d a e r r ry C b a eg p in i n t t o i l n - 
R un e d vue v - e T r h w e a a n t d er e s lt . s D ics i h e chiwn P ä o r i Bm n et t e e rrlin b M e äi r nd u c h h t deen d ns a c r hB a ue u lsl f e , ithzre d er a r ß eeini d ne e es r r s mK ch ole ü ni c nd h sä te tna r e n dn e t 
Bräutigam zum flotten Lebemann wird. Sowohl das Provinz- 
«- Arkadne in Hoppegartw. Der im GIs ria-DalaW 
zeigte Film ist nach einem jener Romane von Lmrwig Wolfs 
gedreht, die nicht alle werden und sich gleichen wie ein Ei dem 
andern. DaS Ei ist faul, und der Film schmeckt danach. Eine 
alberne Ehegcschich-Le wird mit einer planen Rennschiebung ver 
koppelt, und das Ganze soll eine Handlung sein. Der Regisseur 
Robert Dinesen hat einige DIassenszenen durch Ueberblen- 
düngen geschickt gestaltet, ist aber bei der Auswahl der Schau* 
spie.er schlecht beraten gewesen. Die Heldin Diana Jocobini 
kann noch nicht einmal die Augen richtig aufschlag-en und ist ein 
geradezu quälender Anblick, wenn sie unter Großaufnahme gesetzt 
wird. Auch der Darsteller des Grafen ist falsch am Platz; er soll 
ein anständiger Kerl sein und sieht wie ein glatter Schuft aus« 
Aus dem mittelmäßigen Ensemble ragt nur Alfred Abel heraus: 
schlank, elegisch, verlebt. — Frage: Wann sterben die kurzen ame 
rikanischen Groteskstücke des Beiprogramms aus? Fällig wärm 
ste langst. kaca. . 
Animier-Schlager nicht fehlt. Mady Christians versendet ihr&amp;lt; 
Reize in etwas Zu dicken Büscheln; Hans Thimig ist ab 
tölpelhafte Chargenfigur von strahlender Anmut. Sonst da 
liebliche. Die musckalttche Illustration ist gut. Laca. 
Lcböne Lcbsuspielermnen 
O8car Blicke bar ^a^r, 6ak die Narur 8rck 
oacb den Lildern ricbre, cke von ibr Zemalr wer 
den. Vorbildbafr v-'ie die Oemalde sind die 8cLau- 
spielerinnen; denn die Arr ibrer 8cbönbeir be- 
srirnrnr die vieler krauen auf der 8trake und in 
den 8alon8. 80 kalben Tausende von jungen bdad- 
cben unwiLLürlicb oder mir Al)8icbr die klaar- 
rracbr und überbaupr die ankere krscbeinunA 
der Ler^ner angenommen. Ikren Lübnenbelden 
Leren sie an, die seköne Darstellerin abrnen sie 
nacb. 2um OlücL §rebr in unseren Lbearern, 
^vie sekon die paar Abbildungen Zeigen, eine 
reiebe NIn8rerLoIIeLrion von Lcbönbeiren ru 
Oebot. b/lan braucbr nur ^urugreiken, Lein 
krauenr^P lrommr Lu Lnrr. werden Blondinen 
bevorzugt? Litte, bedienen 8ie sicb. Aueb die 
Lcbwarren und werben sind rur 8re!Ie, die Oirl- 
krguren und die erblübten Oestalten. Am mei 
sten ^u bewundern sind unstreitig jene, die niebt 
eigentlicb sebön sind, aber dureb Oesebicb und 
sogar in seltenen källen dureb Oeist sicb ein 
Ausseben ru verleiben wissen, das beinabe nocb 
reizvoller ist als die bloLe 8cbönbeir. Alan ver 
giLt abru baukig, dak niebt nur Banner ibre 
kdaKIiebbeit adeln bann, sondern aueb krauen. 
Docb liegt es uns fern, rviseben den vielen ^lög- 
liebbeiten der 8ebönbeir 2u enrsebeiden und ^vie 
Baris den goldenen Apfel einer Oörrin nur rn- 
k r iek Lurg 6 r stobt. in soiuom Duob: 0 b ar- 
lib Okapi in. Loriekt seines Lebens (mit 121 
Abb.Lsrlin', Dndolt Glosse Lnekverlag. 143 8. Oek. 
6.50) eine Nen^e bio^rapkiseker MokrioktAn 
Wer Obapliu xusammou, kür deren NitteilunZ man 
ibm MnWnr sein innß. Denn das Dasein dessen, 
den dle ZanLs IVelt Lennt, ist noek so Zut v^is un- 
kekAnnt. kr koll es init Vorsatz ini Dunkel, lnsssn, 
vnrd küuilA er^ülilt. Irnrnerkin sind innneke kruek^ 
ktüelcs gb^ttet worden, v/enn nuek der ^uVNininen- 
lianZ noek nielU kreiliegt. Ueber die künnnerlieke 
duZend in London werden veikür§4s Anekdoten 
kolportiert; die OeLtalt der Nutter tritt liervor; 
die Ltnpxen des Anstiegs, der vom Lakarett Lur 
LWne,und endliok 2uin kilin külirt, Inssen siek init 
einiger Lestinnntkeit verkolZen. !n den Anfängen 
«ekeint es, als sei die kigur Okuplins aus den 
Roinanen von Diokens geseköpkt. IVunderkar ist, 
dnü die Kinder Zuerst seine kilnis bejubelt knben. 
de weiter die Lnt^ieklung kortsebreitet, desto Lnbl- 
reiober werden die äuÜeren Angaben, Wer das 
private Leben bleibt den Neugierigen so verseblos- 
Lpn ^vie der kalast auk Leverlv Dills. Doto be^nebt 
ibn, der jÄMniseks Lannnerdiener, den die kainn 
unlieb t. 
Nebr als der notgedrungen dürktigs lext be- 
riebten die Bilder. »Leber bundert^anLig gut ge 
lungene Abbildungen sind dein Lueb 'beigegeben. 8ie 
beben bei den krüben kilinen an und reieben bis 
M jener LcbluÜSLens des ^irkuL-kilms, in der 
ObnMn, nuk dein 8tein sitsend^ ein verlier nie ge- 
Leigtes Oesiebt entbüllt. In dieses vergrämte Oe- 
idyll wie das Berliner Nachtmilieu sind grobe Klischees; man hat 
es noch nicht einmal nötig befunden, die Kleinstadtkulissen so sorg 
fältig ausbubauem daß wenigstens der Schein der Wirklichkeit ent ¬ 
steht. Außer dem fragwürdigen, wenn auch keineswegs Problem«*. 
Lischen Hewen wirken u, a. noch Hermann Pich«, TruuS v. 
Alten und Otto Wailburg mit. !^ca. A
        <pb n="53" />
        bat 
^nmouÄ kielt 
rankfmt. 
e am Sonntag i 
rtschen Mittelgen 
aerts. Domgörgei 
den deutschen B 
Hände voll zu tun. 
„Kinder, rw-^ 
rfs ist. O . hne Polize , i kann der moderne L .1 
n o m nd e e n r . n E to r de m rn u s ß t s e ie m h e a in b t en U . n D d as er i a s d t e du a r m ch S a o u n s nt n « i 
e Leute faulenz g en müs . sen b g at 
Ungarische Rhapsodie. Von Honvedhusaren urid Pußta ist 
dieser in den Ufa - Lichtspielen gezeigte Großfilm Voll. 
Auch die übrigen ungarischen Requisiten — Czavdas, Zigeuner 
primas, besonders heißblütige Liebe und Erntefest—- werden sämt 
lich in ihm verwandt. Schwül ist schon kein Ausdruck mehr für 
die Stimmung, und der Himmel ist wirklich mit Geigen bedeckt. 
--Hei, das geht toll her: Eifersucht wütet, ein treues Mädchenherz 
opfert sich, der sittenstrenge Vater schnaubt wie die Rosse, die 
schönen Uniformen blinken, der Mond scheint extra poetisch, und 
Gott ist in Ungarn geboren. Gibt man das operettenhaste Lokal 
kolorit vor, so muß man die geschickte Mache anerkennen. Hanus 
Schwarz hat die Bilder gut aufgebaut, und hie und da eine 
reizende Einzelheit eing-flochten. So steht die Landschaft hell gegen 
den Himmel, das Getreide wogt glaubhaft, und bei dem Ernte 
Gottesdienst machen die geputzten Bauern famose Photogravhier- 
§esichter. Willy Fritsch als Hauptleutnant ist auf eine Weise 
losch, deren TlMtralik der Wirklichkeit vermutlich nahe kommr. 
Es gibt ja auch Sonnenuntergänge, die blutiger als Oeldrucke sind. 
Seine Gegensvielerin Dita Parlo ist ein recht liebes blondes 
Mädchen. Lil Dagover wird unter den Händen des fähigen Re- 
gifseArs wieder einmal zu der Schönheit, die sie ist. Wenn sie nur 
nicht immer ein Löckchen über die Stirn wehen lassen wollte, 
um Erotik anßudeuten. Der leider zu früh verstorbene Erich 
Kaiser - Tietz, ein ausgezeichneter Filmschauspieler, stellt 
einen Generalfeldmarschall-Leu^ so überzeugend auf die Beine, 
daß man ihm sogar den langen Titel glaubt. Schließlich wäre 
noch der Zigeunerprimas Andor Heltais Zu erwähnen, der ein 
waschechtes Landesprodukt ist. — Der Film wird unter Mitwirkung 
des Mariza-Primas Kardos Sandor und seiner Mag- 
natenka pelle aufgeführt, Musikern, denen im Verlauf der 
Darbietung einige schöne ungarische Melodien Zu danken sind. Auch 
sEis emMÜM. 8is drin! 
üüälieüe Ooletto nä ß er, wie sis 
5amm68 in seinem ^ued^ort LU äem 
Lued sediläert; nüder ^'eus Ooietts 
rmissanes cku idrem letLten ^Vork, 
von äer daoodiFoden b'ÜHs idrss diiedi
        <pb n="54" />
        ^opfspru^F des FAts-r Doktors. 
f^.W DoftiM.' Doktor DMMes Tierope?.) 
LtziZpisI äsr Dunä 7!p seinss dsrüdwisn 6s- 
ruoksmns WGZSN von yioor Darkümkirrna als 
Kaokv6rMpäiA6r konsultiort. — Da^ Duok srü- 
kalt wieäsr eins Tülls rei^enöor LAMs; maZ 
auok ssinb Handlung sodleppsodor sein als dlo 
äss voriZsri L^odss. Isäsr M Am ist dorr 
LAäbrn kaßbar, und vibllsicbt kasssn m^oiio Dr- 
wavkssny unter der OberklLodG dio Latirb. Vs- 
dürknisIoL, uMeldisüIl und LnZonekm komiseü 
sandelt Doktor OoNLls unter ssinsn dokutL- 
dekotilenHN, tut wyMA und tut äooü alles. Ds wärtz 
Liirsulieü, wenn er Lied viele Heiden ersoklöss^. 
über äaZ der Hers naM. tür rnoonto sie 
vor allen ^Vider^Lrti^e^ dbküieQ und Anen 
xu den kieloben beollten wie den Nenbollen ver- 
kellen. Darum plant er die Medersollrikt emes 
Vi^rks, das den Tiisl: „6roke Tiere des neun- 
wdnten labrkuuüsrts" tragen soll, darum ks- 
seklipkt er in seinem 6eist, eine Tieroper auLu- 
Mllren. Von ikr ksnäelt äoL vorliegende Vuok, 
üas ^ewiß eines der sodonsien WsAuaoktsZs- 
Zodend-e kür die luMnä ist, DipinsIIa, so deM 
6A Lanariendenne, die den Doktor LU seinem 
Lntsodluh anreZt. 8ie ist eine groüe Küngsrin 
und dat überdies ein vreodsÄreiodes Teben dinier 
sied, üa^ip der Tat einen praedtig-en Opsrnstokk 
adLUgeden vermag, ^.der können denn woid- 
licke Kanarienvogel üderdaupt singen? werden 
As Unkundigen kragen. Mtürliod können sis, er 
klärt kipinella dem Doktor, sie dürken es nur 
niedt, weil das Liegen von altersder in der 
Kanarionwelt ein Drivilsg der Mnner ist. Die 
Künstierin wäre keine Trauenreedtlerin, wenn 
sie g^gen das dlerkommen niedt Lturm lieke. 
?m ÜtzsÄL eines soieden KtarZ kann der Doktor 
wod! ^mn-S Oper riskieren. Nit DnterstütLUNF 
seines tIerisoden Hausstands und seines ges-am- 
ton ^lrkuspersonalZ — er ist dekanntdod auerd 
2irkusäirektor besiegt er Kodwierigkeiten, von 
denen sied gewödndode yperpintendanten niodts 
1 räumen lassen. Oder dätten sie ze mit so ab- 
sonderdeden Nusikinstrumenten wie einer Mk- 
masodme, einem Rasiermesser und einem 
Lodusterlsisren Lu rsednen? Lesteden idre Odöre 
etwa aus Delikanen? Das Magnis gelingt. 6anL 
dondon gerät dured die Oper in ^ukrudr, und 
Tagsnim gratuliert dem Doktor persönlied. Der 
dat niedts Eiligeres ^u tun, als die mitwirkendsn 
Tiersolisten am Oewinp su deteiligen, ^.uod 
sonst erökknen sied Anen übrigens dank der 
Oper maneds Umnadmepuellen« 8o wird sum 
DÄ PrirrMiu wid der Narr. Dieser Film des Luna. 
^»alasts ein fmnzöstsches Auber-Fabrikat, wandelt wieder ein 
mal das TherM^ ab§ daß Narren und Könige viel mi-tLmandLr 
ugnemd egmew h aah b retn , sic ^ hr ^ ?e§sMg M licah l gDea l asngb t eses i nere N Laorsr aH u a f t d setnMc B ha lk daenr th ercshnte 
g g. 
Konrg gezogen, der seinen Doppelgänger ruhig regieren läßt und 
pch derweilen I^nes Lebens als Privatmann in der Schweiz 
AAuü Luch Mcis daS gelobte Land aller Emigranten, taucht 
natürlich aus. Die Philosophie steckt leider mehr in den Texten 
L" übrigen wird «in großer Aufwand an 
^chloßgemachern, Ma^erinnsten und Volksmengen getrieben. Aus 
.Ä mag wer will, die Lehre ziehen, daß eS besser ist, ein 
ern acher Clown rn Par.s zu sein als ein König irgendwo im 
,, «oor. 
/ip und Dsö-Dsö mae § -r Mit DolLttls 
L orrversarLon. 
LoftiM: Doktor Do^itties Tierover.) 
NOUt'Q^ Dr-rLLtlS8 Torr UA§K 
DofeLrr^. liiMtriert rom ^utor, ZsrerktiM 
DsöerrraMM rou §. D. LoLiffer. Jerliu-Dru- 
ASWaich lViilisms &amp;lt;O Do. LW Aeiks^ 6sö. 
«K 6.W. 
Der gute Doktor Dolittle ist, wie man aus 
drei vorangegangenen DLndsn weA, niedt nur 
ein Draedtexemplar von Nensod, sondern auch 
ein bedeutender Raturkorsoder, der die Lpraeben 
sLmtliodsr Tiergattuugsn bekerrsedi. 8tatt die 
Am v erd ebene Habe Lu seinem Vorteil aEu- 
nutLen, sinnt er im Oegenteü Tag und Modi 
Z« U«rech1 vergesse». 
AKUKsKS't KiKs : „K ei.Os L N- 
reiek" L Dertkoid, OrrMmr'tse/rMr) ist 
ckis sskr MsrkwÄrdiFs ZegsARUM smes UeNsskeR mit 
sirrer D^KLisekKft. Dts ÄösrE mit DokU- 
MöMßM dsr 6eZsNekts -Rmi LMlsiM ArSprÄKMske 
^atAr, Ms ÄKUsrt,- DriK-derAM u-rd dosk 6sFsawÄrt,- 
si-r ^USKMmeKtreffsK des KE-rs 7mt döM.Vordem Ikr 
Dopz-siAMger ist dsrZstrMkrsr, Dsram ks-r-r L-r diesem 
si?rßK ASÄskeksK, VW' -soMt mekt leiskt möMsk 
WZrs: der ^Ntor dArek die öloFs /iKSVMMir/M 
seir?er MrsAMeksK ImPreSsioKSN ZU MitigeK -.dTsssgen 
AsiiKKFt. ÄKUS§KSt6M Zekweift d^rsk dss Gebiet, U-rd 
irrdem er «m Zirck öiiokr, KtimmAKAerL ASökAiöt A-rd 
roK ^Mle-r srek leiten id/kt, Stellt dos D«Kd selbst 
siek dsr. Lr LZ t dss I/Md. Ztddte rmd ^Lspekte Look- 
K6R ikm so M-LL iKM, ds.6 der M-rdruek, dßK er roa 
rkke-r EpfdMt, ikr ^UsdrAsk ist» ,Mels-rekoiis irr 
dDiAK0A" kßi^t em ^.öseMitt« Dr ikm wird eiR 
sekreeLireker ^r6« össeknebsN, dsr Sorrserr- 
steiK gisiek -me/r seirrer ^RkArrft m ^4riM0K 
keimsAekt. Dsr mr/Fts sisk KN dieser 
Ltdtts sreigMrr, dirrek ikK - sKrrskt die Ztsd! 
srr dem TrSrrmenden. Oder UiZAserrsteM besAekt m 
Torrkorr siK frsA^ösisekss TromK^tkerrter^ sr über- 
sskiZAt dss Kid, AKd sia die §UMM6 rossker IL-- 
oösektUMM srAibt mek rkm sm U-rerkort derrtiisker 
IsAriff rorr dem Mestsr der frsWLSsiseksK DroriKs. 
Ko bro^ekt er, dsAl? der ssitssmen MesEFlsiekkeit 
Lwrsekea Dersorr and Z^obe, nar frei Lrr spa^rere-r, um i 
de-r (?6g6UStttA.d ^A FSMAKeR, ?mr ,,Iek" L-L SSFSK/ AM 
T-WSuch eines 
Schünzel-Film der Alem a n n i 
^&amp;lt;ungg«Menwohnun- eines verreisten Diplomaten begeben sich 
unabsehbare Verwechslungen, die alle eine erotisch« Pointe hoben, 
der unter allen Umständen ein« sympathische 
Volkssrgur sein möchte, tritt als Einbrecher, Diener und Lieb ¬ 
. Haber wider Will«« amf. Wi-M besser stünden ihm di- Verführer. 
r«»n, bn denen er fnlher Mnzie! Der glatte Anton Point« er 
und der ge Weckte Älbert Paulig sind noch mit von der Partie. 
Das GmiM ist aucy reMmZHig dre übliche LnrchschnittSmache. 
R L c A. 
MLLer der Nscht. Der im Gloris-PalGst gezeigte Mm 
ist spannende Kolportage, die nicht mehr sein wiL; waS ihr zuM 
Vorteil ausschlägt. Ort der Handlung: Marseille. Verarbeitet 
worden ist eine Art von ^NäuLer"-Srosf: der böse Bruder um 
schmeichelt den Vater, der gute Bruder führt Lm Hafenviertel NA 
ausschweifendes Leben, Ihn liebt natürlich das Mädchen, das such 
öer andre möchte. Nach lausend Verwicklungen siegt die Wahrheit- 
kommt der' .Heuchler ZU Fall.' — Max ReichmanK , der Re 
gisseur, Zeigt wieder einmal, wi-e begabt er ist. (Schade, daß er 
nach Hollywood gebti) Er hat den SLierkampf zu Anfang mit 
außerordentlichem Geschick geschnitten. Die unfilmische Fabel 
nötigt,ihn natürlich Zu gewaltigen Sprüngen, aber als Illustrator 
wenigstens bewährt er sich hie? und dort. Und dann: er kennt l^S 
Milieu" weiß wirklich wie es im Lumpenproletariat aussieht« 
Darum darf man seiner Typenwahl und seinem Aufbau dir 
Situationen vertrauen; während man bei der Mehrzahl der 
übrigen RegissLure von Szene zu Szene vor neuen Unwahrscheirp» 
lichkeiten zittern mußz. Scheinbar hat er wenig Geldmittel zur Äer- 
sügung gehabt; denn Marseille erscheint zwar ein paarmal flüchtig 
im ganzen und' im Ausschnitt, aber allzu viele Gassen sind doch 
Ateliermache, und nicht einmal sehr gute. Diete rle, der Spich- 
geselle des guten Bruders und der ungekrönte Mnig der Hafeik 
MartierK, ist ein sympathischer Rowdy mit waschechten Gebärden« 
Eschau, schau, der Diekrle ^ er geht also nicht nur mit HMgeT 
um, sondern kann auch ganz anders. Eine ausgezeichnete Dirnen-^ 
figur ist Edith Mein hardt; der Kopf vornübergemigt, der 
Ausdruck von tierischer Stumpfheit. DaS Brüderpaar wird durch 
den glatten Georges Charlia und durch I. Kswal-Gsm« 
b o r s? i verkörpert, der sich als gute und brauchbare Kraft erweist. 
Erwähnt sei schließlich noch der famose Lumpenkerl Raimond- 
van R iel S. 1^' r- . p « §
        <pb n="55" />
        Osds sem ^irä. NüM ss äsr m Osukssülanä läLK»^ 
niekt xsnuK M^üräiKtsn «roLsn 8ekrikt8tsi!srin nsus 
^rsunäs rurMrsn. i^LLKt nur Lkrs Lxistenr steift 
mit äisssn Lrisksn aus äsm Orab, sonäsrn auek äas 
Nüneksn von einst unä sin Lrms von ?6rsonen. äer 
Lu äsn kisisstsn äer VorkrieKSLeit Mkörts. 
Narseiüe 
In äie; 8taät LUi'üok, äor droite ^aeimritta^ 
äröimte. Kr stie^ äie steile ^reppo kinan, äw 
xu äem kook^ele^enen ?unkt Mimte, von äem 
aus äas Viertel siek sum klaken keralrsenkte. Die 
Dreppe kin^ an einer Amkassun^smauer, äie sie 
erstiokte. Oinster empkanä äie eigene Oe^envvart 
niekt, so kerausekt war er von äen 8ekätren, 
äie ikn umxaken. 8ie kestanäen aus ^likällen, 
Wäsekestüeken unä vreek. 8onne erfüllte äie 
blökten unä Kekläueke, eine Nielitun^ su kinäen, 
war unmÖ^liek. 8ekrä^ ko^enkormix in äen l^in- 
Lreweiäen ^ewülät. ^InLäkli^e Xinäer unä lvatren 
(quollen in einem kokartixen 8trrikeken aus äen 
^klasterritren, kroeken äurek Wanäe, sekrien, 
vermisekteli siek. Xieine Kumpenkünäel, einige 
keken einen ?apierkakn in äem Rinnsal kinak- 
treiken, äas äie Ritte äes 8trälzekens äurekklok. 
Der Xakn Ler^inK bereits, seine keuekten Ran- 
äer lebten siek auseinanäer. 8o lautlos ver- 
sprükten in äer Dorne Raketen. Ls rieselte üker 
alle Dreppeken unä 8ekrä^en. Die Zekmutrkäeke 
münäeten in einen Rensekenstrom, äer sielr in 
seinem en^en Rett kortwükrenä staute, Lurüek- 
wälLte, ärekte unä sekwerklüssi^ weiter rann. 
Dr kroäelte an Oemüsekuekten unä Droäeiketlern 
vorder, eine emsige 8eklammas.se, ikr Deruek 
vermengte siek mit äem äer Riseke, unä roke 
Rleisekkeulen äonnerten von äen Rkern lrer üder 
sie W6A. Runäes Feldes Ronnenliekt umarmte 
manekmal Oesiekter unä ' 2eu^, malte äie 
Rleeken in einem Xellnersmokin^ sor^kälti^ aus. 
Hinter äem Kellner, äer auk einer Dreppenstuke 
saK, kräuselten siek unäeutliek ^kantkusdlätter, 
äas Raus war ein altes RatriLier^edäuäe. ^etst 
sekütLten seine ^esekweikten Rensterrätter keine 
Reiektümer mekr, unä äie einst so vornekme 
Rassaäe wueks mit äen V^anäen äes denaek- 
darten Raus^esinäels ru einem ununtersekieäe- 
nen Risekmasek Lusammen. Döelier an Doeker, 
okt keklten äie Rekeiden. Der Rriektraxer kat es 
kier sekwer, krokloekte Oinster im stillen, ^.n 
einer 8telle war eine 8ekluekt ausxekressen, äie 
äas Oerippe äer Däuser kreilexte. In ikrem 
Dunkel lagerte ein Rauken von Ralken, Daek- 
teilen, Rauerdroeken unä Riesen. Vielleiekt wäre 
äer unverstänälieke Knauel mit einem 8ek!a^ ru 
entwirren gewesen unä kätte äann kerrliek rre- 
straklt. ^us äem Roman „Oinster". 
! RsektLeitisl ru HVeiknaekten ist äsr Lanä: 
6-/2kin ?ranLrsLa ru Rs- 
v e n t! o ersekienmr (kerauZMMdeu von LIss 
ttsvsntlo^ Uit visr Vääbei^Mn. Mnekem ^ikert 
I^LNMN. 2^9 8sitsn. Osd. 6.50). Ourek äen .^d- 
arueL eines sekönen LrisAs in unserem Feuilleton! 
kaben ^ir dereits auk äas Luek aukmerksam Mmaekt, ! 
äas allen Verekrern äer Reventlo^ eine EkommE ' 
Dio ktsrarisok iabsrosLiortHa LrsiZe DeutsMaaäZ 
EE äer vsutsoLsn Vorla^s^ustalt. 8tuttMrt 
lbsrlm unä I^wÄx) Dank ^S86a kür äis LsrauZLadv 
äss sekmLloQ Lauäos: ..la^obuekäork'Llsek- 
von ^näro OLäs (92 8sitsv. Osd. 
bräivLuä LLrtsdopk, äsr LU8M2sieü- 
usts IIsbsrsstMr äsr .^^ssümünxsr" ÜLt sied Lusü 
äisssr Prosits- uuä 8kuäisiiIisktH^ 3.v^siioiQm.6Q. 8is 
o^-Ä „ rnnnsüs Ko8td3,r6 LsmsrLun^ üdsr ä^F 
sekrMstslItzrissks Länä^srk unä Aus uirssüslndLrsn 
^ÜLQOINSQS. äis un LLt8tsduQMpro26Ü eiLSL Lullst- 
nsrks von LsäsutuiiK sinä. 1 
« Frsu Sorge. Nach dem der vorigen Generation Wohlver 
trauten Roman Sudermannsist dieser Film des Gloria. 
^Zbdreht. Die Handlung, die der Zeit des Naturalismus 
angehort ist schwerblütig und erdhaft: Niedergang Uner ostdeut 
schen Gutsfamrlle, Befangenheit der Menschen in starren Verbält- 
"nd das Walten des unabwendbaren Schicksals. Inzwischen 
ist dre Welt gesprengt worden, das Schicksal von den Einzel 
personen aögeruckt und die Innerlichkeit vertrieben... Robert 
ReglsseurhatdaS düstere Lokalkolorit verständnisvoll 
gestaltet Er breitet Nebeltöne aus, laßt eine trostlose schnür- 
gerade Landstraße Mitwirken und zeigt Milieus, die durch ihre 
ist um so anerkennenswerter, als 
heute nicht eben hausla geübt wird. Freilich ist ihm nickt 
und konnte rtzm wohl auch nicht gelingen — die 
duchMel in ernen echten Film zu verwandeln. Die im Roman 
uner.atzlrchen epischen Schilderungen werden auf der Leinwand 
Kt uno die Zuständlichkeiten er'cheinen 
mcht wtten als blsst. Langen So wäre es überflüssig gewesen, 
Mehhofers Zu dem kleinen Bauernhof nr ver- 
ängstliche Kleben an der Vorlage 
sind andererseits dre Notwendigkeiten der Bildüöergänqe v^äumt 
^or^en. und es entstehen ^.rj Sprünge, wo der Tert einheitlich 
werter streßt. Ein Frlm, der ergcntkich kein Film ist, sondern eim 
Rsmanuber^tzuna nut rhren üblichen Mängeln. Kortner gibt 
den alten Mehyofer mit unheimlicher Phant-astik, wenn auch ein 
wenig zu grob im Zuschnitt; so schwingt er das Stückchen zu ott 
,um Anchcn innerer Err-gth-ti Mary Carr ist k°tmrt Kmu 
Srau, mit einem MutterausdruS. der seiner 
»umal am Anfang verstimmt. Wenn srSter 
um sie häuft und auch bei ikren GS'^en im 
Kvepotthutchen wrrkt ste j-hr echt. Der Sobn Mi 
D - k M et - enrl ' ess M^ ist U im GesichLsichni d tt i e d T enonc ht deorch t rez f u f eng d eb h il i dne / tesu t ncd ^! 
- M-nsM^U die Tochter treffend hin/estc^! 
Stegen l-E ?^u F-lm an'ehen. Er hat zumal an den 
heEfke^ " "" ^^uerung an vergilbte Phet». 
Kapellmeister Meletta hat ihn musikalisch sicher illustriert- 
-—Raca. 
W» Die gestörte Hochzeitsreise. Monty B-anks- bisher 
nur als Held kleiner Grotesken beknnnl, stellt sich in diesem Film 
der Ufa-Lichtspiele M Mittelpunkt einer achtaktigen 
Handlung vor- Der Mittelpunkt ist klein, dumm und sehr ge 
lenkig. Ihn omkreist das schon häufig abgewandelte Lustspiel- 
Lh-ema, daß die Schwiegermutter sich mit auf die Hochzeitsreise 
Legibt. Monty möchte sie auf tausend Arten loswerden, doch auf 
taufend Arten werden seine Flitterwochennächte gestört. Der 
Witz beruht auf Roheit aber die Zufälle und Kampfmethoden sind 
wenigstens mit Mumtesfe ausgearbeitet Sehr hübsch sind einige 
Pariser Szenen, in denen die Manieren ungebildeter Amerikaner 
leicht travestiert werden. Ein gleiches gilt für die Londoner 
Visite, die sich noch dazu durch sehr schöne und selten gesehene 
Nebelbilder auszeichnet Muß gesagt werden, daß das böse alte 
Weib Zuletzt die geplagten Beiden ihren Zärtlichkeiten überläßt? &amp;gt; 
Das Ämze ist Hausmannskost, eine lange Kette derber Clowne 
rien, die einen Vergleich mit den zarten Absurditäten Buster 
Keatons etwa nicht dulden. Kapellmeister Pflug mach er hat 
den Film Wirkungsvoll illustriert. R.aca. 
ckr'e Orte rkrer Kt^mm/reLL 2m kookerr. Die ?iatarre-r- ! 
«rieen ro-r ^4Lv u-rck Orange r^msc^em ieibkafr L-r ckresem 
öuek, ckie ^Lröerr cler' ^roveiree -Ecken benannt, nnck 
i/rrs ?/amen'sinck ein cks?r 8rnnsn fa/lbares l/snekten. 
l/nanfkSrttek MeLt nnck strömt ckr'e KekttckernnA.- rion 
/Catkeckrnien 2N F'rKnen, yon cker ^erAangenkerk ins 
/et2t, rom Mttsg in cken .&amp;gt;4benck Lrnern. ^4ber rkr 
nbersekroemmt nickt ckre Mnsekkeit, sonck^rn ckns Mn- 
seine stekt, E-^ckerbar genM, Aenan an cker ikm 2N- 
kommencke-r Ltette in cier ftte/fsnckerL l^irkttekkeit. Fs 
Lebt siek nnveereeekseibor ab nnck Kat 7er'i am Aeieb- 
ten 6an2sn cker AsAenck nnck ikrss Resekaners, ckie 
beicks miteinancker rersekmeiLen. Mrs /rett nnck ein- 
mair'F stekt cker I'ont ckn (?arck eoem Forrsont: „§r 
ist ein Mema,- es beckarf keiner Variationen. §r ist 
ein 8atL — niekt eine ^krase, keine manißre cke ckire". 
IVie ist mit cksm äats: „Vietteiekt kaben ckiese! 
Rinmen in cker ^Lke anek Lernen 6^ernek" ckas ^stern- 
öukett in ckem kieirren Asstanrant sn I/Z/on Aekenn-? 
seieknet. Soieker Steckbriefe srnck EL/rttge in cksm 
^nek, nnck ebenso sakirsr'ek sinck ckie fliiekti^en Ob- 
/ekte, über äie sie ansAsfertiAt ^ercken. Mrnntsr sr- 
er'Anet siek Aar nock ckas t/ns^eaetste, cka/? ckse notierte 
(rSASlistanck über ^eit nnck ckianm binM/s Lnr Gestalt 
a^rreSekst, ckie eine ron ibrer lokalen Erstens nnab- 
KSnMe SscksutnnA kat. /n cke?n sekS'nsn Stiiek.- „Das 
//orts van 6oAks" stroa reercken ckis ^srtensPieisr ra 
^n kickseksrn a?n Lrens. ^ober rSbrt es, cka- äissss 
^erks mrr noek seiterr Aeckaekt «oirckk ^er äie ?ro- 
nenee kennt, cksm Ekt sie Mreb cka.§ Lnek in Ane 
L'erne, in rier er sie erst sn erbiieken vermag. l/nck 
sie niebt kennt, cksm Kommt sie cknrek ckie Lek^ 
tiire so naks, cka/? er sie greifen können gianbk. 
Knaeansr.
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        knksustt (80?) 
2008 
LÄrsmpp^ 
össtsneksskMung
        <pb n="57" />
        5wc^ -L&amp;gt;. 75Z
        <pb n="58" />
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
